{"id":575,"date":"2011-09-09T12:20:48","date_gmt":"2011-09-09T11:20:48","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=575"},"modified":"2015-05-27T19:58:59","modified_gmt":"2015-05-27T17:58:59","slug":"autobiographie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wadgasser-geistliche\/adalbert-stummbillig\/autobiographie","title":{"rendered":"Autobiographie"},"content":{"rendered":"<p>Adalbert Stummbillig, Autobiographie<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht in:<\/p>\n<p>Herold des kostbaren Blutes. Provinzialat der Missionare vom Kostbaren Blute, St.-Josephs-Kolleg, Salzburg-Aigen und Pankofen (Ndb.)<\/p>\n<p>Artikelfolge:<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 33. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1959, S. 19f.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 34. Jg., H. 7\/8, Januar-Februar 1960, S. 21-23 (1. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 34. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1960, S. 19f. (2. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1960, S. 19f. (3. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., September-Oktober 1960, S. 8-10, 4. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1960, S. 19-22 (5. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1961, S. 19-21 (6. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1961, S. 19-21 (7. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. \u00be, September-Oktober 1961, S. 21-24 (8. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1961, S. 25-27 (9. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1962, S. 21f. (10. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 37. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1962, S. 22-24 (11. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 37. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1962, S. 16-22 (12. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 38. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1963, S. 16-22 (13. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. \u00bd, Juli\/August 1963, S. 22-26 (14. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 5\/6, November \/Dezember 1963, S. 15-17 (14. Fortsetzung zum zweiten!)<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1964, S. 24-26 (15. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 11\/12, Mai\/Juni 1964, S. 23-25 (16. Fortsetzung ohne Z\u00e4hlung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. \u00bd, Juli\/August 1964, S. 15-19 (17. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. \u00be, September\/Oktober 1964, S. 16-20 (18. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. 5\/6, November\/Dezember 1964, S. 14-20 (19. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1965, S. 9-12 (20. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg. H. 11\/12, Mai\/Juni 1965, S. 23-27 (21. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 5\/6, November\/Dezember 1965, S. 18-24 (22. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1966, S. 18-25 (23. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1966, S. 11-17 (24. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 42. Jg., H. \u00be, September-Oktober 1966, S. 19-23 (25. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 42. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1966, S. 13-21 (26. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 43. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1967, S. 21-23 (27. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 43. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1967, S. 21-24 (Schluss).<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 33. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1959, S. 19f.<\/p>\n<p>Meine Mutter hatte wirklich ein selten g\u00fctiges Herz. Selbst ihre Gesichtsz\u00fcge zeigten auffallend stark die Linien der G\u00fcte, wie kaum eine andere Frau. &#8211; Oder meine ich es nur so, weil sie meine Mutter war?<\/p>\n<p>Auf ihrem Scho\u00dfe h\u00f6rte ich zum ersten Male, da\u00df es \u00fcber den Sternen droben einen g\u00fctigen Gott g\u00e4be. Ihre Kinderlieder von der goldenen Abendsonne, dem guten Mond und den vielen Sternlein, die Gott allein gez\u00e4hlt habe, konnte sie, auf ihrer Zither spielend, so innig warm mir in die Seele singen. Doch meine allererste Erinnerung des Lebens war, als ich &#8211; noch zu klein, um bis zum Fenster zu reichen &#8211; die schweren Lokomotiven vorbeirauschen h\u00f6rte. Eisenbahn und Maschinen wurden mir zur Lieblingsidee. Aber noch eines hat die Fensternische mir eingepr\u00e4gt: n\u00e4mlich das Kreuz mit dem angenagelten Mann, das meine\u00a0 Schwester mir zeigte. Da es mich aufregte, einen Unschuldigen so gequ\u00e4lt zu sehen, ist der Eindruck dieser Minute mir unverge\u00dflich geblieben.<\/p>\n<p>Doch ich wuchs heran und war ein Lausbub, wie auch die vielen andern es sind. Als Junge sang ich in der Kirche gern aus Leibeskr\u00e4ften die sch\u00f6nen Lieder und liebte es, mit dem Brausen der Orgel wettzueifern. Doch beim Segen mit der gro\u00dfen Monstranz fiel mir des \u00f6ftern auf, da\u00df die wei\u00dfe Hostie pl\u00f6tzlich ganz blutig rot mich anstrahlte. Ich liebte diese Erscheinung sehr und wartete bei jedem Segen mit Spannung darauf. Warum, wieso? Ich sprach zu Ihm in der Hostie und habe dann dies Zeichen immer als Seine Antwort aufgefa\u00dft. Ich mu\u00df schon sagen, da\u00df Er mir alle W\u00fcnsche meiner Kindheit erf\u00fcllt hat, wenn ich Ihn nur innigst darum bat. Ich wollte mir sogar ein Heftchen anlegen mit der Aufschrift \u00bbKleine Wunder&#8220;. (Schade, da\u00df ich es damals nicht getan, es w\u00e4re mir heute wohl die liebste Lekt\u00fcre.) Nur einmal hat Er mich nicht erh\u00f6rt, ich war darum zu tiefst erstaunt, n\u00e4mlich, als mir ein Stallhase durchbrannte und trotz meiner innigen Bitten an Ihn, er nicht mehr aus dem Wald zur\u00fcckkehrte. Doch ich mu\u00df bedenken, es war eine gl\u00fccklich sch\u00f6ne Zeit, und wenn die Turmuhr die Viertelstunde schlug, trieb es mich immer, mit Ihm und Ihr zu sprechen.<\/p>\n<p>Eines Abends, als ich wieder in der Kirche betete, merkte ich nicht, da\u00df man hinter mir die T\u00fcre schlo\u00df. Nun war ich allein. Ein romantisch sch\u00f6nes Gef\u00fchl \u00fcberfiel mich: allein hier die ganze Nacht! Nach einer Weile h\u00f6rte ich leise Stimmen an der Seitent\u00fcr. Ich schlich mich dorthin und klopfte. Ein Schrei drau\u00dfen &#8211; dann war es wieder still. Nach einer halben Stunde raschelte sachte der gro\u00dfe Kirchenschl\u00fcssel im Portal, eine Blendlaterne zuckte auf und gleich in ihrem Strahl der kurze Lauf eines Revolvers. Ich trat in den Schein. &#8222;Ach,<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>du bist&#8217;s!&#8220; rief die Stimme des Kaplans. Er hatte schon geglaubt, den gro\u00dfen Fang zu machen: jenes Einbrechers, der drei Tage zuvor in der Nachbarskirche eingebrochen und den Altar gepl\u00fcndert.<\/p>\n<p>Aus jedem Buben wird ein Junge. Und f\u00fcr jeden Jungen kommt einmal die Zeit, da er die keimenden R\u00e4tsel des menschlichen Lebens beantwortet haben m\u00f6chte. Man sucht in B\u00fcchern, sp\u00fcrt den Schriften nach. So griff auch ich nach irgendeinem Buche des Regals, schlug es auf und sah eine Stelle, die mich gleich fesselte. Ist das nicht das Thema der Jugend? Um ungest\u00f6rter diesem nachst\u00f6bern zu k\u00f6nnen, ging ich mit meinem Buch in den Wald zu meinem Lieblingspl\u00e4tzchen. wo neben dem Wassert\u00fcmpel der dicke Baumstamm lag. Und wie ich n\u00e4her zu lesen begann, merkte ich erst, welches Buch ich erwischt habe: es war &#8222;Das Leben der Heiligen&#8220;. Jener erste Blickfang war vom Martyrium der heiligen Agatha. Und da die Jugend radikal ist, vertiefte ich mich radikal in dieses Buch, das Gott mir so sachte zugeschoben hatte. Ich war gefangen, gefesselt.<\/p>\n<p>Von diesem Tage an stand es in mir fest: nicht Techniker will ich werden, sondern Priester. &#8222;Priester Gottes!&#8220; &#8211; das war nun mein Geheimnis durch die ganze Jugendzeit. Wenn mein Freund &#8211; auch ein lustiger Student wie ich &#8211; zum Tanzen ging, habe ich l\u00e4chelnd abgewehrt; wenn er bei M\u00e4dchen stehen blieb, ging ich stolz vorbei. Das &#8222;Excelsior-h\u00f6her hinauf!&#8220; war mir wie eine Wollust geworden. Ja, Gott ist uns oft f\u00fchlbar nahe in der Seele.<\/p>\n<p>Als nun wenige Jahre danach in unserem Dorf eine Volksmission stattfand, da wu\u00dfte ich, da\u00df ich ein Mission\u00e4r werden solle. Der Pater, bei dem ich beichtete &#8211; es war ein Provinzial der Redemptoristen -, sagte glattweg zu mir: &#8222;Hiermit bist du bei uns aufgenommen! Bald wirst du mit dem Kreuz auf der Brust auf der Kanzel stehen.&#8220; Ich erschrak, denn das war schlie\u00dflich mir doch zu schnell gegangen, denn so war meine Beichte doch nicht gemeint. Da Sankt Paulus sagt: &#8222;Pr\u00fcfet alles, und das Beste behaltet!&#8220;, so habe ich dann auch bei den Steyler mich sachte erkundigt und auch hier gleich eine freundliche Einladung erhalten. Selbst die Jesuiten in K\u00f6ln gaben mir einen liebevollen Wink zu kommen, denn ein Student mit der Primanerm\u00fctze ist schlie\u00dflich doch etwas Begehrenswertes. Was nun tun? Ich \u00fcberlie\u00df jetzt alles dem Herrgott, der mich gerufen und mich nun auch weiterf\u00fchren soll.<\/p>\n<p>Eines Tages kam die Kunde: n\u00e4chste Woche ist Primiz in unserrn Dorf! Alles wurde aufs festlichste hergerichtet. Auch ich mu\u00dfte mithelfen und das Schild mit der Inschrift f\u00fcr einen der vier Triumphb\u00f6gen malen. Da ich glaubte, der Primiziant sei ein Jesuit, ergr\u00fcbelte ich die entsprechende Inschrift: &#8222;Salve, Sacerdos Jesu!&#8220; und malte die Buchstaben S. J. in recht gro\u00dfen goldenen Lettern. (F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wollte man dieses Schild auch f\u00fcr meine eigene Primiz aufh\u00e4ngen &#8211; wie h\u00e4tte es mich doch \u00fcberrascht und gefreut! Aber man hielt es f\u00fcr zu sehr verbla\u00dft und verstaubt.) Die Primiz war herrlich. An dem gro\u00dfen Kreuz auf der Brust des Mission\u00e4rs und der langen Kette erkannte ich, da\u00df es doch kein Jesuit sei. Mein Vater gab mir nun den Rat: &#8222;Junge, geh mal hin zum Primizianten und frage ihn, wer er sei und wo er wohne!&#8220; So ging ich hin.  (Fortsetzung [olgt.)<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 34. Jg., H. 7\/8, Januar-Februar 1960, S. 21-23 (1. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026und dann wurde ich<\/p>\n<p>Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>(1. Fortsetzung)<\/p>\n<p>&#8222;Gehe zum Primizianten und frage ihn&#8220;, hatte mein Vater mir den Rat gegeben. So schlich ich durch den Wald, dreiviertel Stunden weit, zum Haus des Neupriesters. Es war mir ein unverge\u00dflicher Gang. Da hatte ich nun kein Interesse mehr am Nest des Buntspechts, das dort am Wegrand sonst stets mich lockte. Den Kopf tief in die Gedanken vergraben, bohrten meine Gedanken in eine unbestimmte Zukunft.<\/p>\n<p>Endlich am Hause angelangt, trat ich entschlossen ein. Im oberen Zimmer traf ich den Primizianten. Das freundliche L\u00e4cheln verriet den gl\u00fccklichen Priester. Noch freundlicher war sein Gru\u00df. &#8211; Meine erste Begegnung mit einem Mission\u00e4r C. PP. S. (Es war P. Paul, der heute schon in der Ewigkeit weilt.)<\/p>\n<p>Gleich waren wir auch mitten in der Unterhaltung. Ohne Umschweife r\u00fcckte ich heraus, was meines Begehrens w\u00e4re. &#8222;Herr Pater, ich hatte geglaubt, Sie seien Jesuit.&#8220; &#8211; &#8222;Wir sind Mission\u00e4re vom Kostbaren Blute, und unser Zeichen ist C. PP. S.&#8220; Ich bem\u00fchte mich, irgend eine Sinndeutung in diese scheinbar geheimnisvollen Lettern zu bringen. Doch schon wurde es mir g\u00fctigst erkl\u00e4rt: \u00b7&#8220;Kongregation vom Kostbaren Blute.&#8220; &#8211; &#8222;Was, vom Kostbaren Blute?&#8220; &#8230; Und die Erinnerung an jene rot strahlende Hostie stieg in mir wieder auf, dieses liebe Geheimnis meiner Kinderjahre. (Heute wei\u00df ich seine Deutung: es war nur der Widerschein des Ewigen Lichtes im Spiegelglas der Monstranz.) &#8211; &#8222;Wir sind gegr\u00fcndet von einem R\u00f6mer, der vor hundert Jahren lebte. Und unsere erste Aufgabe ist die Volksmission. Mit dem gro\u00dfen Kreuz an der langen Kette steigen wir auf die Kanzel. Wollen Sie nicht auch gerne Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute werden?&#8220; &#8211; &#8222;Herr Pater, wo wohnen Sie? Bitte um Ihre Adresse.&#8220; &#8211; Und so h\u00f6rte ich zum ersten Mal vom St\u00e4dtchen Feldkirch in \u00d6sterreich und vom D\u00f6rflein Schellenberg in Liechtenstein. &#8222;Gut, ich werde kommen, um es mir anzusehen.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcnf Monate sp\u00e4ter packte ich meinen Koffer zu meiner ersten gro\u00dfen Reise. Damals sp\u00fcrte man noch auf allen deutschen Bahnen die Nachwehen des verlorenen Krieges. Eine Fahrt ins Ausland war noch ein halbes Risiko. Mit dem Gebet der Eltern und mit dem frohen Winken meiner Schwester und meiner Br\u00fcder trat ich die lange Reise an.<\/p>\n<p>Schnell gings \u00fcber den Rhein, langsam durch die Schwarzwaldgegend.<\/p>\n<p>Endlich, zu Mitternacht, kam ich in Konstanz an. Die wenigen Personen, die mit mir ausstiegen, hatten sich rasch verlaufen; ich nun allein in fremder Stadt.<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>Da traten zwei M\u00e4nner auf mich zu: &#8222;Wollen Sie \u00fcbernachten? Kommen Sie mit!&#8220; und schon schnappte der eine meinen Koffer. Nun ging es wei\u00df Gott wohin. Immer enger wurden die G\u00e4\u00dfchen, immer dunkler der Weg. Sollte ich wirklich in eine Falle geraten sein? Sei auf der Hut! Hinter den beiden hertrottend, nahm ich f\u00fcr alle F\u00e4lle mein gez\u00fccktes Taschenmesser in die Faust. Doch endlich langten wir gl\u00fccklich an irgendeinem Gasthaus an. Vor der Treppenlampe &#8211; endlich wieder ein Licht! &#8211; kroch mein Messer zur\u00fcck in die Hosentasche. Rasch ging es ins Zimmer und in die Federn zum wohlverdienten Schlaf.<\/p>\n<p>Doch nicht lange dauerte es, da pochte es kr\u00e4ftig an die T\u00fcr: &#8222;Aufmachen, Polizei!&#8220; Und schon starrten mich wieder zwei harte Gesichter an. Ach, und ich war doch nur ein harmloser Student, der den Weg zum Priestertum &#8211; suchen ging. Sie durchmusterten meine Papiere und waren bald wieder verschwunden. Ich war froh, als die Sonne endlich wieder kam, denn ich brauchte mich wahrlich nicht zu dem lichtscheuen Gesindel zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Am Morgen schrieb ich dann meine ersten Gr\u00fc\u00dfe nach Hause: eine Postkarte mit dem &#8222;Konstanz liegt am Bodensee &#8211; wer&#8217;s nicht glaubt, geh&#8216; hin und seh&#8216;!&#8220; Und weiter ging die gro\u00dfe Fahrt.<\/p>\n<p>Nun kam ich an die Grenze, wo die Heimat aufh\u00f6rt und die Fremde beginnt. Voll Stolz zeigte ich meinen neuen Pa\u00df vor. Aber, o weh, das sehr kurzfristige Visum war am Tage zuvor abgelaufen. &#8222;Eigentlich m\u00fc\u00dften Sie nach Hause fahren, um es dort verl\u00e4ngern zu lassen&#8220;, spielten die Finanzer mit mir. &#8222;Aber wir wollen es Ihnen hier schon geben&#8220;, beruhigten sie wieder. So wurde auch diese H\u00fcrde genommen. Der Schlagbaum \u00f6ffnete sich, und nun betrat mein Fu\u00df zum ersten Mal im Leben ein fremdes Land.<\/p>\n<p>Osterreich! Nur vom Atlas her und aus meinen Schulb\u00fcchern hatte ich von dir geh\u00f6rt. Der dicke blaue Grenzstrich der Landkarte war mir wie ein breites Wasser, das man \u00fcberschreiten m\u00fc\u00dfte, um in deine neue Welt zu kommen. Andre L\u00e4nder, andre Sitten. Eine neue Zukunft tat sich mir wirklich auf. Man war ja in Kriegszeit aufgewachsen, in jener Zeit, wo es sogar schwierig werden konnte, selbst ins Nachbardorf zu gehen. Und ich jetzt hier weit drau\u00dfen im Ausland! Welch schaurig sch\u00f6nes Gef\u00fchl in damaliger Zeit!<\/p>\n<p>Meine Reise ging weiter.<\/p>\n<p>Per Schiff nach Bregenz. &#8211; Langsam legte der Raddampfer am Ufer an, der Landungssteg polterte herab, und nun gings &#8211; juchhe &#8211; stolz per Schiff \u00fcber die blauen Wellen des Bodensees. Nichts wollte ich mir entgehen lassen, alles sehen, alles genie\u00dfen. Zuerst stand ich am Bug, dann am Heck. Dann staunte ich hinab auf die blanken Kolben und das Triebwerk der Maschine. Am liebsten aber stand ich vorne, wo der Gischt sch\u00e4umte und die Schiffsglocke hing, wo man am besten den Steuermann mit seinem gro\u00dfen Rad und mit seinem scharfen Blick sehen konnte. Hier vorne war die Brise so frisch und der Sturzflug der M\u00f6ven so k\u00fchn. &#8222;Ahoi, wir fahren zur See!&#8220;<\/p>\n<p>Als die Schiffsglocke l\u00e4utete, und der Kapit\u00e4n sein letztes Kommando durchs Sprachrohr hinabgegeben, waren wir in Bregenz. Eilig gings zum Bahnhof, denn der Zug wartete schon auf uns. Hinein und Abfahrt!<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>Nun ging es, holterdiepolter (es waren ja auch hier noch die alten Kriegswagen) die Rheinebene Vorarlbergs hinauf, den m\u00e4chtigen Alpen entgegen. Ich stand nat\u00fcrlich immer am Fenster und suchte, ob bald durch den feinen Dunst am Horizont die Zinken und Zacken der ewigen Berge Gottes aufflammen w\u00fcrden. \u2013<\/p>\n<p>Und nun waren sie da. M\u00e4chtig, wie der Allm\u00e4chtige sie geschaffen, gr\u00fc\u00dften sie mich. Wie eine trutzige Hand, die zum Himmel zeigt oder zum Schwur erhoben ist, k\u00fcnden sie das nie endende Excelsior-H\u00f6her hinauf!<\/p>\n<p>Und wie ich so dastand und das herrliche Panorama Gottes immer mehr bewunderte, da war mein Zug auch schon ins kleine, feine St\u00e4dchen eingefahren. Feldkirch, mein Ziel, sei mir gegr\u00fc\u00dft! Schnell noch einen Dank an Gott, den Koffer gepackt und hinaus! Jetzt bin ich endlich an meinem Ziel.<\/p>\n<p>Als ich hinaustrat, rief mich jemand beim Namen. &#8211; Wie sch\u00f6n ists doch, so in der Fremde pl\u00f6tzlich ein St\u00fcck Heimat zu treffen! Er hatte auf mich gewartet, der Primiziant der Heimat, unser stets so freundlicher Pater Paulus.<\/p>\n<p>&#8222;Gr\u00fc\u00df dich Gott! Sei herzlich willkommen!&#8220;<\/p>\n<p>Und so begann meine zweite Heimat.<\/p>\n<p>(Fortsetzung folgt)<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 34. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1960, S. 19f. (2. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0 (2. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Ich war also gl\u00fccklich in Feldkirch angekommen.<\/p>\n<p>Wie ich den Bahnhof verlie\u00df &#8211; meinen Koffer hatte P. Paul auf sein Rad geschwungen &#8211; durchwanderte ich nun an der Seite dieses Mission\u00e4rs zum ersten Male dieses Studierst\u00e4dtchen, das in der Geschichte unserer Deutschen Provinz wie eine gro\u00dfe Eingangst\u00fcr steht.  ,<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war ich sehr interessiert an allen Schilderungen und Erkl\u00e4rungen meines priesterlichen Freundes. Er erz\u00e4hlte mir von der trutzig alten Schattenburg, dem Wahrzeichen Feldkirchs, vom dicken Katzenturm der ehemaligen Stadtmauer, in der heute die m\u00e4chtigste Glocke Vorarlbergs h\u00e4ngt. Er sagte mir, Feldkirch sei eine Studentenstadt, in deren Schulen schon Tausende der m\u00e4nnlichen und weiblichen Jugend ihre Ausbildung fanden. Hier sei auch eine kleine frischfr\u00f6hliche Schar von Gymnasiasten, die sich vorgenommen haben, Mission\u00e4re vom Kostbaren Blute zu werden.<\/p>\n<p>Nun bog der Weg noch um eine Ecke &#8211; man h\u00f6rte schon das Rauschen der nahen III &#8211; und siehe da: wir standen vor dem Xaveriushaus.<\/p>\n<p>Zum ersten Male sah ich nun jenes Haus, das gleichsam das erste Tor unserer Provinz ist. Auf dem Giebel der Vorderfront ist ein Bild mit zwei Hirschen an einer Wasserquelle. &#8211; Das Xaveriushaus war n\u00e4mlich zuvor das &#8222;Gasthaus zum Hirschen&#8220; ,ehe P. Jussel es k\u00e4uflich erworben hatte. Dann wurde es nach und nach innen umgebaut und im Herbst 1919 als Sch\u00fclerheim C. PP. S. er\u00f6ffnet. Unter den ersten sieben Sch\u00fclern war auch ein recht lebhafter, namens Erich, der heute Generalvikar unserer Xingumission ist.<\/p>\n<p>Meinen Koffer vom Rad genommen, den Mantel in Ordnung wieder fest zugekn\u00f6pft, schritten P. Paul und ich zur T\u00fcr. Die \u00f6ffnete sich wie von selbst, denn dahinter hatte ein vorwitziges Bubengesicht gewartet. Dieser Willi, ein Factotum des Hauses, war ein Sp\u00e4tberufener, der die Leiter des Latein und der anderen Wissensf\u00e4cher nach und nach noch zu erklimmen hoffte. Er hat es, wenn auch mit M\u00fche, erreicht und ist heute wohlbestallter Pfarrer in Osterreich.<\/p>\n<p>Nun f\u00fchrte man uns hinauf in den Speisesaal, wo die langen Tische stehen. Ein fr\u00f6hliches &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott &#8211; herzlich willkommen!&#8220; kam aus freudigem Herzen von Pr\u00e4fekt und Studenten. Kaum, da\u00df wir Platz genommen, da, rasselte auch schon der K\u00fcchenaufzug und gleich standen ein paar dampfende Sch\u00fcsseln vor uns auf dem Tisch. Zwar versp\u00fcrte man noch damals den ver lorenen Krieg selbst bis in den Suppenteller hinein. Doch Studentenfutter schmeckt immer gut. Ein fr\u00f6hliches Geplauder \u00fcber Reise und Speise, \u00fcber Studium und Heimat war nat\u00fcrlich das am meisten gefragte. Mir war da jedes Gesicht neu und interessant, angefangen vom Pr\u00e4fekten P. Hermann bis zum damals noch so kleinen Otto Fl\u00fcck.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df erschien noch ein Herr, der mir etwas m\u00fcde und abgek\u00e4mpft vorkam. Die B\u00fcgelfalte seiner grauen Hose war schon l\u00e4ngst &#8222;verbla\u00dft&#8220; , aber um so mehr Freude zeigte sein braunes Gesicht. Es war der Instruktor des<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>Hauses, Otto Jutz, der sp\u00e4ter als einer der ersten Xingumission\u00e4re zu den Indianern zog und heute im Schatten der Palmen ruht. &#8211; Wie er sich zu uns setzte, erz\u00e4hlte er von seinem damaligen Tageserlebnis: er sei endlich nach vierst\u00fcndigem, erm\u00fcdendem Marsch auf die drei Schwestern gekommen und beim Abmarsch habe er die linke Sohle verloren. Mir schien diese Sprache &#8222;auf die drei Schwestern kommen&#8220; doch ein komischer Dialekt Osterreichs zu sein. Erst am Abend erfuhr ich, da\u00df diese drei Damen, auf die man kommen kann, nichts anderes sind als die gro\u00dfe Alpenkette, &#8222;Die Drei Schwestern&#8220;, die die Grenze zwischen Osterreich und Liechtenstein bildet.<\/p>\n<p>Das Leben im Xaveriushaus war so, wie es in jedem Studentenkonvikt \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Morgens rief die Glocke &#8211; ach, wie so fr\u00fch! &#8211; zum Aufstehen und zur heiligen Messe, dann zum Kaffee und schlie\u00dflich zum Abmarsch ins Gymnasium. Mittags brachte man einen t\u00fcchtigen Hunger mit, der aber bald gestillt wurde.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war das Zentrum des Hauses, au\u00dfer Speise- und Studiensaal, vor allem die Kapelle. P. Jussel hatte daf\u00fcr gesorgt, da\u00df sie ein Schmuckk\u00e4stchen sei. Dort sollten seine Studenten als Mission\u00e4re ausgeweiht, von dort aus sollte der Segen auf die ganze Provinz ausstr\u00f6men. Darum haben wir hier alle auch das Rosenkr\u00e4nzlein vom Kostbaren Blute und die &#8222;Sieben Aufopferungen\u201c\u00a0 gebetet. Am Abend bei der Andacht marschierten die einen als des Herrgotts stramme Ministranten zum Altar und die andern lie\u00dfen mit der Weihrauchwolke ihre Melodien zum Himmel steigen. Wir waren zwar nicht gerade &#8222;die zweite Garnitur der Wiener S\u00e4ngerknaben &#8222;, aber immerhin &#8230; man hat uns gerne geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Jeden Sonntag sind wir nach Liechtenstein auf den Schellenberg marschiert, weil wir dort den Kirchenchor stellten. Dieser Marsch &#8211; sechs bis sieben Kilometer &#8211; wurde Sommer wie Winter ausgef\u00fchrt, im st\u00e4rksten Regen, im tiefsten Schnee. Darum gaben uns die Leute den Namen &#8222;Spartaner&#8220;. Wir waren immer gesund und studierten drauflos mit frischem Mut.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich betrieben wir auch geh\u00f6rig Sport, im Sommer Fu\u00dfball, im Winter Rodeln. Gurtis und Fellengatter, Mariaschnee und Frastanz haben unsere Schneewolken gesehen, wenn wir xaverianisches Rudel beim Rodeln unsere Olympia austrugen. &#8211; Und die Sommer waren nicht minder sch\u00f6n. Denn diese Maiausfl\u00fcge, manchmal per Omnibus, zum Bodensee oder in die Berge, waren die herrlichen Feiertage in unserem b\u00fcffelnden Studentenleben. &#8211; So hatte jeder Tag sein eigenes Wohl und Weh.<\/p>\n<p>Wenn der Abend kam, und jeder von uns In Stillschweigen in sein warmes Bettchen stieg, mochte vielleicht doch der eine oder andere aus Heimweh verstohlene Tr\u00e4nen vergossen haben. &#8211; Die ersten Tage fern der Heimat sind halt immer die schwersten. &#8211; Doch gar rasch hat die Pflicht des t\u00e4glichen Studiums und das Frohsein aller Kameraden jedes Heimweh schnell hinweggewischt. Wir waren ja schlie\u00dflich jetzt schon alle Br\u00fcder und vom gleichen Gedanken beseelt, wir strebten alle dem gleichen Ziele zu: ein w\u00fcrdiger Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute zu werden. Das tr\u00f6stete alle.<\/p>\n<p>Und Gott hat uns immer geholfen.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1960, S. 19f. (3. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (3. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Der Chef des Xaveriushauses war H. P. Gregor Martin Jussel, der Gr\u00fcnder der Deutschen Provinz, der sich damals noch Superior nannte. Die Studenten hatten ihm aber noch einen eigenen Titel zuerkannt: sie nannten ihn \u00bbDeddi&#8220;, ein Vorarlberger Ausdruck, der \u201eVater&#8220; bedeutet. Er war auch wirklich ein Vater, er war stolz auf seine vielen Buben. Geld hatte er fast nie in H\u00e4nden, aber um so mehr viele Schulden. Mich wunderte es immer, da\u00df er dennoch so herzhaft lachen und so ruhig schlafen konnte: Der gesegnete Appetit so vieler Jungens greift schlie\u00dflich doch tief in die Geldb\u00f6rse. Zwar waren die Mahlzeiten den damaligen Zeiten entsprechend einfach: oft R\u00fcbel, dieses Vorarlberger Nationalgericht (aus Mais gekocht), so da\u00df P. Paulus zum Nikolaustag als Parodie zum Liedertext dichten konnte:<\/p>\n<p>Die Lonie steht am Ofenrohr<\/p>\n<p>und die Frau Lins davor,<\/p>\n<p>sie seufzen sich ins Ohr:<\/p>\n<p>\u201eIst das jetzt eine b\u00f6se Zeit &#8211; was soll man kochen heut?<\/p>\n<p>Nur eine M\u00f6glichkeit:<\/p>\n<p>Nur immer R\u00fcbel &#8211; so n&#8216; ganzen K\u00fcbel,<\/p>\n<p>da wird man dick und fett,<\/p>\n<p>da\u00df kracht das ganze Bett!&#8220;<\/p>\n<p>Da\u00df die Jungens diesen Refrain mit Begeisterung sangen, l\u00e4\u00dft sich leicht denken.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>Aber wenn Gott mal wieder unserem Deddi ein h\u00fcbsches S\u00fcmmchen Geld zukommen lie\u00df &#8211; selbst aus Amerika von seinen fr\u00fcheren Freunden -, so hat er es gleich zur Vergr\u00f6\u00dferung des Hauses und zum Aufbau der Provinz verwendet. So ist es nicht zu verwundern, da\u00df oft, besonders in den Ferien, im Xaveriushaus die Sprengsch\u00fcsse krachten, um aus dem Felsen hinter dem Haus Platz zur Erweiterung des Heimes zu gewinnen. Wenn es also wieder knallte und die Steine flogen &#8211; so manche Scheibe und Dachziegel vom benachbarten Gasthaus hat unser Deddi zahlen m\u00fcssen -, dann wu\u00dften die Feldkircher: P. Jussel vom Xaveriushaus hat wieder Geld bekommen, das nun gleich rasch &#8222;verpulvert&#8220; wird. Wenn dann die Studenten mit Schulbeginn wieder eintrafen und die umgebauten und neugewonnenen R\u00e4ume erblickten, dann strahlten die Buben und es strahlte der Deddi.<\/p>\n<p>Zwar hat er immer leidenschaftlich gern H\u00e4user gekauft oder neu gebaut; er sah darin das Entstehen und Wachsen seiner Provinz. &#8211; In welch fr\u00f6hlicher Stimmung war er, als er zum Beispiel nahe bei Feldkirch den Gutshof St. Corneli erwerben konnte. Selbst die Studenten halfen da gerne mit als Handlanger, um das Haus w\u00fcrdig herzurichten. Dann kamen ein paar flotte Pferdchen in den Stall, die dann jeden Morgen die frische Milch ins Xaveriushaus hinabbrachten. &#8211; Am Sonntagnachmittag wallfahrteten die Xaverianer selber hinauf nach Corneli, um zuerst eine w\u00fcrdige Andacht im dortigen alten Kirchlein zu halten. Dann ging es gleich zum Fu\u00dfball in den Wald neben der Burgruine. Der Schlu\u00df war eine wohlverdiente Jause mit Knackw\u00fcrsten und Limonade. &#8211; Corneli blieb der angenehme Ruhepunkt im angestrengten Leben der Studenten.<\/p>\n<p>Neben dem Kirchlein steht eine uralte Eibe, die \u00fcber tausend Jahre gesehen haben soll. Doch diese Eibe rauschte nicht nur zu unseren fr\u00f6hlichen Stunden des jungen Lebens, sie rauschte auch zu dem ersten Toten, den wir dort begruben. Das kam so:<\/p>\n<p>Eines Tages erhielten wir Besuch. Ein junger und leider doch so kranker Mann war zu uns eingekehrt. Es war ein Amerikaner, ein Pater C. PP. S. aus der Amerikanischen Provinz. In Rom, wo er sich eben das Doktorat erworben hatte, wurde er schwer krank. Nun kam er aus dem hei\u00dfen S\u00fcden zu uns herauf in der Hoffnung auf Genesung. Hing er doch so sehr an seinem Priestertum und an seiner lieben Kongregation C. PP. S. Was hatte er doch noch f\u00fcr gro\u00dfe Zukunftspl\u00e4ne erdacht f\u00fcr sein weites Amerika! Nun kam er zu uns. Im oberen gro\u00dfen Zimmer, im Bischofszimmer, legte er sich zu Bett, und kurze Zeit darauf trugen wir ihn nach Corneli, um ihn, den Mitbruder P. Lejeune, im Schatten der 1000j\u00e4hrigen Eibe zu begraben. So fern der weiten Heimat &#8211; so nah dem weiten Himmel! &#8211; P. Paul hat ihm die Totenpredigt gehalten.<\/p>\n<p>Dort neben der m\u00e4chtigen stillen Eibe hatte auch P. Gregor Jussel &#8211; wie er des \u00f6ftern zu uns sich \u00e4u\u00dferte &#8211; sein zuk\u00fcnftiges Ruhepl\u00e4tzchen sich ausgesucht. Dort in St. Corneli hoffte er sich ewig auszuruhen von seinem gro\u00dfen Werk.<\/p>\n<p>Doch es sollte anders kommen.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., September-Oktober 1960, S. 8-10 (4. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0(4. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Wer Priester werden will, mu\u00df die steilen H\u00f6hen eines langen Studiums erklimmen. Der erste Ruhepunkt auf dieser Wanderung ist das Abitur, in \u00d6sterreich Matura (Reife) genannt. Wohl keine Pr\u00fcfung l\u00f6st eine solche befreiende Erl\u00f6sung aus wie die Reifepr\u00fcfung am Schlusse der Gymnasialzeit. Aus den Halbschwachen f\u00fchlt man sich pl\u00f6tzlich zu den Ganzstarken versetzt. Die Welt steht nun offen.<\/p>\n<p>Diese frohe Entspannung tut sich nun in den verschiedensten Studentenstreichen kund, aus denen man sogar die zuk\u00fcnftige Laufbahn des Studiosus einigerma\u00dfen vermuten kann. Zur Zeit der Maturapr\u00fcfung hatte von jeher die Polizei in Feldkirch immer viel zu tun. Ausgeh\u00e4ngte und dann kunstvoll aufgeh\u00e4ngte Fensterl\u00e4den, ebenso T\u00fcrklinken mit Schwachstrom und andere Einf\u00e4lle deuten auf den Erfindungsgeist eines werdenden Ingenieurs hin. Die Preisschilder der Feldkircher Kaufleute zeigten \u00fcber Nacht einen Preissturz, wie er noch nie dagewesen: die kluge Hand des zuk\u00fcnftigen \u00d6konomierates hat die Kommas um eine Stelle verschoben. &#8211; N\u00e4chtliche Liederkl\u00e4nge ohne Sperrstunde sind die Gesetzes\u00fcbertretung des nun angehenden Juristen. &#8211; Die alten Blechdeckel am Hundeschweif m\u00f6gen die Tat des heute so t\u00fcchtigen Veterin\u00e4rs gewesen sein. &#8211; Wer die Hebamme damals in tiefer Nacht justament zum Lateinprofessor gerufen, konnte kein anderer als der Mediziner sein,<\/p>\n<p>Und wie sollte nun ich, der beginnende Theologe, meinen \u00dcbermut der Freude kundtun? War ich doch noch obendrein der erste Maturant des Xaveriushauses, der erste der Deutschen Provinz, der die lange Reihe der nun kommenden er\u00f6ffnete! Sollte ich ein m\u00e4chtiges n\u00e4chtliches Glockengel\u00e4ut anstimmen? Schade &#8211; alle Glockent\u00fcrme und -t\u00fcrmchen der Stadt waren fest verschlossen. So mu\u00dfte ich warten, bis der Morgen kam. Aber dann hinauf auf die Orgel, um mit allen Registern, Posaunen und Mixturen, mit H\u00e4nden und mit F\u00fc\u00dfen der so wild gewordenen Freude freien Lauf zu lassen! (Schade nur, da\u00df man von solch spontanen Erg\u00fcssen der so ehrlichen Freude damals noch keine Tonbandaufnahmen machen konnte. Welch liebe Erinnerung w\u00e4re es mir heute!) Das waren herrliche Tage!<\/p>\n<p>Doch schlie\u00dflich: Jede Blume verbl\u00fcht und jede Hitze vergl\u00fcht.<\/p>\n<p>So kommen auch f\u00fcr den Studenten nach getaner Arbeit die ruhigen Tage des stillen Ausruhens. Es sind jene Wochen, die zwischen Abitur und Beginn des Hochschulstudiums liegen, die sogenannten &#8222;Mulitage&#8220; (Mauleseltage).<\/p>\n<p>Ich wanderte nach Liechtenstein, nach Schellenberg.<\/p>\n<p>Dort waren damals noch jene vier Patres, die heute schon alle in der Ewigkeit sind: P. Jussel als Pfarrer, P. Paul Ahr als Prediger, P. Jakob P\u00fclicher als Aushilfspriester und P. Karl Schilter als Spiritual des Klosters. Jeder von<\/p>\n<p>8<\/p>\n<p>&lt;Bild Missionshospiz Schellenberg&gt;<\/p>\n<p>ihnen verk\u00f6rperte ein Temperament. P. Karl konnte so sprudelnd-fl\u00fcssig reden, da\u00df man M\u00fche hatte, ihn zu verstehen, besonders noch in seinem Schweizerd\u00fctsch. Er war von einer solchen P\u00fcnktlichkeit, da\u00df die Schellenberger Bauern ihre Uhren nach ihm richten konnten, wenn er t\u00e4glich zum Mittagsspaziergang an ihren H\u00e4usern vorbeimarschierte. &#8211; P. Jakob neigte mehr zum melancholischen Temperament. Und dennoch war er gerne zu jedem Witz aufgelegt. Der erste Talar, den ich an ihm sah &#8211; wei\u00df Gott, wo er ihn her hatte -, war sicherlich einer schlankeren Gestalt angemessen worden. P. Jakob, fr\u00fcher Beamter an einer deutschen Botschaft, hatte aber in seiner w\u00fcrdigen F\u00fclle barocke Formen. Doch unser Jakobus war immer zufrieden und stolz mit seinem Priesterkleide. &#8211; P. Paul war der Prediger vor dem Herrn und zudem ein fr\u00f6hlicher Kamerad und Gesellschafter. Wenn er den ganzen Vormittag in seinen B\u00fcchern studierte, qualmte dabei seine lange Pfeife mit seinem Eigenbautabak, der ihm, wei\u00df Gott, vielleicht zu fr\u00fch das Grab geschaufelt. So schrieb er nach und nach seine vielen Predigten. Der Nachmittag war mehr der Erholung gewidmet.<\/p>\n<p>P. Paulus f\u00fchlte sich mit Stolz als &#8222;alter K\u00e4mpfer&#8220; des ersten Weltkrieges, wobei er dennoch keinen einzigen Schu\u00df abgefeuert hatte. Wie gerne sang er seine alten Soldatenlieder, besonders das Lied: &#8222;Argonnerwald um Mitternacht, ein Pionier steht auf der Wacht.&#8220; Eines Tages machte er einen alten Schie\u00dfpr\u00fcgel irgendwo ausfindig. Mit diesem zogen wir nun in den Wald mit dem wonnigen Gef\u00fchl eines Weidmannes. Wir wollten uns an alles heranpirschen, was da kreucht und fleucht. Doch es war wenig, sehr wenig! Doch einmal entdeckten wir ein Eichk\u00e4tzchen. Wir schlichen sachte heran. Paulus zielte und zielte &#8211; und dann sprang das K\u00e4tzlein ruhig weiter. Wie um sich<\/p>\n<p>9<\/p>\n<p>zu entschuldigen, sagte er dann zu mir: &#8222;Die Schellenberger h\u00e4tten vielleicht mein Knallen geh\u00f6rt &#8230; Es ist besser, wir gehen.&#8220; So blieb unser t\u00e4glicher Gang nur ein seliges Gef\u00fchl des Pirschens.<\/p>\n<p>Aber einmal hat unser Paulus doch losgedr\u00fcckt. Und das kam so:<\/p>\n<p>Vom oberen Gangfenster unseres Hauses entdeckte er in den Tannen gegen\u00fcber am Abhang eine Menge von l\u00e4rmenden Raben. Schnell nahm er seine rostige Flinte, aber leider, seine einzige Patrone war wieder ohne Pulver. Nur eine leere H\u00fclse war zur Hand. Eilig stopfte er sie voll Pulver, voll bis obenhin &#8211; das Stopfen war ja seine Lieblingsbesch\u00e4ftigung von seiner Pfeife her. Dann legte er an, &#8222;Und weil die Raben immer noch l\u00e4rmten, dr\u00fcckte er wirklich los. Ein Krach wie von einer Kanone donnerte durchs ganze Pfarrhaus: die Patrone war zu stark geladen. Unten im Haus gingen die T\u00fcren auf; aus der einen kam die besorgte Kreszenz, aus der anderen die vorwitzige Marie. (Beide waren die Cousinen von P. Jussel.) Da sie nichts weiter entdecken konnten, zogen sie beruhigt ab. Ob von den Tannen etwas heruntergefallen ist, wei\u00df man nicht, denn auch unserem Paulus war der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Knall durch Mark und Bein gefahren. Seit dieser Zeit, seit diesem einmaligen Schu\u00df blieb die alte Donnerb\u00fcchse verschollen und ward nie mehr gesehen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Um so mehr kam jetzt das Ausarbeiten der neuen Predigten an die Reihe. So war das Tagewerk neben den Religionsstunden in der Schule mit heiliger Arbeit ausgef\u00fcllt. Wenn dann nach Sonnenuntergang vom nahen Kloster her die Glocken l\u00e4uteten, ging man hin\u00fcber zur kurzen Andacht und zum Segen. Danach waren wir zu gem\u00fctlicher Unterhaltung in der Wohnstube gemeinsam versammelt. Wenn dann P. Paul mich aufforderte: &#8222;Adal, geh&#8216; ans Klavier!&#8220;, dann sangen wir nicht nur die so lustigen Lieder &#8222;In dem sch\u00f6nen Land Chinesien&#8220; und ,,0 Isabella, bella Margerita&#8220;, sondern auch in mehrstimmigem Satz das ewig sch\u00f6ne Lied &#8222;Die Uhr&#8220;.<\/p>\n<p>Ich glaube, an jenen Abenden gab es im ganzen L\u00e4ndchen keine gl\u00fccklicheren Menschen als wir fr\u00f6hliche Gotteskinder auf dem Schellenberg.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1960, S. 19-22 (5. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (5. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Wohl jeder Priesteramtskandidat wartet mit heiliger Ungeduld auf den Tag seiner Einkleidung, da er das Kleid des katholischen Priesters f\u00fcr immer anlegen darf.<\/p>\n<p>Diese gl\u00fcckliche Stunde hat auch mir geschlagen; es war am Tage, da der gute alte P. Jakobus seine Primiz feierte, die erste Primiz im Xaveriushaus. Wir beide hatten darum unseren gro\u00dfen Festtag. Einkleidung und Primiz geh\u00f6ren eigentlich zusammen: sie sind wie ein Anfang und sein Ende, wie der Beginn und die Vollendung zum Priestertum,<\/p>\n<p>Das priesterliche Kleid, der Talar, war mir, neben der Stola, immer der Inbegriff des au\u00dferordentlich Sch\u00f6nen und Begehrenswerten. Seit fr\u00fchester Jugend wartete ich darauf. Und nun kam eines Tages eine geschickte Hand und verfertigte mir mein erstes Priesterkleid. Die Freude dar\u00fcber hat mich bis in\u00a0 die Tr\u00e4ume hinein verfolgt.<\/p>\n<p>So trat ich nun an jenem Tage an die Stufen des Altars, noch bevor das Primizamt begann. Nun segnete P. Superior Jussel &#8211; damals wurde er noch Superior genannt &#8211; Talar und Gingulum und \u00fcberreichte sie mir mit den Worten: &#8222;Nimm hin das geweihte Kleid und trage es w\u00fcrdig, damit du einst zu den Auserw\u00e4hlten Gottes eingereiht werdest.&#8220; Dann nahm er mir noch das Versprechen der Treue zur Kongregation ab. So war ich ein anderer Mensch geworden und mit keinem in der Welt h\u00e4tte ich getauscht. Das Tedeum laudamus, das dann alle sangen, war die Grundstimmung meiner Seele.<\/p>\n<p>Nun war ich Mitglied der Kongregation und malte mit ganzer Bed\u00e4chtigkeit die Buchstaben C. PP. S. hinter meinen Namen. Ich glaube, es war ein Brief in die Heimat, auf dem zum ersten Male diese Zeichen prangten. Nicht minder froh war P. Gregory Jussel auf den neuen Zuwachs seiner werdenden Provinz: wieder ein Priester und wieder ein Theologe f\u00fcr seine kleine Schar des Anfangs. &#8211; An den Werktagen der Sorgen hatte P. Gregory immer einen hinkenden Gang. Sein linker Fu\u00df war n\u00e4mlich seit vielen Jahren durch irgendeinen Unfall ein wenig verk\u00fcrzt. Aber an diesen Festtagen hat die Freude ihm den Fu\u00df so sehr befl\u00fcge1t, da\u00df alles Hinken pl\u00f6tzlich verschwunden war.<\/p>\n<p>Nun begann f\u00fcr mich auch ein neues Studium, die Wissenschaft der Hochschule; ich sollte zur &#8222;Alma mater&#8220;, zur Universit\u00e4t nach Innsbruck reisen. So packte ich meinen kleinen Koffer, sagte allen ein freudiges Ade und bestieg den Arlbergexpre\u00df.<\/p>\n<p>Meine Gedanken flogen einer sch\u00f6nen Zukunft entgegen. Es war meine erste<\/p>\n<p>und unverge\u00dfliche Fahrt den Arlberg hinauf und hinab ins Tirol, Ich stand am offenen Fenster und trank die stets wechselnden Bilder des wuchtigen Panoramas in meine Seele hinein. &#8211; Schon als Junge war das offene Fenster der Eisenbahn f\u00fcr mich das herrlichste Kino. Und nun erst hier diese Alpenwelt!<\/p>\n<p>Zuerst gings wie im Anlauf durch die sanft ansteigende Ebene bis Bludenz.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>Dann tauchten die beiden Loks &#8211; damals noch idyllischer Dampfbetrieb &#8211; den Bergen entgegen: ratternd \u00fcber kleinere Br\u00fccken, dann kriechend unter den Lawinenschutzd\u00e4chern hindurch. Wie oft sah ich hinab in schwindlige Tiefen, die immer tiefer wurden und hinauf in schwindelnde H\u00f6hen, denen wir entgegenjagten. Dann wieder verschwand der gro\u00dfe Regenwurm in den L\u00f6chern . der Felsw\u00e4nde, um nach wenigen Sekunden wieder einen neuen Blick auf Zinken und Zacken zu er\u00f6ffnen. &#8211; Und dann kam der lange Tunnel durch den Arlberg, so lang, da\u00df man einen ganzen Rosenkranz beten konnte. In der tiefen Dunkelheit blitzte alle hundert Meter eine Lampe vorbei, als ob sie den Rhythmus der Ave angeben m\u00fc\u00dfte. &#8211; Als es dann wieder sonnenhell wurde, waren wir in Tirol.<\/p>\n<p>Tirol &#8211; das Wort mit den klingenden Buchstaben, wie geschaffen, um das Echo der Felsw\u00e4nde zu wecken. &#8222;Tirol&#8220; war schon in meiner Kindheit das Phantasiewort fremder, sch\u00f6ner L\u00e4nder. Wie gerne sangen wir doch seine Lieder: &#8222;Zillertal, du bist mei Freud \u2026&#8220;, &#8222;Die Tiroler sind lustig &#8230;\u201c, &#8222;Tirol, du bist mein Heimatland &#8230; &#8222;. Ohne die sangesfreudigen Zillertaler w\u00e4re wohl auch das &#8222;Stille Nacht, heilige Nacht&#8220; in seinem D\u00f6rflein steckengeblieben. &#8211; Mein Vater hatte mir von einem Andreas Hofer erz\u00e4hlt, dessen Lied wir Buben schmetterten, und meine Mutter von einem Dacherl, das ganz aus Gold w\u00e4re. Das &#8222;alles klang so he1denk\u00fchn und m\u00e4rchenhaft sch\u00f6n. &#8211; Jetzt war ich in diesem Land, dem heiligen Land Tirol.<\/p>\n<p>Der Zug raste mit doppelter Geschwindigkeit \u00fcber seinen eisernen Weg, es ging ja hergab. Das Andante der R\u00e4der war zu einem Prestissimo geworden. Nur als es \u00fcber die unglaublich hohe Trisannabr\u00fccke ging (die Trisanna vereinigt sich mit der Rosanna zur Sanna), zog der Lokf\u00fchrer seine Bremsen noch starker an; denn ein Sprurng in diese Tiefe w\u00e4re doch zu gewagt gewesen. &#8211; Als wir dann an der Martinswand vorbeifuhren, suchte ieh die be-<\/p>\n<p>&lt; Bild&gt; Grotte in der Martinswand.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&lt;Bild Das Goldene Dachl in Innsbruck&gt;<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>&lt;Bild Andreas Hofer&gt;<\/p>\n<p>r\u00fchmte H\u00f6hle mit ihrem verwitterten Kreuz zu entdecken, wo weiland Kaiser Maximilian durch den Segen mit dem Allerheiligsten gerettet worden sein soll. -Und jetzt kamen in der Feme die T\u00fcrme und Giebel der alten Hauptstadt am Inn. Noch eine kurze Geduld, und wir waren in Innsbruck. Ich sprach noch ein &#8222;Gott walte es!&#8220; und stieg aus.<\/p>\n<p>Das neue Leben konnte beginnen.<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1961, S. 19-21 (6. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0(6. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Nun war ich in der Hauptstadt Tirols, &#8222;im sch\u00f6nen Innsbruck am gr\u00fcnen Inn&#8220;, der Stadt der Wissenschaft, der St\u00e4tte der Priesterbildung.<\/p>\n<p>Da jeder Studiosus zu Beginn seines ersten Semesters gen\u00fcgend Zeit hat, seine Musenstadt kennenzulernen, konnte auch ich mich nun diesem &#8222;akademischen Gesetze&#8220; hingehen. Innsbruck bietet ja gen\u00fcgend an Wissenswertem. Nat\u00fcrlich begann ich mit den Kirchen, den gro\u00dfen und den kleinen.<\/p>\n<p>Die Stadtpfarrkirche St. Jakob (1717-22) gilt als die bedeutendste Kirche des Barock in Nordtirol. Ihr Muttergottesbild von L. Cranach ist zum Urbild der Tiroler Madonnen geworden. &#8211; Vor den Toren Innsbrucks, bei der Abzweigung der gro\u00dfen Heeresstra\u00dfe der alten R\u00f6mer, errichteten die Legionen des Kaisers das Soldatenlager Veldidena. Dort entstand nun Wilten, das weitbekannte Pr\u00e4monstratenserstift.<\/p>\n<p>Unverge\u00dflich bleibt mir aber mein erster Besuch der Hofkirche, vom Volk &#8222;Schwarz-Mander-Kirche&#8220; gehei\u00dfen,<\/p>\n<p>Es war an einem Sonntagmorgen. Ich entdeckte die Portale eines Gotteshauses. Wie ich eintrat, stand ich pl\u00f6tzlich vor einer Galerie gro\u00dfer, dunkler Bronzegestalten. Von einem Altar war nichts zu sehen. Daf\u00fcr stand inmitten des Raumes, von einer Volksmasse dicht ausgef\u00fcllt, ein gro\u00dfes Monument mit kunstvollen Figuren. Statt in eine Kirche, sah ich mich in ein Museum hineinversetzt. Als aber ein m\u00e4chtiges Blasorchester einsetzte, vermutete ich, in einen Konzertsaal geraten zu sein, bis endlich ein fernes &#8222;Ite missa est&#8220; wieder ein Gotteshaus entstehen lie\u00df. Also doch eine Kirche, und zwar die Hofkirche! Das Pontifikalamt war zu Ehren der hier ruhenden Landeshelden so festlich begangen worden.<\/p>\n<p>Innsbruck ist ohne seine Hofkirche undenkbar. Sie hat gro\u00dfe Geschichte. In ihr trat 1655 die Tochter Gustav Adolfs zum Katholizismus \u00fcber, eine Tatsache, die besonders auch heute wieder eine sehr aktuelle Frage aufwirft. (Das Interesse verpflichtet mich, jener ber\u00fchmten Frau, die selbst im Petersdom ein schlichtes Denkmal erhalten hat, einen eigenen Artikel zu widmen.) &#8211; Die Hofkirche birgt jene erzenen Standbilder kaiserlicher Ahnen, die vor 450 Jahren Kaiser Maximilian I. hat gie\u00dfen lassen. Hier hat auch er sein Grabmal gefunden, das wohl als das gr\u00f6\u00dfte deutsche Kaisergrab gilt.<\/p>\n<p>Was Innsbruck au\u00dfer seinen Kirchen so bekannt gemacht, ist vor allem seine weitger\u00fchmte Hauptstra\u00dfe, die Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Sie gilt als eine der sch\u00f6nsten Europas. &#8211; Wie freute ich mich, als ich inmitten dieser Weltstra\u00dfe das sch\u00f6ne Denkmal der Muttergottes sah, hoch oben auf der Annas\u00e4ule.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>&lt;Bild Innsbruck, Marla-Theresien-Stra\u00dfe&gt;<\/p>\n<p>Wo die Altstadt beginnt, beginnen auch jene hohen, oft bunt bemalten H\u00e4user mit ihren grazi\u00f6sen, durch s\u00e4mtliche Stockwerke laufenden Erker, mit den Spaletten, diese f\u00fcr Innsbruck. charakteristischen Fensterl\u00e4den, mit den mittelalterlichen Aush\u00e4ngeschildern und Wappen \u00fcber den Laubeng\u00e4ngen, die schlie\u00dflich zum Goldenen Dachl hinabf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das ganze Bild dieser Weltstra\u00dfe wird von den Schrofen der Nordkette des Karwendelgebirges \u00fcberragt und abgeschlossen, Die Geschichte des Goldenen Dachls ist bald berichtet: Man erz\u00e4hlt, der Herzog Friedrich mit der leeren Tasche h\u00e4tte dieses Dachl ganz aus Gold herstellen lassen, um zu zeigen, da\u00df seine Taschen doch nicht so leer seien. In Wirklichkeit aber stammt dieses Kunstwerk von Kaiser Maximilian I., der um 1500 anl\u00e4\u00dflich seiner Hochzeit mit Blanca von Sforza es als Zuschauerloge hat erbauen lassen.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&lt;Bild Bronzestatuen in der Hofkirche&gt;<\/p>\n<p>Kaiser Maximilian, wie \u00fcberhaupt die damalige Zeit, hatte noch Mu\u00dfe f\u00fcr beschauliche Sch\u00f6nheit und ruhige Feinarbeit. Sie schufen Werke, die auch Jahrhunderte bewundern.<\/p>\n<p>Diese guten alten Zeiten der h\u00f6fischen Romantik sind heute verschwunden. Uns ist \u00fcbrig geblieben nur die Geschichte und das Andenken an jene Zeiten, die so gern die goldenen genannt werden.<\/p>\n<p>Es gibt also wirklich ein &#8222;sch\u00f6nes Innsbruck am gr\u00fcnen Inn&#8220;.<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 35. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1961, S. 18-21 (7. Fortsetzung).<\/p>\n<p>&lt;Bild Theologenkonvikt \u201eCanisianum&#8220; in lnnsbruck&gt;<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0(7, Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Das Studium des werdenden Priesters ist &#8211; objektiv betrachtet &#8211; das sch\u00f6nste Studium, das es \u00fcberhaupt geben kann. Die anderen Wissenschaften greifen zu Irdischem, die Theologie aber zum H\u00f6chsten.<\/p>\n<p>Damit der Theologe seinen Beruf nicht verliere, zieht er sich zwischen die stillen W\u00e4nde eines Seminars zur\u00fcck. Hier ist seine Klause, seine Heimat, doch auch sein Kampffeld f\u00fcr hartes M\u00fchen.<\/p>\n<p>Das Canisianum in Innsbruck, in dem ich nun wohnte, hat eine internationale &#8222;Belegschaft&#8220; aus aller Herren L\u00e4ndern: gem\u00fctliche Bayern und kernige Norddeutsche, sangesfr\u00f6hliche Osterreicher, ernste Schweizer und lebhafte Ungarn. Selbst Japan hat seine katholischen Studenten gesandt. (Eine der ersten Fragen, die wir an die S\u00f6hne Nippons stellten, war die, wie in Japan die H\u00e4hne kr\u00e4hen. &#8222;Kokoriko!&#8220; war ihre Antwort.) Am interessantesten aber war das gro\u00dfe Rudel der Amerikaner. Ihr Geheul in der Freizeit konnte man fast bis zum obersten Stock hinauf h\u00f6ren. &#8222;Der Urwald br\u00fcllt, die Indianer kommen&#8220;, war unser knappes Urteil. Und dies alles im Spiel mit ihrem kleinen Kinderball, den sie nun schon jahrelang an die Wand werfen und zur\u00fcckschlagen. &#8211; In den meisten Amerikanern steckt noch viele unschuldige Kindlichkeit.<\/p>\n<p>Doch von all diesen Hunderten von Theologen und Priestern, die ich hier kennenlernte, habe ich am meisten einen aus Sachsen gesch\u00e4tzt &#8211; ein idealer Priester. Mit welcher Begeisterung konnte er erz\u00e4hlen, da\u00df soundso viele Ewige Lichter in seiner protestantischen Heimat wieder neu entz\u00fcndet werden konnten. Mit welch sichtlicher Freude sprach er von den strammen Katholiken mitten in religi\u00f6s kalten Gegenden. Und dieser ideale Priester war kein anderer als der Kronprinz Georg von Sachsen. Stets ein freundlicher, zuvorkommender Mensch, der Auge und Herz vor allem f\u00fcr die stillen und kleinen Leute hatte! &#8211; Nur einmal sah ich ihn sehr ernst, als n\u00e4mlich ein Theologe aus Papier eine Bischofsmitra faltete und sie ihm unbemerkt auf den Kopf setzen wollte. &#8211; Ein Jahr sp\u00e4ter traf ich ihn noch einmal in Feldkirch, und 10 Jahre darauf ist er heimgekehrt zum Ewigen Hohenpriester.<\/p>\n<p>Die Zeit des theologischen Studiums ist eine sch\u00f6ne Zeit, wenn man auch, mit heiliger Ungeduld auf die Weihen wartet, die zum Priestertum hinauff\u00fchren.<\/p>\n<p>Die erste Weihestufe ist die Tonsur, bei der der Bischof dem Kandidaten an f\u00fcnf Stellen des Hauptes einige Haare abschneidet. Bischof Waitz war es jedoch gewohnt, dem Lockenschopf des jungen Mannes geh\u00f6rig in die Wolle zu geraten.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>Durch die Tonsur wird man in den Klerikerstand aufgenommen und hat dadurch Anteil an dessen Privilegien.<\/p>\n<p>Die Tage des Studiums fliegen dahin, besonders wenn sie randvoll ausgef\u00fcllt sind von Vorlesungen der verschiedensten Disziplinen. Und was mu\u00df man heute nicht alles lernen, um Gott und seine Kirche verteidigen zu k\u00f6nnen! Die Philosophie der alten und der neuen Denker, die Kosmologie und Psychologie, die Logik und Ethik. Und dann erst das weite Fachgebiet der Theologie! In der Kirchengeschichte lernt man das Auf und Ab des<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>Schiffleins Petri im Meer der zwei Jahrtausende. Durch das Kirchenrecht wird das friedliche Leben in diesem Schifflein genau geregelt. Es werden die alten Sprachen studiert, die zur Zeit Christi gesprochen wurden, damit man das Wort Gottes in seinem Urtext verstehen und sch\u00e4tzenlerne. Die Moral steigt in die Niederungen menschlicher Unzul\u00e4nglichkeiten hinab, um dort zu helfen und zu lenken, w\u00e4hrend die Dogmatik sich hinaufwendet, um das G\u00f6ttliche zu verstehen und zu erkl\u00e4ren. Wenn nun das Studium der Liturgie beginnt, wei\u00df man, da\u00df die Tage der Priesterweihe nicht mehr ferne sind.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wird auch der junge Redner sich f\u00fcr sein Predigtamt zu schulen trachten, denn auch hier hei\u00dft es: fr\u00fch \u00fcbt sich, was ein Meister werden m\u00f6chte, besonders aber, wer ein Volksmission\u00e4r werden will.<\/p>\n<p>Im Seminar hatte ein kleiner Kreis von Theologen unter sich einen Predigerzirkel eingerichtet, in dem man mit jugendlicher Begeisterung sich gegenseitig anpredigen konnte. Als nun auch ich hier zu Worte kommen sollte, verschaffte ich mir eine Predigt, die seinerzeit P. Paul bei einer Erstkommunionfeier in Liechtenstein gehalten und dort gro\u00dfen Widerhall gefunden hatte. Die lernte ich nun auswendig, stieg dann auf die kleine Kanzel inmitten dieser jugendlichen Kritiker und Kritikaster und lie\u00df voller Begeisterung meine erste Predigt herunter. Und der Erfolg: sie haben mich ausgelacht, regelrecht ausgelacht, und auch ich mu\u00dfte schlie\u00dflich mitlachen. So ergeht es uns leider manchmal, da im Lehen die Extreme oft so nahe beisammen wohnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lie\u00df ich mich nicht entmutigen, sondern machte mich nun daran, die gro\u00dfe, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmte Predigt auszuarbeiten. Jeder Seminarist mu\u00dfte n\u00e4mlich im Speisesaal vor allen hundert Zuh\u00f6rern w\u00e4hrend des Essens eine Predigt halten. Daher erhielt sie den Namen &#8222;Kartoffelpredigt&#8220;. Hier nun bem\u00fchte sich jeder Redner, sein Bestes zu geben und aus dem Innersten seiner \u00dcberzeugung zu sprechen. Was Wunder, wenn ich als C. PP. S.-Theologe mein Thema formulierte: &#8222;Liebe und S\u00fchne ist am h\u00f6chsten im Kostbaren Blute zu finden.&#8220; Diese Idee war f\u00fcr mich riskant, da ja gerade hier im Canisianum die Verehrung des Herzens Jesu als der Inbegriff von Liebe und S\u00fchne galt. Und nun will ich, ein jugendlicher Anf\u00e4nger, mich erk\u00fchnen, das Kostbare Blut noch h\u00f6her zu stellen! &#8211; Und der Erfolg: schon wieder hatte ich bei dieser kritischen Jugend in ein Wespennest gestochen. Selbst mit Ketzern und Irrlehrern wollten sie mich vergleichen. (Nat\u00fcrlich war ihr Urteilen nie b\u00f6se gemeint, sondern immer in kameradschaftlichem Wohlwollen.)<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag aber sagte der Professor der Homiletik (Predigtkunde) vor allen H\u00f6rern in seiner Vorlesung: &#8222;Gestern mittag h\u00f6rte ich eine Predigt \u00fcber das Kostbare Blut. Sie hat mir recht gefallen, der junge Prediger hat es gut gemacht. Ich gratuliere ihm!&#8220;<\/p>\n<p>Nun war mein Mut noch gr\u00f6\u00dfer geworden. Ich dankte Gott.<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. \u00be, September-Oktober 1961, S. 21-24 (8. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (8. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Die erste Predigt meines Lebens &#8211; die ich, wie schon berichtet, im Theologenkonvikt zu Innsbruck gehalten &#8211; konnte keine andere sein als eine \u00fcber das Kostbare Blut.<\/p>\n<p>Nun habe ich in einem alten Koffer, der schon jahrzehntelang geruhsam unter dem Dachboden schl\u00e4ft, das Konzept dieser Erstlingspredigt wiedergefunden. Die Bl\u00e4tter fangen schon an zu vergilben, doch der Inhalt ist mir um so lieber geworden. Denn jeder Priester hat seine ersten &#8222;Liebesbriefe an Gott&#8220;, die er sorglich aufbewahrt.<\/p>\n<p>Hier nun die erste Predigt, gehalten zu Innsbruck vor 37 Jahren:<\/p>\n<p>.Parce, Domine &#8211; Schone, o Herr, schone Deines Volkes, das Du mit Deinem Kostbaren Blute erl\u00f6st hast!&#8220;<\/p>\n<p>Meine lieben Christen!<\/p>\n<p>La\u00dft uns heute die Erhabenheit des Kostbaren Blutes betrachten, um uns zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Verehrung desselben zu entschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Meine Predigt gliedert sich in folgende Gedanken:<\/p>\n<p>1. Das Kostbare Blut ist Ziel und Mittel des Erl\u00f6sers.<\/p>\n<p>2: Seine Vergie\u00dfung hat dem Erl\u00f6ser die gr\u00f6\u00dften Opfer gekostet.<\/p>\n<p>3. Alle Fr\u00fcchte unseres Heiles kommen aus dem Kostbaren Blut.<\/p>\n<p>Meine lieben Christen!<\/p>\n<p>Gro\u00dfe M\u00e4nner haben stets ein Hauptziel vor Augen und dieses Ziel verfolgen sie \u00fcberall, denn es ist ihr Hauptzweck, ihre Lebensaufgabe.<\/p>\n<p>Dem einen schwebt eine hohe Staatsidee vor, der andere tr\u00e4umt von den\u00b7 Luftschl\u00f6ssern eines herrlichen Schauspiels, das seinem Namen ein ewiges Denkmal setzen soll. Der eine verfolgt eine einzige geniale Erfindung, der andere wieder findet seine Lebensaufgabe in der Eroberung der Heidenwelt f\u00fcr Jesus Christus, seinen Herrn.<\/p>\n<p>Doch welches ist die Lebensaufgabe des Gr\u00f6\u00dften aller Gro\u00dfen? Welches Ziel lie\u00df den Besten aller Guten Tag und Nacht unerm\u00fcdlich sein? &#8211; Ach, es war die Tat, die er so treffend auszudr\u00fccken wu\u00dfte in seinem Gleichnis vom verlorenen Sohne: die Wiedererl\u00f6sung, der Menschheit durch die Vergie\u00dfung seines Kostbaren Blutes. Das war der Plan der g\u00f6ttlichen Weisheit vom Anbeginn der Ewigkeiten her gefa\u00dft. Die Erl\u00f6sung durchs Kostbare Blut, das war der Emanuelsruf der V\u00f6lker seit ihrem S\u00fcndenfalle. Doch die leichte Menschheit hat es vergessen, da\u00df die Vergie\u00dfung des Kostbaren Blutes der h\u00f6chste Zweck der Menschwerdung Gottes war. &#8211; Was also dem ewigen Gott als das Wichtigste erschien, das darf dem Menschen nicht als Nebensache erscheinen.<\/p>\n<p>Zweitens: Aber auch noch von einer anderen Seite her ist das Kostbare Blut der verehrungsw\u00fcrdigste Gegenstand unserer Andacht. Nicht allein der tiefste Plan der Dreieinigkeit ist die Erl\u00f6sung, sondern sie forderte auch die gr\u00f6\u00dften Opfer von Gottes Sohn.<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>Wer mi\u00dft den Kummer, den er durchgemacht von der fr\u00f6hlichen Stunde seiner Geburt bis zum d\u00fcsteren Tag am \u00d6lberg! Doch als er hindurchging durch die dunkle Nacht der Passion, da rann das Blut ihm \u00fcber Stirn und Augen wie ein roter Schleier. Unter der w\u00fcsten Dornenkrone schimmerte ein Band von rubinroten Perlen. Ein Mantel, aus Blut gestickt, umgab dort bei der Geisels\u00e4ule die heiligen Glieder. Ha\u00df und Wut trieb N\u00e4gel hinein in H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe &#8211; Heilandsliebe pre\u00dfte das Liebste hinaus, das Sch\u00f6nste, was er zu geben hatte: sein Kostbares Blut. Nicht der Verrat zweier Apostel, nicht der tiefe Undank der Menschen lie\u00df das g\u00f6ttliche Herz stillstehen, nein &#8211; ans Kostbare Blut war das Gottesleben gekn\u00fcpft, wie ja durch dessen Vergie\u00dfung ein Gott im Tode starb.<\/p>\n<p>O s\u00fc\u00dfes Herz Jesu, was hat dich zum Mittelpunkt der ganzen menschlichen Liebe gemacht? Dein Blut, dein Herzblut war es, das hervorquoll aus der klaffenden Wunde zum Zeichen deiner unendlichen Liebe.<\/p>\n<p>Als der g\u00f6ttliche Weinstock unter der Kelter menschlichen W\u00fctens am Verbluten war, da durchzitterte der Schreckensruf, ja der Freudenruf die Luft: &#8222;Es ist vollbracht!&#8220; Und von da an blutet es weiter &#8211; t\u00e4glich, st\u00fcndlich &#8211; von Gottes Thron auf Menschen und Altar. Ist also nicht auch schon deshalb das Kostbare Blut so verehrungsw\u00fcrdig. weil es von unserem lieben Heiland die gr\u00f6\u00dften und schmerzlichsten Opfer forderte? Darum, liebe Christen, seid \u00fcberzeugt: wenn die von Gott gewollte Rangordnung bewahrt werden soll, so mu\u00df die Andacht zum Kostbaren Blute die h\u00f6chste sein und bleiben.<\/p>\n<p>Drittens: Nun ist es auch klar, da\u00df von dem, was ein Gottessohn selbst unter Hingabe seines Lebens anstrebte, da\u00df von diesem die gr\u00f6\u00dften. Gnaden, ja alle Gnaden flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich kenne ein Bild droben in den Alpen in einem kleinen Felsenkirchlein. Dieses Gem\u00e4lde stellt die Erde dar, und zu beiden Seiten knien zwei Heilige, die ihre H\u00e4nde flehend, ja wie abwehrend \u00fcber diese Erde halten. Dar\u00fcber sieht man den erz\u00fcrnten Gott aus den Wolken hervortreten, um mit einem dreifachen Blitzstrahl die s\u00fcndige Welt zu zerschmettern. Doch darunter stehen die Worte: &#8222;Parce, Domine \u2026 Schone, o Herr, schone Deines Volkes, das Du erl\u00f6st hast mit Deinem Kostbaren Blute!&#8220; Und der Herr verschonte die Erde um seines Kostbaren Blutes willen &#8211; verschont sie auch heute noch um seines Blutes willen.<\/p>\n<p>Doch nicht nur vom Verderben verschont, sondern sogar vom Guten \u00fcberh\u00e4uft werden Gottes Gesch\u00f6pfe. Wer z\u00e4hlt die Strahlen, die t\u00e4glich niederleuchten von der Sonne der Alt\u00e4re ins dunkle Herz der S\u00fcnder zur Bekehrung, wie in die frohe Seele der Gerechten zum Ausharren. Und ein einziger Tropfen des Erl\u00f6serblutes h\u00e4tte gen\u00fcgt, uns alle diese Gnaden zu erwerben. Welcher Wert, welch himmelhoher Wert!<\/p>\n<p>Ist es also zuviel behauptet, wenn ich sage&#8216;: Das Kostbare Blut ist<\/p>\n<p>1. der Hauptzweck der Menschwerdung Christi;<\/p>\n<p>2. es hat ihm die gr\u00f6\u00dften Opfer, selbst das Leben, gekostet,<\/p>\n<p>3. es allein ist der unaussch\u00f6pfliche Born, aus dem alle Gnaden flie\u00dfen.<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>Was w\u00e4re also verehrungsw\u00fcrdiger als das Kostbare Blut? Ich k\u00f6nnte euch Zeugnisse anf\u00fchren \u00fcber die Hoheit des Blutes Christi, angefangen vom gr\u00f6\u00dften Verehrer, seinem Herold, dem heiligen Paulus, bis hinab ins letzte Jahrhundert zum Stifter der Mission\u00e4re vom Kostbaren Blute, dem seligen Gaspar deI Bufalo.<\/p>\n<p>Heute hat man leider mehr oder weniger zur\u00fcckgesetzt den hohen Kaufpreis unserer Erl\u00f6sung. Dem triumphierenden Heiland will man lieber nachfolgen als dem leidenden. Vom g\u00fctigen Vaterherzen nur Gutes erwarten, allzusehr erwarten, das tut man lieber, als das Kreuz der Leidensnacht auf sich zu nehmen und den Blutspuren Jesu Christi nachzufolgen, die doch schlie\u00dflich hinf\u00fchren zum Morgenrot eines nie endenden Tages &#8230;<\/p>\n<p>(Soweit diese meine erste Predigt. Leider ist das Blatt mit dem Schlu\u00df, der der H\u00f6hepunkt der Predigt war, nach diesen vielen Jahren mir verloren gegangen. Schade!) &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Auch einige Gedichte. aus jenen Zeiten entdeckte ich im alten Koffer.<\/p>\n<p>Wie sonderbar denkt man doch in der Jugend! Der Wunsch, seine Ideen in m\u00f6glichst sonderbare Formen zu kleiden, dr\u00e4ngt viele dazu, den Pegasus zum Dichten zu besteigen. Verse mit \u00dcbertreibungen, leichter Ironie und \u00dcberf\u00e4lligem werden in Kn\u00fcttelreime getrieben. Je kurioser und witzhafter, desto besser. So ist die Jugend, so wird sie immer bleiben. Auch ich war so.<\/p>\n<p>Eines dieser Gedichte war zum Beispiel an die Lieben zu Hause gerichtet.<\/p>\n<p>Drum kaum zur\u00fcckgekehrt von gro\u00dfen M\u00fchen,<\/p>\n<p>wie sie bei Saarlands hohen Schloten wachsen,<\/p>\n<p>da geht das Schuften an in allen Fr\u00fchen<\/p>\n<p>bei mir, dem Armen, wie beim Prinz von Sachsen.<\/p>\n<p>Und ist es auch von den Semestern letztes,<\/p>\n<p>gleich wie die letzte Kraft nach hei\u00dfem Tag,<\/p>\n<p>so lautet drum der eherne Spruch: o sch\u00e4tz es,<\/p>\n<p>wer wei\u00df, wieviel es dir noch bringen magl<\/p>\n<p>So ging ich hin, den letzten Schritt zu wagen,<\/p>\n<p>in der Semester j\u00fcngstes just hinein;<\/p>\n<p>was hilft&#8217;s, ob fr\u00f6hlich sein, ob klagen:<\/p>\n<p>es mu\u00df, es mu\u00df erk\u00e4mpfet sein!<\/p>\n<p>Und um mich her, das braust und rinnet<\/p>\n<p>von Alma maters weisen H\u00f6hn<\/p>\n<p>der Weisheit Strom, indes die Spinne spinnet<\/p>\n<p>ihr Netz so kunstvoll und so sch\u00f6n.<\/p>\n<p>\u201eWas k\u00fcmmert dich der Spinne Schaffen &#8211;<\/p>\n<p>sie tut ihr Werk von Gott bestellt &#8230; !<\/p>\n<p>Du tu&#8216; der Weisheit Goldkorn raffen,<\/p>\n<p>da\u00df K\u00f6nnen sich an deine Seit gesellt!&#8220;<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>Bald hei\u00dft&#8217;s f\u00fcr immer: Lebe wohl,<\/p>\n<p>o Alma mater, stolze Zinnen,<\/p>\n<p>da\u00df ich von dir jetzt scheiden soll \u2026!<\/p>\n<p>o la\u00df mich dich von fern noch minnen.<\/p>\n<p>So hei\u00dft&#8217;s nun: alle Kraft zusammen!<\/p>\n<p>Und jedes Winkelchen der Zeit<\/p>\n<p>soll helfen mit den Bogen spannen,<\/p>\n<p>da\u00df Geistesblitze tragen weit!<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>&lt;Bild mit knieendem Geistlichen und Unterschrift: &#8222;Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf!&#8220; &gt;<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1961, S. 25-27 (9. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0 \u00a0(9. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nste Zeit im Leben des werdenden Priesters ist jene, in der er die sieben Stufen der Priesterweihe hinaufsteigen darf. Die entscheidendste von diesen ist das Subdiakonat, da es der am meisten bindende Schritt des Priestertums ist.<\/p>\n<p>Noch nie habe ich an meiner Berufung zum Priestertum gezweifelt. Doch am Vorabend zur Subdiakonatsweihe hat mir das Herz so m\u00e4chtig gepocht; denn heute noch frei, morgen gebunden f\u00fcr ewig! Dann sprach ich entschieden das Ja und habe es niemals bereut.<\/p>\n<p>Die Weihen in Tirol und Vorarlberg hat damals Bischof Waitz vorgenommen.<\/p>\n<p>Bischof Waitz, ein geb\u00fcrtiger Tiroler, war ein Gottesmann von Format. Doch hat er seinen Landesdialekt niemals ganz ablegen k\u00f6nnen; ein \u201e\u00fc&#8220; hat er immer als &#8222;i&#8220; ausgesprochen. Wegen seiner Aussprache erz\u00e4hlte man sich darum so manche Anekdoten. So sagte er zum Beispiel vor katholischen Schauspielern: &#8222;Ich, euer Bischof, m\u00f6chte heute \u00fcber die \u201aKatholische B\u00fchne&#8216; sprechen.&#8220; Die Zuh\u00f6rer aber verstanden: &#8222;Ich, eier Bischof, mechte heite iber die ,Katholische Biene&#8216; sprechen.&#8216; Zu den Studenten in Feldkirch sagte er: &#8220; &#8230; und der Sohn trug die Ziege seines Vaters.&#8220; Gemeint waren nat\u00fcrlich &#8222;die Z\u00fcge seines Vaters&#8220;. &#8211; Und dennoch war Bischof Waitz ein gern geh\u00f6rter Redner.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Weihen, die ich von ihm erhielt, Diakonat und Presbyteriat, waren schlie\u00dflich das ersehnte Ziel langer Jahre und gro\u00dfer M\u00fchen.<\/p>\n<p>Zu dem Ergreifendsten in unserer Kirche geh\u00f6rt sicherlich die Priesterweihe. Noch einmal wird der ganze Himmel best\u00fcrmt in der Allerheiligenlitanei, w\u00e4hrend der Weihekandidat sich flach auf den Boden der Kirche hinwirft. Eine innigere Gebetsstellung gibt es nicht. Dann steht er auf, geht hinauf zum Bischof, kniet sich vor ihm hin und empf\u00e4ngt das Sakrament der Priesterweihe durch die Handauflegung. Nun kommen auch alle \u00fcbrigen anwesenden Priester und legen ihm die H\u00e4nde auf. &#8211; Ergreifend sch\u00f6n die Zeremonien, und unbegreiflich hoch das Amt! Nun war ich geworden ein Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute.<\/p>\n<p>Den ersten Primizsegen erbittet sich der Bischof selber.<\/p>\n<p>Die Einladungen zur Primiz hatte ich nat\u00fcrlich schon zeitlich vorher erledigt. Zuerst der Presbyterassistent. Dieses Amt geb\u00fchrte nat\u00fcrlich unserem lieben Deddi, dem Provinzial P. Jussel. Das waren stets seine gr\u00f6\u00dften Lebensfreuden. Dann der Primizprediger. Nat\u00fcrlich wandte ich mich daf\u00fcr an P. Paul, der ja wenige Jahre zuvor am gleichen Altar seine Primiz gefeiert hat. Er war ein guter Redner. Er war meinen Eltern nicht unbekannt &#8211; ist er doch noch f\u00fcr einige Zeit bei meinem Vater in die Schule gegangen. (\u00dcbrigens auch noch ein anderer Mission\u00e4r CPPS, n\u00e4mlich P. Willi, war ein Sch\u00fcler meines Vaters; und ich als dritter vollendete das Kleeblatt.)<\/p>\n<p>25<\/p>\n<p>P. Paulus hatte eine lyrische Ader, er liebte Dichten und Proklamieren. Mit feiner Satire vermischt, hatte er Vorliebe f\u00fcr drastische Ausdr\u00fccke. Wenn wir beiden Landsleute uns ein Brieflein schrieben, waren es &#8222;schauderhafte&#8220; Gedichte nach dem Grundsatz! Was sich liebt, das mu\u00df sich necken. In der Unterhaltung suchten wir mit Vorliebe die etwas grob klingenden Dialekte unserer Heimat. Das machte uns immer Spa\u00df.<\/p>\n<p>Auch in unserem brieflichen Verkehr herrschte dieser heitere Ton, der oft, wenn es ging, in drastisch-bombastische Kn\u00fcttelverse geschmiedet wurde. So war nat\u00fcrlich auch meine Einladung an ihn zur Primizpredigt.<\/p>\n<p>Damals wohnte P. Paul auf einem H\u00fcgel bei Mellatz in der N\u00e4he von Lindenberg. Von Zeit zu Zeit ging er hinab in die bayrischen Lande zu irgendeiner Festansprache oder zu Exerzitien und dergleichen mehr. In der Zwischenzeit vergrub er sich in seine B\u00fccher und nahm so zu an Alter und Umfang. Schon mehrere Male hatte ich ihm Andeutungen gemacht wegen der Primizpredigt. Doch er wollte nie &#8222;aus seinem Bau heraus&#8220;, So mu\u00dfte zuletzt wieder ein Gedicht in unserem Stile herhalten, um ihn noch einmal dazu einzuladen. Das Gedicht lautete also:<\/p>\n<p>Unweit von Mellatzens H\u00f6h&#8217;n<\/p>\n<p>ist ein Maulwurfsh\u00fcgel zu sehn. Drinnen wohnt mit heitrem Sinn<\/p>\n<p>ein ganz pr\u00e4chtig rundes Ding.<\/p>\n<p>Einer von den sieben Weisen,<\/p>\n<p>die im Land herum tun reisen,<\/p>\n<p>einer von der schwarzen Klicke,<\/p>\n<p>der da ist so dicke, dicke.<\/p>\n<p>Wenn man in den Maulwurfslocheln<\/p>\n<p>mit&#8217;ner Rute t\u00e4te stocheln,<\/p>\n<p>o, dann h\u00f6rt man dumpfes Brummen,<\/p>\n<p>ein ganz f\u00fcrchterliches Summen:<\/p>\n<p>&#8222;La\u00df in Ruh&#8216; mich, in der Ruh&#8216; mich,<\/p>\n<p>sonst, o weh, wenn aussi kum ich,<\/p>\n<p>gibt&#8217;s ein Poltern dann, ein Krachen<\/p>\n<p>und, wer wei\u00df, was sonst f\u00fcr Sachen!&#8220;<\/p>\n<p>Doch noch einmal will ich&#8217;s wagen<\/p>\n<p>und den gro\u00dfen K\u00f6nig fragen;<\/p>\n<p>gn\u00e4dig leih&#8216; er mir sein Ohr,<\/p>\n<p>das da steht am Kopf hervor:<\/p>\n<p>Auf &#8217;ner silber-goldnen Schale<\/p>\n<p>&#8211; heut ist&#8216; s wohl zum siebten Male,<\/p>\n<p>sch\u00e4me mich fast, so zu betteln &#8211;<\/p>\n<p>bring ich dir zwei sch\u00f6ne Zetteln.<\/p>\n<p>Auf dem ersten steht geschrieben:<\/p>\n<p>&#8222;Goldner Stern, von jenen sieben<\/p>\n<p>Weisen aus dem Abendlande,<\/p>\n<p>h\u00f6re, was ich dir bekannte!\u201c<\/p>\n<p>Und der zweite tr\u00e4gt in Lettern,<\/p>\n<p>golden blitzend; wie wenn Wettern,<\/p>\n<p>leuchtend in Smaragdens Farben,<\/p>\n<p>strahlen Blitz und Feuergarben:<\/p>\n<p>&#8222;Sei gegr\u00fc\u00dft aus weiter Fern,<\/p>\n<p>o du hehrer Abendstern,<\/p>\n<p>leuchte auf der Himmelsleiter,<\/p>\n<p>leuchte bis nach Friedrichweiler!\u201c*<\/p>\n<p>Gro\u00dfer K\u00f6nig, wenn&#8217;s bequeme und nach Differten er k\u00e4me,<\/p>\n<p>zu des Saarlands schwarzen Schloten<\/p>\n<p>sei der Weg ihm angeboten.<\/p>\n<p>*) Friedrichweiler, seine Heimat, ist Filiale von Differten, dem Primizort.<\/p>\n<p>Dort, in m\u00e4chtigen Posaunen,<\/p>\n<p>soll er Feuerworte raunen!&#8220; &#8211; 1 000 Gr\u00fc\u00dfe Dein N. N.<\/p>\n<p>26<\/p>\n<p>Doch wie ich von Anfang an vermutete, hatte er immer eine Scheu, in seiner Heimatkirche als Prediger aufzutreten. Warum wohl? &#8211; Ich wei\u00df es nicht. &#8211; Und so ist es geblieben bis zu seinem Tod.<\/p>\n<p>So lud ich nun einen anderen Mitbruder ein, einen Mission\u00e4r, der nicht weniger wortgewaltig war, auch ein Landsmann, P. Philippus. Gerne nahm er diese Ehre an. Doch die gr\u00f6\u00dfte Freude hatte &#8211; au\u00dfer mir -, unser Provinzial P. Gregor Jussel, der nun wieder einen Priester an den Altar geleiten und in die kleine Anfangsschar seiner Mission\u00e4re einreihen konnte. Eine sehr herzliche Einladung &#8211; die Abschrift habe ich heute noch in H\u00e4nden &#8211; sandte ich an P. Hermann, der damals Pr\u00e4fekt im Xaveriushaus war. Auch unseren damaligen Theologen aus der Schweiz, meinen Freund Albert, habe ich nicht vergessen. So fuhren wir zusammen meiner Heimat zu.<\/p>\n<p>Kann es im Leben jemals eine sch\u00f6nere Fahrt noch geben?<\/p>\n<p>Im Dorf war noch ein flei\u00dfiges H\u00e4mmern und Klopfen an den Triumphb\u00f6gen zu h\u00f6ren. Von dem Empfang im Elternhaus ist mir als sch\u00f6nste Erinnerung geblieben, da\u00df meine Mutter mich so fest umarmte, da\u00df ich glaubte, fast erdr\u00fcckt zu werden. Als ersten Dank an Gott setzte ich mich sofort ans Klavier und spielte und sang mein herzlichstes Tedeum. Noch nach Jahren hat P. Gregor mir von diesem Tedeum erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Als ich f\u00fcr eine Stunde allein war, nahm ich den Stift und schrieb f\u00fcr mein Album folgendes Gedicht:<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich t\u00f6nt der Glockenklang,<\/p>\n<p>Jubelnd hallt der Festgesang<\/p>\n<p>Durch der Kirche weitschiffige R\u00e4ume.<\/p>\n<p>Der Mutter fast wird es im Herzen so bang<\/p>\n<p>Erf\u00fcllt sind nun endlich die Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Weit ge\u00f6ffnete T\u00fcresport,<\/p>\n<p>Frohe Scharen am heiligen Ort,<\/p>\n<p>Und der Orgel laut brausende Kl\u00e4nge<\/p>\n<p>Schier himmelhoch rei\u00dfen die Herzen mit fort<\/p>\n<p>Durch die herrlichen Feierges\u00e4nge.<\/p>\n<p>Holder Friede, s\u00fc\u00dfe Eintracht<\/p>\n<p>Weile stets an diesem Ort!<\/p>\n<p>Engel Gottes, froher Bote,<\/p>\n<p>Weiche nimmer von uns fort!<\/p>\n<p>Denn wo Priester gottesf\u00fcrchtig<\/p>\n<p>Schreiten hin zu dem Altar,<\/p>\n<p>Dort ist Gottes Huld bei ihnen,<\/p>\n<p>Bringen sie Ihm Opfer dar.<\/p>\n<p>Drum, o Br\u00fcder, betet innig,<\/p>\n<p>Da\u00df mein Opfer Gott gefalle,<\/p>\n<p>Da\u00df der M\u00e4chtige annehme<\/p>\n<p>Mein\u2018 und eure Opfer alle!<\/p>\n<p>So dankte ich Gott, da\u00df ich ein Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute geworden bin.<\/p>\n<p>27<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 36. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1962, S. 21f. (10. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0(10. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Was das Wort Primiz bedeutet, hatte ich Jahre vorher durch einen Zufall erfahren. Ich kam in den Schulraum meines Vaters, niemand war darin. Da stand an der Wandtafel die Erkl\u00e4rung &#8222;Primiz = prima missa = erste Messe&#8220;. Dazu waren die Embleme des Priestertums gezeichnet: Kelch und Stola. Da\u00df auch ich bald nach diesen greifen werde, ahnte ich damals noch nicht. Und doch war dieser Tag nun rasch gekommen.<\/p>\n<p>Es war der Sonntag vom Guten Hirten. Ein Tag voll Sonnenschein und Festgel\u00e4ute. Eltern, Geschwister und Verwandte waren am Portal des Atriums versammelt. Nun kam die lange Prozession. An der Spitze der Pfarrer mit Assistenz im Festornat. Begr\u00fc\u00dfung, Gedicht, Lied &#8211; wie es das Zeremoniell bei jeder Primiz ausmacht. Dann kniete ich bei meiner Mutter nieder, die mir den Primizkranz von wei\u00dfen Rosen auf den Kopf dr\u00fcckte und ihren stillen Muttersegen gab. Dann ging&#8217;s zur Kirche, vorbei an Fahnen und Blumen.<\/p>\n<p>Auf dem Lande sind Triumphb\u00f6gen immer eine besonders festliche Angelegenheit. Ein gewisser heiliger Wettstreit. Auf dem einen Bogen standen als Zierate lebende &#8222;Engel&#8220; mit breiten Fl\u00fcgeln. Da\u00df diese Kinder so lange auf ihrer luftigen H\u00f6he es aushalten konnten, hatte ich stark bewundert. Wegen eines anderen Triumphbogens war man in eine kleine Meinungsverschiedenheit gekommen. Das kam so: Jahre zuvor hatte man mich, den Studenten, gebeten, f\u00fcr die Primiz von Pater Paul ein gro\u00dfes Spruchschild f\u00fcr einen Triumphbogen zu malen. Dieses Schild, noch recht gut erhalten, wollte man jetzt f\u00fcr den gro\u00dfen Triumphbogen verwenden. &#8211; Eine gr\u00f6\u00dfere \u00dcberraschung und eine unerwartet sch\u00f6nere Freude h\u00e4tte es nat\u00fcrlich f\u00fcr mich nicht geben k\u00f6nnen. Doch wegen einiger kleiner Flecken haben sie davon Abstand genommen. Leider!<\/p>\n<p>Nun zog die Prozession in die Kirche ein. Die Orgel spielte Variationen vom Lied &#8222;Ein Priesterherz&#8220;. Dann legte ich das neue Me\u00dfkleid an (unverge\u00dflicher Moment f\u00fcr jeden Neupriester!). Die flei\u00dfigen H\u00e4nde meiner Schwester und ihrer Mitschwestern im Kloster haben es gestickt. Ordensfrauen von der &#8222;G\u00f6ttlichen Vorsehung&#8220; k\u00f6nnen immer gef\u00e4llige Vorsehungen treffen. Auf dem Me\u00dfkleid war unser Abla\u00dfgebet versinnbildlicht, &#8222;Gelobt und gepriesen sei das heiligste Herz und das Kostbarste Blut Jesu&#8220;. Darum war es mir doppelt so wertvoll und sollte f\u00fcrderhin alle Festtage dienen. Doch gegen Kriegsende ist dieses Me\u00dfgewand leider durch eine fremde Besatzungsmacht spurlos verschwunden.<\/p>\n<p>Die zwei Stunden dieser Feier waren rasch vor\u00fcber. Und so auch der ganze Tag. Das St\u00e4ndchen des Kirchenchors am Abend bildete den klingenden Abschlu\u00df.<\/p>\n<p>Von der zweiten Messe am folgenden Tag erinnere ich mich noch, da\u00df unser<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>Provinzial, Pater Jussel, neben mir stehend wie ein geduldiger Fahrlehrer, mit auffallender Ruhe, ja mit freudiger Hingebung mich begleitete. Es war auch sehr begreiflich, denn jeder neu geweihte Priester und jeder neu eintretende Student war seine Hoffnung. Er, und wir alle, mu\u00dften sorgen f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Die folgenden Tage verliefen rasch, und so mu\u00dfte man bald an die R\u00fcckfahrt denken. Doch noch eine Aufgabe besch\u00e4ftigte uns: Sollte durch diese Primiz nicht auch wieder ein neuer Priesterberuf geweckt worden sein; so da\u00df wiederum ein Mission\u00e4r daraus hervorgehe und die &#8222;Missionskette&#8220; in unserem Orte nicht abrei\u00dfe? Und siehe da, die folgende Generation der C. PP. S. stellte sich prompt ein: Willi und Bubi. Und das kam so: Willi war unser n\u00e4chster Nachbar. Daher fand er gleich den Mut und den Weg, mit den hochw\u00fcrdigen Herrn zu sprechen. &#8222;Nat\u00fcrlich darfst du mitkommen!&#8220; Hocherfreut erz\u00e4hlte er es seiner Mutter, seinem Vater, seiner Lehrerin. Diese letztere sagte ihm: &#8222;Und noch ein zweiter will mit, der Bubi. Gehe sofort zu dessen Vater, er soll dem Bubi die neuen Hosen anziehen und ihn dann zum Primizianten schicken.&#8220; Willi spurte sogleich. &#8222;Sie sollen dem Bubi die Hosen anziehen und dann zum Primizianten schicken!&#8220; (Im Saarland bedeutet aber der Ausdruck &#8222;die Hosen anziehen&#8220; soviel wie strammziehen, das hei\u00dft durchpr\u00fcgeln.) Da\u00df es sich aber um die neuen Hosen, also um das B\u00fcgeln und nicht um das Pr\u00fcgeln handelte, hatte Klein-Willi in seiner Reisefreude \u00fcberh\u00f6rt oder vergessen. Der Gerufene erschien zugleich froh und stolz in seiner neuen Uniform. &#8222;Ich m\u00f6chte auch Mission\u00e4r werden.&#8220; Die raschen Erkundigungen bei Pfarrer und Lehrer sagten uns: Bubi ist ein aufgewecktes B\u00fcrschlein, er kann ein guter Prediger werden. &#8211; Unsere Zusage machte ihn \u00fcbergl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Bald wurden die Koffer gepackt, ein kurzer Abschied und fort ging&#8217;s, wir dreie, in eine sch\u00f6ne Zukunft. Meine beiden Sch\u00fctzlinge sahen sich schon in ihrer lebhaften Phantasie als Mission\u00e4re mit dem gro\u00dfen Kreuz und der goldenen Kette. Die lange Fahrt nach Feldkirch bot ja Zeit genug zu jugendlichen Tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Endlich Ankunft in Feldkirch, Einmarsch ins Xaveriushaus.<\/p>\n<p>Hier begannen nun beide die nicht leichten Stufen des Studiums zu erklimmen. Leider konnten wir jedoch unseren Bubi nicht lange bei uns behalten, denn nach dem Willen Gottes war er f\u00fcr einen anderen Beruf, f\u00fcr die politische Laufbahn vorherbestimmt. So ist er schlie\u00dflich zu einer hohen Stellung in der Regierung emporgestiegen.<\/p>\n<p>Willi indes hatte das Studium zum Priestertum gl\u00fccklich zu Ende gef\u00fchrt und elf Jahre nach dieser meiner Primiz konnte auch er zum gleichen Altare hinzutreten, um Gott zu opfern und zu danken f\u00fcr sein gl\u00fccklich erreichtes Ziel. Auch f\u00fcr ihn l\u00e4uteten die Glocken &#8211; und somit war es die dritte Primiz eines Mission\u00e4rs vom Kostbaren Blute in unserer Heimatkirche.<\/p>\n<p>Und wenn heute seine betagte Mutter diese Zeilen lesen wird, dann wird sie sicher denken und sagen: &#8220; &#8230; und dann wurde auch er ein Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute.&#8220;<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 37. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1962, S. 22-24 (11. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (11. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Die Mission\u00e4re vom Kostbaren Blute tragen als Ordenszeichen das Kreuz an einer langen Messingkette. Um die Zeit meiner ersten Priesterjahre war es, da\u00df in unserer Provinz eine neue Art f\u00fcr das Umh\u00e4ngen dieser Kette aufkam. Bis dahin hatte man sie einfach um den Hals gelegt, wie es jedes Kind und jeder Bischof tut.<\/p>\n<p>Da kam nun eines Tages ein Mitbruder unserer amerikanischen Provinz uns besuchen. Er erz\u00e4hlte uns von der Art und Weise, wie die amerikanischen Mission\u00e4re Kreuz und Kette umh\u00e4ngen &#8211; Amerikaner sind ja immer gro\u00dfe Praktiker -: die Kette wird zuerst durch ein Knopfloch gezogen und dann \u00fcber die Schultern gelegt. Diese Art fand sogleich gro\u00dfen Anklang und Nachahmung.<\/p>\n<p>Seit jenem Tag sind wir mit unseren amerikanischen Mitbr\u00fcdern auch \u201edurch die Ordenskette verbunden&#8220;.<\/p>\n<p>Primiz ist sch\u00f6n und unverge\u00dfLich. Aber unverge\u00dflich d\u00fcrfte auch sein die erste Beichte, die der Neupriester spenden darf.<\/p>\n<p>Meine erste Aushilfst\u00e4tigkeit war in Dalaas am Arlberg. Schon bei der Hinfahrt \u00fcberlegte ich mir genauestens den Zuspruch, den ich bei den verschiedensten Beichten zu geben gedachte. Zum ersten Mal sich in den Beichtstuhl setzen als \u00bbBeichtvater&#8220; &#8211; und man f\u00fchlte sich doch noch so grausig jung! Nun kam mein erstes Beichtkind, ein gutes, altes M\u00fctterlein. Was hatte sie auch vieles zu beichten! Und dann kam mein Zuspruch, &#8211; Ich glaube, das gute, alte M\u00fctterlein wird sich gewundert haben, mit welcher Begeisterung und Eindringlichkeit dieser Priester da drinnen sie ansprach und ihr darlegte, doch ja nur immer \u201eauf dem Weg des Guten zu wandeln&#8220;. Heute wei\u00df im es: f\u00fcr einen z\u00e4hen, hartn\u00e4ckigen S\u00fcnder h\u00e4tten diese vielen heiligen Worte wohl besser gepa\u00dft. Doch es war halt mein erstes Beichten.<\/p>\n<p>Dann kam eine junge Braut. Ich erinnere mich noch, da\u00df ich mit solch leuchtenden Farben das zuk\u00fcnftige Familiengl\u00fcck ihr schilderte, da\u00df ich ihr eine Zukunft mit lauter Rosen und vielem Gottes- und Kindersegen<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>w\u00fcnschte, da\u00df ich ihr &#8211; ach, da h\u00f6rte ich durchs Gitter, wie das junge Ding anfing zu weinen. Ich erkannte, da\u00df es h\u00f6chste Zeit war, meinen jugendlichen Sturm abzubremsen und mit den drei Vaterunsern zur Bu\u00dfe die Beichte abzubrechen. &#8211; Vielleicht erging es den andern Mitbr\u00fcdern ebenso, als ihre weite sch\u00f6ne Fahrt des Priesterlebens begann.<\/p>\n<p>Doch jedes priesterliche Leben hat auch seine harte Pr\u00fcfung. Denn pr\u00fcfen und gepr\u00fcft werden ist schlie\u00dflich das Schicksal aller Menschen. F\u00fcr mich begann es sehr rasch.<\/p>\n<p>Ich kam nach Wien an eine neugebaute Notkirche. Die Wiener sind nun ein frohes Volk, aber auch mit sanguinisch sprudelnder Schw\u00e4rmerei belastet. Man erz\u00e4hlte mir von diesem und jenem jungen Priester, die nur unter gro\u00dfer Energie ihr Ideal dort bewahren konnten.<\/p>\n<p>Die Notkirche war fr\u00fcher eine alte Fabrik. Jeden Abend war Andacht, bei der wenn nicht gepredigt, so doch irgendeine religi\u00f6se Lekt\u00fcre vorgelesen wurde; die religi\u00f6se Unkenntnis war ja sehr gro\u00df. Am Schlu\u00df der Andacht sangen sie fast jeden Abend mit wahrer Begeisterung das Lied vom lieben &#8222;Heiland, gute Nacht!&#8220;.<\/p>\n<p>Aber eines Abends hatte ich keine gute Nacht vor mir: Mein Sakristan war n\u00e4mlich verschwunden. Er war ein armer, sehr armer Mensch. Und um es gleich herauszusagen: er war ein irregegangener Priester. Keiner au\u00dfer mir wu\u00dfte dies. Sein Ungl\u00fcck hat er seiner Mutter zugeschrieben, die ihn, ohne innere Berufung zu haben, zum Priestertum gezwungen h\u00e4tte. Doch wer kann dies beurteilen? Rasch war f\u00fcr ihn das Glatteis gekommen. Doch er stand wieder auf, ging fast halb verzweifelt zu seinem Bischof. Der sandte ihn zu uns zur gewissen Bew\u00e4hrungsfrist und Erprobung. So war er also unser Sakristan geworden. Wenn er abends langsam und bed\u00e4chtig die Kerzen ausl\u00f6schte und sich dann in die letzte Bank hinkniete, empfand ich immer mit diesem armen Mitbruder ein tiefes Bedauern. &#8211; Nun war er pl\u00f6tzlich verschwunden. Wohin? Also ihn suchen, ihm helfen! Zusammen mit einem Theologen ging ich sofort auf die Suche nach ihm, in die Wirtschaften und Caf\u00e9s, in die Bars und Nachtlokale, nat\u00fcrlich nur bis zu den T\u00fcren und dann gleich wieder fort. &#8222;Mensch, ich habe die Nase voll von diesem Zeug!&#8220;, wir drehten um und gingen nach Hause. Das \u00fcbrige mu\u00dften wir dann seinem Bischof \u00fcberlassen. &#8211; Sterne kommen, Sterne gehen.<\/p>\n<p>Ich war sehr gern in Wien und kenne das &#8222;goldene Wienerherz&#8220;. Nur seine Schw\u00e4rmerei den jungen Priestern gegen\u00fcber konnte ich nicht ausstehen. Darum habe ich \u00f6ffentlich von der Kanzel verk\u00fcndet, mir niemals mehr zum Gru\u00df die Hand zu k\u00fcssen; der Ku\u00df sei einzig Privileg meiner Mutter.<\/p>\n<p>Man hat oft gefragt, ob es f\u00fcr einen katholischen Priester wohl sehr schwer sei, sich in solchen Situationen durchzuk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die katholische Theologie spricht in ihrer Lehre von der &#8222;Gnade des Beistandes, der Gnade des Berufes&#8220;. Ich hatte fr\u00fcher w\u00e4hrend des Studiums dies nur als eine Art Schulweisheit aufgefa\u00dft. Nun sollte ich es selber kennenlernen, und zwar in nicht wenigen F\u00e4llen, wie diese Berufsgnade Gottes wirken kann. Um es gleich deutlich zu sagen: ich habe oft gestaunt, wie<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>gerade in dem Moment, wo die Aufdringlichkeit ganz unverbl\u00fcmt und frech sich heranwagte, pl\u00f6tzlich eine sonderbare Abneigung gerade gegen diese Person mich erfa\u00dfte, so da\u00df ich sogar M\u00fche hatte, nicht grob oder beleidigend zu werden. Diese Abneigung, dieser innere Ekel ist nichts anderes als die sch\u00fctzende Hand Gottes, die Gnade des Berufes.<\/p>\n<p>Der Kampf im Priesterleben gegen die Verf\u00fchrung kann sich sogar bis zu \u00e4u\u00dferen Komplikationen steigern. So ist es mir einmal recht dramatisch ergangen. Soll ich es erz\u00e4hlen? Ich wei\u00df, da\u00df jeder Priester solche Episoden der &#8222;Rache der abgeblitzten Liebe&#8220; schon zur Gen\u00fcge erlebt hat.<\/p>\n<p>Es war in einer Heilst\u00e4tte, in der ich meine erste fixe Anstellung als Hauskaplan bezog. Das sonderbare Gerede und Getue gewisser Personen konnte ich im Anfang absolut nicht verstehen. Zur Tarnung erbat sich eine von ihnen einen geweihten Rosenkranz. Als sie dann schlie\u00dflich deutlicher wurde, lie\u00df ich sie gleich abblitzen. Nun machte sie sich an den Chef heran, und wie ich h\u00f6rte, mit mehr &#8222;Erfolg&#8220;. (Leider war es bei ihm nicht das erstemal, da\u00df er sich so des Amtsmi\u00dfbrauches schuldig gemacht hatte.) Bald kam von der Landesregierung her ein Advokat, der dar\u00fcber Untersuchungen anstellte und auch bei mir vorsprach. &#8222;Wird er sich nicht schlie\u00dflich auf Hysterie herausreden?&#8220; &#8211; &#8222;In den Krankenakten steht ,Hysterie keine&#8216;.&#8220; &#8222;Das k\u00f6nnte aber mit falscher Tinte umge\u00e4ndert werden.&#8220; &#8211; &#8222;Ich werde es zuvor fotografisch festhalten.&#8220; Und so fotografierte ich den ganzen Morgen hindurch. Als nach drei Tagen der Postbote dem Chef die Vorladung zum Disziplinarverfahren \u00fcberbrachte, st\u00fcrmte es an diesem Tage im ganzen Hause. T\u00fcren knallten, Drohungen wurden geschrien, niemand mehr dachte an Dienst. Nat\u00fcrlich konzentrierte sich die ganze Wut auf den Hauskaplan. Der Chef war schon viele Jahre vorher aus der Kirche ausgetreten. Da er als ein sehr j\u00e4hzorniger Mensch bekannt war und auf seinem Zimmer mehrere Gewehre hatte &#8211; er war ein leidenschaftlicher J\u00e4ger -, darum hatte die Frau Oberin schon die gr\u00f6\u00dfte Sorge um mich, den Hauskaplan. Sie brachte mir einen Gebetszettel \u201eVollkommene Reue in Todesgefahr&#8220;. Ich mu\u00dfte mich zu ihrer Beruhigung im hintersten Zimmer den ganzen Tag \u00fcber einschlie\u00dfen. Als ich das Zimmer doch f\u00fcr nur eine Minute verlie\u00df, lagen nachher dort auf dem Boden ein zerfetzter Rosenkranz und ein scharfes Messer. Es war der Rosenkranz, den ich seinerzeit verschenkt hatte. Dieser feine Besuch war also gerade in jener Minute in mein Zimmer eingebrochen, in der ich abwesend war. Ich dankte Gott, da\u00df er mich wieder vor einer Tragik bewahrt hat. Am darauffolgenden Montag war das Disziplinarverfahren im Regierungsgeb\u00e4ude der Hauptstadt. Alle wurden dort verh\u00f6rt. Es war ein hei\u00dfes Ringen. Doch die Geschicklichkeit seiner zwei Advokaten hat den Chef vor der Entlassung gerettet, wenigstens f\u00fcr dieses Mal. Um sein weiteres Schicksal k\u00fcmmerte ich mich nicht mehr, da ich es unter diesen Umst\u00e4nden vorzog, dieses f\u00fcr einen jungen Priester so gef\u00e4hrliche Milieu zu vermeiden. Mein Nachfolger, P. Paulus, hat dann sp\u00e4ter das Ende dieses Dramas erlebt, denn Gott l\u00e4\u00dft seiner nicht spotten.<\/p>\n<p>So habe auch ich es erfahren: Priesterleben kann oft auch ein schweres Leben sein.<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 37. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1962, S. 16-22 (12. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (l2. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Wer an Liechtenstein denkt, der stellt sich ein L\u00e4ndchen vor von stillem Frieden und mittelalterlicher Geruhsamkeit. Heute hat auch Liechtenstein sich modernisiert. Damals aber, als P. Provinzial Jussel mich zum Pfarrer von Schellenberg (Liechtenstein) ernannte, waren noch alte Tradition und V\u00e4terbrauch das Kennzeichen des Alltags.<\/p>\n<p>Auf dem kleinen Milchwagen des Xaveriushauses, gezogen von zwei flinken Ponys, hatte ich leicht mein Umzugsgut, einen einzigen Koffer, untergebracht. (Als Missionar, d. h. als &#8222;fliegender Zigeuner Gottes&#8220; ist man ja immer froh, recht wenig Ballast zu besitzen.) Vorne auf der Kutsche sa\u00df der Bruder, r\u00fcckw\u00e4rts P. Provinzial Gregor Jussel und ich. So fuhr der &#8222;neue pfarrherr&#8220; den Schellenberg hinan. Was wird der kommende Lebensabschnitt bringen? Dunkle Tage &#8211; helle Tage? Wir fuhren der Zukunft entgegen.<\/p>\n<p>Oben angekommen, war gleich die Einf\u00fchrung in das neue Amt, m\u00f6glichst einfach und ger\u00e4uschlos P. Gregory hat ja nie gro\u00dfe Predigten gehalten. Doch was er sagte, kam um so mehr von Herzen. Er \u00fcberreichte mir im Namen des Schweizer Bischofs von Chur die Schl\u00fcssel von Kirche und Tabernakel. Nun sollte ich wirken, wo hier einst P. Brunner, der gro\u00dfe Gr\u00fcnder unserer amerikanischen Provinz, gewirkt und gebetet hat, hier, wo dieser rastlose Missionar die letzte Ruhe gefunden. Nun stand ich an seinem Grabe vor dem Hochaltar &#8222;meiner Kirche&#8220;, um die alten Schriften und Zeichen im schwarzen Marmor zu entziffern. P. Jussel erz\u00e4hlte mir, da\u00df dort oben \u00fcber der Sakristei, diese kleine Rumpelkammer kirchlicher Utensilien, das Schlafgemach von P. Brunner gewesen. Wahrlich, unsere ersten Pioniere C. PP. S. hier, auf dem Schellenberg waren nicht nur gro\u00dfe Beter, sondern auch gro\u00dfe B\u00fc\u00dfer. Nun sollte ich ihr Erbe antreten und es weiter f\u00fchren.<\/p>\n<p>&lt;Bilder: P. Brunner, Grabplatte&gt;<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>&lt;Bild: Missionshospiz und Pfarrhaus Schellenberg&gt;<\/p>\n<p>Das Beten ist zwar geblieben, aber die Opfer sind heute erleichtert: das hatte P. Gregory besorgt. Vor Jahren, als er selber noch Pfarrer von Schellenberg gewesen, kaufte er hier ein wohnliches Heim und hat es als Pfarrhaus eingerichtet. Auf der einen Seite der Waldrand, auf der anderen die Obstb\u00e4ume und der dritte Blick zu den Schrofen der Schweizer Berge, ist das Panorama hier einzig sch\u00f6n. Darum steht auch heute noch auf der Mauer der Glasveranda: &#8222;Montes et omnes colles laudent nomen Domini&#8220; (Ihr Berge und H\u00fcgel alle, lobet den Namen des Herrn). &#8211; &#8222;Ligna fructifera et omnes cedri laudent nomen Domini&#8220; (Die Fruchtb\u00e4ume und Zedern alle sollen loben den Namen des Herrn). &#8211; Von dieser Glasveranda aus hat man einen wundersch\u00f6nen Blick ins obere Rheintal. Dr\u00fcben \u00fcber dem jungen Rhein ist die lange Kette der ersten Schweizer Berge: der Hohe Kasten, der Staubern, die Kreuzberge und abschlie\u00dfend der Tote Bischof, wie der Volksmund diese Gebirgskette nennt. In Wahrheit, die Silhouette dieses H\u00f6henzuges gleicht, besonders im Abendhimmel, einem aufgebahrten Bischof mit Mitra und Pektorale. &#8211; Unten im Rheintal liegt die Ortschaft Gams, der einzige katholische Ort jener Gegend der Schweiz. Ihr Glockengel\u00e4ut dringt zuweilen bis zu uns herauf. Man erz\u00e4hlt, da\u00df zur Zeit des Glaubensabfalls auch die Beh\u00f6rden von Gams zur Hauptstadt zogen, um ihren Austritt aus der katholischen Kirche anzumelden. Unterwegs kamen sie zu einem Marterlst\u00f6ckl mit dem Bild Mariens, das da am Wegrand stand. &#8222;M\u00e4nner&#8220;, sagte einer, &#8222;knien wir hier noch einmal zum Gebete nieder: ob wir auch wirklich auf dem rechten Wege sind.&#8220; Beim letzten Amen standen sie auf und gingen nach Hause. &#8222;Nein &#8211; wir bleiben katholisch, wie wir immer gewesen!&#8220;<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>Der Blick vom Fenster unseres Pfarrhauses geht im S\u00fcden hinauf zu der langgestreckten wilden Gebirgswand der \u201eDrei Schwestern&#8220;, \u00fcber die die Grenze Osterreichs verl\u00e4uft. Hier zeigt man noch heute diese versteinerten sagenhaften Schwestern. Zwischen diesem Gebirgsmassiv und dem Rhein liegt also Liechtenstein. Schellenberg, Vaduz und Balzers, jedes mit seiner Burg, bilden Anfang, Mitte und Ende des Landes. Wenn auch das Schlo\u00df von Schellenberg schon l\u00e4ngst in Tr\u00fcmmern liegt und das Geschlecht seiner Grafen nur noch in alten Scharteken weiterlebt, so ist heute an ihrer Statt mehr ein geistiges Erbe getreten, n\u00e4mlich das pr\u00e4chtige Kloster der Schwestern vorn Kostbaren Blute und die Missionare im Hospiz (Pfarrhaus), von wo unsere deutsche Provinz ihren Ausgang nahm.<\/p>\n<p>Die Arbeit in diesem Bergd\u00f6rflein hier war f\u00fcr einen jungen Priester nicht allzu schwer. Alle gingen Sonntag f\u00fcr Sonntag in ihre heilige Messe, mit Ausnahme von einem, der krank war. Vor dem Amt stimmte der &#8222;Himmlische Vater&#8220; den Rosenkranz an, und alle, besonders auch die M\u00e4nner, haben ihn laut weitergebetet. Der Sakramentenempfang lie\u00df nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig; es war ein alter Brauch, ein wahrhaft guter alter Brauch. Droben auf dem &#8222;Stutz&#8220; wohnte der \u00e4lteste Mann, der noch bei P. Brunner Ministrant gewesen. Der bucklige Gottlieb und die bucklige Zens, seine Schwester, erwarben sich ihren Tageslohn durch M\u00e4usefangen, indes der eine der beiden Wirte es neben dem Bierausschank auch noch mit Autofahrten tat. Oh, dieses erste Auto von Schellenberg!<\/p>\n<p>Es war der \u00e4lteste Karren, den ich jemals gesehen. Ein alter Ford, noch mit Kurbelstange und Karbidlampen. Das Tuch des Daches war mit zwei Riemen gespannt, die vorne am K\u00fchler befestigt waren. Bergab, von Schellenberg nach Feldkirch, lief dieser Automobilveteran ganz nett und flink. Doch zur\u00fcck, den Berg hinauf, hie\u00df es zuweilen aussteigen, dr\u00fccken, vielleicht l\u00e4uft&#8217;s weiter! Dann dampfte es vorne aus dem K\u00fchler so stark, als ob es eine Dampfmaschine w\u00e4re. Aber dennoch war jeder Ben\u00fctzer froh damit, und schlie\u00dflich konnten die Schellenberger doch stolz bedeuten: &#8222;Autoverbindung nach Schellenberg.&#8220;<\/p>\n<p>Das erste Radio im Dorf, das also hier als erstes seine \u00c4therstimme erhob, das hat der neue Pfarrer sich gebastelt. Die n\u00f6tigen Samen in Feldkirch gekauft, den n\u00f6tigen Zoll bezahlt, ging es dann zu Hause los, zu s\u00e4gen und zu bohren, zu l\u00f6ten und zu leimen, so wie es die Anleitung befahl. Die hohe Au\u00dfenantenne an der Bohnenstange auf unserem Stall, zeigte den Passanten an, da\u00df nun bald &#8222;die sch\u00f6nsten Melodien aus der Luft gegriffen werden. Nun war endlich das lang ersehnte Kasterl fertig geworden. Es war Mitternacht, 2 Minuten vor 12. Neben mir sa\u00df P. Johannes Rinderer (heute ruht er schon l\u00e4ngst im Schatten der Palmen Brasiliens). &#8222;Achtung, jetzt dreh&#8216; ich&#8217;s an. Entweder ein Knall oder Musik!&#8220; &#8211; und im gleichen Moment h\u00f6rten wir den letzten Satz der deutschen Hymne und anschlie\u00dfend die Worte: &#8222;Gute Nacht, liebe Zuh\u00f6rer! Vergessen Sie nicht, Ihre Antenne zu erden und den Gashahn zuzudrehen. Recht gute Nacht!&#8220; Dann war es still. Das also waren die ersten Kl\u00e4nge und Worte, die \u00fcber den \u00c4ther Europas hin-<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>weg in Schellenberg gesprochen wurden. Von dieser Stunde an kamen t\u00e4glich G\u00e4ste, die dieser Musik des Himmels lauschten.<\/p>\n<p>Einer anderen Schellenberger Musik sei noch Erw\u00e4hnung getan. Da seit geraumer Zeit kein Kirchenchor mehr bestand, gingen wir nun daran, einen neuen zu gr\u00fcnden. Anl\u00e4\u00dflich eines Wettsingens in Vorarlberg wollten auch wir uns daran beteiligen. So gr\u00fcndeten wir unter den Burschen ein Doppelquartett, \u00fcbten flei\u00dfig und errangen beim Wettsingen eine Auszeichnung. Sp\u00e4ter luden wir zum Quartett noch andere M\u00e4nner ein, und unser Kirchenchor war gegr\u00fcndet. Zur ersten Auff\u00fchrung \u00fcbten wir die von unserem Churer Bischof komponierte Messe ein. Alle Leute waren auf unser K\u00f6nnen gespannt. Bei der ersten Auff\u00fchrung sang unser Chor mit einer solchen Begeisterung, da\u00df die Schwestern auf die Frage, wie es ihnen gefallen, die Antwort gaben: &#8222;Diese Messe wurde sicherlich weithin geh\u00f6rt.&#8220; -. Die Begeisterung ist geblieben, und der Chor hatte sich zu einem der besten des Landes entwickelt. So w\u00fcnsche ich ihm auch heute noch ein frohes &#8222;Jubilate Deo!&#8220;.<\/p>\n<p>Au\u00dfer dem Kirchenchor wurde noch eine andere Neugr\u00fcndung gestartet: die Marianische Kongregation f\u00fcr die Jungm\u00e4nner. Alle taten begeistert mit. Gar bald konnten wir auch in der \u00d6ffentlichkeit uns zeigen. Es war beim Katholikentag in Schaan, der f\u00fcr das ganze Land und f\u00fcr die benachbarten Katholiken der Schweiz gehalten wurde. Wir &#8222;Marianischen Grafen vom Schellenberg&#8220; durften dabei nicht fehlen. Jeder Jungmann besa\u00df ein flottes Rad und an dessen Lenkstange hat sich nun jeder den pr\u00e4chtigen Wimpel der Kongregation aufmontiert, blau und wei\u00df, darauf das Marienmonogramm in Goldgelb. So segelten wir in Viererreihen durchs ganze Unterland, von allen herzlichst begr\u00fc\u00dft. Selbst der Hauptredner des Katholikentages hat unsere strammen Marienritter in seiner Rede \u00f6ffentlich gelobt.<\/p>\n<p>Heute ist aus der Familie des damaligen Obmannes ein Priesterberuf hervorgegangen (der Segen Mariens ist also nicht ausgeblieben), und binnen kurzem hofft er ein Missionar des Kostbaren Blutes zu sein.<\/p>\n<p>Auch noch ein anderer Schellenberger hat seinen Lebensweg zu uns Missionaren gewendet, und zu mir ist er nach dem Kirchengesetz sogar in geistige Verwandtschaft gekommen. Wieso? Es war damals an einem sch\u00f6nen Fr\u00fchlingstag Anfang Februar, da stand ich vor dem Taufbecken unserer Kirche, und das Wasser gie\u00dfend, sprach ich: &#8222;Hugo, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.&#8220; Ich wei\u00df heute nicht mehr, ob unser Hugo damals geweint oder gel\u00e4chelt hat. Aber ich wei\u00df heute, da\u00df er ein sehr guter Missionar geworden, der seine Pflichten vorbildlich erf\u00fcllt und der Kongregation die Treue bewahrt.<\/p>\n<p>Fronleichnam wurde auf dem Schellenberg immer in der altgewohnten feierlichen Weise begangen. Aber in jenen Jahren wollten wir doch etwas mehr tun &#8211; hatte doch die ganze Jugend agiles Blut in ihren Adern. So wurden nun diesmal mehrere Triumphb\u00f6gen errichtet und eine Reihe von m\u00e4chtigen Fahnen auf den exponierten Kuppen aufgestellt. Alles war in<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>freudigster Stimmung. Nur einer nicht, und das war &#8211; der Himmel. Ja, der Himmel regnete w\u00e4hrend der ganzen Prozession so stark, da\u00df es zum Erbarmen war (echtes Bu\u00dfwetter wie in Fatima). Ich marschierte unter dem andern Himmel, dem Baldachin, man sollte meinen, gegen Regen und N\u00e4sse gesch\u00fctzt. Doch gerade das Gegenteil. Dieser alte Baldachin, dieses durchh\u00e4ngende nasse Wettertuch sammelte wie ein umgedrehter Regenschirm das Wasser, um es in der Mitte, wo ich schritt, durchstr\u00f6men zu lassen. Als wir zur Kirche zur\u00fcckkamen, bestieg ich sofort die Kanzel: &#8222;Meine Lieben! Der Himmel hat gesprochen. Jetzt wissen wir, was er noch will; ein neuer Himmel mu\u00df her, ein neuer Baldachin, das alte Ding hat ausgedient!&#8220; Alle stimmten bei und halfen. Und ehe noch der Monat verging, hatten wir einen neuen, wundersch\u00f6nen Baldachin. &#8211; Wenn heute noch die Schellenberger auf ihren Himmel stolz sind, so verdanken sie es dem Regenschauer von Anno dazumal.<\/p>\n<p>In Schellenberg gibt es kein Kino. Man braucht auch keines, denn die Natur ist dort selber so unterhaltlich und abwechslungsreich, da\u00df sie jegliches Kinogeflunker reichlich ersetzt. Man mu\u00df nur die herrlichen Idylle, die die Gottesnatur uns bietet, wahrnehmen k\u00f6nnen. &#8211; Ein kleines Beispiel: Eines Tages entdeckte ich von meinem Fenster aus am gegen\u00fcberliegenden Waldrand einen pr\u00e4chtigen Buntspecht, der dort am Ameisenhaufen sich zu schaffen machte. Er war daran, einen Stollen zu graben, um zu den unterirdischen Ameiseneiern zu gelangen. &#8222;Bruder Gebhard, komm, den fangen wir!&#8220; Wir warteten, bis der Stollen so tief war, da\u00df der bunte Kerl darin verschwand. Lautlos heranschleichend, st\u00fclpten wir einen Sack dar\u00fcber, und nun hatten wir einen &#8222;Specht im Sack&#8220;. Wir sperrten ihn in den Pferch ein, der f\u00fcr die kleinen H\u00fchnchen gezimmert war. Jung und alt freute sich an dem quickfidelen Untermieter. Und wie sch\u00f6n er war! Gott mu\u00df sicher damals bei seiner Sch\u00f6pfung in recht freudiger Stimmung gewesen sein, als er das Kleid des Buntspechtes zu f\u00e4rben begann. Da unser junges Kerlchen nicht durch den Draht zu entweichen vermochte, probierte er seine Kraft an dem d\u00fcnnen Brett. Wir entschieden: Wenn du durchkommst, sollst du die Freiheit wieder haben! Er h\u00e4mmerte und h\u00e4mmerte. Und als wir am anderen Morgen Nachschau hielten, war er schon wieder dr\u00fcben bei seinen geliebten Ameisen. Wir nagelten nun ein dickeres Brett auf das durchgeh\u00e4mmerte Loch, schlichen wieder mit unserem Sack heran, deckten schnell zu und warteten, bis er herausk\u00e4me. Doch er kam nicht. Wahrscheinlich war er inzwischen schon schlauer und vorsichtiger geworden. Bruder Gebhard schob nun langsam die Hand hinein, immer tiefer und tiefer, bis der ganze Arm darin versank. Pl\u00f6tzlich bekam er ein paar Hammerschl\u00e4ge auf die Fingerspitzen und mit einem lauten &#8222;Au!&#8220; war er wieder drau\u00dfen. So mu\u00dfte nun ich es versuchen. Es gelang, trotz heftiger Gegenwehr. Wieder in den K\u00e4fig eingesperrt, fing er auch sofort schon wieder an am Brett zu h\u00e4mmern. &#8222;Wenn du rauskommst, sollst du die Freiheit haben!&#8220; Als wir am andern Morgen Nachschau hielten, war unser B\u00fcrschlein wieder fort. Nur ein gro\u00dfes Loch hat er zur\u00fcckgelassen, so gro\u00df, wie<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&lt;Bild Kloster&gt;<\/p>\n<p>ein weit ge\u00f6ffneter Mund, der uns auslachte. Diesmal wollte uns Herr Hammermeister Specht nicht noch einmal so keck herausfordern. So zog er fort, fort in die Fremde und ward nicht mehr gesehen.<\/p>\n<p>So schenkt Gott uns manche Freuden, die kleinen sind oft die sch\u00f6nsten.<\/p>\n<p>Wenn ich aber das Allersch\u00f6nste von hier oben erw\u00e4hnen soll, so mu\u00df ich das Kloster nennen.<\/p>\n<p>Schellenberg ist ohne Kloster nicht mehr zu denken. Es ist Ziel und Krone des ganzen Berges, die Gralsburg an den Toren der Schweiz. Wer noch Sinn f\u00fcr Edles und Wahres hat, der versteht die Wirkkraft einer solchen Gottesburg. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Die Schwestern vom Kostbaren Blut haben hier ein Kloster der Ewigen Anbetung, gegr\u00fcndet von unserem Erstlingspionier P. Brunner. Wenn Stunde f\u00fcr Stunde das so \u00fcberaus traut klingende Anbetungsgl\u00f6cklein l\u00e4utet, dann beginnt immer wieder von neuem eine Schwester die Ewige Anbetung. Nur des Nachts schweigt das Gl\u00f6cklein, doch das Gebet geht ohne Unterbrechung weiter. Ein Feiertag im Kloster ist vor allem der Tag der Einkleidung und der Profe\u00df. So manches M\u00e4dchen greift auch heute noch zum Brautschleier Gottes. Eben da ich diese Zeilen schreibe, bringt der Bote mir ein Brieflein aus diesem Kloster: &#8222;Nun stehe ich am Ende meiner Noviziatszeit und lege jetzt die heiligen Gel\u00fcbde ab. Auf diesen Tag freue ich mich; es ist ja die Verm\u00e4hlung mit meinem g\u00f6ttlichen Br\u00e4utigam &#8230; &#8220; Diese Novizin hat auch eine leibliche Schwester im gleichen Kloster, die auch bald ihren sch\u00f6nen Tag erleben wird. Beide sind aus Kufstein-Kleinholz.<\/p>\n<p>Heilige, unbekannte Heilige gibt es jedoch nicht allein im Kloster, sondern auch drau\u00dfen in der weiten Welt. &#8211; Meine K\u00f6chin im Pfarrhaus, die<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>Notburga selig, war sicher eines dieser stillen Gotteskinder. Nur Gott wei\u00df, wieviel sie hinter ihren Kocht\u00f6pfen gebetet hat. &#8222;Notburga, warum sind Sie eigentlich immer so voll herzlicher Fr\u00f6hlichkeit?&#8220; &#8211; &#8222;Herr Pater, ich m\u00f6chte einmal zu der Schar jener Jungfrauen geh\u00f6ren, die das Lied singen, das sonst niemand singen kann.&#8220; Da wu\u00dfte ich um das Geheimnis unbekannter Heiligkeit und herziger Froheit. &#8211;<\/p>\n<p>Die alte Pfarrkirche war im Laufe der Jahre bald zu klein geworden. Man mu\u00dfte allm\u00e4hlich an ihre Vergr\u00f6\u00dferung denken, an Umbau oder Neubau. So begannen wir Ausschau zu halten nach unseren &#8222;Kapitalisten&#8220;, zuerst nach den reichen Ausl\u00e4ndern, die sich in Schellenberg eingekauft hatten, und an den Landesf\u00fcrsten. So fuhr ich den Arlberg hinauf, wo\u00b7 einer dieser &#8222;Gro\u00dfen&#8220; wohnte, klopfte an T\u00fcr und Herz, und er versprach mir seinen Teil. Aber da war es auch, da\u00df ein anderer zu Hause an meine T\u00fcr klopfte, n\u00e4mlich P. Provinzial Jussel: &#8222;Ich brauche dringendst noch einen Pater f\u00fcr eine neue Pfarrei in Klagenfurt, der Hauptstadt von K\u00e4rnten.&#8220; Er schilderte mir die Not jener priester\u00e4rmsten Di\u00f6zese \u00d6sterreichs, wie ihn der Bischof so dringend gebeten, wie durch die &#8222;Rote Flut&#8220; so viele vom Glauben abfallen, weil keine Priester da sind, und doch h\u00e4tten die Leute dort ein so willig-g\u00fctiges Herz. Meine selbstverst\u00e4ndliche Antwort war: &#8222;Ihr Wunsch ist mir Befehl, Sie sind mein Oberer .. Wenn der Bischof von hier mich ziehen l\u00e4\u00dft, bin ich gerne bereit.&#8220; Als dies im Dorf bekannt wurde, setzten sich die Leute zur Wehr. Doch ihr Gesuch an den Bischof mit den Unterschriften aller Schellenberger war zwar ein liebes Zeichen dieser dankbaren Pfarrei, doch es kam zu sp\u00e4t, denn der Bischof hatte der Bitte des P. Provinzial bereits schon zugesagt. So hie\u00df es also: Die Koffer packen und auf nach Annabichl, der Vorstadt von Klagenfurt in K\u00e4rnten!<\/p>\n<p>In blumengeschm\u00fcckten Feldkircher Autos fuhren der Vorsteher und die Burschen mit mir den Schellenberg hinab zum n\u00e4chsten Abschnitt meines Lebens.<\/p>\n<p>Das war mein Lebewohl von Schellenberg.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 38. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1963, S. 16-22 (13. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (13. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Wenn in den ersten Zeiten unserer Provinz eine neue Niederlassung er\u00f6ffnet werden sollte, war an den vorausgehenden Tagen in unserem Xaveriushaus, dem damaligen Sitz des Provinzialates, stets eine rege T\u00e4tigkeit. Alle waren an dem neuen Projekt interessiert, alle nahmen regsten Anteil daran, denn jeder f\u00fchlte sich als ein St\u00fcck &#8222;Provinz&#8220;. Selbst die K\u00fcchenschwester hinter dem Kochtopf hatte au\u00dfer ihrer Suppe noch einen zweiten Gedanken im Kopf: die neue Niederlassung.<\/p>\n<p>Nun war also Annabichl, ein Vorort von Klagenfurt, der Hauptstadt K\u00e4rntens, an der Reihe.<\/p>\n<p>Diesmal sollte ich zum Aufbruch in die noch dunkle, aber gerade darum interessante Zukunft nicht allein sein, sondern wir waren die sch\u00f6ne Apostelzahl von 12. Pater Hermann und ich als Priester und unsere zehn Theologen, n\u00e4mlich der Kle und der 0, der Ka und der Ko, der Ma und der Ro, der Ja und der Wi, der Er und der Ger. (Der Kle d\u00fcrfte bekannt sein, n\u00e4mlich Klemens Geiger, heute Bischof vom Xingu.)<\/p>\n<p>So sa\u00dfen wir nun alle h\u00f6chst vergn\u00fcgt im Speisesaal des Xaveriushauses beim Abendessen, also bei unserer Henkersmahlzeit, und schmiedeten im Geiste schon die k\u00fchnsten Pl\u00e4ne. Da geht die T\u00fcr auf und herein kommt der Gemeinderat von Schellenberg, um seinen Pfarrer vom Provinzial zu reklamieren. Sie w\u00fcnschten, da\u00df ich doch wieder zu ihnen auf den Schellenberg komme. Das war nun wirklich eine Reklamation in letzter Stunde, denn es war schon 8 Uhr und um 9 Uhr sollte unser Zug abfahren. Nat\u00fcrlich konnte P. Provinzial auf diesen wenn auch noch so gut gemeinten Wunsch des Gemeinderates nicht eingehen. So mu\u00dften sie wieder am selben Abend den weiten Weg nach Schellenberg zur\u00fcck &#8211; und drau\u00dfen regnete es nicht wenig.<\/p>\n<p>Abmarsch zum Zug, die ,,2. Legion&#8220; marschierte in die Nacht. Leicht war das Gep\u00e4ck, noch leichter unser Schritt. Wohl keiner auf dem Bahnhof dort war gl\u00fccklicher als wir. Nun kam er endlich angebraust, auf den wir warteten, und die Bullaugen seiner Lok schielten uns fraglich an. Rasch hatte der Zug uns verschluckt und mit seinem ersten Ansto\u00df sprach ich noch mein altgewohntes \u00bbGott walte es!&#8220;, wie&#8217;s meine Mutter mich gelehrt.<\/p>\n<p>Nun ging es den Arlberg hinauf, an schwindelnden Steilh\u00e4ngen vorbei. Doch wir sahen sie nicht, es war ja Nacht. Dann fra\u00df sich der eiserne Bandwurm mitten durchs Herz des m\u00e4chtigen Arlberg. Doch wir merkten es kaum, denn wir waren geschw\u00e4tzige Jugend. Auf der anderen Seite hinab kamen wir bald nach Schwarzach-St. Veit, wo der Anschlu\u00dfzug uns die Tauern hinaufpustete. In Badgastein machte er eine kleine Ruhepause. &#8222;Hei\u00dfe W\u00fcrstchen, Limonade, Kaffee, Bonbons&#8220; spazierten an unseren<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>Fenstern vorbei. Doch wir alle waren nur arme Schlucker. Unser Karl hatte noch &#8220; &#8211; wie er mir sp\u00e4ter erz\u00e4hlte &#8211; 20 Pfennig in der Tasche. Das g\u00e4be gerade noch ein P\u00e4rlein W\u00fcrstchen. Aber soll er sie opfern, diese zwei Groschen? Krampfhaft dr\u00fcckte er sie in der Hand herum, kampfhaft wehrte er der Versuchung, bis endlich der abfahrende Zug ihn erl\u00f6ste. &#8211; Jetzt noch der Tauerntunnel. Als wir auf der anderen Seite herauskamen, waren wir in K\u00e4rnten. Und siehe, aus dem str\u00f6menden Regen war ein strahlender Herbstmorgen geworden. Die Wetterscheide der Tauern hat schon vielen die Sonne und auch die Freude gebracht.<\/p>\n<p>Ja K\u00e4rnten, das s\u00fcdlichste Land Osterreichs, ist ein Land des Frohseins und des L\u00e4chelns. Die K\u00e4rntner haben von allen \u00d6sterreichern das weichste Gem\u00fct und auch die weichste Sprache. Die warme Sonne und die vielen Seen haben dieses Land gepr\u00e4gt. Dort nun sollte unsere neue Heimat sein.<\/p>\n<p>Um die Mittagsstunde lief unser Zug in Klagenfurt ein; das Ziel war gl\u00fccklich erreicht. Schnell wird ausgestiegen. Nun sa\u00dfen wir da auf dem Bahnsteig auf unseren Kisten und Koffern wie die &#8222;Auswanderer nach Paraguay&#8220;. Da erschien der zust\u00e4ndige Pfarrer, um uns ein herzliches Willkomm zu geben. Dann hinein in die Stra\u00dfenbahn und, vorbei an Lindwurm und Landhaus, quer durch die ganze Stadt. Endlich waren wir am Ziel.<\/p>\n<p>Annabichl, du Bannmeile Klagenfurts, sei uns gegr\u00fc\u00dft!<\/p>\n<p>Der erste Besuch galt unserer Kirche, denn sie sollte ja das Zentrum unseres Wirkens werden, und dann hinauf zu unserer Wohnung. Nach kurzer Begr\u00fc\u00dfung und schneller Mahlzeit sahen wir uns unsere Villa einmal n\u00e4her an.<\/p>\n<p>Es war ein Privathaus, das man uns vermietet hat. Da aber dieses Wohnhaus selber nicht f\u00fcr so viele ausreichte, hatte der Hausherr seinen benachbarten Ro\u00dfstall zu einem Schlafsaal umgebaut. Diese &#8222;Villa Ro\u00dfstall&#8220;, wie sie gleich benannt wurde, war ein Sibirien. Wenn man \u00fcber den Boden schritt, h\u00f6rte man das noch darunter stehende Wasser glucksen. Auch im Winter keine Heizung, und an den W\u00e4nden glitzerten die Eiskristalle. In der ersten Nacht schlief man wenig, und um so mehr Witze wurden \u00fcber die &#8222;Villa Ro\u00dfstall\u201c erdichtet.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag war der erste Marsch zur Kirche, jeder in langem Talar. Voll Staunen riefen die Leute aus: &#8222;Soviel Pfohrer (Pfarrer), lauter pfohrer!&#8220; So viele Schwarzr\u00f6cke zu sehen, waren diese guten Leute nicht gewohnt. Es herrschte ja damals gerade in K\u00e4rnten der gr\u00f6\u00dfte Priestermangel ganz Osterreichs. Die schnell gewachsenen Vororte der gro\u00dfen St\u00e4dte waren meist ohne eigenen Seelsorger und darum leider der Kirche entfremdet. Der Bischof von Klagenfurt erz\u00e4hlte uns, da\u00df er, als er ein Jahr zuvor durch Annabichl ging, von den dortigen Kindern mit beleidigenden Ausdr\u00fccken bedacht wurde. &#8222;Hier fehlt eine Kirche!&#8220; sagte er sich, und so veranla\u00dfte er, da\u00df dieser Heustall gekauft und zu einer Kirche umgebaut wurde, die er dann uns Missionaren vom Kostbaren Blute anvertraute. (Vier Jahre sp\u00e4ter berichtete der gleiche Bischof: &#8222;Nirgends werde ich von den Kindern freundlicher begr\u00fc\u00dft als in Annabichl.&#8220;) Da\u00df es zu solcher Umwandlung gekommen ist, verdanken wir teilweise wohl auch den Opfern,<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>die unsere Theologen hier haben bringen m\u00fcssen. Die damalige Zeit war eine Notzeit. Zum morgendlichen Kaffee gab es trockenen Riebel, der Marsch zu den Vorlesungen war \u00fcber eine halbe Stunde weit. Auch dort im alten &#8222;Priesterhaus&#8220; war eine Abteilung, die den Namen &#8222;Sibirien&#8220; hatte. Dazu ein angestrengtes Studium. Also Opfer genug.<\/p>\n<p>In der Pfarrei selber setzte auch gleich ein merklicher Segen Gottes ein; die t\u00e4gliche Statistik, die wir f\u00fchrten, hat es uns gezeigt. Bei der ersten Messe war niemand von allen Leuten der Pfarrei anwesend. Am 2. Tag kamen einige neugierige Schulkinder. Vom 3. Tag an wartete dann t\u00e4glich ein ganzes Rudel dieser Kinder schon oben vor unserm Haus, um die &#8222;vielen pfohrer&#8220; zu begleiten. &#8211; 0 diese Kinder! Sie waren es an erster Stelle, die mit uns Priestern durch dick und d\u00fcnn gingen. So erz\u00e4hlte mir zum Beispiel die kleine Erna (7 Jahre alt, ihr Vater ein verbissener Kommunist): &#8222;Am Samstag hatte mich mein Vater geschlagen, weil ich immer mit euch gehe. Aber das macht mir nichts! Heute hatte er mich eingesperrt, damit ich nicht kommen k\u00f6nnte. Da bin ich zum Fenster hinausgesprungen. Er wird mich wieder schlagen. Aber das macht mir nichts!&#8220; &#8211; Nat\u00fcrlich haben diese vielen Kinder auch zu Hause ihrer Begeisterung freien Lauf gelassen und waren dadurch unsere besten Propagandisten geworden, bis hinein in die hintersten Familien.<\/p>\n<p>Die Kinder waren aber auch unsere besten Berichterstatter \u00fcber Krankheit, Not und Elend in der Pfarrei.<\/p>\n<p>Wie wunderten sich die Leute, da\u00df wir Patres so schnell alle Kranken aufst\u00f6bern und besuchen konnten. Sie kannten eben unsere jungen Such- und Sp\u00fcrhunde nicht, die mit wahrer Begeisterung uns t\u00e4glich vor dem Unterricht alle Kranken und manches Elend der Pfarrei meldeten. Wie vielen Schwerkranken konnten dadurch die Sakramente gespendet werden, die sonst ohne Christus gestorben w\u00e4ren! Dazu nur ein Beispiel.<\/p>\n<p>Der kleine Hansi meldet mir: &#8222;Herr Pater, im Heidenhof ist ein Mann sehr krank, aber einer, der von der Kirche nichts wissen will.&#8220; &#8211; Der Heidenhof ist ein gro\u00dfer Geb\u00e4udekomplex, in Hufeisenform gebaut, der in fr\u00fcheren Zeiten die &#8222;Heidinnen&#8220; f\u00fcr die nahe Kaserne beherbergte. Jetzt sind zwar diese Schmetterlinge fortgezogen, aber was zur\u00fcckgeblieben, war eher ein Heide als ein Christ zu nennen. &#8211; Gleich besuchte ich den Kranken, und nach langem Str\u00e4uben hat er doch endlich eingewilligt, zu beichten. &#8222;Und morgen bringe ich Ihnen die heilige Kommunion und die Kranken\u00f6lung!&#8220; Ich war entschlossen, diesem Harten die n\u00f6tige Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten abzuringen. &#8211; &#8222;Kinder, morgen nach der Schule kommt ihr in die Kirche, um dort den lieben Heiland zum Heidenhof zu begleiten!&#8220; Sie lie\u00dfen sich&#8217;s nicht zweimal sagen, gleich eine ganze Kompanie ist angetreten. Jedem gab ich ein brennendes Kerzenst\u00fcmpfchen in die Hand, und vorw\u00e4rts ging die lange Lichterprozession, laut betend, dem Heidenhof entgegen. Selbst die Stra\u00dfenbahn mu\u00dfte warten, bis unser langer Zug die Stra\u00dfe \u00fcberquert hatte. Mit welcher Begeisterung meine kleinen Apostel beteten und sangen, l\u00e4\u00dft sich leicht ausdenken. Als wir dann endlich ins<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>gro\u00dfe Geviert des Geb\u00e4udes einzogen und die Kinderstimmen im Hof widerhallten, da \u00f6ffneten sich T\u00fcren und Fenster und die meisten der Neugierigen beteten mit. Dann f\u00fcllte sich die Krankenstube mit dem Schein der Kerzen und mit den strahlenden Gesichtern, die f\u00fcr &#8222;ihn&#8220; beteten. Er h\u00e4tte kein K\u00e4rntner Gem\u00fct haben m\u00fcssen, um noch weiterhin diesem Ansturm der Liebe sich zu widersetzen. Die hellen Tr\u00e4nen rollten ihm nun aus den Augen und &#8211; wieder einmal hat Christus gesiegt.<\/p>\n<p>Der K\u00e4rntner ist, gleich dem Wiener, ein sangesfroher Mensch. Auf unserem Friedhof in Annabichl liegt der bekannte Komponist Koschat begraben, dessen Lied &#8222;Verlassen, verlassen bin ich, wie die Stein auf der Stra\u00dfen . . .&#8220; weithin bekannt ist. Auch wir Zw\u00f6lf lie\u00dfen gleich unsere Stimmen erschallen und bald haben sich auch andere sangesfreudige M\u00e4nner der Pfarrei dazugesellt. Als erster war es der Schmiedemeister, ein kr\u00e4ftiger, starker Mann. Wie oft stand ich sp\u00e4ter in seiner Schmiede und schaute den gl\u00fchend spr\u00fchenden Funken zu, die er aus den Hufeisen zu h\u00e4mmern wu\u00dfte. Aber er verstand es auch, mir Wink und Rat zu geben, wie ich als Priester die Funken Gottes wieder in die Seelen hineinh\u00e4mmern k\u00f6nnte. Seine Frau, eine von jenen vielen unbekannten Heiligen, offenbarte mir eines Tages: &#8222;Herr Pater, wenn ich zuweilen nachts wach werde, dann wei\u00df ich, da\u00df ich vergessen habe, an diesem Abend f\u00fcr Sie zu beten. Und erst dann, wenn ich es nachgeholt, kann ich weiterschlafen.&#8220; Ja, der Mensch hat oft mehr als nur einen einzigen Schutzengel.<\/p>\n<p>Nun also war dieser Schmiedemeister zu uns gekommen. Am Werktag lie\u00df er an seiner Esse den Ambo\u00df erklingen und am Sonntag seinen tiefen Ba\u00df bei uns in der Kirche. Gleich kamen auch noch etliche andere hinzu; unser M\u00e4nnerchor konnte sich h\u00f6ren lassen. P. Hermann dirigierte und ich spielte die Orgel. Zwar eine richtige Orgel hatten wir noch keine, nur ein Harmonium. &#8211; Darum zimmerte ich in einer Schreinerei noch ein Pedal, lie\u00df mir dazu vom Orgelbauer die n\u00f6tigen Stimmen kommen, und als Windmotor installierte ich einen umgedrehten Staubsauger. Somit h\u00e4tte man das ganze als eine richtige Orgel betiteln k\u00f6nnen. Doch es hatte nur noch einen Fehler, und der war: es ging nicht, es t\u00f6nte nicht. Die Puste unseres alten Staubsaugers war zu schwach. So blieb es halt weiterhin nur ein Harmonium. Doch um so jubilierender sangen die Ten\u00f6re, knurrten unsere B\u00e4sse. So hat zum Beispiel unser Karl mit Leichtigkeit das hohe A erreicht. Zum B ging&#8217;s auch noch leidlich. Doch das hohe C &#8211; ach, wie gerne h\u00e4tte er es erreicht! &#8211; das mu\u00dfte er dem Caruso \u00fcberlassen. So sangen wir jeden Sonntag zu Amt und Andacht, und nach und nach f\u00fcllte sich die Kirche mit gl\u00e4ubigen Christen.<\/p>\n<p>Aber auch zu anderen Gelegenheiten hat man uns gew\u00fcnscht. Zu Weihnachten gaben wir dem Personal der gro\u00dfen Landes-Irrenanstalt ein Konzert, und unser Lied &#8222;Wintern\u00e4cht&#8217;ges Schweigen&#8220; mu\u00dfte mehrmals wiederholt werden. Bei einer anderen Darbietung in einem Theatersaal hatte unser Chorlied &#8222;Ein Frater Kellermeister, der wohnte an dem Rhein&#8220; ein besonderes Wohlgefallen gefunden.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>So ist es also leicht verst\u00e4ndlich, da\u00df die Leute, die damals den Ruf einer kommunistischen Hochburg hatten, nun nach und nach eine andere Ansicht \u00fcber den katholischen Priester sich bildeten.<\/p>\n<p>Ja, sogar die Theaterb\u00fchne machten wir zu einer zweiten Kanzel. Meine strammen Burschen vom &#8222;Reichsbund katholischer Jugend&#8220; und ebenso die Kinder des neugegr\u00fcndeten \u201eJungk\u00e4rnten&#8220; gaben die besten Schauspieler ab. In die Theaterst\u00fccke f\u00fcgten wir dann immer an geeigneten Stellen k\u00e4rntnerische Volkslieder und Szenen mit religi\u00f6sem Einschlag hinzu, denn die zweite Kanzel war ja schlie\u00dflich f\u00fcr uns die Hauptsache und eine Freude f\u00fcr die Kinder. Muttergotteskleider und Engelsfl\u00fcgel rauschten darum oft \u00fcber die B\u00fchne. So liebten es die K\u00e4rntner, die ja bekanntlich eine gro\u00dfe Vorliebe f\u00fcr Maria haben. Bei dem Missionsst\u00fcck &#8222;Caonabo, der dunkle Mond&#8220; habe ich selber den Missionar dargestellt. Hatte ich doch diese Rolle schon in meiner Jugendzeit einmal gespielt. Doch jetzt war es Spiel und Wirklichkeit gemeinsam.<\/p>\n<p>Die Heimstunden unserer Jugendgruppen hielten wir in dem Saale unter der Kirche. Zuerst war dieser Saal ein elendiges Loch. In vielen Arbeitsstunden richteten wir ihn her. Der Bischof selbst hat uns die Bretter f\u00fcr den Boden geliefert. Nun war also reger Betrieb auch hier unter der Kirche entstanden. Zur Adventzeit war ein besonders flei\u00dfiges Kommen und Gehen, denn wir hatten einen Wettbewerb zur Krippenausstellung unternommen. Da mu\u00dfte nun manch kommunistischer Vater, ob er gern wollte oder nicht, ein sonniges Bethlehem malen und eine phantastisch gekleidete Madonna herzaubern, weil sein Spr\u00f6\u00dfling, der unbedingt einen Preis erringen wollte, ihm nicht eher Ruhe lie\u00df. &#8211; Und das war unsere dritte Kanzel.<\/p>\n<p>Um die Schulden, die noch auf der Kirche lasteten, abzahlen zu k\u00f6nnen, haben wir au\u00dfer Sammlungen und Theater auch noch Volksfeste veranstaltet. Da standen nun allerlei Buden mit den verschiedensten Attraktionen. So war zum Beispiel eine Bude mit der Aufschrift: &#8222;Zwei Annabichlerinnen &#8211; von \u00fcber drei Meter L\u00e4nge. Eintritt 2.- Schilling.&#8220; Wer herauskam war voller Fr\u00f6hlichkeit und hat seine Freunde hineingewiesen. Was war darin? Zwei Rinnen, Annabichler Dachrinnen von \u00fcber 3 m L\u00e4nge, bunt bemalt, mit Blumen verziert.<\/p>\n<p>Zugunsten unserer Kirche starteten wir sogar eine Schneerosenaktion. In den Karawanken gibt es viele dieser cremewei\u00dfen Schneerosen. In sch\u00f6ne Schachteln verpackt, sandten wir sie an alle Hochzeiten und Festlichkeiten, deren Adressen wir aus den Zeitungen ausfindig machen konnten. Beim R\u00f6slein lag die Bitte um eine Spende f\u00fcr unser armes Kirchlein. &#8211; So konnten wir allm\u00e4hlich die noch f\u00e4lligen Schulden unserer Kirche begleichen und dieser ehemalige alte Stall ist zu einem Bethlehem der religi\u00f6sen Erneuerung geworden.<\/p>\n<p>In Klagenfurt, wie auch im ganzen Lande, ist die Zeit um Ostern nicht nur eine Fast-, sondern auch eine Festzeit, deren alte Volksbr\u00e4uche besonders am Karsamstag hohe Wellen schlagen.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>Karsamstag, Vortag der Auferstehung und Fest der Fleischweihe. &#8211; Die Kirche ist zum bersten voll, und noch immer dr\u00e4ngen sich neue Massen mit ihren langen K\u00f6rben unter dem Arm zur T\u00fcr herein. Was sie tragen, ist ein buntes Gemisch von all den guten Sachen, wonach ein hungriger Magen nach einer langen Fastenzeit verlangt oder wenigstens verlangen w\u00fcrde, falls er gefastet h\u00e4tte. Den Schinken, den Speck und den Braten umkreisen die Eier und Fr\u00fcchte. Hausbackenes Brot und reich verzierter Guglhupf, hier &#8222;Reindling&#8220; benannt, sind festlich umrankt von Salat und Spinat, und dazwischen gl\u00fchen Orangen. Auch M\u00f6hren und Tomaten d\u00fcrfen nicht fehlen. Dies alles umduftet ein scharfer &#8222;Kr\u00e4n&#8220; (Rettich), der das zu weihende Salz &#8211; noch sch\u00e4rfer zu salzen hat. All diese Gaben umschlie\u00dft nun noch die Kette appetitlicher W\u00fcrste. Und das sch\u00f6nste Tuch, das der Hausfrieden birgt, darf alle diese Herrlichkeiten decken.<\/p>\n<p>Ja, die Fleischweihe ist im Rituale des liturgischen Jahres der K\u00e4rntner ein Fest erster Klasse. Noch lange duftet die Kirche nach dieser heiligen Weihe.<\/p>\n<p>Dann folgt die &#8222;Auferstehung&#8220;. &#8211; Die Freude, die sich zu Hause bei Tisch innerhalb der vier W\u00e4nde kundgetan, will sich nun auch nach au\u00dfen hin ergie\u00dfen. Das geschieht in der Auferstehungsprozession. Dieser &#8222;Umgang&#8220; ist sicherlich f\u00fcr den K\u00e4rntner nicht nur ein Spaziergang mit religi\u00f6sem Gepr\u00e4ge und Gepr\u00e4nge, sondern auch eine \u00e4u\u00dfere Danksagung an Gott, dessen G\u00fcte er auch drau\u00dfen in der Natur empfinden will; eine Danksagung an den, der ihm den Tisch so reich gedeckt. Darum liebt er seine Prozessionen.<\/p>\n<p>Damit nun seine Freuden auch weit h\u00f6rbar hinausschallen und -knallen, stellt er seine dicksten B\u00f6ller auf. So zogen wir mit Kreuz und Fahne singend und betend in Gottes sch\u00f6ne Natur. An der Spitze marschierte einer unserer Theologen, der das hohe Prozessionskreuz trug. Als wir eben um eine Ecke bogen, knallte einer dieser B\u00f6llersch\u00fcsse mit einem solchen Blitz und Donner ihm entgegen, da\u00df das Kreuz ihm entglitten w\u00e4re, h\u00e4tten nicht seine beiden Assistenten es noch schnell gerettet. Weiter ging es unter den Kl\u00e4ngen der Musik und mit den wehenden Fahnen, der Kirchenchor mit Liedern und die Kinder mit fr\u00f6hlichen Gesichtern. Nur die Feuerwehr versuchte unter ihren Helmen das ernsteste Gesicht zu machen, was oft nicht jedem gut gelang. Gott preisend und lobend, sind wir schlie\u00dflich zu unserem Gotteshaus zur\u00fcckgekehrt. Das war unser erster &#8222;Umgang&#8220;.<\/p>\n<p>Auch in Annabichl haben wir gleich einen neuen Baldachin angeschafft.<\/p>\n<p>Mit dem Emausgang am Ostermontag nach Maria Saal fand der Osterritus seinen Abschlu\u00df. &#8211; F\u00fcr uns aber kamen nun wieder die grauen Alltage, die Zeit der ernsten, stillen Arbeit, von der keine Schrift und kein Chronist berichtet. Und doch ist gerade dieses ruhig-stille M\u00fchen das wichtigste bei jeder Gottesarbeit.<\/p>\n<p>So reihte sich nun Tag an Tag, verliefen die Monate, kamen und gingen die Jahre &#8211; bis ich dann wieder meine Koffer suchte, um einem neuen Ruf<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>zu folgen, diesmal ins sch\u00f6ne B\u00f6hmerland. Ja, ich, ein Missionar vom Kostbaren Blute, ich bin ein ewiger Zigeuner Gottes.<\/p>\n<p>Nun denn, es lebe die Freiheit, auf nach B\u00f6hmen! Doch K\u00e4rnten bleibt mir unverge\u00dflich.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. \u00bd, Juli\/August 1963, S. 22-26 (14. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (14. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>In meiner Bubenzeit sang ich gerne das Lied vom B\u00f6hmerwald. Damals ahnte ich nicht, da\u00df einmal dieses B\u00f6hmerland mit all seinen Natursch\u00f6nheiten mich umfangen wird. Wie sind wir so pl\u00f6tzlich in dieses Land gekommen? Eine Anzahl Studenten, die in dem b\u00f6hmischen D\u00f6rfchen Lindenau im Privatunterricht des dortigen Herrn Dechant standen, wollten sich nun unserer Kongregation anschlie\u00dfen. Ein neues Seminar C. PP. S., unser erstes ausl\u00e4ndisches Missionsseminar, sollte er\u00f6ffnet werden. Provinzial P. Jussel beauftragte mich mit dieser Aufgabe.<\/p>\n<p>So reiste ich wieder ab mit meinen zwei Koffern, doch ohne Geld &#8211; P. Gregory hatte fast nie Geld, und nur mit einem &#8222;In Gottes Namen, versuch&#8217;s halt, &#8217;s wird schon gehen!&#8220; hat er die Seinen in die Welt geschickt. &#8211; Der sch\u00f6nste Film f\u00fcr mich war immer, wenn ich am offenen D-Zug-Fenster stehen und den farbigen Panoramafilm Gottes genie\u00dfen konnte. Nur das eine, die unbekannte fremde Sprache war meine Sorge. Doch bald hie\u00df es: &#8222;Leitmeritz, aussteigen!&#8220; Ich war an meinem Ziel. Diese interessante Sudetenstadt sollte nun durch Jahre hindurch meine neue Heimat sein. &#8211; Was ist Leitmeritz, oder besser, was war Leitmeritz, noch bevor es durch die Vertreibung der dortigen Sudetendeutschen zu einer entbl\u00e4tterten Blume wurde? Ich m\u00f6chte in kurzen Strichen das Wesentlichste dieses St\u00e4dtleins zeichnen.<\/p>\n<p>Wer von Prag aus sich mit dem Zuge dieser Stadt n\u00e4hert, sieht schon von Ferne die Kathedralkirche weit \u00fcber das H\u00e4usermeer emporragen, und die Elbe und die Eger flie\u00dfen heran und vereinigen sich hier. Leitmeritz war der Mittelpunkt des ganzen sudetendeutschen katholischen Lebens in Nordb\u00f6hmen und der Sitz des einzigen deutschen Bischofs im b\u00f6hmischen Land. Die Di\u00f6zese geh\u00f6rte ihrer r\u00e4umlichen Ausdehnung nach zu den gr\u00f6\u00dften der katholischen Welt, denn nirgends in ihr gibt es Gro\u00dfst\u00e4dte, in denen die Bev\u00f6lkerung eng zusammenwohnt, sondern die Einwohner verteilen sich auf viele kleine St\u00e4dte und zahllose D\u00f6rfer und Weiler, die sich von der Ebene und der h\u00fcgeligen Landschaft bis hoch in das Gebirge hinauf, in die einsamsten Gegenden erstrecken. Von den ehemaligen 1,8 Millionen Gesamteinwohnern bekannten sich 1,3 Millionen zum katholischen Glauben. Die Leitmeritzer Di\u00f6zese war die einzige des ganzen Landes, wo die Deutschen unter den Katholiken \u00fcber drei Viertel der gesamtkatholischen Bev\u00f6lkerung ausmachten.<\/p>\n<p>Von Linden umrauscht, steht da in der Mitte des m\u00e4chtigen Marktplatzes die ragende Mariens\u00e4ule, das Wahrzeichen so vieler katholischer St\u00e4dte B\u00f6hmens, die hier alles beherrscht, und um deren Sockel vier steinerne Heiligenbilder nach den vier Himmelsrichtungen sich erheben. W\u00e4hrend in Prag die herrliche Mariens\u00e4ule auf dem Rathausplatz in den Wirren der Nachkriegszeit von Ungl\u00e4ubigen zertr\u00fcmmert wurde, ragt sie hier wie ehedem, alle<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>Ereignisse \u00fcberdauernd, unversehrt zum Himmel. Kirchen, Kl\u00f6ster, denkw\u00fcrdige Bauten und H\u00e4user stehen in der Runde.<\/p>\n<p>Mitten in der Stadt ist ein merkw\u00fcrdiges Geb\u00e4ude aus der Zeit der fr\u00fcheren b\u00f6hmischen Glaubensk\u00e4mpfe: das sogenannte &#8222;Kelchhaus&#8220;. Es ist ein Haus mit einem hohen, kelchartigen Turm, der daran erinnert, wie die Hussiten in Leitmeritz den Utraquismus predigten, den Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalten. Aber neben diesem Kelchhaus steht auch noch sein Gegenst\u00fcck: die &#8222;Alte K\u00f6nigsburg&#8220;, die die Zufluchtsst\u00e4tte der Katholiken war.<\/p>\n<p>Auf einer einsamen H\u00fcgelgruppe ragt die Kathedralkirche zu St. Stephan majest\u00e4tisch in den Himmel hinauf. Am Kapuzinerplatz, etwas entfernter vom Stadtinnern, erhebt sich das Kapuzinerkloster mit der Kirche der heiligen Ludmilla. Die ber\u00fchmte Stadtkirche zu &#8222;Allerheiligen&#8220; mit ihren pr\u00e4chtigen Pyramiden ist eine der eigenartigsten Kirchen B\u00f6hmens; sie erhebt sich neben dem Stadtturm, der in seinem Glockenstuhl sieben Glocken Raum bietet. Nebenan in der Jesuitengasse treffen wir, auf einer Terrasse thronend, die barocke Jesuitenkirche. Wie ein W\u00e4chter am Stadteingang steht neben ihr die gro\u00dfe theologische Lehranstalt der Di\u00f6zese, das Priesterseminar, in dem unsere Missionsstudenten bald ihre Studien aufnehmen konnten. Unweit des Stadtzentrums steht die Dominikanerkirche. Das anschlie\u00dfende Dominikanerkloster hat uns seine gastlichen Tore ge\u00f6ffnet und uns ein Nebengeb\u00e4ude zur Errichtung unseres &#8222;Missionsseminar Leitmeritz&#8220; zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Wir waren ein Pater, ein Laienbruder, unser Koch und vierundzwanzig Theologen, von denen sieben aus der Tschechoslowakei, einer aus der Schweiz und die \u00fcbrigen alle aus Deutschland waren. Unsere Einnahmen waren nur sehr gering, denn das damalige Devisengesetz erlaubte jedem nur, 10 Mark im Monat sich senden zu lassen. Gott mu\u00dfte da helfen und uns neue Quellen auftun. Doch gerade diese Armut hat uns zu gegenseitigem Helfen und Verstehen zusammengeschwei\u00dft. Wir wurden ein Herz und eine Seele.<\/p>\n<p>Unser Verh\u00e4ltnis zur ausl\u00e4ndischen Umgebung war rasch ein freundliches geworden. Die Musik war dabei unsere Wegbereiterin. Wir bildeten einen beachtlichen M\u00e4nnerchor, an dem selbst das Echo der gro\u00dfen Dominikanerkirche sein Gefallen hatte. P. Sadok o. Praed. brachte mir sogar ein Cello, mit dem ich, flei\u00dfig \u00fcbend, an den Hochfesten seine Missae solemnes untermalen mu\u00dfte. Im Kindergottesdienst habe ich oft die melodi\u00f6sen tschechischen Lieder auf der Orgel begleitet. Das &#8222;svaty, svaty&#8220; zum Sanktus hat \u00fcbrigens die gleiche Melodie wie unser &#8222;heilig, heilig&#8220;. &#8211; Sprachen trennen die V\u00f6lker, Musik aber eint.sie wieder.<\/p>\n<p>Da auch der Bischof unserem kleinen Missionsseminar seinen Besuch angesagt hatte, \u00fcbten wir festliche Empfangslieder ein und bekr\u00e4nzten unsere Pforte. Doch vermutlich aus politischen R\u00fccksichten und Vorsichten ist es zu einem Empfang nie gekommen. Die Stellung des Bischofs in diesem Land der f\u00fcnf V\u00f6lkerschaften war eine prek\u00e4re.<\/p>\n<p>Da in der ersten Zeit f\u00fcr unsere Theologen noch keine M\u00f6glichkeit be-<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>&lt;Gruppenbild mit Patres&gt;<\/p>\n<p>stand, im gro\u00dfen Priesterseminar die Vorlesungen zu besuchen, haben wir diesen Unterricht in unserem eigenen Missionsseminar eingerichtet. Zwei Dominikanerpatres, die fr\u00fcher Professoren an ihren eigenen Ordensschulen waren, haben ihr altes Hobby gerne wiederaufgenommen und gaben t\u00e4glich bei uns in mitbr\u00fcderlicher Hilfsbereitschaft Vorlesungen aus Philosophie und Theologie. Dazu kamen noch zwei Professoren aus dem bisch\u00f6flichen Seminar, die in ebenso zuvorkommender Weise bei uns um Gottes Lohn Vorlesungen hielten. Und wenn ich noch den f\u00fcnften Dozenten unseres Lehrk\u00f6rpers erw\u00e4hnen darf &#8211; es war ein Missionar vom Kostbaren Blute, den die Leser des Herold selbst erraten m\u00f6gen. Die F\u00e4cher, die er gab, waren Moral, Kirchengeschichte und Homiletik (Predigtkunde). Unsere \u201ekleine theologische Fakult\u00e4t&#8220; funktionierte ausgezeichnet. So konnten nun die zuk\u00fcnftigen Priester, Missionare und Prediger heranreifen.<\/p>\n<p>Die Predigt\u00fcbungen wurden im leeren Theatersaal des Klosters gehalten, wo dann so mancher seinem Rednertalent freien Lauf lassen konnte.<\/p>\n<p>Das Tagesprogramm war nat\u00fcrlich genau geregelt. Wenn am Morgen die Wecker ratterten, trat nach zwanzig Minuten jeder im Klosterhof zum Fr\u00fchsport an. Wir pumpten t\u00fcchtig unsere Lungen aus, da wir ja in der Nacht alle zusammen auf ziemlich engem Raume schlafen mu\u00dften. Anschlie\u00dfend ging es zu unserer Kapelle. Dieses Heilig-Kreuz-Kapellchen hat der Dekan der Stadt eigens f\u00fcr uns ausmalen und herrichten lassen. Wohlt\u00e4ter spendeten Ciborium und Missale. (Beides dient noch heute hier in Kleinholz.)<\/p>\n<p>In Leitmeritz ist ein bekanntes Kirchlein, das dem heiligen Adalbert geweiht ist. War doch dieser Heilige einer der gr\u00f6\u00dften und ber\u00fchmtesten Bisch\u00f6fe Prags. Zu diesem Kirchlein wurden wir oft, besonders an den Festtagen, eingeladen, Predigt und Andacht zu halten. Gerne entsprachen wir immer dieser Bitte.<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>Aber auch die Kolpingsbr\u00fcder fanden den Weg in unser Heim. Sie baten mich, ihr Pr\u00e4ses und geistiger Betreuer zu werden. Ihr fr\u00f6hlicher Familiengeist war ein au\u00dferordentlich guter. &#8211; An interessanter Arbeit hat es mir also nicht gefehlt. Ja, schlie\u00dflich wurde ich auch noch von h\u00f6herer kirchlicher Stelle gebeten, das Amt des Referenten des &#8222;Katholisch-deutschen Schulvereins&#8220; zu \u00fcbernehmen. (Was man nicht alles von einem Missionar erwartet und ihm zutraut!) Zu guter Letzt richtete ein Kanonikus des Ordinariates an mich das Ersuchen, im weiten B\u00f6hmerland Lichtbildervortr\u00e4ge \u00fcber die Mission am Amazonas zu halten. Das &#8222;Katholische Missionswerk&#8220; hatte n\u00e4mlich einen ausl\u00e4ndischen Brasilienmissionar hierzu eingeladen und durch die Kanzeln und Plakate schon an vielen Orten seinen Vortrag verk\u00fcnden lassen. Nun war dieser Missionar pl\u00f6tzlich erkrankt. Deshalb ersuchte man mich, diese Vortr\u00e4ge zu \u00fcbernehmen, zumal da auch wir unsere Mission am Amazonas h\u00e4tten. Da inzwischen das bisch\u00f6fliche Seminar meinen Theologen die Tore ge\u00f6ffnet hatte, mu\u00dfte ich diese Bitte erf\u00fcllen und das Angebot annehmen. Schnell raffte ich meine Kenntnisse \u00fcber Schlangen, Affen und Indianerleben, die ich aus dem Herold noch in Erinnerung hatte, zusammen, und die Vortragsreise \u00fcber unsere Brasilienmission konnte beginnen. &#8211; Wieder hatte Gott eine neue Quelle zur finanziellen Hilfe uns aufgetan und selbst den fernen Xingu beauftragt, uns hier im B\u00f6hmerland den Tisch zu decken helfen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Damit auch die Theologen die Sch\u00f6nheit des Landes kennenlernten, machten wir verschiedene Ausfl\u00fcge. Der sch\u00f6nste d\u00fcrfte wohl gewesen sein die Wanderung das Elbtal hinab. Dieser Ausflug von Leitmeritz nach Aussig \u00fcber den Ludwig-Richter-Weg zur Zeit der Kirschbl\u00fcte lockt sogar Schiffe voller Ausfl\u00fcgler selbst von Dresden hierher. &#8211; Elbetal, ein sch\u00f6nes Tal.<\/p>\n<p>&lt;Foto gelegentlich eines Besuches von P. Provinzial Jussel&gt;<\/p>\n<p>25<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste aber f\u00fcr uns war doch schlie\u00dflich, als die ersten f\u00fcnf unserer Theologen ihr hohes Ziel endlich erreicht hatten und die heilige Priesterweihe erhielten, um dann in ihrer Heimat die so lang ersehnte Primiz zu feiern. Die M\u00fchen und Sorgen um junge Priester hatten ihre ersten Fr\u00fcchte gezeitigt und die Freuden des Erfolges waren berechtigt.<\/p>\n<p>Doch leider, der Ausblick in die Zukunft fing an, sich zu verdunkeln. Die Spannungen unter den f\u00fcnf Nationalit\u00e4ten der Tschechoslowakei wurden immer \u00e4rger, und die Friedenssonne im Sudetenland neigte sich zusehends. Uns aber hat Gott noch rechtzeitig vor dieser politischen Explosion bewahrt.<\/p>\n<p>Nach dem letzten Semester des Studienjahres legte der Bischof uns nahe, die Studien der noch \u00fcbrigen Theologen in der deutschen Heimat zu vollenden. Wir folgten seinem Rate. Im n\u00e4chsten Jahr schon ist das Sudetenland zum Hexenkessel politischen Wahnsinnes geworden.<\/p>\n<p>Wir aber dankten Gott, der uns gef\u00fchrt und uns gesegnet, da er doch schlie\u00dflich aus diesem ersten kleinen Missionsseminar sechzehn junge Priester hat hervorgehen lassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gott hat es begonnen, mit Gott ward es vollendet.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 5\/6, November \/Dezember 1963, S. 15-17 (14. Fortsetzung zum zweiten!)<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (14. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>F\u00fcr die Geschichte unserer Deutschen Provinz ist sicher von besonderem Interesse die Entstehung unserer Mission in Brasilien. Gibt es doch heute leider kaum noch zwei oder drei Personen, die die Uranf\u00e4nge dieses Missionsgedankens noch miterlebt haben.<\/p>\n<p>Der Missionsplan &#8222;Brasilien&#8220; ist folgenderma\u00dfen entstanden:<\/p>\n<p>Im Provinzialat von P. Jussel lief t\u00e4glich eine Reihe von Briefschaften ein. Eines Tages war darunter auch ein Schreiben des Franziskanerbischofs Bahlmann aus Brasilien. Dieser hatte geplant, die H\u00e4lfte seiner Di\u00f6zese abzutrennen, den Teil des Xingu, und es einer anderen Genossenschaft anzuvertrauen. Rom bef\u00fcrwortet seinen Plan. &#8222;Meinen dreifachen Segen&#8220;, sagte der Papst, &#8222;dem, der dorthin geht!&#8220; So suchte Bischof Bahlmann in der weiten katholischen Welt einen Orden oder Kongregation, die diesen Teil des Amazonasbeckens \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Er schrieb auch an uns, obwohl wir noch eine kleine, junge Provinz bildeten. Waren wir doch damals kaum 18 Patres und jeder davon in vollem Einsatz. Doch P. Prov. Jussel, getreu seinem Grundsatz: &#8222;Mir k\u00f6nne alles bruche&#8220; (wir k\u00f6nnen alles brauchen), sagte dem Bischof zu.<\/p>\n<p>Als er uns seinen Entschlu\u00df verk\u00fcndete, waren wir alle sprachlos. Missionen im Ausland sind ja in unserer Kongregation nicht vorgesehen, und nur wer es freiwillig w\u00fcnscht, kann dort sein Arbeitsfeld finden. Wir Patres begannen nun das F\u00fcr und Wider des damals uns noch sehr dunklen und gewagten Unternehmens abzuw\u00e4gen. Angefangen von den Stechm\u00fccken bis zum Krokodil, vom Wasserstrudel bis zum Indianerh\u00e4uptling, von allen Krankheiten und Einsamkeiten, all das war unser gro\u00dfer Zweifel, unsere ungel\u00f6sten Fragen. Man sagte uns, da\u00df dort eines der heikelsten Klimas der Welt sei, da\u00df deshalb niemand dieses Missionsfeld \u00fcbernehmen wolle. Und wir kleine Provinz &#8211; die wir vor kurzem erst mit den Missionen des Inlandes (der eigentlichen Aufgabe unserer Kongregation) begonnen hatten, sollten wir uns so schnell in der Gr\u00fcnen H\u00f6lle des Amazonas verbluten?<\/p>\n<p>Nun meldete sich P. Markus Schawalder als erster zu dieser ausl\u00e4ndischen Mission. Schon von Jugend auf war dies sein heimlicher Wunsch gewesen. Doch wer sollte mit ihm reisen, wer h\u00e4tte Lust zu diesem gewagten Abenteuer? Damals war diese neue Idee wirklich noch wie ein Abenteuer.<\/p>\n<p>Wie wir sp\u00e4ter erfuhren, sollte P. Provinzial, wenn m\u00f6glich, damals schon jemanden in Aussicht stellen, der sp\u00e4ter das Bischofsamt \u00fcbernehmen sollte. &#8222;Kannst Bischof werden, wirst Bischof werden!&#8220; Mit diesen Worten suchte er nun mich f\u00fcr diese &#8222;Fahrt ins Blaue&#8220; zu bestimmen. Er berief sich sogar auf meine Ansprache, die ich an meinem Primiztag gehalten habe. Ich ver-<\/p>\n<p>15<\/p>\n<p>sprach ihm, die Sache zu studieren. Ich kaufte mir ein einschl\u00e4giges Werk \u00fcber Nordbrasilien, geschrieben von einem Franziskanerpater. Doch siehe: darin stand nichts Gutes &#8211; fast die H\u00e4lfte der dort missionierenden Franziskaner waren am Amazonas fr\u00fchzeitig gestorben. Und ich, ein junger Priester, kaum ausgeweiht &#8211; &#8211; &#8222;Wer dorthin geht, mag in der einen Tasche den Taufschein und in der anderen. Tasche seinen Totenschein mitnehmen&#8220; war meine resignierte Antwort. Und in der Tat, ich sollte Recht behalten. Damals standen der Medizin noch viel wenigere Mittel zur Verf\u00fcgung als heute.<\/p>\n<p>P. Gregor suchte weiter nach einem Begleiter. Und siehe: zum zweiten Auslandsmissionar ward unser P. Hans berufen. Seine Berufung war recht sonderbar. Das kam so:<\/p>\n<p>P. Johannes war ein recht lustiger Mensch; \u00fcberraschende Streiche waren seine Lieblingsbesch\u00e4ftigungen. &#8222;Wo erlaubt, da immer das Gegenteil tun!&#8220; &#8211; darin fand er einen prickelnd reizenden Sport. Da wollte er z. B. eines Tages ein Bad nehmen. &#8222;Eine Handvoll Heublumen&#8220;, lautete die Anleitung. Er aber nahm mehrere Kilo. Und so wurden ihm Lippen und Ohren grasgr\u00fcn und das Herz pochte ihm ganz wild. Beinahe w\u00e4re er daran gestorben. Doch er hatte ein gutes Herz. &#8211; Ein gutes Herz aber auch f\u00fcr die andern, Da begegnete ihm eines Tages auf dem Weg nach Saxerried (Schweiz) ein Bettler, der ihn um eine Hose bat. Schnell verschwand unser P. Hans hinter einem Busch und als er hervorkam, \u00fcberreichte er dem Bettler seine eigene Hose, w\u00e4hrend er dann im Talar lachend weitermarschierte, denn er wu\u00dfte: Nun mu\u00df mir P. Provinzial eine neue Hose kaufen. (Und P. Gregory war doch immer in gro\u00dfen Geldn\u00f6ten wegen seiner vielen hungrigen Buben!)- Kurze Zeit darauf kam ein Bettler ins Xaveriushaus (vielleicht war es sogar der n\u00e4mliche von fr\u00fcher). &#8222;Wollen Sie eine Hose?&#8220; frug ihn P. Johannes. &#8211; &#8222;Gerne.&#8220; &#8211; Und unser Hans ging unbemerkt ins Zimmer von P.Provinzial, \u00f6ffnete dessen Schrank, nahm die beste Hose heraus, die er dort fand, und schenkte sie dem Bettler. Zwei Tage sp\u00e4ter sollte P. Jussel dringend verreisen. Als er nun seinen Sonntagsanzug anlegen wollte, fand er trotz eifrigsten Suchens die Hose nicht. Da h\u00f6rte er ein Kichern in einer Ecke des Speisesaals, und das hat ihn dann auf die richtige Spur des \u00dcbelt\u00e4ters gef\u00fchrt. Nun regnete es echte Vorarlberger Ausdr\u00fccke \u00fcber diesen B\u00f6sewicht. Der aber wollte l\u00e4chelnd auf einen n\u00e4chsten Streich nachsinnen.<\/p>\n<p>Da kam jedoch auch \u00fcber P. Jussel (Druck Jusses) die richtige Erleuchtung: &#8222;Jetzt wirst du mir keine Streiche mehr machen &#8211; ich werde dich zu jenen Menschen schicken, denen du keine Hosen mehr klauen kannst. Du gehst zu den Indianern im Urwald.&#8220; &#8211; Gesagt, getan.<\/p>\n<p>So wurde Hochw\u00fcrden P. Johannes Rinderer zu unserem zweiten Urwaldmissionar Brasiliens.<\/p>\n<p>Inzwischen war auch Bischof Bahlmann selber in Feldkirch eingetroffen. Wir Patres hatten einen ganzen Katalog von Fragen an ihn zu richten. Doch viele beantwortete er nur: &#8222;Kommen Sie her\u00fcber und Sie werden es dann selber sehen.&#8220; Und sogleich reiste er ab.<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>&lt;Bild: Links: P. Schawalder, Mitte: P. Jussel, rechts: P. Rinderer&gt;<\/p>\n<p>Nach einer herzlichen Abschiedsfeier im Xaveriushaus sind am 29. Oktober 1929 unsere beiden Urwaldmissionare nach Brasilien abgereist. Nun waren sie ganz auf sich allein gestellt, und ein gro\u00dfes Neuland lag vor ihnen; Sprache und Sitten v\u00f6llig unbekannt. In Brasilien gibt es an die hundert Gesundheitsregeln, beginnend mit den Worten &#8222;Faz mal&#8220; (&#8222;Man darf nicht&#8220;), die jeder Brasilianer kennt. So z. B.: &#8222;Faz mal am hei\u00dfen Tag vom Baum Bananen zu pfl\u00fccken und sie sogleich verzehren.&#8220; Darum tut sich der Europ\u00e4er anf\u00e4nglich schwer in diesem Gestr\u00fcpp von Gesundheitsregeln. Das Leben unter dem \u00c4quator ist halt anders als bei uns; es ist monoton und doch aufreibend, es ist gef\u00e4hrlich, oft \u00fcberraschend gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Und diese \u00dcberraschung kam uns allen allzu schnell: Nach vier Monaten war P. Johannes Rinderer in Brasilien gestorben. Ich hatte also leider doch recht behalten. Er, der zweitj\u00fcngste aller Patres, war der erste, den der Tod aus der Deutschen Provinz geholt. &#8211; Brasilien ist wirklich eine Gr\u00fcne H\u00f6lle.<\/p>\n<p>P. Markus aber war lange Jahre hindurch der Schutzengel der Aller\u00e4rmsten Brasiliens, der Auss\u00e4tzigen. Gott allein kennt das viele Gute, das er diesem tiefen Elend hat schenken k\u00f6nnen, und zwar durch viele Jahre hindurch, bis ihm der Allm\u00e4chtige seine irdische Armut mit himmlischem Reichtum belohnte.<\/p>\n<p>Das also waren unsere beiden ersten Pioniere in der gro\u00dfen Gottesarbeit des Urwalds.<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1964, S. 24-26 (15. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (15. Fortsetzung)<\/p>\n<p>MISSI0N\u00c4R vom Kostharen Blute<\/p>\n<p>&lt;Bild: Primiz in St. Korneli&gt;<\/p>\n<p>Mein Weg als Missionar vom Kostbaren Blute hat mich auch an ein ganz idyllisches Pl\u00e4tzchen gef\u00fchrt: nach St. Korneli (Vorarlberg).<\/p>\n<p>Was ist St. Korneli? Wer einen Gang ins M\u00e4rchenland sich vorstellen will, der gehe einmal von Feldkirch hinauf zum H\u00f6henzug des Schellenberges, dort, wo auf der Landkarte der &#8222;rote Strich&#8220; verl\u00e4uft, die Grenze zwischen Osterreich und Liechtenstein. Hart an diesem Strich liegt es, das alte Wallfahrtskirchlein St. Korneli.<\/p>\n<p>Von fern schon gr\u00fc\u00dft uns die Ruine einer alten Ritterburg, von der nur noch der trutzige Burgfried sich in unsere Zeit gerettet hat. Der Weg zum Berg hinauf schl\u00e4ngelt sich durch duftigen Tannenwald, vorbei an Felsen, mit Efeu \u00fcberwuchert. Oben angelangt, gr\u00fc\u00dft uns eine m\u00e4chtige Eibe, die schon hundert Jahre gesehen und deren Rinde sagenhafte Kr\u00e4fte zugeschrieben werden. Hart dabei steht die alte Wallfahrtskirche zur Mutter Gottes von Lourdes. Hier ist der Gutshof mit Gasthof und dazwischen die Stallungen. Am Wegrand pl\u00e4tschert ein kleines Br\u00fcnnlein.<\/p>\n<p>Das Wohnhaus war, als wir es \u00fcbernahmen, in einem elendigen Zustand. Darum war unsere erste dringende Aufgabe, sein Ziegeldach zu erneuern. Nat\u00fcrlich war solche Dachdeckerarbeit f\u00fcr unsere Studenten des nahen Xaveriushauses eine angenehme Abwechslung, die sie sich nicht entgehen lie\u00dfen. &#8211; St. Korneli war ja haupts\u00e4chlich als \u00d6konomie f\u00fcr das Xaveriushaus erworben worden. So strahlte nun bald das alte Haus in neuem Gewand, und \u00fcber der T\u00fcr wurde das Wappen der Kongregation angebracht. Nun hatten unsere Xaverianer auch einen eigenen Fu\u00dfballplatz, drau\u00dfen auf der Wiese, wo ringsum die hohen Tannen stehen. Aber das Wichtigste, wenn auch das Unscheinbarste, war doch au\u00dfer der Kirche die Okonomie, der alte Stall, in dem eine Reihe pr\u00e4chtiger &#8222;Milchproduzenten&#8220; untergebracht waren. Sie waren die frohe Sorge unserer Br\u00fcder, unserer braven, emsigen Br\u00fcder.<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>St, Korneli war immer ein Lieblingspl\u00e4tzchen f\u00fcr die Sonntagnachmittags-Spazierg\u00e4nger aus Feldkirch und Umgebung. Um drei Uhr l\u00e4utete das Gl\u00f6ckchen zur Andacht, Rosenkranz und Segen. An den Festtagen war Predigt, bei der die junggeweihten Missionare ihr Erstlingsfeuer entz\u00fcnden konnten. Nach der Andacht ging man zum Gasthaus hin\u00fcber, um am Leiblichen sich g\u00fctlich zu tun. Vor dem Haus auf dem Zaun turnte ein Prachtexemplar eines Pfaues, der sehr gerne, besonders wenn Kinder ihn bestaunten, sein herrliches Rad produzierte. Drinnen im Haus im Nebenst\u00fcbchen sa\u00dfen wir Patres zusammen mit P. Provinzial und freuten uns an guter Unterhaltung und an &#8222;warmen W\u00fcrstchen. Das waren immer fr\u00f6hliche Stunden. Aber gerade nach solch frohen Stunden f\u00fchrte P. Jussel uns zum Kirchlein und zeigte uns das Pl\u00e4tzchen, das er sich f\u00fcr seine &#8222;gro\u00dfe Ruhe in Gott&#8220; ausgesucht hat: dort drau\u00dfen an der Kirchenmauer, in der stillen efeuumrankten Nische. Daneben war schon das Grab eines Missionars C. PP. S., des P. Lejeune. Dieser Pater war aus der Amerikanischen Provinz, hatte in Rom studiert, war dort erkrankt und kam dann zu uns ins Xaveriushaus, wo Gott ihn schlie\u00dflich von seinem schweren Leiden erl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Inzwischen aber war St. Korneli das sichtbare Zeichen des Ora et labora (bete und arbeite) unserer Br\u00fcder geworden. Ich aber sollte dabei der &#8222;\u00d6konomierat&#8220;, der Gutsverwalter sein. Mit einem &#8222;Gott walte es!&#8220; ging ich. an meine neue Arbeit. Dreit\u00e4gige Exerzitien f\u00fcr die Br\u00fcder suchten uns den Segen des Himmels zu sichern. Dann st\u00f6berte ich im Kirchlein nach neuer Arbeit. Als ich den Turm hinaufstieg und durch das alte Geb\u00e4lk des Dachstuhles kletterte, da wurde es lebendig unter dem nachtscheuen Gesindel von Flederm\u00e4usen, Nachteulen und Uhus. Ich entdeckte eine alte Turmuhr, die an Kreislaufst\u00f6rung hier geendet hatte. Die wollte ich nun wieder zu neuem Leben erwecken. Wie sch\u00f6n, so dachte ich mir, wenn die stille Einsamkeit unseres kleinen Tales nun Stunde um Stunde von trautem Glockenschlage widerhallt. Doch der Rost an den Uhrr\u00e4dern war st\u00e4rker als mein K\u00f6nnen. So sammelte sich nun wieder das lichtscheue Gesindel, um weiterhin in ihren N\u00e4chten zu knurren und zu gurren.<\/p>\n<p>Ja, St. Korneli hat seine Geistern\u00e4chte. Wenigstens so behauptete es einer unserer Br\u00fcder. Ich aber glaubte nicht daran. Doch da kam eines Tages von der nahen Grenze her ein Grenzpolizist und avisierte uns, auf der Hut zu sein wegen lichtscheuen Gesindels, das in der N\u00e4he sich herumtreibe. F\u00fcr uns war es eine willkommene Abwechslung in der Monotonie unserer Waldeinsamkeit. Etlichen Br\u00fcdern kochte es schon in den Adern vor Abenteuerlust. Unser Kriegsrat beschlo\u00df nun, die beiden Hunde auf die wichtigsten Posten, zu bringen: den gro\u00dfen hin\u00fcber in den Stall, den kleinen her\u00fcber in die Gastlokale, deren innere T\u00fcren wir aus den Angeln hoben, um damit den Ausgang zu verrammeln. In der folgenden Nacht weckte uns der gro\u00dfe mit einem m\u00e4chtigen Gekl\u00e4ff. Wir sprangen heraus, zum Stall hin\u00fcber, und im Scheine unserer Blendlaternen wurde das ganze Heu umgestochen. Nichts war zu finden, gar nichts! &#8211; Nur der Mond lachte verschmitzt durch die Wolken.<\/p>\n<p>25<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag gingen wir\u00a0 hinauf zum J\u00e4germeister: ob er so freundlich sei und uns helfe. Der nahm von der Wand seine alte Donnerb\u00fcchse, lud sie, mit zwei Platzpatronen und hing sie mir um. &#8211; Welch ein Gef\u00fchl der Sicherheit kann doch ein solches Knallrohr verleihen! &#8211; Er erz\u00e4hlte uns noch einige gruselige R\u00e4ubergeschichten &#8211; nat\u00fcrlich war es sein J\u00e4gerlatein -, gab uns noch einen Ochsenziemer in die Hand, und so ermutigt von der Schutzkraft dieser Dinge, stiegen wir hinab. Es war schon dunkel geworden. Wir warteten also weiter auf die Dinge, die da kommen sollten.<\/p>\n<p>In der folgenden Mitternacht klopfte es an meine T\u00fcr: &#8222;Herr Pater, hier oben auf dem Estrich ist was los!&#8220; Sofort war ich heraus, und mit dem Drilling in der Hand stiegen wir die Falltreppe hinauf. Leise schleichend und suchend, wo das Geklopfe herkam. Gespensterhaft z\u00fcngelten die Blendlaternen. Was war es? Etwa ein Geisterspuk der alten Schlo\u00dfbewohner dr\u00fcben von der Ruine? Es klopfte rhythmisch weiter. Waren es die unbeglichenen Taler einer nun b\u00fc\u00dfenden Geistersee1e? Was war es nur? &#8211; Nun, nichts anderes als ein Holzwurm, der mit seinen Kollegen im alten ausgetrockneten Geb\u00e4lk so unerm\u00fcdlich h\u00e4mmerte. &#8222;Schade&#8220;, sagte ich, &#8222;wirklich schade!&#8220; &#8211; &#8222;Aber dann knallen Sie mal doch wenigstens dort zum Fenster hinaus, das gibt ein herrliches Echo droben an den Felsw\u00e4nden in dieser Mitternacht!&#8220; Doch im letzten Moment beherrschte ich mich, denn ein einsamer Schu\u00df h\u00e4tte sicher bei allen \u00f6sterreichischen und schweizerischen Grenzposten die Alarmstufe 1 ausgel\u00f6st. In diesen Tagen lagen sie doch selber alle auf der Lauer. &#8222;Schade&#8220;, sagte ich noch einmal und ging zu Bett. Doch den Vorhang zog ich fester zu, um dem lachenden Mond nicht unter die Augen zu kommen.<\/p>\n<p>In der folgenden Nacht schrie die Frau des einzigen Nachbarn her\u00fcber: eine dunkle Gestalt schleiche best\u00e4ndig ums Haus. Nun hatten wir wieder Gro\u00dfalarm, um doch endlich zu einem greifbaren Erfolg kommen zu k\u00f6nnen. Doch trotz eifrigsten Suchens war nichts mehr zu finden; niemanden sahen wir rennen, niemanden eilig davonjagen. &#8211; Nur der Mond, der ging so stille durch die Abendwolken hin.<\/p>\n<p>Als wir am n\u00e4chsten Morgen unsere beiden Ponys vor den Milchwagen anspannten &#8211; es war Sonntag -, kam aus dem Geb\u00fcsch ein Mann heraus, verwildert und scheu. Als er uns erblickte, drehte er eiligst um. &#8222;Da ist er ja! Los! Dort geht er ja.&#8220; Als wir unsere Pferdchen antrieben, um ihm nachzujagen, war er im n\u00e4chsten Busch verschwunden und ward nie mehr gesehen. &#8211; Der Spuk war also aus, unser Abenteuer war zu Ende.<\/p>\n<p>&#8222;Wir lieferten unsere Waffen ab, h\u00e4ngten die T\u00fcren wieder ein, und der Gleichschritt des t\u00e4glichen Lebens nahm seinen gewohnten Fortgang. Nur der Pfau schrie weiter am Tag und die Eulen und K\u00e4uzchen in der Nacht.<\/p>\n<p>Liebe Heroldleser. Warum erz\u00e4hle ich diese im Grunde so nichtssagende Episode? Ich habe sie ganz wahrheitsgetreu erz\u00e4hlt. Warum? Vielleicht der Unterhaltung wegen? Mag wohl sein. Aber auch, um euch zu zeigen, da\u00df das Leben eines Klosterbruders nicht nur in Rosenkranz und eint\u00f6niger Arbeit besteht, sondern da\u00df auch der Tag, ja selbst auch die N\u00e4chte eines gottgeweihten Menschen voller Romantik und Erlebnisse sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>26<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 39. Jg., H. 11\/12, Mai\/Juni 1964, S. 23-25 (16. Fortsetzung ohne Z\u00e4hlung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>M ISSI0N\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>Warum wollte ich denn eigentlich Missionar werden? Nun, eine Volksmission in meiner Heimat hatte es mir angetan. Ich w\u00fcnschte das Gleiche zu werden &#8211; und so bin ich es auch geworden.<\/p>\n<p>Der erste Missionschef unserer Provinz war P. Paul. Schon immer war es seine Freude, an Predigten zu arbeiten. Was Wunder, wenn wir J\u00fcngeren nicht auch von der Predigtkunst angesteckt worden w\u00e4ren! Im kleinen Sankt-Kreuz-Kirchlein in Feldkirch hatten wir uns eingeschlossen und dem lauschenden Heiland unsere Begeisterung h\u00f6ren lassen. Meine erste \u00f6ffentliche Predigt war am Dreik\u00f6nigstag bei einer Aushilfe in Montlingen im schweizerischen Rheintal. Doch meine erste Missionspredigt startete ich im benachbarten Koblach in Vorarlberg im Jahre 1927. Erstlingsmission &#8211; unverge\u00dflich ist sie mir geblieben. Wir waren zu dritt: P. Paulus, P. Philippus und ich als der J\u00fcngste. Man hat mir das Thema gegeben: \u201eKindlich lieben, kindlich leiden, kindlich bereuen.&#8220; Schade, da\u00df es damals noch kein Magnetophon gegeben hatte. Doch der Anfang war gemacht, der Wunsch erf\u00fcllt und das Leben als Volksmissionar hatte begonnen.<\/p>\n<p>Wir Missionare, wir \u00bbZigeuner Gottes&#8220;, haben als Wanderfeld das ganze Gebiet des deutschen Sprachraumes. Wir kennen keine Landesgrenzen. Man hat uns schon genannt, die &#8222;ewig Reisenden der Firma Jesus&#8220;. Best\u00e4ndig sind wir daran, unsere Koffer zu packen &#8211; einpacken, auspacken, wieder einpacken &#8230; und dies schon durch so viele Jahre. Zur Vereinfachung legte ich mir ein Verzeichnis an von allen jenen Sachen, die ich stets einpacken mu\u00df, angefangen vom Missionskreuz bis hinab zum Schuhl\u00f6ffel, denn nichts darf vergessen werden. 46 Punkte z\u00e4hlt meine Liste, unglaublich viel und unglaublich schwer.<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>Und doch ist es f\u00fcr mich etwas ungemein Herrliches, wenn ich beginne: \u201eSchwester, bitte mein Kreuz auf Hochglanz! Morgen geht&#8217;s wieder auf Mission&#8220;! Dann blinkt die Kette und das Kreuz, denn alles soll zur Ehre Gottes sein. Und erst die Missionen selber! Die kann ich leider nicht beschreiben; die schreibt Gott selbst mit unsichtbaren Lettern in die Seiten menschlicher Seelen. Ich darf nur eines sagen: Wir m\u00fcssen Gott sehr dankbar sein f\u00fcr unsere sch\u00f6nen Missionen. .<\/p>\n<p>So flogen die Jahre der Gottesarbeit dahin und in den Jahren rollte sich auch die Geschichte unserer Deutschen Provinz ab. Sie brachte in ihrem Auf und Ab auch einen Wechsel unserer obersten Leitung.<\/p>\n<p>In allen religi\u00f6sen Genossenschaften werden die Vorgesetzten nur auf eine bestimmte Zeit gew\u00e4hlt. So war auch nun f\u00fcr unsere Provinz eine Neuwahl f\u00e4llig geworden. Sie fand in dem neuen Schulhaus in Schellenberg statt. Alle unsere Patres, sogar der Hw. P. General aus Rom waren erschienen. Die Wahl fiel auf einen Schweizer Mitbruder. Dies war einerseits g\u00fcnstig wegen der damals einsetzenden und drohenden politischen Spannung kurz vor der Besetzung \u00d6sterreichs. Doch andererseits konnte der Pater nicht g\u00fcltig zum Amte eines Provinzials, sondern nur eines Vikars gew\u00e4hlt werden, da unsere Regel eine 10j\u00e4hrige Mitgliedschaft zur Bedingung macht. Auch Rom hat dies best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Kurz danach ist der politische Strudel in \u00d6sterreich hereingebrochen. Wer es mitgemacht, dem bleibt es unverge\u00dflich. Ich war damals gerade im Xaveriushaus, um mich auf eine Abreise nach Spanien und Portugal vorzubereiten, deren Niederlassungen C. PP. S. von der italienischen Provinz auf die Deutsche \u00fcbertragen worden waren. Bis zur Abreise ben\u00fctzte ich die Zeit zur Erlernung der fremden Sprache. Da ich keine Grammatik auftreiben konnte, nahm ich ein portugiesisches Gebetbuch, das einer unserer Br\u00fcder, der es in Brasilien gekauft hatte, mir geschenkt hat.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen in der Stadt war der politische Umbruch losgegangen. Ein Spektakel von Motorr\u00e4dern und Autos w\u00e4lzte sich der Grenze zu. Sofort besetzte man alle Kl\u00f6ster und Klosterschulen der Stadt, mit einer Ausnahme &#8211; des Xaveriushauses. War es vielleicht, weil die meisten von uns Reichsdeutsche und Schweizer gewesen? Doch so konnte jeder von uns alle seine Sachen durchst\u00f6bern und das verbrennen, was nicht f\u00fcr fremde Augen geschrieben war. Am 5. Tag l\u00e4utete das Telefon mit einem ganz kurzen Glockenzeichen. Wir hoben ab und h\u00f6rten, wie eine Gestapostation einer anderen den Befehl erteilte: &#8222;Morgen geht&#8217;s ins Xaveriushaus!\u201c Sicherlich hatte ein Telefonfr\u00e4ulein diese Gespr\u00e4che abgelauscht und uns einen Tip gegeben. &#8211; Ich aber vertiefte mich ruhig weiter in das Sprachstudium meines Gebetsbuches. Auf einen Zettel schrieb ich mir die portugiesischen und deutschen W\u00f6rter zusammen, um sie auswendig zu lernen. So hatte ich gerade folgende W\u00f6rter geschrieben: &#8222;Michael, verteidigen, Kampf, gegen Nachstellung, b\u00f6ser Feind, st\u00fcrze Satan usw.&#8220; Als ich gerade f\u00fcr einen Augenblick mein Zimmer verlie\u00df, kam die Gestapo herein, sah den Zettel und &#8211; wie man mir sp\u00e4ter mitteilte &#8211; vertieften sie sich sehr lange Zeit in diesen ihr so verd\u00e4chtigen Inhalt. Eine fremdl\u00e4ndische Geheimschrift, ist dieser Inhalt nicht spionageverd\u00e4chtig, ist das<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>nicht ein Geheimbund mit einem gewissen Michael? Und wer ist dieser neue &#8222;F\u00fchrer&#8220; der himmlischen Heerscharen? Schade, da\u00df ich nicht selbst anwesend war. Doch vielleicht h\u00e4tte ich mir dabei den Mund verbrannt. Jedenfalls hat man bei uns im ganzen Haus nichts Besonderes entdecken k\u00f6nnen. Darum haben sie uns nach einigen Monaten &#8211; das Haus beschlagnahmt, alle mu\u00dften fort und unsere s\u00e4mtlichen H\u00e4user samt Druckerei und St. Korneli waren verloren. Sie raubten auch unser Studienkolleg in Salzburg und ein Himmler nistete sich darin ein. (Es ist das Haus der ber\u00fchmten Familie Trapp. Film &#8222;S\u00e4ngerfamilie Trapp&#8220;.)<\/p>\n<p>In Kleinholz hatte diese &#8222;saubere&#8220; Polizei in einer Nacht in ein abseits stehendes, halb verfallenes Nebengeb\u00e4ude unseres Hauses durch ein offenes Fenster ein Maschinengewehr hineingeworfen. Wenige Stunden sp\u00e4ter, um Mitternacht kamen sie dann, weckten alle Patres: &#8222;Haben Sie Waffen im Haus? Hausdurchsuchung!&#8220; &#8230; Und so wurden alle Patres und Br\u00fcder ins Gef\u00e4ngnis eingeliefert und das Haus beschlagnahmt. &#8211; Das Unrecht wuchs und wurde immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Ein Baum wollte in den Himmel wachsen. Dann aber kam Gott dazu.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. \u00bd, Juli\/August 1964, S. 15-19 (17. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde im\u00b4ch<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>17. Fortsetzung<\/p>\n<p>Unsere Mitbr\u00fcder C. PP. S. der Italienischen Provinz hatten schon seit vielen Jahren eine Niederlassung in Spanien, in Caceres, und sp\u00e4ter auch noch in Portugal, in dem St\u00e4dtchen Vila Vi\u00e7osa.<\/p>\n<p>Nun war vom Generalat in Rom der Entschlu\u00df gekommen, diese Niederlassungen an die Deutsche Provinz zu \u00fcbertragen. F\u00fcr dieses neue Vikariat der Iberischen Halbinsel mu\u00dfte nun ein Provinzialat-Vikar ernannt werden, der seinen Sitz in Vila Vi\u00e7osa (Portugal) nehmen sollte.<\/p>\n<p>So hie\u00df es f\u00fcr mich nun wieder: Koffer packen, um zum fernen Land der Palmen und Orangen zu reisen. Es war f\u00fcr mich, dem Wandervogel Gottes, ein reizendes Abenteuer. Gott wei\u00df, wie oft ich in jenen Tagen das Lied geschmettert habe: &#8222;Fern im S\u00fcd&#8216; das sch\u00f6ne Spanien&#8220;, wie auch das andere: &#8222;Kennst du das Land, wo die Zitronen bl\u00fchen, im dunklen Laub die Goldorangen gl\u00fchen, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht &#8230; &#8220; Mein Stimmung war so ein richtiges &#8222;Auf in den Kampf, Torero!&#8220;<\/p>\n<p>Noch einmal fuhr ich in meine Heimat, um von Mutter, Br\u00fcdern und Schwester Abschied zu nehmen. Dort kauften sie mir noch einen neuen Mantel und andere Notwendigkeiten, denn es war gerade die Zeit der Devisensperre, da man nur 10.- bzw. 30.- Mark mitnehmen durfte. Das war herzlich wenig. Doch von Liechtenstein aus wurde ein Brief mit weiterem Reisegeld postlagernd nach Handai gesandt, der letzten franz\u00f6sischen Station vor der spanischen Grenze. Nur bis dorthin erhielten wir auch unsere Fahrkarte. Ein Mitbruder, ein zweiter P. Paul, fuhr mit. Nun noch ein inniges &#8222;Lebet wohl, auf Wiedersehen!&#8220; allen Lieben in der Heimat &#8211; und dahin ging&#8217;s in die weite, ferne Welt.<\/p>\n<p>Frankreich. Eine gewisse reservierte Haltung gegen alles, was aus dem Dritten Reich kam, war zu versp\u00fcren, Wir lie\u00dfen das Panorama der franz\u00f6sischen Lande an uns vorbeieilen. Hie und da sah man auch die verdeckten Eing\u00e4nge und Schie\u00dfscharten der Maginot-Linie. Sie kamen mir vor, wie die Krallen eines versteckten Tigers. Dann wieder kamen bekannte Namen aus dem ersten Weltkrieg. Nun tauchte Paris auf, die erwartete Unterbrechung unserer langen Reise.<\/p>\n<p>Paris wird die &#8222;Stadt des Lichtes&#8220; genannt. Aber ein Gro\u00dfteil seiner Bev\u00f6lkerung verschwindet t\u00e4glich im Boden, in der Untergrundbahn, der ber\u00fchmten &#8222;Metro&#8220;. Sie ist das Hauptverkehrsmittel in Paris. Stra\u00dfenbahnen gibt es im Kern der Stadt so gut wie gar nicht. Man kann sich in dem H\u00e4usermeer eigentlich nie verirren: man braucht nur bei der n\u00e4chsten &#8222;Metro&#8220;-Tafel unter die Erde zu steigen. Dort sieht er an einem gro\u00dfen roten Punkt auf einer Karte an der Wand, wo er ist und wohin diese Untergrundbahn f\u00fchrt,<\/p>\n<p>15<\/p>\n<p>&lt;Bild: Blick auf Paris&gt;<\/p>\n<p>und kann nun in dem Netz der vierzehn Linien, die das unterirdische Paris durchlaufen, die Station aussuchen, an der er wieder auftauchen will. &#8211; Als wir die Maulwurfsausg\u00e4nge der Metro verlassen hatten, zog es uns hinauf in die luftige H\u00f6he des Eiffelturmes. Dieser weltber\u00fchmte Turm war noch bis vor kurzem (1930) das h\u00f6chste Bauwerk der Welt (300 Meter). Zu seiner Wetterwarte f\u00fchren 1792 Stufen hinauf. Er wurde 1889 f\u00fcr die Pariser Weltausstellung gebaut. Der Rundblick vom Eiffelturm ist grandios. Welch ein bewegtes Bild, von der H\u00f6he des schwankenden Turmes auf das unendliche H\u00e4usermeer von Paris zu schauen! Unwillk\u00fcrlich denkt man an den Wappenspruch der Stadt: &#8222;Fluctuat nec mergitur&#8220;, &#8222;Sie schwankt, aber sie geht nicht<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>unter&#8220;. Nicht weniger als 2000 Jahre Geschichte dieser Stadt haben es bewiesen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Pariser Welt bummelt, besonders am Abend, auf der pr\u00e4chtigen Champs-Elys\u00e9es, die sich vom Place de la Concorde zum Arc de Triomphe hinzieht. Hell erleuchtete Springbrunnen beleben die Parkanlagen zu beiden Seiten der Prachtstra\u00dfe. Wir standen vor diesem Arc de Triomphe am Grabmahl des &#8222;Unbekannten Soldaten&#8220; (siehe Bild). Zw\u00f6lf gro\u00dfe Stra\u00dfen (Boulevards) streben von dieser 50 Meter hohen Pforte kreisf\u00f6rrnig auseinander, unter dessen Bogen 1920 der &#8222;Unbekannte Soldat&#8220; beigesetzt wurde, und wo seitdem Tag und Nacht die mahnende Flamme brennt.<\/p>\n<p>Was aber uns beiden priesterlichen Pilgern am meisten interessierte, das waren die zwei Zentren katholischen Lebens von Paris, die Kathedrale Notre Dame und die Basilika Sacre Coeur. Sie sind f\u00fcr uns Katholiken von so gro\u00dfem Interesse, da\u00df ich ihnen eigene Artikel hier widmen mu\u00df.<\/p>\n<p>Am Abend verlie\u00dfen wir die &#8222;Stadt des Lichtes&#8220;, und unsere n\u00e4chste Station war Lourdes, die Sehnsucht aller Marienkinder. Das Heiligtum war wie ausgestorben. Wir ersuchten, an der Grotte zelebrieren zu d\u00fcrfen. Die einzige pr\u00fcfende Frage, die man an uns stellte, war: &#8222;Aus welchem Lande kommen Sie?&#8220; Resigniert gaben wir zur Antwort: &#8222;Nous venons d&#8217;Allemagne.&#8220; Nach einer Minute kam die Antwort: &#8222;Impossible!&#8220; &#8211; &#8222;Unm\u00f6glich!&#8220; Es war halt gerade jenes Jahr &#8211; ein Jahr vor Ausbruch des Krieges &#8211; wo jeder Franzose in jedem Deutschen, und sei er auch Priester, einen verd\u00e4chtigen Nazi bef\u00fcrchtete. So zelebrierten wir nun in der Rosenkranzbasilika. Am Nachmittag kamen die<\/p>\n<p>&lt;Bild: Paris, Grab des \u201eUnbekannten Soldaten\u201c&gt;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Caceres, Kloster C. PP. S. nach Bombardement&gt;<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>Volksmassen einer Krankenprozession, und begeistert sangen auch wir das ewig sch\u00f6ne Lied der Muttergottes von Lourdes.<\/p>\n<p>Und weiter ging unsere Reise der Grenze zu. Es war auch h\u00f6chste Zeit, denn unsere 30.- Mark waren schon fast ganz aufgebraucht. In Handai also, der letzten franz\u00f6sischen Station, gingen wir frohgemut zum Postamt, um unseren postlagernden Geldbrief abzuholen. Er war, Gott sei Dank, rechtzeitig dort angekommen. Auf ihm stand meine Adresse mit Vor- und Zuname. Doch von den 19 Buchstaben meines Namens fehlten die beiden letzten. Und das war f\u00fcr diese franz\u00f6sische Beamtin Grund genug, mir meinen Geldbrief nicht auszuh\u00e4ndigen. Und so begannen die Hungertage auf unserer weiteren Reise.<\/p>\n<p>Wir passierten die bekannte internationale Br\u00fccke von Handai nach Irun und waren nun zum ersten Male in Spanien. Scharfe Kontrolle &#8211; es war ja noch B\u00fcrgerkrieg im Land. Zuerst wurden die Fingerabdr\u00fccke gepr\u00fcft, dann fotografierten sie uns von allen Seiten; aber unsere Koffer durchsuchten sie nicht: es war spanische H\u00f6flichkeit. Ein junger Bursche fungierte als Dolmetscher. &#8222;Haben Sie einen Fotoapparat?&#8220; Ich bejahte. Er aber sagte: &#8222;Nein, Sie haben keinen; Sie haben nur so zu sprechen, was ich ihnen vorsage!&#8220; Ich merkte, er will sich ein gutes Trinkgeld verdienen. Er hat es auch im Dunkel der Eisenbahn-Unterf\u00fchrung von uns erbeten und erhalten.<\/p>\n<p>Als wir nun in den ersten spanischen Zug einstiegen, wir waren die einzigen Reisenden, sind uns vor lauter hellem Lachen fast die Kn\u00f6pfe gesprungen: wegen des B\u00fcrgerkrieges n\u00e4mlich waren die Waggons in einen solchen Zustand gekommen, wie kein Witzblatt sie h\u00e4tte drastischer darstellen k\u00f6nnen. Das Leder s\u00e4mtlicher Sitzb\u00e4nke war aufgeschlitzt; so standen \u00fcberall zwischen dem Heu und Stroh, das zur Polsterung gedient hatte, die schiefen Sprungfedern heraus, wie besoffene Heinzelm\u00e4nnchen auf einer verdorrten Wiese. S\u00e4mtliche Fenster waren eingeschlagen, alle Lederriemen abgeschnitten, die \u00dcberreste der letzten Mahlzeiten und die immer allgegenw\u00e4rtigen Zigarettenkippen lagen auf dem Boden. Es war, man h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, ein fahrbarer Schweinestall auf vier R\u00e4dern. Als der Zug dann endlich losfuhr, raste er mit solcher Geschwindigkeit dahin, da\u00df ich zweifelte, ob dort vorne ein wirklicher Lokf\u00fchrer oder irgend ein Bursche auf der Maschine sitzt.<\/p>\n<p>Unser erster Aufenthalt in Spanien war in St. Sebastian. Wir besuchten die Stadt, kauften uns zuerst eine Baskenm\u00fctze, denn unser B\u00fcrgerhut auf unserem Priesterkopf war den Spaniern doch zu ungewohnt, zu &#8222;spanisch&#8220;. Man hielt uns vielfach f\u00fcr protestantische Sektenprediger. Als wir nun in die Kathedrale eintraten, war sie bis zum letzten Pl\u00e4tzchen voll besetzt. Und dennoch herrschte hier ein solches Stillschweigen, wie ich es noch nie in einer Kirche erlebt habe. Nach der Andacht, als alles hinausstr\u00f6mte, konnten wir den glanzvollen Typ der Spanierinnen des Baskenlandes sehen: die Mantilla, dieser schwarze bzw. wei\u00dfe Schleier \u00fcber dem Kopf, verlieh ihrem aristokratischen Antlitz eine solch elegante Nobless, wie keine Prinzessin oder Gr\u00e4fin es besser h\u00e4tte zeigen k\u00f6nnen. Wenn man sagt: Der beste Katholizismus sei hier im Baskenland, dann f\u00fcge ich noch hinzu: Und die elegantesten aller Sch\u00f6nen sind hier in St. Sebastian.<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>Unsere Weiterfahrt war ein kleines Kunstst\u00fcck; bis auf das Trittbrett war nun der Zug \u00fcberf\u00fcllt. Unsere Koffer reichten wir durch&#8217;s Klosettfenster hinauf (wie der Koffer nachher aussah, will ich lieber nicht beschreiben). Wir selbst konnten uns langsam in den Wagen hineindr\u00fccken. H\u00f6flich bot man uns einen Sitzplatz an. Als der Zug anfuhr, machten alle das Kreuzzeichen. Neben mir sa\u00df zuf\u00e4llig ein deutscher Ingenieur, der schon viele Jahre in Spanien t\u00e4tig war. &#8222;Nun, da werden Sie ja die Spanier und Spanierinnen gut kennen: hei\u00dfes Blut, wohl leicht \u00fcbersch\u00e4umendes Blut, nicht wahr?&#8220; Er verstand, was ich andeuten wollte. &#8222;Herr Pfarrer&#8220;, gab er mir zur Antwort, &#8222;ich kann Ihnen versichern: wenn hier ein Jungmann seine Braut zum Traualtare f\u00fchrt, wei\u00df er sicher, da\u00df sie keine .entbl\u00e4tterte Rose&#8216; ist. Darin setzt der Spanier, er wie sie, gr\u00f6\u00dften Stolz&#8220;. Ich verstand pl\u00f6tzlich den eigenartigen und tiefsten Sinn des Liedes: &#8222;Stolz lieb ich den Spanier.&#8220;<\/p>\n<p>So trug uns das Dampfro\u00df Tag und Nacht quer durch die Iberische Halbinsel, bis wir endlich in Caceres ankamen. Dort erwarteten uns die italienischen Mitbr\u00fcder, die hier schon seit vielen Jahren eine Niederlassung C. PP. S. haben. Noch bevor wir das Haus betraten, gr\u00fc\u00dfte uns durch die Ruine einer Seitenwand das Bild des heiligen Gaspar &#8211; welch freudiger Gru\u00df! Eine Fliegerbombe der Kommunisten hatte eine Au\u00dfenwand unseres Klosters niedergerissen. Ein herzliches Willkommen, und nun waren wir wieder auf heimischem Boden bei lieben Mitbr\u00fcdern, die wir zwar noch nie gesehen, die aber durch das Band der Einigung in Gott mit uns schon l\u00e4ngst verbunden waren. Unsere Unterhaltung mit ihnen war nat\u00fcrlich ein Kauderwelsch von Englisch, Franz\u00f6sisch und Spanisch.<\/p>\n<p>Nach zwei Tagen reisten wir weiter, denn unser Ziel war Vila Vi\u00e7osa in Portugal. An der Grenze wieder die Kontrolle. Der Mann in der spanischen Uniform schn\u00fcffelte auffallend lang in unseren Koffern, \u00f6ffnete jede Schachtel, roch an jedem Fl\u00e4schchen, ohne ein Wort oder auch nur eine Silbe zu sprechen. Wir unsererseits machten darum unsere Glossen dazu, je tiefer er seine Nase in die Schachteln, B\u00fccher und Kleider steckte. Immer lustiger wurden unsere Witze \u00fcber ihn. Aber er hat uns doch verstanden, denn er war ein deutscher Geheimagent, ein verkappter SS-Mann; erst sp\u00e4ter haben wir dies erfahren. Er war hier, um auch noch den letzten Fl\u00fcchtlingen des Dritten Reiches aufzulauern. Als ihm unser Spotten \u00fcberdr\u00fcssig wurde, gab dieser stumme &#8222;Stockfisch in Uniform&#8220; das Zeichen zum Weitergehen.<\/p>\n<p>Auf marianischem Boden. Im portugiesischen Beamten lernten wir zum erstenmal die portugiesische Freundlichkeit kennen, jene &#8222;delicatesa&#8220; (H\u00f6flichkeit), die uns durch Jahre hindurch das Leben in diesem Land so angenehm durchw\u00e4rmte. Vor dem Bahnhof stand ein m\u00e4chtiger nagelneuer Omnibus. Es war ein gewaltiger Unterschied zu dem durch den Krieg so verarmten Spanien. Nun waren wir also im &#8222;Land der Muttergottes&#8220;, &#8222;Terra da Santa Maria&#8220;, wie es offiziell durch die portugiesischen K\u00f6nige benannt wurde. Jetzt waren wir in der N\u00e4he Fatimas, und durch Jahre hindurch sollte das Wort Fatima uns begleiten und uns pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Noch eine kurze Fahrstunde mit dem Bus, und wir waren an unserem Ziel, in Vila Vi\u00e7osa.<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. \u00be, September\/Oktober 1964, S. 16-20 (18. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R Vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>18. Fortsetzung<\/p>\n<p>&#8222;Vila Vi\u00e7osa!&#8220; hatte der Schaffner gerufen &#8211; und wir waren ausgestiegen. Erfrischt atmeten wir die erste Luft unserer k\u00fcnftigen Heimat. Vila Vi\u00e7osa bedeutet &#8222;Die starke Stadt, die kraftvolle Stadt&#8220;. Ob sie nun stark sei wegen ihres Kastelles mit den dicken Ringmauern oder stark ob ihres K\u00f6nigspalastes oder sogar stark in Gott wegen ihrer Kirchen und Kapellen &#8211; jedenfalls ist es nur ein Landst\u00e4dtchen in echt portugiesischem Stil. Aber dennoch ber\u00fchmt und bekannt im ganzen Portugal.<\/p>\n<p>Das Zentrum der Stadt ist ein gro\u00dfer, freier Platz, der von vierzig Apfelsinenb\u00e4umchen umgeben ist. Ihre verlockenden Fr\u00fcchte hingen damals noch so tief, da\u00df man mit dem Kopf daran stie\u00df. Doch gestohlen wurde keine davon, sonst h\u00e4tte die gleiche Hand f\u00fcr jedes St\u00fcck 20 Eskudos zugunsten des Krankenhauses zahlen m\u00fcssen. In der Mitte des Stadtplatzes ist ein Musikpavillon, der von alten fr\u00f6hlichen Zeiten k\u00fcndet. Wer Phantasie hat, kann sich das bunte, fr\u00f6hliche Treiben des Volksfestes ausmalen, wenn wieder der K\u00f6nig, von Lissabon kommend, hier seine Ferien verbrachte. Dann hat die K\u00f6nigin seidene T\u00fcchlein verschenkt, w\u00e4hrend der K\u00f6nig die Huldigung seiner &#8222;starken St\u00e4dter&#8220; entgegennahm. Heute erklingt hier keine Musikkapelle mehr nur ein Storch, der um den Pavillon stolzierte, begr\u00fc\u00dfte uns mit h\u00f6lzernem Geklapper und hackte nach mir, als ich ihm zu nahe kam.<\/p>\n<p>Ein Junge, der dort auf der Bank gesessen, erkannte uns gleich als Ausl\u00e4nder. Sofort bot er sich an, uns zu den Patres zu f\u00fchren. Zwei Minuten und wir standen vor unserem Haus: &#8222;Colegio de Nossa Senhora de Fatima.&#8220; Ein Haus wie alle anderen, eingezw\u00e4ngt in die H\u00e4userflucht. Der Junge griff zum T\u00fcrfensterlein hinein und \u00f6ffnete von innen her die T\u00fcr, klatschte dann in die H\u00e4nde (dies ist hier der landes\u00fcbliche Hallo-Anruf). Dann rief er etwas den Gang hinauf, was wir nat\u00fcrlich nicht verstanden. Gleich erschien ein Pater, uns zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>&lt;Bild: Ringmauer des alten. Kastells&gt;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Kirche St. Bartholom\u00e4us und Musikpavillon&gt;<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>Wir traten ins B\u00fcro. Auf hohen Regalen standen alte B\u00fccher, die vielleicht seit dem vorigen Jahrhundert nicht mehr ge\u00f6ffnet wurden. Ihnen gegen\u00fcber ein altes, verstimmtes Klavier. Es hatte den Klang eines Spinetts und verwechselte a mit c, fis mit cis. Auf dem Schreibtisch stand die \u00e4lteste Schreibmaschine, die ich je gesehen: zum Schreiben mu\u00dfte man einen Zeiger auf den gesuchten Buchstaben richten und dann auf einen Knopf dr\u00fccken. In der Ecke stand eine Truhe mit vielen handgeschriebenen vierstimmigen Messen. (Der fr\u00fchere Pfarrer komponierte alle seine Messen selber. Sie trugen den breitspurigen barocken Stil des vergangenen Jahrhunderts. So z\u00e4hlte ich zum Beispiel bei einer dieser Messen zum Credo nicht weniger als 19 Amen. &#8211; 0 diese z\u00e4hnervigen Leute von damals, die dies noch mit Ruhe und Bewunderung ertrugen!)<\/p>\n<p>Wir gingen zum oberen Stock. Dort stand die Schar unserer portugiesischen<\/p>\n<p>Studenten voller Erwartung des neuen Provinzialvikars aus Deutschland. Aus dieser kleinen Schar gingen dann sp\u00e4ter zwei Patres hervor, die ersten portugiesischen Missionare vom Kostbaren Blute. Unsere Begr\u00fc\u00dfung mu\u00dfte nat\u00fcrlich in ihre Sprache verdolmetscht werden.<\/p>\n<p>Eine Begr\u00fc\u00dfung in Portugal hat verschiedene Grade der Herzlichkeit. Wenn zwei gute Bekannte sich treffen, dann geht es nat\u00fcrlich etwas anders zu als bei uns kalten Nordl\u00e4ndern. Die Begr\u00fc\u00dfung wird zu einer Umarmung, w\u00e4hrend man sich gegenseitig auf den R\u00fccken klopft. (In lebhafter Erinnerung ist mir noch eine Szene, da zwei Zigeunerinnen dabei einen wahren Freudentanz auff\u00fchrten und dabei gegenseitig sich den Takt dazu klopften.)<\/p>\n<p>Als letzte und dennoch nicht weniger wichtige Person stellte sich noch Donna Constanza, die K\u00f6chin des Hauses, vor. Sie war nicht mehr die J\u00fcngste in der Reihe der portugiesischen Sch\u00f6nheiten. Sie konnte weder lesen noch schreiben. Wenn ich sie sp\u00e4ter bat, einen Satz noch einmal langsam und deutlich zu wiederholen, tat sie es nicht &#8211; sie wu\u00dfte ja selbst nicht, wie die Worte und Silben richtig lauten. Daf\u00fcr haben die Studenten mir bald einen portugiesischen Reim beigebracht: &#8222;N\u00e3o ha festa, n\u00e3o ha danza, onde n\u00e3o \u00e8 presente a Donna Constan\u00e7a &#8211; es gibt kein Fest, es gibt kein Tanz, wo nicht dabei ist<\/p>\n<p>&lt;Bild: Links: Donna Constanza&gt;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Rechts: Missionskreuz in Elvas Mission P. Carinci C. PP. S. &gt;<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>Donna Constanz.&#8220; Doch unsere Dame machte eine Ausnahme. \u00dcbrigens gab es in der ganzen Stadt Vila Vi\u00e7osa kein einziges Tanzlokal.<\/p>\n<p>Unsere Studenten waren alle aus dem Norden Portugals, also aus der besten Kante des Landes. Unser italienischer Mitbruder P. Luigi Carinci C. PP. S. hat sie bei seinen vielen Missionsreisen ausfindig gemacht.<\/p>\n<p>P. Carinci wurde zu einem der bekanntesten Missionare von ganz Portugal. Er ist nicht nur ein Sprachengenie &#8211; er predigte zum Beispiel in Porto in sechs Sprachen -, sondern ist auch ein echt dem\u00fctiger und frommer Priester. Daf\u00fcr hatte Gott ihm gro\u00dfe Erfolge gegeben. Er lie\u00df zum Beispiel vor dem Dom ein gro\u00dfes Feuer anz\u00fcnden, und ein ganzer Berg von &#8222;Schmutz und Schund&#8220;, das die Leute gebracht, wurde \u00f6ffentlich verbrannt. Bei einer anderen Mission im verheidnischten S\u00fcden l\u00e4utete er so lange die Glocken, bis das Seil ri\u00df. Und dennoch kamen die Leute nicht. P. Luigi erfand nun eine andere Art, um mit den Menschen in Verbindung zu kommen, denn die Kirchenfeindlichkeit war dort allzu gro\u00df. Er sah eine Gruppe von M\u00e4nnern auf der Stra\u00dfe sich unterhalten. Sie anzusprechen w\u00e4re nat\u00fcrlich vergeblich gewesen wegen ihrer angeborenen Priesterfeindlichkeit. Doch unser Missionar kannte auch die angeborene Hilfsbereitschaft der Portugiesen. Das nutzte er aus: Als er in die N\u00e4he der M\u00e4nner kam, rutschte er aus, das hei\u00dft, er hat sich absichtlich fallen lassen. Alle sprangen hinzu, um ihm aufzuhelfen &#8211; und siehe, der Ankn\u00fcpfungspunkt zur guten Mission war gefunden.<\/p>\n<p>P. Luigi hat auch k\u00fcrzlich einige seiner Missionspredigten auf Tonband gesprochen, damit sie dem Redakteur des Herolds bei der Pastoration der italienischen Fremdarbeiter in Deutschland gelegentlich der Missionen dienlich seien.<\/p>\n<p>In Portugal mu\u00dften wir uns sofort auf die neuen Mahlzeiten umstellen. Das erste Abendessen bestand aus Nudeln, Fleisch und Melonen. Unsere Buben verzehrten dazu zwei Laib Brot und tranken viel Wasser; so ist es s\u00fcdl\u00e4ndische Mode. Gutes Wasser spielt ja hier eine gro\u00dfe Rolle. Da es in der ganzen Stadt keine Wasserleitung gab, waren die &#8222;aquadeiros&#8220; (Wassertr\u00e4ger) von um so gr\u00f6\u00dferer Bedeutung. Von der &#8222;Fonte das castanheiras&#8220; brachte der alte Wasserschlepper mit seinem Esel t\u00e4glich das k\u00f6stliche Na\u00df in die Stadt und verkaufte es. Die Ziehbrunnen hinter manchen H\u00e4usern haben meist nur gesammeltes Regenwasser. Auch unser alter Brunnen im Garten knarrte und \u00e4chzte bedenklich, wenn er einen Eimer voll hergeben sollte. &#8211; Neben ihm steht sein gro\u00dfer beschattender Freund, der Orangenbaum. Er ist ein flei\u00dfiger Fruchttr\u00e4ger, und seltsamerweise trug er zugleich mit den reifen Fr\u00fcchten auch schon die neuen Bl\u00fcten. Welch einen wundervollen Duft sie haben! (Wer wei\u00df, ob die lockende Goldfrucht der Eva nicht gerade eine Orange gewesen?) Und was mich noch weiterhin \u00fcberraschte: diese Bl\u00fcten sind genau wie die des Wachsstr\u00e4u\u00dfchens, das der Junge am Tage seiner ersten heiligen Kommunion tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Unser Apfelsinenbaum hatte noch einen schattigen Freund: dr\u00fcben in der Ecke den Granatapfelbaum &#8211; ein Name, den ich schon von der Bibel her kannte. Mit welcher Sehnsucht erwarteten wir seine ersten Fr\u00fcchte! Und als ich sie aufschnitt, leuchteten mir seine saftigen hellroten Zellen wie Rubinen<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>entgegen. Ich bi\u00df hinein &#8211; und alle Herrlichkeit war vor\u00fcber: ein Mundvoll harter Kerne und ein Schluck Wasser, weiter nichts. Doch schlie\u00dflich ist in dieser Hitze jeder Limonadenschluck doch noch ein angenehmer Trunk.<\/p>\n<p>Die Hauskapelle unseres Konviktes hatte keine Fenster. Die H\u00e4user des tropischen Alemtejo sind fensterarm, denn Schatten ist mehr begehrt als Licht. &#8211; Fu\u00dfb\u00f6den aus Holzdielen trifft man haupts\u00e4chlich in den Wohnungen der Reichen an. Auch bei uns war der Boden der G\u00e4nge mit roten Ziegelsteinen gepflastert. Es hat den einen Vorteil, da\u00df man zur Abk\u00fchlung eine Gie\u00dfkanne voll Wasser dar\u00fcber ausgie\u00dft, und die &#8222;Klimaanlage&#8220; ist fertig.<\/p>\n<p>Der Tageslauf unserer kleinen Kommunit\u00e4t war durch eine genaue Hausordnung geregelt. Zuerst heilige Messe, dann Fr\u00fchst\u00fcck und dann Abmarsch zu den Gymnasialstudien ins Knabenseminar, in dem \u00fcber 60 Seminaristen der Di\u00f6zese ihren Studien oblagen. Jede Stunde des Tagewerkes zwischen dem Morgengru\u00df und dem &#8222;Boa noite!&#8220; des Abends war ausgef\u00fcllt. Wir mu\u00dften ein sparsames Leben f\u00fchren, denn irgendein Gehalt bezogen wir nicht, obwohl wir doch auch noch Stadtpfarrer der gro\u00dfen Kirche St. Bartholom\u00e4us waren. Die Haupteinnahmen waren die Stolgeb\u00fchren und die Me\u00dfstipendien (selbst meine Mutter hat mir bis zum Ausbruch des Krieges welche geschickt) und die Gaben einiger Wohlt\u00e4ter. &#8211; Mich wundert es heute noch, da\u00df wir es hatten so schaffen k\u00f6nnen. Das Leben des Priesters, und besonders des ausl\u00e4ndischen, ist im Alemtejo nicht von Luxus beschenkt. Wieso kam dies?<\/p>\n<p>Im vorigen Jahrhundert herrschte hier in dieser Gegend ein ganz katholisches Leben. Eine Reihe verschiedener Kl\u00f6ster gab damals der Kleinstadt Vila Vi\u00e7osa das Gepr\u00e4ge. Die Klarissinnen waren in Chagas, das ist das Knabenseminar, die Franziskanerinnen in St. Cruz und in Esperanza, die Augustiner in Agostinhos, die Kapuziner in Capuchos, die Paulisten im Konvent, der heute eine Fabrik ist, die Jesuiten im Geb\u00e4ude, das heute Gef\u00e4ngnis und Polizeiquartier ist, auch die Beatas, eine Art Karmeliterinnen, hatten darin ihr Konvent. Doch heute ist all dies verklungen, von der Revolution vertrieben und vernichtet. Nur die Sch\u00f6nheit der uns \u00fcberlieferten Kirchen zeugt von dem gottzentrischen Leben der damaligen Zeit. Da nun ein gro\u00dfer Priestermangel herrscht, hatten wir au\u00dfer der Pfarrkirche auch noch f\u00fcnf andere Kirchen und Kapellen zu betreuen und ebenso auch noch die zwei Stunden entfernt liegende Filiale S\u00e3o Rom\u00e3o.<\/p>\n<p>Ich begann nun mit einem pr\u00fcfenden Rundgang durch die mir anvertraute Kirche St. Bartholom\u00e4us. Das sonderbarste ist, da\u00df diese Kirche genau gleich ist der Kirche St. Xaver in Belem des Amazonas von Brasilien. Der Hochaltar ist \u00fcberaus reich geschnitzt und vergoldet. Man kann darin Ankl\u00e4nge finden an die Kunst des neuentdeckten Indien. Den Sakramentsaltar schlie\u00dft ein gro\u00dfes Gitter ab. Es ist noch aus jener jansenistischen Zeit, da man das Allerheiligste m\u00f6glichst mysteri\u00f6s vor den Menschen verborgen hat. &#8211; Nun zeigte mir der alte Sakristan seine wohlgeh\u00fcteten Sch\u00e4tze. Hier war die Schublade des heiligen Antonius von Lissabon. &#8211; Ich mu\u00df zuvor noch bemerken, da\u00df nach Aussage der Portugiesen es keinen Antonius von Padua gibt, sondern nur einen heiligen Antonius von Lissabon. Und in Wirklichkeit war St. Antonius ein Portugiese, geboren in Lissabon in der heutigen Krypta hinter dem<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>Dom. &#8211; In jener Schublade also hatte der alte Johannes so sonderbare Linnent\u00fccher aufbewahrt. Ich erlaubte mir den Witz und sagte: &#8222;Das sieht ja aus wie alte Unterhosen!&#8220; &#8211; &#8222;Das sind sie ja auch&#8220;, best\u00e4tigte mir tats\u00e4chlich der Sakristan, &#8222;Das ist die Unterw\u00e4sche f\u00fcr den heiligen Antonius.&#8220; &#8211; Ich war f\u00fcr einen Moment sprachlos.&#8211;<\/p>\n<p>D\u00fcrfte. ich nun zum besseren Verst\u00e4ndnis folgendes hinzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p>Um das Denken und Tun der Portugiesen richtig zu verstehen, mu\u00df man ihren Grundcharakter, ihre Volksseele kennen. Der Portugiese ist liebevoll und dem\u00fctig, er kann nicht beleidigen, fast \u00fcbertrieben mitleidsvoll und vor allem hilfsbereit. Darum wendet er seine helfende Betreuung selbst den Statuen zu, da er dem entsprechenden Heiligen selber nicht dienen kann. Hier noch ein anderes Beispiel: Ich hatte in der zweiten Pfarrkirche eine Taufe vorzunehmen. Als ich hinkam, waren alle T\u00fcren verschlossen; auch der Mesner war ausgesperrt. Er erkl\u00e4rte mir: &#8222;Niemand darf hinein, denn die ,Aia&#8216; (Hofdame) der Muttergottes und ihre Dienerin sind drinnen, um der Nossa Senhora ihre Festtagsw\u00e4sche und -kleider anzuziehen.&#8220; &#8211; Das arme portugiesische Volk war durch die Revolution vor f\u00fcnfzig Jahren priesterlos geworden, die meisten Kirchen der s\u00fcdlichen H\u00e4lfte waren geschlossen, Und doch bewahrte das Volk eine gewisse Sehnsucht zu Gott und besonders zu Maria. Deshalb verfiel es den rein \u00e4u\u00dferlichen Zeremonien, die es sich teilweise selbst erdacht hat. Und dennoch: der tiefste Grund dieses seines Handelns &#8211; und das ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis -, der tiefste Grund dieser sonderbaren.Zeremonien ist allein die Liebe, die helfende Liebe. Alles ist getragen von der inneren \u00fcberzeugung: &#8222;Du, Nossa Senhora, bist unsere Herrin, und wir wollen Dir dienen, so wie wir es noch k\u00f6nnen. Denn wir sind Deine marianische Nation, Terra da Santa Maria!&#8220;<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. 5\/6, November\/Dezember 1964, S. 14-20 (19. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSION\u00c4R vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>19. Fortsetzung<\/p>\n<p>Die Weltkugel mit Kreuz, einsam auf einer S\u00e4ule &#8211; was soll es bedeuten? Es ist das kurze Wahrzeichen einer gro\u00dfen Vergangenheit.<\/p>\n<p>Das Bild zeigt die neue Allee in Vila Vi\u00e7osa, Drei Epochen zeichnen sich ab: Altertum, Mittelalter und Neuzeit. Die einsame S\u00e4ule stand einst zu C\u00e4sars Zeiten in einem heidnischen Tempel, den die Legionen des r\u00f6mischen Kaisers dem Gotte Endovellicus erbaut. Doch bald erlosch das Altertum, und \u00fcber der Weltkugel triumphierte das Kreuz. &#8211; Das Mittelalter repr\u00e4sentiert die trutzige Ringmauer der Stadt, heute schon ganz schwarz geworden. &#8211; In die Neuzeit herein ragt die Kirche Nossa Senhora da Concei\u00e7\u00e3o (Unbefleckte Empf\u00e4ngnis). Noch bevor Rom dies Dogma verk\u00fcndet, hat man in Portugal schon an die Unbefleckte geglaubt, hat man ihr Kirchen gebaut (diese ist die erste Immakulatakirche von ganz Portugal und Spanien) und haben die Professoren der Universit\u00e4t vom Coimbra einen Eid abgelegt, da\u00df sie daran glauben und es verteidigen.<\/p>\n<p>&lt;Bild mit S\u00e4ule&gt;<\/p>\n<p>14<\/p>\n<p>Die H\u00e4user der portugiesischen D\u00f6rfer und Landst\u00e4dte haben ihren eigenen Stil. Alle sind blendendwei\u00df gestrichen wegen der gro\u00dfen Hitze. Darum sind auch die Fenster m\u00f6glichst klein gehalten. Doch ein m\u00e4chtig breiter Kamin zeigt an, da\u00df im Innern des Hauses der Herd das Zentrum bildet. Zwar gibt es nirgends einen eisernen Herd, sondern nur ein offenes Feuer, wie die Essen unserer alten Schmiede. Der Portugiese liebt sehr dieses knisternde, flackernde Feuer. Es brennt auf dem Boden unter dem breiten Rauchfang. Langsam wird ein Holzscheit nach dem andern zugelegt. Dar\u00fcber steht auf einem Dreifu\u00df der eiserne Kochtopf. So sitzt die ganze Familie ringsum in dieser Feuerecke und l\u00e4\u00dft sich erw\u00e4rmen und erhellen. Wenn auch schon so manches Kleinkind in unbewachtem Augenblick ins offene Feuer gest\u00fcrzt ist &#8211; wie viele habe ich mit verst\u00fcmmelten H\u00e4nden oder F\u00fc\u00dfen gesehen -, so ist es doch gerade hier, wo sich die Seele des Volkes schw\u00e4rmerisch entz\u00fcndet. Wer den Portugiesen richtig verstehen will, setze sich zu ihm um dieses Herdfeuer. Es ist doch interessant, da\u00df das Wort \u201e0 lar&#8220; zugleich &#8222;der Herd&#8220; und auch &#8222;die Heimat&#8220; bedeutet. Diesem Lar erklingen tausend Lieder, nach ihm sehnt man sich aus weiter Ferne. Er hat wohl am tiefsten den gef\u00fchlvollen Charakter des Volkes geformt. Am flackernden Feuer erz\u00e4hlt der Vater von den einstigen Ruhmestaten seines Landes. Und die Phantasie des Kindes zieht hinaus \u00fcber die st\u00fcrmischen Meere, um auf unbekannten Seewegen die neuen Welten von Madeira, Azoren, Kapverde, ja selbst von Indien zu entdecken. Diese Phantasie h\u00f6rt von der gro\u00dfen chinesischen Insel mit dem klingenden portugiesischen Namen &#8222;Formosa&#8220; (Die Wundersch\u00f6ne); sie freut sich an dem ersten Gold, das die Entdecker mitgebracht und zur heiligen Monstranz des Allerheiligsten geschmiedet; sie steigt mit Cabral ins schwankende Nau, um wieder nach Indien zu fahren, wird aber unterwegs abgetrieben und landet in dem so neu entdeckten Brasilien und gibt diesem gro\u00dfen Land seine portugiesische Muttersprache. &#8220; So h\u00f6rt das Kind am heimatlichen Feuer, da\u00df &#8222;Portugal der Welt neue Welten geschenkt&#8220; (Camoes). Darum f\u00fchrt Portugal in seinem Banner die Weltkugel mit den Streifen, die die Wege seiner Entdecker bedeuten. Deshalb h\u00e4ngt der Portugiese so stark an seinen Kolonien, die ihm nicht Kolonien, sondern Heimat sind.<\/p>\n<p>&lt;Bild mit Br\u00fccke&gt;<\/p>\n<p>15<\/p>\n<p>&lt;3 Bilder mit Menschen&gt;<\/p>\n<p>Camoes, der gr\u00f6\u00dfte Dichter der portugiesischen Nation, nennt sein Heimatland &#8222;Der Garten am Rande Europas, am Strande des Ozeans&#8220;. Das Meer ist das halbe Leben des Volkes. Aber dennoch ist Portugal, wenigstens seine s\u00fcdlichen Striche, im Sommer ein gl\u00fchendhei\u00dfes und ausgetrocknetes Land. Wo aber ein Rinnsal eines B\u00e4chleins sich ergie\u00dft, dort wird es zum kleinen Paradies. Das Wasser ist das k\u00f6stliche Na\u00df f\u00fcr die ganze Natur. Schon die Araber, die einstigen Beherrscher des Landes, haben darum gro\u00dfe Wasserleitungen angelegt, deren m\u00e4chtige Bogen heute noch Wasser leiten (Bild). Sie kannten damals noch nicht das Gesetz der Kommunikationsr\u00f6hre. da\u00df Wasser auch den Berg hinaufflie\u00dfen kann, wenn es in einer geschlossenen R\u00f6hre geleitet wird.<\/p>\n<p>Auf dem flachen Land sind es die Wassertr\u00e4ger, die mit diesem Beruf ihr Geld verdienen. Das kleine Eselein tr\u00e4gt im Holzgestell die blechernen Cantaros (Bild), und obwohl man es als &#8222;dummer Esel&#8220; beschimpft, kennt es fast schon allein den Weg zu der besten Wasserquelle.<\/p>\n<p>Aber auch unser kleiner Jo\u00e3osinho mit seinem Schubkarren (Bild), auf den er seine kleinen Cantaros geladen hat, bietet l\u00e4chelnd sein k\u00fchles Wassier an. &#8211; Vor allem aber ist es die herzige Celeste (Himmlische), die mit ihrem gro\u00dfen Krug in den H\u00fcften das sch\u00f6nste Bild des Tages bot. Gerne habe ich immer mit diesen Kindern mich unterhalten. Denn wer wie ich eine neue Sprache zu erlernen hat, findet in diesen Kleinen seine besten Lehrmeister. Sie sprechen klar und langsam und die einfachsten Formen ihrer Sprache.<\/p>\n<p>Die drei Grazien des n\u00e4chsten Bildes &#8211; die Annita, Hyazinta und Maria -, aber auch das ganze Rudel anderer M\u00e4dchen und Buben waren meine treuen Begleiter. Wir streiften durch das &#8222;Arbeiterviertel&#8220; und unter den vielen \u00d6lb\u00e4umen und Korkeichb\u00e4umen zu den m\u00e4chtig hohen und stark duftenden Eukalyptusb\u00e4umen. Die meisten der Kinder waren \u00e4rmlich gekleidet, etliche<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>dennoch waren sie fr\u00f6hlicher und unbesorgter als mancher mit voller Tasche.<\/p>\n<p>Staatspr\u00e4sident Salazar hat den &#8222;Estado Novo&#8220; (Neuer Staat) gegr\u00fcndet. Vor ihm war Portugal zum verlottertsten Land Europas geworden. Salazar begann von unten herauf aufzubauen, mit den Schulen. So sehen wir heute die sch\u00f6nsten Schulgeb\u00e4ude und die Volkssch\u00fcler in eigener schmucker Kleidung (Bild). Auch die Schulbuben haben eine Art Sch\u00fcrze, die ihnen eine gewisse Hochachtung vor der Schule verleiht.<\/p>\n<p>Wer das lusitanische Volk kennt, wei\u00df, was das Wort &#8222;Prozession&#8220; bei ihm bedeutet. F\u00fcr das priesterarme Volk des S\u00fcdens ist es schlie\u00dflich noch die st\u00e4rkste religi\u00f6se Bet\u00e4tigung, die es kennt. Da die Unwissenheit in g\u00f6ttlichen Dingen schon \u00e4u\u00dferste Grenzen angenommen hatte, war au\u00dfer der Marienverehrung die j\u00e4hrliche Prozession der letzte Rettungsanker. Dabei flie\u00dfen Kirchliches und Weltliches oft ineinander \u00fcber. (In Brasilien ist es \u00fcbrigens sehr \u00e4hnlich wie in Portugal.) &#8211; Wie nun gehen die Prozessionen vonstatten?<\/p>\n<p>Einen Monat, bevor der betreffende Kirchtag kommt, bildet sich aus der M\u00e4nnerwelt der Stadt eine Kommission als Festveranstalter (festeiros), Diese gehen dann, jeder mit einer Liste, in die H\u00e4user, um Geld zu sammeln. Damit werden die wichtigsten &#8222;Dinge&#8220; bestellt: aus der Hauptstadt die Stiere, aus der Bezirksstadt die Raketen und aus der Nachbarschaft die Pfarrer; das meiste aber dient f\u00fcr die Musikbanden.<\/p>\n<p>So kamen also die Meinigen zu mir als ihrem Pfarrer mit dem schon fertig gedruckten Programm. Ich las: &#8222;Festa de Nosso Senhor dos Aflictos com 3 bandas da musica.&#8220; (Fest Unseres Herrn im Elend mit drei Banden von Musik.) Ich lachte hellauf: &#8222;Das glaube ich euch, da\u00df mit gleich drei Musikbanden unser Herr im Elend ist!&#8220; &#8211;<\/p>\n<p>Dann kam das Fest. Zuerst das Hochamt mit feierlicher Assistenz der bestellten Nachbarpfarrer. Von den gesch\u00e4ftigen Festeiros selber war niemand in der Messe, denn die bestellten Ochsen mu\u00dften ja gut versorgt werden. Ein Harmonium spielte und einige M\u00e4dchen sangen dazu die heilige Messe. (Gemischte Ch\u00f6re sind hier verboten. Selbst der Organist soll, nach veralteter Vorschrift, eine weibliche Kraft sein. Nur ich als Deutscher durfte eine Ausnahme bilden und wurde darum zu vielen Festen als Organist eingeladen.) Der eigens bestellte Festtagsprediger versuchte in flammenden Worten den Heiligen des Tages zu feiern, um dann gegen Ende hin, nach portugiesischem Brauch, immer leiser zu werden, um am Schlusse sich zu entschuldigen, da\u00df er durch seine &#8222;drei wenigen Worte seine Zuh\u00f6rer gelangweilt habe&#8220;.<\/p>\n<p>&lt;2 Bilder mit Kindern&gt;<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>Nun beginnt die Prozession. Alles ist auf den Beinen. Die Festordner und die M\u00e4nner der Bruderschaft \u00fcberschwemmen die Sakristei, um ihre &#8222;Opas&#8220; anzuziehen. Dies sind lange rote \u00dcberh\u00e4nge nach Art der Ministrantenkleidung. Dann nimmt noch jeder seinen langen Stab, und hinaus geht&#8217;s in gemessenem Schritte. Inzwischen sind auch schon s\u00e4mtliche Heiligenstatuen der Kirche lebendig geworden und schwanken auf ihren vergoldeten Tragbahren \u00fcber der Masse des Volkes. Die Hauptperson ist heute &#8222;Unser Herr im Elend&#8220; (Christus, in violettem Mantel, das Kreuz tragend). Ihn d\u00fcrfen nur die Priester tragen. Das Traggestell ist aus Eisen und darum sehr schwer. Da meine portugiesischen Mitbr\u00fcder alle kleiner waren als ich, hatte ich die Hauptlast zu schleppen. Wie schmerzten meine Schultern! Neben und hinter uns gingen jene, die ein Versprechen einzul\u00f6sen hatten. In Portugal spielen diese Promessas (Versprechen) eine sehr gro\u00dfe Rolle. Selbst auf dem Sterbebett bat manche todkranke Mutter ihren Sohn, ein noch nicht eingel\u00f6stes Promessa noch auszuf\u00fchren. Die einen gehen barfu\u00df, die anderen auf ihren Knien, die dritten mit aufgel\u00f6sten Haaren in altem B\u00fc\u00dferkleid &#8211; und alle genie\u00dfen die h\u00f6chste Hochachtung und den Vortritt. Die Musik spielt ihre Lieder, doch gebetet wird fast nichts, h\u00f6chstens von der &#8222;Katholischen Jugend&#8220;, die schon in echtem kirchlichem Geist neu erzogen ist. An der Spitze der Prozession marschiert ein Dutzend Engelchen, die durch wei\u00dfe B\u00e4nder mit der Mutter Gottes in Verbindung stehen (Bild), Sie sollen gleichsam die Ge1eitengel der kommenden K\u00f6nigin sein. Dann folgen die Kinder in der Tracht der verschiedensten Heiligen; vor allem ist es der heilige Antonius (von Lissabon) in brauner Kutte und ein dickes Gebetbuch unterm Arm, dann der heilige Joseph in Grau mit Beil und Hammer u. a. m. Dann folgt die &#8222;Mocidade Portugesa&#8220; (Portugiesische Jugend) mit ihren vielen Fahnen und in eleganter Uniform. Zuletzt das Volk und dazwischen die \u00fcbrigen Heiligen. &#8211; Nach zwei Stunden Marsch ist es inzwischen Mittag geworden.<\/p>\n<p>&lt;Bild mit Prozession&gt;<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>&lt;Bild mit Patres&gt;<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des Tages geh\u00f6rt der weltlichen Feier, vor allem den Stierk\u00e4mpfen. Es ist ein gro\u00dfer Unterschied zwischen den Touradas in Spanien und denen von Portugal. W\u00e4hrend dort in blutigem Kampfe der Stier get\u00f6tet wird, ist dies hier verboten. Jede Stadt hat ihre Arena. Auf dem Land werden Wagen und Karren herbeigeschafft, in gro\u00dfem Umkreis aufgestellt &#8211; und die Arena ist fertig. So geht es Jahr f\u00fcr Jahr.<\/p>\n<p>Zum Patroziniumstag meiner Filiale S\u00e3o Romao besteige ich das &#8222;Alentejanische Auto&#8220;, den Eselskarren (Bild). Ein zweir\u00e4driges Vehikel mit \u00fcberspanntem Dach, die Kerze in der Lampe vor Hitze zerschmolzen und vorne unser &#8222;Motor&#8220; von einer halben Pferdekraft, so sitzen wir drinnen auf den B\u00e4nken und wackeln im Takte des Eseltrabs. &#8222;Anda, burro, anda!&#8220; &#8222;Lauf, Esel, lauf!&#8220; und vorw\u00e4rts geht es \u00fcber Berg und Tal.<\/p>\n<p>Dort endlich angekommen, ist zuerst die heilige Messe, danach etwa f\u00fcnfzehn Taufen. &#8222;Machen Sie schnell, Herr Pater, die Stiere sind schon drau\u00dfen und warten auf uns!&#8220; Eine Geduldsprobe f\u00fcr uns alle. Ich beeile mich.<\/p>\n<p>Mit einem Trompetensignal beginnt der Stierkampf.<\/p>\n<p>&#8222;Auf, in den Kampf, Torero!<\/p>\n<p>Siegesbewu\u00dft, Stolz in der Brust!&#8220;<\/p>\n<p>Es werden Preise auf das einzelne Tier gesetzt: seidene Taschent\u00fccher, Krawatten usw., um die Meute der Burschen anzufeuern. Es gilt, den Stier bei den H\u00f6rnern zu packen und kurze Zeit daran zu h\u00e4ngen. Dann gilt er als besiegt. Irgendein Beherzter schleicht sich von r\u00fcckw\u00e4rts heran. Eine kleine Bewegung des Tieres &#8211; und er fl\u00fcchtet zur Meute zur\u00fcck. &#8222;Feigling, du!&#8220; schallt es herunter. Nun suchen die Burschen durch Geheul sich selbst Mut und den Stier zum &#8222;bl\u00f6den Ochsen&#8220; zu machen. Einer st\u00f6\u00dft den anderen<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>vor, doch keiner bei\u00dft an. &#8222;Ich gebe hundert Escudos dazu!&#8220; ruft der Patron herab. Da st\u00f6\u00dft ein Beherzter von r\u00fcckw\u00e4rts zu und packt das Tier am Schwanz. W\u00fctend rei\u00dft sich der Stier herum, aber der andere h\u00e4lt fest, denn nur das kann seine Rettung sein. Zwar w\u00e4re er gerne wieder aus diesem wilden Tanz der Spr\u00fcnge und St\u00f6\u00dfe mit heiler Haut heraus, aber wie? &#8230; Da blitzschnell kommt sein Freund ihm zu Hilfe, und in elegantem Hechtsprung fliegt er dem Stier auf den Kopf zwischen die H\u00f6rner und klammert sich an ihnen fest. Zwar wird auch er nun mit stiernackiger Kraft ger\u00fcttelt und gebeutelt. Doch im n\u00e4chsten Moment schon h\u00e4ngt die ganze Meute der Burschen an den H\u00f6rnern, und die zu sp\u00e4t Gekommenen versuchen auf den R\u00fccken des Tieres zu springen, um noch wenigstens damit ihren versp\u00e4teten Mut zu zeigen. Knatternd steigt eine Rakete. Ein Tusch der Musikkapelle, und der Stier trottet besch\u00e4mt in seine Kabine zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Doch nicht immer ist der Mensch der Sieger, denn manchmal mu\u00df der rettende Hechtsprung in umgekehrter Richtung gehen (Bild), und der Mutige ist froh, wenn kein Horn ihn bei den Rippen packt, sondern nur dort, wo ihm die beste Polsterung gegeben ist. Wie oft geht&#8217;s gut, wie oft geht&#8217;s schlecht?<\/p>\n<p>Manch einer ist froh, wenn es gegen Abend zugeht und ein m\u00e4chtiges Feuerwerk der Raketen das gl\u00fcckliche Ende k\u00fcndet. Auch wir waren dar\u00fcber froh nach diesem aufregenden Spiel.<\/p>\n<p>Noch ehe die Sonne unterging, bestiegen wir unsere Wagen, und fort ging es, schnell der Heimat zu. &#8222;Anda, burro, anda! Lauf, mein Eselein, lauf!&#8220;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Stierkampf&gt;<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz\/April 1965, S. 9-12 (20. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>20. Fortsetzung<\/p>\n<p>Oft stand ich lange auf der breiten Hafentreppe am Bra\u00e7a do Comerico, deren unterste Stufen das Meerwasser umsp\u00fclt. &#8222;Still rauscht das Meer sein uraltes Lied.&#8220;<\/p>\n<p>Ja, dieses ungeheuer weite Meer ist es, dem die Weltstadt Lissabon ihre Gr\u00f6\u00dfe verdankt. &#8211; So stand ich oft an seinem Gestade, sah das Kommen und Gehen so vieler Schiffe, Kriegs- und Handelsschiffe. Vor allem aber bewunderte ich dort immer wieder den Untergang der Sonne.<\/p>\n<p>Wie kam ich denn so pl\u00f6tzlich nach Lissabon, der Hauptstadt Portugals?<\/p>\n<p>An meine Zimmert\u00fcr unseres Kollegs in Vila Vi\u00e7osa, tief drinnen im hei\u00dfen Alemtejo, klopfte es eines Tages, und herein trat ein Besuch aus Lissabon, ein Monsignore. Er war der Seelsorger aller Deutschen Portugals. Es war die Zeit, da dr\u00fcben in Spanien der B\u00fcrgerkrieg tobte, der die Brandfackel gegen die Kirchen und die Dolche gegen die Priester entfesselt hatte. Unglaublich, da\u00df in diesem unserem Jahrhundert noch Tausende von Priestern und Ordensleuten hatten ermordet werden k\u00f6nnen. (Dieser Helden m\u00f6chten wir darum in einem besonderen Artikel gedenken.) Den S\u00f6ldnerheeren der ausl\u00e4ndischen Kommunisten hatten die westlichen L\u00e4nder auch ihrerseits Heeresverb\u00e4nde entgegengestellt. So k\u00e4mpfte auf seiten Francos die deutsche &#8222;Kondor-Legion&#8220;. Nun wurde f\u00fcr die katholischen Soldaten ein eigener Milit\u00e4rkaplan angefordert.<\/p>\n<p>&#8222;Herr Pater&#8220;, sagte dieser Monsignore aus Lissabon, &#8222;ich werde zur Kondor-Legion gehen. D\u00fcrfte ich Sie nun bitten, f\u00fcr diese Zeit mein Stellvertreter in Lissabon zu sein? Alle Deutschen von ganz Portugal sind Ihre Pfarrkinder.&#8220;<\/p>\n<p>9<\/p>\n<p>Nach R\u00fccksprache mit meinen anderen Mitbr\u00fcdern war die Entscheidung bald getroffen. Den Koffer gepackt, in den Wagen eingestiegen, und mit Vollgas ging es quer durch das ganze Land nach Westen, dem Meer entgegen, zur Sieben-H\u00fcgel-Stadt Lissabon. Durch die Scheiben blickend, tat sich zum ersten Mal die Sch\u00f6nheit dieses Landes mir auf. Ich sah die Bl\u00fctenpracht des portugiesischen Fr\u00fchlings, die sich auf den mit Ginster, Cistus, Rosmarien und bunten Zwiebelgew\u00e4chsen bedeckten Heidefl\u00e4chen des hei\u00dfen Alemtejo entfaltet hatte. Ich sah neben Hainen von Agrumen, Oliven, Feigen, Johannisbrot und Mandelb\u00e4umen auch die breiten Weing\u00e4rten und Gem\u00fcsefelder, ums\u00e4umt von Feigenb\u00e4umen, Kaktushecken, Agaven und Palmen. Je n\u00e4her wir zum Meere kamen, desto reichhaltiger wurde der Baumwuchs.<\/p>\n<p>Endlich tat sich Lissabon vor uns auf. 0, diese buntbewegte Stadt an der westlichen Kante Europas! Was k\u00f6nnte sie nicht alles erz\u00e4hlen aus ihrer alten und neuen Geschichte! Lissabon, Ulisipo der Lusitaner, wurde zur Zeit der R\u00f6mer &#8222;Felicitas Julia&#8220; (Julisches Gl\u00fcck) genannt. Es kamen die Alanen, dann die Westgoten und schlie\u00dflich auch noch die Mauren (Mohammedaner), die es &#8222;Lischbona&#8220; nannten. Der Halbmond regierte in Europa. Doch in gemeinsamem Kampf, zusammen mit Spaniern und deutschen Kreuzfahrern, wurde dieser Feind des Christentums besiegt. Auf diesen Sieg sind die Portugiesen heute noch stolz. Immer wieder h\u00f6rte ich sie von jenen glorreichen alten Zeiten sprechen, da sie den Halbmond aus Land und Kontinent vertrieben, da sie eine der wagemutigsten Nationen gewesen, die die Meere durchkreuzten und so neue Welten entdeckten. Lissabon wurde damals zu einer der reichsten St\u00e4dte Europas. (Darum sagt ein kritischer Witz: Der Portugiese hat sein Gesicht hinten am Kopf, denn er schaut immer r\u00fcckw\u00e4rts in die Vergangenheit.)<\/p>\n<p>Die Erdbeben von 1531, 1575 und besonders jenes vom 1. November 1755 gaben dem Volk eine gewisse Neigung zur Schwermut und zu einer fatalistischen Ergebenheit. &#8222;Da kann man nichts machen, das ist so Schicksal!&#8220; ist eine Volkspsyche, die selbst bis ins Tochterland Brasilien sich heute noch l\u00e4hmend auswirkt. Dieser Fatalismus ist teilweise auch ein \u00dcberbleibsel aus jener mo-<\/p>\n<p>hammedanischen Zeit. &#8211;<\/p>\n<p>So landeten wir also in Lissabon, Rua do Quelhas. Diese Weltstadt war damals noch eine der lautesten St\u00e4dte, die ich je erlebt. Vom Hafen her, besonders wenn Nebel herrschte, knurrten die H\u00f6rner und Sirenen der Schiffe und Barkassen. In den Stra\u00dfen l\u00e4rmten die Autos &#8211; auch mein Fahrer hat sich vor jeder Kurve die Stra\u00dfe frei geblasen. &#8211; Dann wieder waren es die unz\u00e4hligen Zeitungsjungen, die aufdringlichst ihre Papiere verschrien. (Es gibt sogar ein eigenes Denkmal dieser Lissaboner Zeitungsbuben.) Die Scherenschleifer haben ihr eigenes Signal. Stra\u00dfenweit schrillt die Melodie ihrer f\u00fcnfgliedrigen Panpfeife. Am lautesten aber d\u00fcrften wohl die Fischerweiber gewesen sein, diese typischen Gestalten im Weichbild der Tejostadt. Den flachen Korb auf dem Kopf geschickt balancierend, k\u00fcnden sie ihre Fische so laut an, da\u00df auch im f\u00fcnften Stock ein Fenster sich auftut und an einer langen Schnur Korb und Geld herabgelassen werden. Diese st\u00e4mmigen Fischweiber waren zuerst alle barfu\u00df wegen der steilen Stra\u00dfen. Doch dann wurde es ihnen unter hartem Kampf von der Polizei verboten. &#8211;<\/p>\n<p>10<\/p>\n<p>In die Arbeit der Gro\u00dfstadtseelsorge hatte ich mich bald eingef\u00fcgt. Die meisten Deutschen wohnen ja in Lissabon und in Porto. Vor allem waren es die t\u00e4glichen Religionsstunden am dortigen deutschen Gymnasium, die viel Arbeit und Zeit erforderten. Der Geist in dieser deutschen katholischen Kolonie war ein guter.<\/p>\n<p>Doch manchmal erschien, aus dem Reiche kommend, in Lissabon ein Wanderredner des Dritten Reiches, der im Stadtsaal seine politischen Hetzreden gegen die Kirche loslie\u00df. Ich wandte mich darum an den Kardinal von Lissabon, um ihn auf diese &#8222;Zugv\u00f6gel&#8220; aufmerksam zu machen. Da Kardinal Cerejeira ein Freund des Ministerpr\u00e4sidenten Salazar ist (beide haben als Studenten von Coimbra zusammen in der gleichen &#8222;Studentenbude&#8220; gewohnt), konnte eine Reklamation von oben her leicht stattfinden. Die Hetzredner waren von nun an nicht mehr erschienen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr bekamen wir bald nachher einen um so sch\u00f6neren Besuch aus der Heimat: ein deutsches Hochseegeschwader lief im Hafen ein, an der Spitze der ber\u00fchmte und stolze Panzerkreuzer &#8222;Admiral Graf Spee&#8220;, gefolgt vom Kreuzer &#8222;K\u00f6ln&#8220; und einem U-Boot-Mutterschiff mit einer Flottille von U-Booten. Als offizieller Vertreter der deutschen Katholiken wurde ich zum Empfang eingeladen. Wir tauschten die Visitenkarten aus und setzten u. a. die Stunde der Feldmesse f\u00fcr die katholische Besatzung der Schiffe fest. &#8211; Am n\u00e4chsten Tag marschierten sie auf, diese flotten Kerle, 90 Mann. Im Park vor meinem Pfarrhaus war die heilige Messe. &#8222;Hier liegt vor deiner Majest\u00e4t &#8230; &#8220; &#8211; ein M\u00e4nnerchor, wie man ihn sich w\u00fcnscht. Wie weit es wohl geklungen haben mag!<\/p>\n<p>Die Panzerkreuzer-Predigt machte mir m\u00e4chtige Freude.<\/p>\n<p>Am Nachmittag war Besichtigung und Bordfest. Von diesem kleinen fr\u00f6hlichen Fest auf &#8222;Graf Spee&#8220; blieb mir jedoch eine eigenartige Episode in Erinnerung, die typisch war f\u00fcr die damalige Zeit. Eine Reihe von Frauen suchte und fragte nach einer Kaj\u00fcte: &#8222;Wo ist das Bett, in dem der F\u00fchrer<\/p>\n<p>&lt;Bild Messe mit Matrosen, Lissabon&gt;<\/p>\n<p>11<\/p>\n<p>geschlafen? Ist dies das Bett?&#8220; Und dann dr\u00e4ngten sie sich ehrfurchtsvoll und schweigend auf der Schwelle zusammen, die r\u00fcckw\u00e4rtigen auf den Zehenspitzen, die vorderen in heiliger Andacht vor dem Bett, in dem der F\u00fchrer geschlafen. Aber beinahe w\u00e4re das Schiff ihm zum Sarg geworden.<\/p>\n<p>Das erz\u00e4hlte mir Korvettenkapit\u00e4n Stummel vom &#8222;Graf Spee&#8220;, mit dem ich am folgenden Tag zu den Sehensw\u00fcrdigkeiten Lissabons fuhr. Er war ein schneidiger Offizier und ein noch schneidigerer Katholik aus Berlin. Er erz\u00e4hlte mir folgendes: &#8222;Hamburg, an Deck herrschte Gro\u00dfalarm, Besichtigung des Panzerkreuzers durch den F\u00fchrer. Als die Barkasse mit ihm an Bord in die N\u00e4he kam, machte ,Graf Spee&#8216; pl\u00f6tzlich ein falsches Man\u00f6ver und h\u00e4tte um ein Haar die Barkasse gerammt und versenkt. Darob gro\u00dfe Aufregung an Bord. ,Sabotage! Anschlag auf den F\u00fchrer! Wer ist der Verr\u00e4ter?&#8216; Was war geschehen? Ein Lappen, ein einfacher, schmutziger \u00d6llappen war ins Getriebe der Steuerung gefallen &#8230; und h\u00e4tte beinahe den F\u00fchrer zu den Haien geschickt.&#8220;<\/p>\n<p>Als wir uns verabschiedeten und er mir zum Andenken ein sch\u00f6nes Buch, &#8222;Die deutsche Kriegsmarine&#8220;, schenkte, frug ich ihn noch: &#8222;Herr Kapit\u00e4n, warum war am Sonntag euer oberster Chef des Geschwaders nicht bei der Feldmesse erschienen? Ist er katholisch oder protestantisch?&#8220; &#8211; &#8222;Er war katholisch, ist aber leider aus der Kirche ausgetreten.&#8220; &#8211; &#8222;Also auch einer von denen &#8230; Dann sehe ich schwarz f\u00fcr seine Zukunft. Er, der oberste Kommandant &#8211; schade, da\u00df mit ihm auch das Schicksal der \u00fcbrigen Mannschaft so stark verkettet ist!&#8220; &#8211; Nur allzu rasch sollte ich recht bekommen.<\/p>\n<p>Einige Tage darauf lichtete das Geschwader die Anker und verlie\u00df uns und fuhr &#8211; in eine dunkle Zukunft. Gleich darauf brach der Krieg aus und besiegelte das Schicksal dieses stolzen Schiffes und seines Kommandanten.<\/p>\n<p>(P. S.: Sollte irgend jemand von der damaligen Besatzung diesen Herold in die Hand bekommen, so bitten wir ihn, sich mit dem Schriftleiter des Herold, P. Adalbert, in Verbindung zu setzen.)<\/p>\n<p>&lt;Bild: Hafeneinfahrt in Lissabon&gt;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Im Gespr\u00e4ch mit den Seeoffizieren&gt;<\/p>\n<p>12<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 40. Jg. H. 11\/12, Mai\/Juni 1965, S. 23-27 (21. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>21. Fortsetzung<\/p>\n<p>Portugals geistige Hauptstadt ist das kleine Bergd\u00f6rflein Fatima. Es wird auf der Erde schwerlich ein Dorf gegeben, das solchen Weltruf erlangt hat wie dieses \u00d6rtlein von ein paar H\u00e4usern, dort oben auf dem Airegebirge.<\/p>\n<p>&#8222;Herr Pater, gehen Sie mit?&#8220; &#8211; redete mich eines Tages unser Feuerwehrhauptmann an -, es war eine Woche vor dem 13. Mai. &#8222;Ich marschiere zu Fu\u00df nach Fatima.&#8220; &#8211; &#8222;Wie lang soll der Marsch dauern?&#8220; &#8211; &#8222;In f\u00fcnf Tagen sind wir droben.&#8220; &#8211; Hei\u00df brannte die s\u00fcdliche Sonne, und in den Stra\u00dfen gl\u00fchte und flimmerte die Hitze. 0 diese portugiesische Sonne auf dem ungetr\u00fcbten dunkelblauen Samtgrund! &#8222;Zu Fu\u00df &#8211; unm\u00f6glich!&#8220; &#8211; Er ging allein.<\/p>\n<p>Als ich f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter mit dem Bus dort oben ankam (es waren an jenem Tag eine halbe Million Menschen dorthin gekommen), hat mich pl\u00f6tzlich jemand angesprochen. Ich habe ihn nicht mehr erkannt, so braun war er geworden, und die Hautfetzen sch\u00e4lten sich von seinen Wangen. Aber er strahlte vor Stolz und Gl\u00fcck. &#8211; Zu Hause war unser Feuerwehrmann schon lange nicht mehr zu den Sakramenten gegangen (wie leider damals noch die meisten Leute des Alemtejo). Doch hier oben in Fatima hat es ihn gepackt. Ja, hier knien sie nieder, die zu Hause sich nicht mehr beugen wollen. Und das gerade, sagt man, sind die gr\u00f6\u00dften Wunder von Fatima.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir sprachen, tippte mir jemand ganz sachte von r\u00fcckw\u00e4rts auf die Schulter: &#8222;Senhor, Padre, faz favor, confessare!&#8220; (Herr Pater, bitte, ich m\u00f6chte beichten.) Am Arm trug er eine Binde mit der Aufschrift &#8222;Arzt&#8220;. (In Fatima stehen alle \u00c4rzte allen Leuten unentgeltlich zur Verf\u00fcgung, und darum<\/p>\n<p>&lt;Bild: Fatima&gt;<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>haben sie sich als solche gekennzeichnet.) Ich setzte mich auf die Steintreppe des Krankenhauses, er kniete sich vor mich hin, legte, wie es landes\u00fcblich ist, seine Arme gem\u00fctlich auf meine Knie und begann seine Beichte. Rechts und links von uns hasteten hunderte von F\u00fc\u00dfen hinauf und hinab. Das also war meine erste Beichte in Fatima. Kaum waren wir aufgestanden, tippte es wieder. Ich setzte mich auf einen der vielen Steine, die zum Bau der noch nicht ganz vollendeten Basilika hier umher lagen. Wieder legte sich ein Armpaar auf meine Knie. Und als ich nach der Absolution aufschaute, stand schon eine ganze Schlange wartender M\u00e4nner vor mir, mitten im Trubel der kommenden V\u00f6lker. Sogar Franz\u00f6sisch und Englisch mu\u00dfte ich sprechen. Ja, wie viele Steinbl\u00f6cke sind mir dort zum Beichtstuhl geworden! Das war ein Beichten wie zu apostolischen Zeiten. &#8211;<\/p>\n<p>In Portugal gibt es keine Abendd\u00e4mmerung; der Tag geht rasch in die Nacht \u00fcber.<\/p>\n<p>Lichterprozession in Fatima. Von der H\u00f6he des Eingangs der Basilika, wo der Feldaltar errichtet ist, schaue ich hinab auf den breiten Platz, einst das Tal der Iria. Er ist doppelt so gro\u00df als der Petersplatz in Rom. Nun flammen tausende, zehntausende, hunderttausende Lichter auf. Langsam geht die n\u00e4chtliche Prozession die rechte Rampe hinauf und dann wieder in weitem Bogen links hinab. Die Lautsprecher singen und beten vor, und das Beten und Singen des Ave will kein Ende nehmen. Milit\u00e4rscheinwerfer beleuchten das hohe Gotteshaus, und die Sternenpracht des s\u00fcdlichen Himmels wetteifert mit dem Lichtermeer hier im Tale der Iria.<\/p>\n<p>Um Mitternacht erlischt es langsam, und in der Basilika, der gr\u00f6\u00dften Kirche des Landes, beginnt die n\u00e4chtliche Anbetung. Die meisten der Pilger aber sind weither gekommen; todm\u00fcde strecken sie sich auf den Rasen zu kurzer Ruhe<\/p>\n<p>&lt;Bild: Fatima&gt;<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>&lt;Bild: Kreuz&gt;<\/p>\n<p>aus. Es ist ein wahres Heerlager Gottes. Hie und da noch sieht man ein versp\u00e4tetes Feuerlein, wo irgendwelche Familien zum Nachtessen sich noch ihre Kartoffeln braten und den letzten Speck anschmoren.<\/p>\n<p>Hoch oben auf dem Turm der Kirche leuchtet \u00fcber einer gewaltigen Krone aus Bronze (siehe Bild) ein m\u00e4chtig hohes Kreuz in die Nacht hinaus. Im Turm selber ist ein Glockenspiel, das zu jeder Stunde das Fatimalied spielt, auch jetzt in der Nacht, und im Traum noch singt der Schl\u00e4fer weiter das Lied der Gottesmutter.<\/p>\n<p>Am Morgen erhebt sich die Sonne wieder rasch und ohne D\u00e4mmerung. Es ist der 13. Mai. Den vielen heiligen Messen folgt schlie\u00dflich die offizielle Krankenmesse, die diesmal der Kardinal Masella als Abgesandter des Papstes h\u00e4lt. Zuvor aber erleben wir noch das einzigartige Schauspiel: die Kr\u00f6nung der Madonna.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Krieges hatten die Frauen und M\u00e4dchen des Landes das Versprechen gemacht: Wenn Portugal vom Kriege verschont bleibt, werden sie zum Dank daf\u00fcr der Madonna von Fatima eine Krone schenken. Das Land blieb wirklich verschont &#8211; und ein Kr\u00f6nlein, ganz aus Gold und mit \u00fcber 3000 Edelsteinen geziert, war die Dankesgabe der portugiesischen Nation. Im Namen des Papstes nahm der Kardinal die Kr\u00f6nung vor. &#8211; An jenem Morgen<\/p>\n<p>25<\/p>\n<p>&lt;Bild: Madonna mit der kostbaren Friedenskrone&gt;<\/p>\n<p>war mein Fotoapparat nicht mehr zur Ruhe gekommen, denn ich stand in n\u00e4chster N\u00e4he.<\/p>\n<p>Nach der Pontifikalmesse folgte nun die Krankensegnung.<\/p>\n<p>Ich mu\u00df gestehen, da\u00df niemand dies so wahrhaft schildern kann, wie es in Wirklichkeit sich abspielt. Es ist der H\u00f6hepunkt der Wallfahrt von Fatima. Auch nach Lourdes kommen Tausende von Pilgern; doch auch viele Ausfl\u00fcgler, Reisende, Zuschauer. In Fatima aber sind es vor allem die einfachen, ja armen Volksschichten, die hier am meisten vertreten sind. Hier ist Gebet und Bu\u00dfe die Losung jedes Pilgers. Unverge\u00dflich bleibt mir z. B. jenes arm gekleidete 70j\u00e4hrige M\u00fctterlein aus Porto. F\u00fcnfzehn Tage war sie unterwegs &#8211; des Nachts schlief sie in irgendeinem Heustall &#8211; und wieder f\u00fcnfzehn Tage zu Fu\u00df zu ihrem R\u00fcckmarsch, und dies nun schon das sechste Jahr. Das ist Gebet und Bu\u00dfe!<\/p>\n<p>Soll ich erz\u00e4hlen, wie hier gebetet wird? Der Portugiese kennt keine Menschenfurcht. Wie es ihm ums Herz ist, so betet und fleht er zu Gott und zu Maria. Man darf wohl sagen, da\u00df nirgends in aller Welt mit solcher Aufrichtigkeit und innigst kindlichem Flehen gebetet wird als hier in Fatima.<\/p>\n<p>Mit brennender Kerze in der Hand konnte ich den Kardinal bei der Segnung der Kranken begleiten. In langen Reihen liegen sie da in Erwartung ihres Wunders. Langsam erhebt sich die Monstranz zum eucharistischen Segen \u00fcber jeden einzelnen; es ist der Moment ihrer h\u00f6chsten Erwartung. W\u00e4hrend des Segens ziehen Flieger ihre Kreise \u00fcber dieses Tal und werfen Rosen und Blumen<\/p>\n<p>26<\/p>\n<p>herab. &#8211; In der ersten Reihe der vielen Kranken sah ich ein M\u00e4dchen, ganz still, so herzig, so sympathisch in ihren zw\u00f6lf Jahren. Ich wu\u00dfte nicht, da\u00df sie blind war; ich wu\u00dfte auch nicht, da\u00df sie eine Prinzessin aus dem K\u00f6nigshaus Spaniens war. Auf Bitten des Arztes gab der Kardinal ihr zum zweiten Mal den Segen. Doch das herzige Prinze\u00dflein blieb unbewegt &#8211; blieb blind. Neben ihr lag ein Bauernm\u00e4dchen. Im Moment des Segens sprang sie auf &#8211; sie war geheilt. Es war so Gottes Wille. (Die Geheilten werden sofort weggetragen, damit kein Volksauflauf und kein Ungl\u00fcck entstehe.) &#8211; Anschlie\u00dfend an die Krankensegnung war eine kurze Danksagung.<\/p>\n<p>Abschiedsprozession. Zum Abschlu\u00df wird die Madonna, die w\u00e4hrend der ganzen Feier auf dem Altar des Eingangs der Basilika gestanden, in feierlicher Prozession zu ihrem Kapellchen zur\u00fcckgetragen. Dabei winken die Hunderttausende mit ihren Taschent\u00fcchern der Madonna zum Abschied zu. Dieses letzte Gr\u00fc\u00dfen hat den Namen &#8222;Taubenprozession&#8220; erhalten, da es dem Anblick unz\u00e4hlig fliegender Tauben gleicht. Das Sch\u00f6nste und Erhabenste aber bei dieser letzten Kundgebung ist das Abschiedslied, das alle mit gr\u00f6\u00dfter Begeisterung, und doch mit tiefer Ergriffenheit, singen. Dieses &#8222;Adeus de Fatima&#8220; ist eines der sch\u00f6nsten Lieder, die ich je geh\u00f6rt. &#8211; Und nun kam auch noch eine besondere \u00dcberraschung f\u00fcr mich pers\u00f6nlich: Man gab mir, dem Missionar des Kostbaren Blutes, die Ehre, zu diesem &#8222;Adeus&#8220; die Orgel zu spielen. Wer kann darum meine Freude sich vorstellen, als ich nun alle Register aufbrausen lie\u00df zum Abschied und zum letzten Hymnus bei dieser Weltwallfahrt! Eine halbe Million Menschen sangen mit, und die angeschlossenen Landessender trugen es hinaus \u00fcber Land und Meer, das unsterbliche Lied: ,,0 Fatima, leb&#8216; wohl, Mutter mein, lebe wohl!&#8220;<\/p>\n<p>&lt;Bild: Die Geheilte&gt;<\/p>\n<p>&lt;Bild: \u201eTaubenprozession\u201c&gt;<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 5\/6, November\/Dezember 1965, S. 18-24 (22. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>22. Fortsetzung<\/p>\n<p>Mit dem Sieg Francos \u00fcber die rote Revolte in Spanien waren auch die deutschen Truppen der Condor-Legion zur\u00fcck in die Heimat gezogen. Ihr Feldkurat Monsignore W. aus Lissabon, dessen Vertretung ich in Portugal \u00fcbernommen hatte, war nun auch zur\u00fcckgekommen. So konnte auch ich wieder heimw\u00e4rts ziehen nach Vila Vi\u00e7osa,<\/p>\n<p>Nun ersuchte mich unser Erzbischof &#8211; er wohnte in Evora -, in sein Priesterseminar von Vila Vi\u00e7osa zu \u00fcbersiedeln, um dort die Stelle eines Lehrers und des Spirituals zu \u00fcbernehmen. Es ist n\u00e4mlich das Seminar f\u00fcr die Gymnasialstudenten, w\u00e4hrend in Evora jenes f\u00fcr Philosophie und Theologie ist. Diesen neuen Wirkungskreis konnte ich um so leichter annehmen, da meine eigenen Studenten jetzt schon in Evora studierten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Man sagt, wenn ein Vater einen Sohn in h\u00f6heren Studien hat, so kostet es ihn soviel, als die Unterhaltungskosten eines Autos betragen. Ich hatte nun gleich drei solcher &#8222;Autos&#8220; in Betrieb und in Zahlung. Die Briefe, die ich am Ende des Monats erhielt, begannen fast immer (wie halt alle Studentenbriefe beginnen): &#8222;Mande me &#8230; Schicken Sie mir &#8230; &#8220; Meine Kollegen machten sich schon \u00fcber meine Briefe lustig: &#8222;Haben Ihre ,Mandemes&#8216; wieder geschrieben?&#8220; &#8211; (Heute sind meine Studenten schon l\u00e4ngst eifrige Missionare in unserem spanischen Vikariat &#8211; der dritte von ihnen ist leider schon als Theologe gestorben.) K\u00fcrzlich erz\u00e4hlte mir einer von diesen beiden, da\u00df auch er von seinen jetzigen Studenten immer wieder Briefe erhalte,<\/p>\n<p>&lt;Bild: Seminar und Kirche, Au\u00dfenseite&gt;<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>&lt;Bild: Seminarhof, rechts oben mein Fenster&gt;<\/p>\n<p>die da beginnen mit &#8222;Mande me &#8230; &#8211; Schicken Sie mir &#8230; &#8220; &#8211; Studenten sind halt ewig die gleichen durch alle Generationen.<\/p>\n<p>Das Seminar in Vila Vi\u00e7osa hat seine interessante Geschichte.<\/p>\n<p>Es liegt direkt anschlie\u00dfend an den k\u00f6niglichen Palast und war fr\u00fcher ein Klarissinnenkloster. Der anschlie\u00dfende Turm hat viele Guckl\u00f6cher, aus denen bei k\u00f6niglichen Aufz\u00fcgen auch die Nonnen ihrer fraulichen Neugierde nachgehen konnten. Die Architektur des Innenhofes geht ins romanische. Im Zentrum steht ein Orangenb\u00e4umlein (Bild). Ringsum im S\u00e4ulengang bl\u00fchen Kletterrosen und Efeuranken.<\/p>\n<p>Die Chronik erz\u00e4hlt, da\u00df einstens die K\u00f6nigin von Lissabon eines abends zu Besuch hier eintraf. Als sie den Klosterhof mit seinem wild-romantischen Geranke ansichtig wurde, war sie so sehr davon entz\u00fcckt, da\u00df die den Wunsch \u00e4u\u00dferte, diesen Klosterhof eigenh\u00e4ndig zu malen und bat darum ihre Dienerschaft, f\u00fcr den folgenden Tag Farben und Pinseln herbeizuschaffen. Das h\u00f6rte die \u00c4btissin. Die K\u00f6nigin will unseren Kreuzgang malen&#8220;, rief sie aus, &#8222;alles mu\u00df schleunigst auf das sauberste hergerichtet werden!&#8220; Und in der gleichen Nacht jagte sie die Schwestern bei Kerzenschein die Leitern hinauf, um das &#8222;wilde Geranke&#8220; zu entfernen und zu s\u00e4ubern. Selbst die goldgelbe Patina der S\u00e4ulen versuchte sie blitzblank zu scheuern. Am Morgen war das letzte Efeublatt und auch der kleinste Rosendorn verschwunden. Als dann die K\u00f6nigin wieder eintrat, war sie ba\u00df erstaunt und entt\u00e4uscht. Wo<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>&lt;2 Bilder: K\u00f6nigspalast mit Reiterstatue Dom Johanns IV., rechts Boscas das damas und Kirche&gt;<\/p>\n<p>waren Rosen und Efeu, wo die bl\u00fchend gr\u00fcnende Natur geblieben? Die achtundzwanzig nackten S\u00e4ulen zeugten von entschwundener Pracht, geb\u00fcrstet und geborstet in der vergangenen Nacht. Wie &#8222;in Unterhosen&#8220; stand nun der sch\u00f6ne Vorhof da. &#8211; Den wollte die K\u00f6nigin nun nicht mehr malen. &#8212;<\/p>\n<p>Das Leben eines Herrschers gleicht oft dem Leben einer Rose &#8211; heute rot, morgen tot.<\/p>\n<p>Am 20. Februar 1908 verbrachte die K\u00f6nigsfamilie ihre letzte Nacht im Palast von Vila Vi\u00e7osa, Als sie am folgenden Tag in Lissabon ankamen, wurde der K\u00f6nig und der Kronprinz von einer Clique revolution\u00e4rer Verschw\u00f6rer ermordet. Mit ihrem gro\u00dfen Rosenstrau\u00df konnte die K\u00f6nigin die Ermordung eines weiteren Sohnes verhindern.<\/p>\n<p>So begann die Dekadenz des Landes. Portugal wurde zu einer Republik erkl\u00e4rt, die Kl\u00f6ster wurden beschlagnahmt und gepl\u00fcndert, viele Kirchen geschlossen und die Priester teilweise eingekerkert. Damit gingen auch alle Kl\u00f6ster in Vila Vi\u00e7osa in Staatsh\u00e4nde \u00fcber. Die s\u00fcdliche H\u00e4lfte des Landes wurde nach und nach zu einem &#8222;heidnischen Afrika&#8220;. Der Gott hassende Atheismus regierte und triumphierte.<\/p>\n<p>So blieb es, bis pl\u00f6tzlich durch die Erscheinung in Fatima ein Umschwung kam. Ein religi\u00f6ses Erwachen und ein begeisterter Aufbruch setzte damit in ganz Portugal ein. Unter den Bisch\u00f6fen des Landes war es vor allem unser Erzbischof von Evora, Dom Manuel da Concei\u00e7\u00e3o Santos, der &#8211; durch seine gl\u00e4nzende Rednergabe &#8211; in Fatima mu\u00dfte er jedes Jahr die gro\u00dfe Festpredigt halten &#8211; und durch sein heiligm\u00e4\u00dfiges Leben das verf\u00fchrte portugiesische Volk wieder durch Maria zu Jesus brachte. Nie hat er eine Predigt gehalten, ohne wenigstens zum Schlu\u00df auf Maria sprechen zu kommen. Dieser Erzbischof war auch ein besonders gro\u00dfer Freund von uns Missionaren vom Kostbaren Blute. Bei seinen Studien in Rom hat er unsere Kongregation kennen- und sch\u00e4tzengelernt; er war ein Verehrer des heiligen Gaspar del Bufalo.<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>Dieser Oberhirte hat also zur Restaurierung seiner so verlassenen Di\u00f6zese zuerst in Vila Vi\u00e7osa ein neues Seminar er\u00f6ffnet und somit den Grundstein zur Heranbildung eines neuen Klerus gelegt.<\/p>\n<p>Als er n\u00e4mlich sein Amt antrat, stand er vor einem v\u00f6lligen Ruin seines Klerus. Der revolution\u00e4re Kl\u00fcngel, der in Lissabon den K\u00f6nig ermordete, versuchte nun &#8222;in Portugal auch die Religion auszul\u00f6schen&#8220; (Regierungschef Alfons Costa). Im s\u00fcdlichen Teil des Landes war leider ein zu schwacher Klerus, der dem Druck und den Lockungen der Regierung nicht standhielt. Die Priester waren mehr Staatsbeamte als Diener Christi geworden. Die eigentlichen Priestertugenden hatten sie vergessen. Als der neue Erzbischof sein Amt antrat, sagte der Heilige Vater zu ihm: &#8222;Stellen Sie jeden Priester vor die Alternative: entweder &#8211; oder &#8230; &#8220; Und so wurden die meisten ihres Amtes enthoben; der Staat bot ihnen daf\u00fcr verlockende Staatsstellungen an. Kaum ein Dutzend waren ihren Priesterpflichten treu geblieben. Es ist somit das gro\u00dfe Verdienst dieses Bischofs, einen Klerus herangebildet zu haben, der heute vorbildlich ist und ausgezeichnet arbeitet. Der Erzbischof selber (er ist leider vor wenigen Jahren gestorben) hat j\u00e4hrlich mit seinen gesamten Priestern in Fatima Exerzitien gemacht. Gottes Segen war oft auffallend dabei.<\/p>\n<p>So nahm z. B. bei einem dieser Exerzitienkurse auch ein Zivilist &#8222;in Grau und Krawatte&#8220; teil. Am vierten Tag war er nicht erschienen. Da sagte uns der Exerzitienleiter: &#8222;Meine Herren, es d\u00fcrfte Ihnen aufgefallen sein, da\u00df unter uns auch ein Zivilist teilnimmt. Doch er ist kein Zivilist, sondern ein Mitbruder, ein Priester, ein Ungl\u00fccklicher. Vor 20 Jahren hatte er leider sein Amt verlassen. Nun will er wieder zur\u00fcckkehren. Der Kardinal von Lissabon, an den er sich wandte, schickte ihn zuerst hierher nach Fatima. So kam er zu uns. W\u00e4hrend der Vortr\u00e4ge sah ich oft Tr\u00e4nen in seinen Augen. Dieser unser Mitbruder ist nun heute nacht pl\u00f6tzlich gestorben. Wir<\/p>\n<p>&lt;Bild: Rechts Erzbischof Don Manuel mit Kardinal Garcias&gt;<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>beten f\u00fcr ihn. Er hat doch wieder heimgefunden, wenn auch erst nach 20 langen Jahren.&#8220; &#8211; Eine Stunde sp\u00e4ter lag er dann vor uns auf der Bahre, der tote Priester in Zivil -, und dr\u00fcben in der Ecke stand eine Frau in Schwarz und weinte. Niemand frug, wer sie sei.<\/p>\n<p>&#8222;Gute Priester, heilige Priester&#8220;, war die Devise vom Seminar in Vila Vi\u00e7osa, Alle strebten danach, Priester und Studenten. Wir waren eine sch\u00f6ne Anzahl von Lehrern f\u00fcr die verschiedensten Sparten. der mittleren Reife. Mir \u00fcbertrug man folgende F\u00e4cher: Deutsch, Mathematik, Physik, Zeichnen und Musik; au\u00dferdem auch noch das Amt des Spirituals. Es ist ein sch\u00f6ner Beruf, Lehrer f\u00fcr Priesterstudenten zu sein. &#8211; In den Zeichenstunden waren alle mit hingebender Begeisterung dabei; tiefe Stille, nur das leise Rauschen der Farben war zu h\u00f6ren. &#8211; Die Mathematik war schon immer eines meiner Lieblingsf\u00e4cher. Ich freute mich stets auf diese Stunden. &#8211; Unser physikalisches Kabinett war mit einigen Apparaten aus dem benachbarten Palast bereichert worden, die wir gelegentlich einer dortigen Versteigerung erwarben. Zuletzt kam noch ein sonderbarer Apparat dazu. Eines abends n\u00e4mlich brachten Leute aus der Stadt mir ein eigenartiges Kistchen, das sie vorsichtig in H\u00e4nden trugen. Durch die Luft sei es hergeflogen und schlie\u00dflich an einer hohen Pappel h\u00e4ngengeblieben. Ob es vielleicht gar eine H\u00f6llenmaschine der Kriegsf\u00fchrenden oder sonst etwas Gef\u00e4hrliches sei, etwa gar aus Deutschland? Der deutsche Pater, der k\u00f6nnte es wohl wissen. Darum brachten sie mir dies Ding. Nur den Ballon und den Fallschirm montierten sie ab und behielten sie. Mit Freuden \u00fcbernahm ich die geheimnisvolle Maschine und trug sie freudigst in mein Zimmer. Solche physikalische Schn\u00fcffeleien waren ja schon immer &#8222;mein Wetter&#8220; gewesen. Eine Kiste, so gro\u00df wie zwei Schuhschachteln, mit verschiedenen englischen Aufschriften &#8211; also nicht aus Deutschland -, die mich belehrten, da\u00df das Ding aus Amerika kommend, \u00fcber den ganzen Ozean geflogen ist. Behutsam \u00f6ffnete ich und sah im Wirrwarr von Dr\u00e4hten und Schrauben eine elektrische Batterie, die einen Radiosender speiste. Es war schon fast Mitternacht geworden, bis ich alles erforscht und verstanden hatte. Was war es? Nun, keine milit\u00e4rische H\u00f6llenmaschine, sondern eine Radiosonde, die eine amerikanische Wetterstation hat aufsteigen lassen. Sie hatte H\u00f6he, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Geschwindigkeit und Luftrichtung hinunterzufunken. Bei zirka 20.000 Fu\u00df H\u00f6he sollte dann der Ballon platzen und der Apparat am Fallschirm herunterschweben. Doch der Ballon platzte diesmal nicht, und so ist die ganze &#8222;H\u00f6llenmaschine&#8220; schlie\u00dflich nach Portugal gesegelt und zuletzt in meinem Zimmer gelandet. &#8211; F\u00fcr mich war es ein lieber Gru\u00df aus Amerika. &#8211;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte ich als Musiklehrer auch unsere sch\u00f6nsten deutschen Volkslieder aufklingen lassen, und zwar besonders bei den Festakademien des Hausfestes, drunten im Hofe unseres Kreuzganges. (Die Rosen und Efeuranken gr\u00fcnten schon wieder m\u00e4chtig.) Alle Wohlt\u00e4ter und Beh\u00f6rden der Stadt waren eingeladen. Es wurde Theater gespielt, Reden gehalten, Gedichte vorgetragen und Musikch\u00f6re aufgef\u00fchrt. Besonderen Beifall erntete der vierstimmige Chor &#8222;Am Brunnen vor dem Tore&#8220;, den ein Kollege ins Portugiesische umgedichtet hat.<\/p>\n<p>Am Sonntag f\u00fchrte mich mein Weg hin\u00fcber zum K\u00f6nigspalast, wo ich in der heiligen Messe den Orgeldienst besorgte. &#8211; Im Lande Portugal ist es nicht weit her mit den Orgeln, und darum gibt es fast keine ausgebildeten Organisten. Ebenso wissen sie auch nicht recht mit den Glocken umzugehen. Ihr L\u00e4uten ist nur ein einfaches<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>Gebimmel, da man den allzu kurzen Kl\u00f6ppel mit der Hand bzw. mit dem Fu\u00df an die Glocke anschl\u00e4gt, wie bei uns beim Feueralarm. Es gibt sogar ein altes Spottgedicht auf die Glocken von Vila Vi\u00e7osa. &#8222;Darf ich Ihnen mal zeigen, wie man die Glocken richtig l\u00e4utet?&#8220; frug ich den Sineiro. Ich setzte mich auf den entsprechenden Reiter, nahm in die eine Hand das eine Glockenseil, in die andere gleich zwei und steckte die F\u00fc\u00dfe in die Steigb\u00fcgel des vierten und f\u00fcnften Glockenstranges. Mit dem Uhrschlag begann ich zu l\u00e4uten. F\u00fcnf Glocken und nur ein Mann! Es war doch viel schwerer, als ich mir gedacht. Ich zerrte und strampelte drauflos, was ich nur konnte &#8211; ich durfte mich ja nicht blamieren. Ich versuchte, den Rhythmus der Glocken unserer Heimat nachzuahmen.<\/p>\n<p>Als ich beendet hatte und hinabsteigen wollte, hatte ich ein solch f\u00fcrchterliches Herzklopfen und -jagen, wie ich es noch nie versp\u00fcrt. Aber auch unten in den Stra\u00dfen ging ein Jagen los: &#8222;Wo brennt es, wo ist Feuer ausgebrochen \u2026 ?&#8220;<\/p>\n<p>Von da an \u00fcberlie\u00df ich den Portugiesen gerne ihr wimmerndes Bimmelgel\u00e4ut. &#8212; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Jedes Land hat halt seine eigenen Br\u00e4uche und Gewohnheiten. Wer sie nicht kennt, zahlt oft drauf.<\/p>\n<p>Soll ich vielleicht noch eine solche Begebenheit erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Wir waren eines Tages zu einer Primiz geladen. Im gro\u00dfen Bus fuhren wir Patres (in Portugal wird jeder Priester &#8222;Pater&#8220; genannt) und unser Seminaristenchor dorthin. Nach dem Primizamt war das Festessen in einem Hotel. &#8211; Ich mu\u00df zuvor noch folgendes bemerken: Die Haupttugend des Portugiesen ist seine gro\u00dfe Bescheidenheit. So nennt er z. B. ein Festessen, zu dem er einl\u00e4dt, bescheiden nur ein Copo d&#8217;aqua&#8220;, d. h. ein &#8222;Glas Wasser&#8220;. Selbst der Staatspr\u00e4sident wird nach einer Feier zu einem &#8222;Glas Wasser&#8220; eingeladen.<\/p>\n<p>Auch auf unserem Primizprogramm stand die Einladung zu einem solchen Copo d&#8217;aqua. Wir begaben uns also zum Hotel und traten in den gro\u00dfen Saal ein. In der Mitte standen lange Tische, \u00fcber und \u00fcber beladen mit einer Unmasse verschiedenster Schmausereien, angefangen vom einfachen Schinkenbr\u00f6tchen, Kaviarpl\u00e4tzchen und sonstigen Schleckereien, bis hinauf zum Portwein und Champagner, die in Str\u00f6men zu flie\u00dfen begannen. Doch niemand setzte sich &#8211; es waren auch keine St\u00fchle da. Alle standen ringsum den W\u00e4nden entlang und h\u00f6rten der ersten Lobrede zu. Dann begann das Essen. Jeder nahm sich von den aufgestapelten guten Sachen, was er nur wollte. Man nippte an diesem, man schnappte nach jenem, man probierte an allem. Dazwischen kredenzten junge Damen best\u00e4ndig die verschiedensten Weine und Lik\u00f6re. Immer noch stand man kauend und plaudernd den W\u00e4nden entlang. Ich war erstaunt \u00fcber eine solche gro\u00dfartige Einleitung eines Gelages. Ich sagte mir: Wie wird es erst werden, wenn die sich einmal setzen, und der Hauptteil des Mahles beginnt? Auf alle F\u00e4lle hielt ich mich weise zur\u00fcck. Mein Inneres war ja mehr auf Kartoffeln eingestellt, als auf dieses pikante Wasserglas.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Mahles lie\u00df lange auf sich warten. Schlie\u00dflich sprach noch der Primiziant sein Dankeswort, alle brachen noch einmal in ein lebhaftes Viva aus, stellten ihre leeren Gl\u00e4ser hin und verschwanden. Man dr\u00fcckte auch mir zum Dank die Hand, und dann ging&#8217;s hinaus. Ich aber hatte Hunger, hatte gro\u00dfen Hunger. Auf der Heimfahrt bat ich den Chauffeur, beim n\u00e4chsten B\u00e4ckerladen zu halten. Ich kaufte mir vier Br\u00f6tchen und schmauste sie mit gesteigertem Appetit.<\/p>\n<p>Ich war um eine Erfahrung reicher geworden: Wer sich in fremden Gewohnheiten<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>nicht auskennt, der passe sich den anderen an und greife zu, auch wenn es nur ein &#8222;Glas Wasser&#8220; ist.<\/p>\n<p>Ja, solange wir leben, werden W\u00fcnsche und Erlebnisse stets einander abwechseln. Schon in meiner Kindheit und Jugendzeit hatte ich drei gro\u00dfe W\u00fcnsche, n\u00e4mlich: Lourdes zu sehen, einmal zu fliegen und eine Nachtigall singen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der erste Wunsch ging in Erf\u00fcllung bei meiner Hinreise nach Portugal. Der zweite erf\u00fcllte sich nur nachts in sch\u00f6nen Tr\u00e4umen, in denen ich \u00fcber Feld und Wald schwebend mich immer h\u00f6her schwang. Und der dritte? Diesen letzten Wunsch hatte ich l\u00e4ngst vergessen. Denn was brauchte ich noch mehr zu w\u00fcnschen in diesem Land, dessen vornehme Leute mich fast wunschlos gl\u00fccklich machten! Die Tage waren ausgef\u00fcllt mit befriedigender Arbeit und des nachts schlief ich den Schlaf des Gerechten. 0 diese stillen N\u00e4chte hier mit ihrer feierlichen Ruhe! Kein Mensch, kein Auto st\u00f6rte uns.<\/p>\n<p>Nur einmal wurde ich ver\u00e4rgert aus dem Schlafe geweckt. Das wunderte mich.<\/p>\n<p>&#8222;Welch frecher Kerl pfeift denn so laut mitten in dieser stillen Nacht?&#8220; schimpfte ich ungeduldig und zog die Bettdecke h\u00f6her. Da, pl\u00f6tzlich setzte der Frechdachs wieder ein und pfiff und pfeifte. &#8222;Mal creado &#8211; ungezogener Bengell&#8220; Ich \u00fcberlegte mir schon, bei welchem Polizisten ich am Morgen mich beschweren k\u00f6nnte. Da t\u00f6nte die dritte Kadenz zu mir herauf: zuerst ganz leise, wie ein Klageton, dann crescendo, immer st\u00e4rker. Ich begann zu lauschen. Die langgezogenen T\u00f6ne gingen in einen sprudelnden Triller \u00fcber. Dann perlten kleine und gro\u00dfe Terzen und Quarten, immer lauter, immer gl\u00e4nzender. Ich sprang auf, ging ans Fenster und h\u00f6rte zum ersten Mal &#8211; das Lied der Nachtigall. Die hohen W\u00e4nde des Marmorhofes verst\u00e4rkten es noch im Echo. Der dritte Wunsch war Wirklichkeit geworden in dieser lieblich hellen Maiennacht. Es blieb mir unverge\u00dflich. Im dichten &#8222;Boscas das Damas&#8220; des Palastes hat sie ihr Liebeslied gesungen, das Lied der Nachtigall.<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 9\/10, M\u00e4rz-April 1966, S. 18-25 (23. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>23. Fortsetzung<\/p>\n<p>Wir Missionare vom Kostbaren Blut waren nach Portugal gekommen f\u00fcr eine zweifache Aufgabe: Erstens, um auch hier die besondere Verehrung des Kostbaren Blutes zu verbreiten, und zweitens, um mitzuhelfen, dem erschrecklich gro\u00dfen Priestermangel zu steuern durch \u00dcbernahme von Pfarreien. Beiden Aufgaben suchten wir nach bestem K\u00f6nnen gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Da wir als Missionare einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Horizont haben m\u00fcssen, also nicht auf unser eigenes Heimatland beschr\u00e4nkt bleiben d\u00fcrfen, sandte ich unsere portugiesischen Theologen vom Seminar in Evora nun auch nach Spanien an die weltbekannte Universit\u00e4t von Salamanca und sp\u00e4ter auch noch an die von Fribourg in der Schweiz. Es vermehrt die Sprachenkenntnisse und erweitert Horizonte. Welch engen Horizont meine Buben anf\u00e4nglich hatten, zeigten mir ihre Anschauungen. Sie erz\u00e4hlten mir eines Tages mit voller Oberzeugung und strahlendem Stolze, da\u00df es nur die Portugiesen waren, die den ersten Weltkrieg gewonnen haben. &#8222;Wieso denn?&#8220; wollte ich wissen. &#8211; &#8222;Ganz einfach: Ein langer deutscher Eisenbahnzug, beladen mit Lebensmitteln, wollte an die Front fahren. Da kam ein portugiesischer Flieger und warf eine Bombe auf den Zug &#8211; und aus war es, die Soldaten an der Front mu\u00dften verhungern. Und dann gingen die Franzosen \u00fcber die Toten hinweg und gingen zusammen mit den Portugiesen und Engl\u00e4ndern bis nach Berlin, und so war der Krieg gewonnen.&#8220;<\/p>\n<p>Alle meine Gegenargumente konnten damals diese herrlich patriotische \u00dcberzeugung meiner Buben nicht widerlegen. Ich lie\u00df sie bei ihrer Anschauung, denn einen unschuldigen Patriotismus soll man, wenigstens den Kleinen, verg\u00f6nnen, denn heldenhafter Sinn in der Kindheit bringt zuweilen sp\u00e4ter einen Heiligen hervor. Heiligkeit ist Heldentum.<\/p>\n<p>Hat denn auch Portugal eigene Heilige?<\/p>\n<p>Ja. &#8211; Vor allem ist es der heilige Antonius von Padua oder, besser gesagt &#8211; von Lissabon. &#8211; Und neuerdings ist es der im Rufe der Heiligkeit verstorbene (1948) P. Dr. C r u z (Bild), dessen n\u00e4here Bekanntschaft ich machen durfte. Wer \u00fcber Portugal schreibt, darf dieses &#8222;Apostels Portugals und Unserer Lieben Frau von Fatima&#8220; nicht vergessen. Dr. Cruz wurde in der gleichen Woche geboren (29. Juli 1859), in der Johannes Vianney, der Pfarrer von Ars, starb. Er war einer der ersten, der mit den Seherkindern von Fatima in n\u00e4here Verbindung trat. In den ersten Jahren der Republik wurde er eingesperrt, weil er es nicht aufgab, mit dem Talar auf der Stra\u00dfe zu erscheinen. Aber gerade im Gef\u00e4ngnis begann sein zwar heimliches, aber um so unheimlicheres Arbeiten, &#8222;Er ist ein Heiliger&#8220;, sagten die Gefangenen, und gar bald sollte auch das ganze Land dies sagen m\u00fcssen. Als er wieder frei war, haben alle Eisenbahngesellschaften ihm eine Freikarte f\u00fcr alle Bahnen f\u00fcrs ganze Jahr hindurch geschenkt. So konnte er nun seine pastorellen Fahrten unternehmen, wo er glaubte, f\u00fcr Gott etwas tun zu k\u00f6nnen. Wo er hinkam, lief das Volk zusammen, um &#8222;den Heiligen&#8220; zu sehen. Der Saum seines Mantels (Umhang) war schon ganz zerfetzt, denn jeder suchte sich eine Reliquie, vom Heiligen abzuschneiden.<\/p>\n<p>Die Gestalt dieses heiligm\u00e4\u00dfigen Mannes ist unscheinbar: Ein vor Alter ge-<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>&lt;Bild: Pater Dr. Cruz&gt;<\/p>\n<p>beugtes M\u00e4nnlein, unter dem Arm sein dickes Brevier und in der anderen Hand den langen Rosenkranz. Das ist die Gestalt, die jeder kennt, das Vorbild des vollkommenen Priesters.<\/p>\n<p>Als er auch zu uns nach Vila Vi\u00e7osa kam, konnte ich mit ihm freudigst Arm in Arm durch die langen G\u00e4nge des Seminars wandeln. &#8211; Der Besuch eines Heiligen ist einfach und schlicht. Doch seine Ansprache war die h\u00f6rbare Liebe Gottes. Die Lieblingsandacht dieses heiligm\u00e4\u00dfigen Mannes war, au\u00dfer dem Rosenkranz, der Kreuzweg. Bei jedem Dorf, in jeder Stadt, wo er ankam, war sein erstes: &#8222;Gehen wir in die Kirche, den Kreuzweg zu beten!&#8220; &#8211; Also auch er ein gro\u00dfer Verehrer des Kostbaren Blutes.<\/p>\n<p>Viele sind \u00fcberzeugt, da\u00df die Erscheinungen Mariens in Fatima nicht zuletzt dem Verdienst dieses heiligm\u00e4\u00dfigen Priesters zu verdanken sind. Nicht umsonst wird er &#8222;Apostel Unserer Lieben Frau von Fatima&#8220; genannt. &#8211; Und andererseits ist es gerade Fatima, dem das ganze Land seinen Aufschwung, den Sturz der atheistischen Regierung und den &#8222;Neuen Staat &#8211; estado novo&#8220; unter Salazar verdankt.<\/p>\n<p>Im alten Staate war au\u00dfer den allt\u00e4glichen Bestechungen auch eine innere Faulheit an der Tagesordnung. Die Zeit der Not (1. Weltkrieg) wurde ausgenutzt, um die gr\u00f6\u00dften Wuchereien zu betreiben. Mit diesem Geist hat nun Salazar aufger\u00e4umt. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden fliegende Polizeikommandos gegr\u00fcndet, die es vor allem auch auf die Kontrolle der Lebensmittel abgesehen hatten. Auch den reichsten Herrschaften wurde scharf auf die Finger geschaut. &#8211; Damals schmuggelte man zwar nicht Gold und Silber, sondern Wolfram, eine Art Eisenerz. Die Deutschen wie<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>die Engl\u00e4nder brauchten dieses Metall, um ihre Panzer zu h\u00e4rten. Der Preis stieg damals um das Hundertfache. Man entdeckte pl\u00f6tzlich neue Wolframminen. Viele w\u00fchlten in ihren G\u00e4rten, ob sie wohl auch mit einer solchen Mine gesegnet seien. Die J\u00e4ger in Wald und Flur schauten nicht mehr nach oben zu Schnepfen und Rebh\u00fchnern, sondern nach unten zu den &#8222;schwarzen Steinen&#8220;. Sogar in den Waggons der Eisenbahnen wurde kontrolliert, denn manche harmlose Handtasche und manches Strickk\u00f6rbchen war schwer geworden: unter der Wolle lag ein Brocken Erz, das sich die deutschen und englischen Geheimagenten abzujagen suchten.<\/p>\n<p>Portugal war also pl\u00f6tzlich reich geworden. So konnten neue, moderne Schulh\u00e4user erbaut werden (die wenigsten der alten Leute konnten lesen oder schreiben). Das den Kirchen geraubte Eigentum wurde zur\u00fcckerstattet, neue Stra\u00dfen angelegt, die k\u00fchnsten Br\u00fccken konstruiert. Auch die alten Kastells und Burgen wurden neu aufgebaut.<\/p>\n<p>Unter anderem ist auch das neue monumentale Denkmal vor dem Palast in Vila Vi\u00e7osa, das Denkmal des K\u00f6nigs Dom Jo\u00e3o IV. von Braganz, ein sch\u00f6nes Zeugnis des aufstrebenden Staates.<\/p>\n<p>Wer war dieser Dom Jo\u00e3o IV.?<\/p>\n<p>1580 war mit K\u00f6nig Heinrich das K\u00f6nigsgeschlecht der Burgunder in Portugal ausgestorben. Die portugiesische Krone fiel teils durch Heirat, teils durch Waffengewalt an die K\u00f6nige von Spanien. Ein gro\u00dfer Teil ihrer Kolonien ging darauf an die Holl\u00e4nder verloren. Die Unzufriedenheit mit der spanischen Herrschaft f\u00fchrte 1640 zur Erhebung des Herzogs Dom Jo\u00e3o IV. zum K\u00f6nig. Und damit begann die Regierungszeit des Hauses Braganz bis zur Ermordung des letzten K\u00f6nigs Dom Carlos (1908). Diesem ersten K\u00f6nig der Restauration wurde also das neue Denkmal gesetzt.<\/p>\n<p>Mit begreiflichem Interesse hatte ich die Errichtung dieses Monuments, das neben unserem Seminar stand, t\u00e4glich verfolgt. Selbst die Ger\u00fcste bin ich hinaufgeklettert, um die verschiedensten Szenen der Montierung im Foto festzuhalten. (Bilder)<\/p>\n<p>Ich bin sogar einmal in n\u00e4here Beziehung mit einem Nachkommen des K\u00f6nigshauses von Braganz gekommen: es war die Infantin, die heute in Brasilien lebt. Sie hatte eines Tages ihren Besuch angesagt und kam dann in Begleitung hoher Herrschaften aus Lissabon sowie des Erzbischofs von Evora. Nun stellten sich alle Stadtv\u00e4ter und alle Angestellten des Palastes in Reih und Glied vor dem Eingang zur Begr\u00fc\u00dfung auf. Auch ich als Organist der Palastkirche mu\u00dfte antreten. Als ich sah, wie alle (au\u00dfer dem Erzbischof) dem edlen Fr\u00e4ulein zur Begr\u00fc\u00dfung die Hand k\u00fc\u00dften, scho\u00df mir das Blut ins Gesicht. Noch nie in meinem Leben habe ich einem weiblichen Wesen die Hand gek\u00fc\u00dft au\u00dfer meiner Mutter. Und nun, Priester geworden, soll ich&#8217;s hier tun m\u00fcssen? Ich war wirklich in eine Klemme geraten. Was tun? Doch schon war ich an der Reihe. Die Infantin streckte mir die Hand hin, und ich ergriff sie; man stellte mich vor, und ich verbeugte mich &#8211; doch ich k\u00fc\u00dfte nicht. Man nannte meinen Beruf. &#8211; Da beugte sich die Infantin und sie k\u00fc\u00dfte meine Hand. In diesem Moment habe ich die Gr\u00f6\u00dfe der Priesterw\u00fcrde empfunden wie nie-<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&lt;3 Bilder: Denkmalsbau&gt;<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>mals zuvor in meinem Leben. Damals dankte ich Gott von neuem, da\u00df er mir gerade diesen Beruf gegeben, der der h\u00f6chste ist auf Erden.<\/p>\n<p>Und nun habe ich genug von K\u00f6nigen und K\u00f6nigsblut gesprochen. Ich blende ein anderes Bild ein, ein Bild aus der sch\u00f6nen Zeit des Bubenlebens.<\/p>\n<p>Mein Vater, ein Oberlehrer, hatte ein Lieblingslied: &#8222;Beim Letzten Abendmahle&#8220;; aber auch noch ein zweites: &#8222;Am sch\u00f6nen Strand der Saar, da liegt mein Heimatland&#8220;, denn er war \u00e4u\u00dferst stark mit der Heimat verbunden. Heimatkunde war eines seiner Lieblingsf\u00e4cher.\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Als wir Buben eines Tages beim Soldatspielen uns eine tiefe Schanze gruben, stie\u00dfen wir auf einen m\u00e4chtigen Stein. Mein Vater entzifferte aus den eingemei\u00dfelten Zeichen (auf der einen Seite war die Wolfsangel und auf der anderen das Lothringer Doppelkreuz), da\u00df es ein Grenzstein zwischen Deutschland und Frankreich war. Wir &#8211; meine zwei Br\u00fcder und ich &#8211; waren darob m\u00e4chtig stolz. Aber noch mehr: ich bekam dadurch eine &#8222;besondere Ader&#8220; f\u00fcr Altertumsforschungen und f\u00fcr Ausgrabungen.<\/p>\n<p>Diese Ader war nun auch wieder in Portugal in Wallung geraten, als ich h\u00f6rte, da\u00df in der Gegend von Rotundo alte Funde aus der R\u00f6merzeit entdeckt wurden. Ich hatte n\u00e4mlich zwei kleine Buben in Privatstunden, die S\u00f6hne des B\u00fcrgermeisters, die mir eines Tages erz\u00e4hlten, weit drau\u00dfen auf dem H\u00fcgel eines Feldes ihres Gro\u00dfvaters habe man interessante Sachen ausgegraben. Ich sollte doch kommen, das alles anzusehen.<\/p>\n<p>Ausgrabungen &#8211; Entdeckungen, das also war wieder &#8222;mein Wetter&#8220;. Ich hing sogleich meine Agfa Isolette um und stieg in den Mauleselkarren, und &#8222;h\u00fch!&#8220; ging&#8217;s im Galopp aufs weite Feld zum besagten H\u00fcgel. Unterwegs schon schilderte man mir: &#8222;Es ist eine ,Villa romana&#8216;, die man entdeckt hat.&#8220; Dort angekommen, sah ich gleich, da\u00df es ein reicher R\u00f6mer gewesen sein d\u00fcrfte, der hier gelebt und seinen G\u00f6ttern geopfert hat. Es mu\u00df auch ein pr\u00e4chtiges Haus gewesen sein; das zeigten die S\u00e4ulen an, die man ausgegraben hat (Bild). Man sah das &#8222;Impluvium&#8220;, d. i. eine Art Foyer (vornehme Vorhalle), in der Mitte ein Wasserbecken, in das es durch das offene Dach hereinregnete (in-pluere). Drei gro\u00dfe Silos im angrenzenden \u00d6konomietrakt waren noch ganz intakt (oder sollten es etwa m\u00e4chtige \u00d6lbeh\u00e4lter oder gar Weinf\u00e4sser gewesen sein?). Es scheinen also schon die alten R\u00f6mer den Gebrauch unserer modernen Silos l\u00e4ngst entdeckt zu haben. Der Boden der Villa war mit einem sch\u00f6nen Mosaik geziert. Kleine zierliche schwarze Vasen aus Griechenland, mit dem Urheberzeichen auf dem Boden, lie\u00dfen auf einen gebildeten Hausherrn schlie\u00dfen. Auch ein Gewichtstein (unserem kg entsprechend) wurde gefunden. Nat\u00fcrlich entdeckte man auch eine Reihe Silber- und. Kupferm\u00fcnzen. Vielleicht war es ein r\u00f6mischer Feldherr, der die- hier vorbeimarschierenden Kohorten befehligte. In der N\u00e4he von hier, in Bencatel (das ich noch n\u00e4her kennenlernen sollte), steht ja heute noch die starke, trutzige R\u00f6merbr\u00fccke. Der damalige Flu\u00df ist heute nur noch ein kleines Rinnsal. (Die Welt scheint also zu vertrocknen.) Und \u00fcber die benachbarte Serra Dossa (&#8222;Gebirge der Knochen&#8220;) soll die R\u00f6merstra\u00dfe verlaufen sein.<\/p>\n<p>Ja sogar schon lange vor den R\u00f6mern haben viel \u00e4ltere Nationen den Weizen<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>&lt;Bild: S\u00e4ulenfuB der ausgegrabenen r\u00f6mischen Villa \u2013 sitzend Pater Stummbillig&gt;<\/p>\n<p>und die Trauben und Oliven Lusitaniens verkostet und gesch\u00e4tzt. Wer kennt sie alle, diese V\u00f6lker, die herkamen und wieder entschwanden? Der Morgen des Landes Portugal liegt ja in den dunklen weiten Fernen des 12. Jahrhunderts vor Christus. Die Iberier waren es, die die ersten der uns bekannten V\u00f6lker sind und dem Lande den Namen &#8222;Iberische Halbinsel&#8220; gaben. Vom Libanon herunter und aus Tyrus und Sidon kamen dann die Ph\u00f6nizier. Im 6. Jahrhundert vor Christus drangen die Kelten ein. Dann sandte Hannibal seine Karthager her, die aber 200 vor Christus von den R\u00f6mern vertrieben wurden. So begannen die Soldaten und Kolonisten des r\u00f6mischen C\u00e4sar \u00fcberall im Land ihre Bauten, ihre Tempel und Villen aufzuf\u00fchren. Daher die vielen Altert\u00fcmer in Portugal, die noch bis heute weiterschlummernd ihrer Entdeckung warten. &#8211; Wahrlich, Portugal ist ein erschreckend sch\u00f6ner Traum aus alten Zeiten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Zwei Wochen sp\u00e4ter nach jener Entdeckung besuchte mich ein Herr aus der Hauptstadt. Er stellte sich vor als der Leiter des Arch\u00e4ologischen Institutes in Lissabon. Er habe von den neuen Ausgrabungen geh\u00f6rt und sei gekommen, um sie pers\u00f6nlich zu besichtigen. Da\u00df er gerade auf mich als ersten gesto\u00dfen, war ein gl\u00fccklicher Zufall. Ich zeigte ihm zuerst meine Fotos von den Ausgrabungen, die er zur Ver\u00f6ffentlichung in seiner Fachschrift sich erbat. Dann fuhren wir per Auto nochmals dorthin. Er entdeckte dort, da\u00df au\u00dfer der r\u00f6mischen Villa schon lange vorher eine keltische Siedlung hier gewesen sein<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>mu\u00df. Ich machte ihn dann auch noch auf einen in der N\u00e4he befindlichen Dolmen aus vorr\u00f6mischer Zeit aufmerksam. Doch dieses arch\u00e4ologische Naturdenkmal hatte er schon gekannt. &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Doch nun genug mit dem Herumw\u00fchlen in den dunklen Erdl\u00f6chern alter Zeiten! Wieder zur\u00fcck ins junge 20. Jahrhundert, und zwar diesmal zu einer Siegesfeier und deren wenig heldenhaftem Ausklang.<\/p>\n<p>Zweimal sind wir mit allen Seminaristen nach Evora gefahren, in zwei gro\u00dfen Bussen, bis unsers Dach beladen. Das erstemal zur Jubil\u00e4umsfeier unseres Erzbischofs Dom Manuel da Concei\u00e7\u00e3o Santos. Zu dieser Feier hatte ein Mitbruder ein Gedicht zu Ehren des Jubilars verfa\u00dft, und der deutsche Pater mu\u00dfte einen Hymnus daraus komponieren. Als ich dann in Evora auf der Domorgel zum Pontifikalamt das Einzugspr\u00e4ludium spielte, gab diese alte Orgel T\u00f6ne von sich, die nach den Regeln des Kontrapunktes nicht hergeh\u00f6rten (nach der heutigen Musikkunst zwar w\u00fcrde man sagen: &#8222;H\u00f6chst modern!&#8220;). Es knurrte und miaute in sonderbaren Quinten und Septimen. Ich suchte es zu \u00fcberdecken durch ein flottes Spielen. Da aber kam eilends ein Domherr heraufgekeucht, der f\u00fcr gew\u00f6hnlich diese alte Orgel spielt und sie darum auch kennt. Er st\u00fcrzte sich auf die Register, von denen er drei hastig hineinstie\u00df. &#8222;Ich hatte es vergessen, Ihnen zu sagen, da\u00df diese drei Register ganz verstimmt sind.&#8220; Und somit hatte das Miauen im Dome aufgeh\u00f6rt. Und das Pontifikale begann.<\/p>\n<p>Zum zweiten Mal sind wir mit unseren gro\u00dfen Bussen nach Evora gefahren zu einer gro\u00dfen Siegesfeier, n\u00e4mlich des Sieges von Salado, den die Portugiesen gemeinsam mit den Spaniern gegen die Mauren (Mohammedaner) errungen hatten. Zu diesem Festpontifikale im Dom war sogar Nicolaus Franco, der Bruder des Generalissimus Franco, erschien. (Heute noch bewahre ich seine Visitenkarte auf, die er als Gesandter Spaniens mir in Lissabon gegeben hatte.) Wir f\u00fchrten die \u201eMissa Pontificalis&#8220; von Perosi auf. Die oberen Melodien (Sopran und Alt) sangen unsere Silberstimmen von Vila Vi\u00e7osa, die unteren (Tenor und Ba\u00df) die Goldstimmen von Evora, dessen Chormeister auch den Dirigentenstab f\u00fchrte. Bei den ganz heiklen Stellen dirigierten wir zu zweit. Unser Chor von \u00fcber 80 S\u00e4ngern hat sich h\u00f6ren lassen k\u00f6nnen. Und Radio Lissabon war auch dabei.<\/p>\n<p>Das anschlie\u00dfende Festessen dieser Siegesfeier blieb uns unverge\u00dflich.<\/p>\n<p>Der Seminarkoch hatte n\u00e4mlich seine besten K\u00fcnste gezeigt. Besonders pikant mundeten uns seine Bohnen, die er schon tags zuvor mit einem leckeren s\u00e4uerlichen Geschmack vorzubereiten verstand. Alle lobten die hohe Kunst des weisen Koches, denn schlie\u00dflich wird die Stimmung bei den Gedenkfeiern auch der gr\u00f6\u00dften patriotischen Siege letzten Endes im Kochtopf entschieden. Gegen Abend bestiegen wir frohgemut wieder unsere Busse zur Heimfahrt. Doch siehe, unterwegs bekam unsere junge Gesellschaft ein eigent\u00fcmliches R\u00fchren unter ihrem Herzen. &#8222;Herr Schaffner, halten Sie bitte schnell!&#8220; &#8211; und ein Dutzend der Unsrigen st\u00fcrmte in die Nacht hinaus und kam bald wieder. Nach 10 Minuten sahen wir beim anderen Bus, der vor uns herfuhr, auch die Stopplichter aufleuchten und eine schwarze Schar gleich einem \u00dcberfallkom-<\/p>\n<p>24<\/p>\n<p>mando sich in die B\u00fcsche st\u00fcrzen. Nach 20 Minuten reklamierte bei uns das n\u00e4chste Dutzend. Und so ging das Fahren und Bremsen der beiden Wagen abwechselnd weiter, wie um die Wette. &#8211; Am n\u00e4chsten Tag erkundigten wir uns telefonisch, wie es den gro\u00dfen Seminaristen in Evora ergangen sei. &#8222;Das ganze Seminar lacht \u00fcber den Chormeister&#8220;, war ihre Antwort. Dieser hatte sich beim Au\u00dfendienst in seiner Not in ein Seiteng\u00e4\u00dflein verdr\u00fcckt &#8211; es war ja dunkel. Aber ausgerechnet im n\u00e4chsten Moment bog ein Auto um die Ecke herein, und im vollen Kegel des Lichtscheins erschien &#8222;das H\u00e4slein auf der Stra\u00dfe&#8220;. Das aber sprang im Hechtsprung ins Dunkel der Hausecke, um sein Leben und seine Ehre zu retten \u2026<\/p>\n<p>Noch lange haben wir dar\u00fcber gelacht \u00fcber die Schlacht von Salado und ihren sauren Bohnensalat.<\/p>\n<p>Ja, auch ein Seminarleben kann zuweilen voll Dramatik und Romantik sein. &#8211; Die Zeit vergeht und legt best\u00e4ndig eine neue Platte auf. In jenen Tagen war es, da\u00df ich sehr lieben Besuch aus Rom bekam, einen Mitbruder: Vizegeneral P. Fl\u00fcck. Wir kannten uns schon als Studenten &#8211; auch er ist einer von der &#8222;Alten Garde&#8220; des Xaveriushauses. Da er anf\u00e4nglich noch kein Einreisevisum nach Portugal hatte, trafen wir uns beide auf dem internationalen Streifen zwischen dem spanischen und portugiesischen Zollhaus und hielten dort, auf einer Mauer sitzend, unsere erste Konferenz. \u201eWillst du nicht nach Spanien kommen&#8220;, frug er mich, &#8222;um dort unsere Sache zu \u00fcbernehmen?&#8220; &#8211; \u00a0&#8222;Sehr gerne. Aber bedenke: Ich bin hier schon acht Jahre in diesem Land der gro\u00dfen Zuvorkommenheit. In all diesen Jahren wurde ich nicht ein einziges Mal scharf angesprochen oder gar beleidigt. Du siehst, ich bin darum verw\u00f6hnt. Doch auf alle F\u00e4lle werde ich mir deinen Vorschlag noch \u00fcberlegen. \u00dcbermorgen treffen wir uns wieder, und zwar in Vila Vi\u00e7osa.\u201c<\/p>\n<p>Als der Erzbischof h\u00f6rte, da\u00df ich wahrscheinlich fort sollte, um das Spanische Vikariat zu \u00fcbernehmen, kam er nach Vila Vi\u00e7osa, lie\u00df mich rufen und sagte zu mir: &#8222;Ich habe geh\u00f6rt, da\u00df Sie uns verlassen wollten. Ihr Missionare vom Kostbaren Blut habt hier in dieser so priesterarmen Erzdi\u00f6zese schon so viel Gutes getan.&#8220; Und dann sagte er, indem er mich an der verwundbarsten Stelle packte, w\u00f6rtlich: ,Und darum bitte ich Sie im Namen und zu Ehren Ihres seligen Stifters Gaspar del Bufalo, bleiben Sie bei uns und helfen Sie uns weiter mit!&#8220;<\/p>\n<p>Auf solch eindringliche Worte dieses heiligm\u00e4\u00dfigen Bischofs war ich nicht gefa\u00dft; auf die Ehre unseres Heiligen hat er sich berufen &#8211; ich war gebannt, war sprachlos. So konnte ich nur das eine sagen: &#8222;Eo fico &#8211; ich bleibe&#8220;, kniete nieder zu seinem Segen und ging dann stillschweigend zur\u00fcck in mein Zimmer.<\/p>\n<p>Ich blieb in Portugal.<\/p>\n<p>25<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die Welt heute noch untergehen sollte, dann will ich vom Weltende in meiner Pflicht angetroffen werden.\u201c<\/p>\n<p>Franz von 5ales<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 41. Jg., H. 11\/12, Mai-Juni 1966, S. 11-17 (24. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich .<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostharen Blute<\/p>\n<p>24. Fortsetzung<\/p>\n<p>Nur der hat Portugal gesehen und erlebt, der den alten ber\u00fchmten Baudenkm\u00e4lern des Landes nachgesp\u00fcrt, in denen das Andenken seiner gro\u00dfen Vergangenheit fortdauert. Portugal war einstens eine Weltmacht. Das halbe Land ist heute ein Museum, oder besser gesagt: ein Geschichtsbuch aus diesen alten, interessanten Zeiten.<\/p>\n<p>Auch ich begann in diesem Buch zu bl\u00e4ttern. In den Ferien ergriff mich das Wanderfieber zu &#8222;Entdeckungsfahrten&#8220; im Lande der wahrhaft gro\u00dfen Entdecker.<\/p>\n<p>Gelehrte M\u00e4nner behaupten, da\u00df das Verlangen der Portugiesen nach der Ferne und die Sehnsucht nach Abenteuer auf Land und Meer von ihren ersten Vorfahren, den Ph\u00f6niziern, stammen. Die R\u00f6mer ihrerseits f\u00fcgten ihnen einen neuen, h\u00e4rteren Zug hinzu: Achtung vor der Ordnung und den Drang, ferne L\u00e4nder zu kolonisieren und zu zivilisieren. Die Kelten hatten ihnen als Erbteil<\/p>\n<p>11<\/p>\n<p>die Liebe zur Musik und Dichtkunst geschenkt und die Mauren Mohammeds einen gro\u00dfen Hang zur Melancholie.<\/p>\n<p>Aus dieser Mischung verschiedenen Blutes entstand also der Charakter des heutigen Portugiesen. Es ist eine gl\u00fcckliche Mischung, die besonders dem Fremden gegen\u00fcber sich sehr angenehm offenbart. Das Wort H\u00f6flichkeit habe ich in keinem Land so ausgepr\u00e4gt gefunden wie hier in Lusitanien. So berichtet auch ein holl\u00e4ndischer Schriftsteller: &#8222;Viele Jahrhunderte wurde in Europa f\u00fcr vollkommene H\u00f6flichkeit der Ausdruck ,So h\u00f6flich wie ein Portugiese&#8216; gebraucht. Und es ist wahr: Nirgends findet man h\u00f6flichere, aber auch nirgends gastfreiere Menschen als in Portugal.&#8220;<\/p>\n<p>Ich stieg also in den Schnellzug zu meiner Fahrt quer durch das Land der Lusiaden. Mir gegen\u00fcber sa\u00df eine Mutter mit ihrem Kind. &#8222;Mutti, ich hab Durst!&#8220; Die Frau entsch\u00e4lt eine saftige Orange und reicht sie der Kleinen, die hastig danach greift. Doch das M\u00e4dchen reicht die s\u00fc\u00dfe Frucht zuerst mir hin und fr\u00e4gt mich mit kindlicher Grazie: &#8222;\u00c9 servido?&#8220; &#8211; &#8222;Darf ich Ihnen anbieten?&#8220; Nat\u00fcrlich lehnte ich es freundlich ab. Nun bietet sie es ebenso freundlich allen anderen Mitreisenden an. Erst nach dem letzten nimmt die kleine Portugiesin ihre Orange und verzehrt sie mit stolzem Behagen, denn sie hat sich als \u201ebem creada&#8220; gezeigt, als eine &#8222;gut Erzogene&#8220;. Ja, selbst der Bettler am Wegrand bietet sein erbetteltes Brot vor Beginn seiner &#8222;Mahlzeit&#8220; den Vor\u00fcbergehenden an: &#8222;\u00c9 servido?&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Stunde Fahrt stiegen wir in einen Autobus um, und bald waren wir in S i n t r a. Auf seiner lustig steilen H\u00f6he gr\u00fc\u00dften uns die beiden Kastelle: das Castelo dos Mouros und das von Pena. Einst war es eine trutzige Burg, und hinter der gezackten Doppelmauer verteidigten die Mauren z\u00e4h ihre letzte Stellung in Europa, bis die Fahne Mohammeds endg\u00fcltig vor dem Christusbanner gewichen ist.<\/p>\n<p>Der Maurenburg gegen\u00fcber liegt das C a s t e l o \u00a0d a \u00a0P e n a, die ehemalige Sommerresidenz der k\u00f6niglichen Familie. Ich klomm die H\u00f6he hinan und bald lag vor mir ein Kranz sch\u00f6ner W\u00e4lder mit einem \u00fcppigen Pflanzenwuchs. Im Schlo\u00dfpark z\u00e4hlt man \u00fcber 400 verschiedene Baumarten und Str\u00e4ucher. Vom Turm aus ist eine Aussicht bis nach Lissabon, bis zum Ozean hin, wo man den westlichsten Punkt Europas, das Cabo da Roca, von den R\u00f6mern &#8222;Promotorium magnum&#8220; genannt, in blauem Meeresdunst erblickt. Ich gr\u00fc\u00dfte aus weiter Ferne diesen &#8222;Letzten Gru\u00df Europas&#8220;. &#8211; Castelo da Pena ist von deutschem Geist (Oberst von Eschwege) in mittelalterlichem Stile erbaut. Hier oben wartete einst K\u00f6nig Manuel &#8211; es war in der Zeit des Kolumbus &#8211; auf die R\u00fcckkehr Vasco da Gamas, der in seinem Auftrage 1497-1499 den Seeweg nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung fand. Hier sa\u00df auch der letzte K\u00f6nig Portugals mit dem letzten deutschen Kaiser und freute sich an den G\u00e4rten und Brunnen, an der Stille des weiten Panoramas, an der Frische der heraufwehenden Meeresbrise.<\/p>\n<p>Ich stieg wieder hinab, denn der Ruf nach anderen, vielleicht noch sch\u00f6neren Meisterwerken lockte mich.<\/p>\n<p>Wenn ich Sintra das kleine Paradies der Natur nennen darf, so ist Batalha das Paradies der Kunst zu hei\u00dfen. Es g\u00e4be zwar in Portugal des Sch\u00f6nen gar vieles, was begnadete K\u00fcnstlerhand geschaffen. Haben doch die K\u00f6nige nach erlangten Siegen oder gl\u00fccklichen Entdeckungen ihren Dank an Gott statt in protzigen Denkm\u00e4lern durch monumentale Kirchen und Kl\u00f6ster aus-<\/p>\n<p>&lt;Bilder S. 13: Sintra: Kastell der Mauren ~ Schlo\u00df Pena, Oberblick und Vorderfront.&gt;<\/p>\n<p>12<\/p>\n<p>gedr\u00fcckt. So entstand z. B. der Konvent von A l c o b a \u00e7 a, einer der gr\u00f6\u00dften Konvente der Welt, ferner das Kloster des heiligen H i e r o n y m u s in Lissabon, das der in Stein gehauene Dank f\u00fcr die Entdeckungen der portugiesischen Seefahrer ist. Doch das herrlichste Gloria d\u00fcrfte B a t a l h a sein. Man sagt, da\u00df es sogar eines der gl\u00e4nzendsten Bauwerke der Christenheit sei.<\/p>\n<p>Ein Kunstwerk kann nur verstanden werden, wenn man seine Geschichte kennt. Darf ich deshalb zur\u00fcckbl\u00e4ttern im Buche der Geschichte bis ins 14. Jahrhundert?<\/p>\n<p>Die Portugiesen waren damals unter die Herrschaft der Spanier geraten. Nun suchten sie sich zu befreien mit Hilfe ihres neugew\u00e4hlten K\u00f6nigs Johannes I. Es kam zum Kampf, und die 7000 Portugiesen besiegten die 30.000 Mann ihrer Gegner. Zum Dank und Gedenken dieses Sieges gr\u00fcndete der K\u00f6nig das &#8222;Kloster Unserer Lieben Frau vom Sieg&#8220;, Kloster Batalha genannt.<\/p>\n<p>Dieses Mosteiro hat etwas Eigenartiges an sich: es ist die &#8222;Unvollendete Sinfonie&#8220; der Steinkunst. &#8211; Ich trat ein und gelangte zuerst in die &#8222;Kapelle des Gr\u00fcnders&#8220;. In der Mitte des Achtecks steht, von acht L\u00f6wen getragen, der Sarkophag Johannes&#8216; I. und seiner Gemahlin Philippa von Lancaster. Auf der S\u00fcdseite in den Nischen sind die Gr\u00e4ber ihrer vier Kinder, u. a. des Prinzen Heinrich des Seefahrers. Ein Mann, dessen Leben nachzusp\u00fcren wahrlich einen Geschichtsroman der Meere ergeben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als ich ins linke Seitenschiff eintrat, ins Claustro Real (K\u00f6niglicher Kreuzgang), kam ich mir vor wie in einem M\u00e4rchenschlo\u00df. Es ist ein Glanzst\u00fcck portugiesischer Gotik, von der einfachsten bis zu einer alles \u00fcberwuchernden Ornamentik. In dem fast orientalisch \u00fcppigen Fensterma\u00dfwerk kehren zwei Ornamentmotive wieder: ein Bl\u00e4tterschlingwerk, in dessen Mitte einigemal die ,,ArmilIarsph\u00e4re&#8220; (Sph\u00e4renkugel mit den Himmelskreisen f\u00fcr astronomische Berechnungen), die &#8222;devise parlante&#8220; K\u00f6nig Manuels angebracht ist; zum anderen das Doppelkreuz des Christusordens, umschlungen von Lotosstengeln und -bl\u00fcten, den Symbolen der Entdeckerfahrten im Fernen Osten. Die Brunnenecke, ein kapellenartiger Bau des Kreuzganges, hat in der Mitte ein gro\u00dfes und vier kleine Wasserbecken in phantastischen Formen. Von hier aus genie\u00dft man, besonders bei vollem Sonnenlicht, k\u00f6stliche Durchblicke.<\/p>\n<p>Die &#8222;Unvollendete Kapelle&#8220; (Capela Imperfeita, weil ohne Dach) sollte das Mausoleum des K\u00f6nigshauses werden. Doch sie konnte nie vollendet werden, weil nach dem Tode des Baumeisters die Nachfolger fehlten, die die Kuppel zu dem k\u00fchnen Bau h\u00e4tten errichten k\u00f6nnen. Sie zeigt die letzte Entwicklung des reichen, bunten Stils der Sp\u00e4tgotik. Sie ist ein gro\u00dfartiges Virtuosenst\u00fcck, das seinesgleichen an K\u00fchnheit und Genialit\u00e4t sucht. Nichts war damals, als noch die Reicht\u00fcmer des Orients den Staatsschatz f\u00fcllten, f\u00fcr Portugal zu kostspielig.<\/p>\n<p>Die Dekorationen sind im reichsten Emmanuelstil ausgef\u00fchrt. Das Material des ganzen Baues ist ein marmorartiger wei\u00dfer Kalkstein aus den nahen Steinbr\u00fcchen, der mit unendlichem Flei\u00df in feiner Ziselierarbeit ausgehauen,<\/p>\n<p>14<\/p>\n<p>&lt;Bilder: Batalha: &#8222;Unvollendete Kapelle&#8220; &#8211; Brunnen im Kreuzgang &#8211; Inneres der Kapelle.&gt;<\/p>\n<p>15<\/p>\n<p>&lt;Bild: Porto: Denkmal Prinz Heinrich der Seefahrer&gt;<\/p>\n<p>zu m\u00e4rchenhaften Formen bearbeitet wurde. Man sp\u00fcrt noch heute in diesem Wunderwerk die Siegesmelodie der alten Portugiesen. \u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p>Und weiter ging meine Fahrt durch Land und Geschichte. Diesmal im D-Zug, dem Norden zu.<\/p>\n<p>Dort hatte ich zuf\u00e4llig die Trauung einer deutschen Familie durchzuf\u00fchren. So kam ich nach Po r t o, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt des Landes. Bischofssitz und Universit\u00e4t unterstreichen die Bedeutung dieser Cidade, Von Porto her kam der Name f\u00fcr das ganze Land, denn die nahe gelegene r\u00f6mische Niederlassung &#8222;Portus Cale&#8220; hat sich zum heutigen Portugal ausgeweitet. Weltweite Verbreitung fand aber auch der Portwein, der an den Ufern des Douro (&#8222;von Gold&#8220;) w\u00e4chst, so da\u00df dieses Fl\u00fc\u00dfchen wirklich ein kleiner Goldstrom geworden ist.<\/p>\n<p>Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Ludwigsbr\u00fccke, die im Jahre 1881 vom franz\u00f6sischen Ingenieur Eiffel erbaut wurde. In zwei Bahnen rollt hier der Verkehr \u00fcber den Douro in einer Bogenspannweite von 17,2 Metern. Die untere Fahrbahn ist 10 Meter \u00fcber dem Wasserspiegel, w\u00e4hrend die obere die luftige H\u00f6he von 60 Metern hat.<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>Mein liebster Gang in Porto war jedoch zum Grabe jener deutschen Frau, die, geboren in Westfalen, von den Einwohnern Portos einfach &#8222;a santa Alema&#8220; genannt wird &#8211; es ist die Schwester Maria vom G\u00f6ttlichen Herzen, geborene Gr\u00e4fin Droste zu Vischering. Kaum jemals fand ich, da\u00df ein deutscher Name mit solcher Hochachtung genannt wurde wie der dieser &#8222;Heiligen von Porto&#8220;. Die Stadt am Douro beh\u00fctet auch noch das Andenken an einen Prinzen, den ich fast den &#8222;Astronauten des Mittelalters&#8220; nennen m\u00f6chte. Zwar griff er nicht nach den Sternen, sondern nach den unbekannten Welten dieser Erde. Es ist Prinz Heinrich der Seefahrer (1418-1460), der hier in Porto geboren wurde. Unter ihm als Gro\u00dfmeister erlebte der Christusorden seine Glanzzeit. Prinz Heinrich war sicherlich die Triebkraft und das Vorbild der Meerfahrer und Entdecker des damaligen Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Sein Denkmal in Porto stellt ihn dar, wie er mit erhobener Hand zum Meer hinweist, das hier nur 5 Kilometer entfernt ist: &#8222;Portugiesen, eure Zukunft liegt auf dem Meere!&#8220; Sie sind seinem Rufe gefolgt: 1470 wurde die K\u00fcste von Guinea entdeckt, 1487 erreichte Bartolomeo Diaz die S\u00fcdspitze Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung, 1498 fand Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, 1500 nahm Pedro Alvares Cabral Brasilien in Besitz, 1519 war Ferdinand Magellan die erste Umseglung der ganzen Erde gegl\u00fcckt. &#8211; Die Namen Porto, Portugal und Lissabon waren in alle Welt gedrungen. &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Meine Fahrt durch die Lande Lusitaniens ist zu Ende. Nur weniges konnte ich hier anf\u00fchren von dem Reichtum, den die Geschichte Portugals besitzt. Damals war es eine Weltmacht, weil &#8222;die Ausbreitung des Glaubens&#8220; (&#8222;dilatando a f\u00e9&#8220;) die Triebkraft und das Ziel seiner Taten war. So hat Camoes in seinen Lusiaden schreiben k\u00f6nnen, da\u00df Portugal, &#8222;der Garten Europas, der Welt neue Welten gegeben hat&#8220;.<\/p>\n<p>1 7 &lt;Bild: Porto: Flu\u00df Douro mit Ludwigsbr\u00fccke (Foto: A. S.)<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 42. Jg., H. \u00be, September-Oktober 1966, S. 19-23 (25. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde .da<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a025. Fortsetzung<\/p>\n<p>Wenn ich nicht Priester, Missionar geworden w\u00e4re, w\u00e4re ich sicher Physiker oder Techniker geworden.<\/p>\n<p>Ich habe mich oft gefragt, warum mir Gott au\u00dfer meinem Priesterberuf noch diesen zweiten Beruf mitgegeben hat. Denn stets mit gro\u00dfer Freude griff ich nach den B\u00fcchern der Naturwissenschaften, und die gro\u00dfen Erfinder waren immer meine Ideale. Warum nur dieser eigenartige Zwiespalt? Doch heute begreife ich sehr gut diesen doppelten Ruf Gottes. Heute bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df ich vielleicht sogar meinen Priester- und Missionsberuf verloren h\u00e4tte, wenn Gott nicht auch zugleich mir diesen zweiten Ruf gegeben h\u00e4tte. &#8211; Wieso? &#8211; Ich will&#8217;s erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wer f\u00fcr die Naturwissenschaften gleichsam geboren ist, sieht alles Geschehen in der Natur mit viel interessierteren Augen an. Mich begeisterte das Leuchten der Blitze genauso wie das Glimmen der Gl\u00fchw\u00fcrmchen. Schon als Student wollte ich das gro\u00dfe Problem, das Geheimnis des kalten Lichtes, l\u00f6sen. Nat\u00fcrlich fand ich es nicht. So sp\u00fcrte und suchte ich nach anderen Problemen. Da kam mir pl\u00f6tzlich ein herrliches und zugleich praktisches Patent in den Sinn: ein Auto ohne Benzin und Strom, das Perpetuum mobile der Stra\u00dfe. Die Erfindung war \u00fcberraschend einfach: Ein Auto, das statt des Motors vorne einen gro\u00dfen Propeller hat, der den Wagen antreibt. Dieser Propeller ist durch eine mehr oder weniger gro\u00dfe Zahnrad\u00fcbersetzung mit den Wagenr\u00e4dern verbunden. Das ganze Vehikel lasse ich f\u00fcr den ersten Antrieb einen kleinen H\u00fcgel hinabrollen. L\u00e4uft der Wagen, dann l\u00e4uft auch der Propeller, und l\u00e4uft der Propeller, dann l\u00e4uft auch der Wagen. Die Erfindung war vollbracht und die endlose und kostenlose Fahrt konnte beginnen. Mit dieser Logik sah ich mich schon auf allen Stra\u00dfen Europas dahinsausen. Es begeisterte mich sehr. Erfinderfreuden z\u00e4hlen bekanntlich zu den reinsten Freuden, die es gibt. Das einzige Problem nur, das ich noch zu l\u00f6sen hatte, war: Wie gro\u00df mu\u00df die Transmission im Innern des Wagens sein? An diesem Problem<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>rechnete und gr\u00fcbelte ich alle Tage, abends vor dem Einschlafen, morgens nach dem Erwachen, sehr lange, durch Jahre hindurch, durch meine ganze Jugendzeit.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hle ich das?<\/p>\n<p>Nun, heute sehe ich darin eine F\u00fcgung und F\u00fchrung Gottes, der mich zum Missionar machen wollte. H\u00e4tten mich diese Gedanken nicht so stark und begeisternd in Beschlag genommen, dann h\u00e4tte mich sicher die Gedankenwelt des Sex-Appeals erfa\u00dft und gefangen. So aber konnte ich jeden Gedanken aller Versuchungen mit dem f\u00fcr mich viel herrlicheren Gedanken \u00fcberdecken: ein gro\u00dfer Erfinder und ein ber\u00fchmter Mann zu werden. Alle Appelle der Versuchungen und der Versucherinnen (es waren nicht wenige) prallten ab, und \u00fcbrig blieb nur der &#8222;God-Appeal&#8220;, der Anruf Gottes: Folge Mir nach! &#8211; Und ich folgte Ihm &#8211; und so wurde ich Missionar vom Kostbaren Blute.<\/p>\n<p>Ja, ich bin ein Missionar, und Gott hat mich gef\u00fchrt (nicht mein ertr\u00e4umtes Vehikel), \u00fcber die Stra\u00dfen Europas, durch alle F\u00e4hrnisse und Pr\u00fcfungen dieses Lebens.<\/p>\n<p>Soll ich noch weitererz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Portugal. Einer meiner Freunde, ein Pfarrer drau\u00dfen auf dem Land, ersuchte mich, ihn dort zu vertreten. In einem fremden Haus wurde ich einquartiert. Und siehe da, des Abends lauerte mir eine gro\u00dfe Versuchung auf. Doch alle Gebete schienen zu schwach. Was k\u00f6nnte jetzt noch st\u00e4rker sein als dieser bl\u00f6de Angriff? Doch da ganz pl\u00f6tzlich, innerhalb von kaum drei Sekunden,. blitzte in mir ein Gedanke auf, ein herrliches Problem, eine gro\u00dfartige Erfindung: Wirksame Fliegerabwehr mit Hilfe des Dopplereffektes. &#8211; Die alte jugendliche Begeisterung war explosivartig wiedergekehrt. Bis Mitternacht gab ich mich den herrlichen Gedanken des Gr\u00fcbelns hin, die Erfindung bis ins einzelne zu ergr\u00fcnden. Alle Versuchungen waren mit einem Schlag weg, verbla\u00dft und zerronnen. Ich staunte bewundernd ob der so prompten G\u00fcte und Hilfe Gottes. Ihm herzlich dankend, schlief ich ein.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag brachte ich das Ganze zu Papier. Ich zeichnete und schrieb etwa 20 Seiten voll, heftete sie zusammen und sandte sie meinem Freund nach Lissabon. Der trug sie zur deutschen Gesandtschaft, die schickten es zu einem Konsortium deutscher Ingenieure in Madrid zur \u00dcberpr\u00fcfung und Begutachtung. Nach einer Woche erhielt ich die Abschrift ihrer Antwort: &#8222;Die Erfindung des Herrn N. N. ist aus mehrfachen R\u00fccksichten beachtenswert und darum empfehlen wir, sie zur Auswertung an das Luftfahrtministerium nach Berlin zu leiten.&#8220; Und so gingen mit dem n\u00e4chsten Geheimkoffer der deutschen Gesandtschaft auch die stillen Gedanken eines Missionars vom Kostbaren Blute an die h\u00f6chsten Beh\u00f6rden Deutschlands nach Berlin. Von dort kam als erste Antwort die Best\u00e4tigung: &#8222;Wir bitten, dem Erfinder unseren Dank auszusprechen.&#8220; &#8211; Doch kurz darauf brach der Krieg zusammen, das wahnsinnige Ringen ging mit Wirrwarr zu Ende.<\/p>\n<p>Was ich jetzt hier erz\u00e4hlt, hat bis heute noch niemand erfahren; und wenn ich es jetzt hier mitgeteilt, so nur deshalb, um die g\u00fctige F\u00fchrung Gottes in einem<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>Priesterleben zu bekunden und um Ihm den schuldigen Dank zu erstatten. &#8212; Nach dieser Aushilfe bei meinem Freund auf dem Land kehrte ich ins Seminar zur\u00fcck. Der \u00fcbliche Alltag ging wieder weiter.<\/p>\n<p>Doch nach einem weiteren Jahr im Seminar zog es mich wieder hinaus zur Arbeit der \u00f6ffentlichen Seelsorge. Sonderbar: ausgerechnet die verlassenste und \u00e4rmlichste Pfarrei der ganzen Umgebung wollte ich \u00fcbernehmen. &#8211; In meinem Leben hat es mich schon immer gereizt, gerade dort zu sein, wo &#8222;der Dreck am dicksten und das Ding am interessantesten&#8220; ist.<\/p>\n<p>Ich hatte nun schon etliche Male unter den Portugiesen jener Gegend das Sprichwort geh\u00f6rt: &#8222;Toto o mal vem de Bencatel &#8211; alles Schlechte kommt von Bencatel.&#8220; Darum interessierte ich mich gerade f\u00fcr dieses so \u00fcbel beleumdete D\u00f6rflein. War es denn wirklich solch eine &#8222;kleine Vorh\u00f6lle allen \u00dcbels&#8220;. Wenn ich heute die k\u00fcrzeste Antwort darauf geben soll, so m\u00fc\u00dfte ich sagen: Bencatel ist jenes Dorf, das sich meiner Seele am tiefsten und unverge\u00dflichsten eingepr\u00e4gt hat.&#8220;<\/p>\n<p>Ich ging also zum Erzbischof und bat ihn, mir die Seelsorge jenes Ortes zu \u00fcbertragen. &#8211; &#8222;Gerne. Nur m\u00fcssen die Leute von dort sich auch verpflichten, f\u00fcr Ihren Unterhalt zu sorgen.&#8220;<\/p>\n<p>Als nun die Bencateliten h\u00f6rten, da\u00df der deutsche Pater sich f\u00fcr sie interessierte, lie\u00dfen sie rasch eine Sammelliste zirkulieren, in der sich die freiwilligen Spender zu monatlicher Gabe verpflichteten. Der Unterhalt war also schnell gew\u00e4hrleistet, mein Umzug konnte beginnen.<\/p>\n<p>Bencatel ist etwa 4 km von Vila Vi\u00e7osa entfernt. Zwischen beiden Ortschaften liegt ein Berg, ganz mit Olivenb\u00e4umen bewachsen. Der Berg selber liefert den sch\u00f6nsten Marmor in allen Farben und Fasern und ist deshalb der Reichtum des Ortes.<\/p>\n<p>Also nahm ich mal wieder meine Koffer und fuhr, zusammen mit dem Rektor des Seminars, im zweir\u00e4drigen Mauleselkarren hinauf nach Bencatel. Friedlich lag das D\u00f6rfchen vor uns, eingebettet ins graugr\u00fcne Kleid unz\u00e4hliger Olivenb\u00e4ume. Mit unserem 1-PS-Motor ging es &#8211; wenigstens bergab &#8211; recht flott voran. Doch kurz vor dem ersten Haus verloren wir ein Wagenrad. Wie ein gestrandeter Segler landeten wir knapp am Rande des Grabens. Aber ist nicht auch dem heiligen Gaspar del Bufalo auf seinen Missionsreisen das gleiche passiert? Unser Vehikel war bald wieder fit, und stolz hielten wir Einzug in dieses wenig gelobte Land.<\/p>\n<p>Wo nun wohnen? Das Pfarrhaus, eine armselige einst\u00f6ckige H\u00fctte, anschlie\u00dfend an die Kirche, war schon seit Jahr und Tag von irgendwelchen Leuten besetzt. Sie waren arm, so arm, da\u00df wenn am Samstag sie ihre W\u00e4sche wuschen, ihre Kinder kein zweites Hemd zum Anziehen hatten. &#8211; So habe ich mich also kurzerhand in der Sakristei eingerichtet. Doch &#8222;einrichten&#8220; ist eigentlich zuviel gesagt, denn ich stellte nur meine zwei Koffer an die Wand, und der Umzug war vollendet. War ich nicht hier der &#8222;Gefangene Gottes&#8220;? Wie ein Gef\u00e4ngnis: der Boden nicht aus Holzdielen, sondern aus rohen Ziegelsteinen. Die Decke ein Steingew\u00f6lbe wie in den alten Weinkellern. In<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>der Mauer, die noch rasch wei\u00df gekalkt wurde, war ein kleines quadratisches Fenster, das mit schweren Eisenst\u00e4ben vergittert war. In der Ecke ein Bett, in der Mitte ein Tisch mit Petroleumlampe und in der anderen Ecke ein Stuhl. Schrank oder Ofen gab es nicht. Klosettanlage war wie im Urwald. &#8211; Durfte ich mich bei dieser Ausstattung nicht &#8222;ein Gefangener Gottes&#8220; nennen?<\/p>\n<p>Und dennoch war ich vielleicht der sorgenfreieste Mensch der ganzen Pfarrei. Wenn ich abends zu Bett ging, fiel durch die offene T\u00fcr der rote Schein des Ewigen Lichtes mir ins Gesicht. Hier h\u00e4tte ich singen k\u00f6nnen: &#8222;Lieber Heiland, gute Nacht!&#8220;<\/p>\n<p>War auch mein Vorg\u00e4nger, der letzte Pfarrer von Bencatel, ebenso gl\u00fccklich gewesen? Ich wei\u00df es nicht und kann darum kein Urteil f\u00e4llen. Ich wei\u00df nur, da\u00df er etwa 20 Jahre vorher die Pfarrei hat verlassen m\u00fcssen und wegzog mit Sack und Pack, mit Weib und Kind. (Leider war er damals nicht der einzige Priester solcher Verh\u00e4ltnisse.) Als dann nach Jahren die &#8222;Seine&#8220; starb, besuchte ich ihn am gleichen Tag. Doch er hatte nicht die Gnade: &#8222;Sp\u00e4ter, vielleicht sp\u00e4ter!&#8220; war die einzige Antwort. Und seine T\u00f6chter weinten bitterlich. &#8211;<\/p>\n<p>Zum Essen ging ich t\u00e4glich ins Wirtshaus. Dabei mu\u00dfte ich oft zwischen den Angeheiterten mich hindurchschl\u00e4ngeln. Jeder bot mir freundlichst sein Gl\u00e4schen an. Dieser etwas stark intime Kontakt mit dem Volk hatte jedoch einen Vorteil, n\u00e4mlich: die seit 20 Jahren so verlassenen Leute waren &#8211; man konnte es ihnen nicht verargen &#8211; aufs tiefste \u00fcberzeugt, da\u00df jeder Priester ein Weib habe, entweder offen oder heimlich. &#8222;Und ich&#8220;, frug ich sie, &#8222;hab auch ich solch heimlichen Anhang?&#8220; &#8211; &#8222;Bei Ihnen ist das unm\u00f6glich, denn tags\u00fcber sehen wir Sie immer, selbst beim Essen in unserer Wirtschaft, und des Nachts, da wagt sich niemand zu Ihnen in die Kirche, denn (und hier setzte ihr naiver Aberglaube ein) nachts werden die Heiligenfiguren der Kirche alle wie lebendig, da w\u00e4re es dort zu gef\u00e4hrlich.&#8220; So stand ich also unter dem zweifachen Schutz der Heiligen, und das noch mit Hilfe eines unvermeidliehen Aberglaubens. &#8211; Aberglaube und Skepsis zum Priester waren also die besonderen Kennzeichen meiner Pfarrkinder. Sie waren in religi\u00f6sen Belangen fast wie die Heiden. Kaum ein halbes Dutzend konnten noch als richtige und aktive Christen angesehen werden. Sie waren meine besten Helfer f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Da von den andern fast niemand zu mir in die Kirche kam, mu\u00dfte ich zu ihnen gehen. Und so k\u00fcndigte ich als &#8222;erste Predigt&#8220; an: .Hexenkunstst\u00fcckchen, aufgef\u00fchrt im gro\u00dfen Lagar. &#8220;<\/p>\n<p>Der reichste Mann des Ortes hatte einen gro\u00dfen Saal, in dem seine \u00d6lpressen standen. Er stellte mir diesen Lagar gerne zur Verf\u00fcgung, baute mir darin eine B\u00fchne auf (also meine erste Kanzel), und am folgenden Sonntagabend war das ganze Dorf im Maschinensaal versammelt. Zehn der Kunstst\u00fcckchen erinnerte ich mich noch, die ich von Jugend her kannte. Da waren die springenden Karten, die rechnende Tafel, die marschierende Zigarre, der \u00e4therische W\u00fcrfel u. a. m. Die Schlu\u00dfkonsequenz meiner sonderbaren Predigt war, da\u00df<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>aller Hexenwahn und Aberglaube ein Unsinn sei. &#8211; Die erste Glaubenspredigt war gestartet. Allm\u00e4hlich sollte sich auch die Kirche f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Es war ein z\u00e4hes Ringen um die Seelen jener verlassenen Menschen. Jeden Sonntag, eine Stunde vor Beginn der heiligen Messe, durcheilte ich die Stra\u00dfen und G\u00e4\u00dfchen und lud jeden, den ich antraf, zur Messe ein. Alle versprachen, doch wenige kamen. Es war auch leicht verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Nun kam mir noch eine andere Eigent\u00fcmlichkeit dieses V\u00f6lkchens zu Hilfe. Bald hatte ich n\u00e4mlich gemerkt, da\u00df sie eine besonders gro\u00dfe Vorliebe hatten f\u00fcr die Musik. Das kam mir sehr gelegen.<\/p>\n<p>In der Kirche stand eine kleine alte Orgel. Ihre T\u00f6ne schwiegen beharrlich, auch unter dem st\u00e4rksten Winddruck. Die bleiernen Pfifferlinge waren verbogen, und in den h\u00f6lzernen Pfeifen klopfte der Holzwurm. Ich ging ans Werk, und Ton f\u00fcr Ton kam langsam wieder auf Draht. Doch meistens nur in den Abendstunden f\u00fchrte ich mein Kunsthandwerk aus, wenn alle Leute wieder zu Hause waren und die Burschen, M\u00e4dels und Kinder drau\u00dfen in der Abendk\u00fchle auf den Stra\u00dfen tanzten. Jeder Ton, der zu ihnen drang, war letzten Endes Propaganda f\u00fcr Gott. Durch die halboffene Kirchent\u00fcr zogen nun die Triolen und Synkopen meiner T\u00f6ne hinaus zu meinen Sch\u00e4flein, und langsam kannten die Schafe diese Stimmen ihres Hirten und begannen ihm nachzufolgen. &#8222;Der deutsche Pater richtet unsere Orgel her! Vielleicht gibt er uns gar ein Konzert!&#8220; &#8211; Ja, ein Konzert hab ich gegeben. Zuerst aber ein ganz eigenartiges, kleines, und zwar zusammen mit einem unscheinbaren schlichtgrauen V\u00f6gelein. Als ich n\u00e4mlich eines Abends wiederum bis tief in die Nacht am Stimmen war, h\u00f6rte ich pl\u00f6tzlich die silbernen T\u00f6ne einer Nachtigall. (Die zweite also in meinem Leben.) Sie war in allern\u00e4chste N\u00e4he gekommen. Sachte \u00f6ffnete ich das Kirchentor, und nun begann das erste Konzert auf der neuerklingenden Orgel. Ich lauschte auf die T\u00f6ne meiner kleinen Solistin &#8211; laut klangen sie in die stille Nacht hinaus. Ich suchte sie nachzupfeifen, um das Lied der Nachtigall zu ergr\u00fcnden, \u00fcber das schon B\u00fccher geschrieben sind. Ich war, und das ist leicht verst\u00e4ndlich, in helle Freude geraten durch diesen musikalischen Wettstreit zwischen mir und dieser S\u00e4ngerin. Schnell schrieb ich ihre Modulationen, ihre Triller und Schlu\u00dfkadenzen auf ein St\u00fcck Papier. Doch die meisten ihrer Melodien konnte ich mit meiner Orgel nicht erfassen. Ob und wie viele auch von meinen Sch\u00e4flein drau\u00dfen uns zugeh\u00f6rt, wei\u00df ich nicht, denn der Schein meiner einsamen Petroleumlampe reichte kaum bis zum Portal.<\/p>\n<p>Auf alle F\u00e4lle: die Orgel war wieder in Takt. Ich k\u00fcndete an:<\/p>\n<p>&#8222;N\u00e4chsten Sonntag Orgelkonzert. Alle herzliehst eingeladen!&#8220;<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>&#8222;Lobet den Herrn, du Sonne und Mond, lobt Ihn, ihr funkelnden Sterne. Ihr wilden und all ihr zahmen Tiere, ihr Kriechtiere und ihr beschwingten V\u00f6gel, lobet den Herrn.&#8220; (Ps. 148.)<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 42. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1966, S. 13-21 (26. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>26. Fortsetzung<\/p>\n<p>Der Dichter Reinhold Schneider schreibt \u00fcber Portugal: &#8222;Vielleicht ist das Erlebnis Portugals nur in Musik zu gestalten, denn es ist hier alles Melodie, Zwischenton, feinste und zugleich entscheidendste Nuance.&#8220;<\/p>\n<p>Eine deutsche Radiosendung berichtete: &#8222;Die l\u00e4ndliche Folkloremusik Portugals geh\u00f6rt zu den reichsten ganz Europas.&#8220; &#8211; Der Portugiese ist ein sangesfroher Sonnenmensch.<\/p>\n<p>Das &#8222;Fado&#8220;-Lied ist der Gesang der St\u00e4dter. Diesen Fado durchzittert die einzigartige portugiesische Idee der &#8222;Saudade&#8220;, jenes Wort, das in keine Sprache \u00fcbersetzt werden kann. Die Saudade ist die ,,0 gosto de ser triste &#8211; die Freude am Traurigsein.&#8220; Es ist Sehnsucht nach Unerreichbarem, Liebe, Trauer, Einsamkeit. Es ist der Unterton des Abschieds, es ist mehr als Heimweh. \u00dcber &#8222;Saudade&#8220; wurden schon ganze B\u00e4nde geschrieben. Wenn meine Freunde in Portugal mir heute noch schreiben, dann hei\u00dft es immer am Schlu\u00df des Briefes: &#8222;Com muita saudade um grande abraco &#8211; mit vieler Sehnsucht eine gro\u00dfe Umarmung \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Die Fados-Lieder werden von den Kl\u00e4ngen der Gitarre und der &#8222;Viola&#8220; begleitet oder von der &#8222;Cavaquinho&#8220;, einer kleinen rundgebauten Gitarre mit nur vier Saiten. Im Bergland Tras-os-rnontes spielt man die &#8222;Cornamusa&#8220;, eine Art Dudelsack, in der Provinz Beira Baixa die &#8222;Aduf\u00e9&#8220;, ein viereckiges Tamburin, und an den Ufern des Douro die Panfl\u00f6te. Hier, wo der Portwein flie\u00dft, sind es die Lieder zu Ehren des Weines und der Reben, w\u00e4hrend die Fischer an der Atlantikk\u00fcste ihre Boote beim Gesang ihrer eigenen Lieder an den Strand ziehen.<\/p>\n<p>Auf dem Lande kann man die figuren- und melodienreichen T\u00e4nze sehen, die &#8222;Vira&#8220; (vivare = drehen) oder die eigenartige &#8222;Brinca&#8220; (brincare = spielen), den uralten Tanz der Fischer. Fast jede Provinz des Landes hat ihre eigenen Weisen von Rhythmus und Melodie. &#8211;<\/p>\n<p>Meine Pfarrkinder in Bencatel hatten ein besonders sch\u00e4umendes Blut f\u00fcr Musik und Tanz. Selbst die Schulkinder sangen und tanzten bis kurz vor Mitternacht auf den Stra\u00dfen. Die elende Hitze am Tag zwingt die Menschen, in den H\u00e4usern zu bleiben, die K\u00fchle der Nacht macht sie lebendig.<\/p>\n<p>Eines Nachts &#8211; ich war noch in der Kirche &#8211; ging ein vom Wein Angeheiterter<\/p>\n<p>13<\/p>\n<p>&lt;Bild: Bencatel: T\u00e4nzergruppe auf der Stra\u00dfe. Bursche mit M\u00e4dchentracht.&gt;<\/p>\n<p>an der offenen Kirchent\u00fcr vorbei und sang sein Trinkerlied. Da blitzte in mir pl\u00f6tzlich der Gedanke auf, meinen lieben Pfarrkindern, die dem Trunke nicht abhold waren, eine Predigt in Form eines Theaterst\u00fcckes zu schreiben mit dem Inhalt: Ein betrunkener Vater kommt an die Himmelst\u00fcr. Der Titel lautete &#8222;Der Wettstreit&#8220;.<\/p>\n<p>Schon am n\u00e4chsten Tag war mir der Bleistift in der Hand warm geworden, und die Zeilen des Theaterst\u00fcckes flogen nur so dahin. Eine Reihe bekannter und unbekannter Volkslieder flocht ich hinein. Als ich fertig war, suchte ich mir eine Schar Kinder aus, die ich als die besten Stars vermutete. Mein Zimmer, d. h. die Sakristei, war das Studio. Ihr h\u00e4ttet sehen sollen, welches Geschick und welches K\u00f6nnen diese junge Schar entwickelte. Bei den Szenen der Gro\u00dfreigen tanzten und immitierten sie mit Hand und Fu\u00df den Wellenschlag des Meeres, w\u00e4hrend sie das &#8222;Fischerlied&#8220; sangen: &#8222;Geh&#8216; nicht aufs Meer, Toni, das Meer ist falsch, Toni..&#8220; Dann drehten sie wieder eine Vira mit Blumenkr\u00e4nzen in der Hand. Vor allem war es das Lied der Weizenschnitterinnen, das sie im Wirbel des Reigens mit fliehenden Haaren und hinrei\u00dfender Begeisterung sangen. Bencatel war ja das Dorf der Weizenschnitter. Endlich klappte alles aufs beste. Das ganze Dorf fieberte schon auf die Auff\u00fchrung, denn<\/p>\n<p>14<\/p>\n<p>schon mehr als 20 Jahre war kein Theaterst\u00fcck mehr in Bencatel \u00fcber die Bretter gegangen, obwohl sie ein eigenes Theaterhaus hatten.<\/p>\n<p>Warum nur?<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle: Vor Jahrzehnten bestand in Bencatel ein eigener Theaterklub unter den Burschen. Ich sage eigens: nur unter den Burschen, denn kein M\u00e4dchen hatte sich jemals hergegeben, zusammen mit Burschen aufzutreten. Sie w\u00e4re in Verdacht und in Verruf gekommen; so ist&#8217;s Brauch im ganzen Land.<\/p>\n<p>Doch die Burschen wu\u00dften sich zu helfen. Sie hatten unter sich einen Jungmann, der ein zartes Gesicht und eine helle M\u00e4dchenstimme hatte. Der mu\u00dfte nun immer die Frauenrolle spielen. Das Theater bl\u00fchte.<\/p>\n<p>Doch als dem J\u00fcngling allm\u00e4hlich der Bart wuchs und die Ba\u00dft\u00f6ne eines versp\u00e4teten Stimmbruchs sich einstellten, mu\u00dfte das ganze Theater eingestellt werden. Seit jener Zeit waren nur M\u00e4use und Nachteulen die einzigen, die die B\u00fchne betraten.<\/p>\n<p>Und nun kommt pl\u00f6tzlich der deutsche Missionar und l\u00e4\u00dft die Fensterl\u00e4den wieder \u00f6ffnen und die Lampen &#8211; wenn auch nur Petroleumfunseln und zwei Karbidlampen &#8211; wieder anz\u00fcnden. Dieser Missionar lie\u00df nun die eigenen Dorfkinder \u00fcber die Bretter tanzen in pr\u00e4chtigen Seidenkleidern und schmucken B\u00e4ndern. Das war wirklich ein Festtag f\u00fcrs stille Bencatel.<\/p>\n<p>Ob nun meine Pfarrkinder diese singende, wirbelnde Predigt wohl verstanden haben: &#8222;Der betrunkene Vater an der Himmelst\u00fcr&#8220;? Ich glaube, es war meine beste Predigt gegen ihre Trunksucht.<\/p>\n<p>15 &lt;Bild: M\u00e4dels und Burschen in Landestracht des Alemtejo.&gt;<\/p>\n<p>Und von den Einnahmen kauften wir einen sch\u00f6nen Teppich f\u00fcr die Kirche.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen gingen meine Schauspielerinnen Arm in Arm in breiten Reihen singend die Stra\u00dfen auf und ab. F\u00fcnf Tage hindurch beherrschten sie das Dorfbild.<\/p>\n<p>Als ich aber f\u00fcr die kommenden Weihnachten ein Hirtenspiel aufzuf\u00fchren gedachte und daf\u00fcr drei Burschen einstellen wollte, hat die ganze junge Gesellschaft sich dagegen aufgelehnt: &#8222;Wir spielen nicht mit Burschen!&#8220; Sie streikten&#8220;, und Weihnachten blieb ohne Spiel. Ich \u00e4rgerte mich zuerst &#8211; und war dann eigentlich doch stolz auf sie. &#8211;<\/p>\n<p>Es war damals die Zeit, da im ganzen Land ein gro\u00dfes Nationalfest gefeiert werden sollte. Die Beh\u00f6rden der Nachbarschaft Vila Vi\u00e7osa baten mich, f\u00fcr den gro\u00dfen vaterl\u00e4ndischen Umzug in Lissabon eine Sing- und Trachtengruppe als Repr\u00e4sentanten der Stadt aufzustellen. Die entsprechenden alemtejanischen Volkstrachten stellte die Stadt zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>,Nun mu\u00dfte ich wieder den Tanzmeister machen. In zwei Gruppen, eine mit Burschen, die andere mit M\u00e4dels, habe ich sie im Freien auf einer runden Dreschtenne einstudiert. Ich selber kam mir so sonderbar vor: mitten in einer<\/p>\n<p>&lt;Bild: Flei\u00dfige Malerinnen.&gt;<\/p>\n<p>16<\/p>\n<p>&lt;Bild: Weizenschnitterinnen.&gt;<\/p>\n<p>Schar Burschen bzw. M\u00e4dels stehe ich, der Missionar im langen Talar, und kommandiere und f\u00fchre ihnen ihre eigenen Volkst\u00e4nze vor im Takt der Ziehharmonika. Doch schnell hatten meine Sch\u00fcler es begriffen, es klappte. Als der betreffende Festtag kam und sie nach Lissabon fuhren, h\u00f6rten wir zu Hause am Radio zu, was der Landessender Lissabon \u00fcber den gro\u00dfen Festzug verk\u00fcndete: &#8222;Und nun kommt die Tanzgruppe in der Volkstracht des Alemtejo aus Vila Vi\u00e7osa-Bencatel. Sie singen und tanzen unerm\u00fcdlich die ganze Avenida da Liberdande hinab \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Als sie am Abend heimkamen, konnten sie nicht mehr sprechen, sie waren alle vollst\u00e4ndig heiser geworden. Aber gefreut hat es sie m\u00e4chtig. \u201eKinder, am Sonntag m\u00fc\u00dft ihr mir daf\u00fcr aber auch alle in die Kirche kommen!&#8220; Sie versprachen es hochheilig. &#8211;<\/p>\n<p>Die erfolgreichste Arbeit jedoch durfte ich leisten mit den Frauen des Dorfes. Diese Frauen und M\u00e4dchen sind ein flei\u00dfiges V\u00f6lkchen. Besonders zur Zeit der Weizenernte sind sie unerm\u00fcdlich, trotz der elendig brennenden Sonne. Dabei ist ihre Kleidung recht eigenartig. Mit vier Sicherheitsnadeln falten sie ihre R\u00f6cke wie Hosen zusammen, so da\u00df sie wie T\u00fcrkinnen ausschauen. Ein Kopftuch, um den Nacken vor Sonnenbrand zu sch\u00fctzen, und darauf der \u00e4lteste Hut ihres Bruders, in der rechten Hand die Sichel (Sensen sind unbekannt), und die Finger der linken stecken in hohlen Bambusst\u00e4bchen, um gesch\u00fctzt zu sein, so sind die Weizenschnitterinnen von Bencatel. Zur Arbeit singen sie die Lieder der Seifeiras, der &#8222;Schnitterinnen&#8220;.<\/p>\n<p>Meine Bencateliten waren vor allem auch vorbildlichst an Sauberkeit und Reinlichkeit. Trotzdem es noch keine Wasserleitung gab, waren ihre \u00e4rmlichen<\/p>\n<p>17<\/p>\n<p>Wohnungen immer blitzblank. Jeden Samstag wurde das Haus auch an der Vorderfront neu angestrichen und gekalkt. Wohl kaum irgendwo in der Welt, glaube ich, haben Frauen so viel den Pinsel in der Hand wie jene von meinem Bergdorf. Auf die Sch\u00f6nheit ihrer Dachziegel legen sie die gleiche Sorgfalt wie auf die Spitzen der Unterr\u00f6cke.<\/p>\n<p>Und dennoch bedauerte ich es, da\u00df immer noch den meisten von ihnen der Kirchgang so schwer fiel.<\/p>\n<p>Doch sonderbarerweise, die angesehensten und reichsten Frauen des Ortes hatten ihren katholischen Glauben noch am besten bewahrt. Mit ihnen konnte ich es wagen, ein Gebetsapostolat zu gr\u00fcnden. Denn nur Gott konnte diesen guten und doch so verlassenen Leuten der einzige Retter sein. Es waren viele, die sich zu diesem Apostolat gemeldet hatten, wenn auch etliche ihren anf\u00e4nglichen Eifer wieder erkalten lie\u00dfen. Wenn nun Bencatel vor Gott besser geworden ist, so ist es an erster Stelle dem Gebetsapostolat zu verdanken. Der Priester selber, und sei es auch ein Missionar vom Kostbaren Blut, ist nur das Werkzeug in Gottes Hand.<\/p>\n<p>Das wichtigste Gebet aber war nat\u00fcrlich der Rosenkranz. Portugal, Fatima und Rosenkranz sind drei Worte und, fast m\u00f6chte ich sagen &#8211; doch nur ein einziger Begriff.<\/p>\n<p>Wenn der Abend kam, setzte ich mich zuweilen mit den Kindern auf die Randsteine der Stra\u00dfe und begann mit ihnen den Rosario zu beten. Dann gingen die T\u00fcren auf und auch die Erwachsenen kamen und taten mit. Am besten aber beteten sie nat\u00fcrlich bei den Fatima-Prozessionen am 13. Mai. &#8211; Meinen Pfarrkindern jedoch sollte dieser Tag einmal ganz besonders unverge\u00dflich werden.<\/p>\n<p>13. Mai &#8211; alles in feierlichster Stimmung zur heiligen Prozession. Alle waren dabei, au\u00dfer einem Kommunisten, der zwar kein Einheimischer war, sondern ein aus einem Vorort von Lissabon hier Zugereister. Er war Sprengmeister im gro\u00dfen Marmorsteinbruch bei Bencatel. Als nun die Prozession auch an seinem Haus vorbeikam, trat er heraus und begann zu spotten und zu l\u00e4stern zum gro\u00dfen \u00c4rger aller Leute. Aber gutm\u00fctig wie der Portugiese ist, sie sagten nichts und \u00fcberlie\u00dfen die Antwort dem Herrgott.<\/p>\n<p>Die Tage, Wochen und Monate vergingen und niemand mehr dachte an das Vorgefallene. Auch der Kommunist hatte bei seinen t\u00e4glichen Sprengarbeiten schon l\u00e4ngst seine Gottesl\u00e4sterungen vergessen. Nun mu\u00dfte er eines Tages einen besonders gro\u00dfen Marmorblock heraussprengen. Schon hatte er alle Bohrl\u00f6cher mit Pulver geladen und die Z\u00fcndschn\u00fcre angez\u00fcndet und ging nun, die \u00fcbrigen Arbeiter zur Deckung befehlend, gem\u00e4chlich seinem Unterstand zu. Er war etwa 60 Meter weit gegangen, da pl\u00f6tzlich krachte der Schu\u00df, fr\u00fchzeitiger als vorgesehen und nach einer falschen Richtung hin. Die Arbeiter riefen dem Sprengmeister noch zu, sich schnell zu ducken. Der aber drehte sein Gesicht nach r\u00fcckw\u00e4rts, und im gleichen Moment schlug ein zackiger Marmorstein von der Dicke einer Faust ihm mitten ins Gesicht und zerschmetterte ihm den ganzen Mund und den Unterkiefer. Blut\u00fcberstr\u00f6mt fiel er zu Boden. Das Rettungsauto brachte ihn ins Spital nach Vila Vi\u00e7osa &#8211; und noch<\/p>\n<p>18<\/p>\n<p>&lt;Bild: Bencatel in Erwartung der Fatima-Madonna.&gt;<\/p>\n<p>eh&#8216; die Sonne unterging, war er tot. (Am gleichen Tag hatte auch seine Tochter einem Kindlein das Leben geschenkt. Aber das kleine W\u00fcrmlein war tot.) Da sagten meine Leute zu mir: &#8222;Herr Pater, heute ist ausgerechnet wieder der 13. Mai, und in einer Stunde ist Fatima-Prozession, auch wieder am Hause dieses L\u00e4sterers vorbei. Doch der sollte nicht zum zweiten mal Unsere Liebe Frau verspotten, wie er genau heute vor einem Jahr es getan.&#8220; &#8211; Das war ein Zeichen Gottes, und alle verstanden es.<\/p>\n<p>Bald danach hatte unser Erzbischof eine Missionierung seiner ganzen gro\u00dfen Di\u00f6zese durchf\u00fchren lassen. In jeder Stadt und in jedem Dorf wurden Missionspredigten gehalten. Der feierliche Abschlu\u00df war eine gro\u00dfe Prozession der Muttergottes aus dem Heiligtum von Fatima durch alle Pfarreien. Sie dauerte einen ganzen Monat lang.<\/p>\n<p>Wir hatten am Eingang unseres Dorfes einen pr\u00e4chtigen Triumphbogen aufgestellt. \u00dcber die Stra\u00dfen waren Girlanden gezogen und fast alle H\u00e4user waren festlich geschm\u00fcckt. Drau\u00dfen vor dem Triumphbogen warteten wir auf die Ankunft der gro\u00dfen Frau. Da gl\u00e4nzte es pl\u00f6tzlich golden \u00fcber den Bergr\u00fccken herab &#8211; es war der vergoldete Schrein auf dem ersten Auto mit dem Gnadenbild. Ein langer Zug von Wagen, der Erzbischof an der Spitze, begleitete die Madonna. Ich kann den Jubel nicht schildern, den meine Bencateler erfa\u00dfte, als nun die Muttergottes abwechselnd von M\u00e4nnern und Frauen durch die Stra\u00dfen getragen wurde. Das Auffallendste aber war der &#8222;begleitende Hofstaat&#8220; der Madonna: die vier Tauben, die ihr zu F\u00fc\u00dfen unter ihrem Mantel sa\u00dfen. Wenn man nach ihnen griff, fl\u00fcchteten sie schnell zur anderen Seite. Schon drei Wochen lang hatten diese Tauben die Statue begleitet, Tag<\/p>\n<p>19<\/p>\n<p>und Nacht, sogar ins Auto hinein, aus dem Auto heraus, sie blieben, und nichts konnte sie mehr vertreiben. Es schreckte sie nicht das Geknatter der vielen Raketen noch die zahlreichen Musikkapellen noch die Viva-Schreie der hei\u00dfbl\u00fctigen Begeisterung. Als bei der n\u00e4chtlichen Anbetung eine der Tauben auf den Hochaltar flog, jagte ich sie von dort weg. Sofort flog sie wieder hin zu den F\u00fc\u00dfen der Madonna und schlief dort ein. &#8211; So war der ganze Monat ein einziger Triumphzug Mariens durch den S\u00fcden von Portugal. &#8211;<\/p>\n<p>Mein allt\u00e4gliches Priesterleben wurde einmal sehr angenehm unterbrochen, und zwar von einer doppelten Feier. Meine beiden portugiesischen Theologen n\u00e4mlich, die zuerst in Vila Vi\u00e7osa und Evora und dann an der Universit\u00e4t in Salamanca (Spanien) und Fribourg (Schweiz) studiert hatten, waren nun mit Gottes Hilfe gl\u00fccklich zu Priestern geweiht worden. Nun waren sie heimgekehrt, um zu Hause ihre Primiz zu feiern. Da ich mich als ihr geistiger Vater f\u00fchlen durfte, war meine Freude an ihrem Primiztag besonders gro\u00df. Sie waren also die ersten Missionare unseres spanischen Vikariates. Der Anfang war gemacht, nun mu\u00dfte Gott weiterhelfen. Er hat geholfen, denn bis heute sind aus Spanien selber schon eine stattliche Anzahl junger Missionare hervorgekommen. Der Segen Gottes waltet also offensichtlich bei unseren spanischportugiesischen Missionaren vom Kostbaren Blut. Vor 10 Jahren hatte Gott mich als ersten Provinzialvikar hierher gesandt, nun waren die ersten Fr\u00fcchte gereift.<\/p>\n<p>Aber Gott schenkt nicht nur Tage der Freude, sondern auch des Leids. Ich werde ihn nie vergessen, diesen letzten Tag in Bencatel.<\/p>\n<p>Eben hatte ich in meiner Sakristei die Petroleumlampe angez\u00fcndet, da klopfte es an die T\u00fcr meiner heiligen Klause und herein trat der Postbote und \u00fcbergab mir ein Telegramm. Ich erschrak. Mit tiefer Erregung \u00f6ffnete ich es &#8211; es kam aus der Heimat. Dreimal, viermal las ich es, um den etwas verst\u00fcmmelten Inhalt zu erfassen: &#8222;Mama schwer verungl\u00fcckt. Komme nach Hause.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Blitz hatte eingeschlagen. In jener Nacht schlief ich nicht ein. Am n\u00e4chsten Morgen packte ich meine Koffer, verabschiedete mich bei Volk und Beh\u00f6rden und ging zur Bahn. Abreise.<\/p>\n<p>Nach 10 gl\u00fccklichen Jahren hatte urpl\u00f6tzlich die Abschiedsstunde geschlagen, unerwartet, unverhofft. Ich habe in dieser langen Zeit ein Volk kennengelernt, das ich au\u00dferordentlich hochsch\u00e4tzen mu\u00dfte. Nie hatte ich in all den Jahren auch nur ein einziges Mal eine Beleidigung oder ein hartes Wort erfahren m\u00fcssen. &#8211; Portugal, seine Gro\u00dfst\u00e4dte Lissabon und Porto lernte ich kennen. Ich sprach mit Bisch\u00f6fen und weltlichen Beh\u00f6rden. Ich hatte die Fischerboote des kleinen Mannes und die Kriegsschiffe und U-Boote der gr\u00f6\u00dften V\u00f6lker hier gesehen. Ich lauschte hier dem Wellenschlag des Ozeans wie auch dem Liederklang der portugiesischen Volksseele, sei es in den innigen Liedern von Fatima oder in den n\u00e4chtlichen T\u00e4nzen der Aldeia. Von all dem hie\u00df es nun: Abschied nehmen!<\/p>\n<p>Doch alles Sch\u00f6ne, das ich nun verlie\u00df, hat sich in ein einziges Wort zusammengedr\u00e4ngt, das Wort, das ich jetzt erst verstand und das mich ganz erfa\u00dfte und mich seither niemals mehr verlie\u00df &#8211; es ist das Wort: &#8222;Saudade!\u201c<\/p>\n<p>20<\/p>\n<p>&lt;Bild: Madanna mit ihren Tauben. &gt; Foto: A. S. Bencatel<\/p>\n<p>O Fatima, leb&#8216; wohl \u2013<\/p>\n<p>Mutter mein, lebe wohl!<\/p>\n<p>(Abschiedslied in Fatima)<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>&#8230; und dann wurde ich Mission\u00e4r vom Kostbaren Blute, in: Herold 43. Jg., H. \u00bd, Juli-August 1967, S. 21-23 (27. Fortsetzung).<\/p>\n<p>\u2026 und dann wurde ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p>27. Fortsetzung<\/p>\n<p>Dem Wunsche vieler entsprechend, soll meine Plauderei \u00fcber das Missionsleben des &#8222;Zigeuners Gottes&#8220;, des Missionars vom Kostbaren Blut noch weitergef\u00fchrt werden. Nun, so sei es!<\/p>\n<p>In Portugal hatte also pl\u00f6tzlich \u00fcber Nacht nach zehn sch\u00f6nen langen Jahren die Abschiedsstunde geschlagen. Meine kranke Mutter wartete sehnlichst auf mich. W\u00e4hrend ich meine Koffer packte, summte ich das Lied &#8222;Nach der Heimat m\u00f6cht ich wieder &#8230; &#8222;, das mir auch sp\u00e4ter am Schlu\u00df der Missionen beim Kofferpacken fast immer in den Sinn kam.<\/p>\n<p>Nun ging also der Missionar vom Kostbaren Blut wieder nach Hause. Ich l\u00f6schte meine Petroleumlampe, schlo\u00df das Fensterlein meiner &#8222;Gefangenenzelle &#8222;, drehte den alten T\u00fcrschl\u00fcssel um und kniete mich zum letzten Mal vor dem Altar nieder, vor meinem Christus, den ich so oft hierher gerufen. Dann verabschiedete ich mich bei allen Freunden und Bekannten mit einem Grande abra\u00e7o. Der Erzbischof von Evora, dieser gro\u00dfe Marienverehrer &#8211; ich habe ihn stets als einen Heiligen angesehen, gab mir ein gar liebes Brieflein mit seinem herzlichen Dank f\u00fcr alle hier geleisteten Dienste. Dann ging es fort nach Lissabon. Hier besorgte ich mir noch die Relseerlaubnis, die damals gleich nach dem Krieg f\u00fcr einen Deutschen \u00e4u\u00dferst schwierig war. Jetzt fehlte mir nur noch eines, und daf\u00fcr bin ich fast halb Lissabon abgelaufen, n\u00e4mlich eine sch\u00f6ne Statue der Madonna von Fatima. Sie sollte mein sch\u00f6nstes Andenken sein und zugleich das liebste Geschenk f\u00fcr meine Mutter. Endlich fand ich sie, trug sie hinauf ins Ordinariat, wo der Bischof sie mir weihte. &#8211;<\/p>\n<p>(Einem portugiesischen Priester \u00fcbergab ich noch eine Geldsumme f\u00fcr eine zweite, die er mir nachsenden m\u00f6ge. Ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcberbrachte mir eine Wiener Pilgergruppe aus Portugal sogar noch zwei Statuen. Sie waren beide vom Bischof von Fatima benediziert. Als kurz darauf Kardinal Wendel, als neu kreierter Kardinal von Rom kommend, die erste Nacht bei uns in Kufstein zubrachte, benutzte ich nat\u00fcrlich die Gelegenheit und bat ihn, die drei Statuen, die ich in meinem Zimmer bewahrte, zu segnen. Und da auch noch der Erzbischof von Salzburg Dr. Rohracher zur Begr\u00fc\u00dfung des Kardinals bei uns eintraf, stellte ich &#8211; wer wollte es mir verargen und wer h\u00e4tte es vielleicht nicht auch getan? &#8211; auch an ihn die gleiche Bitte: So sind also meine drei Fatimastatuen wirklich &#8222;hoch geweiht&#8220;. Die eine steht heute in der Exerzitienkapelle in Kufstein, die andere in unserer Kirche in Traunstein (Bayern) und die dritte in meinem Zimmer. Sie helfen uns mit, &#8222;da\u00df Maria seligpreisen alle Geschlechter der Erde&#8220;.) &#8211;<\/p>\n<p>In Lissabon hatte ich meine Koffer im Gep\u00e4ckwagen aufgegeben. Nur meine gro\u00dfe Begleiterin, die Madonna von Fatima, gab ich nicht aus der Hand. Sie sollte meine Helferin und Besch\u00fctzerin sein. Sachte legte ich sie hinauf \u00fcber meinem Sitz ins Gep\u00e4cknetz, und so durfte ich mich wohl beh\u00fctet f\u00fchlen. Ja, sie hat mich besch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Langsam rollte nun der lange D-Zug den Bahnhof Lissabon hinaus und quer durch ganz Portugal. Die Kontrolle an der spanischen Grenze war \u00fcberra-<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>sehend einfach. Nun jagten wir an den St\u00e4dten und D\u00f6rfern Spaniens vorbei. Doch alle Sch\u00f6nheiten des Landes interessierten mich nun nicht mehr. Bei der gef\u00fcrchteten franz\u00f6sischen Grenzkontrolle ging alles ebenso glatt ab. Jetzt waren wir also in Frankreich. Rasch verrann auch dieser Tag, schnell brauste der Zug durch die stille Dunkelheit. Nun war es Mitternacht geworden. Im abgedunkelten Waggon &#8211; nur ein schwaches Blaulicht brannte &#8211; schliefen schon alle, nur ich nicht. Die dicke, schlechte Luft lie\u00df mich nicht einschlafen. Ich suchte das kleine Oberfenster zu \u00f6ffnen und tastete nach dem Fenstergriff. Als ich ihn endlich fand und ihn zog, da, im gleichen Moment heulte die Lokomotive auf, es knirschten alle Bremsen des langen D-Zuges und alle Schl\u00e4fer wurden wach -, ich hatte die Notbremse erwischt. Ich, der Ausl\u00e4nder, hier in Frankreich, ich, ein Priester! Was nun tun? Ich kuschte mich sofort wieder in meine Ecke, markierte den ahnungslos ruhigen Schl\u00e4fer.<\/p>\n<p>Jetzt mu\u00dfte Maria helfen. Sie mu\u00df in diesen kritischen Minuten meine Hilfe sein. \u201e0 Maria, es ist Zeit &#8230; &#8220; Doch immer noch heulte die Sirene in die tiefe Nacht hinaus und schrie um Hilfe. Es ist schrecklich, dieses schuldbewu\u00dfte Geheul mit anzuh\u00f6ren. Drau\u00dfen vor meinem Fenster zischte der Dampf herauf. Die Schaffner kamen gerannt &#8211; doch sie gingen an unserer T\u00fcr vorbei. Dann liefen sie zur\u00fcck -immer vorbei an unserer T\u00fcr. Und drau\u00dfen dampfe weiter die ge\u00f6ffnete Notbremse. Der ganze Zug war alarmiert: Ungl\u00fcck? Gefahr? Was ist los? Zehn Minuten lang dauert die Aufregung und Rennerei. T\u00fcren gingen auf und zu. Doch sonderbarerweise: bei uns war &#8222;Eintritt verboten!&#8220; Dann endlich setzte sich der Zug wieder langsam in Bewegung. Gott sei Dank! Ein Stein war mir vom Herzen gefallen. In jener . Nacht war mir der Rosenkranz nicht mehr aus der Hand gekommen.<\/p>\n<p>Paris, alles aussteigen! Schon l\u00e4ngst war es heller Tag. Viele Z\u00fcge standen da &#8211; ich suchte nach meinem Anschlu\u00df. Unvermutet stand ich vor dem Wagenschild &#8222;Paris-Saarbr\u00fccken&#8220;. Ich kann es nicht ausdr\u00fccken, wie freudig mich pl\u00f6tzlich dieses Wort, dieser Name ergriffen hat. Es war mir gleichsam der &#8222;erste Gru\u00df&#8220;. Wer zehn Jahre Ausland genossen, der versteht es, wenn das erste St\u00fcckchen Heimat so unerwartet sich ihm auftut. Schnell stieg ich ein, machte es mir bequem &#8211; und nach f\u00fcnf, sechs Stunden war endlich mein Ziel erreicht &#8211; endlich wieder in der Heimat!<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccken, alle stiegen aus. Der Bahnhof lag schon in tiefem Dunkel. Es gab damals, drei Jahre nach dem Krieg, noch keine Lampen f\u00fcr \u00f6ffentliche Beleuchtungen. Sicherlich warteten meine Br\u00fcder hier auf mich. Aber wie sollten wir uns finden in diesem dunklen Schwarm von Menschen? Da pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich ein Pfeifsignal: unser alter Bubenpfiff aus Kindheits Zeiten, nach der Melodie &#8222;Auf in .den Kampf, Torero!&#8220;. Ein Pfiff mit schwierigen Schleifen. Der war mir jetzt sch\u00f6ner als die sch\u00f6nste Nationalhymne bei \u201eStaatsbesuch mit gro\u00dfem Bahnhof&#8220;. Mit welcher Freude wir uns begr\u00fc\u00dften, brauche ich nicht zu schildern. Noch einmal in den letzten Zug zur Schlu\u00dffahrt nach Saarlouis umgestiegen, waren wir bald daheim.<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen besuchte ich meine Mutter. Mein Geschenk f\u00fcr sie war die Madonna von Fatima. &#8222;Sie hat mir geholfen, sie wird auch dir helfen.&#8220; Ja, bald war die Mutter wieder gesund. Zwar konnte sie den weiten Weg zur Kirche nicht mehr gehen; doch daf\u00fcr habe ich ihr als ihr getreuer &#8222;Hauskaplan&#8220; oft die heilige Kommunion gebracht. In diesem ihrem letzten Lebensjahr durfte ich ihr also die sch\u00f6nsten Liebesdienste erweisen.<\/p>\n<p>Ich mu\u00dfte zu Hause ein ganzes Jahr lang auf die Ausstellung eines Reisepasses warten. Dabei half ich in der Seelsorge aus und hielt an vielen Orten Lichtbildervortr\u00e4ge \u00fcber Fatima. In D\u00f6rfer und St\u00e4dte wurde ich eingeladen, denn damals war der Fatimagedanke noch eine ziemlich unbekannte Neuigkeit. Das spornte mich schlie\u00dflich noch an, sogar im Rundfunk eine Sendung zu geben. Deshalb schrieb ich ein H\u00f6rspiel unter dem Titel &#8222;H\u00f6rbilder einer Wallfahrt nach Fatima&#8220; (Dauer fast 1 Stunde). Die entsprechenden portugiesischen Lieder, deren Texte in deutscher Poesie zu \u00fcbertragen nicht sehr einfach war, erhielten die authentischen Melodien. Ich streute Volks- und Wallfahrtslieder ein. Endlich, nach harter Arbeit, wandte ich mich an den Leiter des Rundfunks, der es nach \u00dcberpr\u00fcfung gerne annahm. Nun mu\u00dfte. noch die Zeit der Sendung festgesetzt werden. Der Herr bl\u00e4tterte in seinem Kalender: \u201eLeider ist der ganze Februar schon besetzt, und auch der M\u00e4rz!&#8220; Er bl\u00e4tterte weiter. &#8222;Im April ist auch keine Stunde mehr frei. Im Mai &#8211; ja hier geht es noch: am Vorabend vor dem 13. Mai, abends 8 Uhr, w\u00e4re noch eine M\u00f6glichkeit. Ist Ihnen diese Stunde genehm?&#8220; Ich war sprachlos. War das Zufall? Doch bei Gott gibts keinen Zufall. Wenn ich h\u00e4tte w\u00fcnschen d\u00fcrfen, h\u00e4tte ich keinen anderen Tag und keine andere Stunde gew\u00fcnscht. Es ist genau die Zeit, in der in Fatima die gro\u00dfe Feier mit einer m\u00e4chtigen Lichterprozession beginnt. Sofort schrieb ich noch als Einleitung hinzu: &#8222;W\u00e4hrend wir hier an unserem Radio sitzen, flammen in dieser gleichen Stunde in Fatima die Scheinwerfer auf und beginnen dort die Lautsprecher jene Lieder zu singen, die wir jetzt hier in unserer Sendung h\u00f6ren &#8230; &#8220;<\/p>\n<p>M\u00f6gen andere es einen Zufall nennen &#8211; mir aber war es eine Best\u00e4tigung, da\u00df es Gottes Wille ist, Maria immer und \u00fcberall zu verherrlichen. Qui elucidant me, vitam aeternam habebunt &#8211; die mich verherrlichen, werden das Ewige Leben haben (Off. B. V. Mariae).<\/p>\n<p>Das H\u00f6rspiel fand Anklang und mu\u00dfte sp\u00e4ter nochmals wiederholt werden.<\/p>\n<p>Nachschrift:<\/p>\n<p>Primizsegen<\/p>\n<p>Ihr kniet vor mir, der zag den ersten Schritt<\/p>\n<p>In Sions Allerheiligstes getan.<\/p>\n<p>O denkt an Ihn, der f\u00fcr uns alle litt!<\/p>\n<p>Er segne euchl Nehmt siegesfreudig mit<\/p>\n<p>Des Kreuzes Fahne auf des Lebens Bahn!<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>&#8230; und so ward ich Missionar vom Kostbaren Blute, in: Herold 43. Jg., H. 5\/6, November-Dezember 1967, S. 21-24 (Schluss).<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022 und so ward ich<\/p>\n<p>MISSIONAR vom Kostbaren Blute (Schlu\u00df)<\/p>\n<p>Durch die Radiosendungen \u00fcber Fatima bekannt geworden, kamen aus D\u00f6rfern und St\u00e4dten Einladungen, Lichtbildervortr\u00e4ge \u00fcber diesen Wallfahrtsort zu halten. Allerorts war man begierig, die Friedensbotschaft von Fatima zu h\u00f6ren. Dadurch wurden auch wir Missionare vom Kostbaren Blut in weitem Umkreis bekannt.<\/p>\n<p>Endlich kam mein Pa\u00df zur Weiterreise, und das letzte St\u00fcck der R\u00fcckreise in unser Missionskloster konnte angetreten werden. Noch ein letztes &#8222;Lebewohl!&#8220; der Mutter &#8211; es war das letzte f\u00fcr immer -, und fort ging es in schneller Fahrt ostw\u00e4rts, zur\u00fcck zum Ausgangspunkt meiner langen Reise. Verbrannte D\u00f6rfer, zerbombte St\u00e4dte waren die traurigen Wegweiser der hier vorbeigerasten Kriegsfurie. Dann tauchten die vom Krieg verschonten Gegenden S\u00fcdbayerns auf und endlich die massiven Felsen der Alpen, der Wilde und der Zahme Kaiser &#8211; Kufstein.<\/p>\n<p>Es war schon Abend, als ich an der Klosterpforte die Glocke l\u00e4utete. Altbekannte fr\u00f6hliche Gesichter und Stimmen gaben ein herzliches &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott!&#8220;. Nun war ich endlich wieder ganz zu Haus.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg bl\u00fchten die Volksmissionen allerorts wieder neu auf. Nun konnte fortgesetzt werden, was ich schon 1927 begonnen und durch eine traurige Zeit unterbrechen mu\u00dfte. So ward ich also wieder ganz Volksmissionar. Dieser sch\u00f6ne Beruf, der es mir schon in der Jugendzeit angetan hatte, ihn liebte ich, f\u00fcr ihn lebte ich. Mit einer Mission in meiner Heimat vor vielen Jahren, ich war noch jugendlicher Student, fing es f\u00fcr mich an. Auf der Kanzel stand der Mann mit dem gro\u00dfen Kreuz. Das gefiel mir. Zur Schlu\u00dfsegnung kn\u00fcpfte ich mir selber ein \u00e4hnliches unter die Bluse. &#8211; Die Jugend ahmt bekanntlich gerne nach, was ihr imponiert. Doch ich ahnte damals noch nicht, da\u00df auch ich nur ein paar Jahre sp\u00e4ter ein solches \u00f6ffentlich mit Stolz tragen werde. Schnell war es zur Wirklichkeit geworden. &#8211;<\/p>\n<p>Von Tirol aus also zogen wir Missionare hinaus in die deutschen Lande. Unsere Gruppe war zwar klein, aber um so mehr sollte sie Elite sein. Wir hatten deshalb unter uns den Grundsatz aufgestellt: &#8222;Missionsgesetz Nr.1 ist: h\u00f6chste mitbr\u00fcderliche Liebe und Zuvorkommenheit untereinander.&#8220; Und so gab es unter uns nie ein hartes Wort oder einen unbeherrschten Charakter. Und Gott gab uns auch gleich die Antwort: Kardinal Faulhaber sagte damals zu seinen Pfarrern: &#8222;Wenn Sie eine besonders gute Missionsgruppe haben wollen, dann nehmen Sie die vom Kostbaren Blut.&#8220; Der Eifer trieb zum H\u00f6chsten an. Beichth\u00f6ren und Anbetung die ganze Nacht hindurch. Bis Mitternacht die Frauen, nach Mitternacht Burschen und M\u00e4nner. Wir sa\u00dfen im Beichtstuhl und rangen in f\u00fcrchterlichem Kampf mit Schlaf und M\u00fcdigkeit. Gar manches Beichtkind mag es uns verziehen haben, wenn unsere Zuspr\u00fcche nicht mehr ganz logisch klangen. Wenn dann aber in diesen Nikodemusn\u00e4chten solch ein &#8222;Nikodemus&#8220; kam: &#8222;Entschuldigen Sie, Herr Pater, da\u00df ich vom Beichten nichts mehr wei\u00df, denn meine letzte war vor 20 Jahren oder mehr&#8220;, dann ist man wieder ganz aufgewacht, dann wu\u00dfte man, wof\u00fcr<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>wir Missionare geworden. Berufsfreuden! Doch meistens hatte der Beichtende selber die gr\u00f6\u00dfte Freude. So kam z. B. eine Frau, die in ung\u00fcltiger Ehe lebte, noch in sp\u00e4ter Abendstunde in den Beichtstuhl. Dann eilte sie sofort nach Hause und weckte ihren schon schlafenden Mann. Der mu\u00dfte sofort aufstehen und mitkommen. &#8222;Herr Pfarrer, wir wollen uns heute noch trauen lassen!&#8220; &#8211; &#8222;Aber, liebe Frau&#8220;, entgegnete der Pfarrer, &#8222;es ist doch \u00bd 11 Uhr vor Mitternacht!&#8220; &#8211; &#8222;Der Missionar hat mir gesagt, sobald wir verheiratet sind, k\u00f6nnen wir zur heiligen Kommunion gehen. Wir m\u00f6chten doch morgen zu gerne schon dabeisein.&#8220;<\/p>\n<p>Au\u00dfer Beichtstuhl und Kanzel besch\u00e4ftigte uns vor allem die &#8222;Hausmission&#8220;, d.h. der Besuch der einzelnen Familien. Ganze Stra\u00dfenz\u00fcge in den Gro\u00dfst\u00e4dten, ganze D\u00f6rfer auf dem Lande wurden von uns durchgek\u00e4mmt.<\/p>\n<p>Die sorgf\u00e4ltig vorbereitete Pfarrkartothek zeigte uns jedes Haus und jede Person an. Farbe, Zahlen, Buchstaben und unsere eigenen Spezialzeichen auf den Karten lie\u00dfen uns mit einem Blick erkennen, mit wem wir es zu tun haben. Die &#8222;Edelchristen&#8220; waren dann sehr erstaunt, da\u00df sie uns keine M\u00e4rchen erz\u00e4hlen konnten. Die Abgefallenen, die Ausgetretenen oder die sonstwie Hartgesottenen waren unsere besonderen Lieblinge. Die erste Begegnung an der T\u00fcr war nat\u00fcrlich immer der kritischste Moment. Hineinzukommen &#8211; das war die Kunst. Daf\u00fcr hatten wir ein approbates Mittel, n\u00e4mlich h\u00f6chste Freundlichkeit und aufrichtiges Wohlwollen.<\/p>\n<p>Viele Verhetzungen gegen die Kirche kommen von der politischen Seite her. Aber noch mehr ist es das gedankenlose Nachschwatzen von Phrasen, die man zwar selbst nicht recht glaubt, aber zum \u00e4u\u00dferen Entschuldigen wohl brauchbar erscheinen. Ich hatte zum Grundsatz: zuerst mit gro\u00dfer Geduld diesem Gerede zuh\u00f6ren und ganz ausschimpfen lassen. Dann erst ergreife ich selber die Offensive, immer st\u00e4rker, immer energischer. Dabei mu\u00df ich meinen Freund stets sehr genau beobachten: Hat ein Satz ihm zu stark &#8222;auf den Deckel geklopft&#8220; &#8211; ich sehe es ihm am Gesicht an -, mu\u00df ich wieder<\/p>\n<p>22<\/p>\n<p>zur\u00fcckstoppen. Dann wieder erfolgt erneuter Angriff. Es ist ein geistiges Duell; doch es macht mir Spa\u00df, so k\u00e4mpfend die Sache Gottes zu vertreten. Wenn das Rededuell am hitzigsten wurde, legte ich meinem Gegen\u00fcber unerwartet die Hand freundlich auf die Schulter und sagte \u00fcberraschend in ruhigem leisem und g\u00fctigem Ton: &#8222;Wissen Sie was, Sie kommen heute abend in den Beichtstuhl, links r\u00fcckw\u00e4rts neben der T\u00fcr, dort reden wir weiter.&#8220; Viele, sehr viele hat so die G\u00fcte \u00fcberw\u00e4ltigt. Manchmal nur noch ein kurzes Str\u00e4uben: &#8222;Nicht heute abend, aber morgen bestimmt werde ich dort sein.&#8220; &#8211; Und Gottes Gnade hat wieder gesiegt .<\/p>\n<p>Ich gehe zur n\u00e4chsten T\u00fcr ~ und das Ganze beginnt von neuem.<\/p>\n<p>Mir ist bei all diesen vielen Hausbesuchen aufgefallen, da\u00df die Vorw\u00fcrfe, die man gegen uns vorbringt, nur sehr wenige sind, kaum ein halbes Dutzend; \u00fcberall das gleiche Gerede von T\u00fcr zu T\u00fcr. Diese erm\u00fcdende Eint\u00f6nigkeit dieser &#8222;Teufelslitanei&#8220; geht einem so sehr auf die Nerven, da\u00df es fast zum Verzweifeln ist. Doch hie und da wieder kommen auch andere Vorw\u00fcrfe dazwischen, deren Unlogik fast einem Witz gleichkommt. &#8222;Warum sind Sie aus der Kirche ausgetreten?&#8220; &#8211; &#8222;Weil zu Weihnachten die katholische Karitas uns nur vier Meter Stoff geschenkt hat, dem Nachbar aber sechs Meter.&#8220; Ein anderer sagte mir: &#8222;Ich bin ausgetreten, weil die Kirchensteuer mir zuviel war.&#8220; &#8211; &#8222;Wieviel zahlten Sie denn?&#8220; &#8211; ,,2.50 Mark.&#8220; .. &#8211; W\u00e4hrend er das sagte, kam schnurrend ein pr\u00e4chtiger Angorakater herein. &#8222;Ein sch\u00f6ner Kerl!&#8220; sagte ich. &#8211; &#8222;Hat mich auch viel Geld gekostet.&#8220; &#8211; &#8222;Wieviel?&#8220; &#8211; ,,90 Mark hab ich f\u00fcr ihn gezahlt.&#8220; &#8211; &#8222;So, 90 Mark f\u00fcr die Katz, das konnten Sie bezahlen, aber 2.50 Mark f\u00fcr die Kirche, das ist Ihnen zuviel!&#8220;.<\/p>\n<p>Einmal traf ich einen Mann, der irgendwie krank auf einer Pritsche auf dem Boden lag. Als er meiner ansichtig wurde, sch\u00e4umte er auf und fluchte f\u00fcrchterlich. Fast in jedem Satz kam das Wort Teufel vor. Ich war deshalb \u00fcberzeugt, da\u00df er irgendwie eine Besessenheit des Teufels hatte. Ruhig. schaute ich ihn an. Dann faltete ich die H\u00e4nde, sprach den Exorzismus und gab ihm den Segen. Daraufhin wurde er auffallend ruhiger.<\/p>\n<p>Ja, das ganze Missionsleben ist schlie\u00dflich nichts anderes als der sichtbare Kampf Gottes mit der Unterwelt. Und wir Priester d\u00fcrfen dabei Gottes Stellvertreter sein. Es ist ein herrlicher, ja vielleicht der ehrenvollste Kampf, dem sich ein Mensch verschreiben kann. Darum ward ich geworden ein Missionar vom Kostbaren Blut.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Lieber Heroldleser!<\/p>\n<p>Es ist schon lange her, da\u00df ich mit dieser Artikelserie begonnen. Meine Absichten dabei waren: 1. Ich wollte eine kleine Chronologie \u00fcber die Uranf\u00e4nge unserer Deutschen Provinz geben, alles der Wahrheit entsprechend und in m\u00f6glichst anschaulicher Weise. 2. Es war meine stille Absicht, allen jenen, die sich vielleicht zum Priestertum berufen glauben, die Sch\u00f6nheit<\/p>\n<p>23<\/p>\n<p>dieser Berufung und besonders im Missionarsleben das mannigfaltige und oft so interessante Arbeitsgebiet darzustellen. 3. Es war meine Pflicht als Schriftleiter des Herold &#8211; und damit habe ich, P. Adalbert, mich als den Verfasser dieser Artikel jetzt zu erkennen gegeben -, allen meinen lieben Lesern gem\u00fctliche Stunden der Mu\u00dfe zu bieten. 4. Und schlie\u00dflich als letzten und wichtigsten Grund hat es mich gedr\u00e4nqt, Ihm, der auch mich zum Priestertum gerufen, den tiefsten Dank zu bekennen: &#8222;Dem K\u00f6nig der Ewigkeit, dem unverg\u00e4nglichen, unsichtbaren, allein wahren Gott sei daf\u00fcr Ehre und Lobpreis in alle Ewigkeit!&#8220; (1 Tim 2.)<\/p>\n<p>So w\u00fcnscht nun zum Schlu\u00df allen lieben Lesern eine<\/p>\n<p>gnadenreiche Weihnacht<\/p>\n<p>und<\/p>\n<p>Gottes Segen im neuen Jahr<\/p>\n<p>&lt;Bild Adalbert Stummbillig&gt;<\/p>\n<p>Euer Schriftleiter<\/p>\n<p>Ebenso herzliche W\u00fcnsche entbieten der ganzen Heroldgemeinde<\/p>\n<p>Die Missionare vom Kostbaren Blute<\/p>\n<p><a title=\"Texte vom und zum Missionar\" href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wadgasser-geistliche\/adalbert-stummbillig\" target=\"_self\">Mehr zu Adalbert Stummbillig<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adalbert Stummbillig, Autobiographie Ver\u00f6ffentlicht in: Herold des kostbaren Blutes. 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