{"id":1367,"date":"2012-12-29T17:28:23","date_gmt":"2012-12-29T16:28:23","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=1367"},"modified":"2015-05-14T13:58:19","modified_gmt":"2015-05-14T11:58:19","slug":"pinto-carneiro","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/pierre-lorson-sj-texte\/pinto-carneiro","title":{"rendered":"Pinto Carneiro"},"content":{"rendered":"<p>Jos\u00e9 Pinto Carneiro, Prolog zu Lucien Valdor: O Cristianismo perante o racismo. (Lucien Valdor ist ein Pseudonym f\u00fcr Pierre Lorson SJ. Der franz\u00f6sische Originaltitel des 1938 im Verlag Alsatia, Paris\/Stra\u00dfburg, erschienen Buches lautet: Le chr\u00e9tien devant le racisme). Das portugiesische Original-Vorwort \u00fcbersetzte Andrea Claudia Rodrigues Barbosa M. A. ins Deutsche.<\/p>\n<p>Pinto Carneiro lebte von 1916-2002, Wohnort Resende. Seine \u00dcbersetzung erschien in Portugal in einer Auflage von 1000 Exemplaren. \u00dcber die Verfasserschaft \u00e4u\u00dfert er sich nicht. Die Unterstellung einer Verfasserschaft von Romano Guardini geht anscheinend auf Henri de Lubacs Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck. Die Zuordnung wird richtig gestellt in: Peter Burg, Lucien Valdor, Pierre Lorson und Romano Guardini, in: Theologie und Philosophie 85, 2010, S. 571-574&gt;<\/p>\n<p>Wir haben das Recht, an unseren religi\u00f6sen und politischen \u00dcberzeugungen zu h\u00e4ngen.<br \/>\nDer Mensch wird immer ein Indikator f\u00fcr den Standort im Unendlichen sein. Aber der Abstand zwischen den beiden Polen, in der Realit\u00e4t oder im Magnetfeld, in Bezug auf Gott oder auf den Menschen, h\u00e4ngt vom Wandel der Natur oder den sozialen Bewegungen ab.<\/p>\n<p>Beim Anblick der Sterne des Himmels vergisst der Mensch nicht, dass in den irdischen Niederungen auch reine Lilien bl\u00fchen.<br \/>\nWenn er in sich das Streben nach dem Absoluten sp\u00fcrt, begibt er sich mit menschlichen Augen und Lehm an den F\u00fc\u00dfen auf den Weg dorthin.<br \/>\nDer Mensch ist immer ein Teil der Erde, auf der er lebt, im ewigen Fr\u00fchling, am Anfang der ewigen und g\u00f6ttlichen Morgenr\u00f6te. Die Staubteilchen sto\u00dfen aufeinander, aber auf ihren Tr\u00fcmmern winkt der Geist mit dem symbolischen Zweig des mystischen Olivenbaums.<\/p>\n<p>Ausgehend von der begr\u00fcndeten Ansicht von Seno Freitas, dass \u201eman kein guter Christ ist, ohne ein guter Politiker zu sein\u201c, haben wir im gegenw\u00e4rtigen europ\u00e4ischen Konflikt, der sich zu einer Weltkatastrophe entwickelt hat, ernst, fest und angemessen unsere Position bezogen.<\/p>\n<p>Angesichts der \u00fcberw\u00e4ltigenden Siege des einen Tages und der Niederlagen in schrecklichen Momenten; im Anblick der Gefallenen, der entseelten auf die Erde gedr\u00fcckten Lippen, die der Heimat zum letzten Male die Stirne k\u00fcssen; im Nachdenken \u00fcber die Heldentaten derjenigen, die abgeh\u00e4rtet von der Sonne und der K\u00e4lte, nachdem sie bei Mondschein ihre Frauen bezauberten und am fr\u00fchen Morgen die H\u00e4nde ihrer kleinen Kinder mit ihren Tr\u00e4nen benetzten, mit ihrem Blut den Grundstein der Wahrheit und des Rechts legten: unter Anwendung der immer noch gro\u00dfartigen Lektionen Bl\u00e4tter der Geschichte, erheben wir unser Ideal, das zwischen dem Nimbus der Hoffnung auf eine gl\u00fcckliche und goldene Zukunft und der Sonne des Ruhms balanciert.<\/p>\n<p>Aber weil in der Gegenwart die Direktive einer ehrenhaften Neutralit\u00e4t gilt und es dem Willen unseres gro\u00dfen F\u00fchrers Salazar entspricht, wollen wir uns gegenw\u00e4rtig mit unseren Gedanken zur\u00fcckhalten, um sp\u00e4ter unsere Seele mit einem freien, lebhaften, enthusiastischen L\u00e4cheln zu \u00f6ffnen, in der \u00fcberschw\u00e4nglichen Freude eines Menschen, der seine verschiedenen Troph\u00e4en in der Arena pr\u00e4sentiert und das martialische Lied des Sieges anstimmt.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen in unserem Innern einen Wirbel von Gef\u00fchlen. Wir pflegen warmherzig ein legitimes portugiesisches Ideal, und zwar ein tief nationalistisches; ein Ideal, das sich weder vor der Unbest\u00e4ndigkeit der Massen f\u00fcrchtet noch vor dem ver\u00e4chtlichen und n\u00e4selnden Geschrei grotesker Guerillas und Verbrecher des Geistes, noch die Unstimmigkeit mit Personen, die mit falschen Federn geschm\u00fcckt die Treppe des Olymp besteigen, noch den falschen Blick von Engeln, denen man die Fl\u00fcgel abgerissen hat, noch das abwertende Grummeln der launischen geistlichen Bruderschaft. Und dieses Ideal, dieser Wunsch, dieser Traum aus Gold und Smaragd wird wie eine Schneelawine anwachsen, B\u00f6schungen und Felsen, Sandb\u00e4nke und hei\u00dfe Str\u00e4nde \u00fcberfluten, bis es irgendwann in einen blauen Ozean von ewiger Sch\u00f6nheit eintaucht.<\/p>\n<p>Wir haben schon diesen Weg des Lebens erreicht, diesen 25-j\u00e4hrigen Garten, der einen zerrissenen, transparenten und reinen Horizont begrenzt, auf den die Morgenr\u00f6te \u00fcber der fernen K\u00fcste scheint und wo kein Schatten auf die Landschaft f\u00e4llt, wo es H\u00e4ngestreifen aus Mondschein und Purpur gibt, Gardinen aus dem mit Gold verzierten Heiligtum.<\/p>\n<p>In dieser Phase der Existenz gibt es schon keinen Platz f\u00fcr Niedergeschlagenheit oder Furcht. Das Leben wird so sein, wie wir wollen, das es ist: Ein stiller See oder ein offenes Meer, ein brach liegendes Beet oder ein bl\u00fchender Garten. Alle Notst\u00e4nde werden genutzt, um Werte zu reinigen, Energien zu wecken, verstreute St\u00e4rken zu b\u00fcndeln.<br \/>\nHandelt es sich um einen Traum? Vielleicht, aber wir sollten nicht vergessen, was Alfred Vigny geschrieben hat: \u201eEin gro\u00dfes Leben ist immer ein Traum, der w\u00e4hrend der Jugend getr\u00e4umt wird, aber erst sp\u00e4ter im reifen Alter realisiert wird.\u201c<\/p>\n<p>Es ist notwendig, dass wir jetzt aufgeregte Tr\u00e4umer werden, um in Zukunft zu beherzten Tatmenschen zu werden.<br \/>\nIn der Jugend zu tr\u00e4umen, bedeutet, im Fr\u00fchling bl\u00fchen zu k\u00f6nnen, die kostbaren Fr\u00fcchte werden in der bukolischen Ruhe des Herbstes gesammelt.<br \/>\n***<\/p>\n<p>Aus diesen rauchenden Ruinen, in denen viele geistliche Werte verderben, aus dieser gro\u00dfen Totenstadt der Lebenden, die f\u00fcr immer in einer gemeinsamen Grube liegen, wird die brennende Fackel einer dauerhaften Zivilisation. Mit deutlich gezogenen Linien wird das Charakterbild einer neuen Welt entstehen. Die starken V\u00f6gel einer universalen Gerechtigkeit werden mit einem gewaltigen Fl\u00fcgelschlag flattern. Und diese schwache und gealterte Menschheit wird sich zum Fr\u00fchling bekennen, zur jungfr\u00e4ulichen Morgenr\u00e4te des ewigen April.<\/p>\n<p>Wir beobachten eine dreifache soziale Entwicklung: Eine religi\u00f6se, eine wirtschaftliche und eine politische.<\/p>\n<p>Auf dem religi\u00f6sen Feld beginnt ein deutlicher Fortschritt.<br \/>\nDie Intelligenten werden mit Zweimastern in Richtung Wahrheit segeln und das Gebiet des Absoluten ansteuern.<br \/>\nDie dauerhafte katholische Religion, die unwandelbar und ewig auf ihren Dogmen ruht, die katholische Religion wird mehr denn je ihre sich nie ersch\u00f6pfende Tugend, ihr strahlendes angeborenes Licht, ihre transzendente Spiritualit\u00e4t zeigen, wobei sie die Menschheit in einer universalen Umarmung mit Liebe und Gnade umfasst.<\/p>\n<p>Im Kontakt mit dem allt\u00e4glichen Leben wird es vielleicht weniger Subjektivit\u00e4t und mehr Objektivit\u00e4t geben, weniger krankhaften Fanatismus und mehr geistige Ausgewogenheit, weniger religi\u00f6sen Impressionismus und mehr religi\u00f6se Vernunft, weniger anachronistische Hyperkritik und mehr disziplinierte M\u00e4\u00dfigung, weniger Staub in den Augen und mehr Sonne in der Seele, weniger Verlogenheit und mehr Ehrlichkeit, weniger k\u00e4ufliche S\u00f6ldner, die ihren Glauben als Sprungbrett benutzen, um wirtschaftliche Vorteile zu ergattern, wobei sie die Intelligenz und den Glauben durch eine krankhafte Servilit\u00e4t gegen\u00fcber der Hegemonie der Gefr\u00e4\u00dfigkeit (des Verdauungsapparates) unterdr\u00fccken, und stattdessen vielleicht mehr \u00dcberzeugte, die von den wirtschaftlichen Vorteilen abstrahierend ihr Ideal wie Efeu eine jahrhundertealte Zypresse umarmend leben wollen.<\/p>\n<p>Vielleicht wird es weniger Eigenliebe geben, weniger menschlichen Respekt und weniger Gehorsam, statt dessen einen Zuwachs an Unerschrockenheit, fehlender Scheu, Vortrefflichkeit und legitimer Individualit\u00e4t, in der sich eine Gro\u00dfartigkeit des Geistes ank\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Vielleicht wird man weniger Furcht und Feigheit haben, um zu sagen, was man wirklich denkt, und um entschlossen in die Richtung des klug Ausgedachten zu gehen.<br \/>\nWer die bedingungslose Liebe f\u00fcr die Wahrheit nicht vergisst, hat vielleicht ein klareres Bewusstsein daf\u00fcr, dass ein Verzicht (auf sie) immer mit einer Unterlegenheit verbunden ist: entweder die Zur\u00fccknahme des begangenen Fehlers oder die verabscheuungsw\u00fcrdige Furcht, sich mit den unvermeidlichen Bitterkeiten bei der Verwirklichung der hohen und edlen Anliegen auseinandersetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vielleicht werden aus diesem Genozid starke Pers\u00f6nlichkeiten hervor gehen, die das neidische leise Gemurmel der Kritik in enthusiastischen Applaus verwandeln und aus den lodernden Flammen der Verfolgung flechten sie ihren goldenen Kranz, der die Stirn eines Helden umkreist.<\/p>\n<p>Im wirtschaftlichen Bereich muss die Entwicklung mehr und mehr verst\u00e4rkt werden.<br \/>\nDer Unterschied zwischen den Klassen wird der Vereinigung der Kr\u00e4fte Platz machen, Kr\u00e4fte, die sich bis jetzt in einem nutzlosen Zustand befinden.<br \/>\nEs gibt betr\u00e4chtliche Geldsummen, die mit unerlaubten Freizeitbesch\u00e4ftigungen, mit Orgien und animalischer Ausschweifung verprasst, bei denen der K\u00f6rper gef\u00e4hrdet und die W\u00fcrde am Baum erh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Es gibt unm\u00e4\u00dfig \u00fcberf\u00fcllte M\u00e4gen und kantige Knochen, die die faltige und gelbliche Haut durchbohren.<br \/>\nSalazar, das herausragende Licht f\u00fcr profunde und langsame friedliche Revolutionen, verlangt, fordert auf, erbittet, und es gibt wenige, die ihm zuh\u00f6ren.<br \/>\nEs gibt Dandys und Frauen, die nach exzessiven Kosmetika riechen, die ihre weiblichen Figuren in den seltensten Pelzen und strahlenden Edelsteinen verstecken, die im Kontrast stehen zu F\u00fc\u00dfen aus Kork, die noch fragiler als der biblische Koloss sind, und die tuberkul\u00f6se Lungen besitzen, die in einer schrumpfenden Brust zerfallen.<br \/>\nDiese Saust\u00e4lle, in denen der Hunger und die Verzweiflung wohnen, in denen die Wiegen im Rhythmus der hoffnungslosen Tr\u00e4nen geschaukelt werden, werden beseitigt.<br \/>\nUnd \u00fcber diesen Abschaum wird die Lehre von Salazar triumphieren, die \u00fcbermittelt ist von einer gl\u00e4nzenden Seele, in Demut gebeugt vor dem Vaterland und vor dem Volk. Das ist das Denken, das durch den blutigen Nebel der gemarterten Menschheit durchschimmert.<\/p>\n<p>Dann werden die Witze dieser aufm\u00fcpfigen Querulanten, deren Haut von politischen Pocken aufgebl\u00e4ht ist, verstummen, und mit ihnen h\u00f6rt das Sterbegl\u00f6ckchen die abgedroschenen Schm\u00e4hreden, die der Anblick der Mumien oder Fossilien, die f\u00fcr die gesellschaftliche Vorsorge wenig empfehlenswert sind, l\u00e4cherlich zur Schau stellt.<br \/>\nEs wird mehr Respekt f\u00fcr die Stimme des F\u00fchrers, f\u00fcr das Gebot der Gerechtigkeit und f\u00fcr die Stimme des Gewissens geben.<br \/>\nDie Stimme Salazars wird noch einmal das Siegeslied anstimmen. Und aus dem Himmel des Vaterlandes wird der Morgentau der Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und des Friedens auf den vertrockneten Grund vieler Herzen fallen.<\/p>\n<p>Die zerst\u00f6rerische Kraft erfasst nicht die Intelligenz und schw\u00e4cht nicht die Herzen. Das Eisen der Bajonette wird brechen, aber die Verbohrtheit steingewordener W\u00fcnsche wird sich nicht beseitigen lassen.<br \/>\nUnd mit dem Sieg des Guten werden sich viele gespenstische Kains, deren grausame Utopien arch\u00e4ologische Inschriften im primitiven Gebein von Rentieren und Mammuts festhalten, zum Frieden des Nichts versammeln.<\/p>\n<p>Auch im politischen Bereich wird es eine Auferstehung geben. Mehr Respekt wird dem Recht der V\u00f6lker, der Individuen und der Vaterl\u00e4nder gezollt werden.<br \/>\nDie Geschichte wird die in der Begeisterung f\u00fcr den gro\u00dfen Ruhm entstandenen Schandflecke wegwischen.<br \/>\nMan wird niemals mehr die Gro\u00dfartigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t eines Volkes aufgrund seiner F\u00e4higkeit zur \u00f6ffentlichen Vernichtung, zur Missachtung des Rechts und der Brutalit\u00e4t der Macht messen. Man wird nie wieder die Macht einer Nation nach der ungeheuerlichen Lust bewerten, wehrlose Unschuldige mitzurei\u00dfen, den Dolch des Verrats in sie bohrt und auf kriminelle Art das Blut von tausend Lebenden trinkt.<\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfe eines Vaterlandes wird auf der Grundlage dessen bewertet, was die Bajonette nicht verletzten, die Kanonen nicht erreichen und soziale Meeresst\u00fcrme nicht vernichten: die tadellose Moralit\u00e4t der Rasse und die kollektive Spiritualit\u00e4t der Nation.<br \/>\nEs ist nicht die feige und unrechte Gewalt, aber die Gerechtigkeit ist in der Lage, uns mit dem Licht der Ewigkeit zu verbinden.<\/p>\n<p>Der Held wird nicht mehr als ein verbrecherisches blutr\u00fcnstiges Monster Anerkennung finden, sondern als ein Vorbild in Bezug auf Ordnung, Pflicht und Disziplin, die er nobel verteidigt und mit Grazie ausf\u00fchrt.<br \/>\nEr wird mit dem Wunsch sterben, dass sein Leichentuch die Fahne seines Vaterlandes sei; die Apotheose seines d\u00fcsteren Trauerzugs, der Schein der Sterne, die ewige Harmonie der wehenden Brise, der mitleidige Tau der morgendlichen Tr\u00e4nen.<br \/>\nDie Liebe wird die Herzen vereinen, der Respekt wird die Menschen umarmen,  die Gerechtigkeit wird die Nationen in einer neuartigen Verbindung f\u00fcr ein unvorhersehbares Schicksal vereinen.<\/p>\n<p>Und neue Kr\u00e4fte und aufregende W\u00fcnsche und goldene Tr\u00e4ume werden wieder ewig aufbl\u00fchen, in einer wegen der vorgefallenen Dinge immer gr\u00f6\u00dfer werden musikalischen Litanei. Und begeistert vom \u00fcbermenschlichen Heldenmut werden tausend Seelen in der goldenen Morgenr\u00f6te die Jahrhunderte anschreien, dass es ihnen lieber w\u00e4re, im Sonnenschein oder im himmlischen Glitzern zu schmelzen und in einer schrecklichen Katastrophe wieder in das fr\u00fchere Chaos zur\u00fcckzukehren, als dass im menschlichen Herz das Feuer des Glaubens, die Liebe zum Vaterland und der Anspruch auf universale Freiheit vernichtet w\u00fcrde.<br \/>\n***<br \/>\nEs ist an der Zeit, etwas \u00fcber das Buch zu schreiben, das wir in unsere Sprache \u00fcbersetzt haben.<br \/>\nEs wurde in einer aufgeregten und unschl\u00fcssigen Epoche geschrieben. Es wird viele wankelm\u00fctige Denker erleuchten. Bei der Lekt\u00fcre wird die Grundlage eines verbreiteten Fanatismus zum Einsturz gebracht werden.<\/p>\n<p>Das Buch hat keinen politischen Charakter, sondern einen moralischen und belehrenden.<br \/>\nWir entschlossen uns, den Titel \u201eLe Chr\u00e9tien devant le Racisme\u201c durch \u201eO Cristianismo perante o Racismo\u201c zu \u00fcbersetzen, um den universellen Charakter des Werkes besser hervorzuheben.<\/p>\n<p>In diesem Band erscheint die deutsche Seele in ihrer ganzen phantasievollen \u00dcbertreibung, mit ihren Tr\u00e4umen und ihren jahrhundertealten Anspr\u00fcchen.<br \/>\nEs w\u00e4re eine schwierige, aber ansprechende Aufgabe, das deutsche Denken im Wandel der Generationen historisch zu erforschen, \u00fcber seine Lichtseiten und Schattenseiten nachzudenken, \u00fcber seinen Stolz und manchmal auch seine erzwungene Unterwerfung, die dank der fatalen Dissonanzen seines Schicksals eintraten. Aber so viel ist uns in einem kurzen Prolog nicht zugestanden.<\/p>\n<p>Das gegenw\u00e4rtige deutsche Denken, mit seinem m\u00e4chtigen und gigantischen Dynamismus, ist eine Synthese von verschiedenen verstreuten Ideen auf der Pilgerfahrt der Zeiten. Hervorragende M\u00e4nner haben mehr oder weniger bewusst diesen Weg entworfen.<\/p>\n<p>Nietzsche, der von Intellektuellen wie James und Bergson beeinflusst wurde, hat dabei eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Der \u00dcbermensch und die Lebensphilosophie konstituieren die Hauptaspekte der rassistischen Moral.<\/p>\n<p>Die Doktrin der Gewalt und des Vitalismus bekommen entwickeltere Proportion durch die Beteiligung von Driesch und Klages und durch den Einfluss der historischen Ethnologie von Spengler, der von dem mittelalterlichen Glanz der germanischen Kultur sehr begeistert war, die nach Worringen die Summa Theologica tief beeinflusst hatte.<br \/>\nZu dieser Politik wurden noch weitere hinzugef\u00fcgt wie die Einheitstr\u00e4ume von Kayserling sowie die sozialen und revolution\u00e4ren Ideen von Bruck.<br \/>\nAuf der Basis dieser giftigen und falschen Theorien haben G\u00fcnther und Rosenberg die letzten Verbesserungen zur Mystik des Rassismus angeboten.<\/p>\n<p>Die totale Absorption der Macht, die beinahe einer Verg\u00f6tterung des Staates gleicht, deren Wurzeln schon im brutalen Autoritarismus von Bismarck zu finden sind, im Idealismus von Kant, im Pangermanismus seiner ber\u00fchmtesten Nachfolger Schelling, Fichte und Hegel und sogar im unbewussten Futurismus von Hartmann und in fr\u00fcheren Zeiten in den literarisch-philosophischen Ideen von Schiller.<\/p>\n<p>Der deutsche Geist ist im Wesentlichen subjektiv, abstrakt und dunkel vor lauter Widerspr\u00fcchen. Er ist eher von der Imagination als vom Geist abh\u00e4ngig. Deshalb hat Richter mit feinem Humor geschrieben: \u201eDas K\u00f6nigreich des Meeres ist f\u00fcr die Engl\u00e4nder, das der Erde f\u00fcr die Franzosen und das der Luft f\u00fcr die Deutschen.\u201c<br \/>\nStael erkannte die Notwendigkeit einer \u201eMitte f\u00fcr diese eminente F\u00e4higkeit zu denken, die sich im Unbestimmten erhebt und aufl\u00f6st, die in die Tiefe eindringt und danach verschwindet, die von der St\u00e4rke der Objektivit\u00e4t zerst\u00f6rt wird und sich mit der Kraft der Analyse vermischt.\u201c<\/p>\n<p>Ein schw\u00e4rmerischer Geist wird in der l\u00e4ndlichen Lyrik, in den Symphonien der Natur, in den Liedern der Sch\u00e4fer, in den Liedern der Wanderer, in der Trauer der Bettler deutlicher dargestellt als in den Stillleben von Gessner und auch in der patriotisch gepr\u00e4gten Religiosit\u00e4t von Klopstock.<br \/>\nEin abenteuerlicher, militaristischer, starrk\u00f6pfig stolzer Geist, bietet ein weiteres Mal all seine Ressourcen bei diesem unheilvollen Geschehen auf, das die bedauernswerte Menschheit in den Abgrund der Katastrophe stie\u00df.<\/p>\n<p>Der Wiederaufbau nach dem Krieg wird langsam und schwierig. Ein neues Nachdenken \u00fcber die Werte ist unbedingt notwendig. Man darf nie wieder gegen den transzendenten Spiritualismus versto\u00dfen, das einzige zuverl\u00e4ssige und ehrenwerte Erbe der Menschheit.<br \/>\nDie Ideologien werden sich vom dekorativen Schein, von ihren absto\u00dfenden Mystifizierungen, von ihrer st\u00e4ndigen Geldgier entledigen und werden vom Morgengrauen h\u00f6herer Klarheiten beeinflusst werden. In diesem Misthaufen des Schutts k\u00f6nnen wir immer den Glauben an die Hoffnung von Ant\u00f3nio C\u00e2ndido bewahren: \u201eDie Menschheit l\u00e4uft immer \u00fcber den Kalvarienberg des gro\u00dfen Martyriums, um die wundersch\u00f6ne Verkl\u00e4rung auf dem Berg Tabor zu erreichen.\u201c<\/p>\n<p>Lamego, 15. Januar 1943.<br \/>\nPinto Carneiro<\/p>\n<p><a title=\"Weitere Informationen zum Jesuiten \" href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/pierre-lorson-sj-texte\" target=\"_self\">Mehr zum Pater Peter Lorson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jos\u00e9 Pinto Carneiro, Prolog zu Lucien Valdor: O Cristianismo perante o racismo. (Lucien Valdor ist ein Pseudonym f\u00fcr Pierre Lorson SJ. Der franz\u00f6sische Originaltitel des 1938 im Verlag Alsatia, Paris\/Stra\u00dfburg, erschienen Buches lautet: Le chr\u00e9tien devant le racisme). Das portugiesische Original-Vorwort \u00fcbersetzte Andrea Claudia Rodrigues Barbosa M. A. ins Deutsche. 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