{"id":449,"date":"2011-06-07T13:56:03","date_gmt":"2011-06-07T12:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=449"},"modified":"2015-05-14T13:59:16","modified_gmt":"2015-05-14T11:59:16","slug":"ostbevern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/preussen\/westfalen\/ostbevern","title":{"rendered":"Ostbevern"},"content":{"rendered":"<h3>Entwicklung des Amtes Ostbevern im 19. Jahrhundert<\/h3>\n<p>&lt;Vortrag vor dem Heimatverein Ostbevern, M\u00e4rz 2003&gt;<\/p>\n<p>von Prof. Dr. Peter Burg<\/p>\n<p><strong>I. Vorgeschichte des Amtes (1800-1844)<\/strong><\/p>\n<p>Das Amt Ostbevern, das sich aus den Gemeinden Ostbevern, Milte und Einen zusammensetzte, gab es in dieser Konstellation seit 1832. Ein Blick in die Vorgeschichte ab 1800, vor allem bis zum Jahre 1816, zeigt st\u00e4ndige Gebietsreformen in administrativer Hinsicht. Am Anfang stand die Verwaltung im F\u00fcrstbistum M\u00fcnster, die nach einem jahrhundertelangen Bestand infolge der S\u00e4kularisation ihr Ende fand. Preu\u00dfen trat nach der Entmachtung und Enteignung der Kirche 1802\/1803 das Erbe an und st\u00fclpte sein eigenes Verwaltungssystem \u00fcber das sogenannte Erbf\u00fcrstentum M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Die Ausgangslange in f\u00fcrstbisch\u00f6flicher Zeit war folgende: Der geistliche Staat war in \u00c4mter sehr unterschiedlichen Umfangs gegliedert, mit Drosten an der Spitze. Im Amt Wolbeck, einem der gr\u00f6\u00dften Bezirke, der die Landeshauptstadt M\u00fcnster in f\u00fcrstbisch\u00f6flicher Zeit weitr\u00e4umig umgab, lag das Kirchspiel Ostbevern. Zum relativ kleinen Amt Sassenberg geh\u00f6rten Milte und Einen. Gerichtsherr \u00fcber Ostbevern war Graf von Droste zu Vischering Erbdroste, Eigent\u00fcmer des Rittergutes Bevern, \u00fcber Milte und Einen die Freiherren von Ketteler und Korff.<\/p>\n<p>Die administrative Trennlinie blieb erhalten, als Preu\u00dfen das \u00f6stliche M\u00fcnsterland im Jahre 1804 in Kreise gliederte. Ostbevern fiel an den Kreis M\u00fcnster, Milte und Einen wurden dem Kreis Warendorf zugeordnet. Bei der zweiten Kreisbildung, die schon 1806 erfolgte, gelangte Ostbevern zusammen mit Westbevern sowie Stadt und Kirchspiel Telgte an den vergr\u00f6\u00dferten Kreis Warendorf. Jetzt waren die drei Einzelgemeinden erstmals gemeinsam Bestandteil der unmittelbar \u00fcbergeordneten Verwaltungseinheit<\/p>\n<p>Die erste preu\u00dfische Herrschaftszeit dauerte infolge der napoleonischen Eroberungspolitik nicht lange. Anstelle des preu\u00dfischen K\u00f6nigs traten noch im Jahre 1806 franz\u00f6sische Herrscher mit dem Titel eines Gro\u00dfherzogs von Berg. Nach einer \u00dcbergangszeit wurde im Jahre 1808 das franz\u00f6sische Verwaltungssystem eingef\u00fchrt: Departements, Arrondissements, Kantone, Mairien. Gemeinsam war den drei Gemeinden die Zugeh\u00f6rigkeit zum Arrondissement M\u00fcnster im Departement der Ems, doch die Zuordnung zu Kantonen ging auseinander. Die Kantone waren Musterungsbezirke, Friedensgerichtsbezirke und Wahlbezirke, keine Verwaltungsbezirke im engeren Sinne. Im Kanton Telgte bildete Ostbevern mit Westbevern eine Mairie, w\u00e4hrend Einen Bestandteil der Mairie Telgte wurde, Milte hingegen im Kanton Sassenberg mit der Mairie F\u00fcchtorf zusammenging.<\/p>\n<p>Maire in Ostbevern war der ritterb\u00fcrtige Friedrich Clemens Freiherr von Elverfeldt gen. Beverf\u00f6rde-Werries. Er blieb bis Februar 1814 im Amt. Es ist ein Ausdruck der Akzeptanz der neuen Landesherrschaft darin zu sehen, dass der Altadelige dieses Amt \u00fcbernahm. Der preu\u00dfischen Besitzergreifung 1802\/1803 hatte der m\u00fcnsterl\u00e4ndische Adel wie die gesamte Bev\u00f6lkerung sehr reserviert gegen\u00fcbergestanden.<\/p>\n<p>Als Frankreich Norddeutschland 1810 annektierte, wurde Ostbevern Hauptort eines Kantons im Arrondissement Osnabr\u00fcck des Oberemsdepartements, und in diesem Kanton waren die drei Gemeinden Ostbevern, Einen und Milte wieder vereint. Sie bildeten jeweils eine eigene Mairie und waren als solche relativ klein. Als Hauptort eines Kantons, der im Nordwesten Greven und im Nordosten Glandorf und Averfehrden einbezog, erreichte Ostbevern den gr\u00f6\u00dften Radius in seinen administrativen Funktionen. Doch auch dieser Status hatte keine lange Dauer, er wurde mit den Befreiungskriegen 1813\/14 beendet. Die Kantone wurden aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Am 9. Februar 1814 ernannte die preu\u00dfische provisorische Regierungskommission Notar Heinrich Burlage aus Telgte zum B\u00fcrgermeister von Ostbevern, zust\u00e4ndig auch f\u00fcr Westbevern, Kirchspiel Telgte n\u00f6rdlich der Ems und Einen, Gemeinden, die zum Kaiserreich Frankreich geh\u00f6rt hatten. Das Gebiet wurde alsbald administrativ neu aufgeteilt.<\/p>\n<p>Am 2. Mai 1815 schrieb die Regierungskommission an den Landrat, dass der vormalige Sekret\u00e4r des B\u00fcrgermeisters zu Roxel, Friedrich H\u00fcger, an die Stelle von Burlage in Ostbevern treten sollte, vorbehaltlich der Erf\u00fcllung der Landwehrpflicht. Er sollte seinen Wohnsitz in Ostbevern nehmen. Am 11. Mai 1815 \u00fcbernahm H\u00fcger die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung (Amtszeit 1815-1829), die bis 1818 auch noch das Kirchspiel Westbevern einbezog.<\/p>\n<p>Nach der Wiederherstellung des Kirchspiels Telgte und der Kreisbildung im Jahre 1816, bei der Westbevern dem Landkreis M\u00fcnster zugeordnet wurde, schloss die B\u00fcrgermeisterei Ostbevern neben dem eigenen Kirchspiel zun\u00e4chst nur noch Einen in seinen Verwaltungsbezirk ein, bis 1832 nach der Aufl\u00f6sung der B\u00fcrgermeisterei F\u00fcchtorf Milte hinzukam. Alle drei Gemeinden bildeten aber einen Bestandteil des Kreises Warendorf. Diese Zugeh\u00f6rigkeit hat sich dann bekanntlich bis heute gehalten.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrgermeistereiverfassung stand in Tradition zur franz\u00f6sischen Mairieverfassung. Die kommunalen Funktionstr\u00e4ger wurden von den vorgesetzten Beh\u00f6rden bzw. der Regierung ernannt, nicht gew\u00e4hlt. Auch die Bildung einer Samtgemeinde war ein franz\u00f6sisches Erbe und in den Provinzen im Osten Preu\u00dfens nicht \u00fcblich. Der B\u00fcrgermeister war alleinverantwortlicher Beamter. Er unterstand der unmittelbaren Aufsicht des Landrats.<\/p>\n<p>Im Kreis Warendorf wies die Gemeinde Ostbevern mit 6.373,7 ha die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4che auf, gefolgt vom Kirchspiel Harsewinkel mit 5.421,1 ha und Everswinkel mit 5.089,2 ha. Die kleinste Ausdehnung unter den Landgemeinden hatte Einen mit 892,8 ha, so dass die gr\u00f6\u00dfte und die kleinste Gemeinde in einem Verwaltungsbezirk vereint waren. 3.458,9 ha betrug die Gemarkungsfl\u00e4che von Milte. Die kleinste Gemarkung im Kreis Warendorf \u00fcberhaupt besa\u00df die Titularstadt Harsewinkel mit 38,6 ha.<\/p>\n<p>Am 1. Januar 1830 wurde B\u00fcrgermeister Heinrich Anton Nacke aus Werne mit 300 (14. Dezember 1831 erh\u00f6ht auf 400) Talern Gehalt zum Nachfolger H\u00fcgers ernannt. Nacke veruntreute Geld in Ostbevern, wie schon zuvor als B\u00fcrgermeister von Ahlen. Der Landrat schlug 1834 vor, dass Nacke zur Schuldentilgung f\u00fcr 10 Monate nur die H\u00e4lfte seiner Bez\u00fcge gew\u00e4hrt werden sollten und empfahl eine Versetzung. Diese erfolgte auch.<\/p>\n<p>Nachfolger Nackes wurde am 2. Juli 1836 Hauptmann a. D. und bisheriger Beigeordneter zu Sassenberg Clemens August Ostmann von der Leye mit einem Gehalt von 300 Reichstalern. Die Milit\u00e4rpension betrug 200 Reichstaler. Am 25. Januar 1840 kritisierte Landrat Twickel die Schriftfertigkeit des B\u00fcrgermeisters. 1842 wurde er nicht zuletzt wegen Geldunterschlagung des Dienstes enthoben. Das Delikt der Veruntreuung \u00f6ffentlicher Mittel war offensichtlich kein Einzelfall. In der Kreisstadt Warendorf machte sich B\u00fcrgermeister Werner Neuhaus eines \u00e4hnlichen Vergehens schuldig. Einige der kommunalen Spitzenbeamten im Amt Ostbevern waren nicht die besten Leute. Das hatten aber die vorgesetzten Beh\u00f6rden zu verantworten, denn die Besetzung geh\u00f6rte zum staatlichen Machtmonopol.<\/p>\n<p><strong>II. Die Westf\u00e4lische Landgemeindeordnung von 1841<\/strong><\/p>\n<p>Einen wichtigen kommunalpolitischen Einschnitt stellt die Einf\u00fchrung der Westf\u00e4lischen Landgemeindeordnung vom 31. Oktober 1841 dar. Sie erfolgte ganz \u00fcberwiegend in den Jahren 1843\/1844, in Ostbevern am 12. Februar 1844. Die Gemeindeordnung erm\u00f6glichte erstmals die Wahl von Gemeinder\u00e4ten oder Gemeindeverordneten, wie sie in zeitgen\u00f6ssischer Terminologie genannt wurden. Bis dahin waren sie vom Landrat ernannt worden.<\/p>\n<p>Das Wahlrecht besa\u00dfen Hausbesitzer und Steuerzahler, die mindestens 24 Jahre alt waren. Alle drei Jahre schied die H\u00e4lfte der Mitglieder aus. Es gab ein Rotationsprinzip, die per Los ausgeschiedenen Mitglieder konnten wiedergew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>An die Stelle der B\u00fcrgermeisterei trat nach der neuen Landgemeindeordnung der Amtsbezirk, vielfach \u2013 wie bisher \u2013 ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden.<\/p>\n<p>Die Amtm\u00e4nner wurden weiterhin nach Anh\u00f6rung der gutachtlichen Vorschl\u00e4ge der Landr\u00e4te von der Regierung ernannt und \u00fcbernahmen in erster Linie staatliche Aufgaben, die Verwaltung der \u00f6rtlichen Polizei, die Beaufsichtigung und Leitung der Gemeindeangelegenheiten. Sie sollten wie die Landr\u00e4te der Schicht der Gro\u00dfgrundbesitzer entstammen. Die Institution des Amtmanns war zwar als Ehrenamt gedacht, doch die Funktionstr\u00e4ger entwickelten sich fr\u00fch zu Berufsbeamten. 1855 gab es in 244 westf\u00e4lischen \u00c4mtern nur noch 19 Ehrenamtmannsstellen. In Ostbeveren gelangten keine Ehrenamtm\u00e4nner zum Zuge, anders als etwa in Sassenberg oder Freckenhorst, wo Altadelige sich dazu bereit erkl\u00e4rten.<\/p>\n<p>Kandidaten f\u00fcr die Leitung der unteren Verwaltungsbeh\u00f6rde waren vorwiegend vorzeitig aus dem Milit\u00e4rdienst entlassene M\u00e4nner mit einem Ersten juristischen Examen. Die Stellen waren f\u00fcr einen Aufstieg in der Beamtenhierarchie keine Basis, daf\u00fcr w\u00e4re das Zweite juristische Examen erforderlich gewesen. Es gab jedoch infolge der Industrialisierung und ihren sozialen und wirtschaftlichen Begleiterscheinungen Amtsbezirke mit einem unterschiedlichen Anforderungsprofil. Die Bezirksregierung war daran interessiert, f\u00e4hige Amtm\u00e4nner auf schwierigere Posten zu versetzen.<\/p>\n<p>So forderte der Regierungspr\u00e4sident z.B. den Landrat von Warendorf am 7. Juli 1909 auf, geeignete und umzugswillige Amtm\u00e4nner zu benennen. Bis 15. August 1909 sollten Vorschl\u00e4ge und Beurteilungen zugeleitet werden. Daraufhin meldete sich der Amtmann Eichstedt, Oberleutnant a.D., aus Ostbevern. Der Landrat hielt ihn in einer Beurteilung vom 21. September 1910 f\u00fcr geeignet und seinen Weggang f\u00fcr einen Verlust, andererseits aber auch wegen der erst am 16. Oktober 1909 erfolgten Ernennung f\u00fcr verfr\u00fcht. 1913 wurde Eichstedt dann doch wegberufen.<\/p>\n<p>Die Gemeindevorsteher der Einzelgemeinden wurden f\u00fcr 6 Jahre vom Landrat ernannt. Der Landrat oder in seinem Auftrag der Amtmann vereidigte die Vorsteher und ihre Stellvertreter. 1846 stellte die Regierung M\u00fcnster einen Katalog der Mindestanforderungen an Gemeindevorsteher auf: F\u00e4higkeit zur Protokollf\u00fchrung und zum schriftlichen Vortrag sowie zur Abfassung eines Strafbeschlusses, Autorit\u00e4t zur Lenkung einer Versammlung und Leitung einer Diskussion. Der Gemeindevorsteher war ausf\u00fchrendes Organ unter der Aufsicht des Amtsb\u00fcrgermeisters, handhabte die Ortspolizei, verwaltete und \u00fcberwachte den Etat mit diesem. Er hatte keinen Anspruch auf eine Besoldung, wohl auf eine Entsch\u00e4digung der Dienstunkosten. Aus der Mitte der Gemeindevertretungen wurden die Amtsversammlungen bestellt. Mitglieder waren au\u00dferdem die Besitzer von Ritterg\u00fctern. Theoretisch war die Stellung des westf\u00e4lischen Amtmanns schwach, praktisch hingegen stark, da die nur ehrenamtlich t\u00e4tigen Gemeindevorsteher die wachsenden Verwaltungsaufgaben nicht zufriedenstellend l\u00f6sen konnten.<\/p>\n<p>Meistbeerbte, d.h. grundsteuerzahlende Hausbesitzer, besa\u00dfen das aktive und passive Wahlrecht f\u00fcr die Gemeindevertretungen. Blieb ein Rittergut im Ortsgemeindeverband, so geh\u00f6rte der Eigent\u00fcmer zu den geborenen Mitgliedern. Er konnte sich vertreten lassen. Bei Abwesenheit des Amtmanns \u00fcbernahm einer aus ihrer Gruppe den Vorsitz. Hinsichtlich der Polizeiaufsicht waren sie nicht dem Gemeindevorsteher, sondern unmittelbar dem Amtmann untergeordnet. 1850 gingen die Vorrechte vor\u00fcbergehend verloren. Die Gemeindevertretungen waren f\u00fcr alle Haushaltsangelegenheiten zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Auf der Tagesordnung der Revolution von 1848\/49 hatte auch eine Kommunalreform gestanden. Die f\u00fcr den preu\u00dfischen Gesamtstaat verabschiedete Gemeindeordnung vom M\u00e4rz 1850 betonte, noch unter dem Einfluss der Revolution stehend, die Selbstverwaltungsidee. Amtmann und Gemeindevorsteher konnten nunmehr gew\u00e4hlt werden. Ein langfristiger Erfolg der Reform scheiterte am Widerstand der ostelbischen Grundbesitzer, die erstmals in ihren Gebieten mit Samtgemeinden konfrontiert wurden. Im Juni 1852 setzte die Regierung die weitere Einf\u00fchrung der Gemeindeordnung aus, 1853 erfolgte die Aufhebung des betreffenden Gesetzes. Von den 97 \u00c4mtern des Regierungsbezirks M\u00fcnsters f\u00fchrten 70 die revidierte Ordnung, die bis 1856 G\u00fcltigkeit behielt, ein.<\/p>\n<p>Die Landgemeindeordnung von 1856 trat neben die im gleichen Jahr verabschiedete St\u00e4dteordnung und begr\u00fcndete zusammen mit dieser wieder die vor 1850 schon praktizierte Stadt-Land-Unterscheidung. Beibehalten wurde aus der Kommunalverfassung von 1850 das Dreiklassenwahlrecht.<\/p>\n<p>Die Kreisordnung von 1886 \u00fcbertrug dem Kreisausschuss das Vorschlagsrecht f\u00fcr die Besetzung der Amtsstellen, die Ernennung der besoldeten Amtm\u00e4nner erfolgte fortan nicht durch den Regierungspr\u00e4sidenten, sondern durch den Oberpr\u00e4sidenten. Der Oberpr\u00e4sident f\u00fchrte erstmals zusammen mit der Bezirksregierung die staatliche Aufsicht \u00fcber die kommunale Selbstverwaltung.<\/p>\n<p>Die Kompetenzen in der Besetzungsfrage wurden sorgsam geh\u00fctet.<\/p>\n<p><strong>III. M\u00e4nner der Verwaltung<\/strong><\/p>\n<p>1. Amtsverwaltung und Amtm\u00e4nner in Ostbevern<\/p>\n<p>Das Amt Ostbevern hatte beim Stande von 1843 647 Wohnh\u00e4user mit 3.863 Einwohnern. Alle drei Gemeinden bildeten eigene Pfarreien, Einen und Milte geh\u00f6rten zum Postamt Warendorf, w\u00e4hrend Ostbevern ein eigenes Postamt besa\u00df. Das gesamte Amt unterstand dem Stadt- und Landgericht Warendorf.<\/p>\n<p>Einen, die kleinste Gemeinde, setzte sich zusammen aus dem Kirchdorf\u00a0 und der Dorfbauerschaft gleichen Namens, Milte aus dem Kirchdorf und den 3 Bauerschaften Ostmilte, H\u00f6rste und Beverstrang mit der K\u00f6niglichen Dom\u00e4ne Vinnenberg, dem fr\u00fcheren Benediktinerinnenkloster. Die Gemeinde Ostbevern gliederte sich in das Kirchdorf Ostbevern mit dem Rittergut Bevern (Eigent\u00fcmer Graf von Droste zu Vischering Erbdroste), der Dorfbauerschaft Ostbevern, den Bauerschaften \u00dcberwasser, Lehmbrock, Brock und Schierl sowie Loburg mit dem gleichnamigen Rittergut (Eigent\u00fcmer Freiherr von Beverf\u00f6rde-Werries). &lt;vgl. Tabelle 32&gt;<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung der Landgemeindeordnung am 12. Februar 1844 erfolgte unter dem B\u00fcrgermeister bzw. fortan Amtmann Hermann Kesseler, der zuvor B\u00fcrgermeister in Everswinkel und in Ostbevern ab 1. August 1842 t\u00e4tig war. Kesseler ragte unter den \u00fcbrigen Kollegen hervor. Allerdings war er bei den Vorgesetzten nicht ganz unumstritten. Seit der Revolution von 1848, als der Amtmann den Warendorfer Landrat kritisierte, wurde Kesseler von der Regierung M\u00fcnster kritisch beobachtet. Er war im Mai 1848 als Stellvertreter des Abgeordneten f\u00fcr die Berliner Nationalversammlung, des Pfarrdechanten Johann Hermann Schulte, gew\u00e4hlt worden, und nahm in dieser Funktion im September 1848 f\u00fcr wenige Wochen das Mandat wahr. Meines Wissens handelt es sich um den einzigen Kommunalpolitiker aus Ostbevern, der im 19. Jahrhundert in einem gesamtstaatlichen Repr\u00e4sentativorgan t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Am 13. Mai 1851, in einer Zeit, in der die Revolutionsanh\u00e4nger unter den Druck der vorgesetzten Beh\u00f6rden gerieten, schrieb Kesseler an die Regierung, es werde ihm f\u00e4lschlicherweise zur Last gelegt, dass er 1848 vier Wochen lang als stellvertretendes Mitglied der Nationalversammlung der Linken angeh\u00f6rt habe. In Wirklichkeit habe er sich jedoch dem Zentrum angeschlossen. Bei Beratungen \u00fcber die Gemeindeordnung 1848 habe er den Entwurf der Linken als unsinnig bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Gegner Kesselers im Amt Ostbevern war vor allem Pfarrer Spith\u00f6ver, der dem Amtmann Kirchenfeindlichkeit und Bestechlichkeit vorwarf. Der Pfarrer verfasste am 20. Juni 1851 einen Denunziationsbericht an die Regierung M\u00fcnster. Kesseler blieb Amtmann, konnte aber nicht in Personalunion das Amt des Ortsvorstehers von Ostbevern \u00fcbernehmen. Eine solche Personalunion war gang und g\u00e4be. So war z.B. der Amtsvorsteher von Harsewinkel meist gleichzeitig B\u00fcrgermeister der Stadt Harsewinkel. Einer der langj\u00e4hrigen Gemeindevorsteher von Ostbevern unter wechselnden Amtm\u00e4nnern war um die Jahrhundertwende Hermann Brundieck.<\/p>\n<p>Nach dem Tod des Amtmanns Kesseler am 31. 12. 1877 wollten 24 Gemeindeverordnete dessen Sohn Heinrich als Nachfolger. Ein diesbez\u00fcgliches Gesuch wurde an den Landrat gerichtet, doch der Regierungspr\u00e4sident lehnte wegen fehlender Qualifikation ab.<\/p>\n<p>Auf Kesseler folgten als Amtm\u00e4nner: Piper und am 1. August 1892 der Stadtsekret\u00e4r von Bocholt, Georg Stamm. Am 31. August 1897 wurde Stamm entlassen, weil er nach einer Begr\u00fcndung des Landrat Wrede kein richtiges Verh\u00e4ltnis zu den \u00fcbergeordneten Beh\u00f6rden und Beamten besa\u00df und\u00a0 die Polizeigewalt gegen\u00fcber den Amtseingesessenen nicht richtig handhabte.<\/p>\n<p>Auf diesen schw\u00e4cheren Kollegen folgte nach der Amtsf\u00fchrung durch Koch mit Thier wiederum ein Verwaltungsbeamter, der gro\u00dfe M\u00e4ngel aufwies: er war ein Trinker und psychisch labil. Mit dem oben erw\u00e4hnten Amtmann von Eichstedt gelang den vorgesetzten Beh\u00f6rden wieder ein besserer Griff, doch Eichstedt wurde vom Oberpr\u00e4sidenten am 20. Oktober 1913 in das Amt Bockum-H\u00f6vel im Kreis L\u00fcdinghausen versetzt. Kommissarischer Verwalter in Ostbevern war Amtsanw\u00e4rter Freiherr von Weichs.<\/p>\n<p>Um eine Zahlenvorstellung bez\u00fcglich der Kosten der Amtsverwaltung zu geben:<\/p>\n<p>1910 belief sich der Personal- und Verwaltungskostenetat des Amtes auf 5.230 Mark, der Amtmann erhielt 3.600 Mark, der Sekret\u00e4r 900 Mark, die Miete betrug 300 Mark, die Dienstunkosten beliefen sich auf 350 Mark, f\u00fcr Utensilien wurden 800 Mark bereitgestellt.<\/p>\n<p>III.2 Kreistagsmitglieder aus Ostbevern<\/p>\n<p>Im st\u00e4ndisch gegliederten Kreistag, der seit 1827 tagte, besa\u00dfen aufgrund ihrer Ritterb\u00fcrtigkeit die Besitzer der H\u00e4user Loburg und Bevern ohne eine erforderliche Wahl das Mitgliedschaftsrecht: etwa Friedrich August Freiherr von Elverfeldt gen. Beverf\u00f6rde zu Werries und Graf von Droste Erbdroste aus Darfeld. F\u00fcr die Landgemeinden war zeitweise Amtmann Hermann Kesseler eines von sechs Mitgliedern dieses Standes im Kreistag, sein Stellvertreter war der Wirt Pr\u00f6bsting aus Ostbevern.<\/p>\n<p>Nach der Kreisordnung von 1886\/87 gab es keine geburtsst\u00e4ndische Mitgliedschaft mehr, auch Altadelige bedurften einer Wahl zur Teilnahme an den Kreistag. Sie geh\u00f6rten zur Gruppe der Gro\u00dfgrundbesitzer, die 5 Abgeordnete delegieren durften. Aus dieser Gruppe befand sich Karl Freiherr von Elverfeldt gen. Beverf\u00f6rde-Werries von Haus Loburg in dem Gremium und blieb Mitglied bis zu seinem Tod 1901.<\/p>\n<p>Der Wahlverband der \u00c4mter konnte nach der neuen Ordnung elf, ab 1913 zehn Abgeordnete entsenden. Gegen\u00fcber den alten Kreisst\u00e4nden mit sechs Abgeordneten war dies fast eine Verdoppelung. Stadt und Land wurden in h\u00f6herem Ma\u00dfe als zuvor repr\u00e4sentiert, wenn auch l\u00e4ngst noch nicht ihren Bev\u00f6lkerungsanteilen entsprechend. Das Wahlrecht besa\u00df auf dem Lande wie in den St\u00e4dten ein kleines Gremium, in den Landgemeinden bestehend aus dem Amtmann, den Gemeindevorstehern und den aus allen Ortsgemeinden stammenden Amtsverordneten.<\/p>\n<p>Wiederholt mussten die Landr\u00e4te die Amtm\u00e4nner darauf hinweisen, dass sie ein Wahlrecht besa\u00dfen, auch wenn sie erst eine kurze Zeit die Amtsgesch\u00e4fte f\u00fchrten und von au\u00dferhalb kamen. Die Beh\u00f6rdenleiter zogen sich eine R\u00fcge zu, wenn sie nicht auf der W\u00e4hlerliste standen (z.B. die Amtm\u00e4nner in Everswinkel 1898, in Hoetmar und Ostbevern 1901). Offensichtlich versprachen sich die vorgesetzten Beh\u00f6rde eine Delegation in ihrem Sinne, wenn die Amtm\u00e4nner ihren Einfluss bei der Wahl geltend machen konnten.<\/p>\n<p>Das Amt Ostbevern entsandte zwei Mitglieder in den Kreistag. Im Laufe der Zeit wurden alle Teilgemeinden mit Repr\u00e4sentanten bedacht, die entsandten Mitgliedern mussten nicht dem Kreis der Amtsverordneten angeh\u00f6ren. Der Kolon Dr\u00fcgem\u00f6ller aus Einen, im Kreistag bis 1892,\u00a0 geh\u00f6rte beispielsweise dem Kreis nicht an. Gemeindevorsteher fanden aber den Vorzug, 1901-1913 war Hermann Brundieck, der Gemeindevorsteher aus Ostbevern Mitglied, 1904-1910 Hermann Schr\u00f6er, der Vorsteher aus Einen.<\/p>\n<p>Im Provinziallandtag waren vor und nach der Reform von 1886\/87 Mitglieder der freiherrlichen Familie von Elverfeldt gen. Beverf\u00f6rde-Werries (1858, 1885) vertreten, jedoch keine sonstigen Gemeindemitglieder.\u00a0 In diesen Landtag mussten auch die Ritterb\u00fcrtigen von ihrem Stand gew\u00e4hlt werden. Die Vorrechte entfielen in der Provinzialverfassung von 1886\/87.<\/p>\n<p><strong>IV. Bev\u00f6lkerungsgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>In der Bev\u00f6lkerungsgeschichte verzeichnete das Amt Ostbevern eine Stagnation. W\u00e4hrend sich die Stadt Warendorf von 1818 bis 1910 um das 1,83fache vermehrte, war der Zuwachsfaktor f\u00fcr das Amt Ostbevern nur 1,03, ebenso f\u00fcr Sassenberg. Vergleicht man nur die Jahre 1818 und 1858, so wird gleichfalls ein \u00f6rtliches Schwanken des Bev\u00f6lkerungswachstums erkennbar, denn 1858 lag das Amt Freckenhorst (Zuwachsfaktor 1,65) ganz vorn, das Schlusslicht bildeten die \u00c4mter Sassenberg (0,91) und Ostbevern (0,94), deren Faktoren sogar Verluste indizieren. Um 1850 gab es eine gro\u00dfe Auswanderungswelle nach Amerika. Auch bei Ostbevern ist eine Fernwanderung anzunehmen. Zum anderen gab es die Binnenwanderung in die Zentralen des Bergbaus und der H\u00fcttenindustrie, haupts\u00e4chlich ins Ruhrgebiet. Im Kreis Beckum boten die St\u00e4dte Ahlen und Beckum, aber auch die Gemeinden Ennigerloh und Neubeckum Arbeit. Hier ist ein \u00fcberdurchschnittliches Wachstum zu beobachten. Landgemeinden wie Ostbevern booten offensichtlich ein gro\u00dfes Reservoir an Arbeitskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Bev\u00f6lkerungsdichte innerhalb des Altkreises Warendorf zeigt die erheblichen Unterschiede der Relation von Gemeindefl\u00e4che und Einwohner. (Titular-)St\u00e4dte wie Harsewinkel und Freckenhorst hatten mit 38 bzw. 84 ha sehr kleine Gemarkungsfl\u00e4chen und dadurch (beim Stande von 1910) eine Einwohnerzahl von 2.495 bzw. 2.021 auf einen qkm. Rund 20 Einwohner auf einen qkm wiesen auf der Gegenseite die Gemeinden Dackmar und Velsen auf (so auch 1858). In Ostbevern (2476 Einwohner) lebten 39 Einwohner auf einem qkm. Unter den Landgemeinden ragte Sassenberg mit 142 Einwohnern pro qkm (1.714 Einwohner auf 1.210 ha) in seiner Dichte heraus (1858 110).<\/p>\n<p><strong>V. Verm\u00f6gensschichtung, Steuern<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Pro-Kopf-Besitz von 7,5 Morgen musste im Kreis Warendorf 1 Taler Grundsteuer entrichtet werden, pro Morgen waren dies 0,13 Taler. Der durchschnittliche Besitz\u00a0 wurde vor allem in den Sandgemeinden \u00fcbertroffen: im Amt Ostbevern mit 11,3 Morgen, im Amt Sassenberg mit 9,26.<\/p>\n<p>In der Kreisstadt war jedoch die pro Morgen zu zahlende Grundsteuer mit 0,52 Taler am h\u00f6chsten, gefolgt von Everswinkel, Hoetmar und Freckenhorst mit 0,17, Harsewinkel, Ostbevern und Sassenberg lagen mit 0,10 \/ 0,11 unter dem Schnitt.<\/p>\n<p>Den h\u00f6chsten Grundsteuerbetrag brachte das Amt Beelen mit 5.389 Talern auf, obwohl es nicht \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4che verf\u00fcgte. In den fiskalischen Leistungen folgten die \u00c4mter Sassenberg, Ostbevern und Harsewinkel, entsprechend der Reihenfolge der Amtsbezirksfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Ein Register der Klassensteuer aus dem Jahre 1872 differenziert f\u00fcr Ostbevern die Steuern in sozialer Hinsicht. Danach zahlten die 2 Rittergutsbesitzer in der 1. Klasse Steuern in H\u00f6he von 20 Talern, in den Klassen 2-8 befanden sich 128 Personen der b\u00e4uerlichen Schicht. Je tiefer die Klasse, je h\u00f6her war die Personenzahl. Klasse 2 mit 16 Talern hatte 2 Pflichtige, Klasse 8 mit 4 Talern 54. In den Klassen 9-11 befand sich die kleinb\u00e4uerliche Schicht, in der Landwirtschaft im Nebengewerbe betrieben wurde. Hier gab es 189 Personen, davon wurden 116 mit 1 Taler besteuert. 402 Personen befanden sich in der unterb\u00e4uerlichen Schicht (Tagel\u00f6hner, Gesinde) mit einer Zahlung von 0,5 Talern.<\/p>\n<p><strong>VI. Wirtschaftsverh\u00e4ltnisse<\/strong><\/p>\n<p>Zur B\u00fcrgermeisterei Ostbevern liegt eine f\u00fcr den Landrat erstellte Statistik aus dem Jahre 1837 vor, die den durchschnittlichen Landbesitz bestimmter Betriebstypen auflistet. 33 Kolonate (Schultenh\u00f6fe, Voll- und Halberben) verf\u00fcgten durchschnittlich \u00fcber 41,6 ha, 67 Pferdekotten \u00fcber 11,7 ha, 83 Spatenkotten (ohne Pferdehaltung) \u00fcber 6,6 ha. Ferner gab es 302 klein- und unterb\u00e4uerliche Haushalte.<\/p>\n<p>Von diesen b\u00e4uerlichen Betrieben bzw. Nebenbetrieben hoben sich die Ritterg\u00fcter weit ab: Haus Loburg mit 180,5 ha, Haus Bevern mit 385,2 ha.<\/p>\n<p>185 Familien besa\u00dfen in der B\u00fcrgermeisterei eine Fl\u00e4che von 3.276,7 ha im privaten und 3.185,3 ha im genossenschaftlich genutzten Markenbesitz.<\/p>\n<p>183 H\u00f6fe besch\u00e4ftigten 415 Personen (durchschnittlich 2,3), die 33 Kolonate jedoch allein 198 (durchschnittlich 6), und zwar Knechte, M\u00e4gde und Tagel\u00f6hner.<\/p>\n<p>Im Gewerbe waren 1804 52 Selbst\u00e4ndige mit 21 Gehilfen t\u00e4tig, 1849 waren es 112 Selbst\u00e4ndige und 52 Gehilfen, mehr als doppelt so viel wie zu Jahrhundertbeginn. 1866 ist wiederum ein deutlicher Zuwachs zu erkennen, die Gesamtzahl der Besch\u00e4ftigten betrug 215.\u00a0 Allein die Branche der Zimmerleute erlebte infolge der Beseitigung der Stroh- durch Ziegeld\u00e4cher 1855-1866 eine Steigerung um 60 %. 1849 erreichten die Weber mit 31 die h\u00f6chsten Ziffern, Kr\u00e4mer gab es 19, Schneider 15 und 7 Gehilfen. Die Handwerker arbeiteten meist bei Einwohnern im Tagelohn. Der Lohn betrug bei voller Kost 3 bis 6 Silbergroschen pro Tag, so der Stand 1866. Die Handwerker hoben sich sozial vom b\u00e4uerlichen Gesinde ab. Darauf ist wohl der Zuwachs der hier Besch\u00e4ftigten bei einer insgesamt stagnierenden Bev\u00f6lkerungsentwicklung zuruckzuf\u00fchren. 1899 schlossen sich die Handwerker des Amtsbezirkes zu einer Innung zusammen. Die 89 Gr\u00fcndungsmitglieder kamen aus allen drei Einzelgemeinden.<\/p>\n<p><strong>VII. Kommunale Investitionen<\/strong><\/p>\n<p>Das Amt Ostbevern war 1910 bei der Kreissparkasse Warendorf mit 66.634 Mark verschuldet. Die Gemeinde Ostbevern hatte ein Amtshaus errichtet, f\u00fcr das noch 16.473,82 Mark zur\u00fcckzuzahlen waren, 1.004 von 1.100 im Jahre 1904 aufgenommenen Mark waren in den Chausseebau gegangen. 1904 wurden au\u00dferdem f\u00fcr Schulbauten 19.650 Mark als Darlehen aufgenommen und 1906 f\u00fcr die Erweiterung und den Umbau der Schulwohnung und des Pastorats 5.700 Mark\u00a0 Die Gemeinde Milte verschuldete sich 1907 mit 5.000 Mark f\u00fcr einen Schulbau in Beverstrang.<\/p>\n<p>Im Jahre 1904 investierte die Gemeinde Einen allein f\u00fcr den Bau einer Br\u00fccke 8.500 Mark und 1906 nochmals 10.000 Mark.<\/p>\n<p><strong>VIII. Res\u00fcmee<\/strong><\/p>\n<p>Zusammengefasst sind folgende Beobachtungen zur Geschichte des Amtes herauszustellen: Die Regierung entsandte offensichtlich nicht ihre st\u00e4rksten Verwaltungsfachleute nach Ostbevern. Umgekehrt entwuchs kein starkes Interesse zur Beteiligung an \u00fcbergeordneten Repr\u00e4sentativeinrichtungen: vom Kreistag \u00fcber den Provenziallandtag bis zur Zweiten Kammer in Berlin. Ein Hinweis auf schwere Lebensbedingungen liefert die Bev\u00f6lkerungsstatistik: Stillstand im 19. Jahrhundert, Abgabe des \u00dcberschusses in die Ferne und ins Ruhrgebiet. Ein wirtschaftlicher Wandel zeigte sich in der Zunahme der Besch\u00e4ftigten in Gewerben, doch blieb die Landwirtschaft immer dominant. Dabei machte der Sandboden das Wirtschaften sicher nicht leicht. Doch hier milderten die agrartechnischen Fortschritte die Ungunst der nat\u00fcrlichen Bedingungen. Die Investitionen in Schul- und Chausseebauten zeigen das Bestreben, mit der Zeit mitzuhalten.<\/p>\n<p>Eine verwaltungsgeschichtliche Betrachtung wie die vorgetragene kann die F\u00fclle des Lebens nicht erfassen. Zum \u00f6ffentlichen Leben w\u00fcrde etwa das Vereinsleben, insbesondere das Sch\u00fctzenwesen geh\u00f6ren, das sich gro\u00dfer Beliebtheit erfreute,\u00a0 ferner Religiosit\u00e4t, Brauchtum, das politische Abstimmungsverhalten und anderes mehr. Ein Vortrag kann immer nur ein kleines Fenster \u00f6ffnen.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"5\" width=\"614\" valign=\"top\">Tab. 32:   Bestandteile des Amtes Ostbevern (Stand 1843)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Gemeinde<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Ortsteile   \/ Bauerschaften<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">Wohnh\u00e4user   \/ Einwohner<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Ritterg\u00fcter<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Eigent\u00fcmer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Gemeinde   Ostbevern<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Kirchdorf   Ostbevern mit Rittergut<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">90   Wohnh. \/ 519 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Bevern<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Graf von   Droste zu Vischering Erbdroste<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Dorfbauerschaft   Ostbevern<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">91   Wohnh. \/ 480 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   \u00dcberwasser<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">38   Wohnh. \/ 282 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Lehmbrock<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">32   Wohnh. \/ 208 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Loburg mit Rittergut<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">32   Wohnh. \/ 206 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Loburg<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Freiherr   von Beverf\u00f6rde-Werries<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Brock<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">60   Wohnh. \/ 365 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Schierl<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">61   Wohnh. \/ 336 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Gemeinde   Milte<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Kirchdorf<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">52   Wohnh. \/ 245 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Ostmilte<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">47   Wohnh. \/ 301 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   H\u00f6rste<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">41   Wohnh. \/ 233 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Bauerschaft   Beverstrang mit Kgl. Dom\u00e4ne Vinnenberg<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">51   Wohnh. \/ 367 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Gemeinde   Einen<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Kirchdorf<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">15   Wohnh. \/ 81 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\">Dorfbauerschaft   Einen<\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">37   Wohnh. \/ 234 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"105\" valign=\"top\">Amt   Ostbevern<\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"123\" valign=\"top\">647   Wohnh. \/ 3863 Einw.<\/td>\n<td width=\"105\" valign=\"top\"><\/td>\n<td width=\"140\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>B\u00fcrgermeister\/Amtm\u00e4nner Ostbevern<\/p>\n<p>1808-1814 Friedrich Clemens Freiherr von Elverfeldt gen. Beverf\u00f6rde-Werries<\/p>\n<p>1814-1815 Notar Heinrich Burlage aus Telgte<\/p>\n<p>1815-1829 Friedrich H\u00fcger aus Roxel<\/p>\n<p>1830-1836 Anton Nacke aus Werne<\/p>\n<p>1836-1842 Hauptmann a.d. Clemens August Ostmann von der Leye<\/p>\n<p>1842-1877 Hermann Kesseler, vorher B\u00fcrgermeister in Everswinkel<\/p>\n<p>1877-1892 Piper<\/p>\n<p>1892-1897 Georg Stamm, Stadtsekret\u00e4r aus Bocholt<\/p>\n<p>1897-1907 Koch<\/p>\n<p>1907-1909 Thier<\/p>\n<p>1909-1913 Eichstedt<\/p>\n<p>Gemeindevorsteher von Ostbevern<\/p>\n<p>1887 Heinrich Westerloh<\/p>\n<p>1889-1913 Hermann Brundieck<\/p>\n<p>1913-1919 Bernhard Claves, K\u00f6tter<\/p>\n<p><a title=\"Texte zur Geschichte von Westfalen\" href=\"..\/..\/westfalen\" target=\"_self\">Weitere Texte zu Westfalen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwicklung des Amtes Ostbevern im 19. Jahrhundert &lt;Vortrag vor dem Heimatverein Ostbevern, M\u00e4rz 2003&gt; von Prof. Dr. Peter Burg I. 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