{"id":411,"date":"2011-06-06T21:09:25","date_gmt":"2011-06-06T20:09:25","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=411"},"modified":"2015-05-16T15:12:36","modified_gmt":"2015-05-16T13:12:36","slug":"seifenblasen-verpasste-chancen-der-deutschen-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/deutschland\/seifenblasen-verpasste-chancen-der-deutschen-geschichte","title":{"rendered":"Vortr\u00e4ge zur Deutschen Trias"},"content":{"rendered":"<h1>&#8222;Seifenblasen&#8220; oder verpasste Chancen der deutschen Geschichte<\/h1>\n<h3>Die Triaspl\u00e4ne im Lichte der Geschichtsschreibung<\/h3>\n<p>Vortrag von Prof. Dr. Peter Burg an der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena am 2.12.2004<\/p>\n<p>Bevor der Triasbegriff in Relation zum Thema dieses Oberseminars gebracht wird, bedarf er, davon gehe ich aus, einer Definition. Selbst unter Historikern, die sich mit dem 19. Jahrhundert befassen, ist er nicht allzu gel\u00e4ufig. Aus diesem Faktum kann man bereits schlie\u00dfen, dass die Triasbestrebungen\u00a0nicht Gegenstand einer aktuellen Forschungskontroverse sind. Ich nehme vorweg, sie waren dies auch fr\u00fcher nicht.<\/p>\n<p>Zur vorl\u00e4ufigen Definition: Die im Wort &#8222;Trias&#8220; angesprochene Dreiheit bezieht sich auf \u00d6sterreich, Preu\u00dfen und die Gesamtheit der deutschen Klein- und Mittelstaaten, das sogenannte Dritte Deutschland. Dieses suchte durch einen engeren Zusammenschluss, die Bildung einer &#8222;dritten&#8220; Kraft in Deutschland die Doppelhegemonie einzud\u00e4mmen und Eigenst\u00e4ndigkeit zu gewinnen.<\/p>\n<p>Was haben die Triaspl\u00e4ne mit dem Thema des F\u00f6deralismus zu tun? F\u00f6deralistische Vorstellungen spielten auf zwei Stufen eine Rolle: das Verh\u00e4ltnis der dritten Kraft im Bunde zu den deutschen Gro\u00dfm\u00e4chten und die Organisation des Sonderbundes der Klein- und Mittelstaaten untereinander. Gegen\u00fcber den Gro\u00dfm\u00e4chten war ein gleichrangiges Verh\u00e4ltnis intendiert, in Bezug auf die Binnengliederung variierten die Vorstellungen und reichten vom lockeren Zweckb\u00fcndnis bis zum Einheitsstaat.<\/p>\n<p>Im Folgenden geht es, der Thematik des Oberseminars entsprechend, in erster Linie nicht um eine Skizze der Geschichte der deutschen Trias, sondern um eine Vorstellung der Historiographie des geschichtlichen Ph\u00e4nomens. Eine Geschichte der Geschichtsschreibung der deutschen Trias gibt es bislang nicht, so dass ich hier erste \u00dcberlegungen dazu anstelle. Gleichwohl wird die Gliederung meines Werkstattberichts nicht \u00fcberraschen, denn sie leitet sich aus der Realgeschichte ab, aus den gro\u00dfen politischen Kontroversen um die Regelung der deutschen Frage im 19. Jahrhundert. Geschichtliche Richtungsk\u00e4mpfe fanden und finden immer noch eine Verl\u00e4ngerung in der Historiographie, so dass die Triasforschung eine preu\u00dfisch-kleindeutsche, eine \u00f6sterreichisch-gro\u00dfdeutsche und eine gro\u00dfdeutsch-mittelstaatliche Variante kennt. Die letztere, die sich die prim\u00e4r die Triasidee zu eigen gemacht hat, bezeichne ich im Folgenden als die trialistische. Die Spannweite der Wertung dieser Sehwesen reicht von &#8222;Seifenblasen&#8220; bis zu &#8222;verpassten Chancen&#8220; der deutschen Geschichte. Das Etikett der &#8222;Seifenblasen&#8220; stammt, auch das ist keine \u00dcberraschung, von Heinrich von Treitschke. Er ist der Repr\u00e4sentant der kleindeutschen Richtung, der ich mich zun\u00e4chst zuwende.<\/p>\n<h4>I. Die borussische Sicht<\/h4>\n<p>Heinrich von Treitschke (1834-1896) an den Anfang der Geschichte der Triasgeschichtsschreibung zu stellen, ist nicht nur wegen seines nachhaltigen Einflusses auf das deutsche Geschichtsverst\u00e4ndnis, sondern auch von der Chronologie her angebracht. In seiner vielfach aufgelegten, bis 1848 reichenden\u00a0 &#8222;Deutschen Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert&#8220;, hat der geb\u00fcrtige Sachse, der die preu\u00dfische Machtpolitik glorifizierte, die Triasthematik als erster auf breiter Quellengrundlage f\u00fcr die Fr\u00fchzeit des Deutschen Bundes behandelt. Er d\u00fcrfte auch den Begriff der &#8222;Trias&#8220; mit seinem Kapitel &#8222;Die Gro\u00dfm\u00e4chte und die Trias&#8220; in die Wissenschaft eingef\u00fchrt haben, als Chiffre f\u00fcr die verschiedensten Einigungsprojekte im und des Dritten Deutschland. Fr\u00fchere geschichtliche oder publizistische Werke enthalten nur sporadische, bruchst\u00fcckhafte Verweise. Wahrscheinlich ist es auf Treitschke zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die wenigen Handbuchdarstellungen, die die Thematik aufgreifen, gleichfalls auf diese Fr\u00fchphase n\u00e4her eingehen, so Ernst Rudolf Huber, Karl-Georg Faber, Thomas Nipperdey &#8211; ohne dass die Genannten Treitschkes Urteile \u00fcbernehmen. Mein eigenes Triasbuch setzt gleichfalls diesen inhaltlichen Akzent.<\/p>\n<p>Gehen wir nun in medias res, zu einem konkreten Fall, in dem sich die Triasidee in die Realit\u00e4t hinaus wagte und Heinrich von Treitschke zu einem Kommentar herausforderte: F\u00fcr den F\u00f6deralismus und f\u00fcr Mitteldeutschland ist die Artikulation der Triasidee im Streitfall zwischen Preu\u00dfen und Anhalt-K\u00f6then von Interesse. Worum ging es hier? Der preu\u00dfisch-anhaltische Zollstreit begann nach der Verabschiedung des preu\u00dfischen Zollgesetzes vom Mai 1818. Das von Preu\u00dfen umschlossene Herzogtum Anhalt-K\u00f6then beanspruchte die Freiheit der Elbschifffahrt. Die freie Elbschifffahrt h\u00e4tte zur Folge gehabt, dass G\u00fcter in beliebiger Menge nach Anhalt-K\u00f6then eingef\u00fchrt werden konnten. Von dort drohten sie dann unverzollt nach Preu\u00dfen gebracht zu werden. Eine Abwehr w\u00e4re nur durch hohe Zollmauern um das Herzogtum herum m\u00f6glich gewesen, doch diese Folgerung wollte Preu\u00dfen nicht ziehen. Preu\u00dfen behandelte den Durchgangsverkehr nach Anhalt-K\u00f6then wie Einfuhren in das eigene Land, erhob also Au\u00dfenz\u00f6lle. Der 1819 deshalb aufflammende Konflikt f\u00fchrte im Juni 1820 zur Beschlagnahmung eines Schiffes, das nach Anhalt unterwegs war und f\u00fcr dessen Ladung der Schiffseigner die Entrichtung von Abgaben verweigerte. Anhalt-K\u00f6then legte 1821 Beschwerde beim Frankfurter Bundestag ein, um die Freigabe des Schiffes zu erzwingen.<\/p>\n<p>Preu\u00dfen hob den Streit auf eine grunds\u00e4tzliche Ebene. Der Frankfurter Gesandte Goltz erkl\u00e4rte, ein Gerichtsverfahren am Bund eigne sich nur f\u00fcr einen wirklichen Rechtsstreit, nicht aber f\u00fcr einen Interessenkonflikt. Das ist die Ebene, die uns hier interessiert. Im Konflikt zwischen Preu\u00dfen und Anhalt-K\u00f6then standen die Staaten des Dritten Deutschland mehrheitlich hinter Anhalt-K\u00f6then, wobei das Motiv der Wahrung der einzelstaatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t ebenso eine Rolle spielte wie das der St\u00e4rkung der Bundeskompetenzen. Der badische Au\u00dfenminister erwartete, dass nun die &#8222;Gleichheit der Rechte unter den gr\u00f6\u00dferen und kleineren Bundesgliedern ein f\u00fcr allemal&#8220; festgestellt w\u00fcrden. Die preu\u00dfische Unterscheidung zwischen Rechts- und Interessenstreit wurde von dem oldenburgischen Gesandten Berg, dem F\u00fchrer der Kuriatstimme, die die anhaltischen H\u00e4user mitumfasste, als irrelevant zur\u00fcckgewiesen. Die Subsumtion eines Streitfalles unter die eine oder die andere Kategorie stehe nicht im Ermessen eines Beteiligten, sonst w\u00e4re der Willk\u00fcr die Bahn er\u00f6ffnet, um f\u00fcr Rechtsstreitigkeiten jeder Art politische Interessen geltend zu machen. Der bayerische Bundestagsgesandte Aretin erkannte die Kompetenz des Bundestages an, da das bestehende Bundesrecht keinen Unterschied zwischen Rechts- und Interessenstreitigkeiten mache.<\/p>\n<p>F\u00fcr Karl August Freiherr von Wangenheim, den w\u00fcrttembergischen Bundestagsgesandten, war dies ein Paradefall zur Werbung f\u00fcr die Triasidee. Mit Wangenheim, dem Theoretiker der Trias in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, l\u00e4sst sich\u00a0 ein Bogen zu Th\u00fcringen schlagen, entstammte er doch einem alten th\u00fcringischen Adelsgeschlecht. Er wurde 1773 in Gotha als Sohn eines Generals geboren und begann seine berufliche Laufbahn als Rat der coburg-saalfeldischen Regierung. Im Jahre 1806 wechselte er in w\u00fcrttembergische Dienste. Nach seiner Entlassung im Jahre 1823 lebte er zun\u00e4chst in Dresden, dann in Coburg. Nach der Revolution von 1848 gab er seine wichtigsten Schriften zur Trias, darunter Akten aus seiner Zeit als Bundestagsgesandter in Frankfurt heraus.<\/p>\n<p>Eine Wendung des Anhalt-K\u00f6thener Streitfalles ins Grunds\u00e4tzliche lag Wangenheim. W\u00e4hrend der sp\u00e4tere preu\u00dfische Au\u00dfenminister Johann Ancillon im Herzog von Anhalt-K\u00f6then nur einen &#8222;gro\u00dfen Schleichh\u00e4ndler&#8220; sah, ging es nach Ansicht des w\u00fcrttembergischen Gesandten um die Frage, &#8222;ob wir einen Bund oder eine societatem leoninam haben sollen&#8220;, die L\u00f6wengesellschaft ist dabei so verstanden, dass der L\u00f6we eine Gefahr f\u00fcr die \u00fcbrigen Gruppenmitglieder darstellt. Wangenheim wollte den Bundestag als Forum einer freien Beratung und Beschlussfassung verstanden und behandelt sehen. Er unterstellte auch den \u00fcbrigen Regierungen der Klein- und Mittelstaaten den Wunsch, &#8222;sich von jeder despotischen Leitung der gr\u00f6\u00dferen M\u00e4chte emanzipieren und eine ebenso w\u00fcrdige als sichernde Stellung im Bunde nehmen zu k\u00f6nnen&#8220;. Ein Musterstaat, sprich W\u00fcrttemberg, sollte in der Rechtsaufkl\u00e4rung vorangehen. Der Streitfall schien eine Chance zu bieten, diese Idee zu realisieren. Das Resultat war jedoch ein Desaster, unter dem Druck der Gro\u00dfm\u00e4chte wurden die trialistisch gesinnten Gesandten 1823 entlassen. Die freie Beratung eines Streitfalles vor dem Bundestag ohne R\u00fcckendeckung wenigstens einer der beiden deutschen Gro\u00dfm\u00e4chte sollte k\u00fcnftig zu einer Rarit\u00e4t werden. Ein F\u00f6deralismus, der seinen Namen verdient, h\u00e4tte diese freie Beratung aushalten m\u00fcssen. Der konkrete Streitfall l\u00f6ste sich nach einigen Jahren, 1828 schlossen sich Anhalt-K\u00f6then und Anhalt-Dessau dem preu\u00dfischen Zollsystem an.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Heinrich von Treitschke: Nach seinem Urteil war in den Jahren 1819 bis 1822 eine Anarchie am Bundestag eingerissen, die unm\u00f6glich weiterdauern konnte. Das Gutachten Wangenheims \u00fcber den Streitfall Anhalt-K\u00f6then\/Preu\u00dfen stelle den Schmuggel des Herzogtums auf die gleiche Stufe wie die Handelspolitik Preu\u00dfens. Dem w\u00fcrttembergischen Gesandten gen\u00fcge, dass der Buchstabe des Bundesrechts gegen Preu\u00dfen sprach. Treitschke stellt die f\u00fcr ihn rhetorische Frage: &#8222;Wer konnte auch im Ernst glauben, dass Preu\u00dfen einem Bundesbeschlusse sein Zollsystem opfern w\u00fcrde?&#8220; Wenn es um preu\u00dfische Interessen geht, relativiert Treitschke selbst die G\u00fcltigkeit des Bundesrechts, ganz wie es ein Otto von Bismarck getan hat. Wangenheim unterstellte er &#8222;kleinstaatliche Gro\u00dfmachtstr\u00e4ume&#8220;, sprach von einem &#8222;Ungest\u00fcm seines Feuergeistes&#8220;, von &#8222;Irrg\u00e4ngen&#8220; einer ihm heiligen Politik, von &#8222;Seifenblasen&#8220;, die er &#8222;Tag f\u00fcr Tag&#8220; in die Luft steigen lie\u00df. Gen\u00fcsslich zeichnet er den Weg der Seifenblasen nach: Wangenheim freue sich kindisch, wenn sie eine Weile goldig in der Sonne glitzerten, blieb aber auch ebenso seelenvergn\u00fcgt, wenn sie platzten. Andererseits gesteht er ihm &#8222;ehrlichen Patriotismus&#8220; zu &#8211; f\u00fcr Treitschke sehr wichtig &#8211; und lobte seine Mitarbeit im Ausschuss des Bundestages f\u00fcr Beschwerden und Petitionen, weshalb er in Wien als Demagoge verd\u00e4chtigt wurde.<\/p>\n<p>Treitschkes Kapitel\u00fcberschrift &#8222;Die Gro\u00dfm\u00e4chte und die Trias&#8220; zielt nicht auf den Fall Preu\u00dfen\/Anhalt-K\u00f6then, sondern auf die Kongressdiplomatie der Gro\u00dfm\u00e4chte und die Reaktion der Triasanh\u00e4nger auf diese. Auf dem Kongress von Verona, der vom Oktober bis Dezember 1822 stattfand, stand die spanische Revolution, die Vertreibung eines legitimen Monarchen, im Mittelpunkt der diplomatischen Verhandlungen. England stellte sich dabei gegen eine Intervention. Preu\u00dfen, \u00d6sterreich und Russland verabschiedeten im Dezember 1822 ein Rundschreiben, das Spanien als Feind der Grunds\u00e4tze der Heiligen Allianz bezeichnete. Im M\u00e4rz 1823 beschloss Frankreich mit R\u00fcckendeckung der drei Gro\u00dfm\u00e4chte einen Krieg zur Wiedereinsetzung der bourbonischen Dynastie in Madrid. Die Zirkularnote vom Dezember 1822 enthielt Andeutungen, die f\u00fcr die Regierungen des Dritten Deutschland richtungweisend sein sollten. Sie ermahnte zur Aufrechterhaltung des monarchischen Prinzips und wies auf die Verantwortlichkeit der Regierungen hin, keinen falschen Ratschl\u00e4gen, sprich Demagogen, Eingang zu verschaffen. Die Note wurde dem Bundestag in Frankfurt mit der Erwartung einer Danksagung f\u00fcr die vorsorgliche Politik der Gro\u00dfm\u00e4chte vorgelegt. Daraus entspann sich das letzte Gefecht der sogenannten Opposition, mit Wangenheim an der Spitze. Es gab in Stuttgart Bef\u00fcrchtungen vor Verabredungen der Gro\u00dfm\u00e4chte in deutschen Angelegenheiten, insbesondere hinsichtlich einer Beschr\u00e4nkung der Pressefreiheit und dem Bestand der Verfassungen. Metternich, der Lenker der europ\u00e4ischen Politik, war weit entfernt, das vom w\u00fcrttembergischen K\u00f6nig verfochtene Gleichheitsprinzip im Deutschen Bund zu respektieren. Den Abstand der Sichtweisen macht folgendes Zitat von Metternich deutlich:<\/p>\n<p>&#8222;Der gro\u00dfe Karren ist einmal im Lauf und da tun die Kleinen gut daran, sich der Bewegung anzuschlie\u00dfen, sonst laufen sie Gefahr, unter die R\u00e4der zu kommen und \u00fcberfahren zu werden. Dazu bedarf es wahrlich keiner besonderen mechanischen Kenntnisse, aber leider gibt es Menschen, die selbst diese nicht besitzen&#8220;.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Wilhelm von W\u00fcrttemberg besa\u00df dieses Wissen anscheinend nicht. Eine w\u00fcrttembergische Depesche vom Anfang Januar 1823 war eine Kampfansage. F\u00fcr den Deutschen Bund wird der Anspruch erhoben, als Macht erster Ordnung zu europ\u00e4ischen Kongressen hinzugezogen zu werden. Einem Stich ins Wespennest gleich kam der Vorwurf, da\u00df die Gro\u00dfm\u00e4chte das Erbe Napoleons in Europa angetreten h\u00e4tten. Die Depesche sprach den Gro\u00dfm\u00e4chten das Recht ab, f\u00fcr alle Mitglieder der europ\u00e4ischen Staatenfamilie Vertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen. Die Erwartung \u00fcbereinstimmender Meinungen seien Neuerungen in der Diplomatie. Das Ergebnis des Konflikts war nicht eine F\u00fchrungsrolle, sondern eine Isolierung und Dem\u00fctigung W\u00fcrttembergs im Deutschen Bund und die Entlassung aller missliebigen Gesandten unter dem Druck der Gro\u00dfm\u00e4chte, namentlich Metternichs.<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck zu Treitschke: Die &#8222;Epuration&#8220; des Bundestages und die &#8222;Dem\u00fctigung&#8220; W\u00fcrttembergs finden seine volle Billigung. F\u00fcr den preu\u00dfischen Au\u00dfenminister Bernstorff war der K\u00f6nig von W\u00fcrttemberg &#8222;der Tat und der Absicht&#8220; nach ein &#8222;entschiedener Feind des Bundes&#8220;. Die Verst\u00e4ndigung der Vorm\u00e4chte zur Behebung der &#8222;Anarchie&#8220; war begr\u00fcndet. Grundlage f\u00fcr Treitschkes Urteil ist die Sichtweise der Macht. Er unterstellt in diesem Zusammenhang, dass den Deutschen das &#8222;sichere, instinktive Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die wirklichen M\u00e4chte des politischen Lebens&#8220; fehle, er kritisierte die sich aus dem Stimmrecht ableitende Diskrepanz zwischen Recht und Macht in den deutschen Verfassungen des Reiches und des Bundes. &#8222;Schein und Wesen in der Staatskunst&#8220; w\u00fcrden so nicht klar unterschieden.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch sah er aufgrund der &#8222;wahren&#8220; Machtverh\u00e4ltnisse, da \u00d6sterreich in Italien gebunden war, nur Preu\u00dfen in der Lage, die deutschen Grenzen zu verteidigen. Die Milit\u00e4rverfassung des Deutschen Bundes, die unter dem Einfluss Wangenheims die rein deutschen Korps strikt von den europ\u00e4isch-deutschen trennte, trug diesem Faktum nach seiner Meinung nicht Rechnung. Selbstverst\u00e4ndlich rechnete er insbesondere Wangenheim zu den Dilettanten, die die Wahrheit verkannten. Andererseits nimmt er doch auch das Anliegen der Triasanh\u00e4nger wahr, durch Zusammenschluss Macht zu kumulieren, das &#8222;Chaos der troisi\u00e8me Allemagne zu einer Gesamtmacht zu vereinigen&#8220;, wie er mit spitzer Feder formuliert. Der franz\u00f6sische Begriff soll auf eine Neigung zu Frankreich verweisen, das Streben unter nationalem Aspekt diskreditieren, ein Chaos wird konstatiert, der Wille zur Ordnung \u00fcbergangen. Was sollten die Klein- und Mittelstaaten nach Meinung Treitschkes tun? Nicht den Buchstaben des Bundesrechts missbrauchen, sondern sich der von den Gro\u00dfm\u00e4chten beanspruchten und erwarteten Leitung f\u00fcgen. Manche Historiker nennen diese Konstellation einen &#8222;hegemonialen F\u00f6deralismus&#8220;, vielleicht faktisch treffend, aber doch ein schiefer Begriff zu einer Schieflage.<\/p>\n<p>Ein dritter Komplex, bei dem die Triasidee zum Tragen kam und Treitschkes Sehweise deutlich gemacht werden kann, waren die Zollvereinsverhandlungen. Nach Artikel 19 der Bundesakte sollte die Freiheit von Handel und Verkehr auf Bundesebene hergestellt werden. Der Artikel wurde nie umgesetzt, statt dessen kam es zu Zusammenschl\u00fcssen au\u00dferhalb der Bundesinstitutionen. Die Gro\u00dfm\u00e4chte umgaben sich mit Schutzz\u00f6llen, im Dritten Deutschland existierte mal das alte Passier-, mal das Grenzzollsystem, mal favorisierte man den Freihandel, mal den Protektionismus. Preu\u00dfen und \u00d6sterreich verwiesen 1819\/20 auf den Weg direkter zwischenstaatlicher Vereinbarungen, eine Empfehlung, deren Kehrseite sie schnell wahrnahmen, n\u00e4mlich dass sie damit auch die M\u00f6glichkeit einer trialistischen L\u00f6sung anstie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bis zur Gr\u00fcndung des Deutschen Zollvereins von 1834 riss die Kette von Verhandlungen nicht ab. Bis 1828 blieben die s\u00fcd- und mitteldeutschen Staaten weitgehend unter sich. Der politische Impetus war vom Beginn im Jahre 1820 an br\u00fcchig, im Zweifelsfall erhielten die wirtschaftlichen Interessen Vorrang. In der Zolltarifpolitik folgten die Rheinuferstaaten einem freih\u00e4ndlerischen, Bayern und W\u00fcrttemberg einem protektionistischen System. Besonders f\u00fcr W\u00fcrttemberg war das Triasmotiv wichtig, w\u00e4hrend es sonst mal st\u00f6rend, mal stimulierend wirkte. 1828 kam der Bayerisch-W\u00fcrttembergische Verein zustande, dessen Mitglieder auf eine Erweiterung hofften. Metternich arbeitete bereits seit 1820 gegen die Zoll- und Handelsvereinigung des Dritten Deutschland, zumal dieses sich auch hinsichtlich des fortgeschrittenen Konstitutionalismus in den s\u00fcddeutschen Bundesstaaten von den Vorm\u00e4chten abgrenzte. Preu\u00dfen selbst hielt sich in der Kritik zur\u00fcck und griff 1828 selbst in die Vereinsbewegung ein, indem es sich mit Hessen-Darmstadt assoziierte. Im weiteren Rennen um Mitglieder lief der Hohenzollernstaat dem s\u00fcddeutschen Verein den Rang ab. Das Arrangement der Interessen zwischen beiden Vereinen m\u00fcndete in den gro\u00dfen Zollverein, bis 1831 sollte der Main noch die Interessensph\u00e4ren abgrenzen.<\/p>\n<p>Einige Triasanh\u00e4nger hofften auch auf eine Verbindung mit dem Mitteldeutschen Verein von 1828. Metternich steuerte der Ausdehnung des preu\u00dfischen Systems nicht mit vergleichbarer Energie entgegen, wie er es gegen\u00fcber dem s\u00fcddeutschen Verein getan hatte. Er f\u00f6rderte 1828 die Gr\u00fcndung des Mitteldeutschen Handelsvereins, der einen Keil zwischen die beiden anderen treiben und dem Freihandel huldigen sollte. Preu\u00dfen agitierte gegen diesen &#8222;negativen&#8220; oder &#8222;neutralen&#8220; Verein, dessen f\u00fchrende Mitglieder Hessen-Kassel, Sachsen und Hannover waren. Der Verein lie\u00df sich nicht konsolidieren. Der Deutsche Zollverein aber etablierte sich, und zwar dem Stimmrecht nach auf f\u00f6rderalistischen Grundlagen bei unitarischen Einrichtungen wie den Zollgesetzen, der Verwaltung, dem Kontrollsystem. Jedes Mitglied besa\u00df ein Vetorecht. Die Dauer war anders als die des Deutschen Bundes zeitlich begrenzt. Preu\u00dfen konnte seine Hegemonie nur informell aus\u00fcben. In diesem informellen Hegemonie lag eine Analogie zur Bundesverfassung. Dieses Faktum gefiel Treitschke gewiss nicht, wohl aber, dass sich Staaten des Dritten Deutschland mit Preu\u00dfen verbanden und die wirtschaftliche Trias preisgaben.<\/p>\n<p>Treitschke charakterisiert Wangenheims Rolle bei den zun\u00e4chst in Darmstadt abgehalten Zollvereinskonferenzen als &#8222;Unruhe in der Uhr&#8220; &#8211; eine Kostprobe seiner Sprach- und Bildkraft. Unerm\u00fcdlich, so Treitschke, sei Wangenheim von Frankfurt her\u00fcbergeritten, um zwischen den Freih\u00e4ndlern und den Schutzz\u00f6llern zu vermitteln, um den &#8222;politischen Bund des reinen Deutschland&#8220; herzustellen. Wangenheim sprach bevorzugt von &#8222;reinen Deutschland&#8220;, das er auch wegen der gemischt-nationalen Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerungen \u00d6sterreichs und Preu\u00dfens als dritte Einheit verstand. Zwar dr\u00e4ngten sich nach Treitschke die Darmst\u00e4dter Pl\u00e4ne und Gegenpl\u00e4ne wie &#8222;Blasen im brodelnden Wasserkessel&#8220;, dennoch sprach er den Verhandlungen einen positiven Effekt zu. Sie dienten einem L\u00e4uterungsprozess, die unbrauchbaren und traumhaften Gedanken wurden ausgeschieden. Die Teilnehmer lernten ihre wirtschaftlichen Interessen kennen und kamen zu einer &#8218;Erleuchtung&#8216;, n\u00e4mlich dass ein Zollverein ohne Preu\u00dfen unm\u00f6glich war. Erst mit Preu\u00dfen und dem Besitz einer K\u00fcste war nach Treitschke eine lebensf\u00e4hige nationale Handelspolitik realisierbar. Die Zuwendung zu Preu\u00dfen ist die Norm, an der der Historiker richtig und falsch misst. Demzufolge wird der Mitteldeutsche Verein und seine Unterst\u00fctzung durch Metternich heftig kritisiert, &#8222;eine der b\u00f6sartigsten und unnat\u00fcrlichsten Verschw\u00f6rungen gegen das Vaterland&#8220; und wegen der Beg\u00fcnstigung des Au\u00dfenhandels mit dem Rheinbund verglichen.<\/p>\n<p>Treitschke hat mit seiner borussischen Sicht der deutschen Triasidee keine Forschungskontroverse ausgel\u00f6st und auch keine ins Detail gehende Forschung angesto\u00dfen. Die borussisch-kleindeutsche Geschichtsdeutung ist in manchen Elementen, noch zu finden, etwa in der Verfassungsgeschichte von Ernst Rudolf Huber. Man m\u00fcsste den Spuren aber im Einzelnen weiter nachgehen. Mir scheinen diese auch vorzuliegen, wo die Triasbewegung als geschichtliches Ph\u00e4nomen ganz \u00fcbergangen wird. Sie als quantit\u00e9 n\u00e9gligeable g\u00e4nzlich zu \u00fcbergehen, ist die sch\u00e4rfste Form einer Abwertung. In Hans-Ulrich Wehlers &#8222;Deutscher Gesellschaftsgeschichte&#8220; erscheint z.B. weder der Triasbegriff im Sachregister, noch der Name Wangenheims im Personenregister. Dasselbe gilt f\u00fcr Reinhard R\u00fcrups &#8222;Deutschland im 19. Jahrhundert 1815-1871&#8220; und f\u00fcr Sheehans &#8222;Ausklang des Reiches&#8220;. Die von Treitschke initiierte Traditionslinie bedarf wenigstens hinsichtlich der Triasbewertung weiterer Analysen. Mit dieser Andeutung lasse ich es bewenden, um die zweite Sehweise der Trias vorzustellen, die gro\u00dfdeutsch-\u00f6sterreichische.<\/p>\n<h4>II. Die \u00f6sterreichische Sicht<\/h4>\n<p>Als Repr\u00e4sentanten dieser Sichtweise m\u00f6chte ich Heinrich Ritter von Srbik (1874-1951) vorstellen, der zwischen den beiden Weltkriegen ein vierb\u00e4ndiges Werk zur Geschichte der &#8222;Deutschen Einheit&#8220; vorgelegt hat. Sein Anliegen ist es hier, die zentrifugalen wie die zentripetalen Kr\u00e4fte des deutschen Raumes und Volkes darzustellen. Letzten Endes scheiterte der Bund an diametralen \u00fcberpers\u00f6nlichen Faktoren, zu denen er vor allem den Dualismus rechnete. Der \u00f6sterreichische Historiker, der vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, ohne Nationalsozialist zu sein, den Anschlu\u00df \u00d6sterreichs an Hitler-Deutschland 1938 begr\u00fc\u00dfte, stellt in seinem gro\u00dfen Werk zur deutschen Einheit allenthalben Triasprojekte und Triasanh\u00e4nger vor, wobei er den Schwerpunkt auf die Zeit nach 1848 legt, die Zeit des feindlichen Dualismus zwischen Preu\u00dfen und \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>In seiner Beurteilung und Bewertung der deutschen Geschichte vor der Reichsgr\u00fcndung war er viel behutsamer als Treitschke, weniger Politiker, mehr Wissenschaftler. Aus gro\u00dfdeutscher Sicht h\u00e4tte er die Triasbestrebungen positiv bewerten k\u00f6nnen, w\u00e4re doch \u00d6sterreich dadurch nicht aus dem deutschen Raum ausgegrenzt worden. Doch dies geschieht nicht. Statt dessen kommentiert er das Verh\u00e4ltnis folgenderma\u00dfen: Im Grunde h\u00e4tte \u00d6sterreich nur von Fall zu Fall das Zusammenstehen der Mittelstaaten zur Unterst\u00fctzung seiner eigenen politischen Operationen willkommen sein k\u00f6nnen. Die Errichtung eines st\u00e4ndiges Verbandes des dritten Deutschlandes, einer &#8222;dauernden Koalition im Organismus des Bundes&#8220; sah er nicht im Interesse \u00d6sterreichs. Unbeantwortet bleibt dann die Frage: War der Ausschluss \u00d6sterreichs von Preu\u00dfen-Deutschland mehr in seinem Interesse als die Triasl\u00f6sung? Ihr geht Srbik nicht nach.<\/p>\n<p>Die Triasbewegung besa\u00df f\u00fcr Srbik keine eigene sch\u00f6pferische Kraft. Sie habe den gr\u00f6\u00dften Forderungen der nationalfreiheitlichen Bewegungspartei ebenso wenig geben k\u00f6nnen wie \u00d6sterreich, weder eine kraftvolle Exekutive noch ein deutsches Parlament. Nicht die Trias, der friedliche Dualismus war ihm die bessere Option. Deshalb sein Urteil \u00fcber den Deutschen Bund in der Schlussphase seines Bestehens: Der Deutsche Bund sei seit der Feindschaft zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen der F\u00fchrung der Gro\u00dfm\u00e4chte ganz entglitten und seinem inneren Gesetz gem\u00e4\u00df zu einem politischen Faktor eigenen Willens geworden, in dem angesichts der inneren Disharmonie des dritten Deutschland kein Entschluss zustande kommen k\u00f6nne. Dass \u00d6sterreich wie Preu\u00dfen ihren Anteil an dieser Disharmonie hatten, wird nicht konzediert.<\/p>\n<p>Die durchweg versteckte und verhaltene pro\u00f6sterreichische Sicht Srbiks wird in seinen kritischen Worten zur Politik der Doppelmonarchie deutlich. Zur milit\u00e4rischen Niederlage im Jahre 1866 f\u00fchrt er aus:<\/p>\n<p>&#8222;Immer wieder wurde die gewaltige Kraft sichtbar, die der Parlamentsidee im deutschen Volk innewohnte; immer wieder das Fehlen gro\u00dfer begeisternder Kriegsziele auf gro\u00dfdeutscher Seite. Das Kriegsmanifest \u00d6sterreichs sprach nicht ein Wort von Bundesreform und Parlament. Zu dem Fehlen der z\u00fcndenden Idee, die \u00d6sterreich nicht gew\u00e4hren konnte, gesellte sich im dritten Deutschland die politische und milit\u00e4rische Unkraft eines vom Partikularismus zerspaltenen Staatenb\u00fcndels.&#8220;<\/p>\n<p>Schwerste Mitverantwortung schreibt Srbik dann dem Sonderwillen Bayerns zu, das die Verwirklichung des vernunftgebotenen Gedankens verhinderte, den Hauptschlag mit vereinten Kr\u00e4ften und zahlenm\u00e4\u00dfiger \u00dcberlegenheit dort zu f\u00fchren, wo der Hauptfeind stand.<\/p>\n<p>Der Trialismus leitete sich nach Srbik aus dem Deutschen Dualismus ab. &#8222;An eine gesunde L\u00f6sung der deutschen Frage auf weite Sicht&#8220; war nach ihm nicht zu denken, solange die deutsche Staatenwelt nicht als Bundesstaat, als &#8222;politisches Gef\u00e4\u00df der Nation&#8220; existierte und der Dualismus der Gro\u00dfm\u00e4chte Deutschland zerriss. Zwangsl\u00e4ufige Folge war ein Machtkampf, der einen Rivalen aus Deutschland hinausdr\u00e4ngte oder ihn unterordnete. Eine F\u00fchrungsrolle \u00d6sterreichs war f\u00fcr Srbik eine L\u00f6sung, nicht aber der Trialismus. Diese grunds\u00e4tzliche Position bezog er auf alle Anl\u00e4ufe einer Zusammenfassung der Kr\u00e4fte des Dritten Deutschland, von denen einige genannt werden sollen.<\/p>\n<p>Von Srbik wird der zweite Theoretiker der Trias vorgestellt: Julius Fr\u00f6bel. Julius Fr\u00f6bel wurde 1805 in Griesheim bei Stadtilm (Schwarzburg-Rudolstadt) als Sohn eines Pfarrers geboren, stammte also wie Wangenheim aus Th\u00fcringen. Zeitweise lebte Fr\u00f6bel in Jena, 1893 starb er in Z\u00fcrich, dem Herkunftsort seiner Ehefrau. Gelehrter, Politik, Reisender, Konsul des deutschen Reiches, vielseitiger Publizist, so lauten seine Berufsbezeichnungen. Dass ein Triaspolitiker durchaus dem Machtgedanken huldigen kann, ist dessen Schrift &#8222;Deutschland und der Friede von Villafranca&#8220; von 1859 zu entnehmen. Hier sagt er: &#8222;Die deutsche Nation ist der Prinzipien und Doktrinen, der literarischen Gr\u00f6\u00dfe und der theoretischen Existenz satt. Was sie verlangt, ist Macht &#8211; Macht &#8211; Macht! Und wer ihr Macht gibt, dem wird sie Ehre geben, mehr Ehre, als er sich ausdenken kann&#8220;. Dass der Machtgedanke der Triasidee nicht fremd war, wird hier deutlich.<\/p>\n<p>Srbiks Urteil \u00fcber Fr\u00f6bel f\u00e4llt \u00e4hnlich aus wie das Treitschkes \u00fcber Wangenheim, ein Realit\u00e4tssinn wird abgesprochen. Fr\u00f6bel habe, so Sbrik, in der 1848er Revolution als radikaler Demokrat von einer europ\u00e4ischen Staatenrepublik ohne nationale Grenzen und von \u00d6sterreich als dem Mittelpunkt der gro\u00dfen F\u00f6deration freier V\u00f6lker getr\u00e4umt. In Amerika, wohin Fr\u00f6bel emigrierte, sei er zum Realisten geworden und doch ein ans Phantastische grenzender Doktrin\u00e4r geblieben. Er habe sich in die Wirrnis deutscher Bundesreform gest\u00fcrzt, sei seit 1859 der Vork\u00e4mpfer eines neuen &#8222;Reichs deutscher Nation&#8220; mit trialistischer Innengliederung, ein Gro\u00dfdeutscher ohne eigentlich nationale Ader. Die Verwendung von Begriffen wie Traum, Illusion, Phantasie, Kraftlosigkeit, Uneinigkeit, Utopie, Fruchtlosigkeit, Scheingebilde zur Charakteristik der Triasbestrebungen gleicht bei aller Zur\u00fcckhaltung Srbiks doch der Heinrich von Treitschkes. In der Wortwahl werden die Wertungen deutlich.<\/p>\n<p>Nicht vorenthalten m\u00f6chte ich auch Srbiks Urteil \u00fcber die th\u00fcringische Orientierung in der deutschen Frage. Er sieht hier eine &#8222;Steigerung zum Grotesken oder fast zur r\u00fchrenden Idylle deutscher, ja menschlicher Staatslosigkeit&#8220;. An der nat\u00fcrlichen Br\u00fccke zwischen Nord- und S\u00fcddeutschland, dem Herzst\u00fcck des deutschen Raums durchkreuzten sich, so sein Befund, die alte Reichs\u00fcberlieferung, dynastischer Souver\u00e4nit\u00e4tswille ohne Grundlage der Macht, gro\u00dfdeutsche und kleindeutsche Willensrichtungen, Nationalverein und Trias. Es fehlte die raumpolitische Geschlossenheit, und es fehlte den acht durcheinandergew\u00fcrfelten Kleinstaaten ein th\u00fcringisches Einheitsbewu\u00dftsein. Die Bev\u00f6lkerung n\u00f6rdlich des Th\u00fcringer Waldes gravitierte im allgemeinen mehr nach Preu\u00dfen, s\u00fcdlich des Waldes \u00fcberwog die trialistische Gesinnung in der f\u00fchrenden Intelligenzschicht. Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen hatte um 1860 Sympathien f\u00fcr die Trias, Gro\u00dfherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach verlangte eine Gleichordnung der beiden Gro\u00dfm\u00e4chte im Bund und eine Volksvertretung mit zwei Kammern. Den Triasgedanken lehnte er ab. Wie Treitschke bot sich Srbik in der Welt der deutschen Einzelstaaten nur ein Bild des Chaos. Als Ordnungsm\u00e4chte erkannte er nur \u00d6sterreich &#8211; und trotz aller Gegnerschaft &#8211; Preu\u00dfen an.<\/p>\n<p>Ein weiteres Exempel zu Srbiks gro\u00dfdeutsch-\u00f6sterreichischer Sicht: Auch nach 1848 spielte die Triasidee in der Zollvereinsgeschichte eine wichtige Rolle. Die Mitgliedschaft \u00d6sterreichs bildete einen Teil der gro\u00dfdeutschen Programmatik, die der Ministerpr\u00e4sident Felix von Schwarzenberg und der Finanzminister Karl Ludwig von Bruck entwarfen. Aus dem Interesse an einem Gegengewicht gegen die preu\u00dfische Hegemonie im Zollverein war die Mehrheit der Mittelstaaten f\u00fcr die Aufnahme \u00d6sterreichs in den Verein. Auf den Dresdner Konferenzen schlugen Bayern und Sachsen vor, einen Zollbund aller deutscher Staaten anstelle des bestehenden Vereins zu schaffen und so doch noch Artikel 19 der Bundesakte umzusetzen. Preu\u00dfen behandelte den Vorschlag am wiedererrichteten Frankfurter Bundestag dilatorisch. Die unterschiedlichen Zielvorstellungen f\u00fchrten im Zollverein zweimal zu einer Existenzkrise.<\/p>\n<p>Als Preu\u00dfen im September 1851 einen Vereinsvertrag mit Hannover abschloss, war dies f\u00fcr die Mittelstaaten eine Gelegenheit, die Forderung zu stellen, auch den Beitritt \u00d6sterreichs zuzulassen. 1852 bildete sich die Darmst\u00e4dter Konferenz, bestehend aus Bayern, Sachsen, W\u00fcrttemberg, beiden Hessen und Naussau, die bei den anstehenden Vereinsverhandlungen mit Berlin als Einheit auftreten wollte. Die Berliner Regierung k\u00fcndigte den Zollverein auf, um den Vertragspartnern seinen Willen aufzuzwingen. Hannover erkl\u00e4rte sich im Jahre 1852 bereit, mit Preu\u00dfen auch allein einen neuen Zollverein einzugehen, das dadurch eine Landbr\u00fccke zwischen \u00f6stlichen und westlichen Provinzen erhalten h\u00e4tte. Das K\u00f6nigreich Sachsen, sonst an der Spitze der Triasbewegung und politisch \u00d6sterreich zuneigend, wollte sich zugunsten seiner hochentwickelten Industrie nicht von Preu\u00dfen trennen. Die Darmst\u00e4dter Koalition gab alle Druckmittel aus der Hand. Am Ende wurde der Verein f\u00fcr 12 Jahre erneuert, Verhandlungen \u00fcber die gro\u00dfdeutsche Zolleinigung auf das Jahr 1859 verschoben. \u00d6sterreich und Preu\u00dfen schlossen 1853 einen auf 12 Jahre begrenzten Handelsvertrag ab.<\/p>\n<p>Die zweite Zollvereinskrise lief 1862 nach demselben Grundmuster ab. Hier wehrten sich einige Vereinsmitglieder vor allem gegen einen Vertrag mit Frankreich, der die Handelsbeziehungen liberalisieren sollte. Zu den wenigen Bef\u00fcrwortern des Vertrages geh\u00f6rten Sachsen und die th\u00fcringischen Staaten. Politische und wirtschaftliche Motive waren auch diesmal nicht koordiniert.<\/p>\n<p>Dazu nun der Kommentar Srbiks: Der Zollverein besa\u00df, so f\u00fchrte er aus, f\u00fcr die Mitglieder des Dritten Deutschland einen gewaltigen materiellen Wert, stellte aber durch das Fehlen von \u00d6sterreich eine Gefahr f\u00fcr die\u00a0 politische Selbst\u00e4ndigkeit dar. Das Resultat der ersten Zollvereinskrise machte &#8222;Kraftlosigkeit und Uneinigkeit&#8220; offenbar. Die Krise zeigte nach Srbik die Schw\u00e4che der von Beust so eifrig propagierten Triasidee, f\u00fcr Srbik war sie ein Scheingebilde des Beustschen Optimismus. Ein wirtschaftliches Drittes Deutschland bewertete er aus diesen Beobachtungen wie Treitschke als eine \u00f6konomische Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Die zweite Zollvereinskrise bezeichnete Srbik als wirtschaftliches Entscheidungsringen von gewaltiger Tragweite, das mit dem schicksalhaften politischen Ringen um Deutschland verkn\u00fcpft war. Die Rolle des Dritten Deutschland war dabei eine k\u00fcmmerliche. An den \u00f6sterreichischen Politikern kritisierte er, dass sie die enge Verbindung von Wirtschaft und Politik weitgehend untersch\u00e4tzten, einen zweiten Fehler sah er darin, dass die Wiener Hofburg zu sehr auf die Widerstandskraft der Mittelstaaten gegen Preu\u00dfen baute. \u00c4hnlich wie Treitschke greift er zu Bildern: &#8222;Das Phantom der Trias zerfloss wieder wie Nebel in der Sonne.&#8220; Julius Fr\u00f6bel pochte in dieser Zeit vergeblich bei \u00f6sterreichischen Politikern an, um f\u00fcr die Triasidee zu werben.<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichisch-gesamtdeutsche Sicht ist auch nach Srbik vornehmlich in \u00d6sterreich, etwa bei Fritz Fellner und Helmut Rumpler, zu finden. Trotz aller Selbstkritik wird die Reichsgr\u00fcndung als Niederlage gesehen und der Erfolg des von Bismarck gegr\u00fcndeten Nationalstaats in Frage gestellt. Zu einer positiven Bewertung der Triasbestrebungen gelangt diese Sehweise nicht. Auch die \u00f6sterreichische Sicht hat keine Forschungskontroverse ausgel\u00f6st, obwohl Helmut Rumpler dies vor rund drei Jahrzehnten in einer Gegen\u00fcberstellung von Beust und Bismarck in einem illustren Historikerkreis versucht hat.<\/p>\n<h4>III. Die trialistische Sicht<\/h4>\n<p>Die dritte Sichtweise ist die der Sympathisanten der Trias, die Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Interessen der Staaten und Politiker des Dritten Deutschland aufbringen. Wissenschaftlich handelt es sich haupts\u00e4chlich um landesgeschichtlich ausgerichtete Arbeiten. Hier wird die meiste Forschungsarbeit geleistet. Im Laufe der Jahrzehnte ist die einschl\u00e4gige Literatur angewachsen. Ganz \u00fcberwiegend ist die jeweils aufgegriffene Thematik spezifisch eingegrenzt, bezogen auf einzelne Personen, Staaten, Ereignisse. Mein eigenes Triasbuch verorte ich in dieser Gruppe, doch ist zeitlich, nicht sachlich eingegrenzt. Was den Umfang von Inhalt und Quellenverarbeitung angeht, stellt es eine Ausnahme dar. Es liegt wie ein erratischer Block in der Landschaft der Geschichtswissenschaft, hat keine Fortsetzung erhalten, aber auch keine wissenschaftliche Kontroverse ausgel\u00f6st. Dieses Schicksal teilt die trialistische Sicht mit der borussischen und der \u00f6sterreichischen.<\/p>\n<p>Die Forschungen aus trialistischer Sicht sind \u00fcber das ganze 20. Jahrhundert verstreut. Vor dem Ersten Weltkrieg hat Curt Albrecht eine Dissertation \u00fcber Karl August von Wangenheim verfasst und Michael Doeberl sich detailliert der bayerischen Geschichte mit Bezugnahmen zur Triasidee gewidmet. In der Zwischenkriegszeit fielen dann etliche Spezialarbeiten an: Eugen Franz stellte 1933 den &#8222;Entscheidungskampf um die wirtschaftspolitische F\u00fchrung Deutschlands 1856-1867&#8220; aus bayerischer Sicht dar. Erwin H\u00f6lzle verfasste einige einschl\u00e4gige Schriften zu W\u00fcrttemberg in der Zeit Napoleons und der Restaurationszeit. Walter Peter Fuchs legte 1934 eine Studie \u00fcber die deutschen Mittelstaaten und die Bundesreform 1853-1860 vor. Alfons Drexler widmete sich 1927 in einer Dissertation der &#8222;Dem\u00fctigung W\u00fcrttembergs durch die Gro\u00dfm\u00e4chte in den Jahren 1823\/24&#8220;.<\/p>\n<p>Einen deutlichen Aufschwung hat die Triasforschung nach dem Zweiten Weltkrieg genommen. Um es bildlich zu formulieren und zu relativieren: aus dem Rinnsal wurde ein kleiner Bach. Eine der borussischen oder \u00f6sterreichischen Sicht gleichrangige Stellung besa\u00df die trialistische Position nie, obwohl sich wider alles Erwarten nach 1945 eine Trias in Mitteleuropa pr\u00e4sentierte: Die Bundesrepublik Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik (mit gro\u00dfen Bestandteilen des alten Preu\u00dfen) und die Republik \u00d6sterreich (auf den deutschen Teil zusammengeschrumpft). An die geschichtliche Trias erinnerte diese Konstellation aber wenig. In der Sicht der europ\u00e4ischen Siegerm\u00e4chte war aber zumindest die alte Vorstellung pr\u00e4sent, dass der Weg zum deutschen Nationalstaat, wie er von Bismarck geschaffen wurde, nicht zielstrebig verlief und mit Waffengewalt geebnet wurde, dass es partikulare Kr\u00e4fte gab, die eine Spaltung rechtfertigten. Nat\u00fcrlich ging es auch darum, Deutschland in seiner Macht zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die deutsche Gegenwart lehrt jedoch zweierlei: der deutsche Nationalstaat widersprach nicht der deutschen Tradition, er wird nicht in Frage gestellt. Die trialistische Vorstellung hat ihre Lebenskraft, wie stark oder schwach man diese auch einsch\u00e4tzen mag, nach der Reichsgr\u00fcndung von 1871 nach und nach verloren. Es gibt allenfalls Relikte: immer noch geistert die magische Mainlinie durch die K\u00f6pfe, die im Zusammenhang mit S\u00fcdbundpl\u00e4nen in der Zeit des Deutschen Bundes mehrfach als Markierungslinie f\u00fcr Interessensph\u00e4ren zwischen Nord- und S\u00fcddeutschland, zwischen Preu\u00dfen und Bayern diente. Au\u00dferhalb der Wissenschaft kann man mit der Nationalidee ein geschichtliches Bewu\u00dftsein ansprechen, nicht aber mit der Triasidee.<\/p>\n<p>Auf ein zweites Faktum ist aber hinzuweisen: Die wichtigsten Voraussetzungen der Trias sind entfallen, einen Dualismus von Vorm\u00e4chten gibt es nicht mehr, und ein zentrales Ziel der trialistischen Politik ist nach 1945 erreicht worden, nicht aus eigener Kraft, sondern nach dem Willen der Alliierten. Durch die Aufl\u00f6sung Preu\u00dfens ist ein f\u00f6deralistisches System geschaffen worden, das seinen Namen verdient. Bei allen Unterschieden zwischen den Bundesl\u00e4ndern nach Gr\u00f6\u00dfe, Bev\u00f6lkerung und Finanzkraft, bei aller Kritik an dem Bestand kleiner L\u00e4nder, man kann doch von einem gleichgewichtigen F\u00f6rderalismus sprechen. Die Dominanz eines oder zweier Staaten abzuwehren war das, was zum Kernprogramm der Triaspolitiker geh\u00f6rte, woraus sie ihre Motivation und Legitimation zogen. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage nach Siegern und Besiegten der Geschichte neu. Das Verh\u00e4ltnis hat sich gro\u00dfenteils umgekehrt. Der &#8211; in borussischer Sicht &#8211; Glanz der preu\u00dfischen milit\u00e4rischen Erfolge hat einen H\u00f6chstpreis abverlangt. Die Opfer der Einigungskriege erweisen sich ex post als vergeblich.<\/p>\n<p>Dass sich die deutsche Frage nach dem Zweiten Weltkrieg neu stellte und Europa nach einer neuen Formation suchte, mag eine Rolle bei der Belebung der Triasforschung gespielt haben. Wie einst Wangenheim in seiner Publizistik gingen Historiker in der Geschichte weit zur\u00fcck, um Vorl\u00e4ufer der Trias aufzusp\u00fcren. Die Assoziationen der Reichskreise fanden das Interesse von Hans Hubert Hofmann, von Karl Otmar Freiherr von Aretin, von Bernd Wunder. Aretin behielt in weiteren Forschungen zum Ende des Alten Reiches und zur Fr\u00fchzeit des Deutschen Bundes die Triasthematik in seinem Blick. Mit einem entfernten Vorfahren, dem Bundestagsgesandten Johann Adam Freiherr von Aretin, einem zeitweise engen Weggef\u00e4hrten Wangenheims, befasste er sich in seiner Dissertation. Hans T\u00fcmmler und Willy Andreas richteten die Aufmerksamkeit auf trialistisches Gedankengut von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar und seinem Minister Goethe in der Zeit des F\u00fcrstenbundes von 1785. Namhafte Historiker aus dem s\u00fcddeutschen Raum erkl\u00e4rten ihre Sympathie zur Trias: Karl Bosl, Heinrich Lutz.<\/p>\n<p>Wie Karl-Georg Faber, mein akademischer Lehrer, auf die Triasthematik gesto\u00dfen ist, kann ich nur vermuten. In Mainz, seiner ersten Wirkungsst\u00e4tte, war der F\u00fcrstprimas des Rheinbundes und letzte Kurerzkanzler, Karl Theodor von Dalberg, ein beliebtes Forschungsobjekt. Mittlerweile ist die Dalberg-Literatur recht umfangreich geworden. Die historisch belastete Verkn\u00fcpfung von Rheinbund und Trias, ein Thema f\u00fcr sich, das gleichfalls auf Bearbeitung wartet, l\u00e4sst sich bei Dalberg exemplarisch beleuchten.<\/p>\n<p>Die deutsche Trias der Fr\u00fchzeit des Deutschen Bundes war das Thema, mit dem Faber sein Habilitationsverfahren bestritt. Es schien ihm einer gr\u00f6\u00dferen wissenschaftlichen Arbeit wert. Der Sch\u00fcler griff seine Empfehlung auf, ohne eine Ahnung davon zu haben, ob es im Forschungstrend lag oder nicht. Bis dahin sagte mir das Thema nicht das Geringste. Zur trialistischen Sichtweise, die ich beispielhaft an meinem eigenen Opus vorstellen m\u00f6chte, gelangte ich im Nachvollzug der Gedanken und Handlungen der einschl\u00e4gig handelnden Politiker. Wie wirkte sich diese Sichtweise aus, zu welchen Unterschieden f\u00fchrte sie gegen\u00fcber der borussischen und \u00f6sterreichischen Sicht.<\/p>\n<p>Von &#8222;Seifenblasen&#8220;, Tr\u00e4umen, Illusionen, Utopien und dergleichen ist in der trialistischen Sicht nicht die Rede, eher neutral von Strukturschw\u00e4chen. Zu den Strukturschw\u00e4chen, die einer Realisierung der Triasidee im Wege standen, geh\u00f6rten die heterogenen deutschlandpolitischen Leitlinien der Einzelstaaten: f\u00f6deralistische Tendenzen standen neben unitarischen. Handfeste zwischenstaatliche Querelen wie der bayerisch-badische Territorialkonflikt vergifteten jahrelang die Atmosph\u00e4re. Bayern w\u00fcnschte eine Landbr\u00fccke zur linksrheinischen Pfalz, Heidelberg und Mannheim sollten an die Wittelsbacher zur\u00fcckfallen. Aus dem machtpolitischen Gef\u00e4lle in der Staatenwelt des Dritten Deutschland gingen Misstrauen und Rivalit\u00e4t hervor, die z.B. Bayern als dem m\u00e4chtigsten dieser Staaten oft entgegengebracht wurden. Die Politik der Existenzsicherung und das Schutzbed\u00fcrfnis f\u00fchrten bei einer Reihe von Staaten des Dritten Deutschland zu einer Anlehnung an die Gro\u00dfm\u00e4chte. Durch Gehorsam, durch einen freiwilligen Anschluss, suchte man deren Wohlwollen zu erkaufen. Die Politik des St\u00e4rkeren, die Durchsetzung der M\u00e4chtigern, entzog der Triasidee eine Realisierungschance.<\/p>\n<p>Neben inneren Problemen standen, ein noch wichtigerer Faktor, die \u00e4u\u00dferen Rahmenbedingungen. Keine europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht gew\u00e4hrte die erforderliche Unterst\u00fctzung, so dass das Dritte Deutschland in der Rheinbundzeit der Hegemonie Frankreichs, im Alten Reich und in der Bundeszeit der Hegemonie \u00d6sterreichs und Preu\u00dfens \u00fcberlassen blieb. Nach dem Wiener Kongress tolerierten Russland und Gro\u00dfbritannien die dualistische Herrschaft \u00fcber das Dritte Deutschland, Frankreich besa\u00df auch wegen der in Deutschland aufkommenden Nationalidee keinen Einfluss mehr. Ein Erkl\u00e4rungsversuch dieser Art kann bei Treitschke oder Srbik nicht gefunden werden. Statt dessen ist von Chaos, ewiger Zwietracht, Eifers\u00fcchtelei die Rede, der wesentliche Anteil der Gro\u00dfm\u00e4chte an diesem &#8222;H\u00fchnerstall&#8220; wird weitgehend unterschlagen, zumindest nicht in die Bewertung einbezogen.<\/p>\n<p>Warum wurde die Triasidee trotz der Strukturschw\u00e4chen nicht aufgegeben? Ein ausgepr\u00e4gtes Souver\u00e4nit\u00e4ts- und Selbstbewusstsein, die Erkenntnis, dass der Zusammenhalt gleichartiger Staaten die einzelstaatliche Macht steigern w\u00fcrde, der Mut, die Missbilligung der Gro\u00dfm\u00e4chte auf sich zu ziehen, f\u00fchrten bei einigen Regierungen oder Politikern fast zwangsl\u00e4ufig zur Propagierung der Triasidee. Der gro\u00dfe Formenreichtum und die Anpassungsf\u00e4higkeit der Idee f\u00fchrten zu einem st\u00e4ndigen Weiterleben der Triasbestrebungen, so dass man streng genommen bis 1871 nie von einem Scheitern sprechen kann, sondern allenfalls von einer Verdr\u00e4ngung, einer Verengung des Spielraums. Bisweilen entwickelte sich die Triaspolitik gleichsam wie der Ph\u00f6nix aus der Asche. Abgesehen davon gab es Teilrealisierungen wie in der Bundeskriegsverfassung. Die Kontingente des Dritten Deutschland blieben separat, wurden nicht den preu\u00dfischen oder \u00f6sterreichischen Korps zugeschlagen, ein Ergebnis, das sich Wangenheim als einen seiner gr\u00f6\u00dften Erfolge anrechnete.<\/p>\n<p>Weit wage ich mich in einer abschlie\u00dfenden Wertung hervor. W\u00e4re die Trias eine bessere L\u00f6sung der deutschen Frage gewesen? Einiges spricht daf\u00fcr. Innenpolitisch h\u00e4tte das Dritte Deutschland eine w\u00fcrdigere politische Existenz erhalten, au\u00dfenpolitisch mehr Beachtung gefunden. Die Rahmenbedingungen der liberalen und konstitutionellen Bewegung w\u00e4ren im Vorm\u00e4rz erheblich verbessert, die letztlich zerst\u00f6rende Kraft des Nationalismus, der im Kaiserreich zur Ersatzreligion avancieren sollte, w\u00e4re gebrochen worden. Der \u00fcbersteigerte Nationalismus, der das jahrhundertealte Schw\u00e4chegef\u00fchl des Dritten Deutschland kompensierte, w\u00e4re m\u00f6glicherweise durch die Trias in seiner Aggressivit\u00e4t ged\u00e4mpft worden.<\/p>\n<p>In der Beurteilung der W\u00fcnschbarkeit oder der Realisierbarkeit der Triasbestrebungen liegt nicht das zentrale Erkenntnisziel. Wichtiger ist der Nachweis ihrer Bedeutung im allgemeinen Kontext der Zeit. Sie zeigen die Qualit\u00e4t und Gestalt der Beziehungen zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten und den Klein- und Mittelstaaten. Die politischen Strukturen der Zeit werden von der Triasforschung eingefangen, gespiegelt und erkennbar. Der Deutsche Bund war nach dem Bild, das einige Zeitgenossen schon zu seiner Entstehungszeit aufgriffen, eine societas leonina, die deutsche Trias eine verpasste Chance, daraus eine societas civilis zu machen. Mit der Formulierung dieser These sehe ich mich im Geiste altbekannten Urteilen aus der Historikerzunft konfrontiert: Utopist, Phantast, Illusion\u00e4r, Tr\u00e4umer. Ein Albtraum ist aber das Schweigen. Die Diskussion kann hier und jetzt beginnen.<\/p>\n<p><a title=\"Mehr zum Thema Deutsche Trias\" href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/die-deutsche-trias\/rheinbund-deutschland-unter-napoleonischer-vorherrschaft\">Vortrag zum Rheinbund und der Trias-Idee<\/a><\/p>\n<p><a title=\"Vortr\u00e4ge von Prof. Dr. Peter Burg\" href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/deutschland\" target=\"_self\">Mehr zum Themenbereich deutsche Geschichte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Seifenblasen&#8220; oder verpasste Chancen der deutschen Geschichte Die Triaspl\u00e4ne im Lichte der Geschichtsschreibung Vortrag von Prof. Dr. Peter Burg an der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena am 2.12.2004 Bevor der Triasbegriff in Relation zum Thema dieses Oberseminars gebracht wird, bedarf er, davon gehe ich aus, einer Definition. Selbst unter Historikern, die sich mit dem 19. 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