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Peter Burg Werke

Woche 8 Kapitel 16

Woche 8, Kapitel 16

Westfälische Baumeister: Schlaun und Pöppelmann, Malerei, Musik

Johann Conrad Schlaun

Johann Conrad Schlaun (* 5. Juni 1695 in Nörde im Fürstbistum Paderborn; † 21. Oktober 1773 in Münster) war ein deutscher Baumeister, Architekt und Militär des Barocks.

Schlaun gehört zu den bedeutendsten Architekten des deutschen Barocks. Er besuchte zunächst das damalige Progymnasium Marianum in Warburg und danach das Gymnasium Theodorianum in Paderborn. Anschließend stand er in Diensten des paderbornischen Infanterieregiments. Paderborn war durch den Kölner Kurfürsten Clemens August I. von Bayern in Personalunion mit dem Fürstbistum Münster verbunden. Schlaun wechselte in den Militärdienst des Bischofs von Münster. Die Verbindung seiner militärischen Laufbahn mit der Tätigkeit als Architekt war im Zeitalter des Barocks durchaus üblich, wie das Beispiel Johann Balthasar Neumanns zeigt, mit dem er ab 1720 zusammenarbeitete. Er unternahm zwischen 1722 und 1742 mehrere längere Reisen nach Italien, Frankreich und nach Süddeutschland. 1729 ernannte ihn Clemens August zu seinem Landingenieur, außerdem wurde er in Münster Generalmajor der Artillerie. Seine charakteristische Physiognomie geht wahrscheinlich auf die Immunerkrankung Rosazea zurück.

Seine Heimat, das Fürstbistum Paderborn, und seine Wahlheimat Münster verdanken ihm einige ihrer schönsten Bauten. Die von Schlaun immer wieder verwandte Kombination von Sandstein mit rotem Klinker und weißen, mehrfach unterteilten Fenstern wird oft als „Westfälische Sinfonie“ bezeichnet.

Johann Conrad Schlaun lebte bis zu seinem Tode in dem von ihm entworfenen Stadthaus an der Hollenbecker Straße in Münster, das dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Er liegt in der Pfarrkirche Liebfrauen-Überwasser in Münster begraben. Der genaue Ort seiner Grabstätte ist nicht bekannt.

Sein Geburtshaus im Warburger Ortsteil Nörde wurde in den 1970er-Jahren unter Missachtung des Denkmalschutzes abgerissen.

Matthäus Daniel Pöppelmann

Matthäus Daniel Pöppelmann (* 3. Mai 1662 in Herford; † 17. Januar 1736 in Dresden) war ein deutscher Baumeister des Barocks und des Rokokos. Er stand in Diensten von Kurfürst August dem Starken von Sachsen und prägte den Dresdner Barock. Sein berühmtestes Werk ist der Dresdner Zwinger.

Pöppelmann stammte aus einer Kaufmannsfamilie aus dem westfälischen Herford, das ihm zu Ehren 1975 ein Museum einrichtete, das Daniel-Pöppelmann-Haus. Er war dort Schüler des Gymnasium Fridericianum. Mehrere seiner Vorfahren waren Ratsleute der Stadt gewesen, das Vermögen der Familie war jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg geschwunden. Sein Vater besaß nur noch einen kleinen Laden.

Im Jahr 1680 trat Pöppelmann im Alter von 18 Jahren in das sächsische Bauamt ein. Im Gegensatz zu anderen Fürstenhöfen, wo man ein oder zwei Hofarchitekten beschäftigte, war das Oberbauamt in Dresden schon damals eine außerordentlich umfangreiche Behörde. Pöppelmann wurde als unbezahlte Hilfskraft eingestellt, was er auch sechs Jahre blieb. Trotzdem muss er bereits über einige Erfahrungen im Bauwesen verfügt haben, bevor er nach Dresden kam.

Als erster bedeutender Baumeister der frühen Neuzeit war er nicht Künstler oder Militäringenieur, sondern diente sich in einer Behörde hoch. Im Jahr 1686 wurde er zum Baukondukteur befördert. Seinen Lebensunterhalt verdiente er zu dieser Zeit mit dem Bau von Bürgerhäusern. Dafür musste er jedoch zuerst Schulden machen und die Häuser auf eigene Rechnung bauen, bevor er sie nach der Fertigstellung gewinnbringend verkaufen konnte.

Daneben beantragte er 1687 eine Lizenz zum Alkoholausschank. Beeinflusst wurde er in dieser Zeit vor allem von den Oberlandbaumeistern Wolf Caspar von Klengel, der als Begründer des Sächsischen Barock gilt, und seinem Nachfolger Johann Georg Starcke. Spärliche Informationen zeigen, dass Pöppelmann oft zu sehr profanen Tätigkeiten wie Abbrucharbeiten eingesetzt wurde und auch Probleme mit seinen Vorgesetzten hatte.

Seine Karriere begann 1705, als er zum Landbaumeister befördert wurde und die Planung eines neuen Residenzschlosses übertragen bekam. Im Jahr 1710 schickte August der Starke Pöppelmann auf eine Bildungsreise nach Wien, Rom und Neapel und 1715 auf eine zweite nach Paris, Belgien und Holland. Matthäus Daniel Pöppelmann wurde 1718 als Nachfolger von Johann Friedrich Karcher Oberlandbaumeister.

In dieser Stellung entfaltete er eine umfangreiche Bau- und Verwaltungstätigkeit, welcher Dresden die glänzendsten und fantasievollsten Schöpfungen des Rokokostils verdankt. Etwa ab 1730 zog August der Starke aber für repräsentative Projekte jüngere Architekten wie Zacharias Longuelune vor und Pöppelmann widmete sich vor allem der Leitung des Oberbauamtes.

Im Oktober 1734 schied Matthäus Daniel Pöppelmann aus dem Oberbauamt aus. Sein Nachfolger wurde Johann Christoph Knöffel. Pöppelmann wurde einige Monate später schwer krank und starb am 17. Januar 1736. Er wurde in der Gruft der Matthäuskirche in Dresden beigesetzt.

Als sein Hauptwerk gilt der Zwinger in Dresden (1711–1728), den er zusammen mit dem Bildhauer Balthasar Permoser schuf. In diesem formal einzigartigen Gebäude eines befestigten Turnierplatzes kam es zu einer einmaligen, ekstatischen Verbindung von Architektur und Plastik. Über dieses von ihm geschaffene Bauwerk ließ Pöppelmann 1729 eine Sammlung von Kupferstichen herausgeben. Es besteht aus einem Erläuterungstext mit 22 Kupferstichen zum Zwinger und jeweils einem Stich vom Holländischen Palais und dem Großen Fass auf der Festung Königstein. Pöppelmann beabsichtigte als Fortsetzung dieses Werkes die Herausgabe weiterer Stiche über andere Barockbauten. Dazu kam es nicht mehr.

Weitere bedeutende Werke sind: Japanisches Palais in Dresden (1715); Schloss Pillnitz (1720–1723), Schloss Großsedlitz (seit 1720), Schloss und Hofgestüt Graditz (seit 1722), Stift Joachimstein (1722–1728), Umbau des Jagdschlosses Moritzburg (1723–1733), Dresdner Augustusbrücke (1727–1731) und die erst nach Pöppelmanns Tod fertiggestellte Dreikönigskirche in Dresden (1732–1739).

Das zwischen 1714 und 1721 von Pöppelmann erbaute Schloss Nischwitz wurde 1750 von Knöffel umgestaltet. Daneben lieferte Pöppelmann zahlreiche, später ausgeführte Pläne zum Beispiel für den Umbau des Spitzhauses und der Spitzhaustreppe in Radebeul. Nie gebaut wurde jedoch das Dresdner Residenzschloss. Ab 1705 ließ sich August der Starke von Pöppelmann immer wieder neue, spektakuläre Entwürfe vorlegen, konnte sich aber nie entschließen, das gewaltige Vorhaben zu beginnen (siehe: Die Errichtung des Zwingers).

Als Oberlandbaumeister im sächsischen Oberbauamt war Pöppelmann aber auch für alle profanen Staatsbauten wie Deiche, Straßen oder Brücken verantwortlich. So ließ er zwischen 1713 und 1720 für die neueingerichtete Eilpostlinie Leipzig–Dresden mehrere steinerne Brücken bauen, unter anderem die Pöppelmannbrücken in Grimma, Nossen und Waldheim, die – im Unterschied zur alten Dresdner Augustusbrücke – noch (in Teilen) stehen.

Pöppelmann besuchte zur Vorbereitung und während der Ausführung des Zwingerbaus verschiedene europäische Städte, um mit eigenen Architekturstudien projektbezogene Anreize und vergleichende Eindrücke aufzunehmen. Er reiste 1710 auf Kosten seines Auftraggebers über Prag, Wien und Florenz nach Rom und Neapel. Der Kurfürst verfügte am 4. Januar 1710, „…daß der Landbaumeister Pöppelmann nachher nach Wien und Rom gehen soll umb deren Orthen sich der itzigen Arth des Bauens sowohl an Palaesten, alß Gärthen zu ersehen, …“. Zu den Vorbildern Pöppelmanns werden Sakralbauten des Böhmischen Barock ebenso gezählt wie die in Wien tätigen Baukünstler Johann Bernhard Fischer von Erlach und Andrea Pozzo. In Prag studierte er die kühnen Bauten von Christoph Dientzenhofer (St. Nikolaus auf der Kleinseite und die Klosterkirche Breunau). Auf der Reise besuchte er auch die Klosterkirche in Osek im Erzgebirge. Für den Wallpavillon des Zwingers werden – neben der Breunauer Klosterkirche – Werke von Lucas von Hildebrandt und Francesco Borromini als Vorbilder genannt.

Im Jahre 1715 ging Pöppelmann zum Zwecke aktueller Architekturstudien nach Frankreich. Er suchte neben dem Schloss und Park von Versailles zahlreiche andere Ziele auf, darunter den Park von Schloss Saint-Cloud mit den Wasserspielen von André Le Nôtre. Dieser hatte auch den Park von Versailles geschaffen und war als oberster Gartenarchitekt von Ludwig XIV. eine fachliche Autorität in der zeitgenössischen Gartenbaukunst. Für die Erweiterungspläne des Dresdner Zwingers waren die Eindrücke Pöppelmanns im Lustpark von Marly-le-Roi von nicht unwesentlichem Einfluss, weil der Architekt Jules Hardouin-Mansart dort einen umfangreichen Komplex von Wasserspielen errichtet hatte. Die Rückreise Pöppelmanns erfolgte über die Niederlande (Rotterdam, Delft, Leiden, Haarlem und Amsterdam). Bei Apeldoorn besuchte er das Schloss Het Loo, das lange Flügel und pavillonähnliche Eckgebäude besitzt. Der Zwinger zeigt ähnliche Strukturen.

Pöppelmann wurde zum Vertreter des – von Italien her geprägten und über Wien und Prag vermittelten – beschwingten Hochbarock. Zacharias Longuelune führte ab 1713 den französischen klassizistischen Barock in Dresden ein. Der schon der nächsten Generation angehörende Johann Christoph Knöffel entwickelte die zurückhaltendere, am französischen Klassizismus orientierte Auffassung Longuelunes fort und begründete das sächsische Rokoko. 1728 avancierte er neben den beiden Vorgenannten zum dritten Oberlandbaumeister. (1738 sollte Knöffel Christine Eleonore Stenger heiraten, eine Enkelin seines Vorgängers Pöppelmann.) Im Oberbauamt wurden stets mehrere Architekten getrennt mit Entwürfen beauftragt und anschließend wurde in der Regel nicht einer ausgewählt, sondern unterschiedliche Formenelemente der einzelnen Entwürfe miteinander kompiliert, wobei August der Starke und der Generalbauintendant Graf Wackerbarth oft selbst mitwirkten. Dieses „kollegialische“ Verfahren führte zur Synthese vieler Stileinflüsse.

Daneben gab es auch kuriose Aufträge vom königlichen Hof wie zum Beispiel eine Schmuckarchitektur rund um das größte Weinfass Europas (238.000 Liter) auf der Festung Königstein oder der Bau eines überdimensionalen Stollenofens für das „Zeithainer Lustlager“ im Jahr 1730, als August der Starke seinen mehr als 20.000 Gästen, darunter Friedrich Wilhelm I. von Preußen einen 1,8 Tonnen schweren Dresdner Stollen vorsetzen ließ. Überhaupt baute Pöppelmann immer wieder für diverse Festivitäten des Hofes kurzlebige Architekturen und Kulissen, die teilweise auf Zeichnungen festgehalten sind. Für das Zeithainer Lustlager etwa mussten eine Zeltstadt, ein Exerzierplatz, mehrere kleine Palais und ein Theater errichtet werden.

Ein weiteres Dresdner Bauwerk ist das Gebäude Große Meißner Straße 15, ein um 1685 errichtetes, nach Plänen von George Bähr 1723 umgebautes Bürger- und Brauhaus mit Innenhof, das 1734 vom Sächsischen Hof erworben und nach Plänen von Pöppelmann und Andreas Adam zu einer großen geschlossenen Doppelhofanlage umgebaut wurde; elbseitig errichtete Pöppelmann zudem einen palaisartigen Neubau; seitdem nutzte man es als Kanzleigebäude („die Regierung“). Es ist erhalten und bildet heute den Mittelteil des Hotel Bellevue. Weitere Dresdner Wohnhäuser sind das vor 1716 erbaute Dinglingerhaus am Jüdenhof sowie die Häuser Rampische Straße 19 und 33. Um 1727 erbaute er eine Freitreppe im Barockgarten Großsedlitz, die wegen ihrer musizierenden Putten den Namen „Stille Musik“ bekam. 1731 gestaltete er auf der Festung Königstein einen Beobachtungsturm zum Aussichtspavillon Friedrichsburg mit Festsaal im Obergeschoss um. Das Zittauer „Haus zur Goldenen Sonne“ am Markt 9 verweist stilistisch und auch mit seinem sandsteinernen Baudekor auf Pöppelmann und Permosers Zwingerschule.

Anlässlich seines 350. Geburtstages brachte die Deutsche Post 2012 eine Sonderbriefmarke heraus. Nach Pöppelmann wurde der Asteroid (39464) Pöppelmann benannt.

Gartenkunst

Die Gartenkunst der Zeit von etwa 1730 und 1760 wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts dem Rokoko zugeordnet. Sie bedient sich meist der Elemente des französischen Barockgartens, wandelt diese ab und verwendet sie anders. Es werden zunehmend naturnahe Elemente wie Rasenflächen, Blütensträucher und Obstgehölze aufgenommen. Auch können Elemente der Chinoiserie und des Klassizismus mit dem Rokokogarten verbunden sein. Teilweise kann von Mischformen zwischen Barock- und Landschaftsgarten gesprochen werden. In Frankreich hat Ingrid Dennerlein zwischen Barock und Rokoko noch die Gartenkunst der Régence definiert. Während es für Frankreich, Deutschland und Skandinavien als geklärt gelten kann, was unter Rokokogärten zu verstehen ist, bereitet die Verwendung des Begriffes für die Gärten dieser Zeit in England, Italien und Spanien zuweilen Schwierigkeiten.

Bedeutende, bis heute erkennbare Rokokogärten:     Veitshöchheim    Schloss Seehof    Park Sanssouci    Rheinsberg    Eremitage (Bayreuth)    Sanspareil    Lunéville    Schwetzingen

Malerei

Die Darstellung des neuen Lebensgefühls entfernt sich in Frankreich von der bisherigen Staatsidee der Malerei unter Ludwig XIV. und mündet in einem heiteren Spiel der Farben und in geschwungenen Linien. Die Malerei entdeckte die zarten Töne der Pastellmalerei (z. B. Rosalba Carriera, Maurice Quentin de La Tour), und auch in der Ölmalerei kommt es zu einer deutlichen Aufhellung der Farbskala, zur Hinwendung zu hellen Pastellfarben mit dem Brechen aller Töne ins Silbrige (je nach Künstler). Weiß zeigt sich als materialisiertes Licht mit dekorativen, heiter-festlichen Effekten. Das spielerische Element findet sich in kleinformatigen Bildern, in der Porzellanmalerei und besonders auch in den Chinoiserien.

In der Ikonographie lässt sich eine Tendenz zur Verweltlichung, eine sinnliche Ästhetik und eine erotische und laszive Darstellung der galanten Welt beobachten. In den Bildprogrammen verlieren Helios-Apoll oder Herkules ihren Vorrang an Venus und Pan und an die „niederen Götter“.[17] Der Wunsch nach einem Leben in Arkadien äußert sich in Liebesszenen, stimmungsvollen Idyllen, bukolischen Landschaften und Festlichkeiten im Freien. Die Tradition der pastoralen Malerei lebt wieder auf. Im Vordergrund steht das Dekorative und die Komposition des Bildes, eine idyllische Hintergrundlandschaft, Details wie Stoffe, Vasen etc., und weniger psychologische Elemente. In der französischen Malerei findet sich die Darstellung eines „galanten“ Lebens in dem schon in der Régence durch Antoine Watteau entstandenen neuen Bildtypus der fête galante, der im beginnenden Louis-quinze von Jean-Baptiste Pater und Nicolas Lancret fortgesetzt wurde. Diese Art der Malerei stieß als poetische Idealverkörperung französischer Eleganz gerade auch bei deutschen Fürsten auf besonderes Interesse, vor allem an den Höfen in Dresden, Berlin und Potsdam, wo der Grundstock für die noch heute bestehenden Sammlungen in den entsprechenden Kunstmuseen und Schlössern gelegt wurde.

Zu den großen Hauptmeistern des französischen Rokoko mit der Darstellung von Schäferspielen und erotisch gefärbten mythologischen Szenen gehören Jean-Honoré Fragonard und François Boucher, der ein Meister des Dekoration war und 40 Jahre des französischen Rokoko in der Epoche Ludwigs XV. prägte.

Die italienische Malerei konnte zu dieser Zeit bereits auf eine lange Tradition von Deckenfresken, mythologischen Szenen und religiöser Malerei zurückschauen, die im Spätbarock und Rokoko stilistisch auf den weichen, lieblichen Stil von Correggio oder auf die Freskenkunst und die erotischen Szenen von Luca Giordano oder Sebastiano Ricci zurückblicken konnte, oder auf den flackernden Stil von Pellegrini die alle – wenngleich zeitlich zum Teil wesentlich früher – als wichtige Vorläufer und Inspiration der Rokokomalerei gelten können und zwar weit über Italien hinaus. Bedeutende italienische Maler der Epoche waren Jacopo Amigoni, der auch viele erotische Szenen im Zeitgeschmack schuf, sowie Corrado Giaquinto, Gianantonio Guardi, und die Neapolitaner Francesco De Mura und Sebastiano Conca. Der Venezianer Giambattista Piazzetta pflegte auch noch im Rokoko meistens einen Tenebroso-Stil, im Gegensatz zu seinem etwas jüngeren Kollegen Giovanni Battista Tiepolo, der als „letzter Großmeister der venezianischen Malerei“ gilt, und neben zahlreichen Werken für venezianische Kirchen und Paläste auch in Deutschland eines seiner meisterhaften Deckenfresken in einer lichterfüllten Farbigkeit schuf, im Treppenhaus der Würzburger Residenz. In Venedig entstanden außerdem die berühmten Veduten und Capricci von Canaletto, Bernardo Bellotto und Francesco Guardi, die auch einen reißenden Absatz bei den aristokratischen Touristen aus dem übrigen Europa fanden, und so auch an den Wänden englischer oder deutscher Schlösser landeten. Daneben waren Karnevalsdarstellungen, Porträts und Genre-Szenen beliebte Themen, mit Meistern wie Pietro Longhi oder Giovanni Domenico Tiepolo, oder der bereits erwähnten, in ganz Europa berühmten Pastellmalerin Rosalba Carriera. Mythologische oder pastorale Landschaftsbilder malte Francesco Zuccarelli.

In England zählen William Hogarth, Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough zu den hervorragenden Malern des Rokoko.

Im sakralen Bereich neigen die Maler zu Gefühl, Andacht und Heiligenlegenden. Ganz im Gegensatz dazu steht aber die Verherrlichung in der Deckenmalerei, die sich auch der Stilmittel der Illusionsmalerei bedient. Besonders in süddeutschen und österreichischen Residenzen und Kirchen entsteht eine bisher nicht bekannte Integration von Freskenmalerei und Architektur und Ornamenten. Hier entstehen die großartigen Meisterwerke europäischer Freskenmalerei, mit den Vertretern Giovanni Battista Tiepolo, Johann Georg Bergmüller, Johann Baptist Zimmermann, Mathäus Günther, Daniel Gran, Franz Anton Maulbertsch, Paul Troger.

Jean-Honoré Fragonard

Jean-Honoré Fragonard [ʒã onoˈʀe fʀaɡoˈnɑʀ] (* 5. April 1732 in Grasse (Alpes-Maritimes); † 22. August 1806 in Paris) war ein französischer Maler, Zeichner und Radierer des Rokoko zur Zeit des Ancien Régime.

Er war Schüler François Bouchers und entwickelte dessen Malstil konzeptionell weiter. Fragonard bildete sich dann in Rom weiter aus und wurde nach seiner Rückkehr durch sein Bild Koresos und Kallirrhoe Mitglied der Akademie. Dem herrschenden Geschmack entsprechend, verließ er das Fach der historischen Malerei ganz und wurde zu einem Maler der Erotik und des heiteren Lebensgenusses im Stil von Antoine Watteau. Neben Boucher und Watteau gehört er zu den drei Meistern des französischen Rokoko.

In der Französischen Revolution verlor er sein durch zahlreiche Staffelei- und Dekorationsmalereien erworbenes Vermögen und starb, da er sich der neuen klassizistischen Richtung nicht mit Erfolg anzuschließen vermochte, in Armut und Vergessenheit. Seine Bilder wurden von den bekanntesten Kupferstechern seiner Zeit reproduziert; zudem schuf er selbst Kupferstiche nach eigenen Motiven und nach Tintoretto, Giovanni Lanfranco, Sebastiano Ricci, Annibale Carracci, Giovanni Battista Tiepolo und anderen.

Sein Sohn Alexandre-Évariste Fragonard wurde Bildhauer und Maler, sein Cousin Honoré Fragonard war Anatom und Präparator.

Fragonards Arbeitsstil zeichnet sich durch eine flockige und lockere Malweise aus (ähnlich Tiepolo). Dadurch wirken seine Figuren weniger porzellanhaft und lebendiger als die Bouchers. Teilweise erinnert seine grobe Pinselführung an Werke von Frans Hals und ist wie bei diesem vorausweisend auf den Impressionismus.

Der Asteroid (8235) Fragonard ist seit 1999 nach ihm benannt.

Thomas Gainsborough

Thomas Gainsborough, RA FRSA (* 14. Mai 1727 in Sudbury, Suffolk; † 2. August 1788 in London) war ein englischer Maler, der sich besonders der Porträt- und Landschaftsmalerei widmete. Er gilt neben William Hogarth und Joshua Reynolds als bedeutendster englischer Maler des 18. Jahrhunderts.

Durchbruch als Maler

Zu Gainsboroughs frühen Förderern zählt der englische Exzentriker Philip Thicknesse, der ihn in London und Bath in die vornehmeren gesellschaftlichen Kreise einführte.[2] Zu seinen Freunden gehörten alsbald der Schauspieler David Garrick und der Musiker Johann Christian Bach. 1761 und 1763 nahm der Künstler an Londoner Kunstausstellungen mit lebendig gemalten Bildnissen teil, die in bewusstem Gegensatz zu Joshua Reynolds’ historisierenden Porträts stehen. Generell bewahrte er sich eine gewisse Unabhängigkeit bei seinen Porträts und Landschaftsdarstellungen. Dennoch stellte er als Gründungsmitglied der von Reynolds geleiteten Royal Academy of Arts, London, bei deren erster öffentlicher Ausstellung 1768 ein Porträt von Isabella Lady Molyneux aus.

Gespaltenes Verhältnis zum Präsidenten der Royal Academy of Arts

Gainsboroughs Verhältnis zur Royal Academy mit ihrer Favorisierung alter kontinentaler Maltraditionen blieb aber gespalten, weil seine sensualistisch ausgerichtete Malweise der Farbe den Vorzug vor der akademischen Zeichnung gab. 1774 zog Gainsborough endgültig nach London, wo er sich als Porträtist etablierte, ja sogar zahlreiche Aufträge vom englischen Königshaus erhielt, aber auch in ständiger Konkurrenz zum Akademie-Präsidenten Reynolds stand, weil er bevorzugt empfindsame „fancy pictures“ vor ländlichem Hintergrund und nicht Historienbilder im „großen Stil“ malte. Am 2. August 1788 starb Gainsborough an einem Krebsleiden.

Leistung

Bei seinen Porträts fällt auf, dass Gainsborough das Feinfühlige und Legere der Darstellung einer gekünstelten, steinernen Repräsentation vorzog, weshalb er seine Figuren nicht im Atelier, sondern in der freien Natur vor einem Landschaftshintergrund posieren ließ. Ein typisches Beispiel dafür ist das Porträt von William Hallett und seiner Frau Elizabeth bei ihrem Morning Walk (1785, London, National Gallery). Diesen Porträts sieht man auch an, wie fasziniert Gainsborough von Stoffen und modischer Kleidung war.

Der Künstler wandte sich schon früh gegen einen strengen Akademismus und versuchte, in seiner Malerei die seinerzeit propagierte Idealisierung der Motive in eine subtilere Art und Weise der bildlichen Darstellung zu überführen. Für Gainsborough konnte dies nur über die Sensibility erreicht werden, das heißt, der Betrachter sollte bei ihm nicht nur, wie es damals oft üblich war, ein Bild mit seinem angelesenen Vorwissen über die dargestellten idealen Motive erfassen, sondern mit persönlicher Einfühlung in das Bild eindringen. Diese Empfindsamkeit wird besonders in seinen Darstellungen von armen Leuten vor einem idyllisch-ländlichen Hintergrund deutlich, so etwa in seinem berühmten Cottage Girl with Dog and Pitcher (1785, Dublin, National Gallery of Ireland) oder in seiner Darstellung eines Mädchens mit Schweinen (ca. 1781–82).

Gainsboroughs Kunst wurde von den niederländischen Künstlern Jacob Izaaksoon van Ruisdael, Meindert Hobbema und Jan Wijnants, von den Franzosen Antoine Watteau und Jean-Honoré Fragonard (malerischer Duktus, Landschaftshintergrund), Hubert-François Gravelot und Anthonis van Dyck sowie der venezianischen Malerei beeinflusst.

Obwohl ein Einfluss von Gainsboroughs Naturauffassung auf die frühen Landschaften von John Constable zu erkennen ist, prägte sein Œuvre ansonsten kaum nachhaltig die nachfolgenden Künstlergenerationen.

Joshua Reynolds

Reynolds ist es gelungen, der englischen Malerei eine Tradition zu verschaffen und die brachliegende einheimische Historienmalerei zu erneuern und bei einem breiten Publikum hoffähig zu machen. Mit seinen akademischen Diskursen stellte er für lange Zeit die alleinige Autorität innerhalb der englischen Kunsttheorie dar.

Reynolds hat sich besonders als Bildnismaler ausgezeichnet. In dem feinen Gefühl für Formen und in dem kräftigen Vortrag übertraf er alle früheren englischen Maler, und auch in der Farbgebung erreichte er eine seltene Frische. Doch fehlte ihm Originalität. Als Eklektiker suchte er die Vorzüge von Tizian, Rubens, Rembrandt und Correggio zu vereinigen, geriet dabei aber in koloristische Experimente, die viele seiner Bilder verdorben haben. Besonders gut gelang ihm die Darstellung der Jugendfrische und des naiven Wesens der Kinder. Aus heutiger Sicht weniger gelungen sind die Ausführungen seiner Historienbilder, lassen diese doch die Leichtigkeit der Komposition und die Wahrhaftigkeit der Darstellung vermissen. Eines seiner besten Gemälde ist der Tod des Kardinals Beaufort und von größter Anmut sein Liebesgott, der Schönheit den Gürtel lösend. Seine von ihm als Präsident der Malerakademie gehaltenen „Discourses“ (London 1778 und später immer wieder neu aufgelegt; deutsch zuerst Dresden 1781) zeichnen sich durch die Eleganz des Stils und die Reichhaltigkeit des philosophischen und ästhetischen Gedankenguts aus.

Musik

Der Begriff „Rokoko“ ist im Bereich der Musik nicht allgemein üblich, obwohl es parallele Erscheinungen gibt. Vorgezogen wird daher als Epochenbezeichnung:  Spätbarocke Musik

Entwickelte sich im Hochbarock die Musik noch unabhängig in verschiedenen Regionen Europas, so zeichnete sich der Spätbarock durch eine grenzübergreifende Verbreitung der Stile aus. Im deutschen Raum trieb Georg Philipp Telemann (1681–1767) diese Entwicklung voran und wurde schließlich zur „Ikone“ unter den Tonkünstlern. Weitere berühmte deutsche Tonschöpfer des Spätbarock waren Carl Heinrich Graun und Johann Adolph Hasse. Heutzutage gilt Johann Sebastian Bach (1685–1750) vielen als „Vollender“ des Spätbarocks. Zu Lebzeiten war er jedoch weit weniger berühmt als die oben genannten und eher als Orgelvirtuose geschätzt denn als Komponist. Stilistisch schließt ein großer Teil seiner Musik sich eher dem Hochbarock als dem Spätbarock an.

Der italienische Violinist und Komponist Antonio Vivaldi (1678–1741), der im 20. Jahrhundert zu neuer Popularität kam, beeinflusste mit seiner Konzertform viele weitere Komponisten. Besonders im Spätbarock erfreuten sich Opern großer Beliebtheit. In England war vor allem Georg Friedrich Händel (1685–1759) in diesem Bereich produktiv. Der Italiener Domenico Scarlatti (1685–1757), Komponist zahlreicher einsätziger Cembalo-Sonaten, war auf der iberischen Halbinsel tätig.

Mit dem Tod Telemanns und anderer letzter Vertreter der deutschen Barockmusik in den 1770er Jahren schwand auch die Popularität des empfindsamen und des galanten Stils zugunsten der Wiener Klassik. Komponisten im Barockstil hat es aber bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gegeben, z. B. den zu Lebzeiten in England sehr beliebten Niederländer Pieter Hellendaal.

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach (* 21. Märzjul./ 31. März 1685greg. in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig) war ein deutscher Komponist, Kantor sowie Orgel- und Cembalovirtuose des Barocks. In seiner Hauptschaffensperiode war er Thomaskantor zu Leipzig. Er ist der prominenteste Vertreter der Musikerfamilie Bach und gilt heute als einer der bekanntesten und bedeutendsten Musiker überhaupt. Insbesondere von Berufsmusikern wird er oft als der größte Komponist der Musikgeschichte angesehen.[2][3] Seine Werke beeinflussten nachfolgende Komponistengenerationen und inspirierten musikschaffende Künstler zu zahllosen Bearbeitungen.

Zu Lebzeiten wurde Bach als Virtuose, Organist und Orgelinspektor hoch geschätzt, allerdings waren seine Kompositionen nur einem relativ kleinen Kreis bekannt. Nach Bachs Tod gerieten seine Werke jahrzehntelang in Vergessenheit und wurden kaum noch öffentlich aufgeführt. Nachdem die Komponisten der Wiener Klassik sich mit Teilen von Bachs Werk auseinandergesetzt hatten, begann mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1829 die Bach-Renaissance in der breiten Öffentlichkeit. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gehören seine Werke weltweit zum festen Repertoire der klassischen Musik.

Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (laut Taufregister Georg Friederich Händel, anglisiert: George Frideric Handel; * 23. Februarjul./ 5. März 1685greg.[1] in Halle (Saale); † 14. April 1759 in London) war ein deutscher Komponist des Barocks, der seit 1727 britischer Staatsbürger war. Sein Hauptwerk umfasst 42 Opern und 25 Oratorien – darunter Messiah mit dem weltbekannten Chor „Halleluja“ –, Kirchenmusik für den englischen Hof, Kantaten, zahlreiche Werke für Orchester sowie Kammer- und Klaviermusik. Händel, dessen künstlerisches Schaffen sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit erstreckte, war gleichzeitig als Opernunternehmer tätig. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Geschichte.

Schon zu Lebzeiten genoss Händel in England den Rang eines Klassikers. 1738 war ihm zu Ehren in Vauxhall Gardens ein durch Roubiliac geschaffenes lebensgroßes Denkmal errichtet worden.[13] Am 15. Juli 1762 wurde das von Roubiliac gestaltete Grabdenkmal Händels in der Westminster Abbey enthüllt.[14] Mainwarings 1760 erschienene Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel (von Mattheson ins Deutsche übersetzt) gelten als erste Musikerbiographie überhaupt. Im Gegensatz zu vielen Komponisten seiner Epoche, wie etwa in Deutschland Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann, geriet Händel nach seinem Tod in England nicht in Vergessenheit. Allerdings beruhte seine dauerhafte Präsenz im englischen Musikleben vorwiegend auf seinen Oratorien, insbesondere dem Messiah.

Neben regelmäßigen auszugsweisen Aufführungen seiner Oratorien wurden mehrere aus Händels Musik zusammengestellte Pasticci gespielt. Zur Feier von Händels 100. Geburtstag wurde 1784 (man hatte sich um ein Jahr vertan, weil im Geburtsjahr Händels in England noch der julianische Kalender galt, nach dem das Jahr erst am 25. März begann, während in Deutschland vor 1700 der Jahresbeginn meist der 25. Dezember war) mit über 500 Musikern eine dreitägige Gedächtnisfeier in Westminster Abbey und im Pantheon gehalten, mit Aufführungen des Messiah, Stücken aus den anderen Oratorien und Orchestermusik. Wegen des Erfolgs wurde die Messiah-Aufführung noch zweimal wiederholt. Diese Gedächtnisfeier begründete eine Tradition, die bis 1791 fortgeführt wurde und immer gigantischere Ausmaße annahm: Im letzten Jahr wurden über 1000 Musiker engagiert.

Die Begeisterung für den Messias erreichte auch bald Deutschland. 1772 wurde dieser erstmals von Michael Arne bei einem Gastspiel in Hamburg dirigiert, drei Jahre später dann von Carl Philipp Emanuel Bach, dem zweitältesten Sohn von Johann Sebastian Bach. Nachdem Friedrich Gottlieb Klopstock im Jahre 1773 sein Vers-Epos Der Messias abgeschlossen hatte, erschien nun 1775 seine deutsche Übersetzung von Händels Werk. Johann Adam Hiller war dann der Erste, der für Berlin 1786 das Stück völlig neu instrumentierte und änderte.

In Wien erweiterte und veränderte Wolfgang Amadeus Mozart für die Konzerte des Barons Gottfried van Swieten zwischen 1788 und 1790 die Instrumentation von vier oratorischen Werken, darunter die des Messiah, um sie dem Zeitgeschmack anzupassen. Dabei ging er aber mit dem Händel’schen Original wesentlich respektvoller um als zuvor Hiller. Darüber hinaus verarbeitete Mozart 1791 in seinem (unvollendeten) Requiem Themen sowie kontrapunktische Verdichtungen aus Händels Funeral Anthem, dem Dettingen Anthem und dem Messiah (And with his stripes).

Als Haydn während seines London-Aufenthalts Oratorien Händels hörte, war er tief berührt: Ihm war, „als sei er an den Beginn seiner Studien zurückversetzt worden und habe bis dahin nichts gewusst“ (nach Giuseppe Carpani). Er brachte ein Libretto nach Wien mit, das möglicherweise für Händel verfasst worden war, und komponierte danach Die Schöpfung, ein Oratorium, das in seiner Struktur und seinen Chorfugen deutlich unter dem Einfluss Händels steht. Gleichermaßen ließ sich Beethoven von Händel inspirieren. Zur Melodie von See, the conqu’ring Hero comes schrieb er Variationen für Cello und Klavier (1796). Die Ouvertüre Die Weihe des Hauses mit ihrer großen Mittelfuge ist bewusst nach Händels Stil modelliert.

In den 1770er-Jahren kam der Messiah nun auch in die USA und wurde, der englischen Tradition folgend, vorwiegend zu Benefizzwecken aufgeführt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich dann dort die Tradition, ihn in der Vorweihnachtszeit aufzuführen.