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Peter Burg Werke

Woche 5 Kapitel 10

Woche 5 Kapitel 10

Berühmte Ökonomen: Adam Smith und Jean-Baptiste Say

Adam Smith

4* Adam Smith, (* 16. Juni 1723 in Kirkcaldy, Grafschaft Fife, Schottland; † 17. Juli 1790 in Edinburgh), war ein schottischer Moralphilosoph und Aufklärer und gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie.

Sein erstes großes Werk, Theorie der ethischen Gefühle (1759, engl. „The Theory of Moral Sentiments“), wurde zu einem Erfolg und machte ihn rasch bekannt. Es befasste sich mit der menschlichen Natur und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft. Nicht eine höhere Instanz, sondern der Mensch selbst setze sich seine Schranken. Der Aufklärer Smith hatte demnach ein eher positives Bild vom menschlichen Verhalten und akzeptiert nicht das etwas rohe Weltbild, das sich z. B. in Thomas Hobbes’ Leviathan manifestiert. Smiths Vorlesungen in Moralphilosophie bildeten 1759 die Grundlage für die Veröffentlichung seines philosophischen Hauptwerkes Theorie der ethischen Gefühle. Darin bezeichnet er die Sympathie für die Mitmenschen als Grundlage der Moral und als Triebfeder der menschlichen Arbeit.

Sein opus magnum: „Der Wohlstand der Nationen“ erschien 1776 und wurde zu einem überwältigenden Erfolg. Schon bald folgten Übersetzungen, unter anderem auch ins Deutsche. Smith beschreibt die Auswirkungen von Eigeninteressen auf die Gesellschaft. Der Mensch neige zu Handel und Tausch und möchte seine Lebenssituation verbessern. Reichtum ergebe sich durch menschliche Arbeit. Smith verdeutlicht die Bedeutung der Arbeitsteilung und Spezialisierung für den Wohlstand.

An dem Werk hatte er seit seiner Frankreichreise gearbeitet. Das Erscheinen des Buches wird als Geburtsstunde der englischen Nationalökonomie angesehen, da die vor Smith publizierten ökonomischen Schriften nicht als wissenschaftlich galten, weil sie aus der Perspektive des Staates (kameralistisch) oder bestimmter Wirtschaftsteilnehmer (z. B. Handbücher für Kaufleute) geschrieben waren.

In Wohlstand der Nationen bezeichnet Smith die Arbeit (lateinisch industria, englisch industry, daher die Benennung des smithschen Systems als Industriesystem) als Quelle und Maßstab des Wertes von Gütern. Damit begann die Ablösung von der Natur als wichtigste Ressource für die Güterproduktion, denn für die Physiokraten war noch die Natur die einzige Quelle des Wertes. Im Gegensatz zur Anschauung der Merkantilisten und Physiokraten ist für Smith jede nützliche Arbeit produktiv (nicht darunter fällt daher bei Smith etwa die Arbeit einer Opernsängerin oder eines Schriftstellers). Mit den französischen Physiokraten bezeichnet er den nicht durch strenge Staatseingriffe gehinderten freien Wettbewerb als Grundlage einer zu gesellschaftlichem Reichtum führenden Arbeitsteilung. Der freie innere und internationale Verkehr bewirkt nach Smith nicht allein eine zweckmäßige örtliche und zeitliche Verteilung von Kräften und Mitteln sowie den Ausgleich von Preisen und Gewinnen, sondern auch die beste Förderung des Gemeinwohls. Dass er zugleich nicht nur als Zollkommissar wirksam arbeitete, sondern auch für die strengste Beschränkung des Außenhandels durch die englische Navigationsakte plädierte, war für ihn kein Widerspruch, da er der Landesverteidigung eine höhere Priorität als dem Wohlstand einräumte. Unter Handelsfreiheit verstand er nicht ein Prinzip, das stets und unabhängig von realen wirtschaftlichen Entwicklungen gelten sollte, sondern auch unter den gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situationen. So befürwortete Smith z. B. auch dieselbe Besteuerung für die aus dem Ausland eingeführten Handelswaren, welche auch die heimische Produktion in gleichem Maße belastet.

Smith galt als Begründer der Ökonomie als Wissenschaft, weil er einen gesamtgesellschaftlichen Standpunkt damit verband. Die Ökonomie gehörte zu seinen Lehraufgaben als Moralphilosoph. Eine der aristotelischen Kernfragen der philosophischen Ethik, der sich Smith als Moralphilosoph widmete, lautet: „Was ist bedeutsamer: das allgemeine, gesellschaftliche Glück oder das persönliche, individuelle Glück?“ Smith beantwortete sie im Wohlstand der Nationen mithilfe empirischer Schlussfolgerungen. Seine Folgerung: Das allgemeine, gesellschaftliche Glück werde maximiert, indem jedes Individuum im Rahmen seiner gesellschaftlichen Grenzen versucht, sein persönliches Glück zu erhöhen. Diese gesellschaftlichen Grenzen sind das, was er den „inneren Richter“ nannte, der jede Handlung darauf befragt, ob sie gesellschaftlich anerkannt und legitimierbar ist. Smith nimmt damit das spätere Über-Ich von Freud vorweg, das dann bei Norbert Elias sozialhistorisch erklärt und beschrieben wurde (Norbert Elias, „Über den Prozess der Zivilisation“. Durch die unsichtbare Hand, die über das Marktgeschehen den gesellschaftlichen Reichtum erhöht, werde zugleich das allgemeine, gesellschaftliche Glück erhöht – wenn auch mehr oder weniger nur zufällig. Denn die Verteilung der Güter über den Markt macht nicht alle gleich reich, die Diener und Tagelöhner aber können vom Reichtum der Grundbesitzer und Fabrikanten profitieren, weil auch die Reichen nicht mehr essen können, als ihr Magen fasst. Die Verallgemeinerung der Vorstellung des Marktes zu einem universalen Leitprinzip kann sich daher nicht auf Adam Smith berufen und ist bis heute umstritten.

Smith beginnt das erste Kapitel des Werkes „Wohlstand der Nationen“ mit einer Untersuchung der Arbeitsteilung, die nach seiner Auffassung von zentraler Bedeutung für wachsenden Wohlstand ist: „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern“ (WN, Kap. 1). Die Wirkung der Arbeitsteilung zeigt er am Beispiel der Stecknadelproduktion auf – ein Beispiel, das er der französischen Encyclopédie entnommen hat. Wenn nicht die Arbeitsteilung aus der Stecknadelproduktion ein eigenständiges Gewerbe mit speziellen Maschinen gemacht hätte, könnte ein nicht speziell in diesem Handwerk ausgebildeter Arbeiter „sicherlich keine zwanzig Nadeln und vielleicht nicht einmal eine Nadel am Tag herstellen“. Hingegen stellen in einer kleinen spezialisierten Manufaktur zehn Arbeiter täglich etwa 48000 Stecknadeln und somit jeder Arbeiter 4800 Stecknadeln her. „Und dieses ungeheure Anwachsen der Produktion in allen Gewerben, als Folge der Arbeitsteilung, führt in einem gut regierten Staat zu allgemeinem Wohlstand, der selbst in den untersten Schichten der Bevölkerung spürbar wird“ (WN, Kap. 1).

Arbeitsteilung entwickelte sich aufgrund der angeborenen Neigung des Menschen zum Tausch: „Wie das Verhandeln, Tauschen und Kaufen das Mittel ist, uns gegenseitig mit fast allen nützlichen Diensten, die wir brauchen, zu versorgen, so gibt die Neigung zum Tausch letztlich auch den Anstoß zur Arbeitsteilung.“ Nur der Mensch hat nach Adam Smiths Beobachtung die natürliche Neigung zum Tausch: „Jene Eigenschaft ist allen Menschen gemeinsam, und man findet sie nirgends in der Tierwelt, …. Niemand hat je erlebt, dass ein Hund mit einem anderen einen Knochen redlich und mit Bedacht gegen einen anderen Knochen ausgetauscht hätte …“ (WN, Kap. 2).

Populär ist der oft mit Adam Smith in Verbindung gebrachte Begriff der unsichtbaren Hand. Smith verwendet diese seinen Zeitgenossen geläufige Metapher im Wohlstand der Nationen nur an einer Stelle, und zwar in einem Kapitel über Handelsbeschränkungen. Er zeigt dort, dass der Einzelne gerade dadurch, dass er aus Eigennutz seine Produktivität und Erträge steigern will, das Interesse der Gesellschaft stärker fördert, als wenn er dieses Interesse direkt hätte fördern wollen: „Er wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat“ (viertes Buch, Kap. 2).[8]

Smith unterscheidet zwischen dem natürlichen Preis und dem tatsächlich gezahlten Preis, dem Marktpreis. Er geht dabei davon aus, dass in jeder Gesellschaft übliche oder natürliche Sätze für den Arbeitslohn, den Kapitalgewinn und die Grundrente existieren. „Eine Ware wird dann zu dem verkauft, was man als ihren natürlichen Preis bezeichnet, wenn der Preis genau dem Betrag entspricht, der ausreicht, um nach den natürlichen Sätzen die Grundrente, den Arbeitslohn und den Kapitalgewinn zu bezahlen, welche anfallen, wenn das Produkt erzeugt, verarbeitet und zum Markt gebracht wird.“ Unter dem Marktpreis versteht Smith „den tatsächlichen Preis, zu dem eine Ware gewöhnlich verkauft wird, …. Er kann entweder höher oder niedriger als der natürliche Preis oder ihm genau gleich sein“. Liegt der Marktpreis über dem natürlichen Preis, wird sich das Angebot vergrößern, da sich die Herstellung dieser Ware lohnt. Liegt er hingegen darunter, dann reicht er nicht aus, um den für die Herstellung der Ware nötigen Arbeitslohn, Kapitalgewinn oder die Grundrente nach den natürlichen Sätzen zu decken. Das Selbstinteresse der einzelnen Arbeiter, Geschäftsleute und Grundbesitzer sorgt dafür, dass im ersten Fall das Angebot erhöht und im zweiten Fall vermindert wird. Ein überhöhter Marktpreis vergrößert das Angebot, wodurch der Marktpreis sinkt. Ein zu niedriger Marktpreis vermindert das Angebot, wodurch der Marktpreis steigt. „Aus diesem Grund ist der natürliche Preis gleichsam der zentrale, auf den die Preise aller Güter ständig hinstreben.“ Dieser Mechanismus wird üblicherweise mit der unsichtbaren Hand des Marktes umschrieben.

Den freien Wettbewerb behindernde Monopole und Kartelle (z. B. Zünfte) hielt Smith für besonders schädlich. Eine berühmte Stelle im Wohlstand der Nationen (erstes Buch, Kapitel 10) lautet:

„Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten, selbst zu Festen und zur Zerstreuung, zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann. Solche Zusammenkünfte kann man aber unmöglich durch irgendein Gesetz unterbinden, das durchführbar oder mit Freiheit und Gerechtigkeit vereinbar wäre, doch sollte das Gesetz keinerlei Anlass geben, solche Versammlungen zu erleichtern, und, noch weniger, sie notwendig zu machen.“

Zu Smiths Zeit war trotz der von ihm beobachteten gewissen Erhöhung der Produktion die Armut großer Teile der Bevölkerung frappierend. Deren Untersuchung widmet er sich intensiv. „Des öfteren habe ich gehört, es sei im schottischen Hochland nichts Ungewöhnliches, dass eine Mutter von ihren zwanzig Kindern nur zwei am Leben erhalten kann“ (Erstes Buch, Kapitel 8).

Bei Lohnverhandlungen sieht Smith Arbeiter in einer viel schwächeren Position als Unternehmer. Dies erklärt Smith damit, dass Unternehmer sich aufgrund ihrer geringeren Zahl viel leichter als die Arbeiter zusammenschließen und eine Art Lohnkartell bilden können.

„Wer sich aber umdeswillen einbildet, dass die Meister sich selten verbinden, der versteht ebensowenig von der Welt als von dieser Sache. Die Meister stehen stets und überall in einer Art stillschweigender, aber fortwährender und gleichförmiger Übereinkunft, den Arbeitslohn nicht über seinen gegenwärtigen Satz steigen zu lassen… Mitunter gehen die Meister auch besondere Verbindungen ein, um den Arbeitslohn sogar unter seinen Satz herunterzudrücken.“

Derartige Zusammenschlüsse gelangen den Arbeitern zum einen aufgrund ihrer großen Zahl und auch deswegen, weil damals Vereinigungen der Arbeiter gesetzlich verboten waren, kaum. Allerdings sah Smith auch Arbeitnehmergruppen kritisch:

„Oft leistet jedoch solchen Verbindungen (unter den Meistern) eine entgegengesetzte abwehrende Verbindung der Arbeiter Widerstand, ja manchmal verabreden sich diese auch ohne eine solche Herausforderung von selbst zur Erhöhung des Preises ihrer Arbeit. Ihr gewöhnlicher Vorwand ist bald der teure Preis der Nahrungsmittel, bald der große Gewinn, den die Meister aus ihrer Arbeit ziehen. Mögen diese Verbindungen aber angreifender oder verteidigender Art sein: Ruchbar genug werden sie jederzeit. Um die Sache zu einer schnellen Entscheidung zu bringen, machen sie immer ein recht lautes Geschrei und verüben zuweilen die heftigsten Gewalttätigkeiten und Misshandlungen. Sie sind verzweifelt und handeln mit der ganzen Torheit und Ausschweifung verzweifelter Menschen, die entweder verhungern oder ihre Meister so in Schrecken setzen müssen, dass sie sofort in ihr Begehren willigen. Die Meister ihrerseits benehmen sich bei solchen Gelegenheiten nicht weniger lärmend, rufen unaufhörlich und dringend den Beistand der Obrigkeit auf und verlangen die strenge Ausführung der Gesetze, die mit so großer Unnachsichtlichkeit gegen die Verbindungen der Dienstboten, Arbeiter und Gesellen gegeben sind. Daher haben denn die Arbeiter sehr selten einen Nutzen von diesen gewalttätigen und ungestümen Verbindungen, die vielmehr teils durch das Einschreiten der Obrigkeit, teils durch die überlegene Beharrlichkeit der Meister, teils endlich dadurch, dass der größere Teil der Arbeiter gezwungen ist, sich um des täglichen Unterhalts willen zu unterwerfen, gewöhnlich kein anderes Ende haben als die Bestrafung oder das Verderben der Rädelsführer.“

Smith plädiert für den freien Arbeitsmarkt, wo Angebot und Nachfrage die Höhe des Lohnes bestimmen:

„Es gibt jedoch gewisse Umstände, die den Arbeitern einen Vorteil gewähren und sie in den Stand setzen, ihren Lohn weit über jenen Satz zu erhöhen, welcher offenbar der niedrigste ist, der sich mit der allergewöhnlichsten Menschlichkeit verträgt. Wenn in einem Lande die Nachfrage nach denen, die vom Lohne leben – Arbeiter, Gesellen, Dienstboten aller Art -, andauernd wächst, wenn jedes folgende Jahr einer größeren Anzahl derselben Beschäftigung gibt als das vorhergehende, so haben die Arbeiter keinen Anlass, sich zur Erhöhung des Lohnes zu verbinden. Der Mangel an Händen ruft eine Konkurrenz unter den Meistern hervor, die, um Arbeiter zu bekommen, einander in die Höhe treiben und so von selbst die natürliche Übereinkunft der Meister, den Lohn nicht steigen zu lassen, wirkungslos machen.“

Lohnerhöhungen sind, so Smith, eine notwendige Folge von Wirtschaftswachstum, wobei nicht die absolute Höhe des Volkseinkommens, sondern sein stetiges Ansteigen ausschlaggebend ist: „es sind folglich nicht die wohlhabenden Länder, in denen der Arbeitslohn am höchsten ist, sondern jene, die sich am schnellsten entwickeln oder am raschesten reich werden“. Smith erläutert dies am Beispiel des zu seiner Zeit aufsteigenden Nordamerikas. Dort lagen die Löhne höher als im damals reicheren England. Ausgehend von seinen Beobachtungen zur damaligen Zeit untersucht Smith den Zusammenhang zwischen der Höhe des Lohns und der Bevölkerungsentwicklung. „Der Mensch ist darauf angewiesen, von seiner Arbeit zu leben, und sein Lohn muss mindestens so hoch sein, dass er davon existieren kann. Meistens muss er sogar noch höher sein, da es dem Arbeiter sonst nicht möglich wäre, eine Familie zu gründen; seine Schicht würde dann mit der ersten Generation aussterben.“ Wenn die Entlohnung der Arbeit reichlicher wird, können die Armen ihre Kinder besser versorgen und folglich mehr von ihnen aufziehen. „Es sollte jedoch nicht übersehen werden, dass dies lediglich in dem Maße möglich ist, in dem die Nachfrage [der Unternehmer] nach Arbeit zunimmt. […] Bliebe der Lohn einmal unter der erforderlichen Höhe, würde ihn der Mangel an Arbeitskräften bald wieder hochtreiben. Wäre er dagegen einmal höher, würde ihn die übermäßige Vermehrung sehr bald wieder auf die notwendige Höhe herabdrücken. In einem Falle wäre der Markt mit Arbeitskräften unterversorgt, im anderen überversorgt, so dass die Marktkräfte den Lohn auf einem Niveau einpendeln würden, das den jeweiligen Verhältnissen in dem Lande entspricht.“ Eine gesetzliche Fixierung von Löhnen lehnt Smith ab: „Wie uns die Erfahrung zu lehren scheint, kann man seine Höhe [= die Höhe des Lohns] durch Gesetz niemals vernünftig festlegen, obwohl dies oft behauptet wird“ (Zitate aus WN, Erstes Buch, Kapitel 8).

Kennzeichnend für Smith ist sein empirisches und historisches Vorgehen. Alle seine Folgerungen werden stets durch Beobachtungen und zum Teil intensives Quellenstudium über zurückliegende Preisentwicklungen belegt (siehe Ian Simpson Ross: Adam Smith. Kap. 14).

Kapitalmärkte

Smith war gegen ein generelles Zinsverbot: „Wie die Erfahrung lehrt, hat das Zinsverbot das Übel des Wuchers noch vergrößert, anstatt es zu verhindern“ (2. Buch, Kap. 4). Er hielt jedoch die gesetzliche Fixierung eines Höchstzinses, wie es zu seiner Zeit in England der Fall war, durchaus für sinnvoll. Dieser gesetzliche Höchstzins solle seiner Ansicht nach stets etwas über dem üblichen Marktzins liegen, den Schuldner gewöhnlich für die Leihe des Geldes zahlen. Wäre er niedriger festgelegt, dann würde dieser gesetzliche Zins genauso oder annähernd genauso verderblich wirken, wie ein generelles Zinsverbot.

Der gesetzliche Höchstzins sollte aber auch nicht allzu sehr über dem üblichen Marktzins liegen. „Läge er in England zum Beispiel bei 8 oder 10 %, so würde das Leihgeld größtenteils an unseriöse Geschäftsleute und Plänemacher (prodigals and projectors) fließen, da nur sie bereit wären, diesen hohen Zins zu zahlen“ (2. Buch, Kap. 4). Hier spiegelt sich Smiths Erfahrung mit der Kapitalmarktblase Anfang des 18. Jahrhunderts, der sogenannten „South Sea Bubble“, wider. Er war der Ansicht, dass ein Höchstzins verhindert, dass das Kapital eines Landes jenen soliden Geschäftsleuten entzogen wird, die es höchstwahrscheinlich mit Gewinn und Vorteil verwenden. „Überall dort wo der legale Zins nur ein wenig über dem niedrigsten Marktzins festgelegt wird, ziehen die Darlehensgeber die soliden Geschäftsleute den anderen vor, da sie fast so viel Zinsen erhalten, wie sie von den unseriösen zu nehmen riskieren, wobei ihr Geld zudem weit sicherer angelegt ist.“

Staatstheorie

Smith sah den gesellschaftlichen Wohlstand in einem System der natürlichen Freiheit am besten verwirklicht. Aus Quesnays Forderung nach Handelsfreiheit, um das Getreide zu verteuern und dadurch der Landwirtschaft aufzuhelfen, wird bei Smith die Utopie eines freien Handels, der den Wohlstand des Landes erhöht.

Seine Staatstheorie geht davon aus, dass durch die Arbeitsteilung die Produktionsverhältnisse so kompliziert werden, dass eine Einzelplanung durch den Staat keinen Sinn mehr gibt und es besser ist, die Verfolgung privater Interessen zuzulassen, durch die die Schaffung des gesellschaftlichen Reichtums am besten erfüllt würde.

Logische Konsequenz ist ein bürgerlicher Rechtsstaat, der kein eigenes Interesse wahrnimmt, sondern nur gesellschaftliche Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt. Dem Staat kommen nach Smith vier zentrale Aufgaben zu:

Organisation der Landesverteidigung;

Schutz jedes Mitgliedes der Gesellschaft vor Ungerechtigkeit und Unterdrückung;

Errichtung und Unterhalt von öffentlichen Anstalten, deren Errichtung oder Erhaltung durch Private nicht möglich wären, aber dennoch für die Allgemeinheit bedeutsam sind, zum Beispiel das Unterrichts- und Transportwesen;

Durchsetzung des Privateigentums.

Die allgemeine Bildung durch den Staat zu sichern, war für Smith ein sehr wichtiges Thema, da er sehr wohl die Gefahren der von ihm propagierten Arbeitsteilung sah. Damit ist die Verdummung von Arbeitern gemeint, die nur wenige Handgriffe ausführen. Der Staat soll dem „einfachen Volk“ Schulausbildung zugänglich machen (WN, Fünftes Buch, Kapitel 1):

„Die Erziehung der niederen Volksklassen erfordert vielleicht in einer zivilisierten und handeltreibenden Gesellschaft die Aufmerksamkeit des Staates mehr als die Erziehung der Vornehmeren und Begüterteren. Vornehme und vermögende Jünglinge haben gewöhnlich schon ihr achtzehntes oder neunzehntes Jahr erreicht, ehe sie in ein besonderes Geschäft, Amt oder Gewerbe eintreten, durch welches sie sich in der Welt Ehre erwerben wollen. Sie haben also vorher Zeit genug, sich alle Fertigkeiten, wodurch sie sich der öffentlichen Achtung empfehlen oder sich ihrer würdig machen können, zu erwerben oder sich wenigstens auf deren Erwerbung vorzubereiten…Erleichtern kann der Staat die Erlernung dieser Gegenstände, indem er in jedem Kirchspiele oder Distrikte eine kleine Schule errichtet, worin die Kinder für ein so geringes Schulgeld unterrichtet, werden, dass auch der gemeinste Tagelöhner es aufzubringen vermag. Der Lehrer muss nämlich zum Teil, aber auch nur zum Teil, vom Staate besoldet werden, weil er, wenn er ganz oder auch nur hauptsächlich von ihm bezahlt würde, bald lernen könnte, seine Amtspflichten zu vernachlässigen…Ermuntern kann der Staat zur Erlernung jener wesentlichsten Unterrichtsgegenstände, wenn er den Kindern der gemeinen Leute, die sich darin hervortun, kleine Prämien und Ehrenzeichen gibt. Zur unerläßlichen Bedingung kann der Staat den Leuten aus der gemeinen Volksklasse die Erlernung jener Unterrichtsgegenstände machen, wenn er jeden einer Prüfung darin unterwirft, ehe er das Zunftrecht erhalten oder sich in einem Dorfe oder einer Stadt gewerblich niederlassen darf.“

Durch diese gebotene Bildung werde dem einfachen Mann ein Aufstieg aus seiner durch Geburt vorgegebenen Situation ermöglicht, welchen er durch eigenen Fleiß erreichen könne. Dazu sprach sich Smith für den Wettbewerb an Universitäten aus (WN, Fünftes Buch, Kapitel 1):

„Die milden Stiftungen von Stipendien aller Art ziehen eine gewisse Anzahl von Studierenden nach bestimmten Lehranstalten, ohne dass dabei in Betracht kommt, ob die Lehranstalten gut sind oder nicht. Würde es den Studenten, die solche milde Stiftungen genießen, freigestellt, welche Lehranstalt sie wählen wollen, so könnte diese Freigebung vielleicht dazu dienen, unter den verschiedenen Lehranstalten einen Wetteifer zu erwecken. Eine Verordnung aber, welche selbst den unabhängigen Mitgliedern jeder einzelnen Lehranstalt verbietet sie zu verlassen und ohne zuvor dazu die Erlaubnis der Lehranstalt, welche sie verlassen wollen, nachgesucht und erhalten zu haben, auf eine andere zu gehen, muss diesen Wetteifer geradezu unterdrücken.“

Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass Smith, auch im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen wie etwa James Stewart, keine vorrangige Staatsaufgabe darin sah, Beschäftigung zu sichern. Smith ging davon aus, dass bei Handelsfreiheit Arbeitskräfte und Kapital eines Landes dorthin wandern, wo sie vergleichsweise günstig eingesetzt werden. Dies geschieht wenn heimische Produzenten im Vergleich zu preisgünstigeren oder qualitativ Überlegenen Importen nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Heimische Produzenten werden dadurch veranlasst effizienter als bisher zu produzieren oder auf die Produktion andere Güter, in denen sie wettbewerbsfähig sind, umzuschwenken. Manche heimische Produzenten werden Konkurs gehen. Diese Mechanismen führen dazu, dass Arbeitskräfte und Kapital in andere Gewerbezweige abwandern – ein Effekt der internationalen Arbeitsteilung.

Dass dies ein Mechanismus ist, der nicht für alle der Beteiligten mit gleicher Leichtigkeit zu bewältigen ist, ist ihm durchaus klar: Während der Kapitalgeber sein Geld ohne größere Probleme von einem Geschäft auf das andere verlagern kann, ist es für den Unternehmer, der nicht selbst nur Kaufmann ist, sondern eine kompliziertere arbeitsteilige Produktion aufgebaut hat, ebenso wie für den Arbeiter, der eine Anhänglichkeit an den Arbeitsort, seine Menschen und seine Umgebung entwickelt hat, wesentlich weniger leicht zu wechseln, und jedenfalls stets mit höheren Einbußen verbunden, wenn nicht gar durch Entlassung mit Arbeitslosigkeit. Deshalb steht Smith einer zeitweilige Unterstützungen von Gewerben, die durch den Außenhandel beeinträchtigt werden, offen gegenüber.

Bei Smith finden sich also ethische Gründe, die es staatspolitisch erforderlich machen, Zölle nur langsam und rücksichtsvoll abzubauen, wenn ein Gewerbe, das bis dahin von der ausländischen Konkurrenz geschützt war, sich so gut entwickelt hatte, dass es Arbeitskräfte in großer Zahl beschäftigt hatte. Denn „eine schlagartige Aufhebung der hohen Zölle und Einfuhrverbote könnte zu einer so raschen Überflutung des Inlandsmarktes durch gleiche, aber billigere Auslandswaren führen, daß sich von heute auf morgen tausende unserer Landsleute ihres Arbeitsplatzes und damit ihres Lebensunterhalts beraubt sähen“. Auch für die Unternehmer sucht er eine gerechte Lösung: „Der Unternehmer einer großen Manufaktur würde ohne Zweifel ganz beträchtliche Verluste erleiden, wenn der Inlandsmarkt plötzlich für ausländische Konkurrenten eröffnet wird und er dadurch gezwungen werden sollte, sein Gewerbe aufzugeben. Jener Teil seines Kapitals, den er bisher zum Kauf von Rohstoffen und für die Bezahlung der Löhne seiner Arbeiter normalerweise verwendet hat, dürfte vermutlich ohne nennenswerte Schwierigkeit in anderen Gewerben eine Anlage finden, den anderen Teil aber, in Werkstätten und Maschinen investiert, könnte er wohl kaum ohne empfindlichen Verlust veräußern. Aus Rücksicht auf seine berechtigten Interessen ist es daher erforderlich, solche Änderungen niemals plötzlich, sondern langsam, stufenweise und erst nach einer entsprechend langen Ankündigungszeit vorzunehmen.“

Die zentrale Funktion des Staates bleibt, das Privateigentum vor Übergriffen zu schützen und die Einhaltung von Verträgen sicherzustellen. Smith lebte jedoch im Zeitalter des europäischen Merkantilismus, der sich hauptsächlich auf die Kontrolle des Außenhandels und damit Interventionismus konzentrierte, gegen den Smith heftig argumentierte. Gleichwohl hielt Smith den damals in England praktizierten Merkantilismus im Allgemeinen für freiheitlicher als denjenigen in vielen Nachbarländern wie etwa in Frankreich.

Adam Smith war bei einigen bedeutenden englischen Politikern seiner Zeit sehr geschätzt. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich wurde er Berater des britischen Schatzkanzlers. Im Jahr 1787 traf er sich mehrmals mit dem mehrfachen Premierminister William Pitt, der ein glühender Bewunderer des Wohlstand der Nationen und ein leidenschaftlicher Befürworter von Smiths Freihandelsprinzipien war (siehe D. D. Raphael, Adam Smith). Adam Smith war außerdem mit dem amerikanischen Gründervater Benjamin Franklin befreundet. Während Franklins Aufenthalt in London besprach er mit ihm (und anderen) jedes Kapitel des damals noch geplanten Werks Wohlstand der Nationen. Außerdem war Adam Smith Mitarbeiter in dem vom schottischen Großkaufmann Andrew Cochrane of Brighouse (1693–1777) gegründeten Political Economy Club, wo Smith auch wirtschaftliche Informationen erhielt, die er in seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“ miteinbrachte.

Adam Smith kritisierte heftig die Kolonialpolitik Englands sowie anderer europäischer Staaten, insbesondere Spaniens: „Torheit und Ungerechtigkeit waren anscheinend die vorherrschenden Motive und bestimmten die ersten Pläne zur Gründung der Kolonien: Die Torheit, Gold und Silber nachzujagen, und die Ungerechtigkeit, den Besitz eines Landes zu begehren, dessen harmlose Eingeborene weit davon entfernt waren, jemals einen Europäer zu beleidigen“ (Wohlstand der Nationen, viertes Buch, Kap. 7). Smith sah im Gegensatz zu den Merkantilisten, keine staatliche Aufgabe darin, den Gold- und Silberimport zu unterstützen. Es war für ihn nicht einmal sicher, dass die Goldmengen, die via Spanien aus Südamerika hereinfluteten überhaupt vorteilhaft für Europa waren: Zwar wurden dadurch Produkte aus Gold wie Schmuck und Silberbesteck erschwinglicher; andererseits wurde der Nutzen von Gold als Zahlungsmittel gemindert. Man musste größere Mengen Gold mitführen, um über die gleiche Kaufkraft zu verfügen (WN, 4. Buch, Kap. 1).

Smith argumentierte sowohl aus moralischen Gründen, sowie aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz für die Abschaffung der Sklaverei: „Die Erfahrung zu allen Zeiten und in allen Völkern beweist, wie ich glaube, dass die Arbeit eines Sklaven am Ende die teuerste ist.“ Nur sehr profitträchtige Pflanzungen wie Tabak oder Zucker können, so Smith, die hohen Kosten der Sklavenhaltung (noch) tragen. Der Grund, weshalb die Arbeit von Sklaven der von freien Männern zuweilen vorgezogen wird, ist der Stolz, der den Menschen herrschsüchtig macht und dazu führt, dass ihn nichts mehr kränkt, als sich herablassen zu müssen, um Untergebene zu überzeugen (Wohlstand der Nationen, drittes Buch, Kap. 2: “The pride of man makes him love to domineer, and nothing mortifies him so much as to be obliged to condescend to persuade his inferiors”). Auch im vierten Buch, Kapitel 7, stellte Smith fest, dass Sklaven in einem Staat mit einer willkürlichen Regierung mehr Schutz genießen als in einer freien:

„Sofern das Gesetz den Sklaven gegen die Gewalttätigkeit seines Herrn einigermaßen schützt, so wird es in einer Kolonie, deren Regierung großenteils willkürlich ist, genauer befolgt werden als in einer solchen, wo sie völlig frei ist. In jedem Lande, wo das unglückselige Gesetz der Sklaverei gilt, mischt sich die Obrigkeit, wenn sie den Sklaven beschützt, mehr oder weniger in die Verwaltung des Privateigentums des Herrn und darf dies in einem freien Lande, wo der Herr entweder Mitglied einer Kolonial-Versammlung oder Wähler eines solchen Mitgliedes ist, sich nur mit der größten Vorsicht und Behutsamkeit erlauben.“

Die Schriften von Smith bildeten neben anderen das theoretische Fundament des späteren Manchesterliberalismus.

5* Jean-Baptiste Say

Jean-Baptiste Say  (* 5. Januar 1767 in Lyon; † 15. November 1832 in Paris) war ein französischer Ökonom und Geschäftsmann. Er gilt als Vertreter der klassischen Nationalökonomie und erlangte insbesondere durch das nach ihm benannte Saysche Theorem andauernde Berühmtheit.

Jean-Baptiste Say kann als Vordenker der Angebotstheorie gelten. Berühmt ist das nach ihm benannte Saysche Theorem, das Nachfrageschwächen in der Wirtschaft verneint, da die Produktion von Gütern (Schaffung des Angebots) das Einkommen schaffe, mit dem Nachfrage erzeugt werde. Es stellt einen Kern des ökonomischen Grundverständnisses dar. Inwiefern James Mill das Theorem vor Say entwickelte und es zu Lebzeiten Says und darüber hinaus eine Evolution in seine heutige Form durchlebte, ist bis heute umstritten. Eine große Rolle spielte es in Diskussionen von John Maynard Keynes im 20. Jahrhundert.

Say dominierte die Ökonomie im Frankreich des 19. Jahrhunderts nachhaltig. Seine Werke wurden stark durch Adam Smiths Wohlstand der Nationen (1776) geprägt. Eine wesentliche Leistung Says ist es, die liberale Wirtschaftslehre Smiths in Frankreich verbreitet zu haben. Says Rolle jedoch auf die eines bloßen Verbreiters der Smithschen Lehre zu verkürzen, würde Say nicht gerecht. So betrachtete Say die Ökonomie aus der Sicht eines Kaufmanns und weniger theoretisch, in den Werken durch viele Beispiele untermalt.

Say unterteilt die Ökonomie in die Bereiche Produktion, Distribution und Konsum. Als Produktionsfaktoren identifizierte er Arbeit, Boden und Kapital. Staat und Kirche stand Say kritisch gegenüber und plädierte für niedrige Steuern. Allerdings hielt er an der Münzprägung als staatlichem Monopol fest.

Traité d’économie politique

In seinem Traité d’économie politique ou simple exposition de la manière dont se forment, se distribuent, et se consomment les richesses (Abhandlung über die National-Oekonomie, oder, Einfache Darstellung der Art und Weise, wie die Reichthümer entstehen, verteilt und verzehrt werden) versucht Say eine umfassende und systematische Ausarbeitung der Prinzipien der politischen Ökonomie darzulegen. Alle bisherigen Versuche dazu sah er durch Vorurteile, Ideologie, Dogmatismus, willkürliche Annahmen, Utopien und Emotionalität beeinflusst. Über Adam Smith schreibt er:

L’ouvrage de Smith n’est qu’une assemblage confus de principes les plus sains de l’économie politique, appuyés d’exemples lumineux et des notions les plus curieuses de la statistique, mêlées de réflexions instructives; mais ce n’est un traité complet ni de l’une ni de l’autre: son livre est un vaste chaos d’idées justes, pêle-mêle aves des connaissances positives.

„Smiths Werk ist nicht mehr als eine ungeordnete Ansammlung der gesundesten Prinzipien der politischen Ökonomie, gestützt durch einleuchtende Beispiele und merkwürdige statistische Begriffe, gemischt mit belehrenden Erläuterungen; aber es ist keine vollständige Abhandlung weder des einen noch des anderen: Sein Buch ist ein riesiges Chaos richtiger Ideen, bunt durcheinandergemischt mit positiver Erkenntnis.“

Ökonomische Naturgesetze

Grundlage der Ökonomie sind für Say, hierin von Montesquieu beeinflusst, unbestreitbare, allgemeine und fundamentale Naturgesetze. Diese sind durch das genaue Beobachten der Realität erkennbar. Sie sind vom Willen des Menschen nicht beeinflussbar. Diese seien zwar zum Teil bereits von den Merkantilisten, Physiokraten und Adam Smith gesehen worden, an einer systematischen und berichtigten Darstellung fehle es jedoch. Methodisch ist Say von Conillac und Cabanis beeinflusst: Die Ökonomie ist für Say eine empirische Wissenschaft; die mathematische Formulierung lehnt er ab. Grundlage ist folgender Gedankengang:

Es existiert eine Natur der Dinge und des Menschen.

Die Naturgesetze, denen die Dinge und Menschen unterworfen sind können durch Analyse und die empirische Methode erkannt werden.

Die Gesetze, die das Erlangen von Wohlstand bestimmen, sind die unveränderlichen Gesetze der politischen Ökonomie.

Die Gesetze der politischen Ökonomie bilden eine Wissenschaft, die sich mit den Belangen der irdischen Welt („les intérêts de cette vie“) befasst.

Freiheit

Als Naturzustand des Menschen betrachtet Say in Tradition der französischen Aufklärer dessen Freiheit. Nur die Freiheit des Menschen gestatte es ihm seine Fähigkeiten bestmöglich einzusetzen. Nur die Freiheit mache es dem Menschen möglich moralisch zu handeln.

Il résulte bien de l’étude de l’économie politique qu’il convient aux hommes, dans la plupart des cas, d’être laissés à eux-mêmes, parce que c’est ainsi qu’ils arrivent au développement de leurs facultés.

„Aus dem Studium der politischen Ökonomie folgt, dass es den Menschen, in der Mehrheit der Fälle, am angemessensten ist, für sich gelassen zu werden, da sie so zur besten Entfaltung ihrer Fähigkeiten gelangen.“

Privateigentum

Says Analyse des Privateigentums ist von Faguet geprägt. Die volle Entfaltung der Freiheit verlangt für Say als Gegenstück ein Naturrecht auf Eigentum. Er rechtfertigt dies wie folgt:[9]

Das Recht auf Eigentum erlaubt das Schaffen von Wohlstand: Nur durch die Sicherheit, die Früchte seiner Arbeit zu erhalten, wird ausreichender Anreiz geschaffen, es bestmöglich zur Wertschöpfung zu nutzen und zu erhalten.

Das Recht auf Eigentum erlaubt das Zustandekommen des Marktpreises.

Das Recht auf Eigentum erlaubt die Kapitalakkumulation: Kapital schafft nicht von sich aus einen Zins. Es muss, um produktiv zu sein, sinnvoll eingesetzt werden. Dazu bestünde jedoch kein Anreiz, wenn nicht die Sicherheit besteht, die Früchte der eingesetzten Arbeit zu erhalten.

Das Recht auf Eigentum erlaubt den Güteraustausch und die Arbeitsteilung.

Das Recht auf Eigentum erlaubt dem Armen, seine Fähigkeiten zu seinem Nutzen einzusetzen.

Unternehmertum

Say war einer der ersten Ökonomen, die sich mit der Theorie des Unternehmertums beschäftigten. Im Traité schreibt er, dass jeder Produktionsprozess Mühe, Wissen und unternehmerische Tätigkeit benötigt. Unternehmer seuen dabei Intermediäre im Produktionsprozess, die Beschleuniger des Wirtschaftsprozesses wie Land, Kapital und Arbeit kombinieren, um die Nachfrage von Konsumenten zu befriedigen. So spielen sie als Koordinatoren eine zentrale Rolle in der Volkswirtschaft. Say hat sich dabei sowohl mit Großunternehmern als auch mit Einzelunternehmern beschäftigt.

Say stellte sich zudem der Frage, welche Qualitäten für einen erfolgreichen Unternehmer wichtig sind und insbesondere das Urteilsvermögen herausgestellt. Seiner Meinung nach müssen Unternehmer Marktbedürfnisse sowie die Mittel, die sie befriedigen können, kontinuierlich beurteilen und dabei einen “unfehlbaren Marktsinn” beweisen. Da Say die koordinierende Funktion von Unternehmen unterstreichte, sah er den Unternehmerlohn primär als einen hohen Lohn an, der in Kompensation für die Kenntnisse und das Expertenwissen von Unternehmern bezahlt wurde. Er differenzierte dafür zwischen der Unternehmensfunktion und der Kapitalangebotsfunktion, was ihm erlaubte das Einkommen des Unternehmens und die Vergütung des Kapitals voneinander zu entscheiden. So unterscheidet sich Says Theorie deutlich von der Joseph Schumpeters, der den Unternehmergewinn als kurzzeitige Profite beschreibt, die das hohe Risiko kompensieren.

Darüber hinaus näherte Say sich den Themen Risiko, Ungewissheit und Innovation in Bezug auf Unternehmertum, auch wenn er ihre Wechselwirkungen nie tiefgehend untersuchte. So schrieb er:

[In any enterprise activity] there is an abundance of obstacles to be surmounted, of anxieties to be repressed, of misfortunes to be repaired, and of expedients to be devised [...] [and] there is always a degree of risk attending such undertakings. “[In jeder unternehmerischen Aktivität] gibt es eine Fülle von Hindernissen, die überwunden werden müssen, von zu unterdrückenden Ängsten, von zu reparierenden Unglücken und von zu ersinnenden Mitteln [...] [und] es gibt immer ein gewisses Risiko, sich an solchen Unternehmungen zu beteiligen.”

Sometimes a manufacturer discovers a process, calculated either to introduce a new product, to increase the beauty of an old one, or to produce with greater economy. “Manchmal entdeckt ein Produzent einen Prozess, entweder um ein neues Produkt einzuführen oder um die Schönheit eines alten zu erhöhen oder um mit größerer Wirtschaftlichkeit zu produzieren.”

Werttheorie

Der Wert eines Gutes hängt für Say im Gegensatz zu den Merkantilisten nicht von objektiven, physischen Merkmalen einer Sache ab. Nur der subjektive Wert eines Gutes verwandelt es in Wohlstand. Damit ein Wert Wohlstand werden kann, muss er von einer anderen Person subjektiv anerkannt werden; dies geschieht im Warenaustausch. Die Nützlichkeit eines Gutes für einen anderen Menschen bestimmt also ihren Wert, der sich im Preis ausdrückt.

Industriell angewandte Forschung

Einzelne Schritte, naturwissenschaftliche Forschung im Sinne eines Fortschrittsprojekts zu nutzen und zu fördern, lassen sich in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Royal Society publizierte Forschungsaufrufe wie die an Seeleute gerichtete Aufforderung, Beobachtungen zu sammeln, die die wissenschaftliche Institution auswerten würde. Das britische Parlament eröffnete 1714 mit dem Longitude Act einen Wettbewerb, der das Problem der Längengradbestimmung lösen sollte. Auch hier sprach zukunftsweisend ein wirtschaftliches Interesse an einer Verbesserung der Navigation für eine naturwissenschaftlich-technische Forschung.

Klarer wurde der Nutzen naturwissenschaftlicher Forschung erst in den 1760er Jahren, als man erkannte, dass mit den neuen wissenschaftlichen Bestrebungen die Wirtschaftskraft des eigenen Landes gefördert werden konnte. Eine systematische Erforschung und Erprobung von Technologien, die sich industriell nutzen ließen, setzte ein. Für die Epochenchronologie ist symptomatisch, dass Thomas Newcomen zwar 1712 eine erste Dampfmaschine in Betrieb brachte, die das Wasser aus den immer tiefer abgeteuften Bergwerksschächten abpumpen konnte, dass diese Erfindung jedoch keine Nutzung der Dampfkraft als Antriebskraft für andere Maschinen nach sich zog, da genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Der Wirkungsgrad der von Newcomen konstruierten Maschine betrug 0,5 Prozent. Erst 1764 erhielt James Watt den Auftrag, eine solche Dampfmaschine zu verbessern; ihm gelang dabei bis 1769 eine Reduktion des Energiebedarfs um 60 Prozent. An seiner Maschine entstand wenig später europaweit Interesse, da es möglich erschien, sie nicht nur für stationäre Pumpen zu nutzen. 1783 wurde das erste Dampfschiff erprobt. Die erste, zunächst noch mit Muskelkraft angetriebene Spinnmaschine wurde 1764 in Betrieb genommen, der industrielle Einsatz erfolgte hier 1769. Den ersten vollmechanischen Webstuhl patentierte Edmond Cartwright 1785; seit 1788 wurde er mit Dampf angetrieben. Doch blieb die menschliche Antriebskraft in der Textilindustrie – meist wurden hierfür Frauen und Kinder eingesetzt – aus Kostengründen weit verbreitet. Der erste bemannte Heißluftballon wurde 1783 von den Brüdern Montgolfier vorgeführt. Der erste gusseiserne Pflug kam 1785 in die Produktion, ein Indikator für die beginnende Mechanisierung der Landwirtschaft.

Allerdings wurden die technischen Innovationen dieser Zeit noch nicht von Wissenschaftlern hervorgebracht. Meist waren es Autodidakten, Handwerker oder Unternehmen, die mit den neuen Techniken experimentierten. Erst um 1770 kam eine Diskussion über den Zusammenhang zwischen neuen Wissenschaften und technischem Fortschritt auf, mit welcher sich wachsende öffentliche Hoffnungen auf ein von Naturwissenschaften bestimmtes Zeitalter verbanden.