{"id":1355,"date":"2012-12-19T09:09:01","date_gmt":"2012-12-19T08:09:01","guid":{"rendered":"http:\/\/peter-burg.de\/?page_id=1355"},"modified":"2016-03-18T11:18:54","modified_gmt":"2016-03-18T10:18:54","slug":"unter-neuen-herren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren","title":{"rendered":"Unter neuen Herren"},"content":{"rendered":"<h3>Die Preu\u00dfen kommen an die Saar<\/h3>\n<p>Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c<\/p>\n<p>im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012<\/p>\n<p>Von Prof. Dr. Peter Burg<\/p>\n<p>Das Thema wird in vier zeitlichen L\u00e4ngsschnitten durch die im Buch behandelte Zeit von 1814 bis 1850 dargestellt. Das gilt auch f\u00fcr den ersten Themenkreis:<\/p>\n<p><strong>I. Das Saargebiet in den Befreiungskriegen \u2013 Fakten und Mythen<\/strong><\/p>\n<p>Nach den Befreiungskriegen war es eine offene Frage, wer die neuen Landesherren an der Saar und im Linksrheinischen insgesamt sein w\u00fcrden. Der Erste Pariser Friedensschluss vom 31. Mai 1814 wollte den franz\u00f6sischen Gebietsstand des Jahres 1792 als Richtlinie f\u00fcr die Grenzziehung, doch dann h\u00e4tte das Kerngebiet des fr\u00fcheren F\u00fcrstentums Nassau-Saarbr\u00fccken bei Deutschland bleiben m\u00fcssen. Immerhin hielt sich F\u00fcrst Ludwig noch bis Mai 1793 in der Residenzstadt auf, bevor er vor den Revolutionstruppen fliehen musste. Den Preis der Schonung Frankreichs bzw. des Bourbonenk\u00f6nigs Ludwig XVIII. durch die Siegerm\u00e4chte hatte namentlich das Saarbr\u00fccker Land zu tragen. Die deutsch-patriotische Partei, die sich in Saarbr\u00fccken gebildet hatte, war best\u00fcrzt, ging sie doch von einer &#8222;Befreiung&#8220; aus der franz\u00f6sischen Herrschaft aus. Anl\u00e4ufe zur Revision des Grenzverlaufs, die Einwohner von Saarbr\u00fccken und St. Johann zu Gunsten Preu\u00dfens im Vorfeld und w\u00e4hrend des Wiener Kongresses (Juni\/Juli 1815) unternahmen, blieben erfolglos. Die franz\u00f6sische Staatsgrenze war v\u00f6lkerrechtlich sanktioniert.<\/p>\n<p>Auch in einem geschichtlichen R\u00fcckblick, der von nationalen Empfindungen ungetr\u00fcbt ist, ist die Entscheidung der gegen Napoleon verb\u00fcndeten Gro\u00dfm\u00e4chte nicht nachzuvollziehen, widersprach sie doch dem gro\u00dfen Ziel einer Befreiung der von Frankreich okkupierten L\u00e4nder. Gewiss waren nicht alle Politiker mit der territorialen Schonung des besiegten Landes einverstanden und gingen in ihren Gebietsforderungen sehr weit, sogar zu weit, aber in Bezug auf das ehemalige F\u00fcrstentum Nassau-Saarbr\u00fccken lag das historische Recht eindeutig auf der Seite der unzufriedenen Saarbewohner. Die Kleinregion an der Saar stand nicht im Fokus der Entscheidungstr\u00e4ger, unter denen Zar Alexander damals der wichtigste war. Allerdings fanden die zu Unrecht abgetrennten Saarl\u00e4nder Geh\u00f6r in der deutschen \u00d6ffentlichkeit. Der Rheinl\u00e4nder Joseph G\u00f6rres griff\u00a0 z. B. im \u201eDeutschen Merkur\u201c die ungl\u00fcckliche Regelung auf. Und der Franke Friedrich R\u00fcckert, ein Napoleon-Gegner, schrieb in diesem Kontext ein Gedicht, das zu einem Topos, einem mit geschichtlichen Erinnerungen behafteten und bei bestimmten Gelegenheiten immer wieder aufgegriffenen Bild, werden sollte. Es handelt sich um \u201eArm Saarv\u00f6gelein\u201c, auf das k\u00fcrzlich der Germanist Ralph Schock in der Zeitschrift \u201eSaargeschichten\u201c hingewiesen hat.<\/p>\n<p>Wegen seiner langen Wirkungsgeschichte soll n\u00e4her auf das Gedicht eingegangen werden.\u00a0Wovon handelt es? Ein kleiner Vogel sitzt an der alten Saarbr\u00fccke und trauert dar\u00fcber, dass er von seinen deutschen Artgenossen im Stich gelassen wurde und einem \u00fcberm\u00e4chtigen Vogel Strau\u00df auf Leben und Tod ausgeliefert ist. Er appelliert resignierend an das Mitgef\u00fchl der gl\u00fccklich befreiten Artgenossen in dem Vers: \u201eDeutsche Waldv\u00f6gelein, \/ Wenn ihr singt hell und klar \/ Im freyen Sonnenschein; \/ Denkt, da\u00df von eurer Schaar \/ Eins trauren mu\u00df allein \/ An der Br\u00fcck\u2018 an der Saar\u201c. Das Deutschtum an der Saar sah der Dichter vom Tode bedroht oder dem Tode geweiht \u2013 eine herbe Anklage an die Alliierten, die er daf\u00fcr verantwortlich hielt.\u00a0Bereits im Jahre 1818 gab es eine Vertonung des Gedichts, ein Zeichen daf\u00fcr, dass R\u00fcckerts Haltung Zustimmung fand.<\/p>\n<p>Die Lage Saarbr\u00fcckens im Jahre 1814 wurde zum \u201eErinnerungsort\u201c, um einen Terminus zu verwenden, der ja nicht nur geographisch verstanden werden kann. Und das Saarv\u00f6gelein steht f\u00fcr diesen Ort. Es war vor allem die Nationalidee, die die Pflege der Erinnerung akzentuierte und transportierte. Die poetische Klage fand Eingang in Editionen und politisches Schrifttum. Im Laufe der Zeit wurde der Text von R\u00fcckert dabei ver\u00e4ndert und verf\u00e4lscht. So etwa in dem Artikel \u201ePatriotische Teilnahme am ungl\u00fccklichen Schicksale Saarbr\u00fcckens\u201c in den\u00a0 \u201eMitteilungen des historischen Vereins f\u00fcr die Saargegend\u201c im Jahre 1901.<\/p>\n<p>Die Trennung des Saargebiets vom Deutschen Reich in der V\u00f6lkerbundszeit war eine Situation, die der Okkupation im Revolutionszeitalter glich. Prompt erinnerte sich die Lokalgeschichtsschreibung an das \u201eArme Saarv\u00f6gelein\u201c von 1814. Im Juli 1930 griffen mehrere Titel einer Sonderausgabe des \u201eSaar-Freundes\u201c auf das Gedicht zur\u00fcck: Autoren waren Fritz Kloevekorn, Hermann R\u00f6chling und Wilhelm Dresen, der Direktor des Trierer Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums. Der patriotisch gesinnte Gelegenheitsdichter Friedrich Thamerus schuf ein elfstrophiges Gedicht in Anlehnung an R\u00fcckerts Text. Im November 1934 gab Hermann Timm eine Erz\u00e4hlung \u201eArm-Saarv\u00f6gelein\u201c in der \u201eVolksstimme\u201c heraus, in der der drohende Verlust der nationalen Identit\u00e4t durch die franz\u00f6sische Politik thematisiert wird. Der Held der Geschichte zieht in die Pfalz, um der Gefahr des Identit\u00e4tsverlustes zu entgehen. Einen Hoffnungsschimmer stellt f\u00fcr den Erz\u00e4hler die Chance einer R\u00fcckgliederung des Saargebiets nach Deutschland dar.<\/p>\n<p>In den Jahren des Abstimmungskampfes wurde das R\u00fcckertgedicht mehrfach vertont, zuletzt 1934 durch den Th\u00fcringer Komponisten Walter Rein. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das \u201eSaarv\u00f6gelein\u201c wieder als politisches Motiv f\u00fcr die R\u00fcckgliederung verwandt. In der Folgezeit besa\u00df es einen dokumentarischen Charakter, so in einem Saarl\u00e4ndischen Lesebuch von 1980, das von Fred Oberhauser und Rainer Petto herausgegeben wurde, und in einem Feature von Ludwig Harig im Jahre 1987 f\u00fcr eine Fernsehsendung \u00fcber \u201eAnsichten zum Saarland\u201c wurde das Motiv gleichfalls herangezogen.<\/p>\n<p>Das Saarv\u00f6gelein des Jahres 1814 wurde im Jahre 1815, also ein Jahr sp\u00e4ter, aber dann doch von den deutschen Waldv\u00f6gelein geh\u00f6rt und erh\u00f6rt. Napoleons Flucht von der Insel Elba und seine R\u00fcckkehr an die Macht zwang die Alliierten zu einer Wiederaufnahme des Befreiungskrieges. Nach der Schlacht von Waterloo (am 18. Juni 1815) war der erste Pariser Friedensschluss nur noch Makulatur. Die Saarbr\u00fccker deutsch-patriotische Partei ergriff die Chance und setzte sich wiederum f\u00fcr einen Anschluss an Preu\u00dfen ein. Der preu\u00dfischen Staatskanzler Karl August von Hardenberg, der auf der Durchreise nach Paris am 10. Juli 1815 in Saarbr\u00fccken Station machte, zeigte sich aufgeschlossen. Ein von Heinrich B\u00f6cking, dem Schwiegersohn des H\u00fcttenunternehmers Friedrich Philipp Stumm, entworfenes Memorandum argumentierte mit einer politischen und konfessionellen Verwandtschaft der Saarbr\u00fccker und der Preu\u00dfen und versah Frankreich mit dem Etikett eines \u201eErbfeindes\u201c \u2013 ein fr\u00fcher Beleg f\u00fcr diese Begriffsverwendung.<\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen der deutsch-patriotischen Partei waren von Erfolg gekr\u00f6nt. Grenzkorrekturen zu Lasten Frankreichs wurden Anfang Oktober 1815 zum Bestandteil der Friedenspr\u00e4liminarien. Die franz\u00f6sischen Grenzen des Jahres 1790 stellten diesmal die vertragliche Vorgabe dar, doch auch ihr folgten die Hohen M\u00e4chte nicht buchstabengetreu. Am 2. November entschieden sie, dass Frankreich den Saarbr\u00fccker und auch den Saarlouiser Raum abtreten m\u00fcsse. Dabei geh\u00f6rte Saarlouis bereits mehr als anderthalb Jahrhunderte zur franz\u00f6sischen Krone. Mit der von Ludwig XIV. gegr\u00fcndeten Festungsstadt und ihrem Umland gelangte demnach ein altfranz\u00f6sischer Gebietsstreifen unter die preu\u00dfische Landesherrschaft, weshalb hier die Grenzkorrektur ganz andere Empfindungen ausl\u00f6ste als im nassau-saarbr\u00fcckischen Kernland.<\/p>\n<p>Die seinerzeit namhafte Augsburger Allgemeine Zeitung berichtete am 24. Dezember 1815 aus Lothringen, die preu\u00dfische Besetzung der Festung Saarlouis mit 3.000 Mann sei anders als in Landau ohne Schwierigkeiten verlaufen. Viele Einwohner wollten die Stadt verlassen. Es herrsche eine gro\u00dfe Niedergeschlagenheit, da die Stadt haupts\u00e4chlich von Familien der weggezogenen franz\u00f6sischen Milit\u00e4rs bewohnt sei. Eine goldene Zukunft sagt der Artikel den \u201eSpekulanten\u201c voraus, die infolge der hohen Zollmauer Frankreichs einen lukrativen Schmuggel betreiben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Man muss die Trauer in Saarlouis sicher als eine echte bewerten. Die im Intelligenzblatt von Saarlouis erhaltene Ergebenheitsadresse der Kreisbewohner \u00a0vom 6. August 1817 an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm enth\u00e4lt eine Klage \u00fcber den \u00a0Wegriss vom \u201ealten Vaterlande\u201c, \u00fcber die Schwere der Trennung, \u00fcber das Gef\u00fchl des g\u00e4nzlichen Verlorenseins, \u00fcber die Unkenntnis der Gebr\u00e4uche und zum Teil der Sprache des neuen Landes, \u00fcber die Bef\u00fcrchtung \u201eeiner traurigen Zukunft\u201c und das erlittene \u201epolitische Ungl\u00fcck\u201c. Und auch die Liste der Ausgewanderten, die im Verdacht standen, den Grenz\u00fcbertritt nur vollzogen zu haben, um den preu\u00dfischen Milit\u00e4rdienst zu umgehen, spricht f\u00fcr sich. Die im Amtsblatt von 1821 ver\u00f6ffentlichten Namen verzeichnen f\u00fcr den gesamten Regierungsbezirk Trier 142 Personen, davon stammten aus dem Kreis Saarlouis allein 101, also mehr als 70 %. Man kann in diesem Verhalten eine \u201aAbstimmung mit den F\u00fc\u00dfen\u2019 sehen, einen Indikator f\u00fcr das geschichtlich gewachsene nationale Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Den Trauergef\u00fchlen infolge einer territorialen Abtrennung entsprachen Freudenfeiern und \u2013feste nach Wiedervereinigungen. \u00a0Sieht man von Saarlouis ab, wo noch einige Zeit Trauerarbeit geleistet werden musste, so wurden in Deutschland allgemein die Befreiungskriege zum Standardrepertoire von jubilierenden Festreden. In Saarbr\u00fccken etwa beim \u00a0Besuch des Prinzregenten im Jahre 1860. Der Liberale Dr. Hermann Jordan hielt eine Rede, in der er auf das Deutschtum der Bewohner und den freien Anschluss an Preu\u00dfen im Jahre 1815 verwies, und die Erwartung aussprach, dass jedweder Anspruch auf den heimischen deutschen Boden abgewehrt werde. B\u00fcrgermeister Johann Kromayer beteuerte, dass die 1815 bewiesene Anh\u00e4nglichkeit und Treue der V\u00e4ter in den Nachkommen unverbr\u00fcchlich weiterlebe. Der Prinzregent versicherte daraufhin, eine Trennung der Saarst\u00e4dte vom deutschen Boden niemals zuzulassen.<\/p>\n<p>Ein paar Jahre sp\u00e4ter, im Jahre 1865, wurde die politische Haltung der Saarbr\u00fccker in den Befreiungskriegen in einer Kundgebung im oppositionellen Sinne ins Spiel gebracht. Anlass war der von Otto von Bismarck heraufbeschworene Verfassungskonflikt, in dem das Budgetrecht der Abgeordnetenkammer missachtet wurde. Dagegen machten die Saarbr\u00fccker Liberalen Front. Sie erinnerten daran, dass Saarbr\u00fccken noch unter franz\u00f6sischer Hoheit stehend den Anschluss an Preu\u00dfen forderten und damit politischen Mut und St\u00e4rke bewiesen. Mit der gleichen St\u00e4rke werde die heutige Generation, so die politische Kampfansage, um das Verfassungsrecht k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>II. Borussifizierung und Antipreu\u00dfentum<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des zweiten Befreiungskrieges, am 15. Juli 1815, erkl\u00e4rten die Protagonisten eines Anschlusses des Saarbr\u00fccker Landes an Preu\u00dfen, wie vorhin erw\u00e4hnt, die Franzosen seien ein nationaler Erbfeind, die Preu\u00dfen hingegen Verwandte. Die genealogisch wie kulturgeschichtlich mehr als fragw\u00fcrdige Verwandtschaftsthese wurde in der Folgezeit kultiviert, war aber nie unumstritten. Stark abweichende Akzente setzte z.B. der Kunsthistoriker Karl Lohmeyer in seinen nach dem Zweiten Weltkrieg niedergeschriebenen &#8222;Erinnerungen&#8220;. Er prangerte die respektlose Behandlung des nassauischen Kulturerbes seitens der preu\u00dfischen Verwaltung an. Bezeichnend war f\u00fcr ihn die Demontage des Mobiliars der Ludwigskirche, die die alten Saarbr\u00fccker Familien sehr verletzt habe, und er sah hier von Animosit\u00e4t gegen s\u00fcddeutsche F\u00fcrstenh\u00e4user geleitete &#8222;landfremde Elemente&#8220; aus dem Norden am Werk.<\/p>\n<p>&#8222;Landfremde&#8220;, nicht aus der einheimischen Bev\u00f6lkerung hervorgehende Beamte spielten eine dominante Rolle im \u00f6ffentlichen Leben: in verschiedenen Zweigen der Verwaltung, im Schulwesen, in der Justiz, im Milit\u00e4r. Wegen der Uniform, die selbst Zivilbeamte zur Betonung ihrer Autorit\u00e4t und zur Verk\u00f6rperung der Staatsgewalt schm\u00fcckten, wurden sie als die \u201eBlauen\u201c bezeichnet. Eine blaue Uniform trugen z.B. die Landr\u00e4te, die m\u00e4chtigen Statthalter der Regierung vor Ort. Etliche Funktionstr\u00e4ger waren altpreu\u00dfischer Herkunft und bekannten sich zum Protestantismus. In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung fielen die Unterschiede vor allem in den katholisch gepr\u00e4gten Gebietsteilen des Saarlandes auf: Die \u201eBlauen\u201c beteten anders, sprachen anders, a\u00dfen andere Speisen. Obwohl Deutsche erweckte die zugezogene altpreu\u00dfische Elite bei einem gro\u00dfen Teil der saarl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung den Eindruck, dass sie ihr weit fremder seien als die Franzosen oder die Juden, mit denen sie seit langem Kontakt pflegten und Lebenserfahrungen teilten.<\/p>\n<p>In der Verwaltung spielten die Landr\u00e4te eine herausragende Rolle. Nach einem Bonmot der Zeit waltete der Landrat wie ein K\u00f6nig in seinem Kreis. Er war geradezu mit einer Allzust\u00e4ndigkeit ausgestattet. Handelte es sich bei den\u00a0 Landr\u00e4ten in den \u00f6stlichen Provinzen \u00fcberwiegend um adelige Einheimische, so rekrutierten sie sich im Westen meist aus ausw\u00e4rtigen Verwaltungsfachleuten, von denen die Regierung eine besondere Loyalit\u00e4t erwartete. In den Kreisen Saarbr\u00fccken und Saarlouis folgten auf die ersten einheimischen Landr\u00e4te (Dern in Saarbr\u00fccken, Schmeltzer in Saarlouis) importierte. Die importierte B\u00fcrokratie wurde selbst in St\u00e4dten charakteristisch. So waren, als 1909 eine kreisfreie Stadt Saarbr\u00fccken aus Alt-Saarbr\u00fccken, St. Johann und Malstatt-Burbach\u00a0 geschaffen wurde, alle drei B\u00fcrgermeister\u00a0 importierte B\u00fcrokraten. Der b\u00fcrokratische Landrat des Westens f\u00fchlte sich im Unterschied zum feudalen Landrat des Ostens als Repr\u00e4sentant der Staatsregierung im Kreis, nicht als Repr\u00e4sentant des Kreises gegen\u00fcber der Staatsregierung. Unter den 23 Verwaltungschefs, die bis 1850 in den das saarl\u00e4ndische Territorium betreffenden Kreisen t\u00e4tig waren, hatten nur drei einen Adelstitel \u2013 ein gravierender Unterschied zum Osten der Monarchie, sogar schon zur Provinz Westfalen.<\/p>\n<p>Wie die Kommunalverfassung \u00fcberlebte die Gerichtsverfassung die franz\u00f6sische Epoche. Die Rheinl\u00e4nder k\u00e4mpften f\u00fcr die Bewahrung des m\u00fcndlichen und \u00f6ffentlichen Gerichtsverfahrens, Geschworenengerichte in Strafsachen, die Aufhebung der Standesunterschiede, die Gleichheit vor dem Gesetz, die freie Verf\u00fcgung \u00fcber Grundeigentum. Dass die Fortdauer der franz\u00f6sisch-rheinischen Institutionen ganz den Saarbr\u00fccker Vorstellungen und W\u00fcnschen entsprach, belegt bereits die Beteiligung des Stadtrats an einer diesbez\u00fcglichen Petition, die im Jahre 1826 von den rheinischen St\u00e4dten an den ersten Provinziallandtag gerichtet wurde.<\/p>\n<p>In Spannungszeiten steigerte sich das distanzierte Verh\u00e4ltnis zum Preu\u00dfentum in Animosit\u00e4ten, so z.B. nach der Julirevolution, als eine Massenschl\u00e4gerei zwischen Zivilisten und Milit\u00e4r vor einem Saarbr\u00fccker Lokal stattfand. Auf das herausfordernde Benehmen patrouillierender Husaren reagierten einige B\u00fcrger mit Beschimpfungen wie &#8222;Lumpenpreu\u00dfen&#8220; und &#8222;Schlappenpreu\u00dfen&#8220; und &#8222;Vive la R\u00e9publique&#8220;-Rufen. Die Verbalangriffe eskalierten in einer Schl\u00e4gerei, in der Steine, Messer, S\u00e4bel und Kn\u00fcppel eingesetzt wurden. Das Ergebnis des Krawalles waren 20 Schwerverletzte, darunter vier lebensgef\u00e4hrlich verletzte Husaren.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe H\u00e4rte demonstrierte die preu\u00dfische Regierung in der Festungsstadt Saarlouis, als sie an drei Pr\u00fcmer Landwehrm\u00e4nnern ein Exempel statuierte. Emp\u00f6rt \u00fcber die Aufl\u00f6sung des preu\u00dfischen Abgeordnetenhauses war es am 19. Mai 1849 in Pr\u00fcm in der Eifel zu einem Zeughaussturm, zu einer Attacke auf ein Waffendepot, durch eine aufgebrachte Menschenmenge gekommen. Die Landwehr leistete keinen nennenswerten Widerstand gegen die Angreifer. Drei Soldaten, die es abgelehnt hatten, auf die ihnen pers\u00f6nlich bekannten Aufr\u00fchrer zu feuern, wurden in die Garnisonsstadt Saarlouis gebracht und von einem Milit\u00e4rgericht zum Tode verurteilt. Die Exekution erfolgte einen Tag vor dem Geburtstag des K\u00f6nigs. Am folgenden Tag pilgerte eine gro\u00dfe Menschenmenge zu den Gr\u00e4bern, tief betroffen und entt\u00e4uscht, dass der preu\u00dfische K\u00f6nig die M\u00e4nner nicht begnadigt hatte. In der Rheinprovinz war die hier manifest werdende H\u00e4rte der Regierung allerdings ein Ausnahmefall.<\/p>\n<p>Preu\u00dfischer Geist drang unvermeidlich in den Lebens- und Arbeitsstil der saarl\u00e4ndischen Bewohner ein. Was sich die Oberschicht an Disziplin selbst auferlegte, suchte sie der Unterschicht mit ihren Mitteln aufzuzwingen. Das 1819 von Leopold Sello, dem Leiter des Saarbr\u00fccker Bergamtes, erlassene &#8222;Reglement f\u00fcr die Bergleute im k\u00f6niglich-preu\u00dfischen Bergamtsbezirk Saarbr\u00fccken&#8220; stellte die Werte Treue, Gehorsam, Ordnung, Rechtschaffenheit in den Mittelpunkt. Steiger und Knappschafts\u00e4lteste wurden verpflichtet, auf den sittlichen Lebenswandel der Bergleute und ihrer Familien zu achten. Die Bergbeh\u00f6rde sah in &#8222;Genuss- und Putzsucht&#8220; die Ursache aller Armut, die soziale Frage hervorgegangen aus einem \u00fcberzogenen Anstieg der Bed\u00fcrfnisse, die L\u00f6sung der Frage in der Erziehung zu Sparsamkeit und zum Konsumverzicht.<\/p>\n<p>Die konkrete Lebenswelt der Reglementierten wird h\u00f6chstens teilweise den hohen Anforderungen der preu\u00dfischen B\u00fcrokratie entsprochen haben. Der Wirtshausbesuch von Bergleuten etwa d\u00fcrfte kaum zu unterbinden gewesen sein,\u00a0 f\u00fcr die Gro\u00dfzahl der st\u00e4dtischen B\u00fcrger geh\u00f6rte er zur Gemeinschaftspflege. \u00dcblich war vor allem am Sonntagabend der Weg in die Stammkneipen. Sobald sich einige G\u00e4ste an einem Tisch versammelt hatten, sangen sie bekannte Volkslieder, zunehmend auch patriotische Texte: &#8222;Ich habe mich ergeben&#8220;, &#8222;Dort wo der alte Rhein mit seinen Wellen&#8220;, &#8222;Guter Mond du gehst so stille&#8220;, die Arndtschen Freiheitslieder.<\/p>\n<p>Eine Distanz zum Preu\u00dfentum, die aus dem regionalen Identit\u00e4tsbewusstsein hervorging, konnte aus der Idee eines deutschen Nationalstaats weiter verst\u00e4rkt werden. Diese Idee ist auch an der Saar im Vorm\u00e4rz allenthalben zu finden. Im Saarbr\u00fccker Anzeiger vom 10. Januar 1838 hei\u00dft es, der Boden der Deutschen sei wie ihre Herzen geteilt, gleichwohl h\u00e4tten sie ein Vaterland. Wo Menschenrechte, Geistesfreiheit und Verstand heilig seien, da sei des Deutschen Vaterland. Deutschland wird wie einst von Friedrich Schiller als geistige Gr\u00f6\u00dfe hochgesch\u00e4tzt, doch von der Spiritualisierung der Nationalidee ging keine Beruhigung mehr aus. Erst ein Nationalstaat w\u00fcrde, so die Vision, die Teilung der Herzen \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Kritik am Preu\u00dfentum aus regionaler oder Relativierung seiner Bedeutung aus nationaler Perspektive war nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist es unverkennbar, dass die preu\u00dfischen Beamten aktiv und vielfach f\u00fchrend am kulturellen Leben teilnahmen. In Saarbr\u00fccken waren in erster Linie die Gymnasiallehrer, die aus Provinzen des Kernlandes an die Saar versetzt wurden, Tr\u00e4ger der preu\u00dfischen Kulturarbeit. Ihre Wirksamkeit beschr\u00e4nkte sich nicht auf die schulische Erziehung der k\u00fcnftigen Bildungselite, sondern erstreckte sich auch auf das allgemeine kulturelle Leben. Direktor Georg Heinrich Friedrich Ottemann engagierte sich z.B. im st\u00e4dtischen Musikleben, Oberlehrer Friedrich Schr\u00f6ter war Vorsitzender des Geschichtsvereins und redigierte w\u00e4hrend der 48er Revolution die Saarzeitung; au\u00dferdem bet\u00e4tigte er sich als Antiquit\u00e4tensammler. Der Lehrer Friedrich Goldenberg legte eine Gesteins- und Mineraliensammlung aus heimischen Bodenfunden an. Interesse an saarl\u00e4ndischen Boden- und auch Kultursch\u00e4tzen ist demnach Neub\u00fcrgern aus dem deutschen &#8222;Norden&#8220; nicht abzusprechen. Am Vereinsleben, insbesondere an karitativen Einrichtungen, partizipierten die Landr\u00e4te, hohe Justiz- und Finanzbeamte, in begrenztem Umfang auch das Milit\u00e4r. Dass sich durch den Zuzug von Fremden, zumal wenn diese der sozialen Elite angeh\u00f6rten, auch die mentalen Strukturen ver\u00e4nderten, ist anzunehmen, doch ging davon nicht nur die Gefahr einer \u00dcberfremdung, sondern auch die Chance einer fruchtbaren Belebung aus. Nach und nach hielten sich Distanz zum Preu\u00dfentum und Akzeptanz bei der einheimischen Bev\u00f6lkerung mal mehr mal weniger die Waage.<\/p>\n<p><strong>III. Die R\u00fcckkehr der territorialen Zersplitterung an die Saar<\/strong><\/p>\n<p>Die alliierten Gro\u00dfm\u00e4chte befassten sich vor dem Abschluss des Zweiten Pariser Friedens im November 1815 mit Territorialfragen, um die Interessen und Anspr\u00fcche der deutschen F\u00fcrsten auszugleichen und umzusetzen. Diese Vereinbarungen hatten eine Aufteilung des saarl\u00e4ndischen Raumes zur Folge. Bereits auf dem Wiener Kongress war Preu\u00dfen verpflichtet worden, kleinere F\u00fcrsten aus seinem provisorisch \u00fcberlassenen linksrheinischen Territorialbestand zu entsch\u00e4digen, und zwar mit einem Distrikt von 69.000 Einwohnern. In Anerkennung dieser Verpflichtung suchte Preu\u00dfen nach dem Zweiten Pariser Frieden eine \u00dcbereinkunft mit Oldenburg und Sachsen-Coburg. Einen ins Saarland hineinreichenden Gebietsstreifen um Birkenfeld erhielt das Gro\u00dfherzogtum Oldenburg, der Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld das St. Wendeler Land.\u00a0 \u00d6sterreich benutzte seine gemeinsam mit Bayern wahrgenommenen territorialen Anspr\u00fcche, um die Basis f\u00fcr einen Gebietsaustausch zu gewinnen. Bayern sollte das Salzburger Land zur\u00fcckgegeben und daf\u00fcr im Linksrheinischen entsch\u00e4digt werden. So geschah es dann auch. Bayern breitete sich bis nach St. Ingbert auf saarl\u00e4ndischem Boden aus. Die \u00f6ffentliche Meinung \u00fcber die erneute Gebietszersplitterung war sehr negativ. Der Trierer Regierungsrat Handel erkl\u00e4rte dazu am 30. Juni 1816: \u201eSelbst der gemeine Mann ist gegen diese Zerst\u00fcckelungen und sieht sie f\u00fcr jetzt und die Zukunft als ein wahres Ungl\u00fcck an\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr die vier neuen Landesherren an der Saar stellte sich die Aufgabe, das franz\u00f6sische politische System durch ein eigenes zu ersetzen oder nach eigenen Vorstellungen zu modifizieren. Abgesehen von Bayern, das bereits seit 1818 ein Verfassungsstaat war, besa\u00df auf saarl\u00e4ndischem Raum das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld gegen\u00fcber Preu\u00dfen einen Vorsprung in konstitutioneller Hinsicht, allerdings nur kurzfristig. Das am 24. Februar 1819 zum F\u00fcrstentum Lichtenberg erhobene Nebenland erhielt durch Verfassungsakt vom 27. April 1821 einen \u201eLandrat\u201c, bestehend aus sieben Mitgliedern, die auf der Grundlage eines hohen Zensus unter Mitwirkung des Herzogs gew\u00e4hlt wurden. Die relativ moderne repr\u00e4sentative Einrichtung bestand nur auf dem Papier und wurde nach Differenzen mit der Regierung nicht mehr einberufen.<\/p>\n<p>Kein Hof der Nachfolgestaaten Frankreichs an der Saar trat mit einem seiner Repr\u00e4sentanten pers\u00f6nlich so nahe an die Bev\u00f6lkerung heran wie der s\u00e4chsisch-coburgische. Der Hauptort des F\u00fcrstentums Lichtenberg, St. Wendel, wurde n\u00e4mlich Nebenschauplatz einer pers\u00f6nlichen und famili\u00e4ren Trag\u00f6die, die im \u00f6ffentlichen Bewusstsein haften blieb. Im Mittelpunkt stand die Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Coburg-Gotha, bis heute eine Kultfigur in St. Wendel. Als angebliches Opfer \u00fcbler Hofintrigen und Verd\u00e4chtigungen erfolgte 1824 eine Trennung von Herzog Ernst, mit dem sie zwei S\u00f6hne hatte, Ernst und Albert. Bei letzterem handelt es sich um keinen geringeren als den sp\u00e4teren Prinzgemahl der K\u00f6nigin Viktoria von England. Die versto\u00dfene Herzogin erhielt St. Wendel als Wohn- und Residenzort zugewiesen. Nach der offiziellen Ehescheidung 1826 ging sie im gleichen Jahr eine zweite Ehe ein. Sie starb 1831 in Paris im Alter von 31 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Leichnam wurde eine Weile in einer St. Wendeler Wohnung aufgebahrt. 1844 erhielt sie schlie\u00dflich in der Gruft ihrer Ahnen zu Gotha einen standesgem\u00e4\u00dfen Ruheort.<\/p>\n<p>Im F\u00fcrstentum Lichtenberg, bahnte sich nach der Julirevolution eine grundlegende Wende an, die von Unruhen eingel\u00e4utet wurde. Gehorsamsverweigerungen der Untertanen veranlassten die Beh\u00f6rden, mehrere Male preu\u00dfisches Milit\u00e4r aus der Festung Saarlouis zur Hilfe herbeizurufen. Der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha verlor das Interesse am F\u00fcrstentum Lichtenberg, zu dessen Bev\u00f6lkerung er kein Vertrauensverh\u00e4ltnis aufbauen konnte, und trat die Landeshoheit gegen eine finanzielle Entsch\u00e4digung (zuerst auf der Basis einer Jahresrente von 80.000 Taler, dann einer Einmalzahlung von 2,1 Millionen Taler) an Preu\u00dfen ab. Eine Kabinettsorder vom 25. M\u00e4rz 1835 gliederte das s\u00e4chsische Nebenland als Kreis St. Wendel in den Regierungsbezirk Trier ein. Die Bev\u00f6lkerung brachte auch dem neuen Landesherren Abneigung entgegen, sie reagierte aber nicht mit neuen Konflikten, sondern mit verst\u00e4rkter Auswanderung und einem nostalgischen Napoleonkult.<\/p>\n<p><strong>IV. Aufbruch in das moderne Industriezeitalter<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das kommende Industriezeitalter wichtige wirtschaftspolitische Grundlagen wurden in franz\u00f6sisch-napoleonischer Zeit geschaffen und von den neuen Herren weiter ausgebaut. In napoleonischer Zeit erfolgte die Abschaffung feudaler Privilegien und Eigentumsbeschr\u00e4nkungen, die Einf\u00fchrung der Gewerbefreiheit, die Schaffung eines rationalen Wirtschafts- und Steuerrechts. Ein bedeutsamer Vorgang war die Privatisierung von Staatseigentum. Ab 1802 begann der Verkauf der Nationalg\u00fcter au\u00dfer den Forsten und den Kohlengruben. Das teuerste Versteigerungsobjekt waren die Eisenh\u00fctten von Fischbach und Halberg mit 366.000 Francs, die 1806 von dem Waffenfabrikanten Jacques Coulaux aus Mutzig im Elsass erworben und 1809 an ein Konsortium unter der \u00c4gide der Familie Stumm weiterverkauft wurden. Die Privatisierung von Staatseigentum wurde vom preu\u00dfischen Staat als Rechtsnachfolger nicht r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, aber auch nicht weiterbetrieben.<\/p>\n<p>Das Interesse des Staates an der Wirtschaft beschr\u00e4nkte sich nicht auf den Zweig der die Moderne pr\u00e4genden Industrie, sondern galt auch den konventionellen Feldern, auf denen der Landwirtschaft weiterhin eine beherrschende Bedeutung zukam. Den Stellenwert der verschiedenen Produktionszweige in Preu\u00dfen kurz vor der Mitte des 19. Jahrhunderts illustrieren die Ziffern der Rohertr\u00e4ge. Mit gro\u00dfem Abstand f\u00fchrte die Landwirtschaft: Ackerbau und Wiesen brachten 654 Millionen, die Viehwirtschaft nochmals 140 Millionen Reichstaler. Bergbau und H\u00fcttenindustrie folgten mit 33,5 Millionen, Forst- und Waldwirtschaft mit 17,5 Millionen, Fischerei, Bienenzucht mit zusammen 11,5 Millionen Reichstalern, um nur die wichtigsten zu nennen. Im Hinblick auf die Subsistenzgrundlage befand sich die Bev\u00f6lkerung im Wesentlichen noch in der agrarischen Welt, auf der sie schon seit Jahrhunderten ihr Dasein fristete. Aber diese Welt geriet mit der Moderne in Bewegung.<\/p>\n<p>Infolge der linksrheinisch nach dem Erbrecht des Code Civil praktizierten Realteilung, bei der die Nachkommen bei der Verm\u00f6gens\u00fcbergabe gleiche Anteile erhielten, zersplitterte der b\u00e4uerliche Grundbesitz. Nach der Jahrhundertmitte gab es an der Saar nur noch wenige gro\u00dfe H\u00f6fe mit einer Fl\u00e4che von mehr als 75 ha, im Kreis Saarbr\u00fccken im Jahre 1862 z.B. sechs. Von 11.368 Grundbesitzern verf\u00fcgten 2,1 % \u00fcber mehr als 12 ha, die gro\u00dfe Mehrheit (71,4 %) \u00fcber weniger als 1,3 ha. Mit weniger als 5 ha Nutzfl\u00e4che konnte Landwirtschaft nur noch im Nebengewerbe betrieben werden. Die l\u00e4ndliche Gesellschaft an der Saar bestand bis zu 90 % aus Kleinbauern, Tagel\u00f6hnern und Dorfhandwerkern. Das Armutsproblem, der Pauperismus, breitete sich aus, zumal auch das l\u00e4ndliche Handwerk \u00fcberbesetzt war. Die Produktion landwirtschaftlicher G\u00fcter, deren Ertr\u00e4ge zwischen 1800 und 1860 um etwa 30 % stiegen, hielt mit der sich beschleunigenden Bev\u00f6lkerungsentwicklung nicht Schritt.<\/p>\n<p>An Reformbem\u00fchungen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Ertr\u00e4ge fehlte es nicht. Die Verbreitung von Wissen, die Anlage von Musterbetrieben, die Motivation \u00fcber Vereine fanden staatliche Unterst\u00fctzung. Gro\u00dfe Anstrengungen wurden zur Melioration des Bodens unternommen, insbesondere durch Entw\u00e4sserung der sumpfigen Talwiesen. Als Pionier machte sich an der Saar Wilhelm Tell von Fellenberg, ein geb\u00fcrtiger Schweizer und Schwager von Eugen Boch, verdient. Er stellte Drainager\u00f6hren in eigener Fabrikation her und entw\u00e4sserte die versumpften Wiesen im Gebiet Besseringen, Merzig und Brotdorf. Im Kreis Merzig konnte der Rindviehbestand von 1816 bis 1864 um rund 60 % (von 6.642 auf 10.695) erh\u00f6ht werden, w\u00e4hrend im Kreis Saarbr\u00fccken die Steigerung nur 20 % betrug.<\/p>\n<p>Im Vergleich zur Landwirtschaft war der Produktionszuwachs in der Industrie geradezu rasant. Im preu\u00dfischen Staatsbergbau an der Saar wurden 1816 rund 100.000 t Kohlen von 1.000 Arbeitern gef\u00f6rdert, 1846 beliefen sich die Ziffern auf 600.000 t bei 4.000 Bergleuten. Im bayerischen Gebietsteil (St. Ingbert, Mittelbexbach) betrug im Jahre 1816 die Produktion 10.000 t bei 70 Besch\u00e4ftigten und vierzig Jahre sp\u00e4ter rund 50.000 t bei 400 Bergleuten. Die Steigerung der Produktion, die sich in der Folgezeit noch einmal stark beschleunigen sollte, gelang durch die Anlage neuer Gruben, den \u00dcbergang zum Schachtbau und die Ausweitung der Berechtigungsfelder. Vom preu\u00dfischen Staat wurden letztere bis zur Jahrhundertmitte um 164 % erweitert.<\/p>\n<p>Der saarl\u00e4ndische Bergbau lag im preu\u00dfischen wie im bayerischen Gebietsteil wie zuvor in staatlicher Hand. Seiner historisch gewachsenen zentral\u00f6rtlichen Funktion hatte es Saarbr\u00fccken zu verdanken, dass sich die Bergbauverwaltung weiterhin in seinen Mauern, und zwar im Erbprinzenpalais am Schlossplatz, niederlie\u00df. Unweit des Schlosses wohnte auch der aus Potsdam stammende Verwaltungschef Leopold Sello, ein bestens ausgewiesener Fachmann, ein Gl\u00fccksgriff f\u00fcr den saarl\u00e4ndischen Bergbau, dessen Entwicklung gut vierzig Jahre lang in seinen H\u00e4nden lag. Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Ausbildung und der Infrastruktur geh\u00f6rten ebenso wie die Einf\u00fchrung technischer Neuerungen zu den Bem\u00fchungen des Saarbr\u00fccker Bergamts. Bis 1822 erreichte der Bergamtsleiter den geregelten Lehrbetrieb einer Bergschule. Schon 1819 hatte er den Ansto\u00df zur Gr\u00fcndung von Industrieschulen gegeben, um den f\u00fcr Alltag und Beruf erforderlichen Wissensstand der Arbeiter zu heben. Er lie\u00df neue Wege anlegen und die Stra\u00dfen zu den Gro\u00dfabnehmern, den Glas- und Eisenh\u00fctten und den Kokereien, in guten Zustand bringen. Von 1835 bis 1850 stieg der Kohlentransport zu Lande um 143 % an.<\/p>\n<p>Weniger dynamisch als der Bergbau verlief in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts die Eisenproduktion. Sie verdoppelte sich von 1815 bis 1830 von 3.000 auf 6.000 t, stagnierte dann anderthalb Jahrzehnte und stieg von 1845 bis 1850 schwunghaft auf 8.000 t an. Als gr\u00f6\u00dfte Produzenten entwickelten sich die Dillinger Gesellschaft, die Firmen Stumm in Neunkirchen und Kr\u00e4mer in St. Ingbert. Die Familie Stumm ragte in ihrer Bedeutung f\u00fcr die saarl\u00e4ndische Eisenproduktion heraus. 1806 kaufte sie das Eisenwerk zu Neunkirchen. 1809 war sie in einem Konsortium am Erwerb der Halberger H\u00fctte und der Fischbacher Eisenschmelze beteiligt, 1827 kam das Werk Geislautern hinzu, und sie besa\u00df auch Anteile an der Dillinger H\u00fctte. Friedrich Philipp Stumms Tochter Charlotte Henriette war mit Heinrich B\u00f6cking verheiratet. Er war der Gro\u00dfvater von Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg, dem Exponenten der Unternehmerdynastie, der in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zu einem f\u00fchrenden Industriellen in Deutschland aufsteigen sollte. Die Grundlagen schufen freilich die vorangegangenen Generationen der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Auf dem Gebiet der Keramikindustrie gab es 1846 vier Betriebe mit einem lokalen Schwerpunkt an der mittleren und unteren Saar, die 723 Arbeiter besch\u00e4ftigten. Glash\u00fctten waren in 15 Betrieben mit rund 500 Besch\u00e4ftigten in Betrieb.\u00a0 Mit diesem Industriezweig ist besonders der Name Boch verbunden. Jean-Fran\u00e7ois Nikolaus Boch erwarb 1809 die s\u00e4kularisierte Benediktinerabtei St. Peter in Mettlach und er\u00f6ffnete eine mechanisierte Geschirrfabrik. Das in einer Berliner Ausstellung 1822 pr\u00e4sentierte Steingut wurde mit einer Goldmedaille pr\u00e4miert. Patriarchalisches Denken veranlasste Boch bereits 1819 eine Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterst\u00fctzungskasse einzurichten. Um auf dem europ\u00e4ischen Markt bestehen zu k\u00f6nnen, fusionierte Boch mit dem Konkurrenten Nicolas Villeroy aus Wallerfangen. Dieser hatte in der Revolutionszeit f\u00fcr die Rohstoffaufbereitung Teile des s\u00e4kularisierten Pr\u00e4monstratenserklosters Wadgassen erworben. Das 1836 gegr\u00fcndete Unternehmen Villeroy &amp; Boch expandierte in der Folgezeit in Deutschland sowie nach Frankreich und Belgien. Der Firmenzusammenschluss wurde durch die Heirat zwischen\u00a0 Eugen Anton (1892 von) Boch und der Schwester Alfred Villeroys, Octavie Sophie, 1842 besiegelt. \u00dcbrigens zeigt sich hier wie bei den Familien Stumm und B\u00f6cking, dass Heiraten zwischen den Unternehmerfamilien durchaus charakteristisch waren.<\/p>\n<p>1843 er\u00f6ffneten Villeroy und Boch mit der Kristallerie Wadgassen ihr erstes gemeinsames Werk zur Glasherstellung. Die Gr\u00fcndung einer Mosaikplattenfabrik in Merzig ging auf den Schweizer Agrarreformer Wilhelm Tell von Fellenberg zur\u00fcck, der im Mai 1829 die Schwester Eugen Bochs, Virginie, geheiratet hatte. Eugen Anton Boch, der das biblische Alter von 95 Jahren erreichte, zeichnete sich nicht nur als erfolgreicher Unternehmer aus, er war auch politisch (B\u00fcrgermeister von Mettlach, Mitglied des Rheinischen Provinziallandtags), sozial (1849 Einrichtung eines Werkskrankenhauses) und wissenschaftlich (Sammlung von Urkunden zur Abtei Mettlach, Errichtung eines Museums f\u00fcr arch\u00e4ologische Funde, 1844 Gr\u00fcndung eines Keramikmuseums in Mettlach) aktiv, wobei sich die Beispiele nur auf das Lebenswerk der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte beziehen.<\/p>\n<p>Der wirtschaftliche Aufschwung an der Saar war begleitet von einer dynamischen Bev\u00f6lkerungsentwicklung. Die saarl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung belief sich zu Beginn der preu\u00dfischen Zeit auf rund 145.000 und erreichte bis 1855 einen Stand von rund 250.000, d. h., sie vermehrte sich um das 1,7fache. Das Schlusslicht im Wachstum bildeten die auf saarl\u00e4ndischem Boden liegenden Gemeinden des Kreises Saarburg. Diese verzeichneten im Gesamtzeitraum einen Zuwachsfaktor von 1,36. Das n\u00f6rdliche Saarland f\u00e4llt \u00fcberhaupt durch seine niedrigen Zuwachsraten auf, etwa die Kreise Merzig, St. Wendel, Trier, der Kreis Saarlouis hielt sich im Schnitt. Das unterschiedliche Wachstum stand in Korrelation zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Fr\u00fchindustrialisierung. Dort, wo Gruben und H\u00fcttenwerke lagen, erlebte die Bev\u00f6lkerungsentwicklung einen Aufschwung, in rein l\u00e4ndlichen Gebieten hingegen eine Stagnation.<\/p>\n<p>Die Migration beschr\u00e4nkte sich nicht auf Auswanderungen, es gab auch Ein- und Binnenwanderungen, letztere vor allem mit zunehmender Industrialisierung. In sozialer Hinsicht waren die Zuwanderungen nicht auf eine gesellschaftliche Klasse beschr\u00e4nkt. Um 1800 lie\u00dfen sich die Unternehmerfamilien Stumm und B\u00f6cking aus dem Hunsr\u00fcck und dem Moselraum kommend in Saarbr\u00fccken und mit ihren Fabriken im saarl\u00e4ndischen Raum nieder. In preu\u00dfischer Zeit zogen Repr\u00e4sentanten einer Funktionselite, Beamte und Angestellte, an die Saar. 60 % der aus Altpreu\u00dfen stammenden und 34,6 % der aus Westfalen kommenden Neub\u00fcrger geh\u00f6rten dieser Elite an. Es handelte sich durchweg um B\u00fcrgerliche mit bergakademischer Ausbildung, preu\u00dfischem Beamtenethos und Reserveoffizierspatent. Namentlich die Leitung des Bergbaus lag in ihren H\u00e4nden. Neben der Funktionselite zog es auch Handwerker an die Saar, besonders in die Doppelstadt, haupts\u00e4chlich aus Frankreich (Schwerpunkt Elsass-Lothringen), aber auch vom Hunsr\u00fcck und von der Eifel kommend. Quantitativ ins Gewicht fielen vor allem die Bergleute, deren Zuwanderung an die Grubenstandorte im Saarrevier seit 1841 systematisch betrieben wurde.<\/p>\n<p>Die Basis der Bev\u00f6lkerungsentwicklung bildete die auf die Eheschlie\u00dfung aufbauende Reproduktion, die in ihrer quantitativen Bedeutung den Faktor der Migration \u00fcbertraf. Das Heiratsverhalten f\u00fchrt zu einer qualitativen Komponente der Demographie. Es war von einer Bevorzugung des Ehepartners der gleichen Konfession, aus derselben Schicht und aus demselben Ort gekennzeichnet. Der Stand leitete sich bei Frauen wesentlich vom Beruf des Vaters ab. Eine Besonderheit weist das Heiratsverhalten der nach Saarbr\u00fccken versetzten bzw. zugezogenen Beamten auf. W\u00e4hrend in Deutschland \u00fcber die H\u00e4lfte der akademisch gebildeten Beamten ihre Ehefrauen aus dem gleichen Stand, also Beamtent\u00f6chter, ausw\u00e4hlten, gingen die Vertreter dieser Berufsgruppe in Saarbr\u00fccken ganz \u00fcberwiegend Ehen mit T\u00f6chtern aus dem Wirtschaftsb\u00fcrgertum ein. Gymnasiallehrer, Bergbeamte, Landr\u00e4te, Justizbeamte, Milit\u00e4rs heirateten in die Oberschicht der Kaufleute, Unternehmer, Notare ein. \u00c4hnlich verhielt es sich, auf einem niedrigeren sozialen Niveau, mit den Subalternbeamten. Die Heirat leitete vielfach einen gesellschaftlichen Aufstieg ein, allgemein wurde durch das Netz der verwandtschaftlichen Beziehungen die soziale Integration der Zuwanderer gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Das Prinzip der freien Partnerwahl war nicht nur durch gesellschaftliche Konventionen begrenzt. F\u00fcr die Bergleute bestand die Verpflichtung, die Zustimmung des Vorgesetzten zur Eheschlie\u00dfung einzuholen. Auch dies f\u00fchrte zu einem relativen geschlossenen Heiratskreis, wurde aber als Drangsalierung empfunden. Zu den M\u00e4rzforderungen der Bergleute im Jahre 1848 geh\u00f6rte folgerichtig das Postulat einer Aufhebung dieser freiheitsbeschr\u00e4nkenden Bestimmung, die zudem gegen das Prinzip einer staatsb\u00fcrgerlichen Gleichheit verstie\u00df und als Relikt der Feudalzeit erscheinen musste. \u00dcbrigens fand die Kontrolle des Heiratsverhaltens im so genannten \u201eK\u00f6nigreich Stumm\u201c noch lange eine Fortsetzung.<\/p>\n<p><strong>Signum der Epoche<\/strong><\/p>\n<p>Bezeichnend f\u00fcr die dargestellte Epoche ist eine zeitliche Ungleichheit der politischen Modernisierung. Hatte der bayerische Rheinkreis bereits seit 1818 Anteil am Verfassungsleben der Monarchie, so errang dies die Rheinprovinz erst nach der Revolution von 1848\/49 und dann noch in dem undemokratischen Dreiklassenwahlrecht. In der Entfaltung parteipolitischer Str\u00f6mungen ging der s\u00fcddeutsche Staat dem norddeutschen gleichfalls zeitlich voraus. \u00dcberwiegend erfolgte dabei eine Einordnung in das linke bzw. liberale Spektrum.<\/p>\n<p>Die Relation von Neben- und Hauptstaat war in Preu\u00dfen wie in Bayern von Spannungen gekennzeichnet, doch ist die Distanz zwischen dem Saargebiet und dem preu\u00dfischen Kernland gr\u00f6\u00dfer einzusch\u00e4tzen als die zwischen Saarpfalz und dem \u00fcbrigen Bayern. Dem Preu\u00dfentum gelangen ohne Zweifel Erfolge, auch im kulturellen Bereich, aber es war f\u00fcr die Saarl\u00e4nder sperriger als das Bayerntum. Ein gesamtdeutsches, allen Bewohnern der franz\u00f6sischen Nachfolgestaaten gemeinsames Ph\u00e4nomen war die wachsende Nationalisierung des Bewusstseins.<\/p>\n<p>Ein weiteres Signum der Zeit war die beginnende Industrialisierung. Zwar bestand noch ein erheblicher Unterschied zur take-off-Phase der zweiten Jahrhunderth\u00e4lfte, doch Produktionsziffern, Arbeiterzahlen, Bev\u00f6lkerungsentwicklung zeigen unverkennbar ein beschleunigtes Wachstum an. Schl\u00fcsselindustrien waren dabei Bergbau und H\u00fcttenwerke. Der saarl\u00e4ndische Raum wies deutliche Differenzen zwischen stagnierenden und sich dynamisch entwickelnden St\u00e4dten, Gemeinden und Kreisen auf. Die dynamische Doppelstadt Saarbr\u00fccken-St. Johann lag im Schnittpunkt zweier Schenkel, von denen einer der Saar entlang in nordwestlicher Richtung, der andere in nord\u00f6stlicher Richtung auf Neunkirchen zu verlief. Entlang dieser Schenkel schuf die Montanindustrie die Basis f\u00fcr eine beschleunigte Bev\u00f6lkerungsentwicklung und eine gesellschaftliche Modernisierung. Das hier entstehende Saarrevier besa\u00df eine Sogkraft f\u00fcr den gesamten saarl\u00e4ndischen Raum, wenn auch an den R\u00e4ndern weiterhin die agrarische Welt dominierte. Die Hochindustrialisierung verst\u00e4rkte alle beschriebenen Trends. Das zeigt der Beitrag, der meinem eigenen in der \u201eSaarland-Geschichte\u201c folgt. F\u00fcr weitere Informationen nicht nur zu der hier behandelten Zeit verweise ich auf eben dieses Buch.<\/p>\n<p><a title=\"Das Saarland und saarl\u00e4ndische Orte in der Geschichte\" href=\"..\/..\/saarland\" \ntarget=\"_self\">Weitere Texte zum Saarland<\/a><\/p>\n<p><strong>Vom Arrondissement zum Landkreis Saarbr\u00fccken<br \/>\nDie Borussifizierung der Saarregion (1814-1850)<\/strong><\/p>\n<p>Vortrag vom 16.03.2016 im Historischen Museum Saar, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>Vor zweihundert Jahren schuf der preu\u00dfische Staat im Zuge einer Neugliederung seiner Verwaltung neben zw\u00f6lf Provinzen und 37 Regierungsbezirken rund 500 Land- und Stadtkreise, darunter den Landkreis Saarbr\u00fccken, in dessen Kontinuit\u00e4t der heutige Regionalverband Saarbr\u00fccken steht. Aus diesem Anlass finden in diesem Jahr an vielen Kreisst\u00e4dten des 1945 aufgel\u00f6sten preu\u00dfischen Staates so wie hier Gedenkveranstaltungen statt, um an die Entstehung der Kreise zu erinnern. An der Saar entstand der Kreis im Kontext einer Herrschafts\u00fcbernahme  der Hohenzollern statt. Der Vorgang der Borussifizierung der Region, der Pr\u00e4gung durch preu\u00dfische Politik, wird im Folgenden am Beispiel des Landkreises Saarbr\u00fccken in drei Kapiteln behandelt: 1. In der Darstellung des \u00dcbergangs des Saarbr\u00fccker Raumes von Frankreich an Preu\u00dfen. 2. In der Beschreibung der Einf\u00fchrung preu\u00dfischer Institutionen. 3. In der Charakteristik der Berliner Personal- und Kulturpolitik. Am Schluss steht ein Res\u00fcmee \u00fcber die Spuren, die Preu\u00dfen an der Saar hinterlassen hat.<\/p>\n<p>1. Das dramatische Ringen der Saarbr\u00fccker um den Anschluss an Preu\u00dfen 1814\/15<br \/>\nKarte ArrSB2.jpg:<br \/>\nDas Gebiet des Landkreises Saarbr\u00fccken war ein Teil der Liquidationsmasse des Arrondissements Saarbr\u00fccken im Saardepartement, das sich an der mittleren Saar in einer Weise mit dem Saarlouiser Ausl\u00e4ufer des Moseldepartements verschlang, wie sie in der bizarren Territorialwelt der Feudalzeit typisch war. Der zeitlich verz\u00f6gerte \u00dcbergang des Gebietes von Frankreich an Preu\u00dfen war mit \u00dcberraschungen und Schrecken verbunden. Der Koalitionskrieg der europ\u00e4ischen M\u00e4chte gegen Napoleon, der mit dem Ersten Pariser Frieden am 30. Mai 1814 endete, l\u00f6ste im Saarbr\u00fccker Raum durch die territorialen Entscheidungen, die von dem Krieg erwartetet wurden bzw. ihn begleiteten, zwei Schockwellen aus. Die erste Welle erfasste nach der Besetzung des Landes durch die Alliierten die Beamten franz\u00f6sischer Herkunft und die frankophilen B\u00fcrger.  Die Altfranzosen verlie\u00dfen fluchtartig das Land, unter ihnen der Saarbr\u00fccker Unterpr\u00e4fekt. Das Kerngebiet des ehemaligen F\u00fcrstentums Nassau-Saarbr\u00fccken war nach ihrem eigenen Empfinden trotz langj\u00e4hriger Okkupationszeit nicht franz\u00f6sisch geworden. Der zu erwartenden Vertreibung zuvorkommend ergriffen sie ihr Heil in der Flucht.<br \/>\nUnd auch die von den Alliierten unmittelbar nach der Eroberung eingerichtete Besatzungsverwaltung ging von einer neuen territorialen Zuordnung aus. Sie sah in den Saarst\u00e4dten ein ehemals deutsches Territorium und lie\u00df neu berufene Beamte einen Eid auf die verb\u00fcndeten M\u00e4chte leisten. Der profranz\u00f6sische B\u00fcrgermeister Sebastian Bruch, der das Amt von 1804 bis 1814 ausge\u00fcbt hatte,  fiel einer politischen S\u00e4uberung zum Opfer. Im M\u00e4rz erhielt mit Heinrich B\u00f6cking <Bild> ein aus Traben-Trarbach stammender preu\u00dfisch-deutscher Patriot das Amt, nach dessen Amtsniederlegung der Gesinnungsgenosse Notar Carl Lauckhard. Der Einzug der Verb\u00fcndeten in Paris am 31. M\u00e4rz 1814 wurde am 17. April mit einem Dankfest gefeiert. Nach menschlichem und politischem Ermessen lief die Entwicklung zielstrebig auf eine Zuordnung Saarbr\u00fcckens zum deutschen Raum hinaus.<br \/>\nDass die Grenzziehung anders ausfiel, als Freund und Feind erwarteten, l\u00f6ste die zweite Schockwelle aus, diesmal auf Seiten der \u201adeutschen Partei\u2018. Der Schock war begr\u00fcndet, denn die im Pariser Friedensvertrag sanktionierte R\u00fcckf\u00fchrung Frankreichs auf den Gebietsstand von 1792 h\u00e4tte zur Anerkennung des in der Revolutionszeit untergegangenen nassauischen F\u00fcrstentums als deutsches Gebiet f\u00fchren m\u00fcssen. F\u00fcr den Verbleib der Kantone Saarbr\u00fccken und St. Arnual und einen Teil des Kantons Lebach bei Frankreich wurde zum Ausgleich der tief in den saarl\u00e4ndischen Raum hineinragende Gebietsstreifen des Moseldepartements, der Kanton Tholey, und teilweise der Kanton Launstroff der Besatzungsverwaltung \u00fcberlassen. Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig glichen sich Gewinn und Verlust nahezu aus. In der Wertsch\u00e4tzung waren auf deutscher Seite allerdings der reale und auch der gef\u00fchlte Verlust der Saarst\u00e4dte dominant, lagen, um es pointiert zu sagen, Welten zwischen dem Gewinn und dem Verlust. <s. Karte ArrSB><br \/>\nAnl\u00e4ufe zur Revision des Grenzverlaufs, die Einwohner von Saarbr\u00fccken und St. Johann zu Gunsten Preu\u00dfens im Vorfeld und w\u00e4hrend des Wiener Kongresses (Juni\/Juli 1815) unternahmen, blieben erfolglos. Die Kleinregion an der Saar stand nicht im Fokus der Hohen M\u00e4chte. Allerdings fanden die zu Unrecht abgetrennten Saarl\u00e4nder Geh\u00f6r in der deutschen \u00d6ffentlichkeit. Der Rheinl\u00e4nder Joseph G\u00f6rres verurteilte  im \u201eDeutschen Merkur\u201c die ungl\u00fcckliche Regelung. Und der fr\u00e4nkische Dichter Friedrich R\u00fcckert, ein Napoleongegner, schrieb ein Gedicht, das zu einem Topos, einem mit geschichtlichen Erinnerungen behafteten und bei bestimmten Gelegenheiten immer wieder aufgegriffenen Bild, werden sollte. Es handelt sich um \u201eArm Saarv\u00f6gelein\u201c, auf das vor einiger Zeit der Germanist Ralph Schock in der Zeitschrift \u201eSaargeschichten\u201c hingewiesen hat.<br \/>\nEin kleiner Vogel, so hei\u00dft es dort, sitzt auf der alten Saarbr\u00fccke und ist traurig dar\u00fcber, dass er von seinen deutschen Artgenossen im Stich gelassen wurde. Die Trennung des Saargebiets vom Deutschen Reich in der V\u00f6lkerbundzeit war eine Situation, die der des Jahres 1814  glich. Im Juli 1930 griffen mehrere Artikel einer Sonderausgabe der in Berlin erschienenen Zeitschrift \u201eSaar-Freund\u201c R\u00fcckerts Vogelmotiv auf: Fritz Kloevekorn, Hermann R\u00f6chling und Wilhelm Dresen, der Direktor des Trierer Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums. Das Gedicht wurde mehrfach vertont, zuletzt 1934 durch einen Th\u00fcringer Komponisten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das \u201eSaarv\u00f6gelein\u201c als politisches Motiv eine Renaissance. Die Lage Saarbr\u00fcckens im Jahre 1814 hatte demnach einen nachhaltigen geschichtlichen Eindruck hinterlassen, obwohl das Saarv\u00f6gelein im Jahre 1815, also ein Jahr sp\u00e4ter, von den deutschen Waldv\u00f6gelein geh\u00f6rt und erh\u00f6rt wurde.<br \/>\nNapoleons Flucht von der Insel Elba und seine R\u00fcckkehr an die Macht zwang die Alliierten zu einer Wiederaufnahme des Koalitionskrieges und schuf eine neue Ausgangs- und Bedingungslage f\u00fcr Territorialentscheidungen. Nach der Schlacht von Waterloo (am 18. Juni 1815) besa\u00df der erste Pariser Friedensschluss keine bindende Kraft mehr, er lie\u00df Grenzkorrekturen wie die einer Zuordnung der Saarbr\u00fccker Region zu Gunsten Preu\u00dfens zu.<br \/>\nDie Saarbr\u00fccker deutsch-patriotische Partei ergriff die Chance und setzte sich f\u00fcr einen Anschluss an Preu\u00dfen ein. Der preu\u00dfische Staatskanzler Karl August von Hardenberg, der auf der Durchreise nach Paris am 10. Juli 1815 in Saarbr\u00fccken Station machte, zeigte ein offenes Ohr. Ein von Heinrich B\u00f6cking entworfenes Memorandum konstruierte einen Antagonismus zwischen der Saarregion und Frankreich; es argumentierte mit einer politischen und konfessionellen Verwandtschaft zwischen den Saarbr\u00fcckern und den Preu\u00dfen und versah Frankreich mit dem Etikett eines \u201eErbfeindes\u201c \u2013 ein fr\u00fcher Beleg f\u00fcr diesen Begriff, der am Ende des Jahrhunderts das politische Denken vergiftete. 345 B\u00fcrger von Saarbr\u00fccken und St. Johann erkl\u00e4rten sich in einer Unterschriftenaktion vom 11. Juli 1815 f\u00fcr den Anschluss an Preu\u00dfen. Diese Loyalit\u00e4tsbekundung wurde in der Folgezeit wie R\u00fcckert \u201eSaarv\u00f6gelein\u201c mehrfach politisch instrumentalisiert und publiziert, in der V\u00f6lkerbundzeit von keinem geringeren als Hermann R\u00f6chling, der die Dank- und Bittadresse an F\u00fcrst Hardenberg in seiner Brosch\u00fcre \u201eWir halten die Saar\u201c (1934) als Faksimile zum Druck brachte. Mit seiner Ausgabe verwies er vor dem Referendum vom 13. Januar 1935 auf eine verwandte k\u00e4mpferische Stimmungslage und Siegeszuversicht in einer vergleichbaren Situation.<br \/>\nAm 2. November 1815 entschieden die Hohen M\u00e4chte, dass Frankreich den Saarbr\u00fccker und sogar den Saarlouiser Raum abtreten m\u00fcsse. Dabei geh\u00f6rte Saarlouis bereits mehr als anderthalb Jahrhunderte zur franz\u00f6sischen Krone. Den Saarlouiser Trauergef\u00fchlen infolge der territorialen Abtrennung korrespondierten Freudenfeiern und \u2013feste in Saarbr\u00fccken.  Sieht man von Saarlouis ab, wo noch einige Zeit Trauerarbeit geleistet werden musste, so wurden in Deutschland allenthalben die so genannten Befreiungskriege zum Standardrepertoire von jubilierenden Festreden. In Saarbr\u00fccken etwa beim  Besuch des Prinzregenten im Jahre 1860. Der Liberale Dr. Hermann Jordan hielt eine Rede, in der er auf das Deutschtum der Bewohner und den freien Anschluss an Preu\u00dfen im Jahre 1815 verwies und die Erwartung aussprach, dass k\u00fcnftig jedweder franz\u00f6sische Anspruch auf deutschen Boden abgewehrt werde. <\/p>\n<p>2. Die Borussifizierung in Verwaltung und Justiz<\/p>\n<p>\u00dcberall, wo Preu\u00dfen im deutschen Raum die Nachfolge der Herrschaft Frankreichs oder eines franz\u00f6sischen Satellitenstaates antrat, f\u00fchrte es eine neue Verwaltungsstruktur ein. An die Stelle von Departements, Arrondissements, Kantonen, Mairien und Kommunen traten Provinzen, Regierungsbezirke, Kreise, B\u00fcrgermeistereien und Gemeinden. Erfolgte der \u00e4u\u00dfere Umbau rigoros und konsequent, so war der innere vor allem auf Kreis- und Gemeindeebene flexibel. Preu\u00dfen lie\u00df in seinen Provinzen geschichtlich gewachsene Besonderheiten zu und war nicht wie Frankreich von zentralistischen Staatsvorstellungen geleitet. Das Prinzip einer behutsamen Integration in den Staat fand auch in Bezug auf die Rheinprovinz Anwendung, zu der der Landkreis Saarbr\u00fccken geh\u00f6rte. Der funktionale Umbau der Verwaltung, die Borussifizierung der Institutionen, zog sich \u00fcber Jahrzehnte hin.<br \/>\nMit der Eingliederung des im Zweiten Pariser Frieden hinzugewonnenen preu\u00dfischen Gebietes an der Saar wurde der Trierer Appellationsgerichtsrat Matthias Simon, ein geb\u00fcrtiger Koblenzer, kommissarisch betraut. Sein Nachfolger war der Saarbr\u00fccker Wilhelm Heinrich Dern, der trotz seiner Vergangenheit im franz\u00f6sischen Verwaltungsdienst bestellt wurde, ein erstes Beispiel f\u00fcr einen Br\u00fcckenschlag zur Vergangenheit, deren Erbe politisch obsolet geworden war. <Bild Dern> Er entstammte einer alteingesessenen nassau-saarbr\u00fcckischen Amts- und Akademikerfamilie.  Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Gie\u00dfen wurde er 1781 zum Regierungssekret\u00e4r ernannt. In napoleonischer Zeit war er Regierungsbeamter und Abgeordneter der gesetzgebenden Kammer in Paris.<br \/>\nDer preu\u00dfische Neubau der Verwaltung f\u00fchrte dazu, dass an die Stelle der kantonalen Gliederung des im Zweiten Pariser gewonnenen Gebietes die beiden Kreise Saarbr\u00fccken und Saarlouis traten. <Karte Kreise 1818: Karte 002 (2).jpg> Derns Zust\u00e4ndigkeit wurde am 22. Juli 1816 auf den Kreis Saarbr\u00fccken beschr\u00e4nkt. Definitiv erhielt er den Landratstitel am 25. April 1817.  Er stand bei der Ernennung im 60. Lebensjahr, was ihn aber nicht darin hinderte noch weitere zwanzig Jahre das \u00fcbertragene Amt auszuf\u00fchren<br \/>\nNach einem zeitgen\u00f6ssischen Bonmot schaltete der Landrat wie ein K\u00f6nig in seinem Kreis und man sprach von einer Allzust\u00e4ndigkeit. Am 31. Dezember 1816 gab die Preu\u00dfische Regierung eine Dienstanweisung heraus, die den Gesch\u00e4ftsbereich umschrieb. In den Aufgabenbereich geh\u00f6rten die allgemeine Landesverwaltung, die Sicherheits-, Feuer-, Bau-, Forst- und Jagdpolizei, Milit\u00e4r- und Gewerbeangelegenheiten, Gesundheits- und Armenwesen, die Aufsicht \u00fcber das Staatseigentum und die Staatseink\u00fcnfte und \u00fcber das Kommunalwesen.<br \/>\nLandrat Dern erhielt eine zus\u00e4tzliche amtliche Funktion, indem er 1817 zum st\u00e4ndigen Vertreter des Grenzkommissars, des Regierungspr\u00e4sidenten, bestellt wurde. Diese Funktion war f\u00fcr das Saarbr\u00fccker Kreisgebiet von Bedeutung, denn unerwartet folgte auf die Territorialbestimmungen von 1815 noch ein Epilog. Zw\u00f6lf Jahre beanspruchte die Regelung von Detailfragen, die der zweite Pariser Friedensschluss noch offenlie\u00df. Frankreich erhob Anspruch auf die von der Leyenschen D\u00f6rfer, die Preu\u00dfen im Anschluss an den Friedensvertrag von 1815 bereits okkupiert hatte. Eine schlampige Formulierung im Pariser Friedensvertrag und eine spitzfindige Auslegung durch Frankreich veranlassten die langwierigen Verhandlungen. Artikel I, Absatz 1, legte \u201eGr\u00e4nzen des ehemahligen F\u00fcrstenthums Saarbr\u00fccken\u201c als Demarkationslinie fest und verga\u00df den Winkel zwischen Blies und Saar, in dem die von der Leyenschen D\u00f6rfer lagen. <s. Karte FNSbr. und Bliesk.> Gest\u00fctzt auf den Wortlaut des Vertrages erhob Frankreich einen Anspruch auf diesen Winkel, bei dem es sich unzweifelhaft um altes Reichsgebiet handelte. Damit Frankreich seinen Anspruch aufgab, \u00fcberlie\u00df Preu\u00dfen vier D\u00f6rfer an der Merziger und Saarlouiser Kreisgrenze. Eine Reihe weiterer D\u00f6rfer und Gemarkungsteile waren Gegenstand des in den Grenzverhandlungen vereinbarten Tauschgesch\u00e4fts, darunter der zur Gemeinde Creutzwald geh\u00f6rende Warndtwald n\u00f6rdlich von Ludweiler, der dem Kreis Saarlouis bzw. der B\u00fcrgermeisterei Differten-Friedrichweiler zugeordnet wurde.  Seit der kommunalen Gebietsreform von 1974 geh\u00f6rt die H\u00e4lfte des Warndtwaldes zum Regionalverband Saarbr\u00fccken, der damit sp\u00e4t von Derns Verhandlungserfolg profitierte. Einst Nassau-Saarbr\u00fcckisches Gebiet erhielt der Stadtverband von 1974 auch noch durch die Zuordnung der Gemeinde Ensheim, wodurch das nassauische Erbe des Regionalverbandes noch einmal vermehrt wurde.<br \/>\nWegen seiner Verdienste um die 1929 beendete Grenzregulierung erhielt der Landrat am 9. Mai 1830 seitens der franz\u00f6sischen Regierung das Offizierskreuz der Ehrenlegion. Von Seiten der preu\u00dfischen Regierung blieb eine Anerkennung aus. F\u00fcr seine langj\u00e4hrige Nebent\u00e4tigkeit erhielt er nicht einmal das zugesicherte Honorar.  Zwar hatte ihm die preu\u00dfische Regierung 1818 den Roten Adler-Orden 3. Klasse verliehen, aber Ende 1836 schied er aus nicht bekannten Gr\u00fcnden in Ungnaden mit fast 80 Jahren aus dem Dienst aus und starb 1848 mit 91 Jahren verbittert \u00fcber die despektierliche Behandlung durch die Berliner Regierung.<br \/>\nDie Mairie- oder B\u00fcrgermeistereiverfassung der franz\u00f6sischen Zeit ist eine der wichtigsten Institutionen, die die preu\u00dfische Regierung in der Rheinprovinz als regionale Besonderheit zulie\u00df. Sie unterschied nicht wie die \u00fcbrigen preu\u00dfischen Provinzen zwischen einer l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen Kommunalverfassung.  Das Motiv der Beibehaltung war allerdings nicht die Bewahrung einer geschichtlichen Errungenschaft, sondern das Interesse der Regierung, seinen Einfluss in der Besetzung kommunaler Spitzenpositionen zu behalten. Auf Vorschlag des Landrats wurde n\u00e4mlich der Oberb\u00fcrgermeister bzw. B\u00fcrgermeister von der Regierung ernannt. Erst 1856, also rund ein halbes Jahrhundert nach der Einf\u00fchrung der Steinschen St\u00e4dteordnung, sollten die rheinischen St\u00e4dte eine spezifische Ordnung erhalten, mit denen sie sich in institutioneller Hinsicht zur Ausgestaltung eines preu\u00dfischen Einheitsstaates beitrugen.<br \/>\nKarte: B\u00fcrgermeistereien Kreis Saarbr\u00fccken 003.jpg<br \/>\n1845 trat in der Rheinischen Gemeindeordnung an die Stelle einer Ernennung der kommunalen Funktionstr\u00e4ger und R\u00e4te deren Wahl, allerdings erstmals auf preu\u00dfischem Boden auf der Basis des Dreiklassenwahlrechts. 1849 wurde dieser Wahlmodus f\u00fcr die Preu\u00dfische Zweite Kammer eingef\u00fchrt, um sich in der Folgezeit in allen parlamentarischen Gremien des Staates durchzusetzen. Das Wahlrecht er\u00f6ffnete trotz der Klassenbildung und eines strengen Zensussystems einem gr\u00f6\u00dferen Bev\u00f6lkerungsteil die Chance, in der Kommunalpolitik mitzuwirken. In der Stadt Saarbr\u00fccken verf\u00fcgten 295 sogenannte &#8222;Meistbeerbte&#8220; \u00fcber das f\u00fcr ein Wahlrecht vorgesehene Mindesteinkommen bzw. zahlten die Mindeststeuer. Durch eine Dreiteilung des Steueraufkommens der Meistbeerbten gelangte man zur Abgrenzung der Klassen, im Zweifelsfall entschied das Los. In Saarbr\u00fccken umfasste die erste Klasse 22, die zweite 66, die dritte 207 Personen. Jede Gruppe durfte 6 von 18 Ratsmitgliedern und 3 von 9 Stellvertretern w\u00e4hlen. Mit dieser Klassenbildung verabschiedete sich Saarbr\u00fccken mit der gesamten Rheinprovinz von seinem revolution\u00e4ren Erbe.<br \/>\nAls revolution\u00e4res Erbe \u00fcberlebte die Gerichtsverfassung in der Rheinprovinz die franz\u00f6sische Epoche. Als rheinisches Recht galt weiterhin der Code Civil oder Code Napol\u00e9on, seinerzeit das modernste Gesetzbuch. F\u00fcr erhaltenswert galten insbesondere die M\u00fcndlichkeit und \u00d6ffentlichkeit der Zivil- und Strafprozesse, die Funktion \u00f6ffentlicher Ankl\u00e4ger und von Gechworenengerichten. Im saarl\u00e4ndischen Raum bestanden rund zehn Friedensgerichte, die seit 1878 den Namen Amtsgerichte trugen. Der Saarbr\u00fccker Friedensrichter Georg Friedrich Lang initiierte 1828 eine B\u00fcrgerpetition zur Beibehaltung der rheinischen Rechtsordnung. \u00dcbergeordnet war zun\u00e4chst nur das Landgericht Trier, seit 1835 daneben das Landgericht Saarbr\u00fccken f\u00fcr die Kreise Ottweiler, Saarbr\u00fccken, Saarlouis, St. Wendel. Trier blieb zust\u00e4ndig f\u00fcr die \u00fcbrigen Kreise des Regierungsbezirks, darunter Merzig und die ins Saarland hineinragenden Kreise Saarburg und Landkreis Trier.<br \/>\n<Bild Karte 002.(2).jpg>  Nach der Er\u00f6ffnung des Landgerichts zogen etwa drei Dutzend Richter, Anw\u00e4lte, Justizbeamte samt ihren Familien nach Saarbr\u00fccken, alle Anh\u00e4nger des rheinischen Rechts. Das rheinische Recht blieb in der Rheinprovinz bis zur Einf\u00fchrung des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 g\u00fcltig.<\/p>\n<p>3. Preu\u00dfische Personal- und Kulturpolitik<\/p>\n<p>Die Borussifizierung der Saarregion wird in der Berliner Personal- und Kulturpolitik deutlicher  als im institutionellen Bereich. F\u00fcr die Rekrutierung preu\u00dfischer Landr\u00e4te bot Dern kein repr\u00e4sentatives Bild. Handelte es sich bei den Amtstr\u00e4gern in den \u00f6stlichen Provinzen \u00fcberwiegend um adelige Ortsans\u00e4ssige, die sich prim\u00e4r als Interessenvertreter der Kreisbev\u00f6lkerung verstanden, so im Westen meist um ortsfremde Verwaltungsfachleute, von denen die Regierung eine besondere Loyalit\u00e4t erwartete. Der b\u00fcrokratische Landrat des Westens f\u00fchlte sich im Unterschied zum feudalen Landrat des Ostens als Repr\u00e4sentant der Staatsregierung im Kreis, nicht als Repr\u00e4sentant des Kreises gegen\u00fcber der Staatsregierung. Unter den 23 Verwaltungschefs, die bis 1850 in den saarl\u00e4ndischen Kreisen t\u00e4tig waren, hatten nur drei einen Adelstitel.<br \/>\nAls geb\u00fcrtiger Saarbr\u00fccker stellte Dern eine Ausnahme in der Liste der Landr\u00e4te des Kreises Saarbr\u00fccken dar. F\u00fcr seine Nachfolger traf das Kriterium der Indigenit\u00e4t, der Herkunft aus der verwalteten Region, nicht mehr zu. Christian Friedrich Hesse war ein 1796 in Halle geborener Jurist, der 1813 als Freiwilliger im L\u00fctzower J\u00e4rgerkorps, 1815 als Leutnant in der rheinischen Landwehr k\u00e4mpfte. Ein solcher Lebenslauf bildete eine Grundlage f\u00fcr Wohlwollen und Vertrauen der preu\u00dfischen Regierung.<br \/>\nIn Saarbr\u00fccken waren in erster Linie die Gymnasiallehrer, die aus Provinzen des Kernlandes an die Saar versetzt wurden, Tr\u00e4ger einer preu\u00dfisch orientierten Bildung. Ihre Wirksamkeit beschr\u00e4nkte sich nicht auf die schulische Erziehung, sondern erstreckte sich auch auf das allgemeine kulturelle Leben. Der Direktor des Ludwigsgymnasiums, Georg Heinrich Friedrich Ottemann, engagierte sich z.B. im st\u00e4dtischen Musikleben, Oberlehrer Friedrich Schr\u00f6ter war Vorsitzender des Geschichtsvereins und redigierte w\u00e4hrend der 48er Revolution die Saarzeitung; au\u00dferdem bet\u00e4tigte er sich als Antiquit\u00e4tensammler. Der Lehrer Friedrich Goldenberg legte eine Gesteins- und Mineraliensammlung aus heimischen Bodenfunden an. Interesse an saarl\u00e4ndischen Boden- und auch Kultursch\u00e4tzen ist demnach Neub\u00fcrgern aus dem deutschen &#8222;Norden&#8220; nicht abzusprechen. Die Saarbr\u00fccker Bergmannskapelle entstand auf Anregung eines k\u00f6niglichen Familienmitgliedes. Leopold Sello lie\u00df Johann Wilhelm Zimmermann, den Saarbr\u00fccker Bergkapellmeister von 1820 bis 1844, aus Elsleben an die Saar holen. Dass sich durch den Zuzug von Fremden, zumal wenn diese der sozialen Elite angeh\u00f6rten, auch die mentalen Strukturen ver\u00e4nderten, ist anzunehmen, doch ging davon nicht nur die Gefahr einer \u00dcberfremdung, sondern auch die Chance einer fruchtbaren Belebung aus. Nach und nach hielten sich Distanz und Akzeptanz bei der indigenen Bev\u00f6lkerung mal mehr mal weniger die Waage.<\/p>\n<p>Die \u201aimportierte\u2018 B\u00fcrokratie setzte sich selbst in den St\u00e4dten trotz des Selbstverwaltungsrecht durch. So waren, als 1909 vertraglich die kreisfreie Gro\u00dfstadt Saarbr\u00fccken aus Alt-Saarbr\u00fccken, St. Johann und Malstatt-Burbach  geschaffen wurde, alle drei B\u00fcrgermeister Ausw\u00e4rtige: in Alt-Saarbr\u00fccken Friedrich Wilhelm Ferdinand Feldmann, der 1846 in Kommern bei Euskirchen geboren wurde und zuvor ein deutscher Bautechniker und Bauunternehmer und B\u00fcrgermeister von Wilhelmshaven war; in Sankt Johann Paul Alfred Neff, geboren 1853 im s\u00e4chsischen Freiberg; in Malstatt-Burbach Paul Schmook, geboren 1860 in Stralsund, ein Jurist, zuvor zweiter B\u00fcrgermeister von Halberstadt.<br \/>\n\u201aLandfremde\u2019 Beamte spielten eine dominante Rolle im \u00f6ffentlichen Leben des Saargebietes: in verschiedenen Zweigen der Verwaltung, im Schulwesen, in der Justiz, im Milit\u00e4r, nicht zuletzt im Bergbau. Der leitende Beamte Leopold Sello stammte aus Potsdam, heiratete dann 1821 die Tochter des Sulzbacher Glash\u00fcttenbesitzers Carl Philipp Vopelius \u2013 eine symptomatische Verbindung f\u00fcr die Region Saarbr\u00fccken. W\u00e4hrend in Deutschland \u00fcber die H\u00e4lfte der akademisch gebildeten Beamten ihre Ehefrauen aus dem gleichen Stand ausw\u00e4hlten, gingen die Vertreter dieser Berufsgruppe in Saarbr\u00fccken ganz \u00fcberwiegend Ehen mit T\u00f6chtern aus dem Wirtschaftsb\u00fcrgertum ein. Gymnasiallehrer, Bergbeamte, Landr\u00e4te, Justizbeamte, Milit\u00e4rs heirateten in die Oberschicht der Kaufleute, Unternehmer, Notare ein. Durch Ehen wurden bisweilen bemerkenswerte Br\u00fccken geschlagen, nicht nur zwischen den Konfessionen. Im Falle der Heirat zwischen einem Mitglied der Eisenh\u00fctten-Familie Gouvy mit einer Tochter Heinrich B\u00f6ckings verband sich gewisserma\u00dfen ein frankophiler Zweig mit einem deutsch-patriotischen. Oberst Ludwig Maximilian von Strantz, der von1833  bis 1839 in Saarbr\u00fccken stationiert war, heiratete Henriette Stumm, die Schwester des H\u00fcttenunternehmers Karl Friedrich Stumm. Das Netz der verwandtschaftlichen Beziehungen f\u00fchrte zu einer Ann\u00e4herung der preu\u00dfischen und einheimischen Elite.<br \/>\nPreu\u00dfischer Geist drang jedoch in den Lebens- und Arbeitsstil der saarl\u00e4ndischen Bewohner ein. Was sich die Oberschicht an Disziplin selbst auferlegte, suchte sie der Unterschicht mit ihren Mitteln aufzuzwingen. Das 1819 von dem Bergamtsleiter Leopold Sello erlassene &#8222;Reglement f\u00fcr die Bergleute im k\u00f6niglich-preu\u00dfischen Bergamtsbezirk Saarbr\u00fccken &#8222;stellte die Werte Treue, Gehorsam, Ordnung, Rechtschaffenheit in den Mittelpunkt. Steiger und Knappschafts\u00e4lteste wurden verpflichtet, auf den sittlichen Lebenswandel der Bergleute und ihrer Familien zu achten. Die Bergbeh\u00f6rde sah in &#8222;Genuss- und Putzsucht&#8220; die Ursache aller Armut, die soziale Frage verursacht durch einen Anstieg der Bed\u00fcrfnisse, deren L\u00f6sung in der Erziehung zu Sparsamkeit und zum Konsumverzicht.<br \/>\nDas Schulwesen entwickelte sich in einer \u00e4hnlichen Richtung: Im Vorm\u00e4rz \u00fcberlie\u00df der preu\u00dfische Staat die Elementarschule fast vollst\u00e4ndig den lokalen Gewalten, die er aber durch Reglements dirigierte und kontrollierte. Dazu geh\u00f6rte die Einf\u00fchrung einer Schulpflicht. Kann man um 1800 von einer Schulbesuchsquote von 50 Prozent, 1816 von 60 Prozent auszugehen haben, so betrug sie 1846 schon etwa 86 Prozent, ein 100prozentiger Schulbesuch wurde in den 1880er Jahren erreicht.<br \/>\nDie Auffassung, dass die Elementarschule mit ihren Lehrern und Sch\u00fclern an der Vorbereitung und am Ausbruch der Revolution von 1848 mitschuldig waren, war nach 1848 in konservativen Kreisen verbreitet und f\u00fchrte zur Verabschiedung von Regulativen im Jahre 1854, die den Unterricht auch inhaltlich vorgaben. Danach waren 26 Wochenstunden f\u00fcr Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang vorgesehen. Der Gesang sollte vor allem die f\u00fcr den jeweiligen Sonntagsgottesdienst vorgesehenen Kirchenlieder ein\u00fcben. Der Lehrplan in Religion schrieb unter anderem vor, dass 30 Kirchenlieder mit allen Strophen gelernt werden sollten. Sp\u00e4ter wurde diese Anzahl reduziert. Im Kontext des sich steigernden Kaiser- und Nationalkults, vor allem um die Jahrhundertwende, stiegen patriotische und Heimatlieder im Kurs. Auch an der Saar wurde das 1830 von einem Dortmunder Gymnasialdirektor verfasste \u201eIch bin ein Preu\u00dfe, kennt ihr meine Farben? Die Fahne schwebt mir wei\u00df und schwarz voran\u201c gesungen. Im Schulunterricht ging es um die Vermittlung von Gef\u00fchlen und Lerninhalten, nicht von Denkf\u00e4higkeiten.<br \/>\nEin positiver Aspekt des preu\u00dfischen Schulwesens ist nicht zu unterschlagen. Die in der Volksschule realisierte allgemeine Schulpflicht sollte die von den Rekrutierungsstellen des Milit\u00e4rs beklagten Gesundheitsm\u00e4ngel als Folge der Kinderarbeit beseitigen sowie die Alphabetisierung der Bev\u00f6lkerung und die Nationalerziehung durchsetzen. Andererseits war die p\u00e4dagogische Methode r\u00fcde. In der Schule ging es oft zu wie auf einem Kasernenhof. Viele Lehrer sprachen die Kinder im Befehlston an: &#8222;Setzen!&#8220;, &#8222;Steh auf&#8220;, &#8222;Ruhe!&#8220;, &#8222;Hefte zeigen!&#8220;. Von der Pr\u00fcgelstrafe machten viele Lehrer exzessiv Gebrauch. Und viele Eltern trugen die Methode mit. <\/p>\n<p>Res\u00fcmee<\/p>\n<p>Was blieb von Preu\u00dfen und dem 1816 geschaffenen Landkreis Saarbr\u00fccken \u00fcbrig. Nicht mehr und nicht weniger als das Haus, in dem sich der Regionalverband Saarbr\u00fccken befindet.  <Karte> Doch der Raum ist nur eine H\u00fclle. Die Frage nach geschichtlichen Spuren zielt auf Inhalte. Um mit dem Positiven zu beginnen: Preu\u00dfen schuf einen im Gro\u00dfen und Ganzen funktionierenden Verwaltungs- und Rechtsstaat, es war kein purer Willk\u00fcrstaat. Das ist auch nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben weltweit gesehen nicht zu vernachl\u00e4ssigen. Andererseits sind erkennbar: soziale Privilegierung einer staatsloyalen und b\u00fcrokratischen Elite, Unterdr\u00fcckung und Niederhaltung von Unterschichten, insbesondere der Katholiken, eine Klassenpolitik in politischer und sozialer Hinsicht. Eine Ausbeutung der wirtschaftlichen Ressourcen zur St\u00e4rkung des Obrigkeits-, Macht- und Milit\u00e4rstaates.<br \/>\nDie im Zuge der Borussifizierung praktizierte Fremdbestimmung verhinderte die Ausbildung einer eigenw\u00fcchsigen Identit\u00e4t. Zeiten der Fremdbestimmung und -beherrschung durch Frankreich folgten nach den beiden Weltkriegen auf die Preu\u00dfenzeit und hinterlie\u00dfen gleichfalls Brandmale. Mittlerweile sind die Brandmale geheilt und verblassen, nicht zuletzt durch die endlich erreichte Chance des eigenst\u00e4ndigen Aufbaus einer Identit\u00e4t. Die Freiheit zur Selbstfindung wurde mit der Gr\u00fcndung des Saarlandes verliehen. Das mag ein Grund f\u00fcr die Anh\u00e4nglichkeit der Saarl\u00e4nder an ihr Heimatland sein.<br \/>\nAuf der Suche nach einer Identit\u00e4t erfolgte keine Abschottung gegen\u00fcber fremden Einfl\u00fcssen, sondern eine \u00d6ffnung, eine Erweiterung des Horizontes \u00fcber Staatsgrenzen hinaus, als Stichwort mag die Pflege der Beziehungen im Saar-Lor-Lux-Raum dienen. Die Lektionen, die Preu\u00dfen und Frankreich anderthalb Jahrhunderte lang erteilt haben, wurden an der Saar verstanden. Jenseits seiner Grenzen m\u00fcssen, so scheint es, noch so manche, die dem Land die Existenzberechtigung absprechen, die Saarl\u00e4nder mit ihrer komplexen Geschichte verstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Preu\u00dfen kommen an die Saar Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012 Von Prof. Dr. Peter Burg Das Thema wird in vier zeitlichen L\u00e4ngsschnitten durch die im Buch behandelte Zeit von 1814 bis 1850 dargestellt. Das gilt auch f\u00fcr den ersten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":2268,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1355","page","type-page","status-publish","hentry"],"aioseo_notices":[],"aioseo_head":"\n\t\t<!-- All in One SEO 5.0.2 - aioseo.com -->\n\t<meta name=\"description\" content=\"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.\" \/>\n\t<meta name=\"robots\" content=\"max-image-preview:large\" \/>\n\t<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren\" \/>\n\t<meta name=\"generator\" content=\"All in One SEO (AIOSEO) 5.0.2\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:site_name\" content=\"Peter Burg Werke -\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:title\" content=\"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:description\" content=\"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.\" \/>\n\t\t<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren\" \/>\n\t\t<meta property=\"article:published_time\" content=\"2012-12-19T08:09:01+00:00\" \/>\n\t\t<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2016-03-18T10:18:54+00:00\" \/>\n\t\t<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n\t\t<meta name=\"twitter:title\" content=\"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke\" \/>\n\t\t<meta name=\"twitter:description\" content=\"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.\" \/>\n\t\t<script type=\"application\/ld+json\" class=\"aioseo-schema\">\n\t\t\t{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren#breadcrumblist\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#listItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/\",\"nextItem\":{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland#listItem\",\"name\":\"Saarland\"}},{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland#listItem\",\"position\":2,\"name\":\"Saarland\",\"item\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\",\"nextItem\":{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren#listItem\",\"name\":\"Unter neuen Herren\"},\"previousItem\":{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#listItem\",\"name\":\"Home\"}},{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren#listItem\",\"position\":3,\"name\":\"Unter neuen Herren\",\"previousItem\":{\"@type\":\"ListItem\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland#listItem\",\"name\":\"Saarland\"}}]},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#organization\",\"name\":\"Peter Burg Werke\",\"url\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren#webpage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren\",\"name\":\"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke\",\"description\":\"Vortrag anl\\u00e4sslich der Buchvorstellung: \\u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\\u201c im Gro\\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.\",\"inLanguage\":\"de-DE\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#website\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/saarland\\\/unter-neuen-herren#breadcrumblist\"},\"datePublished\":\"2012-12-19T09:09:01+01:00\",\"dateModified\":\"2016-03-18T11:18:54+01:00\"},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/\",\"name\":\"Peter Burg Werke\",\"inLanguage\":\"de-DE\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/peter-burg.de\\\/wordpress\\\/#organization\"}}]}\n\t\t<\/script>\n\t\t<!-- All in One SEO -->\n\n","aioseo_head_json":{"title":"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke","description":"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.","canonical_url":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren","robots":"max-image-preview:large","keywords":"","webmasterTools":{"miscellaneous":""},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren#breadcrumblist","itemListElement":[{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#listItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/","nextItem":{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland#listItem","name":"Saarland"}},{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland#listItem","position":2,"name":"Saarland","item":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland","nextItem":{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren#listItem","name":"Unter neuen Herren"},"previousItem":{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#listItem","name":"Home"}},{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren#listItem","position":3,"name":"Unter neuen Herren","previousItem":{"@type":"ListItem","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland#listItem","name":"Saarland"}}]},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#organization","name":"Peter Burg Werke","url":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren#webpage","url":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren","name":"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke","description":"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.","inLanguage":"de-DE","isPartOf":{"@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#website"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren#breadcrumblist"},"datePublished":"2012-12-19T09:09:01+01:00","dateModified":"2016-03-18T11:18:54+01:00"},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#website","url":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/","name":"Peter Burg Werke","inLanguage":"de-DE","publisher":{"@id":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/#organization"}}]},"og:locale":"de_DE","og:site_name":"Peter Burg Werke -","og:type":"article","og:title":"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke","og:description":"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.","og:url":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren","article:published_time":"2012-12-19T08:09:01+00:00","article:modified_time":"2016-03-18T10:18:54+00:00","twitter:card":"summary_large_image","twitter:title":"Unter neuen Herren - Peter Burg Werke","twitter:description":"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012."},"aioseo_meta_data":{"post_id":"1355","title":"","description":"Vortrag anl\u00e4sslich der Buchvorstellung: \u201eDas Saarland. Geschichte einer Region\u201c im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Landratsamtes in Saarlouis am 2. November 2012.","keywords":[{"label":"Saarland","value":"Saarland"},{"label":"Preu\u00dfen","value":"Preu\u00dfen"},{"label":"und Landkreis Saarbr\u00fccken Vortr\u00e4ge","value":"und Landkreis Saarbr\u00fccken Vortr\u00e4ge"}],"keyphrases":null,"focus_keyword":null,"additional_keywords":null,"truseo_locale":null,"primary_term":null,"canonical_url":null,"og_title":null,"og_description":null,"og_object_type":"default","og_image_type":"default","og_image_custom_url":null,"og_image_custom_fields":null,"og_image_url":null,"og_image_width":null,"og_image_height":null,"og_video":null,"og_custom_url":null,"og_article_section":null,"og_article_tags":null,"twitter_use_og":false,"twitter_card":"default","twitter_image_type":"default","twitter_image_custom_url":null,"twitter_image_custom_fields":null,"twitter_image_url":null,"twitter_title":null,"twitter_description":null,"schema_type":"default","schema_type_options":null,"schema":{"blockGraphs":[],"customGraphs":[],"default":{"data":{"Article":[],"Course":[],"Dataset":[],"FAQPage":[],"Movie":[],"Person":[],"Product":[],"ProductReview":[],"Car":[],"Recipe":[],"Service":[],"SoftwareApplication":[],"WebPage":[]},"graphName":"WebPage","isEnabled":true},"graphs":[]},"pillar_content":false,"robots_default":true,"robots_noindex":false,"robots_noarchive":false,"robots_nosnippet":false,"robots_nofollow":false,"robots_noimageindex":false,"robots_noodp":false,"robots_notranslate":false,"robots_max_snippet":null,"robots_max_videopreview":null,"robots_max_imagepreview":"large","priority":null,"frequency":null,"local_seo":null,"limit_modified_date":false,"ai":null,"breadcrumb_settings":null,"seo_analyzer_scan_date":null,"created":"2026-09-28 21:43:10","updated":"2026-09-28 21:43:10"},"aioseo_breadcrumb":"<div class=\"aioseo-breadcrumbs\"><span class=\"aioseo-breadcrumb\">\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/\" title=\"Home\">Home<\/a>\n\t\t<\/span><span class=\"aioseo-breadcrumb-separator\">\u00bb<\/span><span class=\"aioseo-breadcrumb\">\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\" title=\"Saarland\">Saarland<\/a>\n\t\t<\/span><span class=\"aioseo-breadcrumb-separator\">\u00bb<\/span><span class=\"aioseo-breadcrumb\">\n\t\t\tUnter neuen Herren\n\t\t<\/span><\/div>","aioseo_breadcrumb_json":[{"label":"Home","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/"},{"label":"Saarland","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland"},{"label":"Unter neuen Herren","link":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/saarland\/unter-neuen-herren"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1355"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1359,"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1355\/revisions\/1359"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/peter-burg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}