Gehe zu: Hauptmenü | Abschnittsmenü | Beitrag

Peter Burg Werke

Robert Schuman

Robert Schuman und Pierre Lorson:

Präsentation des Beitrages „Es geht darum, eine neue Kathedrale zu bauen“. Robert Schuman präsentiert Pater Lorsons Europakonzept“ in der Zeitschrift für die Geschichte des Saarlandes, Band 61, 2013, in der Buchhandlung Pieper, Saarlouis, Großer Markt, am 25. April 2014.

Erfahrungsraum und Erwartungshorizont in den Europaentwürfen von Robert Schuman und Pater Lorson

Meine Damen und Herren,

ich bedanke mich bei den Vorstandsmitgliedern des Historischen Vereins, dass sie meinen Aufsatz in der renommierten Vereinszeitschrift publiziert haben und mir die Gelegenheit zur Präsentation geben. Ich werde mich in der Präsentation auf besonders bemerkenswerte Aspekte beschränken, die zum Lesen des Textes anregen mögen. Zunächst möchte ich aber etwas zu meinem persönlichen Weg zum Thema sagen. Anknüpfen kann ich an die Ankündigung zu dieser Veranstaltung. Die Angabe meines Geburts- und Herkunftsortes Friedrichweiler hat mich überrascht, lebe und arbeite ich doch seit fast vier Jahrzehnten im westfälischen Münster. Doch der Verweis auf das 1000-Seelendorf, einen Ortsteil in der Gemeinde Wadgassen, enthält in der Tat die Erklärung für die Beschäftigung mit Pater Lorson, dem aus dem Nachbarort Differten stammenden Jesuiten. Sein Name Lorson verweist auf genealogische Wurzeln in Friedrichweiler, das manche scherzhaft „Lorsonville“ nennen. Personen namens „Peter Lorson“ dürfte es dort gut und gerne fünfzig gegeben haben.

Peter Lorson, der Jesuitenpater, verwandelte sich in seinem abenteuerlichen und höchst bewegten Leben in einen Pierre Lorson. Er kehrte – auch in seinem Selbstverständnis – zu seinen noch älteren Wurzeln, den französischen zurück. Dabei verlor ihn sein Heimatdorf weitestgehend aus dem Blick. Mein Interesse und meine Neugier galten dem unbekannten Nachbarn, den die Erinnerungskultur im Vergleich zu der des Wadgasser Heimatdichters Johannes Kirschweng deutlich vernachlässigt hatte. Zum einen brachten ihn die Annahme der französischen Staatsbürgerschaft und sein kritisches Deutschlandbild in den Ruf eines Vaterlandsverräters, zum anderen bestanden für die Rezeption seiner größtenteils in Französisch geschriebenen Schriften Sprachbarrieren. Ich gewann den Eindruck, dass ein Nachholbedarf in der Erinnerungsarbeit an Pater Lorson existierte. So entstand die Biographie des „Saar-Franzosen“, die vor drei Jahren erschienen ist.

Jahrelange Recherchen gingen dieser Publikation voraus. Im Zuge dieser Recherchen gelangten unerwartet Juwelen ans Tageslicht. Dazu rechne ich Robert Schumans Vorwort zu Pater Lorsons Europabuch, das im Mittelpunkt meines Aufsatzes steht und in der Zeitschrift in deutscher Übersetzung abgedruckt ist. Die handschriftliche Fassung des Vorworts befand sich im Nachlass des Archivs der Jesuiten in Paris. Es war nicht das einzige Juwel im Nachlass. Hier befand sich des Weiteren ein als verschollen geltender, gehaltvoller Originalbrief von Thomas Mann, in dem sich der Dichter für eine Besprechung seines „Doktor Faustus“ bedankt. Um den berühmten Theologen Romano Guardini hat sich Pater Lorson durch Werkübersetzungen ins Französische verdient gemacht. Allerdings wurde seine vor dem Zweiten Weltkrieg verfasste mutige Schrift „Der Christ gegenüber dem Rassismus“, die unter einem Pseudonym erschienen ist, Guardini zugeschrieben. Diesen Irrtum auszuräumen, ist mir bislang nur zum Teil gelungen – in Deutschland. Von landesgeschichtlichem Interesse war die Entdeckung und Auswertung eines Artikel von Pater Lorson zu Johannes Kirschweng, die gleichfalls zu einer Publikation in der Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend geführt hat. Ein ungehobener landesgeschichtlicher Schatz stellen schließlich noch die Briefe von Josef Probst dar, wie Pater Lorson ein früher Anhänger der Pax Christi, dessen Wirkung weit über das Saarland hinausreichte. Ein im vorletzten Band der Zeitschrift erschienener Aufsatz von Franz Josef Schäfer zur katholischen Friedensbewegung handelt auch von Probst.

Nun zu Robert Schuman und Pater Lorson. Warum ist in Robert Schumans Vorwort ein Juwel zu sehen? Weil es sich um eine bis dato unentdeckte, seltene und gehaltvolle Quelle handelt. Das Vorwort befindet sich in einem wenig verbreiteten Buch, in westeuropäischen Bibliotheken ist Pater Lorsons Europabuch elfmal, davon in Deutschland dreimal und in Frankreich viermal, in Übersee siebenmal nachgewiesen. In Literaturverzeichnissen zu Robert Schuman wird Pierre Lorson nicht als Verfasser des Buches identifiziert, man übernimmt als Autornamen das Pseudonym René Baltus. Der Begleitbrief zum Vorwort ist noch nie gedruckt worden. Das projizierte Original haben außer Ihnen nur ganz wenige Personen bislang gesehen.

Das Vorwort stellt Pater Lorsons Europakonzept konzentriert auf zwei Druckseiten vor, so dass ich es als Leitfaden für dessen Ausführungen nutzen konnte. Für meine Präsentation des Aufsatzes in der ZGS scheinen mir die Leitbegriffe „Erfahrungsraum und Erwartungshorizont“, die ein berühmter Historiker geprägt hat, geeignet zu sein. Die Geltung dieser Kategorien lässt sich bei den vorgestellten Persönlichkeiten (Schuman und Lorson) in vorzüglicher Weise exemplifizieren. Ihre Positionen erklären sich aus ihren Lebenserfahrungen, und aus diesen Erfahrungen haben sie Lehren für die Zukunft gezogen, insbesondere für die Zukunft Europas.

Für diese Männer der Grenze, wie sie sich selbst charakterisieren, stellten die beiden Weltkriege Schlüsselerlebnisse dar. Peter Lorson, an dem ich diese schicksalhafte Prägung beispielhaft veranschauliche, trat ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, mit 17 Jahren, als Novize in den Jesuitenorden der französischen Ordensprovinz Champagne ein, die eine Ausbildungsstelle im belgischen Antoing unterhielt. Der Krieg leitete bei ihm ähnlich wie bei Robert Schuman ein Abrücken vom politischen Deutschland ein. In dem abgeschiedenen Zirkel des Noviziats begann er von französischen Mitschülern umgeben seine Identität zu verbergen. Er firmierte mit dem Einverständnis seiner Lehrer als Elsass-Lothringer. Der Zwang zum Versteckspiel und die Notlügen bedrückten ihn damals und später sein ganzes Leben lang.

Peter Lorson war als Novize des Jesuitenordens auf dem Weg in ein spirituelles Leben, als ihn das innerlich ferne Vaterland in die raue Wirklichkeit hineinstieß und zum Militärdienst einberief. Der nach seiner physischen und psychischen Verfassung wehruntaugliche Novize erlebte widerwärtige, aber auch wohlwollende und geistig hoch stehende Kameraden und Vorgesetzte im deutschen Militär. Mitten im Ersten Weltkrieg konnte er sein Noviziat beenden. Ein deutscher Militärgeistlicher nahm die Gelübde der Demut, der Keuschheit und des Gehorsams ab.

Wahrscheinlich bedurfte es einige Jahre später keines großen Zuredens seitens der Ordensoberen – wenn überhaupt –, um Peter zu veranlassen, die französische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Im Jahre 1927 vollzog er auch de jure den Schritt, den er de facto bereits Jahre zuvor gemacht hatte.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Pierre Lorson, wie er sich in Frankreich nannte, zum französischen Militär eingezogen, wo er anfangs als Sanitäter, dann als Geistlicher im Offiziersrang zum Einsatz kam. Er suchte in Vorträgen, Ansprachen und Predigten den Widerstandsgeist der Franzosen gegen die deutschen Angreifer zu stärken, indem er deren menschenverachtende Weltanschauung anprangerte. Nach der französischen Niederlage im Blitzkrieg tauchte in Südfrankreich unter. In Nizza verfasste er ein Buch, das für eine innere Erneuerung und eine Revitalisierung der Franzosen im christlich-marianischen Geiste warb und das sich der Literatur des Widerstands zuordnen lässt.

Das Erlebnis der beiden Weltkriege und die Nazidiktatur bildeten den Erfahrungsraum, auf dessen Hintergrund sich der Erwartungshorizont der Nachkriegsordnung ausgestaltete. „Es ist der Geist, der das Werk des neuen Europa mit Leben erfüllt”, erklärte Robert Schuman im Vorwort von Pater Lorsons Europabuch. Dass der Jesuit den Akzent auf die spirituellen Aspekte legte, fand Schumans Beifall: Institutionen reichten nicht, die Schaffung eines europäischen Geistes, eines Gemeinschaftssinnes sei fundamental wichtig.

“Für ein europäisches Bewusstsein” plädierten Schuman wie Lorson, beide auf der Grundlage einer christlichen Überzeugung. Die Ermutigung der europäischen Einheitsbewegung durch die Kirche ergab sich für sie aus dem Auftrag von Christus, alle Nationen zu evangelisieren. Was sich aus dem Christentum ableiten lässt, konnte nach ihrer Überzeugung nicht dem Moralbewusstsein widersprechen. Das war die Grundlage eines weltumfassenden pazifistischen Denkens.

Kosmopolitische Entwürfe stehen bei Pater Lorson neben pragmatischen Forderungen wie der eines verbindlichen Bilinguismus. In einer Begrenzung auf die Beherrschung nur einer, der nationalen Sprache sieht er ein schweres Hindernis auf dem Wege der kulturellen und spirituellen Einigung Europas. Zwei Sprachen, so meint er, sind von Kindern mit Leichtigkeit zu erlernen. Beispiele für das spielerische Erlernen zweier Sprachen sind für ihn die zahlreichen zweisprachigen Völker. Welche Sprache sollte es sein? Pater Lorson schlägt vor, Engländer lernen Französisch, Franzosen Englisch, alle anderen Französisch oder Englisch. Das Thema des Bilingiuismus sollte der Europarat seiner Meinung nach in sein Programm aufnehmen, anschließend ein Referendum in Europa stattfinden. Das würde der Einheit Europas und dem Frieden dienen.

Mit der Bedeutung von Geist und Bewusstsein für die europäische Einheit befasste sich Pater Lorson bereits 1949 in einem Projekt zur Schaffung einer europäischen Universität, für deren Standort er – hier kommt ohne Zweifel seine saarländische Herkunft zum Tragen – die eben erst gegründete Saarbrücker Universität vorschlug. In seinem Projekt führt er aus, alle Gründe zur Schaffung eines vereinten Europa, die die Politiker in der ersten Sitzung des Europarates in Straßburg formuliert hätten, würden auch für die Einrichtung einer europäischen Universität gelten. Diese Universität soll Europa, dem die Politiker und Ökonomen einen Körper geben, eine Seele verleihen. Ein Körper ohne Seele zerfalle schnell. Wenn man den Körper künstlich am Leben halte, wäre er etwas Mechanisches, ein Roboter, der seine Rolle zur Befriedigung lebendiger und geistiger Wesen, um die es sich bei den Menschen handelt, nicht erfüllen könne. Eine europäische Universität sei eine treibende Kraft im Prozess der europäischen Einigung. Damit wies er der jungen Ausbildungsstätte in Saarbrücken, das nach seinem Konzept die Hauptstadt eines selbständigen Saarlandes auf der Basis eines Europa-Statuts sein sollte, eine ganz herausragende Rolle zu.

Um Pater Lorson Wirken für Europa einzuordnen, kann auf das Titelzitat zurückgegriffen werden: „Es geht darum, eine neue Kathederale zu bauen”. Eine Kathedrale ist für ihn das Musterbeispiel eines Teamworks. Im Falle Europas umfasst das Team ganze Völker, die an diesem Bau, um im Bilde zu bleiben, als Handlanger, Vorarbeiter, Bauleiter oder Architekten, also mit einer unterschiedlich großen Kompetenz und Verantwortung, mitarbeiten. Während Robert Schuman auf der Entscheidungsebene tätig war, gehörte Pater Lorson zu den Vorarbeitern. Pater Lorson, der Saar-Franzose, war als Mann der zweiten Reihe Hilfsarbeiter der Geschichte. Männern wie ihm ist die Popularisierung der Europaidee zu verdanken. Das wusste Robert Schuman als einer der Baumeister Europas zu schätzen. Mit seinem Vorwort unterstützte und honorierte er einen verdienten Aktivisten der Europa- und der Friedensbewegung, einen gebürtigen Saarländer, der mit seinem Konzept zunächst die Franzosen gewinnen wollte.

Seine deutsche Herkunft hat aber dazu geführt, dass er nolens volens sein Publikum heute mehr in seiner Heimat als in der Wahlheimat findet. Seinen Wunschvorstellungen entspricht jedoch, obwohl oder weil Mann der Grenze, ein grenzüberschreitendes allumfassendes, ein universales Publikum.

Was können Sie von der Lektüre des Aufsatzes über Robert Schuman und Pater Lorson erwarten? Einen Eindruck von der hoffnungsvollen und willensstarken Aufbruchsstimmung in Richtung Europa um 1950 und von der starken christlichen Prägung der Protagonisten, zu finden sind heute noch gültige Denkanstöße, darunter der Hinweis auf die heute nach wie vor eminente Bedeutung eines europäischen Bewußtseins.

Aufsatz abgedruckt in der ZGS 61, 2013/2014.

„I’l s’agit de bâtir une nouvelle cathédrale”

Pater Lorsons Europakonzept am Leitfaden eines Vorworts von Robert Schuman

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

I. „Männer der Grenze“

“René Baltus, qui, lui aussi, est un homme de la frontière, particulièrement ouvert à ces problèmes” (Schuman).

II. Zeitdiagnose

„L’Europe est à l’ordre du jour” (Schuman).

III. Geschichtliche Grundlagen

“L’Europe n’est pas une découverte; depuis des siècles, elle a existé” (Schuman).

IV. Programmatik

„C’est l’esprit qui fera vivre l’œuvre de la nouvelle Europe” (Schuman).

  1. Ziele für Europa
  2. Maximen der europäischen Einheit
  3. Modalitäten
  4. Hindernisse
  5. Mittel und Methoden
  6. Verfassung und Bürgerrecht

V. Realisation

“Il met l’accent surtout sur les aspects spirituels, sans négliger ni les tâches concretes ni les realisations ou les projets en cours” (Schuman).

  1. „Naissance de l’Europe à Strasbourg?“[1]
  2. „Europa des Vatikans?“[2]
  3. Das Projekt einer Europäischen Politischen Gemeinschaft
  4. „Droits de l’Homme“ im Europarat[3]

Resümee

Druck des Aufsatzes in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, Ausgabe 61, 2013, Saarbrücken 2014, S. 103-152.



[1] Pierre Lorson, Naissance de l’Europe à Strasbourg? La première session du Conseil de l’Europe, in: Études 1949, Bd. 263, S. 240-251.

[2] Paulinus 1952, Nr. 41, 12.10.1952, S. 9f.: Brief aus Straßburg. Die ersten Gehversuche Europas – „Europa des Vatikans?“ – Kardinal Tisserant in der Beratenden Versammlung.

[3] Études 1953, Bd. 279, S. 254-256: Droits de l’Homme et bilinguisme à Strasbourg.

Anhang zum Aufsatz im französischen Originaltext

Brief Robert Schumans

Assemblée Nationale[1]

Paris, le 7 Nov. 53

Mon Rév. Père,

ci-joint la petite préface promise. J’espère qu’elle ne vous décevra pas trop.

Votre ouvrage, malgré l’abondance croissante de cette littérature européenne, sera le bien-venu.

Respectueusement votre

Schuman

J’ai constaté dans des conversations privées que votre arrangement est déjà percé – non spécialement à propos de cet ouvrage encore ignoré.

Vorwort Robert Schumans[2]

De l’Europe d’hier à l’Europe de demain[3]

Préface

S.7 L’Europe est à l’ordre du jour; tout le monde en parle, pour ou contre, ou dubitativement. On voudrait <en[4]> savoir le pourquoi et le comment; on en mesure l’importance, et c’est là déja un résultat considérable, à une époque où le penchant general est plutôt à l’indifférence, au laisser-aller.

Le présent ouvrage donne une réponse à la plupart de ces questions, moins sur le plan de la technique<,juridique ou économique>[5] – ce n’est pas son rôle – que sur celui des principes en même temps que de la psychologie. L’Europe n’existera que par l’adhésion des peuples; elle ne sera pas la création artificielle d’une idéologie.

L’Europe n’est pas un cliché commode, dont les contours sont d’autant plus vagues qu’on s’en sert davantage. Elle ne doit pas nous masquer les difficultés réelles, mais elle nous aidera à les surmonter si nous avons de la ténacité et de la clair-voyance à la fois.

L’Europe n’est pas une panacée, un élixir universel. Les remèdes les plus sensationnels ne sont valables que s’ils sont appliqués avec mesure et discernement; ils ne nous dispensent <jamais>[6] /page 2/ de recourir aux[7] procédés traditionnellement éprouvés. Aucun ne suffit à lui-même, n’est une fin en soi. Nous voulons l’Europe comme un moyen d’éliminer les hostilités malsaines et de faciliter le libre épanouissement de ses énergies, au profit de l’organisme social. [8]<Si> L’Europe n’est pas le remède à tout; elle ne nous dispensera pas des efforts individuels et collectifs, ni ne nous préservera des risques et des sacrifices. Elle nous fera sortir des défilés dangereux en nous ouvrant des voies plus larges vers un horizon lumineux; il faudra construire une cité nouvelle, sur des plans plus vastes.

L’Europe n’est pas une découverte; depuis des siècles, elle a existé non seulement comme réalité géographique, mais comme entité spirituelle. A certaines époques, grâce à un christianisme homogène, elle a été une unité plus consciente et plus agissante qu’aujourd’hui. Mais l’Europe n’est pas “derrière nous”, comme on l’a dit, une étape temporaire et dépassée, un simple souvenir, une momie qu’on ne ressuscite pas[9]. L’Europe reste vivante, bien que déchirée et mutilée.

/page 3/ Elle est permanente. Hier comme demain elle demeure; elle doit avoir conscience d’elle-même et du rôle qui lui est propre. Sa mission n’a rien d’artificiel; elle se définit par des tâches concrètes qui répondent à des besoins pressants.

Le problème européen, le voici: les pays européens, ravagés matériellement et moralement, appauvris, divisés par les haines et les rivalités, pourront-ils se sauver d’une déchéance définitive s’ils sont isolés ou s’ils s’allient les uns contre les autres? Nous disons au contraire que ces anciennes méthodes, inspirées par l’exclusivisme nationaliste, sont vouées à l’échec; que dans notre extrême et commune détresse il n’y a qu’une voie de salut: en finir avec une politique qui partout ne voit que des antagonismes irrémédiables, des motifs de peur et de méfiance. Agir en Européen, c’est dégager patiemment les liens qui unissent et les intérêts qui convergent, par-dessus la diversité des conceptions et des tempéraments.

L’Europe sera ainsi une œuvre de bonne volonté et de bonne foi, basée sur /page 4/ la conviction que chacun a tout à gagner dans une coopération raisonnable et raisonnée; que, par contre, l’isolement, méconnaissant l’interdépendance croissante des peoples, est une cause de faiblesse et d’insécurité. Les partisans de l’Europe ne songent pas à répudier les valeurs nationales; ils les cultivent, au contraire, mais au lieu de les opposer entre elles, ils veulent en faire apport à l’ensemble.

René Baltus qui, lui aussi, est un homme de la frontière, particulièrement ouvert à ces problèmes, a assemblé, dans une étude historique, philosophique, politique et religieuse, les éléments d’une telle construction européenne. Il met l’accent surtout sur les aspects spirituels, sans négliger ni les tâches concrètes ni les réalisations ou <les>[10] projets en cours. Ce serait une erreur grave de penser qu’il suffirait de créer et d’aligner les institutions supranationales. Il fallait commencer par là; mais sans l’esprit européen, sans le sens généralisé de la communauté, il n’y aurait qu’une façade trompeuse. Une fois de plus, c’est l’esprit qui fera vivre l’œuvre de la nouvelle Europe, comme il a marqué l’ancienne de saint Bernard.

Robert Schuman

<Fundort: Archives des Jéuites, Vanves bei Paris>


[1] Absender im Briefvordruck.

[2] Vorwort zu: <Pierre Lorson unter Verwendung eines Pseudonyms> René Baltus, De la vieille à la nouvelle Europe (“Le Poids du Jour”), Paris 1953, S., 7f.

[3] Gedruckte Überschrift.

[4] En im gedruckten Test zugefügt.

[5] In der Druckfassung wird „juridique ou économique“ weggelassen.

[6] Jamais in der Druckfassung ergänzt.

[7] Im Druck Berichtigung zu à des.

[8] Fehlt im Druck, Beginn mit L’ Europe, nach tout ein Komma.

[9] In der Druckfassung „plus“.

[10] „les“ fehlt im handschriftlichen Text.

La Croix 20./21. 8. 1950:

René Baltus, A l’Assemblée de Strasbourg. Le Plan Schuman et l’Europe.

Si notre dernier article avait fait croire à nos lecteurs que nous croyons inutile l’expérience de Strasbourg, nous serions désolés. Nous avons souligné les contradictions qui sont inhérentes à l’institution et ce qu’il y a de fictif dans l’effort fait par ses members pour unifier l’Europe. Mais c’est pour les aider à obtenir un statut plus efficace.

Le Conseil de l’Europe reste utile

Tel quel, le Conseil de l’Europe reste utile. Son caractère consultatif ne manqué pas de portée. Dans les grandes maladies, on consulte des spécialistes pour obtenir un diagnostic plus sûr et hater la guérison du malade. C’est le role des délégués strasbourgeois par rapport à cette grande malade qu’est Europe. Chaque spécialiste apporte ses observations et ses suggestions. A ceux qui portent les dernières responsabilités d’utiliser ces données. Ils seraient bien sots de ne pas le faire.

Les discours et rapports qui deferient sur les auditeurs, à Strasbourg, depuis deux semaines, constituent un tour d’Europe des plus utiles. Ils montrent les incidences européennes de certains problèmes. Tout cela est instructif, pittoresque, humain, parfois dramatique.

Nous voulons faire profiter nos lecteurs de ces richesses. Nous ne croyons pas bonne dans l’espèce la méthode analytique et chronologique. Beaucoup d’orateurs se répètent. Le president, pour varier le menu, a mis à l’ordre du jour des sujets différents pour le matin et le soir. Résumer jour par jour les discourse serait donc une méthode fastidieuse et paresseuse. Nous grouperons nos reflexions par themes, allant aux choses plutôt qu’aux personnes. Nos lecteurs feront quand meme le tour d’horizon auquel ils ont droit. Pour aujourd’hui, nous leur dirons comment nos Européens ont accueilli le plan Schuman, ce pool du charbon et de l’acier, don’t la realisation est poussée par ailleurs, mais qui intéresse au premier chef l’Europe.

Rejet du plan dans sa forme actuelle

L’auteur du plan est venu en personne l’exposer à l’Assemblée. Il l’a fait avec cette manière simple, dépouillèe, directe, claire, substantielle, qui est la sienne, mais aussi avec modestie et fermeté ensemble, avec un mélange séduisant de réalisme et d’idéalisme. Notre ministre des Affaires étrangères a eu un très grand success personnel à l’Assemblée et sans aucune ombre au tableau.

Ce n’est pas à dire que, dans le long débat qui suivit et auquel il n’assista pas, tous les orateurs se soient rallies à son idée.

RENE BALTUS.

(Voir la suite page 2.)

(Suite de la première page.)

Il y en a qui recusant le plan dans sa forme actuelle. Ce sont surtout les Anglais, aussi bien conservateurs que travaillistes et libéraux. Les premiers ont présenté un plan nouveau, dont on ne peut retenir que des details. Les Scandinaves, qui semblent manquer un peu de liberté, tant à cause de leurs relations avec l’Angleterre qu’au cause de la proximité de la Russie, se sont prudemment abstenus de parler, ou bien ont orchestré les arguments négatifs des Britanniques. Quels sont-ils, ces arguments? D’abord, les délégués anglais pensent que leur gouvernement ne peut pas demander à son people les sacrifices qui seront sans doute necessaries pendant un temps pour assurer la mise en marche du plan. Il n’y a pas de chômage en Angleterre. On ne veut pas risquer de l’y introduire, fût-ce dans une mesure modeste, pour diminuer celui d’Allemagne et d’Italie, qui est terrible. En second lieu, les Anglais refusent de courir le risqué de désorganiser leur industrie de base, à laquelle est suspendue toute la vie nationale. Car le plan Schuman comporte des risques certains. Son success n’est pas métaphysiquement certain. Les Anglais dissent: il vaut mieux un moineau dans la main que deux moineaux sur le toit. En troisième lieu, le temperament pragmatique des Anglais répugne à s’engager à l’avance sur un plan soigneusement élaboré et rationnel. Ils croient aux faits plus qu’aux principes. Ils aimeraient mieux une collaboration precise et occasionnelle qu’une alienation definitive de leur système national. Les travaillistes craignent surtout que le pool ne dégénère automatiquement en cartel et ne tienne pas assez compte des intérêts ouvriers. Mais c’est l’idée de confier à une autorité supranationale, ou plutôt non britannique, leur industrie principale qui répugne aux Anglais invinciblement. Orgueil national, irremediable insuralisme, traditionnalisme figé, tutiorisme mesquin, manque d’esprit d’aventure? Il y a peut-être un peu de tout cela. Il faut avouer que cette attitude n’est pas très europénne. Remarquons cependant que les Anglais témoignent de la sympathie au plan et déclarent qu’ils y collaboreront, dès qu’il aura démontré sa viabilité.

Craintes et légitimes garanties

Certains délégués, tout en acceptant le p l a n en principe, ont exprimé certaines craintes et demandé de légitimes garanties. La Belgique, don’t les charbonnages sont socialement importants, mais d’une qualité mediocre, a peur de voir fermer ses puits si l’on unifie les marches, ce qui réduirait au chômage 50 000 mineurs. La solution demandée est un fonds de péréquation, d’ailleurs prévu dans le plan. Les Luxembourgeois, qu ont une sidérurgie prospère et une legislation sociale qui est en flèche, se demandent s’ils pourront maintenir ce niveau en cas d’unification des marchés. Ils demandent justement que l’égalisation se fasse par le haut et non par le bas. Les socialistes allemandes insistent pour que l’on cherche à atteindre non le minimum, mais le maximum de la production, afin de résorber le chômage et d’assurer le bien-être des ouvriers; qu’il ait l’égalité des conditions au départ pour les différents pays, y compris l’Allemagne, dont la production d’acier est contingentée à présent par les puissances d’occupation; enfin, que les travailleurs soient représentés au sein des organismes du plan.

Ralliement sans réserve

Mais la plupart des orateurs qui se sont exprimés sur le plan Schuman s’y sont rallies sans reserve. Français, Hollandais, Belges, Italiens, Allemands surtout sont enthousiastes. MM. André Philip et Maurice Schumann, spécialistes de la matière et remarquables controversistes, ont pulvérisé toutes les objections et donné tous les apaisements désirables. Ils ont démontré que le pool n’est pas et ne peut pas devenir un cartel, que les employés y seront aussi bien représentés que les employeurs, les consommateurs aussi bien que les producteurs; qu’il s’agit d’assurer précisément le plein employ à tous les ouvriers européens et de relever le niveau social. On a souligné aussi que l’autorité supranationale qui régira le pool et qui donne tant de soucis aux Anglais sera contrôlée démocratiquement, tout en restant assez indépendante pour échapper aux remous politiques.

Les mêmes orateurs ont relevé avec force et dans d’heureuses formules les avantages immenses du plan: mettre un point final à la rivalité franco-allemande, qui a coûté tant de sang; faire entrer les travaux sur l’unification de l’Europe dans la phase des realisations; lutter contre la misère sociale, meilleur atout du communisme; render l’Europe capable, grace à sa prospérité économique et son unité, de resister à une aggression éventuelle; enfin, lui fournir les moyens de sauver sa vieille civilisation et de continuer à donner au monde, comme par le passé, la lumière spirituelle dont il a besoin.

Les orateurs n’ont pas caché que le plan Schuman comporte des risques et demandera aux peoples des sacrifices, surtout pendant sa mise en train. Mais tout cela a été prévu et réduit au minimum. A l’usage, le combinat du charbon et de l’acier se perfectionnera et deviendra sans doute peu à peu le ministère de l’Economie dans une Europe fédérale.

Trois motions favorables

Ce très beau débat, auquel une bonne vingtaine d’orateurs ont pris part, s’est terminé par trois motions favorables au plan Schuman. Elles ont été transmises à la Commission économique, qui les mettra au point. Il n’y a pas de doute qu’elles passeront à une belle majorité. Si elles ne passaient pas, il n’y aurait pas lieu de nous frapper. M. Schuman continue de toute manière ses négociations et leur donnera avant peu une conclusion.

Mais les développements oratoires de Strasbourg lui inspireront confiance et permettront plus d’une amelioration. La consultation de nos Hippocrates européens n’aura pas été inutile.

RENE BALTUS.

Mehr zum Pater Peter Lorson