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Peter Burg Werke

Predigten

Zur Woche des Lebens

Fürbitten

Herr, unser Gott! Vom Pilgerweg unseres Lebens aus schauen wir auf zu dir. Wir möchten dir unsere Gebete darbringen für alle älteren Menschen: für Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für Zufriedene und Unzufriedene, für Gläubige und Zweifelnde und ganz besonders für die Verlassensten und Einsamsten unter ihnen. Darum rufen wir zu dir:

Gib allen unseren Brüdern und Schwestern die Kraft, die Beschwerden des Älterwerdens in Geduld anzunehmen und zu ertragen! – Wir bitten dich, erhöre uns!

Schenke ihnen eine unerschütterliche Hoffnung auf deinen Beistand und deine Gnade! -

Laß sie immmer wieder daran glauben, daß du Freude hast am Verzeihen und Vergeben! -

Erfülle sie mit der Überzeugung, daß sie in ihrem Alter noch viel beitragen können zum Heil der Seelen! -

Bewahre sie vor Nachlässigkeit und Trägheit im Gebet! -

Mache sie dankbar für den Ausblick auf die Gemeinschaft der Heiligen! -

Lasse sie alle miteinander würdig werden der Verheißungen Christi! -

Dreifaltiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Du hast uns zur Teilnahme an deinem göttlichen Leben geschaffen. Du begleitest uns auf allen unseren Wegen und Stegen mit deiner Güte. Du willst uns nach der Mühsal dieses Lebens ausruhen lassen in deinem Frieden. Nie können wir dir genug dafür danken. Nimm unseren guten Willen und unser Vertrauen als Zeichen unserer Dankbarkeit an. Amen.

Zur Einführung

Wir sind vorwiegend ältere Menschen, die zu dieser Eucharistiefeier zusammengekommen sind. Im Alter singt und träumt man gerne von der Jugendzeit. Wieder jung sein, lange gesund leben können. Das sind Träume und Wünsche, die auf vielerlei Weise zum Ausdruck kommen können. Als ich in den 60iger Jahren Pfarrer von 6 Orten in der nordwürttemberg. Diaspora war, gehörte zu meiner Pfarrei auch der Ort, in der sich die Altweibermühle gehörte ….

Und auf meiner letzten Südamerikareise kam ich auf die sagenumwobene Sonneninsel. Dort trank ich auch aus der Incaquelle.

Ja, das ist der Menschheitstraum …. Hier und in dieser Stunde sind wir auf dem Wege ihn zu erfüllen … Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf …

Gott ist die Quelle allen Lebens. Er will uns ein ewiges Leben schenken.

Bekenntnis – Den Gott der Liebe und des Lebens wollen wir anrufen um sein Erbarmen:

Herr Jesus Christus,

- Weg, auf dem wir unserem Ziel entgegengehen: Herr ….

- Wahrheit, die uns den Sinn des lebens eröffnet: Christus ..

- Leben, das nur du in Fülle geben und vollenden kannst:

Herr, erbarme dich

Zum Altentag

Der Eigenwert des Alters

In einem Buch über das Älterwerden steht die Überschrift: “Revolte und Resignation” – Revolte und Resignation seien mögliche Verhaltensweisen des älteren Menschen.

Ich weiß nun nicht in welcher Phase nun die einzelnen von uns stecken – ob sie gegen das Älterwerden revoltieren oder ob sie bereits resignierend sagen: “Man kann halt nichts dagegen machen; gegen das Älterwerden ist eben kein Kraut gewachsen.” Wenn wir ehrlich sind – und ich meine, im Alter muß der Mensch ehrlich werden vor sich selber-, wenn wir uns nichts vormachen, dann müssen wir immerhin zugeben, daß die Versuchung zu revoltieren oder auch zu resignieren, im Alter gefährlich naheliegt. Und das ist auch gar kein Wunder. Kann es uns überraschen, wenn ältere Menschen sich in unserer Gesellschaft überflüssig vorkommen, erfahren sie doch täglich, wie rings um sie her das ganze Leben in den Farben der Jugend gezeichnet wird, wenn Firmen und Betriebe in ihren Zeitungsanzeigen nur noch junge, dynamische Typen suchen …

Aber dennoch! Revoltieren oder resignieren wäre ein verhängnisvoller Ausweg; beides wäre ein Ausweg in die Verbitterung hinein. Wir dürfen der Bitterkeit nicht erliegen. Eine Schriftstellerin hat gesagt: “Das Alter löst, oder es versteinert.” Wehe dem, der im Alter einen Versteinerungs- oder Verhärtungsprozeß mit sich geschehen läßt! Er wird um die großen Chancen, um die reichen Früchte des Alters gebracht. Wir müssen, wenn wir die Altersjahre wirklich leben, ausfüllen , gestalten wollen, sie zunächst einmal in ihrem eigenen Wert bejahen. Altwerden ist auch schön! Wer das Alter sieht, spürt, erlebt, der muß zugeben: Das Alter ist nicht ein leiser, langsam verebbender Ausklang; nein, das Alter ist ein Lebensabschnitt von ganz besonderer Art, mit eigenen Gefahren zwar, aber auch mit eigenen Aufgaben und kostbaren Gaben.

Älterwerden beginnt mit der “Stunde der Wahrheit”; hier wird erprobt, wer wir in Wahrheit sind, ob wir zum Ganzen unseres Lebens ein Verhältnis haben und dieses Ganze

in seinen Tiefen auch auszuschöpfen bereit sind, oder ob wir bloß an der funktionierenden Oberfläche verweilen wollen. Den Sinn des Alters erfährt nur der, der sich in die Besinnung des Lebens einübt. Der Mensch, der beispielsweise anhand der Heiligen Schrift zur Besinnung kommt, der die frohe Botschaft Jesu Christi auf sich wirken läßt, der darf spüren daß er ja gar nicht am Ende ist; wie auch der jüngste Mensch befindet er sich auf dem Weg zur Erfüllung.

Das Alter gewährt in der Stille und Muße die Rückschau und damit die Zusammenschau. Das ganze Leben bekommt nach und mach Format; das Leben bekommt innere Gestalt. Doch auch das entdeckt man nur, wenn man in sein Inneres und in die vergangenen Jahre hineinlauscht, wenn man etwa überlegt: Wie hat mich Gott durch die Jahre hindurch geführt? Und immer wieder sind es neue, überraschende Entdeckungen, die ein Mensch dabei macht. Immer wieder entdeckt man zum Beispiel die Wahrheit des alten Sprichwortes: “Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben!”…..

Bei solcher Erkenntnis beginnt man, sich mit seinem eigenen Leben zu versöhnen, man wird gelöst, im tieferen Sinne also frei von den Verquerungen und den Barrieren, die man sich selber errichtet hat. Und in der Zusammenschau sieht man das Gute in seiner ganzen Strahlkraft vor sich. Und wie von selbst drängt sich bei der erinnerten Widerkehr alles Schönen und Guten die Dankbarkeit auf. Wer im Alter undankbar ist, wer die Einsicht nicht deutlich in sich wachruft, daß Gott einem Großes anvertraut und immer wieder neu gegeben hat, dessen Herz versteinert allzuleicht.

Der große Philosoph Pascal, der in seinem Leben vieles mitgemacht hat, schreibt: “Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.” Niemand auf der Welt kann einem diese oder jene Depression, dieses und jenes Schuldgefühl, diese und jene Verzweiflung abnehmen, aber Gott nimmt sie uns ab, wenn wir uns ihm ganz anheim geben, wenn wir diese Bruchstücke, dieses Torso unseres Lebens ihm überlassen, denn Gott ist der Grund aller Hoffnung. Er hat uns geliebt, und er liebt uns jede Sekunde; er hat uns geliebt, noch bevor er uns erschaffen hat, und wir sind unterwegs zu unserem Ursprung: zurück in seine Liebe, in die Fülle seines Erbarmens, in den Glanz und die Milde seiner Nähe. Darum dürfen wir gelassen sein, gelöst und brauchen nicht zu versteinern, brauchen nicht zu flüchten vor dem Alter, sondern dürfen im Alter eine neue Fülle erwarten.

Altengottesdienst – Ansprache

Sinn und Ziel des Lebens

Ich weiß nicht, ob sie am sonntagabend die Fernsehsendung “Unser schöner Wald darf nicht sterben“ angeschaut haben. Die Hälfte unserer deutschen Wälder sind sterbenskrank, wurde festgestell t. Die Öffentlichkei t ist plötzlich aufgeschreckt .Wir sind erschreckt darüber, weil wir erst jetzt die schon jahre- ja jahrzehntelang schleichende Krankheit der Wälder an ihren Folgen erkennen.

Aber was, wenn es eine ähnliche, schleichende und von den meisten nicht beachtete Krankheit der Menschen gäbe, die nach und nach unser Leben zerstörte? Und die gibt es. Es ist allerdings eine seelische Krankheit. Und die seelischen Krankheiten sind ja noch schlimmer, weil sie nicht nur körperliche Krankheiten zur Folge haben, sondern das noch viel wichtigere und eigentliche Leben, das ewige Leben zerstören. Über die Seelen unserer Gesellschaft sind in den letzten Jahrzehnten ein immer dichter werdender sauerer Regen und Schadstoffe aller Art hernieder gegangen, die das Atmen der Seele immer schwieriger machen, die die Seelen bereits weithin vergiftet haben. Massenmedien, Öffentliche Meinung und Lebensgewohnheiten haben die geistige Luft so verpestet, daß die Seele in ihr nicht mehr die übernatürliche Luft Gottes atmen kann, man verdrängt immer mehr Gott selber und damit verliert der Mensch seine eigene Mitte. Er erkennt nicht mehr so leicht seinen Stand, seinen Ausgang, sein Ziel und den Sinn seines Lebens. Die Psychologie lehrt uns, daß Verdrängungen den Menschen krank machen. Zunächst seelisch und dann auch körperlich.

Uns älteren Menschen ist die Neigung, ja man kann sagen die Gabe und Gnade verliehen besinnlicher zu werden.

In positiver Weise alt werden gleicht dem Zug durch die Wüste in das verheißene Land. Al tern läßt den Menschen bewußt werden, wie unbeständig und vorübergehend so manche Dinge im Leben sind. Reichtum und äußerer Erfolg, Schönheit und Gesundheit: sie sind alle im Fluß und dem Untergang ausgesetzt. Doch die Erfahrung der vergänglichen Natur der Dinge ist nur eine Seite der Münze. Der alternde Mensch entwickelt auch eine neue Hellsichtigkei t für das Bleibende und Ewige. Inmitten des Niedergangs des menschlichen Lebens kann der Mensch einen neuvertieften Glauben an das nie endende ewige Leben in der Vereinigung mit dem dreieinigen Gott gewinnen •••

Obwohl der Mensch weiß, daß er durch das Tor des Leidens und Todes hindurch muß, weiß er auch, daß dieser letzte, alles entscheidende Schritt eine Teilhabe am Leben und Tod Jesus Christi sein wird, ein Übergang zu Auferstehung und ewigem Leben mit dem glorreich auferstandenen Christus in der Dreifaltigkeit. Der Mensch erkennt jetzt den Prozeß seines Alterns als ein wichtiges Stadium großherziger Selbsthingabe, des Wachsens und Ganzwerdens, das seinen Höhepunkt in der totalen Vereinigung mit dem leidenden, sterbenden und auferstandenen Christus findet. Alt werden bedeutet für uns Menschen einen beschwerlichen und doch glorreichen Durchzug durch die Wüste des Lebens auf der Reise in das verheißene Land nicht träger, ewiger “Ruhe”, sondern der freudigsten, liebenden Freundschaft mit Christus in der Allerheiligsten Dreieinigkeit.

Vor fünf Jahren schrieb mir Altbischof Augusto Salinas, der mich vor über 40 Jahren in Chile zum Priester geweiht hat den schönen Satz:

“Von mir kann ich sagen, daß ich mich in diesem letzten Lebensabschnitt sehr glücklich fühle, näher dem Herrn, und ich bemühe mich, mich auf die Abreise in die himmlische Heimat vorzubereiten.”

Diese Lebenshaltung möchte ich auch ihnen und mir für die letzte Wegstrecke durch die Wüste des Lebens wünschen.

Aschermittwoch

MIT RECHTER BEREITSCHAFT

Der Tod ist Wirklichkeit. Deshalb lassen wir uns heute die Asche auflegen, das Zeichen des Todes. Aber wir bekommen diese Asche im Zeichen des Kreuzes. Das Kreuz aber ist der Baum des Lebens. Wir bleiben nicht am Tode hängen, wlr gehen durch den Tod hindurch. So sicher, wie Christus durch den Karfreitag hindurchging zum Osterfest. Selbst wenn die Kirche Asche auflegt und dabei an den Tod gemahnt, geht es ihr um das Leben, das freilich erst im Tod errungen werden kann. So ist die Asche ein Zeichen der Wahrhaftigkeit: wir wissen um den Tod; die Asche in Kreuzform aber ist ein Zeichen der Hoffnung: wir bekennen uns zum Leben.

In der Lesung erfahren wir den wesentlichen Sinn dieser ehrwürdigen Fastenzeit: “Bekehret euch zum Herrn, eurem Gott!” Fastenzeit ist entschlossene Kehrtwendung: weg von der Lüge, hin zur Wahrheit; weg vom Vergänglichen, hin zum Ewigen; weg vom Nichtigen, hin zum Eigentlichen!        Wir sollen also wieder klarer wissen, daß wir “Mensch vor Gott sind.“ Du sollst Gott bewußter zum Herrn deines Lebens machen und seinen Willen zum Maßstab deines Willens erheben. Du sollst aller unwahren Selbstherrlichkeit entsagen und dem Ruf Gottes mit wacherem Gewissen folgen. Wir sollen unser Leben offen und durchlässig machen für das Handeln Gottes an uns. Wir sollen in diesen Wochen mehr als sonst im “Angesichte des Herrn” leben.

Alle gewohnten und frei gewählten Fastenübungen wollen diesem einen Zweck dienen: der Kehrtwendung zu Gott hin.

Das Fasten soll dich frei machen für ihn und den Geist zu Gott erheben. Der freie Verzicht zugunsten der “Misereor”-Spende soll uns offen machen für die Heimholung der Welt zu Gott. Das Lesen des Gotteswortes (leg in diesen Wochen statt der Illustrierten das N.T. auf deinen Tisch!) soll dich vertraut machen mit den Plänen, die Gott mit dir hat. Die österlichen Sakramente sollen dich in den erlösenden Christustod hineinnehmen und damit in seine österliche Verklärung.

So steht über der österlichen Vorbereitungszeit eine Bitte des Menschen und ein Ruf Gottes. Unsere Bitte heißt: “Wende dich zu uns und gib uns neues Leben!” Und der Ruf Gottes lautet: “Bekehre dich zu mir von ganzem Herzen!”

Was wollen wir als Gemeinde, als Volk Gottes tun? Auch das sagt uns die Lesung: “Rufet zum Gottesdienst, versammelt die Gemeinde, bringt die Kinder herbei!” Die Fastenzeit ist die hohe Zeit der Liturgie. In der Eucharistiefeier gehen wir als Volk Gottes dem österlichen Herrn entgegen. Die besonders lebendige und tätige Mitfeier des Gottesdienstes ist erste und höchste Fastenübung.

Das Evangelium sagt uns, in welchem Geiste wir die „ehrwürdige“ Feier der Bußzeit begehen sollen: nicht mißmutig, nicht mit finsterem Gesicht, nicht kopfhängerisch, sondern in der Freudigkeit derer, die wissen, daß sie immer Ostern entgegengehen.

So laßt uns denn die hohe Feier der Fasten, “die Zeit des christlichen Kämpfens” “mit rechter Bereitschaft beginnen und mit beharrlichem Eifer zu Ende führen!”

Altengottesdienst

Frauenmesse (25.10.84)

” ••• daß ich nicht vergebens hier auf Erden bin”

Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus •••••

Die Wünsche aller Menschen auf einen Nenner gebracht: Sehnsucht nach Glück. Aber weil er das nicht aus eigener Kraft schaffen kann und dennoch immer wieder vergeblich versucht, wenn er sein Leben nicht als Gabe und Begabung versteht, das ihm von Gott gegeben ist, gerät er in eine immer größere Frustration , Enttäuschung und Leere .

Was unser Leben und Dasein trägt ist zutiefst Gabe und Dank. Wenn wir das erkennen, dann werden wir Gott nicht verdrängen, sondern immer mehr als die Mitte unseres Lebens erkennen.

Versuchen wir doch im Gebet die Wahrheit zu vollziehen:

“Herr ich danke dir, daß ich sein darf!” Das wird schwer sein, wenn das Dasein drückt; und dennoch, sein zu dürfen, atmen, danken, lieben, handeln zu dürfen ist Gabe, und dafür soll man danken. Das macht wahr und löst. Je reiner und tiefer wir das tun;  je mehr es uns gelingt, auch das Schwere, Bittere, nicht zu Verstehende in den Dank hineinzunehmen, desto tiefer wandelt sich das Grundgefühl des Daseins in das der Freiheit und des Glücks.

Bitte um Vergebung

Herr, allmächtiger Gott, wir denken zu wenig daran, daß du der Schöpfer allen Lebens bist. Du hast uns von Ewigkeit her erdacht. Wir sind ein ewiger Liebesgedanke von dir.

Herr erbarme dich …

Altengottesdienst

Bröffnung

In diesen Tagen, da die Blätter von den Bäumen fallen und das große Sterben in der Natur begonnen hat, werden besonders wir älteren Menschen von Melancholie, von Schwermut und Traurigkei t befallen. Wir werden mehr als sonst an die Flüchtigkeit und Hinfälligkeit der Zeit und des Lebens erinnert.

Aber wir sind nicht hilflos dieser Traurigkeit ausgeliefert, sie soll uns nur besinnlicher machen, und auf den Sinn des Lebens hinweisen und damit gerade zum Quell aller Freuden hinführen. Der hl. Franziskus hat einmal einen Mitbruder ob seiner Traurigkeit getadelt und gesagt, daß nur eines traurig machen darf: nämlich die Sünde und die können wir immer wieder durch ein liebendes Hinwenden zu Gott aus dem Herzen schaffen. So wollen wir in dieser Stunde mit dem Psalmisten sprechen: Ich will hintreten … Voll Vertrauen rufen wir zu Ihm:

Herr, erbarme dich…..

Tagesgebet

Ewiger Gott. Die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen.

Unser Leben schwindet dahin. Du aber bleibst.

Gestern und heute und morgen bist du derselbe. Von Ewigkeit her kennst du uns. Unsere Zukunft liegt in deiner Hand.

Mach uns bereit für alles, was du mit uns tun wirst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus •••

Zum Altentag

DER EIGENWERT DES ALTERS

Ein Buch über das Älterwerden trägt die Überschrift: “Revol te und Resignation”.

Tatsächlich ist das die Gefahr vieler älterwerdenden Menschen ….. Es nützt aber nichts, sich eigensinnig oder trotzig nun einfach gegen das zu stellen, was mit dem Alter auf einen zukommt .Wir dürfen der Bitterkeit nicht erliegen. Eine Schriftstellerin hat gesagt: Das Alter löst, oder es versteinert.” Wehe dem , der im Alter einen Versteinerungs- oder Verhärtungsprozeß mit sich geschehen läßt! Er wird um die großen Chancen, um die reicben Früchte des Alters gebracht. Wir müssen. Wir müssen, wenn wir die Altersjahre wirklich leben, ausfüllen, gestalten wollen, sie zunäcbst einmal in ihrem eigenen Wert bejahen. Das Alter ist nicht ein leiser, langsam verebbender Ausklang; nein, das Alter ist ein Lebensabschnitt von ganz besonderer Art, mit eigenen Gefahren zwar aber auch mit eigenen Aufgaben und kostbaren Gaben.

Älterwerden beginnt mit der „Stunde der Wahrheit”; hier wird erprobt, wer wir in Wahrheit sind, ob wir zum Ganzen unseres Lebens ein Verhältnis haben und dieses Ganze in seinen Tiefen auch auszuschöpfen bereit sind, oder ob wir blos an der Oberfläche verweilen wollen. Den Sinn des Alters erfährt nur der, der sich um Besinnung bemüht.

Der Mensch, der beispielsweise anhand der Heiligen Schrift zur Besinnung kommt, der die frohe Botschaft Jesu Christi auf sich wirken läßt, der darf spüren, daß er ja gar nicht am Ende ist; wie auch der jüngste Mensch befindet er sich auf dem Weg zur Erfüllung. Wir sind auf dem Weg zur Vollendung in einem Reich, in dem es kein unrecht, keine Tränen, keinen Schmerz, kein Ende, keinen Tod mehr gibt. Mag das Heute noch so sorgenvoll oder sinnlos erscheinen, es steht aber nicht unter dem Zeichen der Vergeblichkeit, es ist vielmehr hingeordnet auf das große Morgen: auf die Auferstehung in Christus.

Das Alter gewährt in der Stille und Muße die Rückschau und damit die Zusammenschau. Das ganze Leben bekommt nach und nach Format; das Leben bekommt innere Gestalt. Doch das entdeckt man nur, wenn man in sein Inneres und in die vergangenen Jahre hineinlauscht, wenn man etwa überlegt: Wie hat mich Gott durch die Jahre hindurch geführt? Und immer wieder sind es neue, überraschende Entdeckungen, die ein Mensch dabei macht. Immer wieder entdeckt man zum Beispiel die Wahrheit des alten Sprichwortes: “Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben!” Und man beginnt sich mit seinem eigenen Leben zu versöhnen, man wird gelöst, im tieferen Sinne also frei von den Verquerungen und Barrieren, die man sich selber errichtet hat. Und in der Zusammenschau sieht man das Gute in seiner ganzen Strahlkraft vor sich.

Und wie von selbst drängt sich bei der erinnerten Wiederkehr alles Schönen und Guten die Dankbarkeit auf. Wer im Alter undankbar ist, wer die Einsicht nicht deutlich in sich wachruft, daß Gott einem Großes anvertraut und immer wieder neu gegeben hat, dessen Herz versteinert allzu leicht. Sprechen sie miteinander über das Gute und das Schöne, das Sie erleben. Nehmen Sie die Danksagung stets in Ihr eigenes Beten hinein, und Sie werden an kein Ende kommen.

Blaise Pascal, der in seinem Leben vieles mitgemacht hat, schreibt: “Es ist nicht auszumachen, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.” Ja, durch die ganze Heilsgeschichte zieht sich doch die Tatsache durch: Gott hat uns geliebt, und er liebt uns jede Sekunde; er hat uns geliebt, noch bevor er uns erschaffen hat, und wir sind unterwegs zu unserem Ursprung: zurück in seine Liebe, in die Fülle seines Erbarmens, in den Glanz und die

Milde seiner Nähe. Darum dürfen wir gelassen sein, gelöst und brauchen nicht zu versteinern, brauchen nicht zu flüchten vor dem Alter, sondern dürfen im Alter eine neue Fülle erwarten.

In der Pfarrer von Ars-Kirche

Ansprache

Ars

Ich begrüsse Euch recht herzlich hier an dieser Stätte. Wir haben unser 2. Ziel erreicht, unsere 2. Gnadenstätte. wir sind hier in der Kirche des hl. Pfarrers von Ars.

Wir sind eine der vielen, vielen Pilgergruppen, die hierher wallfahren. Vor 150 Jahren setzte der grosse Zustrom ein und er hält bis zum heutigen Tag unvermindert an.

Was ist es denn, das die Leute zu Tausenden und Abertausenden hieher gezogen hat und heute noch hieher zieht?

Es ist die Kirche, in der ein hl. Pfarrer gewirkt hat und in der noch sein Geist, sein Herz, sein Wort, sein Beten, sein Sühnen weht und nachhallt, vor allem aber ist es er selber, der dort drüben zum Teil unverwest im Glasschrein mitten unter uns ist.

Zu einem Priester, zu einem hl. Priester hat es uns also hieher gezogen. Warum? Richard Gräf schreibt: „Die Sünde ist das grösste Übel und der in der Sünde lebende Mensch ist der unglücklichste Mensch, den man sich denken kann. Der Verlust an Vermögen, Gesundheit und Leben ist nichts dagegen.” Dieses Wort liegt in der gleichen Linie wie das Wort Jesu: ” Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet.”

Dieser Ernst, diese Wirklichkeit wird aber nur dem etwas sagen, der ein Gespür, der ein Empfinden hat für das, was die Sünde ist. Leider geht dieses Gespür heute mehr und mehr verloren.

Solche Menschen müssen die Hl. Schrift zur Hand nehmen und dann finden sie, was Menschen empfunden haben, wenn sie Jesus, wenn sie dem Gottessohn begegnet sind. Der Zollbeamte schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig. Petrus sprach: Herr, geh weg von mir, denn icb bin ein sündiger Mensch.“ Der Schächer am Kreuz: Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten, dieser aber hat nichts Unrechtes getan.” Der Sohn in der Fremde: “Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein, mache mich zu einem deiner Taglöhner.” Eine Frau kam mit einem Alabastergefäss voll wohlriechendem Öl. Sie trat an Jesus heran. Dabei weinte sie, ihre Tränen fielen auf seine Füsse. Sie trocknete sie mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit Öl. Und Jesus sprach: “Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.” Zu den Pharisäern sagte Jesus: “Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Als sie seine Antwort hörten, ging einer nach dem andern fort.” Wer wollte es wagen, zu sagen: “Ich bin ohne Sünde.” Johannes schreibt: ” Wenn wir sagen: wir haben keine Sünde, dann führen wir uns selber in die Irre.”

Wir sind also Sünder und sind damit auf die Barmherzigkeit und Vergebung durch Gott angewiesen. Joh. schreibt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen , dann vergibt Gott uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.”

Gott tut das durch Bevollmächtigte, er tut es durch die, die er hiefür beauftragt hat. Am Osterabend sprach der Auferstandene zu den Aposteln: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und nachdem er das Gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den HI. Geist: Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“

Einer von denen, die beauftragt, die bevollmächtigt waren, Sünden zu vergeben, war der Pf. v. Ars.

Er ist zum Heiligen des Beichtstuhls geworden. Zu Tausenden, zu Hunderttausenden kamen sie zu ihm, bis von Amerika kamen sie, um bei ihm zu beichten. Mi t diesem Priester und Heiligen wollen wir nun das Messopfer feiern.

Krankenseelsorge und Sterbehilfe im Altenheim

Seit 10 Jahren etwa kann man feststellen, daß unsere Altenheime aus Wohneheimen allmählich mehr Pflegeheime werden. Grund dafür ist die Tatsache, daß die Menschen viel älter werden als früher und auch die Aufnahme ins Altenheim immer mehr hinausgeschoben wird.

Diesen Trend konnte ich auch gerade in diesem Hause, in den zehneinhalb Jahren, seit ich hier bin, selber wahrnehmen. Das bedeutet, daß Altenpflege es nun immer mehr auch mit Kranken und Sterbenden zu tun hat. Daher ist es richtig und erfreulich, daß die Johanniter in ihrem Ausbildungskurs der Seelsorge an Kranken und Sterbenden besonderen Wert beilegen.

Ich spreche nun zu Ihnen, die sich für einen Beruf entschieden haben, der eine besondere Motivation voraussetzt. Wer den Beruf eines Kranken- oder Altenpflegers nur als einen Beruf oder Job wie jeden anderen betrachten und ergreifen würde,  müßte sicher bald frustriert werden.

Die unbestritten beste Motivation für Ihren Beruf ist sicher die, welche den christlichen Glauben, oder genauer gesagt, das Evangelium zum Fundament und Leitmotiv hat. Denken wir nur an die Bergpredigt! (Mt.5,3-10) und an die Schilderung des Weltgerichts: “Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig; und ihr habt mir zu trinken gegeben …. ich war krank, und ihr habt mich besucht usw ….. ” Und auf die Frage der Gerechten, wann sie das alles ihm, dem Herrn, getan hätten, gibt er ihnen die Antwort: “Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Mt. 25,34-40).

Erst die Umsetzung dieser Aussagen des Evangeliums haben die Gründung christlicher Hospitäler und Hospizen ermöglicht. Die Römer hatten wohl schon Militärlazarette. Die Griechen hatten das Iatreion (Privatklinik vergleichbar). Auf der Insel Kos Asklepieion (Kuranstalt). Bei den Römern gab es schließlich noch die Valetudinarien (Erholungs- und Genesungsheime). Sie dienten lediglich der Wahrung der geschäftlichen Interessen einzelner. Zusammenfassend können wir sagen:

All diese Anstalten können nicht als Krankenhäuser in unserem Sinne angesprochen werden. Denn:

a) Es fehlt all diesen Institutionen der öffentliche Charakter;

b) sie sind deshalb auch nicht dem Armen oder dem Sklaven zugänglich;

c) es fehlt ihnen vor allem das Motiv der Nächstenliebe und so konnten sie nicht die Entwicklung nehmen auf das zu, wie die christliche Caritas es geschaffen hat.

Eigenart und Eigenwert der christlichen Krankenpflege.

Nach diesem geschichtlichen Rückblick können wir sagen, daß die Krankenpflege Jahrhunderte hindurch ein ausschließliches Monopol der Kirche war.

Wie zeigen sich nun die Eigenart und Eigenwerte christlicher Krankenpflege?

1. In ihren Beweggründen

Schon das allgemeine menschliche Mitgefühl, soziales Empfinden und völkische Verbundenheit geben für die Ausübung der Krankenpflege eine weitreichende Begründung. Dem christlichen Standpunkt jedoch erschließen sich neue, weitere Perspektiven, ihm bedeutet der Dienst am kranken Menschen

a) Ein Gottesgebot.

Zahllose Stellen weisen immer wieder auf das Gebot der Nächstenliebe hin. Es wird sogar dem der Gottesliebe gleichgestellt.

b) Eine Christusbegegnung

ist uns der Dienst am kranken Menschen. Das ergibt sich aus dem Geheimnis vom mystischen Leibe Christi: “Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.”

c) Ein Mittel zur Selbstheiligung

Die christliche Moral lehnt die äußere Werkheiligung ab, aber sie verkennt auch nicht den Wert einer caritativen Tat für sittliches Wachsen und Reifen. Auch Christus galt erbarmende Liebe höher als Opfer und Gottesdienst.

Das “Christliche” im Dienst am kranken Menschen zeigt sich sodann:

2.In der Totalität der Hilfeleistung

a) Diese Totalität umfaßt die Gesamtnote des Kranken.

Der christlichen Nächstenliebe war die Leib-Seele-Einheit im Menschen niemals ein Problem. Sie gewahrt alle Nöten sowohl in der leiblichen wie seelischen Sphäre und ist auf deren Abstellung bedacht. Sie sieht in den Menschen nicht nur Menschen, sondern Gotteskinder, nicht nur fremde Wesen gleicher Art, sondern Brüder und Schwestern. Ihr Sinngehalt ist das Heil der Seele und die Mitverantwortlichkeit für das Gesamtwohl des Nächsten. Vielleicht ist es von hier her zu verstehen, daß viele Ärzte auch einer Krankenseelsorge sehr wohlwollend gegenüberstehen, ja sie wünschen müssen, wenn sie auch die Methoden der Psychosomatischen Medizin und der “medecine de la personne” anerkennen.-

Christliche Nächstenliebe im Dienst am Kranken ist schließlich ebensowohl Gottesdienst wie Menschendienst, und was sie wirkt, wird letztlich zur Seelsorge. Hier trennt sich ihr Weg von der bloßen Humanität, die als Triebkraft nur das menschenfreundliche Wohlwollen des edeldenkenden Menschen und als Ziel die Förderung der irdischen Wohlfahrt kennt. (VergI. Hackedal).

b) Christliche Krankenpflege hilft allen Menschen. Die aus Gott lebende Liebe läßt alles schweigen, was sonst die Menschen trennt. Äußere Unterschiede wie Stand und Stellung, Bildung und Besitz, Herkunft und Rasse, Feindschaft und moralische Verkommenheit sie begründen, engen ihr Wirken nicht ein. Sie hat ihr Vorbild in der Liebe Gottes zu den Menschen und in der Erlösungstat des Herrn. Wie diese, so erstreckt sich auch die christliche Liebe auf alle Menschen und auf den ganzen Menschen.

Die Eigenart christlichen Krankendienstes offenbart sich sodann

3. In ihren gestaltenden Kräften

a) Aus der Religion schöpft die christliche Krankenpflege ihre tiefste Kraft. Die christliche Religion garantiert nicht bloß eine harmonische Ausbildung aller guten menschlichen Anlagen, sondern sie befähigt auch den Menschen, seine höchsten Kräfte auf die best mögliche Weise in bezug auf das höchste Objekt zu entfalten.

b) Die christliche Krankenpflege besitzt eine tausendjährige Tradition. Sie war nicht von Anfang an vollkommen und konnte es auch nicht sein. Auch bei ihr blieb das technische Können an den äußeren Fortschritt gebunden, aber die Opferkraft und Hingabe, Dienstbereitschaft und Liebe wurden von einer Generation an die andere weitergegeben. Die großen Helden der Caritas und Krankenpflege sammelten die Erfahrungen ihrer Zeit, zeigten immer wieder das Ideal, wenn es verblassen wollte und machten die in ihnen gespeicherte Liebeskraft durch tausend Kanäle für die Mit- und Nachwelt fruchtbringend und segensreich.

c) Wegweisung und Richtmaß findet die christliche Krankenpflege immerfort in der Caritas. Die caritative Einstellung wird zum charakteristischen Merkmal ihres gesamten Tuns. Dabei schließen Caritas und vernünftige Wirtschaftlichkeit sich nicht aus – Sicherung des nötigen Lebensunterhaltes bedeutet keine Beeinträchtigung der caritativen Grundeinstellung.

d) Auch das Gemeinschaftsleben gleichgesinnter Berufskräfte mit ihrer schützenden Geborgenheit, mit ihrem Streben nach christlichem Berufsideal und mit den vielen andern religiösen Hilfsmitteln wirkt als eine gestaltende Kraft zum Nutzen der gemeinsam zu betätigenden Aufgabe.

Nach diesem Überblick über die Eigenart und den Eigenwert christlicher Krankenpflege wollen wir nun kurz betrachten, welche konkreten Forderungen sich nun daraus für die einzelne Pflegerin oder den einzelnen Pfleger an alten und kranken Menschen ergeben.

1. Persönlicher Einsatz

Nur Leben kann fremdem Leben wahrhaftig dienen, nur persönlicher Einsatz kann auch zur Persönlichkeit des anderen wirklich vorstoßen. Persönlicher Einsatz besagt:

a) Geistige Führung

Wer führen will muß denken und entschieden wollen. Ein charakteristisches Merkmal fast aller Kranken und vieler Alten besteht darin, daß sie sich einseitig mit sich selbst beschäftigen, sich innerlich abschließen von der Welt und von ihren festgefahrenen Gedanken nicht mehr loskommen. Wer ihnen helfen will muß über eine reiche Innenwelt verfügen, in welcher nicht nur das Wahre, Gute und Schöne der natürlichen Seinsordnung, sondern auch der übernatürliche Glaube mit seinem Reichtum an Wahrheit und Licht seinen Platz hat. Die christliche Krankenpflegerin wird deshalb die religiösen Wahrheiten sich zum unverlierbaren Besitz machen, in ihnen leben und sie zum Wegweiser nehmen für ihr eigenes Denken und Tun. Wenn gerade heute Fortbildung so groß geschrieben wird, darf man in religiösen Dingen nicht in den Kinderschuhen stecken bleiben. Sage mir, was du liest …..

Den meisten Kranken fehlt es an Willen. Das dauernde Ringen mit der Krankheit zermürbt, macht gleichgültig und resigniert. Der kranke Mensch kommt nicht mehr zu einem festen Entschluß. Da muß die Pflegerin seinen Willen gleichsam an den ihrigen binden. Ihr Wille soll so stark sein, daß er auch in schwierigen Situationen noch einen Ausweg findet. Sie muß sich selber fest in der Gewalt haben und in der Lage sein, dem Kranken sein Los nach jeder Richtung hin zu erleichtern, Sorge und Furcht von ihm fernzuhalten und mit ihrer eigenen stillen Heiterkeit Sonne in sein Gemüt zu tragen. Nur die Pflegerin kann das, die im Kampfe mit der eigenen Natur sich die echte Freiheit und Selbstständigkeit errang und durch dauernde Arbeit an sich selber zu Selbstdisziplin und Willenskraft gelangte.

b) Verständnis für Psyche des kranken bzw. alten Menschen

Führen setzt Verstehen voraus. Alles Verstehen aber hat von der Leib-Seele-Einheit im Menschen auszugehen. Der kranke Mensch wird ein anderer als er in gesunden Tagen war. Der ganze Mensch ist krank. Ein wunderliches Wechselspiel setzt ein zwischen Organfunktion. Empfindung und geistigem Sein. Einflüsse von Lebensalter, Geschlecht, Umwelt und innerer Lebensgeschichte formen mit an der Psyche des Kranken. Die Reaktionen auf das Krankheitsgeschehen sind daher unendlich verschieden. Nur einige Grundzüge pflegen immer die gleichen zu sein: Alle Kranken wollen ernst genommen werden und verlangen Rücksichtnahme. Wo die Krankheit einen ernsthaften Charakter trägt, unterliegt der Kranke leicht seinen Launen und Stimmungen, er wird reizbar und empfindlich, es regt sich in ihm Mißtrauen und Unbehagen aller Art. Der Mensch wird einfacher, es fällt von ihm ab, was Erziehung und Bildung aufgebaut haben, bisherige Hemmungen fallen und es kehren die ursprünglichen Züge seines Wesens wieder.

Wer Kranke pflegt darf diese Dinge nicht übersehen. Beobachtung schafft den Blick für das, was im Kranken vorgeht. Und aus der Beobachtung ergibt sich Wegweisung für die benötigte Hilfe, aber auch der starke Antrieb für den persönlichen Einsatz.

c) Verständnis für die Situation der kranken und alten Menschen im Alten- und Pflegeheim

Die Situation der kranken und alten Menschen im Heim ist eine andere als die im Krankenhaus.

Der Aufenthalt im Alten- und Pflegeheim ist nicht nur vorübergehend, sondern fast immer endgültig. Oft dauert er viele Jahre. Alles was getan werden kann, um ein wenig Heimatgefühl zu vermitteln, trägt zum Wohlbefinden bei: Eigene liebgewordene Möbel, Bilder, Erfüllung von Sonderwünschen, Freundlichkeit und Kontakt untereinander und zum Pflegepersonal.

Aber das Bewußtsein, an der “Endstation” angekommen zu sein, bewirkt nicht selten eine tiefe Depression und braucht verständnisvolle Zuwendung und Geduld. Zudem ist das Zusammenleben in einem Alten- und Pflegeheim durch mancherlei Gebrechligkeit erschwert: Schwerhörigkeit, Nachlassen der Sehfähigkeit, Behinderung im Gehen, Lähmungen, psychische Störungen in vielen Formen, Abnehmen der Belastbarkeit.

So muß auch die Seelsorge unterschiedlich ansetzen. Dabei ist der Umstand ein positiver Aspekt, daß dem Seelsorger und seinen Mitarbeitern im allgemeinen mehr Zeit gegeben ist als im Krankenhaus, daß sie den einzelnen besser kennen und über längere Zeit begleiten dürfen. Es gibt eine bessere Voraussetzung für die Seelsorge durch ein gutes Einvernehmen mit dem Pflegeteam und eine Atmosphäre der Freundlichkeit, des Vertrauens und der geduldigen Zuwendung.

d) Individuelle Behandlung

Jeder Krankheitsfall und jeder Kranke sind einmalig. Einmalig sind die Ursachen und Befunde, der Krankheitsverlauf, die Widerstandskraft der Konstitution; einmalig auch das Krankheitserlebnis, die innere Abwehr, die Krankheitsbereitschaft. Eine bunte Fülle von Möglichkeiten ergibt das. Der Helfer darf da nicht allein fühlen mit den körperlichen Sinnen, sondern er muß den Erscheinungen nachspüren mit den geistigen Sinnen der Einfühlung; er muß der Eigenart und den individuellen Bedürfnissen des Kranken entgegenkommen. Individuelle Behandlung aber duldet kein Arbeiten nach der Schablone.

2. Selbsterziehung

Neben dem persönlichen Einsatz wird für den Helferdienst auch eine Selbsterziehung verlangt. Selbsterziehung macht den Menschen wesenswahr und wesenstreu. Wesenstreue führt zur Wesenshingabe. Selbsterziehung bedeutet:

a) Durchbildung des Geistes.

Zum Dienst am Nächsten eignen sich keine Maschinenmenschen. Maschinenhaft wird der Mensch, der kein inneres Leben führt, der keine guten Gedanken und Motive mehr hat, der die Seelen- und Geistlosigkeit hochkommen läßt. Zum Helferdienst muß man seine Seele mitbringen, d.h. innere Bewegtheit und Freude, Überlegenheit über das Äußere und Zufällige und eine lebendige und opferbereite Liebe. Oberflächliches Außenleben ist hier der größte Feind.

Den Geist bilden heißt: Die geistigen Anlagen der Seele ausbilden, reiche und wahre Kenntnisse für das Leben sammeln, die sittlichen Anlagen ausbilden und fortbilden und nicht zuletzt die übernatürlichen Anlagen ausbilden durch Gebet und Gnade.

b) Herrschaft über das Innere

Die Kraft, die uns vorwärts bringt ist der sittliche Wille, der Wile zum Guten. Der Wille wird gebildet durch Selbstbeherrschung.

c) Überwindung der äußeren Natur

So wertvoll der Aufbau und die Bereicherung der Innenwelt auch sein mag, das Erworbene muß behauptet werden gegen Gefahren, Schäden und Einwirkungen von außen. Solche Gefahren liegen:

1. Im Lärm (Hast und Geschäftigkeit). Der Mensch muß sich erziehen zur Stille und zum Schweigen.

2. Gefahr im Gesetz der großen Zahl. Es ist die heutige “Dämonie des Kollektiven”. “Das ist heute so ….. ”

3. Die Gefahr einer gewissen Realitätslehre oder des Pluralismus.

Damit soll die ungeheure Menge von Standpunkten, Meinungen, Ansichten und Richtungen ausgedrückt sein. Presse, Radio, Fernsehen, Schule, Vorträge und Bücher arbeiten an ihm. “Wer liest steckt alle in die Tasche …. ” Es kann aber auch umgekehrt sein …. “Sage mir, was du liest und ich sage dir, wer du bist.” Da der Mensch überall zu Hause ist, ist er nirgendsmehr daheim. Vor lauter Richtungen hat er die Richtung verloren. Der Mensch muß sich erziehen zur Selbstachtung, zur Ehrfurcht vor sich selber, zur Anerkennung der göttlichen Autorität, die allein Vollmacht und Inhalt hat.

Schwesterngeist

Ist es nicht schön und bezeichnend zugleich, daß man die Krankenpflegerin bzw. Helferinnen “Schwester” nennt. Das Wort “Schwester” sagt alles. Eine Schwester steht nie für sich allein, sie ist nur denkbar in Bezogenheit zur Familie, deren organischen Lebensstil sie bildet, als Kind im Kreise gleichgestellter Geschwister. Eingegliedert in das Familienganze, verbindet sie Persönliches und Unpersönliches zu einer fruchtbaren Einheit. Im Schwesternnamen liegt etwas von schwesterlicher Hilfsbereitschaft und Liebe, von Eintracht und Verstehen, von Mittragen und Mitleiden, von Beten und Opfern. Wenn man das Ruhe-wirken-dürfen, das Sänftigen, Stillen, zur Besinnung-bringen, Heimatgefühl-geben als Wesenszug fraulichen Wirkens bezeichnet, dann ist damit auch zugleich ein Wesenszug echten Schwesterngeistes aufgezeigt.

4. Schwesterndienst

Dem Schwesterngeist muß der Schwesterndienst entsprechen; er muß den Dienst formen und durchglühen. Dazu gehört an erster Stelle der persönliche Einsatz, von dem wir bereits gesprochen haben. Triebkraft dazu sind echte Liebe und übernatürlicher Glaubensgeist, die das Liebeswirken ausweiten zum Gottesdienst. Gott aber duldet keine Halbheit, er fordert die ganze Kraft, die ganze Zeit, den ganzen Menschen.-

Der persönliche Dienst verlangt sodann Treue gegen sich selbst, d.h. Gradlinigkeit und Zielsicherheit im Handeln, das Stehen zu seinem gegebenen Wort, Stetigkeit im Gefühlsleben, die an Launen und Stimmungen keine Zugeständnisse macht. Die Liebe leuchtet auf dem Grund ihres Wesens und wirkt Güte; sie schimmert durch jedes Werk, so daß der ganze Dienst einer solchen Pflegerin das Apostelwort wahrmacht:

Die Liebe sucht nicht das Ihrige (1 Kor. 13,5).

Schwesterndienst verlangt weiterhin Anpassung an die Eigenart des kranken Menschen. Wer kranken Menschen dient, soll Leben spenden und Leben fördern. Dazu braucht es eine Fühlung von Seele zu Seele, ein Aufmerken, ein gegenseitiges Verstehen und Sichanpassen. Eine Gabe, der die Seele fehlt, entwürdigt, denn sie macht den Empfänger zum Bettler. Persönliches Dienen setzt das Sichhineindenken in die Lage des Kranken voraus. So sehr der persönliche Einsatz in der Krankenpflege gefordert ist, so soll er andererseits unpersönlich sein, d.h. unabhängig von Sympathie und Antipathie. Unpersönlicher Dienst ist auch indifferent gegen Dank und Undank. (Aber entgegengebrachte Anhänglichkeit auch dankbar erwidern .. Geschenke annehmen kann auch ein Schenken sein …. ) Ein so opfervoller Beruf wie die Krankenpflege findet in menschlicher Dankbarkeit kaum eine entsprechende Belohnung. Daß sie dienen darf, ist einer echten Krankenschwester Dank und Anerkennung genug. Jedes gute uneigennützige Werk trägt den schönsten Lohn in sich selber. Nie soll ein Kranker merken, daß seine Helferin Opfer bringt oder gar Dank erwartet.

5. Aufgaben der Krankenpflege

Es fällt nicht in meine Kompetenz über die pflegerischen Aufgaben der Krankenschwester zu sprechen; aber vielleicht darf ich doch ein Wort sagen zu einer Aufgabe, in deren Bereich ärztliche und seelsorgerische Interessen sich berühren und gegenseitig ergänzen. Ich meine die psychologisch-erzieherische Aufgabe: Der Mensch ist mehr als ein kunstvoller Aufbau von Zellen, Geweben und Organen, mehr als ein harmonisches Zusammenspiel der verschiedensten Funktionen und Kräfte. Leib und Seele stehen in engster Wechselwirkung miteinander; ein siecher Leib beeinflußt auch die Seele, eine starke, tapfere Seele kann auch dem hinfälligsten Leib eine wunderbare Kraft verleihen. Wo der Körper leidet, da leidet auch die Seele mit. Für gewöhnlich drückt sich das in depressiver Stimmung, Mutlosigkeit, Willensschwäche, sowie in Mangel an Einsicht und Urteilskraft aus. All das steigert die Not des kranken Menschen. Hier hat die erzieherische Arbeit seiner Pflegerin oder Pflegers einzusetzen.

Die Erziehungsarbeit muß darauf abzielen, den Kranken aus seiner Stumpfheit, Interesselosigkeit und seiner einseitigen Gedankenwelt zu lösen. Sie soll ihn dahin bringen, daß er den Glauben an sich selbst nicht verliert und mit neuer Kraft für die Zukunft sich rüstet. Nur der Krankenschwester gelingt das. Sie wird den Gesundungswillen des Patienten beleben und großziehen, ihm die rechte Einstellung zum Leben und zur Krankheit ebnen, die so manche Verzweiflung, Wegverbauung und tyrannisches Benehmen beim Kranken mitverschuldet. Nicht selten braucht es auch eine Änderung der äußeren Lebensweise. Trennung von bisher Selbstverständlichem und Liebgewonnenem und damit Angleichung an etwas Neues und Ungewohntes.

Reiche Möglichkeiten der erzieherischen Beeinflussung sind damit aufgezeigt. Erziehen kann man einen Menschen aber nur auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens. Nur das eigene Beispiel hilft: Nichts tragisch nehmen. Nachsicht und doch Entschiedenheit zeigen, vor allem Liebe und Güte. Was kranke und auch alte Menschen zugleich immer wieder brauchen ist liebevolle Zuwendung.

Wir kommen nun zu jener Aufgabe im Dienst am kranken Menschen, die schlechthin die “christliche” ist. Ich meine die seelsorgerliche Aufgabe des Krankendienstes. Sicher kann man dem kranken Menschen aus Gründen der Humanität dienen, aus natürlichem Mitleid. Aber christliche Nächstenliebe, die wir Caritas nennen, ist universaler, ist weiter. Caritas sieht in den Menschen nicht nur Menschen, sondern Gotteskinder, nicht nur fremde Wesen gleicher Art, sondern Brüder und Schwestern. Christliche Nächstenliebe ist ebensowohl Gottesdienst wie Menschendienst, und so werden ihre Wohltaten letztlich zur Seelsorge.

In den Gebrechlichkeiten des Alters und in ernsten Krankheitstagen erwacht bei den meisten Menschen das religiöse Bedürfnis. Seine Befriedigung vermag zur seelischen Ruhestellung sehr viel beizutragen. Die Krankenschwester kann den Kranken zwar nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Autorität vertreten wie den Arzt. Dem Kranken gilt ja auch für gewöhnlich die ärztliche Hilfe als die wichtigere und dringlichere. Aber die Krankenschwester kann die Arbeit des Seelsorgers vorbereiten, unterstützen und vertiefen. Was sie selbst tun kann ist dies: den verschlungenen und oft verworrenen Lebenswegen ihrer Pflegebefohlenen menschlich verstehend zu folgen, Verständnis gewinnen für die durch Umwelt und Lebensgewohnheiten bedingte Einstellung und mit der eigenen sittlichen Kraft ihnen Stütze und Führerin zu werden. Nicht selten wird sie auch zum Gebet und persönlichen Opfern greifen müssen.

Den letzten christlichen Akzent erhält der Dienst am Kranken aber in jener Stunde da die Medizin am Ende ist, die für den gläubigen Christen zur entscheidendsten seiner ganzen Existenz wird. Gerade in dieser Situation kann und soll die Schwester zur großen Helferin des Seelsorgers werden.

Der sterbende Mensch

Wenn der einzelne selber zum Sterben kommt, wird der Tod für ihn zur unausweichlichen Realität, die oftmals in eine vom Lebenden nur erahnte Angst, Einsamkeit und Sinnlosigkeit führt.

War das Leben des Menschen bisher auf Ansehen, Besitz, Machenkönnen und geglückte oder weniger geglückte Beziehungen ausgerichtet, so stellen sich jetzt immer mehr Ohnmacht, Unansehnlichkeit, mangelhaftes Selbswertgefühl ein. Die Beziehungen zu anderen Menschen werden immer dürftiger, weil einerseits die Kraft dazu fehlt und andererseits die Besucher immer weniger werden, oftmals ganz ausbleiben. Tiefe, tiefe Einsamkeit breitet sich aus, die oft bedrückender und belastender wird als die Schmerzen. Gegen die Schmerzen hat uns die Medizin viele Hilfen anzubieten – aber gegen die Einsamkeit?

Sterbende Menschen brauchen daher als wichtigste Hilfe die Nähe eines Menschen, der einfach da ist, bei ihm bleibt, ihm ein gutes Wort sagt, der die Hand hält, den Schweiß abwischt, ihm zuhört, das Schweigen mit ihm aushält; all dies sagt dem Sterbenden: “Ich bin nicht allein.”

Wo dieses Dabeisein, diese Nähe im Namen und in der Nachfolge Jesu geschieht, kann und wird es geschehen, daß im Sterbenden die Hoffnung auf ewiges Leben gestärkt wird oder die Ahnung aufkeimt, daß mit seinem Sterben nicht alles zu Ende ist. Und wenn der Begleiter sensibel und hellhörig genug für diese hoffnungsvolle Ahnung ist, wird ein einfaches Gebet zur Hilfe.

Wer Sterbenden beistehen will, sollte nach Möglichkeit um die Phasen des Sterbens wissen: Nicht-wahr-haben-wollen; Zorn; Verhandelen; Depression; Zustimmung. (Elisabeth Kübler-Ross, Interviews mit Sterbenden, Siebenstern, Stuttgart 1977).

Der Stil des Sterbens haat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Der Todesstil von heute hat nichts mehr von der heiteren Gelassenheit der Philosophen der Antike, weniger noch von dem tapferen Zeugnis der christlichen Märtyrer. Der heutige Todesstil trägt vielmehr grausame Züge. Es wäre daher eminent wichtig, daß wir uns wieder mit der “ars moriendi” früherer Jahrhunderte beschäftigen würden.

Man sollte jedenfalls uns Seelsorger nicht zu blitzartigen Überfällen im allerletzten Augenblick mißbrauchen. Der verfehlte Jargon mit den Ausdrücken “Sterbesakramente”, “Letzte Ölung” usw. sollte auch endgültig aus unserem Sprachschatz verschwinden. Wenn die letzte Illusion nicht mehr trägt, offenbart sich nun einmal die ganze Härte und Grausamkeit der “barmherzigen Lüge”. Wir können dem Arzt und den Angehörigen ihre Wahrheitspflicht nicht abnehmen. Von dieser Unterrichtung des Schwerkranken hängen die Möglichkeiten ab, den Patienten auf neue Ziele und Hoffnungen auszurichten, Klärungen und Suggestionen zu geben.

Es ergibt sich die Frage, welche Schocks und Erschütterungen vermieden werden müssen, welche Aufgaben und Umstellungen aber auch fällig werden. Wir haben vor dem 8. Gebot keine Pflicht und kein Recht, alles ohne Klugheit und ohne Liebe daher zu reden; es kann uns aber auch keine Menschenrücksicht davon befreien, einem leidenden Mitmenschen gerade jenen Dienst der Wahrhaftigkeit zu leisten, den ihm vielleicht niemand anderer leistet und den er eben von uns erwarten darf.

Dabei gilt es aber nicht nur die Liebe zu wahren, sondern auch ein echtes Zeugnis abzulegen. Ohne die Mystik des Leides zu forcieren, sei denn doch erinnert an die christlichen Aussagen über den tieferen Sinn und Wert des Leidens, über die dunklen Lebensrätsel, über die Macht des Opfers und Gebetes, über Ethik und Apostolat des Kreuzes, über die Vereinigung mit dem leidenden Heiland, über die Erfüllung und Verklärung in der Ewigkeit.

Als Christen dürfen wir uns doch nicht scheuen an den Tod zu denken und auch vom Tode zu reden. Der Tod ist doch nicht das Ende und die Vergänglichkeit doch nicht unser endgültiges Schicksal. Wir brauchen nicht zu hadern mit dem Schöpfer, als habe er uns am Leben nippen lassen, um es dann für immer zu nehmen. Wir haben es nicht nötig, bange die Tage zu zählen, die schon vorüber sind, und die Erwartung auszurechnen, die uns vielleicht noch bleibt. Wir sind zum Leben erschaffen, um es nicht zu verlieren. Der Tod ist das Tor zum ewigen Leben. “Deine Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen; und wenn die Herberge ihres Erdenwallens in Staub zerfällt, steht ihnen eine ewige Heimat im Himmel bereit”, so singt die Kirche fast jubelnd in der Liturgie des Begräbnistages.

Der Leib mag sterblich sein, aber er wird auferstehen und teilhaben am ewigen Leben. Der goldene Weizen ist unser Symbol, der als Saat in die Herde gestreut wird, um aufzugehen als Halm und Ähre oder auch die verpuppte Raupe die als Schmetterling zu neuem Leben erwacht.

Seitdem es einen Ostermorgen gab, darf die Menschheit glauben, daß wir alle dem Morgen entgegengehen, nicht dem Abend, dem großen Tag, der keinen Abend mehr kennt. Und das ist der Unterschied zwischen Wissen und Glauben: Wissen hält die Nacht für Tag, das Leben auf Erden für das Endgültige. Wissen weiß es nicht besser, weil es nur auf unsere Erfahrung angewiesen ist.

Glauben erkennt, daß unsere Tage noch dunkel sind und dem Morgen entgegengehen, an dem es hell wird. Glauben sieht klarer, weil der Auferstandene seine Erfahrung zur kleinen Menschenerfahrung hinzugibt.

Meine lieben Schwesternhelferinnen und -Helfer, ich glaube, es ist mehr als angebracht, wenn ich diese österliche Botschaft an den Schluß dieser Ausführung setzen kann. Versuchen wir allezeit österliche Menschen zu sein und die österliche Botschaft vom Leben und der Überwindung des Todes unseren Pflegebefohlenen vor allem durch das lebendige Zeugnis unseres christlichen Lebens und Denkens zu vermitteln; dann werden wir auch am erfolgreichsten die christliche Diakonie am kranken Menschen verwirklichen.

Ich hoffe, daß ich Sie nicht durch die hohen Forderungen und Voraussetzungen, die ich für Ihren christlichen Helferdienst angemahnt habe, erschreckt habe. Es ist ein Irrtum unserer Tage, wenn man meint nur Genießen und ein bequemes Leben würde glücklich machen. Das Gegenteil ist der Fall. Viele, viele Vorbilder jener Menschen, die sich in opfervoller Weise für andere hingegeben haben, beweisen es. Ich kann nur sagen, daß ich diese Erfahrung auch in meinem eigenen Leben gemacht habe.

So bin ich meiner lieben Mutter dankbar, die mich vor dem Beginn meines theologischen Studiums die Verse des Priesterdichters Ernst Thrasolt lesen ließ, die er aus eigener bitterer Erfahrung schreiben konnte:

“Willst Du ein Leben, das schwer wie ein Alp

auf Dir liegt und wie ein Fluch,

werde Priester und werde es halb.

Willst Du Freude übergenug,

und die Seele voll Frieden und Gottesglanz,

werde Priester und werde es ganz”.

Ihr Helferdienst ist auch in gewissem Sinn priesterlicher Dienst und so wünsche ich Ihnen Begeisterung dazu und damit viel Freude und Glück.

Ich danke Ihnen.-

Lesenswerte Literatur

- Lohfink, Gerhard: Der Tod ist nicht das letzte Wort. Freiburg 1983

- Degenhardt, Johannes Joachim: Den Tod annehmen-christlich sterben. Paderborn 1983

- Kübler-Ross, Elisabeth: Interviews mit Sterbenden, Stuttgart 1977

- Kübler-Ross, Elisabeth: Was können wir noch tun? Stuttgart 1975

- Mohr, Gerd Heinz: Vom Licht der letzten Stunde

- Bowers, Margaretta K. u.a.: Wie können wir sterbenden beistehen? München 1971

Angst

Ansprache

Angst um den Frieden und Angst um die Zukunft sind die aktuellsten Themen unserer Tage. Und die Angst läßt die Menschen – die alten und fast noch mehr die jungen- nicht mehr los.

Dürfen wir, darf der Christ solche Angst haben. Wenn die Angst über vernünftige und gebotene Sorge hinausgeht, wenn sie auf dumpfe Ratlosigkeit und Verzweiflung hinausläuft, dann widerspricht sie der christlichen Lebenshaltung.

Josef Meinrad •••••

In keiner anderen Zeit, als in der österlichen erfahren und spüren wir die Freude und die Zuversicht, die Christi Botschaft uns vermittelt:

“Euer Herz erschrecke nicht. Ihr glaubet an Gott, glaubet auch an mich!”

“Ich habe die Welt überwunden.” “Ich lebe und auch ihr sollt leben!”

Für uns gläubige Menschen ist die Geschichte der Menschheit nicht ein sinn- und zielloser Wirrwarr von Leid, Blut und Tränen. Wir Christen glauben nichts geringeres als dies: daß Jesus Christus seit seiner Auferstehung der verborgene Herr der Welt ist. Wir erwarten sein Kommen in Herrlichkeit; wir hoffen darauf, daß seine Herrschaft sich am Ende durchsetzen wird. Wir vertrauen darauf, daß dann, am Ende, deutlich wird: Gott hat auch auf den krummen Linien der menschlichen Geschichte richtig und gerade geschrieben. Er fügt das gerade, was wir verwirren. Gott kann aus Tod und Untergang den neuen Anfang schaffen. Da, wo unsere Möglichkeiten am Ende sind, beginnen seine Möglichkeiten. Und die Wogen unserer menschlichen Geschichte, die oft so hoch gehen und uns angst machen, laufen einmal aus am Strand seiner Ewigkeit.

Das alles glauben und hoffen wir, nicht weil es in der Welt danach aussieht, sondern weil er es uns gesagt hat, er, der selber das menschliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen durchlebt hat.

Wir glauben es auf sein Wort hin: “Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.”

Sein Wort, sein Evangelium, will uns Zuversicht und Hoffnung geben in einer Welt, in der wir so oft Angst haben. In der wir uns manchmal voller Sorge fragen: wie wird es weitergehen? Was mag morgen kommen? Auf sein Wort hin dürfen wir mitten in dieser so zweideutigen und manchmal so sinnlos scheinenden Welt Ausschau halten nach dem Tag, da Gott unser Leid und unsere Angst, da er alle Not dieser Erde durch seine Macht beendet. Nach dem Tag, da Gott selber unsere menschliche Sehnsucht nach Glück und Geborgenheit erfüllt.

Davon spricht die Offenbarung des Johannes in Bildern, die wir alle verstehen können:

“Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde •••• und ich hörte eine Stimme vom Throne her sagen: Siehe! Die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selber wird mit ihnen sein und alle Tränen von ihrem Angesicht abwischen. Und der Tod wird nicht mehr sein und kein Leid, kein Jammer und keine Mühsal, denn das frühere ist vergangen.

Und der Thronende sprach: Siehe, ich erschaffe alles neu. Und er befahl mir: Schreibe auf! Denn diese Worte sind zuverlässig und wahr!”

Fürbitten

Lasset uns beten zu Gott, unserem Vater:

-Gib den Mächtigen in Wirtschaft und Politik Verantwortungsbewußtsein, damit sie sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und wirklich das Wohl der Menschen im Auge haben.

- Hilf allen enttäuschten und geängstigten Menschen, daß sie im Glauben an dich die Kräfte finden, ihren Weg weiterzugehen_

- Laß uns über den vielen Sorgen und Ängsten des Alltags, nicht das eigentliche Ziel unseres Lebens aus dem Auge verlieren_

Stehe den Sterbenden bei und gib auch uns, wenn unsere letzte Stunde kommt, die Gewißheit, daß wir durch den Tod in das wahre Leben des Friedens und der Geborgenhait übergehen-

Denn unser Leben steht in deiner Hand. Laß uns auf dich vertrauen alle Tage unseres Lebens.

So bitten wir durch Christus unsern Herrn.

<Hanschriftlich:>

Gottesdienst im Krankenhaus

Thema: Angst

Eröffnung:

Liebe Schwestern, meine lieben Kranken des Hauses!

Als genesender Mit-Patient darf ich heute in dieser Kapelle das Opfer Christi feiern. Und ich möchte Sie alle bitten Ihre Leiden mit Schmerzen mit dem Opfer Christi zu vereinen. Wir wollen es besonders darbringen für ndie3jenigen, die einer Operation entgegengehen, für die Mütter, die ihre schwerste Stunde erwarten, und nicht zuletzt für diejenigen die in ihrer Krankheit vielleicht mutlos und verzweifelt geworden sind.

Krankheit ist immer ein Übel. Das schlimmste aller Übel aber ist die Krankheit der Seele, die Sünde. Damit unsere Opferfeier Gott gefallen kann, wollen wir unsere Schuld vor ihn bringen und um Vergebung bitten:

Herr Jesus Christus, du hast auf Erden viele Kranke geheilt:

-          Herr erbarme dich …

-          Du hast den Sündern Vergebung geschenkt: Christus erbarme …

-          Du willst uns ewiges Leben schenken: Herr …

Der allmächtige Gott …

<Handschriftlich:>

Fürbitten

Lasset uns beten zu Gott unserem Vater, der das Glück und die Freude der Menschen will:

-          Für alle Kranken dieses Hauses, daß sie eine baldige Genesung erfahren. –

-          für alle, denen eine Operation bevorsteht, daß sie ihr mit Gottvertrauen und ohne Angst entgegengehen.

-          Für alle Mütter, die ein Kind erwarten, daß sie mehr an die Freude, die Gott ihnen schenken will denken als an die Angst.

-          Für alle, die geschlagen sind mit einer unheilbaren Krankheit: daß sie wieder vertrauen dürfen.

-          Für alle Krankenschwestern und Krankenpfleger, daß Gott ihnen die Kraft gebe ihre Patienten mit Geduld und Liebe zu pflegen und daß Gott ihnen ihre Dienste reichlich belohnen möge.

-          Für uns alle, daß wir Gott immer dankbar sind für Gesundheit und Leben. -

Erlöse uns, o Herr vom Leiden dieser Zeit, damit wir dich einmal preisen dürfen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

<Handschriftlich:>

Ansprache.

Angst

Man sagt, noch nie hätte der Mensch so viel Angst gehabt, wie in unseren Tagen: Angst vor dem Alter, Angst vor dem Sterben, ja man könnte sagen auch Angst vor dem Leben. Junge Menschen bereits kennen keine Lebensfreude mehr, fühlen sich frustriert und sprechen von der Sinnlosigkeit des Lebens und Leere des Lebens.

Woher kommt diese Angst, und wie können wir sie überwinden. Ich meine, daß jede Angst im Letzten zurückzuführen ist auf eine Bruchstelle im Verhältnis zu Gott, auf ein Mißverständnis oder Fehlverhalten im Glaubensleben. Daß in einer atheistischen, glaubenslosen Gesellschaft der Mensch nicht glücklich werden kann, zeigt uns schon die Geschichte. Franz. Rev. – Kommunismus: Paradies auf Erden, aber nur Ströme von Blut und Tränen – Nationalsozialismus:

Wenn aber auch Christen, oft scheinbar gute Christen, von Angst befallen werden, dann muß man doch fragen, wie steht es mit ihrem Glaubensleben.

z.B. Josef Meinrad …

Ja, was kann uns schon passieren …

Wenn ich Christ bin, das bedeutet dann doch mehr als nur zu glauben, daß es einen Gott gibt. Glauben bedeutet mehr als für wahr halten was Gott geoffenbart hat und wir im Katechismus gelernt haben. Credo – Cor-dare … = Wissen nicht nur daß Gott mein Vater ist, sondern darauf bauen und Vertrauen: Ja Vater – Du mein Vater, ich dein Kind. Er ist Vater, der von Ewigkeit an mich gedacht und mich geliebt hat.

Und wie diese Liebe Gottes sich dem Menschen ganz konkret, ganz hautnah geoffenbart hat, nämlich in der Menschwerdung seines Sohnes. Kein Menschengeist hätte das so ausdenken und erfinden können. Daher kann unsere Antwort nur die der Liebe sein: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart.“

Ja meine Lieben, wenn unser Glauben mehr ist als ein Wissen von Glaubenswahrheiten. Wenn es eine Antwort der Liebe und des Vertrauens auf die ewige Liebe Gottes ist, dann gilt doch das Dankeswort: „Denen, die Gott lieben gereichen alle Dinge zum Guten.“ Dann gibt es doch nichts, was uns trennen kann von Gott, der selbst im größten Leid, in aller Not und selbst noch im Tod unser Bestes, unseres wahres und ewiges Glück will.

In meinen wachen Stunden, kam mir der Gedanke, daß es doch interessant wäre im Hause umherzugehen von Bett zu Bett, und vor allem diejenigen, die vor einer Operation stehen zu fragen, ob sie Angst haben. Das wäre sicher auch ein Glaubenstest. Natürlich gibt es eine natürliche Angst. Aber der Mensch, der sich ganz in den Händen Gottes weiß, der wird doch mit ihr fertig.

Als der hl. Franziskus nach Jerusalem hinaufpilgerte tanzte er vor Freude … Gott ist kein Gott der Angst, sondern der Freude … hunderte von Malen Aufruf zur Freude. Von Bethlehem bis Geh. Off.: Gott wird …

Ich weiß meine Lieben, daß es unmenschlich wäre von heute auf morgen eine solche Haltung von ihnen zu erwarten. Ich glaube, daß ich es ein wenig vor der Operation fertig gebracht habe. Aber ich habe auch die heiligen Schutzengel angerufen, nicht nur den meinigen, sondern auch die der Ärzte, indem ich sie bat, ihre Hände zu führen.

Nebenbei ein Rat für die Mütter, die auf die Geburt ihres Kindes warten. Vor beinahe 50 Jahre las ich das Buch …

Ja, meine lieben Kranken, wenn wir uns wirklich zum echten Gottvertrauen durchgerungen haben, dann werden auch wir jedwede Angst überwinden können. Das bestätigt ja auch die große heilige Therese von Avila …

Gestern vor drei Wochen war ich dort wo sie geboren und gelebt hat und wo sie in den beschaulichen Orden des Karmel eingetreten ist.

Auf eine Holztafel in goldenen Lettern gemalt brachte ich mir eines ihrer schönsten Gedichte mit, das über meinem Schreibtisch einen Platz finden wird, und dessen Gedanken ich als Wegweisung für die Überwindung jeglicher Angst mitgeben möchte:

„Nicht soll dich ängstigen,

Nichts dich erschrecken,

Alles geht vorüber,

Gott bleibt derselbe.

Die Geduld erreicht alles

Wer Gott hat, besitzt alles.

„Sólo Dios basta.“

Gott allein genügt.“

Fürbitten

lasset uns beten zu ihm, der von alters her unser Gott ist:

- daß alle, die alt sind, ihre Lebenserfahrung fruchtbar machen und träumen dürfen von Gottes Zukunft für unsere Welt: Wir bitten

- daß alle, die Angst haben vor dem Alt-Werden, das Leben in Fülle erhalten und sich selbst dem Herrn der Zeit anvertrauen;

daß wir erlöst werden von dem, was uns niederdrückt, und uns vergeben wird, was falsch war, so daß wir hoffen auf das, was vor uns liegt;

daß wir bewahrt werden vor Verbitterung, wenn wir sehen und doch nicht verstehen, was hinter uns liegt, und so füreinander zu Licht und Freude werden.

Herr, sei uns Stütze und Stab auf unserem Weg. So bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

G e b e t    i m    A l t e r

Herr, du hast uns Menschen

wie jedem Lebewesen seine Zeit zugemessen:

er altert und er stirbt.

Ich bin in deiner Hut.

Gib mir die Kraft, die Last des Alters anzunehmen.

Laß mich darüber weder wehleidig

noch hart und eigensinnig,

sondern weise werden.

Öffne mir den Blick

für die unbekannten Freuden des Alters.

Öffne mir den Blick für die Größe des Todes.

Gib mir die Fähigkeit, weiterzugeben,

was ich empfangen habe.

Laß mich das Unbekannte nicht mit Angst,

sondern in Hoffnung erwarten.

Hilf mir, das Ende gut zu machen,

dann wird alles gut gewesen sein.-

Amen.

(Caritas -) Abtreibung 2. Fastensonntag 1980

EIN JA ZUM KIND – EIN JA ZUM LEBEN

“Die Caritas hilft – hilf der Caritas!” lautet das Leitmotiv des Aufrufes zum heutigen Fastenopfer. Caritas bedeutet immer Hilfe und Liebesdienst am anderen. Eine der wichtigsten Caritasdienste ist unbestreitbar der Dienst am Leben. Kein Leben ist heute aber so bedroht, wie das Leben des ungeborenen Kindes. Mit Recht erschrecken wir und empören wir uns über den Völkermord in Kambodscha und anderen Teilen der Welt, aber den in viele Tausende gehenden Kindermord im eigenen Volk nehmen wir hin. Man regt sich sogar darüber auf, daß man die wie eine Seuche umsichgreifende Abtreibung Mord nennt. Sie ist doch aber kein Unfall, keine ungewollte, sondern eine beabsichtigte Tötung, und die nennt man doch nach allgemeinem Sprachgebrauch “Mord”.  <Randhinweis: Bischof Dybo!>

Wenn die Forschungsergebnisse der Embryologie, der Biologie und der Anthropologie gezeigt haben, daß es sich beim Embryo d.h. der Leibesfrucht, von Anfang an um menschliches Leben handelt, dann muß man die gewollte und beabsichtigte Abtreibung auch heute noch Mord nennen. Den Kindsmord nennt man wie den Elternmord sogar einen qualifizierten Mord. Und ich möchte noch hinzufügen – was heute vielfach unterschlagen oder übersehen wird – daß die Abtreibung ein feiger und doppelter Mord ist. Ein doppelter Mord, weil das ungeborene Kind nicht nur seines natürlichen und irdischen Lebens beraubt wird, sondern was eigentlich noch schlimmer ist, auch seines übernatürlichen und ewigen göttlichen Lebens, weil es nicht getauft wird. Sicher ein solches Kind kann von Gott nicht bestraft werden, weil es keine persönliche Schuld begangen hat. Aber das Geschenk des göttlichen Lebens ist nach Lehre der Kirche an den Empfang der Taufe gebunden. Christus sagt doch: “Wer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser ••••• ”

Es ist wahr, daß der ällmächtige Gott in seiner Weisheit und unendlichen Barmherzigkeit in Anbetracht der Verdienste Christi und seiner Kirche ein Kind, das ohne Taufe vor dem Alter der Unterscheidung gestorben ist, zur Anschauung seines unendlichen Wesens führen kann, wenn er es will; es ist aber angebracht, sich daran zu erinnern, daß diese tröstliche Auffassung nur eine einfache Vermutung darstellt, die die Kirche im Laufe ihrer Geschichte nie zu bestätigen gewünscht hat.

Die sogenannten Indikationen

Die dem Kind feindliche moderne Welt hat die Gründe, die ihr die tödliche Unterbrechung der Schwangerschaft “angezeigt” erscheinen lassen, in den sogenannten „Indikationen” d.h. ja Anzeigen, zusammengefaßt. Ich möchte nur zu 2 Indikationen Stellung. nehmen, die wohl am meisten vorkommen.

Da ist zunächst die soziale Indikation. Sie hält die Schwangerschaftsunterbrechung dort für gerechtfertigt, wo ein Kind eine allzugroße soziale beziehungsweise wirtschaftliche Last für die Familie oder die Mutter bedeuten würde. Die Grenzen dieser Indikation werden meistens recht großzügig abgesteckt. Es ist ja von vornherein klar, daß sie nur willkürlich gezogen werden können, wenn es einmal “angezeigt” sein soll, daß eine Mutter ihr Kind morde, wenn immer es in ihre Vorstellungen von sozialen Ansprüchen, vom Lebensstandard, nicht hineinpaßt.

Die letzten Hintergründe der “sozialen” Mordtheorien sind allerdings nicht wirtschaftliche Nöte; sondern der moralische Tiefstand der Gesellschaft. Es ist ja nachgewiesen, daß bei den wirtschaftl. gesicherten Schichten die Abtreibungen sogar zahlreicher sind als in den Kreisen der Armen.

Die medizinische Indikation hält eine direkte Tötung der Leibesfrucht beziehungsweise direkte Schwangerschaftsunterbrechung für “angezeigt”, wenn sonst das Leben der Mutter in unmittelbarer großer Gefahr stünde oder wenn sonst das Leben der Mutter für die Zukunft leicht in schwere Gefahr kommen könnte.

In einer solch schwierigen Konfliktsituation kommt man mit einer Wohlstandsreligion nicht mehr aus, da kann nur eine Kreuzes-religion den rechten Weg weisen. Wie immer das Urteil des Arztes ausfallen mag, die Kirche hält unerbittlich an dem Grundsatz fest, daß es unter keinen Umständen erlaubt sein kann, das Leben eines unschuldigen Kindes im Mutterschoß direkt anzugreifen.

Begründung:

1.) -Gott allein ist der Herr über Leben und Tod. Kein Arzt darf Todesurteile über Unschuldige fällen und ausführen; sondern er muß bis zuletzt alles tun, um das Leben von Mutter und Kind zu retten. Wenn er es dann trotz der nötigen Sorgfalt in der Ausbildung und Praxis nicht vermag, so ist es Gott selbst, der über das Leben entschieden hat.

2.) Wenn es grundsätzlich in die Moral der Mütter aufgenommen würde, in der Gefahr für ihr Leben einfach das Leben des Kindes zur Rettung des eigenen Lebens zu “opfern”, dann besagte Mütterlichkeit nicht mehr Hingabe, sondern Egoismus. Es gehört wesentlich zur Mutterliebe, zur mütterlichen Opferbereitschaft, daß die Mutter eher ihr eigenes Leben preisgibt, als daß sie das Leben ihres Kindes selbst angreift beziehungsweise einen Arzt bestellt, der sie durch Tötung ihres Kindes aus der Gefahr retten soll.

3.) Schließlich ist vom medizinischen Standpunkt aus zu sagen, daß nach dem Urteil erfahrener und gewissenhafter Frauenärzte mehr Mütter infolge Durchführung eines medizinisch scheinbar „indizierten“ Abtreibung (Abortus) gestorben oder siech geworden sind als durch die strikte medizinische Ablehnung jeder direkten Tötung der Leibesfrucht.

Das schlimmste ist jedoch die moralische Zerstörung der Mütterlichkeit. Die seelische Gesundheit der Mutter, ihr echt mütterliches Denken und Fühlen gilt doch mehr als die bloße Rettung des leiblichen Lebens. Noch vor kurzem erzählte mir eine Krankenschwester, daß Frauen gerade in späteren Jahren nach einer Abtreibung unter Psychosen und Neurosen zu leiden haben. Da gilt eben das Wort von Schiller: “Das Leben .ist der Güter höchstes nicht, der Übel größtes aber ist die Schuld.“

<Hanschriftlicher Zusatz:

Die heutige junge Generation: NS-Verbrechen? Wie konnte das geschehen?

Ist der gedkuldete Mord an Millionen von ungeb. Kindern nicht fast noch schlimmer? Vielleicht werden die wenigen Kinder, die überleben durften der heutigen Generation auch einmal die Frage stellen: Wie konntet ihr solche Greueltaten zulassen?

Lassen Sie mich zum Schluß …>

Lassen Sie mich zum Schluß das Gedicht einer Mutter und Arztfrau zitieren, das uns vielleicht viel besser als Argumente die Verantwortung für das Leben des Ungeborenen aufzeigen kann.

§ 218

(Klage eines Ungeborenen)

DER HERR ÜBER LEBEN

Mich Dir hat geschenkt,

knospengleich in Deinen Schoß gesenkt,

solltest mich schützen, behüten und hegen

- doch Du hast mir genommen mein Leben!

Mama, wollte ich zu Dir sagen, -

um Deinen Hals meine Ärmchen schlagen,

den süßesten aller Küsse Dir geben,

- doch du hast mir genommen mein Leben!

Mühen und Sorgen solltest Du tragen,

Antwort mir geben auf viele Fragen,

mir sagen von Gott und hüten mein Streben,

- doch Du hast mir genommen mein Leben!

Zum Guten und Schönen solltest mich führen,

in MEINEM Wachsen DEIN Wachsen spüren, -

meiner UND Deiner Seel’ Weiten, Erheben,

- doch Du hast mir genommen mein Leben!

An Deinem Lager wollte ich beten,

wenn einst vor Gott hin wirst müssen treten, -

für DICH UND mich ihm Antwort zu geben,

- aber Du hast mir genommen mein Leben!

Hab’ keinen Hügel, kein Mein-Gedenken,

wolltest nicht Träne, nicht Blume mir schenken!

Mög’ meiner Seele, meiner so armen,

meiner UND Deiner, Gott UNS sich erbarmen!

Anneliese Ernst

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