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Peter Burg Werke

Differten

Orts-Chronik. I. Band

Verfasser: Lehrer Falk, Prümm und Groß

<Adolf Groß>

Teil: Orts-Chronik

Differten ist heute ein Dorf, das ungefähr 1500 Einwohner zählt. Letzte Zählung 1497 Einwohner, 1890 1358 E. Zunahme also 139 Personen oder fast 10 Prozent. Die meisten Bewohner sind Bergleute, durchgehend fleißig und sparsam, so daß sich der Wohlstand ersichtlich mehrt. Einen Beleg zu dieser Behauptung bilden die stets steigenden u. zahlreicher werdenden Einlagen in die Sparkassen. (Bisten u. Saarlouis). Darum hat sich auch der Ruf des Dorfes gegen früher ganz bedeutend gebessert und man kann getrost sagen, daß sich Differten in bezug auf Fleiß, Wohlhabenheit, Wohlanständigkeit seiner Bewohner hinter andere Orte des Inudstriebezirks nicht zuürckzustellen braucht. Dieses Aufblühen des Ortes mag verschiedene Gründe haben. 1. Es sind an 200 Bergleute hier, die einen durchschnittl. Schichtlohn von 4 Mark. haben. Schlepper verdienen 2-3 Mark. Dazu haben fast alle Familien ihr eigenes Haus, Garten, etwas Land u. 1 oder zwei Kühe, daneben wird mit Erfolg Schweinezucht betrieben. Zufluß von außen findet nicht statt, da die sogenannten Kolonisten sich an den Gruben- und Fabrikorten ansiedeln. (Es ist das für die Reinhaltung des Dorfes von unsauberen Elementen von großer Wichtigkeit). Darum herrscht überall im Orte ein bescheidener Wohlstand. In früherer Zeit sollen (wohl wegen der Nähe des Wassers hier viele Besenbinder gewesen sein. Gegenwärtig beschäftigen sich mit diesem Industriezweig nur noch 2 Familien. Mit dem steigenden Wohlstande hält auch die Verschönerung / des Ortes gleichen Schritt. Für die Verbesserung der Wege, die früher in einem unbeschreibl. Zustande waren, haben besonders die beiden letzten Vorsteher gewirkt. (Michel Heß und Jacob Spengler). Wichtig ist in dieser Hinsicht auch der Bau einer Bahn durch das Bistthal geworden. In folge dessen wurde der Weg von der Saahr nach dem Dorfe erst gebaut (3 Brücken), während sonst ein fast unpassierbarer Weg (über den Bach führte ein Steg) den Verkehr zwischen hüben u. drüben vermittelte. Der Ortsweg selbst war so grundlos und schmutzig, daß die Fußgänger bis an die Knöchel versanken und beladene Wagen kaum vorwärts zu bringen waren.

An Neubauten von Häusern sind in der Zeit von 1890 – 1896 etwa 40-42 aufgeführt worden, dazu ungefähr 12 größere Umbauten. Besonders wichtig für die Verschönerung des Ortes ist der Neubau der Pfarrkirche geworden, deren Erbauung für die 1800 Seelen zählende Pfarrgemeinde ein unabweisbares Bedürfnis war. Baumeister war Hr. Architect Hector aus Roden, Bauunternehmer Hr. Strauß aus Merzig, Bauzeit von Nachsommer 1891 – Frühjahr 1893. Die feierliche Einweihung durch Herrn Definitor Feis aus Bous unter Teilnahme zahlreicher Geistlicher von nah und fern am Patrocinium (St. Gangolphus) 1893 statt. Die Kirche ist in gothischem Baustiele erbaut und ist für alle Zeiten ein herrliches Denkmal opferwilligen und religiösen Sinnes: die gesamten bis jetzt entstandenen Kosten von nahezu 100000 Mk (einschließlich der innern Ausstattung) hat die Pfarrgemeinde bis auf einige winzige Beträge selbst aufgebracht. Das Zustande/kommen des Werkes ist im übrigen an erster Stelle den unausgesetzten Bemühungen unseres Hochw. Hrn. Pastors Bach zu verdanken. Die alte Kirche wurde auf Abbruch versteigert für 1.000 Mk. Die Sakristei blieb stehen und wurde von der Gemeinde als Leichenhaus erstanden (450 M). Bei den Ausgrabungen des Fundaments der alten Kirche wurden mehrere Altertümer gefunden, davon noch näher an anderer Stelle gedacht wird. Erwähnenswert ist, daß während der ganzen Bauzeit kein einziges Unglück, ja nicht eine nennenswerte Beschädigung vorkam. Die bis jetzt vorhandenen Kirchenmöbel (Altäre, Kanzel und Taufstein gingen alle aus der Kunstwerkstättte des Hrn. Fischer aus Grevenmacher (Luxemburg) hervor. Der Taufstein ist ein Geschenk des ehemaligen Lehrers zu Differten, jetzigen Rendanten Jos. Prümm zu Bisten.

Aus dem bis jetzt Gesagten ergiebt sich über den Charakter der Bewohner von Differten ein nicht unerfreuliches Bild. Damit kontrastiert allerdings eine eigentümliche etwas frivole Anschauung über das Brandunglück, was in den meisten Fällen als ein Unglück nicht angesehen wird. Der Grund scheint besonders in dem Bestreben zu liegen, schönere und gesündere Wohnungen zu erhalten, die früher teilweise in der That menschenunwrüdig waren. Unter Zuhilfenahme eines bedeutenden Zuschusses seitens der Provinzial-Feuer-Societät schaffte die Gemeinde eine neue Feuerspritze an. 1894. – Eine andere / moralisch nicht stichhaltige Auffassung herrscht vielfach über den Wald, daher die vielen forstpolizeilichen Übertretungen (Streu, Laub, Rsier etc.), die aber auch teilweise durch den Übereifer einiger Forstbeamten provocirt werden. So hat es allgemein Entrüstung wachgerufen, als der schöne Brauch des Heidelbeerbrechens (der Warentwald bei Differten birgt große Strecken von Heidelbeerpflanzen) dahier eingeschränkt wurde, daß die Leute nur noch an wenigen Tagen und an genau bezeichneten Stellen Beeren sammeln dürfen und vor allen Dingen erst dann, wenn die Forstbeamten durch die sogenannten, Kulturmädchen ihren Bedarf gedeckt haben. Neuerdings (Mai 1896) ist nur die Benutzung zweier Wege im Walde gestattet.

Wie allerwärts, so treibt auch in Differten das Vereinswesen seine Blühten. Es besteht hier ein Kirchenchor (Männerchor 24 Mann) und ein gemischter Chor, deren Thätigkeit fast ausschließlich der Hebung des Gottesdienstes gewidmet ist. Bis zur Anstellung des Lehrers Prümm (89) war in dieser Beziehung nur sehr Mäßiges geschehen. Prümm aber bildete einen Kirchenchor mit Männern und arbeitete tüchtig, so daß sein Nachfolger leicht weiter bauen konnte. Von 1890 bis jetzt (96) leitet Lehrer Groß den Verein, der auch verschiedentlich Konzerte und bibl. Darstellungen zum Wohle der Kirche aufführte (150 Mark an den Kirchenbaufonds u. 450 zur Beschaffung einer kirchl. Vereinsfahne für den Chor.

Außerdem besteht hier ein Bergmannsverein mit Unterstützungs- und Sterbekasse, welcher viele Mitgl. zählt. Die beiden großen Schwingfahnen in der Kirche gehören diesem Vereine.

Der hiesige Kriegerverein zählt über 100 Mitglieder und umfaßt als Rekrutierungsbezirk die Dörfer Friedrichweiler, Differten u Werbeln. Auch dieser Verein schaffte sich aus eigenen Mitteln eine schöne Vereinsfahne an. Endlich giebt es hier noch einen Turnverein mit etwa 40 Mitgliedern, dem es aber bis jetzt (1896) an genügender fachmännischer Leitung zu fehlen scheint, so daß beim besten Willen die physischen u. moralischen Ziele der Turnvereine nicht erreicht werden dürften. Vor einigen Jahren gründete sich hier auch ein Veteranen-Verein mit ungefähr 24 Mitgliedern. Es war ein erhebender Anblick, diese Schar kräftiger bärtiger Gestalten, geschmückt mit Ehrenzeichen u. Kriegsdenkmünzen, an patriotischen Festen aufmarschieren zu sehen. Der Verein ging aber in dem Kriegerverein auf, viele sagen leider u. ich auch. Dadurch soll nicht ausgedrückt werden, daß diese Männer nicht im Kriegerverein einen guten Einfluß ausüben könnten, aber es sind eben Männer, die schon ihr Leben fürs Vaterland eingesetzt haben, es war ein Verein, der neben dem Kriegerverein freundschaftl. Bestehen konnte, zumal er auch älter war. Interessenpolitik, Einfalt und Ehrfurcht bereiteten gemeinsam das Grab.

Aus der Geschichte des Ortes.

(Beitrag zur Schulchronik von Herrn Pfarrer Bach)

„Differten ist sehr alt und reicht in die ersten christlichen Jahrhunderte hinauf. Beweise für das sehr hohe Alter von Differten sind die Fundamente eines großen Gebäudes, die man bei Abbruch der alten Kirche gefunden hat. In diesem Fundament, das man zum kleineren Teil ausgebrochen hat, fan man mehrere römische Altertümer eingemauert, so den Gott Mercur in gallischer Nationaltracht (Provinz. Mus. Trier), Fragmente eines Hercules mit aufgehobener Keule, einen Reiter mit Giganten, besonders aber einen Stein mit römischer Inschrift u. dazu noch mehrere römische Steingräber mit Urnen.

Nähere Nachrichten über Differten finden sich erst aus dem Jahre 1223. In diesem Jahre übergab die Füprstin Gertrud v. Saarbrücken dem Kloster von Wadgassen mehrere Wiesen, an der sog. „Kapellerheck“ gelegen, unter der Voraussetzung, daß die Klostergeistl. von Wadgassen alle 14 Tage an Sonntagen die H. Messe in der Kapelle zu Diff. feierten. In der diesbezügl. Urkunde hieß das heut. Diff. Diefurt, später Dieffährten, woraus dann Diff. enstanden ist. Im Jahre 1333 wurde Diff. schon in bürgerl. Beziehung als Kommune bezeichnet, und in kirchl. Bezieh. Erhielt es insofern in der näheren und ferneren Umgeb. Eine gewisse Art von Auszeichnung, als viele Leute nach Differten wallfahrten kamen, teils um den heil. Gangolf, den Patron der damal. Kapelle zu Diff. zu verehren, teils aber auch, um aus dem Gangolfus-Brunnen Wasser zu schöpfen. Im 30jährig. Kriege kam aber für Diff. eine verhängnisvolle Zeit. In Folge der Zerstör. Durch die Schweden, dann durch Hunger und allerlei Krankheiten wurde Diff. ganz verlassen. Von den Häusern in D. war nur noch die auf den Anhöhe stehende Kapelle unversehrt geblieben und die zerstörten Häuser dienten Wölfen, Luxen und Füchsen zum Aufenthalt. Dieser Zustand der Zerstörung von D. dauerte bis zum Jahre 1684, in welchem Differten neu bevölkert wurde. In diesem Jahre wurde von Seiten der damaligen Regierung von Frankreich auf das verlassene Differten hingewiesen und denjenigen besondere Vergünstigungen in Aussicht gestellt, welche sich dort niederlassen wollten. Auf diese Aufforderung kam neue nach Differten folgende Bewohner aus der Gegend von Metz, um sich in Diff. eine neue Heimat zu suchen. 1. Tilmann Renkes. 2. Henry Robinet. 3. Jean Rennert. 4. Antoine Dreistadt. 5. Jean Ahr. 6. Jean Bauer. 7. Christian Bauer. 8. Adam Wirtz. 9. Phill. Kill. 10. Jean Renkes. Das Jahr 1684 kann demnach als das Jahr der Neugründung von D. angesehen werden. Doch wurde das 200jährige Jubiläum der Neugründung von Diff. am 16. Januar 1884 durch kirchl. Und bürgerliche Festlichk. feierlich begangen. Im Jahre 1804 hatte D. eine Bevölkerung von 400 Seelen.“

Handwerk u. Gewerbe 1897

Krämer 4, Müller 2, Weinhändler 1, Schreiner 3, Wagner 2, Schuster 7, Klempner 1, Schneider 4, Gypser 1, Maurer 1, Schmiede 1, Uhrmacher 1, Näherinnen 7, Büglerinnen 2´, Bäcker 2, Metzger 3, Wirtschaften 6, Viehhändler 2, Bauunternehmer 2, Holzhändler./

1897

12. Mai Einweihung der Kirche und Spendung der H. Firmung

Am 11. Mai hielt der Hochw. Herr Bischof Dr. Korum seinen feierlichen Einzug in unsern Ort. Abends brachte der Kirchenchor im Beisein der ganzen Gemeinde eine Serenade (Gesang zweier Lieder und Ansprache) dar. Am folgenden Morgen um sieben Uhr begannen die Einweihungsfeierlichkeiten, die bis 9 ½ Uhr dauerten. Daran schloß sich ein feierliches Hochamt, nach dessen Schluß der Hr. Bischof die Ausspendung der H. Firmung vornahm. Dann bestieg der Hochw. Hr. die Kanzel und hielt eine ¾ St. dauernde herrl. Ansprache an die Pfarrkinder von Differten, welche mit dem Ausdrucke des herzl. Dankes für den Opfersinn und die Bethätigung christl. Gesinnung der Pfarrei schloß. Der ganze Ort hatte zu der Feier Festschmuck angelegt.

18. Mai

Am 18. Mai wurden unsere Fluren von einem schweren Gewitter heimgesucht, das von Hagelschlag und einem wolkenbruchartigen, fast eine Stunde anhaltenden Regen begleitet war. Letzterer richtete bedeutenden Schaden an durch Wegschwemmung der Ackerkrume, vollständige Überschwemmung und Versandung von Feldern, Gärten und Wiesen, während der nur mäßige Hagel nur in den Gärten durch Zerstörung der zarten Pflänzchen schadete.

24. Mai

Kreis-Lehrerkonferenz zu Fraulautern. Erste Konferenz unter Leitung des Kreisschulinspectors Herrn Grimm. Lehrprobe: Einführung in den Zahlenkreis von 20-100. (Herr Engel, Roden). Vortrag: Die Behandl. des Zahlenkr. 20-100. (Herr Schommer, Fraulautern). /

1897

In der Woche vom 10. Bis 16. October fand in hiesiger Pfarrei eine Mission statt, welche durch Jesuiten-Patres abgehalten wurde. Es war dies die erste Mission in Differten seit menschengedenken. Die Beteiligung seitens der Pfarrkinder war eine sehr rege und freudige.

10. Oct.

Der Vorsteher des hiesigen Bahnhofs, Hr. Görkes (der erste seit Bestehen der Bahn) starb am Nervenfieber. Mit dessen Tode wird die Postagentur vom Bahnhof getrennt und ins Dorf verlegt.

Der Gesundheitszustand im Winter 97/98 war ein äußerst mangelhafter. Bemerkenswert ist, daß im J. 97 bis zum ersten Octob. Nur ein Erwachsener starb, als dann mehrten sich die Sterbensfälle allerdings so, daß die mittlere Sterbeziffer pro Jahr doch noch erreicht wurde.

1898

28. Jan.

Gegen sieben Uhr morgens brannte das Haus des Bergmanns Mich. Fritz (neben Hn Clemens, Geschäft) ab. Die Schulknaben trugen das Wasser und bedienten später selbst die Feuerspritze. Fast alle andern hielten sich indifferent. Das ganze Anwesen nebst Mobiliar war versichert.

1. Febr.

Mit dem ersten Februar d. J. wird hier eine Zweigstelle des Hostenbacher Grubenconsums errichtet. Verwalter wird der seit 7 Jahren hier ansässige Kaufmann St. Holler.

Die Geschäftsleute (Krämer u. Bäcker) sind anscheinend hart getroffen, oder aber sie nahmen früher bedeutenden Profit: Um dem neuen Unternehmen ein (Sonder) Paroli zu bieten, sind die Warenpreise ganz gewaltig herabges. worden.

1898

Mit dem 1. März wurde die hiesige Haltestelle neu besetzt. Vorsteher der Bahn- u. Telegraphenstation wurde Hr. Kremer, bisher bei Saarb. In Lothr. Stationsverwalter. Auch die Postagentur wurde demselben wieder übertragen. (Siehe 14. Oct. vor. Jahr).

2. Sept.

Am Sedantage machte die Knabenoberklasse einen Spaziergang über Geisberg, Neuforweiler, Saarlouis, Lisdorf, Wadgassen.

1898

6. Okt.

Unsere Kirche erhielt in diesem Herbste eine neue Orgel. Dieselbe ging hervor aus der Fabrik von Dahlstein und Härpfer in Bolchen. Sie hat 18 Register und kostet 7.200 Mark. Die Revision geschah durch den Gymnasiallehrer Hrn. Bohn aus Trier und es wurde bei derselben kein erheblicher Mangel festgestellt.

4. Okt.

Ein Brand äscherte 6 Wohnhäuser in der sogenannten Huld ein. Es waren ganz alte Holzbauten, die bis auf den Grund niederbrannten. Die Häuser waren von folgenden Familien bewohnt: Gorius, Müller (Heß), Kinzinger, Kiefer, Ww. Heß (Amiele) Mirold Johann und Rupp Peter. Alle Gebäude waren versichert.

19. Oct.

Am 19. Oct. wurde der Veteran aus dem 48er Feldzug Peter Nicol. Burg zu Grabe getragen.

Pfingsten 1898.

Nachtrag. Der Kirchenchor machte am Pfingstsonntag einen Ausflug nach Alf. Der Mittagsschnellzug brachte uns nach Trier. Gegen 5 Uhr langten wir in Alf an, empfangen in Bullay vom Kirchenchor in Alf. Der Grund, weshalb der weite Ausfl. Unternommen wurde, war dieser: der Chor hat sich nach 8jähriger, fleißiger Arbeit zum erstenmale das Vergnügen eines größeren Ausfl. gestattet. Da die Mitglieder meist Bergleute sind, die kaum in ihrem Leben etwas anders sahen als Differten und den finsteren Schacht, so sollte denen ein besonderer Genuß bereitet werden, ein Bestreben, das auch voll und ganz erreicht wurde. / Die Herrlichkeit dieses Punktes, der begeisterte Empfang, der edle Trunk, die schönen Begrüßungslieder, es war eine Wonne, die Freude auf den Gesichtern unserer Leute glänzen zu sehen. Am Montag führte uns das Dampfroß wieder zu unsern Penaten. Unvergeßlich!

7. Mai

Schaffte der Rosenkranzverein eine schöne, neue Kirchenfahne an.

Herbst

Die Notwendigkeit neuer Schulsäle und Lehrerwohnungen ist endlich auch von der Gemeinde erkannt und anerkannt worden. Zur Beschaffung des Baufonds wurde ein außerordentlicher Hieb im Gemeindewalde bewilligt. Der Verkauf des Holzes trug 16.700 M. ein, etwa 5.000 M. über dem Voranschlag. Ansteigerer ist Holzhändler Ladler aus Kreutzwald. Der abzuholzende Distrikt liegt am Berge hinter der Kirche.

December.

Die hiesige Mühle des Hrn. Pet. Abel traf ein eigentümlicher Unfall. Das Wasser brach auf einmal neben dem Rade durch, und zwar unter der Schleuße. Bei glückl. Witterung nahm die Reparatur etwa 4 Wochen in Anspruch und es waren täglich etwa 20 Arbeiter beschäftigt, welche bei der eigenartigen Beschaffenheit der Arbeit höchst angestrengt arbeiteten.

1899

5. Jan.

An diesem Tage erschoß sich in einem Trierer Hotel der Sohn des Metzgers Gonder von hier. Derselbe stand als Einjähriger bei dem dortigen Artillerie-Regiment. Commentar für Differten überflüssig.

24. Aug. betrifft Besetz. unserer Pfarrei

Am 24. Aug. wurde der Pfarrei Differten ein neuer Seelsorger gegeben in der Person des Hochw. Hrn. Pfarrers Meyers, bisher in Guerlfangen. Die Pfarrei war verwaist seit dem 5. Mai desselben Jahres. War die Trauer beim Tode des Hochw. Hrn. Bach tief, so war die Freude bei der Ankunft des Hrn. Meyers in demselben Maße groß und fand thatsächl. Ausdruck in der Empfangsfeier. In dem Schmuck der Straßen, der Häuser sowie der Kirche war das Mögliche geleistet worden, und der Empfang, sowie die gesamten Einführungsfeierlichkeiten gestalteten sich recht imposant und legten von dem kirchlich-religiösen Sinn der Pfarrei ein schönes Zeugnis ab.

24. Sept. Stationen.

Die durch den verstorbenen Pfarrer Herrn Bach bestellten Stationen wurden am heutigen Tage feierlich eingeweiht. Die Predigt bezw. Festrede hielt der Herr Pastor Thielen von Bisten über die von ihm besuchten heiligen Stätten zu Jerusalem.

Wegeneubau.

Der Weg von der Eulenmühle bis zur Banngrenze (Linslerhof) wurde von Grund auf neu gemacht und ist nun für alle Fuhrwerke fahrbar.

Auch der Weg hinter der Kirche nach dem Walde zu ist gründlich repariert worden.

Herbst. Neubau.

Zwei schöne und große Wohn- bzw. Geschäftshäuser: Johann Hahn und Joh. Gonder. In ersterem wurde ein neues Geschäft (Bermann) eröffnet.

1900 betrifft.

17. Jan. Wasserstand.

Durch plötzlich eingetretenes Thauwetter und anhaltenden Regen schwoll die Bist derart an, daß das ganze Thal überschwemmt war.

15. Febr. Tod eines Kämpfers von 1848.

Gastwirt Jacob SDchmitt, welcher den Feldzug in Baden mitgemacht, starb an einer Lungenlähmung.

Februar. Influenza.

Diese Krankheit suchte Differten in besonderem Maße heim, so daß in den weitaus meisten Familien Kranke waren.

Frühjahr. Neubauten bzw. Besitzwechsel.

1. Die Wirtschaft von Michel Heß ging durch Kauf auf dessen Bruder Nicol. Heß über zum Preise von 35.000 M.

2. Peter Frey.Truar kaufte von dem nach Kreuzwald verzogenen Joh. Altmeyer Lafontaine das hinter dem Kirchhof gelegene Wohnhaus für 3.900 M.

3. Nicolaus Lafontaine.Hirtz baute am östl. Ende des Dorfes ein neues, massiv aus Sandsteinen aufgeführtes Haus. (3900 M.).

4. Wirt Anton Gonder vollendete in Mai einen Saal mit ungefähr 176 qm Flächeninhalt. Die Kosten des Aufbaues waren veranschlagt zu 7.600 M.

5. Joh. Lorson Schirra und sein Schwager Mich. Fritz-Schirra haben am Wege zum Walde zwei Häuser erbaut (4.150 M.).

6. Das Haus der Witwe Eisenbarth (in d. Huld) ist für 3.000 M. in den Besitz des Schuhmachers Paul Ahr übergegangen, ebneso das Haus des pens. Bergmanns Nicol. Frey i. d. Bes. des Friedr. Becker (2.500 M.).

Juni 18. Einberufung.

Der Sohn des Bergmanns Lorson von hier, welcher beim Infanterie-Reg. Nr. 99 in Zabern in Garnison stand, ist nach China beordert und hat sich bereits nach Kiel begeben.

Juli. Dampfdreschmaschine.

Die beiden hier seßhaften Ackerer Spengler u. Tasch beschafften gemeinschaftl. eine Dampfdreschmaschine aus der Fabrik von H. Lanz in Mannheim.

Sept. 13. Einquartier.

Differten erhielt Einquartierung auf einen Tag und zwar durch eine Escadr. Des Hannöverischen Dragoner-Regiments in Metz.

27. Sept. Manöver.

Dieser Tag brachte uns ganz unvermutet den Schluß der Herbstübungen des 16. Armeecorps. Auf dem nahe gelegenen Geisberg fand der Entscheidungskampf statt. Am selben Abend wurden am Bahnhof Differten einige Infanterie-Regimenter verladen. Einige Komp. Des in St. Avold garnisonierenden Infanterie-Reg. Bezogen dieselbe Nacht hier Quartier. Es verdient erwähnt zu werden, daß diese Soldaten bei unsern Bergleuten eine ausgezeichnete Aufnahme u. Verpflegung fanden./

Sommer 1900 Neubau von Wohnhäusern.

An dem Wege, der aus Differten nach Kreuzwald führt, wurde im vergangenen Jahre eine Reihe neuer Häuser gebaut. Es sind folgende: Michel Heß, Nikol. Frey, Joh. Fritz, Michel Frey u. Johann Gugnon u. Lorson.

1901,

28. März Gewitter, Sturm und Schneefall.

Am genannten Tage stellte sich des Nachmittags ein schwerer Sturm ein, der von einem zieml. heftigen Gewitter begleitet war. Darnach entstand ein so heftiges Schneegestöber, daß man kaum einige Schritte weit sehen konnte und der Schnee fast zwei Hand hoch lag.

7. April Hochwasser auf Ostern.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag trat ein ungemein starker Regen ein, so daß am Ostermorgen die Bist weit über ihre Ufer getreten und das Thal teilweise überschwemmt war. Trotzdem war der Ostertag durch ein wahres Frühlingswetter ausgezeichnet.

Ende März. Neues Geläute.

Die Pfarrgemeinde beschaffte für die Pfarrkirche neue Glocken, welche in den Tönen es f g erklingen. Hergestellt in Metz.

25. April. Firmung.

Der hochw. Herr Weihbischof von Trier Dr. Schur traf Nachmittag gegen 3 Uhr zur kirchl. Visitation und zur Spendung der H. Firmung hier ein. An 200 Kinder der Pfarrei wurden gefirmt.

März. Schachtanlage.

Im Herbste des verflossenen Jahres wurde durch deie Direktion des Hostenbacher Bergwerks ein neuer Schacht angelegt und zwar an dem Fußweg der über den Berg nach Wadgassen führt. Ob derselbe nur als Wetterschacht oder aber als Förderschacht dienen soll, ist bis jetzt noch nicht bestimmt.

Neuanschaffung in d. Kirche.

Folgende Veränderungen bzw. Neuanschaffungen geschahen im Laufe des letzten Jahres in unserer Pfarrkirche: 1. Ausbau der Emporkirche auch die Nebenschiffe. 2. Neue, dem Baue des Gotteshauses entsprechende Beichtstühle. 3. Gnadenbild von der immerwährenden Hilfe. 4. Aufstellung des Gnadenbildes von Lourdes in einer entspr. Grotte.

6. Okt. Glückliche Heimkehr.

Am 6. 10. 1901 kehrte der Chinakämpfer Georg Lorson wohlbehalten in die Heimat zurück./

Herbstferien

Dieselben währen vom 16. September bis zum 13. Oktober. Die ersten Tage waren durch warme und schöne Witterung ausgezeichnet, später trat dauernd unfreundliches, regnerisches Wetter ein.

18. Oktober. Vorzeitige Entlassung.

Die Schüler Nikolaus Wannenmacher, Nikolaus Miroll und Michel Augustin wurden mit dem Beginn des Wintersemesters aus der Schule entlassen.

14. November. Unglück. Todesfall.

Am 14. November wurde der Schlepper Peter Joh. Ballas in der Grube zu Rosseln von einem Grubenpferde derart geschlagen, daß der Verunglückte in der folgenden Nacht starb.

27. Dez. Kohlenfund.

Am 27. Dez. 1901 wurde bei Friedrichweiler ein „Bohrloch“ begonnen, um etwa vorhandene Kohlen feststellen zu können. Am 12. April 1902 traf man auf ein Flötz von 2 m Dicke. Eine vom Bohrthurm wehende Fahne verkündete den Bewohnern unserer heimatl. Gegend das bedeutsame Ereignis.

1902,

1. April Einwohnerzahl.

Nach einer privaten Personenstandsaufnahme betrug die Einwohnerzahl von Differten am 1. April 1672 und waren darunter 829 männl. und 843 weibl. Personen. Die Zahl der Bergleute betrug 363.

Anfangs April Niederlassung eines Storchenpaars.

Zum erstenmale seit Menschengedenken ließ sich bei Differten ein Storchenpaar nieder und erbaute ein Nest auf einer kahlen Pappel in der Nähe der zweiten Eisenbahnbrücke./

14. May. Brand.

Gegen 10 Uhr vormittags brach Feuer aus in dem Hause des Bergmanns Bernh. Lorson. Dasselbe verbreitete sich rasch über die angrenzenden aus Fachwerk erbauten, alten Häuser. Es fielen insgesamt 6 Häuser dem verheerenden Element zum Opfer. Folgende Familien wurden von dem „glücklichen“ Unfall betroffen: 1. Bernh. Lorson. 2. Wittwe Federspiel. 3. Nicol. Decker. 4. Becker. 5. Geschw. Bohnenberger. 6. Nicol. Meilchen. Der sämtliche Brandschaden ist durch Versicherung gedeckt.

29. Juni. Unglücksfall mit tödlichem Ausgang.

Bei Gelegenheit eines Kriegerfestes in dem benachbarten Kreuzwald wurde im Streite der Bergmann Franz Müller von Differten durch einen Messerstich tödlich verletzt. Er wurde nach Saarlouis in das Kloster der Franziskanerinnen gebracht und in der Klinik des Hrn. Dr. Poller operiert. Starb nach 8 Tagen in Folge starker Lungenblutungen.

Grubenunglück.

Durch schlagende Wetter auf Grube Camphausen wurde unter andern auch der Bergmann Michel Ahr aus Friedrichweiler so schwer verletzt, daß er bereits am folgenden Tage starb. Das Begräbnis des Verunglückten gestaltete sich durch Teilnahme der Grubenkapelle Camphausen sowie einer sehr großen Zahl von Bergleuten zu einem der schönsten, die Differten je gesehen./

12. Okt. Brand.

Am 12. 10. Morgens 9 ¼ Uhr brach im Unterdorfe und zwar in der Wohnung des Ackerers Wilh. Morschett Feuer aus. Es wurden 3 Häuser eingeäschert. 1. Wilh. Morschett. 2. Nikol. Schmitt. 3. Wwe. Schütz. Schaden durch Versicherung gedeckt. Entstehungsursache unbekannt. Es bestätigt eine früher niedergeschriebenes Urteil des Verfassers, daß sozusagen niemand an den Löscharbeiten sich beteiligte als die Knaben der Oberklasse, die dafür den „dank“ der zuständigen Polizeiorgane in reichem Maße ernteten. Dafür sei an dieser Stelle festgelegt, daß wohl alle Brände der letzten 10 Jahre (wenige waren es nicht) hauptsächlich durch die thätige geschlossene Anteilnahme der Knaben der I. Klasse bewältigt wurden. Nicht soll vergessen sein, daß H. Ortsvorsteher Spengler sich stets als umsichtiger und energischer Leiter der Rettungsarbeiten erwies.

16. November Jubiläumsfeier.

Zur Kundgebung der Liebe und Anhänglichkeit der Pfarrei Differten gegenüber dem apostolischen Stuhle fand eine imposante Feier im Saale des Gastwirts A. Gonder statt. Die beiden Festredner des Abends, Herr Kaplan Wilhelm aus Wadgassen und Herr Pfarrer Meiers Differten sprachen in beredter Weise über den „Segen des Papsttums für die Christenheit“ bzw. über „das soziale Wirken Leos XIII.“ und begeisterten die große Versammlung zu jubelndem Beifall./

1904 betrifft.

20. März Tod in der Grube.

Der Bergmann Karl Klinkert von Differten, der in der Zimmerung der Grube Kreuzwald beschäftigt war, wurde des Nachts gegen 12 Uhr durch herabfallende Erdmassen verschüttet, so daß der Tod durch Ersticken eintrat (die Witwe bezieht mit ihren vier, noch unerzogenen Kindern eine durch Gesetz festgelegte Unterstützung von 87 Mark monatlich.)

Brand

Das im Oberdorfe gelegene Haus des Bergmanns Michel Klinkert wurde durch einen Brand zerstört. War gut versichert.

12. Okt. Brand.

Gegen Mittag ertönte die Feuerglocke. In dem Gehöfte des Ackerers und Gastwirts Johann Franz Gonder war Feuer ausgebrochen. Auch das daran anstoßende Haus des Jacob Hauser war von den Flammen ergriffen; beiden verbrannten bis auf die Mauern. Der Schaden ist durch Versicherung völlig gedeckt.

Okt. Und Novemb. Ausmalung der Kirche.

Durch Hrn. Kirchenmaler Klein aus Merzig wurde unsere Kirche in zwar einfacher aber würdiger Weise gemalt.

1905 betrifft.

4. Sept. Ertrunken

Am 4. Sept. fiel die 22-jährige Tochter des Bergmanns Johann Keller infolge eines Krampfanfalles beim Waschen in den Bistbach und ertrank, da der Vorfall erst nach längerer Zeit bemerkt wurde. Deshalb hatten zweistündige Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg.

9. Sept. Brand.

Das Anwesen des Bergmanns Joh. Louis wurde durch Feuer vernichtet.

1906.

31. Mai Grubenunglück.

Am 31. Mai wurde der Bergmann Nicol. Roth, Sohn des pensionierten Bergmanns Matt. Roth, in der Grube Louisenthal so schwer getroffen, daß er bereits am folgenden Tage im Lazareth zu Völklingen starb.

Neubauten.

Im Sommer des laufenden Jahres (1906) wurden folgende Neubauten in Differten ausgeführt. 1. Wohnhaus für Johann Schütz-Wannemacher. 2. Haus des Johann Webers-Hauser. 3. Des Nicol. Roth-Hirtz. 4. Des Viktor Salzbgeber (Bäckerei).

1907.

14.3. Grubenunglück.

Unter den Opfern des furchtbaren Grubenunglücks zu Rosseln (80 Tote) waren auch 4 aus Differten, nämlich 1. Nikolaus <durchgestrichen Peter> Schmitt, Witwer, und Vater von 3 kleinen Kindern. 2. Michel Weiten, unverheiratet. 3. Friedrich Becker, hinterließ Frau und 2 Kinder. 4. Georg Müller, ebenfalls Familienvater. Die Leichen der beiden letzgenannten Bergleute waren unter einem Berg von Schutt und Gesteinsmassen verschüttet und konnten erst nach einigen Tagen geborgen werden./

1. Sept. Grubenunglück.

Der Bergmann Franz Kiefer, beschäftigt in der Grube Kleinrossseln, erlitt durch fallendes Gestein am Sonntag den 1. Sept. (1907) im Schacht dne Tod.

1908.

Brand.

Die Wohnhäuser der Bergleute Johann Altmeyer und Ludwig Schirra (Witwer Hw. Schirra) brannten gänzlich nieder.

Am Samstag den 8. August trug sich in der Nähe von Differten ein beklagenswertes Unglück zu. Zwei junge Leute von hier (Paul Meilchen und Philipp Walther) wurden gegen Abend von dem Kö nigl. Förster Klose (Geisberg) am Waldrande angetroffen, wie sie anscheinend auf Wild lauerten. Walther hatte ein altes Gewehr in der Hand, und beide ergriffen auf den Hinruf des Försters die Flucht vom Walde auf das Feld hinaus. Da sie trotz dem Halt auf des Försters nicht stehen blieben, so gab Klose drei Schüsse ab. W. stürzte, tödlich in den Rücken getroffen, mit einem Schrei zur Erde nieder und hauchte nach einigen Minuten das Leben aus. W. war der Sohn eines Försters aus Oberelsaß und war bei der „Rotte“beschäftigt.

1909

Brand.

Die Wohnhäuser 1. Des pens. Bergmanns Georg Hanauer, 2. Des Bergmanns Jakob Lorson-Kiefer brannten vollständig nieder. 26. Sept.

Brand.

Einem am 22.10. ausgebrochenen zweiten Brande fielen die Häuser des Holzhauers Johann Zimmer und der Geschwister Zillig zum Opfer. Alles war versichert, Zimmer jedoch war nach dem vorerwähnten Brande vom 26. 9. Der Direktion der Provinzial-Feuerversicheurng durch den Polizeisergeanten Gapinski als der versuchten Brandstiftung verdächtig angezeigt worden; infolgedessen war seitens der Versicherung das Vertragsverhältnis mit Z. gelöst worden, und dieser wurde mit seinen Ansprüchen auf Entschädigung abgewiesen. Die 4 verbrannten Häuser lagen in einer Flucht.

Der zehnjährige Knabe Nikolaus Schütz aus Differten wurde am 26. Januar vom Eisenbahnzug überfahren und getötet. Er öffnete trotz der Warnung der Schrankenwärterin eigenmächtig die Barriere, als der auf dem ersten Geleise fahrende Personenzug eben passiert war. In demselben Augenblicke brauste auf dem zweiten Geleise der aus der entgegengesetzten Richtung kommende Eilzug Völklingen-Diedenhofen heran und erfaßte den armen Jungen.

1909 betrifft

1. Jan. Pensionierung u. Ernennung

Mit dem 1. Jan. 1909 trat Herr Bürgermeister Clemens in Schaffhausen in den Ruhestand, nach dem er die Bürgermeisterei Differten 19 Jahre lang verwaltet hatte. Sein Nachfolger wurde Herr Rosch, bis dahin Bürgermeister in Welschbillig.

Wegeverbesserung.

Der Weg von der alten Schule zur Kirche, die sogen. Hult, bisher ein Abzugsgraben für Unrat, Jauche und Regenwasser, wird gegenwärtig kanalisiert und vollständig neu gebaut. nDie Arbeiten, veranschlagt sind rund 10.000 M, werden ausgeführt durch die Firma Fiebig et Cons. Nachfolger in Fraulautern.

Desgleichen baut Hr. Ortsvorsteher Spengler den sogen. Totenweg völlig neu auf eine Strecke von etwa 300 m.

Abortenlage.

Die Aborte an der alten Schule, die lange Jahre auch mit den bescheidensten Ansprüchen in keiner Hinsicht genügten, sind mit einem Kostenaufwand von 1000 M. umgebaut und zweckmäßig eingerichtet worden.

Mit Beginn des Jahres wurde hierselbst eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Derzeitiger Oberbrandmeister ist H. Fr. Gonder.

1910 betr.

Luftheizung.

Gegen Ende des Jahres wurde in unserer Kirche eine Luftheizung eingerichtet.

Volkszählung 1910, 1. Dezember

Gemeinde 1. Dez. 1910 1. Dez. 1905 Zunahme

Differten 2057 1859 195

Friedrichweiler 421 400 21

Hostenbach 2699 2264 435

Schaffhausen 2213 1933 180

Wadgassen 2715 2287 428

Werbeln 364 385 29

1911. Unfall in der Grube

In der Nacht vom 25. auf den 26. Febr. wurde der Bergmann Paul Ahr aus Differten durch herabfallendes Gestein in der Grube Kreutzwald schwer getroffen. Ein Fuß wurde ihm derart zerschmettert, daß der Arzt denselben sofort amputieren mußte.

Brand 20. Juli.

Das Haus des Bergmanns Hacket-Hanauer verbrannte am 20. Juli. Ursache unaufgeklärt.

Brand 31. Juli.

Die Wohnhäuser des Bergmanns Johann Reinstädtler-Meier und des Schusters Johann Morschett fielen dem Brande zum Opfer. Ursache soll Blitzschlag sein.

Juni, letztes Drittel, August 1. Drittel. Aug. und September: Hitzeperiode

Eine seit einem Menschenalter (nicht dagewesene) in gleicher Stärke und Dauer nicht mehr beobachtete Hitzewelle überflutet seit 3 Wochen unser Vagterland. Die Hitze betrug gegen 8 Uhr morgens in unserm Schulsaal meistens 26 % C. 28. Juli 10 Uhr vormitt. 29 Grand C. Infolgedessen fiel der Nachmittagsunterricht fast immer aus. Am 28. Juli zeigte das Thermometer gegen 10 ½ Uhr vormittags 28 ½ Grad im Schatten, am 16. 8. Um 11 Uhr 28 %. Am 22. August gab es bei uns zum letztenmal Hitzeferien. Der 23. Aug. brachte in hiesiger Gegend nach monatelanger Dürre den ersten Regen. Darauf wieder andauernde Trockenheit bis tief in den Herbst hinein. Ausgezeichnete Getreide- und Weinernte, mäßige Kartoffel- und mangelhafte Gemüseernte. Viele Bäume und Sträucher trieben im Herbst wieder frisches Laub und Blüten, ja sogar Früchte.

1912.

Februar. Rückkehr eines Fremdenlegionärs.

Karl Wannenmacher, Sohn des Besenbinders Johann Wennem. Aus Differten, diente seit 1904 bei der französ. Fremdenl. In Algier. Einen Teil dieser Zeit verbrachte er in Tonking. Da Co. bei seiner Abwanderung noch nicht militärfrei war, so wurde er bei seiner Heimreise in Saargemünd verhaftet und dem dortigen Bezirkskommando vorgeführt. Gegenwärtig leistet er in Bitsch seiner Militärpflicht genüge./

1912

Pfingsten. Fremdenlegionär.

Der auf der letzten Seite erwähnte Wannemacher versprach dem Schreiber dieser Zeilen für Pfingsten einen Besuch und eine Schilderung seiner Lebensschicksale. Es wurde ihm auch ein Pfingsturlaub gewährt, den er aber in Kleinrosseln bei Verwandten verlebte. Von da aus ergriff er die Flucht und hat nach einiger Zeit Mitteilung nach Hause gelangen lassen, daß er wieder in die franz. Fremdenlegion eingetreten sei. „Es sei da besser auszuhalten, als in der deutschen Armee, namentlich seien die Beköstigungsverhältnisse in Afrika bedeutend besser als hier.“

1913. Jubiliäumsfeier.

Die Gemeinde Differten beging das Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers und Königs in würdiger Weise. Sämtliche Vereine des Ortes hatten am Vormittag gemeinsamen Kirchgang unter Vorantritt der hiesigen Musikkapelle. In der Predigt wurde in begeisterten Worten der gesegneten Regierung unseres Kaisers gedacht. Nachmittags 4 Uhr fand auf dem Turnplatz im Walde eine Volksfeier statt. Musikstücke und patriotische Lieder wechselten mit einander ab. Die Festrede hielt Herr Bürgermeister Rosch. Die Knaben der Oberklasse beteiligten sich an der Feier durch turnerische Aufführungen und Spiele. Abends Fackelzug und Beleuchtung./

Januar Tödliche Unglücksfälle.

Der in Diff. wohnhafte Fuhrknecht Heinrich Brachmann stürzte bei dem lothr. Dorfe Merten vom Wagen und brach das Genick. Eine arme Witwe und 8 kleine Kinder (das älteste ist 12 Jahre alt) betrauern den Ernährer.

Febr.

Der Bergmann Jak. Stuhlsatz wurde als Leiche in Ensdorf aus der Saar gefischt. Ob Unglück oder Selbstmord vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Er war erst im Herbst von der Garde abgegangen.

Ostern.

Durch herniedergehendes Gestein wurde der Bergmann Mich. Laurent tödlich getroffen. Er verschied am folgenden Sonntag im Krenkenhause zu Wadgassen, nachdem er bei voller Besinnung die Sterbesakramente erhalten hatte.

Die Einführung der elektrischen Beleuchtung für Differten wird beschlossen, nachdem sich eine genügende Zahl Abnehmer durch Unterschrift verpflichtet hat. Die elektr. Kraft wird von dem Elektrizitätswerk in Saarlouis entnommen.

Nach langen erfolglosen Sitzungen des hiesigen Gemeinderats gelang es endlich, die für den Bau einer Wasserleitung notwendige Mehrheit zu finden. Die Ausführung des gefaßten Beschlusses soll möglichst beschleunigt werden./

1914 Anfang August

Mobilmach. u. Auszug

Am Samstag den 1. August wurden die 5 Jahrgänge der Reserve zum Heere eingezogen. Gegen Mitternacht ging der Polizist unseres Ortes von Haus zu Haus und weckte die in Frage kommenden Reservisten. Kollege Ehl war der erste, die meisten waren dem 16. Armeekorps zugeteilt. Der gegen sechs Uhr morgens hier eintreffende Zug brachte sie nach Metz, Diedenhofen und in andere dem Bereiche des genannten Corps angehörende Städte Lothringens. Am selben Tage erfolgte die Mobilmachung des deutschen Heeres. Landwehr und Landsturm (letzterer zum Schutze der Eisenbahnen) wurden am Abend des 1. Aug. einberufen. An aktiven Truppen, Reserven und Landwehr nahmen von Differten 90 Soldaten teil am Kriege, und zwar kamen fast alle in die erste, nur wenige in die zweite Verteidigungslinie. Unsere Krieger folgten willig dem Rufe ihres obersten Kriegsherrn und gingen (dem Ernst der Lage entsprechend und nach schwerem Scheiden von der Familie, von Frau und Kindern) wenn auch nicht mit Hurra, so doch mit ernster Entschlossenheit hinaus ins Feld.

Freiwillige u. Rekruten.

In den ersten Tagen meldeten sich als Kriegsfreiwillige von hier: Studios. Stummbillig (Sohn des Coll. Hrn. Stummb.) und Friedr. Hirtz, Sohn des Bergmannes Nikol. Hirtz-Roth. Außerdem wurden die Rekruten des Jahrgangs / 1914 einberufen.

8. August Rekruteneinstellung

Leistung unserer Bahn

Frohe, hoffnungsvolle Stimmung

Gute Verpflegung der durchziehenden Truppen

Es war für die an strategische wichtigen Bahnstrecken wohnenden Deutschen ein erhebendes Bild, die mit wunderbarer Präzision erfolgende Beförderung unserer Truppen zu beobachten. In der Zeit der ersten Tage der Mobilmachung erfolgte fast genau alle 11 Minuten die Beförderung eines Militairzuges der Westgrenze zu, angefüllt mit jubelnden Soldaten. Die Züge waren häufig bekränzt oder mit grünenden Baumzweigen geschmückt. Die Außenwände der Wagen trugen humorvolle Inschriften und Kreidezeichnungen, welche die zuversichtliche Stimmung der Krieger zeigten. Kinder und Erwachsene riefen den wackeren Truppen donnernde Hurras zu, und tief aus dem Herzen herauf stiegen innige Wünsche.

Die durch unser Dorf marschierenden Abteilungen des schlesischen 5. Armeec. und ein kriegsstarkes Bataillon des Hanseatischen 75. Infanterieregiments wurden von den Bewohnern herzlich aufgenommen und freundlichst verpflegt. Letztere kamen am 19. Aug. (ein sehr heißer Tag) hier an, wurden aber bereits um 2 Uhr nachts alarmiert und eilten dem Schlachtfeld des 20. u. 21. Aug. zu.

Bewachung der Bahn

Die Bewachung unserer Bahnstrecke erfolgte zunächst durch das aktive 30. Inftr. Rgt. (bis zum 9.) dann durch das Rgt. Nr. 67. / Dieselben wurden am 19. Oder 20. August abgelöst durch das II. Landsturmbataill. Saarbrücken (bis zum 22. Sept.). Diesem folgte das I. Landsturmbat. München. Zwischen den Saarbr. und den Münchenern einerseits und den Bewohnern von Differten andererseits bildeten sich herzliche Beziehungen.

Tätigkeit der Schulkind. / Gesundheitskommiss.

Der Schulunterricht ist ausgesetzt. Die Schüler beteiligen sich an der Einbringung der Ernte, beim Dreschen, besonders aber an der Straßenreinigung, die durch eine besondere Gesundheitskommission überwacht wird, der auch noch verschiedene andere Pflichten obliegen. (Mitglieder Ortsvorsteher Spengler, Gemeinderat Lauer und Lehrer Groß.).

Religiöse Vorbereitung / Mobilmachung der Zurückgebliebenen

Die einberufenen Truppen bereiteten sich durch Empfang des Bußsakramentes und der Heil. Communion in würdiger und erhebender Weise auf den heiligen Kampf vor und bekundeten dadurch, gleich wie S. Majestät, der oberste Kriegsherr, ihren lebendigen Glauben und ihr festes Vertrauen auf Gott, den Lenker der Schlachten.

Die zurückgebliebenen Einwohner ergriffen die Waffen des Gebetes, und stand draußen vor dem Feind ein Herr in der Kriegsrüstung, bewaffnet mit Schwert und Gewehr, so lag vor den Altären ein Heer von Betern auf den Knien, auch eine Mobilmachung. /

Einberufen sind aus Differten:

33 Aktive

37 Reservisten

31 Ersatzreserve

25 Rekruten (Jahrgang 1914).

30 Landsturmleute.

154 dazu kommen an neu Ausgehobenen 33 Mann (Im Neujahr 1915 noch nicht eingest.).

Ein großer Teil der Krieger hiesigen Ortes steht bei dem 16. Armeecorops (Armee des Kronprinzen /. Regimenter: No. 30, 130, 98, 145, 173.

Verwundungen

Bis 1. Jan. 1914 (sic! Statt 1915) waren über 40 Verwundete zu verzeichnen. Die meisten Verwundungen waren leicht. Schwerer: 1. Schmitt Nikol.: Schuß durch die Brust. (Wieder hergestellt). 2. Morschett Nikolaus. Schuß durch die Brust. Leidet nach Heilung der Wunde an Brustschmerzen und Atemnot. 3. Mirold Nikol. Sch. In den Ellbogen. 4. Heß Wilh. Sch. Unteren Schulterblatt. 5. Groß Adolf. Schuß durch den Oberarmknochen und in die Hüfte, die meisten Verwundungen geschehen im Sept. Nr. 5 am 19. Dezember.

Todesfälle (bis 1. Jan. 1915).

Auf dem Felde der Ehre den Heldentod gestorben:

1. Müller, Nikolaus, gefallen am 6. September 1914.

2. Spies Nikolaus, gefallen am 7. September 1914.

3. Kiefer Josef, gefallen am 9. September 1914.

4. Augustin Johann, gefallen am 9. September 1914.

5. Schmitt Nikolaus, gefallen am 6. September 1914.

7. Henry Nikl. ,gefallen am 24. Oktober 1914.

7. Lorson, Jakob, gefallen am 24. Oktober 1914.

8. Augustin Friedrich, gefallen am 24. Oktober 1914./

1915 betrifft:

Todesursache

Der unter Nummer 2 (s. vorige S.) als tot verzeichnete Nikol. Spies ist nach Berechit seines Feldwebels Feistler Liebecourt durch einen Bauchschuß getötet worden.

Tod u. Art u. Weise der Bestattung

(4.) Johann Augustin, Sohn der Wwe. Augustin Laurent fiel bei St. André (Argonnen) und liegt gegenüber dem Ortsfriedhof begraben (Bericht des Chefarztes Dr. Auber).

(Nr. 3.) Der Musketier Joh. Frd. Kiefer, Lehrer in Noswendel, Kreis Merzig (Inftr. Rgt. 30.12.k.) wurde am 13. Sept. in das Feldlazarett zu Trodois eingebracht. Er starb 2 Stunden danach ruhig, sanft und schmerzlos. Er liegt in einem Einzelgrab, das bezeichnet ist, auf dem Friedhof zu Frodois begraben und zwar in seiner Uniform. (Oberstabsarzt Dr. Friedrich a. Kurmark. Kiefer wurde nach Aussage seiner Kameraden bei dem verlustreichen Nachtangriff vom 9. Auf den 10. Sept. am linken Unterschenkel schwer verletzt (Dr. Diedrichs) und wurde wahrscheinl. Erst am 13. 9. Aufgefunden (Argonnen).

Nr. 7 Henry Nikol. (Iftr. Rgt. 135) fiel am 23. Sept. und starb am folgenden Tage im Feldlazarett zu Santillois. Seine Leiche wurde auf dem Kirchhofe des Ortes links am Eingange beigesetzt. (Bericht der Truppe beigefügt, daß H. ein tapferer Soldat gewesen sei). /

1915 betrifft.

1. Jan. Auszeichnungen und Beförderungen

Bis zum 1. Jan. 1915 wurden aus Differten mit dem Eisernen Kreuz II. Kl. Ausgezeichnet:

1. Mayer Paul vom Iftr. Rgt. Nr. 76. Führte als Gefrtr. In der großen Lothringer Schlacht nach dem Verlust sämtl. Offiziere und Zugführer selbständig seine Kompagnie.

2. Fischer Heinrich, Feldwebel im bayerischen Iftr. Regt. No. 23.

3. Langner Karl, Sohn des Försters Langner, Feldwebel im Gardejägerbataillon.

4. Tabellion Wilhelm, Unteroffizier im Hagenauer Dragonercorps.

5. Groß Wolf, Einjährig Freiwilliger im Iftr. Rgt. No. 30. Erhielt das E. Kreuz am 19. September, wurde am 7. Okt. Gefrt. 23. Okt. Unteroffizier, am 17. Nov. Vizefeldwebeln.

22. Februar Gefallene Helden.

Der Kriegsfreiwllige Karl Hirtz, Sohn des Bergmanns Nikolaus Hirtz-Roth wurde am 22. Januar durch einen Brustschuß schwer verwundet. Er starb am 26. Jan. im Feldlazarett (Argonnen. Iftr. Regt. No. 30).

Am 13. Februar wurde der Landwehrmann Nikol. Tasch in den Kämpfen bei Pont-à-Mousson durch einen Kopfschuß getet. Er ist der erste tote von hier, der Gatte und Familienvater war. (Landwehr-Rgt. No. 30)./

1915

Matth. Ahr

Am 16. Februar fiel in den Kämpfen um Perthes der Ersatzreservist Matthias Ahr, Sohn des Bergmanns Johann Ahr. Nach seiner Ausbildung wurde er dem Inftr. Regt. No. 69 (Trier) zugeteilt, war seit dem 21. Dez. im Felde und wurde durch einen Kopfschuß getötet. Ahr hinterläßt Frau und Kind.

6.4.15 Nikolaus Hirtz, Reserve-Iftr. Regt. No. 30

In der Champagne starben 3. Februar den Heldentod der Sohn des Bergmannes Nikolaus Hirtz namens Nikolaus im Alter von 20 Jahren. In den Kämpfen bei Massiges erhielt erinen Kopfschuß, der ihn sofort tötete. Sein Grab befindet sich auf der Höhe 191 bei Cernay en Dormois. Der Kompaniebericht nennt den Gefallenen einen „tapferen und braven Soldaten“. (Er war auch guter Schüler und ein tadelloser Jüngling.).

Johann Schirra.

Johann Schirra, Sohn der Witwe Schirra Federspiel, fiel am 19. März, ebenfalls in der Champagne. Er wurde durch einen Brustschuß getötet. (Der Vater fand vor Jahren den Tod in der Grube!

Johann Rupp.

Johann Rupp, Sohn der Witwe Peter Rupp, wurde im Kampfe bei Ypern durch eine feindliche Kugel getötet. Starb am 3. März.

Michel Müller.

Am 16. März starb in Rußland den Heldentod der Musk. Mich. Müller ebenfalls Sohn einer Witwe, die auch schon ihren ältesten Sohn dem Vaterland zum Opfer gebracht hat. Ein treuer Kamerad hat ihn bei Wirsch-koscha ein „stilles Grab bereitet.“/

1915 betrifft

15.4.1915 Uffz. Paul Meyer, Iftr. Rgt. 174.

„Die Feder sträubt sich“. Fast bekommt diese Phrase Inhalt. Eine Todesnachricht über die andern! Gestern drei!

Heute wurde die Leiche eines wackeren Kämpfers in die Heimat gebracht. Paul Meyer, der an anderer Stelle wegen seines besonders tapferen Verhaltens in der Lothringer Schlacht schon erwähnt wurde, ist am 11. April im Lazarett (Berlin) gestorben. Er war in Rußland schwer verwundet worden und lag eine ganze Nacht in einem mit Wasser gefüllten Graben. Da die Ärzte den unvermeidlichen Tod des Armen nahen sahen, wurde von einer Amputation der verletzten Glieder (beide Beine) abgesehen. Morgen wird er mit militärischen Ehren auf dem heimischen Friedhof beigesetzt-. – Wie klagten heute die Mütter, deren Söhne in fremder Erde ruhen, und wie werden morgen ihre Thränen fließen.

15.4.15 Joh. Kiefer Reserve Iftr. Rgt. No. 67.

Der Bergmann Joh. Kiefer kämpfte seit Kriegsbeginn zuerst in den Argonnen, später im Woëvre, und starb daselbst den Heldentod. Es ist das auch eine merkbarer Verlust für die Gemeinde, da er die vorzüglichsten Eigenschaften eines guten Bürgers in sich vereinigte. K. war auch seit vielen jahren ein fleißiger und musikverständiges Mitglied des Kirchenchors.

Wurde im Unterstand mit sechs Kameraden durch eine Granate getötet./

1915 betrifft.

10. März Heldentod Hammacher.

Paul Hammacher, Musketier im Magdeburg. Inftr. Rgt. No. 67 starb den Heldentod am 10. März. Er wurde durch eine Granate an Kopf und Brust so schwer verletzt, daß der Tod auge nblicklich eintrat. (Argonnen).

7. März Meilchen Matth. Iftr. Regt. 69.

Der bei demselben Regiment stehende Ersatzreservist Matth. Meilchen fiel bei den Kämpfen in der Champagne in der Nähe von Perthes. M. war verheiratet und Vater eines Kindes. Tadelloser Charakter.

7. April. Klinkert Cyprian Iftr. Rgt. 69.

Nach einem siegreichen Sturm im Walde v. Samarville starb infolge eines Herzschusses der Wehrmann Syprian Klinkert. (7. Apr. Res. Inftr. Rgt. 67.)

Joh. Roth, Res. Iftr. Rgt. 130.

Be idem Ringen an der Combres-Höhe wurde der Landwehrmann Joh. Roth durch einen Granatschuß getötet. R. war verheiratet und hinterläßt Witwe und 4 Kinder (Res. Iftr. Rgt. No. 130.)

10. April Franz Lorson. Res. Iftr. Rgt. 130.

In einem Sturmangriff auf demselben Schlachtfeld starb den heldentod der ebenfalls beim Res. Inftr. Rgt. 130 stehende Wehrmann Franz Lorson. Vater von 3 Kindern. /

1915 betrift.

18. April Michel Heß, Iftr. Rgt. 30

Der Rekrut des Jahrgangs 1914. Michel Heß, Sohn des Bergmanns Johann Heß-Ahr wurde infolge einer feindl. Minensprengung in den Argonnen schwer verletzt. (18. April). Der Tod trat am folgenden Tage ein, nachdem der Verwundete ins Feldlazarett in Chatel eingeliefert worden war. (Iftr. Rgt. No. 30.)

Auszeichnungen

Das Eiserne Kreuz II. Klasse wurde verliehen: 1. Nikolaus Philippi. 2. Peter Müller. 3. Gorius Nikolaus. 4. Unteroffizier Nikol. Remark. 5. Unteroffizier Josef Ahr.

1. Juli Zusammenstellungen d. Ausgezogenen.

Nach einer durch obere Knabenklasse vorgenommenen Zählung standen am 1. Juli 1915 aus Differten unter den Waffen 237 Mann und zwar:

32 Aktive

39 Reserve

34 Landwehr

38 Landsturm

17 Unged. Landsturm.

26 Jahrg. 1914

22 Jahrg. 1915

29 Ersatzreserve

237

Dazu 30 auf dem Feld d. Ehre gefallen.

267.

/

1915 betrifft.

Schwer heimgesucht. Heinrich Bohnenb. Peter Bohnenb. Nikolaus Bohnenb.

Schwer heimgesucht hat der Krieg die Witwe Peter Bohnenberger-Zipp. Der eine Sohn, Heinrich, wurde im Herbst 1914 durch einen Schuß in die Hand verwundet. Heilung fand er in einem Potsdamer Lazarett. Darnach blieb er beim Ausbildungspersonal. Im Sommer dieses Jahres erkrankte er an Blinddarmentzündung und starb an den Folgen einer verspäteten Operation. Seine Leiche wurde in die Heimat gebracht und auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. (4. Garderegiment. 22. Juli).

Einige Tage vor diesem Begräbnis erhielt die Familie die Nachricht, daß ihr ältester Sohn, Peter, eine schwere Verwundung am Kopfe erhalten habe. (Argonnen, Lazar. In Chatel). Er starb zwei Tage nach der Bestattung seines Bruders und wurde im Feindesland in Ruhe gebettet. (25. Juli).

Ein dritter Sohn ist seit 1. September 1914 vermißt.

Im Anschluß hieran möge erwähnt sein, daß zwar andere Witwen aus Differten je zwei Söhne für das Vaterland geopfert haben: Witwe Matth. Müller u. Wwe. Joh. Augustin./

1915 betrifft.

Am wurde der Rekrut Peter Miroll beim Zutragen von Handgranaten durch ein von ihm fallen gelassenes Geschoß getötet.

8. Sept. Roth Peter

Der Landsturmmann Peter Roth (46 Jahre alt) wurde am August durch einen Bauchschuß tödlich verletzt und starb am 8. September (östlich von Korono).

Laux Johann.

Der Rekrut Johann Laux wurde von einem Granatsplitter in die Schläfe getroffen u. war sofort tot. Er wurde von seinen Vorgesetzten als pflichteifrig und tapfer erwähnt. L. zeichnete sich vor allen seinen Kameraden aus durch ein besonders gesittetes Leben und durch taktvolles Benehmen, was er wohl zum großen Teil der verständnis- und liebevollen Ausübung der Musik zu verdanken hat.

Beförderungen von Kriegern aus Differten.

A. Offizierstellvertreter und Feldwebel:

1. Heinrich Fischer (Bayer. Iftr. Rgt. Nr. 23) besitzt das Eiserne Kreuz und das bayerische Verdienstauszeichnungskreuz.

2. Heinrich Zapp. (Artillerie-Rgt.).

B. Feldwebel.1. Karl Langena (Gardeschützen-Bat., Eisernes Kreuz.)

2. Peter Hanauer, Sanitätsfeldwebel. Eis. Kr.

3. Nikolaus Laux (Iftr. Rgt. Nr. 70)./

Beförder.

4. Groß Adolf, Lehrer (Iftr. Rgt. Nr. 30 Eis. Kr.)

C. Unteroffiziere.

1. Tallion Wilhelm. 2. Ahr Josef. 3. Morschett, Nikolaus. 4. Remark Johann. 5. Tasch Johann. 6. Schmitt Nikolaus. 7. Gorius Nikol. 8. Kiefer Franz. (No. 1, 2, 3, 4, 5 Besitzer d. Eis. Kr.).

Auszeichn.

Außerdem besitzen dieses Ehrenzeichen:

1. Stammel Peter. 2. Altmeyer Peter. 3. Müller Peter (Altmeyer). 4. Lorson Nikol. 5. Frey Peter. 6. Bohnenbe4rger Heinrich. 7. Bohnenberger Nikolaus. 8. Zimmer Peter. 9. Gugnon. 10. Philippi Nikol. 11. Zapp N. 12. Zipp Joh. 13. Miroll Nikol.

1916.

Lebensmittelpreise 15. März.

Rindfleisch 1,80 M. Rindsfett 3,50 M. Grauwurst 4 M. Lyoner 1,80 M. Leberwurst 1,20 M. Blockwurst 3 M pro Pfund. Ein Dutzend Eier 2,60 M, ein Liter Salatöl 4 M, 1 Pfd. Butter 2,60 M- 3 M. ein Hering 0,25 M. 1 Pfd. Holländer Käse 2,40 M.

Michel Fritz.

Auf dem Felde der Ehre fiel der bei der Feldtelegraphenabt. Eingestellte Michel Fritz von hier. Schule und Gemeinde bewahren dem Gefallenen wegen seines in jeder Beziehung musterhaften Lebens ein gutes Andenken.

9. Juni Georg Schirra.

Acht Tage nach dem Heldentod des Fritz fand auch dessen Vetter Georg Schirra den Soldatentod bei Verdun./

1916 betrifft.

Notlandung

Im Juli fuhr ein Flugzeug in geringer Höhe über unsern Ort. An der Unsicherheit des Fluges konnte man erkennen, daß etwas nicht in Ordnung war. Bald darauf sah man den Flieger niedergehen. Jedenfalls kannte er den sehr sumpfigen Charakter unseres Wiesentales nicht, und die glatte grüne Ebene hatte ihn zur Landung verleitet. Bei der Landung bohrte sich der vordere Teil in den weichen Boden ein, und das Flugzeug überschlug sich nach vorne. Den Insassen, zwei jungen Offizieren, gelang es, sich durch schnellen Absprung zu retten. Der Propeller wurde zerschmettert, im übrigen blieb das Flugzeug unversehrt. Es war ein Kampfflieger mit einer Fokkermaschine, bewaffnet mit einem Maschinengewehr. Benzinmangel war die Ursache der Landung.

Gefangen.

Der Gardist Michel Fischer geriet bei einem nächtlichen Aufklärungsgange in der Schlacht von Verdun verwundet in französische Gefangenschaft.

Tod in den Karpaten.

Die beiden Landwehrleute Hermann und Bohnenberg (Sohn des Cypr. B.) fanden in den heißen Karapatenkämpfen des Monats den Heldentod. Fast zwei Jahre hatten sie die Washöhen verteidigt, (Combres) wurden dann in die Karpathen geworfen, um die ungestüme Offensive des Generals Brusiloff aufzuhalten./

1916 betrifft.

Überlebende Teilnehmer dieser Kämpfe reden mit wenig Achtung von ihren österreichischen Kameraden, die um keinen Preis zum Vorgehen mit ihren rheinischen Brüdern zu bestimmen waren.

Heldentod.

In der Sommeschlacht fiel Georg Ahr, Sohn des Bergmanns J. Ahr-Ballas.

Fliegerüberfälle.

Die zahlreichen feindlichen Fliegerangriffe verursachten anfänglich Schrecken. Da man aber bald einsah, daß es nur um Fabriken, insbesondere den Eisenwerken galt, so trat rasch Beruhigung ein. Ziemlich abseits der Gefahr durfte man dem Surren der Flugzeugmotore und der Propeller, dem Donner der Abwehrgeschütze, sowie dem Aufblitzen der berstenden Schrapnelle mit Interesse folgen. Daß immerhin Vorsicht geboten war, geht daraus hervor, daß sowohl im Orte als auch in der Umgebung zahlreiche Sprengstücke der Bomben niedergingen. Ein Geschoß eines Geschützes schlug in einer Entfernung von etwa 80 m hzinter dem Hause des Laurent Becker ein. Die Explosion riß ein tiefes Loch in das Grundstück, richtete aber keinen Schaden an.

Die Wehrpflichtigen des Jahrganges 1898 wurden am 15. November eingezogen und kamen nach Königsberg.

1916 betrifft.

27. Dezember Bombenabwurf bei Differten.

Bei dem feindlichen Fliegerangriff vom 27. Dezemb. wurden zwei Bomben am Waldrande südlich der „Glashütte“ abgeworfen. Die eine zerschmetterte einen mäßig starken Baumstamm, die andere hob einen Baum mit den Wurzeln aus der Erde. Einige in der Nähe wirkende Knaben wurden durch den Luftdruck zur Seite geschleudert. Der Abwurf der Bomben mag wohl im Interesse einer schnellen Flucht geschehen sein, da der Flieger von den Geschossen der Abwehrgeschützte schwer berängt wurde. Der Schule wurden Sprengstücke der Bomben übergeben.

Dezember. Beurlaubungen von Bergleuten.

Zur Vermehrung der Kohlenförderung wurden, wie auch sonst allenthalben im Saargebiet, viele Bergleute, die an der Front oder als Besatzungstruppen in eroberten feindlichen Gebieten waren.´, in die Heimat beurlaubt. Die Grubenwege sind deshalb wieder belebt wie im Frieden.

Januar. Ballonabwehrkommando.

Seit Beginn des Jahres 1917 ist hierselbst ein Kommando von 32 Pionieren. Sie wurden zunächst im hiesigen Königl. Forst mit Holzfällen beschäftigt. (Fichtenstämme). Das Holz wurde auf den hiesigen Bahnhof transportiert und wurde zum Teil verfrachtet, teils wird es hier verarbeitet zum Bau von Baracken. /

1917 betrifft.

15. März Ortsausschuß.

In dem Ortsausschuß für die regelmäßige und möglichst restlose Bestellung der Frühjahrsaussat wurden berufen: Hr. Pastor Meiers, Joh. Stammel, Michel Schmitt, Ortsvorsteher Spengler und Lehrer Groß. Eine gemeinsame Sitzung sämtlicher Ausschüsse der Bürgermeisterei fand am 2. April statt.

29. März. Soldatentod.

Am 29. März starb auf dem Felde der Ehre der älteste Sohn des Bergmannes Joh. Rusch von hier. Bei Ausbruch des Krieges diente er aktiv und machte den ganzen Feldzug bis zu dem erwähnten Tage mit. Er lebte nach einer schweren Verwundung durch Granatschuß noch dreißig Std. und konnte vor seinem Tode noch mit dem Sterbetrost der Kirche versehen werden.

16. März Fliegerangriff.

Einen Fliegerangriff mit bedeutenden Kräften unternahmen die Feinde in der Nacht vom 16. Auf den 17. März. Man konnte in Differten deutlich das Surren der Fliegermotore hören. Das Völklinger Eisenwerk wurde von 4 Bomben getroffen. Durch eine derselbe wurde ein Teerkessel in Brand gesetzt. Das Donnern der Abwehrgeschütze dauerte länger als eine Stunde.

Pfingstnach.

Mit starken Kräften unternommener Fliegerangriff auf die Werke im Saartal. Völlige Zerstörung eines Hauses in Wehrden. 4 Tote. Zieml. erhebliche Beschädigung des Eisenwerkes Völklingen. /

1917 betrifft.

Herbst. Flieger- und Flugabwehr.

Die Fliegerhallen in unserer näheren Umgebung sind fertig: eine befindet sich an unserem Waschhaus, eine zweite am „Bildchen“, eine weitere oberhalb Werbeln. An klaren Abenden steigen sie als „Wächter“ und „Schützen“ auf. Den feindlichen Fliegern scheinen sie keinen großen Schrecken einzujagen, da die Angriffe jetzt wieder sowohl bei Nacht wie auch bei Tage heftig eingesetzt haben. Wir sind in unserm Ort besonders gefährdet durch die „Blindgänger“ der Abwehrgeschütze. Sowohl bei dem großen Fliegerüberfall am 24. September als auch bei den späteren (16. u. 17. Okt.) fielen im Dorfe und in der Umgebung mehrere nicht krepierte Granaten nieder, z.B. eine in der Küche des Johann Hümbert (Großmutter und Enkel weilten in demselben Raum), eine in dem Garten des Nicol. Hirtz.

Abliefer. der Glocken.

Am 15. Juni wurden unsere zwei schwersten Glocken, am 2. Aug. die zinnernen Prospektpfeifen unserer Orgel abgeliefert.

1. Okt. Leben u. Sterben

In diesem Jahre haust der Sensemann grausam bei uns. Am 1. Oktober hatte der Tod bereits sein 49. Opfer zu verzeichnen. Demgegenüber stand zum selben Termin eine Geburtsziffer von 35./

1917 betrifft.

Getreideaufnahme.

Die in der Zeit vom 9.-11. Oktober gemachte Getreideaufnahme hatte für Differten folgendes Ergebnis:

Roggen 1065,16 Ltr. Anbaufläche 261 ½ Morgen

Hafer 133,66 Ltr. Anbaufläche 35 ¾ Morgen

Selbstversorger: 665 Personen

Versorgungsberechtigt: 1350 Personen.

Von letzteren wünschen 968 Bezugsscheine. 382 Pers. Wünschen durch die Gemeinde versorgt zu werden.

Fliegerangriffe.

Am 23. Okt. sind bisher Fliegerangriffe mit mehrern Geschwadern. Es war gegen 9 Uhr abends. Heftiges Abwehrfeuer. Ein großes Flugzeug mit zwei Motoren mußte auf dem Geisberg niedergehen. Die Insassen, zwei englische Offiziere, wurden gefangen. Ein Flugzeug mußte bei Forbach landen. Es ist das vermutlich dasselbe, das am selben Abend in nicht mehr als 50-60 m Höhe über unser Tal flog und in der Nähe des Bahnhofs eine schwere Bombe abwarf. Nach dem unsicheren, niedrigen Flug zu urteilen, hatte es namhafte Beschädigungen erlitten.

Am 30.10. wiederum Fliegerbesuch. Das Surren der über uns dahin sausenden Maschinen ist unheimlich und zeigt ein zahlreiches Geschwader an. Es beginnt eine wahrhafte Artillerieschlacht. Für uns ist es gefährlich, daß so viele Blindgänger aus den Abwehrgeschützen /

1917 betr.

Im Orte selbst und in der Umgebung niedergehen. Gestern abend schlug ein solcher durch das Dach des Georg Tasch und blieb im Hausgang liegen, ohne zu explodieren.

Teil: Schulchronik

<Falk, Hauptlehrer>

Festrede

Zur ersten Geburtstagsfeier Sr. Maj. Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar 1889.

„Sei Kaiser Wilhelm hier,

Ganz deines Volkes Zier,

Der Menschheit Stolz!

Fühl in des Thrones Glanz,

Die hohe Wonne ganz,

Liebling des Volks zu sein,

Heil Kaiser dir“!

So die pr. Nationalhymne.

Geehrte hier versammelte Vorsteher, Freunde und Gönner der hiesigen mehrklassigen Schule! Werte, liebe Kinder!

Unser erhabener, junger König u. Kaiser Wilhelm II., Sohn des hochseligen Königs Friedrich III., des Duldners von St. Remo und der noch lebenden Kaiserin Wwe. Viktoria, Prinzeß Royal von Großbritannien und Irland wurde am 27. Januar 1859 in Berlin geboren, und ist hochderselbe heute also 30 Jahre alt. – Ein Prinz ist uns geboren, so schallte es in den Nachmittagsstunden des angegebenen Tages durch ganz Berlin; – Telegraph und Extrablätter verkündeten u. verallgemeinerten des frohe Ereignis durch das ganze Vaterland. Fr. Wilhelm IV., der damalige König, welcher sich mit seiner hohen Gemahlin zu der Zeit in Rom befand, wurde diese frohe Meldung auf telegr. Wege gemacht. Unser / verstorbener Kaiser Wilhelm I., damals Prinz-Regent, der erhabene Großvater des neugeborenen Prinzen fühlte sich in folge der Geburt des kleinen Enkels der Art beglückt, daß er sich in größter Eile zu dem neugeborenen Sprößling begab. Marschall Wrangel trat bald darauf mit der Parole aus dem Palais: – „Ein tüchtiger, derber Rekrut, wie man ihn nur verlangen kann“ – Am 5. März fand die Taufe des Prinzen statt. Auf seine Erziehung wurde die größte Sorgfalt verwendet. Am 1. Sept. 1873, 14 Jahre alt, wurde er confirmiert, u. besuchte dann das Gymnasium zu Kassel. Nach dem Hausgesetze der Hohenzollern wurde der Prinz am 27. Januar 1877 18 Jahre alt, volljährig erklärt und zum Ritter des schwarzen Adlerordens proklamiert.

Was seine militärische Laufbahn anbelangt, so wurde er nach erlangter Großjährigkeit dem 1ten Garde-Rgt. Zugeteilt, bei welchem er seine einleitenden Studien in Übungen gewissenhaft wahrnahm.

Im Herbst desselben Jahres bezog der Prinz die Universität Bonn, wo er 2 Jahre verblieb. –

Am 22. Januar 1881 vermählte er sich mit Viktoria, der ältesten Tochter des nun verstorbenen Herzogs von Schleswig-Holstein, einer Prinzessin von trefflicher Begabung und hoher, geistiger Bildung. Dem hohen Paare sind bis jetzt 5 Kinder geboren.

1. Pr. Wilhelm, der jetz. Kronprinz, geb. 7. Mai 1882, /

2. Prinz Friedrich,

3. Prinz August,

4. Prinz Oskar.

Kronprinz Wilhelm bestieg als König und Kaiser Wilhelm II. den Thron am 15. Juni v. J. Seine Regierung hat er mit einem schönen Programm begonnen. „Auf den Thron meiner Väter berufen“, so sagt er in seinem Erlasse an sein Volk, „habe ich die Regierung übernommen im Aufblick zu dem König aller Könige. Ich habe Gott gelobt, nach dem Leitziele meiner Väter meinem Volke ein gerechter u. milder Fürst zu sein, – Frömmigkeit u. Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen u. Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein.“ – Und nun noch einige wenige Züge aus seinem Leben:

I.

Von früher Jugend trat die Gutmütigkeit des Kaisers hervor. Als Schüler in Kassel machte er meist mit einem Freunde eine Landpartie nach der nahen Wilhelmshöhe. Eine Frau bietet den jungen Herren Maiblumensträußchen an, unter denen Prinz Wilhelm eines wählte, – dabei aber im Zweifel ist, was er der Frau zahlen soll. – Er fragt seinen Freund um Rat. Dieser antwortet, er möge nur geben, was er gerade zur Hand habe. / Prinz Wilhelm greift in seine Tasche u. giebt der Frau ein Zehnmarkstück. Die Frau geht wie unbefriedigt von dannen. Prinz Wilhelm wendet sich zu seinem Freunde: „Ich fürchte, ich habe der Frau zu wenig gegeben“. Ja, ich begreife auch nicht, was die Frau eigentlich will; sie scheint nicht zufrieden zu sein. Ich will sie doch einmal fragen, setzte der Gymnasiast hinzu, was sie eigentlich meint. „Ach, 2 Pfennige“, sagte die nochmals Herangerufene, „ist doch etwas wenig“. Als ihr aber klar gemacht wurde, daß das Erhaltene ein Zehnmarkstück sei, und sie zugleich vernahm, wer ihr das Geld gegeben, war die arme Frau überglücklich. Sie wollte durchaus, der Prinz möge dafür nun auch alle ihre Sträußchen nehmen. Prinz Wilhelm hatte seine liebe Not, die Frau zu beruhigen, daß er auf seinem Spaziergange nicht mehr brauchen könne.

—–

Und nun ihr hier in patriotischer Stimmung versammelten Mitbürger – und ihr lieben, werten Schulkinder, geben wir unserer in Vaterlandsliebe und Landesvaterliebe gehobener Begeisterung dahin Ausdruck, daß wir unsern erhabenen, jungen Kaiser hoch leben lassen. Erheben wir darum uns alle u. rufen wir aus: “Unser erhabener jugendlicher Kaiser Wilhelm II., der würdige / Nachfolger und Sohn des Duldners von St. Remo, er lebe – hoch! Und noch einmal – hoch.“ Und abermal – Hoch!

Falk

Hauptlehrer

<Joseph Prümm, Lehrer, Rendant>

1889

1. Oktober trat Herr Lehrer Falk nachdem er 45. Jahre an hiesigem gewirkt hatte mit 1595 M. Pension in den wohlverdienten Ruhestand.

An seine Stelle trat ich, Joseph Prümm, geboren am 13. Febr. 1863 zu Bisten, 1 Stunde von Differten als Sohndes dortigen Lehrers und Rendanten. Die Vorbildung genoß ich im Präparandenkursus zu Saarlouis. In den Jahren 1880-1883 war ich in Wittlich als Zögling im dortigen Seminar. Darauf genügte ich meiner Militärpflicht in Diedenhofen. Meine erste Anstellung erhielt ich nach Düppenweiler, Kreis Merzig. Nach fünfjähriger Thätigkeit an diesem Orte wurde ich nach Losheim, desselben Kreises berufen, woselbst mir die Hoffnung gegeben wurde von seiten der Behörde, mein Gehalt werde von 1050 M. auf 1200 M erhöht. Allein die dortigen „Manschettenbauern“ glaubten, der Lehrer als überflüssiges Übel habe schon zu viel mit 1050 M. Glücklich war ich daher, als ich schon nach 1 Jahre nach Differten berufen wurde.

12. Oktober.

Fand in dem festlich geschmückten Schulsaale der Knabenoberklasse die feierliche Verabschiedung des Hr. Falk und die Einführung meiner Person durch Herrn Lokalschulinspektor und Pfarrer Bach statt. Die Feier begann mit einem Hochamte. Darauf versammelten sich die Bewohner von Differten u. Friedrichweiler in dem genannten Saaele, woselbst die Feier durch Gesang, Gedichte, und Festrede verherrlicht wurde. Als Geschenk verehrte man ihm (Falk) einen — Sessel. /

1. November

trat Herr Zillig, Lehrer an der Mittelklasse einen sechsmonatlichen Urlaub wegen Krankheit an. Als Vertreter wurde Hr. Schlicker aus Landsweiler, Krs. Ottweiler, geschickt. Derselbe bezog eine Remuneration von 2 M pro Tag zu einer Zeit, wo ein Bergmann 6 – 7 M pro Schicht verdiente.

1890

Neujahr brach über unsere Gemeinde die Influenza herein, von welcher fast alle Einwohner mit wenigen Ausnahmen befallen waren. Das ganze Lehrpersonal war davon befallen. Während anderweitig die Schulen fast überall geschlossen waren, wurden sie hier nicht, trotz dem es beantragt war und über 50 % der Kinder fehlten.

27. Januar

Feier des Geburtstages Sr. Majestät unseres Heldenkaisers und Königs Wilhelm II. Derselbe wurde in herkömmlicher Weise gefeiert. Die Festrede hielt Lehrer Prümm. Gegenstand der Rede war: Betrachtung der Erziehung des Monarchen. Gleichzeitig wurde ein Bild Kaiser Wilhelms II., Geschenk des Ministeriums, der Schule übergeben.

1. Oktober

trat Herr Zillig in den Ruhestand, nachdem in der Zeit seiner Beurlaubung man es verschiedentlich versucht hatte, ihm am Zeug zu flicken. Sein Nachfolger ist Lehrer Peter Adolf Groß, geb. zu Körperich Krs. Bitburg.

1891.

Feier des Geburtstages Sr. Majestät, Wilhelm II. nach folgendem Programm:

1. Gottesdienst,

2. Schulfeier: Chorlied.

Es folgten Gedichte, von den Schülern der einzelnen Klassen, mit Gesängenabwechselnd.

Im Schmidtschen Lokale war Festessen mit 20 Teilnehmern.

Juli

Den 9. War Submission für die Arbeiten zum Neubau einer Kirche in gothischem Style. Bauleiter war Architekt Hecktor aus Roden. Unternehmer Strauß von Merzig übernahm die Maurerarbeiten mit Aufgebot von 8 %. Der Bau wurde in demselben Jahre bis Fensterbankhöhe geführt. /

1891

Dieses Jahr war von hoher Bedeutung wegen der Arbeiterbewegung. Auch in Differten schloß man sich derselben an durch den Beitritt zum Rechtsschutzverein. Die Führer waren Georg Sander u. Nik. Hammacher, beide Personen von zweifelhafter Güte. Beide sind charakterisiert durch folgende Begebenheit: Im Soff verabreden sich beide, ihre Frauen zu prügeln, was denn auch vollzogen wurde, worauf sie in der Gonderschen Wirtschaft ruhig weiterzechten.

1892

Am 27. Januar bei reger Beteiligung Königsgeburtstagsfeier im Saale der oberen Knabenklasse.

<Adolf Groß>

Schulchronik

1. Jetzige Gestalt der Schule zu Differten (Klassen, Schulsäle, Wohnungen)

Die Schule zu Differten umfaßt gegenwärtig 6 Klassen (Schule Friedrichweiler eingeschlossen) und zwar zu Differten 2 parallele Oberclassen, 1 gemischte Mittelklasse und zwei parallele Unterklassen, in Friedrichweiler: 1 gemischte Klasse mit sämtlichen Jahrgängen. Die Zahl der Schüler in den einzelnen Klassen beträgt, wie unten unter „Statistisches“ angegeben. Die Kinder werden in 4 Schulsälen unterrichtet (Differten). Mittelklasse und Knabenunterklasse haben einen Saal gemeinschaftlich. Es bestehen für 4 Lehrpersonen Dienstwohnungen, und zwar sind in einem Hause 2 Wohnungen für den Lehrer an der ersten und für den an der gemischten Klasse. Die Zimmer sind zwar etwas niedrig, aber doch zieml. geräumig und es ist als ein schätzenswerter Vorzug zu bezeichnen, daß beide Wohnungen trocken sind. Dagegen entsprechen die Wohnungen, besonders aber die Schulsäle der beiden Mädchenklassen nicht den Anforderungen, die die heutige Zeit sowohl in sanitärer als auch ästhetischer Hinsicht an die Erziehungsstätten der Jugend stellt. Während die Schulsäle der beiden Knabenklassen hoch, gesund, hell, luftig und geräumig sind, kann man von den alten Sälen ungefähr das gerade Gegenteil sagen. Der Hauptgrund dieser Mängel soll in der geringen Leistungsfähigkeit der Gemeinde liegen. Wenn dieser Grund nun früher auch zutraf, und auch heute auf der Gemeinde große Lasten ruhen, / so kann man doch angesichts des stets wachsenden Wohlstandes die feste Hoffnung hegen, daß besagte Übelstände bald beseitigt werden.

<Statistisches

Gegenwärtige Schülerzahl (1896) Ostern A.1 Knabenkl. 55 Schül. B 1. Mädchenklasse 55. C. Gemischte Mittelkl. 75 Schül. D Untere Knabenkl. 79 Schül. E. Untere Mädchenkl. 55 Schül. F. Schule zu Friedrichweiler.>

Gegenwärtig wirken an den einzelnen Klassen folgende Lehrkräfte. I. Knabenklasse: Lehrer Adolf Groß geboren am 27. Oktober 1862 zu Körperich im Kreise Bitburg als Sohn des dortigen Lehrers. Seine Vorbildung für Seminar geschah im Pärparandencursus zu Bitburg und fiel in die Zeit des Lehrermangels Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre. Aus diesem Grunde verwaltete er 2 Jahre lang die Schulstelle zu Ordorf bei Dudeldorf. Seminar zu Wittlich 1880 – 83. 1 Schulstelle zu Darscheid im Kreise Daun, 2. Zu Walsdorf im selben Kreise (1885-1890) und seit Herbst 1890 in Differten, bis zum Ausscheiden des Lehrers Prümm an der Mittelklasse und seit Herbst 1894 an der Knabenoberklasse. II. Klasse (Gemischte Mittelklasse). Lehrer Wilhelm Loch, geboren am 1. März 1858 zu Merscheid, vorgebildet im Lehrerseminar zu Metz, wirkte als Lehrer an den Schulstellen zu Hargarten und Lubeln <d.i. Longeville-lès-Saint-Avold> in Lothringen, ferner in Göttelborn und Überherrn im Regierungsbezirk Trier. Die hiesige Stellte trat Hr. Loch im Jahre 1895 an. (1. März).

<Anmerkung zu Lehrer Loch:

Hr. Loch wurde an die hies. Volksschule ernannt am 1. März 1895. Derselbe ist geboren am 4. Nov. 1858 zu Morscheid, Krs. Berncastel. Sein Vagter, auch Lehrer, siedelte im Jahre 1875 ins Reichsland über, „woselbst man als Preuße der Bevölkerung ebenso fremd gegenüber stand, als ob man in Amerika wäre“. Seine Ausbildung erlangte Hr. Loch im Kaiserl. Lehrerseminar zu Metz 1877-80. Nach 5jähriger Dienstzeit sehnte er sich jedoch nach / Verwendung im Heimatlichen Schuldienst, „da das Germanisierungsgeschäft in Lothringen ein sehr undankbares war.“ „daß mir die in Lothringen zugebrachten Jahre in Preußen nicht angerechnet würden, hatte ich allerdings nicht erwaret, trotzdem möchte ich in die früher. Verhältn. Nicht zurückkehren, da die Loth. Bevölkerung den Preußenhaß noch so lange nicht aufgeben wird.“>

Knabenunterklasse: Lehrer Baptist Stummbillig, geboren zu Neunkirchen, wurde zum Lehrfach im Seminar zu Wittlich ausgebildet, war zuerst als Lehrer an der Schule zu Reuland im Kreise Prüm, dann zu Fickingen im Kreise Merzig und seit Ostern 1896 an der hiesigen Schule. /

Mädchenoberkl. Frl. Ruthsatz, geboren zu Saarburg, daselbst im Seminar vorgebildet und seither, 12.5.1879, an der hiesigen Volksschule.

Mädchenunterkl. Frl Grein aus Gersweiler, Kreis Saarbrücken, ist seit 1895 in Differten, vorher in Schöndorf, Landkreis Trier.

In der neugegründeten Schule zu Friedrichweiler wirkt als Lehrer Hr. Peter Wagner, geboren zu Schiffweiler Kreis Ottweiler, vorgebildet im Präparandencursus zu Neunkirchen und im Seminar zu Wittlich 1892/95.

Die hiesige dritte Lehrerstelle (5. Schulkl. Überhaupt) wurde im Jahre 1893 gegründet und am 1. Juli desselben Jahres durch den Lehrer Hrn. Alken aus Trier besetzt (Seminarist zu Prümm 1890/93.) Genannter Herr wurde ohne seinen Antrag von Oster 1896 an an die Schule zu (Ostern) Güchenbach berufen. Er war hier ein tüchtiger Lehrer, der nach dem zeugnisse seiner vorgesetzten Behörden mit gutem Erfolge unterrichtete, auch ein aufrichtiger und jeder Zeit gefälliger Kollege.

Das neue Schulhaus zu Friedrichweiler wurde durch den Unternehmer Herrn Schneider aus Bous erbaut. Haus und Schulsaal wurden durch Herrn Pfarrer u. Lokalschulinspector Bach im Beisein sämtl. Lehrpersonen und der Ortsbehörden am 19. Februar 1896 feierlich eingeweiht. Die Schule ist mit hübschen und zweckmäßigen Lehrmitteln bedacht. Die Wohnung wird freundlich, und es ist ein hinreichender Garten in Aussicht genommen. /

Es mag für die Beurteilung mancher Erscheinungen im Schulleben nicht unwichtig sein, einen Blick auf das Verhältnis bezw. Die Stellung der Gemeindebewohner zur Schule zu werfen. Und da würde mein Urteil, nach beinahe sechsjähriger Erfahrung lauten: Nicht übelwollend, aber indifferent. Als Belege zu dieser Behauptung möchte ich folgende Erfahrungen mitteilen: Die Teilnahme an den öffentlichen Schulprüfungen ist gleich Null, trotz der waremn Einladung des Herrn Lokalschulinspectors. Mögen manche andere Gründe in einer Anzahl von solchen Fällen zulässig sein, vielmehr zugegeben werden, alle sind jedenfalls nicht leicht zu entschuldigen, besonders begreife ich nicht das Ausbleiben solcher Eltern, die in der Schule brave und fleißige Kinder haben, vor allen Dingen aber nicht das Fehlen derjenigen, die über das Wohl und Wehe der Gemeinde und nicht am wenigsten auch der Schule zu urteilen sich berufen glauben.

Dann aber, und das ist ungleich fühlbasrer für den Lehrer, kann man im allgemeinen (mehrere Ausnahmen werden bereitwilligst und freudigst zugegeben) keinen Einfluß der Eltern auf die Anfertigung der Hausaufgaben merken. Ja, den Kindern wird vielfach nicht die nötige Zeit verstattet, die dringenden Schularbeiten zu erledigen: jahraus jahrein Holz- u. Futtersuchen. Daß dieses ewige Waldlaufen (nicht bloß bei den Dürftigen!) auch auf die gesamte Erziehung einen nachtheiligen Einfluß ausübt, dürfte klar sein. /

Der Hauptgrund zu diesem passiven Verhalten der Schule gegenüber liegt hauptsächlich darin: Wenn der Knabe der Entlassung der Schule entgegensieht, so ist er nur noch von dem erklärlichen Gedanken beseelt, bald Arbeit zu finden: sein letztes Ziel ist, Bergmann zu werden. Dieser Gedanke wird schon früh in dem Jungen genährt, und in der Erfüllung dieses Wunsches erblicken Eltern und Kinder ihr einzig erstrebenswertes Ziel. Leider wird die Annahme der Jungen seitens der Bergwerks- und Fabrikverwaltungen zum allergeringsten Teile von der Beschaffenheit des Entlassungszeugnisses abhängig gemacht, obwohl es klar ist, daß von dieser Seite auf das Betragen der Kindern, aber auch auf die Eltern der Weise eingewirkt werden könnte, daß sie auf Fleiß u. Ordnung der Kinder mehr als bisher achten.

Bemerkenswertes aus dem Schulleben der letzten Jahre (Ergänzung zu den Aufzeichnungen der Herren Falk u. Prümm

Im Frühjahr des Jahres 1893 beehrte Hr. Regierungs- und Schulrat Dr. Flügel die hiesigen Schulen mit seinem Besuche und veranlaßte die Gründung der 5. Schulklasse hierselbst.

Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät wird in jedem Jahre feierlich im Schulsaale der Mittelklasse begangen. Die Beteiligung war jedesmal eine sehr starke und der Verlauf des Festes ein schöner und erhebender.

Am Montag nach Weiß-Ostern 1895 machten die beiden hiesigen Oberklassen unter Teilnahme sämtl. Lehrpersonen einen Ausflug nach dem Schlachtfeld von Spichern. Die Bahn brachte uns gegen 11 Uhr nach Saarbrücken, von da ging es in geschlossener Kolonne durch die Städte bis zur „Neuen Bremm“. Nach kurzer Rast erstiegen wir die Höhen an der Stelle, wo die Brigade „Francois“ den Sturn unternahm und standen auch an der Stelle, wo er (Francois) vermutlich den Heldentod starb. Einige Worte über den Tod dieses Mannes, an der Spitze / seiner Truppen machen auf die Knaben einen sichtlichen Eindruck. Es wird nach und nach aufgrund des Werkchens von Ruppersberg (illustr. Von Maler Röchling) den Knaben der Hauptverlauf der Schlacht klar gemacht unter besonderem Hinweis auf die fast übermenschlichen Anstrengungen der preußischen Truppen. Geschichtsunterricht bei einer solchen Staffage! Wir waren stolz darauf; denn wie vielen Schulen ist Ähnliches nicht vergönnt. Auf der Höhe des Berges macht sich dann schließlich die hoch gestiegene Begeisterung Luft durch den Gesang patriotischer Lieder, brausende Hochs auf den siegreichen Führer und die tapfern gefallenen u. überlebenden Kämpfer, sowie auf unseren Kaiser Wilhelm der das überkommene Erbe im Sinne des Heldenkaisers und des herrlichen Vaters verwaltet. Nach dem Abstieg einige Stunden Ruhe in Saarbrücvken und dann fröhliche Gemeinschaft! Der Nutzen eines solchen Spaziergangs besonders auch in geographischer Hinsicht, ist gewiß nicht zu unterschätzen.

Das Jahr 1892 brachte uns viele Maikäfer. Die Schüler unter Aufsicht ihrer Lehrer mußten sich felißig dem Vertilgungsgeschäfte dieser ungebetenen Gäste widmen. Es scheint die mühsame, unerquickliche Beschäftigung recht erfolgreich gewesen zu sein, das das folgende Flugjahr 1895 uns verhältnismäßig wenig von diesem Ungeziefer brachte, während die übrigen Orte der Bürgermeisterei davon förmlich überflutet waren. /

Schulchronik 1896

15. März

Die Schulprüfungen an den hiesigen Schulen fanden am 15. U. 16. März statt.

Ostern

Gingen zur H. Kommunion 13 Knaben u. 18 Mädchen.

Versetzung des hies. Königl. Kreis-Schulinspectors Herrn Dr. Kallen als Seminardirektor nach Elten und Verwaltung der Inspect. Durch Hrn. Dr. Baiers aus Merzig.

2. September

Feier des Sedanfestes. Nach der Schulfeier Spaziergang über Friedrichweiler nach Kreuzwald, Hargarten, Falk, Merten, Überherrn und von da nach Hause.

1897

Januar

Brachte in der Familie des Lehrers Groß 3 schwere Diphteritisfälle, die aber glücklich verliefen, insofern keines der drei betroffenen Kinder starb, doch waren die Folgen für die Sprachorgane und das Gesicht zweier K. sehr schlimm, so daß der Besuch der Schule ärztlicherseits bis Ostern untersagt wurde. Schlaf- und Wohnzimmer mußten auf höhere Anordnung völlig desinfiziert werden u. bei der Gelegenheit wurde endlich ein altes, kaum bewohnbares Zimmer völlig neu gemacht (auf dem Gang vorn rechts).

1. Jan.

Hr. Lehrer Wagner von Friedrichweiler nach Ritterstraße und Hr. Lehrer Herres von Rammelfangen nach Friedrichweiler versetzt.

27. Januar

Gemeinsame Feier des Geburtstages Sr. Majest. des Kaisers im Saale des Wirthes Michel Hess. Der Schulfeier ging ein Festgottesdienst voraus. Daran schloß sich der Festakt der Schulen nach dem umseitig angeführten Programme:

Programm zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers.

1. Lied: Was ist des deutschen Vaterland?

2. Deklamat: Hurra heut ist ein froher Tag.

3. Heut ist mein Herz so fröhlich.

4. Lied.

5. Als sich der Kaiser nicht vermählte.

6. Lied: Dem Kaiserhaus.

7. Der Dorfknabe am Geburtstag des Kaisers.

8. Ein Hohenzoller hält fest.

9. Lied: Als die Trommel klang.

10. Die Kaisergarde.

11. Mein Kaiser.

12. Ich bin Husar gewesen.

13. Mein Vaterland.

14. Die deutsche Kaiserkrone.

15. Lied. Am grünen Saum der Saar.

16. Hoch dem Heldenkaiser.

17. Sannsouci.

18. Königin Louise.

19. Im Dienst der Liebe.

20. Lied. Hinaus in die Ferne.

21. Patriotisch. Festspiel von Küppers: „Prinz u. Kaiser“

22. Lied. Die Wacht am Rhein.

23. Festrede des Lehrers Stummbillig.

24. Heil dir im Siegerkranz. /

Programm 1897

22. März

1. Die Wacht am Rhein (Von allen Anwesenden gesungen).

2. Deutsche Kaiserweihe.

3. Der Kaiser u. der Bauer.

4. Im Forste bei Hubertusstock.

2. Lied Was ist des deutschen Vaterland.

6. Das treue deutsche Herz.

7. Ein Kaiserwort.

8. Es zog ein bleicher Engel.

9. Lied. Wer ist der greise Siegesheld?

10. Zum 100. Geburtstag Wilh. d. Ersten

11. Germania.

12. Kaiser Wilhelm I.

13. Lied.

14. Patriotisch. Festspiel von Hoischen.

15. Gedächtnisrede auf Wilhelm d. Großen. Idee. Die Einigung des Reiches durch Wilhelm I. (Lehrer Groß´).

16. Deutschland über Alles.

17. Hoch auf Kaiser Wilh. II.

18. Nationalhymne.

23. März

Am 23. März machten die Schulen einen Ausflug über den Geisberg nach Wadgassen. Fast alle Knaben trugen Schwarz-weiß-rote Fahnen. /

1897.

März

Am 29. u. 30. März fanden in den hiesigen Schulen die Osterprüfungen statt. Die Ostern zur Entlassung gelangenden Kinder (16 Knaben, 16 Mädchen) besuchen jedoch die Schule noch bis zum Schluß des Samstags.

25. April

Es gingen am Weißen Sonntag zur ersten H. Kommunion: 23 Knaben und 24 Mädchen.

26. April

An diesem Tage machten die tags vorher zur Heil. Komm. Gegangenen Kinder in Begleitung ihrer Lehrer, sowie des Herrn Pastors Bach eine Spazierfahrt nach Metz. Der erste heitere, warme Frühlingstag! Die Freude der Kleinen zu schildern, ist überflüssig, wenn man bedenkt, daß noch keines von den Kindern eine solche Stadt gesehen hatte. Von den in Augenschein genommenen Sehenswürdigkeiten seien erwähnt: Der Bahnhof, die prachtvollen neuen Kasernen, der Dom, die unvergleichlich herrliche Esplanade mit dem Reiterstandbild Wilhelms des Großen, einige hervorragende Pfarrkirchen und das kaiserliche Lehrerseminar, (ehemaliges Jesuitenkloster), dessen Director Hr. Dr. Vigetzt uns freundl. Aufnahm, und alles Sehenswerte zeigte und uns zuletzt im Speisesaal mit Wein u. feinem Weizenbrot regulierte. Der Eindruck der ganzen Reise war ein ausgezeichneter.

27. April

Beginn des Unterrichts für das Sommersemester. Es wurden neu aufgenommen: 34 Knaben und 18 Mädchen.

Juni

Der hiesige Gemeinderat setzte in seiner Sitzung im Juni auf Vorschlag des Herrn Bürgermeisters Clemens die Gehälter der hiesigen Lehrer und Lehrerinnen in dankenswerter Weise fest, wie folgt:

1. Lehrer: a. Grundgehalt 1200 (erste Lehrerstelle 1350 Mrk).

b. Altersstufen 9 zu je 150 Mrk.

2. Lehrerinnen: a. Grundgehalt 900 Mrk.

b. 9 Altersstufen zu je 100 Mk. /

1897.

Juni 6.-11. Vom 6. Bis 11. Juni dauerten die Heuferien (Pfingstferien).

Juli 24.-1.

Die Heuferien begannen am 24. Juni und dauerten bis zum 1. Juli.

20.S.-16. Oct. Herbstferien vom 20. September bis 16. October.

Mitte Oktob.

Durch Erlaß des Herrn Kultusministers werden Hrn. Loch bei der Regulierung der Gehälter der in Lothringen zugebrachten Dienstjahre angerechnet. (Siehe Fußnote S. 5).

Ende Octob.

Der Schüler Jacob Käf wurde auf Antrag der Schule entlassen (26. Octob.).

Nov. 15.

Lehrerkonferenz zu Fraulautern unter Vorsitz des Kreis-Schulinspectors Herrn Grimm und unter Anwesenheit des Reg. u. Schulraths Herrn Dr. Flügel.

Von Anfang November an ist der Gesundheitszustand unter den Knaben ein mangelhafter; 2 erkrankten an Typhus; jetzt (6. Dez.) ist eine kleine Besserung festzustellen.

1898.

27. Jan. Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät.

Vorerst fand ein feierl. Hochamt mit Tedeum statt, dem sämtl. Schulkinder und das Lehrpersonal, alle Veteranen der Feldzüge 1848, 64, 66, 70/71 sowie eine große Menge anderer Bewohner Differtens beiwohnten. Der Schulfestakt fand im Saale des Wirtes Heß statt (gemeinsame Feier für alle Klassen).

Der Saal war schön geschmückt und die Büste des Kaisers prangte in einem Walde von Grün und Blumen.

1898. Januar.

Programm zur Feier des Geburtstages S. Maj.

1. Lied. Was glänzt dort vom Walde ein Sonnenschein?

2. Deklamat. Festfreude.

3. „ Des Kaisers Geburtstag.

4. „ Der gute Kaiser.

5. „ Geburtstagsstückchen

6. Lied.

7. Deklamat Kaisers Geburtstag.

8. Fritz und der Regenschirm.

9. „ Schwarz-weiß-rot.

10. „ Dem Kaiser.

11. „ Gruß an Kaiser Wilh.

12. Lied. Die No. 40.

13. Deklamat. Kaiserlied der Kinder.

14. „ Der erste Sieg.

15. Festspiel. Preußenlied (Obere Mädchenkl.).

16. Lied Herr Heinrich saß am Vogelh.

17. Festspiel. Deutschland über alles.

18. Festrede.

19. Heil dir im Siegerkranz.

21. u. 22. März

Die Osterprüfungen fanden am 21. u. 22. März statt. An denselben nahmen teil der Hr. Local-Schulinspektor, sowie die Lehrpersonen der Ortsschulinspektion. Die Beteiligung seites der Ortseingesessenen war ganz gering.

1898.

6. April.

Die Entlassung der Schüler und Schülerinnen, sowie die Aufnahme der Kleinen geschah am 6. April. Entlassen wurden 14 Knaben und 14 Mädchen. Neu aufgenommen wurden Knaben und Mädchen.

17. April.

Zur H. Kommunion gingen 24 Knaben und 16 Mädchen.

Im Herbste wurde der Schüler Johann Peter Schneider auf Reklamation entlassen.

1899.

1. Jan.

Am Neujahrstag starb der pensionierte Lehrer Herr Falk nach kurzer Krankheit an den Folgen einer Lungenentzündung. Über seine segensreiche Thätigkeit in Differten ist schon an anderer Stelle in diesem Buche berichtet worden. Er war das Muster eines soliden und thätigen Mannes für die ganze Gemeinde, ein Vorbild für alle Kollegen. Er lebte noch 9 Jahre nach seiner Pensionierung und erfreute sich seiner vorzügl. Gesundheit.

5. Mai.

Der heutige Tag bedeutet einen Markstein für die Geschichte der Gemeinde Differten sowie auch der Schule. Pfarrer und Lokalschulinspektor Hr. Bach starb plötzlich infolge eines Herzschlages. Des Morgens fand man ihn tot im Bette. Nach vorhergegangenen kurzen Leiden durfte man sich gerade der Hoffnung hingeben, daß nunmehr wieder alles im gewohnten Gleise sei, da kommt dieser jähe, unerwartete Schlag. Von der unbegrenzten Liebe, mit dem die Pfarrkinder an dem Verstorbenen hingen, sowie an dem in jeder Hinsicht edeln u. erhabenen Charakter des Heimgegangenen, besonders aber von dem liebevollen Herzen geben nicht nur die erhebenden Begräbnisfeierlichkeiten, die ehrenden Nachrufe und die Lobreden seiner geistlichen Mitbrüder, sondern vor allem die tiefaufrichtige Trauer seiner Pfarrangehörigen lebendiges Zeugnis. Man könnte den Verstorbenen das verkörperte Pflichtbewußtsein nennen, verklärt vom Schimmer einer hingebenden Liebe. Obwohl er selbst im Leben von „apostolischer Einfachheit war, so gönnte er von Herzen einem jeden seiner Schäflein unschuldige Freude und frohen Genuß.

Herr Pfarrer Bach war, und das verdient gewiß an dieser Stelle hervorgehoben zu werden, ein warmer Freund der Schule. Er erkannte die hohe Bedeutung einer guten Erziehung und einer sorgfältigen Ausbildung des Geistes und Körpers und war eine kräftige Stütze des Lehrpersonals in allen guten Bestrebungen. In seinem Herzen wohnte auch echter Patriotismus, das bewies seine lebendige Teilnahme an den Vorbereitungen für die Feier des Geburtstages seiner Majestät und seine kindliche Freude beim Vortrag der Gedichte, Lieder u. Festspiele. Ein warmer Freund der Arbeiter, der stets zur Achtung vor Gesetz und Obrigkeit ermahnte und stets Gehör fand.

So wird Herr Pfarrer Bach fortleben in den Herzen seiner Kinder als edler, eifriger Priester, als jederzeit hilfsbereiter Mensch, als Freund der Leidenden, als Förderer der Schule, als treuer Staatsbürger.

„Ach sie haben

einen guten Mann begraben

und uns war er mehr.“

Mai 26. Tod des pens. Lehrers Hrn. Zllig.

Am 26. M. d. J. verstarb der pensionierte Lehrer Herr Zllig an den Folgen eine slangjährigen Kehlkopf- und Lungenleidens. 21. Jahre lange wirkte er an der Mittelklasse zu Differten und war gleichzeitig Organist und Chorführer. Er wurde bereits im Jahre 1890 pensioniert, nach dem er 1 ganzes Jahr lang beurlaubt war. Der Verstorbene erfuhr eine sehr verschiedene Beurteilung hierselbst. Jedenfalls fand er nicht die Anerkennung, welche er verdiente. Ich konnte noch 9 Jahre mit ihm verkehren und kann ihn nur schildern als einen treuen, freundlichen Kollegen, der gerne jedermann mit Rat und That beisprang. /

Der Herr Zillig war geboren zu Meierbach Krs. St. Wendel (1842), besuchte das Seminar zu Brühl von 1862 – 1864 u. wirkte als Lehrer zu Differten.

Merkwürdig ist folgende Thatsache:

Am 1. Januar 1899 starb Herr Lehrer Falk, dessen erste und einzige Stelle Differten war, woselbst er 45 Jahre wirkte. Ihm folgte am 5. Mai dess. Jahr. Herr Pfarrer Bach, dessen erste u. einzige Pfarrei Differten war, woseblst er 38 ½ Jahr thätig war. An dritter Stelle starb Herr Zillig (am 26. Mai), dessen erste u. einzige Stelle ebenfalls Differten war, wo er 36 Jahre arbeitete.

Der Tod hat sie nach kurzer Trennung wieder vereinigt.

1900.

Jan. 27.

Kaisers Geburtst.

Schulfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers.

Die Feier fand statt in dem geschmückten Saale des Wirtes Mich. Heß unter Teilnahme sämmtl. Schüler und Lehrpersonen, sowie des Herrn Ortsschulinspektors, der Ortsbehörde, vieler Veteranen und anderer Bewohner von Differten. Dieselbe begann gegen 10 Uhr, nach dem ein feierliches Hochamt mit Tedeum vorausgegangen war.

Programm.

Programm.

1-4 Knaben-Unterkl.

1. Lied. Ich hab‘ mich ergeben. 2. Dekl. Festfreude

3. Dekl. Ein Hohenzoller hält fest.

4. Dekl. Thu‘ deine Schuldigkeit.

5. „ Der gute Kaiser.

6. „ Zwei Blümlein.

7. „ Das deutsche Mädchen

8. „ Die drei Kaiserblumen

9. Ein Hoch auf den Kaiser. /

1900 betrifft.

Programm zur Königsgeb.feier.

10. Lied. Treue Liebe bis zum Grabe.

11. Dekl. Mit Gott für König u. Vaterland.

12. Kaiser Wilhelm (dekl.).

13. Dekl. Zum Geburtst. des Kaisers.

14. Lied. Danket dem Herrn.

15. D. Kaisers S. Geist.

16. Dekl. Der Kaiser und die Sonntagsf.

17. Dekl. Wach auf!

18. Lied.

19. Festspiel. Kaiser Wilhelm (II. Knaben).

20. Festrede: Vergleich Preußen am Anfang und am Ende des Jahrhunderts (L. Groß).

21. Nationalhymne.

Schluß.

19. u. 20 März

Osterprüfung.

Am 19. u. 20. März fanden unter Vorsitz des Herrn Local-Schulinsp. die Osterprüfungen statt.

11. April.

Entlassung u. Neuaufnahme.

Es werden 16 Knaben und 19 Mädchen entlassen.

Zur ersten H. Kommunion gehen 18 Knaben.

23 Knaben und 22 Mädchen wurden aufgenommen. Die Zahl der Schüler beträgt insgesamt 356. Dieselbe ist somit gegen das Vorjahr um 10 gestiegen. Die Kinder verteilen sich auf die einzelnen Klassen wie folgt:

1. Mai Aufstellung vom 1. Mai:

1. Obere Knabenkl.70.

2. Mittelkl. 87.

3. Untere Knabenkl.71.

4 Ober eMädchenkl. 54.

5. Untere Mädchenkl. 69. /

1900 betrifft.

Juni Pfingstfer.

Die Pfingstferien begannen mit Samstag den 2. Juni und schlossen mit Donnerstag den 7. Juni.

Juli.

Heuferien, Große Hitze.

Dieselben dauerten vom 18. bis 23. Juni.

In der Woche vom 15. Bis 22. Juli fiel der Schulunterricht des hohen Wärmegrades wegen nachmittags aus. (durchschnittl. Morgens gegen 8 Uhr 27-28 ° C).

28. Juli.

Große Hitze.

Gegen 11 Uhr war in dem Schulsaal der großen Knabenkl. das Thermometer auf 29 ½ ° gestiegen.

Herbstferien.

Die diesjährigen Herbstferien dauerten vom 17. Sept. bis 15. Oktober. Ausgezeichnet durch schöne und beständige Witterung.

Oktober 15.

Entlassung.

Die beiden Schüler Nicolaus Bohnenberger und Peter Guillaume wurden auf Reklamation entlassen.

1901.

11. Febr.

Tod eines Schülers.

Der Schüler der Oberkl. Johann Laurent verstarb nach langem Leiden an einer schwindsuchtartigen Krankheit. Obwohl derselbe erst 11 Jahre alt war, wurde ihm doch von Hrn. Pfr. Meiers wegen seines ausgezeichneten Betragens und seines Fleißes die heil. Kommunion auf dem krankenbette im Beisein der ganzen Knabenoberkl. Gereicht.

Osterferien.

Die Osterferien dauerten vom 3. Apr. bis einschließl. 13. April.

1901 betrifft.

Ostern

Schülerbibl.

Bereits vor einigen Jahren sammelten die Schüler der Knabenoberkl. Kleine Beträge zur Gründung einer kleinen Büchersammlung. Dieses so zusammengebrachte Sümmchen wurde vermehrt durch Geldspenden unserer Bewohner von Differten, deren Interesse für die Sache geweckt worden war. Erfreulicherweise wünschten die Spender mit in den Leserkreis einbegriffen zu werden, was im Hinblick auf das dadurch bewiesene Interesse gerne zugestanden wurde. Bisher war im Dorfe recht wenig gelesen worden u. es war kaum ein Buch geschweige denn eine gediegene illustrierte Zeitschrift im ganzen Dorfe aufzutreiben. (Wohl entdeckte ich mehrere durch Kolporteure vertriebene Schundromane à Heft, 0,10 Pf.) Um nun gleichzeitig das Interesse von Groß und Klein zu wecken, wurden an erster Stellt verständliche, das Gemüt ergreifende, volkstümliche Schriften beschafft, besonders von folgenden Verfassern: H. v. Schmid, Dr. Blauberger, Isab. Braun u.a. In der Folge zeigte es sich, daß die Voraussetzungen, unter denen die Sache begonnen worden, zutreffend waren. Die Bücher wurden von den meisten Familiengliedern mit großer Freude gelesen und gar oft konnte der Ablieferungstermin nicht eingehalten werden, weil Vater oder Mutter das Buch noch nicht „aus“ hatten.

Gelegentlich eines Besuches, den Herr Kreisschulinspektor Grimm der Klasse /

1901 Betrifft.

Schülerbibl.

Erstattete, nahm dieser Herr Kenntnis von der begonnenen Einrichtung, ließ sich die beschafften Werkchen und deren Verfasser notieren und zeigte insbesondere sein Wohlwollen dadurch daß er eine Beihülfe von „Fünfzig Mark“ seitens der Königlichen Regierung zur Beschaffung weiterer Bücher erwirkte. Herr Kreisschulinspektor wählte selbst passende Werke aus, die sämtlich nebst den früher vorhandenen Sachen in einem besonderen Verzeichnis angeführt sind.

1902.

7. März. Besuch.

Aus Anlaß des geplanten Schulhaus-Neubaus trafen heute hier ein: Herr Oberrregierungsrath v. Hagen sowie ein Baurath aus Trier.

Die Herren unterwarfen sämtliche Schulsäle und Dienstwohnungen einer eingehenden Besichtigung, conferierten mit Herrn Bürgermeister Clemens, Herrn Pfarrer und Ortsschulinspektor Meiers, sowie Hrn. Ortsvorsteher Spengler und reisten gegen 5 Uhr wieder ab.

1. Mai Vergebung des Schulhaus-Neubaues.

Am 1. Mai wurde auf dem Bürgermeister-Amt zu Schaffhausen der geplante Neubau für ein Schulhaus zu Differten vergeben.

Bauunternehmer Schneider aus Wadgassen wurde die Ausführung des Neubaus übertragen.

1901: 101 Geburten, 23 Sterbefälle in der Pfarrei.

1902.

August Urlaub

Wegen Krankheit wurde Lehrer Hoffmann zum zweitenmale innerhalb eines Jahres beurlaubt und zwar auf 4 Wochen. Während dieser Zeit wurde er vertreten durch den Schulamtsbewerber Herrn Biehl aus Hülzweiler (Seminar Wittlich 1899-1902. Trat am 1. October zur Ableistung einer einjährigen Dienstzeit beim Inf.Reg. No. 69 in Trier ein).

October 12. Entlassung.

Aus der hiesigen Schule wurden durch Herrn Krs.Schulinsp. Grimm folgende Kinder entlassen: 1. Andr. Schuch. 2. Pet. Fedick. 3. Nikol. Ley. 4. Marg. Stammel. 5. Marg. Heß.

Zweite Hälfte des Oktober. Masern.

Während der diesjährigen Herbstferien brach in Differten besonders unter den Kindern im Alter bis zu 10 Jahren eine heftige Masernepidemie aus, welcher 4 Kinder (darunter ein Schulkind) zum Opfer fielen. In der obern Knabenkl. fehlten während 4 Wochen durchschnittlich 15-18 Knaben, weil in der elterlichen Familie die Masern herrschten. Erkrankt war keiner.

1. Dezemb. Urlaub

Frl. Lehrerin Berg wurde bis zum 1. März 1903 zur Herstellung ihrer Besundheit beurlaubt. Vertreterin war bis zum 10. Dezember Frl. Theobald – Friedrichsthal.

1902. Betrifft.

Dezemb. Vertretung.

Zur Vertretung der erkrankten Lehrerin Frl. Berg wurde zu erst Frl. Theobald aus Friedrichsthal, sodann vom 24. Dezember ab Frl. Rausch aus Neunkirchen Kr. Ottweiler berufen.

1903.

Feier des Geburtstages Sr. Majestät.

Am 27. Januar wurde die Feier des Kaisersgeburtstages durch die hiesigen Schulklassen im großen Saale des Gastw. A. Gonder gemeinsam begangen. Das Programm war sehr reichhaltig und erwirkte nicht nur in den Herzen der Kinder, sondern auch bei den zahlreich erschienenen Erwachsenen lebhafte Begeisterung. Die Festrede, (Lehrer Groß) feierte den Kaiser als Förderer aller Stände, insbesondere auch des Arbeiterstandes, dann als Hort des europäischen Friedens und schloß mit dem Gedanken: „der Kaiser lebt für uns – darum Treue ihm bis zum Tode.“ Der Gesang der Nationalhymne beschloß die erhebende Feier.

29. Jan. Begräbnis einer Lehrerswitwe.

Am heutigen Tage wurde unter großer Teilnahme die Witwe des am 1. Jan. 1899 verstorbenen Hauptlehrers Herrn Falk zur letzten Ruhe bestattet.

1903. Betrifft.

Ostern. Besetzung einer Lehrerstelle.

Zu Ostern wurde an Stelle der pensionierten Lehrerin Frl. Berg die Lehrerin Frl. Maria Herber berufen. Geborn zu Tettinen Krs. Saarburg, vorgebildet in der Lehrerinnenbildungsanstalt der Vorsteherin Frl. Wolter zu Marienau bei Koblenz, Examen zu Koblenz im Mai 1902, Vertretung in Winterbach bis zur Berufung nach Differten.

Sommer 1903.

1902. Neu bau, Einweihung, Verteilung der Wohnungen und Lehrsäle eines neuen Schulhauses.

Im August des vorstehend vermerkten Jahres wurde der längere Zeit geplante Neubau eines Schulhauses begonnen und wurde noch vor Eintritt des Winters im Rohen fertiggestellt. Die Vollendung erfolgte im Frühjahr 1903. Nach dem Bauplan waren drei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen vorgesehen. Die Verteilung der Wohnräume wurde aber auf Anregung der Lehrpersonen, die dieserfalls in Frage kamen, in der Weise vorgenommen, daß ein Lehrer und zwei Lehrerinnen sich in hochherziger Weise in die für zwei Familien nicht zu reichlich bemessenen Wohnräume teilten.

Die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses erfolgte im Beisein des Hrn. Bürgermeisters Clemens, des Gemeinderates, vieler Mitglieder der Gemeinde, der Lehrpersonen und Schulkinder durch Herrn Pfarrer und Lokalschulinspektor Meyers und wurde eingeleitet durch ein auf die Feier bezugnehmendes Lied. Darauf Festrede des Hrn. Lokalschulinspektors Hrn. Pfr. Meyers, Einsegnung der Räume, Schluß durch gemeinsamen Vortrag eines patriotischen Liedes ./

1903 Betrifft.

Datum.

In das neue Gebäude zogen ein: 1. Hr. Lehrer Stummbillig. 2. Frl. Lehrerin Ruthsatz. 3. Die am Tage vorher hier eingetroffene Frl. Lehrerin Herber.

1. April. Beförderung.

Herr Kreisschulinspektor Grimm wurde als Seminardirektor nach Cornelimünster berufen und trat seine neue Stelle sofort an. Wenn es auch nicht Sache des Chronikschreibers ist, Kritik an Vorgesetzten zu üben, so wird er doch seinen Nachfolgern gerne hier bekunden, daß der Weggang des Hrn. Grimm allgemein bedauert wurde, weil genannter Herr ein gewissenhafter, gütiger Vorgesetzter, und ein warmer Freund der Lehrer war. Es möge ihm auf seinen fernern Lebenswege wohl ergehen!

Juni. Vertretung.

Während der Vakanz der Stelle des Kreisschulinspektors von Saarlouis wurde der Königliche Landrat Herr Helfferich mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Kreisschulinspektion betraut.

18. Sept. Vorzeitige Entlassung.

Die Schüler Wilhelm Tabellion und Ludwig Peter Henry wurden auf Reklamation entlassen. /

1913. Betrifft.

Ernennung.

Herr Gymnasialoberlehrer Dr. Weis vom Gymnasium in Eschweiler wurde zum Königl. Kreisschulinspektor in Saarlouis ernannt und Begann seine amtliche Wirksamkeit daselbst am <kein Datum>

1904

Entlassung.

Ostern 1904 wurden aus der Knabenoberklasse 13 Knaben entlassen, aus der Mädchenoberkl. 24 Schülerinnen.

Aufnahme.

In die gemischte Unterklasse (Frl. Herber) wurden Knaben und Mädchen neu aufgenommen.

Revision.

Eine Revision der hiesigen Schulklassen durch den Königl. Kreisschulinspector Hrn. Dr. Weis fand am 23. März statt.

1905. Ostern.

Entlassung, Aufnahme, Kommunion.

Zum Ostertermin wurden 29 Knaben u. 14 Mädchen aus der Schule entlassen. Neu aufgenommen wurden 63 Kinder. Zur H. Kommunion gingen 31 Knaben und 27 Mädchen (incl. Friedrichsweiler).

Beschaffung neuer Schulwandkarten.

Auf wiederholten Antrag wurden für die Knabenoberklasse folgende Karten neu beschafft:

1. Karte von Deutschland.

2. Karte von Europa.

3. Geschichtskarte von Porschke./

1906. Betrifft.

Versetzung eines Lehrers.

Zum ersten Februar d.J. wurde Lehrer Hoffmann nach Lauterbach, Krs. Saarbrücken, versetzt. An seine Stelle trat Herr Lehrer Manderscheid, zuletzt in Lockweiler, Krs. Merzig. Gebürtig aus Daun, im Lehrerseminar zu Wittlich von 1883-1886, angestellt in Binscheid im Krs. Prümm, zweite Lehrerprüfung 1889 in Wittl. Wirkte darauf in Steffeln, Prümm, und in Lockweiler.

Entlassung, Aufnahme u. Schülerzahl.

Zum Ostertermin wurden entlassen:

12 Knaben und Mädchen, aufgenommen Knaben und Mädchen. Die einzelnen Klassen zählen nach der im Mai angefertigten Liste: 1. Obere Knabenkl. 81 Schüler. 2. Obere Mädchenkl.

3. I. gemischte Klasse.

4. II. Gemischte Klasse 88 Schüler

5. III. Gemischte Klasse

Hr. Stummbillig übernimmt die I. gemischte Kl. Hr. Manderscheid die II. g. Kl.

Herbst 1906. Neue Schulklasse.

Mit Beginn des neuen Semesters wurde hier eine 6. Schulklasse errichtet. An diese wurde die Lehrerin Frl. von Freyold berufen. Die Schülerzahl betrug Ostern 415; mithin zähle jede Klasse durchschnittl. 69 Schüler. /

1907. Betrifft.

27. Januar. Geburtstag Sr. Majestät.

Programm.

1. Gemeinsames Lied „Deutschland über alles.“

2. Vorträge der 5. und 6. Klasse.

a) Das Telegramm der Kleinen.

b) Der kleine Veteran.

3. Untere Mittelkl.

a. Schneewittchen, Dornröschen, Rotkäppchen.

b. Des Kaisers Liegblingsblume.

c. Ein Reich, ein Volk, ein Gott.

4. Obere Mittelkl.

a. Kaiser Wilhelms Lieblingsblume.

b. Der Kaiser und der Bauer.

c. der Kronprinz als Kinderfreund.

d. Husarenart.

5. Obere Mädchenklasse: Festspiel.

6. Obere Knabenkl.

a. Die kleine Wachtparade (Festsp.).

b. Unsere Flotte. (Festspiel).

c. Lied. Flagge heraus!

7. Ansprache (Hr. Manderscheid).

8. Hoch und Nationalhymne.

26. März. Entlassung u. Aufnahme

Entlassen wurden 26 Knaben und 15 Mädchen. Neu aufgenommen wurden 60 Schüler.

Von den Knaben widmen sich voraussichtl. 20 dem Bergmannsstand, 4 dem Handwerk, einer dem Lehrfach (Präparandenschule Merzig) <widmen>./

Datum betrifft.

1907. Mai

Schülerzahl pro 1907/08

Aus der Aufstellung der diesjährigen Hebeliste ergiebt sich für Differten die Schülerzahl von 440. Zunahme gegen das Vorjahr 25. Durchschnittszahl der einzelnen Klassen: 73 1/3.

Oktober. Revision.

Am 25. Oktober fand eine Revision der hiesigen Volksschule (Obere Knaben und obere Mädchenklasse, II. gemischte Kl. ) durch Herrn Kreisschulinspektor Dr. Weis statt.

1908. 27. Jan. Königsgeburtstagsfeier.

Die gemeinsame Schulfeier am 27. Januar fand im Saale des Gastwirts M. Heß statt. Derselben ging ein feierlicher Gottesdienst voraus. Der Feier wohnten der Veteranenverein und viele Einwohner der Gemeinde bei.

Programm.

1. Lied. Deutschland, über alles!

2. Gedicht: Ein deutscher Knabe.

3. Gedicht Glückwunsch der kleinen Mädchen.

4. Festspiel der Kleinen: des Winters Spenden zu Kaisersgeburtstag.

5. Festspiel „Jung Deutschland“.

6. Gedicht Der Preußen Hort.

7. Gedicht Kaisers Geburtstag.

8. Gedicht Gut Kaiserlich.

9. Gedicht Des ndeutschen Kindes Bitte.

10. Lied: Deutsche Treue. /

Datum. Betrifft.

1908

11. Die Himmelblümchen (Gedicht)

12. Lied: „Treue Liebe bis zum Grabe.“

13. Festspiel der obern Knabenklasse: „Im Reich der Zwerge.“

145. Festrede: Was verdanken wir den Hohenzollern? (Lehrer Groß).

15. Lied. Heil dir im Siegerkranz.

1908. Ostern.

Entlassung der Schüler.

Am 31. März wurden 27. Knaben und 21 Mädchen entlassen.

Der diesjährige Sommer hatte zwei Hitzperiode, die eine in den ersten Tagen des Juli, die zweite in den letzten Tagen des Aug. da morgens gegen 10 Uhr oft schon das Thermometer 26-27 ° t zeigte, so mußte nachmittags öfters der Schulunterricht ausfallen, im ganzen an 10 Nachmittagen. Die erste Periode brachte zahlreiche schwere Gewitter mit gewaltigen Regenfällen.

Zeichenkursus.

An dem im Sommer in Saarlouis stattgehabten Zeichenkursus nahmen teil:

1. Lehrer Manderscheid, Differten.

2. Lehrer Herres, Friedrichsweiler.

Erkrankung u. Vertretung.

Lehrer Stummbillig erkrankte bald nach Ostern an einem Leiden der Augen, so daß er vom Unterricht dispensiert werden mußte. Die Vertretung erfolgte durch Lehrpersonen des Systems. /

1909.

Revision 18. Jan.

Durch den Königl. Kreisschulinspektor Herrn Dr. Weis fand eine eingehende Revision der hiesigen Kabenoberklasse statt. Dieselbe dauerte 2 ½ Stunden und ersgtreckte sich über folgende Unterrichtsfächer: Bibl. Geschichte, Rechnen, Geschichte, Geographie, Naturkunde und Gesang. Außerdem wurden am selben Tage die Kl. Des Hrn. Manderscheid und die Schule zu Friedrichsweiler revidiert.

27. Jan. Feier des Geburtstages Sr. Majestät.

Wie alljährlich, so wurde auch in diesem Jahre der Geburtstag des Kaisers in Differten wieder festlich begangen. Nach einem Festgottesdienst fand die Schulfeier im Saale des Gasthauses Heß statt. Daran nahmen teil Hr. Ortsschulinspektor Pfarrer Meiers, sämtliche Lehrpersonen und Schulen, der Veteranenverein von Differten-Friedrichweiler und viele andere Bewohner unserer Gemeinde.

Vortragsordnung.

I. Lied: Hört himmelwärts Kanonendonner dringen.

II. Gedichte der untersten gemischten Kl.

1. „Klein bin ich zwar“.

2. „Was wehen denn die Fahnen.

3. „Wohl manch Gebetlein steiget.“

III. Dritte gemischte Kl. (Frl. König).

1. „Zum Geburtstag des Kaisers.

2. Glückw. des kleinen Knaben. /

3. Der kleine Trommler.

4. Festgedicht.

5. Glückwunsch des kleinen Mädchens.

IV. Zweite gemischte Kl.

1. Das Bild des Kaisers.

2. Festspiel (4 Mädchen).

V. Erste gemischte Klasse.

Festspiel: Huldigung der Knappen.

VI. Lied: Ich bin ein deutsches Mädchen.

VII. Festspiel der vereinigten Oberklassen. „Hohenzollerntugenden“.

VIII. Lied der Knabenoberkl. „Sie sollen ihn nicht haben.“

IX. Festrede des Hrn. Lehrers Stummbillig: Heil dir im Siegerkranz.

27. März.

Osterprüfung in der Knabenoberklasse.

31. März. Entlassung der Volksschüler: 20 Knaben, 18 Mädchen. (Zwei Knaben gedenken sich dem Handwerk zu widmen, einer bereitet sich fürs Gymnasium vor, Otto Hirtz) alle anderen werden Bergleute./

1909

12. Nov.

Am heutigen Tage stette Herr Regierungs- und Schulrat Hr. Dr. Bories der hiesigen Volksschule einen Besuch ab. In seiner Begleitung waren die Herren: Dr. Weis, Kgl. Kreisschulinspektor und Ortsschulinsp. Pfarrer Meiers.

21. Nov.

Der Schüler der Knabenoberklasse Joseph Bohnenberger aus Diff. starb nach langer Krankheit am 21. November; der Vater desselben schied einige Monate früher aus dem Leben.

27. Nov. Der fähigste, durch Fleiß und gutes Betragen ausgezeichnete Schüler Nikolaus Lafontaine wurde am 27. November zu Grabe getragen. Derselbe starb als Opfer der Schwindsucht.

1910. Ostern.

Da die 6 Klassen der hiesigen Volksschule teilweise so stark besetzt sind, daß eine erfolgreiche unterrichtl. Tätigkeit erschwert erscheint, so regte die Schulaufsichtsbehörde die Neugründung einer Klasse an. Der diesbezügliche Antrag wurde dem Schulvorstand zur Beschlußfassung vorgelegt. In der zu diesem Zweck anberaumten Versammlung legte der Vorsitzende, Herr Bürgermeister Rosch, die finanzielle Seite des Antrages klar. Er schilderte die Armut der Gemeinde, die drückende Höhe der Steuern und die Ebbe in der Ge/ meindekasse so eindringlich, daß sofort 3 Mitglieder (Joh. Spengler, Jo. Abel und Hr. Heß) dem Vorschlage des Vorsitzenden, die Neugründung bis Ostern 1911 zurückzustellen, zustimmten. Da somit der Einspruch der beiden anderen Mitglieder der Kommission (Hr. Ortsschulinspektor Pfarrer Meiers und Lehrer Groß) an dem Ergebnis der Abstimmung nichts ändern konnte, so fügten sich dieselben den zwingenden Gründen des Vorsitzenden unter der Bedingung, daß alle Mitglieder des Vorstandes der Neugründung einer mit einem Lehrer zu besetzenden Klasse für Beginn des Schuljahres 1911 zustimmten.

28. April Urlaub.

Am Donnerstag den 28. April trat Lehrerin Fräulein Ruthsatz einen sechswöchigen Erholungsurlaub an. Vertreterin während dieser Zeit war Schulamtsbewerberin Frl. Schwinn aus Schwalbach, Krs. Saarlouis.

19. Juli.

Der hundertjährige Todestag der Königin Luise wurde durch die hiesigen Schulklassen gebührend gefeiert. Im Saale der Wirtschaft Anton Gonder fand eine gemeinsame Schulfeier statt, der auch Herr Ortsschulinspektor Pfarrer Meieres beiwohnte. Eingeleitet wurde dieselbe durch einen Trauerchoral aus Glucks „Orpheus“. Den Mittelpunkt der Feier bildete ein Festspiel von Johanna Baltz. Fräulein König hielt eine sehr gediegene Festrede. An die würdigsten Schüler der einzelnen Klassen wurden kleine Festschriften verteilt./

1911. betrifft.

Januar. Neue Schulkl.

In der Sitzung des Schulvorstandes vom Januar wurde die Neugründung einer Lehrerstelle einstimmig beschlossen. Die dazu erforderlichen Mittel wurden vom Gemeinderat bewilligt. Die Kinderzahl beträgt Ostern voraussichtlich 453, mithin entfallen auf jede Schulklasse mehr als 75 Schüler.

27. Jan.

Feier des 27. Jan.

Eine gemeinsame Schulfeier fand im Saale des Gasthauses Anton Gonder statt. Die Bühne war festlich geschmückt. Alle Klassen wirkten durch Geang und Deklamation bei der Feier mit. Sowohl die hübschen Gedichtchen der Kleinen wie auch die größeren Festspiele der Oberklassen gefielen allgemein und belebten das patriotische Gefühl der zahlreich erschienenen Bewohner des Ortes. Die Festrede hielt Lehrer Groß. „Wie hat Kaiser Wilhelm II. Deutschlands Größe, Macht u. Blüte erhalten und vermehrt“?

28.2.11.

Unglück.

Während der Nachmittagsschulpause betrat die Schülerin Margaretha Ley, Tochter des Dachdeckers Nikolaus Ley, ohne Wissen u. Geheiß der Lehrerin Frl. König den Schulsaal der Klasse, um kleine Ordnerdienste zu verrichten. Unter anderem wollte sie auch das Wasser in der Verdampfschale erneuern. Dabei gerieten die Kleider des Kindes in Brand. Das Kind stürzte hinaus, wurde aber erst bemerkt, als es in hellen Flammen stand. Als diese (Flammen) endlich gelöst waren, zeigten sich an einem großen Teile des Körpers schwere Brandwunden. Ein Arzt war bald zur Stelle, vermochte aber das arme Wesen nicht zu retten. Gegen 4 ½ des Morgens erlöste es der Tod von seinen schweren Leiden. /

1911 betrifft.

Lehrerwahl.

Für die neugegründete Schulstelle meldete sich Herr Lehrer Dörr als Heinzerath, der von der Königl. Regierung zur Wahl vorgeschlagen wurde. In der Sitzung des Schulvorstandes vom 11.3. wurde Herr Dörr gewählt.

Zum einseiligen Verwalter der neuen Schulstelle wurde Hr. Schulamtsbewerber Pfrang aus Cerf ernannt. Dienstantritt 21. April.

Gesehen 28.11.11. Dr. Weis.

27. Nov. Revision.

Am 28. November fand eine Revision der hiesigen Volksschule durch Herrn Kreisschulinspektor Dr. Weis statt.

24. Dez. Mission.

In den Weihnachtstagen fand hierselbst eine Mission statt, welche durch Redemptoristen aus dem Kloster zu Teterchen abgehalten wurde.

1912.

27. Jan. Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers.

Die diesjährige Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers reiht sich den früheren Schulfeiern würdig an. Dieselbe fand wiederum im schön geschmückten Saale des Herrn Anton Gonder statt. Auch die Veteranen des Dorfes nahmen Anteil. Die vorgetragenen Gedichte und Festspiele erreichten vollauf ihren Zweck und erweckten bei Kindern und Erwachsenen eine große patriotische Begeisterung. Die Festrede hielt Herr Lehrer Pfrang.

Nachmittags Festessen im Kreise der Veteranen und unter Teilnahme der hiesigen Lehrer und anderer angesehener Bürger des Ortes. Der Kaisertoast wurde durch Lehrer Groß ausgebracht./

Ostern wurden entlassen: 19 Knaben und 22 Mädchen, aufgenommen Knaben u. Mädchen. 13 Knaben ergreifen den Bergmannsberuf.

Revision.

Herr Regierungs- und Schulrat Dr. Borief und Herr Kreisschulinspektor Dr. Weis statteten der hiesigen Schule (Frl. Ruthsatz) sowie der Schule in Friedrichsweiler einen Besuch ab.

Herbst. Besitzwechsel.

Die oberhalb Differten gelegene Eulenmühle ging durch Kauf in den Besitz der Firma Gebr. Röchling über. Dieselbe Gewerkschaft sowie auch der Bergfiskus erwarben eine Anzahl Wiesen und Felder in der näheren und weiteren Umgebung der genannten Mühle. Zweck dieser Ankäufe bis heute nicht bekannt.

1913.

27. Jan. Feier des 27. Jan.

Auch in diesem Jahre beging die hiesige Volksschule den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers in würdiger Weise. Kinder sämtlicher Schulklassen trugen passende Gedichte oder Festspiele vor. Patriotische Lieder verherrlichten die Feier, die durch eine schwungvolle Festrede und gemeinsamen Vortrag der Nationalhymne beschlossen wurde. H. Stummbillig (Rede).

1913.

Schulfeier 10. 3.

In den Klassen der hiesigen Volksschule wurde das Andenken an die vor hundert Jahren erfolgte Erhebung des preußischen Volkes und an die Stiftung des eisernen Kreuzes festlich begangen. Es wurden seitens der Kinder Lieder und Gedichte zum Vortrag gebracht, und die Lehrpersonen wiesen in Ihren Ansprachen hin auf die großen Ereignisse und deren Bedeutung für unser Vaterland.

Ostern. Lehrmittel.

Auf Antrag erhielt die Schule eine Anzahl neuer Lehrmittel: Reliefkarte der heimatlichen Gegend, Industriekarte des Saargebietes, Anschauungsbilder etc. Das genaue Verzeichnis derselben befindet sich im Inventar.

Es gelangten zur Entlassung 24 Knaben und 27 Mädchen, neu aufgenommen wurden 35. Knaben und 28 Mädchen. Zahl der Schüler:

Kaiserjubiläum.

Nachdem die Gemeinde Differten bereits am 8. Juni das Regierungsjubiläum Sr. Majestät gefeiert hatte (an anderer Stelle in d. Chronik berichtet) begingen am 16. Juni die Schulen in feierlicher Weise den hohen Festtag. Nach gemeinschaftlichem Kirchgang zogen die Schulkinder, geschmückt mit patriotischen Abzeichen, unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen auf den im Walde gelegenen Turn- und Spielplatz. Dort hatten sich eingefunden der Herr Ortsschulinspektor Pfr. Meiers, Herr Bürgermeister Rosch, Hr. Ortsvorsteher Spengler und ein Teil des Gemeinderats. Schüler sämtlicher Klassen trugen Gedichte und Festspiele vor, die sich auf / den Kaiser und seine Familie und auf die Regierung unseres Vaterlandes bezogen. Dazwischen trugend die einzelnen Klassen patriotische Lieder vor. Die Festrede hielt H. Lehrer Manderscheid. Dieselbe endete mit dem Kaiserhoch und dem Gesang der Nationalhymne. Zuletzt übereichte Herr Bürgermeister Rosch dem Ortsvorsteher Spengler von hier das von Sr. Majestät verliehene Verdienstkreuz in Silber. (Näheres darüber in dem beigefügten Zeitungsauschnitt).

Freiübungen, Reigen und Spiele der Kinder beschlossen die Feier.

Prozentsatz der Versäumnisse. Schülerzahl.

1. Juli 1913.

Name der Lehrp. Schülerz. 1910 1911 1912 Bermerk.

Frl. Ruths. 59 5,4 % 4,4 % 7,9%

Hr. Stummbill. 65 5,7 % 7,8 % 10,2 % (Scharlachepidemie).

H. Manderscheid 68 7,4 % 4,4 % 5,7 %

Frl. König 73 3,7 % 5,5 % 4,7 %

Frl. Bures 74 2,4 % 3,6 % 4,4 %

Hr. Pfrang 74 5,4 % 5,1 %

Groß 60 5,5 % 4,6 % 5,8 %

473 5 % 5,4 % 6,3 %

Durchschnittl. Prozentsatz

Ges. Dr. Berief. 6.10.113 Reg. und Schulr. /

1913 betrifft.

Oktober 6. 10. Revision

Herr Regierungs- und Schulrat Dr. Berief besuchte am Montag den 6. 10. die hiesige Volksschule und revidierte die Klassen der Lehrer Pfrange und Groß.

24.10. Lehrerwahl.

In der Sitzung des Schulvorstandes vom 24.10. wurde für Differten ein neuer Lehrer gewählt. Von der königl. Regierung waren zwei Herren auf die Vorschlagsliste gesetzt worden:

1. Lehrer Ronde aus Grügelborn bei St. Wendel.

2. Lehrer Ehl aus Röhl, Kreis Bitburg.

Letzterer wurde mit allen Stimmen gewählt.

1914.

1. Jan.Schülerzahl.

Nach den Angaben der hiesigen Lehrerschaft beträgt die Gesamtzahl der Schüler in der hiesigen Volksschule 474. Davon entfallen auf die

I. Knabenkl. 60

I. Mädchenkl. 60

II. Knabenkl. zus. 68 Knaben 54, Mädchen 14

II. Mädchenkl. 45

Untere Mittelkl. Zus. 75, 39 Knaben, 36 Mädchen

Unterkl. A 69 zus. 37 Knaben, 32 Mädchen

Unterkl. B 77 zus. 40 Knaben, 37 Mädchen.

Zus. 474, 230 Knaben 244 Mädchen.

Durchschnittl. Schülerz. 67 5/7.

1915

Ostern Entlass. Neuaufn.

Die Zahl der entlassenen Kinder beträgt 56: 25 Knaben und 31 Mädchen.

Neu aufgenommen: 72 Schüler, 43 Mädchen u. 29 Knaben.

Schülerz. Nach den Angaben der Lehrpersonen beträgt die Gesamtschülerzahl 501.

Der Kreisschulinspekt. Völklingen unterstellt.

Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Trier vom 17. April 1915 Nr. II A 290 sind die Schulen der hiesigen Ortsschulinspektion (die Schulen der Bürgermeistereien Differten und Schwalbach überhaupt) dem Aufsichtsbezirk des Herrn Schulrath Hirtz in Völklingen unterstellt.

(Mitteilung des Herrn Kreisschulinspektors vom 26. April 1915.)

Schulfeier.

Am 21. Mai beging die Volksschule Differten die Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit der Rheinlande zur Krone Preußen. Jede Klasse feierte in ihrem Lehrsaale.

Die patriotische Feier in der Knabenoberklasse begann mit einem Dankgebiet, woran sich der Gesang eines patriotischen Liedes schloß. Die Ansprache des Lehrers verbreitete sich über 1. Geschichtl. U. geographische Verhältnisse der Rheinlande vor 100 Jahren. 2. Aufschwung und Blüte unserer Provinz. 3. Die segensreiche Regierung der Hohenzollern. 4. Treue um Treue (Pflichterfüllung u. hervorragende Tapferkeit der Rheinländer).

1915 Anwachsen der Schülerzahl der Gemeinde Differten.

Seit dem Jahre 1890 ist die Zahl der Schüler der hiesigen Volksschule in folgender Weise gewachsen. Sie betrug im Jahre:

1891 281 Sch.

1892 284 Sch.

1893 248 Sch.

1894 285 Sch.

1895 295 Sch.

1896 302 Sch. In diesem Jahre wurde die Schule zu Friedrichweiler gegründet.

1897 310 Sch.

1898 324 Sch.

1899 346 Sch.

1900 356 Sch.

1901 355 Sch.

1902 370 Sch.

1903 366 Sch.

1904 382 Sch.

1905 412 Sch.

1906 440 Sch.

1907 434 Sch.

1908 443 Sch.

1909 451 Sch.

1910 444 Sch.

1911 477 Sch.

1912 474 Sch.

1913 479 Sch.

1914 485 Sch.

1915 501 Sch.

1916 494 Sch.

1917 511 Sch.

1918 485 Sch.

1919 514 Sch.

1920 490 Sch.

1921 473 Sch.

1922 461 Sch.

1923 439 Sch.

1924 409 Sch. Gestrichen 399.

1925 400 Sch. Gestr. 390.

1926 410 Sch. 0stern 26 männl. 48 Sch. Aufg. 68 weibl.

/

1915 Betrifft.

5. Juli Wieder in der Heimat.

Am 5. Juli kehrte Herr Lehrer Ehl in den Ort seiner beruflichen Tätigkeit zurück und nahm mit dem genannten Tage den Dienst wieder auf.

Herr E. hatte uns gleich bei Beginn des Krieges verlassen, um dem Ruf seines Königs zu folgen. (Siehe unter Mobilmachung und Auszug.“ Schon in den ersten siegreichen Kämpfen der kronprinzlichen Armee wurde er schwer am linken Unterarm verwundet. Wir konnten ihm noch einen Besuch im Lazarett in Diedenhofen abstatten, als er nach Bamberg überführt wurde, woselbst er bis zu seiner Heilung verblieb.

Sammlung.

Die Sammlungen für das Rote Kreuz u.a. die bis zum 1. Dez. 1914 in der Oberklasse der Kann ben allein über 60 M einbrachten, flossen nunmehr auf Schwierigkeiten: Armut und Teuerung. Was die Familien ersparen können, verwenden sie für ihre im Felde stehenden Mitglieder.

An Gummi, Kupfer und Messing brachten unsere Klassen etwa 1 Ztr. Zusammen. Ans Bürgermeisteramt abgeliefert.

6. Aug. Warschau.

Am Freitag war aus Anlaß des Falles von Warschau schulfrei.

1916 Betrifft.

27. Januar.

Die hiesigen Schulen begingen den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers am 27. Januar zunächst durch gemeinsamen Besuch des Festgottesdienstes. Sodann hielten die einzelnen Klassen in ihren Lehrsälen entsprechende Feiern. Die Knabenoberklasse hatte folgende Vortragsordnung zugrunde gelegt:

1. Gemeinsames Gebet für den Kaiser.

2. Lied: Deutschland über alles.

3. Ged. Wir fürchten nichts als Gott allein.

4. Gedicht Der Landwehrabschied.

5. Lied. Treue Liebe bis zum Grabe.

6. Ged. Schwertlied.

7. Ged. Es steht die Schlacht.

8. Ged. Ostpreußisch.

9. Lied: Wohlauf Kameraden.

10. Ansprache des Lehrers.

11. Heil dir im Siegerkranz.

16. bis 18. März. 4. Kriegsanleihe.

Durch Aufklärung und Belehrung in Kirche und Schule wurde die hiesige Bevölkerung in eine für die 4. Kriegsanleihe günstige Stimmung versetzt. Infolgedessen hatte die Werbearbeit der Geistlichkeit und Lehrerschaft einen guten Erfolg: 42.000 M wurden in Differten-Friedrichw. Gezeichnet. Außerdem ergaben die Spargroschen der Schulkinder aus Differten die Summe von 439 Mark. /

Datum betrifft.

1916. 1. Mai. Schülerz.

Die Zahl der Schüler der hiesigen Volksschule betrug am 1. Mai d. J. 494. Verteilung auf die einzelnen Klassen:

1. Oberkl. der Knaben 63.

2. Oberkl. der Mädchen 64.

3. Mittelkl. 1a 79,

4. Mittelkl. 1b 69,

5. Mittel. 2 75.

6. Unterkl. B 72,

7. Unterkl. a 78.

Die Schülerzahl gegen das Vorjahr um 7 abgenommen.

Versetz.

Lehrerin Frl. König wurde mit dem beginnenden Schuljahr nach Trier versetzt. Fleißig und pflichttreu im Dienst, liebenswürdig im Umange! Sie wirkte 10 Jahre an der hiesigen Volksschule.

Die frei gewordene Stelle wurde zu demselben Termine besetzt durch die Lehrerin Frl. Meyer, welche zuletzt in Thomm, Landkr. Trier, wirkte.

Im Sommersemester fiel in der Oberkl. des Nachmittags Unterricht aus. Trotzdem waren die Urlaubsgesuche fast zahllos. Gründe: 1. Fremde Arbeitskräfte fast nicht erhältlich oder die dafür aufzubringenden Kosten unerschwinglich. 2. Die Kinder werden so viel als möglich zur Mithilfe beim Erwerb des täglichen Un/terhalts herangezogen.

Kriegssammlung.

Am 1. September lieferte die hiesige Schule an das Bürgermeisteramt ab:

½ Ctr. Gut getrockneter tadelloser Brennesselstengel, fast 2 Ctr. Gesammelter Roggenkörner, mehrere Pfund Stanion, eine Menge Weißbleche, getrocknete Erd- und Brombeerbläter, Stöpsel aus Stroh u.a.

5. Kriegsanleihe.

Zur 5. Kriegsanleihe wurden durch Vermittlung der Lehrer etwa 9000 Mark gezeichnet. Die Schulkinder brachten insgesamt 304 Mark zusammen. Diese Summe wurde bei der Kreissparkasse auf Kriegssparbuch eingezahlt.

Sammlung von Eicheln.

Die fleißige Arbeit unserer Schulkinder b. Einsammeln von Eicheln hatte ein gutes Ergebnis: 1465 Pfd. (in getrocknetem Zustande) mit einem Gesamtwerte von 73,25 M. Das Feld wird bestimmungsgemäß verwendet zur Beschaffung von Weihnachtsgaben für Krieger unseres Ortes und wurde zu diesem zwecke dem Bürgermeisteramt übergeben. Das Sammeln von Bucheckern lohnt sich in unsern Wäldern nicht. (130 Schüler ernteten in fast dreistündiger Arbeit etwa 4 Pfd.)

Zuwendung.

Der Betrag von 1,20 , welcher für Sonnenblumensamen zu entrichten war, wurde durch Herrn Schulrat Hirtz dem Bürgermeisteramt / zu Schaffhausen überwiesen. Herr Bürgermeister beauftragte den Lehrer Groß, für den Betrag einem würdigen Schüler der Klasse nötige Bücher zu nbeschaffen. Infolgedessen wurde für den Knaben Becker, dessen Vater in Mazedonien gefallen ist, ein Handatlas im Werte 1,10 M. sowie 1 Bleistift zu 10 Pfg. gekauft.

Sammlung.

Durch unsere Volksschüler wurden erneut allerlei nützliche Dinge gesammelt, und es wurde dem Bürgermeisteramt ein kurzes Verzeichnis eingereicht: 29 Pfd. Gut getrockneter Torffengrund, 3 ½ Pfd. Himbehr, 4-5 Pfd. Trockener Brombeer- und Himbeerblätter als Theeersatz, 5-6 Pfd. Staniol, anderes verwendungsfähiges Altmaterial, 260 Flaschen und eine beträchtliche Quantität Stoff- und Kleiderreste.

Meldung.

Aus Differten haben sich insgesamt 23 Kinder gemeldet zur Unterbringung in ländlichen Familien während des Sommers 1917. Es sind ausnahmslos Kinder dürftiger Familien. Die vorgeschriebene ärztliche Untersuchung fand am 4. April statt. (Minist. Erlaß v. 12.3.). /

1917 betrifft.

6. Kriegsanleihe.

Für die 6. Kriegsanleihe wurden in den hiesigen Klassen insgesamt Mark gezeichnet, und zwar:

1. Kl. V. Frl. Meier 35 M.

2. Kl. V. Frl. Bures.

3. Kl. V. H.rn Ehl 21 M.,

4. Kl. V. Hrn. Stummb. 26 M.,

5. Kl. V. Hrn. Manderscheid 12 M.,

6. Kl. V. Frl. Ruths, 11 M.,

7. Kl. V. Lehrer Groß 80 M.

Durch Vermittelung der Lehrpersonen wurden außerdem 10.250 M. gezeichnet.

Juni. Ferienkinder.

Neun Kinder der hiesigen Schule wurden durch Vermittelung des Charitasverbandes (Trier) in der Eifel untergebracht. Die Hinreise geschah während der Heuferien (18. Juni) unter Führung eines Lehrers. Heißer, arbeitsreicher Tag. Die Aufnahme der Kinder konnte herzlicher nicht sein. Zwei Kinder wurden in Prüm abgeholt. Ein Knabe kam nach Dingdorf, Pfarrer Kederlauch, ein Mädchen nach Steinmehlen b. Prüm. Die anderen fuhren bis Stat. Arzfeld. Daselbst erwarteten erwachsene Mitglieder der in Frage kommenden Familien die ihnen zugewiesenen Sommergäste. Eine Stunde Fußreise mit schwerem Gepäck – das Ziel war erreicht: Ohnscheid, Lichtenborn, Irrhausen, Sucken. (Krs. Prüm). /

1917 betrifft.

Sommer u. Herbst.

Die Zahl der Beurlaubungen für landwirtschaftliche und andere Arbeiten nimmt stetig zu. Im selben Maße schwindet das Interesse für die Schule. Stets werden zwingende Gründe für nachgesuchten urlaub angegeben, so daß es für den Ortsschulinspektor oder die Lehrperson schwer ist, in einem für die Interessen der Schule günstigen Sinne zu entscheiden. Deshalb weisen die Versäumnislisten der oberen Klassen einen hohen Prozentsatz an Versäumnissen auf (bis zu 50 %).

21. August

Sammlung.

An die Kreisdsammelstelle wurden abgeliefert: 21 Pfd. Kirschkerne, 8 Pfd. Brennesselstengel. (Brenn.: Die Brennesseln wurden als junge Pflänzchen von den Leuten gesammelt, zubereitet und als Gemüse genossen. Weiter mußten sie, noch ehe sie die für Sammelzwecke erforderliche Höhe erreicht hatten, als Viehfutter herhalten). Gegenwärtig sind zur Abnahme bereit: etwa 250 Pfd. Flaumen- und Zwetschenkerne, 50 Pfd. Kastanien, 5 Pfd. Gut getrocknete Brombeer-Himbeer- und Erdbeerblätter. 12 Pfd. Altmetall und Staniol.

18. 10. 7. Kriegsanleihe. Kriegshilfsdienst.

Füßr die 7. Kriegsanleihe wurden durch die Kinder der hiesigen Schule 245 M. gespendet. Knabenoberkl. 58 M.

Bei Einbringung unserer Buchweizenernte haben sich durch fleißige Teilnahme besonders ausgezeichnet: Peter Ahr, / Bernard Ahr, Rudolf Morschett; an zweiter Stelle sind zu nennen: Peter Zimmer, Peter Wirth u. Peter Müller, die Arbeite, auch Dreschen und Reinigen, geschehen während der Ferien. Ertrag 1 Ztr. 16 Pfd.

Schlechtes Feld, schlechte Düngung. Abgel. 30.10.17 Bürgermeister.

5. Dez. Abliefer.

An die Kreissammelstelle wurden abgeliefert:

1. 143 kg. Zwetschen- und Pflaumenkerne.

2. 20 kg. Akaziensamen.

Am 27. Okt. 1917 gingen an die Kräuter-Verwertungsgenossenschaft in Neuenahr: 5.220 kg gut getrockneter Erd-, Brom- und Himbeer-Blätter.

Außerdem sind 25 kg. Kastanien gesammelt worden.

Die Lehrer und Lehrerinnen hielten am Montag, den 10. Dezemb. eine Besprechung ab über die Art und Weise, wie sie die Veranstaltung einer Goldsammlung (Goldankaufs-Woche vom 9.-16. Dez.) am zweckmäßigsten einrichten könnten. Obwohl nach den Erfahrungen lange Zeit am orte wirkender Lehrpersonen die Aussichten für eine ersprießliche Sammeltätigkeit gering sind, so wurde doch beschlossen, im Sinne der Verfügung der Königl. Kreisschulinspektion (gez. Schulrat Schieffer) zu arbeiten. Am Freitag nachmittag gehen die Lehrpersonen mit den zum / Vortrag der Gedichte bestimmten Kindern in die Häuser, um heruaszuholen, was unter unseren Verhältnissen möglich ist.

Pensionierung und Abschiedsfeier.

Fräulein Ruthsatz, die fast 39 Jahre als Lehrerin in Differten wirkte, wurde am 1. Febr. D. Jhrs. Beurlaubt und trat am 1. April in den Ruhestand. Mit diesem Anlaß fand am 19. März im Schulsaal der oberen Mädchenklasse eine Abschiesfeier statt, an der Hr. Ortsschulinspektor Pfarrer Meirs, Hr. Bürgermeister Rosch, hr. Ortsvorsteher Spengler, die Lehrer und Lehrerinnen der Gemeinde sowie die Schülerinnen der I. Mädchenkl. Teilnahmen. Herr Pastor überreichte der Scheidenden unter anerkennenden Worten im Namen der Lehrpersonen ein Kruzifix, herr Bürgermeister verehrte im Auftrag der Gemeinde einen Sessel. Lehrer Groß gab den Wünschen der Kolleginnen und Kollegen, die zum Teil viele Jahre mit Frl. Ruthsatz gemeinsam am Werke der Jugenderziehung in Differten arbeiteten, Ausdruck. Lieder und Gedichte der Schülerinnen verschönten die Feier.

Neuwahl u. Berufung.

Mit den Bewerberinnen, die sich für die durch das Ausscheiden von Frl. Ruthsatz frei werdende Stelle meldeten, wähte der Schulvorstand Frl. Trapp, bisher Vertreterin in Fraulautern, Tochter des pensionierten Rektors Herrn. Trapp. Nach Berufung durch die königliche Regierung begann Frl. Trapp ihren Dienst mit dem beginnenden Sommersemester.

1918 betrifft.

März 20. Sammlung 8. Kriegsanleihe.

Für „Rheinhausdank“ sammelten die hiesigen Schüler 33 Mark.

Das Ergebnis der Schülerzeichnungen beträgt insgesamt 741 Mark. Auf die einzelnen Klassen entfielen:

1. Obere Knaben kl. 227 M,

2. Obere Mädchenkl. 198 M.

3. Mittelkl. der Knaben 64 M.,

4. Mittelkl. der Mädchen 227 M.,

5. Gemischte Mittelkl. 11 M.

6. Unterkl. a 34 M.

7. Vacant.

Zusammen 761 M.

Außerdem wurden durch Vermittelung von Lehrpersonen 3.000 Mark gezeichnet.

Endgült. Anstell.

Fräulein Trapp wurde auf Grund einer durch Herrn Geheimrat Wulff vorgenommen Schulrevision zur Lehrerin an der hiesigen Volksschule endgültig ernannt.

Ergebnis der Laubsammlung.

Die Schule Differten lieferte insgesamt 48,50 Ctr. Trockenlaub (Laubheu) ab. Vom 1. Aug. ab unersagte uns der königl. Revierförster Grisar die Sammeltätigkeit. Eine gegen dieses Verbot gerichtete Beschwerde reichte ich am 14. 8. Bei dem königlichen Landrat in Saarlouis ein (Herr Kreissammelleiter Schulrat Schieffer beurl.). Zum Bericht aufgefordert gab der Revierförster als Ursache seiner Maßnahmen an, daß die Kinder im Walde Schaden angerichtet hätten. Am 30. d. 8. Wurde mir der Bericht zur Kenntnisnahme und Nachachtung zugesandt, gez. Schieffer. Tatsächlich war der angerichtete Schaden zieml. gering: in einem dichten Bestand junger Eichen auf einer wohl 50 Morgen großen Fläche waren etwa 30 Bäumchen durch Verbiegen oder Abbrechen des Gipfeltriebes beschädigt. Bei der Durchforstung waren von den Pflanzen etwa 9/10 zum Abhieb bestimmt. Die Aufsicht beim Sammeln war vorschriftsmäßig. /

1918 Betrifft.

15. Sept. vorhanden.

Sammeltätigkeit.

Eisen 509 kg.

Kupfer Messing 102 kg.

Conservendosen 34,450 kg.

Gummi 5, 750 kg

Knochen 197,5 kg.

Papier 50,000 kg.

Flaschen insges. 200 Stück.

Arznei- und Teekräuter 28,500 kg.

Brennnesseln 10,000 kg.

9. Kriegsanleihe. Schülerzeichnungen 180,60 M. Vermittelt 3.100 M.

20. Dez. Stand der Markenhilfe am 20. Dez.

Lehrer Groß 885 44 1-68

Lehrer Manderscheid 660 28 69-142

Frl. Meier 45 29 143-172

Lehrer Stummbill. 124 9 173-231

Frl. Bures 74 24 232-290

Frl. Trapp 33 1 291 –

Vortrag zu Peter Lorson und seiner Liebe zu Differten

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