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Peter Burg Werke

Vorlesung

Prof. Dr. Peter Burg

Das Zeitalter des Barock

Vorlesung

Die Vorlesung widmet sich einem zentralen Thema der europäischen Geschichte in der Frühen Neuzeit zwischen Reformation und Französischer Revolution. Lange Zeit diente der Begriff des Absolutismus als Epochenbezeichnung für diese Zeitspanne. Namhafte Staatstheoretiker wie Thomas Hobbes oder Jean Bodin verwiesen jedoch bereits zeitgenössisch auf die  Beschränkungen der herrschaftlichen Macht in der angeblich „absoluten“ Monarchie. Durch die überspitzte Betonung der politischen Macht der Fürsten und den Akzent auf die Staatengeschichte setzte sich in der Geschichtsschreibung der vergangenen Jahrhunderte der Absolutismus als Epochenbegriff durch, wird jedoch in den letzten Jahrzehnten grundsätzlich in Frage gestellt und durch den Barockbegriff ersetzt.  Dieser ergänzt die politische Geschichte durch die umfassende Einbeziehung der verschiedenen Bereiche der Kultur und dem Lebensgefühl ihrer Träger. Die Vorlesung befasst sich entsprechend dem neuen Epochenverständnis  mit bedeutenden Werken der Baukunst, des Gartenbaus, der Musik und der Malerei ebenso wie der Literatur, in der der Spanier Miguel de Cervantes und der Deutsche Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens herausragen.

Einführende Literatur: Peter Hersche: Muße und Verschwendung. Europäische Gesellschaft und Kultur im Barockzeitalter. 2 Bände. Herder, Freiburg 2006; Heinz Duchhardt: Barock und Aufklärung (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Bd. 11). 4. Auflage. Oldenbourg, München 2007, (neu bearbeitete und erweiterte Auflage des Bandes: Das Zeitalter des Absolutismus).

Di 10-12, Beginn: 08.10.2019, Ende: 28.01.2020

Raum: Orléans Ring 12, SRZ 116.

Eine Raumänderung ist nur bei einer zeitlichen Verlegung auf Mi 12 – 14 Uhr möglich. Näheres dazu in Vorlesung vom 15.10.

Veranstaltung vom 08.10.2019

Vorlesung: Das Zeitalter des Barock

In der Abfolge von Epochen der Allgemeingeschichte ist Barock ein neuer Begriff, der in unserer Schul- und Studienzeit als allgemeiner Epochenbegriff noch nicht üblich war, sondern auf die Kulturgeschichte oder gar nur auf die Kunstgeschichte begrenzt war. Üblich war für die zeitliche Gliederung der Geschichte in der Frühen Neuzeit, d.h. der Zeit zwischen den Religionskriegen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts und den Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts, der Begriff Absolutismus, der nach Stufenfolgen unterschieden wurde: Drei  Großepochen wurden unterschieden: der konfessionelle Absolutismus mit Philipp II. von Spanien, 1527-1598, als Repräsentanten, der höfische Absolutismus mit Ludwig XIV. von Frankreich, 1638-1715,  und aufgeklärter Absolutismus mit Friedrich II. von Preußen. Gegenüber dieser klassischen Gliederung der frühneuzeitlichen Geschichte gibt es neuerdings  große Zweifel im Hinblick auf die Eignung als Epochenbezeichnung der europäischen Geschichte. Dabei wird hingewiesen auf die gleichzeitige Existenz anderer Staatsformen als der absolutistischen, etwa von Republiken und konstitutionellen Monarchien (Stadtstaaten, Niederlande, England), oder die Beschränkung fürstlicher Macht durch Fundamentalgesetze oder ständische Mitspracherechte. Der Begriff „Barock“, des bislang auf den Bereich von Kunst und Kultur eingegrenzt war, wurde konkurrierend ins Spiel gebracht. Dessen Eignung für eine Epochenglieder der Allgemeingeschichte kommt aber nur dann zustande, wenn er auf die Dimension des Politischen ausgeweitet wird. Diese Ausdehnung hat mittlerweile stattgefunden und schreitet weiter voran. Die Vorlesung wird von diesem ausgedehnten Begriffsgebrauch geleitet. In diesem Sinne wird vom Zeitalter des Barock die Rede sein.

In konventioneller Weise möchte ich von den politischen Verhältnissen, insbesondere von den  so genannten absolutistischen Herrschern, ausgehen, die ja gleichzeitig die wichtigsten Mäzene und damit Träger der Kultur waren. Ich folge also zum Einstieg in das Thema der Dreigliederung, die sich im 19. Jahrhundert durchgesetzt hatte und mit dem Namen von Wilhelm Roscher verbunden ist.

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Georg Friedrich Wilhelm Roscher (* 21. Oktober 1817 in Hannover; † 4. Juni 1894 in Leipzig) gilt als Begründer der älteren Historischen Schule der Ökonomie.

Die ältere Historische Schule ist sich vor allem in ihrer Ablehnung der Klassik einig. Deren Anspruch, Naturgesetzlichkeiten, also von Raum und Zeit unabhängige Gesetze zu formulieren, begegnet man sehr skeptisch. Insbesondere der Vorstellung einer „idealen“ Volkswirtschaft setzt sie die Pluralität von Idealen und die Vielseitigkeit menschlichen Verhaltens entgegen – Nationalökonomie ist also keine Natur-, sondern eine Sozialwissenschaft.

Der klassischen Nationalökonomie setzte Roscher ein Konzept entgegen, das im historischen Zugang den einzig sinnvollen theoretischen Ansatz sieht. Die Vertreter der historischen Schule verfolgen einen anderen methodischen Ansatz als die englische Klassik und versteht sich dementsprechend als deren Gegenposition. Die erste Kritik richtet sich an den individualistischen Ansatz, die der theoretische Ausgangspunkt und die Leitidee der klassischen Ökonomen sind. (Adam Smith-David Ricardo-John Stuart Mill). Wo in diesen Denkfiguren eher das Individuum im Vordergrund wissenschaftlicher Untersuchungen steht; mit seinen individuellen Bedürfnissen und seinem autonomen Willen, vertritt Schmoller den organischen Ansatz: Im Vordergrund steht nicht das Individuum, sondern die Gemeinschaft, deren historische Erfahrungen sich in gesellschaftlichen Institutionen und Organen niederschlagen, die wiederum den Handlungsspielraum des Individuums bestimmt. Die Ethik der Gesellschaft ergibt sich aus den historischen Erfahrungen des Gemeinschaftslebens und nicht aus dem Bezug zum Nutzen des Individuums.

Roscher unternahm erstmals den Versuch, das absolutistische Zeitalter zu periodisieren und der aufgeklärten Epoche eine gesonderte historische Stellung zuzuweisen. Sein Denken hatte starke Wurzeln im christlichen Glauben, wie u. a. die posthum herausgegebenen „Geistlichen Gedanken“ zeigen. Roscher, philosemitisch eingestellt und idealistisch romantisierend, unterstrich die herausragende und unentbehrliche Rolle des Judentums für den mittelalterlichen Handel, wodurch es seiner Ansicht nach zum ökonomischen Lehrmeister der europäischen Völker wurde.

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Als Kennzeichen für den „Absolutismus“ wird der Verstaatlichungsprozess bezeichnet, der sich unter anderem in der Aufstellung stehender Heere, dem Aufbau eines allein vom Herrscher abhängigen Beamtenapparats, der Einbindung der Kirche in das Staatswesen und einem merkantilistischen Wirtschaftssystem manifestierte. Darüber hinaus fand ein Wandel im Selbstverständnis der  Fürsten zu einer Intensivierung des höfischen Lebens statt, das seine Hochblüte am Versailler Hof Ludwigs XIV. fand und das als „barockes Lebensgefühl“ zu charakterisieren ist.

<Bilder:

Ludwig XIV. (1638-1715) im Krönungsornat, Porträt von Hyacinthe Rigaud (1701; Musée du Louvre); Inszenierung des absoluten Herrschers im Staatsporträt. Die selbstbewusste Pose des mit allen Insignien seiner Macht dargestellten französischen Königs versinnbildlicht seinen durch göttlichen Auftrag legitimierten Herrschaftsanspruch. Das Ölgemälde wurde zum Vorbild für die Porträts absolutistischer Herrscher in ganz Europa.

Bereits im Alter von vier Jahren (1642) wurde Ludwig XIV. offiziell König, stand jedoch zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich und übte nach dem Tod des Leitenden Ministers Jules Mazarin ab 1661 (23 Jahre alt) persönlich die Regierungsgewalt aus. Durch den Ausbau der Verwaltung und der Armee, die Bekämpfung der adeligen Opposition (Fronde) sowie die Förderung eines merkantilistischen Wirtschaftssystems sicherte Ludwig die absolute Macht des französischen Königtums. Innenpolitisch rückte er den katholischen Glauben wieder in den Mittelpunkt (la France toute catholique) und widerrief im Edikt von Fontainebleau (18. Oktober 1685) die religiösen und bürgerlichen Rechte der Hugenotten. Gleichzeitig versuchte Ludwig die katholische Kirche in Frankreich dem weltlichen Einfluss des Papsttums zu entziehen (Gallikanismus). Durch eine expansive Außenpolitik und mehrere Kriege (Holländischer Krieg, Pfälzischer Erbfolgekrieg, Spanischer Erbfolgekrieg) löste Ludwig sein Land aus der habsburgischen Umklammerung und festigte Frankreichs Stellung als dominierende Großmacht in Europa.

Ludwig XIV. gilt als wichtigster Vertreter des höfischen Absolutismus und Gottesgnadentums. Die von ihm etablierte Hofkultur, deren zentrales Symbol die herausragende Stellung und das prunkvolle Auftreten des Königs war, wurde zum Vorbild für Höfe in ganz Europa. Ludwig förderte Kunst und Wissenschaft, was eine Blütezeit der französischen Kultur zur Folge hatte, die sich im Stil Louis-quatorze ausdrückte. Sein Wirken wurde so auch prägend für die kunst- und architekturgeschichtliche Epoche des klassizistischen Barocks. Beispielhaft kann hier das von Ludwig erbaute Schloss Versailles betrachtet werden, das als Höhepunkt der europäischen Palastarchitektur gilt. Der absolutistische Leitsatz „L’État c’est moi“ („Der Staat bin ich“) wird ihm allerdings fälschlich zugeschrieben, entspricht aber seinem Selbstgefühl.

Ludwig XIV. erhielt die Beinamen „der Sonnenkönig“ („le Roi-Soleil“) oder „der Große“ („Louis le grand“). Als er am 1. September 1715 nach 72-jähriger Regentschaft starb, war Ludwig XIV. einer der am längsten herrschenden Monarchen der neuzeitlichen Geschichte.>

Schloss Versailles.

<Das Schloss Versailles in der Nachbarstadt von Paris ist eine der größten Palastanlagen Europas und war von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ausbruch der Französischen Revolution die Hauptresidenz der Könige von Frankreich. Der Barockbau, dessen größte Ausdehnung mehr als einen halben Kilometer beträgt, gilt als ein Höhepunkt europäischer Palastarchitektur und diente vom 17. bis zum 19. Jahrhundert als Vorbild für zahlreiche weitere Schlossbauten.

Ursprünglich als Jagdschloss für König Ludwig XIII. errichtet, wurde die Anlage ab 1661 unter Ludwig XIV. in mehreren Phasen um- und ausgebaut. Die Innenausstattung schuf Charles Lebrun, die berühmten Gartenanlagen stammen von André Le Nôtre. André Le Nôtre (auch Le Nostre; * 12. März 1613 in Paris; † 15. September 1700 ebenda) war ein bedeutender französischer Landschafts- und Gartengestalter. Als oberster Gartenarchitekt Ludwigs XIV. konzipierte er den Stil des französischen Barockgartens (französisch jardin à la française) und übte damit maßgeblichen Einfluss auf die Gartenkunst in Europa aus. In seiner Zeit als Residenz war der Palast fast durchgehend von einem mehrere tausend Personen umfassenden Hofstaat bewohnt und bildete das kulturelle und politische Zentrum Frankreichs.>

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Konfessioneller Absolutismus

Philipp II. – spanisch Felipe II – (* 21. Mai 1527 im Palacio de Pimentel, Valladolid; † 13. September 1598 im El Escorial nahe Madrid) war ein spanischer Monarch aus der Dynastie der Habsburger (Casa de Austria).

Philipp II. war Erbe des Spanischen Imperiums, das sich über das iberische Kernland (Kastilien, Aragón, Katalonien, ab 1580 auch Portugal), die Niederlande und Burgund erstreckte. In Italien standen das Herzogtum Mailand, die Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien unter seiner Herrschaft, durch die enorme Expansion der Kolonialgebiete in Amerika (Vizekönigreich Neuspanien = Mittelamerika, Vizekönigreich Peru) und Asien (Philippinen) wuchs auch der außereuropäische Machtbereich des Monarchen. Nach seinem Regierungsantritt verlegte Philipp das Zentrum der habsburgischen Interessen endgültig weg von den Niederlanden nach Spanien und machte Madrid, im kastilischen Herzland gelegen, zur neuen Hauptstadt. Madrid wurde in der Folge fester politischer und kultureller Mittelpunkt der Monarchie (El Madrid de los Austrias).

El Madrid de los Austrias (span. Das Madrid der Österreicher oder Habsburger) ist eine Bezeichnung für das alte Zentrum von Madrid. Das Stadtviertel liegt südlich der Calle Mayor, zwischen den Metro-Stationen Sol und Opera. El Madrid de los Austrias wurde nach ihren Erbauern, den Spanischen Habsburgern, benannt. Die Habsburger werden auf Spanisch bis heute los Austrias genannt.

Bild: Die Plaza Mayor, Herzstück von El Madrid de los Austrias

Madrid wurde erst im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt ausgebaut. Spanien erlebte zu jener Zeit seine glanzvollste Periode, das so genannte Siglo de Oro. Durch die Kolonien in Südamerika erlebte das Königreich ein enormes Wirtschaftswachstum. Die Habsburger gaben mehrere Bauwerke und Infrastrukturprojekte in Auftrag, die diese Macht und den Reichtum im öffentlichen Bereich repräsentieren sollten. Die vertretenen Architekturstile reichen von der Spätrenaissance bis zum Frühbarock.

Die Plaza Mayor ist das bezeichnendste habsburgische Bauwerk und das Kernstück des Madrid de los Austrias. In seiner Mitte steht eine Statue ihres Erbauers König Felipe III. Die Plaza Mayor wurde 1619 angelegt und ist ein großer, rechteckiger Platz mit Arkaden und neun Eingangstoren. Farblich ist er in Dunkelrot/Orange gehalten; diese Farben sind das Ergebnis einer stadtweiten Abstimmung. Die Plaza Mayor war Schauplatz von Stierkämpfen, Hinrichtungen und Krönungszeremonien.

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Veranstaltung vom 15.10.2019

Rekapitulation:

In der Epochengliederung fand und findet eine Ablösung des Begriffes Absolutismus durch Barock. Der im 19. Jahrhundert eingeführte Begriff des Absolutismus fängt die Fülle der Zeit nicht ein, ist zu stark politische. Andererseits ist der Begriff Barock traditionell auf Kultur- und Kunstgeschichte beschränkt. Die Vorlesung versucht eine Verknüpfung der Komponenten. Als repräsentative Figur der Epoche wurde Ludwig XIV. vorgestellt, der einerseits in typischer Weise die staatliche Gewalt in Frankreich durch die Steigerung seiner Macht ausgebaut hat und andererseits Maßstäbe als Kunstmäzen gesetzt hat.  Als Beispiel dienten die Anlage und Ausgestaltung des Schlosses von Versailles.

In den Vorlesungsstoff bin ich mit der Darstellung der Epoche des konfessionellen Absolutismus in Spanien eingestiegen, dessen kulturgeschichtliches Pendant im Frühbarock zu sehen ist. Philipp II. gilt als führender Repräsentant der Epoche. Als Bauwerke habe ich die Plazo Mayor im Zentrum von Madrid und den Escorial hervorgehoben. Heute steht weiterhin die Herrschaftszeit Philipps II. auf dem Programm, ferner der Frühbarock als kulturelles Pendant.

Herrschaftsverständnis und Persönlichkeit

Portrait Philipps II.

Philipps Regierungsstil war von wachsender Bürokratisierung geprägt, ein entstehender, professioneller Beamtenapparat übernahm die Kommunikation zwischen dem König und den Statthaltern in den Ländern. Nach 1559 sollte er die iberische Halbinsel nicht mehr verlassen und sein Weltreich allein vom Schreibtisch aus regieren. Dies war eine neue, moderne, aber auch sterile Art der Regentschaft, die im Gegensatz zum Reisekönigtum seines Vaters stand, der ständig von Residenz zu Residenz gezogen war, um persönlich präsent zu sein. Die auf Papier gestützte Herrschaftstechnik machte Philipp zum „Archetyp des modernen Bürokraten“, seine Herrschaft wird in der historischen Forschung als das „erste lückenlos bürokratisierte System der Neuzeit“ betrachtet, was ihm schon zu Lebzeiten den Beinamen „Rey Papelero“ (Papierkönig) einbrachte. An seinem Hof ersetzte Philipp die traditionellen Eliten aristokratischer Ratgeber und umgab sich mit Sekretären und Juristen bürgerlicher Herkunft. Der König selbst unterwarf sich einem enormen Arbeitspensum, denn er war nicht bereit Aufgaben zu delegieren. Dabei verlief er sich allzu häufig in Nebensächlichkeiten und Detailfragen, was eine schwerfällige Verwaltungsmaschinerie entstehen ließ, deren Langsamkeit durch die damaligen, eingeschränkten Kommunikationsmittel verstärkt wurde.

Als Monarch lag Philipps Hauptaugenmerk auf der Wahrung seiner königlichen Autorität sowie der Aufrechterhaltung des traditionellen Systems, er dachte und handelte konservativ. Er zeigte ein teilweise grausames, unerbittliches Verhalten gegenüber Abtrünnigen, bestrafte Einzelne hart, aber auch ganze Städte oder Regionen, die Widerstand gegen die königliche Autorität zeigten. Das komplizierte, undurchdringliche Regelwerk des spanischen Hofzeremoniells machte den König unnahbar und entrückt, nur die allerhöchsten Granden hatten oft nach monatelanger Wartezeit persönlichen Zugang zu ihm. Gegenüber seiner Umgebung entwickelte Philipp ein ständiges Misstrauen, Günstlinge konnten sich seines Zuspruchs nie völlig sicher sein und er konnte sie plötzlich fallen lassen. Philipps Persönlichkeit verstärkte die Distanz zwischen König und Untertanen: Er war ein verschlossener Einzelgänger, im Innersten schüchtern und menschenscheu. Durch den frühen Tod seiner dritten Ehefrau Elisabeth von Valois verfiel Philipp ab 1568 immer stärker in einen Zustand der Lethargie, welcher er während der kurzen Ehe teilweise entflohen war. Der König trug nur mehr schwarze Gewänder, aß jeden Tag pünktlich die gleichen Speisen und machte täglich die gleiche Ausfahrt durch die einsame Hochebene der Sierra de Guadarrama. In seinen späteren Lebensjahren verließ Philipp seine privaten Gemächer des Escorial nur mehr, um die Messe zu hören.

Die spanische Mode oder spanische Kleidermode ist die Mode der ausgehenden Renaissance und des spanischen Barocks, der Zeit zwischen etwa 1550 und dem Dreißigjährigen Krieg. Sie prägte die Zeit der Gegenreformation, der Bewegung, mit welcher die katholische Kirche und die katholisch geführten Staaten, in vorderster Front Spanien, die Reformation bekämpften. Formal zeichnete sich die spanische Hoftracht durch ein elegantes, aber sehr starres feierliches Gepränge aus, als Abbild des strengen spanischen Hofzeremoniells, das sich ebenfalls zu dieser Zeit verbreitete, besonders auch am Wiener Hof.

Die spanische Hoftracht wurde bis etwa 1620 nicht nur in den habsburgisch regierten Ländern (Spanien, Portugal, Spanische Niederlande, Heiliges Römisches Reich (Deutschland + Österreich), Teilen Italiens wie Mailand, Neapel und Sizilien) getragen, sondern in ganz Europa, teilweise mit gewissen Abweichungen. In Spanien und Portugal – das zwischen 1580 und 1640 unter spanischer Oberherrschaft stand – hielt man auch noch unter der Herrschaft Philipps IV. bis in die 1660er Jahre daran fest, auch dabei kam es zu modischen Sonderentwicklungen, die zu seiner Zeit vor allem im Norden Europas bereits als altmodisch auffielen.

Philipp war ein religiöser Extatiker und fanatischer Katholik, für den die Religion über allen anderen Dingen stand („Bevor ich zulasse, dass der Religion und dem Dienst an Gott der kleinste Schaden zugefügt wird, möchte ich lieber alle meine Länder verlieren und hundert Leben, wenn ich sie besäße“). Er sah sich selbst als Schutzherr der katholischen Gegenreformation und war überzeugt, die spanische Monarchie sei dazu ausersehen, die Menschheit vor jeder Form von Ketzerei und Abtrünnigkeit zu schützen, weshalb Philipp jegliches Zugeständnis vermied. Im totalitären Anspruch auf Monokonfessionalität sah er die wichtigste Grundlage seiner Herrschaft, der Katholizismus sollte als verbindendes Element seiner Territorien dienen. Als Erbe der „Katholischen Könige“ (Isabella I. und Ferdinand II.) war Philipp ein Verfechter der Inquisition, die bei der religiösen Gleichschaltung eine entscheidende Rolle spielte. Ihre strengen Gesetze, Repressionen und die gewaltsame Verfolgung von Häretikern, Ketzern, Protestanten, Juden, Muslimen und zwangsweise Bekehrten (Morisken) wurde unter Philipp zunehmend auch auf politische Feinde ausgeweitet.

Philipp II. war ein gläubiger Katholik und trat vehement für die Gegenreformation ein. Er sah sich berufen, den Katholizismus in den von ihm regierten Ländern durchzusetzen und den immer stärker werdenden Protestantismus gewaltsam zurückzudrängen (Spanische Inquisition).

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Die Spanische Inquisition war eine mit Genehmigung des Papstes eingerichtete staatliche Behörde zur Bekämpfung der Häresie in Spanien. Sie existierte formal von 1478 – mit Unterbrechungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts – bis 1834.

Nachdem die Katholischen Könige die Regierung in Kastilien übernommen hatten, setzte sich besonders Tomás de Torquemada, der Prior des Dominikanerklosters Santa Cruz la Real in Segovia und Beichtvater der Königin Isabella für die Einführung der Inquisition ein. <Als Katholische Könige (span. Reyes Católicos) bezeichnet man die spanischen Monarchen Königin Isabella I. von Kastilien (1451–1504) und König Ferdinand II. von Aragón (1452–1516), der als Ferdinand V. auch König von Kastilien war. Der Herrschertitel Reyes Católicos wurde ihnen im Jahr 1496 von Papst Alexander VI. verliehen. > Die Bulle „Exigit sincerae devotionis“ vom 1. November 1478 gilt als Gründungsurkunde der neuen Spanischen Inquisition. In dieser Bulle erlaubte Papst Sixtus IV. den Monarchen drei Priester, die Kenntnisse in der Theologie und im kanonischen Recht haben sollten, zu Inquisitoren zu ernennen. Den Monarchen wurde auch das Recht zugestanden, diese Inquisitoren zu entlassen oder zu ersetzen. Von dem Recht Inquisitoren zu ernennen, machten die Katholischen Könige allerdings erst im September 1480 Gebrauch, als sie drei Dominikaner als Berater einsetzten. Diese bildeten in Sevilla das erste Tribunal der Spanischen Inquisition. Das erste Autodafé, die feierliche öffentliche Verkündung der Urteile, fand am 6. Februar 1481 statt. Im Verlauf der folgenden Jahre wurden weitere Tribunale zuerst in Cordoba, Jaén und Toledo, später in weiteren Städten Kastiliens eingerichtet. Tomás de Torquemada wurde auf Vorschlag der Katholischen Könige zum Generalinquisitor von Kastilien ernannt.

Organigramm Inquisition

Schaubild: Organisation

Bild: Das Inquisitionstribunal in einer Illustration von Francisco de Goya

Der Aufbau der Behörde geht auf den ersten Generalinquisitor (Die Begriffe Generalinquisitor und Großinquisitor werden in der spanischen Literatur synonym verwendet.) für Kastilien und Aragón Tomás de Torquemada zurück. Das Grundschema blieb über die Jahrhunderte in etwa erhalten. Die Anzahl der Bezirke und der Mitglieder schwankte dabei in engen Grenzen.

Generalinquisitor

An der Spitze der Spanischen Inquisition stand der Generalinquisitor. Er erhielt sein Amt dadurch, dass er von dem Monarchen vorgeschlagen und vom Papst ernannt wurde. Rechtlich gesehen war der Generalinquisitor ein Beauftragter des Papstes. Er war ein ausführendes Organ des Kirchenrechtes.

Als ersten Generalinquisitor für die Länder der Krone von Aragón benannte König Ferdinand 1483 den Dominikaner Tomás de Torquemada, der seit Februar 1482 als Inquisitor in Sevilla tätig gewesen war. 1488 übernahm er in Personalunion auch das Amt des Generalinquisitors für die Länder der Krone Kastiliens. Die Ämter wurden anschließend mehrfach getrennt besetzt, aber auch in Personalunion verwaltet. Nach dem Regierungsantritt König Karls I., dem späteren Kaiser Karl V., wurden 1518 die beiden Ämter offiziell dauerhaft unter dem damaligen Generalinquisitor und späteren Papst Hadrian von Utrecht zum Amt des Generalinquisitors für ganz Spanien vereinigt.

Autodafé

Autodafé auf der Plaza Mayor in Madrid am 30. Juni 1680 (Gemälde von Francisco Rizi, 1683)

Den Abschluss eines Prozesses der Spanischen Inquisition bildete das Autodafé, bei dem die Urteile einer Vielzahl von Prozessen öffentlich verkündet wurden. Das Autodafé stand als Symbol für das Jüngste Gericht. Seine feierliche Inszenierung gilt als besonderes Merkmal der Spanischen Inquisition. Es fand üblicherweise in Anwesenheit aller weltlichen und geistlichen Würdenträger und der gesamten Bevölkerung des Gerichtsbezirkes statt. Das Abhalten eines Autodafés musste acht Tage vorher angekündigt werden. In den meisten Fällen war das als Volksfest gefeierte Ereignis aber bereits erheblich früher bekannt. Bei dem Autodafé, das im Mai 1559 in Valladolid veranstaltet wurde, sollen neben mehreren Mitgliedern der königlichen Familie 200.000 Personen anwesend gewesen sein.

Auf dem Autodafé wurden die Urteile verlesen und das öffentliche Abschwören oder die Versöhnung durchgeführt. Die Ausführung der Strafen, z. B. Erteilen von Peitschenschlägen oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, fand auf einer getrennten Veranstaltung statt.

Die Tätigkeit der Inquisition

Die Tätigkeit der Spanischen Inquisition richtete sich hauptsächlich gegen getaufte Juden und Muslime. In den ersten Jahren des Bestehens der Einrichtung waren mehr als 90 % der Angeklagten Conversos also Personen, die vom jüdischen zum christlichen Glauben konvertiert waren. Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts überstieg dann die Zahl der Prozesse gegen Moriscos, also Personen, die vom muslimischen zum christlichen Glauben konvertiert waren, die der Prozesse gegen Conversos. Die Bekämpfung der Lutheraner durch die Spanische Inquisition wird dagegen eher als eine Randerscheinung angesehen.

Die Ausweisung der Juden und die Verfolgung der Conversos

Der Grund für die Einrichtung der Spanischen Inquisition war die im Verlauf des 15. Jahrhunderts zunehmende Anzahl von Personen, die vom jüdischen zum christlichen Glauben konvertiert waren, den Conversos. Diese standen häufig unter dem Verdacht, nicht wirklich bekehrt zu sein und heimlich religiöse Handlungen ihrer abgelegten Religion zu vollziehen. Während anfänglich wirkliche Überzeugung oder sozialer Druck zur Konversion führten, hatten die Juden nach dem Alhambra-Edikt vom 31. März 1492 nur noch die Wahl zwischen Taufe und Exil. Man schätzt, dass bis 1520 gegen etwa 10 % der etwa 25.000 Conversos Inquisitionsprozesse angestrengt wurden.

In der Zeit zwischen 1480 und 1530 befasste sich die Spanische Inquisition insbesondere mit den von der jüdischen Religion zum Christentum konvertierten „Conversos“. Wahrscheinlich fielen insgesamt zwischen 50 und 75 Prozent aller Verfahren der dreihundertjährigen Inquisitionsgeschichte in die ersten fünfzig Jahre. Die Schätzungen der in dieser Zeit zum Tod Verurteilten schwanken zwischen 1500 für ganz Spanien und 12.000 allein für Kastilien.

Zwischen 1484 und 1530 wurden in Valencia von 2160 angeklagten Conversos, denen vorgeworfen wurde, weiter den jüdischen Glauben zu praktizieren, 909 dem weltlichen Arm überstellt und von diesem hingerichtet.

Die Ausweisung bzw. Zwangstaufe der Muslime

1502, zehn Jahre nach der Vertreibung der Juden, wurden alle Muslime Kastiliens vor die Alternative gestellt, sich entweder taufen zu lassen oder auszuwandern. Für Aragón verfügte König Karl I. 1525 die Zwangstaufe aller Muslime. Wie bei den Conversos bestand auch bei den konvertierten Muslimen, den Moriscos, der Generalverdacht, keine überzeugten Christen zu sein und im Geheimen die Riten ihrer alten Religion zu praktizieren.

Die Unterdrückung des Protestantismus

Bild: Zeitgenössische Illustration eines Autodafés in Valladolid, bei dem am 21. Mai 1559 vierzehn Protestanten hingerichtet wurden.

Die Lutheraner hatten bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts kaum Anhänger in Spanien. Auf Betreiben des zurückgetretenen Kaisers Karl V., für den die Bekämpfung des Protestantismus nicht nur eine Frage des Glaubens, sondern eine Frage der Politik war, spielte die Verfolgung dieser Art von Abweichung vom römischen Katholizismus zwischen 1559 und 1566 auch bei der Spanischen Inquisition eine Rolle. Man geht von etwa 100 Todesurteilen bei dieser Gruppe aus.

Bei den zwischen 1560 und 1620 verfolgten Protestanten lag die Hinrichtungsquote bei etwa 10 Prozent.

Im Bereich der Krone von Aragón wurden zwischen 1570 und 1630 923 Männer wegen homosexueller Handlungen (Sodomie) angeklagt; davon wurden 170 zum Tod und 288 zu Galeerendienst verurteilt.

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Das Ziel einer Gegenreformation führte zu anhaltenden militärischen Konflikten mit den Niederlanden (Achtzigjähriger Krieg 1568–1648) und England (Englisch-Spanischer Krieg 1585–1604), gegen das er 1588 vergeblich die Armada aussandte. Bedingt durch die enormen Gold- und Silberlieferungen aus den amerikanischen Besitzungen erlangte das spanische Weltreich unter Philipp den Höhepunkt seiner globalen Vormachtstellung, was auch zu einer hohen Blüte von Kunst und Kultur führte (Siglo de Oro). Aufgrund der zahlreichen militärischen Konflikte war Spanien aber gegen Ende seiner Regierungszeit bereits im Niedergang begriffen und es musste dreimal den Staatsbankrott erklären (1557, 1575 und 1596).

Im Achtzigjährigen Krieg (auch Spanisch-Niederländischer Krieg, spanisch guerra de Flandes, niederländisch Tachtigjarige Oorlog) von 1568 bis 1648 erkämpfte die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone und damit vom Haus Habsburg. Mit seinem Ende schieden die nördlichen Niederlande aus dem Verband des Heiligen Römischen Reichs aus. Der südliche Teil der Niederlande blieb dagegen bei Spanien; im 19. Jahrhundert ging daraus Belgien hervor. Die Niederlande wurden damit dauerhaft geteilt.

Der Krieg entwickelte sich aus einem Aufstand der Niederländer gegen den spanischen und katholischen Landesherrn Philipp II., der vor allem von Calvinisten ausging. Nachdem die Spanier den ersten Aufstand noch hatten niederschlagen können, entwickelten sich ab 1572 abermals Unruhen, die nach und nach das ganze Land erfassten. Mit Ausnahme eines zwölfjährigen Waffenstillstands in der Zeit von 1609 bis 1621 dauerten die Kämpfe bis 1648 an. Schließlich erkannte Spanien die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande im Westfälischen Frieden offiziell an.

Der englisch-spanische Krieg von 1585 bis 1604 wurde insbesondere als Seekrieg geführt. Ursachen waren die wachsenden religiösen, ökonomischen und politischen Gegensätze. Diese manifestierten sich in der Unterstützung der englischen Katholiken durch Spanien und umgekehrt in der englischen Hilfe für die aufständischen Niederländer in der ersten Phase des achtzigjährigen Krieges. Das Eindringen englischer Kaufleute und Piraten in die spanische Interessensphäre in Westindien trugen das ihre zur Verschärfung der Gegensätze bei. Als Beginn des nie offiziell erklärten Krieges gilt die Unterstützung der aufständischen Niederländer 1585 durch englische Truppen und der englische Überfall auf spanische Besitzungen in Westindien. Der Höhepunkt des Krieges war der gescheiterte Invasionsversuch der spanischen Armada 1588. Eine englische Armada unternahm 1589 einen Gegenangriff auf Lissabon mit einem vergleichbaren Aufwand an Schiffen und Soldaten, auch dieser blieb erfolglos. Es kam noch zu weiteren ähnlichen englischen Unternehmen gegen spanische Kolonien in Übersee (Westindien 1595) oder gegen die iberische Halbinsel (Eroberung von Cádiz 1596) selbst. Die Spanier versuchten ihrerseits mehrfach, Truppen in Irland zur Unterstützung der dortigen Aufständischen gegen die Engländer zu landen. Dies gelang erst 1601 am Ende des neunjährigen Krieges, ohne dass dem Unternehmen ein Erfolg beschieden war. Während des gesamten Verlauf des Krieges spielten neben den größeren Unternehmungen Kaperfahrten kleiner Verbände oder einzelner Schiffe eine wichtige Rolle. Der Krieg endete mit dem Vertrag von London im Jahr 1604.

Als repräsentativen Herrschaftssitz ließ Philipp den Klosterpalast Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial errichten. Sein Wahlspruch lautete Non sufficit orbis („Die Welt ist nicht genug“), womit er das Motto Plus Ultra („Immer weiter“) seines Vaters übertraf. Nach 42-jähriger Regierung verstarb Philipp II. am 13. September 1598.

Der Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial („Königlicher Sitz des hl. Laurentius von El Escorial“) ist eine Palast- und Klosteranlage, die in den Jahren 1563 bis 1584 auf Initiative des Königs Philipp II. von Spanien nach Plänen von Juan Bautista de Toledo und unter langjähriger Bauleitung von Juan de Herrera in der zentralspanischen Ortschaft San Lorenzo de El Escorial im Nordwesten der Region Madrid errichtet wurde. Die Klosterburg ist der größte Renaissancebau der Welt und gehört seit dem Jahr 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Geschichte

Nachdem Philipp II. von Spanien am 10. August 1557, dem Fest des heiligen Laurentius (spanisch San Lorenzo) in der Schlacht von Saint-Quentin den französischen König Heinrich II. besiegt hatte, gelobte er, zu Ehren des Heiligen ein Kloster zu bauen. Seine Astrologen wählten den kleinen kastilischen Ort El Escorial („die Schutthalde“) aus.

Am 23. April 1563 begannen die Bauarbeiten, die bis zum 13. September 1584 dauerten. Granitblöcke aus der Sierra de Guadarrama wurden für den Bau verwendet. Entworfen wurde El Escorial von Juan Bautista de Toledo, einem Schüler Michelangelos. Nach dessen Tod 1567 übernahm Juan de Herrera die Nachfolge und wurde so zum eigentlichen Erbauer des Escorial. Von Gicht geplagt, regierte Philipp II. von hier aus.

Philipps Nachfolger nutzten den Palast von El Escorial nur ungern – für eine festgelegte Zeit des Jahres war ihnen die Anlage jedoch durch das Hofprotokoll als Residenz zugewiesen. In der barocken Gruft, die im Jahr 1654 von Juan Gómez de Mora erweitert wurde, sind fast alle spanischen Könige von Karl I. bis Alfons XIII. bestattet. Karl IV., dem die Strenge des Palastes nicht gefiel, baute Ende des 18. Jahrhunderts in der Nähe ein Lustschloss im maurischen Stil, die Casita del Príncipe. Seit 1861 ist El Escorial keine königliche Residenz mehr.

Architektur

Das Bauwerk wirkt trotz seiner Länge von 207 m und einer Breite von 161 m nicht wie ein typischer Palast. Die Fassaden sind wegen der Vorliebe Philipps II. für einen asketischen Lebensstil im nüchternen Stil der spanischen Renaissance gestaltet. Zum Gebäudekomplex gehören eine Kirche (über einem Quincunx-Grundriss im Mailänder Schema errichtet), ein dem hl. Laurentius geweihtes Kloster des Ordens der Hieronymiten (heute in der Obhut der Augustiner[2]), der eigentliche Königspalast, eine Schule und eine Bibliothek. Der Bau gilt als Hauptbeispiel für den Desornamentado-Stil (Herrera-Stil). Auf einer Grundfläche von 33.000 m², die nur vom Vatikanpalast übertroffen wird, gibt es 2000 Gemächer mit 3000 Türen und 2673 Fenstern, außerdem 16 Höfe, 12 Kreuzgänge, 88 Brunnen und 86 Treppenaufgänge. Der Grundriss hat die Form eines Gitters, zu Ehren des heiligen Laurentius, welcher der Überlieferung nach auf einem Feuerrost das Martyrium erlitt.

Bibliothek

Historischer Bibliothekssaal

Die Bibliothek ist in einem der größten Säle des Palastes mit prunkvollen Deckenfresken untergebracht; sie beherbergt über 40.000 Bücher, darunter zahlreiche mittelalterliche Handschriften einschließlich lateinischer, griechischer und arabischer Manuskripte. König Philipp II. ließ sie 1567 anlegen und in ihr etwa 4000 Bände seiner Privatsammlung unterbringen. In der Folge kam es zu bedeutenden weiteren Schenkungen an die Escorial-Bibliothek, die 1587 bereits etwa 18.000 Bände umfasste. Allerdings vernichtete 1671 ein Großbrand einen beträchtlichen Teil des Bücherstandes.

Königspalast

Hier sind Porzellan, Möbel und Wandteppiche zu besichtigen. Die berühmtesten Kämpfe der Spanier gegen die Araber und aus der Regierungszeit Philipps II. (Saint-Quentin) sind im 55 m langen Schlachtensaal dargestellt.

Architekturmuseum und Pinakothek

Das Architekturmuseum beherbergt eine Dokumentation der 21-jährigen Bauarbeiten. Der Sommerpalast Philipps II. besitzt eine wertvolle Gemäldesammlung mit Werken von Tizian, El Greco, Albrecht Dürer und besonders Hieronymus Bosch, dem Lieblingsmaler Philipps II.

Kirche

Die Fassade der monumentalen Kirche erhebt sich im Königshof, dem Haupteingang gegenüber. Über der Dreiportalanlage wachen die Standbilder von sechs biblischen Königen. Rechts und links des Eingangs stehen die beiden 72 m hohen Glockentürme. Die Höhe der Kuppel der Kirche beträgt 90 m. Im Inneren der Kirche gibt es 40 Altäre; der Hochaltar ist aus rotem Marmor und Jaspis gefertigt. An den beiden Seiten des Hochaltars befinden sich die Grabmäler Philipps II. und Kaiser Karls V. und ihrer Familien. Die Sakristei verwahrt unter anderem über vierzig wertvolle Gemälde, darunter Werke von Tizian und El Greco. Die als Pantheon bezeichnete Krypta unter der Kirche, ein Kuppelbau aus schwarzem Marmor, ist die Grablege der meisten spanischen Herrscher, beginnend bei Karl V.

Plus Ultra ist die Devise des spanischen Wappens.

Von alters her galten die Säulen des Herakles als Grenze der bewohnbaren Welt, dies war ein Non plus ultra (hier ging es nicht mehr weiter). Als die spanischen Könige im Laufe des 16. Jahrhunderts begannen, ihr Weltreich mit den Besitzungen in Amerika aufzubauen, verstießen sie ihrer Ansicht nach erfolgreich gegen die Mahnung des „nicht mehr weiter“ und modifizierten den Spruch in Plus Ultra (deutsch: „Darüber hinaus“, „Immer weiter“). Sie setzten die Säulen des Herakles mit einem Spruchband und dem Plus Ultra in das Wappen Spaniens, wo sie bis heute als eine Art Schildhalter dienen.