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Peter Burg Werke

Woche 8 Kapitel 15

Woche 8, Kapitel 15

Rokoko, Schlossbauten, Große deutsche Baumeister (Knobelsdorff, Schlaun, Pöppelmann, Neumann)

Architektur

In der Architektur gibt es nur relativ wenige Bauten, die eindeutig als Rokoko deklariert werden können, da es sich wie erwähnt mehr um einen Dekorationsstil handelt. Die Schlösser erscheinen kleiner, Hauptgebäude trennen sich teilweise von Dienstgebäuden, beispielsweise in Schloss Benrath bei Düsseldorf. In der Innenarchitektur verzichtet man nun auf die gliedernden Elemente der klassisch-antiken Säulenordnung, auf Pilaster, Gebälk und Friese, stattdessen lässt man die Grenzen der einzelnen Raumteile (Wände, Decke usw.) mithilfe von schmückenden Ornamenten verschwimmen. Neben den offiziellen pompösen Repräsentationsräumen finden sich jetzt auch vermehrt kleinere und intimere Privaträume – wie die Petits Appartements Ludwigs XV. und seiner Töchter in Versailles –, oder gar Privathäuser und -schlösschen, wie beispielsweise die Amalienburg im Park von Schloss Nymphenburg. Das Lebensgefühl fordert eine heitere, leichte Architektur mit eleganten und verspielten Details.

Im Kirchenbau, besonders im süddeutsch-österreichischen Raum entstehen allein aus praktischen Gründen zum Teil gigantische Raumschöpfungen, die jedoch nicht monumental wirken, sondern durch eine einzigartige Verschmelzung von Architektur, Malerei, Stuck usw. gekennzeichnet sind, also die Grenzen zwischen den Kunstgattungen oft völlig aufheben, und durch eine lichterfüllte Schwerelosigkeit, festliche Heiterkeit und Bewegtheit geprägt sind (z. B. Wieskirche bei Steingaden).

Frankreich

Seinen Ursprung nahm das Rokoko in Frankreich, wo es die kurze Periode der Régence oder „Regentschaft“ ablöst, die als Kunstepoche etwa den Zeitraum von 1715 bis 1730 umfasst, und in der Politik die Jahre zwischen 1715 und 1723, als Philipp von Orléans die Regierungsgeschäfte in Frankreich während der Minderjährigkeit des späteren Königs Ludwigs XV. leitete.

Schon in der Régence entwickelte man einen leichteren, graziöseren Dekorationsstil. Das schwere, geradlinige klassisch-antike Formenrepertoire des Louis-quatorze verschwand zu Gunsten von Schwüngen und Wölbungen. Typisch für die französische Innendekoration sind Wandvertäfelungen mit oft vergoldeten Boiserien auf weißem Grund. Das Zierelement der Rocaille tritt etwa um 1730 zum ersten Mal auf (Salon Ovale im Hôtel de Soubise, Paris).

Das zierlichere Mobiliar zeigte sich mit geschwungenen Corpora, die mit Ornamenten verziert waren und mit üppig marketierten Oberflächen. Man wünschte nun auch einen höheren Grad an Komfort und polsterte z. B. die Sitz- und Rückenflächen der Sessel dicker oder man schuf die Chaiselongue. Aus dem Bedürfnis nach nützlichen und bequemen Dingen, die noch dazu den Wunsch nach verspieltem Luxus befriedigen sollten, wurden neue Einrichtungsgegenstände gefertigt, wie Tische mit Schubladen und versenkbaren Fächern, Toilettentische, Spieltische und Zylinderschreibtische oder -bureaus, deren Fächer und Schübe sich hinter einem im Halb- oder Viertelkreis geführten Rollladen befanden u. ä. m. Die Tischler bevorzugten Eiche, Walnuss, aber auch tropische Hölzer, etwa Satinholz oder Mahagoni für ihre Arbeiten. Hinzu kamen verfeinerte Alltagsgegenstände aus Glas und Porzellan.

Deutschland

Der Rokokostil in Deutschland und Österreich entwickelte unter dem bereits bestehenden Einfluss des italienischen Barock wesentlich überschwänglichere Formen als im klassizistisch vorgeprägten Frankreich, und es entstanden vor allem auch bedeutende Rokokodekorationen im Kirchenbau.

Die Asamkirche in München steht an der Schwelle zum Rokoko, doch tritt hier die typische Leitform im Ornament, die Rocaille, noch nicht auf. Man findet sie zuerst in den späten 1730er Jahren, doch herrschen auch in dieser Zeit noch florale Ornamentmotive vor, wie in der von François de Cuvilliés erbauten Amalienburg in München-Nymphenburg. Das Rokoko und die Rocaille werden aus Frankreich vor allem durch Ornamentstichvorlagen nach Deutschland importiert. Das Zentrum solcher Stiche ist Augsburg; man nannte es auch den „Augsburger Geschmack“, und es geht in das Formenrepertoire vieler süddeutscher Stuckateure über, bis die Ausstattungskunst des Rokoko im Werk Dominikus Zimmermanns ihren Höhepunkt erreicht: Im Chor der Wieskirche erscheinen „gebaute Rocaillen“. Ebenfalls hervorzuheben ist sein Wirken bei der Errichtung und Stuckierung der Wallfahrtskirche Steinhausen (1727–1733) zwischen Bad Schussenried und Biberach. Andere bedeutsame Schöpfungen des Rokoko sind das Cuvilliés-Theater in München und Schloss Wilhelmsthal bei Kassel.

Regionale Sonderformen

Im deutschsprachigen Bereich werden diverse Ausprägungen des Rokoko in verschiedenen Regionen teilweise besonders bezeichnet, nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich ursprünglich im 18. Jahrhundert um eigenständige Länder handelte, deren Bauten durch den Geschmack und die Mittel eines bestimmten Fürsten oder einer Fürstin geprägt waren.

Bedeutende Elemente des süddeutschen Rokoko sind in der Würzburger Residenz zu finden. Im Hauptwerk Balthasar Neumanns wurden die Stuckaturen von Antonio Bossi ausgeführt. Besonders sind hier der „Weiße Saal“ und der „Kaisersaal“ mit seiner Ausarbeitung zu erwähnen. Vom hochbegabten Kunstschreiner Ferdinand Hundt ließ Balthasar Neumann unter anderem das einzigartige Audienzzimmer ausstatten und lobte ihn, dass er „die Zierratenschneiderei am besten von allen verstehe“. Durch Ferdinand Hundt, Antonio Bossi und Johann Wolfgang van der Auwera wurde in der Residenz der neue Gusto des Würzburger Rokoko erschaffen.

Unteres Konzertzimmer im Neuen Palais, Potsdam

Die wohl bekannteste Sonderform des deutschen Rokoko ist das nach Friedrich dem Großen benannte Friderizianische Rokoko in Preußen, das im Vergleich zur bayerischen Variante als nicht ganz so verspielt und überbordend gilt, aber durchaus zum Prunkenden neigt. Beispielhaft ist die elegante Innendekoration von Schloss Sanssouci (z. B. Konzertzimmer), sowie manche Innenräume im Neuen Palais von Potsdam, wo aber auch Mischformen mit dem Klassizismus auftreten (andere Räume, wie die Galerien sind völlig klassizistisch).

Als eigenständige Entwicklung wird auch das Bayreuther Rokoko angesehen, das unter Markgräfin Wilhelmine in den Jahren 1740 bis 1760 in Bayreuth entstand. Typische Elemente sind zierliche Stuckornamente, von denen die meisten von Giovanni Battista Pedrozzi stammen. Am ausgeprägtesten zeigte sich dieser Stil im neuen Schloss der Eremitage, dessen Innenräume im Krieg leider zerstört wurden. Erhalten sind Appartements im Neuen Schloss Bayreuth, im Alten Schloss der Eremitage und die Schlosskirche Bayreuth.

Österreich

Im heutigen Österreich findet man bedeutende Beispiele für das Rokoko – eine strenge Abgrenzung vom süddeutschen Raum ist jedoch nicht möglich oder sinnvoll und entspricht auch nicht der historischen Situation im 18. Jahrhundert. Stattdessen spricht man grundsätzlich vom süddeutsch-österreichischen Rokoko. Auf der anderen Seite gibt es mit dem nach Maria Theresia benannten Theresianischen Stil, der noch etwas mehr zum Lieblichen tendiert, auch eine eigene Begriffsbildung. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Innendekoration von Schloss Schönbrunn in Wien (wobei das rot-weiße Mobiliar allerdings zum großen Teil erst aus dem 19. Jahrhundert stammt und dem Neorokoko angehört). Andere bedeutende Beispiele sind Schloss Leopoldskron in Salzburg, oder Stift Engelszell und Stift Wilhering in Oberösterreich. Die Stiftskirche von Wilhering gilt als wichtigster Sakralbau des Rokoko in Österreich und zählt zu den bedeutendsten Bauten des Rokoko im deutschen Sprachraum.

Italien

Eine umfassende Untersuchung über den Rokoko in Italien scheint bisher nicht vorzuliegen. Teilweise ist eine genaue Abgrenzung zum italienischen Spätbarock auch nicht ganz einfach, weil man im Gegensatz zum klassischen Formenkanon in Frankreich unter Ludwig XIV. in Italien schon zuvor viel freier und rauschhafter in den Dekorationen der Paläste und Kirchen war. Nach 1700 entstanden Dekorationen, die bei allem Überschwang bereits eine große Feinheit und Eleganz und teilweise ähnliche Ornamentik wie im Rokoko verwenden, z. B. Muscheln, die aber im großen Entwurf oft noch symmetrischer bleiben als im späteren Rokoko. Trotzdem gibt es einige ganz eindeutige und fantasievolle Beispiele für Raumschöpfungen im Rokokostil in Italien, unter anderem in der Palazzina Stupinigi[8] und im Palazzo Reale in Turin (u. a. Galleria del Daniel und Chinesisches Kabinett), oder in venezianischen Palästen,[9] wie der Ca’ Rezzonico, dem Casino der Prokuratorin Venier, im Palazzo Baglioni, im Palazzo Pisani Moretta und im Palazzo Foscarini ai Carmini, die häufig neben farbigen Stuckdekorationen auch spektakuläre Deckengemälde von Tiepolo, Giambattista Crosato und anderen Malern haben.[10] Ein bekanntes Beispiel für Rokoko ist auch die große Galerie im Palazzo Pianetti in Jesi. In Rom war die Tradition der klassischen Antike und der Renaissance sehr stark, und in den dortigen Palästen gibt es daher zwar viele Rokokomöbel, aber ganze Raumschöpfungen sind rar: Erwähnenswert sind die Palazzi Rondinini und Chigi-Odescalchi, sowie die schon 1734 entstandene Spiegelgalerie des Palazzo Doria-Pamphilj. Auf Sizilien finden sich nennenswerte Rokokodekorationen in den Palazzi Valguarnera-Gangi, Butera und Comitini (alle in Palermo), in der Villa Ajroldi (Palermo), und im Palazzo Biscari in Catania.

Andere Länder

Auch in Russland wird der Stil aufgegriffen, hier jedoch mit einer Tendenz zu Prunk und Pomp und auch zum Monumentalen (Katharinenschloss in Zarskoje Selo, Jonastreppe im Winterpalais). Bedeutendster Architekt des russischen Rokoko war der Italiener Bartolomeo F. Rastrelli.

Ein berühmtes Rokokoschloss in Portugal ist der Palácio de Queluz bei Sintra, dessen Innenräume zum Teil aber auch klassizistisch sind. Der Park hat seine Originalform bewahrt und besitzt auch wertvolle Azulejo-Dekorationen im Rokokostil.

Schlossbau

Bedeutende Bauwerke des Rokoko im deutschen Sprachraum

Profanbauten

Schloss Sanssouci, Potsdam

Schloss Sanssouci (von französisch sans souci ‚ohne Sorge‘) liegt im östlichen Teil des Parks Sanssouci und ist eines der bekanntesten Hohenzollernschlösser der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Nach eigenen Skizzen ließ der preußische König Friedrich II. in den Jahren 1745 bis 1747 ein kleines Sommerschloss im Stil des Rokoko errichten. Mit der Planung beauftragte er den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Unter Friedrich Wilhelm IV. wurde das Schloss 1841/42 durch Umbau und Verlängerung der zwei Seitenflügel erweitert. Nach Skizzen des Königs erstellte Ludwig Persius die Entwurfszeichnungen.

Die Schlösser und Gartenarchitekturen in der weitläufigen Parkanlage Sanssouci werden von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verwaltet und stehen seit 1990 als Welterbe unter dem Schutz der UNESCO. Die Deutsche UNESCO-Kommission begründet die Aufnahme in die Welterbeliste wie folgt: „Schloss und Park von Sanssouci, oft als preußisches Versailles bezeichnet, sind eine Synthese der Kunstrichtungen des 18. Jahrhunderts in den Städten und Höfen Europas. Das Ensemble ist ein herausragendes Beispiel von Architekturschöpfungen und Landschaftsgestaltungen vor dem geistigen Hintergrund der monarchistischen Staatsidee.“

Zeit Friedrichs II.

In der Kabinettsorder vom 13. Januar 1745 verfügte Friedrich II. den Bau eines „Lust-Hauses zu Potsdam“. Nach Skizzen des Königs hatte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff Entwurfszeichnungen angefertigt. Den Vorschlägen Knobelsdorffs, das Gebäude durch ein Sockelgeschoss zu erhöhen, zu unterkellern und bis nahe an den Rand der obersten Terrasse zu stellen, um dem Gebäude vom Parterre aus gesehen eine bessere Wirkung zu verleihen, widersprach Friedrich. Er wünschte kein repräsentatives Gebäude, sondern ein intimes Wohnschloss im Stil des Rokoko, das nur seinen privaten Bedürfnissen entsprach. Einen ebenerdigen Bau, dessen Sockel der Berg war, ein „maison de plaisance“, ohne eine Vielzahl von Stufen, um vom Innenraum direkt auf eine breite Terrasse und von dort in den Garten zu gelangen. Eine enge Verbindung zwischen Wohnkultur und freier Natur.

Bei allen im Auftrag Friedrichs II. geschaffenen Bauwerken in Potsdam und Berlin griff dieser administrativ und künstlerisch in das Baugeschehen ein. Nach seinen Vorgaben wurden Entwürfe angefertigt und vor jedem Baubeginn Kostenvoranschläge gemacht. Erst nach der Genehmigung durch den König durften die Arbeiten beginnen. Er mischte sich in alles ein und wollte in allen Einzelheiten unterrichtet werden, was oft zu Missstimmigkeiten zwischen den Architekten und dem König führte und auch Rückbauten auslöste. Die autokratische Wesensart Friedrichs II. schränkte somit auch die baukünstlerischen Vorstellungen Knobelsdorffs ein, der die eigenwilligen Wünsche seines Auftraggebers architektonisch umzusetzen hatte. Diterichs übertrug die Risse Knobelsdorffs ins Detail, wählte die Materialien aus, schloss die Verträge mit Bildhauern und Steinmetzen und beauftragte Johann Gottfried Büring und Carl Ludwig Hildebrandt, mit denen er bereits den Weinberg terrassiert hatte, als „Conducteure“ mit der Ausführung. Am 14. April 1745 wurde der Grundstein gelegt. Am 2. Mai wurde Diterichs durch Kabinettsbefehl als Bauleiter durch Jan Bouman ersetzt und kehrte mit Büring nach Berlin zurück.

Nach nur zwei Jahren Bauzeit fand am 1. Mai 1747 die Einweihung des Weinbergschlosses statt, obwohl noch nicht alle Räume fertiggestellt waren. Außer in Kriegszeiten lebte Friedrich II. dort von Ende April bis Anfang Oktober. Das Gebäude war nur für den König und von ihm ausgewählte Gäste konzipiert. Von seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, mit der er seit 1733 verheiratet war, trennte er sich räumlich nach seiner Thronbesteigung 1740. Ihr wies er das Schloss Schönhausen bei Berlin zu.

Im Rokoko kam es zu einer Trennung von privatem und öffentlichem Bereich. Für die repräsentativen Verpflichtungen war das Potsdamer Stadtschloss vorgesehen, dessen Umbau zur selben Zeit stattfand und das von Friedrich II. in den Wintermonaten bewohnt wurde. Potsdam entwickelte sich zur eigentlichen Residenz, während das Berliner Schloss, in dem die Königin Repräsentationsaufgaben wahrnahm und Schloss Charlottenburg, wo Friedrich II. zu Beginn seiner Regierungszeit den „Neuen Flügel“ an der östlichen Seite anbauen ließ, an die zweite Stelle traten und das Königsberger Schloss sowie das Breslauer Stadtschloss nur gelegentlich besucht wurden.

In Sanssouci komponierte, musizierte und philosophierte der preußische Monarch. Er regierte diszipliniert sein Land und lebte bescheiden ohne Prunk. Seine Bescheidenheit steigerte sich im Alter bis zum Geiz. Zu seinen Lebzeiten ließ Friedrich II. an der Außenfassade keine und in den Innenräumen nur mit Widerwillen Reparaturen vornehmen, da es, wie er bei anderer Gelegenheit sagte, „nur bey meinem Leben dauern“ soll. Die Gleichgültigkeit des an Rheuma und Gicht leidenden Königs gegenüber nötigen Renovierungen kritisierte Oberhofbaurat Heinrich Ludwig Manger später in seiner Baugeschichte von Potsdam: „Leider hat der große Mann an vielen seiner Baue Schadhaftigkeiten erlebt, deren Reparaturkosten ihm außerordentlich empfindlich waren.“[12] So stellte sich auch die fehlende Unterkellerung, auf die der König gegen Knobelsdorffs Rat bestanden hatte, als Baufehler heraus, da sie zur Beschädigung der Parketts durch aufsteigende Feuchtigkeit und zu ständiger Fußkälte führte.

Residenz Würzburg

Die Würzburger Residenz ist ein barocker Residenzbau am Rande der Innenstadt von Würzburg, der 1720 begonnen wurde und bis 1744 vollendet war. Die Innenausstattung der ehemaligen, in der Schönbornzeit unter der Regie von Balthasar Neumann entstandenen, Residenz wurde im Jahr 1781 fertiggestellt.

Sie diente bis zur Auflösung der geistlichen Territorien durch die Säkularisation als Sitz der Würzburger Fürstbischöfe. Das Schloss zählt zu den Hauptwerken des süddeutschen Barock und ist im europäischen Kontext als einer der bedeutendsten Residenzbauten des Spätbarock anzusehen, es steht somit in einer Reihe mit Schönbrunn in Wien und Schloss Versailles bei Paris. Die UNESCO hat das Bauwerk einschließlich des Residenzplatzes und der Nebengebäude 1981 in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben.

Die UNESCO begründet die Aufnahme ins Welterbe damit, die Würzburger Residenz sei „das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser“, „einzigartig durch ihre Originalität, ihr ehrgeiziges Bauprogramm und die internationale Zusammensetzung des Baubüros“, eine „Synthese des europäischen Barock“. Sie veranschauliche zudem „einen der strahlendsten Fürstenhöfe Europas“. Das 1979 bis 1987 rekonstruierte Spiegelkabinett, eines der Paradezimmer des Kaisers, sei das „vollkommenste Raumkunstwerk des Rokoko“.

Die Würzburger Fürstbischöfe hatten seit Mitte des 13. Jahrhunderts ihren Sitz im Schloss auf dem Marienberg. Im Zeitalter des Absolutismus, in dem der Herrscher seine Macht und seinen Reichtum auch durch die Größe seines Wohnsitzes zeigte, war ein Renaissanceschloss wie das in den Festungsanlagen nicht mehr genügend. Bereits Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths hatte ein zur doppelten Hofhaltung vorgesehenes „Schlösschen“ auf dem heutigen Residenzplatz errichten lassen. Zu dessen Nutzung als Residenz kam es jedoch nicht.

Johann Philipp Franz von Schönborn war ein absolutistischer Herrscher, der diesem Anspruch auch gerecht zu werden gedachte: So hatte er aus einem Unterschlagungsprozess gegen seinen Hofkammerdirektor Gallus Jacob die Summe von 600.000 Gulden erstanden – die er in den Bau eines neuen Schlosses zu investieren gedachte. Sein „spiritus rector“ war hierbei sein Onkel Lothar Franz von Schönborn.

Der Auftrag zur Erstellung eines Bauplans ging an Balthasar Neumann, einen noch weitgehend unbekannten Ingenieur und Baumeister aus dem Offizierskorps des vorherigen Regenten Johann Philipp von Greiffenclau. Der, obwohl entsprechend seiner Entwicklungszeit traditionell-italienisierende über französisch-klassische bis hin zu wienerisch-piemontesischen Formen zeigend, in sich vollkommen geschlossen wirkende Bau erfolgte nach einem einheitlichen Plan, in dem Neumann die Ideen und konkurrierenden Vorschläge der ihn unterstützenden Mainzer Architekten Maximilian von Welsch und Christoph von Erthal (1719/1720), der französischen Baumeister Robert de Cotte und Germain Boffrand (1723/1724) sowie ab 1730 des Wiener Architekten Johann Lucas von Hildebrandt zu einer Synthese führte. Zudem war auch Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn beratend tätig. Vor allem Boffran und Hildebrandt haben den Entwurfsprozess maßgeblich beeinflusst. Hildebrandt prägte die charakteristischen Mittelrisalite von Garten- und Hoffassade, während Boffrand die Nebenflügel der Stadtfassade inspirierte. Dass dem Bau trotzdem nichts eklektizistisches anhaftet, er also derartig geschlossen wirkt, kann als eine der bedeutendsten künstlerischen Leistungen von Balthasar Neumann angesehen werden.

Geschichte der Residenz

Die Einrichtung einer neuen Hofhaltung innerhalb des vom Bastionenkranz umschlossenen Stadtgebiets war bereits von Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg beschlossen, aber erst von seinem Nachfolger Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths in Angriff genommen worden.[5]

1700–1720: Vorgängerbau „Schlösslein“

Rosenbachpalais (erbaut um 1700)

Konzipiert als Zweitresidenz (zum Sitz auf dem Marienberg) wurde nach Plänen von Antonio Petrini das so genannte Schlösslein am Rennweg vor dem Rosenbachpalais (auf dem Gelände vor der heutigen Residenz) errichtet. Der etwa 68 Meter lange Bau hatte zwei Stockwerke und war nach Art der Wiener und Prager Palastbauten mit Pilastern an den Fassaden versehen. Bezogen wurde der statische Mängel aufweisende und als Regierungs- und Repräsentationsgebäude zu klein dimensionierte Bau jedoch nie und 1720 abgebrochen. Balthasar Neumann hatte sich im Oktober 1719 bereits mit Umbauplänen des Schlösschen befasst. Aufgrund der irreparablen Schäden am Gebäude entschied sich der Fürstbischof Johann Philipp Franz jedoch Anfang 1720 zu einem kompletten Neubau.

1720–1729: Erster Bauabschnitt und Ruhezeit

Die Grundsteinlegung der neuen Würzburger Residenz erfolgte unter Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn im Mai 1720. Auf den Rat von Lothar Franz von Schönborn hin wurde das Bauvorhaben auf dem Rennweg so platziert, dass ein großer, zur Stadt hin ausgerichteter Platz entstand. Johann Philipp, beim Volk wegen seiner hohen Abgabenlasten unbeliebt, starb bereits 1724, ohne in „sein“ Schloss, von dem bis dahin nur Teile des Nordflügels (der nördliche und der westliche Trakt des ersten nördlichen Vierflügelkarrees samt bauplastischem Schmuck) standen, je eingezogen zu sein. Sein Nachfolger, Christoph Franz von Hutten, ließ in den folgenden fünf Jahren (1724–1729) seiner Regentschaft das erste Vierflügelkarreé um den vorderen nördlichen Ehrenhof des Nordflügels fertigstellen und bezog eine Wohnung in den heute als Ingelheim-Zimmer bekannten Räumen, die er mit (im 18. Jahrhundert bereits wieder verschwundenen) Arbeiten des Malers Franz Ignaz Roth, dem Lehrer von Johann Christoph Fesel, schmücken ließ. Die ersten Ausstattungsarbeiten dieser „Ersten Bischofswohnung“ waren noch unter Johann Philipp Franz erfolgt. Die Dekorationspläne dazu stammen von dem Stuckateur Giovanni Pietro Castelli (um 1665–1732), der von dem sich Juli 1724 in Würzburg aufhaltenden Germain Boffrand beraten wurde. Von November 1724 bis 1726 wurden dann deren Stuckaturen durch die zuvor beim Kölner Kurfürsten in Diensten gestandenen Brüder Giovanni Pietro und Carlo Antonio Castelli ausgeführt. Der leidenschaftliche Jäger war zudem auch der Auftraggeber für eine von Claude Curé modellierte und von J. A. Roth 1724 gegossene Bronzestatuette der Jagdgöttin Diana, die zur ursprünglichen Ausstattung der Bischofswohnung gehörte (Über dem Portal des fürstbischöflichen Jagdzeughauses in der Zeller Straße war ebenfalls eine um 1722 von Jakob van der Auwera 1672–1760 nach einem Entwurf des Hofmalers Anton Clemens Lünenschloß geschaffene Figur der Göttin angebracht worden).

1729–1744: Zweiter Bauabschnitt

Residenz Würzburg im Bau (1731)

Die Bauarbeiten wurden erst wieder in vollem Umfang unter dem Bruder des ersten Bauherrn, Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, reg. 1729–1746, in Angriff genommen. Nachdem er um 1730 beschlossen hatte, im Südflügel der Residenz zu residieren, wurde ab 1733 dort die (bei einer Umgestaltung nach 1806 wieder zerstörte) „Zweite Bischofswohnung“ (mit Bildern von Lünenschloß, Bys und Scheubel) eingerichtet. Während seiner Regentschaft wurde die Errichtung des Südflügels fortgesetzt und der Rohbau des Gesamtgebäudes an Silvester 1744 vollendet. Bei Erstvergabe des Auftrags zur Deckenausmalung 1744 war der Fürstbischof einem Hochstapler, dem Maler Giuseppe Visconti, aufgesessen. Der legte ihm künstlerische, jedoch von fremder Hand stammende Vorlagen als eigene Entwürfe vor. Aufgrund dessen erhielt dieser den lukrativen Auftrag zur Freskenerstellung. Schnell wurde die dilettantische Ausführung erkannt, der vermeintliche Künstler verjagt und dessen Werk von der Decke abgeschlagen. Friedrich Karl bezog eine neue Wohnung im südlichen Flügel, ließ ebendort die Hofkirche einrichten und sorgte in seiner Regierungszeit dafür, dass die drei ab 1738 entstandenen Paradezimmer (Audienzzimmerausstattung vom Kunstschreiner Ferdinand Hundt) südlich des Kaisersaals, das Spiegelkabinett (von Johann Wolfgang van der Auwera, dem Sohn und Nachfolger des Hofbildhauers Jakob van der Auwera) wie auch ein erster Festsaal, der Weiße Saal, (durch Antonio Bossi), fertiggestellt wurden.

Sein Nachfolger, Anselm Franz Graf von Ingelheim, ließ den Baumeister Neumann absetzen und stoppte den Ausbau der Anlage, die Bauarbeiten ruhten bis zu seinem Tod 1749. Er bezog Wohnung in den heutigen Ingelheim-Zimmern und machte sich vornehmlich Gedanken darum, Geld zu beschaffen: So führte er u. a. Geldausfuhrsteuern ein.

Von 1738 bis 1744 erfolgte die Gestaltung des Ehrenhofabschlusses nach Entwürfen von Johann Lucas von Hildebrandt mit von Johann Wolfgang van der Auwera geschaffenen Statuen. Dieses ehemalige Figurenensemble wurde jedoch 1821 mitsamt schmiedeeisernen Gittern (dem Hauptwerk Johann Georg Oeggs) veranlasst durch den Kronprinzen Ludwig wieder abgebaut.

1749–1779: Höhepunkte des Innenausbaus

Treppenhaus der Würzburger Residenz

In die Zeit von 1749 bis 1754 fielen Höhepunkte der Innenausstattung. Unter Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads’ Herrschaft beteiligten sich an der Innenausstattung mit Fresken und Stuckaturen unter anderem Giovanni Battista Tiepolo 1750–1753 (Treppenhaus mit dem größten zusammenhängenden Deckenfresko der Welt, Kaisersaal, Hofkirche), Antonio Giuseppe Bossi (Kaisersaal, Gartensaal) und Johannes Zick 1750 (Gartensaal mit dem Deckenfresko Göttermahl[14]). Die Epoche des Würzburger Rokoko war somit vollendet. Balthasar Neumann erlebte die Ausgestaltung und Fertigstellung des Treppenhauses noch mit, starb aber kurz darauf.

Unter dem nächsten Fürstbischof, Adam Friedrich von Seinsheim, reg. 1755–1779, wurde die Residenz fertig ausgestaltet: Der Garten bekam seine heutige Form, und auch im Schloss ließ Seinsheim im wesentlich kargeren Stil des Louis-seize Zimmer umgestalten. Die Ausstattung der sogenannten Ingelheim-Zimmer ab 1776 im Stil des Früh-Klassizismus (unter Einbeziehung der Deckenstuckaturen der Brüder Castelli) sowie des grünlackierten Zimmers 1778 beschlossen als letzte Baumaßnahme eine fast sechzigjährige ununterbrochene Bauzeit.

Weitere fürstliche Rokokobauten:     Schloss Seehof    Schloss Bruchsal    Schaezlerpalais, Augsburg    Schloss Rheinsberg, Brandenburg    Schloss Solitude, Stuttgart    Schloss Wilhelmsthal, Calden, Hessen    Schlösser Augustusburg und Falkenlust, Brühl, Nordrhein-Westfalen    Schloss Leopoldskron, Salzburg    Residenz Ansbach, Bayern    Rokokosaal des Alten Rathaus in Bamberg    Cuvilliés-Theater, München    Amalienburg im Park von Schloss Nymphenburg, München    Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth    Ephraimpalais, Berlin    Kurfürstliches Palais, Trier    Bauwerke an der Oberschwäbischen Barockstraße

Sakralbauten:     Stift Wilhering, Oberösterreich    Domkirche, Freising, Bayern    Asamkirche, München    Wieskirche, Steingaden, Bayern    Klosterkirche Rott, Rott am Inn, Bayern    Augustiner-Klosterkirche St. Michael, Münnerstadt    Heuwinklkapelle, Iffeldorf, Bayern    Wallfahrtskirche Birnau, Baden-Württemberg

Bedeutende Baumeister des Rokoko

Johann Michael Fischer    Cosmas Damian Asam    Egid Quirin Asam    Germain Boffrand    François de Cuvilliés der Ältere    François de Cuvilliés der Jüngere    Joseph Anton Feuchtmayer

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (* 17. Februar 1699 auf Gut Kuckädel bei Crossen an der Oder; † 16. September 1753 in Berlin) war zunächst Soldat, danach Porträt- und Landschaftsmaler, Theaterintendant, Landschaftsgestalter und Innendekorateur, in erster Linie aber Architekt im Dienste Friedrichs II. von Preußen. Er wurde zum bedeutendsten Baumeister des Friderizianischen Rokoko.

Sein persönliches Verhältnis zum Kronprinzen und späteren König war gekennzeichnet durch einen harmonischen, beinahe freundschaftlichen Beginn, zunehmende Spannungen und ein halbwegs versöhnliches Ende. In nur etwa zwei Jahrzehnten lieferte er zahlreiche Entwürfe für Schlösser, Bürgerhäuser, Kolonnaden, Obelisken, Parks usw., die das Aussehen der Residenzstädte Berlin und Potsdam stark beeinflussten. Vieles davon wurde verändert oder zerstört, einiges blieb erhalten oder konnte wiederhergestellt werden.

Militärzeit und Wege zur Kunst

Georg Wenzeslaus Knobelsdorff wurde als ältester Sohn schlesischer Landadliger am 17. Februar 1699 auf dem Gut Kuckädel (heute polnisch Kukadło) bei Crossen an der Oder geboren. Sein Vater Georg Sigismund von Knobelsdorff und seine Mutter Ursula Barbara von Haugwitz hatten insgesamt fünf Söhne und drei Töchter. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er bei seinem Patenonkel, dem Oberforstmeister Georg von Knobelsdorff auf. Entsprechend der Familientradition begann er seine berufliche Laufbahn in der preußischen Armee. Schon als 16-Jähriger war er Teilnehmer des Feldzuges gegen König Karl XII. von Schweden und 1715 beteiligt an der Belagerung von Stralsund, das zu Schweden gehörte. Im Alter von 29 Jahren, inzwischen zum Seconde-Lieutenant (nach anderen Quellen: Kapitän oder Hauptmann) befördert, beendete er den Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen.

Noch als Soldat hatte er seine künstlerischen Fähigkeiten autodidaktisch weiterentwickelt. Nachdem er den Militärdienst quittiert hatte, ließ er sich bei dem preußischen Hofmaler Antoine Pesne – dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb – in verschiedenen Maltechniken ausbilden. Er erwarb zusätzliche Kenntnisse in Geometrie und Anatomie. In der Malerei sah er seine berufliche Zukunft. Seine Bilder und Zeichnungen fanden immer wieder Anerkennung, auch als der Schwerpunkt seiner Tätigkeit längst woanders lag.

Zur Architektur kam er erst auf einem Umweg, nämlich über die Darstellung von Bauwerken in seinen Bildern. Mehrfach wurde später die malerische Auffassung seiner Architekturentwürfe vermerkt und dabei unterschiedlich bewertet. Heinrich Ludwig Manger, als Baumeister eher Techniker als Künstler, schrieb 1789 in seiner „Baugeschichte von Potsdam“ mit tadelndem Unterton, Knobelsdorff habe seine Gebäude „bloß perspectivisch und mahlerisch entworfen“, lobte aber seine Gemälde. Friedrich der Große dagegen sprach anerkennend vom „malerischen Geschmack (gout pittoresque)“ des Architekten. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die lockere Art der Zeichnungen jemals ein ernsthaftes Hindernis bei der Ausführung der Bauten gewesen wäre.

Die notwendigen Kenntnisse für seinen neuen Beruf eignete sich Knobelsdorff, nach kurzer Ausbildung bei den Architekten Kemmeter und von Wangenheim, wiederum hauptsächlich im Selbststudium an. „Kavaliersarchitekten“ wie er waren im 16. und 17. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches und genossen durchaus fachliche und gesellschaftliche Wertschätzung. Sie bildeten sich durch unmittelbare Anschauung auf ausgedehnten Reisen und durch das Studium von Kupferstichsammlungen mit Ansichten klassischer und zeitgenössischer Bauten. Knobelsdorffs Vorbilder, die Engländer Inigo Jones (1573–1652) und William Kent (1684–1748) sowie der Franzose Claude Perrault (1613–1688) fanden ebenfalls auf Umwegen zu ihrem Beruf und waren keine jungen Männer mehr, als sie sich der Baukunst zuwandten.

Neuruppin und Rheinsberg

König Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wurde auf Knobelsdorff aufmerksam und delegierte ihn 1732 in die Umgebung seines Sohnes, des Kronprinzen Friedrich, später König Friedrich II. (Friedrich der Große). Der hatte nach missglücktem Fluchtversuch und Festungshaft in Küstrin von seinem strengen Vater gerade wieder etwas größere Bewegungsfreiheit erhalten. Offenbar versprach sich der König von Knobelsdorff als einem vernünftigen, dazu künstlerisch begabten Edelmann mäßigenden Einfluss auf seinen Sohn. (Die Ursachen für das erste Zusammentreffen Knobelsdorffs mit Friedrich werden in anderen Quellen abweichend dargestellt; übereinstimmend wird es auf das Jahr 1732 datiert.)

Damals hatte der Kronprinz, als Zwanzigjähriger zum Oberst ernannt, ein Regiment in der Garnisonsstadt Neuruppin übernommen. Knobelsdorff wurde sein Gesprächspartner und Berater in Fragen von Kunst und Architektur. Unmittelbar vor der Stadtmauer entstand nach ihrer gemeinsamen Planung der Amalthea-Garten, darin ein Monopteros, ein kleiner Apollotempel nach antikem Vorbild, seit dem Altertum das erste Bauwerk dieser Art auf dem europäischen Kontinent und Knobelsdorffs erste Probe als Architekt Friedrichs des Großen. Dort wurde musiziert, philosophiert und gefeiert und auch nachdem der Kronprinz 1736 in das nahe Schloss Rheinsberg umgezogen war, suchte er bei seinen Aufenthalten als Kommandeur in der Neuruppiner Garnison den Tempelgarten häufig auf.

1736 erhielt Knobelsdorff vom Kronprinzen Gelegenheit zu einer Studienreise nach Italien, die bis zum Frühjahr 1737 dauerte. Sie führte ihn u. a. nach Rom, in die Gegend um Neapel, nach Florenz und Venedig. Seine Eindrücke sind in einem Reiseskizzenbuch mit annähernd einhundert Bleistiftskizzen festgehalten, allerdings nur von einem Teil der Reise: auf dem Rückweg hatte er sich bei einem Wagenunfall zwischen Rom und Florenz den Arm gebrochen. Einen Geheimauftrag konnte er nicht ausführen – die italienischen Opernsänger, die er nach Rheinsberg verpflichten sollte, waren mit den vorhandenen Geldmitteln nicht zu bezahlen. „Die hiesigen Castraten entschließen sich schwerlich von dannen zu gehen, […] das beständige Brodt, so sie auch im unvermögenden Stande behalten, sind Uhrsache, daß sie 100 Rthlr. in Rom auswärtigen Tausenden vorziehen.“[2] schrieb Knobelsdorff an den Kronprinzen. Im Herbst 1740, kurz nach Friedrichs Regierungsantritt wurde er vom König auf eine weitere Studienreise geschickt. In Paris war er eigentlich nur von den Arbeiten des Architekten Perrault beeindruckt – von der Fassade des Louvre und der Gartenfront des Schlosses von Versailles. Auf dem Gebiet der Malerei nannte er die Bilder von Watteau, Poussin, Chardin und anderen. Auf der Rückreise durch Flandern sah er die Gemälde von van Dyck und Rubens.

Schloss Rheinsberg mit dem kleinen Hofstaat des Kronprinzen wurde ein Ort der heiteren Gemeinsamkeit und der musischen Kreativität – ein Gegenentwurf zur sachlich trockenen Berliner Hofhaltung des Soldatenkönigs. Hier diskutierten Friedrich und Knobelsdorff über Architektur und Städtebau und entwickelten erste Ideen zu jenem umfangreichen Bauprogramm, das nach der Thronbesteigung des Kronprinzen verwirklicht werden sollte. Knobelsdorff fand in Rheinsberg seine erste größere Aufgabe als Architekt. Das Schloss bestand seinerzeit nur aus einem Turm und einem Gebäudeflügel. In einem Gemälde von 1737 hatte Knobelsdorff die Situation vor dem Umbau dargestellt, gesehen vom gegenüberliegenden Ufer des Grienericksees. Nach Vorarbeiten des Baumeisters Kemmeter und in ständiger Absprache mit Friedrich gab Knobelsdorff dem Ensemble seine heutige Form. Er ergänzte die Anlage durch den zweiten Turm und den dazugehörigen Gebäudeflügel und durch die Kolonnade, die beide Türme verbindet.

Sanssouci

Am 13. Januar 1745 ordnete Friedrich der Große den Bau eines „Lust-Hauses zu Potsdam“ an. Dafür hatte er recht konkrete Entwurfsskizzen gezeichnet, die er Knobelsdorff zur Ausführung übergab. Sie sahen ein einstöckiges, ebenerdiges Gebäude auf den Weinbergterrassen am Südhang der Bornstedter Höhen im Nordwesten Potsdams vor. Knobelsdorff erhob Einwände gegen das Konzept, er wollte das Gebäude durch ein Sockelgeschoss erhöhen, unterkellern und nach vorn an den Rand der Terrassen rücken – es würde sonst, vom Fuß des Weinbergs aus gesehen, wie in den Boden versunken erscheinen. Friedrich bestand auf seinen Vorstellungen. Auch durch den Hinweis auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Gicht und Erkältungen ließ er sich nicht umstimmen; später erlebte er genau diese Unannehmlichkeiten und ertrug sie klaglos.

Die Realisierung der Entwürfe übernahmen der bauleitende Architekt Friedrich Wilhelm Diterichs und der Baumeister Jan Bouman. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde das Schloss Sanssouci („Mein Weinberghäuschen“, wie der König es nannte) am 1. Mai 1747 eingeweiht. Friedrich der Große bewohnte es meist von Mai bis September, die Wintermonate verbrachte er im Potsdamer Stadtschloss.

Johann Balthasar Neumann

Johann Balthasar Neumann, gemeinhin bekannt als Balthasar Neumann (* 27. Januar 1687 in Eger (Böhmen); † 19. August 1753 in Würzburg), war einer der bedeutendsten Baumeister des Barock und des Rokoko in Süddeutschland. Zu seinen bekanntesten Werken als Architekt, Stadtbaumeister, Künstler, Techniker und Bauorganisator zählt die Würzburger Residenz, der 1981 von der UNESCO weltweite Bedeutsamkeit zugesprochen wurde. Die Residenz gehört zum Weltkulturerbe.

1712 trat Neumann als Gemeiner in die fränkische Kreis-Artillerie ein, da er einzig auf diesem Weg die nur Militärs offenstehende Laufbahn des Ingenieurs einschlagen konnte. Seit 1714 ist er im Dienst des Würzburger Hochstifts nachzuweisen (1715 war er Fähnrich der fürstlichen Leibkompanie der Fürstbischöflich-würzburgischen Armee und in seinem dritten Studienjahr der Geometrie, Architektur und Feldmesserei. Er vervollkommnete seine Kenntnisse durch Studien auf dem Gebiet der Festungsbaukunst, stieg auf zum Adjutanten, wurde bald Feldwebel der Artillerie in der Schlosskompanie und 1718 fürstlicher Ingenieur-Kapitän.

1717/18 befand er sich mit den fränkischen Truppen in Österreich und Ungarn, wo er vermutlich als Ingenieur bei der Befestigung von Belgrad mitarbeitete. In Wien lernte er auch die richtungweisenden Barockbauten von Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lucas von Hildebrandt kennen und schulte sein architektonisches Gespür an ihnen. Eine Reise nach Mailand brachte ihm wohl auch die Begegnung mit den Werken Guarino Guarinis, die bestimmend für seine spätere genialische Auffassung vom Raum wurden.

Nachdem Neumann unter der Leitung des Artilleriehauptmanns und Ingenieurs Andreas Müller (1667–1720) und des fürstlichen Stadt- und Landbaumeisters Joseph Greissing in Würzburg gearbeitet hatte, berief 1719 der neue Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn den Stückhauptmann (der Artillerie) und Oberingenieur Neumann zum fürstbischöflichen Baudirektor in Würzburg. Als solcher übernahm Neumann 1720 schließlich die Planung für den Neubau der Würzburger Residenz. Der Würzburger Fürstbischof folgte dabei der Empfehlung seines Onkels, des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn, dem schon 1715 das aufstrebende Talent des Baumeisters aufgefallen war.

Sein Architekturverständnis schulte Neumann in diesen ersten Jahren in der Zusammenarbeit mit anderen im Dienst des Würzburger Hochstifts stehenden Architekten, wie Maximilian von Welsch, den Gebrüdern von Erthal oder Ritter zu Gronesteyn, durch die er mit der französischen Frühklassik Mansarts in Berührung kam. Stilprägend wurde aber die Auseinandersetzung mit dem Wiener Meister Johann Lucas von Hildebrandt.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Residenz unternahm er im Auftrag seines fürstbischöflichen Dienstherrn eine Studienreise, die ihn über Mannheim, Bruchsal, Straßburg und Nancy 1723 nach Paris führte. Hier festigte er im Kontakt mit Robert de Cotte, dem Ersten Architekten des französischen Königs, die bahnbrechenden Ideen neuer Raumdispositionen. Zusammen mit Germain Boffrand, dem anderen der großen Architekten Frankreichs, entwickelte Neumann in Paris seine Ideen von einem großzügigen Treppenhaus weiter, die ihn später berühmt machten. 1724 avancierte er zum Major. Er heiratete 1725 Maria Eva Engelberta Schild, Tochter des Geheimen Hofrats Franz Ignaz Schild. Beide hatten acht Kinder. Durch die Heirat erhielt er familiären Zugang zu einflussreichen Beamten- und Ratsfamilien in Stadt und Bistum.

Balthasar Neumann wohnte in Würzburg in der Franziskanergasse 2, wo er 1724 den Hof Oberfrankfurt vom Fürstbischof Christoph Franz von Hutten erworben hatte. Hier hatte er auch sein Architekturbüro mit seinen Mitarbeitern untergebracht. Über eine Wendeltreppe gelangte man auf eine Dachterrasse und von dort aus zu einer Aussichtsplattform namens „Belvedere“, im Volksmund „Neumann-Kanzel“ genannt. Ein Podest mit Geländer auf dem Dach seines Hauses erlaubte ihm, seine Würzburger Baustellen zu überblicken.Am 16. März 1945 wurde das Anwesen durch Bomben schwer beschädigt und 1950 wegen Einsturzgefahr gesprengt. Später entschied man sich für einen Neubau, in den das barocke Portal integriert wurde. Im Dachgeschoss wurde die „Balthasar-Neumann-Stube“ als Veranstaltungsraum eingerichtet.

1729 wurde er Oberstleutnant in der fränkischen Kreisartillerie und anstelle Maximilians von Welsch Baudirektor in Bamberg, dem zweiten Bistum des neuen Würzburger Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn. 1731 erhielt er den für ihn neu eingerichteten Lehrstuhl für Zivil- und Militärbaukunst an der Universität Würzburg und wurde 1741 Oberst, womit er den höchsten für ihn möglichen militärischen Rang erreichte.

Durch die Politik der vom „Bauwurm“ besessenen Familie Schönborn, möglichst viele Bistümer mit Angehörigen zu besetzen, erweiterte sich Neumanns Wirkungskreis von Würzburg und Bamberg schließlich auf die Bistümer Speyer, Konstanz und Trier, selbst der Kölner Kurfürst Clemens August von Wittelsbach gab ihm Aufträge.

Ab 1723 war Neumann Mitglied der bischöflichen Baukommission, die er ab 1725 faktisch leitete. Als Baudirektor des Domkapitels erreichte er eine dominierende Stellung im Würzburger Bauwesen, auch nachdem er unter Schönborns Nachfolger Anselm Franz von Ingelheim das Amt als Oberbaudirektor vorübergehend verloren hatte. Daneben war er auch erfolgreicher selbständiger Unternehmer, als der er im Steigerwald die Schleichacher Glashütte (heute Fabrikschleichach, Gemeinde Rauhenebrach) und in Würzburg eine Spiegelschleiferei betrieb. Mit seinen Erzeugnissen versorgte er nicht nur die eigenen Bauten, sondern exportierte sie auch in andere Länder.

Aus einem Schreiben vom 19. Juli 1747 geht hervor, dass sich Emanuel Teles da Silva, Graf von Silva-Tarouca, Hofbaudirektor in Wien, bemühte, den berühmten Architekten für Wien zu gewinnen. Neumann geleitete Kaiser Franz von Lothringen bei seinem Aufenthalt in Würzburg anlässlich der Reise zur Krönung nach Frankfurt durch die Residenz. Franz Stephan beschäftigte sich damals mit der Umgestaltung der Wiener Hofburg. Er zeichnete im Auftrag des Kaisers Franz von Lothringen Entwürfe für ein neues Treppenhaus in der Wiener Hofburg, das zu den großartigsten Treppenhäusern der Barockzeit zählte. Er schrieb „… indessen überschicke auch Seiner Kayserlichen Majestät meine idee über die Kayserliche und Königliche burg oder resident in Wien, welches dessein bereith fertig habe.“ Als Ehrengeschenk ließ ihm Maria Theresia durch Tarouca eine große und schöne Tabatiere übersenden. Den Auftrag erhielt jedoch der Lothringer Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey, Neumanns Pläne wurden nicht verwirklicht.

Neumann zeichnete ferner Entwürfe für Residenzen in Stuttgart (1747–1749) und Karlsruhe (1750/51) sowie für Schwetzingen (1752).

Er starb als Oberst der Artillerie und fürstbischöflicher Oberbaudirektor und wurde in der Marienkapelle in Würzburg beigesetzt. Die von ihm begonnene Abteikirche Neresheim und die nicht vollendete Basilika Vierzehnheiligen wurden von anderen Baumeistern fertiggestellt.

Als Mitarbeiter Neumanns ragten Johann Thomas Nissler (1713–1769), Arnold Friedrich Prahl (1709–1758) und Johannes Seiz (1717–1779) heraus.

Leitideen und Werke

Zwei Maximen Neumanns beim Bau von Kirchen (bei dem er sich auch an Renaissance-Elementen orientierte, wie sie Antonio Petrini bereits bei der Karmelitenkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena und dem Stift Haug verwendet hatte waren „Rotunde“ und „kurvierter Raum“. Er gab sich nur mit vollkommenen Lösungen zufrieden, die alle Anregungen einschlossen.

Erfolge in der Städteplanung

Balthasar Neumann versorgte Würzburg mit Kanälen, lenkte frisches Quellwasser in den Vierröhrenbrunnen und legte neue Straßenzüge an. Für die Berechnungen seiner Rokokobauten entwickelte er einen speziellen Proportionalwinkel, das instrumentum architecturae. Mit ihm konnten die Proportionen der verschiedenen Säulenarten bequem abgelesen werden.

Von Neumann stammt die erste genaue kartografische Stadtdarstellung Würzburgs: Er zeichnete bereits 1715 diesen Grundrissplan der Stadt, der jedoch nur in einer von Joseph Fischer 1775 angefertigten Kopie erhalten ist. Weite Verbreitung fand ab 1723 (umgesetzt von Johann Salver, Johann Baptist Homann und Johann Balthasar Gutwein) eine durch Neumann gezeichnete perspektivische Vogelschauansicht der Stadt Würzburg.

In Bad Kissingen veranlasste er in den Jahren 1737 und 1738 zusammen mit Georg Anton Boxberger die Verlegung der Fränkischen Saale. In diesem Zusammenhang wurde der „scharfe Brunnen“, die heutige Rakoczy-Quelle, wiederentdeckt. Außerdem wurden in Kissingen seine Pläne für das königliche Kurhaus und das Langhaus der Marienkapelle verwirklicht. 1738 zeichnete er eine Gesamtansicht von Bad Kissingen mit einer Stadtmauer und 14 Türmen.

Werke:

Balthasar Neumann schuf „rund 100 bedeutende Brücken, Kirchen, Klöster, Schlösser, Wohn- und Geschäftshäuser“.