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Peter Burg Werke

Vorlesung 07122020

Vorlesung 07122020

9. Stehende Heere und Kriegsfinanzierung

Thesen Kants in „Zum ewigen Frieden“:

Stehendes Heer führt zu einer Rüstungsspirale, Kosten werden auch im Friedenszustand verursacht, die Neigung zu Angriffskriegen kommt auf; eine Verletzung der Menschenwürde durch Kriegführung ist die Folge, einpositiver Unterschied zum stehenden Heer ist der periodische Wehrdienst, das stehende Heer stellt eine Provokation für andere Staaten durch Kriegsbereitschaft und Steigerung des Militärhaushalts dar.

Zitat aus der Schrift:

3. “Stehende Heere ( miles perpetuus ) sollen mit der Zeit ganz aufhören.”

Denn sie bedrohen andere Staaten unaufhörlich mit Krieg durch die Bereitschaft, immer dazu gerüstet zu erscheinen; reizen diese an, sich einander in Menge der Gerüsteten, die keine Grenzen kennt, zu übertreffen, und indem durch die darauf verwandten Kosten der Friede endlich noch drückender wird als ein kurzer Krieg, so sind sie selbst Ursache von Angriffskriegen, um diese Last loszuwerden; wozu kommt, daß, zum Tödten oder getödtet zu werden in Sold genommen zu sein, einen Gebrauch von Menschen als bloßen Maschinen und Werkzeugen in der Hand eines Andern (des Staats) zu enthalten scheint, der sich nicht wohl mit dem Rechte der Menschheit in unserer eigenen Person vereinigen läßt. Ganz anders ist es mit der freiwilligen periodisch vorgenommenen Übung der Staatsbürger in Waffen bewandt, sich und ihr Vaterland dadurch gegen Angriffe von außen zu sichern. – Mit der Anhäufung eines Schatzes würde es ebenso gehen, daß er, von andern Staaten als Bedrohung mit Krieg angesehen, zu zuvorkommenden Angriffen nöthigte (weil unter den drei Mächten, der Heeresmacht, der Bundesmacht und der Geldmacht, die letztere wohl das zuverlässigste Kriegswerkzeug sein dürfte), wenn nicht die Schwierigkeit, die Größe desselben zu erforschen, dem entgegenstände.)

4. “Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.”

Zum Behuf der Landesökonomie (der Wegebesserung, neuer Ansiedelungen, Anschaffung der Magazine für besorgliche Mißwachsjahre u.s.w.) außerhalb oder innerhalb dem Staate Hülfe zu suchen, ist diese Hülfsquelle unverdächtig. Aber als entgegenwirkende Maschine der Mächte gegen einander ist ein Creditsystem ins Unabsehliche anwachsender und doch immer für die gegenwärtige Forderung (weil sie doch nicht von allen Gläubigern auf einmal geschehen wird) gesicherter Schulden – die sinnreiche Erfindung eines handeltreibenden Volks in diesem Jahrhundert – eine gefährliche Geldmacht, nämlich ein Schatz zum Kriegführen, der die Schätze aller andern Staaten zusammengenommen übertrifft und nur durch den einmal bevorstehenden Ausfall der Taxen (der doch auch durch die Belebung des Verkehrs vermittelst der Rückwirkung auf Industrie und Erwerb noch lange hingehalten wird) erschöpft werden kann. Diese Leichtigkeit Krieg zu führen, mit der Neigung der Machthabenden dazu, welche der menschlichen Natur eingeartet zu sein scheint, verbunden, ist also ein großes Hinderniß des ewigen Friedens, welches zu verbieten um desto mehr ein Präliminarartikel desselben sein müßte, weil der endlich doch unvermeidliche Staatsbankerott manche andere Staaten unverschuldet in den Schaden mit verwickeln muß, welches eine öffentliche Läsion der letzteren sein würde. Mithin sind wenigstens andere Staaten berechtigt, sich gegen einen solchen und dessen Anmaßungen zu verbünden.

Kommentar: Akzeptabel sind  nach Kant Staatsschulden aus volkswirtschaftlichen Gründen. Kredite zum Kriegführen sind gefährlich, ein Hindernis zum dauerhaft (ewigen) Frieden. Ein möglicher Staatsbankrott ist auch für andere Staaten riskant. Die Ablehnung der Einrichtung durch dritte Mächte berechtigt.

Historischer Kontext der Frühen Neuzeit:

Stehende Heere wurden in der Frühen Neuzeit von den sich herausbildenden Territorialstaaten vor allem als Reaktion auf die mangelnde Kontrollierbarkeit von Söldnerheeren aufgestellt. Gab es im 16. Jahrhundert noch Mischformen, so hatten stehende Truppen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg nachhaltigen Bestand. Nachdem die Obristen als Söldnerführer entmachtet waren, wurden Angehörige der Fürsten- und Adelsfamilien zu Regimentschefs, gaben den Regimentern ihre Namen und führten sie wirtschaftlich. In langsamen Schritten bildeten sich aus mehreren Regimentern stehende Truppen und stehende Heere („Kriegsvölker“). Die nachfolgende Liste gibt einen Überblick über die Territorien, die seit dem 15. Jahrhundert über stehende Regimenter verfügten.

Frankreich

Die ältesten stehenden französischen Regimenter reichen bis zum  Ende des 16. Jahrhunderts zurück. Der größte Zuwachs an neu aufgestellten Regimentern erfolgte in der Zeit des Eintrittes Frankreichs in den Dreißigjährigen Krieg 1635 (über 135 Regimenter). Auch im zunehmend absolutistisch geführten Frankreich wurden Regimenter zwischenzeitlich immer wieder aufgelöst. Die von der Französischen Revolution übernommenen Regimenter wurden größtenteils unter Ludwig XIV. zunächst im Holländischen Krieg* und vor allem während des Spanischen Erbfolgekrieges** aufgestellt (über 100). Ludwig XIV. kann als der eigentliche Begründer des Stehenden Heeres angesehen werden, mit Vorbildfunktion für die meisten europäischen Territorien.***

*

Der Holländische Krieg, auch Niederländisch-Französischer Krieg genannt, war ein gesamteuropäischer militärischer Konflikt, der von 1672 (Rampjaar) bis 1678 dauerte. Ausgelöst wurde der Krieg durch einen Angriff des französischen Königs Ludwig XIV. mit seinen Verbündeten (Königreich England, Schweden, das Fürstbistum Münster und das Fürstbistum Lüttich) auf die Vereinigten Niederlande. Um eine Hegemonie Frankreichs auf dem europäischen Kontinent zu verhindern, verbündeten sich Spanien und das Heilige Römische Reich mit den Niederlanden. Einige Teilkonflikte dieses Krieges gingen als eigenständige Konflikte in die Geschichte ein, wie der Dritte Englisch-Niederländische Seekrieg (1672–1674) und der Schwedisch-Brandenburgische Krieg (1674–1679). Die für den französischen König günstigen Friedensschlüsse von Nimwegen (1678) und Saint-Germain (1679) beendeten diesen europäischen Krieg. Der Holländische Krieg gilt als ein expansiver Eroberungskrieg Frankreichs und wurde deshalb in der älteren deutschen Literatur auch oft als (zweiter) Raubkrieg Ludwigs XIV. bezeichnet.

**

Der Spanische Erbfolgekrieg war ein Kabinettskrieg zwischen 1701 und 1714, der um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wurde. Karl II. starb kinderlos am 1. November 1700. Kurz davor hatte er einen französischen Kandidaten zum Erben eingesetzt, Philipp V. Dieser etablierte schließlich tatsächlich die Dynastie der Bourbonen, die auch heute noch amtiert (wenn auch mit Unterbrechungen). Andere Mächte der Zeit wollten sich aber lange nicht mit dieser Erbfolge abfinden, denn Philipp war der Enkel des französischen Königs Ludwig XIV. Sie befürchteten eine Machtkonzentration zu ihren eigenen Ungunsten.

***

Eine wesentliche Stütze der absolutistischen Macht in Frankreich waren unter König Ludwig XIV. das größte stehende Heer der Welt mit 400.000 Soldaten. Das Heer sicherte Ludwigs Macht innerhalb Frankreichs und war Instrument zahlreicher Eroberungskriege gegen europäische Nachbarn.

Heiliges Römisches Reich

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation hatte kein stehendes Heer. Truppen des jeweiligen Kaisers und die Reichsarmee waren die Träger der schwachen Zentralgewalt des frühneuzeitlichen Staatengebildes. Mit zunehmender Souveränität der deutschen Fürsten stellten diese eigene stehende Heere auf, oftmals nur aus repräsentativen Gründen, meist aber zum Ausbau ihrer eigenen territorialen Unabhängigkeit. Der Einsatz dieser Haustruppen erfolgte oft innerhalb der Reichsarmee. Verpflichtungen der Reichsverfassung wurden so zwar erfüllt, leiteten aber die Auflösung des militärischen Reichsbandes ein. Denn zunehmend wandten sich Fürsten deutscher Teilstaaten mit ihren Haustruppen gegen innerdeutsche Rivalen. Prominentestes Beispiel ist Preußen während des Österreichischen Erbfolgekrieges und des Siebenjährigen Krieges. Gerade die antikaiserliche Politik Preußens leitete auch militärisch das Ende des Heiligen Römischen Reiches ein. Die kaiserlichen Truppen wurden mehr und mehr Territorialtruppen Österreich-Ungarns. Die Reichsarmee verlor gänzlich an Reputation.

Reichsarmee

Die Reichsarmee war das Heeresaufgebot des Heiligen Römischen Reiches. Es war unmittelbares Machtinstrument des Reiches und wurde vom Reichstag aufgeboten. Sie diente sowohl als Instrument der Reichsexekution nach innen als auch zur Verteidigung des Reiches nach außen. Sie ist nicht gleichzusetzen mit der kaiserlichen Armee. Als Stehendes Heer konnte die Reichsarmee nur eingeschränkt angesehen werden. Vor allem der schwäbische und fränkische Reichskreis boten kontinuierliche Truppenformationen. Der burgundische und der österreichische Reichskreis hatten militärisch keine Bedeutung.

Kaiserliche Armee („königlich-ungarisch“, „österreichisch“)

Als „Kaiserliche Armee“ bezeichnete man über Jahrhunderte die Soldaten des römisch-deutschen Kaisers in der Frühen Neuzeit. Sie waren nicht mit der Reichsarmee gleichzusetzen. Meist waren Kaiserliche die von den habsburgischen Kaisern gestellten Truppen und werden in der Literatur auch als Österreich(-Ungarn) bezeichnet. In der kurzen Zeit des bayerischen Kaisers Karl VII. (1742–45) wurden die habsburgischen Truppen meist als „königlich-ungarisch“ bezeichnet. Nach Wiedererlangung der Kaiserwürde wurde zunehmend von „kaiserlich-königlich“ gesprochen. Durch die Schwächung des Reiches sprach man umgangssprachlich vermehrt von „österreichischen“ Truppen.

Kurbrandenburg/Preußen

Preußen stieg im 18. Jahrhundert zur fünften europäischen Großmacht auf und galt im Heiligen Römischen Reich als wichtigste Macht nach der Habsburgermonarchie. Die Anfänge seines stehenden Heeres gehen auf den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zurück. Die Großmachtstellung verdankte Preußen vor allem seinem überproportional großen stehenden Heer, das von König Friedrich Wilhelm I. aufgebaut wurde.

Die Infanterie der altpreußischen Armee umfasste bei ihrem Höchststand 60 Regimenter. Hinzu kamen etliche sonstige Formationen und Garnison-Grenadier-Bataillone. Die Aufstellung der ersten Regimenter in einem stehenden Heer erfolgte nach dem Beschluss des brandenburgisch-preußischen Geheimen Rates vom 5. Juni 1644. Die nach und nach zunehmenden Regimenter gingen schließlich 1806 im Vierten Koalitionskrieg gegen das napoleonische Frankreich in ihrer großen Zahl unter. Lediglich acht Regimenter wurden in das neue Heer übernommen, das von Historikern zur Unterscheidung als „neupreußische Armee“ bezeichnet wird.

Die Kavallerieregimenter waren die größten Organisationseinheiten der altpreußischen berittenen Truppen. Von 1644 bis 1806 entstanden nach und nach 35 Kavallerieregimenter. Diese Regimenter wurden zusätzlich nach verschiedenen Truppentypen unterschieden: 1. Kürassierregimenter, 2. Dragonerregimenter, 3. Husarenregimenter. Als Kavallerie galten zunächst nur Kürassiere, dann die Dragoner (berittene Infanterie) und erst im späten 18. Jahrhundert die Husaren. Die Größe der Regimenter unterschied sich zwischen den Truppentypen. Im Verlaufe der Zeit änderten sich auch die Regimentergröße innerhalb eines Kavallerietypes. Zur Zeit Friedrichs des Großen bestanden Kürassier- und Dragonerregimenter normalerweise aus fünf Eskadronen, Husarenregimenter aus zehn Eskadronen.

Die ersten Berichte über den Einsatz von Feuerwaffen stammen aus dem Jahr 1391, als Jobst Markgraf von Brandenburg eine Büchse gegen seine Vasallen einsetzte. 1420 ließ Kurfürst Friedrich I. die Glocken der Marienkirche zu Büchsen gießen. Die Waffe wurde weiterentwickelt und auch die Mannschaften mussten nun ausgebildet werden. So gab es unter dem Kurfürsten Johann Georg den Feldzeugmeister Rochus zu Lynar, die Schlangenschützen, Büchsenmeister und Feuerwerker. Im Jahr 1610 im Dreißigjährigen Krieg wurde Hans Meinhard von Schönberg Chef der Artillerie. Im Krieg hatte jeder Obrist seine eigene Artillerie. Die brandenburgischen Arsenale enthielten zum Schluss eine Sammlung von Geschützen ohne jedes Maß, wie der Feldzeugmeister von Otto Christoph von Sparr 1654 beklagte. Erst 1680 begann wieder eine Reorganisation der Artillerie. Als 1686 ein brandenburgisches Hilfskorps nach Ungarn marschierte, zeigte sich der kaiserliche Generalkommissar Graf Dünewald von den Brandenburgern beeindruckt.

Ausbau der Armee, Kürzung der Kultur

Bild: Richard Knötel: Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten inspiziert das Potsdamer Infanterieregiment Lange Kerls

Der Sohn Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., war nicht prunkliebend wie sein Vater, sondern vielmehr sparsam und praktisch veranlagt. Folglich kürzte er, eben aus dem Sterbezimmer des Vaters kommend, die Ausgaben für die Hofhaltung und entließ nach der Beerdigung die meisten Höflinge. Alles, was dem höfischen Luxus diente, wurde entweder abgeschafft oder anderen Nutzungen zugeführt. Alle Sparmaßnahmen des Königs zielten auf den Ausbau eines starken stehenden Heeres, in dem der König die Grundlage seiner Macht nach innen und außen sah. Von den jährlichen Staatseinnahmen verwendete er 73 % für die laufenden Militärkosten, während Hof und Verwaltung mit 14 % auskommen mussten. In seiner Amtszeit baute er die preußische Armee zu einer der schlagkräftigsten Armeen in ganz Europa aus, was ihm den Beinamen „der Soldatenkönig“ verschaffte. Angesichts der Größe der preußischen Armee im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, 83.000 Soldaten zu 2,5 Millionen Einwohnern im Jahre 1740, schrieb Georg Heinrich von Berenhorst später: „Die preußische Monarchie bleibt immer – nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquarti[e]rt steht.“

Kurz nach Regierungsantritt endete der Spanische Erbfolgekrieg, in dem preußische Hilfstruppen gegen Subsidien jahrelang fernab des eigenen Territoriums kämpften. Preußen hatte in dem Krieg keine selbständige Rolle gespielt; trotz dieser schwachen Position erhielt es aber in den Friedensverhandlungen die zuvor eroberten Gebiete um Geldern, Neuchâtel und Lingen aus der oranischen Erbschaft zugesprochen. Der Friedensschluss von 1714 ermöglichte es dem König, sich dem noch nicht beendeten nordeuropäischen Konflikt zuzuwenden. Zwei Jahre später führte er den mehrmonatigen Pommernfeldzug, der Preußens Besitz um einen Teil von Schwedisch-Vorpommern einschließlich des Oderdeltas mit der wichtigen Hafenstadt Stettin vermehrte. Es folgte in Europa eine längere Friedenszeit, die es Preußen ermöglichte, sich der inneren Entwicklung zu widmen.

Friedrich Wilhelm gelang es in seiner Regierungszeit, die im Verhältnis zu seinen Ressourcen überdimensionierte Armee über Jahrzehnte hinweg zu finanzieren und einsatzbereit zu halten. In der Folge von Massendesertionen kam es zum Erhalt der Mannsollstärken zu ausufernden Zwangswerbungen. Mit der Einführung einer vor allem die niederen Stände betreffenden Wehrpflicht, dem Kantonsreglement, sowie einer effektiven Administration und der Einbindung aller gesellschaftlichen Kräfte, auch des Adels, unter die Ziele des Königs gelang es, den preußischen Militärstaat zu festigen. Weitere außenpolitische Ziele wurden dabei zunächst nicht verfolgt.

Verwaltungsreformen, Manufakturen und Staatseinnahmen

Der von Kurfürst Friedrich Wilhelm begonnene Staatsumbau zugunsten der fürstlichen Macht und zulasten der Stände und der autonomen Städte, wurde unter seinem Enkel König Friedrich Wilhelm I. im Wesentlichen bis 1740 vollendet. Die Transformation des staatlichen Überbaus vollzog sich unter dem Einfluss des in Europa vorherrschenden Absolutismus, der seinen Höhepunkt in Preußen zur Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte. Insbesondere König Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. „regierten durch“ mittels Einzelverfügungen selbst in Nebenangelegenheiten. Daraus ergab sich in der älteren Geschichtsschreibung eine stark personalisierte Darstellung der preußischen Geschichte, bis hin zu einer Legenden- und Mythenbildung, die sich um die großen preußischen Herrscher dieser Epoche bildete.

Mit der Gründung eines Generaldirektoriums wurde die zunächst rein fürstliche Verwaltung auf allgemeine Belange des Gemeinwesens ausgeweitet, wodurch eine einheitliche gesamtstaatliche Hierarchie mit eindeutigen Zuständigkeiten entstand. Ständische Einflüsse des Adels wurden durch die patriarchische Herrschaftsführung Friedrich Wilhelms I. zurückgedrängt. Mit der auf die Person des Monarchen ausgerichteten Zentralverwaltung, die ein einheitliches königliches Beamtentum beinhaltete und mit dem forcierten Ausbau des stehenden Heeres wurden Institutionen geschaffen, die das geografisch weiterhin zersplitterte Land vereinten.

Mit einem ausgedehnten Domänenbesitz und der Akzise war den Verwaltungsorganen eine weit über das fiskalische Interesse hinausgehende Sorge für die Entwicklung der Landwirtschaft gegeben. Es folgte eine spezielle auf Ertragszuwächse ausgerichtete Reform der königlichen Domänenbewirtschaftung, deren jährliche Erlöse sich zwischen 1714 mit 1,9 Millionen Talern und 1740 3,5 Millionen Talern fast verdoppelten. Durch ein verbreitertes Besteuerungssystem mit einer einheitlichen Grundsteuer, die Bauern- und Adelsgüter gleichermaßen umfasste, steigerten sich die Einnahmen. Eine merkantilistische Wirtschaftspolitik, die Förderung von Handel und Gewerbe sowie die Steuerreform halfen, die jährlichen Staatseinnahmen von 3,4 auf 7 Millionen Taler zu verdoppeln. Die Maßnahmen insgesamt führten in der Zeit von 1713 bis 1740 zu einer Periode großen staatlichen Fortschritts.

Außenpolitik

https://de.wikipedia.org/wiki/August_II._(Polen)#/media/Datei:Friedrich_August_der_Starke_von_Polen.jpg

Gemälde vom Gegenbesuch Augusts des Starken von Sachsen in Berlin 1729, das die preußische Königsfamilie zeigt

Außenpolitisch agierte der König nicht immer glücklich. Seine spartanische Auffassung von Repräsentation wich von der dominierenden französischen Kulturvorstellung erheblich ab. An den ausländischen Höfen war der preußische König als Sergeant verschrien. Im höfischen Ränkespiel war die Meinung verbreitet, man könne den König „wie einen Tanzbären auf dem diplomatischen Parkett herumführen“. Insgesamt gab sich der König zeitwährend „kaiserlich“ loyal. Dynastische Bindungen bestanden zu Hannover, das wiederum mit Großbritannien dynastisch verbunden war. Der Konflikt mit dem Thronfolger, 1730 in der versuchten Flucht Friedrichs II. gipfelnd, entwickelte sich zu einem diplomatischen Skandal. Mit Sachsen führte Friedrich Wilhelm I. eine rege Diplomatie; abwechselnd in Konkurrenz und Kooperation zueinander stehend, ergaben sich mehrere bedeutende Staatsbesuche, Handelsvereinbarungen oder auch das Zeithainer Lustlager.* Mit Russland wurden bedeutende Allianzverträge geschlossen, die sich vor allem gegen Polen richteten.

Das Große Campement bei Mühlberg, auch Lustlager von Zeithain genannt, war eine grandiose Truppenschau Augusts des Starken, verbunden mit der Darstellung königlicher Pracht, die vom 31. Mai bis zum 28. Juni 1730 unweit der Städte Riesa und Großenhain zwischen den Orten Zeithain, Glaubitz und Streumen stattfand.