{"id":882,"date":"2012-03-28T07:15:19","date_gmt":"2012-03-28T06:15:19","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=882"},"modified":"2015-05-14T13:55:22","modified_gmt":"2015-05-14T11:55:22","slug":"artikelsammlung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wadgasser-geistliche\/peter-lafontaine\/artikelsammlung","title":{"rendered":"Artikelsammlung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kursiv gedruckt: Hervorhebungen Peter Lafontaines in Zeitungsartikeln<\/strong><\/p>\n<p>&lt;SZ 15.12.94&gt;<\/p>\n<p>Dogmatisch erstarrt<\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Der Streit um die Ehelosigkeit der Priester zeige eine lebende Kirche, glaubt Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Wahrscheinlich wei\u00df er selbst, da\u00df dies ein Irrtum ist, ebenso wie seine Feststellung, Nachdenken sei noch nie verboten worden. Es ist von Rom nur deshalb noch nicht verboten worden, weil es sich nicht verbieten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Wer nachdenkt und es dann wagt, dar\u00fcber zu reden, wird aus dem Vatikan zur Ordnung gerufen. Karl Lehmann und seine Mit-Bisch\u00f6fe Kasper und Saier haben das k\u00fcrzlich zu sp\u00fcren bekommen, als sie anregten, Geschiedene nicht in jedem Fall von der Eucharistie auszuschliessen. Die drei Bisch\u00f6fe hatten gar nicht vor, das kirchliche Lehrgeb\u00e4ude in seinen Grundfesten zu ersch\u00fcttern, stellten auch nicht die Unaufl\u00f6slichkeit der Ehe in Frage, sondern artikulierten lediglich ein seelsorgerisches Anliegen. Dabei konnten sie sich in allerbester Gesellschaft w\u00e4hnen, hatte doch der Pr\u00e4fekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, selbst einmal gesagt, da\u00df Menschen in einer Notsituation der vollen Gemeinschaft mit dem Leib des Herrn besonders bed\u00fcrfen. Das ist zwar schon ein paar Jahre her; der oberste Glaubensh\u00fcter hat sich wahrscheinlich an seine eigenen Worte nicht mehr erinnert.<\/p>\n<p>Schon der zaghafteste Versuch, in der Kirche Neues, anders als vorgegeben, zu denken und zu sagen, irritiert Rom. M\u00f6glicherweise hat sich Bischof Lehmann also selbst um den Kardinalspurpur gebracht. Es wird gemunkelt, Kanzler Kohl habe sich f\u00fcr die Aufnahme des Mainzer Oberhirten in die Kurie eingesetzt. Johannes Paul II. blieb unbeeindruckt und berief statt Lehmann den greisen deutschen Theologen Grillmeier.<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Amtskirche noch so sehr wehrt, es scheint Bewegung ins Volk der Glaubenden zu kommen. Man will sich nicht mehr ohne weiteres von Rom reglementieren lassen, sondern \u00f6fter als bisher selbst denken und eigenverantwortlich entscheiden.<\/p>\n<p>Die Kirche sch\u00f6pft ihren Absolutheitsanspruch in Glaubensfragen aus der Behauptung, sie allein k\u00f6nne den g\u00f6ttlichen Willen durchschauen und interpretieren. Nat\u00fcrlich kann eine Kirche nicht funktionieren und existieren, wenn jeder eigene Glaubens- und Sittengrunds\u00e4tze aufstellt und sich dabei v\u00f6llig losl\u00f6st von einem innerkirchlichen Konsens. Dies aber gilt f\u00fcr die Amtskirche in gleicher Weise. Sie kann auf den Dialog mit dem Volk Gottes letztlich nicht verzichten und mu\u00df die Menschen mit ihren Sorgen und Anliegen ernst nehmen. Diese F\u00e4higkeit scheint in Rom stark unterentwickelt zu sein.<\/p>\n<p>Es geht bei der Diskussion, die immer deutlicher, nun auch zaghaft beim sonst eher zahmen Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ausbricht, nicht um h\u00e4retische Ans\u00e4tze. In der Regel sind es pragmatische \u00dcberlegungen aus der Seelsorge, die auf den Pr\u00fcfstand gestellt und neu \u00fcberdacht werden. Wie beispielsweise die Humanisierung des kirchlichen Eherechts, die Karl Rahner einmal angemahnt hat. Oder die Anerkennung der Ehe als gleichwertige Form des Christseins gegen\u00fcber dem z\u00f6libat\u00e4ren Leben. Niemand verdammt den Z\u00f6libat in Bausch und Bogen &#8211; diese Lebensform ist ohnehin eine rein private Entscheidung &#8211; aber im Zusammenhang mit \u00dcberlegungen zur Zukunft der Kirche mu\u00df es erlaubt sein, ihn in seiner angeordneten zwingenden Notwendigkeit f\u00fcr Priester in Frage zu stellen.<\/p>\n<p>Das hat jetzt auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken getan und sich prompt einen R\u00fcffel der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz eingehandelt. Dabei wurde ein Allerweltsargument benutzt, mit dem jede Diskussion im Keim zu ersticken ist. So kann der offene Dialog in der Kirche, den das ZdK angemahnt hat, nicht gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dieser Dialog aber wird f\u00fcr das \u00dcberleben der Kirche in der heutigen Form von eminenter Bedeutung sein. Manche richten in Rom schon den Blick in die Zeit nach Karol Woytila. Das mag nicht besonders christlich sein, entspringt aber vielfach der Hoffnung, da\u00df sich die katholische Kirche unter neuer F\u00fchrung doch noch aus der dogmatischen Erstarrung l\u00f6sen und mehr glaubende Menschen f\u00fcr sich gewinnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Abschreckung <\/span><\/strong><\/p>\n<p>Seit Schaffung des r\u00f6mischen Rechts, der gr\u00f6\u00dften Kulturleistung des antiken Roms, gilt es als unumst\u00f6\u00dfche Grundlage der Gesetzgebung in allen Kulturstaaten der Welt: Strafe mu\u00df sein! Seitdem wei\u00df man, Strafe ist Abschreckung! Das Strafrecht hat eine normative Funktion. Ohne Strafgesetzgebung und ohne Strafvollzug ist eine soziale Ordnung in keinem Staat der Welt aufrecht zu halten. Noch nie in der gesamten Menschheitsgeschichte wurde an dieser Erkenntnis je ger\u00fcttelt. Wenn heute behauptet wird, Strafandrohung f\u00fcr die Tat der T\u00f6tung vorgeburtlichen menschlichen Lebens sei wirkungslos, besonders in den ersten drei Lebensmonaten des noch ungeborenen Kindes, so mu\u00df dieser Auffassung entschieden widersprochen werden. Denn es ist eine Tatsache und alles andere als ein Irrtum, wie G\u00fcnther Billmaier (DT vom 14. September) meint, da\u00df seit 1976 die Abtreibungszahlen durch Wegfall der Strafandrohungen gewaltig angestiegen sind.<\/p>\n<p><em>Jeder Arzt kann in seiner Praxis feststellen, da\u00df die Zahlen der vorgeburtlichen Kindest\u00f6tungen seit Wegfall der Strafbestimmungen sich etwa verf\u00fcnfzehnfacht haben. Dies hat der fr\u00fchere amerikanische Abtreibungsarzt Dr. Nathanson, der jahrelang in New York eine gro\u00dfe Abtreibungsklinik geleitet hat, f\u00fcr die Vereinigten Staaten als der Wirklichkeit entsprechend angegeben<\/em> (Karl Simpfend\u00f6rfer in &#8222;Verlust der Liebe&#8220;, Christiana Verlag, Stein am Rhein, Seite 129). Wir haben keinen Grund anzunehmen, in Deutschland w\u00e4ren die Verh\u00e4ltnisse besser als in Amerika. Wir m\u00fcssen davon ausgehen und daran festhalten, da\u00df auch in der Bundesrepublik die Zahlen der vorgeburtlichen Kindest\u00f6tungen durch den Wegfall der Strafandrohung, die ja sonst \u00fcberall in der Gesetzgebung normenbildend wirkt, sich verf\u00fcnfzehnfacht haben, zumal festgestellt werden mu\u00df, da\u00df die amtlichen Abtreibungszahlen nicht stimmen. Dies ist ein Beweis daf\u00fcr, da\u00df Strafandrohung zum Schutz des vorgeburtlichen menschlichen Lebens notwendig ist. Denn auf die normative Kraft der Strafgesetzgebung verzichtet unser Staat sonst nirgends, nicht in der Stra\u00dfen verkehrsordnung, nicht im Naturschutz, nicht im Waffenhandel, nicht bei Steuerhinterziehungen, nicht bei Devisenvergehen, nicht im Au\u00dfenhandel, nicht in Rauschgiftvergehen.<\/p>\n<p>Dr.med. Alfred H\u00e4u\u00dfler,<\/p>\n<p>74172 Neckarsulm<\/p>\n<p><strong>Daten und Quellenverzeichnis <\/strong><\/p>\n<p><strong>Abtreibung:<\/strong> Wer nennt die Schuld der Abtreibung, wenn nicht die Kirche? (Erzbischof Dyba ) Zettelmappe Nr.4<\/p>\n<p><strong>Mutter Teresa<\/strong> besa\u00df ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr das Leben und daf\u00fcr, was Leben zerst\u00f6rt. Daher erinnerte sie bei jeder Gelegenheit an das Unrecht der T\u00f6tung ungeborener Kinder. Auch den G\u00e4sten in Stockholm &#8211; bei dem Empfang des Friedensnobelpreis &#8211; brachte sie ihre \u00dcberzeugung nahe: &#8222;Der gr\u00f6\u00dfte Zerst\u00f6rer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes.&#8220; Nationen, in denen man die Abtreibung legalisiert habe, seien in ihren Augen die \u00e4rmsten L\u00e4nder. Sie hat Abtreibung bek\u00e4mpft, indem sie Adoptionen vermittelte und M\u00fctter in Not aufforderte, ihr die Kinder zu bringen.Die Sorge um Findelkinder geh\u00f6rt zu den wichtigen Aufgaben, die sich der Orden gestellt hat &#8230;. Da\u00df sich diese Frau aus den Slums von Kalkutta, die das gr\u00f6\u00dfte Elend kannte, radikal gegen Abtreibungen aussprach, mu\u00dfte denen, die von sozialer Indikation oder \u00e4hnlichem redeten, die Schamr\u00f6te ins Gesicht treiben. Da\u00df sie mit betr\u00e4chtlichem Erfolg Progamme der nat\u00fcrlichen Familienplanung betrieb, kr\u00e4nkte die, die meinten, mit fl\u00e4chendeckender Chemie Frauen von allen Sorgen der Geburtenkontrolle befreien zu k\u00f6nnen. Selbsternannte Frauenrechtlerinnen erkl\u00e4rten Mutter Teresa zur Feindin, eine Pro-familia-Aktivistin nannte sie gar eine &#8222;Marionette des B\u00f6sen&#8220;. Mutter Teresa hat jedenfalls in glaubw\u00fcrdiger Weise gezeigt, wie eine Frau Gro\u00dfes leisten und die Welt verwandeln kann, wenn sie ihre wesenseigene M\u00fctterlichkeit nicht verleugnet, sondern aus ihr lebt und wirkt.<\/p>\n<p><strong>AIDS:<\/strong> Bis zur Jahrtausendwende rechnen Wissenschaftler weltweit mit 40 Millionen Aidsinfizierten. Am schlimmsten ist Afrika betroffen. In Sambia, Simbabwe und Uganda sind bis zu 30% infiziert. 60% der Aidsinfizierten sind zwischen 15 und 25 Jahre alt.<\/p>\n<p>Nr.1<\/p>\n<p>&lt;DT Nr. 40, 95, S. 9&gt;<\/p>\n<p><strong><em>Geburtenplanung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zu der Meldung &#8222;Greinacher verteidigt die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung&#8220; (DT vom 21. M\u00e4rz) m\u00f6chte ich sagen: Die \u00c4u\u00dferung des T\u00fcbinger Theologen Greinacher bedarf einer Richtigstellung. Der Vatikan &#8211; hier der Papst &#8211; wendet sich keineswegs gegen eine vern\u00fcnftige Geburtenplanung. Er spricht seit vielen Jahren von der verantwortlichen Elternschaft und forciert die Wege nat\u00fcrlicher Empf\u00e4ngnisregelung. Siehe dazu auch die Rede der Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Mutter Teresa bei der Verleihung. Leider hat damals der deutsche Bl\u00e4tterwald \u00fcber diese markante Passage ihrer Rede geschwiegen.<\/p>\n<p>Vern\u00fcnftige Geburtenplanung beinhaltet Beachtung der nat\u00fcrlichen Fruchtbarkeitsphase im weiblichen Zyklus, nicht den Gebrauch der Chemie in Form von Pillen und den Gebrauch von Spiralen.<\/p>\n<p>Elisabeth Dei\u00df, 88069 Tettnang<\/p>\n<p><strong><em>Geistiger M\u00fcll <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Anstalten ARD und WDR sind vom rechtlichen Auftrag her zu fairer Ausgewogenheit verpflichtet. Doch beide Sender praktizieren seit vielen Jahren unertr\u00e4gliche Einseitigkeit auf politischem und weltanschaulichem Gebiet. Dies wurde offiziell nie zugegeben, als aber vor einigen Wochen die Ministerpr\u00e4sidenten Stoiber und Biedenkopf Fraktur redeten, kamen aus der politisch linken Ecke w\u00fctende Reaktionen.<\/p>\n<p>Nun hat diese Zeitung in der Ausgabe vom 11. M\u00e4rz unter der \u00dcberschrift &#8222;Nachfolger f\u00fcr Nowottny&#8220; einen arglosen Artikel \u00fcber Fritz Pleitgen ver\u00f6ffentlicht. Der neue Intendant wird zum Schlu\u00df mit dem Ausspruch zitiert: &#8222;Das Erste wird bleiben, es ist das wichtigste deutsche Fernsehen.&#8220; Ja, Pleitgen meint, die &#8222;\u00d6ffentlich-Rechtlichen seien zwar in den Quoten zu schlagen, nicht aber in der Qualit\u00e4t&#8220;. Da dr\u00e4ngt sich die Frage auf, was f\u00fcr einen Qualit\u00e4tsma\u00dfstab Pleitgen eigentlich hat.<\/p>\n<p>Die Media der Kultur und Kunst, die \u00fcber Jahrhunderte die Steigerung der Lebensm\u00e4chte speisten, werden durch das Fernsehen &#8211; aller Kan\u00e4le &#8211; mit Produktionen der Augenblicklichkeit weggesp\u00fclt. Von Moden und Ideologien gesteuert, wird das Direkte, das immer Neue und Nichtige, das Sensationelle und Unbedeutende, das auf Klischees reduzierte Denken, die verk\u00fcrzte Sprache produziert. <em>Zu Wort kommen solche, denen man das Mikrophon hinh\u00e4lt, die wenig wissen und nichts von Bedeutung zu sagen haben. Die mediale Kommunikation \u00fcberf\u00e4llt alles und jeden. Die Informationsfreiheit entpuppt sich als grenzenlose Freiheit zur Verdummung, Herabw\u00fcrdigung, Zersetzung und Unterwerfung.<\/em> Die st\u00e4ndige Anpassung nach unten verkleidet sich mit der Maske der Demokratie. Im chaotischen Bildervorbeimarsch k\u00f6nnen Publikum und Medientr\u00e4ger die Beruhigung ihrer eigenen D\u00fcrftigkeit erleben.<\/p>\n<p>Pleitgen w\u00e4re zu fragen, wer denn mit den gr\u00f6\u00dften Schuldanteilen am grassierenden Nihilismus in unserer libert\u00e4ren Gesellschaft tr\u00e4gt. Wer sch\u00fcttet Tag f\u00fcr Tag geistigen M\u00fcll gleich k\u00fcbelweise \u00fcber unsere Familien? Professor Rohrmoser meint in seinem neuen Buch &#8222;Der Ernstfall&#8220;: <em>&#8222;Die durchgehende Sexualisierung der Gesellschaft und fast aller ihrer Medien ist nur ein Aspekt tiefen seelischen Elends. Es liegt vor Augen, wie die \u00f6ffentlichen Medien und Instanzen bis in die Politik hinein in einer inzwischen jahrzehntelangen Kampagne zur anarchischen und hypertrophen Bet\u00e4tigung des Geschlechtstriebs aufrufen.&#8220;<\/em> Hemmungslos berieseln die Fernsehanstalten im gegenseitigen Konkurrenzkampf um Einschaltquoten die permissive Gesellschaft mit Pornographie und Unzucht als \u201eAbendvergn\u00fcgen&#8220;. Es st\u00fcnde einem neuen Intendanten gut an, ein Wort \u00fcber solche Zust\u00e4nde zu verlieren.<\/p>\n<p>Hubert Pieper,<\/p>\n<p>50129 Bergheim-Niederau\u00dfem<\/p>\n<p>&lt;DT vom 6.7.94&gt;<\/p>\n<p><strong>Wer nennt die Schuld der Abtreibung, wenn nicht die Kirche? <\/strong><\/p>\n<p>Erzbischof Johannes Dyba legt seine Haltung in der Frage der Beratung von Schwangeren in Konfliktf\u00e4llen dar<\/p>\n<p>Der Bischof von Fulda, Erzbischof Dyba, hat in der j\u00fcngsten Ausgabe der &#8222;Internationalen Katholischen Zeitschrift&#8220; die Entscheidung verteidigt, in seinem Bistum bei der Beratung von Schwangeren in Konfliktsituationen keine staatlichen Bescheinigungen mehr ausstellen zu lassen. Dyba bezieht sich dabei auf einen im Fr\u00fchjahr in derselben Zeitschrift erschienenen Aufsatz des Sekret\u00e4rs der Deutschen Bischofskonferenz, Pr\u00e4lat Sch\u00e4tzler ( 1 ). Dieser hatte die Auffassung vertreten, eine Schwangerschaftskonfliktberatung ohne Ausstellung jener Scheine, die der Staat f\u00fcr eine straffreie Abtreibung vorschreibt, verliere schnell den Zugang zu den ungewollt schwangeren Frauen. Sch\u00e4tzler hatte in diesem Zusammenhang den R\u00fcckgang der Konfliktberatungsf\u00e4lle im Bistum Fulda bedauert.<\/p>\n<p>Inzwischen hatte auch der W\u00fcrzburger Moraltheologe Bernhard Fraling die kirchliche Beteiligung am staatlichen Beratungssystem f\u00fcr Frauen in Schwangerschaftskonflikten bef\u00fcrwortet. Effektiver Lebensschutz m\u00fcsse die Schwangeren im Blick haben, die sich noch nicht endg\u00fcltig zu einem &#8222;Schwangerschaftsabbruch&#8220; entschieden h\u00e4tten, schreibt Fraling in der j\u00fcngsten Ausgabe der in M\u00fcnchen erscheinenden Jesuiten-Zeitschrift &#8222;Stimmen der Zeit&#8220;. Sch\u00e4tzungen zufolge motiviere die Beratung j\u00e4hrlich f\u00fcnf- bis achttausend Frauen, die Schwangerschaft doch auszutragen. Man d\u00fcrfe sich dieser M\u00f6glichkeit durch den Ausstieg aus dem staatlichen System nicht berauben, wie es Erzbischof Dyba getan habe. Darin seien sich die Mehrzahl der deutschen Moraltheologen einig.<\/p>\n<p>Der Theologe weist den Vorwurf zur\u00fcck, die Beraterinnen w\u00fcrden durch die Ausstellung des Beratungsscheins die Abtreibung &#8222;mitverursachen &#8222;. Der Schein diene nicht nur zur Straffreistellung, sondern auch zur kontrollierten Durchsetzung der Beratungspflicht. Auch wenn die Straffreiheit der Abtreibung kirchlich nicht akzeptabel sei, stelle der Beratungsschein moraltheologisch kein &#8222;malum in se &#8222;, kein B\u00f6ses in sich dar. In einem System, das Menschenleben immer weniger achte, m\u00fcsse die Kirche alle L\u00fccken n\u00fctzen, um Leben wirksam zu sch\u00fctzen. Deshalb k\u00f6nne die Schwangerschaftsberatung ein \u00fcberzeugendes Zeugnis der Kirche bleiben, &#8222;weil sie dabei nicht gezwungen ist, ihrer eigenen \u00dcberzeugung zuwiderzuhandeln&#8220;.<\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung des Communio-Verlags dokumentieren wir nachfolgend den Wortlaut der Stellungnahme Erzbischof Dybas in der &#8222;Internationalen katholischen Zeitschrift&#8220;.<\/p>\n<p>Im Jahr 1992 fanden im Bistum Fulda rund 2 600 Schwangerenberatungen statt, davon waren 369 Schwangerschaftskonfliktberatungen. Im Jahr 1993 stieg die Gesamtzahl der Schwangerenberatung auf 2 977, obwohl die Zahl der darin enthaltenen Konfliktberatungen auf 165 zur\u00fcckgefallen war. Es kann also keine Rede davon sein, da\u00df der Zugang zu den Frauen rapide verloren gegangen sei; ganz im Gegenteil wurden wegen der erwarteten h\u00f6heren Inanspruchnahme unserer Beratungsdienste f\u00fcr 1994 auf Wunsch des SkF (Sozialdienst katholischer Frauen. Anm.d.Red.) zwei Beratungsstellen personell und r\u00e4umlich verst\u00e4rkt. Da\u00df die Zahl der angesprochenen Schwangerschaftskonfliktberatungen zur\u00fcckgehen w\u00fcrde, war nat\u00fcrlich vorauszusehen. Wir verlieren Frauen, die auf jeden Fall den Beratungsschein haben wollen, und gewinnen Frauen, f\u00fcr die eine Schwangerschaft zwar Rat und Hilfe notwendig macht, aber nicht unbedingt einen Konflikt bedeutet, der das Leben des Kindes in Frage stellt.<\/p>\n<p>Um solche Zahlen richtig einordnen und bewerten zu k\u00f6nnen, m\u00fc\u00dften nat\u00fcrlich die Zahlen der anderen Bist\u00fcmer daneben gesetzt werden.<\/p>\n<p>Wieviele Schwangerenberatungen und wieviele Schwangerschaftskonfliktberatungen haben stattgefunden?<\/p>\n<p>Wieviele Beratungsscheine wurden ausgegeben und wieviele dieser Beratungsscheine wurden f\u00fcr straffreie Abtreibungen in Anspruch genommen?<\/p>\n<p>Wenn all diese Zahlen einmal auf den Tisch k\u00e4men, w\u00fcrden die Krokodilstr\u00e4nen \u00fcber die Fuldaer Zahlen wohl rasch versiegen.<\/p>\n<p>Nach geltendem Recht soll die Beratung &#8222;ergebnisoffen&#8220; sein, und selbst die Richtlinien des Deutschen Caritasverbandes (2) gehen davon aus, da\u00df in jedem Fall die &#8222;eigene und pers\u00f6nlich verantwortete Entscheidung&#8220; der Ratsuchenden anzuerkennen und selbst der zur Abtreibung entschlossenen Frau das Bewu\u00dftsein zu vermitteln sei, auch in Zukunft angenommen zu sein. Ein solches Verhalten ist aber mit der Lehre der Kirche unvereinbar. Denn es verschweigt, da\u00df es sich bei der Abtreibung um ein schweres Vergehen handelt<\/p>\n<p>&lt;Bild: Der Bischof von Fulda, Erzbischof Johannes Dyba. Foto: Plur &gt;<\/p>\n<p>(Kardinal H\u00f6ffner: &#8222;Ich bleibe dabei, Abtreibung ist Mord&#8220;) (3), da\u00df es von der Kirche mit der Strafe der Exkommunikation geahndet wird, also dem Ausschlu\u00df aus der kirchlichen Gemeinschaft (KKK. 2272, CIC, can. 1398). Das Zweite Vatikanische Konzil nennt die Abtreibung ein &#8222;verabscheuungsw\u00fcrdiges Verbrechen&#8220; (GS 51,3). Darf katholische Beratung solch lebenswichtige Information Ratsuchenden vorenthalten? Und wenn wir bei den angef\u00fchrten Zitaten geradezu zusammenzucken, sp\u00fcren wir da nicht, wie weit sich unsere heutige Terminologie schon den modernen Vernebelungstendenzen angepa\u00dft hat?<\/p>\n<p>Auch die Folgen einer Abtreibung werden ja in der \u00d6ffentlichkeit ganz bewu\u00dft verschwiegen, obwohl unz\u00e4hlige Frauen ihr ganzes Leben lang nicht damit fertig werden. Wer soll den Millionen so betroffener Frauen aber denn helfen, wer kann ihnen klarmachen, da\u00df es keine Schuld gibt, die von Gott nicht vergeben werden kann, da\u00df es einen neuen Anfang gibt? Wer, wenn nicht die Kirche? Wie soll sie diese gro\u00dfe und erl\u00f6sende Aufgabe aber glaubw\u00fcrdig angehen, wenn sie zuvor &#8222;ergebnisoffen&#8220; beraten und bescheinigt hat?<\/p>\n<p>Ganz so unsicher, wie es uns die Anmerkungen Wilhelm Sch\u00e4tzlers glauben machen wollen, sind wir inzwischen wohl nicht mehr. Schlie\u00dflich hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bereits am 10. Juni 1992 in aller Deutlichkeit und \u00d6ffentlichkeit erkl\u00e4rt: &#8222;Die Beratungsstellen k\u00f6nnen sich nicht in ein Verfahren einbinden lassen, das die Ausstellung einer Beratungsbescheinigung zu einer wesentlichen Voraussetzung f\u00fcr die straffreie T\u00f6tung eines ungeborenen Menschen macht.&#8220; (4)<\/p>\n<p>Hinter diese beachtenswerte Erkl\u00e4rung von Bischof Lehmann, deren Bef\u00fcrchtungen (wenn auch nicht per \u201eGruppenantrag&#8220;, sondern per BVG-Urteil) sich so rapide erf\u00fcllt haben, sollten wir auf keinen Fall zur\u00fcckgehen. Die Beratungsbescheinigung als \u201eeine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die straffreie T\u00f6tung eines ungeborenen Menschen&#8220; &#8211; das ist genau die Situation, die wir mit der im Urteil des Bundesverfassungsgerichts festgelegten L\u00f6sung bereits jetzt haben. Es wird wohl kaum jemand im Ernst annehmen, da\u00df der Gesetzgeber daran zugunsten der ungeborenen Kinder noch wesentliches verbessert &#8211; sofern bei der jetzigen Lage \u00fcberhaupt noch in absehbarer Zeit ein Gesetz zustandekommen sollte. Daher sollte das Wort des Vorsitzenden der Bischofskonferenz eingel\u00f6st werden, bevor es sich vor der Geschichte als unwahr erweisen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gebe ich mich nicht der Illusion hin, da\u00df wir f\u00fcr ein Gesetz, das in allem dem katholischen Glaubensverst\u00e4ndnis entspricht, heute in Deutschland noch eine Mehrheit finden. Daher m\u00f6gen wir unseren politischen Einflu\u00df in Richtung auf das &#8222;bestm\u00f6gliche&#8220; Gesetz aus\u00fcben. Wer aber zwingt uns, als Kirche in einem System mitzuwirken, das fl\u00e4chendeckende Abtreibungseinrichtungen und Millionen von Kindst\u00f6tungen einplant und so &#8211; wie P.\u00a0 L. Weinacht es trefflich formuliert &#8211; &#8222;Fleisch vom Fleische&#8220; eines s\u00e4kularen Staates zu werden?<\/p>\n<p>&#8222;Rechtswidrig&#8220; soll die Abtreibung zwar bleiben &#8211; womit sich manche tr\u00f6sten wollen &#8211; aber: nachdem die Rechtswidrigkeit der Tat pflichtgem\u00e4\u00df erkl\u00e4rt wurde, soll sie straffrei m\u00f6glich werden &#8211; eine in der ganzen Welt noch nie dagewesene Perversion des Rechtsdenkens -, versch\u00e4rft doch bisher \u00fcberall die Einsicht in die Rechtswidrigkeit einer Tat die pers\u00f6nliche Verantwortung. Selbst Nichtjuristen sollte der in dieser &#8222;L\u00f6sung&#8220; verborgene Zynismus in die Augen fallen: dem Kinde darf zwar das &#8222;Recht auf Leben&#8220; nicht genommen werden, wohl aber das Leben selbst!<\/p>\n<p>Ich versuche mich ungern als Prophet, aber wer die Zeichen der Zeit zu deuten versteht, darf wohl sicher sein, da\u00df wir einmal f\u00fcr jeden Tag dankbar sein werden, den wir uns eher aus dieser Verstrickung gel\u00f6st haben.<\/p>\n<p>(1) W. Sch\u00e4tzler, \u201eWo ist hier die katholische Position?&#8220; Anmerkungen zu einem Artikel von Paul-Ludwig Weinacht, in dieser Zeitschrift 23 (1994), S. 188-190. Vgl. P.-L. Weinacht. Das Bild der Kirche in der \u00d6ffentlichkeit. Kulturkirche und Verk\u00fcndigungskirche, ebd., S. 87ff.<\/p>\n<p>(2) &#8222;Beratung und Hilfe&#8220;, DCV vom 30. Januar 1980.<\/p>\n<p>(3) J. H\u00f6ffner, In der Kraft des Glaubens, Bd. 2, Freiburg 1986, S. 87.<\/p>\n<p>(4) Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 10. Juni 1992, Nr. 6.<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccker Zeitung<\/p>\n<p>Erschreckendes Gesch\u00e4ft mit Kinderpornografie<\/p>\n<p><strong>Mord an der Seele <\/strong><\/p>\n<p>&#8211; VON RAINER M\u00dcLLER &#8211;<\/p>\n<p>Vor Jahren las der Schweizer Urs Allemann bei einem Literaturwettbewerb einen Text mit dem Titel &#8222;Babyficken&#8220;. Er erhielt daf\u00fcr den angesehenen Ingeborg-Bachmann-Preis. Das war ein Skandal und Anla\u00df, wieder einmal \u00fcber Grenzen von Freiheit zu diskutieren. Allemanns Fiktion von damals ist jetzt Realit\u00e4t. Der Kinderporno-Skandal in den Niederlanden ersch\u00fcttert die Gesellschaft. Heute k\u00f6nnte Allemann mit seinem Text keinen k\u00fcnstlerischen Anspruch mehr erheben.<\/p>\n<p>Die scheu\u00dflichen Vorg\u00e4nge bieten Einblicke in tiefe menschliche Abgr\u00fcnde. Kann jemand so tief sinken, da\u00df er im Drang nach Befriedigung, auf der Suche nach dem letzten sexuellen Kick, sogar S\u00e4uglinge zu Lustobjekten degradiert und diese Schandtaten auch noch \u00fcber Internet weltweit verbreitet? Etwas Unvorstellbares ist finstere Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Begriff der Kinderpornografie ist dabei verharmlosend. In der Pornografie werden geschlechtliche Vorg\u00e4nge dargestellt, und andere Gesichtspunkte der Geschlechtlichkeit, Liebe etwa, au\u00dfer acht gelassen. Auch sind die handelnden Erwachsenen mit den aufs Mechanische reduzierten Bildern und Filmaufnahmen einverstanden. Werden sexuelle Handlungen aber an Kindern und S\u00e4uglingen vorgenommen, so geht es um Kriminalit\u00e4t \u00fcbelster Art, um Mord im \u00fcbertragenen Sinn, weil Seelen vernichtet werden. Die gesch\u00e4ndeten Kinder sind f\u00fcr ihr Leben gezeichnet. Die an ihnen begangenen Untaten werden sie nie mehr loslassen. Dieses Geschehen ist nicht zu verdr\u00e4ngen und aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Die Frage wird laut, ob solche Verbrechen auch die Folge der sexuellen Befreiung sind. Das ist schwer zu beantworten, einige Zeitgenossen aber verwechseln sicher Freiheit mit sexueller Freiz\u00fcgigkeit. Und insofern f\u00fchrte diese Bewegung zumindest zu einer Enttabuisierung. Was auf dem Kinderporno-Markt mit einem Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Mark in Deutschland zu haben ist, kann auch als Folge dieser Freiz\u00fcgigkeit gesehen werden. Perverse Verbrecher bedienen sich jetzt moderner Kommunikationswege, um ihre Schweinereien denen weiterzureichen, die ebenfalls Gefallen am Kinder-Mi\u00dfbrauch finden.<\/p>\n<p>Das weltweite Internet bietet die M\u00f6glichkeit, in der Anonymit\u00e4t der eigenen vier W\u00e4nde vor dem Monitor des Computers alle Phantasien auszuleben und sich virtuell zu befriedigen. Das ist eine der Schattenseiten der weltweit offenen Kommunikationsgesellschaft. Voyeure, Perverse, vor allem aber skrupellose Gesch\u00e4ftemacher bilden dabei eine unheilige Allianz, deren Kreise zerst\u00f6rt werden m\u00fcssen. Auch in diesem Fall hinkt die Polizei den Machenschaften der Kriminellen hinterher. Sie mu\u00df schnellstens Boden gutmachen und im Rahmen zwischenstaatlicher Zusammenarbeit den Schmutzfinken auf die Spur kommen, um ihnen das Handwerk zu legen. Dazu bedarf es harter gesetzgeberischer Einschnitte, die nicht wieder unter dem Vorwand des pers\u00f6nlichen Datenschutzes boykottiert werden d\u00fcrfen. Es w\u00e4re denkbar, da\u00df die Online-Dienste f\u00fcr sch\u00e4rfere Kontrollen in die Pflicht genommen werden. Bisher kann jeder auch anonym mit Phantasie-Namen auf der Datenautobahn umherfahren.<\/p>\n<p>Der Fortschritt bei der Software bringt uns m\u00f6glicherweise eines Tages Programme, die Sex-Perversionen erkennen und im Internet nicht zulassen. Damit w\u00e4re aber nur deren Verbreitung unterbunden, das Grundproblem w\u00fcrde bleiben. Deshalb brauchen wir deutlich h\u00e4rtere Strafen f\u00fcr alle, die in irgendeiner Weise mit Kinderpornografie zu tun haben: Produzenten, Verbreiter und K\u00e4ufer.<\/p>\n<p>2 Saarbr\u00fccker Zeitung &lt;28.12.95&gt;<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich handeln<\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Was hat die m\u00f6gliche Klimaver\u00e4nderung auf der Erde mit den Antybabypillen zu tun? Auf den ersten Blick \u00fcberhaupt nichts, handelt es sich doch um zwei grundverschiedene Themen. Und doch gelingt es, beides miteinander in Verbindung zu bringen. Und zwar unter einem einzigen Stichwort, das &#8222;Risiko&#8220; hei\u00dft.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich haben die meisten Menschen ein irrationales Verh\u00e4ltnis zum Risiko und lassen sich bei der Bewertung dessen, was wirklich und direkt gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte, weniger vom Verstand als von Gef\u00fchlen leiten. W\u00e4hrend \u00fcber Treibhauseffekt und Ozonl\u00f6cher in Weltuntergangsstimmung debattiert wird, ja geradezu das Ende der Welt herbeigeredet wird &#8211; wie \u00fcbrigens h\u00e4ufig bei \u00f6kologischen Themen &#8211; , werden viel direktere und nachgewiesene Risiken eher kaum zur Kenntnis genommen oder ganz verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Eines der Beispiele hierf\u00fcr datiert aus der j\u00fcngsten Zeit. Da wird beim neuerlichen Bekanntwerden von gesundheitlichen Risiken nach Einnahme bestimmter hormonhaltiger Pr\u00e4parate so getan, als k\u00e4me hier \u00fcberraschend ein v\u00f6llig neues Thema auf den Tisch. Tatsache aber ist, da\u00df es immer schon \u00c4rzte gab, die auf diese Gefahren aufmerksam machten und sich sogar beharrlich weigerten, die entsprechenden Pillen zu verordnen. Niemand wei\u00df genau, wieviele Todesf\u00e4lle es bereits gegeben hat. Wie oft mag wohl ein Hirnschlag bei jungen Frauen auf die Einnahme solcher Pr\u00e4parate zur\u00fcckzuf\u00fchren sein?<\/p>\n<p>Das eindeutig vorhandene Risiko f\u00fcr die Gesundheit wird, so ist es zu erwarten, wohl auch k\u00fcnftig nicht entsprechend stark zur Kenntnis genommen, obwohl es Methoden der Schwangerschaftsverh\u00fctung gibt, die ohne gesundheitliche Risiken sind.<\/p>\n<p>Immer mehr Berufst\u00e4tige, die sich im t\u00e4glichen Stre\u00df zwischen Arbeitsplatz, Kaufh\u00e4usern, Freizeitaktivit\u00e4ten und K\u00fcche abhetzen, greifen auf Lebensmittel aus industrieller Produktion zur\u00fcck. Das ist zwar au\u00dferordentlich bequem und zeitsparend, doch bleibt die Frage nach der Gesundheit. Immer wieder wird vor einer solchen Ern\u00e4hrungsweise gewarnt, die nachgewiesenerma\u00dfen, und das l\u00e4\u00dft sich epidemiologisch belegen, zu verst\u00e4rktem Auftreten von Darmkrebs f\u00fchrt. Diese Krankheit ist in erster Linie eine Erscheinung unserer modernen Zeit und tritt vermehrt in den hochindustrialisierten Staaten auf. Es gibt Gebiete, vor allem in Afrika und S\u00fcdamerika, wo Darmkrebs v\u00f6llig unbekannt ist, weil sich die Menschen dort nat\u00fcrlich ern\u00e4hren. Wir allerdings w\u00fcrden das als r\u00fcckst\u00e4ndig bezeichnen.<\/p>\n<p>Der zwingende Zusammenhang zwischen Ern\u00e4hrung und Krankheit wird bei uns kaum wahrgenommen, obwohl zu diesem Thema viel publiziert wird. Die sogenannte Informationsgesellschaft allerdings nimmt es ungern zur Kenntnis und wiegelt ab. Appelle der Mediziner verhallen ungeh\u00f6rt. Bequemlichkeit rangiert vor einem Verhalten, das zwar einen h\u00f6heren Zeitaufwand erfordern, sich in punkto Gesundheit aber auszahlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein Paradebeispiel f\u00fcr eine Lebensweise, die mit gro\u00dfer Gewi\u00dfheit zum Kranksein f\u00fchrt, bieten die Raucher. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs oder anderen Erkrankungen des Bronchial- oder Herz-Kreislauf-Systems geh\u00f6rt zu den besterforschten-und belegten Gebieten in der Medizin. Trotzdem l\u00e4\u00dft das Rauchen in der Gesellschaft nicht merklich nach, nicht zuletzt aufgrund immer umfangreicherer und psychologisch ausgefeilterer Ma\u00dfnahmen der Tabakindustrie. Die geheimen Verf\u00fchrer, wie sie Vance Packard bereits in den f\u00fcnfziger Jahren beschrieben hat, siegen immer noch \u00fcber die Vernunft. Dabei sollte Nichtrauchen heute ebenso ,,in&#8220; sein wie die vornehme, aber ges\u00fcndere Bl\u00e4sse der Haut: Da w\u00e4ren wir schon bei einem anderen Beispiel, das die Sonnenanbeter betrifft, die zwar Angst vor den Folgen des Ozonlochs haben, sich aber zwecks Br\u00e4unung gerne ausgiebig den UV-Strahlen aussetzen.<\/p>\n<p>Bevor wir gro\u00dfartig in globalen Dimensionen \u00fcber Risiken reden, die die Welt zugrunde richten k\u00f6nnten, w\u00e4re f\u00fcr manche eine Reflexion aufs eigene, oft sehr risikoreiche Leben n\u00e4herliegender und vern\u00fcnftiger. Wie fordern die \u00d6koProfis immer: Global denken, aber lokal (pers\u00f6nlich) handeln.<\/p>\n<p><strong>Fehl- und Totgeburten zu Granulat verarbeitet <\/strong><\/p>\n<p><strong>Da str\u00e4uben sich die Haare <\/strong><\/p>\n<p>&#8211; VON RAINER M\u00dcLLER &#8211;<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, die kulturelle Qualit\u00e4t eines Volkes erkenne man auch daran, wie es mit seinen Toten umgehe. In Berlin scheint man sich keine Gedanken \u00fcber die \u201eBeseitigung&#8220; von Tot- und Fehlgeburten zu machen. Sie wurden als Sonderabfall angesehen, verbrannt und zu Granulat verarbeitet. Da str\u00e4uben sich einem die Haare. Wenn diese Verfahrensweise dann auch noch mit \u00f6kologischen und wirtschaftlichen Vorteilen begr\u00fcndet wird, dann k\u00f6nnte man sogar die Fassung verlieren.<\/p>\n<p>Der tote Mensch, ein betriebswirtschaftlich zu betrachtendes Objekt. Man glaubt es kaum. Tatsache d\u00fcrfte sein, da\u00df Tot- und Fehlgeburten in den meisten F\u00e4llen in vielen L\u00e4ndern ohne jegliche zeremonielle W\u00fcrde einfach in den Verbrennungsofen geworfen werden. Das mag laut Bestattungsgesetz legal sein. Ob man diese \u201eEntsorgung&#8220; unter ethischen Gesichtspunkten aber auch guten Gewissens vertreten kann, ist eine v\u00f6llig andere Frage. Nach dem Bekanntwerden dieser Vorg\u00e4nge liegt es nun am Gesetzgeber, die normale Bestattung von Fehl- und Totgeburten beispielsweise verbindlich festzuschreiben und sie nicht in das Ermessen einer Klinik zu stellen. Fragen mu\u00df man sich in diesem Zusammenhang aber auch, was man von solchen Eltern halten soll, die Totgeborene wegwerfen wie einen alten Lappen. Sie haben ja heute schon die M\u00f6glichkeit, sie beerdigen zu lassen.<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p><strong>Kirchensklaven <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel ,,Auftrieb f\u00fcr katholische Reformer&#8220; (SZ vom 20. November): Die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige d\u00fcrftige Beteiligung von ca. 6,5 Prozent der bundesdeutschen Katholiken an dem Kirchenvolksbegehren hat wieder einmal sehr deutlich gemacht, wie gro\u00df doch die Bequemlichkeit bzw. die Angst unter diesen Menschen ist. Es kann davon ausgegangen werden, da\u00df der Gro\u00dfteil der Gl\u00e4ubigen mittleren und \u00e4lteren Jahrgangs sich diesem Begehren verweigert haben. Die seit Jahrhunderten eingeh\u00e4mmerte Drohbotschaft von der &#8222;ewigen Verdammnis&#8220; hat nachhaltig Wirkung gezeigt! Die Katholiken sind fest an die Rocksch\u00f6\u00dfe des Priestertums gebunden, denn ohne Inanspruchnahme dieses Priestertums gibt es nach der Lehre dieser Kirche keine S\u00fcndenvergebung, kein Kommen des Hl. Geistes, kein Abendmahl des Herrn, keine Krankensalbung und keine g\u00fcltige Ehe. Dabei kann der Mensch Gott in Wirklichkeit mit dem gerade dienen, was nicht durch die Kirchen zum Leben kam; mit dem eigenen Denken, dem selbst\u00e4ndigen Pr\u00fcfen. Statt frohe, freie Gottverehrer hat sich die Kirche Kirchensklaven erzogen. Sie hat die Menschen bis heute nur gebunden und geknebelt, anstatt sie zu erwecken und sie zu befreien. Dies alles, um sich die eigene Macht zu erhalten. Von dieser Macht und dieser Lehre will sich diese &#8222;\u00e4u\u00dfere Kirche&#8220; um keinen Preis trennen, wie den j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann zu entnehmen war. Man mu\u00df kein Prophet sein, wenn man angesichts dieser immer noch uneinsichtigen Haltung der Kirchenoberen voraussagen kann, da\u00df die Spaltung in der Katholischen Kirche bereits ihren Anfang genommen hat.<\/p>\n<p>JOSEPH WOLF, Homburg<\/p>\n<p>&lt;Barbara Rvinius geb. Roth&gt;<\/p>\n<p>Gr\u00fc\u00df Gott \u201aHerr Pfarrer\u2018<\/p>\n<p>Als fr\u00fchere Nachbarin der Werbelnerstr. m\u00f6chte ich mich bei Ihnen f\u00fcr den mutigen Leserbrief im Paulinus bedanken. Wir haben uns wie schon \u00f6fter \u00fcber Ihre Briefe gefreut. Aus diesen Gr\u00fcnden die Sie angaben, wollten wir schon \u00f6fter diese Zeitung abbestellen, weil sie nicht mehr richtig katholisch ist.<\/p>\n<p>Ich bin aus der Familie Roth in Eurer N\u00e4he gelegen, als letzte von allen.<\/p>\n<p>Nochmals Dank, und herzl. Gr\u00fc\u00dfe von<\/p>\n<p>Barbara Rivinius geb. Roth<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p><strong>Nicht so p\u00e4pstlich <\/strong><\/p>\n<p>In dem Artikel \u00fcber das solare Sch\u00fclerprojekt der Gesamtschule Dillingen &#8222;unser Ferrari f\u00e4hrt mit der Sonne&#8220; in ,,Junge Leute im Saarland&#8220; (SZ vom 16.\/17. Dezember) werde ich als \u201eDillinger Solarpapst&#8220; apostrophiert. Gut gemeint, nat\u00fcrlich. Und ehrlich gestanden f\u00fchlt sich mein Unterbewu\u00dftsein sogar ein wenig gebauchpinselt. Aber dennoch: die Mitstreiter der aufkommenden Solarbewegung wollen sich auch nicht rhetorisch in die N\u00e4he der autokratischen Repr\u00e4sentanten einer historisch erstarrten Hierarchie ger\u00fcckt sehen. Sie arbeiten in kleinen, dezentralen, vernetzten, nicht oder doch nur schwach hierarchisierten, flexiblen und hochmotivierten Einheiten zusammen. Sie wollen auf jeden Fall weniger p\u00e4pstlich sein als der Papst.<\/p>\n<p>Und au\u00dferdem f\u00e4llt mir zum derzeitigen katholischen Oberhaupt nur das Skalpell des Schriftstellers H. M. Enzensberger ein, das den Papst so seziert, da\u00df er als das genaue Gegenteil dessen entlarvt wird, was uns umtreibt: &#8222;In der Wissenschaft der Unterlassung hat er es weit gebracht. &#8230; Seine Geruchlosigkeit ist atemberaubend, sein Leumund macht jede chemische Reinigung brotlos, er ist wei\u00df, er niest nicht, er segnet uns, ist gesegnet. Andere Lebenszeichen von seiner Seite sind nicht zu bef\u00fcrchten. Warzenlos verschwindet er in seinem eigenen Foto.&#8220; W\u00e4ren wir so steril in dem, was wir als humane Zukunft anstreben, w\u00e4re der Aufbruch ins Solarzeitalter vor\u00fcber, bevor er richtig begonnen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dr. RUDI PETER, Dillingen<\/p>\n<p>2 Saarbr\u00fccker Zeitung\u00a0 &lt;29.\/30.7.&gt;<\/p>\n<p><strong>Frauen und Kirche <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Papst Johannes Paul II. hat k\u00fcrzlich in einem Hirtenbrief Irrt\u00fcmer eines aggressiven M\u00e4nnertums angeprangert und die Frauen um Vergebung f\u00fcr Verfehlungen seitens der Katholischen Kirche gebeten. Als Schritt nach vorn wurden diese Worte kommentiert &#8211; aber ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt, ist hinzuzuf\u00fcgen. In der Kirche mahlen die M\u00fchlen langsamer, und Irrt\u00fcmer zuzugeben, f\u00e4llt nicht leicht. Siehe Galileo Galilei, der erst nach Hunderten von Jahren rehabilitiert wurde.<\/p>\n<p>Die vatikanische &#8222;Frauenpolitik&#8220; bewegt sich ebenfalls nur langsam voran. Den Frauen gegen\u00fcber hat die Kirche stets m\u00e4nnliche \u00dcberlegenheit demonstriert und tut es, trotz aller Beteuerungen, heute noch. Wir wollen nicht die gesamte Geschichte bis zu den Hexenverfolgungen aufrollen, aber es sei daran erinnert, da\u00df niemals in der Kirchengeschichte Hexer verfolgt wurden. Das blieb Edgar Wallace vorbehalten. Die Kirche verfolgte nur Hexen, also Frauen, die als Inbegriff der S\u00fcnde galten. Die Hexen haben das kirchliche Frauenbild viel zu lange gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Lassen wir uns nicht t\u00e4uschen. In Wirklichkeit bedeutet der Hirtenbrief des Papstes zur Stellung der Frauen in der M\u00e4nnergesellschaft der Kirche fast nichts. Alles dar\u00fcberhinausgehende, was zu Frauen gesagt wurde, sollte als Selbstverst\u00e4ndlichkeit gelten. In der Kirche bleibt es bei dem Fakt, da\u00df M\u00e4nner sie dominieren und Frauen in Leitungsfunktionen nichts zu suchen haben.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen hat der Papst selbstverst\u00e4ndlich recht, wenn er die sexuelle Gewalt gegen Frauen anprangert und geeignete gesetzliche Mittel anmahnt. Auch die Justiz, das wird in der Rechtsprechung deutlich, reagiert nicht immer mit der erforderlichen H\u00e4rte auf Verletzungen der W\u00fcrde von Frauen. Der Staat wird weitestgehend von M\u00e4nnern regiert, die es schlie\u00dflich auch zulassen, da\u00df Frauen im ausufernden Bereich der Pornografie entw\u00fcrdigt und zum Objekt degradiert werden. Was ist das anderes als Frauenfeindlichkeit?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen sexueller Gewalt gegen Frauen und der Weigerung der r\u00f6misch-katholischen Kirche, Frauen auch als Priesterinnen zu akzeptieren. Aber es bleibt Fakt, da\u00df man im Vatikan die Gleichberechtigung der Frau innerhalb der Kirche strikt ablehnt und damit einen qualitativen Unterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen macht.<\/p>\n<p>Die Argumente f\u00fcr diese Haltung sind theologisch kaum haltbar, unter anderem deswegen, weil Priester im heutigen Sinn von Jesus nicht berufen wurden. Jesus war ein Mann und k\u00f6nne auch nur von einem Mann repr\u00e4sentiert werden, lautet die klassische, immer wieder angef\u00fchrte Begr\u00fcndung. Sie wird durch Wiederholen nicht besser und wirkt wie an den Haaren herbeigezogen. Man kann gegenargumentieren, da\u00df die Osterbotschaft der Auferstehung als das bedeutendste und \u00fcberw\u00e4ltigendste Ereignis der christlichen Geschichte zuerst an Frauen, an die J\u00fcngerinnen Christi, \u00fcbermittelt wurde.<\/p>\n<p>Auch Frauen standen in der Gefolgschaft Jesu, und es gibt nicht wenige Zeugnisse daf\u00fcr, da\u00df sie im Glauben an ihn oft fester waren als M\u00e4nner. Au\u00dferdem ist unbestritten, da\u00df Mann und Frau gleicherma\u00dfen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Es steht nirgends geschrieben, der Sch\u00f6pfer habe beide Geschlechter auf verschiedene Stufen gestellt und dabei eine bestimmte Gruppe von M\u00e4nnern, etwa die Priester, sogar noch \u00fcberh\u00f6ht.<\/p>\n<p><em>Den letzten Schritt, die Zulassung der Frauen-Ordination, hat der Papst nicht getan. Die Zeit in der Amtskirche ist hierf\u00fcr noch nicht reif<\/em>. Aber die Basis dr\u00e4ngt. Man sieht es am Volksbegehren in \u00d6sterreich (in Deutschland bestehen \u00e4hnliche Pl\u00e4ne), das mit seiner halben Million Unterschriften den \u00fcberzeugenden Beweis daf\u00fcr liefert, <em>da\u00df die Zeit des Diktierens und des Anspruchs auf unbedingten Gehorsam vorbei ist. Das ist gut so<\/em>. Der jetzt festzustellende Aufbruch sollte diejenigen ermutigen, die eigentlich Kirche ausmachen: Alle engagierten Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Dienstag, 25. Juli 1995 \u00a0\u00a0Aussprache \/ Roman\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Deutsche Tagespost Nr. 88\/Seite 9<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;C&#8220; verleugnet <\/strong><\/p>\n<p>Als \u00fcber halb Europa die Fahne mit dem Hakenkreuz wehte, hat sie der &#8222;L\u00f6we von M\u00fcnster&#8220; die Fahne &#8222;mit dem verbogenen Kreuz&#8220; genannt. Sie brachte Millionen den Tod und Deutschland Schmach und Schande.<\/p>\n<p>Als sie gesunken war, fanden sich vor f\u00fcnfzig Jahren in Scharen deutsche M\u00e4nner und Frauen zusammen und pflanzten ein Banner Christi auf. Sie begr\u00fcndeten eine politische Partei, in deren Namen das &#8222;C&#8220; an der Spitze steht. Und heute? &#8211; Am 29. Juni dieses Jahres haben die meisten gew\u00e4hlten Vertreter dieser Partei, nach einer jahrelangen Serie von Halbheiten und Schwachheiten, dieses &#8222;C&#8220; verleugnet (DT vom 29. Juni). Es w\u00e4re wenigstens ehrlich und weise zugleich, jetzt endlich die Fahne mit dem &#8222;C&#8220; wieder einzurollen!<\/p>\n<p>Allen Parteifreunden, die in den vergangenen f\u00fcnfzig Jahren tapfer und treu im Sinne der Gr\u00fcnder gek\u00e4mpft haben und noch k\u00e4mpfen, geb\u00fchrt Anerkennung, Dank und Ehre. Ich, f\u00fcr meinen kleinen Teil, kann und will nun nicht mehr der Fahne mit einem &#8222;verbogenen C&#8220; folgen und habe meinen Austritt aus der CDU erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Bernhard Graf von Galen, 59510 Lippetal<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Verlust an Substanz <\/strong><\/p>\n<p>Das deutsche Volk des zwanzigsten Jahrhunderts kann, unter dem Gesichtpunkt beider Weltkriege und der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation und ihrer spezifischen Sch\u00e4den, nur noch als ein Kosten-Nutzen Organismus aufgefa\u00dft werden, da die meisten verantwortlichen Einzelglieder sich als Apparat einer &#8222;Daseinsf\u00fcrsorge&#8220; in eine neu entstehende Welt zwingt, ihr nur noch zu dienen.<\/p>\n<p>Die Kompromi\u00dfl\u00f6sung im Konflikt zum Recht auf Leben beim Paragraphen 218 vernichtet, was in ihr keinen Platz hat. Der Mensch als ungeborenes Leben scheint in das aufzugehen, was Mittel f\u00fcr eine Ideologie, nicht Zweck, geschweige Sinn des Lebens ist. Unserer Gesellschaft wird ein Wunschkind-Dogma anerzogen, in der wir keine Zufriedenheit finden; ihr fehlt, was Wert, Best\u00e4ndigkeit und W\u00fcrde gibt (siehe DT vom 29. Juni).<\/p>\n<p>Was in aller Not ein unbefragter Hintergrund der Sinn des Lebens war, ist nun endg\u00fcltig im Verschwinden.<\/p>\n<p>Auch die politische Verantwortung ist mit der Kompromi\u00dfl\u00f6sung zur T\u00f6tung Ungeborener im Bewu\u00dftsein so allgemein, da\u00df es mit dem verbrieften Grundrecht, worauf es eigentlich in einer Demokratie ankommt, nicht mehr im Einklang steht. Fragt man nach dem tieferen Grund und findet die Staatskrisis; wenn die Weise des Regierens zu keiner entscheidenen Willensbildung von Innen und Au\u00dfen als des Ganzen f\u00fchrt und die Gesinnung der Zustimmung moralisch-, sittlich- und naturrechtlicher Verantwortung jenem Lebensrecht schwankt, schwankt alles. Oder man steuert in eine Kulturkrisis als die Zersetzung alles Geistigen, oder schlie\u00dflich in &lt;eine Krisis?&gt; des Menschseins selbst. Der historische Augenblick der Wiedervereinigung Deutschlands gab beiden Teilen von West und Ost die Chance, ein glaubw\u00fcrdiges Lebensrecht zu schaffen.<\/p>\n<p>Verantwortung f\u00fcr jedes menschliche Leben ist die Bindung an Vertrauen, dieses Vertrauen wurde im Feuer der Kritik zerschmolzen und andererseits ist die Glaubw\u00fcrdigkeit der Verpflichtung in sich bindender Treue wie verschwunden; weichliche Humanit\u00e4t, in der die Humanitas verloren ist, rechtfertigt mit blutleeren Idealen das Elendste und Zuf\u00e4lligste. Das Resultat ist einerseits der dem modernen Systems eigene Zynismus; man zuckt die Achseln gegen\u00fcber einer von bereits x-Millionen vorgenommenen Massent\u00f6tung ungeborenen Lebens und kaschiert geschickt die Konsequenzen.<\/p>\n<p>Es gibt in unserem Land noch immer eine erstaunliche Vielzahl von B\u00fcrgern mit nat\u00fcrlichem Verstand und sie wissen um den unersetzlichen Substanzverlust in dieser unserer &#8222;Neuen Zeit&#8220;, der unaufhaltsam fortschreitet.<\/p>\n<p>Durch die Entscheidung des 13. Deutschen Bundestages zum Paragraphen 218 wird das gro\u00dfe d\u00fcstere Thema dieser Epoche best\u00e4tigt: &#8222;Ich und Masse&#8220;, und nicht wie fr\u00fcher: &#8222;Gott und Ich, Ich und Natur oder Ich und der Staat&#8220;. Das zwanzigste Jahrhundert steht wahrlich unter dem Motto, einer Kultur des Todes zu sein, weil sie sich materiell viel st\u00e4rker entwickelt hat als geistig. Von der Begeisterung \u00fcber die Fortschritte des Wissens und K\u00f6nnens sind wir in eine ideologische Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit gesteuert, deren \u00dcberheblichkeit es nicht mehr zul\u00e4\u00dft, moralische Grenzen einzuhalten.<\/p>\n<p>Die Diskussion um den Paragraphen 218 f\u00fchrte nicht auf die Wurzel der Ursachen der Abtreibung, sie hat nur eine Schale der Waage belastet, das Gegengewicht, das Mensch-Sein fehlt. <em>Die W\u00fcrde der Frau und das Recht auf Leben f\u00fcr das Kind wird wiederholt deformiert und jedes im Mutterleib get\u00f6tete Kind wird Stimme des Gewissens und Anklage f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Generation un\u00fcberh\u00f6rbar werden lassen.<\/em><\/p>\n<p>Karl Sailer, 87435 Kempten<\/p>\n<p><strong>Ohrenschmaus <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem \u201eKirchenvolksbegehren&#8220; in \u00d6sterreich (DT vom 8. Juli) kann man nur hinweisen auf 2 Tim 4, 3: &#8222;Denn es wird die Zeit kommen, da man die gesunde Lehre unertr\u00e4glich findet und sich nach eigenem Sinn Lehrer \u00fcber Lehrer sucht, um sich einen Ohrenschmaus zu verschaffen. Der Wahrheit verschlie\u00dft man das Ohr und erg\u00f6tzt sich an Fabeln.&#8220;<\/p>\n<p>Und wie sagt Jesus zu Petrus, als dieser Mitleid mit ihm hatte bez\u00fcglich seiner Todesvoraussage? &#8222;Weiche von mir, Satan, Du sprichst Menschengedanken, nicht Gottesgedanken&#8220; (Mt 16,23).<\/p>\n<p><em>Kennen jene, die da so aufbegehren, \u00fcberhaupt die Heilige Schrift? Glauben sIe, was Christus lehrte? Er sagte:<\/em> &#8222;Wer nicht glaubt, wird verdammt werden&#8220; (Mk 16, 17). Solche haben der Kirche keine Vorschriften zu machen.<\/p>\n<p>Erna Bayer, 49809 Lingen<\/p>\n<p><strong>Alarmglocken <\/strong><\/p>\n<p>Das Anti-Kirchen-Aufbegehren der selbsternannten Kirchenvolksvertreter k\u00f6nnte &#8211; wenn auch nur in der Hoffnung wider alle Hoffnung (vgl. R\u00f6m 4, 18 a) eines erreichen: da\u00df n\u00e4mlich in den bisch\u00f6flichen Kanzleien endlich die Alarmglocken schrillen (siehe Deutsche Tagespost vom 8. Juli). Jahrzehntelang hat man doch der Demontage katholischer Identit\u00e4t nahezu tatenlos zugeschaut und die Zeichen der Zeit nicht wahrhaben wollen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat sich in diesem Vakuum ein total freikirchliches Selbstverst\u00e4ndnis eingenistet, das dann solche Fr\u00fcchte bringen mu\u00df. Pastor Harm Bernick sieht das so: &#8222;Das Kirchenschiff treibt auf dem Ozean. Die Seekarten sind verbrannt, der Kompa\u00df kaputt. Die Offiziere aber stehen auf der Br\u00fccke und sagen: Macht nichts, ist ja alles ein Meer!&#8220; Der alte Plato aber sagte seinerzeit schon: &#8222;Wenn \u00dcbel weit fortgeschritten sind, ist es nicht angenehm, sie zu beseitigen!&#8220;<\/p>\n<p>Professor Dr. Alfred Kolaska,<\/p>\n<p>A-1121 Wien<\/p>\n<p><strong>Verh\u00fcllung <\/strong><\/p>\n<p>Der Berliner Reichstag ist nach zwei Wochen wieder enth\u00fcllt worden. Millionen haben dieses Kunstwerk bestaunt. Verh\u00fcllung &#8211; das mag der neue Stil in der Kunstgeschichte sein, wenn sich aber auch Verh\u00fcllung in der Politik einf\u00fchrt, wie es uns der Bundestag mit dem neuen Paragraphen 218 vorgef\u00fchrt hat, dann macht das andere Millionen politikverdrossen. Was in der Kunst &#8222;in&#8220; ist, darf noch lange nicht auch f\u00fcr die Politik gelten.<\/p>\n<p>Die Verabschiedung des neuen Abtreibungsgesetzes (siehe DT vom 18. Juli) ist doch nichts anderes als eine Verh\u00fcllung. Abtreibung, bewu\u00dfte T\u00f6tung eines ungeborenen KIndes, soll also keine Straftat mehr in den ersten drei Monaten sein, nur mehr Unrecht, wenn sie unter Aufsuchung eines Beraters geschieht. Enth\u00fcllt bedeutet das, das ungeborene Leben, sein Schutz und seine Annahme ist in das Belieben der &#8222;werdenden&#8220; Mutter gegeben. Unsere frei gew\u00e4hlte demokratische Regierung mit Parlament sieht sich au\u00dferstande, dieses Leben vor der Willk\u00fcr in Schutz zu nehmen!  F<\/p>\n<p>Die pr\u00e4natale Behindertent\u00f6tung haben unsere parlarnentarischen \u201eK\u00fcnstler\u201c mit der medizinischen Indikation verh\u00fcllt. Enth\u00fcllt bedeutet das, bis kurz vor der Geburt ist wiederum dieses Leben in das Belieben der Mutter gegeben. Sonst sch\u00fctzt diese Indikation die Mutter vor einer gesundheitlichen Sch\u00e4digung, jetzt soll die Freiheit der Mutter vor einem behinderten Mitmenschen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><em> F\u00fcnfzig Jahre nach dem Zusammenbruch einer menschenverachtenden deutschen Diktatur<\/em> &#8211; ihre Opfer haben wir in den Maitagen w\u00fcrdig beklagt und geehrt mit Kranzniederlegungen im In- und Ausland &#8211; <em>ist ein frei gew\u00e4hltes demokratisches deutsches Parlament dabei, die n\u00e4chsten Massengr\u00e4ber zu schaufeln, diesmal den Ungeborenen, ungesetzlich schon 300 000<\/em> Abtreibungen. Wer wird einmal vor diesen Massengr\u00e4bern oder M\u00fcllhalden deutschen Wohlstandsabfalls Ehrenkr\u00e4nze niederlegen, wenn uns unsere Wirtschaft enth\u00fcllt, da\u00df wir ihre Tr\u00e4ger an den M\u00fcllhalden entsorgt haben?<\/p>\n<p>Hermann Waschl, 92266 Ensdorf<\/p>\n<p><strong>W\u00fcste <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Bericht \u201eW\u00fcstenbildung schreitet alarmierend fort&#8220; (DT vom 17. Juni) meine ich: ,,135 Millionen Menschen liefen Gefahr, ihren Lebensraum wegen Verw\u00fcstungen verlassen zu m\u00fcssen.&#8220; So lesen wir. Es wird ja seit vielen Jahren \u00fcbertriefend von Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit gesprochen, und wie besonders die Vereinten Nationen bei ihren Handlungen die Humanit\u00e4t im Auge haben. Ist das wirklich so? Nein!<\/p>\n<p>Wenn die Vereinten Nationen wirklich die Kr\u00e4fte b\u00fcndeln w\u00fcrden und die Industriepotentiale der gro\u00dfen Staaten zu Friedensproduktionen, den Menschen n\u00fctzenden, anhalten w\u00fcrden, lie\u00dfe sich vieles erreichen. Verlust der Arbeitspl\u00e4tze ist die allgemeine Ausrede, nicht auf Friedensproduktion umzustellen. Welche Bankrotterkl\u00e4rung f\u00fcr die sogenannte Menschlichkeit!<\/p>\n<p>Es ist zu fordern und gut vorstellbar, da\u00df die f\u00fchrenden Industrienationen in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen W\u00fcstenstaaten oder Trockengebieten die Eind\u00e4mmung der W\u00fcstenausbreitung als edle und lohnende Anstrengung in ihr Programm aufnehmen. Vor vielen Jahren schon hat der ber\u00fchmte Professor Hermann S\u00f6rgel, Regierungsbaumeister und Architekt, sich dar\u00fcber Gedanken gemacht und seine gepr\u00fcften und gutgehei\u00dfenen Pl\u00e4ne \u201eAtlantropa&#8220; genannt. Unz\u00e4hlige Arbeitspl\u00e4tze k\u00f6nnten so f\u00fcr aufbauende und den Menschen dienende Ma\u00dfnahmen gesichert werden. Maschinenfabriken aller Art, Walz- und Kranwerke sind f\u00fcr viele Jahre ausgelastet. Kosten? Wer bezahlt das? Bei allen bisherigen Waffenlieferungen stellen sich anscheinend diese Fragen nicht, obwohl die belieferten L\u00e4nder bis \u00fcber die Ohren mit Negativ-Schulden unrentierlicher Art voll sind. Bei den Hilfen f\u00fcr den Kampf gegen die Verw\u00fcstung m\u00f6gen die Schulden zwar auch in der ersten Phase zunehmen, doch sehr bald werden die guten Fr\u00fcchte f\u00fcr die Anstrengungen sichtbar werden und den Menschen zur Verf\u00fcgung stehen. Neues Kulturland erm\u00f6glicht rentierliche Investitionen, von denen alle Beteiligten etwas haben.<\/p>\n<p>Die Israelis mit ihrem Flei\u00df und ihrem Geschick bei der Kultivierung der W\u00fcstengebiete sind f\u00fcr alle Trockengebiete und W\u00fcstengegenden ein nacheifernswertes Vorbild. M\u00f6ge darum das &#8222;Projekt Atlantropa&#8220;, technisch auf den neuesten Stand gebracht, Anreiz bieten zur R\u00fcckgewinnung der W\u00fcsten f\u00fcr die Menschen, <em>damit die unsinnige Angst vor der \u00dcberbev\u00f6lkerung (ein Witz bei zwangsweise stillgelegten Fl\u00e4chen bestens Bodens!) endlich vom Tisch ist.<\/em><\/p>\n<p>Helmut Lamprecht, Rektor a. D., 89293 Kellm\u00fcnz<\/p>\n<p><strong>Umweltschutz<\/strong><\/p>\n<p>Anscheinend haben f\u00fcr die Deutsche Tagespost die Interessen des Kapitals einen h\u00f6heren Stellenwert als Umweltschutz und Bewahrung der Sch\u00f6pfung. Zu dieser \u00dcberzeugung kam ich beim Lesen des Artikels \u201e\u00d6lindustrie bef\u00fcrchtet hohe Kosten&#8220; in Nummer 77, Seite 8. Die Verfasserin jammert darin \u00fcber die hohen Kosten, die der \u00d6lindustrie entstehen und greift Politiker, die sich gegen eine weitere Verseuchung des Meeres eingesetzt haben, in verleumderischer Weise an. M\u00fc\u00dfte man sich nicht \u00fcber den Erfolg des Protestes gegen die geplante Versenkung der Plattform Brent Spar freuen?<\/p>\n<p>Reinhard R\u00fcssel, 76185 Karlsruhe<\/p>\n<p><strong>Fehlentwicklungen <\/strong><\/p>\n<p>In der Deutschen Tagespost vom 8. Juli sind gleich mehrere beachtenswerte Beitr\u00e4ge enthalten, die eine Untersuchung dar\u00fcber nahelegen, wie Urheber gef\u00e4hrlicher Fehlentwicklungen zun\u00e4chst g\u00e4nzlich Unbeteiligten eine Mitverantwortung aufn\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Soldaten der Bundeswehr verwahren sich mit Recht dagegen, bei eventuellen Kampfeins\u00e4tzen wegen des Risikos der Eskalation angeprangert zu werden. Verfechter der Selbstbestimmung um jeden Preis waren es n\u00e4mlich, welche die damalige Warnung der Serben &#8222;Anerkennung von Bosnien-Herzegowina bedeutet Krieg&#8220; fahrl\u00e4ssig ignoriert und machtpolitisch nicht neutralisiert haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ergeht es auch vielen gewissenhaften Steuerzahlern und freigebigen Spendern, die nun immer tiefer in den bodenlosen Sumpf der Ungereimtheiten hineingezogen werden. <em>Da waren es erst einmal Wirrk\u00f6pfe, Fanatiker und religionsfeindliche Vordenker, die bedauerliche Schwachpunkte der Gesellschaft aufgriffen und mittels der Massenmedien der \u201eBasis&#8220; als Normalit\u00e4t einh\u00e4mmerten. Die Folge: Ma\u00dflosigkeit und frecher Leichtsinn statt lebensfrohe, willensstarke Opferbereitschaft<\/em>. Die Probleme sind zwar vielschichtig, aber an den oben genannten Ordnungstr\u00e4gern wird es nicht liegen, wenn das \u00fcberstrapazierte Versorgungssystem zusammenbricht.<\/p>\n<p>Andere, leider auch nicht ohne einigen Sarkasmus \u00fcbermittelbare Musterbeispiele sind das Verwirrspiel um den Paragraphen 218 und die beginnende Kapitulation vor der Drogenmafia, durch die Berufsgruppen mit einstmals strenger Ethik zur Mitt\u00e4terschaft verleitet werden. Diese &#8222;Hilfsbereitschaft&#8220; wird man ihnen sp\u00e4ter vielleicht einmal als schamlose Bereicherung zur Last legen. Es f\u00e4llt immer schwerer, f\u00fcr die Hauptverantwortlichen Gottes Barmherzigkeit zu erhoffen.<\/p>\n<p>Karl Mathein, 96140 Hollfeld<\/p>\n<p>&lt;SZ 17.8.95&gt;<\/p>\n<p><strong>Umf\u00e4lschung <\/strong><\/p>\n<p>Als Christ und katholischer Theologe bin ich dem Bundesverfassungsgericht dankbar, da\u00df es den Kirchen Nachhilfe in einer Sache erteilt hat, die sie eigentlich selber aus ihrer \u00e4ltesten Tradition wissen m\u00fc\u00dften: Unsere zentralen Glaubenssymbole geh\u00f6ren in den Intimbereich der christlichen Glaubensgemeinschaften und nicht in die \u00d6ffentlichkeit. Die fr\u00fche Kirche hat diesen Grundsatz der ,,Arkandisziplin&#8220; sehr ernst genommen; so ernst, da\u00df selbst die &#8222;Katechumenen&#8220;, die Glaubenssch\u00fcler, nach dem Wortgottesdienst den Kirchenraum verlassen mu\u00dften; denn die Feier der Eucharistie war nur den durch die Taufe und weitere Glaubenseinf\u00fchrung &#8222;Eingeweihten&#8220; vorbehalten. Zu den Glaubensinhalten, deren Sinn sich nur den &#8222;Eingeweihten&#8220; erschlie\u00dft, geh\u00f6rt aber zuallererst auch die Botschaft vom Kreuz, da\u00df n\u00e4mlich aus einem an sich blo\u00df grausamen Tod am Schandpfahl durch den Glaubensgehorsam Heil erwachsen soll. Diese Glaubenswahrheit kann sich dem Au\u00dfenstehenden durch eine unkommentierte Abbildung, sei sie nun symbolischer oder realistischer Art, nicht erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die einzig angemessene Weise, diese Botschaft Nichtchristen zu vermitteln, ist das Wort der Verk\u00fcndigung und das Lebenszeugnis von Menschen, die angesichts der vielen Kreuze \u00fcberall in der Welt eigenes Leiden tapfer bestehen und anderen Leidenden solidarisch beistehen. Gerade daran aber haben die Kirchen es oft genug fehlen lassen. Denn das Kreuz wurde zu einem Zeichen der weltlichen Herrschaft gemacht, unter dem Andersgl\u00e4ubige zu leiden hatten, seit Kaiser Konstantin das Bild des Marterholzes des gewaltlosen Mannes aus Nazareth auf die Feldzeichen seines Kriegsheeres gepflanzt hatte. Mit diesem Akt einer skandal\u00f6sen Umf\u00e4lschung begann der Einzug des Kreuzes in die europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit! In einem &#8222;christlichen Abendland&#8220;, das sich als einheitliche, christlich-geschlossene Gesellschaft mi\u00dfverstand, in der es angeblich keine Andersgl\u00e4ubigen mehr gab, meinte man die alten Regeln der ,,Arkandisziplin&#8220; vergessen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Seit wir jedoch endlich wissen, da\u00df wirklich gl\u00e4ubige Christen &#8211; auch in Bayern! &#8211; l\u00e4ngst zur Minderheit geworden sind, ist es h\u00f6chste Zeit, da\u00df wir als Christen nicht erst unter dem Druck eines Gerichtsurteils, sondern schon aus Selbstachtung die Kreuze aus Schulen, Gerichtss\u00e4len und Parlamentsr\u00e4umen entfernen, um unsere Glaubenssymbole nicht mehr dem achselzuckenden Unverst\u00e4ndnis oder gar dem Widerwillen oder Spott von Nichtchristen auszusetzen oder sie zu gedankenlos tradierten Elementen einer Folklore-Kultur herabzuw\u00fcrdigen. Wenn aber Vertreter der Kirchen oder &#8222;christlicher&#8220; Parteien sich dieser Einsicht verschlie\u00dfen, so legt das den Verdacht nahe, da\u00df sie das konstantinische Mi\u00dfverst\u00e4ndnis des Kreuzes als eines Zeichens des Triumphes \u00fcber Andersgl\u00e4ubige verewigen wollen, so da\u00df sie die wirkliche Botschaft vom Kreuz in ihr Gegenteil verkehren.<\/p>\n<p>Dr. theol. ANSGAR AHLBRECHT, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p><strong>Quovadis? <\/strong><\/p>\n<p>Schon Hitler hatte das befohlen (in Bayern allerdings mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg). Hitler erf\u00e4hrt aber nun durch das Bundesverfassungsgericht Deutschlands im Ergebnis posthum seine Rechtfertigung. Was man Dir auch erz\u00e4hlte, es keimt der Geist, der zum Verfall und zur Zerst\u00f6rung des Aachener Domes, der Wies, der anderen Kirchen und Kapellen f\u00fchrt, der Weg- und Friedhofskreuze, der Bildst\u00f6cke, Marterln und Statuen. Bei den Synagogen hat es Hitler schon erledigt. Wer die eine Religion nicht toleriert, toleriert auch die anderen Religionen nicht und ma\u00dft sich selbst Gottheit an. Quo vadis, Mensch?<\/p>\n<p>ERHARD A. SCHILLING, Bayerisch Gmain<\/p>\n<p><strong>Hoffnungssymbol <\/strong><\/p>\n<p>Wie wacklig m\u00fcssen Anthroposophen ihre eigene Philosophie einsch\u00e4tzen, wenn sie schon der blo\u00dfe Anblick eines Kreuzes oder Kruzifixes bei ihren Kindern einen Sinneswandel in Richtung Christentum bef\u00fcrchten l\u00e4\u00dft. Nur im &#8222;christlichen Abendland&#8220; konnte sich die Demokratie entwickeln, und nur in christlichen L\u00e4ndern k\u00f6nnen religi\u00f6se Minderheiten aus aller Welt auf Schutz und juristischen Beistand rechnen.<\/p>\n<p>Leider wurde und wird viel Unheil im Zeichen des Kreuzes produziert; das Kreuz wurde und wird geschm\u00e4ht, verh\u00f6hnt und neuerdings als Modeschmuck getragen &#8211; aber es ist und bleibt ein Symbol des Leidens, der Hoffnung und Erl\u00f6sung. Niemand kommt an ihm vorbei, weder die Christen noch die K\u00fcnstler, weder die Teufelsanbeter noch Andersdenkende. Und das Kreuz wird auch diesen Richterspruch \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>MECHTHILD RAU, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>&lt;Paulinus 30.7.&gt;<\/p>\n<p><strong>Nur wer sich sch\u00e4mt, kann sich auch \u00e4ndern <\/strong><\/p>\n<p>Heftige Kritik an Haltung Roms ( .. Paulinus&#8220; Nr. 29 vom 10. Juli 1995)<\/p>\n<p>Gesetze k\u00f6nnen Ethik nicht ersetzen, Ethik kann Religion nicht ersetzen. Beispiel: Religion hilft bei der Entfaltung und St\u00e4rkung des Schamgef\u00fchls. Dieses ist wesensverwandt mit dem Ehrgef\u00fchl, bedeutet neben der &#8222;angemessenen&#8220; Sorge um die Geltung des eigenen Wertes besonders Scheu vor Fehltritt und \u00dcberbewertung des eigenen Urteils und hilft so dem Menschen, seinem Reden und Tun M\u00e4\u00dfigung aufzuerlegen .<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage frage ich: Sch\u00e4mt sich Herr Professor Haag nicht, solche Dinge \u00fcber die Kirche zu sagen? Sch\u00e4men sich die Trierer Bisch\u00f6fe und Theologen nicht, da\u00df solche Ansichten im Bistumsblatt &#8222;weiter&#8220;-gegeben werden? Sch\u00e4men sich die Laienverantwortlichen im Bistum nicht, so etwas lesen zu m\u00fcssen? Sch\u00e4men sich die Verantwortlichen von Maria Laach nicht, da\u00df dieser Vortrag unter ihrem Namen stattfand? Wer sich nicht sch\u00e4mt, bereut nicht und kann sich nicht \u00e4ndern!<\/p>\n<p>Christoph Vogt, SI. Wendel<\/p>\n<p><strong>Diskussion ohne Sachlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Reinelt: In der Abtreibungsfrage die Polemik \u00fcberwinden<\/p>\n<p>Gegen Polemik in der Diskussion \u00fcber eine Abtreibung hat sich der Bischof von Dresden-Mei\u00dfe, Reinelt, in einer am Mittwoch in Dresden verbreiteten Erkl\u00e4rung gewandt. Wir ver\u00f6ffentlichen das Dokument im Wortlaut.<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben auf unserer Welt ist vielfach bedroht: durch Umweltzerst\u00f6rung, Krankheiten, Hunger, Benachteiligungen und nicht zuletzt durch Abtreibungen. Nach der Lehre der katholischen Kirche hat jeder Mensch, ganz gleich ob er behindert oder nicht behindert, ungeboren oder geboren, gesund oder krank ist, die gleiche W\u00fcrde und die gleichen Rechte auf menschenw\u00fcrdige Gestaltung seines Lebens.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die gesetzliche Abtreibungsregelung legen wir katholischen Christen in diesem Jahr den Schwerpunkt in der Woche f\u00fcr das Leben auf die W\u00fcrde der ungeborenen Kinder. Wir mischen uns in die \u00f6ffentliche Diskussion ein.<\/p>\n<p>Weithin fehlt dieser \u00f6ffentlichen Diskussion die Sachlichkeit. Polemik und Ringen um vermeintliche W\u00e4hlergunst durch Angebote einer scheinbar gr\u00f6\u00dferen Freiheit nach Schwangerschaftsabbr\u00fcchen \u00fcbert\u00f6nen die Erkenntnisse von Medizinern und Soziologen.<\/p>\n<p><em> Die moderne Medizin hat eindeutig erwiesen, da\u00df das Kind im Mutterleib nicht erst langsam Mensch wird, sondern es ist Mensch von Anfang an. Dies belegen zum Beispiel Foto- und Filmaufnahmen und genetische Untersuchungen<\/em>. Es ist gesicherte Erkenntnis der Naturwissenschaft, da\u00df es keine Einheit von Phylogenese und Ontogenese gibt, das hei\u00dft kein Nachvollziehen der Stammesentwicklung bei der Entwicklung des Kindes nach der Befruchtung der Eizelle. Solche abstrusen Theorien wurden aber jahrzehntelang im sozialistischen Schulwesen verbreitet. Ein Schwangerschaftsabbruch ist kein Entfernen eines Zellklumpens oder eines &#8222;F\u00f6tus mit Fischkiemen&#8220;, wie die sozialistische Biologie nahelegte. Abtreibung hei\u00dft, das Leben eines Menschen mit allen menschlichen Merkmalen zu beenden. Es ist oberfl\u00e4chlich zu behaupten, da\u00df das ungeborene Kind noch kein Mensch sei, nur weil man es im Mutterleib nicht so einfach sehen kann, weil man es trotz der ausreichenden K\u00f6pergr\u00f6\u00dfe nur durch Ultraschall oder andere technische Hilfen betrachten kann.<\/p>\n<p><em> Studien von Psychologen und Soziologen weisen aus, da\u00df achtzig Prozent der Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch selbst angeben, da\u00df sie psychisch unter dieser Tat leiden. Wer diesen Frauen vorgaukelt, sie w\u00fcrden durch Abtreibung freier, t\u00e4uscht psychologisch Unhaltbares vor und handelt gegen die Einsichten des menschlichen Gewissens und der wahren Moral<\/em>. Diesen Wahrheiten mu\u00df jeder ins Auge sehen, der sich an Abtreibungen beteiligt. Diesen Wahrheiten mu\u00df auch jeder ins Auge sehen, der Schwangeren in Not nicht die erforderliche Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt. Wir begr\u00fc\u00dfen ausdr\u00fccklich, da\u00df im Entwurf zur S\u00e4chsischen Verfassung der Staat verpflichtet wird, Bedingungen zu schaffen, die das Austragen ungeborener Kinder auch in Konfliktsituationen erm\u00f6glichen sollen.<\/p>\n<p>Forderungen nach einer Freigabe der Abtreibung k\u00f6nnen vor den oben dargestellten Realit\u00e4ten nicht bestehen. Sie widersprechen der Menschenw\u00fcrde und den Menschenrechten. Kein Mensch hat das Recht, zwischen lebenswerten Menschen und nicht lebenswerten zu unterscheiden. Vor solcher Praxis m\u00fcssen bedrohte Menschen durch die Gesellschaft gesch\u00fctzt werden, f\u00fcr solchen Schutz, auch durch das Strafrecht, setzen wir katholischen Christen uns ein. Zugleich fordern wir gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Hilfen f\u00fcr die betroffenen Frauen und Familien. Wir fordern diese Solidarit\u00e4t innerhalb unserer Gesellschaft nicht nur, wir wollen durch die Vielzahl neuerrichteter kirchlicher Beratungsstellen, in denen nicht leichtfertig mit der Zukunft der Frauen umgegangen wird, durch die neuen finanziellen Fonds f\u00fcr Arbeitslose und Schwangere in Not und durch konkretes solidarisches Handeln der katholischen Christen f\u00fcr diese Frauen und ihre Kinder einen wirksamen Beitrag leisten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Menschenw\u00fcrdiges Sterben \u2013 wer kann das definieren? Die neu entfachte Debatte \u00fcber Leidensgrenzen birgt Gefahren <\/strong><\/p>\n<p><strong>T\u00f6dliche Konsequenzen <\/strong><\/p>\n<p>Es ist und bleibt ein heikles Thema, und vermutlich wird uns die Diskussion noch viele Jahre begleiten. Vor allem aber r\u00fchrt die Frage nach dem menschenw\u00fcrdigen Sterben an die Grundpfeiler menschlicher Lebenskultur \u00fcberhaupt. Darf es Sterbehilfe geben? Was ist das \u00fcberhaupt? Ist die Todesspritze, f\u00fcr die mehr oder weniger Prominente in Boulevardbl\u00e4ttern pl\u00e4dieren, Fortschritt? M\u00fcssen wir \u00fcber Euthanasie neu nachdenken?<\/p>\n<p>Nur wenige Wochen, bevor in einer neuen Lebensenzyklika Papst Johannes Paul II. das kirchliche Nein zur T\u00f6tung auf Verlangen erneut bekr\u00e4ftigen und den Respekt vor dem Leben fordern wird, haben Hans K\u00fcng und Walter Jens mit ihrem Buch (&#8222;Menschenw\u00fcrdig sterben. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Selbstverantwortung&#8220;) der seit Jahren gef\u00fchrten Debatte neuen Z\u00fcndstoff geliefert. Der Theologe K\u00fcng und sein Rhetorikfreund Jens wollen mehr Klarheit f\u00fcr die Sterbehilfe &#8211; und schaffen zun\u00e4chst nichts als Verwirrung. Sie wenden sich gegen die Euthanasie, fordern aber zugleich &#8222;die Entkriminalisierung der Beihilfe zu menschenw\u00fcrdigem Sterben&#8220;.<\/p>\n<p>Und Hans K\u00fcng, der Priester, will die \u201eLegalisierung der freiwilligen aktiven Sterbehilfe&#8220; und kommt zu der Erkenntnis: \u201eNicht der Arzt ist Herr \u00fcber Leben und Tod, sondern der betroffene Mensch allein, der gegen\u00fcber dem Arzt seine Rechte geltend machen darf und soll.&#8220; Dem Christen entspreche &#8222;eine in Ethik verantwortete Lebensgestaltung &#8211; vom Anfang des Lebens bis zu dessen Ende&#8220;, erkl\u00e4rt uns der Theologe seine Rechtfertigung der aktiven Sterbehilfe und kanzelt den in diesem Zusammenhang h\u00e4ufigen Hinweis auf das alleinige g\u00f6ttliche Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber Leben und Tod als schiefes Gottesbild ab.<\/p>\n<p>Aber ist die Kenntnis des g\u00f6ttlichen Gebotes &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten&#8220; wirklich Ausflu\u00df eines \u00fcber die Jahrtausende falsch gepr\u00e4gten Gottesbildes? Oder hat gar Gott selber sich am Sinai vertan, als er &#8211; wie es die Bibel berichtet &#8211; die Menschheit wissen lie\u00df, worauf es ihm mit seinen Gesch\u00f6pfen ankommt, wie ihr Leben gelingen kann?<\/p>\n<p>Kein Zweifel: In unserer Gesellschaft scheint das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Apostel der Todesspritze zu wachsen. Und tats\u00e4chlich scheinen gen\u00fcgend Sterbef\u00e4lle, in denen der endg\u00fcltigen Erl\u00f6sung uns\u00e4gliches Leid vorausgeht, dieser Entwicklung recht zu geben. Denn es geh\u00f6rt nun mal zur Kehrseite der immer effektiver werdenden Apparatemedizin, da\u00df diese das Leben nicht selten auch dann zu verl\u00e4ngern versteht, wenn eigentlich der menschenw\u00fcrdige Tod gefragt ist. Doch was ist menschenw\u00fcrdig?<\/p>\n<p>Diese Frage l\u00e4\u00dft sich im Grunde genommen ohne den Bezug zum Sch\u00f6pfer nicht beantworten. Und zu diesem Sch\u00f6pfer geh\u00f6rt es, da\u00df letztlich er allein der einzige Herr \u00fcber Leben und Tod ist &#8211; nicht aber ein Mensch. Das sagt sich leicht, hat aber Konsequenzen, die nicht leicht sind. Eine der Folgen der nicht nur Christen geoffenbarten Erkenntnis ist, da\u00df die dem Menschen gegebene Freiheit ihre Grenzen hat und Selbstbestimmung nicht bedeutet, sich selber &#8211; und zwar ausschlie\u00dflich &#8211; verantwortlich zu sein. Selbstverantwortung, das m\u00fc\u00dfte auch der Theologe K\u00fcng wissen, hat etwas mit Verantwortung gegen\u00fcber Gott zu tun. Jedenfalls ist Selbstverantwortung f\u00fcr Christen in diesem Sinn eingebaut in das Antwortgeben, das der Sch\u00f6pfer einfordern kann.<\/p>\n<p>Kurzum: Die Debatte zur Sterbehilfe verlangt sehr viel Vorsicht und Unterscheidungsverm\u00f6gen, und sie verlangt an erster Stelle den Verzicht auf vorschnelle, vermeintlich einleuchtende Argumente f\u00fcr eine Sterbehilfe, deren Legitimierung den Spalt f\u00fcr eine nicht mehr zu b\u00e4ndigende Gefahr \u00f6ffnen w\u00fcrde. In einer Zeit, in der viele vergessen haben, da\u00df die Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde aus der sie speisenden Gottesw\u00fcrde kommt, in einer Zeit, in der f\u00fcr viele mit dem Tod alles aus ist, mag es verlockend sein, f\u00fcr eine sogenannte selbstverantwortete Sterbehilfe zu pl\u00e4dieren. Verantwortlich ist ein solches Pl\u00e4doyer freilich nicht. Aktive Sterbehilfe bleibt eine Scheinantwort auf die Sehnsucht des Menschen, in Leiden und Tod Beistand erfahren zu k\u00f6nnen.<strong> Martin Lohmann<\/strong><\/p>\n<p>&lt;DT&gt;<\/p>\n<p>Dienstag, 11. Juli 1995 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Aussprache \/ Roman<\/p>\n<p><strong>Beistand <\/strong><\/p>\n<p>Die bis zur Langeweile strapazierte These, die menschlich so anspruchsvolle Situation der Priester k\u00f6nne nur durch die Aufgabe des Z\u00f6libates verbessert werden, hat durch den aufsehenerregenden R\u00fccktritt des Bischofs von Basel, Vogel, neuen Auftrieb erhalten (DT vom 7. Juni). Bedauerlich ist, da\u00df dieser alte Hut auch von katholischer Seite unkritisch wiedergek\u00e4ut wird, obwohl hierzu in mehreren aktuellen kirchlichen Dokumenten klare Aussagen getroffen worden sind.<\/p>\n<p>Statt dessen sollten wir uns eher \u00fcber die Priesterausbildung Gedanken machen, in der m\u00f6glicherweise zu wenig eucharistische Fr\u00f6mmigkeit gelebt und gelehrt wird. Denn Trost und Beistand in der Beziehung zu einer Frau zu suchen an statt bei Christus, ist doch ein alarmierendes Signal!<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich: Die Einsamkeit und die seelischen N\u00f6te der Priester (und Bisch\u00f6fe) sind oft gr\u00f6\u00dfer und unertr\u00e4glicher als wir ahnen. Aber mit ein wenig Aufmerksamkeit und Phantasie lassen sich ganz einfache und der z\u00f6libat\u00e4ren Berufung angemessene M\u00f6glichkeiten finden, einem Priester mehr menschliche W\u00e4rme und Geborgenheit zu schenken (etwa durch gelegentliche Einladungen zum Abendessen im Familien- und Freundeskreis oder Kartengr\u00fc\u00dfe aus dem Urlaub &#8211; selbst wenn sich das vielleicht banal anh\u00f6ren sollte).<\/p>\n<p>Und weil wir Laien doch auch Mitverantwortung tragen wollen, w\u00e4re es mehr als angebracht, unsere Priester und Bisch\u00f6fe nicht immer mit der Behandlung der sogenannten &#8222;Hei\u00dfen Eisen&#8220; im Regen stehen zu lassen, sondern mit Mut und Klarheit die Lehre der Kirche in unseren Lebensbereichen zu vertreten. Und schlie\u00dflich d\u00fcrfen wir als Christen doch darauf vertrauen, da\u00df auch nur ein kleines Sto\u00dfgebet f\u00fcr unsere Priester, die Bisch\u00f6fe und den Papst mehr bringt, als unsachliche und sogar lieblose Kritik.<\/p>\n<p>Marie Th. Freifrau von Lo\u00eb<\/p>\n<p>99310 Arnstadt<\/p>\n<p><strong>Konzilstexte <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Bericht &#8222;Die Konzilsv\u00e4ter zwischen Moderne und Tradition&#8220; (DT vom 20. Juni) meine ich: Da\u00df die im Zweiten Vaticanum anerkannte &#8222;Religionsfreiheit&#8220; identisch sei mit dem Anliegen Montalemberts von 1863, welches aber von Pius IX. im &#8222;Syllabus&#8220; und in der Enzyklika &#8222;Quanta cura&#8220;, \u201amit w\u00f6rtlichen Zltaten zur\u00fcckgewiesen\u2018 worden sei, m\u00fc\u00dfte eine genaue Analyse der Aussageelemente der Mechelner Rede Montalemberts, des Syllabus, der Enzyklika und des Konzilstextes in Verbindung mit einem exakten Begriffsvergleich erbringen. Dieser fehlt jedoch in dem Tagungsbericht. Ob er im Akademievortrag gegeben war, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich zweifele daran. Zu oft wird plakativ gearbeitet, und es fehlt dann an der Beachtung des \u201eFeinstrichs&#8220; in der Interpretation von Konzilstexten.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird dieser Mangel in der berichteten Darstellung relativistischer Tendenzen des Konzils durch den Bamberger Theologen Ottmar Fuchs. Diese sind mir nun in den Konzilsdokumenten trotz mehrfacher Lekt\u00fcre der lateinischen Texte keineswegs aufgefallen. Sie k\u00f6nnten unter Umst\u00e4nden auf fraglichen \u00dcbersetzungen oder tendenti\u00f6sen Kommentaren beruhen.<\/p>\n<p>So ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, da\u00df eine h\u00f6chst fehlerhafte \u00dcbersetzung in der von Rahner und Vorgrimler betreuten Ausgabe &#8222;Kleines Konzilskompendium&#8220; sogar in das Lexikon f\u00fcr Theologie und Kirche Eingang gefunden hat. Sie bezieht sich allerdings auf ein ganz anderes Thema, auf das Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Glauben. Da wurde durch Vertauschung eines einfachen Possessivpronomens eine regelrechte H\u00e4resie, die des Pantheismus oder des Panentheismus insinuiert. In Nummer 36 von &#8222;Gaudium et spes&#8220; steht dort: &#8220; &#8230; von dem Gott an der Hand gef\u00fchrt, der alle Wirklichkeit tr\u00e4gt <em>und sie in sein (l) Eigensein einsetzt<\/em>&#8220; (Seite 482; LThK, 1968\/86, Seite 386\/387, Bd. 14). Es m\u00fc\u00dfte aber richtig hei\u00dfen: &#8220; &#8230; in ihr Eigensein einsetzt&#8220;, wie andere \u00dcbersetzer und Herausgeber richtig beachtet haben (Lateinischer Text: &#8222;Quasi (!) manu Dei ducitur, qui res omnes sustinens <em>facit ut sint quod sunt<\/em>. &#8222;) W\u00e4re der deutsche Text an der zitierten Stelle richtig, h\u00e4tte es im Lateinischen hei\u00dfen m\u00fcssen: &#8220; &#8230; <em>ut sint quod ipse est<\/em>&#8220; (wehe dem Lateinunkundigen, aber gutgl\u00e4ubigen Doktoranden, der an diese Stelle geraten w\u00e4re und sich auf den von der Bischofskonferenz approbierten deutschen Text verlassen h\u00e4tte).<\/p>\n<p>Von dieser nicht unwichtigen, nur scheinbaren Abweichung vom Relativismusthema zur\u00fcck zum Bericht dieser Zeitung \u00fcber die Ausf\u00fchrungen dar\u00fcber in Regensburg. Der Berichterstatter sagt sehr schl\u00fcssig: &#8222;Wenn das bedeuten soll, da\u00df die Wahrheit ver\u00e4nderlich ist, so gibt es, kann man folgern, keinen Unterschied zwischen Wahrheit und Irrtum &#8230; &#8220; Die Konsequenzen sind logisch und einleuchtend aufgezeigt. Mit der Relativismusthese &#8211; ich spreche im Bild &#8211; s\u00e4gen sich \u201edie&#8220; Theologen den Ast ab, auf dem sie sitzen.<\/p>\n<p>Aber darum allein geht es nicht. F\u00fcr den, der das Drei\u00dfig-Jahre-Ged\u00e4chtnis des Konzils begehen will, kommt es darauf an zu erfahren, zu w\u00fcrdigen, was das Konzil in den betreffenden Texten denn eigentlich gesagt hat. Die vom Berichterstatter zitierten Aussagen des Bamberger Theologen sind dort in der vorgelegten Form mit Sicherheit weder direkt noch indirekt enthalten. Meines Erachtens sind sie dem Konzil nachtr\u00e4glich ideologisch \u00fcbergest\u00fclpt, so behaupte ich bis zum Nachweis des Gegenteils, solange mir also das entsprechende Belegzitat nicht im lateinischen Text vorgelegt wird, dann aber auch mit dem damit verbundenen Kontext, der mit Gewi\u00dfheit eine mit dem Glauben unvereinbare Interpretation ausschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Man sollte sich in den Akademien wieder mehr mit den verf\u00fcgbaren Texten selbst befassen als mit den \u00fcber sie aufgestellten, aber unbewiesenen, den unkundigen H\u00f6rer verunsichernden Behauptungen, die klug klingen, aber wie Seifenblasen zerplatzen, sobald jemand nachhakt und fragt: Stimmt denn das?<\/p>\n<p>Bernhard Hoffknecht, 48147 M\u00fcnster<\/p>\n<p><strong>Keine Vorbilder <\/strong><\/p>\n<p>Gerhard Bangert schreibt in einem Leserbrief (DT vom 20. Juni), Bundeskanzler Kohl habe beim Stadt-Katholikentag in Mannheim-Ludwigshafen aufgerufen zu mehr Mut, sich zum Glauben zu bekennen, ferner dem Zeitgeist nicht unkritisch nachzulaufen. Der Leserbrief-Schreiber fragt dann: &#8222;Warum sagt dies Kohl nicht auch seinen Parteifreunden in der CDU?&#8220; Bangert meint, die CDU-Bundestagsabgeordneten m\u00fc\u00dften doch Vorbilder sein. Das stimmt jedoch nicht. Denn viele haben sich etwa bei der Debatte um den Paragraphen 218 bez\u00fcglich der Abtreibung, korrekter gesagt, bei der T\u00f6tung von ungeborenen Kindern, f\u00fcr Straffreiheit eingesetzt. &#8222;Nicht Strafe soll dabei verh\u00e4ngt, sondern Hilfe geleistet werden&#8220;, so lautete die Parole.<\/p>\n<p>Man mu\u00df wissen, da\u00df sehr viele von den 212 katholischen und den 224 evangelischen Bundestagsabgeordneten nur sogenannte Taufscheinchristen sind. Von den 672 Abgeordneten im Bundestag bekennen sich laut Statistik 210 zu keiner Religion. Kardinal Meisner hat schon lange gesagt, da\u00df das &#8222;C&#8220; in der CDU nicht mehr gilt. Diese Partei pa\u00dft sich, wo es um Leben und Tod geht, weitgehend dem Zeitgeist an. Von mehr Mut, sich zum Glauben zu bekennen; wie es Bundeskanzler Kohl von seinen Abgeordneten verlangt, ist da nichts zu erwarten. Die CDU w\u00e4re f\u00fcr viele Christen wieder glaubw\u00fcrdig, wenn sie wieder eine wirkliche christliche Partei w\u00fcrde. Staat und Gesellschaft befinden sich in einem sittlichen Tiefstand. Angst und Schrecken, Gewalt und Sex &#8211; dies besonders auch im Fernsehen &#8211; machen uns zu schaffen. Ein prophetisches &#8222;Nein&#8220; von seiten der Bisch\u00f6fe gegen die Zerst\u00f6rung der Moral n\u00fctzt nichts, wenn Staat und Kirche nicht zusammenarbeiten.<\/p>\n<p><em> Bereits nach Erscheinen der Anti-Babypille haben viele \u00c4rzte eine Demoralisierung der Gesellschaft vorausgesehen, eine Versexualisierung des \u00f6ffentlichen Lebens, eine offene Propaganda der Pornographie und Nacktkultur, eine Bagatellisierung des vor- und au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehrs, die Zunahme der Ehescheidungen, die Freigabe der Abtreibung bis schlie\u00dflich hin zur Euthanasie. T\u00e4glich werden in Deutschland laut Statistik Siebenhundert Kinder im Mutterleib get\u00f6tet.<\/em> In Wirklichkeit sind es viel mehr. Der Staat macht sich mitschuldig; er zahlt sogar daf\u00fcr. Wenn t\u00f6richterweise gesagt wird, beim Ungeborenen im Anfangsstadium, in den ersten zw\u00f6lf Wochen, handle es sich nur um einen \u201eZellhaufen&#8220; (Richter W. Zeidler +) oder eine solche Abtreibung sei nicht T\u00f6tung eines Menschenlebens, sondern lediglich eine Entfernung von Embryonalgewebe &#8211; also keines &#8222;fertigen Menschen\u201c (Pro Familia) -, so ist das schon ein starkes St\u00fcck. Das &#8222;Menschsein&#8220; mit allen Anlagen eines Menschen ist jedoch schon von allem Anfang an gegeben. Die Leibesfrucht wird ein Mensch, also mu\u00df die Fristenl\u00f6sung (Fristent\u00f6tung) verboten sein. Die Todesstrafe hat man abgeschafft. Aber hier soll die T\u00f6tung erlaubt sein. Wie r\u00e4umt sich das zusammen? Dr. Nathanson (Amerika) hat in seinem Film &#8222;Der stumme Schrei&#8220; gezeigt, wie grausam die sogenannte Abtreibung (T\u00f6tung) des Kindes (Zerst\u00fcckelung) im Mutterleib ist. Man fordert deshalb jetzt die sanfte Art der T\u00f6tung durch die Pille RU 486.<\/p>\n<p>Erzbischof Dyba (Fulda) spricht von einem Holocaust der Ungeborenen. Die Abtreibung belastet viele Frauen lebenslang. Seelsorger wissen in dieser Hinsicht Bescheid. Die Folgen der allgemeinen Demoralisierung bleiben nicht aus (Krankheiten, psychische Sch\u00e4den, Unfruchtbarkeit, Krebs, Aids). Die Natur r\u00e4cht sich. Das Sprichwort sagt: &#8222;Gott l\u00e4\u00dft seiner nicht spotten&#8220; oder &#8222;Unmoral zieht den Zorn Gottes nach sich&#8220;. Ein altes griechisches Sprichwort hei\u00dft: &#8222;oud\u00e9n ag\u00e0n&#8220;, halte Ma\u00df in allen Dingen, beherrsche Dich, halte Zucht und Ordnung!<\/p>\n<p>Heribert Kleinhempl, Geistlicher Rat, 95478 Kemnath<\/p>\n<p><strong>Ohne Kompetenz <\/strong><\/p>\n<p>Diese Zeitung hat eine \u00c4u\u00dferung von Pr\u00e4lat Bocklet, dem Leiter des Katholischen B\u00fcros in Bonn, zur Neuregelung des Paragraphen 218 ver\u00f6ffentlicht (DT vom 29. Juni). Sicher kann der Pr\u00e4lat seine eigene Meinung haben und auch da \u00e4u\u00dfern, wo es angebracht erscheint. In diesem Fall aber hatte er keine Kompetenz, von hoher Warte aus eine Erkl\u00e4rung abzugeben, die man seinen Dienstherren, den Bisch\u00f6fen in die Schuhe schieben kann. &#8222;Ich kann mit dem Kompromi\u00df leben&#8220;, erkl\u00e4rte der Pr\u00e4lat. Recht hat er, denn er oder sein Leben sind ja absolut nicht betroffen. Wie aber geht es denen, \u00fcber die nun das Todesurteil schon mit dem Tage der Empf\u00e4ngnis gesprochen ist? Um diese geht es, und die k\u00f6nnen eben damit nicht leben, sondern sollen sterben! Daher ist die beanstandete Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4laten zumindest zynisch, um nicht zu sagen anma\u00dfend, sch\u00e4dlich und \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Noch einmal sei gesagt, da\u00df es ein &#8222;Abtreibungsrecht&#8220; im juristischen Sprachgebrauch weder gibt noch geben kann. In Anwendung dieser Vokabel wird das Recht auf Leben (des Ungeborenen) verf\u00e4lscht mit Recht auf Abtreibung (seitens der Schwangeren), und so entsteht der Eindruck, da\u00df der Paragraph ein Angriff auf die Entscheidungsfreiheit ist. Doch welches Gesetz schr\u00e4nkt nicht Freiheiten ein und legt den B\u00fcrgern Lasten auf, die um des Ganzen willen von jedem Betroffenen getragen werden m\u00fcssen und mit gesetzlichen Strafen erzwungen und geahndet werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Die katholische Kirche aber steht in der chaotischen Auseinandersetzung auf der Seite des Lebens, und das sollte man ihr danken &#8211; und die Geschichte wird es. Der Christ von heute lebt in einer unchristlichen Welt, der er sich nicht anpassen darf. &#8222;Gelegen oder ungelegen&#8220; hat er einzutreten f\u00fcr Wahrheit und Recht. Das w\u00e4re auch Sache jener Parteien, die sich noch (!) christlich nennen. Leben und Lebensrecht d\u00fcrfen eben nicht zum Objekt politischen Kuhhandels gemacht werden.<\/p>\n<p>Wilhelm Machens, Pfarrer i.R.,<\/p>\n<p>31134 Hildesheim<\/p>\n<p>Seite 4\/ Deutsche Tagespost Nr. 103\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kirche aktuell<\/p>\n<p><strong>Eine andere SexuaImoral gefordert <\/strong><\/p>\n<p><strong>Arbeitsgruppe der katholischen Orden tritt f\u00fcr nichteheliche Lebensgemeinschaften ein <\/strong><\/p>\n<p>MESCHEDE (DT\/KNA). Eine grundlegende Neuorientierung der kirchlichen Sexuallehre haben die Jugendseelsorger der Ordensgemeinschaften in Deutschland gefordert. In einem in Meschede ver\u00f6ffentlichten Brief an die deutschen Bisch\u00f6fe pl\u00e4diert die Arbeitsgemeinschaft Jugendpastoral der Orden (AGJPO) f\u00fcr eine kirchliche Respektierung von Verh\u00fctungsmitteln und nichtehelichen Lebensgemeinschaften sowie f\u00fcr eine Neubeurteilung der Homosexualit\u00e4t. Die Forderungen der Jugendseelsorger, wie sie die Katholische Nachrichten-Agentur wiedergibt, entsprechen nicht der Lehre der Kirche und auch nicht unserem Standpunkt, doch m\u00f6chten wir sie unseren Lesern zur Kenntnis geben. Redaktion<\/p>\n<p>Zur Begr\u00fcndung ihrer Forderungen verweist die Arbeitsgemeinschaft auf ihr Engagement in der &#8222;ersten Reihe&#8220; derer, die in der Kirche mit Jugendlichen zu tun h\u00e4tten. Dabei lasse die Kirche die Ordensleute oft allein. Kirchliche Verlautbarungen w\u00fcrden nicht nur der Situation von Jugendlichen entgegenstehen, sondern auch den Erfahrungen der Ordensleute. In dem Brief hei\u00dft es: &#8222;Ma\u00dfgeblich ist f\u00fcr uns die Orientierung am Evangelium, das uns auffordert, nicht auszugrenzen, sondern zu integrieren.&#8220; Das kirchliche Lehramt habe weiterhin die Vorstellung, da\u00df Wertevermittlung als einfache Wert\u00fcbertragung stattfinde, bem\u00e4ngelt die AGJPO. Damit werde die Kirche in Fragen der Sexualit\u00e4t vom gr\u00f6\u00dften Teil der Jugendlichen aber nicht mehr als unterst\u00fctzende Instanz auf der Suche nach Orientierung wahr- und ernstgenommen. Statt dessen seien neue Konzepte der &#8222;Werterhellung und Wertkommunikation&#8220; erforderlich, meinen die Ordensleute. So akzeptierten sie, wenn &#8222;Jugendliche innerhalb verantwortlicher Paarbeziehungen auch intim werden&#8220; und empf\u00e4ngnisverh\u00fctende Mittel anwendeten, und verweigerten die Akzeptanz auch nicht einer &#8222;verantwortlichen und human gelebten homosexuellen Beziehung&#8220;.<\/p>\n<p>Ferner schreiben die Jugendseelsorger: &#8222;Wir sind nicht bereit, die generell ablehnende Haltung des kirchlichen Lehramtes gegen\u00fcber nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu teilen und mitzutragen.&#8220; Das Schreiben ruft die Kirchenleitung zu einem &#8222;offenen und ehrlichen Eingest\u00e4ndnis falscher beziehungsweise \u00fcberholter Positionen zur Gestaltung menschlicher Sexualit\u00e4t&#8220; auf. Zudem solle sie Vorurteile gegen Homosexuelle \u00fcberwinden, deren Diskriminierung beenden und angesichts neuerer humanwissenschaftlicher Erkenntnisse die der Frage nach &#8222;schuldhaftem Verhalten aus naturgegebener Neigung&#8220; neu stellen.<\/p>\n<p>Zur Aussage von Papst Johannes Paul\u00a0 II., &#8222;es gibt keine Liebe auf Probe&#8220;, erkl\u00e4rt der Brief, es gebe durchaus eine \u201eberechtigte Liebe auf Probe, wenn Probe soviel bedeutet wie ein schrittweises Wachsen und Reifen in der Liebesf\u00e4higkeit, was auch ein verantwortungsvolles Ausprobieren von unterschiedlichen Ausdrucksformen der Liebe beinhalten kann&#8220;.<\/p>\n<p>&lt;RM?&gt;<\/p>\n<p>NUMMER 34 &#8211; 26. AUGUST 1994<\/p>\n<p><strong>Die Herausgeber zu Fragen der Zeit <\/strong><\/p>\n<p><strong>Tanz um das goldene Selbst <\/strong><\/p>\n<p>Von WOLFGANG BERGSDORF<\/p>\n<p>Denken die Deutschen nur noch an sich? Es ist schon paradox: Sie sind die gro\u00dfen Gewinner der weltpolitischen Umw\u00e4lzung in den letzten drei Jahren. Sie k\u00f6nnten gl\u00fccklich und dankbar sein. Deutschland als Land mit den meisten Nachbarn in Europa kann jetzt ohne Konflikte mit seinen Nachbarn leben. Deshalb richten sich die h\u00f6chsten Erwartungen auf Hilfe auf dieses Land.<\/p>\n<p><em> Aber gleichzeitig ist Deutschland jenes Land, in dem die geschichtsm\u00e4chtige Tendenz der Individualisierung<\/em> bisher ihre gr\u00f6\u00dften Triumphe feiert. Der M\u00fcnchener Soziologe Ulrich Beck hat hierf\u00fcr die bezeichnende Formel gefunden: <em>Tanz um das Goldene Selbst<\/em>.<\/p>\n<p>Denn der Egoismus, die Ich-Besessenheit, ist heute das Gespenst, das in Europa umgeht und besonders in Deutschland. Dieses Gespenst hat der Solidargemeinschaft den Kampf angesagt. Es droht die Beziehung des Menschen zu seinem Mitmenschen zu zerst\u00f6ren. Egoismus tritt auf als r\u00fccksichtsloser Konsumdrang, als ungenierte Bed\u00fcrfnisbefriedigung um fast jeden Preis, als schrankenlose Ausbeutung der Natursch\u00e4tze, als unstillbarer Erlebnishunger, als unz\u00e4hmbare Gewaltbereitschaft. <em>Sein Motto hei\u00dft: Erf\u00fcll Deine W\u00fcnsche. Egal, was es kostet; egal, wer darunter zu leiden hat. <\/em><\/p>\n<p>Bewundert wird, wer sich nimmt, was er braucht; wer macht, was er will. Ein Tennisstar dr\u00fcckt sich vor der Wehrpflicht, flieht vor der Steuer nach Monaco und bleibt trotzdem Liebling der Nation. Auch ein Normalmensch kann zum Medienstar werden, wenn er als &#8222;Onkel Dagobert&#8220; listig Kaufh\u00e4user erpre\u00dft, um einmal &#8222;in Talern zu schwimmen&#8220;.<\/p>\n<p>Da\u00df diese Klage \u00fcber eine \u00fcbersch\u00e4umende Individualisierung kein Gerede ist, sondern eine ernste Bedrohung f\u00fcr unsere Gesellschaft wie f\u00fcr unsere Zukunft, verdeutlicht der R\u00fcckgang der Mitgliederzahlen von Parteien, Gewerkschaften, Verb\u00e4nden und Kirchen. Besonders problematisch ist, da\u00df es vor allem junge Leute sind, die sich st\u00e4rker als zuvor dem Engagement f\u00fcr \u00fcberindividuelle Ziele verweigern. Eine von Professor Opaschowski vorgelegte Studie &#8222;Freizeit 2001&#8220;, die auf einer repr\u00e4sentativen Untersuchung mit 2000 jungen Leuten im Alter von 14 bis 21 Jahren basiert, stellt die wachsende Neigung der jungen Generation heraus, Verpflichtungen und Bindungen m\u00f6glichst auszuweichen, auch wenn damit auf Hilfe und F\u00f6rderung verzichtet wird.<\/p>\n<p>Diese Studie legt dar, da\u00df der mitmenschliche Umgang unverbindlicher, oberfl\u00e4chlicher, aber auch leichter und lockerer wird. Junge Leute lassen sich weniger einbinden in Organisationen, Gruppen und Vereine. Eine Mehrheit glaubt, da\u00df das soziale Engagement in B\u00fcrgerinitiativen, die aktive Mitarbeit in Vereinen und sozialen Organisationen zur\u00fcckgehen wird und auch die Mitarbeit in Parteien und Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Der Wegfall der kommunistischen Herausforderung von pluralistischen Gesellschaften d\u00fcrfte eine doppelte Folge haben: Einerseits droht die Faszinations- und Imaginationskraft der Freiheit zu verblassen. Denn diese Idee verf\u00fcgt nicht l\u00e4nger \u00fcber eine ernstzunehmende Konkurrenz. Gleichzeitig wird auch ihre Organisationskraft nachlassen und so die Individualisierungstendenz verst\u00e4rken. Es wird wohl k\u00fcnftig auch deshalb noch schwerer werden, Energien zu b\u00fcndeln und menschliche Phantasien auf \u00fcberindividuelle Ziele zu lenken. Was wir heute ben\u00f6tigen, ist eine Diskussion \u00fcber den unverzichtbaren Gemeinsinn.<\/p>\n<p>In Amerika hat die Diskussion \u00fcber die Notwendigkeit einer Erneuerung des Gemeinsinnes l\u00e4ngst begonnen. Kirche, Familie und Schule werden jetzt wieder als Quellen des Gemeinsinns begriffen. Es sind dort vor allem fr\u00fcher linksorientierte Sozialwissenschaftler, die den Zuwachs an individuellem Freiraum nicht mehr als Modernit\u00e4tsgewinn verstanden wissen wollen. Diese Wissenschaftler setzten sich mit der Individualisierung auseinander und kritisieren die Beliebigkeit der Werte.<\/p>\n<p>Die alte Weisheit, da\u00df eine Institution die Aufgabe hat, Menschen Halt zu geben und ihnen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten anzubieten, feiert dort Wiederauferstehung. Individuelle Selbstbestimmung alleine ignoriert die Soziabilit\u00e4t des Menschen, also sein Angewiesensein auf andere Menschen. Ihren Wert erf\u00e4hrt die Selbstbestimmung des Menschen nur in Verbindung mit Tugenden wie Verantwortung f\u00fcr den Mitmenschen. Und diese kann nur in Institutionen verwirklicht werden.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen Gegengewichte suchen zu den Entsolidarisierungseffekten, die durch die gewachsene Individualisierung ausgel\u00f6st werden. Dies wird ohne eine Diskussion \u00fcber die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t nicht zu leisten sein. Es sind nicht zuf\u00e4lligerweise diese drei Begriffe, aus denen die gro\u00dfen Parteien in Deutschland ihre Programmatik entfalten. Eine neue Grundwertediskussion mu\u00df das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen den obersten Programmbegriffen neu vermessen und die gegenseitige Bedeutungszuweisung der Begriffe neu bestimmen.<\/p>\n<p>Die totalit\u00e4ren Erfahrungen unseres Jahrhunderts empfehlen es, den Freiheitsbegriff aus seinen individualistischen Verk\u00fcrzungen zu befreien. Er mu\u00df jene soziale Dimension zur\u00fcckgewinnen, die ihm aus der Gesch\u00f6pflichkeit des Menschen, aus seiner wechselseitigen Hilfs- und Erg\u00e4nzungspflicht erw\u00e4chst (Hans Maier). Auch hier w\u00e4re auf Immanuel Kant zu verweisen, der bekanntlich die Grundlage aller Sittlichkeit in der Anstrengung erkannte, &#8222;sich im anderen zu begreifen&#8220;. Nur eine solche Anstrengung kann den verschlissenen Begriff des Gemeinsinns mit neuen Inhalten f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Donnerstag, 30. M\u00e4rz 1995 Aussprache \/ Roman\u00a0\u00a0 Deutsche Tagespost Nr. 38\/Seite 9<\/p>\n<p><strong>Zielrichtung <\/strong><\/p>\n<p>Zu der Zuschrift &#8222;Gegen den Strom&#8220; von Wilhelm Schulze (DT vom 14. M\u00e4rz) m\u00f6chte ich sagen: Was Schulze in seinem Leserbrief schreibt, ist Sophistik. Formal sind Bischof Gaillot und Erzbischof Dyba sicherlich vergleichbar. Beide schwimmen gegen einen Strom.<\/p>\n<p>Erzbischof Dyba stellt sich gegen die breite Str\u00f6mung eines fortschrittlich-liberalen Christentums mit dessen sattsam bekannten Forderungen. Er ist gegen Abtreibung, gegen Frauenpriestertum, gegen Absegnung homosexueller Beziehungen, gegen eine demokratisch strukturierte Kirche. Er ist gegen die Unterscheidung Kirche von unten und Amtskirche. Er wendet sich gegen die Aufweichung und Zerst\u00f6rung der Fundamente unseres Glaubens. Er sagt Unpopul\u00e4res, er ist Nonkonformist.<\/p>\n<p>Bischof Gaillot ist auch gegen etwas: Er stellt sich gegen den Strom der katholischen \u00dcberlieferung, einen Strom, der mit dem Alten Testament einsetzt und ohne Traditionsbruch in den Evangelien, den Apostelbriefen, der Theologie der V\u00e4ter bis zu der des Zweiten Vatikanums sich fortsetzt.<\/p>\n<p>Beide gelten gegenw\u00e4rtig als Protagonisten des &#8222;Gegen&#8220;, trotzdem zeigt sich formal schon ein Unterschied: W\u00e4hrend Dyba und Bisch\u00f6fe seines Lagers in der breiten \u00d6ffentlichkeit und von einem Gro\u00dfteil der Medien als Buh-M\u00e4nner behandelt werden, schwimmt Gaillot bei den Medien, bei fortschrittlichen Christen bis zu den der Kirche Fernstehenden auf einer breiten Woge der Zustimmung. Gaillot vertritt Popul\u00e4res, er ist Konformist.<\/p>\n<p>Wer nun Freude hat an Wortspielen, kann sehr wohl den Spie\u00df umdrehen und Erzbischof Dyba formal den &#8222;Geisterfahrer&#8220; zur\u00fcckgeben. Wer aber auf den Inhalt und die Zielrichtung des Gegen-den-Strom-Agierens achtet, wei\u00df sehr gut, auf wen dieser Ausdruck zutrifft.<\/p>\n<p>Josef Bei\u00dfwanger, 78599 Gosheim<\/p>\n<p><strong>Trennung <\/strong><\/p>\n<p>Pfarrer Wirtz spricht in seinem Leserbrief &#8222;Ehrfurcht&#8220; (DT vom 9. Februar) viele wichtige Punkte f\u00fcr die Jugendarbeit an und weist auf das zeitlose Ideal der Enthaltsamkeit bis zur Ehe hin. Sein Wort in Gottes Ohr, aber die Kirche selbst mu\u00df die Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen, da\u00df junge Menschen zu diesem Ziel hingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Das ist wohl beim BDKJ, dessen Kirchendistanz ebenso bekannt ist wie seine Sexspiele ber\u00fcchtigt, kaum m\u00f6glich. Aber auch hinsichtlich der Pfarrjugend allgemein wird &#8211; ob gewollt oder ungewollt &#8211; alles getan, um dem Ideal &#8222;Warten bis zur Ehe&#8220; Steine in den Weg zu legen. Das gilt vor allem f\u00fcr die allseits praktizierte Koedukation: Gemischte Gruppen, &#8222;offene&#8220; Jugendarbeit, gemeinsame Ferienlager und Jugendreisen. An Gruppenleben und Freizeit-Aktionen k\u00f6nnen alle teilnehmen, ob religi\u00f6s oder nicht, kirchlich engagiert oder fernstehend, denn man will ja niemanden &#8222;ausgrenzen&#8220;.<\/p>\n<p>Es geht auch nicht um .Ausgrenzung&#8220;, sondern um die Frage, ob die Koeduktion &#8211; also gemischte Gruppen, Lager, Freizeiten &#8211; der richtige Weg ist und ob die Kirche sich nicht vor allem um jene Jugendlichen zu k\u00fcmmern hat, die f\u00fcr christliche Anliegen aufgeschlossen sind, statt st\u00e4ndig auf die breite Masse zu schielen, etwa mit Disco-Angeboten im Pfarrheim, Rockmusik im Gottesdienst und \u00e4hnlichen modischen M\u00e4tzchen. Die Entwicklungen &#8211; genauer: Fehlentwicklungen &#8211; der letzten Jahrzehnte haben \u00fcberdeutlich dokumentiert, da\u00df der bislang eingeschlagene Weg ein Irrweg ist. Die Kirche sollte einsehen, was seitens der Feministinnen l\u00e4ngst erkannt worden ist: Durch die Koeduktion werden M\u00e4dchen nicht gef\u00f6rdert, sondern benachteiligt.<\/p>\n<p>Die Trennung der Gruppen erm\u00f6glicht es den Geschlechtern, ihre eigenen Interessen und Hobbys zu pflegen, was besonders einer eigenst\u00e4ndigen Entwicklung der M\u00e4dchen zugutekommt. Was noch wichtiger ist: Die Trennung erleichtert das Ideal der vorehelichen Enthaltsamkeit, verhindert Cliquenbildung und Gruppendruck bez\u00fcglich fr\u00fcher Freundschaften und schafft bessere katechetische Voraussetzungen.<\/p>\n<p>Lager und Gruppenreisen m\u00fcssen &#8222;getrennt&#8220; durchgef\u00fchrt werden. Das Pfarrheim sollte man am Montag, Mittwoch und Freitag den M\u00e4dchen \u00f6ffnen und an den \u00fcbrigen Tagen den Jungen, was der &#8222;Komm mit\u201c-Kalender seit langem vorschl\u00e4gt. In diesen Fragen mu\u00df die Kirche ihre Verantwortung erkennen, <em>denn die Ehe ist die schwierigste Aufgabe des Lebens.<\/em><\/p>\n<p>Ohne Selbstbeherrschung, Opferbereitschaft und geistige Reife kann sie nicht gelingen. Dies mu\u00df vor der Ehe &#8222;einge\u00fcbt&#8220; werden. Die Gebote Gottes sind klar &#8211; und in einem Aufkleber, der von &#8222;Komm mit&#8220; herausgebracht wird und unter Jugendlichen gro\u00dfe Verbreitung findet, hei\u00dft es: <em>&#8222;Warten bis zur Ehe, Treue in der Ehe!&#8220; Die Kirche mu\u00df zu diesem Ziel stehen, denn die Jugend wird nur gef\u00f6rdert, wenn sie gefordert wird! <\/em><\/p>\n<p>G\u00fcnter Stiff, 48041 M\u00fcnster<\/p>\n<p><strong>Pseudo-Cyrill <\/strong><\/p>\n<p>Im Fastenhirtenbrief von Kardinal Wetter (DT vom 7. M\u00e4rz) wird auf Abschnitt 21 einer 5. Mystagogischen Katechese verwiesen, die angeblich vom heiligen Cyrill von Jerusalem stammen soll. Dieser Verweis ist h\u00f6chst problematisch, da die gro\u00dfe Mehrheit der Experten davon ausgeht, da\u00df der wirkliche Verfasser der genannten Stelle der arianisch gesinnte Nachfolger des hl. Cyrill auf dem Bischofssitz von Jerusalem, Bischof Johannes (387-417) ist.<\/p>\n<p>So spricht beispielsweise die Dogmatik von Auer\/Ratzinger (Band VI auf Seite 140) von den &#8222;Predigten zur Eucharistie von Ps.-Kyrill \u201aJohannes&#8216; von Jerusalem&#8220; und auf Seite 176 von Johannes , \u201aKyrill&#8216; von Jerusalem&#8220;.<\/p>\n<p>Annette Dray\u00df, 67065 Ludwigshafen<\/p>\n<p><strong>Ewiges Licht <\/strong><\/p>\n<p>Zum Leserbrief &#8222;Harmonie&#8220; (DT vom 4. M\u00e4rz) m\u00f6chte ich bemerken: Mein Leserbrief &#8222;Halbwahrheiten&#8220; (DT vom 18. Februar) ist leicht zu verstehen, wenn man beachtet, da\u00df ich gleich am Anfang zustimmend erkl\u00e4re, da\u00df die Wahrheit komplement\u00e4r ist und da\u00df Ratio und Emotio eine Einheit bilden sollen. Blieb also der Begriff &#8222;Gegens\u00e4tze&#8220; zu kl\u00e4ren. Dabei geht es mir um die g\u00e4ngigen Gegens\u00e4tze, die konstruiert werden, zwischen Gerechtigkeit und Gesetz einerseits und Liebe oder Barmherzigkeit und Freiheit andererseits. Der Refrain des Liedes, das man immer wieder h\u00f6rt, ist sehr einfach: der liebe Jesus, der niemand ausgrenzt, jeden annimmt, wie er ist, keine Forderungen stellt und die grausame Papstkirche, die Unm\u00f6gliches verlangt. Dieser harmlose Jesus ist nicht der Gott, der sich in der Schrift und in der Geschichte offenbart. Der eigentliche Ruf Gottes im Alten Testament lautet: H\u00f6re Israel, wolltest du doch auf mich h\u00f6ren!<\/p>\n<p>Im Gleichnis vom S\u00e4mann spricht Christus neunzehnmal von Ohren und H\u00f6ren: &#8222;Verstockt ist das Herz dieses Volkes. Schwer h\u00f6ren sie mit ihren Ohren, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa sehen mit ihren Augen und mit den Ohren nicht h\u00f6ren, und mit dem Herzen nicht verstehen und sich bekehren, da\u00df ich sie heile&#8220; (Mt 13,15\/ Jes 6,10). Es geht um das richtige Verh\u00e4ltnis zu Gott, seelische Reifungsprozesse werden aufgezeigt und ihre Tragweite f\u00fcr Zeit und Ewigkeit. Am Schlu\u00df steht das Gericht: Unkraut und Weizen werden f\u00fcr ewig getrennt: \u201eDer Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle \u00c4rgernisse und \u00dcbelt\u00e4ter sammeln und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Z\u00e4hneknirschen sein. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters. Wer Ohren hat, der h\u00f6re\u201c (Mt 13,41ff).<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Hinduismus, nach dem soviele Reinkarnationen m\u00f6glich sind, bis die Reinigung vollendet ist, endet die Geschichte nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift mit dem Gericht Gottes, mit dem Triumph der Guten in der ewiger Freude und mit dem ewigen Ungl\u00fcck der B\u00f6sen: die ewige Harmonie des Himmels und die ewige Disharmonie der H\u00f6lle.<\/p>\n<p>Der zweite Gegensatz wird konstruiert zwischen neuesten Erkenntnissen und Tradition. Der gro\u00dfe Traditionsbruch begann mit der Reformation. Luther schreibt in seinem Vorwort zur Schrift &#8222;Vom Mi\u00dfbrauch der Messe&#8220;: ,,Du allein wollest weise sein? Irren denn all die Unz\u00e4hligen anderen? Haben so viele Jahrhunderte geirrt? Wie, wenn du irren w\u00fcrdest, wenn du so viele Menschen mit dir in den Irrtum und in die ewige Verdammnis ziehen w\u00fcrdest?&#8220; Er hat das Risiko auf sich genommen! Ein Pastoraltheologe hat bei einer Tagung in Wien kurz nach dem Konzil folgendes gelernt: Bisher habe man die Weisungen der Kirche verk\u00fcndet und begr\u00fcndet. Jetzt stelle man die Frage, ob diese Normen zu Recht bestehen und wie sie sich \u00e4ndern lassen. Diese Technik ist nicht ganz neu (siehe Gen 3,1). Das ist eine kopernikanische Wende. Und nun ein pers\u00f6nliches Glaubensbekenntnis. Mein Gott ist weder der Gott der Philosophie noch der Gott der Theologen. Mein Gott fa\u00dft sich kurz und spricht deutlich und verst\u00e4ndlich von irdischen und von ewig g\u00fcltigen Wahrheiten. Mein Gott sagt ganz unkompliziert: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Klar, man mu\u00df schon die Ohren spitzen und die Augen \u00f6ffnen. Von einem solchen Meister habe ich schon immer getr\u00e4umt. Ich gebe zu: Mein Gott ist ein unbequemer Gott, darum hat er wenige Freunde.<\/p>\n<p>Da alle gl\u00fccklich werden wollen, m\u00f6chte ich noch dazu zwei Rezepte vermitteln. Das Gl\u00fcck l\u00e4\u00dft sich nicht erzwingen, es ist ein freies Geschenk Gottes. Zuerst: Wie wird man ungl\u00fccklich? Wer ungl\u00fccklich werden will, investiert seine ganze Sehnsucht in Menschen oder irdische Dinge.<\/p>\n<p>Das tun doch alle! Und? &#8211; Wer gl\u00fccklich werden will, sorge daf\u00fcr, da\u00df sein Schatz und sein Herz im Himmel sind, dort ist das sichere ewige Gl\u00fcck. Mit den F\u00fc\u00dfen mu\u00df man hingegen notgedrungen vorl\u00e4ufig noch auf Erden bleiben.<\/p>\n<p>Benedikt Deplazes, 81739 M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Familienf\u00f6rderung <\/strong><\/p>\n<p>Katholische Organisationen r\u00fcgen die unzureichenden- Familienf\u00f6rderungspl\u00e4ne der Koalition, die das Existenzminimum eines Kindes nicht erreichen (siehe DT vom 9. M\u00e4rz). Die Kritik geht nicht weit genug. Es m\u00fc\u00dfte, wie J\u00fcrgen Liminski mit Recht schreibt, verlangt werden, Eltern und Alleinerziehern an Kindergeldern und Rentenanwartschaften einen Ausgleich daf\u00fcr zu bieten, da\u00df ein Elternteil jahrelang auf Berufst\u00e4tigkeit verzichtet. Wir k\u00f6nnen sonst nicht erwarten, da\u00df Frauen ihre Selbstverwirklichung nicht fremdbestimmt hinter Ladentheke oder Schreibmaschine, sondern selbstbestimmt in die Familienarbeit mit Kindern suchen. Die Gerechtigkeit und die Vorsorge f\u00fcr den Generationenvertrag der Sozialversicherung gebieten, die schleichende Enteignung von Familien mit Kindern in H\u00f6he von j\u00e4hrlich 150 Milliarden Mark schleunigst zu beenden.<\/p>\n<p>Das geht nur mit einer R\u00fcckverteilung der ungerechtfertigten Vorteile, die die frei willig oder unfreiwillig Kinderlosen daraus ziehen, da\u00df Familien mit Kindern als \u201eLastesel der Nation&#8220; (Liminski) ihnen die Renten finanzieren.<\/p>\n<p>Geld f\u00fcr Kinderhorte kann man dagegen sparen, weil die Kinder in den ersten drei Jahren zu ihren Eltern geh\u00f6ren. Im Kindergartenalter sollte es ein Wahlrecht zwischen vollen Betr\u00e4gen und Kindergartenpl\u00e4tzen mit entsprechenden Abschl\u00e4gen geben.<\/p>\n<p>Der Warnung von Kardinal Wetter vor einer embryopathischen Indikation schlie\u00dfe ich mich voll an. Vor Jahrzehnten haben wir deshalb noch viele \u00c4rzte aus der Nazizeit daf\u00fcr verurteilt.<\/p>\n<p>Siegmund Knippel, Diplom Volkswirt, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht a.D., 38116 Braunschweig<\/p>\n<p><strong>Soziologen-Jargon <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Leserbrief &#8222;Auf der \u00dcberholspur&#8220; (DT vom 21. M\u00e4rz) meine ich: <em>Der Verfasser beklagt mit Recht einen immer radikaler werdenden Liberalismus<\/em>. Es ist auch verdienstvoll, darauf hinzuweisen, <em>da\u00df ein Billig-Glaube im Sonderangebot zum Schn\u00e4ppchenpreis<\/em> sich wirklich radikal vom verborgenen Schatz im Acker unterscheidet. Gefahr kommt aber auch von anderer Seite. Es ist offenkundig, da\u00df Leute, die von der Soziologie und der Sozialp\u00e4dagogik her kommen, in der Kirche das gro\u00dfe Wort f\u00fchren und demgem\u00e4\u00df Einflu\u00df haben. Mit einem eigenen Jargon der Unverbindlichkeit werden klare Sachverhalte mit einer klebrigen So\u00dfe \u00fcbergossen, so da\u00df die Konturen dessen, worum es urspr\u00fcnglich einmal ging, nur noch schattenhaft zu erkennen sind:<\/p>\n<p>Wenn jemand fragt, dann m\u00fcssen wir uns voll auf ihn einlassen und ihn dort abholen, wo er gerade steht, ihn selbstverst\u00e4ndlich ganz ernst nehmen und entsprechend betroffen sein, nach M\u00f6glichkeit tief! Dann lassen wir erst einmal alles so stehen, fragen uns weiter, wie wir damit umgehen und nat\u00fcrlich auch, wie&#8217;s uns jetzt damit geht. Nunmehr ist der Zeitpunkt des Ausklammerns gekommen <em>(Hierarchie, Lehre, Wahrheit), schlie\u00dflich wollen wir ja den Dialog, der uns dann die befreiende Erkenntnis vermittelt<\/em>: Ich bin o. k., du bist o. k.! So haben wir schlie\u00dflich einen Grundkonsens erreicht und freuen uns, da\u00df erstens die Sache Jesu Begeisterte braucht und zweitens weitergeht. Gott sei Dank! <em>Jeder kann nun, wor\u00fcber er immer m\u00f6chte, so begeistert sein, wie er immer will. Das nenne ich Weite, Offenheit und Toleranz. <\/em><\/p>\n<p>Udo Borkner, 91522 Ansbach<\/p>\n<p><strong>Kolonien Ru\u00dflands <\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den informativen Leitartikel &#8222;Ru\u00dfland und die Kolonien&#8220; von Otto von Habsburg (DT vom 18. M\u00e4rz) m\u00f6chte ich danken. Da\u00df Ru\u00dfland im letzten Jahrhundert verschiedene V\u00f6lker annektiert hat, ist bekannt. Meines Erachtens m\u00fc\u00dfte Ru\u00dfland diese V\u00f6lker wieder in die Freiheit entlassen, wenn sie es w\u00fcnschen, besonders die V\u00f6lker im Kaukasus. Die Kaukasusv\u00f6lker k\u00f6nnten dann einen Puffer zwischen Ru\u00dfland, dem Iran und dem Irak bilden. Unverst\u00e4ndlich finde ich es, da\u00df die westlichen Regierungen dem russischen Pr\u00e4sidenten Jelzin freie Hand bei der &#8222;L\u00f6sung&#8220; des \u201eTchetschienen-Problems&#8220; gelassen haben. Sie h\u00e4tten wissen m\u00fcssen, da\u00df die Russen mit Gewalt diese L\u00f6sung erreichen wollten. Auch bei dem j\u00fcngsten Angriff der T\u00fcrken auf die Kurden im Norden Iraks vermisse ich den Protest der westlichen Regierungen. Keine Verletzung des V\u00f6lkerrechts?<\/p>\n<p>Paul B\u00f6ller, 85276 Pfaffenhafen<\/p>\n<p>?<\/p>\n<p><em>Bereist man ein fremdes Land drei Wochen, so lautet ein Sprichwort, dann h\u00e4tte man gro\u00dfe Lust, dar\u00fcber zu schreiben; ist man hingegen drei Monate dort, dann regen sich deutliche Zweifel, ob man denn alles so ganz richtig verstehe; und nach drei Jahren im Land k\u00f6nne man gar nichts mehr zu Papier bringen, weil man jedem Satz noch vier andere hinzuf\u00fcgen m\u00f6chte. <\/em><\/p>\n<p>In dieser Erfahrung von Entwicklungshelfern in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens spiegeln sich auch die Erkenntnisse von Journalisten aus dem Norden wider, die eine kurze Zeit nach Indonesien oder Brasilien reisen. Wenn sie dort zwei oder drei Wochen herumgefahren sind, mit Kirchenleuten, Gewerkschaftern, Politikern, anderen Journalisten und auch den ber\u00fchmten Leuten auf der Stra\u00dfe gesprochen und selber gesehen haben, wie es im Dorf fern der Hauptstadt oder in den Hinterh\u00f6fen gleich hinter dem Zementwerk ausschaut, dann schreiben die Medienleute drei, vier lange Artikel; auch wenn sie sonst noch nicht viel von dem Land verstehen.<\/p>\n<p>Das ist der wichtigste Grund, warum sich der Kirchliche Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) darum bem\u00fcht, Journalisten von Zeitung und Rundfunk 14 Tage nach Vietnam oder Sambia reisen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Fachstelle Journalistenprogramme in Hamburg organisiert solche Projekte, mit gutem Erfolg, wie die bisherigen Ergebnisse gezeigt haben. Sind die Kirchensteuermittel, die daf\u00fcr aus gegeben werden, damit lediglich Geld ei- &lt;?? Fortsetzung&gt;<\/p>\n<p>Deutsche Tagespost Nr. 22 \/ Seite 9<\/p>\n<p>&lt;21.2.95&gt;<\/p>\n<p><strong>Bekenntnis <\/strong><\/p>\n<p>Die deutschen Bisch\u00f6fe haben k\u00fcrzlich ein Bekenntnis der Mitschuld von Christen an den Verbrechen in Konzentrationslagern ver\u00f6ffentlicht (DT vom 26. Januar). M\u00fcssen derartige Eingest\u00e4ndnisse immer erst nach f\u00fcnfzig Jahren oder mehr kommen? Sollten wir nicht heute bekennen, wo Christen und Kirche in der Gegenwart versagen? Dann ersparen wir den Bisch\u00f6fen der Jahre 2020 oder 2030 das Eingest\u00e4ndnis, da\u00df wir heute, die wir nicht unter einer Diktatur leben, sondern ohne Gefahr f\u00fcr Leib und Leben reden, schreiben, fordern und demonstrieren k\u00f6nnen, von diesen M\u00f6glichkeiten zu wenig Gebrauch machen. Was uns geschehen kann, das ist doch nur das Angeprangert- und Verrissenwerden in den Medien. Sind wir nicht Pharis\u00e4er, wenn wir davor zusammenzucken und gleichzeitig die beschuldigen, die unter der braunen Diktatur mitgemacht oder geschwiegen haben?<\/p>\n<p><em> Bekennen wir doch ehrlich: Wir dulden ohne hinreichenden Widerstand das T\u00f6ten ungeborener Kinder. Wir &#8211; Priester, Ordensleute und Gl\u00e4ubige &#8211; f\u00fchren keine \u00f6ffentlichen Massendemonstrationen in Bonn gegen das gesetzlich gesch\u00fctzte T\u00f6ten durch<\/em>. Wir st\u00fctzen nicht lautstark und vernehmlich die christlichen Politiker, die sich eindeutig f\u00fcr das Lebensrecht einsetzen. <em>Wir raten nicht ab von der Wahl von Politikern und Parteien, die sich \u00fcber das F\u00fcnfte Gebot hinwegsetzen.<\/em><\/p>\n<p>Wir geh\u00f6ren Krankenkassen an, die das T\u00f6ten von Kindern finanzieren, obgleich wir darum wissen. Wir finanzieren durch unsere Geb\u00fchren Medien, die das T\u00f6ten von Menschen offen propagieren. Wir nehmen es hin, wenn unser Glaube, unsere Kirche, der Papst \u00f6ffentlich diffamiert werden.<\/p>\n<p>Mit kirchlichen Geldern werden Aktionen finanziert, die Kinder und Jugendliche im Denken und Tun zur Unsittlichkeit verf\u00fchren sollen. Es werden \u00f6ffentliche Stellungnahmen zu Bananenimporten, zur Kohlefinanzierung, zu Fleischgenu\u00df und Schweinepreisen abgegeben. <em>Eindeutige Hirtenworte zu Wahrheiten der Glaubens- und Sittenlehre haben jedoch Seltenheitswert .<\/em><\/p>\n<p>Damit ist ja nur ein Teil des schuldhaften Versagens in unserer Zeit und Kirche benannt. Sind das bei uns nur Splitter im Auge? Waren die Balken allein unter der Nazidiktatur? Wer um Vergebung bittet, sollte nicht von der eigenen Schuld ablenken. T\u00e4te es unserer Kirche hier in Deutschland nicht gut, kr\u00e4ftig an die eigene Brust zu schlagen? Zur Bekehrung geh\u00f6rt dann allerdings auch die Erneuerung, das Ablassen vom Falschen und die Hinwendung zum Wahren und Guten!<\/p>\n<p>Werner Wehrmeyer, Pfarrer,<\/p>\n<p>45721 Haltern-Sythen<\/p>\n<p>Deutsche Tagespost Nr. 67 \/ Seite 9<\/p>\n<p><strong>Manipulation <\/strong><\/p>\n<p>Hans Wagner hat mit Recht die einseitige Berichterstattung fast aller Medien kritisiert (die Deutsche Tagespost ist da ein wei\u00dfer Rabe l), wonach die Ungeborenent\u00f6tung ausschlie\u00dflich Frauensache, eine wirkliche Hilfe und rechtens sei (DT vom 13. Mai). Das Bundesverfassungsgericht hat dagegen ausdr\u00fccklich gesagt, diese Entscheidung sei nie eine Gewissensentscheidung (Leitsatz 5 am Ende). Sie ist ebenso M\u00e4nnersache, zum Kinderzeugen geh\u00f6ren zwei. Da\u00df sie der Frau nicht hilft, zeigt das Post-Abortion-Syndrom mit mehrheitlich schweren, oft lebenslangen Reue-Neurosen. Trennen sollte sich der Lebenssch\u00fctzer Hans Wagner allerdings von der menschenverachtenden &#8222;Abtreibung&#8220; (besser: \u201eUngeborenent\u00f6tung&#8220; oder &#8222;T\u00f6tung im Mutterleib&#8220;), das f\u00fcr W\u00fcrmer und Gallensteine, nicht f\u00fcr lebende Menschen pa\u00dft und ebenfalls manipuliert. Das sollte auch der achtenswerte Landrat W\u00fctz (fast an gleicher Stelle) beherzigen. Als w\u00fcnschenswerten Ausweg h\u00e4tte er die Adoption nennen k\u00f6nnen, die viele Frauen zwar nicht sch\u00e4tzen, die aber immer noch weit besser ist als die minutenlange schmerzhafte T\u00f6tung.<\/p>\n<p>Siegmund Knippel, 38116 Braunschweig<\/p>\n<p><strong>Pontifikat <\/strong><\/p>\n<p>In dieser Zeitung wurde in den Ausgaben vom 18. und 20. Mai zum 75. Geburtstag von Papst Johannes Paul II. eingehend berichtet. Auch ohne einer sp\u00e4teren Geschichtsschreibung zuvorkommen zu wollen, darf man jetzt schon feststellen, da\u00df das gegenw\u00e4rtige Pontifikat zu den bedeutendsten der gesamten Kirchengeschichte zu z\u00e4hlen ist. Denn in diesem Pontifikat wurde die katholische Kirche eigentlich erst richtig zur allumfassenden Weltkirche, die sich in dieser Zeit insbesondere in den Entwicklungsl\u00e4ndern der s\u00fcdlichen H\u00e4lfte der Erdkugel auszudehnen vermochte. Aus einer eurozentrierten Kirche entwickelte sich die alle Erdteile umspannende Weltkirche mit der Aufwertung der Kirchenprovinzen in S\u00fcdostasien, Afrika und Lateinamerika. \u00dcber die H\u00e4lfte der Katholiken wohnen heute in der Dritten Welt. Es ist daher nur richtig, wenn Johannes Paul II. von sich selbst sagt, da\u00df \u201esein Pontifikat in die Zeit einer &#8218;epochalen Wende f\u00fcr Europa, die Welt und die Kirche&#8216; gefallen sei&#8220; (DT vom 20. Mai).<\/p>\n<p>Zu dieser epochalen Wende hat Johannes Paul II. am allermeisten selbst beigesteuert. Ihm ist nicht nur die rasante Ausdehnung der Kirche in den Entwicklungsl\u00e4ndern zu verdanken, sondern auch und ganz besonders <em>der Aufbruch des Eisernen Vorhangs, der Fall der Berliner Mauer und der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus. Diese weltgeschichtlichen Erkenntnisse w\u00e4ren ohne die kluge vatikanische Ostpolitik und ohne die moralische Unterst\u00fctzung der polnischen Arbeiterbewegung nicht m\u00f6glich geworden. So nimmt Johannes Paul II. unter all den so bedeutenden P\u00e4psten dieses Jahrhunderts eine \u00fcberragende Stellung ein<\/em>.<\/p>\n<p><em> Nicht minder hoch mu\u00df man den Kampf von Johannes Paul II. gegen den sittlichen Verfall der modernen Gesellschaft hervorheben. Menschenw\u00fcrde ist f\u00fcr ihn nur zu gewinnen nicht durch Abbau aller moralischen Verpflichtungen des Menschen, sondern &#8211; wie er selbst sagt &#8211; allein &#8222;im Vorrang der Ethik vor der Technik, im Primat der Person \u00fcber die Dinge, in der \u00dcberordnung des Geistes \u00fcber die Materie&#8220;. Wie erb\u00e4rmlich ist dem gegen\u00fcber die k\u00fcmmerliche Kritik so mancher deutschsprachigen Theologieprofessoren an diesem Papst. <\/em><\/p>\n<p>Dr. med. Alfred H\u00e4u\u00dfler, 74172 Neckarsulm<\/p>\n<p><strong>Fakult\u00e4ten <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Bericht &#8222;Fakult\u00e4ten verteidigt&#8220; (DT vom 27. Mai) m\u00f6chte ich Stellung nehmen. Unter der \u00dcberschrift &#8222;Staatstheologen&#8220; hatte Erzbischof Dyba in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5.4.1995 erkl\u00e4rt, hierzulande griffen &#8222;theologische Selbstvermarkter&#8220; Papst und Kirche an. Diese Theologen k\u00e4men ihrem eigentlichen Auftrag, die Lehre der Kirche zu verteidigen, nicht nach. Das ist der Kern des Vorwurfs, um den es in dieser Debatte geht. Er wird in der Erwiderung und in den Erkl\u00e4rungen der Betroffenen wohlweislich nicht thematisiert. Erzbischof Dyba sagt auch im genannten Artikel, da\u00df das Verhalten der gemeinten Theologieprofessoren nur m\u00f6glich sei, weil sie auf den durch Konkordate abgesicherten staatlichen Lehrst\u00fchlen s\u00e4\u00dfen, unabh\u00e4ngig und lebenslang auf hohem Niveau &#8222;alimentiert&#8220;.<\/p>\n<p>Die Diskussion spielt sich auf Nebenkriegsschaupl\u00e4tzen ab. Diskutiert wird etwa die Unentbehrlichkeit eines &#8222;ganzheitlichen Diskurs&#8220; der Wissenschaften, die intensive Auseinandersetzung mit anderen Wissenschaften, der Austausch zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen an den Hochschulen und so fort. Es wird so getan, als ob undurchdringliche &#8222;eiserne Vorh\u00e4nge&#8220; das interdisziplin\u00e4re Gespr\u00e4ch unm\u00f6glich machen w\u00fcrden, wenn das theologische Studium an kirchlichen Fakult\u00e4ten organisiert w\u00e4re. Solchen Einw\u00e4nden h\u00e4lt Dyba zu Recht entgegen, nie und nirgendwo habe es sonst noch &#8222;die Voraussetzungen unserer heimischen Konkordate gegeben&#8220;. Weiter sagte er: &#8222;Die meisten Starttheologen von K\u00fcng bis Lehmann&#8220; h\u00e4tten nicht an staatlichen, sondern an kirchlichen Fakult\u00e4ten ihre Ausbildung erhalten. Es ist an der Zeit, die Diskussion auf den eigentlichen Punkt zur\u00fcckzuf\u00fchren: Wie kann gesichert werden, da\u00df die k\u00fcnftigen Priester oder Laien, die in den Dienst der Kirche treten, in ihrer Ausbildung die Lehre der Kirche erfahren?<\/p>\n<p>Dr. Hubert Gindert, 86196 Kaufering<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p>Nr. 84 &#8211; Samstag\/Sonntag, 8.19. April 1995<\/p>\n<p><strong>Gottgewollte Sache <\/strong><\/p>\n<p>Zum Kommentar &#8222;Frohe Botschaft vom Leben&#8220; von Alfred Sch\u00f6n (SZ vom 31. M\u00e4rz): Ein herzliches &#8222;vegelt&#8217;s Gott&#8220; f\u00fcr diesen Beitrag. Lobenswert seine Denkweise, wie er sich f\u00fcr die gottgewollte Sache &#8211; Erhaltung jeglichen Lebens &#8211; einsetzt, sich damit auf die Seite unseres Heiligen Vaters stellt, auch wenn er dadurch gegen den Strom schwimmt. Wahrhaft, Herr Sch\u00f6n ist f\u00fcr unsere, wie er richtig beschreibt, zerrissene Zeit ein &#8222;Rufer in der W\u00fcste&#8220;. So hat er in meiner Wenigkeit das alte Sprichwort wachgerufen: &#8222;Ein gutes Gewissen, ist (falls noch nicht abgestumpft) ein sanftes Ruhekissen.&#8220;<\/p>\n<p>RENATE KLEIN, Spiesen-Elversberg<\/p>\n<p><strong>S\u00fcnde an der Umwelt <\/strong><\/p>\n<p>Zu den Leserbriefen von Alfred Agne (,,zweifel angesagt&#8220;) und G\u00fcnter Brandt (&#8222;Launen des Wetters&#8220;), SZ vom 1.\/2. April:<\/p>\n<p>In einer Zeit, in welcher die Gletscher in den Alpen und die Eisberge am Nord- und S\u00fcdpol schmelzen, mu\u00df vor einer Verharmlosung der Erderw\u00e4rmung dringend gewarnt werden. Die meisten Wissenschaftler und Klimatologen stellen fest, da\u00df diese Erw\u00e4rmung nicht nat\u00fcrliche Ursachen hat, sondern durch die Menschen herbeigef\u00fchrt worden ist. Solange nicht bewiesen ist, da\u00df diese Klimaver\u00e4nderung nicht doch nat\u00fcrlich ist bzw. es sich nur um eine Klimaschwankung handelt, mu\u00df alles getan werden, um einen weiteren Temperaturanstieg zu verhindern. Hier unt\u00e4tig alles in Kauf zu nehmen, ist S\u00fcnde an der Umwelt und an unserer kommenden Generation.<\/p>\n<p>HANS-RAINER JUNG, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>H<strong>aarstr\u00e4ubend <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Wenn ein Bergmann Altenpfleger wird&#8220; (SZ vom 31. M\u00e4rz): Wer sich im Pflegedienst und besonders in der Geriatrie einigerma\u00dfen auskennt, dem m\u00fcssen sich beim Lesen der beiden Beitr\u00e4ge wieder einmal die Haare str\u00e4uben. Es ist schon schlimm genug, da\u00df die Arbeits\u00e4mter glauben, jeden Langzeitarbeitslosen \u2013 ob Mann oder Frau &#8211; zum Altenpfleger umschulen zu m\u00fcssen. Viel schlimmer ist, da\u00df Leute mit einer unzureichenden Kurzausbildung auf Pflegebed\u00fcrftige losgelassen werden, nicht nur in der station\u00e4ren Geriatrie, sondern in Zukunft vor allem bei privaten Pflegediensten, die l\u00e4ngst das neue Pflegegesetz als lukrative Einnahmequelle ausgemacht haben. Kranke pflegen ist nicht jedermanns Sache, das wird die Nation mit Hilfe des Bl\u00fcm&#8217;schen Unfugs sehr bald und drastisch lernen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>ALOIS BAMBERGER, Kirkel<\/p>\n<p><strong>Wohltuend <\/strong><\/p>\n<p>Zum Kommentar &#8222;Frohe Botschaft vom Leben&#8220; von Alfred Sch\u00f6n (SZ vom 31. M\u00e4rz): Alfred Sch\u00f6n ist f\u00fcr seinen freim\u00fctigen, positiven Kommentar zum neuen Lehrschreiben des Papstes &#8222;Evangelium vitae&#8220; zu danken. Er hebt sich wohltuend ab von so viel atheistischen Stimmen, die ihre Augen vor den Ursachen von so viel unseliger Gewalt in der Welt verschlie\u00dfen. Tagt\u00e4glich berichtet auch die SZ davon. Diese Gewaltt\u00e4tigkeit n\u00e4hrt sich aus denselben Wurzeln wie die Verbrechen von Nationalsozialisten und Kommunisten. Menschliche Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo die Rechte anderer, besonders deren Lebensrecht und menschliche W\u00fcrde verletzt werden. Kein Mensch darf sich anma\u00dfen, \u00fcber den Lebenswert eines anderen zu befinden. Von seiner Zeugung im Mutterscho\u00df bis zum letzten Atemzug ist jeder Mensch eine einmalige, unverwechselbare Person.<\/p>\n<p>Einmal mehr beweist Professor Hans K\u00fcng durch sein abwegiges, vermessenes Urteil \u00fcber das vom Geist der Liebe zu allen Menschen getragene Lehrschreiben des Oberhirten der katholischen Kirche, wie notwendig es war, ihm den kirchlichen Lehrauftrag zu entziehen.<\/p>\n<p>HEIRNICH MOOG, Niederw\u00fcrzbach<\/p>\n<p><strong>Naiv und l\u00e4cherlich <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;L\u00e4nder r\u00fctteln an der Promillegrenze&#8220; (SZ vom 1.\/2. April): Seit Vollendung der deutschen Einheit im Jahre 1990 steht unaufh\u00f6rlich die Forderung nach einer Senkung der Promillegrenze im Raum. Es entsteht der Eindruck, als sei dies das dringendste politische Problem in Deutschland. Eine Vereinigung von naiven Politikern, Medizinern und sogenannten Verkehrsexperten versucht, die derzeitige Promillegrenze von 0,8 f\u00fcr alle Trunkenheitsfahrten auf Deutschlands Stra\u00dfen verantwortlich zu machen. Es ist jedoch l\u00e4cherlich zu glauben, auch nur ein einziges Menschenleben k\u00f6nnte durch eine niedrigere Promillegrenze gerettet werden. Statt dessen w\u00fcrde eine konsequente \u00dcberwachung der bestehenden O,8-Promille-Grenze weitaus mehr bringen, da statistisch erwiesen ist, da\u00df \u00fcber 90 % der alkoholbedingten Verkehrsunf\u00e4lle auf fahrende Trinker zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, deren Promillegehalt in der Regel weit \u00fcber 1,0 liegt. Es bleibt zu hoffen, da\u00df der Deutsche Bundestag erneut die \u00fcberfl\u00fcssige Absenkung der Promillegrenze verhindert, denn eine solche Gesetzesversch\u00e4rfung w\u00fcrde zur Kriminalisierung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten f\u00fchren, die in jahrhundertealter Tradition eine Ma\u00df Bier oder einen Schoppen Wein zum Essen trinken.<\/p>\n<p>PETER HOFFMANN jun., Biringen<\/p>\n<p><strong><em>Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Leben <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Papst bezeichnet Abtreibung als &#8222;Kultur des Todes&#8220; (SZ vom 31. M\u00e4rz): Ein gesundes Ma\u00df an Skepsis sowie an kritischem Bewu\u00dftsein sind in der Regel hilfreiche Begleiter, wenn der Papst sich anschickt, Rundschreiben zu verbreiten, die sich mit Fragen kirchlicher Moral und Sittenlehre auseinandersetzen. Jedoch bei aller prinzipiell gebotenen Skepsis gegen\u00fcber kirchlichen Lehrmeinungen zur Sexualmoral hat die jetzt ver\u00f6ffentlichte neue Moralenzyklika des Papstes (Evangelium vitae) eine differenzierte Betrachtungsweise verdient. Eine intensive und vor allem faire Analyse dieses Lehrschreibens l\u00e4\u00dft schnell die Kernthese des kirchlichen Oberhauptes aufleuchten. Sie besteht in einem unmi\u00dfverst\u00e4ndlichen, geradezu leidenschaftlichen Pl\u00e4doyer f\u00fcr das menschliche Leben schlechthin. Wenn man sich unsere zerrissene Welt vor Augen f\u00fchrt, so erkennt man unschwer, da\u00df das menschliche Leben im allgemeinen und die W\u00fcrde menschlichen Daseins im besonderen in einer Weise angetastet sind, die geradezu einen Aufschrei provozieren.<\/p>\n<p>Tadeln lassen mu\u00df sich das Kirchenoberhaupt allerdings insofern, als es nicht davon abl\u00e4\u00dft, die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung als S\u00fcnde zu gei\u00dfeln. In dieser Frage sollte diese Verbissenheit mehr zugunsten einer g\u00f6ttlichen Heiterkeit und Gelassenheit weichen, hie\u00dfe dies doch, sich endlich vertrauensvoll darauf einzulassen, da\u00df <em>m\u00fcndige Christen<\/em> durchaus dazu in der Lage sind, als Ergebnis einer pers\u00f6nlichen Gewissensentscheidung die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung zu bejahen.<\/p>\n<p>RUDI WAGNER, FriedrichsthaI<\/p>\n<p><strong>Weidmannsheil! <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel ,,J\u00e4ger erlegten Wolf auf der Schafskoppel&#8220; (SZ vom 4. April): Seit Werner Freund und andere Forscher eindeutig bewiesen haben, da\u00df der gro\u00dfe, b\u00f6se Wolf aus &#8222;Rotk\u00e4ppchen&#8220; wirklich nur ein M\u00e4rchen ist, d\u00fcrfte wohl auch der Letzte auf dem Lande wissen, da\u00df ein Wolf selbst in unseren W\u00e4ldern keine Gefahr f\u00fcr Menschen bedeutet. Schade, da\u00df das Tier sich ausgerechnet die Eifel als Heimat ausgesucht hatte. Es gab im Grunde absolut keinen Grund, dem Tier den Garaus zu machen. Wieder ein Beweis mehr, wie unsere Natur trotz Aufkl\u00e4rung immer noch eifrig mit F\u00fc\u00dfen getreten wird. Zu bemerken w\u00e4re noch, da\u00df das Tier von genau denen erlegt wurde, die es eigentlich aufgrund ihrer Jagdpr\u00fcfung besser wissen m\u00fc\u00dften, aber hier scheint wohl der Konkurrenzgedanke hinsichtlich der wenigen zu jagenden Hasen vorrangig gewesen zu sein. Weidmannsheil! f\u00fcr alle an der Jagd Beteiligten.<\/p>\n<p>HELMUT GRAF, St Ingbert<\/p>\n<p>&lt;DT&gt;<\/p>\n<p>Donnerstag, 16. Februar 1995<\/p>\n<p><strong>Der Triumph der Barmherzigkeit Gottes <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Predigt von Bischof Reinelt in der Kathedrale von Dresden zum f\u00fcnfzigsten Jahrestag der Zerst\u00f6rung der Stadt <\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Pontifikalgottesdienst in der Dresdner Hofkirche sind am vergangenen Sonntag die Feierlichkeiten zur Zerst\u00f6rung der Stadt am 13.\/14. Februar 1945 er\u00f6ffnet worden. Der Bischof von Dresden-Mei\u00dfen, Reinelt, hat in seiner Predigt dazu aufgefordert, an Orten des Hasses und der Zerissenheit zu Friedenstiftern zu werden. Im folgenden geben wir die Predigt im Wortlaut wieder.<\/p>\n<p>Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>vor f\u00fcnfzig Jahren brannte Dresden. Gerhard Hauptmann hat die Zerst\u00f6rungsnacht mit durchlitten und gesagt: &#8222;Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.&#8220; Er schlie\u00dft seine Klage mit den Worten: &#8222;Ich stehe mit einer Bitte vor Gott, er m\u00f6ge die Menschen mehr l\u00e4utern und kl\u00e4ren zu ihrem Heil.&#8220;<\/p>\n<p>Ja, der Dichter hat recht. Tr\u00e4nen. Das ist hier zu wenig. L\u00e4uterung und Kl\u00e4rung m\u00fcssen sein. Klarstellung der Ursachen und lauterer Neubeginn, das ist noch nach f\u00fcnfzig Jahren n\u00f6tig. Den \u00dcbeln mu\u00df man auf den Grund gehen, damit die neuen Fundamente nicht auf Sand gebaut werden.<\/p>\n<p>Aus welchen scheu\u00dflichen Wurzeln erw\u00e4chst der Ungeist der Tyrannis eines Nero, Hitler, Stalin? Waren sie blo\u00df Opfer eines philosophischen Irrtums? Waren blo\u00df ihre Systeme untauglich? Das auch. Aber die F\u00e4ulnis reicht weit tiefer. Politischer Fanatismus verband sich mit der Sucht nach dem ersten Platz. Selbst Gott mu\u00dfte weichen, damit der Tyrann niemandem mehr verpflichtet war, als sich selbst und seiner eigenen Wahnidee.<\/p>\n<p><em>Allerdings kam den Gewaltherrschern des zwanzigsten Jahrhunderts die aufgekl\u00e4rte Botschaft vom &#8222;toten Gott&#8220; sehr entgegen<\/em>. Da hatten sie ihre Best\u00e4tigung aus den Reihen der deutschen Intelligenz. Und dieser atheistische Fundamentalismus existiert noch immer und ist eine bleibende V ersuchung auf den Thron Gottes einen Herrschw\u00fctigen zu setzen. <em>Wo immer in der Welt einer nicht mehr wei\u00df, da\u00df er h\u00f6chstens der Zweite ist, da ist bald der Teufel los<\/em>. Steht die Welt aber erst einmal in Flammen, verlieren selbst die Vern\u00fcnftigen das Gleichgewicht. So mu\u00dfte Dresden sterben. Demokratischer Entscheid. Feuersturm. H\u00f6lle. Unz\u00e4hlbar viele Tote. Verbrannte Frauen und Kinder und Greise.<\/p>\n<p>Ich habe damals als Kind das W\u00fcten des Feuers von weitem gesehen. Das war schon genug. Welche Bilder des Grauens aber haben sich in die Seelen derer gegraben, die mitten im Inferno waren: Hier in Dresden und in Coventry, in Monte Cassino und in Stalingrad, und dann in Auschwitz und in Buchenwald und sp\u00e4ter in Bautzen. Europa, reicht&#8217;s dir eigentlich immer noch nicht? Was ist denn noch n\u00f6tig, da\u00df du endlich bereit bist zu Kl\u00e4rung und L\u00e4uterung?<\/p>\n<p>Eine Klarheit m\u00fc\u00dfte uns doch nun endlich gekommen sein: Macht, die sich auf sich selbst begr\u00fcndet, ist kreuzgef\u00e4hrlich. Nicht einmal das Volk kann die oberste, die allererste Instanz sein. V\u00f6lker, die sich keinem Gott verantworten, werden leicht zur t\u00f6dlichen Gefahr f\u00fcr die Nachbarn. Selbst gl\u00e4ubige V\u00f6lker, die aber vergessen haben, da\u00df Gott ein Gott des Friedens und nicht des Hasses ist, sind gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Auch eine zweite Kl\u00e4rung mu\u00df uns doch die Geschichte der j\u00fcngsten Gewaltregime gebracht haben: <em>Wer Gott get\u00f6tet hat, tut sich erschreckend leicht mit dem T\u00f6ten von Menschen. Die prinzipielle Unantastbarkeit menschlichen Lebens l\u00e4\u00dft sich am weisesten in der unendlichen Liebe des Sch\u00f6pfers zu seinem Gesch\u00f6pf begr\u00fcnden<\/em>. Wo sich einer in den g\u00fctigen H\u00e4nden Gottes wunderbar geborgen wei\u00df, ist er am ehesten f\u00e4hig, Sch\u00fctzender zu sein. &#8222;Selig, die keine Gewalt anwenden.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Lobpreis wird nicht erst im Kriegsfall oder bei einer friedlichen Revolution aktuell, diese Seligpreisung gilt t\u00e4glich und jedem Menschen gegen\u00fcber, ungeboren oder todkrank, Ausl\u00e4nder oder behindert. Wer da irgend wo eine selbstgef\u00e4llige Auswahl trifft, schon wieder minderwertiges von h\u00f6herem Menschsein unterscheidet, erhebt sich selbst zum Herrn der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Solche Selbst\u00fcberheblichkeit macht Angst. Zu keinem Ziel und aus keinem Grund hat der Mensch das Recht, gegen\u00fcber einem Menschen Gewalt anzuwenden, es sei denn, um eben Menschenleben zu sch\u00fctzen. Wer sich Gott zum Rivalen macht, wird eben bald auch zum Rivalen seines Bruders. Nicht zuf\u00e4llig folgt im Buche Genesis auf die S\u00fcndenfall-Geschichte der Brudermord des Kain.<\/p>\n<p>Es geht uns aber nicht nur um Klarstellungen. Die L\u00e4uterung, die Reinigung der Seele greift tiefer. Die Frage ist: Wie wird aus Kain der &#8222;Barmherzige Samariter&#8220;? Das geht allein durch den, der die Selbsterhebung des Menschen umkehrte zur Selbsterniedrigung Gottes. &#8222;Er hielt sein Gottsein nicht fest, sondern ent\u00e4u\u00dferte sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde wie ein Sklave&#8220; &#8211; Gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz.<\/p>\n<p>In Ihm, an dem der Brudermord auf die Spitze getrieben wurde, ward ein Neubeginn: &#8222;Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich.&#8220; Der alles aus menschlichem Stolz erwachsene Zerst\u00f6ren und Bek\u00e4mpfen in seiner Gottverlassenheit am Kreuz durchlitten hat, aus Liebe zu uns. Er gibt uns Anteil am Urfrieden des Menschensohnes im himmlischen Vater.<\/p>\n<p>Dieser g\u00f6ttliche Friede will durch uns hineingetragen sein in alle Bereiche dieser Welt. Wie geschieht das? Selbstverst\u00e4ndlich nicht durch R\u00fcckzug in selbst umschriebene private Ruhezonen, sondern durch mutige Auslieferung an die Orte der Zerrissenheit und des Hasses. Das bringt Verfolgung und Beschimpfung ein. Aber nur so k\u00f6nnen wir Friedensstifter, S\u00f6hne Gottes hei\u00dfen. Wer die Zwiste auf sich beruhen l\u00e4\u00dft, weil sie doch nicht zu \u00e4ndern seien, wird dem rettenden Gekreuzigten untreu. Flucht vor den Lasten und Kreuzen hilft Feindschaften zu zementieren. Da wird kein Friede.<\/p>\n<p>Hier gibt es un\u00fcbersehbare Relationen zwischen Glaube und Politik. Nichteinmischung w\u00e4re, so gesehen, ein Unwort politischen Verhaltens. Wie gut, da\u00df 1989\/90 nicht jene das Sagen hatten, die sich an der hei\u00dfen Stelle nicht die Finger verbrennen wollten. Wir h\u00e4tten heute h\u00f6chstwahrscheinlich einen faulen Scheinfrieden, aber keine Freiheit. Ja, auch heute bleibt die Versuchung, den unter die R\u00e4uber Gefallenen sich selbst zu \u00fcberlassen, statt sich zu beugen und aufzurichten und zu versorgen. Ja, N\u00e4chstenliebe l\u00e4utert, reinigt.<\/p>\n<p>L\u00e4uterung hat doch aber auch vor allem mit S\u00fcnde zu tun. Friedensstifter brauchen zuerst Frieden mit sich selbst. Deshalb ist S\u00fcnde aufzudecken, damit der Mensch friedensf\u00e4hig werde. S\u00fcnde verdr\u00e4ngen, hei\u00dft Aggressionen aufbauen. Deshalb wird es einmal als gr\u00f6\u00dfte Dummheit zu beurteilen sein, den Menschen S\u00fcnde und Versagen auszureden, wie es zur Unkultur unserer Tage geworden ist. Wer nichts mehr zu bereuen hat, lebt in der totalen L\u00fcge. Wer ehrlich ist, wei\u00df, da\u00df er auf Barmherzigkeit angewiesen ist.<\/p>\n<p>Der Friedenspapst Johannes XXIII. hat einmal gesagt: &#8222;Der innere Friede ruht auf dem Triumph der Barmherzigkeit Gottes.&#8220; Das ist nicht geistiger Waffenstillstand, sondern mutiges Ja zur eigenen Schw\u00e4che. Der gel\u00e4uterte S\u00fcnder wei\u00df, da\u00df Gottes Barmherzigkeit unendlich gr\u00f6\u00dfer ist als unsere Schuld. Er lebt im Frieden. Der Stolze, der seine S\u00fcnde negiert, f\u00fcr den es h\u00f6chstens Kavaliersdelikte gibt, ist ein Risiko f\u00fcr friedliches Miteinander. Wer kein Erbarmen braucht, wird selber bald erbarmungslos. Da sind wir dann wieder bei den Hitler und Stalin. La\u00dft uns eine barmherzige Gesellschaft aufbauen, denn wir werden auch in Zukunft einander viel zu vergeben haben. <em>Die absolute Korrektheit bleibt f\u00fcr die Menschen unerreichbar. Aber nicht diese Erb\u00e4rmlichkeit wird uns spalten und trennen, sondern die \u00dcberheblichkeit des scheinbar Besseren. <\/em><\/p>\n<p><em> Wenn es eine wahre Gr\u00f6\u00dfe in uns gibt, dann durch die barmherzige Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Christus, der zwischen uns leben will als der, der unser Friede ist. Amen. <\/em><\/p>\n<p>Dienstag, 28. M\u00e4rz 1995 \u00a0R\u00f6mische Warte\u00a0\u00a0\u00a0 Deutsche Tagespost Nr. 37 \/ Seite 5<\/p>\n<p><strong>Undurchsichtige Aff\u00e4re <\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit Jahren zieht der Fall der Emanuela Orlandi seine Kreise <\/strong><\/p>\n<p>VATIKANSTADT (DT). Wird der Papst erpre\u00dft? Gibt es m\u00e4chtige Organisationen auf der Welt, die Johannes Paul II. f\u00fcrchten, weil er das politische Gleichgewicht zwischen Ost und West ver\u00e4ndert hat? Solche Fragen tauchten vergangene Woche auf, im Zusammenhang mit dem geheimnisumwitterten &#8222;Fall Orlandi&#8220;.<\/p>\n<p>Zur Vorgeschichte: Das f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige M\u00e4dchen Emanuela Orlandi, Tochter eines Vatikanangestellten, verschwand vor zw\u00f6lf Jahren am 22. Juni 1983 im Nichts. Wie gew\u00f6hnlich war sie an diesem Tag zum Fl\u00f6tenunterricht gegangen. Danach hatte sie noch mit ihrer Familie telefoniert und erz\u00e4hlt, jemand habe ihr einen lukrativen Job angeboten. Sie sollte einen Tag lang Werbeprospekte f\u00fcr eine Kosmetikfirma verteilen und daf\u00fcr umgerechnet mehr als vierhundert Mark verdienen. Das war der letzte Kontakt, den die Eltern mit ihrer Tochter hatten. Emanuela kam nicht mehr nach Hause.<\/p>\n<p>Da\u00df sie den Eltern weggelaufen war, wurde gleich als Hypothese ausgeschlossen. Einige Tage nach dem mysteri\u00f6sen Verschwinden meldeten sich dann Erpresser und forderten, den Papstattent\u00e4ter Ali Agca im Austausch gegen das M\u00e4dchen freizulassen. Auch andere Gruppen versuchten, die Geschichte zu ihren Gunsten auszunutzen. Ein Lebenszeichen Emanuelas gab es allerdings nie, weder ein Foto mit Tageszeitung, noch Telefonate, aus denen klar hervorging, die F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige lebe noch. Viele schlossen sich schlie\u00dflich der Meinung an, das M\u00e4dchen sei gleich nach der Entf\u00fchrung ermordet worden.<\/p>\n<p>Die italienische Tageszeitung ,,Il Messaggero&#8220; hat den Fall jetzt wieder aufgew\u00e4rmt. Der Priester Tonino Intiso, Leiter der Caritas in der s\u00fcditalienischen Stadt Foggia, hatte in einem Interview mit der Zeitung erkl\u00e4rt, es gebe Verhandlungen zwischen dem Vatikan und den Entf\u00fchrern des M\u00e4dchens, einer Organisation von Kriminellen. Emanuela Orlandi lebe unter falschem Namen in einem Ort in S\u00fcditalien und habe ein Kind im Alter von f\u00fcnf Jahren. Am gleichen Abend noch wurden Intiso sowie der mit ihm befreundete Anwalt Matteo Storace von der Polizei verhaftet. Ein Dritter, der Vorbestrafte Francesco Pio Sbrocchi, wird noch gesucht.<\/p>\n<p><em>Der Vorwurf der Ermittler lautet: Intiso selbst habe gemeinsam mit Storace und Sbrocchi versucht, den Vatikan zu erpressen: In den Verhandlungen seien vierzig Milliarden Lire &#8211; umgerechnet etwa achtundvierzig Millionen Mark &#8211; gefordert worden, sowie die Absetzung von zwei Bisch\u00f6fen &#8211; darunter der Bischof von Foggia &#8211; und die Einstellung von hundert Angestellten bei einigen Geldinstituten. &#8222;Don Tonino ist in eine Falle geraten&#8220;, kommentierte der Bischof von Foggia, Giuseppe Casale, die Verhaftung des Priesters. &#8222;Er hat nur versucht, den Kontakt herzustellen &#8211; wovon ich ihm zwar abgeraten hatte -, um die Befreiung des M\u00e4dchens zu erreichen.\u201c Auch die Gl\u00e4ubigen der Gemeinde sind von der Unschuld ihres Pfarrers \u00fcberzeugt. Hunderte haben sich solidarisch mit ihm erkl\u00e4rt und sich heftig gegen die Vorw\u00fcrfe ihm gegen\u00fcber gewehrt. Intiso ist in Foggia f\u00fcr sein soziales Engagement und f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Schwachen der Gesellschaft bekannt.<\/em><\/p>\n<p>Mit dieser neuen Geschichte wurde eine andere Variante \u00fcber das Verschwinden von Emanuela Orlandi ebenfalls noch einmal hervorgezogen. Der T\u00fcrke Oral Celik, der in das Papstattentat im Mai 1981 verwickelt gewesen sein soll, hatte im September 1994 vor Untersuchungsrichtern erkl\u00e4rt, das M\u00e4dchen habe aus freiem Willen den Vatikanstaat verlassen, da sie ein Verh\u00e4ltnis mit einem geistlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger gehabt habe. Zun\u00e4chst habe sie in einer Wohnung und anschlie\u00dfend in einem Kloster in Rom gewohnt, wo die Beziehung fortgef\u00fchrt worden sei. Schlie\u00dflich sei sie als Ordensschwester verkleidet nach Kolumbien geschickt worden. Dort habe sie zwei Kinder: eines von besagtem Geistlichen aus dem Vatikan, ein zweites von ihrem jetzigen Lebensgef\u00e4hrten, der mit dem Papstattentat in Verbindung stehen solle. Die beiden Kinder h\u00e4tten angeblich auch die Gro\u00dfeltern im Vatikan besucht. Celik erz\u00e4hlte den Richtern au\u00dferdem, im Vatikan gebe es ein Konto f\u00fcr Ali Agca. Er behauptete, diese Informationen von einer &#8222;sehr wichtigen Person&#8220; zu haben.<\/p>\n<p>Und weitere Varianten tauchten auf. Ebenfalls in einem Interview mit dem &#8222;Messaggero&#8220; hat ein ehemaliger Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes behauptet, das Verschwinden von Emanuela Orlandi und das Attentat auf den Papst geh\u00f6rten auf jeden Fall zusammen. Das Sch\u00fcsse Ali Agcas seien nur eine Drohung gewesen. Agca habe Johannes Paul II. verletzen, aber nicht t\u00f6ten wollen. Die Entf\u00fchrung des M\u00e4dchens nach zwei Jahren sei ein weiteres Zeichen gewesen. Der Papst habe sich unter anderem mit der Unterst\u00fctzung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc als unbequem erwiesen.<\/p>\n<p>Mit diesen Zeichen habe man ihm die Botschaft schicken wollen, sich aus der Politik herauszuhalten. Da\u00df der &#8222;Fall Orlandi&#8220; jetzt wieder aufgerollt werde, sei ebenfalls als ein solches Zeichen zu werten &#8211; zumal in einer Zeit, in der bereits \u00fcber m\u00f6gliche Nachfolger des jetzigen Papstes spekuliert werde. CR.<\/p>\n<p><strong>Vor dem \u00dcbergang ins dritte Jahrtausend <\/strong><\/p>\n<p>Generalkongregation der Gesellschaft Jesu im Vatikan \/ Von Claudia Reim\u00fcller<\/p>\n<p>Vatikanstadt, 27. M\u00e4rz<\/p>\n<p>Viel Aufregendes hatte kaum jemand zum Abschlu\u00df der 34. Generalkongregation der Jesuiten in Rom erwartet, die am 5. Januar begonnen hatte und in der vergangenen Woche zu Ende ging. Eine kleine \u00dcberraschung gab es dann doch: Zum ersten Mal hat ein M\u00e4nnerorden ein Dokument \u00fcber die Rolle der Frau in Kirche und Welt vorgelegt. Darin wird auf die Diskriminierung der Frauen hingewiesen und Solidarit\u00e4t mit ihnen gefordert.<\/p>\n<p>Doch nicht nur \u00fcber Frauen hat die Generalkongregation ein Schriftst\u00fcck erarbeitet. Insgesamt wurden zwanzig kurze Dokumente in einem Gesamtumfang von etwa zweihundert Seiten erstellt. Die Generalkongregation hatte sich vorgenommen, die Mission der Gesellschaft Jesu im Hinblick auf die Neuevangelisierung an der Schwelle zum dritten Jahrtausend vorzubereiten. Der Generalsekret\u00e4r der Jesuiten, Pater Kolvenbach, erkl\u00e4rte vor Journalisten: &#8222;In all unseren zahlreichen Aufgaben mu\u00df unsere Mission deutlicher werden, manchmal mutiger und unternehmender. <em>Mehr Kraft und mehr H\u00e4rte &#8211; mehr ,ja&#8216; und weniger ,ja. aber<\/em>&#8220; &#8211; sind unerl\u00e4\u00dflich, um der T\u00e4tigkeit der Gesellschaft den apostolischen Elan zu verleihen, zu dem der Heilige Vater uns in diesen Jahren der Vorbereitung auf das Jubeljahr aufruft.&#8220;<\/p>\n<p>Dabei wurde das soziale Engagement als zur Verk\u00fcndigung des Evangeliums geh\u00f6rend best\u00e4tigt: F\u00f6rderung der Gerechtigkeit, Verteidigung der Menschenrechte sowie der Einsatz f\u00fcr Frieden und Umwelt. Das Augenmerk des Ordens sei auf die Bek\u00e4mpfung der S\u00fcnden der Gesellschaft von heute gerichtet: Armut, Analphabetismus und Fl\u00fcchtlingsnot.<\/p>\n<p>F\u00fcr die verschiedenen Kontinente ergeben sich dabei verschiedene Schwerpunkte f\u00fcr die Jesuiten. In Afrika beispielsweise stelle sich die Frage, wie man einen authentisch afrikanischen Glauben entwickeln k\u00f6nne. Lateinamerika leide unter gro\u00dfen sozialen Unterschieden, der Osten unter der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, Europa unter S\u00e4kularisationserscheinungen. In Asien m\u00fcsse etwas gegen die gro\u00dfe Armut unternommen werden. Hier ergebe sich au\u00dferdem die Schwierigkeit, mit anderen Religionen in Dialog zu treten. Den Dialog zu f\u00f6rdern, sowohl den \u00f6kumenischen als auch zwischen den verschiedenen Religionen, hat sich der Orden ebenfalls zu einem wichtigen Ziel gesetzt.<\/p>\n<p>Die Beratungen der 223 Delegierten aus aller Welt &#8211; etwa ein Prozent des gesamten Ordens, der derzeit etwa dreiundzwanzigtausend Mitglieder z\u00e4hlt &#8211; konnten nicht in einer gemeinsamen Sprache gef\u00fchrt werden. Etwa die H\u00e4lfte der Anwesenden sprach englisch, ein gro\u00dfer Teil spanisch oder franz\u00f6sisch. Beeindruckend war der gro\u00dfe Teil der Nichteurop\u00e4er bei der diesj\u00e4hrigen Generalkongregation, entsprechend gro\u00df waren auch die kulturellen Unterschiede.<\/p>\n<p>Einen Schwerpunkt bildete bei den Beratungen auch die Zusammenarbeit mit den Laien, die in der Kirche eine zunehmend wichtige Rolle einnehmen. Es wurde \u00fcberlegt, wie man die Kooperation mit ihnen verbessern kann und inwieweit Laien auch in Leitungsfunktionen von Einrichtungen des Ordens vertreten sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In dem Dokument gegen die Frauen, das auf Anregung eines irischen Mitbruders er stellt wurde, werden Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen &#8211; beispielsweise Sextourismus &#8211; beklagt. Auch die Ermordung unerw\u00fcnschter weiblicher Neugeborener in einigen L\u00e4ndern prangen das Papier an. Zudem bek\u00e4men Frauen immer noch h\u00e4ufig weniger Lohn als M\u00e4nner f\u00fcr die gleiche Arbeit, ihr Aufstieg in einflu\u00dfreiche Positionen in Politik oder Gesellschaft sei begrenzt, hei\u00dft es weiter. Die Frauen selbst h\u00e4tten zwar bereits viel daf\u00fcr getan, auf ihre Lage aufmerksam zu machen und auch schon einen \u00c4nderungsproze\u00df in Gang gesetzt. Es sei jedoch immer noch nicht allen M\u00e4nnern klar, da\u00df sie die volle Menschheit der Frauen anerkennen m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>In einem Entwurf der Erkl\u00e4rung hei\u00dft es: &#8222;Wir Jesuiten bitten Gott zun\u00e4chst um die Gnade der Umkehr. Wir waren Teil einer b\u00fcrgerlichen und kirchlichen Tradition, die sich gegen Frauen vers\u00fcndigt hat. Und wir tendieren wie viele M\u00e4nner dazu, uns davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df es da kein Problem gibt. Wenn auch unabsichtlich, waren wir h\u00e4ufig mitschuldig an einer Form von Klerikalismus, die m\u00e4nnliche Vorherrschaft mit einer angeblich g\u00f6ttlichen Sanktion verst\u00e4rkt hat. Mit dieser Erkl\u00e4rung wollen wir pers\u00f6nlich und gemeinsam reagieren und tun was wir k\u00f6nnen, um diese bedauernswerte Situation zu \u00e4ndern. (\u00dcbersetzung der Redaktion aus dem Englischen)&#8220;<\/p>\n<p>Bei dem Schuldbekenntnis bleibt es jedoch nicht. Es soll vielmehr alles getan werden, die Einsicht gleich in die Praxis umzusetzen. Zun\u00e4chst hei\u00dft es, sind alle Jesuiten dazu aufgefordert, den Erfahrungen der Frauen aufmerksam zuzuh\u00f6ren und sie so besser zu verstehen. Zum zweiten werden sie dazu aufgerufen, sich mit den Frauen solidarisch zu zeigen. In Schulen und Universit\u00e4ten soll die wesentliche Gleichheit von Frauen und M\u00e4nnern ausdr\u00fccklich gelehrt werden, Jungen und M\u00e4dchen sei in der Ausbildung Chancengleichheit zu gew\u00e4hren. Bewegungen von Frauen, die sich gegen ihre Ausbeutung zur Wehr setzen, sollen unterst\u00fctzt, ihr Eintritt in das politische und soziale Leben ermutigt werden. Besonders m\u00fcsse der Gewalt gegen Frauen Einhalt geboten werden.<\/p>\n<p>Wie ein vatikanisches Vorbereitungsdokument zur Weltfrauenkonferenz in Peking im September dieses Jahres fordern auch die Jesuiten, nicht nur die Rolle der Frau innerhalb der Familie zu st\u00e4rken, sondern auch ihr Engagement in der Kirche und im \u00f6ffentlichen Leben zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>RM<\/p>\n<p>NUMMER 46 &#8211; 18. NOVEMBERJ994<\/p>\n<p><strong>Die Herausgeber zu Fragen der Zeit <\/strong><\/p>\n<p><strong>Was der Zeitzeuge Heym verschwieg <\/strong><\/p>\n<p>Von OTTO B. ROEGELE<\/p>\n<p>Froh und gl\u00fccklich&#8220; sei sie, sagte Rita S\u00fcssmuth nach der konstituierenden Sitzung des 13. Deutschen Bundestages in das Mikrophon des Fernsehreporters, weil &#8222;das Parlament heute einen so w\u00fcrdigen Verlauf genommen&#8220; habe. Das sprachliche Stolpern, das der sonst so wortgewandten Pr\u00e4sidentin dabei unterlief, spricht f\u00fcr sie, l\u00e4\u00dft es doch erkennen, wie unbehaglich ihr bei dieser Aussage war. Denn in Wirklichkeit hat diese erste Sitzung des neuen Bundestages durchaus nicht Anla\u00df zu Freude und Gl\u00fcck geboten, sondern durch ihren &#8222;Verlauf&#8220; (wenn man das schon so bezeichnen will) schlimme Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt und schlimmere geweckt. Da\u00df dieser &#8222;Verlauf&#8220; nun sch\u00f6ngeredet werden soll, zeigt blo\u00df, da\u00df man noch \u00c4rgeres bef\u00fcrchtet hat.<\/p>\n<p>Hat man etwa erwartet, da\u00df der alte Egomane Stefan Heym mit einer R\u00fcpelszene oder mit Beleidigungen aufwarten werde? Er ist ja doch schlau genug zu wissen, da\u00df seine besten Chancen anderswo liegen, und er hat sie genutzt. Erfolgreich, wie die aufatmende Reaktion von Rita S\u00fcssmuth zeigte. Heyms Chance war die Auswahl, die er treffen konnte, weil er gespannter Aufmerksamkeit sicher war und weder Fragen noch Widerspruch, weder Erg\u00e4nzungen noch Korrekturen zu f\u00fcrchten brauchte.<\/p>\n<p>Unger\u00fcgt konnte er den Namen von Clara Zetkin beschw\u00f6ren, der Alterspr\u00e4sidentin im Deutschen Reichstag am 30. August 1932 den Namen von Clara Zetkin beschw\u00f6ren, und sie ohne Einschr\u00e4nkung als &#8222;hochherzige Frau&#8220; r\u00fchmen. Nichts von ihrer Brandrede gegen die um ihre Existenz ringende Republik, nichts von ihrer Polemik gegen die &#8222;reformistische Sozialdemokratie&#8220;, nichts von ihrem Aufruf zur &#8222;au\u00dferparlamentarischen Machtentfaltung des proletarischen Volkes&#8220;, nichts von ihrer Hoffnung, &#8222;das Gl\u00fcck zu erleben, als Alterspr\u00e4sidentin den ersten R\u00e4tekongre\u00df Sowjetdeutschlands zu er\u00f6ffnen&#8220;. Schon von der Todeskrankheit gezeichnet, war die 75j\u00e4hrige aus ihrem Moskauer Krankenhaus eigens angereist, um mit br\u00fcchiger Stimme der Weimarer Republik den Untergang zu verk\u00fcnden. Sie erlebte ihn noch, zuvor den gro\u00dfen Berliner Verkehrsstreik und darin &#8222;die Einheitsfront aller Werkt\u00e4tigen&#8220;, aber nicht, &#8222;um den Faschismus zur\u00fcckzuwerfen&#8220;, wie sie verlangt hatte, sondern NSDAP und KPD Arm in Arm &#8230;<\/p>\n<p>Mit der Berufung auf die &#8222;hochherzige&#8220; Vorg\u00e4ngerin im Amt hat der &#8222;Zeitzeuge&#8220; Stefan Heym weit weniger als die halbe Wahrheit gesagt. Er hat damit jedoch die Methode blo\u00dfgelegt, mit der er sein gef\u00e4lschtes Bild der Geschichte unter die Leute bringt. Die einfachen Fakten, die er nicht wei\u00df, wiegen nicht einmal so schwer. Da\u00df Hitler nicht vom Reichstag &#8222;ernannt&#8220; wurde, sondern von Reichspr\u00e4sident Hindenburg, l\u00e4\u00dft sich richtigstellen. Der banale Irrtum ist freilich aufschlu\u00dfreich f\u00fcr Heym und sein schwaches Verh\u00e4ltnis zur Verfassung der Weimarer Republik.<\/p>\n<p>Die Methode der nicht einmal halben Wahrheiten setzt sich in Heyms Rede fort, und dabei kommt jene Szenerie zutage, die auch die Propaganda der PDS und der ihr zugewandten oder verhafteten &#8222;Eliten&#8220; des Honecker-Regimes erf\u00fcllt. Das h\u00f6rt sich zum Beispiel so an:<\/p>\n<p>&#8222;Gibt es nicht auch Erfahrungen aus dem Leben der fr\u00fcheren DDR, die f\u00fcr die gemeinsame Zukunft Deutschlands zu \u00fcbernehmen sich gleichfalls lohnte? Der gesicherte Arbeitsplatz vielleicht? Die gesicherte berufliche Laufbahn? Das gesicherte Dach \u00fcber dem Kopf?&#8220;<\/p>\n<p>Das trifft genau die Legende vom bescheidenen, friedlichen, menschenfreundlichen Leben, das die sechzehn Millionen unter dem milde-besorgten Regiment der Sozialistischen Einheitspartei und, im Schutze der Nationalen Volksarmee leben durften, ehe sie, freilich nicht ohne eigenes Zutun, dem rauhen Zugwind der kapitalistischen, konsumistischen, materialistischen Welt ausgeliefert wurden, in der nach Heym &#8211; &#8222;der wichtigste K\u00f6rperteil der Ellbogen&#8220; ist.<\/p>\n<p>Die Legende setzt sich weiter fest, wenn ihr nicht energisch widersprochen wird, wenn die gro\u00dfen Tatsachen, die sie widerlegen, nicht zu Bewu\u00dftsein gebracht werden. Das ist von dem Zeitzeugen Heym offensichtlich nicht zu erwarten, obgleich er die Tatsachen kennen m\u00fc\u00dfte, wie er das Leben und Agitieren der Clara Zetkin kennen m\u00fc\u00dfte. Was sein Bild st\u00f6rt, l\u00e4\u00dft er weg.<\/p>\n<p>Der Widerspruch mu\u00df von anderer Seite kommen. Von denen, die heute daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, da\u00df die Alt- und Erblasten der maroden Staatswirtschaft abger\u00e4umt werden, da\u00df echte Arbeitspl\u00e4tze entstehen, an denen produktiv gearbeitet werden kann, da\u00df die &#8222;Arbeiterschlie\u00dff\u00e4cher&#8220; in asbesttr\u00e4chtigen Plattenbauten durch menschenw\u00fcrdige Wohnungen abgel\u00f6st werden, da\u00df nicht nur die verdienten Mitarbeiter des Staats-, Partei- und \u00dcberwachungsapparats das &#8222;Dach \u00fcber dem Kopf\u201c behalten und ihre &#8222;gesicherte berufliche Laufbahn&#8220; genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Wort Wahrheit kam in Heyms Rede nicht vor. Aber es ist das Schl\u00fcsselwort f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit, auch f\u00fcr die innere Einheit der \u00e4u\u00dferlich vereinigten Deutschen und f\u00fcr die n\u00f6tige Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht. Das hat auch Stefan Heym vor kurzem noch gewu\u00dft. Seit einiger Zeit pl\u00e4diert er allerdings f\u00fcr die Schlie\u00dfung der Akten, die den Verstrickungen in den \u00dcberwachungsapparat zu tun haben. Ist er inzwischen seiner eigenen Akte zu nahe gekommen? H\u00e4lt er Wahrheit \u00fcberhaupt f\u00fcr gef\u00e4hrlich, weil sie seine Legende widerlegt?<\/p>\n<p>Nein, damit, da\u00df &#8222;dieses Parlament einen w\u00fcrdigen Verlauf genommen&#8220; hat, kann man sich nicht beruhigen. Abgr\u00fcnde einer neuen und systematischen Verge\u00dflichkeit haben sich aufgetan, die alle Anstrengungen f\u00fcr die Einheit zu verschlingen drohen.<\/p>\n<p>?<\/p>\n<p>Samstag, 11. M\u00e4rz 1995<\/p>\n<p><strong>\u201eMit Gott ist man immer der Gewinner&#8220; <\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigt des Erzbischofs von K\u00f6ln, Kardinal Joachim Meisner, bei der Deutschen Bischofskonferenz in M\u00fcnster am 8. M\u00e4rz 1995 <\/strong><\/p>\n<p>Als eine &#8222;besonders unangenehme Form des Atheismus&#8220; hat der Erzbischof von K\u00f6ln, Kardinal Meisner, das &#8222;permanente Meckern und Miesmachen in Kirche und Welt&#8220; bezeichnet. Die Christen seien heute vielfach voller Minderwertigkeitskomplexe, zu denen es aber keinen Grund gebe, sagte Meisner am Mittwoch bei einem Gottesdienst w\u00e4hrend der Fr\u00fchjahrsvollversammlung der deutschen Bisch\u00f6fe in M\u00fcnster. &#8222;Mit Gott ist man immer der Gewinner, ist man derjenige, der das gro\u00dfe Los gezogen hat&#8220;, sagte der Kardinal. Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut:<\/p>\n<p>Liebe Mitbr\u00fcder im bisch\u00f6flichen Dienst! Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>&#8222;Welche Zukunft hat unsere Kirche in unserem Land?&#8220;, ist eine oft gestellte Frage. Als Antwort kann man die Feststellung treffen: Eine Kirche f\u00fcr morgen k\u00f6nnen Christen heute nur bilden, wenn sie aus den Quellen von gestern f\u00fcr morgen und \u00fcbermorgen leben. Fundament und Quelle aber ist dabei unaustauschbar und unersetzbar der Glaube an den Dreifaltigen Gott: Gott, dem Vater, glauben, dem Herrn folgen und im Heiligen Geiste denken, hei\u00dft insofern unser Auftrag in der Gegenwart f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>1. Gott glauben<\/p>\n<p>Worauf setzen wir im Hinblick auf die Zukunft unserer Kirche? Auf die Kirchensteuer, auf unseren kirchlichen Grundbesitz, auf unsere politische Ambition, auf eine bessere Presse? Nein! Wir setzen allein auf Gott. Sicher, ich \u00e4rgere mich an manchem &#8211; zwar nicht an allzu vielem &#8211; in Kirche und Welt. Aber ich habe mich noch nie \u00fcber Gott \u00e4rgern m\u00fcssen. Ganz im Gegenteil: Es macht mich froh, da\u00df Gott ist. Er ist der &#8222;Deus semper major&#8220;, das hei\u00dft der je gr\u00f6\u00dfere Gott. Der heilige Bruno von K\u00f6ln, der Gr\u00fcnder des Kart\u00e4userordens, pflegte stets im Hinblick auf Gott zu sagen: ,,0 bonitas&#8220;, das hei\u00dft Gott ist unser Bonus, unser Gewinn. <em>Gottesliebe und Glaubensfreude werden das einzige Brot sein, das Christen von morgen und \u00fcbermorgen noch satt machen wird<\/em>. Denn allein die Freude an Gott ist unsere St\u00e4rke! Die Geschmacklosigkeit an Gott und die Appetitlosigkeit auf Gott ist dagegen unser Elend<em>. Das permanente Meckern und Miesmachen in Kirche und Welt ist meines Erachtens daf\u00fcr eine besonders unangenehme Form des Atheismus.<\/em><\/p>\n<p>Unsere Gemeinden werden kleiner, das ist wahr! Aber unser Gott ist der je gr\u00f6\u00dfere Gott, das ist doch auch wahr! Wir haben Christenmangel und deshalb auch Priestermangel, das stimmt! Aber unser Gott ist die F\u00fclle, die unseren Mangel erf\u00fcllt und \u00fcberf\u00fcllt. Das stimmt doch auch! Wir warten auf bessere Zeiten! Aber unsere Gegenwart ist schon vom je besseren Gott erf\u00fcllt. Worauf warten wir dann noch? Wir sind als Christen oft voller Minderwertigkeitskomplexe. Dazu gibt es \u00fcberhaupt keinen Grund. Nicht, weil wir besser sind als andere Leute, aber unser Gott ist es. Glauben wir das? &#8222;Gott allein gen\u00fcgt&#8220;, so sagt die heilige Theresia von Avila, Gott allein gen\u00fcgt, und zwar in dem Sinn, da\u00df wir so anspruchsvoll sind, da\u00df uns nur Gott allein gen\u00fcgen kann. <em>Die Heiligen setzten in ihrer Bedr\u00e4ngnis nicht auf menschliche Taktik und irdische Klugheit, sondern allein auf Gott, von dem sie gleichsam vor innerer Freude trunken waren. Denn mit Gott ist man immer der Gewinner, ist man derjenige, der das gro\u00dfe Los gewonnen hat. <\/em>Dieser faszinierende Gott provoziert unsere Gottesliebe, und sie gibt uns Glaubensfreude. Darin und nur darin sind wir eine Kirche mit Zukunft, das hei\u00dft eine Gemeinde f\u00fcr morgen und \u00fcbermorgen.<\/p>\n<p>2. Dem Herrn folgen<\/p>\n<p>&#8222;Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Sch\u00f6pfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden&#8220; (Kol I, 15 &#8211; 16), schreibt der Kolosserbrief. Nach seinem Bild sind wir geschaffen. Nur <em>wer Christus kennt, kennt sich auch selber. Nur wer ihm folgt, kommt zu sich selbst. Der Christ kommt allein bei Christus zu seiner eigenen Identit\u00e4t.<\/em> Der Herr befreit uns aus der Entfremdung mit uns selbst, den anderen und der Umwelt. Er bringt uns zu unserer Christus-Ebenbildlichkeit. Wer sich sucht, verliert sich; wer sich um seinetwillen verliert, findet sich. Solche christo-identischen Menschen bewegen die Welt \u00e4hnlich wie Christus. Wenn wir nur in diesem Sinne Christen bleiben, brauchen wir uns um die Kirche von Morgen nicht zu sorgen.<\/p>\n<p>Dem Herrn folgen, sagen wir, weil er den Weg Gottes ging. Auf diesem Weg blieb ihm schon nach ganz kurzer Zeit keine Chance mehr, erfolgreich zu sein. Er blieb seiner Sendung aber treu bis zum Kreuz. Als er schlie\u00dflich umgebracht war, blieb den Seinen zun\u00e4chst keine Chance und keine Hoffnung. Die Geschichte hatte ihn \u00fcberrollt und die Seinen mit. Gerade daraus erwuchs jedoch eine Bewegung, die die Welt ver\u00e4ndert hat. Denn das Kreuz wurde durch die Auferstehung vollendet, die Erfolglosigkeit durch die \u00f6sterliche Fruchtbarkeit, das Aus durch den neuen Anfang. Gottes Weisheit hat am Kreuz Menschenweisheit ad absurdum gef\u00fchrt. Setzen wir in der Gegenwart mehr auf die Gottesweisheit, damit wir \u00f6sterliche Zukunft haben k\u00f6nnen. Wir haben manchmal Grund zur Annahme, da\u00df unser Glaube heute in eine tiefe Sackgasse geraten sei. Wir haben aber als Nachfolger Christi noch mehr Grund, neue Hoffnung und neuen Mut in der Geschichte von heute zu suchen, die seine Geschichte mit uns ist und morgen mit uns bleibt. <em>&#8222;La\u00dft uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt&#8220;, <\/em>sagt AIfred Delp. Da\u00df Christus ist, gibt uns Hoffnung und Zukunft.<\/p>\n<p>3. Im Heiligen Geist denken,<\/p>\n<p>ist die dem Christen angemessene Art zu denken. <em>&#8222;Atme in mir, du Heiliger Geist, da\u00df ich Heiliges denke&#8220;, betet der heilige Augustinus. Tun wir das?<\/em> Oder denken wir rein soziologisch, psychologisch, p\u00e4dagogisch, \u00f6konomisch, eben rein irdisch? Der Heilige Geist ist unser Lebenselexier. &#8222;In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.&#8220; Er sensibilisiert uns, das hei\u00dft er macht uns empf\u00e4nglich f\u00fcr die wirkliche Gegenwart des Herrn in der Kirche. Er gibt uns das Gesp\u00fcr f\u00fcr das \u00dcbernat\u00fcrliche. Deshalb gilt uns heute sehr das Wort des Epheserbriefes: &#8222;Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! Ihr Sinn ist verfinstert. Sie sind dem Leben, das Gott schenkt, entfremdet durch die Unwissenheit, in der sie befangen sind, und durch die Verh\u00e4rtung ihres Herzens&#8220; (Eph 4,17 &#8211; 18).<\/p>\n<p>&#8222;Ohne den Heiligen Geist&#8220; sagt der orthodoxe Metropolit Ignatius Hazim, &#8222;ist Gott fern, bleibt Christus in der Vergangenheit, ist das Evangelium ein totes Buch, die Kirche nur eine Organisation, die Autorit\u00e4t nur Herrschaft, die Mission eine Propaganda, der Kult eine Beschw\u00f6rung und christliches Handeln eine Sklavenmoral. Aber mit dem Heiligen Geist erhebt sich der Kosmos und st\u00f6hnt in den Geburtswehen des K\u00f6nigreiches, ist der auferstandene Christus da, ist das Evangelium die Kraft des Lebens, bedeutet die Kirche die dreieinige Gemeinschaft, ist Autorit\u00e4t ein befreiender Dienst, ist die Mission ein neues Pfingsten, ist die Liturgie Gedenken und Vorwegnahme, ist das menschliche Handeln verherrlicht.&#8220; Wer deshalb heute Kirche f\u00fcr morgen und \u00fcbermorgen leben will, steht vor dem Wort des R\u00f6merbriefes: <em>&#8222;Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken&#8220; (R\u00f6m 12,2). Wandelt euch, das hei\u00dft bekehrt euch, bekehren &#8211; wohin denn? Wo ist der Orientierungspunkt,<\/em> an dem man den eigenen Kurs wieder steuern lernen kann? <em>Nun, bei dem Dreifaltigen Gott selbst, indem wir dem Vater glauben, dem Sohne folgen und im Heiligen Geiste denken. Dann haben wir &#8211; so ist es uns verhei\u00dfen &#8211; eine gro\u00dfe Gegenwart und eine noch gr\u00f6\u00dfere Zukunft. Amen.<\/em><\/p>\n<p>&lt;Paulinus 16.7.95&gt;<\/p>\n<p><strong>Heftige Kritik an Haltung Roms <\/strong><\/p>\n<p><strong>Alttestamentler Herbert Haag zu Gast beim Laacher Forum <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wie lange noch kann es sich die katholische Kirche noch leisten, eine absolute Monarchie zu sein?&#8220; Mit dieser Frage er\u00f6ffnete der emeritierte T\u00fcbinger Professor f\u00fcr alttestamentliche Exegese, Dr. Herbert Haag, seinen Vortrag mit dem Titel &#8222;Den Christen die Freiheit&#8220;. Haag referierte im Rahmen des &#8222;Laacher Forums&#8220;, zu dem die Region Rhein-Mosel-Ahr und die Buchhandlung in Maria Laach eingeladen hatte. Durch die dominante Haltung Roms sei in der Kirche eine Atmosph\u00e4re der Angst, der Unfreiheit und vielfach auch der Unehrlichkeit entstanden, beklagte Haag. Dabei r\u00fcckten auch insgesamt eher nicht so wichtige Fragen in den Mittelpunkt, meinte Haag und nannte als Beispiel die Me\u00dfdienerfrage. Die deutschen Bisch\u00f6fe h\u00e4tten \u00fcber Jahre hinweg mit Rom dar\u00fcber verhandelt, ob M\u00e4dchen ministrieren d\u00fcrften, bis 1994 endlich die &#8222;erl\u00f6sende Zustimmung&#8220; aus Rom gekommen sei.<\/p>\n<p>Was die katholische Kirche zur Zeit jedoch am meisten in Bedr\u00e4ngnis bringe, sei ihr Verh\u00e4ltnis zu den Menschenrechten, meinte der Alttestamentler. Bis heute sei der Vatikan nicht Mitglied des Europarates, da er bei seiner derzeitigen Rechtspraxis die Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention von 1950, die als Bedingung f\u00fcr den Beitritt gelte, nicht erf\u00fcllen k\u00f6nne. In vielf\u00e4ltiger Weise mache sich Rom der Verletzung der Menschenrechte schuldig: dem Recht der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung, die Gleichstellung von Mann und Frau, und dem Recht auf Sexualit\u00e4t. F\u00fcr einen Theologen sei es heute nicht mehr m\u00f6glich, eine k\u00fchne These auch nur zur Debatte zu stellen, ohne Sanktionen zu riskieren. Eine Frau habe in der katholischen Kirche nicht die gleichen Rechte wie der Mann, und nach der Schweiz, die 1971 ihre Verfassung zugunsten eines Stimm- und Wahlrechts f\u00fcr die Frau ge\u00e4ndert habe, sei der Vatikan der letzte Staat, der diese Rechte den Frauen nicht zugestehe. Als drittes Beispiel nannte Haag die katholische Sexualmoral, nach der jede Form au\u00dferehelicher Sexualit\u00e4t als schwer s\u00fcndhaft gelte. \u201eMehr als der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung wird damit das Recht auf Sexualit\u00e4t abgesprochen&#8220;, erkl\u00e4rte Haag. Die gegenw\u00e4rtigen Krisenzeichen in der Kirche, die zur\u00fcckgehenden Gottesdienstbesucherzahlen etwa oder der fehlende Priesternachwuchs, seien Mahnungen, zu den Urspr\u00fcngen der Kirche zur\u00fcckzukehren, meinte Haag.<\/p>\n<p>Der Vortrag des renommierten Bibelwissenschaftlers war der dritte und letzte in der in diesem Jahr erstmals organisierten Veranstaltungsreihe in Maria Laach.<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccker Zeitung &lt;28. Nov. 94&gt;<\/p>\n<p><strong>Das Vorbild der Eltern <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Gewalt ist allgegenw\u00e4rtig. Sie begegnet manchem handgreiflich am eigenen Leib, den meisten Gottseidank aber nur in den Medien, die t\u00e4glich in Wort und Bild berichten. Gewalt hat es immer gegeben. Sie ist kein Produkt der Moderne, nicht ausschlie\u00dflich Ausdruck einer werte- und orientierungslosen Zeit.<\/p>\n<p>Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig neu dagegen ist, da\u00df Gewaltt\u00e4tigkeiten von immer j\u00fcngeren Menschen ausgehen. Jugendbanden dreschen aufeinander los, Skins gen\u00fcgen oft schon ein schiefer Blick oder eine mi\u00dfverst\u00e4ndliche Geste, damit sie bedenkenlos zuschlagen und verletzen, sogar t\u00f6ten. Auf den Schulh\u00f6fen geh\u00f6ren Pr\u00fcgeleien zur Tagesordnung. Nicht selten f\u00fchren bereits Kinder Gegenst\u00e4nde mit sich, die als Waffen eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meist sind die Schuldigen an der Misere voreilig schnell ausgemacht: Die Gewaltdarstellungen im Fernsehen (die sicher eine gewisse Rolle spielen) und das Verhalten der Gesellschaft. Die Gesellschaft mu\u00df immer dann als S\u00fcndenbock herhalten, wenn schnelle Erkl\u00e4rungen gesucht werden und noch keine vern\u00fcnftigeren und durch wissenschaftliche Untersuchungen best\u00e4tigte Erkenntnisse vorliegen. Die Gesellschaft aber ist ein anonymes Gebilde, weshalb es viel wichtiger ist, den Blick auf die Individuen zu lenken, die eine Gesellschaft ausmachen. Diese sind es n\u00e4mlich, die, jedes f\u00fcr sich und an seinem Platz, Zeichen setzen, Vorbild abgeben, im guten wie im negativen Sinn.<\/p>\n<p>Eindr\u00fccke und Vorbilder erhalten Jugendliche zu einem gro\u00dfen Teil aus ihren Familien. Dort werden die Keime gelegt, lernen junge Menschen nachdr\u00fccklich, wie sie es mit Tugenden oder Untugenden in ihrem Leben zu halten haben. Und da liegt doch vieles im argen. Zwar erkannte Jutta Dithfurth, streitbare \u00d6ko-Fundamentalistin in Umgangsformen eher Herrschaftsrhetorik, und ein ma\u00dfgebender saarl\u00e4ndischer Politiker ironisierte \u00fcber Sekund\u00e4rtugenden &#8211; aber beide k\u00f6nnten sich wom\u00f6glich erheblich irren. <em>Durch Studien ist belegt, da\u00df Vorbilder ma\u00dfgeblich das Verhalten von Kindern und Jugendlichen pr\u00e4gen, vor allem das Vorbild der Eltern.<\/em><\/p>\n<p>In vielen Familien z\u00e4hlen die elementaren Grundregeln des Zusammenlebens <em>zu den unwichtigeren Themen und werden dem Nachwuchs deshalb auch nicht vermittelt<\/em>. Im Verlauf von Gerichtsverhandlungen mit jugendlichen Gewaltt\u00e4tern wird deutlich: Sie kommen meist aus zerr\u00fctteten Familienverh\u00e4ltnissen, haben lange in einem aggressiven Umfeld gelebt und selbst Gewalt erlebt und gesp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Solche gebrannten Kinder sind zutiefst davon \u00fcberzeugt, da\u00df sich Probleme am besten mit Gewalt l\u00f6sen lassen. Sie haben nie eine intakte Familie kennengelernt. Die Spielregeln des Zusammenlebens, die unter anderem aus Ehrlichkeit, Vertrauen, R\u00fccksichtnahme und Hilfsbereitschaft bestehen, sind ihnen fremd.<\/p>\n<p>Oft entstammen junge Gewaltt\u00e4ter auch Familien, die sich in sozialen und wirtschaftlichen Rand- und Notlagen befinden. In dieser Situation bilden sich automatisch Aggressionsimpulse, die schlie\u00dflich bereits bei geringsten Anl\u00e4\u00dfen freigesetzt werden und sich durch Pr\u00fcgeleien, K\u00f6rperverletzungen oder Eigentumsdelikte entladen.<\/p>\n<p>Schon bei Grundsch\u00fclern sind Neid, Mi\u00dfgunst und Ha\u00df zu beobachten. Nicht selten werden bereits in diesem Alter r\u00fccksichtslos Ellenbogen eingesetzt, um unter dem Gesichtspunkt der Selbstverwirklichung bestimmte Ziele zu erreichen. <em>Im Elternhaus werden also entscheidende Grundsteine gelegt, in dem Werte vermittelt und Orientierung mit auf den Weg gegeben wird.<\/em> Wenn M\u00fctter und V\u00e4ter diese Erziehungsaufgabe verantwortungsvoll wahrnehmen wollen, so m\u00fcssen sie bereit und gefestigt genug sein<em>, sich nicht von jeder beliebigen Str\u00f6mung des sogenannten Zeitgeistes mitrei\u00dfen zu lassen.<\/em><\/p>\n<p>Wichtiger ist es, im Gespr\u00e4ch mit Kindern und Jugendlichen nach verbindlichen und best\u00e4ndigen Wertma\u00dfst\u00e4ben und nachahmenswerten Verhaltensweisen zu suchen und diese auch vorzuleben. Da\u00df dies leichter gesagt und geschrieben als getan ist, liegt auf der Hand. Jeder mu\u00df sich selbst um diese wichtigen Fragen k\u00fcmmern und nach L\u00f6sungen suchen. Die Gesellschaft, die unter anderem ma\u00dfgeblich durch Politiker repr\u00e4sentiert wird, gibt selten gute Vorbilder ab und l\u00e4\u00dft die Erzieher im Stich.<\/p>\n<p>NUMMER 6 -10. FEBRUAR 1995<\/p>\n<p><strong>Die Herausgeber zu Fragen der Zeit <\/strong><\/p>\n<p><strong>Lebensl\u00fcgen fordern heraus<\/strong><\/p>\n<p>Von CHRISTA MEVES<\/p>\n<p>Wer mit einer spezifischen Kompetenz verantwortliche Personen des \u00f6ffentlichen Lebens auf destruktive Tendenzen in den gesellschaftlichen Trends hinweist, erntet oft im besten Fall ein mitbesorgtes Stirnrunzeln, gelegentlich sogar ein gelassenes Beschwichtigen mit der Begr\u00fcndung: &#8222;Was n\u00fctzt hier Aufregung? Wozu erst Kampfansage, die beunruhigende Fronten errichtet? Es reicht zu warten: &#8222;L\u00fcgen haben doch nun einmal grunds\u00e4tzlich kurze Beine. Die Wahrheit siegt allemal.&#8220; Geduld sei angesagt und Ruhe die erste B\u00fcrgerpflicht.<\/p>\n<p>Dem l\u00e4\u00dft sich zwar mit dem Argument widersprechen, da\u00df die L\u00fcgenbeine doch b\u00e4nglich-l\u00e4nglich zu sein verm\u00f6chten und da\u00df f\u00fcr Personen mit Macht das Laisser-fairePrinzip unter Umst\u00e4nden ihrer verantwortlichen Position nicht gerecht w\u00fcrde; denn schlie\u00dflich bedeutet dann nur allzuoft die fehlende Handlungsbereitschaft Auslieferung oft von ungez\u00e4hlten Menschen an einen zerst\u00f6rerischen Strudel, bedeutet Vernichtung von Lebensbasis und verelendendes Schicksal.<\/p>\n<p>Die unzul\u00e4ngliche Handlungsbereitschaft des letzten russischen Zaren in der Phase der Erstarkung der Bolschewiki ist nur eins von ungez\u00e4hlten historischen Beispielen. Die L\u00fcgenbeine w\u00e4hrten siebzig Jahre, und auch jetzt noch ist in Ru\u00dfland die Wahrheit nicht mehr als ein schwaches Pfl\u00e4nzchen Hoffnung.<\/p>\n<p>Aber grunds\u00e4tzlich geh\u00f6rt der Durchbruch des Notwendigen (im wahrsten Sinn dieses Wortes) offenbar zu den Gesetzen der Weltgeschichte, wobei dieser um so elementarer, eruptiver, ja gewaltsamer erfolgt, je intensiver und brutaler die L\u00fcge regierte. Handelt es sich hingegen lediglich um mi\u00dfbr\u00e4uchliche Ma\u00dflosigkeiten, geistige Abirrungen in funktionsf\u00e4higen Demokratien. so kann Durchbruch auch als lediglich politische Wende, als Kehre zum Besseren durch eine Umverteilung der Macht in sanfter Weise geschehen.<\/p>\n<p>In den USA scheint sich dergleichen &#8211; gewi\u00df zum Erstaunen Clintons &#8211; anzubahnen. Was bewirkte die Distanzierung der Bev\u00f6lkerung von seiner Politik und seiner Person? Das scheint weniger auf einer Unzufriedenheit mit den gro\u00dfen politischen Feldern zu beruhen; vielmehr scheint es, als h\u00e4tten die US-B\u00fcrger die Verrohung ihrer Sitten und die Verletzung der amerikanischen Grundwerte mehr als satt. Und dieser Pr\u00e4sident mit den Parolen zu Abtreibung und Homosexualit\u00e4t, mit denen er antrat, steht ihnen nun einmal f\u00fcr die ins Ma\u00dflose getriebene Liberalisierung, deren Teufelsklaue vielen mittlerweile allzu greifbar nahe gekommen ist und den einzelnen wie auch den Bestand des Staates, wie Amerika ihn will, gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Freilich hat sich hier in einer Vielzahl von Gruppen und Gr\u00fcppchen l\u00e4ngst eine Vorbereitung auf eine ins politische Feld durchschlagende Trendwende vollzogen &#8211; und zwar durch eine umf\u00e4ngliche, unkonventionelle Neuevangelisierung. Neun von zehn US-B\u00fcrgern glauben heute wieder an Gott, und sechs von zehn Gl\u00e4ubigen gehen sogar regelm\u00e4\u00dfig zum Gottesdienst! Auch wollen die Republikaner, die nun zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder die Mehrheit in beiden H\u00e4usern des Parlaments haben, in Amerikas Schulen wieder das t\u00e4gliche Morgengebet einf\u00fchren oder zumindest erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Deutschland hat derart Hoffnungsverhei\u00dfendes noch nicht aufzuweisen. (Dort glauben nur zwei Drittel der Menschen an Gott, und von diesen sind nur neun Prozent praktizierende Christen.) Bei uns wird der Unmut \u00fcber die Ausw\u00fcchse der Entsittlichung wesentlich rigoroser durch die elektronischen Medien unterdr\u00fcckt. Der Pegel der Not ist noch nicht hoch genug, um die indoktrinierende Verdr\u00e4ngungsdecke zu durchbrechen. Und doch gibt es eine Vielzahl von neu erweckten Glaubensgemeinschaften, Gruppen und Gr\u00fcppchen auch hier &#8211; oft sogar schon au\u00dferhalb der gro\u00dfkirchlichen Mauem mit vielerlei kraftvoller Intensit\u00e4t, deren Ausma\u00df nur deshalb untersch\u00e4tzbar ist, weil sie verschwiegen wird, ja, wenn sie einige Wellenbewegungen erzeugt, diffamiert wird, bis die Gemeinschaft unter Gruppendruck zerrinnt.<\/p>\n<p>Es stimmt dennoch: Wahrheit l\u00e4\u00dft sich auf die Dauer nicht totschweigen. Man braucht lediglich die Gnade eines m\u00f6glichst langen Lebens, um das zu erfahren. So wird die weltweite L\u00fcge \u00fcber das \u201eAngeborensein&#8220; der \u201enat\u00fcrliche&#8220; Homosexualit\u00e4t demn\u00e4chst nicht mehr zu halten sein &#8211; allzu beweiskr\u00e4ftig sind die Aussagen der US-Experten. Und es ist gewi\u00df kein Zufall, da\u00df das Prinzip Hoffnung in dieser Hinsicht f\u00fcr Europa ausgerechnet von Holland ausgeht. Hier hat der Experte Gerard van der Aardweg, Professor f\u00fcr Psychologie am Institut f\u00fcr Ehe und Familie in Kerkrade, befreiende Impulse gesetzt.<\/p>\n<p>Die umf\u00e4nglichen Erfahrungen, die in den USA wie in Europa \u00fcber die &#8222;Trag\u00f6die&#8220; Homosexualit\u00e4t von nicht indoktrinierten Fachleuten haben gesammelt werden k\u00f6nnen, werden &#8211; besonders von Randgruppen beider Gro\u00dfkirchen &#8211; nun auch in Deutschland dankbar angenommen und zu Hilfsaktionen umgesetzt.<\/p>\n<p>1970 meinte ich noch, ich m\u00fcsse durch die damals publizierte Prognose, da\u00df wir in den neunziger Jahren einen enormen Zuwachs an Homosexuellen in unserem Lande zu verzeichnen haben w\u00fcrden, einen Beweis f\u00fcr die an der Erfahrung gewonnene Theorie erbringen. 1995 wei\u00df ich, da\u00df das nicht n\u00f6tig wird. Auch in dieser Hinsicht wird sich die Wahrheit Bahn brechen.<\/p>\n<p>Aber ich bin immer noch davon \u00fcberzeugt, da\u00df das Wissen um abwendbare m\u00f6rderische Gefahren niemals zum Schweigen und Aussitzen berechtigt, selbst, wenn die Unreife der Zeit \u00c4chtung bewirkt; denn gerade aus dem Tr\u00fcppchen der Befreiten und Aufgewachten w\u00e4chst die rettende Kraft.<\/p>\n<p>&lt;RM 24.2.95&gt;<\/p>\n<p><strong>Wer den Dialog verweigert <\/strong><\/p>\n<p><strong>Greinacher lohnt keinen gro\u00dfen Konflikt <\/strong><\/p>\n<p>Wenn die \u00f6ffentlich-rechtlichen Wellen aus Baden-Baden Zutreffendes berichtet haben, gibt es einen Briefvon Nuntius Kadar an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, in dem zu einem wirkungsvolleren Vorgehen gegen den T\u00fcbinger Theologieprofessor Norbert Greinacher aufgefordert wird.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahrzehnten schon hat Julius Kardinal D\u00f6pfner sich gen\u00f6tigt gesehen, Greinacher als Berater der W\u00fcrzburger Synode abzuberufen, nachdem er auf einem SPD-Parteitag f\u00fcr die &#8222;Fristenl\u00f6sung&#8220; bei der \u00c4nderung des Paragraphen 218 pl\u00e4diert hatte. Zwei Jahre sp\u00e4ter wandte sich Bischof Georg Moser in einem sehr pers\u00f6nlich gehaltenen Brief gegen &#8222;\u00e4tzende Ver\u00e4chtlichmachung&#8220; in einem &#8222;Spiegel&#8220; -Interview und wies Greinachers &#8222;anma\u00dfende Verurteilung&#8220; tief verletzt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Gefolge des Rhetorikers Walter Jens beteiligte sich Greinacher an der fernsehtr\u00e4chtigen Raketenblockade bei Mutlangen und brachte es zu einer Verteidigungsrede vor Gericht, die sich heute &#8211; nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes und dem Bekanntwerden der geschichtlichen Tatsachen &#8211; wie ein von Kafka inspirierter Beitrag zur gro\u00dfen Weltsatire liest.<\/p>\n<p>An Petra Kellys Seite leistete Greinacher in den achtziger Jahren &#8222;praktische Arbeit&#8220; in Nicaragua, nicht ohne den Sandinisten gute Ratschl\u00e4ge zu erteilen, wie sie es doch geschickter anfangen sollten, um sich an der Macht zu halten. In der letzten Zeit ist Greinacher auf den Kampagne-Wagen &#8222;Dieser Papst mu\u00df weg&#8220; aufgestiegen und versucht sich mit immer schrilleren Formulierungen zu aktuellen Streitfragen zu Geh\u00f6r zu bringen. Im Sommer 1994 hat der Bischof von Rottenburg, sein fr\u00fcherer Fakult\u00e4tskollege Walter Kasper, dem aufgeregten Professor in aller Form schriftlich dargetan, er erachte dessen Attacken als &#8222;eines wissenschaftlich argumentierenden kirchlich gesinnten Theologen unw\u00fcrdig&#8220;. Wer Bischof Kasper kennt, wei\u00df: ein in der Tat vernichtendes Urteil.<\/p>\n<p>Gewi\u00df, es geht bei dem Inhaber des T\u00fcbinger LehrstuhIs f\u00fcr &#8222;Praktische Theologie&#8220; (was immer das bedeutet) nicht um eine internationale Gr\u00f6\u00dfe wie Hans K\u00fcng, nicht um eine theologisch-<\/p>\n<p>wissenschaftliche Autorit\u00e4t, sondern um einen akademischen Lehrer in einer theologischen Fakult\u00e4t, der sich vor allem auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften bet\u00e4tigt und einen exzessiven Gebrauch von seinen Rechten als Staatsb\u00fcrger macht. Da dies seit einigen Jahrzehnten so ist und die historisch-politische Weisheit seiner Optionen niemandem verborgen geblieben sein d\u00fcrfte, k\u00f6nnte der von ihm angerichtete Schaden wohl hingenommen werden, g\u00e4be es da nicht zus\u00e4tzliche Gefahren, die sich aus der gegenw\u00e4rtigen Gesamtkonstellation ergeben. Die Anti-Rom-Kraftspr\u00fcche, die aus manchen Theologenkreisen ans Ohr der kirchlichen Obrigkeit dringen, sind nicht dazu angetan, die Sachprobleme, die es in Lehre, Kirchenordnung und Seelsorge zur Gen\u00fcge gibt, einer L\u00f6sung n\u00e4her zu bringen. Oft sind es gerade die lautesten Rufer nach mehr Dialog, die den Dialog, der tats\u00e4chlich in Gang ist, zuschanden machen. Drei Rottenburger Bisch\u00f6fe wollten mit Greinacher in ein vern\u00fcnftiges Gespr\u00e4ch kommen; bisher ist es keinem gelungen. Wird es dabei bleiben? Immerhin ist Klartext gesprochen worden. \u00a0\u00a0\u00a0<strong>Otto B. Roegele<\/strong><\/p>\n<p>RHEINISCHER MERKUR 27\u00a0\u00a0 &lt;3.2.95&gt;<\/p>\n<p><strong>H\u00e4me gegen Papst <\/strong><\/p>\n<p><strong>Getrieben von purem Ha\u00df <\/strong><\/p>\n<p>Endlich einmal eine richtige \u00dcberschrift. Rudolf Augstein, absoluter Herrscher des mont\u00e4glich der deutschen \u00d6ffentlichkeit vorgehaltenen Spiegels der Unfehlbarkeit, gab seinem antir\u00f6mischen Bekenntnis den Titel: &#8222;Der Papst und ich&#8220;. Welch eine Demutsgeste. H\u00e4tte er doch auch titeln k\u00f6nnen: &#8222;Ich und der Papst&#8220;.<\/p>\n<p>Unbarmherzig wie unfehlbar und unwissend &#8222;begr\u00fcndet&#8220; der ehemalige Info-Papst, warum der Papst und die Kirche Zielscheibe der an Hamburger Schreibtischen beschlossenen &#8222;Spiegel&#8220; -H\u00e4me sein m\u00fcssen. Der Papst, so ist zu lesen, lasse \u201ekeine andere Meinung&#8220; gelten als seine eigene, und bei ihm blieben \u201eMenschen durchweg auf der Strecke&#8220;, wenn &#8222;er seine Unfehlbarkeitspose in Gefahr sieht&#8220;. Tats\u00e4chlich wissen aber auch Papstkritiker l\u00e4ngst, da\u00df es diesem Petrusnachfolger zuv\u00f6rderst um den Menschen geht, dem er freilich zutraut, Anspr\u00fcche an sich und das Leben zu stellen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich wird wieder einmal behauptet, Johannes Paul II. verteufele \u201ejegliche Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung&#8220;. Da\u00df gerade dieser Papst immer wieder eine geradezu \u00f6kologische Sexualit\u00e4t und die verantwortete Elternschaft fordert, will man in Hamburg nicht zur Kenntnis nehmen.<\/p>\n<p>\u00dcber den r\u00f6mischen Bischof und seine Weltkirche l\u00e4\u00dft sich immer wieder trefflich debattieren. Aber das verlangt wenigstens ein Mindestma\u00df an Redlichkeit und den Mut zum Abschied von bequemen Vorurteilen. Wahre Kritik kommt aus der F\u00e4higkeit, unterscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Immerhin: Zum Papst str\u00f6men die Menschen zu Millionen, den orientierungslosen Def\u00e4tisten dieser Zeit aber laufen sie scharenweise weg, auch Herrn Augstein. Und soeben wurde der weltweit anerkannte Papst zum &#8222;Mann des Jahres 1994&#8220; gek\u00fcrt, weil er mit Konsequenz und Visionen den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen versucht.<\/p>\n<p>Die klebrige H\u00e4me des &#8222;Spiegels&#8220; hingegen steht gegen Vision, Aufbruch und Optimismus. Dabei w\u00e4re die Befreiung von Egomanie und Intoleranz praktizierter Fortschritt im Denken und Erkennen. Solche Aufkl\u00e4rung traut sich nicht jeder zu, der sich f\u00fcr aufgekl\u00e4rt h\u00e4lt.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong> Martin Lobmann <\/strong><\/p>\n<p>&lt;DT 4.2.95&gt; Politik<\/p>\n<p><strong>Die aufgekl\u00e4rten Konservativen <\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf dem 5. Symposium der informedia-Stiftung die R\u00fcckkehr zu verbindlichen Werten gefordert <\/strong><\/p>\n<p>Obwohl das Motto des diesj\u00e4hrigen Symposiums der K\u00f6lner informedia-Stiftung &#8222;Go Future &#8211; Wir brauchen eine optimistische Generation&#8220; lautete, war w\u00e4hrend der zweit\u00e4gigen Veranstaltung Ende Januar in Frankfurt nur wenig Optimismus zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Der graue Schleier einer Endzeitstimmung habe sich &#8211; rechtzeitig zur Jahrtausendwende &#8211; \u00fcber unser Land, ja \u00fcber ganz Europa gelegt. Die Menschen schienen ersch\u00f6pft, Kr\u00e4fte schw\u00e4nden. Eine merkw\u00fcrdig l\u00e4hmende Stimmung mache sich breit. Es sei eine Zeit der Melancholie und der Unentschlossenheit. Das gelte nicht nur f\u00fcr die Politik, sondern auch f\u00fcr Wissenschaft, Architektur und Kultur, res\u00fcmierte der Pforzheimer Oberb\u00fcrgermeister Joachim Becker.<\/p>\n<p>Nicht alle Referenten beurteilten die Gegenwart \u00e4hnlich d\u00fcster. Einig war man sich jedoch darin, da\u00df die Schwierigkeiten der Zukunft nur von einer neuen, eben optimistischeren Generation, bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnten. Wie gute Eltern wollte man den Nachwuchs dabei vor den Fehlern der eigenen Generation bewahren. W\u00e4hrend bei der Diagnose der Gegenwartskrankheiten (steigende Gewaltbereitschaft, ausufernder Egoismus, wachsende Vereinzelung und zunehmender Orientierungslosigkeit aufgrund mangelnder Verbindlichkeit) weitgehend \u00dcbereinstimmung bestand, wurde um die richtige Therapie heftiger gestritten.<\/p>\n<p>Der Stuttgarter Kulturphilosoph G\u00fcnther Rohrmoser empfahl eine R\u00fcckkehr zur Tradition und zu verbindlichen Werten, die das Vakuum, das die Moderne durch Selbstentleerung hinterlassen habe, wieder f\u00fcllen k\u00f6nnte. Das mit dem Untergang des Sozialismus einsetzende Ende der Utopien b\u00f6te die Chance f\u00fcr die Wiederkehr der Religionen. Au\u00dferdem d\u00fcrfe die Politik nicht vergessen, da\u00df unser Sozialstaat sedimentiertes Christentum sei. Durch ihre Entgrenzung zerst\u00f6re die Politik die eigenen Fundamente. Sie m\u00fcsse sich wieder auf den Ausgleich von Interessen beschr\u00e4nken und aufh\u00f6ren, weiterhin \u201eWahrheitsexekution&#8220; zu betreiben.<\/p>\n<p>Auch Andreas P\u00fcttmann von der Konrad-Adenauer-Stiftung hielt die Renaissance verlorener Werte und Tugenden in unserer \u201ewohlstandsverfetteten Zerstreuungs- und Vollkaskogesellschaft&#8220; f\u00fcr notwendig. &#8222;Sind Tabus erst einmal gebrochen, Werte verbla\u00dft und Tugenden aberzogen worden, dann k\u00f6nnen zunehmende Verteilungsprobleme und die Entt\u00e4uschung von Anspr\u00fcchen moralisch krisenversch\u00e4rfend wirken, indem sie ein rabiates Selbstbehauptungsdenken und eine Brutalisierung von Konflikten hervorrufen&#8220;, sagte P\u00fcttmann.<\/p>\n<p>Dabei sah der Mitarbeiter der Adenauer-Stiftung die &#8222;Malaise&#8220; weniger in der Akzeptanz fundamentaler Werte, sondern vor allem auf dem Gebiet &#8222;der Normen, Institutionen und Tugenden, durch welche diese Werte erst verwirklicht und dauerhaft gesichert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So n\u00fctze beispielsweise die Wertsch\u00e4tzung von Partnerschaft und Familie wenig, wo der Sinn des vierten und sechsten Gebotes verkannt und die Tugenden der Treue und der Geduld nicht anerzogen und einge\u00fcbt w\u00fcrden. Das Bekenntnis zur politischen Freiheit sei hohl, wenn Institutionen, die diese Freiheit sichern, nicht anerkannt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Historiker Michael Wolffsohn machte einen \u201eneuen Zivilisationsbruch&#8220; aus, der durch mangelhaft funktionierende Institutionen gekennzeichnet sei. W\u00e4hrend in der zivilisierten Gesellschaft Institutionen wie D\u00e4mme gegen die Gewalt wirkten, seien &#8222;bei diesem neuen Zivilisationsbruch die D\u00e4mme por\u00f6s&#8220;. Folglich k\u00f6nne die Flut der Gewalt ausstr\u00f6men und anschwellen. Dabei legte Wolffsohn Wert auf die Feststellung, da\u00df in der westlichen Welt der &#8222;antizivilisatorische R\u00fcckfall&#8220; nicht unter &#8222;rechten sondern unter linken Vorzeichen&#8220; begonnen habe. &#8222;Nichtstaatliche, gegen den Staat ( &#8230; ) gerichtete Gewalt wurde links-ideologisch wieder legitimiert und schon bald von den alt-neuen Rechtsextremisten nur allzu gerne kopiert&#8220;, sagte Wolffsohn.<\/p>\n<p>Dem hatte auch Peter Glotz nur wenig entgegenzuhalten. Seine Polemik konnte die eigene Ratlosigkeit zwar kaschieren, v\u00f6llig verdecken konnte sie sie aber nicht. Der Sozialdemokrat warnte davor, mit der Wertediskussion die B\u00fcchse der Pandora zu \u00f6ffnen, aus der die Geister autorit\u00e4rer Herrschaft aufsteigen k\u00f6nnten. &#8222;Die Beschw\u00f6rung allgemeing\u00fcltiger, immerw\u00e4hrender Werte, wird Europa nicht retten&#8220;, sagte Glotz und forderte mit Blick auf Rostock, Hoyerswerda und M\u00f6lln dazu auf, lieber den &#8222;B\u00fcrgerkrieg im eigenen Land zu beenden&#8220;,<\/p>\n<p>Geradezu spie\u00dfb\u00fcrgerlich mutete seine Devise des sich aus allem Heraushaltens an, als er sich auf die Seite jener &#8222;Deutschen&#8220; stellte, die sich &#8222;gottlob&#8220; mehr um &#8222;ihre Vorruhestandsvertr\u00e4ge&#8220;, denn um die Nation sorgten. Als Glotz zum Ende der Tagung riet, die Kapit\u00e4ne bei hoher See nicht durch die Schiffsgeistlichen zu ersetzen, hatte W olffsohn l\u00e4ngst einen L\u00f6sungsansatz pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>&#8222;Eigentlich&#8220;, sagte Wolffsohn, &#8222;ist es die Stunde der aufgekl\u00e4rten Konservativen&#8220;. Sie predigten keine weltumfassenden L\u00f6sungen. Sie packten jede Schwierigkeiten einzeln an, &#8222;pragmatisch aber ausgehend von und stehend auf einem festen normativen Fundament&#8220;. &#8218;<\/p>\n<p>Und weiter sagte er: &#8222;Wenn die Kirche wieder Gotteshaus ist, der Politiker f\u00fcrs Gemeinwohl arbeitet und nicht f\u00fcr sich und seine eigenen Taschen, die Wirtschaft erfolgreich wirtschaftet &#8211; und das kann sie nur partnerschaftlich mit den Arbeitnehmern -, wenn die Gewerkschaften nicht zum Bonzenapparat verkrusten, wenn die Schulen und Universit\u00e4ten effizient ihre Aufgaben wahrnehmen, ist die Zukunft zwar nicht unbedingt gesichert, sie wird aber sicherer. Viel sicherer und besser.&#8220; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Stefan Rehder<\/p>\n<p>&lt;DT 22.7.95&gt;<\/p>\n<p><strong>Aussprache <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ozon <\/strong><\/p>\n<p>Ozon angereicherte Luft nannte man fr\u00fcher Reizklima, und nicht wenige zahlten daf\u00fcr, in den Genu\u00df heilender Reizklima-Wirkungen zu kommen. Das war allerdings vor 1968, also im Mittelalter. Aber auch in der Neuzeit, also nach 1968, hat niemand die gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen des Ozon nachweisen k\u00f6nnen, jedenfalls bislang nicht und in den gegenw\u00e4rtig in Hessen verteufelten Konzentrationen. Abgesehen von gelegentlichem Reizhusten bei k\u00f6rperlicher Anstrengung. Und nat\u00fcrlich hat seit eh und je die Hitze, bei der sich mehr Ozon bildet, kreislaufschwachen und sonst klimasensiblen Menschen zugesetzt (siehe DT vom 11. Juli).<\/p>\n<p>Nichts gegen umweltf\u00fcrsorgliche Politik. Aber offenkundig folgt die Inbrunst, mit der allerhand Ma\u00dfnahmen wie Fahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen gefordert und durchgepaukt werden, aus einem gl\u00fchenden Glaubensbekenntnis. Die Ma\u00dfnahmen m\u00f6gen ja aus anderen Gr\u00fcnden &#8211; die man dann eben nennen sollte &#8211; ganz vern\u00fcnftig sein, die blo\u00dfe Ozonanreicherung in der Luft rechtfertigt sie bislang nicht. Endlich haben wir es geschafft, den Leuten nun auch Angst vor sch\u00f6nem Wetter einzujagen. Immerhin k\u00f6nnte man die Aufforderung, bei sch\u00f6nem Wetter zu Hause zu bleiben und die Fenster zu schlie\u00dfen, nicht Auto zu fahren, oder wenn schon, dann ganz langsam, als ein religi\u00f6s-asketisches Programm im Rahmen eben jenes neuen Glaubensbekenntnisses betrachten.<\/p>\n<p>Das aber setzte Freiwilligkeit voraus. Staatliche Verordnungen neu-religi\u00f6ser \u00dcbungen verletzen doch gewi\u00df das Grundrecht der Religionsfreiheit. Mit diesem Grundrecht haben religi\u00f6se Fundamentalisten aber bekanntlich ihre Schwierigkeiten. Auch neu-religi\u00f6se Fundamentalisten.<\/p>\n<p>Dr. Hans Thomas, 50935 K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong>Gottes Segen <\/strong><\/p>\n<p>Es geht nicht nur ein Jahrhundert, sondern auch ein Jahrtausend dem Ende entgegen. Schaut man aus eigener Erfahrung und der unserer Eltern zur\u00fcck, so wird niemand bestreiten, da\u00df das zwanzigste Jahrhundert eine Anzahl von politischen Entscheidungen gebracht hat, auf denen Gottes Segen absolut nicht gelegen hat. Die unseligsten Weichenstellungen waren mit Sicherheit jene aus dem Bereich der atheistischen Diktaturen, die den Menschen millionenfach Leid und Tod gebracht haben. Sie waren begleitet von einer vollendeten T\u00e4uschung und Heimt\u00fccke, die auch Zeitgenossen aus allen Schichten der V\u00f6lker anf\u00e4ngliche Zustimmung abforderten.<\/p>\n<p><em> In unseren Demokratien und sogenannten pluralen Gesellschaften wird das Idol der Selbstbestimmung des Einzelnen mit den Mitteln der \u00dcbermacht der Medien propagiert. Hierbei steht der Mensch als autonom gepriesenes Wesen im Mittelpunkt. Im moralischen und religi\u00f6sen Bereich hat das zur Folge, da\u00df Menschen ihre Lebensf\u00fchrung aus der eigenen Autonomie definieren, wobei Gott der Sch\u00f6pfer mit seinen ewig g\u00fcltigen Bestimmungen als Nebenfigur behandelt wird. Manche Zeitgenossen begr\u00fcnden ihr kritisches <\/em>&#8222;Hinterfragen&#8220; von moralischen Ma\u00dfst\u00e4ben mit der Tatsache eines Zenites von Erkenntnissen der Wissenschaft, des autonomen menschlichen Geistes. Dabei wird vergessen oder nicht erkannt, da\u00df ein Gro\u00dfteil menschlicher Forschung auf Thesen beruht.<\/p>\n<p>Gott als einziges autonomes Wesen mit seinen Geboten tritt in den Hintergrund. Wenn christliche Vertreter von Religionen an das unabdingbare Mandat ihres Sch\u00f6pfers und Stifters erinnern, werden sie mit allen Mitteln als unzeitgem\u00e4\u00df in eine Ecke bef\u00f6rdert, wo nur noch sp\u00f6ttisches Mitleid Platz hat. Wer sich diesem Trend widersetzt, mu\u00df mit allen Mitteln der Propaganda &#8211; bis in den Bereich der Verleumdung hinein &#8211; fertiggemacht werden. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df auf der Entscheidung der Mehrheitstr\u00e4ger im Deutschen Bundestag zum Kompromi\u00df beim Paragraphen 2 I 8 niemals Gottes Segen ruhen wird.<\/p>\n<p>Das trifft auch unbedingt auf das &#8222;Volksbegehren&#8220; (siehe DT vom 8. Juli) in \u00d6sterreich zu. Hier ist die Einstellung der Initiatoren in Lebensauffassung und Zielsetzung ma\u00dfgeblich.<\/p>\n<p>Hermann Pieper, 44319 Dortmund<\/p>\n<p><strong>Kleine Ma\u00dfst\u00e4be <\/strong><\/p>\n<p>Besser als Isabelle L\u00f6wenstein kann man das \u00f6sterreichische \u201eKirchenvolksbegehren&#8220; wohl nicht durchleuchten (DT vom 8. Juli). Alle Vorstellungen der Begehrenden haben ihre Antworten l\u00e4ngst bekommen, direkt oder in der Schrift, in der Person Jesu Christi, in der Tradition, in Konzilsdokumenten, in vielen, mit gro\u00dfer Geduld immer wieder neu gegebenen Stellungnahmen von Papst und Bisch\u00f6fen, und auf berechtigte Anliegen wird von deren Seite weiterhin eingegangen werden. Das Traurige an dem Ganzen ist der Grundzug des Denkens der Initiatoren, die an sich selbst und an ihre Kirche kleine, menschliche Ma\u00dfst\u00e4be anlegen, in einem Pr\u00fcfen und Urteilen wie die Welt es tut. Es geht um menschliches Verlangen, es ist nichts zu sp\u00fcren von der Weite eines jetzt schon gegenw\u00e4rtigen Reiches Gottes, auf das wir endzeitlich hingeordnet sind, das unser Leben hier auf Erden bestimmen soll, nichts vom Geheimnis der Offenbarung Christi, nichts von einer Kirche, die Communio, mystische Gemeinschaft, ist. Die &#8222;Menschenfreundlichkeit&#8220;, nach der gerufen wird, ist bei Gott eben eine andere als beim rein nat\u00fcrlich denkenden Menschen, die &#8222;Attraktivit\u00e4t&#8220; der Kirche besteht nicht in ihrem Entgegenkommen begehrenden Menschen gegen\u00fcber, sondern sie ist die Person Jesu Christi selbst, in seiner Demut, seinem Gehorsam dem Vater gegen\u00fcber, seiner absoluten Liebe zu uns um unseres Heiles willen, sie ist die Herrlichkeit des verkl\u00e4rten Herrn.<\/p>\n<p>Es ist sehr zu bedauern, da\u00df die Unterzeichner f\u00fcr all das offensichtlich kein Gesp\u00fcr, kein Denken haben. Die dialogbereiten Bisch\u00f6fe werden es unter dieser Voraussetzung nicht leicht haben.<\/p>\n<p>Dr. Inge Uebelein, 86825 Bad Worishofen<\/p>\n<p><strong>Zentrum <\/strong><\/p>\n<p>In seinem Leserbrief &#8222;Was fehlt&#8220; in der Ausgabe vom 8. Juli erw\u00e4hnt Arno Felser, da\u00df die CDU nach ihrer Gr\u00fcndung vor f\u00fcnfzig Jahren nur durch massive Unterst\u00fctzung der katholischen Bisch\u00f6fe der wiederbegr\u00fcndeten Deutschen Zentrumspartei den Rang ablaufen konnte. Trotz dieser Beeintr\u00e4chtigung und trotz verschiedener Abspaltungen vom Zentrum, namentlich der CPL (Christliche Partei f\u00fcr das Leben), aus der die Christliche Liga hervorging, und der Christlichen Mitte (CM), ist das Zentrum bis heute als Bundespartei pr\u00e4sent, es stellt etwa in der 40 000 Einwohner z\u00e4hlenden Stadt Dormagen den zweiten B\u00fcrgermeister (9,2 Prozent bei der letzten Kommunalwahl).<\/p>\n<p>Angesichts der Zustimmung der Mehrheit der CDU\/CSU zum neuen Abtreibungsgesetz und der zu erwartenden Unterzeichnung durch den Bundespr\u00e4sidenten &#8211; Herzog ist CSU-Mitglied &#8211; w\u00e4re nun endlich ein bundesweiter Ausbau des Zentrums w\u00fcnschenswert. Die Gr\u00fcndung des Zentrums vor 125 Jahren in Soest sowie seine Wiedergr\u00fcndung vor f\u00fcnfzig Jahren ebenfalls in Soest sollten Verpflichtung genug sein, alle politisch engagierten Tatchristen unter dem bew\u00e4hrten Dach des Zentrums zu sammeln.<\/p>\n<p>Siegfried Speinle, 89420 H\u00f6chst\u00e4dtlDonau<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccker Zeitung 35<\/p>\n<p>&lt;5.\/6.8.&gt;<\/p>\n<p><strong>Ein Armutszeugnis <\/strong><\/p>\n<p>Zu den Artikeln ,,Medienkl\u00fcngel&#8220; (SZ vom 22.\/23. Juli) sowie &#8222;Drittes Saar-Radio geht auf Sendung&#8220; (SZ vom 29. Juni): Endlich sagt mal jemand die Wahrheit \u00fcber die saarl\u00e4ndische ,,Radioszene&#8220;. Es scheint so, als wolle die LAR verhindern, da\u00df es endlich Programmvielfalt, Abwechslung und Unabh\u00e4ngigkeit im saarl\u00e4ndischen \u00c4ther gibt. Hier wird ganz klar ersichtlich, da\u00df der SR und vor allem Radio Sal\u00fc Angst um ihre Machtposition haben. Denn es w\u00e4re ja &#8222;unverantwortlich&#8220;, wenn die Saarl\u00e4nderinnen und Saarl\u00e4nder pl\u00f6tzlich nicht mehr den \u00f6ffentlich-rechtlichen oder privaten Dudelfunk einschalten w\u00fcrden, sondern auf einmal ein neues, vielleicht sogar alternatives Radio, das wieder ein gutes Programm f\u00fcr die H\u00f6rer machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n waren die Radiozeiten im Saarland noch, als es die freien, unabh\u00e4ngigen Grenzprivatsender Radio Forum und Radio RVN gab, die den gro\u00dfen Saarbr\u00fccker Sendern SR und Sal\u00fc zeigten, wo&#8217;s langging. Mit Unterst\u00fctzung durch die LAR wurde und wird sich unliebsame Konkurrenz vom Leib geschafft. Wirklich ein Armutszeugnis f\u00fcr das Saarland. Die LAR sowie die saarl\u00e4ndischen Dudelsender mit ihren flachen und belanglosen Mainstream-Seichtpop-Programmen und der gegen Ende des Jahres startende Fakultativsender sind nur eine weitere Best\u00e4tigung daf\u00fcr, da\u00df der Off-Schalter an den Radioger\u00e4ten eine sehr geniale Erfindung ist. HEIKO WENTZEL, Saarlouis<\/p>\n<p><strong>Hexer verbrannt <\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Kommentar &#8222;Frauen und Kirche&#8220; von Rainer M\u00fcller (SZ vom 29.\/30. Juli):<\/p>\n<p>Kommentator Rainer M\u00fcller irrt, wenn er behauptet, da\u00df niemals in der Kirchengeschichte Hexer verfolgt worden seien und das Edgar Wallace vorbehalten blieb. Im Jahr 1624 hat sich in Basel ein Barbier oder Arzt durch &#8222;b\u00f6se, zauberische K\u00fcnste&#8220; die Frau eines geistesschwachen Basler B\u00fcrgers h\u00f6rig gemacht. Einer drohenden Verhaftung kam er dann zwar durch Flucht ins \u00f6sterreichische (und katholische) Rheinfelden zuvor, wurde jedoch bald von den dortigen Beh\u00f6rden ins evangelische Basel ausgeliefert. Dort wurde er schlie\u00dflich als &#8222;Hexenmeister&#8220; \u00f6ffentlich hingerichtet und zu Pulver verbrannt.<\/p>\n<p>Dr. HERBERT VIEHL, Dudweiler<\/p>\n<p><strong>Glaube mit M\u00fche <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Volksbegehren soll Vatikan bekehren&#8220; (SZ vom 31. Juli): Die Krise der katholischen Kirche ist schon ernst genug. Was wir heute brauchen, sind M\u00e4nner und Frauen, vor allen Ordensberufungen, die mit Christus ihr Kreuz tragen, sei es durch Entsagung, Opfer oder Leiden. Glaube mu\u00df mit M\u00fche gelebt werden, sonst wird er fade, wie eine Suppe ohne Salz.<\/p>\n<p>So mu\u00df die Kirche trotz allem keine Drohbotschaft verk\u00fcnden. Lockerungen sind in keiner Religion angebracht. Die Fr\u00fcchte davon werden uns ja t\u00e4glich beschert. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RENATE KLEIN, Spiesen-Elversberg<\/p>\n<p><strong>Wohl ein Witz! <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel \u201eR\u00fcttgers plant Zinsen aufs Baf\u00f6g&#8220; (SZ vom 4. Juli). Das kann doch wohl nur ein Witz sein! Als ich von den \u00c4nderungspl\u00e4nen unseres Bildungsministers, was das Baf\u00f6g anbelangt, geh\u00f6rt habe, dachte ich, ich h\u00e4tte nur schlecht getr\u00e4umt, doch dies war leider nicht so! Nach den Pl\u00e4nen von Herrn R\u00fcttgers soll nun der verzinslichen H\u00e4lfte des Baf\u00f6g-Betrages ein Zinssatz von 8,5 Prozent j\u00e4hrlich zugrunde gelegt werden. Die Auswirkungen dieser Pl\u00e4ne m\u00f6chte ich an einem kleinen Beispiel illustrieren: Nehmen wir an, ein Student bezieht 600 DM Baf\u00f6g im Monat (dies ist sowieso schon eine Rarit\u00e4t), hei\u00dft also: bis jetzt 300 DM als ,,milde Gabe&#8220; des Staates und 300 DM als unverzinsliches Darlehen. Dies bedeutet f\u00fcr ihn, da\u00df er nach etwa 5 Jahren Studium und weiteren 5 Jahren an tilgungsfreiem Raum Schulden in H\u00f6he von 18 000 DM zur\u00fcckzuzahlen hat. Nach den Pl\u00e4nen unseres Bildungsministers m\u00fc\u00dfte derselbe Student nach dem neuen Gesetz 33 324,60 DM an Schulden abbezahlen, also 15 324,60 DM mehr oder anders ausgedr\u00fcckt, 85 Prozent mehr als nach dem alten Baf\u00f6g-Gesetz.<\/p>\n<p>Ich finde es nicht in Ordnung, da\u00df, um die Bildungspolitik zu finanzieren, bei den einkomensschwachen Schichten begonnen wird Geld einzusparen. Ebenso komme ich mir bei solchen Pl\u00e4nen verh\u00f6hnt vor, wird doch auf der anderen Seite gerade von dieser Regierung vorgeschlagen, die Di\u00e4ten im Bundestag so stark anzuheben. Eins ist sicher: Die Studenten werden sich gegen die Pl\u00e4ne auflehnen.<\/p>\n<p>BERND DORST, Nunkirchen, Student<\/p>\n<p><strong>Verleumdung <\/strong><\/p>\n<p>Unglaublich! Den Papstbrief \u00fcber die Rechte der Frau interpretiert Rainer M\u00fcller (Kommentar &#8222;Frauen und Kirche&#8220;, SZ vom 29. Juli) als T\u00e4uschung und Irref\u00fchrung! Er sch\u00e4mt sich nicht, die ungeheuerliche Verleumdung Rosenbergs im &#8222;Mythos des 20. Jahrhunderts&#8220;, <em>die katholische Kirche betrachte die Frau als Inbegriff der S\u00fcnde<\/em>, zu seiner eigenen zu machen. Wie bei Rosenberg sollen das die Hexenverfolgungen beweisen, obwohl die katholische Kirche schon Jahrhunderte hindurch den Hexenwahn als heidnischen Aberglauben verworfen hatte. In den protestantischen L\u00e4ndern w\u00fcteten die unseligen Hexenprozesse ebenso wie in den katholischen. Sie waren Instrumente der staatlichen Justiz und nicht der Kirche!<\/p>\n<p>Mit der Behauptung, niemals seien M\u00e4nner dem Hexenwahn zum Opfer gefallen, f\u00fcgt Rainer M\u00fcller der Verleumdung Rosenbergs eine weitere hinzu. Zwischen 1626 und 1629 mu\u00dften wegen angeblicher Hexerei und Zauberei zum Beispiel ihr Leben lassen: Der Kanzler, der Ratsvogt und ein Ratsherr von Eichst\u00e4tt, der ,,dickste B\u00fcrger von W\u00fcrzburg&#8220;, ein Herr von Reizenstein und einer von Rothenhan, ein geistlicher Doktor, vierzehn Domvikare, drei Chorherren, ein Spitalmeister, ein Student und zwei Ratsherrens\u00f6hne, also auch M\u00e4nner, sogar solche in kirchlichen \u00c4mtern.<\/p>\n<p>Herr M\u00fcller m\u00f6ge doch die vielen Frauen z\u00e4hlen, welche die katholische Kirche als Heilige verehrt! In Maria, der s\u00fcndenlosen Frau, sieht sie die ganze Menschheit als gesch\u00f6pfliche Partnerin Gottes verk\u00f6rpert, auch die M\u00e4nner! Frauen wie M\u00e4nner werden durch das Sakrament der Taufe in die Kirche aufgenommen, sofern sie Jesus als Gottes Sohn bekennen, in der Firmung empfangen sie den Geist der Liebe Gottes und durch ihn heiligen sich Frau und Mann in christlicher Ehe gegenseitig. Die Frau Inbegriff der S\u00fcnde? Potenzierter Unsinn und diabolische Verleumdung!<\/p>\n<p>HEINRICH MOOG, Niederw\u00fcrzbach<\/p>\n<p>Wunderbar vermehrt<\/p>\n<p>ZEIT-ZEICHEN<\/p>\n<p>CHRISTA MEVES<\/p>\n<p><strong>Schieflage <\/strong><\/p>\n<p>Es ist unzweifelhaft, da\u00df Jugendliche zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr des besonderen Schutzes durch ihre Erzieher bed\u00fcrfen; denn mit der Geschlechtsreife beginnen sie nat\u00fcrlicherweise nach Selbst\u00e4ndigkeit zu streben, ohne zun\u00e4chst eine sichere Unterscheidungsf\u00e4higkeit \u00fcber das ihnen Bek\u00f6mmliche, sie Aufbauende und das Unbek\u00f6mmliche, ihre Entfaltung Gef\u00e4hrdende zu haben.<\/p>\n<p>Sie brauchen dazu Hilfen, Vorgaben durch die f\u00fcr sie verantwortlichen Erwachsenen: die Eltern, die Pfarrer mit den Lehrern, besonders auch durch den Staat, der deshalb im Grundgesetz die Familie (auf dem Papier) unter seinen besonderen Schutz gestellt hat. Jugendliche beginnen in diesem Alter nach dem Sinn und Ziel ihres Lebens zu fragen. und auch dabei brauchen sie Antworten, um eine orientierende Ausrichtung zu erfahren.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher \u00fcbernahm der Staat mit Hilfe der Schule diese Aufgabe und strebte dar\u00fcber hinaus durch konfessionsgebundenen Religionsunterricht eine vorrangige Ausrichtung in christlich-abendl\u00e4ndischer Gesinnung an.<\/p>\n<p>\u2022 Mit der Einf\u00fchrung der emanzipatorischen P\u00e4dagogik sind Eindeutigkeiten dieser Art jedoch in den meisten deutschen L\u00e4ndern weitgehend eliminiert worden. Die Schule hat diese Ausrichtung aufgegeben und ist seitdem <em>zu einem pluralen Angebot geworden, mit der Vorstellung, da\u00df sich der Jugendliche in einem solchen Markt der M\u00f6glichkeiten wahlfrei zu entscheiden habe<\/em>.<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderung beruht nicht etwa auf dem Bed\u00fcrfnis nach experimentierfreudiger Neuerung. Sie bedeutet vielmehr <em>\u00dcbernahme eines ideologischen Menschenbildes<\/em>: Der an sich gute Mensch m\u00f6ge nicht weiterhin einer Verformung durch die Gesellschaft ausgesetzt werden, sondern lediglich durch Information zu freier Entscheidung kommen.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Dem christlichen Menschenbild ist diese rousseauistisch-marxistische Vorstellung diametral entgegengesetzt. Der Christ geht von der fundamentalen, f\u00fcr das B\u00f6se anfechtbaren Schw\u00e4che der menschlichen Seele aus<\/em>, die &#8211; deshalb mit einer m\u00f6glichst sofortigen Taufe nach der Geburt beginnend &#8211; des Schutzes, der Gnade, der intensiven Erziehung und des den Menschen bewahrenden Gebetes bed\u00fcrftig ist.<\/p>\n<p>Entscheidungsfreiheit \u00fcber Bek\u00f6mmliches oder Unbek\u00f6mmliches, \u00fcber Konstruktives oder Destruktives aber kann es in christlicher Sicht deshalb nur geben, wenn der Jugendliche wei\u00df, was ihm \u00fcber eine diffuse Kenntnisnahme hinaus auf dem Markt des ihm Angebotenen f\u00f6rderlich und was ihm sch\u00e4dlich ist. Aber gerade das soll heute vermieden werden.<\/p>\n<p>Wer sagt ihm also noch, was ihm sch\u00e4dlich ist? Gewi\u00df die Eltern, die Erfahreneren, wenn er welche hat, die ihn lieben; aber da er als Pubertierender auf dem Nestrand sitzt und Abl\u00f6sung aus der Beh\u00fctungssituation zu bew\u00e4ltigen hat, gilt gerade in dieser Phase ihr Wort oft wenig, bzw. es wird geringgesch\u00e4tzt, ja in Frage gestellt &#8211; w\u00e4hrend das Neue, das ihm die Welt bietet, in die er hineinzuwachsen sucht, oft kritiklos aufgesogen und nachgeahmt wird, da die Reife zur Entscheidung de facto noch fehlt und Verf\u00fchrung zum Sch\u00e4dlichen nicht dadurch aufh\u00f6rt, da\u00df man dergleichen verleugnet.<\/p>\n<p>\u2022 <em>Sagt jemand in dieser Situation der Jugend noch, was ihre Entwicklung besch\u00e4digen, ja, ihr Leben u. U. sogar in den Abgrund f\u00fchren kann? Nicht mehr dieser Staat! <\/em><\/p>\n<p>In der neuen &#8222;Brosch\u00fcre f\u00fcr Jugendliche, \u00fcber den Umgang mit Liebe, Sexualit\u00e4t, Verh\u00fctung und Schwangerschaft&#8220; aus der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung in K\u00f6ln vom Dezember 1993 (Auflage11500), l\u00e4\u00dft sich z. B. lesen: &#8222;<em>AIDS ist kein Grund, Z\u00e4rtlichkeiten und Sexualit\u00e4t aus dem Weg zu gehen&#8220; (S. 39); denn &#8222;Kondome sch\u00fctzen nicht vor allem, aber doch vor sehr vielen sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten, so z. B. vor AIDS. &#8222;<\/em><\/p>\n<p>Eine solche Aussage ist &#8211; bei aller Bem\u00fchung der Brosch\u00fcre, die Wahlfreiheit der einzelnen Jugendlichen bei dem Gebrauch von diesem und jenem Verh\u00fctungsmittel zu betonen &#8211; <em>keineswegs nur ein plurales Angebot, sondern eine einseitige Anregung zu vorehelicher sexueller Bet\u00e4tigung mit Hilfe einer L\u00fcge; denn die Gefahr, sich mit AIDS anzustecken, ist durch den Gebrauch eines Kondoms keineswegs ausgeschaltet. Aber eine Information dar\u00fcber wird unterlassen. M\u00fc\u00dfte eine derartige Manipulation der Jugend mit Hilfe des Staates nicht eigentlich eine Angelegenheit des Verfassungsschutzes sein? <\/em><\/p>\n<p>Ich habe noch einmal &#8211; wie schon mehrere Male in dieser Zeitschrift &#8211; diese so ganz besondere Perfidie herausgegriffen. Dabei ist auf vielen anderen Sektoren die Verantwortungslosigkeit nicht im mindesten geringf\u00fcgiger.<\/p>\n<p>&#8211; So hat vor einigen Monaten die hessische Gesundheitsdezernentin Margarethe Nimsch eine Brosch\u00fcre \u00fcber Partydrogen herausgegeben, die von der Stadt Frankfurt f\u00fcr jugendliche Diskothekenbesucher gedacht ist. Dort gibt es nun z. B. Gebrauchsanweisungen f\u00fcr diese &#8211; nur allzuoft in die Sucht ohne Wiederkehr f\u00fchrenden &#8211; Gifte, z. B. zur Einnahme der sogenannten Designer-Droge &#8222;Ecstasy&#8220;.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die Gesundheit zust\u00e4ndige Dame empfiehlt den Kindern einen ma\u00dfvollen Gebrauch, so als ob sich nicht seit 25 Jahren auf dem Markt der Stimulanzien nur allzuoft <em>ein bi\u00dfchen Gebrauch als Einstieg zum b\u00f6sen Mi\u00dfbrauch erwiesen h\u00e4tte<\/em> und mit solchen Ratschl\u00e4gen die Kraft zum Ma\u00dfhalten bei den Jugendlichen in einer verantwortungslosen und irrealen Weise \u00fcbersch\u00e4tzt w\u00fcrde .<\/p>\n<p>\u2022 Aber dieses sind nur zwei kleine Beispiele einer allgemeinen Uns\u00e4glichkeit. Eigentlich kann deshalb die Frage heute sogar kaum noch hei\u00dfen: Was schadet der Jugend?; denn die Jugendszene ist geradezu zu einem riesigen Sumpf abgr\u00fcndiger M\u00f6glichkeiten geworden. Nein, sie m\u00fc\u00dfte hei\u00dfen: Wo gibt es noch seelische und geistige Entwicklung f\u00f6rdernde, sie aufbauende Bereiche f\u00fcr die Jugendlichen?<\/p>\n<p>Die sind d\u00fcnn ges\u00e4t. <em>Die Jugendarbeit der Kirchen ist hier kein sicherer Hort mehr &#8211; von einigen altbew\u00e4hrten Gruppierungen und einigen neuen wie &#8222;Wahre Liebe wartet&#8220; abgesehen. <\/em><\/p>\n<p>Auch im Schrifttum ist f\u00fcr bem\u00fchte Eltern kaum Brauchbares, Orientierendes zu entdecken, mit wenigen Ausnahmen, z. B. den Brosch\u00fcren des Wei\u00dfen Kreuzes in Kassel mit der Jugendzeitschrift &#8222;you&#8220;, und auch des Jugendkalenders &#8222;Komm-mit&#8220;.<\/p>\n<p>&#8211; Aber wie irreal, ja, wie destruktiv und geradezu gef\u00e4hrlich verr\u00fcckt unser Zeitgeist im Hinblick auf die Jugend ist, l\u00e4\u00dft sich daran erkennen, wie alle die eben genannten Verf\u00fchrungen als tolerabel, ja, als gut f\u00fcr die Jugend angepriesen werden, w\u00e4hrend Orientierung gebende Bem\u00fchungen f\u00fcr die Jugend auf dem Boden einer christlichen Gesinnung mit so viel Dauerbeschu\u00df aus allen Medienrohren als \u201ejugendgef\u00e4hrdend&#8220; bek\u00e4mpft werden, bis auch die wenigen Standfesten, die darum bem\u00fcht sind, resigniert aufgeben m\u00fcssen, weil sie nach so viel Ausgrenzung und Verteufelung keinen Absatz mehr finden.<\/p>\n<p><em> Mit Pluralit\u00e4t, mit Pressefreiheit hat das gewi\u00df schon lange nichts mehr zu tun. In den deutschen Landen ist eingetreten, was der Papst bei seinem Besuch in M\u00fcnchen einst den dort versammelten Journalisten zurief: &#8222;Macht doch nicht das Gute b\u00f6se und das B\u00f6se gut!&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Res\u00fcmee: Eine Ideologie \u00fcber den an-sich-guten Menschen, der unter Vermeidung eines ihm sch\u00e4dlichen Einflusses der Gesellschaft mit eigener Kraft in der Lage zu sein h\u00e4tte, sich sein Paradies selbst zu erstellen, schaffte ein jederzeit erfahrbares Faktum ab: die destruktive D\u00e4monie des B\u00f6sen und die Verf\u00fchrbarkeit des Menschen. Dies aber hie\u00df, sich an den abgeschafften Teufel auszuliefern und ihm &#8211; durch Hochmut schutzlos geworden &#8211; zu verfallen.<\/p>\n<p>&lt;4.8.1990&gt;<\/p>\n<p><strong>Petersdom-Kopie vom Armenhaus <\/strong><\/p>\n<p>Wie die Elfenbeink\u00fcste den Vatikan beschenkt<\/p>\n<p>Die flammenden Appelle, die die Katholische Kirche Jahr f\u00fcr Jahr an ihre Gl\u00e4ubigen richtet, um in den gro\u00dfen Hilfsaktionen ,,Adveniat&#8220; und \u201eMisereor&#8220; die Not in der Dritten Welt lindern zu helfen, m\u00fcssen als blanker Hohn erscheinen angesichts eines aufwendigen Kirchenbaus im Entwicklungsland Elfenbeink\u00fcste. F\u00fcr 250 Millionen DM hat der Pr\u00e4sident des zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt z\u00e4hlenden westafrikanischen Staates eine Nachbildung des r\u00f6mischen Petersdoms bauen lassen, die nun, wie die katholische Nachrichtenagentur KNA meldet, vom Vatikan als Geschenk angenommen worden ist.<\/p>\n<p>\u00dcberall in der Welt, selbst unter dem h\u00f6heren Klerus, ist dieser Kirchenbau auf Kritik gesto\u00dfen. Der Pr\u00e4sident des internationalen katholischen Missionswerkes \u201eMissio&#8220;, Pr\u00e4lat Bernd Kaut, sprach noch vor kurzem von einem Bauwerk, das wohl lediglich zur &#8222;gr\u00f6\u00dferen Ehre&#8220; des Staatspr\u00e4sidenten Felix Houphouet-Boigny beitrage.<\/p>\n<p><strong>Unterhaltskosten: 2,8 MiIIionen DM <\/strong><\/p>\n<p>Denn die Gr\u00f6\u00dfe der Kathedrale und die Kosten f\u00fcr deren Bau stehen im krassen Mi\u00dfverh\u00e4ltnis zur wirtschaftlichen und sozialen Lage des Landes an der Elfenbeink\u00fcste.<\/p>\n<p>Nach ersten Sch\u00e4tzungen sollen sich die j\u00e4hrlichen Unterhaltskosten der Petersdom-Nachbildung auf etwa 2,8 Millionen DM belaufen. Aus der eigenen Tasche will der ,,fromme&#8220; Pr\u00e4sident diese Kosten aufbringen; wie er auch behauptet, den Bau der Kathedrale in seinem Geburtsort Yamoussouko aus seinen eigenen, privaten Mitteln finanziert zu haben ..<\/p>\n<p><strong>Woher stammt das Geld? <\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens da h\u00e4tte man im Vatikan hellh\u00f6rig werden m\u00fcssen. Woher stammt dieses Geld, das zur Verbesserung der Lebensbedingungen der 90 Prozent verarmten und hungernden Menschen dort besser angelegt w\u00e4re? Wenn nicht alle Hinweise der Kirche auf die Not in der Dritten Welt und auf unsere Mitverantwortung f\u00fcr Armut, Elend und Ausbeutung in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern unglaubw\u00fcrdig werden sollen, dann darf man solch fragw\u00fcrdige &#8222;fromme Taten&#8220; nicht noch unterst\u00fctzen und als Geschenk annehmen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ert\u00f6nt auch immer wieder vom Petersplatz in Rom das Klagelied von der gro\u00dfen finanziellen Belastung allein durch die laufenden Unterhaltungskosten der Bauten und der darstellenden Kunstwerke. Und eines Tages, das d\u00fcrfte so sicher sein wie das Amen in der Kirche, wird auch der Petersdom von Yamoussouko den Vatikan-S\u00e4ckel belasten. Dann w\u00e4re es in der Tat an der Zeit, den Peterspfennig durch die Petersmark zu ersetzen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: von den \u00fcber zehn Millionen Einwohnern der Elfenbeink\u00fcste sind lediglich zw\u00f6lf Prozent Christen, davon 8,5 Prozent Katholiken. PAUL PETERS<\/p>\n<p><strong>\u00dcbergeschnappt <\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df \u00fcbergeschnappte, gr\u00f6\u00dfenwahnsinnige Potentaten auf Kosten ihrer ihnen anvertrauten (besser: ausgelieferten) Untertanen sich Denkm\u00e4ler gesetzt haben, lehrt die Weltgeschichte zur Gen\u00fcge. Da\u00df Kirchen und Glaubensgemeinschaften, Sekten und fromme Kl\u00fcbchen und Gr\u00fcppchen schon immer sehr viel Wert auf nach au\u00dfen gerichtete Repr\u00e4sentation gelegt haben, ist auch hinl\u00e4nglich bekannt. Da\u00df aber in heutiger Zeit, wo Menschen denken und nachdenken gelernt haben, der Pr\u00e4sident eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder Afrikas eine Petersdom-Kopie an den Vatikan verschenkt, l\u00e4\u00dft einem schon die Haare zu Berge stehen (Ausgabe vom 4. 8.). Besagter Pr\u00e4sident hat diesen Bau doch nicht \u00fcber Nacht errichten lassen oder aus dem Hut gezaubert. Auch d\u00fcrfte die Planung des Baues und die Absicht des Pr\u00e4sidenten der Elfenbeink\u00fcste, besagtes Bauwerk dem Vatikan zu schenken, Rom nicht unbekannt gewesen sein. Weshalb hat man es dahin kommen lassen, da\u00df der Vatikan das &#8222;Geschenk&#8220; quasi annehmen &#8222;mu\u00dfte&#8220;? Was soll ein denkender Gl\u00e4ubiger mit dem Begriff &#8222;Nachfolger&#8220; anfangen? Der, dem nachgefolgt werden soll, wurde in einem Stall geboren. Er hatte keinen Stein, da Er sein Haupt hinlegen konnte, Er versammelte seine Anh\u00e4nger im Freien um sich, am See, auf einem Berg, nicht in einer Kathedrale. Er starb nackt.<\/p>\n<p>Bitter ist es nur f\u00fcr die notleidenden Menschen, denn viele Spender werden sich nun wieder fragen (und mit Recht), wo denn eigentlich die Spendengelder hingehen? Hoffentlich fragen sich auch viele: Wo landet der Peterspfennig? Das w\u00e4re allerdings nicht so bitter (wenn Konsequenzen gezogen w\u00fcrden).<\/p>\n<p>MARGARETE SKUPIN, Heiligenwald<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 14.8.91&gt;<\/p>\n<p><strong>Und der Papst schweigt &#8230; <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Europas Stimme blieb verhalten zum Abschiebedrama im s\u00fcditalienischen Bari. In der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft treten sich die Partner nicht zu nahe. Strategien und Taktiken sind &#8211; siehe auch die Jugoslawien-Krise &#8211; nationalstaatlich, nicht europ\u00e4isch motiviert.<\/p>\n<p>Solcherlei R\u00fccksichtnahmen brauchte der Chef des Vatikanstaates, Papst Johannes Paul II., nicht zu nehmen. Der Weltreisende in Sachen Moral, worunter Papst und Amtskirche haupts\u00e4chlich die Sexualmoral verstehen, liebt gro\u00dfe Auftritte vor viel Publikum und ma\u00dfregelnde Predigten. \u00c4hnlich werden bereits in der Bibel Gestalten geschildert, die mit donnergrollenden Worten die Gl\u00e4ubigen auf den Pfad der Tugend beorderten.<\/p>\n<p>Wenn es aber um die kleinen, karitativen Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens ging, dann versagten sie. Da mu\u00dfte der barmherzige Samariter ran, der nicht einmal zu den wahren Glaubenden geh\u00f6rte. Diesen Vergleich darf man durchaus heranziehen, denn wo blieb der Aufschrei des Heiligen Stuhls, wo die deutliche Kritik am Vorgehen der italienischen Regierung? Eine der gr\u00f6\u00dften Industrienationen der Welt war nicht in der Lage und willens, wie der &#8222;Corriere della Sera&#8220; sarkastisch kritisierte, in drei Tagen zehntausend Tassen Kaffee zu verteilen. Und der Vatikan sah sich au\u00dferstande, menschenverachtend-inhumanes Handeln vor der eigenen Haust\u00fcr anzuprangern. Kein Wunder also, wenn die Glaubw\u00fcrdigkeit der h\u00f6chsten kirchlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger und damit der Kirche allgemein weiter abnimmt. Jesus Christus, auf den sie sich berufen, h\u00e4tte nicht die Albaner, wohl aber die pr\u00fcgelnden Polizisten zum Tempel hinausgeworfen.<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p>2 Kommentare &#8211; Hintergrund<\/p>\n<p><strong>Kirche braucht Diskussion <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>In der Schweiz droht ein Bistum der katholischen Kirche zu zerbrechen. Der di\u00f6zesane Notstand ist heraufbeschworen worden. Stein des Ansto\u00dfes ist der von Papst Johannes Paul II. unter lautem Protest der Basis ernannte ultrakonservative Bischof von Chur, Wolfgang Haas. Weiteren \u00c4rger bereitete Haas mit der Ernennung eines Opus-die-Priesters zum Leiter des Priesterseminars in Chur.<\/p>\n<p>Diese Situation hat der Papst vor einem Jahr durch die ,,Inthronisierung&#8220; des linien- und amtskirchentreuen Bischofs Haas heraufbeschworen &#8211; ebenso wie er in diesem Jahr in \u00d6sterreich auf heftigen Widerstand stie\u00df, als Rom mit dem ehemaligen Wiener Weihbischof Kurt Krenn einen Vertreter des traditionalistischen Fl\u00fcgels der Kirche zum Bischof von St. P\u00f6lten ernannte. Auch in diesem Fall &#8211; ein weiterer siehe in K\u00f6ln &#8211; hat der Papst von seinem Ernennungsrecht ohne Wenn und Aber Gebrauch gemacht und sich um die Ansichten anderer Theologen und der Basis nicht gek\u00fcmmert Johannes Paul II. liegt viel daran, wie er schon mehrfach bewiesen hat, Priester und Laientheologen zu disziplinieren, die nicht als &#8222;Hardliner&#8220; gelten.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgebliche Theologen haben im vergangenen Jahr die neue r\u00f6mische Instruktion &#8222;\u00dcber die kirchliche Berufung der Theologen&#8220; als einen Versuch verurteilt, den Pluralismus theologischer Lehrmeinungen durch ein Verbot des Dissenses und durch die Forderung nach Gehorsam zu unterdr\u00fccken. Das Dokument ist als Angriff auf die Freiheit katholischer Theologie und damit als Angriff auf die Freiheit des ganzen Volkes Gottes bezeichnet worden.<\/p>\n<p>Es ist eines der gr\u00f6\u00dften \u00dcbel in der katholischen Kirche, da\u00df sie aus der Hoch-Erhobenheit des Amtes die \u00f6ffentliche Meinung innerhalb der Kirche immer wieder streng zu kanalisieren versucht, ja sogar die einzelnen Schritte vorschreibt, die jeder auf dem Weg zum Heil zur\u00fcckzulegen hat. Bei allem Respekt vor dem Lehramt: Kirche kann sich in der Atmosph\u00e4re eines Meinungs- und Glaubensdiktats nicht entwickeln und nicht erneuern. Dies aber h\u00e4tte sie dringend n\u00f6tig, ohne sich gleich in modernistische Str\u00f6mungen zu begeben und st\u00e4ndig dem sogenannten Zeitgeist hinterherzulaufen.<\/p>\n<p>Sicher ist ein direkter Vergleich unzul\u00e4ssig, aber es f\u00e4llt auf, da\u00df beispielsweise die V\u00f6lker im Osten aufbrechen und sich aus der geistigen Knechtschaft einer menschenverachtenden Ideologie befreien. Sie l\u00f6sen sich von einer geistigen Knebelung, die sie jahrzehntelang unter marxistisch-leninistischer Herrschaft erdulden mu\u00dften.<\/p>\n<p>Der Kirche m\u00fc\u00dfte eine solche Entwicklung zumindest zu denken geben. Sicher ist Kirche keine menschenverachtende Einrichtung und nicht im entferntesten zu vergleichen mit der zugrunde gehenden politischen und weltanschaulichen Ideologie des Kommunismus. Der Blick der verantwortlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger aber m\u00fc\u00dfte sich auf die Menschen richten. Sie sind n\u00e4mlich dabei &#8211; der Papst hat es selbst bei seiner Polenreise erfahren &#8211; jede Art von geistiger Bevormundung auf die Seite zu schieben und abzusch\u00fctteln. Sie wollen nicht nur im politischen Raum bestimmen, sondern auch dar\u00fcber, wie sie ihr Leben auch im Hinblick auf ein Leben nach diesem Leben gestalten.<\/p>\n<p>Hat die Kirche so wenig Vertrauen in ihr eigenes Selbstverst\u00e4ndnis und in die Kraft des Glaubens, den sie lehrt, da\u00df sie sich beharrlich weigert, in eine offene und \u00f6ffentliche Diskussion mit denen einzutreten, die von der herrschenden Lehrmeinung abweichen? Das verhie\u00dfe keine guten Zukunftsaussichten &#8211; und schon jetzt mu\u00df bef\u00fcrchtet werden, da\u00df die Gottesh\u00e4user sich st\u00e4ndig weiter leeren.<\/p>\n<p>Wenn sich Menschen heute von der Kirche abwenden, so ist das nur in den wenigsten F\u00e4llen mit Desinteresse, materialistischer Sattheit und Unglauben zu erkl\u00e4ren. Entt\u00e4uschung d\u00fcrfte eine wesentlichere Rolle spielen.<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 28.10.91&gt;<\/p>\n<p><strong>Die Pille wird kommen <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00dclLER<\/p>\n<p>Was hat wohl die Hoechst-Tochter Roussel-Uclaf bisher davon abgehalten, das von ihr schon vor drei Jahren in Frankreich verbreitete Abtreibungsmedikament &#8222;Mifegyne&#8220; bisher f\u00fcr die Zulassung in Deutschland noch nicht zu beantragen? Waren es medizinische Zweifel mit Blick auf m\u00f6gliche und bei aller Erfahrung zu erwartende Nebenwirkungen oder eher moralische Skrupel? Letzteres wird zutreffen, denn mit dem Erscheinen dieses Medikaments kommt es jetzt zu den gleichen Diskussionen wie bei den Debatten um den Schwangerschaftsabbruch auf ,,konventionelle&#8220; Weise im Krankenhaus.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste politische Konflikt ist programmiert. Darauf weist schon die Forderung der profilierten CDU-Politikerin Doris Pack hin, die sich deutlich f\u00fcr das Ausprobieren der T\u00f6tungspille ausgesprochen hat, w\u00e4hrend ihr Kollege Bundestagsabgeordneter Claus J\u00e4ger k\u00fcrzlich noch apodiktisch formulierte, da\u00df es diese Pillen in Deutschland niemals geben d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Das bleibt wohl ein frommer Wunsch. Selbst wenn jetzt, wie in Frankreich, noch strenge Auflagen f\u00fcr das Pr\u00e4parat bestehen, so werden diese auf Dauer nicht bestehen bleiben. Die Abtreibungspille wird als &#8222;fortschrittliche&#8220; Errungenschaft weltweit wie viele andere neu entwickelten Medikamente ihren Siegeszug antreten, und zwar allen moralischen Anfeindungen zum Trotz. Der EG-Binnenmarkt ab 1993 wird dann im Rahmen der Harmonisierungsbestrebungen zwangsl\u00e4ufig daf\u00fcr sorgen, da\u00df die Substanz RU 486 ohne gro\u00dfe Probleme und weitere Diskussionen auch in Deutschland in die Apotheken kommt.<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p>Nr. 249 &#8211; Samstag\/Sonntag, 26.\/27. Oktober 1991<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma <\/strong><\/p>\n<p>Der Fall Drewermann ist der neueste Fall in einer langen Reihe von Verfolgung und Unterdr\u00fcckung Andersdenkender durch die p\u00e4pstliche Kirche. Erinnert sei an die VerfoIgung von angeblichen Ketzern, von Hexen und Juden durch die Inquisition, die Verurteilung von Galileo Galilei wegen seiner Behauptung, da\u00df sich die Erde um die Sonne drehe, an die Entziehung der Lehrerlaubnis von Prof. Hans K\u00fcng oder j\u00fcngst das Redeverbot f\u00fcr den Befreiungstheologen Bernardo Boff. Im neunzehnten Jahrhundert attackierten die P\u00e4pste jede neue Verfassung als &#8222;gottlos&#8220;, weil sie Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, freie parlamentarische Institutionen und v\u00f6llige Gleichheit aller B\u00fcrger vor dem Gesetz garantierte.<\/p>\n<p>Das Dilemma der Katholiken besteht (nach Peter de Rosa) heute darin, da\u00df &#8222;der Katholik in seinem Staat Offenheit, v\u00f6llige Religionsfreiheit, Demokratie und Toleranz begr\u00fc\u00dft. Er h\u00e4lt es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df Freiheit zu einer Vertiefung der Wahrheit f\u00fchrt&#8220;. In der katholischen Kirche mu\u00df er dagegen Geheimhaltung und fehlende Haftbarkeit hinnehmen. Es gibt keine Alternativen, keine Wahlen. \u201eEr mu\u00df akzeptieren, was man ihm vorsetzt. Der Ein druck entsteht, da\u00df Freiheit und Diskussion zur Verw\u00e4sserung der Wahrheit f\u00fchren.&#8220; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 WILLIBALD STEFFEN, Lebach<\/p>\n<p><strong>Verachtend <\/strong><\/p>\n<p>Die Menschenverachtung beginnt mit der Abtreibung, geht weiter mit der Mi\u00dfachtung des N\u00e4chsten und mit Ausl\u00e4nderha\u00df und endet mit der Euthanasie. Hat wirklich jede Frau das Recht, selbst \u00fcber Leben und Tod zu bestimmen und somit den Arzt, der Leben erhalten soll, zum T\u00f6ten zu zwingen? Die \u00c4rzte wehren sich dagegen (Abtreibung mu\u00df Ausnahme sein&#8220;, SZ vom 14.10.). Man stelle sich nur vor, da\u00df ein Arzt ja ansehen mu\u00df, was er da get\u00f6tet hat, im Gegensatz zur Mutter, die ihr totes Kind nicht zu sehen bekommt. Die logischen Folgen der ganzen Abtreibungsdiskussion werden immer deutlicher sichtbar: Die Menschen entarten.<\/p>\n<p>ANNEMARIE FRIEDRICH, Heusweiler<\/p>\n<p><strong>Nicht l\u00e4nger schweigen <\/strong><\/p>\n<p>Was soll das hei\u00dfen, wenn Bernard Bernarding in seinem Leitartikel &#8222;Das Bonner B\u00fcndel&#8220; (Ausgabe vom 11.10.) schreibt: die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me durch ein Einwanderungsgesetz zu kanalisieren? Fl\u00fcchtlinge k\u00f6nnen nicht kanalisiert werden. Fl\u00fcchtlinge werden durch Verfolgung, Leid und Not getrieben, wie soll man die kanalisieren&#8220;? Einwanderung kann man durch Kontingentierung kanalisieren und damit pl\u00f6tzliche Einwirkungen auf Wohnungs- und Arbeitsmarkt abfedern. Aber nicht Fl\u00fcchtlinge!<\/p>\n<p><strong>Unschuldiges BIut <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zum Thema &#8222;Schwangerschaftsberatung&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Der Papst hat gesprochen und es war h\u00f6chste Zeit, da\u00df er gesprochen hat. Fakt ist, da\u00df durch die Beratungsscheine Menschen get\u00f6tet werden. Das ist gleichzusetzen mit dem Morden, T\u00f6ten und Euthanasieverfahren in den vierziger Jahren. Die Antwort von unserer h\u00f6chsten Autorit\u00e4t haben wir erhalten: Deutschland in Schutt und Asche &#8211; Wie wird Gott mit uns verfahren, wo weltweit gesehen noch mehr unschuldiges Blut vergossen wird als in jener Zeit? Wenn unsere Bisch\u00f6fe von jenem g\u00f6ttlichen Geist durchdrungen w\u00e4ren im Sinne, so h\u00e4tte es nie einen Beratungsschein innerhalb unserer Bist\u00fcmer gegeben.<\/p>\n<p>GERTRUD GEBHARDT, Neunkirchen<\/p>\n<p><strong>Moralapostel <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zum Papst-Erla\u00df zur Schwangerschaftsberatung <\/strong><\/p>\n<p>Was sind das f\u00fcr Moralapostel, die sich einerseits ohne jede R\u00fccksicht auf die M\u00f6te der Frauen, so k\u00e4mpferisch f\u00fcr das werdende menschliche Leben einsetzen, die aber andererseits mit vollen M\u00e4gen kleinm\u00fctig und herzlos wegschauen, wenn M\u00fctter mit ihren Kindern notleiden und drau\u00dfen in der Welt sogar millionenfach Kindern hungern und verhungern? Was sind das f\u00fcr Moralapostel, die einerseits darum k\u00e4mpfen und darauf bestehen, da\u00df in den Schuls\u00e4len ein Kruzefix h\u00e4ngt, die aber andererseits mit dem Kreuz um den Hals schon fast mit Wollust um das Goldene Kalb tanzen und dem blanken Egoismus huldigen? Was sind das f\u00fcr Moralapostel, die im \u00dcberflu\u00df leben, denen es an nichts mangelt, die das Teilen verlernt haben und st\u00e4ndig \u00fcber die Abgaben jammern und st\u00f6hnen, von anderen aber fortw\u00e4hrend Einbu\u00dfen und Verzicht fordern? \u00a0WERNER FRIED, Neunkirchen<\/p>\n<p><strong>Dem Papst geh\u00f6ren unsere Sympathie und Gehorsam <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zum Kommentar &#8222;R\u00f6mische Moral-Apostel&#8220; von Guido Peters (SZ vom 22. Jan.) <\/strong><\/p>\n<p>Noch ehe \u00fcberhaupt etwas geschehen ist, heizen Sie schon das Thema an und sprechen von \u201eKulturkampf&#8220; und \u201elebensferner Vereinigung&#8220;. Kennen Sie den Wortlaut schon? Hat die Bischofsversammlung in Deutschland bereits Stellung dazu genommen? Das sind Ihre &#8222;billigen Klimmz\u00fcge&#8220; am ungeeigneten Thema. Es gilt, in einem so heiklen Thema Augenma\u00df zu bewahren und nicht weitere Negativstimmung zu erzeugen. Das Blut derjenigen, die das Grundgesetz der Bundesrepublik sch\u00fctzen sollten, ist das Blut der Zukunft. Es sind genau diese Zahlen der Abtreibung, die uns als Kinder fehlen bei der Bew\u00e4ltigung der Zukunftsaufgaben. Hier mu\u00df die Kirche f\u00fcr das Leben sich einsetzen und darf eine &#8222;Kultur des Todes&#8220; nicht und nie unterst\u00fctzen. Nachwuchstr\u00e4ge Verm\u00f6gensscheffler w\u00e4ren sehr gut in der Lage, ihre Kinder auszutragen. Diese Art der Not beinhaltet auch eigenes Mittun. Progressive Unionsfrauen sind nicht f\u00fcr Abtreibung. Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Fortschritt? Warten Sie also ab, was im einzelnen beschieden wird. Unseren Bisch\u00f6fen und dem Papst geh\u00f6ren unsere Sympathie und Gehorsam.<\/p>\n<p>HEINRICH N\u00dcTTGENS, Riegelsberg<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 7.1.92&gt;<\/p>\n<p><strong>Kirchenmann nimmt Frauen bei \u00a7 218 in Schutz <\/strong><\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4ses Beier: Den Betroffenen wird zu unrecht die &#8222;ethische Verantwortung&#8220; abgesprochen <\/strong><\/p>\n<p>Bad Neuenahr (lrs). Die &#8222;Unversch\u00e4mtheit&#8220;, mit der in der gegenw\u00e4rtigen Debatte \u00fcber die gesetzliche Neuregelung des Schwangerschaftsabbruches Frauen zu &#8222;Objekten&#8220; von Entscheidungen anderer gemacht werden, hat der Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier, scharf kritisiert. In der gef\u00fchrten Auseinandersetzung &#8222;spottet es jeden Kommentars&#8220;, wie Frauen &#8222;verhohlen oder unverhohlen sittlicher Ernst und ethische Verantwortung&#8220; abgesprochen werden, sagte der Pr\u00e4ses der zweitgr\u00f6\u00dften Mitgliedskirche innerhalb der EKD am Montag zu Beginn der rheinischen Landessynode in Bad Neuenahr. Die rund 280 Synodalen als Vertreter von gut 3,2 Millionen Protestanten zwischen Niederrhein und Saarland werden sich bei ihrer einw\u00f6chigen Tagung auch mit der Stellung der Kirche zur Reform des Paragraphen 218 befassen.<\/p>\n<p>Zwar nicht h\u00f6chstpers\u00f6nlich, daf\u00fcr aber als &#8222;Stimme&#8220; war Papst Johannes Paul II. zu Gast: Ein protestantischer Kirchenhistoriker aus Rom schilderte mit Imitationstalent den am\u00fcsierten Synodalen eine Audienz beim Heiligen Vater. &#8222;Un dono prezioso&#8220;, &#8222;ein wertvolles Geschenk-, so klang es auf Italienisch mit polnischem Akzent durch den Tagungssaal, habe der Papst ausgerechnet ein seltenes Exemplar der ersten italienischen evangelischen Bibel genannt, die ihm die Protestanten-Delegation zum Gastgeschenk machte. Der Papst, der die &#8222;ketzerische&#8220; Heilige Schrift entgegennahm, habe wohl vergessen, da\u00df diese Bi belausgabe noch vor einem Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen des Vatikan verbrannt worden sei und das Geschenk-Exemplar vor den F1ammen habe gerettet werden k\u00f6nnen. F\u00fcr das Ende der Spaltung zwischen den beiden christlichen Konfessionen gebe es ein gutes Rezept: \u201eDie Katholiken m\u00fcssen ihre Hierarchie \u00fcberwinden und die Protestanten ihre Anarchie.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Erzbischof: Sex ist eine Gabe Gottes<\/strong><\/p>\n<p>Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, George Carey, hat die r\u00f6misch-katholische Kirche zum \u00dcberdenken ihrer Haltung zur Geburtenregelung aufgerufen. Im \u201eDaily Telegraph\u201c erkl\u00e4rte er, wenn Rom das Verbot der Geburtenregelung als Dogma sehe, stelle dies auch ein Problem f\u00fcr Nicht-Katholiken dar. Carey sagte, da\u00df f\u00fcr Anglikaner der Sexualverkehr nicht nur als Mittel zur Fortpflanzung zul\u00e4ssig sei: \u201eSex ist eine Gabe Gottes, ein Ausdruck der Verbundenheit, ein Geschenk der Liebe.\u201c\u00a0 Dpa<\/p>\n<p>&lt;SZ 1.\/2. Aug. 92&gt;<\/p>\n<p>2 <strong>Kommentare-Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p><strong>Republik der Einzelk\u00e4mpfer <\/strong><\/p>\n<p>VON WALTER W. WEBER<\/p>\n<p>Damit erst gar kein Zweifel aufkommt: Die Debatte um die Parteienverdrossenheit in Deutschland mu\u00df gef\u00fchrt werden. \u00d6ffentlich, schonungslos und grunds\u00e4tzlich. Denn sie ist notwendig, weil sich in \u00fcber vier Jahrzehnten Parteien-Demokratie in dieser Republik zu vieles fehlentwickelt und negativ verfestigt hat<\/p>\n<p>Doch dar\u00fcber hinaus stellt sich die grunds\u00e4tzliche Frage: L\u00e4\u00dft sich die Diskussion wirklich nur auf diesen einen Bereich eingrenzen? Greift sie damit nicht zu kurz? Liegt das eigentliche Problem, mit dem wir es hier zu tun haben und das sich im gest\u00f6rten Verh\u00e4ltnis zwischen B\u00fcrgern und Parteien eben besonders augenf\u00e4llig darstellt, nicht in Wirklichkeit viel tiefer und auf einer viel breiteren gesellschaftspolitischen Ebene? Sind die Parteien nicht nur ein &#8211; wenn auch bedeutender &#8211; Mosaikstein in dem Gesamtbild einer Gesellschaft, die sich gravierend ver\u00e4ndert hat und immer noch rasant wandelt? Und ist \u00fcberhaupt noch reparabel und restaurierbar, was der Zeitgeist bereits tief versch\u00fcttet hat?<\/p>\n<p>Der Wandel der Gesellschaft ist kein spezifisch deutsches Problem. Es ist das Problem fast aller Wohlstandsgesellschaften der Welt. Doch es ist das uns am n\u00e4chsten liegende Problem &#8211; und damit ist es ein Problem der Deutschen.<\/p>\n<p>Der Wandel der bundesdeutschen Gesellschaft, der sich in einem zunehmenden Drang nach Individualit\u00e4t, nach Unabh\u00e4ngigkeit und Ungebundenheit zeigt, hat nicht nur Auswirkungen auf die Parteien, sondern auf alle klassischen Institutionen: auf Familie, auf Kirche, auf Gewerkschaft, auch auf gro\u00dfe Bereiche des Vereinslebens. Sie alle haben es inzwischen mit erheblichen Akzeptanzproblemen zu tun.<\/p>\n<p>Das einstmals festgekn\u00fcpfte Netz von Familie- und Verwandtschafts-Beziehungen und -Bindungen gibt es so nicht mehr. Es sind in zunehmendem Ma\u00dfe lockere F\u00e4den, die davon noch \u00fcbriggeblieben sind. Die wachsende Zahl von Single-Haushalten ist daf\u00fcr nur ein Symptom, das inzwischen auch im traditionellen bindungsstarken Saarland festzustellen ist. Beziehungen, die Verantwortung erfordern, werden immer st\u00e4rker als Fesseln gesehen, die man sich ersparen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Das gilt vielfach auch f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zur Kirche. Wobei diese allerdings- eine Parallele zu den Parteien &#8211; den Entfremdungsproze\u00df noch zus\u00e4tzlich f\u00f6rdert durch erstarrte Strukturen des Denkens und Handelns wie der Selbstdarstellung.<\/p>\n<p>Problem der Gewerkschaft wiederum ist es, da\u00df Wohlstandssicherung zunehmend individuell gesehen wird. Gruppeninteressen treten dahinter zur\u00fcck. Immer mehr Deutsche werden zu Wohlstands-Einzelk\u00e4mpfern. Gerade im Berufsleben, wo die Formel lautet: Leistung = Wohlstand. Was bedeutet: Egozentrik auf Kosten der Mitmenschlichkeit. Die Gruppe wird nur noch gesucht, wenn der eigenen, individuellen Interessenlage damit zus\u00e4tzliche Durchschlagskraft verliehen werden kann. Dies gilt auch f\u00fcr das Engagement vieler in Protestbewegungen.<\/p>\n<p>Besonders deutlich machen l\u00e4\u00dft sich der Individualisierungs- und Selbstfixierungs-Proze\u00df am Beispiel der Sportvereine. Mannschaftssportarten haben zusehends weniger Zulauf und wachsende Nachwuchssorgen (im kulturellen Bereich gilt dies f\u00fcr Gesangvereine und Ch\u00f6re). Wachsenden Zuspruch dagegen erfahren in der Freizeit-Welt Sportarten, in denen sich der einzelne an einem anderen Gegner messen und beweisen kann, zu Zeiten, wo ihm dies pa\u00dft. Teamgeist ist immer mehr out, weil er Einordnung verlangt, auf feste Zeiten verpflichtet, einen festlegt und damit Individualit\u00e4t einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Ist also \u00fcberhaupt noch restaurierbar, was der Zeitgeist so gravierend ver\u00e4ndert hat? Es ist schwer vorstellbar. Dieser Zug scheint auf absehbare Zeit abgefahren zu sein. Und somit mag die Diskussion um die Parteienverdrossenheit, der vielleicht derzeit ein zu hoher Stellenwert einger\u00e4umt wird im Vergleich zu den anderen Problemfeldern, letztlich vielleicht Fehlentwicklungen stoppen und zu qualitativen Verbesserungen der politischen Hygiene f\u00fchren. Das Verh\u00e4ltnis zwischen B\u00fcrgern und Parteien jedoch wird wohl nie wieder so werden, wie es einmal war. Und da sitzen letztere mit allen anderen klassischen Institutionen in einem Boot.<\/p>\n<p>&lt;Paulinus 2.8.92&gt;<\/p>\n<p><strong>Den M\u00e4chtigen endlich ins Gewissen reden <\/strong><\/p>\n<p>Entscheidung Boffs st\u00f6\u00dft auf Bedauern &lt;&#8222;Paulinus&#8220; Nr. 28 vom 12. Juli 1992)<\/p>\n<p>Zerm\u00fcrbt durch dauernden Druck seitens vatikanischer Beh\u00f6rden hat der bekannte Theologe aufgegeben. Das Verhalten dieser Beh\u00f6rden ist in der Tat sehr widerspr\u00fcchlich. Da gibt es einerseits die katholische Soziallehre, die ein Eintreten f\u00fcr die Armen fordert &#8211; da gibt es klare Forderungen der letzten P\u00e4pste und des Konzils in derselben Richtung &#8211; da gibt es die Dokumente von Medellin und Puebla, in denen dieser Einsatz ausf\u00fchrlich begr\u00fcndet wird. Und da gibt es Entscheidungen aus dem Vatikan, die alle Bem\u00fchungen vieler s\u00fcdamerikanlscher Bisch\u00f6fe und Priester torpedieren. Da mu\u00df man sich ja fragen, wer eigentlich dort das Sagen hat.<\/p>\n<p>Wann werden die verantwortlichen Pr\u00e4laten dort endlich begreifen, da\u00df die bisherige Theologie &#8211; zunehmend von bekannten Theologen selbst als Theologie des privaten Seelentrostes und der Vertr\u00f6stung auf ein besseres Jenseits bezeichnet &#8211; geradezu Wasser auf die M\u00fchlen der politisch und wirtschaftlich M\u00e4chtigen ist, die mit der Bibel nichts oder wenig \u201eam Hut&#8220; haben und sie nicht im geringsten gest\u00f6rt hat. Wann wird man in der Verk\u00fcndigung der Tatsache, da\u00df Gott sich ganz massiv in die Gesch\u00e4fte der M\u00e4chtigen eingemischt hat (Exodus 3,7 folg. und die Sozialkritik der Propheten), endlich die Bedeutung zumessen, die ihr zukommt .<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 28.\/29. Nov. 92&gt;<\/p>\n<p>35 Unsere Leser und wir<\/p>\n<p><strong>Ungereimtes Machwerk <\/strong><\/p>\n<p>Da sitzt Herr Ratzinger, dieser gelehrte Mann, Jahr f\u00fcr Jahr an seinem Schreibtisch um herauszut\u00fcfteln, da\u00df V\u00f6lkermord moralisch nicht zu vertreten ist. Mit der Todesstrafe tut er sich etwas schwerer, w\u00fcrde er doch mit dem amerikanischen Gesetz in Konflikt geraten. Nicht einmal ein Stirnrunzeln kann er sich abringen.<\/p>\n<p>Was hat er sich andererseits dabei gedacht, die Gyn\u00e4kologenschaft in den Bann zu schlagen? Trunkenheit am Steuer klare Sache. Aber Steuerhinterziehung? Man f\u00fchlt sich in Anbetracht der oft unsinnigen Ausgabenverschwendungen geradezu verf\u00fchrt, die Frage des Wehretats auf eigene Faust zu regeln. Das Drogenproblem auf diese Weise abzutun, empfinde ich als ungeh\u00f6rig.<\/p>\n<p>R\u00fchrend dagegen wie der greise Kardinal den Ehepartnern den dualen &#8211; und den Singles den Monosex erlaubt.<\/p>\n<p>Alles in allem k\u00f6nnte man \u00fcber dieses ungereimte Machwerk schmunzeln, wenn es nicht zum Weinen w\u00e4re. Wie will diese Kirche noch ernst genommen werden, wenn sie sich solche Ausrutscher leistet?<\/p>\n<p>DR. OTMAR BEHR, Burbach<\/p>\n<p><strong>Anma\u00dfend <\/strong><\/p>\n<p>Man darf auf die Pr\u00e4sentation der deutschen \u00dcbersetzung des &#8222;Neuen Katechismus&#8220; der katholischen Kirche (Ausgabe vom 17.11.) gespannt sein. Nach den Ausz\u00fcgen der dpa-Meldung zu urteilen, kann man nur sagen: Alte H\u00fcte!<\/p>\n<p>Die Kirche, die Kirchen k\u00f6nnen sich drehen und wenden, ja winden, wie sie wollen: Sie sind und bleiben Kolosse auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen, und eines Tages st\u00fcrzt die ganze Herrlichkeit zusammen.<\/p>\n<p>Jeder Auszug der \u00fcber dpa vermittelten \u00dcbersetzung w\u00e4re ganz einfach durch die zehn Paragraphen, die Gott uns gegeben hat, zu widerlegen. Und durch die Botschaft der Bergpredigt (Seligpreisungen, Matth. 5). Wer liest schon die 2865 Paragraphen (die das Jahrhundertwerk Kardinal Ratzingers sein sollen) in Form des &#8222;Neuen Katechismus&#8220;? Bestimmt keiner, der sein Brot mit Tr\u00e4nen i\u00dft und der mit dem Studium seines Lohnstreifens und dem Vergleich der Preisschilder genug zu lesen hat. Um die soll es ja gehen, um die M\u00fchseligen und Beladenen. F\u00fcr die ist das Studium der Ratzingerschen Paragraphen eine nicht zu bew\u00e4ltigende Last.<\/p>\n<p>Am anma\u00dfendsten ist der Anspruch des Vatikan, den &#8222;Neuen Katechismus&#8220; als verbindlich f\u00fcr einzelne Christen, ganze Familien, Gesellschaftsgruppen und (am gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigsten) f\u00fcr Staaten zu postulieren. Staaten sollten sich die Einmischungen in innere Angelegenheiten verbitten.<\/p>\n<p>Die Geister sind verwirrt genug, der einzig richtige Geist ist versch\u00fcttet (auch von Dogmen der Kirche), der Geist der Gerechtigkeit, der Liebe, der G\u00fcte. Das verstehen auch Analphabeten und Menschen, die zu keiner Kirche geh\u00f6ren. Woher nimmt Kardinal Ratzinger das Recht, das Ma\u00df f\u00fcr eheliche Freuden zu eichen? Woher nimmt er das Recht, an alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens vatikanische Ma\u00dfst\u00e4be anzulegen? Dieses weltfremden, vom eigentlichen Leben abgehobenen, weltweit einzig existierenden absolutistischen Staates, dem Vatikan. Es mag Angst sein, denn es knirscht im Geb\u00e4lk, die Haarrisse im Gem\u00e4uer der Kirche werden breiter, die Menschen haben lesen und schreiben, haben denken gelernt. Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen!<\/p>\n<p>MARGARETE SKUPIN, Heiligenwald<\/p>\n<p><strong>Keine Qualifikation <\/strong><\/p>\n<p>Beim Parteitag der SPD verk\u00fcndete Herr Rau sinngem\u00e4\u00df: Wenn alles durcheinander ist, dann kommt die SPD und schafft Ordnung!<\/p>\n<p>Es tut mir leid, aber ich halte solche \u00c4u\u00dferungen f\u00fcr blanken Zynismus. Seit Jahren schafft doch gerade diese Partei das Durcheinander, indem sie alle von der Regierung kommenden Vorschl\u00e4ge und Ma\u00dfnahmen nachhaltig zerrei\u00dft Durch dieses Verhalten wird z. B. das zur Zeit anliegende gro\u00dfe Problem der Asylfrage vielleicht nicht mehr l\u00f6sbar sein.<\/p>\n<p>Lassen wir uns nicht t\u00e4uschen, die erkl\u00e4rte Bereitschaft zur \u00dcbernahme der Regierung, darum geht es, bedeutet noch lange keine Qualifikation zur Regierungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Eine kl\u00e4gliche Rolle spielt f\u00fcr mich auch die FDP. Ich f\u00fchle f\u00f6rmlich schon wieder\u00a0 die sich ausstreckenden Tentakel in die n\u00e4chste Koalition.<\/p>\n<p>HERMANN WEYANDT, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>&lt;SZ 2.\/3. Jan. 1993&gt;<\/p>\n<p><strong>Einmalig <\/strong><\/p>\n<p>Mich eckeln sie an, die Parteibonzen von Schwarz, Rot, Gelb und Gr\u00fcn. Sie reden von sparen, G\u00fcrtel enger schnallen. Sich aber die Di\u00e4ten um 16 Prozent erh\u00f6hen (SZ vom 9. Dezember). Die Rentnerinnen und Rentner, die im Gegensatz zu den meisten Politikern ihr Leben lang ein Sozialprodukt erwirtschaftet haben, speist man mit 2,7 Prozent ab. Was geht in den K\u00f6pfen dieser Politiker vor? Die jetzt noch lebenden Rentenbezieher waren einmal die Leistungstr\u00e4ger des Wirtschaftswunders. Diese heute 60- bis 80j\u00e4hrigen erhalten im Durchschnitt monatlich zwischen 800 und 2000 DM Rente. Die jetzige \u00fcberwiegende Faulenzer- und Verbrauchergesellschaft hat und kennt nur 4 Ideale: essen wie ein Kaiser, trinken wie ein K\u00f6nig, lieben wie Casanova und die gro\u00dfe Fresse. Alle Arbeitnehmer, auch im \u00f6ffentlichen Dienst, sollten wissen, da\u00df es auf der ganzen Welt keinen Arbeitnehmer gibt, der f\u00fcr so wenig Arbeitszeit soviel Geld erh\u00e4lt. Wir sind einmalig auf der ganzen Welt.  WILLI SCHLICKER, Illingen<\/p>\n<p>&lt;SZ 2.\/3. Jan. 1993&gt;<\/p>\n<p><strong>Friede auf Erden? <\/strong><\/p>\n<p>Die Geistlichen aller Religionen und Konfessionen k\u00f6nnen kaum bestreiten, da\u00df es dem allweisen Gott v\u00f6llig gleichg\u00fcltig ist, ob und wie er in einer Kirche oder Synagoge, in einer Moschee oder in einem Tempel angebetet wird. Trotzdem w\u00fcnschen sie brennend, da\u00df m\u00f6glichst viele Menschen nur so leben und beten, wie sie als theologische Fachleute es f\u00fcr richtig halten.<\/p>\n<p>So sind die Priester auch zu allen Zeiten und in aller Welt die Verursacher gro\u00dfer Kriege geworden. Kriege, die um des &#8222;wahren Gottesglaubens&#8220; willen gef\u00fchrt wurden, waren besonders langwierig und grausam und dauern an bis in die heutige Zeit. Im Namen des Christengottes der Liebe k\u00e4mpfen heute noch Katholiken und Protestanten in Irland. Im Sudan versuchen die Moslems, Christen und Animisten auszurotten.<\/p>\n<p>Im Irak w\u00fctet der Sunnit Sadam Hussein gegen die Schiiten. Auf dem Balkan machen die Serben die moslemischen Bosniaken nieder und vergewaltigen Tausende ihrer Frauen, deren Kinder dann sicher nicht mohammedanisch werden d\u00fcrfen; denn das geh\u00f6rt zur ethnischen S\u00e4uberung.<\/p>\n<p>Jetzt ist ein neuer religi\u00f6ser Kriegsschauplatz in Indien zwischen Hindus und Moslems entstanden (\u201eGewaltwelle in Indien&#8220;, Ausgabe vom 8. Dezember). Fanatische Hindis haben ein altes islamisches Gotteshaus zerst\u00f6rt, um ein hinduistisches an dieser Stelle zu errichten. Welch ein Wahnsinn! Wie w\u00e4re es, wenn die geistlichen Oberen aller religi\u00f6sen Bekenntnisse sich zu einer Weltfriedenskonferenz zusammensetzten, um die wahre Freiheit aller Arten der Gottesbekenntnisse zu verk\u00fcnden. Es g\u00e4be dann viel mehr Frieden auf unserem \u00fcberf\u00fcllten Globus.<\/p>\n<p>DR. OTTO BUCHHEIT, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 13.\/14.2.93&gt;<\/p>\n<p><strong>Nein zum T\u00f6ten <\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gerne antworten auf den Leserbrief &#8222;Goldenes Vlies&#8220; von Herrn Peter Lafontaine, Dillingen (SZ vom 23.\/24. Januar). Es geht hier im Grunde genommen bei den ganzen Auseinandersetzungen schlicht und einfach um das f\u00fcnfte Gebot Gottes: Du sollst nicht T\u00f6ten!<\/p>\n<p>Im Jahre 310 opferte der nachmalige Konstantin der &#8222;Gro\u00dfe&#8220; im Apollotempel \u00a0von Trier\/Mosel, und hatte dabei eine &#8222;Vision&#8220;. Er &#8222;sah&#8220; ein X, das Zeichen der Sonne und des Blitzes bei den Heiden, das ihm die Weltherrschaft verhie\u00df. Da aber die Christen mittlerweile im R\u00f6mischen Reich an Bedeutung gewonnen hatten und er deren Hilfe dringend ben\u00f6tigte, gelang es ihm mit Hilfe des Bischofs Eusebius\u00a0 von C\u00e4sarea dieses heidnische Zeichen in ein christliches X umzudeuten! Seit dieser Zeit wird von allen &#8222;christlichen&#8220; Regierungen der Name Gottes angefleht, wenn es darum geht, andere Menschen umzubringen. Den Soldaten wird dabei der &#8222;Himmel&#8220; versprochen, falls sie fallen sollten. Und je nach der Menge der erlegten &#8222;Feinde&#8220; bekommen sie ein buntes St\u00fcck Blech als &#8222;Auszeichnung&#8220;. Als &#8222;w\u00fcrdige&#8220; Nachfolger des Eusebius haben dann P\u00e4pste, Priester und M\u00f6nche zu &#8222;heiligen&#8220; Kriegen aufgerufen und auch selbst mit der Waffe in der Hand daran teilgenommen.<\/p>\n<p>Wann wird es einen mutigen Nachfolger Christi geben, der durch ein entschiedenes Nein zum T\u00f6ten dem Gebote Gottes wieder Geltung verschafft?! Allein der verstorbene Niem\u00f6ller hatte bis jetzt dazu den Mut (man lese seinen in der Saarbr\u00fccker Zeitung ver\u00f6ffentlichten Artikel vom 20. Februar 1959)!<\/p>\n<p>ILGA R\u00d6DER, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p><strong>Wir werden verladen <\/strong><\/p>\n<p>Unser Bundespr\u00e4sident hat dazu aufgerufen, auf kritikw\u00fcrdige Zust\u00e4nde im Staat und unkorrektes Verhalten von Politikern nicht mit Verdrossenheit, sondern eigenem politischen Engagement zu reagieren. Sonst k\u00f6nne die Demokratie nicht funktionieren (Weizs\u00e4cker fordert Engagement&#8220;, SZ vom 16. Februar). Ich meine, unsere Demokratie ist l\u00e4ngst keine mehr. Das Volk mu\u00df alles schlucken, was die Volksvertreter anrichten. So zum Beispiel eine Di\u00e4tenerh\u00f6hung von monatlich 451 DM, und zwar ein halbes Jahr r\u00fcckwirkend Und da erwartet der Bundespr\u00e4sident vom B\u00fcrger verst\u00e4rktes politisches Engagement Ist die Regierungskoalition mit dem B\u00fcrger vielleicht solidarisch? Zuerst tragen wir die Politik, als Dank daf\u00fcr werden wir verladen!<\/p>\n<p>LEONHARD MAURER, Schafbr\u00fccke<\/p>\n<p>&lt;Saarbr\u00fccker Zeitung, Samstag\/Sonntag, 17.\/18. Juli 1993, Nr. 164&gt;<\/p>\n<p><strong>Am Verh\u00e4ltnis zur Frau scheiden sich die Priester <\/strong><\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich br\u00f6ckelt das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Z\u00f6libat<\/p>\n<p>\u2022 Von unserem Redaktionsmitglied\u00a0 RAINER M\u00dcLLER<\/p>\n<p>Was von der Katholischen Hochschulgemeinde Trier <em>als mutig, bewundernswert und aufrichtig bewertet wurde<\/em>, war f\u00fcr den Trierer Bischof Hermann Josef Spital ein \u00c4rgernis. So weit driften die Meinungen auseinander, wenn es um die Ehelosigkeit der Priester und um m\u00f6gliche Auswirkungen dieses Prinzips geht. Die Verpflichtung der katholischen Geistlichen auf den Z\u00f6libat findet an der Kirchenbasis immer weniger Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber dieses Thema ist in der Di\u00f6zese Trier durch die Erkl\u00e4rung des Hochschulpfarrers Dr. Thomas Jakobs, er bekenne sich zum Zusammenleben mit einer Frau, neu entfacht worden. Zu den Kritikern des Pflichtz\u00f6libats geh\u00f6rt auch der Saarbr\u00fccker Dechant Erhard Bertel. &#8222;F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Gemeinden ist es ein \u00c4rgernis, wenn so ein Mann (wie Thomas Jakobs, die Red.) einfach aus seinem Dienst entlassen wird&#8220; Dagegen kann Bertel das &#8222;Gest\u00e4ndnis&#8220; des Hochschulpfarrers nicht als \u00c4rgernis empfinden, so wie der Bischof dies tut, und stellt gleichzeitig die Verquickung von Pflichtz\u00f6libat und priesterlichem Dienst in Frage. &#8222;Theologisch ist es sauber bewiesen, da\u00df der Z\u00f6libat mit dem Priesteramt nichts zu tun hat&#8220;, sagt Bertel. F\u00fcr ihn handelt es sich um eine Lebensform, die dem Priester im Laufe der Geschichte nach dem Vorbild vom kl\u00f6sterlichen Leben zugewachsen ist.<\/p>\n<p>Bertel verweist auf die Konfliktsituation in die junge Priester heute in den Gemeinden kommen k\u00f6nnen und erinnert an eine von den deutschen Bisch\u00f6fen in Auftrag gegebene Umfrage. Sie ergab, da\u00df auch katholische Frauen, noch die treuesten Kirchg\u00e4nger, dem Z\u00f6libat immer weniger Verst\u00e4ndnis entgegenbringen. Die Kirche, vermutet Bertel, vermittele den Eindruck der Inkriminierung der Partnerschaft von Mann und Frau.<\/p>\n<p>&#8220; Die Kirche arbeitet kontraproduktiv, wenn sie an dieser Form festh\u00e4lt &#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Kirche arbeitet kontraproduktiv, wenn sie an dieser Lebensform festh\u00e4lt, weil sie eine ganze F\u00fchrungscrew verliert&#8220;, kritisiert Erhard Bertel und erinnert weiter an die \u00dcberalterung des Klerus in einer Zeit, in der innovative Kr\u00e4fte f\u00fcr die Arbeit dringend ben\u00f6tigt werden. Der Altersdurchschnitt der Priester im Bistum Trier liegt bei 57 bis 58 Jahren.<\/p>\n<p>Ist aber sicher, da\u00df die Aufhebung des Pflichtz\u00f6libats die Bereitschaft junger Menschen f\u00f6rdert, Priester zu werden? Zu dieser Frage bedauert Bertel zun\u00e4chst, da\u00df die heutige Generation innerlich weit von der Kirche entfernt ist, und &#8222;daran ist die Kirche nicht schuldlos&#8220;. Ohne Pflichtz\u00f6libat aber k\u00f6nne eine breitere Schicht f\u00fcr das Priesteramt angesprochen werden; es sei zu erwarten<em>, da\u00df dann mehr junge Menschen den Schritt wagten. <\/em><\/p>\n<p>Wie die Chancen sind, da\u00df die Kirche in der Z\u00f6libatsfrage eine Kehrtwendung macht? Erhard Bertel sch\u00e4tzt sie gering ein, weil man vor allem vom Papst nicht erwarten k\u00f6nne, da\u00df er am Z\u00f6libat r\u00fcttelt. Das aber ist f\u00fcr Bertel auch ein Zeichen von mangelndem Mut und Gottvertrauen. Eine \u00c4nderung k\u00f6nnte sich dann ergeben, wenn die Priesterschaft so ausgeblutet ist, &#8222;da\u00df keine relevante Gruppe mehr \u00fcbrigbleibt, um den kirchlichen Betrieb aufrechtzuerhalten&#8220;. Es k\u00f6nnte auch die Zeit kommen, da\u00df aktive Priester nicht mehr bereit sind, weitere Gemeinden zu \u00fcbernehmen; dadurch w\u00fcrde das Defizit dann schnell deutlich.<\/p>\n<p>Proteste der Basis, n\u00fctzen sie? Solche Proteste l\u00f6sen Betroffenheit aus, sagt Bertel, und ,,steter Tropfen h\u00f6hlt den Stein.&#8220; Er verkennt nicht, da\u00df es in den Gemeinden immer mehr Mi\u00dftrauen denen gegen\u00fcber gibt, die behaupten, sie lebten z\u00f6libat\u00e4r. Die Verquickung von Z\u00f6libat und Priestertum ist vielfach unglaubw\u00fcrdig geworden. Bertel w\u00fcrde die Entscheidung \u00fcber z\u00f6libat\u00e4res Leben denen in die Hand legen, die Priester werden wollen. Dann seien auch die glaubw\u00fcrdiger, die die Ehelosigkeit w\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Ein noch gr\u00f6\u00dferes Reizthema ist die Diskussion \u00fcber das Diakonat der Frauen und deren Zulassung zum Priesteramt. Bertel dazu: ,,Auch dies darf kein Tabuthema sein.&#8220; Immer weniger werde verstanden, warum priesterlicher Dienst nicht auch von Frauen wahrgenommen werden soll.<\/p>\n<p>2 Kommentare &#8211; Hintergrund<\/p>\n<p><strong>Rom geht weiter auf dem Irrweg <\/strong><\/p>\n<p>VON RAINER M\u00fcLLER<\/p>\n<p>Neue Signale aus dem Vatikan? Papst Johannes Paul II. hat jetzt in bemerkenswerter Offenheit einger\u00e4umt, da\u00df die Ehelosigkeit nicht unbedingt zum Wesen der Priesterschaft geh\u00f6rt. Er sagte damit grunds\u00e4tzlich nichts Neues, ist diese Erkenntnis doch schon lange ziemlich unbestritten.<\/p>\n<p>Wer aber nun geglaubt hat, das Oberhaupt der katholischen Kirche \u00f6ffne sich m\u00f6glicherweise der immer lauter werdenden Forderung nach Abschaffung des Pflichtz\u00f6libats, der irrte. Im gleichen Atemzug n\u00e4mlich, wo zugestanden wird, da\u00df Christus die Ehelosigkeit nicht zum Gesetz erhoben hat, wird bekr\u00e4ftigt, die Kirche werde trotzdem an diesem Prinzip festhalten. Auch in Rom werden Fehlhaltungen ungern korrigiert, man ist in diesem Fall kl\u00fcger als der Glaubensstifter.<\/p>\n<p>Der Papst h\u00e4tte zur Z\u00f6libatsfrage besser geschwiegen, statt zu erkl\u00e4ren, da\u00df seiner Meinung nach etwas sein mu\u00df, das eigentlich nicht sein m\u00fc\u00dfte. Die Folge wird sein, da\u00df der Pflichtz\u00f6libat jetzt noch unglaubw\u00fcrdiger wird als er es bereits l\u00e4ngst war. Der Zwang zur Ehelosigkeit der Geistlichen hat selbst bei den Kirchentreuen kaum noch eine Akzeptanz.<\/p>\n<p>Die Kirche h\u00e4tte l\u00e4ngst erkennen m\u00fcssen, da\u00df sie mit der Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit auf einem Irrweg ist. Immer weniger f\u00fcr das Amt qualifizierte junge Menschen sind bereit, unter dieser Voraussetzung eine solch wichtige Aufgabe zu \u00fcbernehmen. Bei der \u00dcberalterung des Klerus ist abzusehen, wann die Basisarbeit in den Gemeinden zusammenbricht und Messen in der heutigen Form vielerorts nicht mehr gefeiert werden k\u00f6nnen. Der Vatikan geht also das Risiko ein, die Handlungsf\u00e4higkeit der Gemeinden einem selbst auferlegten Prinzip zu opfern, das lediglich eine kirchenrechtliche Festlegung ist.<\/p>\n<p>Im Hintergrund spielt bei der kaum noch nachzuvollziehenden Starrheit in der Z\u00f6libatsfrage die grunds\u00e4tzliche Abneigung der Kirche gegen\u00fcber der ebenfalls gottgewollten Sexualit\u00e4t wahrscheinlich die Hauptrolle. Wie sonst ist es zu erkl\u00e4ren, da\u00df der Papst den Z\u00f6libat als eine Herausforderung versteht, &#8222;die die Kirche der Geisteshaltung, den Str\u00f6mungen und den \u00dcbeln des Jahrhunderts entgegensetzt&#8220;.<\/p>\n<p>Welche Geisteshaltung ist es denn, die liebende Paare in die Ehe zusammenf\u00fchrt, wo sind in den ehrlich gelebten ehelichen Gemeinschaften Str\u00f6mungen und \u00dcbel dieses Jahrhunderts zu erkennen? Bei allem Respekt vor dem Amt des Papstes, hier erzeugt er \u00c4rgernis gegen\u00fcber Millionen von Eheleuten. Und es ist erstaunlich, da\u00df sich immer noch so viele Gl\u00e4ubige diese Diskriminierung gefallen lassen.<\/p>\n<p>Noch schwerer wiegt allerdings die Tatsache, da\u00df die Gleichg\u00fcltigkeit der Menschen gegen\u00fcber der Kirche und ihren Botschaften zunimmt. Dabei k\u00f6nnte die Kirche eine gewichtige moralische Autorit\u00e4t sein; diesen Trumpf verspielt sie aber immer mehr.<\/p>\n<p>&lt;SZ v. 1. 10. 93&gt;<\/p>\n<p><strong>Der Scheinheilige <\/strong><\/p>\n<p>VON DIETMAR KLOSTERMANN<\/p>\n<p>Die Maske des guten Christen hat er nun endg\u00fcltig fallen gelassen, der Fuldaer Erzbischof Dyba. Die Weisung an die Beratungsstellen f\u00fcr Schwangere in seinem Sprengel, k\u00fcnftig keine Beratungsscheine mehr auszustellen, die f\u00fcr eine straffreie Abtreibung notwendig sind, beweist, da\u00df es dem Oberhirten nicht um die in Not geratenen Frauen geht. Dem katholischen Fundamentallsten Dyba geht es nur um sich selbst. Indem er sich als p\u00e4pstlicher als der Papst geriert, sichert er sich Publicity.<\/p>\n<p>Sicher w\u00e4re es am einfachsten, Dyba nicht zu beachten. Doch sein klarer Versto\u00df gegen den Sinn des Karlsruher Abtreibungsurteils, n\u00e4mlich Frauen in ihrer extremen Verzweiflung beizustehen und sie bei ihrer endg\u00fcltigen Entscheidung \u00fcber den Abbruch einer Schwangerschaft nicht zu kriminalisieren, wirft Fragen auf nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche. Kr\u00e4ftig alimentiert durch Kirchensteuern und andere Verg\u00fcnstigungen des Rechtsstaats stellt der Kirchenf\u00fcrst nach eigenem Bekunden das g\u00f6ttliche Recht vornan.<\/p>\n<p>Vermessen ist es, von der Politik Sanktionen gegen Dyba zu erwarten. Zwar st\u00f6hnen geneigte Frauen wie die christdemokratische Familienministerin R\u00f6nsch oder die katholische ZK-Pr\u00e4sidentin Waschb\u00fcsch auf, ungehaltene wie die FDP-Saar-Fraktionschefin M\u00fcller drohen mit Kirchensteuerk\u00fcrzung. Zivilcourage zeigen im Angesicht Dybas und Kollegen hingegen nur die Kirchenmitglieder &#8211; mit dem Austritt.<\/p>\n<p>&lt;SZ 11.\/12. Dez. 93&gt;<\/p>\n<p><strong>Ungeheuerlich <\/strong><\/p>\n<p>Den Leserbrief &#8222;Lebender Beweis&#8220; von Herrn Heinz Schmitt-Auer (SZ vom 13.\/14. November) \u00fcberdenkend, glaube ich, da\u00df der Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes, der P\u00e4pste, der ma\u00dfgeblichste Punkt da f\u00fcr ist, da\u00df Protestanten und progressive Katholiken sich dem Vatikan nicht ann\u00e4hern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00dcber alles andere k\u00f6nnte man sich verst\u00e4ndigen. Dem Griff des Vatikan nach dem freien Willen und dem Gewissen der Menschen lassen diese sich heute noch weniger gefallen als auf dem Konzil von 1869\/70.<\/p>\n<p>Es ist ungeheuerlich und auch dem simpelsten Gem\u00fct nicht einsehbar, da\u00df ein Mensch Gott gleich, also ohne S\u00fcnde, sein soll. Man m\u00f6chte meinen, da\u00df die Sternstunde des Papsttums, die mit dem v\u00e4terlichen liebenswerten Nachfolger Christi, Johannes XXIII., angebrochen war, spurlos vor\u00fcbergegangen sei.<\/p>\n<p>MARGARETE SKUPIN, Heiligenwald<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p>LESERMEINUNG<\/p>\n<p><strong>Nicht ohne Gott <\/strong><\/p>\n<p>Ist es ein Zufall, da\u00df in der Saarbr\u00fccker Zeitung (Ausgabe vom 20.12.) auf der Seite 2 neben dem Kommentar &#8222;Tatort Klassenzimmer&#8220; auch die dpa-Nachricht steht: Verheugen will Grundgesetz ohne &#8222;Gott&#8220;&#8218;? Glaubt man denn wirklich, ohne Gott eine L\u00f6sung f\u00fcr den Zerfall der Sitten und Werte finden zu k\u00f6nnen? Die Geschichte lehrt doch eindeutig, wohin jede &#8222;Los-von-Gott-Bewegung&#8220; hinf\u00fchrt. Alfred Sch\u00f6n meint, da\u00df es nun angesichts des schrecklichen Ereignisses der Saarbr\u00fccker Schule zu einem Verschiebe-Bahnhof von Verantwortung und Verantwortlichkeiten kommen wird.<\/p>\n<p>Ob da einer der sich zu Wort meldenden Experten den Mut haben wird, festzustellen, da\u00df es ohne Gott und Gebot keine R\u00fcckkehr zu einer menschenfreundlichen, gewaltfreien Ordnung der Sitten und Werte kommen kann? Die Annahme des Vorschlags von G\u00fcnter Verheugen w\u00e4re jedenfalls ein Beitrag zum weiteren Absinken in einen Sumpf der sittlichen Verwahrlosung.<\/p>\n<p>ROSA BARDUHN, Dillingen<\/p>\n<p><strong>Voreilig <\/strong><\/p>\n<p>Tief betroffen \u00fcber Ihre Berichte und wohlwissend, da\u00df an den Schulen oft die Gewalt herrscht, halte ich das Vorgehen des Landeskriminalamts f\u00fcr voreilig. Vor Ausstellen eines Haftbefehls sollte man in diesem Fall zuerst alle Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen befragt haben, um den genauen Sachverhalt zu kl\u00e4ren. Neben den von Ihnen aufgef\u00fchrten Versionen best\u00fcnde noch eine weitere. Ein von den Klassenkameraden nicht voll angenommenes Kind versucht auf diese mehr als makabre, f\u00fcr es selbst lebensgef\u00e4hrliche Aktion, die Aufmerksamkeit und Anerkennung zu gewinnen. Deshalb gro\u00dfe Anerkennung f\u00fcr Professor Sch\u00e4fer, der erst genaue Nachforschungen anstellt und dann urteilt.<\/p>\n<p>HEIKE SOPHIE BACKES, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p><strong>Lieber von Menschen <\/strong><\/p>\n<p>Zum Leserbrief ,,sinnvollere Aufgaben&#8220; (SZ vom 5.16. Februar):<\/p>\n<p>Damit Waldwege nicht zuwachsen bzw. total vern\u00e4ssen und so f\u00fcr den Waldbesucher nicht mehr zu benutzen sind, bed\u00fcrfen sie st\u00e4ndiger Pflege. Dazu werden normalerweise Gro\u00dfmaschinen eingesetzt. Aus Gr\u00fcnden des Naturschutzes (Pflege von Kleinstbiotopen, Erhalt einzelner interessanter Bewuchsgruppen usw.) habe ich diese Arbeiten aber lieber von Menschen verrichten lassen. Der Einsatz von ABM-Kr\u00e4ften hierzu war ordnungsgem\u00e4\u00df beantragt und genehmigt.<\/p>\n<p>HUBERT D\u00d6RRENB\u00c4CHER, Fo~tmann, Sulzbach<\/p>\n<p>&lt;SZ 19.\/20. Febr. 94&gt;<\/p>\n<p><strong><em>Wo bleibt die Toleranz? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zum Leserbrief &#8222;Blo\u00dfe Ignoranz?&#8220; (SZ vom 12.\/13. Februar): Die Befolgung der christlichen Morallehre sch\u00fctzt doch besser das Leben (vor allem das ungeborene) und die Gesundheit als antikonzeptionelle Medizin und technische Mittel. Aber es geht doch letztlich nicht mehr um eine Auseinandersetzung einer Moralfrage.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df des Wintersemesters 1936 beendete der Kirchenhistoriker Prof. Pfeilschifter in einem der gr\u00f6\u00dften H\u00f6rs\u00e4le der Universit\u00e4t M\u00fcnchen seine allerletzte Vorlesung &#8211; die mit einem rauschenden Beifall der Studenten quittiert wurde &#8211; mit den Worten: &#8222;So meine Herren schon 1870!&#8220; Wer die heutige Medienlandschaft in ihren Stellungnahmen zu Papst und Kirche aufmerksam registriert, kann heute ausrufen: &#8222;So schon 1870 und 1936!&#8220; Es ist ein dritter Kulturkampf.<\/p>\n<p>Rudolf Augstein hat sich offen dazu bekannt: &#8222;Er (gemeint war Erzbischof Johannes Dyba) und sein allerh\u00f6chster r\u00f6mischer Kriegsherr sind die Kr\u00e4fte, die es in einem neuen -nennen wir es getrost so -Kulturkampf zu bek\u00e4mpfen gilt.&#8220;<\/p>\n<p>Wo bleibt da die vorgegebene Liberalit\u00e4t und Toleranz? Wenn wir Katholiken auch nur eine vermeintliche Minderheit w\u00e4ren, darf man Papst und Kirche nicht wenigstens so viel Achtung und Toleranz entgegenbringen, wie man dies dem Dalai Lama und den buddhistischen M\u00f6nchen gegen\u00fcber tut? Mit Recht hat Bischof Karl Lehmann gesagt: &#8222;Wir sind nicht wehleidig, aber das Ma\u00df ist nun bald voll!&#8220;<\/p>\n<p>PETER LAFONTAINE, Dillingen<\/p>\n<p><strong><em>Horrorvision <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Die Kultur boomt, aber der Konsum explodiert &#8230; &#8220; (SZ vom 5.\/6. Februar): Die Weissagungen von Prof. Opaschowski weisen viele Fragen auf. Wie diese zuk\u00fcnftige Konsumgesellschaft funktionieren soll, bleibt unbeantwortet.<\/p>\n<p>Mittelpunkt und Allheilmittel f\u00fcr alles ist der Konsum. Beeinflussung des Kleinkindes vorm Fernseher durch Werbespr\u00fcche, pupert\u00e4re Jugendliche, denen man einredet, durch gewisse Etikettierung Gruppenzugeh\u00f6rigkeit zu signalisieren, mit Konsumg\u00fctern abheben und neue Dimensionen erkunden, Freizeit durch Verbrauch und Shopping. Wir, die Elterngeneration, haben schon Grenzen der Konsumgesellschaft erfahren.<\/p>\n<p>Den Preis, den wir zahlten, war der Zerfall der Familien, die Einf\u00fchrung des Ellbogens, Sch\u00e4den an der Natur usw. Die Voraussagen Opaschowskis erscheinen mir wie eine einzige Horrorvision. Die Bauchlandung einer solchen Gesellschaft ist schon vorprogrammiert. Es w\u00e4re eine Gesellschaft der Konsumopfer. <em>Nicht die von Opaschowski vorausgesagte inhumane, perverse Superkonsumgesellschaft ist zu w\u00fcnschen, sondern eine humane Gesellschaft der Bescheidenheit, Zufriedenheit, Menschlichkeit, des vern\u00fcnftiges Umgangs mit der Natur. <\/em><\/p>\n<p>MANFRED BERSIN, Friedrichweiler<\/p>\n<p>SZ Samstag\/Sonntag, 6.\/7. August 1994 &#8211; Nr. 181<\/p>\n<p><strong>Kirchen schweigen <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Die Hilfsorganisationen k\u00e4mpfen verzweifelt gegen den Massenmord&#8220; (SZ vom 23. Juli) und die Leserbriefe &#8222;Unn\u00f6tiger Firlefanz&#8220; und &#8222;Nutzloser Aktivismus&#8220; (SZ vom 27. Juli): Zu diesen beiden Briefen m\u00f6chte ich noch zus\u00e4tzlich bemerken: Wo bleibt hier ein mahnendes Wort der Kirchen? Aber wenn man so viele Milliarden vom Steuerzahler eintreibt. schweigt man lieber. Gerade die Kirchen sind es ja, die von dieser Politik unserer Regierung profitieren.<\/p>\n<p>GUENTER KLEIN, Eppelborn<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccker Zeitung &lt;4.11.94&gt;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Er ist der Stellvertreter Gottes und damit basta&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Bald ein Bestseller: das Interviewbuch mit dem Papst<\/p>\n<p>* Von unserem Mitarbeiter<\/p>\n<p>THOMAS MIGGE<\/p>\n<p>Am 20. Oktober wurde es ausgeliefert, und schon jetzt ist das Buch von Papst Johannes Paul II. mit dem Titel ,,Die Schwelle zur Hoffnung \u00fcberschreiten&#8220; auf dem Weg zum Bestseller. Die Vorstellung des Buches, zu der 650 illustre G\u00e4ste geladen waren, wurde live im Fernsehen gezeigt. Gekommen war sogar Irene Pivetti. Die Pr\u00e4sidentin des Parlamentes, eine Anh\u00e4ngerin des Rebellenbischofs Lefebre, war j\u00fcngst durch kritische Kommentare gegen\u00fcber der Kirchenf\u00fchrung aufgefallen, der sie Laschheit und eine zu gro\u00dfe Aufgeschlossenheit modernen Themen gegen\u00fcber vorwarf.<\/p>\n<p>Die Kritik feierte das Buch schon vorab als Erfolg, das erste Buch eines Papstes \u00fcbrigens, das man kaufen mu\u00df. Bisher wurden Schriften der Petrusnachfolger kostenlos verteilt. Der Mail\u00e4nder Mondadori-Verlag, der Silvio Berlusconi geh\u00f6rt, verkaufte die Lizenzen weltweit, in rund 40 Staaten. Die Auflage in Italien betr\u00e4gt allein 500.000 Exemplare, in den USA sogar zwei Millionen. Der Autor, Johannes Paul II., &#8222;verdient&#8220; 15 Millionen Dollar an Autorenhonoraren. Das Geld, so versichert der Vatikan, flie\u00dft ausschlie\u00dflich in Projekte f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke.<\/p>\n<p>Und was verdient der Co-Autor? \u201eDas werde ich Ihnen nicht verraten&#8220;, antwortet lachend Vittorio Messori, Italiens bekanntester katholischer Autor, der zu den wenigen Laien geh\u00f6rt, die mit Johannes Paul II. freundschaftlich verbunden sind.<\/p>\n<p>Messori gelang es, 1985 Kardinal Josef Ratzinger, den Pr\u00e4fekten des Heiligen Uffiziums, der Glaubenskongregation, in einem Interview zu Fragen des Glaubens auszuhorchen. Das Interviewbuch wurde &#8222;ein so gro\u00dfer Erfolg&#8220;, verr\u00e4t Messori, &#8222;da\u00df die Idee zu einem Fernsehinterview mit dem Papst geboren wurde.&#8220; Aber daraus wurde nichts. \u201eIch sollte Johannes Paul II. \u00a0interviewen, aber wir beide k\u00f6nnen und wollen uns nicht den Marktgesetzen des TV anbiedern&#8220;. Deshalb das Buch.<\/p>\n<p><strong>Glaubt der Papst an Gott? <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich fragte im Vatikan nach, an was f\u00fcr Fragen man interessiert sei&#8220;, so Messori. ,,Aber der Papst h\u00f6chstpers\u00f6nlich antwortete, da\u00df mir der Entwicklungsgang des Interviews ganz allein \u00fcberlassen sei&#8220;, weshalb ,,ich versuchte, ihm Fragen zu stellen, die jeder Mensch auf der Stra\u00dfe an einen Papst richten w\u00fcrde&#8220;.<\/p>\n<p>Glaubt der Papst an Gott? Was sind die Beweise f\u00fcr die Existenz Gottes? Existiert die H\u00f6lle? &#8222;Das sind nur einige Beispiele von den 35 grunds\u00e4tzlichen Fragen, die all die Menschen interessierten, die glauben oder es versuchen&#8220;, erl\u00e4utert Messori.<\/p>\n<p>&#8222;Besonderen Wert legt der Papst nat\u00fcrlich auf die grunds\u00e4tzlichen Fragen zu den Beziehungen mit anderen Religionen, denn ihm ist an einem intensiven Kontakt mit dem Judentum und dem Islam gelegen&#8220;.<\/p>\n<p>Aber &#8222;auch die politischen Zusammenh\u00e4nge sparte ich nicht aus&#8220;, denn, so Messori, &#8222;f\u00fcr diesen Papst sind die letzten 300 Jahre europ\u00e4ische Geschichte durch den Kampf gegen den katholischen Glauben gekennzeichnet, weshalb die Franz\u00f6sische Revolution in diesem Buch nur im Zusammenhang mit Terror und Gottlosigkeit erw\u00e4hnt wird&#8220;.<\/p>\n<p>Das Ende des Kommunismus &#8222;wird von ihm nicht mit der g\u00f6ttlichen Vorsehung erkl\u00e4rt, sondern einzig und allein mit den Folgen eines Systems, das nicht f\u00e4hig war zu leben und menschenunw\u00fcrdig agierte&#8220;. Angesprochen auf die historische Bedeutung des Papstes aus Polen f\u00fcr den Sturz des Kommunismus, wei\u00df Messori, &#8222;da\u00df der Papst davon nichts h\u00f6ren will und seine Rolle so klein wie m\u00f6glich einsch\u00e4tzt, obwohl er, denke ich mir, schon wei\u00df, da\u00df an dem Urteil \u00fcber seinen Einflu\u00df auf den Gang der Dinge etwas Wahres ist&#8220;. ,,Johannes Paul II., unterstreicht Messori, ,,ist ein Mann, der wie selten einer seiner Vorg\u00e4nger von der Kraft des Gebetes \u00fcberzeugt ist&#8220;.<\/p>\n<p>Messori, dem nachgesagt wird, ein Mitglied des Opus Dei zu sein, wollte mit seinen Fragen verdeutlichen, &#8222;da\u00df Christentum nichts anachronistisches ist, nichts, was zu einer alten Legende geworden ist, sondern gelebt wird, am Leben ist und vielleicht st\u00e4rker pulsiert als manche glauben&#8220;. &#8222;Das Problem, und somit die Brisanz des Buches&#8220;, fa\u00dft Messori den Sinn des Interviews zusammen, ,,ist nicht die Frage nach dem Sinn des Papsttums, sondern nach dem Sinn des Glaubens&#8220;. So ist dieses Buch \u201enicht die Sommo Pontefice Romano, also das gesammelte Glaubensbekenntnis eines Papstes, sondern es beinhaltet den Glauben von Don Karol, einem Priester&#8220;.<\/p>\n<p>Kritik von Italiens Katholiken<\/p>\n<p>Wer vom Papst \u00fcberraschende Antworten erwartet, wird entt\u00e4uscht ,,seine Positionen sind bekannt und es sind die Positionen des Mannes, der auf der ganzen Welt den direktesten Draht zu dem hat, der am Wichtigsten ist, zu Gott&#8220;.<\/p>\n<p>Mit diesem letzten Satz, den er schon mehrfach in Interviews benutzte, setzte sich Messori einer weiten Kritik unter Italiens Katholiken aus. &#8222;Warum&#8220;, so fragt der Vatikanist Marco Politi von der Tageszeitung &#8222;La Repubblica&#8220;, ,,hat nur der Papst den direktesten Draht zu Gott?&#8220;. Messori antwortet darauf lakonisch: &#8222;weil er Gottes Stellvertreter ist und damit basta&#8220;.<\/p>\n<p>Paulinus 14\/Nr. 8, 12.2.95<\/p>\n<p><strong>In Demut und Gehorsam<\/strong><\/p>\n<p>Erdbeben in Frankreichs Kirche, Bischof Gaillot seines Amtes enthoben und Leserbriefe (&#8222;Paulinus&#8220; Nr. 4 vom 22. Januar 1995)<\/p>\n<p>Es ist doch ein merkw\u00fcrdiger Kontrast, wenn man in Amerika den Papst zum Mann des Jahres w\u00e4hlt und ihn in Deutschland am liebsten zum Buhmann des Jahres machen m\u00f6chte. Und ich kann mich auch nicht des Eindrucks erwehren, da\u00df der Paulinus lieber und ausf\u00fchrlicher negative Kritik von Kirche und Papst berichtet als Positives.<\/p>\n<p>Und gerade in j\u00fcngster Zeit ist mir gezeigt und best\u00e4tigt worden, wie Kritik aus Liebe zur Kirche aussehen mu\u00df, damit sie auch Fr\u00fcchte bringt und nicht nur Verwirrung stiftet.<\/p>\n<p>Am 16. Oktober vergangenen Jahres hatte ich das Gl\u00fcck, in Rom an der Seligsprechung des Chilenen Alberto Hurtado teilzunehmen, den seine Landsleute schon vor Jahren \u201eseliggesprochen&#8220; haben, indem sie einer Stadt seinen Namen gegeben haben. Er war Apostel f\u00fcr Stra\u00dfenkinder, denen er ein Heim und Geborgenheit gab. Als charismatischer P\u00e4dagoge und Freund der Jugend gelang es ihm an die hundert junge Menschen f\u00fcr den Priesterberuf zu gewinnen.<\/p>\n<p>Auch Padre Hurtado war ein kritischer Mahner. Er schrieb sogar einen Brief an Papst Pius XII. in dem er schonungslos die Situation des Landes beschrieb. Aber er tat es nicht wie hierzulande ein Professor, der das Er\u00f6ffnungsreferat mit dem provozierenden Titel &#8222;Ist die Kirche noch zu retten?&#8220; begann, aber nur um die &#8222;Amtskirche&#8220; anzuklagen. Nein, er schrieb zwar auch ein provozierendes Buch, das aber nur das Ziel hatte, das Gewissen der Gl\u00e4ubigen aufzur\u00fctteln. Der Titel lautete n\u00e4mlich: &#8222;Ist Chile noch ein katholisches Land?&#8220; Bei all seiner Kritik unterwarf er seine Thesen in Demut und Gehorsam dem Urteil des Papstes und seiner Obern. Die Frucht seines arbeitsreichen Lebens und das Ansehen der Kirche im chilenischen Volk zeigen, da\u00df er ein echter Prophet war. Denn Demut oder Stolz war noch immer die Frage und das Kriterium f\u00fcr die Unterscheidung der Geister.<\/p>\n<p>Peter Lafontaine, Pfr. i. R, Dillingen<\/p>\n<p><strong>Toleranz unangebracht <\/strong><\/p>\n<p>Erdbeben in Frankreichs Kirche, Bischof Gaillot seines Amtes enthoben (\u201ePaulinus&#8220; Nr. 4 vom 22. Januar 1995)<\/p>\n<p>Was ist das wieder ein Zetern und Jaulen der Kirchenkritiker und \u00e4hnlicher bei uns und sonstwo zur Amtsenthebung des franz\u00f6sischen Bischofs von Evreux, Jacques Gaillot?<\/p>\n<p>Zur Sache: Ein Bischof (egal welcher Nationalit\u00e4t), der mit der Todespille RU 486 lieb\u00e4ugelt und homosexuellen Paaren zum kirchlichen Segen verhelfen will, stellt die Sch\u00f6pfung Gottes auf den Kopf! Da ist Toleranz unangebracht!<\/p>\n<p>Georg Nieder, Bexbach<\/p>\n<p>SZ Nr. 60 &#8211; Samstag\/Sonntag, 11.\/12. M\u00e4rz 1995<\/p>\n<p><strong>Jeder vor seiner T\u00fcr <\/strong><\/p>\n<p>Zum Beitrag von Claudia Lange: &#8222;KSJ Bous: Lieber unbequem in der Kirche, als austreten&#8220; auf der Seite ,,Junge Leute im Saarland&#8220; (SZ vom 4.\/5. M\u00e4rz): Dank des Artikels von Claudia Lange bin ich jetzt endlich aufgekl\u00e4rt, wie dumm ich als regelm\u00e4\u00dfiger Kirchg\u00e4nger doch bin, auch wenn ich die Drei\u00dfig noch nicht erreicht habe.<\/p>\n<p>Kein Klischee der modernen Allerheiligenlitanei wurde ausgelassen, um die Unbelehrbaren eines Besseren zu belehren: kritische Jugendliche, die sich durch uniforme T-Shirts ihre Individualit\u00e4t beweisen und selbstverst\u00e4ndlich jegliches Spie\u00dfertum ablehnen. Es bleibt zwar ein wenig unklar, was spie\u00dfig ist, aber das macht nichts. Alles easy also, wo war noch gleich das Problem? Wem das zu gew\u00f6hnlich sein sollte, der kann sich zum Ausgleich immer noch mit Batik, Sex oder offenen Themen besch\u00e4ftigen. Das schafft Gemeinschaft, denn auch die Eltern dieser Kirchenkritiker k\u00f6nnen bei solchen Stichworten aus nostalgischen Gr\u00fcnden feuchte Augen bekommen. Wei\u00dft du noch, damals, nach dem Konzil hat das auch schon nicht so richtig funktioniert &#8230;<\/p>\n<p>Es kehr&#8216; ein jeder vor seiner T\u00fcr, da ist gen\u00fcgend Dreck daf\u00fcr, m\u00f6chte man Autorin und KSJ Bous gerne einen kritischen Hinweis geben. Aber das mit dem Kehren schafft schon wieder innerlich so ein unheimliches Wutgef\u00fchl. Es ist eben ein Kreuz mit den Machtstrukturen der Kirche, da\u00df man gezwungen wird, ein Haus vom eigenen Dreck zu reinigen, blo\u00df, damit man es mal wieder nutzen kann! Aber das mu\u00df man abk\u00f6nnen, wir sind ja tolerant.\u00a0\u00a0\u00a0 BERNHARD LAWALL, Neunkirchen<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Klerus mitschuldig <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel \u00a0\u201eHeikles erwartet die Oberhirten der Katholiken&#8220; (SZ vom 4.\/5. Februar): Nun tagt in M\u00fcnster die Fr\u00fchjahrsvollversammlung der katholischen deutschen Bischofskonferenz. Dem Vernehmen nach sollen dabei auch ,,hei\u00dfe Eisen&#8220; angepackt werden, z. B. die Vers\u00e4umnisse der Kirche in Hitler-Deutschland.<\/p>\n<p>Dazu f\u00e4llt mir ein gefl\u00fcgeltes Wort aus dem Mittelalter ein: Alles \u00dcbel kommt vom Klerus! Das soll hei\u00dfen, wenn der Klerus seine Aufgabe treu und brav erf\u00fcllt, dann erf\u00fcllt Gottes Segen die Erde, und es herrscht Friede, Eintracht und Wohlstand. Wenn aber der Klerus seinen gottgegebenen Auftrag nicht oder nur mangelhaft ausf\u00fchrt, dann kommt das Chaos. So gesehen, tr\u00e4gt der Klerus die Hauptschuld an der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Und er wird auch schuldig sein an zuk\u00fcnftiger Misere.<\/p>\n<p>HERBERT NALBACH, V\u00f6lklingen<\/p>\n<p>DT 23. 7. 98<\/p>\n<p><strong>Das Internet allein ist nicht der S\u00fcndenbock<\/strong><\/p>\n<p>Die Fehlentwicklung hat mit der &#8222;Befreiung zur Sexualit\u00e4t&#8220; begonnen \/ Von Christa Meves<\/p>\n<p>Ein m\u00e4chtiger Feind ist pl\u00f6tzlich aufgetaucht. Er tr\u00e4gt den Namen Internet. Dieser Riesenschrank schier unauslotbarer Informationsm\u00f6glichkeit enth\u00e4lt &#8211; so zeigt sich &#8211; Verbrecherisches.<\/p>\n<p>Man kann, wenn man dort einigerma\u00dfen geduldig und geschickt auf die Suche geht, an Adressen gelangen, die &#8211; unter vielen anderen aus dieser Branche &#8211; auch zu Pornovideos mit Kindern verhelfen, mit Kindern jeden Alters und jeden Geschlechts, zu sexuellem Mi\u00dfbrauch mit S\u00e4uglingen sogar. In monotoner Wiederholung berichten s\u00e4mtliche Medien von einem in den Niederlanden aufgesp\u00fcrten internationalen Pomoring. Sogar unser Au\u00dfenminister Kinkel tritt in Funktion und verspricht h\u00e4rteste Ahndung. Das Internet bed\u00fcrfe einer besseren Kontrolle, so hallt es unisono durch alle Instanzen.<\/p>\n<p>Jedermann verh\u00e4lt sich so, als sei dieser grauenhafte Auswuchs eine Neuheit. Eine technische Apparatur wird zum Hauptverursacher dieses furchtbarsten aller Verbrechen ernannt &#8211; in der Furcht wohl, da\u00df sich sonst die Wahrheit ans Licht dr\u00e4ngen k\u00f6nnte, die Wahrheit, da\u00df es schon seit vielen Jahren in den einschl\u00e4gigen Printmedien jede Menge dubiose Anzeigen dieser Art gegeben hat, ohne da\u00df verantwortliche Instanzen es f\u00fcr n\u00f6tig erachtet h\u00e4tten, dem Unwesen entgegenzuwirken. Als w\u00e4re es nicht seit mehr als zwanzig Jahren m\u00f6glich, sich \u00fcber den Ladentisch mit Pornographie einzudecken.<\/p>\n<p>Denn schlie\u00dflich hat die zur Zeit aufgeplatzte Eiterbeule eine lange Vorgeschichte permanenter Vergiftung. Man sollte das wenigstens heute nicht l\u00e4nger unter den Teppich kehren, da\u00df die Fehlentwicklung fundamental ist und bereits in den sechziger Jahren mit der &#8222;Befreiung zur Sexualit\u00e4t&#8220; begonnen hat, da\u00df bereits damals in den Berichten der Kommune 3 beschrieben wurde, wie man Kleinkinder sexuell anzureizen habe.<\/p>\n<p>Es war vor allem die FDP in der Regierungskoalition mit der SPD, die in den siebziger Jahren die Rolle des M\u00fcllers einnahm und dem Wolf die Pfote wei\u00df machte: Die FDP vor allem hat es auf dem Gewissen, da\u00df 1976 der Pornographieparagraph so weit gelockert wurde, da\u00df seitdem fast alles auf diesem Sektor als &#8222;Kunst&#8220; gilt und sich im Kulturbetrieb bis zum Exze\u00df austobt.<\/p>\n<p>Wie sollte diese Art der Befreiung zur Sexualit\u00e4t den Menschen bekommen? Warum war diese Generation pl\u00f6tzlich taub gegen die Erfahrungen der Geschichte mit enthemmten Phasen im satten Wohlstand m\u00e4chtiger Reiche? Wieso waren die Mythen, die Sagen, die M\u00e4rchen vergessen, die dort in tiefsch\u00fcrfenden Bildern aussagten, da\u00df Circe in der Lage ist, die M\u00e4nner in Schweine zu verwandeln?<\/p>\n<p>Warum lauschten nicht wenigstens die Katholiken auf das einsame Nebelhorn aus Rom, statt sich unbedenklich zur Sinnenlust zu befreien? Das lag gewi\u00df daran, da\u00df man dem Glauben das Etikett &#8222;veraltet, nur f\u00fcr Einf\u00e4ltige&#8220; aufklebt hatte und stattdessen Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit an die Stelle zu setzen begann.<\/p>\n<p>Sexualwissenschaftler erkl\u00e4rten damals den nur allzu willigen Politikern, da\u00df Pornographie f\u00fcr niemanden und nichts sch\u00e4dlich sei. Dabei herausgekommen ist eine Roheit, die in dieser Weise in der Menschheitsgeschichte beispiellos ist: An den Schw\u00e4chsten, den Reinsten, an den Kleinsten wagt sich der enthemmte Geschlechtstrieb auszutoben &#8211; tausendfach kaufbar, per Video zur Nachahmung anregend. Einen solchen Tiefstand der Entsittlichung hat es in der Geschichte der Menschheit gewi\u00df noch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Und wie l\u00e4cherlich mutet angesichts dieser Situation der zaghaft erhobene Zeigefinger der Jurisprudenz an, die nun verk\u00fcndet, da\u00df bereits die Hand am Mausklick schuldig werde, wenn sie in diesem dunklen Fach des Schrankes zu st\u00f6bern suche. Wie wird im Gegenteil das h\u00e4ufige Thematisieren dieser dubiosen Internetm\u00f6glichkeit gerade die m\u00e4nnlichen Jugendlichen, die das Verbotene ohnehin in dieser Altersstufe besonders reizt, auf die Pirsch jagen &#8211; zu welcher Verderbnis?<\/p>\n<p><strong>Mit Einlassungen aggressivster Art den Papst geschm\u00e4ht<\/strong><\/p>\n<p>In einer ZDF-Sendung zur Enzyklika &#8222;Evangelium vitae&#8220; wurden die alten ungerechtfertigten Vorw\u00fcrfe gegen die Kirche erhoben<\/p>\n<p>Nun fallen die Talkshows im Fernsehen \u00fcber die Enzyklika &#8222;Evangelium vitae&#8220; von Papst Johannes Paul II. her, um ihn der &#8222;Heuchelei&#8220;, der &#8222;Janusk\u00f6pfigkeit&#8220;, der &#8222;Sexualfeindlichkeit&#8220; und der &#8222;Menschenverachtung&#8220; zu bezichtigen (so gesehen und geh\u00f6rt in der Sendung &#8222;Rom gegen Kondom. Ist die Kirche noch zu retten?&#8220; vom ZDF am 30. M\u00e4rz 1995).<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich ohne sich in den Text des umfangreichen Dokuments vertieft zu haben, stellte in dieser Sendung die Journalistin Uta K\u00f6nig die ungeheuerliche Behauptung auf, der Papst liefere die Bev\u00f6lkerung durch die Ablehnung von k\u00fcnstlichen Verh\u00fctungsmitteln an die Aids-Krankheit aus.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hatte der Papst in dem Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Gr\u00e4fin Gabriele Plettenberg, Bonn, in der Sendung aber zwei sachverst\u00e4ndige Verteidiger. So wu\u00dfte Frau Plettenberg auf diese Ausf\u00e4lligkeit zu entgegnen, da\u00df gerade umgekehrt ein Schuh daraus w\u00fcrde: <em>Die Propagierung der k\u00fcnstlichen Verh\u00fctungsmittel bewirke die Losl\u00f6sung der Sexualit\u00e4t aus dem gesch\u00f6pflichen Zusammenhang und verst\u00e4rke so die Promiskuit\u00e4t und damit die Ansteckungsgefahr durch die t\u00f6dliche Seuche.<\/em> Das einzige echt wirksame Mittel gegen die Imunschw\u00e4chekrankheit Aids hei\u00dfe nun eimal Treue, insistierte sie &#8211; die Enzyklika interpretierend.<\/p>\n<p>Dem Vorwurf der Feministinnen, der Papst rede &#8222;lebensfeindliche&#8220; Parolen daher, statt dem Elend der Welt zu helfen, entgegnete Weihbischof Jaschke mit dem Hinweis auf die caritativen Bem\u00fchungen der Kirche, die &#8211; wie in der Enzyklika hervorgehoben &#8211; auch der Papst weiterhin zu aktivieren suche.<\/p>\n<p>Die Bundestagsabgeordnete Christa Nickel (die Gr\u00fcnenlB\u00fcndnis 90) w\u00fcnschte sich als Katholikin eine &#8222;Kirche von unten&#8220; und schm\u00e4hte den Papst mit den aggressivsten Einlassungen. Die bei den Frauen hatten offensichtlich von vornherein nicht die Absicht, sein Bem\u00fchen als eine verantwortungsbewu\u00dfte Mahnung in gro\u00dfer Gefahr f\u00fcr das Seelenheil der Menschen zu verstehen.<\/p>\n<p>Die Diskussion bi\u00df sich dann bald an altbekannten Positionen im Streit um den Paragraphen 218 fest. Die gegenteiligen Sichtweisen standen hart und unvers\u00f6hnlich im Raum: Die Papst-Verteidiger in dieser Sendung beharrten: Der Mensch ist Mensch von Anfang an, und seine T\u00f6tung im Mutterleib mu\u00df dann als Mord bezeichnet werden, was nicht hei\u00dfe, die M\u00fctter mit dem Wort M\u00f6rderinnen zu belegen, dennoch aber als Mordabsicht von allen denen verstanden werden m\u00fcsse, die am Plan zur Abtreibung beteiligt seien: V\u00e4ter, Angeh\u00f6rige, \u00c4rzte, Politiker.<\/p>\n<p>Gr\u00e4fin Plettenberg sekundierte, indem sie den Zusammenhang zwischen Abtreibung und Euthanasie ansprach und die so berechtigte Sorge des Papstes in die Diskussion einbrachte, da\u00df bei einer Aufweichung des Unrechtsbewu\u00dftseins vor dem Hintergrund dieses T\u00f6tungsdelikts der Dammbruch zur aktiven Euthanasie heraufbeschworen w\u00fcrde. Sie mahnte an, da\u00df dieser doch bereits bevorst\u00fcnde.<\/p>\n<p>Aber beklemmender noch als die emotionalen Anw\u00fcrfe der beiden Feministinnen wirkten die \u00c4u\u00dferungen des Franziskaners Josef Klammer, eines ehemaligen Oberstudiendirektors aus Bozen. Er wagte gar zu behaupten, da\u00df man vor dem Hintergrund der Enzyklika &#8222;Evangelium vitae&#8220; neu die Wahrheitsfrage zu stellen habe. Es sei unzul\u00e4ssig, da\u00df die Kirche sie als ein Absolutum in Anspruch n\u00e4hme. Es m\u00fcsse bei der Frage der Moral die vorhandene Meinungsvielfalt abgefragt werden, um daraus eine \u00dcbereinkunft zu entwickeln. Es mag jedem Atheisten zugestanden sein, so zu votieren. Ein Franziskaner aber sollte gelernt haben, da\u00df kein Papst, der sein Amt ordnungsgem\u00e4\u00df erf\u00fcllt, befugt sein kann, sich einer Meinungspluralit\u00e4t auszuliefern.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Statthalter der r\u00f6misch-katholischen Kirche kann allein die Aussage der Schrift und die lehramtliche, kirchenrechtliche Position als die der Kirche geoffenbarte Wirklichkeit ma\u00dfgeblich sein. Er kann nur der Aussage von Jesus Christus: \u00a0&#8222;Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben&#8220; gehorchen. Der Franziskaner Klammer nahm die Position des r\u00f6mischen Statthalters in Jud\u00e4a, Pilatus ein, dessen Frage (&#8222;Was ist Wahrheit?&#8220;) die besch\u00e4mendste Fehlhandlung aller Richter der Welt zur Folge gehabt hat.<\/p>\n<p>Diese Sendung war ein Spiegel der Situation in unserer Gesellschaft im allgemeinen, der Kirche im besonderen. <em>Eine gro\u00dfe Zahl auch von Katholiken redet heute in Fragen der Moral bereits dem Zeitgeist das Wort und ist k\u00e4mpferisch auf die Zerst\u00f6rung der hierarchischen Struktur der Kirche ausgerichtet.<\/em> Aber sie hat auch noch tapfere Insider und Laienhelfer, die ihr klarsichtig in schwerer Anfechtung zur Seite stehen, wie diese Sendung eindrucksvoll bewies. \u00a0Christa Meves<\/p>\n<p>SZ v. 17.\/18.6.95<\/p>\n<p><strong>Keine Bisch\u00f6fe<\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Schweizer treten f\u00fcr ihren Bischof ein&#8220; (SZ vom 6. Juni): Immer in Niedergangszeiten in der Kirche forderten Katholiken die Abschaffung des Z\u00f6libats. Aber: die seit 1969\/70 &#8222;Geweihten&#8220; sind gar keine katholischen Bisch\u00f6fe mehr und zwar wegen einer wesentlichen \u00c4nderung des Ritus.<\/p>\n<p>Im Neuen Ritus wird gar nicht mehr der Hl. Geist herabgerufen auf den zu &#8222;Weihenden&#8220;, sondern &#8222;die Kraft, die von Gott ausgeht, Geist der F\u00fchrung &#8230; &#8220; und dies auch nicht mehr &#8222;um zu firmen und Priester zu weihen&#8220; sondern &#8222;um \u00c4mter zu verteilen\u2026&#8220;. Damit stehen diese neukatholischen &#8222;Bisch\u00f6fe&#8220; so wenig in der Weihenachfolge mit den Aposteln wie die protestantischen und anglikanischen Bisch\u00f6fe.<\/p>\n<p>Zudem hat man bei der neuen &#8222;Priesterweihe&#8220; alles im Ritus ge\u00e4ndert oder getilgt, was die \u00dcbertragung einer besonderen Gewalt bezeichnet. Die mit diesem neuen Ordo &#8222;Geweihten&#8220; haben also keine besonderen Gewalten mehr wie: die Wandlungsgewalt, die Weihungsgewalt, die S\u00fcndenvergebungsgewalt, und sind damit den protestantischen Pastoren gleichgestellt. So konnten diese mit Recht bei einer neukatholischen &#8222;Priesterweihe&#8220; in K\u00f6llerbach die H\u00e4nde mit auflegen.<\/p>\n<p>Dazu hat man das Me\u00dfopfer zerst\u00f6rt, indem man es um\u00e4nderte in eine Gemeindefeier zum Volke hin. Dazu passend ist die Hand- und Stehkommunion wie bei den Protestanten. Die Protestanten selber sagen es, da\u00df wir die neue &#8222;Messe&#8220; annehmen k\u00f6nnen. Das wahre Me\u00dfopfer aber hat noch nie ein Protestant annehmen k\u00f6nnen. Diese armen neukatholisch &#8222;Geweihten&#8220; sind weder Priester noch Bisch\u00f6fe und m\u00fcssen dennoch den Z\u00f6libat halten.&#8220;\u00a0 WERNER GRAUS, Pfr. i. R. St. Ingbert<\/p>\n<p><strong>Verunglimpfung <\/strong><\/p>\n<p>Zum Leserbrief &#8222;Nichts als M\u00e4rchen&#8220; von Hannelore Wies (SZ vom 10.\/11. Juni):<\/p>\n<p>Frau Hannelore Wies hat sich beim Schreiben ihres Leserbriefes wohl keine Rechenschaft gegeben, da\u00df sie mit ihren Aussagen nicht nur den Papst, sondern auch viele Leser der SZ beleidigt hat. Unbegreiflich ist auch die Behauptung, der Himmel sei ein M\u00e4rchen. Glaubt sie wirklich, da\u00df das Neue Testament nur ein M\u00e4rchenbuch und Christus ein Fabeldichter sei? Die Ethnologie und Religionswissenschaft haben aufgezeigt, da\u00df alle V\u00f6lker an einen Gott glauben, welchen Namen auch immer sie dieser Gottheit geben: ob Brahma, Wodan, Zeus oder Manitu. Und so glauben sie auch an einen Himmel, der je nach Vorstellung sich auf dem Olymp, in Walhall oder sonstwo befindet. F\u00fcr uns Christen ist Gott selber der Himmel. Auf eine Kurzformel gebracht k\u00f6nnen wir sagen, da\u00df er darin besteht, da\u00df wir ewig von Gott geliebt werden und ihn ewig lieben k\u00f6nnen. Im Glauben und Wissen an diese Tatsache haben seit den Tagen der Urkirche tausende und abertausende und Zeugen doch nicht f\u00fcr ein M\u00e4rchen Verfolgung und Tod auf sich genommen. Es geh\u00f6rt nat\u00fcrlich schon zum Ritual eines deutschen Papstkritikers, da\u00df man jedesmal die Pille erw\u00e4hnt. Doch bevor man protestiert oder schreibt, sollte man doch dariiber nachdenken, ob es bei der Werbung f\u00fcr sie nicht auch hinzugef\u00fcgt werden m\u00fc\u00dfte: \u201eZu Nebenwirkungen und Risiken fragen Sie auch den (Jugend)Psychotherapeuten und Soziologen.&#8220;<\/p>\n<p>PETER LAFONTAINE, Dillingen<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccker Zeitung 2.\/3.9.95<\/p>\n<p><strong>Absolut richtig <\/strong><\/p>\n<p>Zum Kruzifix-Urteil: Es ist fast nicht zu fassen, wie sich die Politiker, vor allem aus den Parteien mit dem gro\u00dfen &#8222;C&#8220;, \u00fcber die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts so ,,k\u00fcnstlich&#8220; erregen. Propagieren sie nicht seit Jahren den Segen der multikulturellen Gesellschaft? An der Spitze Herr Dr. Heiner Gei\u00dfler? Ja, nun mu\u00df er auch zu den Konsequenzen stehen. Die Geister, die er einmal rief, wird er nicht mehr los. Auch jeder andere gro\u00dfe &#8222;C&#8220;-Politiker wei\u00df aus der Geschichte, wieviel Entrechtung, Enteignung, Vertreibung, Inquisition und V\u00f6lkermord unter dem Christuskreuz begangen wurden. Das wird einfach totgeschwiegen. Auf diesem Kruzifix wird meistens eine qualvoll leidende menschliche Figur aus Gips oder Holz gezeigt, die angebetet wird. Meine Frage: Wie ernst nehmen diese Herren eigentlich die Bibel und besonders die 10 Gebote? Denn das 4. Gebot sagt ganz deutlich: Du sollst Dir kein Bildnis, noch irgendein Gleichnis von mir machen!<\/p>\n<p>Die christlichen Religionsvertreter haben es also im Laufe von 2000 Jahren fertiggebracht, zum G\u00f6tzendienst zu erziehen. Es gibt ja bekanntlich andere gro\u00dfe Religionen, bei denen jede Art von bildlicher Darstellung des Herrgottes bei Strafe verboten ist. Das Kreuz hat noch niemand gerettet, aber Millionen zu Tode gebracht. In allen Kriegen wurden bei Freund und Feind mit ihm die Waffen gesegnet. Deshalb betrachte ich die Entfernung des Kreuzes aus Schulen f\u00fcr absolut richtig.<\/p>\n<p>THEO CORNEHL-CORNEILI, Heusweiler<\/p>\n<p>&lt;SZ 7.8.96&gt;<\/p>\n<p><strong>Religi\u00f6se Unterweisung nicht in der Schule <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Kirche pocht auf Religionsunterricht&#8220; (SZ vom 26. Mai)<\/p>\n<p>Trotz aktiver Werbeprofis treten bundesweit j\u00e4hrlich \u00fcber 200 000 Bundesb\u00fcrger aus der Kirche aus. Seit 1970 etwa vier Millionen. Laut Emnid Institut Bielefeld glaubt zum ersten Mal die Mehrheit der Bundesb\u00fcrger nicht mehr, da\u00df es Gott gibt. Dessen ungeachtet pumpen die beiden Gro\u00dfkirchen Millionen Mark in die Ex-DDR, um dort die &#8222;Heiden&#8220; zu bekehren. Vergebens. Jetzt versuchen sie, zumindest den Religionsunterricht an \u00f6ffentlichen Schulen, der aus den Taschen des Steuerzahlers mit etwa 3,9 Milliarden Mark j\u00e4hrlich bezahlt wird, zu retten.<\/p>\n<p>Doch ist jegliche christliche Missionierung im allgemeinen Unterricht laut Bundesverfassungsgericht schon seit 1975 verfassungswidrig. Nach meiner Meinung ist religi\u00f6se Unterweisung Sache der Glaubensgemeinschaften und hat wie parteipolitische Werbung nichts in der Schule zu suchen.<\/p>\n<p>FRITZ K\u00d6HLER, Ludwigshafen<\/p>\n<p>&lt;Flugblatt&gt;<\/p>\n<p>Schulsexual\u201cerziehung&#8220;<\/p>\n<p>BITTE WEITERGEBEN!<\/p>\n<p>MACHT ENDLICH SCHLUSS!<\/p>\n<p><strong>1. Stimulierende &#8222;Sexualerziehung&#8220; geh\u00f6rt nicht in die Schule. <\/strong><\/p>\n<p>Dieser Grundsatz war noch vor gut zwei Jahrzehnten allgemeing\u00fcltig. Weil man damals &#8222;verklemmt&#8220; war? Nein. Sondern weil man noch wu\u00dfte:<\/p>\n<p>\u2022 Schamgef\u00fchl und Intimsph\u00e4re des Kindes und des Lehrers m\u00fcssen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>\u2022 Die unterschiedliche Reife der Kinder erfordert individuelle Erziehung durch die Eltern (oder im Einzelfall beauftragte Erzieher).<\/p>\n<p>\u2022 Das nat\u00fcrliche Elternrecht hat Vorrang vor dem staatlichen Erziehungsauftrag, und zwar umso mehr, je mehr ein Gegenstand \u00fcber das &#8222;Gemeinwohl im Diesseits&#8220; (f\u00fcr das der Staat einen urspr\u00fcnglichen Auftrag hat) hinausgeht.<\/p>\n<p>(Das ist Naturrechtslehre, das ist Soziallehre der Kirche; vgl. die Erziehungsenzyklika von Pius XI., vgl. Erziehungserkl\u00e4rung des 2. Vatikanums; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz und besonders Art. 126 Abs. 1 Bayer. Verfassung, wo es hei\u00dft: &#8222;In pers\u00f6nlichen Erziehungsfragen gibt der Wille der Eltern den Ausschlag&#8220;.)<\/p>\n<p>\u2022 Den Eltern, die f\u00fcr das zeitliche und ewige Heil ihrer Kinder vor GOTT verantwortlich sind, kann ihr Elternrecht nicht von einem Elternbeirat oder von Elternverb\u00e4nden abgenommen werden.<\/p>\n<p>(Es ist vom Naturrecht wie von unserer Verfassung her ein Indlvidualrecht, das nicht delegierbar ist. Vgl. z. B. Prof. F. Ossenb\u00fchl in FMG-lnformation Nr. 3, S. 11\/12).<\/p>\n<p>\u2022 Wenn von den Kultusministern darauf hingewiesen wird, die Eltern w\u00fcrden ja \u00fcber Ziel, Inhalt und Form der Sexual\u201cerziehung&#8220; in Versammlungen unterrichtet, so wird damit dem Elternrecht nicht gen\u00fcgend Rechnung getragen.<\/p>\n<p>Denn abgesehen davon, da\u00df Lehrer oft die Fakten besch\u00f6nigen; da\u00df die Furcht mancher Eltern, Widerspruch k\u00f6nnte ihren Kindern zum Nachteil sein, nicht zu Unrecht besteht; da\u00df die Eltern gegen die &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Phrasen gewisser Lehrer oft nicht ankommen, kann man h\u00f6chstens Einw\u00e4nde vortragen, aber sein Kind nicht sch\u00fctzen, wenn der Lehrer die Einw\u00e4nde nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>\u2022 Das Elternrecht wird mi\u00dfachtet, wenn eine Ablehnung der verf\u00fchrerischen Sexual&#8220;erziehung&#8220; (SE) nicht m\u00f6glich ist. Das ist staatlicher Totalitarismus.<\/p>\n<p><strong>2. Es ist nicht wahr, da\u00df viele Eltern versagen, und da\u00df deshalb die Schule die SE machen m\u00fcsse. <\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Die Unwahrhaftigkeit dieses Arguments erweist sich schon daran, da\u00df von den SE-Bef\u00fcrwortern oft gesagt wird, die Schule wirke ja &#8222;mit den Eltern vertrauensvoll zusammen&#8220;, oder gar: Wenn die Eltern wegen der Schul-SE Bedenken h\u00e4tten, k\u00f6nnten sie ja &#8222;diese Fragen vorher mit den Kindern besprechen&#8220;.<\/p>\n<p>\u2022 Als Ziel der Schul-SE wird &#8222;verantwortliches geschlechtliches Verhalten&#8220; genannt. Den Richtlinien, Schulb\u00fcchern und Arbeitsmaterialien nach ist unter dieser wohlklingenden Formulierung gemeint, da\u00df Kinder und Jugendliche alle Bereiche, ja Verirrungen und Mi\u00dfbr\u00e4uche der Sexualit\u00e4t kennenlernen, aber &#8211; wenn sie daraufhin sexuell aktiv werden &#8211; m\u00f6glichst kein Kind zeugen. Hier zeigt sich schlimmstes Neuheidentum!<\/p>\n<p>\u2022 Das wird nicht immer so zugegeben. Wenn sich aber ein Wissensfetischismus breit macht, als sollten Elfj\u00e4hrige zu Gyn\u00e4kologen ausgebildet werden, wenn damit durch die breite Darlegung des Geschlechtlichen und durch das Bild- und sonstige Medienmaterial die sinnliche Neugierde geweckt wird, wenn mi\u00dfbr\u00e4uchliche Sexualaktivit\u00e4ten (Selbstbefriedigung, Homosexualit\u00e4t, vor- und au\u00dferehelicher Geschlechtsverkehr, Verh\u00fctung usw.) durch ihre Darstellung Aufforderungscharakter haben, dann ist das sexuelle Bedarfsweckung und Verf\u00fchrung zur S\u00fcnde.<\/p>\n<p>\u2022 N\u00e4hme man das alles zur &#8222;Norm&#8220; einer SE, wie sie verlangt wird, dann halten sich in der Tat nur wenige Eltern daran. GOTT sei Dank!<\/p>\n<p>\u2022 Es ist aber unrichtig, da\u00df viele der jungen EItern ihre Kinder in der Entwicklung allein lie\u00dfen. Echte Erziehung zu wirklich &#8222;verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten&#8220; im Sinn der Ordnung GOTTES kann jedoch nur Erziehung zu Schamhaftigkeit und Keuschheit sein. Dazu ist n\u00f6tig, das notwendige Wissen knapp und abstrakt im Rahmen einer sittlich-religi\u00f6sen Erziehung zu vermitteln.<\/p>\n<p>(Die beste Lehrerin ist auch hier die HI. Schrift. Sie spricht von der &#8222;Frucht des Leibes&#8220;, davon, da\u00df &#8222;Abraham Sara erkannte&#8220;, da\u00df &#8222;lsaak Jakob zeugte&#8220; usw. Sie tut es in schamhafter und doch nat\u00fcrlicher Selbstverst\u00e4ndlichkeit, ohne ein \u00fcberfl\u00fcssiges Wort, ohne jedes Ins-Detail-gehen, das nur die Phantasie anregen und die Begierde wecken w\u00fcrde).<\/p>\n<p>\u2022 Die Fr\u00fcchte der in der Bundesrepublik nun schon jahrelang durchgef\u00fchrten Schul-SE. zeigen, da\u00df die Sc h u I e hier versagt, n\u00e4mlich schweren Schaden angerichtet hat.<\/p>\n<p>Fr\u00fcchte nach 20J\u00e4hrlger Schul-SE In Schweden:<\/p>\n<p>Zunahme der Abtreibung 1968-1974 bei M\u00e4dchen unter 15 J. um 200%<\/p>\n<p>Zunahme der Geschlechtskrankheit Gonorrh\u00f6e 1950-1972 bei Kindern unter 14 J. um 900%<\/p>\n<p>Zunahme der wegen Vergewaltigung Verurteilten 1950-1972 um<\/p>\n<p>400%. \u00a0\u00a0 (Bericht des schwed. Gesundheitsmin.)<\/p>\n<p>Allgemeiner moralischer Verfall in der Bundesrepublik<\/p>\n<p>(eine wesentliche Ursache liegt in der verf\u00fchrerischen Schul-SE) 1978: \u00dcber 70% der Jugend vor dem 19. Lebensjahr haben geschlechtliche Erfahrungen.<\/p>\n<p>1978: 30 % der Jugend vor Vollendung des 15. Lebensjahres haben geschlechtliche Beziehungen.<\/p>\n<p>1978: nur 4 % der ledigen Frauen unter 30 J. ohne intime Beziehungen.<\/p>\n<p>1978: Nur 20% der jungen Frauen und 40% der jungen M\u00e4nner sind f\u00fcr Ehe und Familie.<\/p>\n<p>1978: 80 % der jungen Generation haben nichts gegen &#8222;wilde Ehe&#8220;.<\/p>\n<p>1978: 25 % der M\u00e4nner und 9 % der Frauen haben au\u00dfereheliche sexuelle Beziehungen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (Allensbacher Institut)<\/p>\n<p>&#8222;In der Bundesrepublik werden j\u00e4hrlich etwa 20.000 Kinder schwanger. Die j\u00fcngste Mutter ist 8 1\/2 Jahre alt, den j\u00fcngsten Vater gab es mit 10 Jahren&#8220;. (epd\/&#8220;Albbote&#8220; 18.3.81)<\/p>\n<p>1992: 50.000 gemeldete Aids-Infektionen. Aufgrund von Tests s\u00e4mtlicher Blutproben in 5 Kliniken M\u00fcnchens und Erlangens stellte sich heraus, da\u00df sie Aids-Infektionsrate in der Bev\u00f6lkerung &#8222;um ein Vielfaches h\u00f6her liegt, als nach den bisherigen Daten angenommen wurde&#8220; (Staatssekret\u00e4r G. Beckstein, Bleib gesund, 3\/1992). Grund f\u00fcr die Aids-Ansteckung ist h\u00e4ufig ungeordnetes und perverses sexuelles Verhalten. Dieses wird durch die jetzige Kondom-orientierte Sexual\u201cerzlehung&#8220; noch verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p><strong>3. Schul-SE ist kein Gegenmittel gegen die \u00fcble StraBenaufkl\u00e4rung, im Gegenteil. <\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Die Stra\u00dfenaufkl\u00e4rung wird durch den Sexualunterricht in der Schule gar nicht beseitigt, sondern intensiviert. Die Erfahrung zeigt, da\u00df die Schul-SE die Stra\u00dfenaufkl\u00e4rung nicht nur nicht verhindert, sondern dar\u00fcber hinaus in &#8222;Ausprobieren&#8220;, in unkeusches Treiben, \u00fcbergehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>\u2022 Unverdorbene Kinder sp\u00fcren genau, da\u00df das Geschlechtliche den Schleier der Ehrfurcht braucht und da\u00df man nicht unn\u00f6tig dar\u00fcber spricht.<\/p>\n<p>\u2022 Sittlich angeschlagene Kinder wissen dennoch meist um die Ungeh\u00f6rigkeit schamlosen Redens und Tuns.<\/p>\n<p>\u2022 Vergewaltigt aber die &#8222;gute&#8220; Autorit\u00e4t der Lehrkraft das Schamgef\u00fchl im Sexualunterricht, dann wird die Demontage der Scham und die sittliche Verf\u00fchrung nicht immer so schmutzig, daf\u00fcr aber viel radikaler als bei der Stra\u00dfenaufkl\u00e4rung betrieben.<\/p>\n<p><strong>4. Die Schul-SE ist h\u00e4ufig Werkzeug einer &#8222;neuen Moral&#8220; und einer sozialistischen Systemzerst\u00f6rung. <\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Es gibt Lehrer, die bewu\u00dft keine Christen sein wollen oder die un\u00fcberlegt unchristliche Trends mitmachen (vgl. eine in FMG-lnformation Nr. 2, S. 29 angef\u00fchrte Lehrerumfrage). Durch sie, durch Schulb\u00fccher (vgl. Beispiele aus kult.-min. genehm. Schulb\u00fcchern in FMG-lnformation Nr. 3, S. 26), Arbeitsbl\u00e4tter, sonst. Unterrichtsmedien werden in der Schul-SE &#8211; ausgesprochen oder unausgesprochen &#8211; ethische Wertungen mitgegeben, die keineswegs die christlichen sind, sondern neuheidnischer Ideologie entspringen.<\/p>\n<p>\u2022 Die Zusammenh\u00e4nge zwischen der Demontage der Scham und der Zerst\u00f6rung des sittlichen Halts in der Schul-SE und den Absichten linker Gesellschaftsver\u00e4nderer bis hin zu anarchistischen Tendenzen sind schon mehrfach aufgewiesen worden (vgl. Prof. Dr. H. Schoeck, Sch\u00fclermanipulation, Freiburg 1976; Prof. Dr. M. Rock, Anarchismus und Terror, Trier 1977; bes. Kap. VI., 4.: &#8222;Demontage der Scham: Pr\u00e4ludium der Revolution&#8220; u. a.).<\/p>\n<p>\u2022 &#8222;Gerade weil mit einem Mindestma\u00df an vorhandenem Schamgef\u00fchl gerechnet werden kann, bietet die Enteignung der Scham durch den Sexualkundeunterricht f\u00fcr die Linke einen Hebel zur GeseIlschaftsver\u00e4nderung. Indem sie Jungen und M\u00e4dchen gemeinsam zwingt, sich dieser Scham zu entledigen, rei\u00dft sie das Bewu\u00dftsein der Kinder auf f\u00fcr jede andere Art von brutaler Ver\u00e4nderung im Bereich bisheriger moralischer Normen und \u00dcbereink\u00fcnfte&#8220;. (Schoeck S. 127).<\/p>\n<p>\u2022 &#8222;Es liegt ganz in der Linie radikal-extremer Emanzipation, da\u00df die Vernichtung eines bestimmten Wertes, in unserem Fall: des Geschlechtswertes, symbolisch f\u00fcr die Annullierung anderer sittlicher Werte steht. Die Sexualethik &#8230; steht f\u00fcr die Ethik \u00fcberhaupt&#8220;. (Rock S. 63).<\/p>\n<p>\u2022 &#8222;Die Bedeutung der Strategie der Demontage sittlicher Werte und moralischer Grund\u00fcberzeugungen hat keiner besser erkannt als Lenin, wenn er von der gelungenen Demoralisierung eines Volkes einen idealen Aufweichungserfolg erhofft.&#8220;. (Rock S.64).<\/p>\n<p><strong>NEIN zur moralischen Zersetzung unseres Volkes! <\/strong><\/p>\n<p><strong>NEIN zum zeitlichen und ewigen Verderben der Kinder! <\/strong><\/p>\n<p>Wehren Sie sich gegen die jetzige schamlose Schulsexual\u201cerziehung&#8220;!<\/p>\n<p>Die Adressaten Ihrer Sorge und Ihres Protestes:<\/p>\n<p>Lehrer, Schulleiter, Kultusminister; Abgeordnete; Massenmedien (z. B. Leserbriefe); Verantwortliche der Kirche. Nehmen Sie vor allem die Waffe zur Hand, die dem gl\u00e4ubigen Menschen gegeben ist, die &#8222;Waffe des Gebetes&#8220;! Die Verantwortlichen rufen wir auf: MACHT ENDLICH SCHLUSS!<\/p>\n<p>Betroffene Eltern beraten und unterst\u00fctzen wir nach M\u00f6glichkeit. Wenden Sie sich an den Herausgeber (von dem Sie auch weiteres Informationsmaterial zur Schulsexual\u201cerziehung&#8220; sowie Schriften und Cassetten f\u00fcr Kinder und Jugendliche anfordern k\u00f6nnen): FREUNDESKREIS MARIA GORETTI e. V., Planegger Stra\u00dfe 22 b, \u00a00-8000 M\u00fcnchen 60 (bzw. 0-81241 M\u00fcnchen).<\/p>\n<p>Druck: J. Kral, Verlagsdruckerei GmbH, Abensberg.<\/p>\n<p>SZ vom 6.\/7. Juni\u00a0 96<\/p>\n<p><strong>Priesterinnen in der Katholischen Kirche? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Noch ein langer Weg <\/strong><\/p>\n<p>&#8211; VON RAINER M\u00dcLLER &#8211;<\/p>\n<p>Durch die Weihe von zwei Priesterinnen bei den Altkatholiken in Konstanz ist der Blick wieder auf die ,,Frauenpolitik&#8220; der \u00fcbrigen Kirchen, vor allem der r\u00f6misch-katholischen, gelenkt worden. Die Altkatholiken hatten sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von Rom abgewandt, weil sie das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht mittragen konnten.<\/p>\n<p>Nach Kanon 1024 des katholischen Rechts k\u00f6nnen nur M\u00e4nner g\u00fcltig zu Priestern geweiht werden, Frauen bleibt diese Berufung bislang versagt. So soll es auch immer bleiben, wenn es nach dem Willen von Papst Johannes Paul II. geht. 1994 hatte er in seinem apostolischen Schreiben \u201eOrdinatio sacerdotalis&#8220; definitiv festgelegt, da\u00df die Frauen von der Priesterweihe ausgeschlossen sind und bleiben.<\/p>\n<p>Der Papst will also Weichen stellen weit \u00fcber sein Pontifikat hinaus und alle Nachfolger auf dem Stuhl Petri festlegen. Man kann sich nur wundern, da\u00df Frauen immer noch die treuesten Dienerinnen dieser Kirche sind. Doch die Front br\u00f6ckelt, besonders bei der j\u00fcngeren Generation. Fortschrittliche Theologen bef\u00fcrchten, da\u00df die Kirche, nachdem sie fast \u201ejugendfrei&#8220; geworden ist, bald auch ,,frauenfrei&#8220; wird. Rom bleibt trotzdem hart. Die Glaubenskongregation unter F\u00fchrung von Kardinal Joseph Ratzinger hat das Nein zur Frauenweihe gar als Grundbestandteil des Glaubens bezeichnet und dieser Feststellung damit fast den Stempel der Unfehlbarkeit aufgedr\u00fcckt. Diese Haltung ist umso erstaunlicher, als man auch in Rom wei\u00df, da\u00df das Verbot, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, theologisch auf schwachen F\u00fc\u00dfen steht. Der fr\u00fchere Wiener Kardinal K\u00f6nig hat es ohne Schn\u00f6rkel ausgesprochen: Der Priester- oder Bischofsweihe der Frau in der katholischen Kirche steht kein Glaubensgrund entgegen.<\/p>\n<p>Die Frauengegner heben immer wieder auf die M\u00e4nnlichkeit der zw\u00f6lf Apostel ab. Verschwiegen wird das Umfeld der Antike und ihr Frauenbild, verschwiegen wird, da\u00df sich aus dem Neuen Testament auch andere Sichtweisen anbieten. Paulus berichtet, da\u00df Frauen in ihren H\u00e4usern die Feier des Herrenmahls leiteten, damit der Gemeinde praktisch vorstanden. Paulus nennt zudem weibliche Diakone wie etwa Ph\u00f6be und Junia, die er sogar als hervorragend unter den Aposteln bezeichnete.<\/p>\n<p>Die theologisch gegen das Frauen-Priestertum vorgebrachten Gr\u00fcnde sind nicht haltbar. In Wirklichkeit haben sich die M\u00e4nner in der Kirche einen Sockel errichtet, den sie ungern teilen m\u00f6chten. Die Kirche hat die Frauen \u00fcber Jahrhunderte hinweg geringer gesch\u00e4tzt als M\u00e4nner. Bei der Frau m\u00fcsse schon das Bewu\u00dftsein vom eigenen Wesen Schamgef\u00fchl hervorrufen. Das sagte kein Macho unserer Tage, sondern Kirchenvater Clemens Alexandrinus. Die Frau, so sehen es viele Kirchenfunktion\u00e4re auch heute noch, ist die b\u00f6se Eva, die mit ihren Reizen Adam zum S\u00fcnder machte und die Vertreibung aus dem Paradies heraufbeschwor.<\/p>\n<p>Es ist unertr\u00e4glich, da\u00df sich die Kirche an der Schwelle zum dritten Jahrtausend nicht zu einem anderen Frauenbild durchringen kann, das den Frauen auch den Weg zum Dienst am Altar \u00f6ffnen k\u00f6nnte. Die Weihe von Diakoninnen w\u00e4re ein erster Schritt, gegen den auch keine theologischen Bedenken erhoben werden k\u00f6nnten. Diakoninnen sind durch die Bibel belegt. Rom allerdings bef\u00fcrchtet wohl, da\u00df der erste Schritt bald zum zweiten f\u00fchren m\u00fc\u00dfte &#8211; zur Priesterin. Die Herrenrunde w\u00fcrde gest\u00f6rt, und wahrscheinlich m\u00fc\u00dfte die Kirche ein anderes Verh\u00e4ltnis zur Sexualit\u00e4t entwickeln. Bis dahin m\u00fcssen aber die Frauen wohl auf einen einsichtigeren Papst und einen frauenfreundlicheren Leiter der Glaubenskongregation warten, ehe sie in ihrer Kirche eine Rolle spielen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&lt;SZ 22.\/33.6.16&gt;<\/p>\n<p><strong>Kein Beleg<\/strong><\/p>\n<p>Zum Kommentar von Herrn Rainer M\u00fcller \u201eNoch ein langer Weg\u201c (SZ vom 6.\/7. Juni)<\/p>\n<p>In seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Priesterweihe f\u00fcr die Priesterweihe von Frauen will M\u00fcller eine solche M\u00f6glichkeit sogar biblisch beweisen, indem er behauptet, eine Junia w\u00fcrde von Paulus als hervorragender Apostel bezeichnet. Er bezieht sich also auf R\u00f6m. 16,7. In diesem Vers hei\u00dft es: &#8222;Gr\u00fc\u00dft Andronikus und Junias, meine Verwandten und Mitgefangenen; sie sind angesehene Apostel &#8230;\u201c<\/p>\n<p>In den verschiedenen Bibelausgaben &#8211; darunter auch anderssprachlichen &#8211; habe ich keine Junia, sondern nur einen Junias gefunden. Das Wort &#8222;Mitgefangenen&#8220; deutet doch auch eher auf eine m\u00e4nnliche Person. Die im ersten Vers des R\u00f6merbriefes genannte Ph\u00f6be war auch keine Diakonin. Im griechischen Urtext wird sie ADOLPHE; d. h. Schwester, genannt. In der alten Vulgata hei\u00dft es ,,soror&#8220;, also ebenfalls Schwester. Die Grundfrage zum &#8218;Thema &#8222;Priestertum der Frau&#8220; ist doch die Frage nach dem Stifterwillen Christi. Christus hat nur M\u00e4nner als Apostel berufen. Dabei hat er sich nicht einfach den Zeitverh\u00e4ltnissen angepa\u00dft. Wo es f\u00fcr seine Sendung erforderlich war, hat er entschieden j\u00fcdische und zeitgen\u00f6ssische Tabus gebrochen. Das gilt auch besonders f\u00fcr sein Verh\u00e4ltnis zu den Frauen. Er unterhielt sich mit ihnen, was nach j\u00fcdischer Auffassung unstatthaft war, auch mit der Samariterin, was ihm seine eigenen J\u00fcnger sehr ver\u00fcbelten. Er h\u00e4tte also wohl auch hier im Gegensatz zur herrschenden Auffassung die Frauen zum Priestertum zulassen k\u00f6nnen, wenn das sein Wille gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>PETER LAFONTAINE, Dillingen<\/p>\n<p>&lt;SZ 23.\/24.Nov. 96&gt;<\/p>\n<p><strong>Mord am ungeborenen Leben <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Papst streicht UN-ZuschuB&#8220; (SZ vom 6. November)<\/p>\n<p>Ganze 3000 US-Dollar gibt der Vatikan als Beitrag f\u00fcr UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das sich weltweit vorrangig um Ern\u00e4hrungsprobleme von Kleinkindern k\u00fcmmert. Nun hat man auch diesen Beitrag gestrichen, weil die UNICEF Kondome verteilen und bei Abtreibungen Hilfe leisten will. Die Einstellung der Kirche gegen Abtreibung ist gerechtfertigt, weil Abtreibung stets Mord am ungeborenen Leben ist. Abtreibung l\u00e4\u00dft sich aber durch Verh\u00fctung vermeiden. Verh\u00fctung hat als Voraussetzung Aufkl\u00e4rung und \u00dcberlassung von Verh\u00fctungsmitteln. Die Betonk\u00f6pfe der Kurie wollen nicht einsehen, da\u00df \u00dcberbev\u00f6lkerung die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Erde darstellt. Dreitausend Dollar sind ein sch\u00e4biger Beitrag. Daran gemessen brauchten Katholiken bei den Spendenaktionen in der Fasten- und Weihnachtszeit nicht zehn, zwanzig oder mehr DM spenden, sondern maximal 1 Pfennig oder einen Bruchteil davon. Leider haben der Steuerpflichtige bei der Kirchensteuer oder auch der Spender keinen Ein\u00dfu\u00df auf die Verwendung der Mittel, ja sie wissen noch nicht einmal, wof\u00fcr diese verwandt wurden. MANFBED RIESER, Merzig<\/p>\n<p><strong>Macht und Sagen im Sonderangebot <\/strong><\/p>\n<p>Zum Artikel &#8222;Papst streicht UN-Zuschu\u00df&#8220; (SZ vom 6. November)<\/p>\n<p>Konsequenz &#8211; gut und sch\u00f6n. Im anstehenden Fall mag jeder selbst entscheiden. Dazu hat er ein Gewissen. Die Institution Kirche erweist sich dem Dogma, der Kurie, dem Papst (als hoher Instanz) gegen\u00fcber konsequent. Der allerh\u00f6chsten Instanz (gemeint sind die Kirchen) hat man oft, jahrtausendelang zuwidergehandelt. Man durchbl\u00e4ttere die Bibel. Auf Schritt und Tritt st\u00f6\u00dft man auf Beispiele, wie inkonsequent die Kirche, die Kirchen, gehandelt und gelebt haben. Es richte sich ein jeder nach seinem Gewissen und nicht nach den Direktiven einer Institution, die gegr\u00fcndet ist auf Macht und Herrschaft in der Welt und \u00fcber die Seelen der Menschen. Nebenbei: \u00dcber die H\u00f6he des finanziellen Beitrages des Vatikans an UNICEF kann man nur den Kopf sch\u00fctteln. Hier wie \u00fcberall: Sie wollen die Macht und das Sagen im Sonderangebot.<\/p>\n<p>MARGARETE SKUPIN, Heiligenwald<\/p>\n<p>2 Saarbr\u00fccker Zeitung &lt;5.\/6. Okt. 96&gt;<\/p>\n<p><strong>H\u00e4rtere Strafen f\u00fcr Kindesm\u00f6rder und Sexualstraft\u00e4ter <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen etwas tun <\/strong><\/p>\n<p>&#8211; VON RAINER M\u00dcLLER &#8211;<\/p>\n<p>Der liederliche Umgang mit Sexualstraft\u00e4tern in unserem Land k\u00f6nnte kaum treffender dargestellt werden als an einem aktuellen Beispiel in Rheinland-Pfalz. Dort wurde ein Mann aus der Untersuchungshaft entlassen, der seine T\u00f6chter 171mal vergewaltigt haben soll. Das Gericht war aufgrund von Personalmangel nicht in der Lage, die Hauptverhandlung gegen ihn zu er\u00f6ffnen. Ein Skandal. Da kann man nur hoffen, da\u00df die betroffenen M\u00e4dchen jetzt in Sicherheit sind.<\/p>\n<p>Die kleine Natalie &#8211; und viele andere Kinder k\u00f6nnten es auch &#8211; w\u00fcrde noch leben, wenn ihr Peiniger und M\u00f6rder, ein Wiederholungst\u00e4ter, nicht aufgrund eines gravierenden Fehlgutachtens auf freien Fu\u00df gekommen w\u00e4re. Der Mann galt in der Beurteilung des Experten als nicht abartig. Das Vertrauen in die F\u00e4higkeit von Gutachtern, in die Tiefe der menschlichen Psyche zu schauen und zu ahnen, welche Gedanken in diesen Hirnen kreisen, ist l\u00e4ngst dahin. Die Irrtumsquote ist beeindruckend hoch. 70 Prozent der Triebt\u00e4ter werden r\u00fcckf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Psychiatrische Behandlung und Betreuung bringen keine Garantie f\u00fcr den Ausschlu\u00df einer Wiederholungstat. Auch die chemische Kastration, die medikament\u00f6se Unterdr\u00fcckung des Sexualtriebs, die nach der Gesetzeslage nur auf freiwilliger Basis erfolgen kann, bietet keine Gew\u00e4hr. Schlie\u00dflich wird behauptet, eine Versch\u00e4rfung des Strafrechts richte gegen Sexualstraft\u00e4ter nichts aus. Und \u00fcberhaupt sei das mit der Strafe so eine Sache; sie schrecke ohnehin niemanden ab. Das Fazit daraus: Wir k\u00f6nnen gegen Triebt\u00e4ter einfach nichts tun.<\/p>\n<p>Kein Wunder, wenn in der \u00d6ffentlichkeit Wut und Zorn hochsteigen. Diese Wut mu\u00df erhalten bleiben, sie sollte nicht abebben. Es darf nicht sein, da\u00df wir uns angesichts der Mordf\u00e4lle in den vergangenen Wochen und Monaten zun\u00e4chst f\u00fcrchterlich erregen, der Zorn dann langsam abflaut und wir schlie\u00dflich nur noch hilflos und schulterzuckend die Arme verschr\u00e4nken mit der Bemerkung, man k\u00f6nne doch nichts tun. Irrtum, wir sind nicht hilflos, wir k\u00f6nnen etwas tun &#8211; und m\u00fcssen es. Zun\u00e4chst einmal gilt es, einen uralten Zopf (aus dem Jahr 1871) abzuschneiden, nach dem in Deutschland Eigenstumsdelikte h\u00e4rter bestraft werden als Verbrechen gegen Leib und Leben. Die Einsicht in die Notwendigkeit einer Gesetzes\u00e4nderung scheint sich jetzt in Bonn durchzusetzen.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt mu\u00df den Politikern weiter Druck gemacht werden. Auch das Ergebnis der Umfrage unserer Zeitung zeigt, da\u00df die Bev\u00f6lkerung ein wesentlich h\u00e4rteres Vorgehen gegen Sexualstraft\u00e4ter erwartet. Sie gibt sich nicht mehr mit Experten- und Politikerreden zufrieden, an deren Ende es schlie\u00dflich hei\u00dft, die Gesellschaft m\u00fcsse mit diesem Problem leben.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen wir nicht, wir k\u00f6nnen zu einem gro\u00dfen Teil damit fertigwerden. Das Recht unserer Kinder auf Unversehrtheit von K\u00f6rper und Seele wiegt ungleich schwerer als irgendwelche Pers\u00f6nlichkeitsrechte von Kindersch\u00e4ndern, Vergewaltigern und M\u00f6rdern, die diese f\u00fcr sich selbst in Anspruch nehmen oder die von cleveren Anw\u00e4lten gefordert werden.<\/p>\n<p>Die Todesstrafe, von vielen gefordert, ist politisch nicht durchsetzbar. Es gibt nur eine wirkungsvolle Alternative: Diese hei\u00dft lebensl\u00e4ngliche Sicherungsverwahrung. Sie sch\u00fctzt uns zumindest vor den Wiederholungst\u00e4tern.<\/p>\n<p>&lt;SZ&gt;<\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen bereit sein, zu einer christlichen Ethik zur\u00fcckzukehren <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zum Thema &#8222;Kindesmi\u00dfbrauch&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der sich h\u00e4ufenden F\u00e4llen von Kindesmi\u00dfbrauch geht ein Schrei der Emp\u00f6rung und Betroffenheit durch alle Schichten unserer Gesellschaft. Man verlangt h\u00e4rtere Strafen und strengere Therapie, ja sogar die Todesstrafe. Aber selbst wenn man genug Pl\u00e4tze und Therapeuten h\u00e4tte und auch die abzulehnende Todesstrafe verh\u00e4ngen w\u00fcrde, k\u00f6nnten all diese Ma\u00dfnahmen uns von dieser Pestbeule der Gesellschaft befreien, wenn man das \u00dcbel nicht in seiner Wurzel zu kurieren beginnt. M\u00fc\u00dfte man nicht damit anfangen, endlich einmal \u00fcber die Freigabe pornographischer &#8222;Erotik&#8220; wirklich kritisch nachzudenken? Hat nicht die &#8222;Befreiung&#8220; zur schrankenlosen Sexualit\u00e4t eine Entfesselung des Sexualverbrechens zur Folge gehabt? Denn schlie\u00dflich hat die zur Zeit aufgeplatzte Eiterbeule eine lange Vorgeschichte. Es war vor allem die FDP in der Regierungskoalition mit der SPD, da\u00df 1976 der Pornographieparagraph so weit gelockert wurde, da\u00df seitdem fast alles auf diesem Sektor als &#8222;Kunst&#8220; gilt und sich im Kulturbereich bis zum Exze\u00df ausgetobt.<\/p>\n<p>Wieso konnte man die Erfahrungen der Menschheitsgeschichte mit ihren Mythen, ihre Sagen und M\u00e4rchen vergessen, die dort in tiefen Bildern aussagten, da\u00df Circe in der Lage ist, die M\u00e4nner in Schweine zu verwandeln? Und hat man vergessen, da\u00df der Katalog vom Sinai als Sanktionierung einer jahrtausendalter Menschheiterfahrung betrachtet werden kann. Und es w\u00e4re auch zu fragen, ob nicht die Abtreibungsmentalit\u00e4t auch eine Rolle gespielt hat? Wo das Leben nicht mehr in jeder Phase und in jeder Bedingung von Gott gesch\u00fctzt und gewollt ist, wird auch eine noch so scheu\u00dfliche &#8222;Lustgrenze&#8220; eher \u00fcberschritten. Warum lauschten nicht wenigstens die Katholiken auf den einsamen Rufer aus Rom. Hat er nicht gewarnt vor der Kultur des Todes? Das lag gewi\u00df daran, da\u00df man dem Glauben das Etikett &#8222;veraltet, nur f\u00fcr Einf\u00e4ltige&#8220; aufgeklebt hatte und statt dessen Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit an die Stelle zu setzen begann. Nein, so sehr st\u00e4rkere Strafen gegen diese nie dagewesene Kinderpornogrpahie angebracht sind, nach einem solchen Tiefstand der Sittenlosigkeit, den es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gab, kann es uns nur helfen, wenn wir bereit sind, zu einer christlichen Ethik zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>PETER LAFONTAINE, Dillingen<\/p>\n<p>&lt;SZ 8.\/9.3.97&gt;<\/p>\n<p>Man hat uns eingeredet, da\u00df Gewalt und Obsz\u00f6nit\u00e4t in Film, Fernsehen und Presse eine Frage der Gew\u00f6hnung seien. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Peter Lafontaine,Dillingen<\/p>\n<p><strong>Einen absoluten Wert anerkennen <\/strong><\/p>\n<p>Zu verschiedenen Leserbriefen zum Thema \u201eKindesmi\u00dfbrauch&#8220;:<\/p>\n<p>M\u00fc\u00dfte man nicht damit anfangen, \u00fcber die Freigabe pornographischer &#8222;Erotik&#8220; nachzudenken? Hat nicht die &#8222;Befreiung&#8220; zur schrankenlosen Sexualit\u00e4t eine Entfesselung des Sexualverbrechens zur Folge gehabt? Will man nicht erkennen, wie sehr die lang verachtete Scham dem Menschen hilft, das Leben und seinen Reichtum zu sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Das ist etwas anderes als Pr\u00fcderie. Schamlosigkeit wirkt zerst\u00f6rerisch. Man hat uns eingeredet, da\u00df Gewalt und Obsz\u00f6nit\u00e4t in Film, Fernsehen und Presse eine Frage der Gew\u00f6hnung seien. Sigmund Freud nannte den Verlust von Schamgef\u00fchl ein Zeichen von Schwachsinn. Man hat Sekund\u00e4rtugenden verspottet, Grundtugenden mi\u00dfachtet, g\u00f6ttliche Tugenden kennt man nicht oder wagt nicht von ihnen zu sprechen. Man ruft Vorbildern. Aber solange man nicht bereit ist, einen absoluten Wert anzuerkennen wird alles Bem\u00fchen f\u00fcr die Heilung unserer Gesellschaft umsonst sein.<\/p>\n<p>PETER L.4FONTAINE, Dillingen<\/p>\n<p>&lt;SZ 15.10.96&gt;<\/p>\n<p><strong>Zum Sittenkatalog der Zehn Gebote zur\u00fcckkehren <\/strong><\/p>\n<p>Zum Leitartikel von Rainer M\u00fcller &#8222;Wir m\u00fcssen etwas tun&#8220; (SZ vom 5.\/6. Oktober)<\/p>\n<p>In seinem Kommentar findet Rainer M\u00fcller sicher die Zustimmung aller B\u00fcrger, wenn er ein sch\u00e4rferes Vorgehen gegen Sexualstraft\u00e4ter verlangt. Aber ist das genug? M\u00fcssen wir nicht viel mehr tun, um solche Scheu\u00dflichkeiten von Sexualtriebt\u00e4tern aus der Welt zu schaffen? Die horrende Zunahme des sexuellen Kindesmi\u00dfbrauchs und anderer Perversionen ist doch die konsequente Folge des gigantischen Feldzuges der &#8222;Befreiung der Sexualit\u00e4t&#8220;, der von der Mitte der 60er Jahre ab in Europa, besonders aber in Deutschland, begann. Der Ideologie dieser &#8222;Befreiungs-Kampagne&#8220; wurde mit der \u00dcbernahme der SPD\/FDP-Regierung ab 1969 T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet: Erziehung zur Sexualit\u00e4t vom Kindergartenalter ab wurde ohne Hemmung propagiert. Gegen Warner wurden Gift und Galle gespr\u00fcht &#8211; ganz besonders gegen den Fels in der Brandung der Sexwelle: die Katholische Kirche. Wo wir also vor allem etwas tun m\u00fcssen, ist auf dem Weg zur R\u00fcckkehr zum Jahrtausende alten Sittenkatalog der Zehn Gebote. Menschlichkeit ohne Gottesglauben f\u00fchrt zu rohem (tierischem) Verhalten.<\/p>\n<p>&lt;SZ vom 20.\/21.12.97&gt;<\/p>\n<p><strong>Das wahre Gottesreich kann nie von Rom ausgehen <\/strong><\/p>\n<p>Zum Thema &#8222;Kritische Kirche: Es fehlt der Mut&#8220;<\/p>\n<p>Nur der Heilige Geist &#8211; nicht der Papst &#8211; werden letztendlich die Christen in das neue Jahrtausend f\u00fchren. Der katholischen Kirche steht zuvor noch ein schweres Schicksal bevor, denn ein Gericht wird \u00fcber sie ergehen. Die Liste der Schuldposten der katholischen Kirche ist lang. Die Abkehr vom Auftrag, den Jesus seinen Aposteln gegeben hatte, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kirche, und die Kluft zwischen der Botschaft Jesu und der Wirklichkeit ist bis heute un\u00fcberbr\u00fcckbar.<\/p>\n<p>Die Entartungs-Erscheinungen in dieser Kirche, die Herrschsucht und der Zwang, die bis in die derzeitige repressive Politik des Vatikans ausstrahlen, sind urs\u00e4chlich f\u00fcr den Verfall der Kirche, Ihr System des Zwangs und des \u201edogmatischen Imperialismus&#8220; hat sie auf dem starren statischen Prinzip aufgebaut und verankert. Da diesem Prinzip das Element der Erstarrung innewohnt, ist ihr jegliche Flexibilit\u00e4t abhanden gekommen, und jetzt, da in der modernen Welt alles in dynamische Bewegung gekommen ist, werden ihr die Starrheit und die Rechthaberei zum Verh\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Das Licht, dieses wahre Gottesreich, kann nie von Rom ausgehen. Denn was da geschieht, ist nur rein \u00c4u\u00dferliches! Die Erstarrung in klischeehaften Vorstellungen und Gewohnheiten ist bei vielen Menschen infolge der falschen Erziehung durch Generationen hindurch so gro\u00df, da\u00df die Menschen der Wahrheit, wenn sie diese erfahren, kaum noch zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p>Wirklich erschreckend sind die Ver\u00e4u\u00dferlichung und die religi\u00f6se Verflachung vieler kirchentreuer Katholiken. Man kann sich nur w\u00fcnschen, da\u00df jetzt endlich ein Ruck durch die Christenheit geht und sie sich aus der Knechtschaft dieser unheilvollen Institution befreit und zur frohen Botschaft Jesus Christus zur\u00fcckkehrt,<\/p>\n<p>JOSEPH WOLF, Homburg<\/p>\n<p>Gebauchpinselt<\/p>\n<p>Zum Leserbrief &#8222;Nicht so p\u00e4pstlich&#8220; von Dr. Rudi Peter (SZ vom 24. Dezember): Es ist verst\u00e4ndlich, wenn Herr Dr. Peter nicht als \u201eDillinger Solar-Papst&#8220; bezeichnet werden m\u00f6chte, obwohl er sich gerade deshalb als ,,gebauchpinselt&#8220; (zu deutsch: geehrt) f\u00fchlt. Die Beschreibung f\u00fcr das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II. offenbart jedoch ein erschreckend tiefes geistiges Niveau von Dr. Peter.<\/p>\n<p>Auch der bekannte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat sich bei einer &#8222;Talk-Show&#8220; gegen die Bezeichnung &#8222;Literatur-Papst&#8220; mit der Bemerkung gewehrt, als Jude m\u00f6chte er kein Papst sein. Trotzdem sprach er sehr anerkennend \u00fcber diesen Papst und hat dessen Wirken f\u00fcr Frieden, Freiheit und soziales Wohlergehen der Menschheit besonders gelobt.<\/p>\n<p>Herr Dr. Peter befindet sich mit H. M. Enzesberger in einer besonders ,,feinen ehrenwerten Gesellschaft&#8220;, an deren geistiger Gesundheit stark gezweifelt werden mu\u00df. Dr. Peter hat sich mit diesem Brief selbst disqualifiziert und sich der allgemeinen Achtung entzogen, so da\u00df er weiterhin wohl wesentlich weniger &#8222;gebauchpinselt&#8220; werden wird.<\/p>\n<p>ALOIS MAX, Altforweiler<\/p>\n<p>&lt;DT Nr. 155, S. 3, 28.12.1989&gt;<\/p>\n<p><strong>Es ist Zeit f\u00fcr den Aufstand der Gewissen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gedanken zum Weckruf der deutschen Bisch\u00f6fe \/ Von Professor Stephan Otto Horn<\/strong><\/p>\n<p>Um zw\u00f6lf Uhr an diesem Donnerstag, am Fest der Unschuldigen Kinder, wird im gesamten Bundesgebiet w\u00e4hrend des mitt\u00e4glichen Angelus-L\u00e4utens an die \u00fcber zweihunderttausend Kinder erinnert, die nach Sch\u00e4tzungen j\u00e4hrlich in der Bundesrepublik im Mutterleib get\u00f6tet werden. Das Gel\u00e4ut, das in den meisten Di\u00f6zesen auf Empfehlung oder Anordnung der Di\u00f6zesanbisch\u00f6fe auf f\u00fcnfzehn Minuten verl\u00e4ngert wird, soll, wie es in dem Beschlu\u00df des St\u00e4ndigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz vom Juni dieses Jahres hei\u00dft, ein Mahn-, Trauer- und Dankgel\u00e4ut zugleich sein. Der Dank richte sich an Eltern, die ihre Kinder &#8222;in gro\u00dfer Verantwortung vor Gott und der Zukunft unseres Volkes&#8220; annehmen w\u00fcrden. <em>Die Glocken sollten anmahnen, da\u00df die Menschheit ihre Zukunft verspiele, wenn sie sich \u00fcber das f\u00fcnfte Gebot &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten&#8220; hinwegsetze. Die Trauer schlie\u00dflich gelte den zahlreichen in einer Abtreibung get\u00f6teten ungeborenen Kindern<\/em>. Professor Stephan Otto Horn, Fundamentaltheologe an der Universit\u00e4t Passau, \u00e4u\u00dfert im folgenden Gedanken zu dem in diesen Wochen auch innerhalb der Kirche in Frage gestellten oder gar scharf kritisierten Mahngel\u00e4ute.<\/p>\n<p>Die Kirche erhebt von neuem un\u00fcberh\u00f6rbar ihre Stimme f\u00fcr den Schutz des Lebens der Kinder, besonders der ungeborenen. Unter dem Titel &#8222;Gott &#8211; ein Freund des Lebens&#8220; hat die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland im November eine Erkl\u00e4rung \u00fcber Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens vorgestellt. F\u00fcr den heutigen 28. Dezember rufen die Bisch\u00f6fe alle Katholiken zu Besinnung und Gebet auf.<\/p>\n<p>Sie haben die Notwendigkeit erkannt, zur Offensive \u00fcberzugehen und die Christen zu ermutigen, eine Bewegung f\u00fcr das Leben kraftvoll und entschieden mitzutragen. Dies geschieht in einem Augenblick, in dem auch au\u00dferhalb der Christenheit die Nachdenklichkeit zunimmt und neue Wege und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen besseren Schutz des jungen Lebens gesucht werden. Es geschieht aber auch in einem Augenblick, in dem Ratlosigkeit und Resignation vorherrschen und bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen die derzeitige Situation noch entschiedener festschreiben m\u00f6chten. Soll man es als schicksalhafte, unumkehrbare Entwicklung akzeptieren, da\u00df in unserem Land j\u00e4hrlich zweihunderttausend oder dreihunderttausend Kinder im Mutterleib get\u00f6tet werden? Wenn nicht, so ist es h\u00f6chste Zeit f\u00fcr einen Aufstand der Gewissen.<\/p>\n<p>Dazu bedarf es aber an erster Stelle einer Wiederherstellung des moralischen Bewu\u00dftseins in unserer Gesellschaft. Abtreibung darf nicht weiterhin, wie es in den letzten Jahren h\u00e4ufig geschehen ist, im Rahmen einer &#8222;humanen&#8220; Selbstbestimmung als geradezu legitime M\u00f6glichkeit hingestellt werden. <em>In Wirklichkeit ist es zynisch zu behaupten, Selbstverwirklichung lasse sich auf der T\u00f6tung eines anderen aufbauen oder mit ihr auch nur vereinbaren. Ein ungeborenes Kind zu t\u00f6ten, bedeutet, einem unschuldigen Menschen ein unabdingbares Recht, ja sogar das fundamentale aller Rechte zu rauben: das Recht, sein Leben zu entfalten. Das Zweite Vatikanische Konzil hat sich deshalb nicht gescheut, die Abtreibung ein &#8222;verabscheuungsw\u00fcrdiges Verbrechen&#8220; zu nennen (Gaudium et spes, 51). Wer eine solche Schuld auf sich l\u00e4dt, verwirklicht sich nicht selbst, sondern verletzt zutiefst seine eigene menschliche W\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p>Josef Pieper hat diese Wahrheit unserer europ\u00e4ischer Kultur in seinem bekannten Buch &#8222;\u00dcber die Gerechtigkeit&#8220; treffend formuliert: &#8222;&#8230; wer das Zustehende nicht gibt, wer es vorenth\u00e4lt oder raubt, der verwundet und entstellt sich selbst; er ist es, der etwas verliert; im \u00e4u\u00dfersten Fall: er zerst\u00f6rt sich selbst; es geschieht ihm jedenfalls etwas unvergleichlich Schlimmeres als dem, der Unrecht erleidet. .. &#8220; Und er zitiert ein Wort von Sokrates: &#8220; &#8230; Ungerechterweise einen Backenstreich zu erhalten, ist nicht der gr\u00f6\u00dfte Schimpf, auch nicht, einem M\u00f6rder &#8230; in die H\u00e4nde zu fallen; &#8230; solches Unrecht an mir zu ver\u00fcben ist f\u00fcr den T\u00e4ter des Unrechts viel schlimmer als f\u00fcr mich, den vom Unrecht Betroffenen .&#8220;<\/p>\n<p>Es geht bei alledem nicht nur um eine tiefe moralische Verwundung einzelner Menschen, sondern um einen Vorgang, der unser ganzes Volk betrifft. <em>Wenn in den letzten zehn Jahren bei uns zwei oder gar drei Millionen unschuldiger Kinder get\u00f6tet wurden, dann haben wir allen Grund, zu bef\u00fcrchten, da\u00df dies eine schleichende Vergiftung des ganzen gesellschaftlichen Lebens hervorgerufen hat. <\/em><\/p>\n<p>Eine solche Situation bedeutet eine riesige Herausforderung f\u00fcr uns alle. Es hei\u00dft alles zu tun, um den Eltern die Bejahung ihres Kindes zu erm\u00f6glichen oder zu erleichtern, besonders dann, wenn sie sich in einer Lage befinden, die ihnen ausweglos erscheint. Es gilt jene Menschlichkeit zu schenken, durch die &#8211; wie die deutschen Bisch\u00f6fe sagen &#8211; &#8222;jede Mutter in einer Notsituation ebenso wie auch das Leben ihres Kindes volle Achtung und Liebe erfahren&#8220;.<\/p>\n<p>Robert Spaemann verweist auf etwas, das dabei oft zu wenig gesehen wird und das ganz in der Linie dessen liegt, was soeben ausgef\u00fchrt wurde: &#8222;Gerade der Mutter, f\u00fcr die eine Alternative gar nicht in Frage kommt, mu\u00df wirksam geholfen werden. Die erste Hilfe besteht darin, da\u00df man sie nicht in eine ganz unertr\u00e4gliche Situation hineindr\u00e4ngt, n\u00e4mlich die Situation, \u00fcber Leben und Tod entscheiden zu m\u00fcssen. Die ganze Rede von der Entscheidungsfreiheit ist deshalb so unertr\u00e4glich, weil sie eben jene Not erzeugt, die sie angeblich beseitigen will. Den Menschen zum Herren \u00fcber Leben und Tod zu machen, hei\u00dft ihn prinzipiell \u00fcberfordern. Es bleibt noch genug Not, die unter Umst\u00e4nden durch das ungewollte Eintreten eines Kindes entsteht. Dieser Not mu\u00df entgegengesteuert werden. Aber es darf ihr nicht jene Erniedrigung der Menschenw\u00fcrde hinzugef\u00fcgt werden, die darin besteht, da\u00df man es ihm zubilligt, T\u00f6tung als m\u00f6gliche Alternative in Betracht zu ziehen. Erst hierdurch wird ja der Druck der M\u00e4nner m\u00f6glich, die der Frau die &#8211; ja offiziell legalisierte &#8211; Abtreibung zumuten.&#8220;<\/p>\n<p>Der Weckruf der deutschen Bisch\u00f6fe wird dann Sinn bekommen, wenn er uns nicht blo\u00df nachdenklich macht, sondern uns auch zu mehr Solidarit\u00e4t, zu mehr Verst\u00e4ndnis und Hilfe ermutigt.<\/p>\n<p>SZ<\/p>\n<p><strong>&#8222;Kliniken leben zum Teil vom Gesch\u00e4ft mit der Abtreibung&#8220; <\/strong><\/p>\n<p><strong>,.Jeden Tag sterben 40 000 Kinder&#8220; und &#8222;Geburtenr\u00fcckgang in der BundesrepublIk&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Als ich die oben zitierte \u00dcberschrift las, dachte ich: \u201eNa endlich hat jemand mal den Mut, den internationalen Massenmord an Kindern &#8211; vornehm Abtreibung genannt &#8211; anzuprangern.&#8220; &#8211; Vonwegen! Nat\u00fcrlich ist es lobenswert, das Elend mahnend zu erw\u00e4hnen, das 40 000 Kindern t\u00e4glich den Tod bringt. Aber ich mu\u00df gestehen, da\u00df mir all dies entsetzlich unehrlich, ja sogar geheuchelt erscheint. Ich und nicht nur ich &#8211; kann nicht an das Mitleid einer Gesellschaft glauben, die den Mord an ungeborenen Kindern ohne weiteres geschehen l\u00e4\u00dft, ja, ihn sogar sorgf\u00e4ltig vertuscht.<\/p>\n<p>Wer erw\u00e4hnt schon, da\u00df Millionen Kinder im Mutterleib auf grausamste Weise get\u00f6tet werden, da\u00df abgetriebene Kinder in einer regelrechten ,,Abtreibungsindustrie&#8220; verwandt werden, um Frischzellen aus dem R\u00fcckenmark sowie Organe zu entnehmen? Es werden l\u00e4ngst nicht mehr nur Tiere f\u00fcr Kosmetikprodukte verwandt, es sind auch unsere eigenen &#8211; ungeborenen &#8211; Mitmenschen!<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ft mit der Unaufgekl\u00e4rtheit der Frauen, der legalisierte Volksbetrug, bl\u00fcht in vollem Ma\u00dfe. Und es ist wohl\u00fcberlegte Berechnung, die wahren Ziffern zu verschweigen, die gr\u00e4\u00dfliche Wahrheit zur L\u00fcge zu erkl\u00e4ren und den Frauen zu suggerieren, es gesch\u00e4he alles nur zu ihrem Besten, das Ungeborene sp\u00fcre \u00fcberhaupt nichts. Experimente und praktische Erfahrungen haben genau das Gegenteil bewiesen. Tierschutz, Kampf gegen das Baumsterben und das m\u00f6glichst laut bekundete Mitleid mit an Krankheiten sterbenden Kindern erscheinen demgegen\u00fcber nur als widerliche Ablenkungsman\u00f6ver.<\/p>\n<p>Angelika Seibel Saarlouis<\/p>\n<p>Ratlos stehen unsere Politiker vor der Tatsache, da\u00df die Bev\u00f6lkerung in Deutschland in erschreckender Weise abnimmt. Dabei ist die Ursache doch ganz einfach zu erkennen, wenn man vor der Wahrheit nicht die Augen verschlie\u00dft.<\/p>\n<p>In der Bundesrepublik stehen 560 000 Geburten j\u00e4hrlich ca. 900 000 Abtreibungen gegen\u00fcber. Ganz bewu\u00dft gehen die alte wie die neue Bundesregierung von der Zahl der gemeldeten \u00a0\u201elegalen\u201c Schwangerschaftsabbr\u00fcche aus, die 1982 mit 91000 angegeben wird. Diese Zahl gleicht nur der Spitze des Eisbergs. In Wiesbaden stellte die hessische \u00c4rztekammer fest, da8 die tats\u00e4chliche Zahl der Abtreibungen zehnmal h\u00f6her ist als die der gemeldeten. Hinzu kommen noch die \u201esozialen&#8220; F\u00e4lle, die in Holland und \u00d6sterreich gel\u00f6st werden. Eine unr\u00fchmliche Rolle spielt auch die Justiz. Obwohl laut Bundesverfassungsgericht der Grundgesetzartikel 2 ,,Jeder hat das Recht auf Leben&#8220; auch auf das ungeborene Kind anzuwenden ist und die staatlichen Organe verpflichtet sind, das Leben der Leibesfrucht unter Strafe zu sch\u00fctzen, r\u00fcckt kein Gericht und kein Staatsanwalt dem Verbrechen zu Leibe. Es kann doch einfach nicht sein, da\u00df die 900 000 Abtreibungen alle aus einer schweren Notlage der Schwangeren, die anders nicht zu beheben ist, erfolgen.<\/p>\n<p>Es wird zugelassen, da\u00df fortschrittliche Beratungsstellen die Schwangeren geradezu zur \u201eSelbstverwirklichung&#8220; ermuntern. \u201eSelbstlose&#8220; \u00c4rzte sind nur zu gerne bereit, schwere Notlagen zu bescheinigen und ganze Kliniken leben zu einem beachtlichen Teil vom Gesch\u00e4ft mit der Abtreibung.<\/p>\n<p>Vielleicht werden die wenigen Kinder, die \u00fcberleben durften, uns einmal die Frage stellen: \u201eWie konntet ihr solche Greueltaten zulassen?<\/p>\n<p>RolfBeck<\/p>\n<p>Ludwilla Kuhn<\/p>\n<p>Ursula Cremer<\/p>\n<p>Christine Reinicke<\/p>\n<p>G\u00fcnter Schwan<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>&lt;SZ Febr. 1984&gt;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ein Unrecht bleibt auch bei Mehrheitsbeschlu\u00df ein Unrecht&#8220; <\/strong><\/p>\n<p><strong>ArtIkel &#8222;Notlage der Frauen bleibt ein Problem&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>1700 Schwangerschaftsabbruch-Beratungen und allein 549 bei der AOK Saarbr\u00fccken gemeldete Notlagenabbr\u00fcche im Jahr 1981 sind ein alarmierendes Zeichen. Die schwierige Situation der abbruchwilligen Frauen besteht aber nicht darin (wie vom Arbeitskreis sozialdemokratischer Frauen AsF dargestellt), da\u00df im Saarland zu wenig Krankenh\u00e4user zu Abbr\u00fcchen aufgrund sozialer Indikation bereit sind, sondern darin, da\u00df die Frauen aufgrund ihrer bisherigen Lebenserfahrung keine oder nicht gen\u00fcgend gesellschaftliche und zwischenmenschliche Hilfe f\u00fcr die Zeit der Schwangerschaft und danach erwarten. In vielen F\u00e4llen m\u00fcssen sie mit Diskriminierung und famili\u00e4rem wie gesellschaftlichem Druck rechnen.<\/p>\n<p>Eine notwendige Aktion f\u00fcr schwangere Frauen in sozialer Notlage d\u00fcrfte nicht alle diese \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen N\u00f6te mit einem einzigen Rezept (vermitteln von Adressen abbruchwilliger Krankenh\u00e4user) beheben wollen, sondern m\u00fc\u00dfte Hilfen vermitteln, die auf den jeweiligen Fall zugeschnitten sind. Solche Hilfen k\u00f6nnen sein: Bei zu kleinen Wohnungen eine neue Wohnung beschaffen helfen; bei arbeitenden Alleinstehenden die Versorgung des Babys nach der Geburt regeln helfen; bei finanzieller Not Sozial- und Privathilfe verschaffen; bei Angst junger M\u00e4dchen vor dem Elternhaus Gespr\u00e4che f\u00fchren helfen u. \u00e4. und im \u00e4u\u00dfersten Notfall Adoptiveltern vermitteln.<\/p>\n<p>Warum weigern sich immer mehr Krankenh\u00e4user , deren Aufgabe es ist, Leben zu erhalten und zu pflegen, Schwangerschaftsabbr\u00fcche durchzuf\u00fchren? Neuere Forschungen in der Humanembryologie (besonders Prof. Blechschmidt, G\u00f6ttingen), neue technische Hilfsmittel (z. B. Ultraschall in der Schwangerenvorsorge, neue fototechnische M\u00f6glichkeiten) und nicht zuletzt die vielen in den Kliniken zutage gef\u00f6rderten sogenannten Schwangerschaftsprodukte, zeigen eindeutig, da\u00df sich die Entwicklung des menschlichen Embryos von Anfang an von allen tierischen Embryos unterscheidet. Der Mensch ist sichtlich von Anfang an ein Mensch und der richtige Ausdruck f\u00fcr \u201eeinen Menschen wegmachen&#8220; hei\u00dft \u201e t\u00f6ten&#8220;.<\/p>\n<p>Ein Schwangerschaftsabbruch und Hilfe dazu darf nicht die L\u00f6sung f\u00fcr die schweren Notlagen von Frauen sein, sondern man sollte den Engagementwillen f\u00fcr die Beseitigung dieser Notlagen einsetzen. Bei anderen sozialen Notlagen w\u00fcrde man sich emp\u00f6ren, wenn Beihilfe zur T\u00f6tung als L\u00f6sung der Probleme propagiert w\u00fcrde. Daran \u00e4ndert auch die Tatsache nichts, da\u00df bei uns der Schwangerschaftsabbruch in sozialer Notlage straffrei ist. Ein Unrecht bleibt auch ein Unrecht, wenn es mehrheitlich beschlossen ist.<\/p>\n<p>Elisabeth Kronenberger<\/p>\n<p>Saarwellingen<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>&lt;SZ Sa\/So Febr. 1984&gt;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wer sch\u00fctzt das ungeborene Leben?&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Mit F\u00f6ten und Embryonen eintr\u00e4gliche Gesch\u00e4fte gemacht.&#8220;<\/p>\n<p>Es hei\u00dft nicht umsonst: &#8222;Ein Unrecht zieht das andere nach.&#8220; Die Vergangenheit hat bewiesen, da\u00df Menschen, die sich daf\u00fcr hergeben, wissentlich menschliches Leben zu vernichten, auch zu allem anderen f\u00e4hig sind. Wann endlich h\u00f6rt unser Volk mit dem T\u00f6ten auf? Es geschieht damals wie heute \u201eim Namen des Volkes&#8220;, denn die Gesetzgeber haben wir gew\u00e4hlt. Wieviel Schuld wollen wir noch auf uns laden?<\/p>\n<p>Da wundern wir uns, wenn Andersgl\u00e4ubige mit Verachtung vom Christentum sprechen. <em>Es gibt leider nur wenige Pfarrer, die den Mut haben, das Thema Abtreibung aufzugreifen. Um gegen Massenvernichtungsmittel zu protestieren, gehen Tausende auf die Stra\u00dfe; <\/em>wer aber protestiert schon gegen die tausendfache Massenvernichtung, die seit Jahren unter uns geschieht? Macht sich nicht jeder, der sich Christ nennt und nicht lauthals dagegen protestiert, mitschuldig?<\/p>\n<p>Christel Ball<\/p>\n<p>V\u00f6lklingen<\/p>\n<p>Schon lange bin ich entsetzt, wie ein fach und leichtsinnig heute Abtreibungen vorgenommen werden. Selbst der 5. Schwangerschaftsmonat oder sogar der 7. (Mutter drogenabh\u00e4ngig) bremst &#8222;dieses Gesch\u00e4ft&#8220; nicht, Begr\u00fcndung: Betten m\u00fcssen belegt sein! Andererseits gibt es M\u00fctter, die verzweifelt betteln m\u00fcssen, ihrem Kind eine Lebenschance zu geben (2l. Schwangerschaftswoche). Das Baby erhielt keine Wehenhemmer, keinen Kaiserschnitt (Kinderklinik h\u00e4tte Versuch zum \u00dcberleben gerne \u00fcbernommen). Es lebte oder \u00fcberlebte die Geburt und war zum Sterben verurteilt. so tragisch war es doch nicht, Mutter (1 Sohn) kann doch sofort wieder schwanger werden, und warum sollte es dann nicht wieder ein M\u00e4dchen sein? So einfach ist das.<\/p>\n<p><em>Entsetzt ist man \u00fcber das Abschlachten der Robbenbabys, unter Gefahren \u00fcberspritzt man das Fell,<\/em> um es unbrauchbar zu machen. Wer sch\u00fctzt das ungeborene Menschenleben? Abscheu, wenn von den Naziverbrechen die Rede ist. Ich bin sicher, eines Tages empfindet man \u00fcber diese schnellen und leichtfertigen Abtreibungen und den darauf bauenden &#8222;Gesch\u00e4ften&#8220; den gleichen Abscheu.<\/p>\n<p>Maria Schreiner<\/p>\n<p>Illingen<\/p>\n<p>Damit beenden wir dieses Thema.<\/p>\n<p>Peter Lafontaine Pfarrer i.R. Steinmetzstr.27 66763 Dillingen\/Saar<\/p>\n<p>Fax06831 7009 103<\/p>\n<p>Dillingen, den 4. Nov. 1993<\/p>\n<p>An die<\/p>\n<p>Redaktion der Deutschen Tagespost<\/p>\n<p>zu Hd. von Herrn Dr. Harald Vocke<\/p>\n<p>Postfach 5460<\/p>\n<p>Fax: 308 63-36<\/p>\n<p>97070 W\u00fcrzburg<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Dr. Vocke!<\/p>\n<p>Hiermit bitte ich um die Lizenz, das von mir ins Spanische \u00fcbersetzten Interviews der D.T. mit Kardinal Meisner vom 15.10.92 in der in Chile herausgegebenen Zeitschrift Comunio ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Deutsche Tagespost<\/p>\n<p>Katholische Zeitung f\u00fcr Deutschland<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wenn Gott schenkt, dann f\u00fcr immer&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Ein Interview mit dem Erzbischof von K\u00f6ln, Joachim Kardinal Meisner, \u00fcber die Debatte um die Zukunft des Z\u00f6libats<\/p>\n<p>Mit einem nachdr\u00fccklichen Pl\u00e4doyer f\u00fcr die priesterliche Ehelosigkeit hat sich der Erzbischof von K\u00f6ln, Kardinal Meisner, in die auch innerhalb der Kirche aufgeflammte Debatte um den Z\u00f6libat eingeschaltet. Die Diskussion zeige einen. erschreckenden Mangel an Glaubenserfahrung , sagte der Kardinal in einem Interview mit der Deutschen Tagespost. Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte J\u00fcrgen Liminski.<\/p>\n<p><em> Herr Kardinal, die Zweifel am Z\u00f6libat werden lauter und in den Chor der Kritiker und Skeptiker stimmen neuerdings auch W\u00fcrdentr\u00e4ger und namhafte Funktion\u00e4re der Katholiken ein.Wie erkl\u00e4ren Sie sich die pl\u00f6tzliche Belebung dieser Diskussion? <\/em><\/p>\n<p>Der Hauptgrund liegt meines Erachtens in der gegenw\u00e4rtigen Glaubenskrise. Diese Diskussion zeigt einen erschreckenden Mangel an Glaubenswissen und auch an Glaubenserfahrung. Eine z\u00f6libat\u00e4re Lebensform ist nur plausibel, wenn es Jesus Christus gibt. Wer Christi Existenz nicht mehr erf\u00e4hrt, wer Ihn nicht mehr im Herzen sp\u00fcrt und an Ihn glaubt, f\u00fcr den ist ein Z\u00f6libat\u00e4rer in der Tat ein Verr\u00fcckter oder Kranker. Christus sagt ausdr\u00fccklich im Hinblick auf die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen: &#8222;Wer es fassen kann, der fasse es&#8220;. Es ist ersch\u00fctternd, da\u00df heute so viele Christen dies nicht nur nicht fassen k\u00f6nnen, sondern auch nicht begreifen, vielleicht sogar nicht einmal tolerieren wollen, da\u00df andere es fassen. Der Zweifel am Z\u00f6libat ist im Grunde ein Zweifel an der Wirklichkeit und Erfahrbarkeit Gottes. Als ob Gott in seinem menschgewordenen Sohn Christus nicht das Herz eines jungen Mannes f\u00fcr einen solchen Weg begeistern k\u00f6nnte. Erlauben Sie mir, das Wort eines Kirchenvaters, des heiligen Basilius des Gro\u00dfen zu zitieren, das wir Priester am vergangenen Sonntag im Brevier gelesen haben. Dort hei\u00dft es: &#8222;Da wir das Gebot der Gottesliebe erhalten haben, besitzen wir vom ersten Augenblick unseres Daseins an eine angeborene Kraft und F\u00e4higkeit zu lieben. Der Nachweis daf\u00fcr wird nicht durch \u00e4u\u00dfere Gr\u00fcnde gef\u00fchrt, ein jeder kann es in sich und von sich selbst lernen. Von Natur aus streben wir nach dem Guten und Sch\u00f6nen, wenn auch dem einen dies, dem anderen jenes sch\u00f6n und gut erscheint. Ebenso lieben wir, ohne da\u00df man es erst lehren mu\u00df, was uns durch Verwandtschaft verbunden ist und umfangen ganz von selbst alle, die uns Gutes tun, mit Wohlwollen. Nun frage ich: Was ist wunderbarer als die Sch\u00f6nheit Gottes? Was k\u00f6nnte sch\u00f6ner und lieblicher gedacht werden als die Herrlichkeit Gottes? Welche Sehnsucht k\u00f6nnte so heftig und m\u00e4chtig sein wie jene, die Gott der Seele eingibt, wenn sie vom B\u00f6sen gereinigt ist und aufrichtig sagt: Ich bin krank vor Liebe (Hohes Lied 5, 8)? Ganz unaussprechlich ist das Leuchten der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit.&#8220;<\/p>\n<p><em>Basilius der Gro\u00dfe lebte im vierten Jahrhundert. Manche Theologen und Laien von heute meinen, der Z\u00f6libat m\u00fcsse neu begr\u00fcndet werden, wenn man an ihm festhalten wolle. <\/em><\/p>\n<p>Die Z\u00f6libatskritiker wecken mitunter den Eindruck, nicht zu wissen, wovon sie eigentlich reden. Der Z\u00f6libat ist letztlich nicht eine Frage des Kirchenrechts oder der Dogmatik, sondern eine Frage des Glaubens an Gott, der einem Menschen so nahe kommen kann, da\u00df dieser die Partnerschaft mit Gott allen anderen Partnerschaften vorzieht. Z\u00f6libat ist also nicht Verzicht, sondern Bevorzugung. Wer das nicht fassen kann, der sollte wenigstens seine mangelnde Gotteserfahrung anderen nicht aufzwingen wollen. Der Z\u00f6libat ist nicht mit soziologischen, psychologischen oder p\u00e4dagogischen Kategorien zu fassen, sondern nur mit theologischen und spirituellen. Ohne Gebet, ohne Zwiesprache mit dem Herrn gibt es keinen Zugang zum Z\u00f6libat. Ich betone noch einmal: Wer Gott in dieser Weise nicht ernst nehmen kann, dem bleibt die Wirklichkeit des Z\u00f6libats verschlossen. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, als habe die Kritik am Z\u00f6libat auch eine Alibi-Funktion f\u00fcr jene, die sich von der Radikalit\u00e4t der eigenen Christusnachfolge dispensieren wollen.<\/p>\n<p><em> Es k\u00f6nnte also auch am Klerus liegen, da\u00df eine solche Diskussion \u00fcberhaupt wieder belebt wird? <\/em><\/p>\n<p>Es ist sicher eine berechtigte Frage, ob wir Priester den Glanz, den uns ein solches Leben mit Gott verleiht, noch gen\u00fcgend aufleuchten lassen in unserem Dasein. Wir sprechen mit Recht von einer Theologie der Arbeit, von einer Theologie der weltlichen Werte, von einer Theologie des Apostolates und vergessen dabei oft die Theologie selbst, n\u00e4mlich das eine Notwendige: Unsere pers\u00f6nliche, liebende Antwort auf die Botschaft Gottes an uns in Anbetung, Danksagung und Lobpreis. Gerade die Z\u00f6libatsdiskussion in der Kirche zeigt, wie sehr das Niveau des Glaubens als pers\u00f6nliche Begegnung mit Gott in den letzten Jahren gesunken ist.<\/p>\n<p><em> W\u00e4re der Verzicht auf das Z\u00f6libat nicht ein Mittel, um den Priestermangel zu beheben? <\/em><\/p>\n<p>Dazu ist zweierlei zu sagen. Zum einen w\u00e4re die Aufhebung des Z\u00f6libats sicher kein Weg, den Priestermangel zu beheben. Ehekrisen oder gar Ehescheidungen w\u00fcrden den Einsatz von solchen Priestern so stark einschr\u00e4nken, da\u00df wir de facto weniger Priester h\u00e4tten als jetzt. Das ist kein Zweckpessirnismus, keine Horrorvision. Schauen Sie nur einmal in andere Kirchengemeinschaften, die den Z\u00f6libat nicht kennen. Zum zweiten haben wir eigentlich keinen Priestermangel, sondern einen Mangel an wirklichen Christen. Wenn etwa heute der Besuch des Gottesdienstes zahlenm\u00e4\u00dfig so schwach geworden ist, dann hat das zur Folge, da\u00df zum Beispiel auch das Reservoir, aus dem Priesterberufungen hervorgehen k\u00f6nnen, kleiner geworden ist. Aber im Vergleich zur Zahl der Kirchenbesucher gibt es eigentlich gar keinen Priestermangel. Da n\u00e4mlich der Kirchenbesuch rapider zur\u00fcckgegangen ist als die Zahl der Priesterberufungen und der pastoralen Gemeindereferenten und -referentinnen, haben wir heute mehr pastorale Mitarbeiter f\u00fcr eine kleiner werdende Herde als in fr\u00fcheren Zeiten. Das ist auch ein Gesichtspunkt, der mitzubedenken ist.<\/p>\n<p><em> Woran liegt es denn Ihrer Meinung nach, da\u00df die Menschen so wenig Zugang haben zur Welt Gottes, so wenig Interesse aufbringen f\u00fcr sein Wirken in der Welt und somit auch das Z\u00f6libat nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen? <\/em><\/p>\n<p>Theologisch gesehen liegt es darin begr\u00fcndet, da\u00df viele den Weltgeist mit dem Heiligen Geist verwechseln. Der Heilige Geist l\u00e4\u00dft uns in unserem Innern verstehen, was die Kirche uns von au\u00dfen zuspricht. Ich darf an dieser Stelle den orthodoxen Metropoliten Ignatius Hazin zitieren. Er sagt: &#8222;Ohne den Heiligen Geist ist Gott fern, bleibt Christus in der Vergangenheit, das Evangelium ein totes Buch, die Kirche nur eine Organisation, die Autorit\u00e4t nur Herrschaft, die Mission nur Propaganda, der Kult eine Beschw\u00f6rung und christliches Handeln eine Moral f\u00fcr Sklaven.&#8220; Denken nicht viele Menschen, auch getaufte heute so? Der Metropolit sagt weiter: &#8222;Aber mit dem Heiligen Geist erhebt sich der Kosmos und st\u00f6hnt in den Geburtswehen des K\u00f6nigreiches. Ist der auferstandene Christus da, ist das Evangelium die Kraft des Lebens, bedeutet die Kirche die dreieinige Gemeinschaft, ist Autorit\u00e4t ein befreiender Dienst, ist die Mission ein Pfingsten, ist die Liturgie Gedenken und Vorwegnahme, ist das menschliche Handeln verherrlicht.&#8220;<\/p>\n<p>Menschlich gesehen darf man sicher sagen, da\u00df die Kirche niemanden daran hindert, Glaube, Hoffnung und Liebe in F\u00fclle zu leben. Ja, wenn alle Glieder der Kirche das t\u00e4ten, und zwar in allen Bereichen, in denen sie Sachkompetenz besitzen, dann w\u00e4re es um das Christentum in unserer Welt und um die Werte in unserer Gesellschaft nicht schlecht bestellt. Christus macht die Zahl der Arbeiter in seinem Weinberg ja ausdr\u00fccklich vom Gebet der Gl\u00e4ubigen abh\u00e4ngig: &#8222;Bittet den Herrn der Ernte um Arbeiter f\u00fcr seine Ernte.&#8220; Der Mensch des Gebetes h\u00e4lt das Erbetene f\u00fcr m\u00f6glich und Gott f\u00fcr m\u00e4chtig genug, es zu geben. Eine solche Gebetshaltung, die letztlich Glaubenshaltung ist, \u00f6ffnet gleichsam das Herz Gottes, tr\u00e4gt die Berufenen und st\u00e4rkt sie in der Anfechtung. Das dauernde Infragestellen des Z\u00f6libats wirkt nicht gerade berufsf\u00f6rdernd, zum Beispiel f\u00fcr Theologiestudenten. Von katholischen Christen m\u00fc\u00dfte man schon erwarten k\u00f6nnen, da\u00df f\u00fcr sie dieses Thema zu ernst, zu gewichtig und zu heilig ist, um es dem Urteil einer im Grunde nichtchristlichen \u00d6ffentlichkeit zu \u00fcberlassen oder um dadurch eine zweifelhafte Publizit\u00e4t zu erheischen. Das ist auch eine Frage des Anstands und der Fairne\u00df. Noch einmal: Wer es fassen kann, der fasse es und wer es nicht fassen will, der m\u00f6ge doch bitte diejenigen in Ruhe lassen, die sich auf diese Weise f\u00fcr Gott und den Menschen begeistern.<\/p>\n<p><em> Sie werfen den Kritikern des Z\u00f6libats eine unlautere Haltung vor? <\/em><\/p>\n<p>Nein, keine unlautere Haltung, sondern eine gewisse Kr\u00e4mergeist-Haltung. Das m\u00f6chte ich schon sagen. Und auch das hat Jesus erlebt. Denken Sie an die Salbung in Bethanien. Maria von Bethanien sch\u00fcttet den ganzen kostbaren Inhalt des Salb\u00f6ls \u00fcber die F\u00fc\u00dfe des Herrn, so da\u00df vom Duft des \u00d6ls das ganze Haus erf\u00fcllt war. Und daneben stand der kleinkarierte Rechner, der Spie\u00dfer und Verr\u00e4ter Judas. Man h\u00e4tte das doch verkaufen k\u00f6nnen, war sein Kommentar. Der Herr ergreift Partei f\u00fcr Maria und ihre gro\u00dfz\u00fcgige, in den Augen der kleinm\u00fctig Berechnenden freilich verschwenderische Geste. Wenigen hat der Herr ein solches Denkmal gesetzt wie dieser Maria, als er sagte: &#8222;\u00dcberall in der ganzen Welt, wo dieses Evangelium verk\u00fcndet wird, wird man auch zu ihrem Andenken erz\u00e4hlen, was sie getan hat&#8220; (Matth. 26,13). Ja, dieses Flair der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit sollte auch die Herzen der Gl\u00e4ubigen und das ganze Haus der Kirche erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Ich frage diese Kleinm\u00fctigen: Ist es denn dieser Herr auch heute nicht wert, da\u00df Menschen ihr ganzes Leben an Ihn allein verschenken oder, wenn Sie so wollen, verschwenden? Und ich frage mich selbst: Ist es nicht normal, da\u00df dagegen die Kr\u00e4merseelen, die Rechner, die geistlichen Pfennigfuchser aufstehen? Es ist normal, bedauerlich ist allerdings, da\u00df es heute so viele davon gibt in unserer Kirche. Wir haben freilich einen Trost: All die vielen wiegen nicht den einen Einzigen und Unvergleichlichen auf. Man ergreift nicht die z\u00f6libat\u00e4re Lebensform, weil viele zustimmen, sondern weil Gott ruft. Liebe l\u00e4\u00dft sich nur mit Liebe beantworten. Das ist keine Frage von Demokratie, Kasse oder Statistik.<\/p>\n<p><em> Ist der Z\u00f6libat heute noch schwerer zu leben, als in fr\u00fcheren Zeiten? <\/em><\/p>\n<p>Ich sagte bereits, da\u00df der Z\u00f6libat seinen Ursprung nicht in der Soziologie oder in der Psychologie hat, sondern in Gott. Als Ebenbild des dreifaltigen Gottes ist anthropologisch und theologisch ein Dasein f\u00fcr sich allein gar nicht m\u00f6glich. Die Priesterweihe verurteilt einen Menschen auch nicht zu einem Solistendasein, sondern beheimatet ihn in eine neue Gemeinschaft, n\u00e4mlich in das Presbyterium des Bistums mit dem Bischof an der Spitze. Weil es leider das klassische Pfarrhaus mit Pfarrer, Kaplan und Haush\u00e4lterin weithin nicht mehr gibt, sind nun andere, neue Formen des gemeinsamen Lebens im Presbyterium zu suchen und zu experimentieren. Der Priester darf nicht zum Single werden!<\/p>\n<p><em> Geben Sie dem Z\u00f6libat noch eine Zukunft? <\/em><\/p>\n<p>Ja, und zwar jetzt erst recht. Denn der Z\u00f6libat hat seine Grundlage nicht, wie gesagt, in den soziologischen Verh\u00e4ltnissen um uns oder in unserer momentanen Einstellung in uns, sondern allein im rufenden und beschenkenden Gott. Gott allein gen\u00fcgt. Das gilt auch heute in einer Welt, in der der Mensch oft meint, die Welt und er gen\u00fcgten sich selbst. Wer so denkt, wei\u00df meistens auch oder ahnt zumindest, da\u00df dies gar nicht stimmt. Aber sie wollen es nicht wahrhaben, da\u00df einem Menschen Gott allein gen\u00fcgen kann, wie es in der z\u00f6libat\u00e4ren Existenz eben aufleuchtet, selbst in menschlicher Schwachheit. Und deshalb nehmen sie Ansto\u00df an dieser Form der Existenz. Aber Gott ist der immer gr\u00f6\u00dfere Gott, wir werden Ihn mit unseren Vorstellungen nie einfangen.<\/p>\n<p>Der Z\u00f6libat ist eine Gabe dieses liebenden Gottes &#8211; und zwar eine kostbare &#8211; an Seine Kirche. Diese Gabe hat durch die Jahrhunderte hindurch das Leben der Kirche bereichert. Ein Verzicht darauf w\u00e4re ein gro\u00dfer Schritt hin zur Verarmung der Kirche. Sie geriete in die Rolle des Hans im Gl\u00fcck, der mit einem Goldklumpen seinen Weg begann und mit einem Schleifstein endete. Die Kirche macht, zumindest in unseren Breiten, heute den Eindruck, da\u00df sie mehr aufgibt als sie aufnimmt. Sie hat im pfarrlichen Leben weithin das Bu\u00dfsakrament verloren, ebenso die eucharistische Andacht, etc. Das Festhalten am Z\u00f6libat ist keine Frage des Dogmas oder des Kirchenrechts, sondern der Liebe und Treue. Die Braut Kirche wird ihrem Br\u00e4utigam Christus treu bleiben und eine Form dieser Treue ist die liebevolle Ganzhingabe im Z\u00f6libat an Christus, das volle Ja zu diesem Gott, der uns dazu bef\u00e4higt, der uns beschenkt. Es gibt auch andere Formen der Ganzhingabe an Gott, zum Beispiel in der christlichen Ehe oder im Ordensleben oder in einer anderen Berufung. Und wir wissen: Gott vergibt keine Leihgaben. Wenn Gott schenkt, dann nicht nur befristet auf heute oder morgen, sondern f\u00fcr immer. Wer das so sieht, f\u00fcr den ist die Frage nach der Zukunft des Z\u00f6libats kein Thema.<\/p>\n<p>Sonderdruck aus der Ausgabe der Deutschen Tagespost vom 15. Oktober 1992<\/p>\n<p><a title=\"Zur \u00dcbersichtsseite\" href=\"..\/..\/wadgasser-geistliche\/peter-lafontaine\" target=\"_self\">Weitere Informationen zu Peter Lafontaine<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kursiv gedruckt: Hervorhebungen Peter Lafontaines in Zeitungsartikeln &lt;SZ 15.12.94&gt; Dogmatisch erstarrt VON RAINER M\u00dcLLER Der Streit um die Ehelosigkeit der Priester zeige eine lebende Kirche, glaubt Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Wahrscheinlich wei\u00df er selbst, da\u00df dies ein Irrtum ist, ebenso wie seine Feststellung, Nachdenken sei noch nie verboten worden. 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