{"id":689,"date":"2012-03-11T18:34:33","date_gmt":"2012-03-11T17:34:33","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=689"},"modified":"2015-05-14T13:55:25","modified_gmt":"2015-05-14T11:55:25","slug":"zollchaos-in-hessen-kassel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/zollverein-zoll-schmuggel\/zoll-und-schmuggel-vor-1834\/zollchaos-in-hessen-kassel","title":{"rendered":"Zollchaos in Hessen-Kassel"},"content":{"rendered":"<p>2. Zollchaos und Zollvereinspolitik im Kurf\u00fcrstentum Hessen-Kassel nach der Julirevolution (1830\/31)<\/p>\n<p>Die einige Kilometer \u00f6stlich von Frankfurt am Zusammenflu\u00df von Kinzig und Main gelegene Stadt Hanau war am 24. September 1830 Schauplatz von Krawallen, die die Aufmerksamkeit der deutschen \u00d6ffentlichkeit auf sich zogen. Hanau war die Hauptstadt einer kurhessischen Provinz gleichen Namens, die langgestreckt mit m\u00e4anderf\u00f6rmigen Grenzlinien zwischen dem Gro\u00dfherzogtum Hessen-Darmstadt, der freien Stadt Frankfurt am Main und dem K\u00f6nigreich Bayern lag. Auch die sich im Norden anschlie\u00dfende Provinz Fulda war gr\u00f6\u00dftenteils ein schmaler Landstreifen zwischen den benachbarten Fl\u00e4chenstaaten Hessen-Darmstadt und Bayern. In der ganz im S\u00fcden der stiefel\u00e4hnlichen L\u00e4ndermasse gelegenen Stadt Hanau kam es also an dem genannten Septembertag zu Gewaltausbr\u00fcchen einer w\u00fctenden Volksmenge. \u00a0Abends wurden die Zollgeb\u00e4ude, das Lizentamt und das Mainzollamt, ausger\u00e4umt und Einrichtung und Akten verbrannt. &#8222;Letzte Hemd-Amt&#8220; hie\u00df das verha\u00dfte Lizentamt im Volksmund. Polizei und Milit\u00e4r gingen nicht gegen die aufgebrachte Menge vor. Am n\u00e4chsten Tag wurde das Zollb\u00fcro bzw. Mautamt an der Mainkur von ihr zerst\u00f6rt. Die Unruhen griffen weiter um sich. Im nord\u00f6stlich von Hanau gelegenen Grenzort Gelnhausen kam es gleichfalls zu einer St\u00fcrmung des Zollamts. Die Erhebung der Z\u00f6lle mu\u00dfte infolge der Unruhen in den Provinzen Hanau und Fulda eingestellt werden. In der Provinz Fulda resignierten die Mautbeamten und \u00fcbten ihren undankbaren Dienst von sich aus nicht mehr aus. Die gesetzliche Ordnung war auf dem Gebiet des Zollwesens aufgel\u00f6st. An die Stelle der Ordnung trat ein Zollchaos.<\/p>\n<p>Wie kam es zu den Krawallen und den chaotischen Zollverh\u00e4ltnissen? An dem Tag, an dem in Hanau die Gewaltausbr\u00fcche stattfanden, war eine Deputation der Stadt, die sich aus Vertretern des Adels, der B\u00fcrger und der Bauern zusammensetzte, mit unbefriedigenden Nachrichten aus der Hauptstadt Kassel zur\u00fcckgekehrt. Sie hatte von der Regierung die Aufhebung der Z\u00f6lle oder &#8222;Mauten&#8220; &#8211; ein damals ebenso gebr\u00e4uchliches Wort &#8211; gefordert. Eine so weitgehende Forderung, die einen einschneidenden Verlust f\u00fcr die Staatskasse gebracht h\u00e4tte, genehmigte der Kurf\u00fcrst Wilhelm II. nicht. Er versprach in einer unverbindlichen Form, f\u00fcr eine Abhilfe der begr\u00fcndeten Beschwerden zu sorgen. Das wiederum war der Deputation und der Bev\u00f6lkerung Hanaus zu wenig. Was freiwillig nicht zugestanden wurde, suchte eine aufgebrachte Volksmenge auf dem Wege der Gewalt und durch Aufhebung der gesetzlichen Ordnung zu erreichen.<\/p>\n<p>Um den Unmut der in den s\u00fcdlichen Provinzen lebenden Kurhessen \u00fcber die Zollverh\u00e4ltnisse besser zu verstehen, mu\u00df man ber\u00fccksichtigen, da\u00df ihre Beschwernisse nur zum Teil von den Abgaben herr\u00fchrten, die an die eigene Regierung zu entrichten waren. F\u00fcr den Au\u00dfenhandelsverkehr war die Zollpolitik der benachbarten Fl\u00e4chenstaaten noch belastender. Diese Politik verschlechterte seit Jahren die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Kurhessen. Bayern hatte sich im zur\u00fcckliegenden Jahrzehnt mit einer Schutzzollmauer umgeben, d.h., es belastete durch hohe Z\u00f6lle die Wareneinfuhren, um den im eigenen Land erzeugten und hergestellten Produkten einen sicheren Markt zu verschaffen. Um diesen Markt weiter auszudehnen, bildete es im Januar 1828 mit W\u00fcrttemberg einen Zollverein. Die Werbung zur Gewinnung weiterer Staaten f\u00fcr den Verein, insbesondere die Werbung um Kurhessen, war erfolglos. Der kurhessische Handel mit Bayern blieb erschwert. Gegen\u00fcber dem Nachbarn Hessen-Darmstadt gestalteten sich die Zollverh\u00e4ltnisse in \u00e4hnlicher Weise. Das Jahr 1828 bildete hier einen scharfen Einschnitt, denn im Februar dieses Jahres \u00fcbernahm Darmstadt das preu\u00dfische Zollsystem. Die \u00dcbernahme des Systems bescherte Kurhessen gleichfalls eine Erschwerung des Au\u00dfenhandels. F\u00fcr die Ausfuhr von Waren stiegen die Tarife. Doch auch hier folgte die kurhessische Regierung nicht der Einladung zum Vereinsbeitritt. Sie schlo\u00df sich statt dessen 1828 mit anderen Staaten zum Mitteldeutschen Handelsverein zusammen, der sich das Ziel setzte, Handel und Verkehr m\u00f6glichst zu erleichtern und sich nicht mit Schutzz\u00f6llen zu umgeben. Von der Erleichterung des Warenverkehrs sollte der Durchfuhrhandel profitieren. Wegen seiner zentralen Lage besa\u00df der Kurstaat f\u00fcr den Transit zwischen West- und Ost- und zwischen Nord- und S\u00fcddeutschland nat\u00fcrliche Vorteile. F\u00fcr den Kurf\u00fcrsten kamen weitere Beweggr\u00fcnde beim Beitritt zum Mitteldeutschen Verein hinzu: die Zollverwaltung blieb ungeschm\u00e4lert und ungeteilt in der eigenen Kompetenz; es gab wegen der Ehe zur linken Hand mit der Gr\u00e4fin Reichenbach heftige famili\u00e4re Spannungen zwischen ihm und dem preu\u00dfischen Herrscherhaus, aus dem seine Gattin stammte; aus politischen und wirtschaftlichen Gr\u00fcnden begr\u00fc\u00dfte der \u00f6sterreichische Staatskanzler F\u00fcrst Metternich den Mitteldeutschen Verein und mi\u00dfbilligte die beiden anderen Vereine, \u00d6sterreich aber \u00fcbte gro\u00dfen Einflu\u00df auf die kurhessische Politik.<\/p>\n<p>Kurhessen und seinen Vereinspartnern gelang es nicht, mit den beiden anderen Vereinen eine Senkung der Zolltarife auszuhandeln. Der Preu\u00dfische und der Bayerische Verein betrachteten vielmehr den dritten Bund als ihren Gegner, der die Ausbreitung ihres Systems verhindern wollte. Die beiden Schutzzollvereine kamen sich gegenseitig n\u00e4her. Im Mai 1829 schlossen sie einen Vertrag zur gegenseitigen Erleichterung des Handelsverkehrs und sagten einander zu, sich in der Ausdehnung ihres jeweiligen Systems zu unterst\u00fctzen. Verhandlungen mit s\u00e4chsischen Kleinstaaten, die Mitglieder des Mitteldeutschen Vereins waren, f\u00fchrten im Jahre 1829 zur Bewilligung einer von Durchfuhrz\u00f6llen freigestellten Stra\u00dfenverbindung zwischen Preu\u00dfen und Bayern. Der Nord-S\u00fcd-Transit sollte an Kurhessen vorbeigehen. Im Jahre 1830 bem\u00fchte sich Kurhessen noch mit einigen norddeutschen K\u00fcstenstaaten einen engeren Zollverband zu errichten, um die Abwehrposition gegen Preu\u00dfen zu st\u00e4rken. Es kam aber in der Frage der Zolltarifh\u00f6he nicht zu einer Einigung. Die Zollvereinsbewegung gereichte demnach Kurhessen bis zum September 1830, als die Krawalle in Hanau ausbrachen, nur zum Nachteil. Es gab nur illegale Mittel, die Nachteile der Zollmauern zu \u00fcberwinden. Schleichhandel und Schmuggel bl\u00fchten an den Grenzen zu den Staaten, die sich mit hohen Tarifen umgeben hatten. Blutige K\u00e4mpfe zwischen Schmugglern und Ordnungsh\u00fctern, aber auch von Schmugglerbanden untereinander fanden an der kurhessischen Grenze (und nicht nur hier) statt. Die Polizei erhielt die Befugnis, zur Abstellung des Schleichhandels von den Waffen Gebrauch zu machen. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung wurde der Besitz von Gewehren von einer polizeilichen Erlaubnis abh\u00e4ngig gemacht. Das Auge des Gesetzes wachte dort sch\u00e4rfer, wo der eigene Staat Schaden erleiden konnte, d.h. vor allem beim Einschw\u00e4rzen von Waren, f\u00fcr die die Erhebung eines Zolls vorgeschrieben war. Die Augen wurden bisweilen mit Absicht geschlossen, wenn von dem illegalen Warenverkehr nur die Interessen des Nachbarstaats ber\u00fchrt waren. In der deutschen Staatenwelt verhielt sich dies nicht anders als in Kurhessen. Zum Zollchaos im Kurf\u00fcrstentum geh\u00f6rte auch dieser Zustand an den Grenzen. Die langgestreckten s\u00fcdlichen Provinzen boten dem Schleichhandel besonders gute M\u00f6glichkeiten, seine Gesch\u00e4fte zu betreiben.<\/p>\n<p>Die Zollverh\u00e4ltnisse griffen tief in das kurhessische Wirtschaftsleben ein. Der Verkehr auf den Transitstra\u00dfen zwischen Frankfurt und Sachsen und von Norddeutschland nach Bayern ging zur\u00fcck. Die Bev\u00f6lkerung war auf die Verdienstm\u00f6glichkeit eingestellt und angewiesen, die der Transit seit Jahrhunderten gebracht hatte. Geht man durch, was die Bev\u00f6lkerung damals bedr\u00fcckte und bewegte, so st\u00f6\u00dft man noch auf weitere Fakten. Das Salz, einer der wichtigsten Handelsartikel, war ein eintr\u00e4gliches Staatsmonopol. Es wurde im Ausland billiger verkauft als an die kurhessische Bev\u00f6lkerung. Hohe Steuern belasteten die Einwohner. Der Kurf\u00fcrst st\u00fcrzte sich jedoch f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke und die Ausstattung der M\u00e4tresse Gr\u00e4fin Reichenbach in gro\u00dfe Ausgaben. Die Arbeitslosigkeit stieg, und die Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel, die Getreidepreise und damit verbunden die Brotpreise, kletterten infolge von Mi\u00dfernten in die H\u00f6he. Das Hanauer Land war zus\u00e4tzlich noch von einer starken Main\u00fcberschwemmung heimgesucht worden. Die wirtschaftliche Notlage in Kurhessen f\u00fchrte nicht nur zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen auf Zolleinrichtungen. Am 6. September 1830 kam es in Kassel, nachdem die B\u00e4cker die Brotpreise erh\u00f6ht hatten, zu einer St\u00fcrmung der B\u00e4ckerl\u00e4den. Erst in der Nacht konnte das Milit\u00e4r die Ruhe in der Hauptstadt wieder herstellen. In Hanau wurden am gleichen Tag, an dem die Zollb\u00fcros zerst\u00f6rt wurden, die Getriedespeicher j\u00fcdischer H\u00e4ndler gest\u00fcrmt. Der Impuls, der von \u00e4hnlich motivierten Gewaltausbr\u00fcchen ausging, mu\u00df in die Beschreibung der gereizten Stimmung jener Tage miteinbezogen werden. Vor allem darf die Ausstrahlung der franz\u00f6sischen Julirevolution nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Sie inspirierte die gewaltsame Artikulation vielf\u00e4ltiger sozialer, wirtschaftlicher und politischer Konflikte, nicht zuletzt in Hessen-Kassel, wo das Zollchaos nicht die einzige Folge dieser Artikulation blieb. Gleichfalls im September wurde in einer Bittschrift, die mehr als 1500 Unterschriften trug, die Einberufung von Landst\u00e4nden in dem absolutistisch regierten Staat gefordert. Als eine Delegation an den Kurf\u00fcrsten am 14. September nicht vorgelassen und auf den folgenden Tag vertr\u00f6stet wurde, kam in Kassel eine gef\u00e4hrliche Stimmung auf. Eine dichte Menschenmenge umstellte am 15. September den Regierungspalast und wartete gespannt auf das Ergebnis. Der Kurf\u00fcrst gab, sein Nachgeben als &#8222;Opfer&#8220; bezeichnend, den W\u00fcnschen nach. Daraufhin entspannte sich die Lage in Kassel und in Althessen. In der Provinz Hanau kam hingegen die Bef\u00fcrchtung auf, bei der Einberufung der Landst\u00e4nde nicht ber\u00fccksichtigt zu werden. Die Deputation, die den Antrag auf Abschaffung der Maut stellte, sollte in Kassel einen Bescheid auf diese Frage einholen. Da\u00df sie auf die Frage keine zufriedenstellende Antwort bekam, war gleichfalls ein Motiv f\u00fcr die Hanauer Krawalle.<\/p>\n<p>Zur Beruhigung der aufgebrachten Bev\u00f6lkerung sandte der Kurf\u00fcrst seinen Sohn, den Kurprinzen Friedrich Wilhelm, nach Hanau. Friedrich Wilhelm, ein geb\u00fcrtiger Hanauer, traf dort am 27. September ein. Er versprach in einer Proklamation die Aufhebung der Maut. Zur Beschwichtigung der Gem\u00fcter trug die in diesen Tagen eingelaufene Information bei, da\u00df in dem einberufenen Landtag auch Abgeordnete der j\u00fcngst auf dem Wiener Kongre\u00df (1814\/15) erworbenen Landesteile, so auch die Provinz Hanau, vertreten sein sollten. Beschwichtigung und Nachgeben blieben nicht die einzige Reaktion des Kurf\u00fcrsten auf die Krawalle. Hinzu kam die Androhung staatlicher Gegengewalt. Der Landesherr rief die beurlaubten hessischen Soldaten ein und versammelte ein betr\u00e4chtliches Korps in der Umgebung von Kassel. Truppen eilten in die Provinzen Hanau und Fulda. Die Besatzung der Stadt Hanau wurde verst\u00e4rkt. Das im Truppenaufgebot sichtbare Mi\u00dftrauen reizte die Bev\u00f6lkerung, die in der neuen B\u00fcrgergarde einen gen\u00fcgenden Schutz gegen alle Ausschreitungen erblickte. Der Kurf\u00fcrst hatte diese Garde nur mit Str\u00e4uben genehmigt, doch die B\u00fcrger des Landes waren sehr stolz auf sie. F\u00fcr Zwecke, die den B\u00fcrgerinteressen zuwiderliefen, war diese Garde nat\u00fcrlich schwer einzusetzen. Bei den Zollkonflikten in den s\u00fcdlichen Provinzen ging es aber um wichtige b\u00fcrgerliche Interessen. Ein milit\u00e4rischer Einsatz lie\u00df nicht lange auf sich warten. Als Mitte November 1830 in Hanau das Brot um zwei Kreuzer teurer wurde, wurden die Hanauer B\u00e4ckerl\u00e4den gest\u00fcrmt. Das Milit\u00e4r stellte die Ruhe wieder her und verhaftete die R\u00e4delsf\u00fchrer. Auf dem Weg nach Fulda, wohin die Verhafteten gebracht werden sollten, kam es zu Stra\u00dfenk\u00e4mpfen. Ein bewaffneter Haufen suchte die Gefangenen zu befreien. Der Anschlag wurde abgewehrt, forderte aber drei Tote und mehrere Verwundete.<\/p>\n<p>Geht man den Folgen und Reaktionen nach, die sich an die Hanauer Krawalle vom 24. September anschlossen, so mu\u00df man den Blick auch \u00fcber die kurhessischen Grenzen hinaus richten, insbesondere auf die Grenzverh\u00e4ltnisse im Nachbarstaat Hessen-Darmstadt. Unruhen und Aufst\u00e4nde flammten n\u00e4mlich auch hier auf. Aufr\u00fchrer verw\u00fcsteten eine Reihe von Zoll\u00e4mtern, nahmen angesehene Personen als Geisel und stachelten in Offenbach und Seligenstadt zum Aufstand an. Die darmst\u00e4dtische Regierung sah nicht nur den Geist der Unruhe von Kurhessen ausgehen, sondern machte Bewohner des Nachbarstaates f\u00fcr sie verantwortlich. Die Zurechnung war einseitig, denn man mu\u00df in Rechnung stellen, da\u00df auch die darmst\u00e4dtischen B\u00fcrger ein Interesse daran hatten, die Wareneinfuhr von hohen Z\u00f6llen zu befreien. Den kurhessischen Beh\u00f6rden wurde von Darmstadt vorgeworfen, nicht energisch genug gegen die aufst\u00e4ndischen Rotten vorgegangen zu sein. Darmstadt selbst verst\u00e4rkte seine Truppen in Oberhessen und insbesondere an der unruhigen Grenze zu Kurhessen hin. Die Bewohner der Provinz wurden in Proklamationen zur Bewahrung von Ruhe und Ordnung angehalten. Der Erla\u00df des Standrechts sollte Gewalttaten vorbeugen. Die Wurzel des \u00dcbels, so glaubte die darmst\u00e4dtische Regierung, mu\u00dfte jedoch in Kurhessen ausgerottet werden.<\/p>\n<p>Die Wellen, die die Hanauer Krawalle schlugen, gelangten bis zum Frankfurter Bundestag. In Ger\u00fcchten wurden die Unruhen \u00fcbertrieben dargestellt. Ein Frankfurter Pfarrturmw\u00e4chter gab vor, ganz Hanau in Flammen gesehen zu haben. Die unmittelbare N\u00e4he des Unruheherdes zum Sitz der Bundesversammlung f\u00fchrte zu einer raschen Besch\u00e4ftigung mit der Frage, ob die Unruhen mit milit\u00e4rischen Mitteln von Bundes wegen unterdr\u00fcckt werden sollten. Zum 30. September 1830 berief der Bundestagspr\u00e4sident Joachim von M\u00fcnch-Bellinghausen eine Sitzung ein, um \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Gefahrenherdes zu beratschlagen. In der Sitzung wurde die kurhessische Regierung ger\u00fcgt, da\u00df sie die Ereignisse nicht verh\u00fctet und unterdr\u00fcckt hatte, und ermahnt, alle n\u00f6tigen Vorbereitungen zur Unterbindung weiterer Exzesse zu treffen. Ausdr\u00fccklich wurde mi\u00dfbilligt, da\u00df die Zivil- und Milit\u00e4rbeh\u00f6rden in Hanau w\u00e4hrend der Ausschreitungen am 24. September tatenlos geblieben waren. Das sei eine Ermunterung zu weiteren Exzessen gewesen, die nun die innere Ruhe und Sicherheit Deutschlands ernstlich bedrohen w\u00fcrden. Am folgenden Tag, dem 1. Oktober, gab der kurhessische Gesandte Meyerfeld die Erkl\u00e4rung ab, nach einem Bericht des Hanauer Regierungsdirektors sei die Ruhe in der Stadt und in der Provinz \u00fcberall wieder hergestellt. Seine Mitteilungen wurden jedoch von darmst\u00e4dtischen Gesandten angezweifelt. Er stellte die Unruhen in seinem Land drastisch vor Augen und wies die Schuld daran ausschlie\u00dflich dem Nachbarstaat zu. Die Bundesversammlung lie\u00df sich von dem Bericht \u00fcberzeugen. Sie nahm die Vorschl\u00e4ge der Bundesmilit\u00e4rkommission, die sie tags zuvor angefordert hatte, an und beschlo\u00df, ein Bundeskorps an den Grenzen zu Kurhessen aufstellen zu lassen, um eventuelle Angriffe der Aufst\u00e4ndischen abzuwehren. Truppen in der St\u00e4rke von 7000 Mann sollten um das Hanauer Land herum zusammengezogen werden. In Reserve sollte ein w\u00fcrttembergisches Korps von 4000 bis 6000 Mann bei Heilbronn stehen, ein bayerisches von 4000 Mann in der Rh\u00f6n und ein preu\u00dfisches von 6000 Mann bei Wetzlar. Nassau, das das gr\u00f6\u00dfte Bundeskontingent zu stellen hatte, erhielt den Oberbefehl. Die Zahlen machen deutlich, wie gro\u00df die Gefahr und das Sicherheitsbed\u00fcrfnis beurteilt wurden. Ob das Aufgebot n\u00f6tig war, l\u00e4\u00dft sich anzweifeln und wurde von dem betroffenen Staat selbst in der Tat bezweifelt. Kurf\u00fcrst Wilhelm II. verbat sich entschieden jede ausw\u00e4rtige Hilfe. Die Aufrechterhaltung der Ordnung sah er durch die durchaus f\u00fcr zuverl\u00e4ssig gehaltenen eigenen Truppen gew\u00e4hrleistet. Sein Fl\u00fcgeladjutant brachte, als die Bundeshilfe im Gespr\u00e4ch mit dem Kurf\u00fcrsten er\u00f6rtert wurde, die Bef\u00fcrchtungen zum Ausdruck, die mit einer Besetzung des Landes durch fremde Truppen, vor allem, wenn es sich um preu\u00dfische handelte, verbunden war. Er meinte, man k\u00f6nne die Preu\u00dfen zwar sehr leicht ins Land bekommen, aber wie man sie wieder herausbekommen werde, das wisse er nicht.<\/p>\n<p>Der kurhessische Gesandte erkl\u00e4rte am 7. Oktober wiederum, die milit\u00e4rischen Vorkehrungen in seinem Land seien ausreichend, um jede Ruhest\u00f6rung zu unterdr\u00fccken. Er verwahrte sich gegen Beschuldigungen in der darmst\u00e4dtischen Presse, da\u00df seine Landsleute an den Unruhen in Oberhessen beteiligt oder schuld seien. Die Bundesversammlung bat ihn um ausf\u00fchrliche Informationen dar\u00fcber, ob die Landes- und Ortsbeh\u00f6rden im Kurf\u00fcrstentum wieder ihre gesetzlichen Funktionen aus\u00fcben k\u00f6nnten. Am 14. Oktober war der Deutsche Bund gen\u00fcgend beruhigt, um die milit\u00e4rischen Vorsichtsma\u00dfnahmen schrittweise abzubauen. Er erwartete aber weitere Erkl\u00e4rungen \u00fcber die kurhessischen Vorkehrungen und detaillierte Urteile \u00fcber die Lage. Erst am 14. Dezember 1830 gab der Bevollm\u00e4chtigte Meyerfeld einen Bericht, der die vorgefallenen Krawalle nach Ursachen und Beteiligten analysierte. Danach waren keine politischen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ausbruch der Erhebung vorhanden, sondern soziale: die Preissteigerungen f\u00fcr Grundnahrungsmittel. Tr\u00e4ger der Unruhen war nach dem Bericht der P\u00f6bel. Die Tatsache, da\u00df die Zollerhebung in den Provinzen aufgegeben wurde, zeigt hingegen, da\u00df hinter den Unruhen breite Teile der Bev\u00f6lkerung standen. Meyerfeld \u00fcberging das Faktum, das gegen die Aufhebung des ungeliebten milit\u00e4rischen Drucks durch den Deutschen Bund gesprochen h\u00e4tte. Der Pr\u00e4sidialbevollm\u00e4chtigte nahm die Darstellung zwar skeptisch auf, aber er gab sich mit ihr zufrieden. Der Alarmzustand wurde endg\u00fcltig f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt. Als dem Kurf\u00fcrsten die Rechnung \u00fcber die Bundeshilfe pr\u00e4sentiert wurde, verweigerte er die Begleichung. Das Bundesaufgebot diente nach seiner Meinung nicht der Sicherung seines Landes, sondern des Deutschen Bundes. Er habe, so erkl\u00e4rte er zutreffend, den Bundestag nicht um Hilfe angerufen, sondern sogar gegen dessen Vorgehen protestiert.<\/p>\n<p>Wie verlief die Entwicklung der Zollangelegenheiten in Kurhessen weiter? Von der Regierung wurde eine Kommission eingesetzt, die die Beschwerden der Gemeinden und Ortschaften in der Provinz Hanau entgegennahm. Die Zollordnung war ein Gegenstand der allgemeinen Klage. Sie wurde f\u00fcr die Einengung von Handel und Gewerbe verantwortlich gemacht. Die Hanauer w\u00fcnschten eine Abhilfe der Beschwerden durch einen Anschlu\u00df an den Bayerisch-W\u00fcrttembergischen Verein, denn die Grenzen zu Bayern st\u00f6rten sie in ihrer wirtschaftlichen Interessenlage am meisten. Zur Belebung des Transits sollten die Chausseegelder erm\u00e4\u00dfigt und von den Provinzen in eigener Regie verwaltet werden. Mit der Abschaffung der von Kurhessen vorgeschriebenen Z\u00f6lle allein war es nach Meinung der Hanauer also nicht getan. Diesen Zustand hatten sie Ende 1830 faktisch erreicht, obwohl dadurch das gesamte kurhessische Zollwesen in Unordnung geriet. Die L\u00f6sung des Dilemmas lag f\u00fcr sie in der Zollvereinspolitik. Zollchaos und Zollvereinsbildung traten in einen Beziehungszusammenhang.<\/p>\n<p>Es konnte nicht ausbleiben, da\u00df die kurhessischen Zollverh\u00e4ltnisse das Interesse der \u00f6ffentlichen Meinung in Anspruch nahmen. Mehrere Flugschriften widmeten sich Ende 1830 der Thematik. Sie hatten au\u00dfer dem Kurf\u00fcrsten und der Regierung einen neuen, viel beachteten Adressaten: die Landst\u00e4nde, die am \u00a016. Oktober erstmals im Bellevueschlo\u00df in Kassel zusammengetreten waren. Die in der Publizistik formulierten Ansichten unterschieden sich je nach der Interessenlage, denen sie Rechnung trugen. F\u00fcr die Bildung von Zollvereinen wurden folgende vier Zusammenschl\u00fcsse erwogen: 1. Kaufleute aus dem Norden Kurhessens, z.B. aus Karlshafen, schlugen eine Vereinigung mit dem K\u00f6nigreich Hannover vor. 2. In den Provinzen Hanau und Fulda wurde f\u00fcr den Anschlu\u00df an den Bayerisch-W\u00fcrttembergischen Verein pl\u00e4diert. 3. Von einer Zollverbindung mit Preu\u00dfen erwartete man betr\u00e4chtliche Vorteile, namentlich durch die Er\u00f6ffnung eines Wirtschaftsgebietes mit einer Bev\u00f6lkerung von 13 Millionen Menschen. Gleichzeitig wurde jedoch das Bedenken laut, da\u00df dann der heimische Markt mit preu\u00dfischen Waren \u00fcberflutet werden k\u00f6nnte. Ferner tauchte der Argwohn auf, da\u00df die junge konstitutionelle Verfassung durch den Verein mit dem absolutistischen Preu\u00dfen gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnte. 4. Ein weiterer Vorschlag zielte auf den freien Verkehr f\u00fcr den Deutschen Bund insgesamt und einen Schutzzoll f\u00fcr den Binnenmarkt gegen\u00fcber dem Ausland. Regierung und Landtag, die Tr\u00e4ger der politischen Entscheidung, mu\u00dften eine Wahl zwischen den verschiedenen M\u00f6glichkeiten treffen und konnten nicht jedem spezifischen Interesse entsprechen.<\/p>\n<p>Neben den Vorstellungen von geordneten Zollverh\u00e4ltnissen interessiert hier die Resonanz der Hanauer Krawalle und des Zollchaos in der Publizistik. Eine den kurhessischen Landst\u00e4nden gewidmete, anonyme Schrift mit dem Titel &#8222;Die Zollverh\u00e4ltnisse Kurhessens&#8220; (Leipzig 1830) lieferte eine soziale Beschreibung der Hanauer Gewaltt\u00e4ter. Das Bild dieser Gruppe malte sie in den schw\u00e4rzesten Farben aus. Danach handelte es sich um arbeitsscheue Landstreicher, die alle Schlupfwinkel kannten, keine Gefahr scheuten und jederzeit zur St\u00f6rung von Ruhe und Ordnung bereit waren. Da\u00df Verletzungen staatlichen und privaten Eigentums von &#8222;achtbaren Bewohnern&#8220;, von &#8222;wirklichen Staatsb\u00fcrgern&#8220; der Provinz Hanau ausgegangen sein k\u00f6nnten, das d\u00fcrfe man nicht annehmen. Schmugglerbanden, die sich wegen der \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohen Abgaben der Nachbarstaaten gebildet hatten, ver\u00fcbten nach Meinung des Verfassers die strafbaren Handlungen. Mit dieser sozialen Beschreibung war die Flugschrift &#8222;Noch Etwas \u00fcber die Hessischen, besonders Hanauischen Zollverh\u00e4ltnisse&#8220; (Frankfurt 1830) nicht ganz einverstanden. Sie r\u00e4umte ein, da\u00df die Zerst\u00f6rung der Zoll\u00e4mter von der niederen Klasse ausgegangen sei, hielt es aber f\u00fcr falsch, sich die Augen davor zu verschlie\u00dfen, da\u00df das ganze gewerbetreibende Publikum die Zerst\u00f6rung gerne gesehen hatte. Die Herstellung geordneter Verh\u00e4ltnisse war bei dieser Sachlage nicht leicht. Die politischen Kr\u00e4fte des Landes mu\u00dften die Aufgabe aber anpacken.<\/p>\n<p>Der Kurf\u00fcrst, das Staatsministerium und der Landtag waren die ma\u00dfgeblichen politischen Kr\u00e4fte, die seit Jahresbeginn 1831 den Kampf um die Neuordnung des Zollwesens aufnahmen. Auch die neue Verfassung, die das Staatsoberhaupt am 6. Januar 1831 unterzeichnet hatte, gestattete dem Kurf\u00fcrsten, die Richtlinien f\u00fcr die Verhandlungsf\u00fchrung mit anderen Staaten aufzustellen. Er machte von seinem Recht Gebrauch, erschwerte aber durch seine st\u00e4ndige Abwesenheit von der Landeshauptstadt die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Gremien. Der Kurf\u00fcrst hatte sich in Hanau niedergelassen, und um wichtige Direktiven einzuholen, mu\u00dften sich die Regierungsmitglieder von Kassel nach Hanau begeben. Erst am 30. September 1831 \u00e4nderte sich der Zustand, als dem Kurprinzen Friedrich Wilhelm die Mitregentschaft \u00fcbertragen wurde und sich der Kurf\u00fcrst von den Staatsgesch\u00e4ften zur\u00fcckzog. Das Staatsministerium gewann durch die Abwesenheit des Oberhaupts einen gr\u00f6\u00dferen Handlungsspielraum. Es erlebte die Grenzen des politisch Machbaren bei den Verhandlungen mit den Nachbarstaaten in Zollangelegenheiten viel unmittelbarer als der Kurf\u00fcrst. Seinen Informationsvorsprung nutzte es dazu, die Verhandlungen zu dem von ihm f\u00fcr vertretbar gehaltenen Ergebnis zu f\u00fchren und das Ergebnis als das allein realisierbare auszugeben. Der Landtag oder genauer eine Landtagsmehrheit gaben dem Staatsministerium gleichfalls Richtlinien an die Hand. Die von den Richtlinien abweichenden Resultate mu\u00dften von der Regierung erl\u00e4utert und begr\u00fcndet und vom Landtag gebilligt werden. Die st\u00e4ndischen Vertreter setzten der Bewegungsfreiheit der Regierung damit Grenzen. Sie waren ja schlie\u00dflich neben dem Staatsoberhaupt an der Ratifikation von Vertr\u00e4gen beteiligt.<\/p>\n<p>Seit Januar 1831 wurde auf den genannten drei politischen Ebenen \u00fcber die Bildung eines gro\u00dfen Zollvereins unter den deutschen Staaten nachgedacht und diplomatische Schritte zu seiner Errichtung wurden unternommen. Das Ergebnis sei vorweggenommen. Im Verh\u00e4ltnis zu den Zollvereinsverhandlungen, die im vorangegangenen Jahrzehnt zwischen den deutschen Staaten stattgefunden hatten, kam es relativ rasch, am 25. August 1831, zum Abschlu\u00df eines Vertrages. Kurhessen trat mit Wirkung vom 1. Januar 1832 dem Preu\u00dfischen Zollverein bei. Es kam in den Genu\u00df der Beg\u00fcnstigungen, die im Mai 1829 zwischen dem Preu\u00dfischen und dem Bayerisch-W\u00fcrttembergischen Verein vereinbart worden waren. Dar\u00fcberhinaus stellten beide Vereine Verhandlungen \u00fcber eine Verschmelzung in einen einzigen gro\u00dfen Verein in Aussicht. Stellt man die Ziele der kurhessischen Politik vom Anfang des Jahres 1831 dem im August erreichten Ergebnis gegen\u00fcber, so ist das Ergebnis als ein k\u00fcmmerlicher Rest viel weiter gesteckter Pl\u00e4ne zu sehen. Wie kam es dazu, da\u00df die gr\u00f6\u00dferen Ziele zertr\u00fcmmert wurden? Wie sahen die Stationen auf dem Weg zum Vertrag vom 25. August 1831 aus?<\/p>\n<p>Die erste Pr\u00e4ferenz besa\u00df die Ausf\u00fchrung des Artikels 19 der Deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815, der der Bundesversammlung in Frankfurt Beratungen \u00fcber den Handel und Verkehr zwischen den Bundesstaaten zur Auflage gemacht hatte. Die kurhessische St\u00e4ndeversammlung verstand den Artikel als eine Verpflichtung der Mitglieder des Deutschen Bundes, einen freien Verkehr im Innern Deutschlands herzustellen. Sie ersuchte am 21. Januar 1831 die Regierung dringend, am Bundestag auf die Ausf\u00fchrung der Bestimmung zu dringen. Der Bundestagsgesandte Meyerfeld erhielt von der Regierung den Auftrag, die M\u00f6glichkeit einer Erf\u00fcllung des Artikels 19 am Bundestag zu erkunden. \u00a0Nach seiner Auskunft war auf eine baldige \u00c4nderung der deutschen Zollverh\u00e4ltnisse von Bundes wegen nicht zu hoffen. Die Ausbreitung des preu\u00dfischen Zollsystems \u00fcber Deutschland wurde als der erfolgversprechendere Weg vorgestellt. Diplomatische Berichte aus anderen deutschen Hauptst\u00e4dten best\u00e4tigten Meyerfelds Lagebeurteilung. Die erste Pr\u00e4ferenz wurde von der Regierung rasch fallengelassen, nach Auffassung der Landst\u00e4nde zu rasch. Sie r\u00fcgten einige Monate sp\u00e4ter die Regierung, beharrten aber nicht auf der Verfolgung des Weges, dessen Beschreitung sie am liebsten gesehen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die zweite Pr\u00e4ferenz besa\u00df in der kurhessischen Politik ein Zollverband aus m\u00f6glichst vielen deutschen Staaten, namentlich aus dem Preu\u00dfisch-Hessischen Verein, dem Bayerisch-W\u00fcrttembergischen Verein und aus Hannover. Der Verband sollte einem allgemeinen deutschen Zollverein m\u00f6glichst nahe kommen. F\u00fcr diese Politik suchte Kurhessen zun\u00e4chst Hannover zu gewinnen. Beide Staaten waren Mitglieder des Mitteldeutschen Vereins und waren sich in Verhandlungen \u00fcber einen engeren Zollverband fast bis zum Abschlu\u00df eines Vertrages (des Einbecker Vertrages) nahegekommen. Die Neuordnung der Zollverh\u00e4ltnisse sollte die eingegangenen vertraglichen Bindungen m\u00f6glichst schonen. Darauf legte Wilhelm II. ausdr\u00fccklich Wert. Hannover versagte sich aber den kurhessischen W\u00fcnschen. Die alleinige Ann\u00e4herung Hessen-Kassels an die beiden Schutzzollvereine drohte zum Vertragsbruch und zur Aufl\u00f6sung des Mitteldeutschen Vereins zu f\u00fchren. Die Regierung begab sich auf diesen Weg.<\/p>\n<p>Im Rahmen der zweiten Pr\u00e4ferenz bewegte sich auch noch die gleichzeitige Vereinigung Kurhessens mit dem preu\u00dfischen und dem s\u00fcddeutschen Zollverein, die eine Verschmelzung der beiden Schutzzollvereine voraussetzte. Im Wunsch dieser L\u00f6sung waren sich alle kurhessischen Politiker einig. Der Kurf\u00fcrst erhob diese L\u00f6sung in der Schlu\u00dfphase der Verhandlungen zur unverzichtbaren Bedingung, zur conditio sine qua non. Darin stimmte er mit den st\u00e4ndischen Vertretern aus Hanau \u00fcberein. Wilhelm II. r\u00fcckte nicht mehr von seiner Position ab. An der Ratifikation des sp\u00e4teren Vertrages, der die Bedingung nicht erf\u00fcllte, nahm er keinen Anteil mehr. Als es soweit war, \u00fcbte schon sein Sohn die Regentschaft aus. Die Regierung erkannte, da\u00df die Verschmelzung der beiden Zollvereine bei gleichzeitigem Beitritt Kurhessens in Berlin verhandelt und gebilligt werden mu\u00dfte. Sie w\u00fcnschte und erreichte die Zuziehung bayerischer Bevollm\u00e4chtigter. In Berlin zeigte sich, da\u00df das gew\u00fcnschte Ziel so schnell nicht erreichbar war. Als politisch machbar erwies sich f\u00fcrs erste und ohne gr\u00f6\u00dfere Komplikationen lediglich der Beitritt Kurhessens in den Preu\u00dfisch-Hessischen Verein. Eine L\u00f6sung der Zollvereinsfrage in diesem Rahmen besa\u00df f\u00fcr Kurhessen nur die Qualit\u00e4t einer dritten Pr\u00e4ferenz.<\/p>\n<p>In dritter Pr\u00e4ferenz wurde nicht von vornherein der Beitritt Kurhessens in den Preu\u00dfischen Zollverein erwogen. Vielmehr gab die St\u00e4ndeversammlung im Januar 1831 einer Verbindung mit Bayern und W\u00fcrttemberg den Vorzug, falls es nur eine Option zwischen den beiden Vereinen geben sollte. Der Finanzminister Kopp neigte dem s\u00fcddeutschen Zollsystem zu. Der Kurf\u00fcrst stand ohnehin in gespannten Beziehungen zu Preu\u00dfen. Die Lage in der Regierung \u00e4nderte sich, als am 18. April 1831 an die Stelle von Kopp Gerhard von Motz, ein Vetter des im vergangenen Jahr verstorbenen preu\u00dfischen Finanzminister Friedrich von Motz, trat. Der preu\u00dfische Minister hatte zu seinen Lebzeiten die Zollvereinsbewegung ma\u00dfgeblich vorangetrieben. Mit Gerhard von Motz wurde im Finanzministerium die Vorliebe f\u00fcr Bayern durch die Neigung zu Preu\u00dfen ersetzt. Vor der Schwenkung zu Preu\u00dfen brachte der Kurf\u00fcrst f\u00fcr eine kurze Zeit den Vorschlag ins Spiel, die Provinzen des Landes nach ihrer geographischen Lage und nach ihren wirtschaftlichen Interessen auf die beiden Zollvereine aufzuteilen. Die Nahtstelle und Verbindungslinie zwischen den Vereinen h\u00e4tte dann mitten in Kurhessen gelegen. Der Vorschlag wurde schnell fallengelassen. Die Landst\u00e4nde wandten sich einhellig und entschieden gegen eine Spaltung der Provinzen. Noch hofften ja alle Deputierten, ob sie aus dem Norden oder aus dem S\u00fcden kamen, auf ihre Kosten zu kommen und durch den Zusammenschlu\u00df von Nord- und S\u00fcddeutschland den Interessen aller Provinzen entsprechen zu k\u00f6nnen. Die zweite Pr\u00e4ferenz in der Neuordnung des Zollwesens war f\u00fcr sie viel l\u00e4nger im Spiel als f\u00fcr die Regierung.<\/p>\n<p>Seit Mitte Mai 1831 bef\u00fcrwortete das Staatsministerium, den Anschlu\u00df Kurhessens an Preu\u00dfen nicht von einer Bedingung abh\u00e4ngig zu machen. Der Mitteldeutsche Handelsverein war nach seiner Auffassung faktisch aufgel\u00f6st, das Ausscheren aus ihm kein Vertragsbruch und der geplante Anschlu\u00df eine Lebensnotwendigkeit f\u00fcr den wirtschaftlich ruinierten Staat. Gerhard von Motz drohte sein Amt als Finanzminister niederzulegen, falls die Verbindung mit Preu\u00dfen an derzeit un\u00fcberwindliche Bedingungen gekn\u00fcpft w\u00fcrde. Als die Regierung im Juni 1831 in Berlin die Anschlu\u00dfverhandlungen f\u00fchrte, wurde die Vereinigung mit Preu\u00dfen als die erste Stufe eines allgemeineren deutschen Vereins betrachtet. Das Resultat der Verhandlungen wurde oben vorgestellt. Die Spannung zwischen dem erstrebten und dem erreichten Ziel blieb \u00fcber den Tag der Vertragsunterzeichnung, den 25. August 1831, hinaus bestehen. Die St\u00e4ndeversammlung dr\u00e4ngte nach der Ratifikation des Vertrages auf eine baldige Aufnahme der Verhandlungen mit Bayern und W\u00fcrttemberg. F\u00fcnf Abgeordnete aus Hanau wollten die Vollziehung des Vertrages solange ausgesetzt sehen, bis der Zollverein Bayern und W\u00fcrttemberg einbezog. Der abdankende Kurf\u00fcrst unterst\u00fctzte diese Position. Die Zollvereinsfrage war demnach f\u00fcr Kurhessen mit dem 25. August keineswegs befriedigend gel\u00f6st. F\u00fcr den Fall, da\u00df die s\u00fcddeutschen Staaten nicht schnell die Hand zur allgemeinen Verbindung reichten, waren schon Konflikte in Kurhessen vorprogrammiert. Die Impulse f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen deutschen Zollverein blieben gerade durch das Bewu\u00dftsein, nur eine Zwischenl\u00f6sung erreicht zu haben, erhalten. Erst der 1. Januar 1834, der Tag, an dem der Deutsche Zollverein ins Leben trat, brachte die sehnlich gew\u00fcnschte Beruhigung und Bereinigung der verworrenen Zollverh\u00e4ltnisse des Kurf\u00fcrstentums.<\/p>\n<p>Als treibende Kraft stand au\u00dfer den wirtschaftlichen Interessen das Zollchaos hinter der Zollvereinspolitik, das ein geordnetes Wirtschaftsleben im Kurstaat unm\u00f6glich machte. Der junge Landtag befa\u00dfte sich ausgiebig und mehr als einmal mit diesem Zustand. Die Moralit\u00e4t der Grenzbewohner sank, wie er feststellte, immer mehr, die Achtung vor dem Gesetz und die Vaterlandsliebe gingen verloren. Das Heer von Aufpassern und Schmugglern lebte auf Kosten der flei\u00dfigen und redlichen B\u00fcrger, die die zus\u00e4tzlichen Abgaben entrichten mu\u00dften, die f\u00fcr die \u00dcberwachung der Grenzen und f\u00fcr die durch den Schleichhandel entgangenen Staatseinnahmen n\u00f6tig waren. In der Gew\u00e4hrung von Pr\u00e4mien an Denunzianten, die vorgefallene oder geplante Zollvergehen meldeten, wurde kein gutes Abwehrmittel gegen die Ungesetzlichkeit gesehen. Ein Beispiel daf\u00fcr, da\u00df der Schmuggel nicht zu unterbinden war, war f\u00fcr Duysing, den Abgeordneten der Stadt Marburg, das Salz. Die kurhessische Provinz Oberhessen bezog nach ihm das im Inland gewonnene Salz vom Ausland, und zwar aus folgendem Grund: Das inl\u00e4ndische Salz wurde preisg\u00fcnstig an das Ausland verkauft und gelangte von dort als Schmuggelware wieder zur\u00fcck. Der Verkaufspreis war dann immer noch niedriger als der legale, von der Regierung festgesetzte Inlandspreis. So leistete die Regierung selbst dem Schleichhandel Vorschub. Ohne die Mithilfe der Nachbarstaaten war nach Duysing schon gar nichts gegen den Schwarzhandel auszurichten. Die Nachbarstaaten sollten sich gegenseitig versprechen, jeglichen Schmuggel, er mochte f\u00fcr ein Land wirtschaftlich von Vorteil oder von Nachteil sein, mit Strafen zu belegen. Als Bedingung daf\u00fcr wurde jedoch die gegenseitige Gew\u00e4hrung von Verkehrserleichterungen gesehen. War die Bedingung nicht erf\u00fcllt, so sollte Kurhessen Verst\u00f6\u00dfe seiner Untertanen, die gegen Gesetze von Nachbarstaaten gerichtet waren, nicht strafrechtlich verfolgen.<\/p>\n<p>Zum Verh\u00e4ltnis von Zoll und Schmuggel \u00e4u\u00dferten sich die Abgeordneten in grunds\u00e4tzlichen Stellungnahmen. Die Unbeliebtheit der Z\u00f6lle f\u00fchrte sie dazu, in ihnen die eigentlichen Ursachen f\u00fcr den Schmuggel und dessen negative Folgen zu sehen. Duysing stimmte ein Loblied auf den Wert des freien Handels f\u00fcr die menschliche Zivilisation an und charakterisierte die Maut als dessen Gegenprinzip. Wohlstand und Gl\u00fcck wurden dem ersteren, Armut und Elend der letzteren zugeordnet. Die Aufhebung der Maut in den Provinzen Hanau und Fulda veranschaulichte seiner Meinung nach die wohlt\u00e4tigen Folgen des freien Handels. Die ins Land kommenden Fuhrleute mu\u00dften nicht mehr halbe Tage an den Grenzen verbringen, bis ihre Waren verschn\u00fcrt und verbleit waren, und die Reisenden brauchten nicht mehr vor Visitationen zu bangen. Die Zollanstalten an den Grenzen erinnerten den Marburger Abgeordneten an die mittelalterlichen Raubritter. Er bezeichnete sie als eine &#8222;neue Art der Wegelagerung&#8220;.<\/p>\n<p>Der namhafte Marburger StaatsrechtIer Sylvester Jordan, der F\u00fchrer der liberalen Mehrheit im konstituierenden Landtag, erkl\u00e4rte zu dem Thema: Vom allgemeinen, theoretischen Gesichtspunkt des Rechts und der Politik werde niemand die Mauten in Schutz nehmen wollen. Sie seien, was die Erfahrung gen\u00fcgend best\u00e4tige, eine Hauptquelle der Sittenverderbnis und der Zerst\u00f6rung der b\u00fcrgerlichen Ordnung. Ein Abgeordneter namens von Warnsdorf charakterisierte die Folgen der Maut mit einem Zitat aus Friedrich Schillers &#8222;Wallenstein&#8220;, in dem Max Piccolomini einmal sagt: &#8222;Das eben ist der Fluch der b\u00f6sen Tat, da\u00df sie fortzeugend ewig B\u00f6ses mu\u00df geb\u00e4ren!&#8220; Die Maut erzeuge zwischen den Grenznachbarn eine gespannte bis feindselige Stimmung. Eben daher r\u00fchre die h\u00e4ufig zu machende Erfahrung, da\u00df die Beh\u00f6rden ihr Augenmerk darauf richteten, da\u00df nichts eingeschmuggelt werde, w\u00e4hrend sie dem Herausschmuggeln nicht nur nicht abhold, sondern sogar mit Rat und Tat behilflich seien. Die Doppelmoral wurde von ihm durchaus nicht gutgehei\u00dfen.<\/p>\n<p>Zu heftigen Kontroversen kam es im kurhessischen Landtag nicht in grunds\u00e4tzlichen Fragen der Wertung von Zoll und Schmuggel, sondern in den Debatten \u00fcber konkrete politische Ma\u00dfnahmen, die in den Provinzen Hanau und Fulda ergriffen werden sollten. Die Provinzen des Kurf\u00fcrstentums konnten nicht ungleich behandelt und belastet werden. Eine ersatzlose Aufhebung der Mauten im S\u00fcden des Landes war ein unhaltbarer Zustand. Im Januar 1831 wurde im Landtag vorgeschlagen, die Provinz Hanau vor die Wahl zwischen der Wiedereinf\u00fchrung der Zollinien oder der Entrichtung einer Abfindung, einer &#8222;Aversionalsumme&#8220;, zu stellen. In der Provinz Fulda sollten die Zolllinien sofort wieder errichtet werden. Von einem Wechsel des Personals der Provinzbeh\u00f6rden wurde gleichfalls die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung erwartet. Die S\u00fcdprovinzen waren entschieden gegen die Errichtung der alten Zolllinie, der Kurf\u00fcrst unterst\u00fctzte sie. Im April kam die Frage wieder im Landtag zur Sprache. Ein hanauischer Abgeordneter protestierte gegen eine Wiederherstellung der Maut mit dem Argument, Handel, Wohlstand und Moralit\u00e4t w\u00fcrden durch sie untergraben. Andere Redner schlugen daraufhin die Aversionalzahlung vor. In Hanau war die Stimmung wieder gereizt. Als ein Bevollm\u00e4chtigter der Regierung am 30. April den Kurf\u00fcrsten in Hanau aufsuchen wollte, um bei ihm Entschlie\u00dfungen in der Zollvereinsfrage einzuholen, kam es zu Unruhen in der Bev\u00f6lkerung. Sie bef\u00fcrchtete eine \u00c4nderung in den jetzigen Zollverh\u00e4ltnissen. Der Kurf\u00fcrst trug der Stimmung in seinem Domizil Rechnung und lie\u00df den Bevollm\u00e4chtigten unverrichteter Dinge abreisen. Nach heftigen Debatten kam in der Landtagssitzung vom 11. Mai ein Majorit\u00e4tsbeschlu\u00df zustande, da\u00df die Regierung Vorschl\u00e4ge zur Aversionierung der Provinzen Hanau und Fulda ausarbeiten und vorlegen solle.<\/p>\n<p>Bei der Einigung auf eine Aversionalzahlung blieb es letzten Endes, aber das Thema war so brisant, da\u00df es so schnell noch nicht zur Ruhe kam. Die Diskussion der Thematik wurde erneut beantragt und die Gegens\u00e4tze brachen wieder auf. Ein Bef\u00fcrworter der Zolllinien erkl\u00e4rte in der Sitzung vom 11. Juli 1831, Hanauer Einwohner w\u00fcrden den derzeitigen Zustand selbst unertr\u00e4glich finden und von einer emp\u00f6renden P\u00f6belherrschaft reden. F\u00fcr unverantwortlich hielt er die Verletzung der verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Gleichheit vor dem Gesetz. Die Hanauer w\u00fcrden versuchen, sich der gesetzlichen Lasten und Abgaben zu entziehen. Die Einf\u00fchrung der Maut war, wie er meinte, kein Unheil und durchsetzbar. Die Hanauer Deputierten widersprachen diesem Urteil lebhaft und entschieden. Ohne Gewalt und ohne Blutvergie\u00dfen hielten sie eine \u00c4nderung der jetzigen Zollverh\u00e4ltnisse nicht f\u00fcr m\u00f6glich. Sylvester Jordan unterst\u00fctzte die Hanauer mit dem Argument, die Maut sei ein \u00dcbel und die gewaltsame Wiedereinf\u00fchrung eines \u00dcbels k\u00f6nne die Regierung schwerlich auf sich nehmen.<\/p>\n<p>Die Ersatzzahlung f\u00fcr die Aufhebung der Maut besch\u00e4ftigte den Landtag noch Ende 1833, kurz bevor die Mitglieder des Deutschen Zollvereins ihre Grenzen \u00f6ffneten. Strittig war die H\u00f6he des Betrages und die Verantwortlichkeit f\u00fcr den ehemaligen Zustand. Schlie\u00dflich wurden Nachl\u00e4sse von den auferlegten Summen beantragt. Das Thema der Zolllinien wurde durch den Anschlu\u00dfvertrag vom 25. August 1831 wieder akut. Mit dem Vereinsbeitritt war zwar die Aufhebung der Zollgrenzen zu Hessen-Darmstadt verbunden, nicht aber zu Bayern hin. Bei Inkrafttreten des Vereins am 1. Januar 1832 sollten in den Provinzen Hanau und Fulda die Zolllinien zum s\u00fcddeutschen Nachbarn wieder eingef\u00fchrt werden. Daran hielten die Regierung und der Kurprinz gegen den Willen des Kurf\u00fcrsten und gegen die Antr\u00e4ge von Hanauer Deputierten fest. Die Hanauer waren entt\u00e4uscht und emp\u00f6rt. Die Stadtr\u00e4te und B\u00fcrgermeister weigerten sich, die neuen Verordnungen zu ver\u00f6ffentlichen. Das Hanauer Hauptzollamt erkl\u00e4rte beschwichtigend, Bayern werde dem Zollverein in K\u00fcrze beitreten. Doch das bewahrte das Amt nicht davor, schon am 5. Januar 1832, kurz nach seiner Fertigstellung, von einer aufgebrachten Volksmenge wieder zerst\u00f6rt zu werden. Grenzaufseher wurden t\u00e4tlich angegriffen. Die aus preu\u00dfischen und kurhessischen Beamten bestehende Zolldirektion mu\u00dfte die Stadt verlassen. Die Polizei versagte. Das Milit\u00e4r reichte nicht aus, die Emp\u00f6rung niederzuschlagen. An der Mainkur kam es zu einer Stra\u00dfenschlacht mit drei\u00dfig Toten. Das Zollchaos brach wieder aus, aber diesmal hielt die Regierung unnachgiebig an der Errichtung der Zolllinien fest. Sie wollte den Verein mit Preu\u00dfen vertragsgem\u00e4\u00df wirksam werden lassen. Der Schleichhandel an der bayerisc-hkurhessischen Grenze bl\u00fchte allerdings au\u00dferordentlich stark. Die Bereitschaft eines bedenklich gro\u00dfen Bev\u00f6lkerungsteils zur Ungesetzlichkeit blieb f\u00fcr die kurhessischen Politiker ein Motiv, die Bildung eines gr\u00f6\u00dferen Zollvereins nach Kr\u00e4ften anzustreben. Da\u00df sie mit diesem Motiv in Deutschland nicht allein dastanden, kam der Entstehung des Deutschen Zollvereins zugute. Der 1. Januar 1834 beendete im Kurf\u00fcrstentum Hessen-Kassel den aufreibenden, f\u00fcr die Regierung mit vielen Niederlagen verbundenen Kampf um eine stabile Ordnung der Zollverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/zollverein-zoll-schmuggel\" title=\"Weitere Beitr\u00e4ge zu Zoll, Zollverein und Schmuggel\">Mehr zu Zoll und Schmuggel vor der Zollverein-Gr\u00fcndung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Zollchaos und Zollvereinspolitik im Kurf\u00fcrstentum Hessen-Kassel nach der Julirevolution (1830\/31) Die einige Kilometer \u00f6stlich von Frankfurt am Zusammenflu\u00df von Kinzig und Main gelegene Stadt Hanau war am 24. September 1830 Schauplatz von Krawallen, die die Aufmerksamkeit der deutschen \u00d6ffentlichkeit auf sich zogen. 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