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Peter Burg Werke

Vorlesung

Vorlesung Wintersemester 2018/19

Islam und Christentum in der Frühen Neuzeit

Vorlesung

Die Vorlesung handelt von der frühneuzeitlichen Expansion des Islam in bis dahin christliche Territorien. Ein zentrales Thema sind die Lebens- und Existenzbedingungen von Christen und Mohammedanern im Kontext des sich ausdehnenden Osmanischen Reiches.  Es geht um Unterwerfung, Anpassung, Eigenständigkeit, Binnen- und Auswanderung der christlichen Bevölkerungsminderheit sowie um Mentalität und soziale Stellung der sich zum Islam bekennenden Majorität. Ein weiteres Thema ist die Verschränkung von Innen- und Außenpolitik. Als apokalyptische Zeitenwende wurde die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 empfunden. Sultan Mehmed II. strebte darüber hinaus nach der römischen Kaiserkrone, wollte aber auch einen kulturellen Austausch mit Europa. Bei Katholiken wie bei Protestanten galten die Türken als Erzfeinde des Christentums, die es zu bekämpfen galt. Nach der erfolgreichen Abwehr einer Eroberung Wiens durch die Osmanen (1683) schwand in Europa das Gefühl einer existentiellen Bedrohung. Fortan intensivierten sich diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Orient und Okzident. In der Vorlesung soll deutlich werden, dass das Verhältnis von Islam und Christentum damals wie heute eine weltgeschichtliche Bedeutung besaß.

Literaturhinweise: Bat Ye‘or, Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam: Vom Dschihad zum Schutzvertrag – 7. bis 20. Jahrhundert, Gräfelfing 2002, 2. Aufl. 2005; Patrick Franke, Der Islam: Staat und Religion im Europa der Neuzeit (Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte Mainz), 2012.

Zeit: dienstags und mittwochs, 10-12 Uhr,

Ort: Gewünschter Raum: Orléansring 12, SRZ 204

Beginn: 23.10.2018

Ende: 16.01.2019

Veranstaltung vom 23.10.2018

Der Fall Konstantinopels 1453

Die Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 durch ein etwa 80.000 Mann starkes Belagerungsheer des osmanischen Sultans Mehmed II. beendete das Byzantinische Reich. Die Verteidigung der Stadt oblag Kaiser Konstantin XI., der etwa 7.000–10.000 Soldaten zur Verfügung hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach während des letzten Sturms auf die Stadt fiel.

< Mehmed II. ( İA Meḥemmed b. Murād; * 30. März 1432 in Edirne = Edirne, früher Adrianopel (bulgarisch Одрин Odrin, neugriechisch Αδριανούπολις Adrianoúpolis), ist mit 152.000 Einwohnern die westlichste Großstadt der Türkei. Sie liegt im bulgarisch-griechisch-türkischen Dreiländereck, in Ostthrakien, dem europäischen Teil der Türkei. Die ehemalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches ist heute das Verwaltungszentrum einer gleichnamigen Provinz.; † 3. Mai 1481 bei Gebze= Gebze (antiker Name Libyssa; altgriechisch Λίβυσσα; alte Namen Gekbuze, Ghviza, Gavize, Gebize) ist eine türkische Industriestadt am Marmarameer in der Provinz Kocaeli, Gebze liegt heute am anatolischen Stadtrand von Istanbul. In der Umgebung der Stadt finden sich zahlreiche Industrieanlagen), genannt Ebū ʾl-Fetḥ  ‚Vater der Eroberung‘) und postum Fātiḥ (‚der Eroberer‘), war der siebte Sultan des Osmanischen Reiches. Er regierte von 1444 bis 1446 und dann von 1451 bis zu seinem Tod. Am 29. Mai 1453 eroberte er Konstantinopel und besiegelte damit das Ende des Byzantinischen Reiches. Aufgrund seiner zahlreichen Eroberungen kann er neben Osman I. als zweiter Gründer des Osmanischen Reiches bezeichnet werden, für das er die territoriale, ideologische und ökonomische Basis schuf.

Mehmed II. wurde als vierter Sohn Sultan Murads II. am 30. März 1432 geboren.Seine Mutter Hüma Hatun war eine Sklavin unbekannter Herkunft. Die beiden älteren Halbbrüder Ahmed (* 1420) und Alâeddin Ali (* 1430) starben in den Jahren 1437 und 1443 unter ungeklärten Umständen.

Dem Kind Mehmed wird ein ungestümer und aufbegehrender Sinn zugeschrieben. Er weigerte sich zu gehorchen und Belehrungen anzunehmen. Lehrerfolge blieben zunächst gering. Vor allem die Unterrichtung in Glaubensfragen und in der Koranlesung fruchtete kaum. Daher gab Murad II. seinen Sohn in die Obhut von Molla Ahmed Gürânî, der in Kairo Rechtswissenschaft und Korankunde studiert hatte. Ihm soll Murad II. sogar ein Züchtigungsrecht erteilt haben, das Gürânî auch ausübte. Als weiterer Erzieher wird Molla Hamideddin, späterer Professor in Bursa und Istanbul, genannt.

Der Tod des Prinzen Alâeddin Ali im Jahr 1443 versetzte Mehmed als Elfjährigen in die Rolle des Thronfolgers. Er wurde nach Edirne an die Seite seines Vaters geholt, um in die Regierungsgeschäfte Einblick zu bekommen. Mit der Einsetzung als Sultan 1444 bekam er die beiden Lālā <= Mentoren, Beschützer> Zağanos und Nişancı İbrahim, den Beylerbey von Rumelien <Provinzgouverneur> Şehâbeddin Pascha sowie den Großwesir Çandarlı II. Halil Pascha und den Heeresrichter Molla Hüsrev zugeordnet. Während Zağanos, İbrahim und der Hämling (ḫādim) Şehâbeddin eher kriegstreiberischen Einfluss nahmen, versuchte der Großwesir mäßigend auf Mehmed einzuwirken, der sich schon in dieser Zeit die Eroberung Konstantinopels zum Ziel setzte[3], angeregt von der Lektüre legendenhafter, türkisch und arabisch abgefasster Viten Alexanders des Großen und Cäsars. Zwischen Mehmed und dem Großwesir ergaben sich immer wieder ernste Konflikte, unter anderem, weil sich Mehmed, wie italienische und osmanische Quellen berichten, 1444 von dem Gedankengut eines persischen, namentlich unbekannten Sendboten der Ḥurūfī-Sekte beeinflussen ließ, der eine Aussöhnung von Islam und Christentum im Sinne des Scheichs Bedreddin propagierte. Die Auseinandersetzung zwischen Mehmed auf der einen und Halil Pascha und dem Mufti Fahreddin auf der anderen Seite endete mit der Hinrichtung des von Mehmed begünstigten Sendboten. Durch diesen Vorgang wird Mehmeds Hinneigung zu heterodoxen religiösen Meinungen bestätigt, die lebenslang bestehen blieb und Mehmeds religiöse Unterrichtserfolge infrage stellte.

Mehmeds Ausbildung dienten auch seine betreuten Statthalterschaften und seine Teilnahme an den Kriegszügen seines Vaters, nachdem dieser 1446 das erste Sultanat Mehmeds beendet hatte.

Weitgehenden Einfluss als Lehrer und Berater übte der – auch von Murad II. geschätzte – islamische Gelehrte und Heiler Scheich Akşemseddin spätestens seit 1451 auf Mehmed aus. Er motivierte und unterstützte den Sultan in seinem Vorhaben, Konstantinopel zu erobern. Seiner Meinung nach hatten Mehmed und die Osmanische Armee das Potenzial, die vom Propheten Mohammed einem Hadith zufolge gelobten Akteure dieser Eroberung zu sein. Der Hadith lautet:

„Wahrlich, Konstantinopel wird erobert. Wie vortrefflich ist der Befehlshaber, der Befehlshaber [von Konstantinopel]! Und wie vortrefflich ist das Heer, jenes Heer [das Konstantinopel erobert]!“

Mehmeds Weg zur Macht

Als sich Murad II. in der Zeit um den 1. September 1444 vom Sultanat zurückzog, berief er Mehmed, der schon seit dem Frühjahr 1444 bei ihm in Edirne weilte und in die Regierungsgeschäfte Einblick nehmen konnte, zum Reichsstatthalter Rumeliens mit Sitz in Edirne und gebot in einer Erklärung vor den Kapıkulu und Paschas in der Ebene von Mihalıç, künftig seinen Sohn Mehmed als Padischah zu betrachten. Dadurch wollte er verhindern, dass der in Konstantinopel unter der Obhut des Kaisers weilende Prinz Orhan als Prätendent Thronansprüche stellen konnte.

Manisa, Sitz Mehmeds als Statthalter und Ruhesitz Murads II., Miniatur aus dem Şemāʾil-nāme-ʾi Āl-i ʿOs̲mān von Talikizâde

Mehmed II. tritt 1451 seine erneute Herrschaft in Edirne an, Miniatur aus dem Hüner-nāme

Da die Ungarn den wenige Monate zuvor im Beisein Mehmeds geschlossenen Frieden im Herbst 1444 brachen und zusammen mit einem Kreuzritterherr anrückten, sah Murad II. sich gezwungen, in Mehmeds Regierungsgeschäfte einzugreifen und den Feldzug gegen das christliche Heer anzuführen. Nach der gewonnenen Schlacht bei Warna überließ er Mehmed schließlich das Sultanat, zog sich ganz von den Herrscherpflichten zurück und richtete seinen Ruhesitz in Manisa ein.

Als sich die Janitscharen im Jahr 1446, vorgeblich einer Solderhöhung wegen, gegen den jungen Sultan auflehnten, kam es zu verheerenden Bränden in Edirne, und Şehâbeddin Pascha entkam nur knapp den vermutlich vom Großwesir Halil Pascha aufgewiegelten Soldaten. Die Revolte (Buçuk-Tepe Vaḳʿası) – die erste in der Geschichte der Janitscharen – endete mit einer Erhöhung des Tagessolds um einen halben (buçuk) Akçe und führte zur erneuten Thronbesteigung Murads II., der vom Großwesir gerufen worden war. Murad II. schickte seinen Sohn wieder als Gouverneur nach Manisa, beteiligte ihn aber mehrmals an Kriegszügen wie beispielsweise 1448 als Truppenführer bei der Schlacht auf dem Amselfeld. Nach dem Tod seines Vaters wurde Mehmed am 18. Februar 1451 in Edirne als Sultan Mehmed II. inthronisiert. Ob die Herrschaftsübernahme Mehmeds II. völlig reibungslos verlief, lässt sich nicht abschließend beantworten. Während Chalkokondyles über einen letztlich vom Großwesir verhinderten Aufstand (der Janitscharen?) berichtet, findet sich in osmanischen Chroniken kein Hinweis auf derartige Unruhen.

Militärische Kampagnen

Mehmeds II. militärische Kampagnen erneuerten und festigten die osmanische Hegemonialherrschaft auf der Balkanhalbinsel und in Anatolien. Damit gelang ihm die Errichtung und Sicherung eines großen osmanischen Imperiums, an dessen Verwirklichung Bayezid I. in der Schlacht bei Ankara 1402 gescheitert war. Seine meist erfolgreichen Feldzüge wurden durch eine geschickte Bündnis- und Friedenspolitik ergänzt. Mehmeds erstes, großes Ziel war die Eroberung Konstantinopels, das als Rest des byzantinischen Reiches und Enklave innerhalb der osmanischen Besitzungen an der geographischen Schnittstelle der beiden Landmassen Anatoliens und des Balkans lag.

Familienleben

Bayezid folgte seinem Vater Murad I. auf den Thron, nachdem dieser 1389 bei der Schlacht auf dem Amselfeld getötet worden war. Sofort ließ er seinen Bruder Yakub ermorden und begründete damit eine lange Tradition: Der Brudermord beim Amtsantritt war bei den Sultanen des Osmanischen Reiches bis ins 17. Jahrhundert gängig.[1] Seine Mutter war die Valide Sultan Gülçiçek Hatun, die aus Griechenland stammte. Bayezid heiratete zuerst Devlet Schah Khatun, Tochter des Emirs von Germiyan, zu deren Mitgift Kütahya und angrenzende Territorien gehörte. Sie war die Mutter Mehmeds I., der 1413 das Osmanische Reich wiederherstellte. Zwei Jahre vor seiner Thronbesteigung heiratete Bayezid eine Tochter des byzantinischen Kaisers Johannes Palaiologos. Er war zudem mit Olivera Despina vermählt.

Die Eroberung von Konstantinopel

Die Belagerung Konstantinopels durch die Türken, Miniatur aus Voyage d’Outremer von Bertrandon de la Broquière, 1455

Bereits unter Mehmeds Vater Murad II. hatte sich das Osmanische Reich nach einer Krisenphase konsolidiert. Auf dieser Grundlage konnte Mehmed die Offensive gegen Konstantinopel verstärken. Um sich den Rücken frei zu halten, schloss er zunächst 1452 Friedensverträge mit Ungarn und Venedig. Dank den gut ausgebildeten und stets weiterentwickelten Artillerie-Einheiten der Topçu[48] fiel die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches am 29. Mai 1453 und wurde kurz danach von Mehmed zum Thronsitz des Osmanischen Reiches erklärt: من بعد تختم استنبولدر / min-baʿd taḫtım İstanbuldur / ‚fürderhin ist mein Thronsitz Istanbul‘.

Herrschertitulatur für Sultan Mehmed II. auf einer Inschrift von 1478 an der Großherrlichen Pforte (Bāb-ı Hümāyūn) des Topkapı-Palastes, Entwurf von Alî b. Yahya.

Durch diese Tat erhielte Mehmed II. in der islamischen Welt ein beispielloses Charisma und konnte so dem mamelukischen Sultan von Ägypten gegenüber behaupten, nunmehr der Einzige in der islamischen Welt zu sein, der das Schwert des Glaubenskampfes (ġazā) in Händen halte. In der Folge wurde er als der in Mohammeds Hadith erwartete Befehlshaber betrachtet und ließ sich auch als ابو الفتح / Ebū ʾl-Fetḥ / ‚Vater der Eroberung‘ bezeichnen. Er selbst sah sich nun als „Kaiser der Römer“ (قیصر روم / Ḳayṣer-i Rūm) und stellte sich damit ganz bewusst in die Kontinuität des Reiches der Rum-Seldschuken und des Oströmischen Reiches.

Zwar hatte Konstantinopel, als es Mehmed zufiel, als östliches Kaisertum und Gegenpol zum westeuropäischen Kaisertum keine machtpolitische Bedeutung mehr, sein Fall löste aber dennoch eine Schockwelle des Entsetzens in Europa aus. Mit dem Ende des christlichen Ostroms hatte die bisher gültige Zweistaatenlehre keinen Bestand mehr. Nach eschatologischer Ausdeutung dieser Weltreichslehre konnte damit das vorhergesagte Auftreten des Antichristen einhergehen. Die Namensgleichheit Mehmeds II. mit dem Propheten Mohammed erleichterte dabei die Einbindung des Antichristmodells in den politischen und religiösen Türkendiskurs. Die Eroberung Konstantinopels verstärkte die Angst der Christenheit vor der Türkengefahr und wurde als eine, die gesamteuropäische Öffentlichkeit bewegende, epochale Zeitenwende empfunden. Diese Bedrohung durch das Reich Mehmeds II. führte zu dem nochmaligen Versuch, den Kreuzzugsgedanken zu beleben.>

<Konstantinos XI. Palaiologos (Konstantínos Dragásis Paleológos Κωνσταντῖνος Δραγάσης Παλαιολόγος, * 9. Februar 1404 in Konstantinopel; † 29. Mai 1453 in Konstantinopel) war von 1448 bis 1453 der letzte byzantinische Kaiser und starb bei der Verteidigung Konstantinopels. Der von ihm bevorzugte Zuname Dragases leitet sich vom serbischen Adelsgeschlecht Dragaš seiner Mutter Helena Dragaš ab. Konstantinos war der Nachfolger seines Bruders Johannes VIII. Palaiologos.

(Johannes VIII. Palaiologos (griechisch Ἰωάννης Η’ Παλαιολόγος, * 1392 in Konstantinopel; † 31. Oktober 1448) war ein Sohn Manuels II. und als dessen Nachfolger seit 1425 byzantinischer Kaiser.

Territoriale Situation des Byzantinisches Reiches um 1450; der direkt angrenzende, hellgrüne Teil stellt das Gebiet des Osmanischen Reiches dar.

1422 und 1442 widerstand Konstantinopel der Belagerung durch die Osmanen unter Murad II. Um sich vor ihnen zu schützen, besuchte Johannes den römischen Papst Eugen IV. und versuchte, eine Einigung zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche zu finden, was 1439 auf dem Unionskonzil von Ferrara–Florenz in Florenz vertraglich festgelegt wurde. Die Kirchenunion war jedoch ein Fehlschlag.

Johannes VIII. war dreimal verheiratet. Seine erste Gattin war von 1414 bis 1417 Anna von Moskau (1393–1417), die Tochter des russischen Großfürsten Wassili I. 1421 vermählte er sich in zweiter Ehe mit Sophia von Montferrat oder Sofia Paleologa (ca. 1399–1434), der Tochter des Markgrafen Theodor II. von Montferrat. Sie war angeblich sehr hässlich, und Johannes VIII. vernachlässigte sie und verstieß sie schließlich im August 1426. Gut ein Jahr später, im September 1427, heiratete der byzantinische Kaiser zum dritten und letzten Mal, diesmal Maria von Trapezunt, die Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios IV. von Trapezunt, die 1439 starb. Aus keiner von Johannes’ Ehen gingen Kinder hervor; daher folgte ihm 1448 sein Bruder Konstantin XI. nach.)

Konstantinos war das achte von zehn Kindern seines Vaters Manuel II. Palaiologos und seiner Mutter Helena Dragaš und wuchs unter beider Obhut in Konstantinopel auf. Von 1437 bis 1439 war er Regent in Konstantinopel für seinen abwesenden Bruder, Kaiser Johannes VIII. Palaiologos. Vor seiner eigenen Kaiserschaft war Konstantinos der Despot der byzantinischen Provinz Morea auf der Halbinsel Peloponnes, wo er die letzten Relikte der fränkischen Fremdherrschaft beseitigte. Nach dem Tod seines Bruders im Oktober 1448 wurde er Kaiser und am 6. Januar 1449 noch in der Despotatshauptstadt Mistra gekrönt, um eventuellen osmanischen Einsprüchen zuvorzukommen. Dennoch war zu diesem Zeitpunkt der Untergang des Reiches so gut wie besiegelt.

Die osmanischen Türken unter Sultan Mehmed II. hatten bereits fast ganz Kleinasien erobert. Nur ein kleines Gebiet um Konstantinopel und ein schmaler Küstenstreifen entlang der östlichen Schwarzmeerküste waren neben der Morea und einigen ägäischen Inseln die letzten verbliebenen Gebiete des byzantinischen Reiches. Der Sultan bot dem Kaiser die Herrschaft über die Morea an, die er ablehnte. Im Jahr 1452 begann die osmanische Armee mit den Vorbereitungen zur Belagerung, die schließlich am 2. April 1453 begann. Am 29. Mai 1453 bereiteten sich der Kaiser, die oströmischen Soldaten und fünfhundert auf Schiffen eingetroffene Genueser, die von den Byzantinern begeistert empfangen wurden, auf den letzten Kampf vor und beteten noch ein letztes Mal in der Hagia Sophia, ehe die Osmanen angriffen. Es war ein harter und verlustreicher Kampf, aber die Osmanen verfügten über Mineure und eine Kanone extrem großen Kalibers (75 cm), die kurz zuvor erst von einem ungarischen Kanonengießer erfunden worden war. Nach einigen Historikern war sie wegen der zu geringen Menge an Geschossen und Problemen mit dem eigenen gewaltigen Rückstoß nicht siegentscheidend. Ein kleines Nebentor (die Kerkaporta nahe Blachernae), das nicht verriegelt und möglicherweise durch den Kanonenbeschuss blockiert war, war von den Verteidigern übersehen worden und gewährte den Angreifern Einlass. Die Byzantiner verloren letztlich den Kampf. Kaiser Konstantinos XI. wurde heroisch kämpfend an den Toren der Hauptstadt gesehen, sein Leichnam jedoch nie gefunden. Um ihn drehen sich seit Jahrhunderten Legenden und Mythen – eine Sage erzählt, dass der Eroberer Mehmed II. jeden Leichnam waschen und untersuchen ließ, bis man ihn angeblich fand (vor dem Kampf legte er sämtliche Abzeichen ab, nur die purpurnen Schuhe vergaß er). Was dann mit ihm geschah, ist unklar.

Konstantinos Tod und die Einnahme Konstantinopels bedeuteten den Untergang des byzantinischen Reiches und des letzten christlichen Bollwerks gegen das osmanische Großreich. Am Schwarzen Meer in Kleinasien existierte noch das kleine Kaiserreich Trapezunt, das christlich und byzantinisch-griechisch geprägt war. 1461 wurde auch dieses von den Osmanen erobert, was das vollständige Ende der christlichen Herrschaft in Kleinasien bedeutete.

Inoffizieller Heiliger

Konstantin wird von vielen orthodoxen Christen als Heiliger betrachtet. Offiziell ist er aber nie kanonisiert worden, da er weder einen besonders religiösen Lebenswandel geführt hatte noch der Tod in der Schlacht als spezielles Martyrium für die Orthodoxie angesehen wird.

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Der Untergang des Byzantinischen Reiches markiert zugleich den endgültigen Aufstieg des Osmanischen Reiches zur Großmacht. Sowohl in der türkischen als auch der westeuropäischen Rezeption kommt der Eroberung ein hoher symbolischer Wert zu; sie wird je nach Perspektive als Ausweis von imperialer Größe bzw. als Fanal für Zerfall und Untergang betrachtet. In der Geschichtsschreibung wird die Eroberung von Konstantinopel bisweilen als eines der Ereignisse genannt, die den Übergang vom europäischen Mittelalter in die Frühe Neuzeit oder auch die Renaissance markieren.

Bei der Eroberung von Konstantinopel trafen zwei Reiche mit völlig verschiedener Ausgangslage aufeinander. Das ehemals mächtige Byzantinische Reich (auch griechisches oder oströmisches Kaiserreich genannt) blickte auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück, war aber seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einem schleichenden Niedergang geprägt. Im Osten bedrängten die türkischen Seldschuken das Byzantinische Reich und leiteten mit dem Sieg in der Schlacht von Manzikert die schrittweise Eroberung Kleinasiens ein, was den allmählichen Verlust der bevölkerungsreichen „Kornkammer“ Anatolien bedeutete. Im Westen wurde das griechischsprachige und orthodoxe Byzanz von den „lateinischen“ Mächten des katholischen Europa, insbesondere Venedig, bedroht. Die Hauptstadt Konstantinopel, die in der sogenannten mittelbyzantinischen Epoche (etwa Mitte des 7. bis Anfang des 13. Jahrhunderts) schätzungsweise 400.000 bis 500.000 Einwohner hatte, war in ihrer Geschichte zwar mehrfach erfolglos belagert worden, fiel aber schließlich im Jahre 1204 während des Vierten Kreuzzugs in „fränkische“ Hände (→ Lateinisches Kaiserreich). Auch wenn die Stadt im Jahre 1261 wieder zurückerobert werden konnte, gelang eine Wiederherstellung des Reiches nur auf vergleichsweise bescheidenem Niveau. Es wurde zudem ab dem 14. Jahrhundert immer stärker vom Osmanischen Reich bedrängt. Zum Zeitpunkt der Belagerung 1453 hatte Konstantinopel nur noch schätzungsweise 40.000 Einwohner, das Byzantinische Reich bestand lediglich aus der Hauptstadt und ihrem weiteren Umland, einigen Inseln im nördlichen Teil der Ägäis (Lemnos, Samothraki und Imbros) sowie dem größten Teil der Peloponnes, dem sogenannten autonomen Despotat von Morea.

Das Osmanische Reich war im Gegensatz dazu erst im Jahre 1299 in Söğüt begründet worden und erlebte in den ersten hundert Jahren seines Bestehens eine enorme und fortwährende Expansion in Kleinasien und Europa. Diese geschah sowohl auf Kosten des Byzantinischen Reiches als auch der anderen türkischen Herrschaften (Beyliks). Nach einer Niederlage der Osmanen gegen Timur Lenk in der Schlacht bei Ankara im Jahre 1402 folgte bis 1413 ein Konflikt um die Thronfolge (sogenanntes Osmanisches Interregnum), in dem sich schließlich Mehmed I. durchsetzen konnte, der die Expansion des Osmanischen Reiches erneut vorantrieb. Ein erster Versuch seines Sohnes Murad II., Konstantinopel im Jahre 1422 zu erobern, musste aufgegeben werden. Nach einem langen und verlustreichen Krieg auf dem Balkan schloss Murad 1444 einen zehnjährigen Frieden mit seinen dortigen Feinden und verzichtete zugunsten seines erst vierzehnjährigen Sohnes Mehmed II. auf den Thron. Noch im gleichen Jahr nutzte Ungarn die vermeintliche Schwäche, um das Osmanische Reich anzugreifen. Murad kehrte aus dem Ruhestand zurück, schlug die Ungarn 1444 in der Schlacht bei Warna vernichtend und übernahm als Reaktion auf einen Aufstand der Janitscharen ab 1446 auch formal wieder die Herrschaft. Bis zu seinem Tod im Jahre 1451 gelangen ihm weitere Siege in Europa sowie in Kleinasien, so dass sein mittlerweile neunzehnjähriger Sohn ein innerlich stabiles und an den Grenzen gesichertes Reich übernahm.

<Die Janitscharen (osmanisch یكیچری اوجاغی, İA Yeñiçeri Ocaġı, „Janitscharenkorps“, wörtlich „Feuerstelle der neuen Truppe“) waren im Osmanischen Reich die Elitetruppe der Armee. Sie stellten die Leibwache des Sultans und erreichten höchste Positionen im osmanischen Staatswesen. Die Truppen hatten ihren Ursprung im 14. Jahrhundert und wurden 1826 aufgelöst.>

Während Murad II. im Alter ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zum tributpflichtigen Byzantinischen Reich unterhalten hatte, machte Mehmed II. kaum einen Hehl aus seinem Wunsch, Konstantinopel zu erobern. Schließlich erschwerte die eingeengte Lage Konstantinopels zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil des Osmanischen Reichs dessen weitere Ausdehnung. Vor allem der Transport von Truppen zwischen Europa und Asien gestaltete sich durch die christliche Dominanz zur See für die Osmanen schwierig. Zudem war Konstantinopel ein wichtiger Handels- und Warenumschlagplatz mit noch immer großen Reichtümern. Auch wenn der byzantinische Kaiser ein Vasall des osmanischen Sultans war, sicherte er doch die christliche Kontrolle über den Bosporus und dessen wichtige Handelsverbindungen (Seidenstraße) für westeuropäische, insbesondere italienische, Händler. Die italienischen Stadtstaaten, die die stärksten Konkurrenten des Osmanischen Reichs bei der Kontrolle des östlichen Mittelmeeres bzw. des Schwarzen Meeres darstellten, nutzten Konstantinopel als sichere Basis für ihre wirtschaftlichen und militärischen Operationen. Angesichts der durch die letzten Feldzüge Murads geschaffenen guten Ausgangslage schien die Gelegenheit für einen Angriff auf Konstantinopel günstig.

Vorbereitungen

Bau der Festung Rumeli Hisarı

Der Bau der Festung Rumeli Hisarı wurde von den Byzantinern als sichtbares Zeichen für die Vorbereitung eines Angriffs verstanden.

Etwa ein halbes Jahr nach seiner endgültigen Thronbesteigung unternahm Mehmed II. im Winter 1451 mit dem Befehl, Arbeitskräfte anzuwerben und Material für den Bau einer Festung am Bosporus zu sammeln, den ersten Schritt zur Eroberung der Stadt. Der Bauplatz an der engsten Stelle des Bosporus, gegenüber der bereits im Jahre 1393/94 von Sultan Bayezid I. errichteten Festung Anadolu Hisarı („anatolische Festung“), war strategisch gut gewählt, um den Schiffsverkehr vom und in das Schwarze Meer zu kontrollieren. Die Arbeiten an dem Rumeli Hisarı („europäische Festung“) genannten Bauwerk auf der byzantinischen Seite des Bosporus begannen am 15. April 1452 und waren am 31. August beendet. Bereits während der Bauarbeiten kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit Einwohnern Konstantinopels, die die Arbeiter bedrohten und auf eigene Faust versuchten, das Vorhaben zu sabotieren. Kaiser Konstantin versuchte derweil durch Briefe und Geschenke, Sultan Mehmed ebenfalls zu einer Einstellung der Arbeiten zu bewegen. Als schließlich zwei von ihm im Juni 1452 geschickte Gesandte von Mehmed geköpft wurden, konnte es auf byzantinischer Seite keine Zweifel mehr an den Intentionen des jungen Sultans geben.

Nach Fertigstellung der Festung am 28. August 1452 reiste Mehmed vor Konstantinopel, um der osmanischen Tradition gemäß die Stadt und ihre Wehranlagen drei Tage zu inspizieren. Anschließend begab er sich zurück nach Edirne, der damaligen Hauptstadt des Osmanischen Reiches, um sich den weiteren Vorbereitungen der Belagerung zu widmen. Noch vor seiner Abreise hatte er die neuerbaute Festung dem Befehl von Firuz Bey unterstellt und mit einer Besatzung von 400 Mann sowie zunächst einer Reihe von Bronzekanonen versehen. Er erteilte den Befehl, dass jedes passierende Schiff eine Passagegebühr zu zahlen habe; Schiffe, die sich weigerten, seien zu versenken. Diese Maßnahme sollte den osmanischen Herrschaftsanspruch quasi unmittelbar vor den Toren der byzantinischen Hauptstadt unterstreichen. Am 25. November 1452 kam es schließlich zum ersten Zwischenfall, als drei venezianische Schiffe, die aus dem Schwarzen Meer kamen, sich weigerten, die Gebühr zu entrichten. Während zwei der Schiffe dem Kanonenfeuer entrinnen konnten, wurde die dritte mit Getreide beladene Galeere versenkt. Die aufgegriffene Mannschaft wurde zum Sultan gebracht, der sich zu diesem Zeitpunkt in Dimotika aufhielt, und geköpft, der Kapitän Antonio Erizzo hingegen gepfählt.

Kanonen des Urban

Zweiteiliges osmanisches Belagerungsgeschütz von 1464, vergleichbar den Kanonen des Urban

Bei der Belagerung Konstantinopels spielten die von einem gewissen Urban hergestellten Kanonen eine zentrale Rolle. Über den Christen Urban ist nur vergleichsweise wenig bekannt; er tritt erst im Zusammenhang mit der Belagerung Konstantinopels ins Licht der Geschichte. Als sein Herkunftsland wird je nach Quelle Ungarn, Dakien, Dänemark, Böhmen, Deutschland oder Serbien angegeben; seine Profession entweder als Stückegießer, Schmied oder Techniker. Sicher belegt ist nur, dass Urban sich im Sommer 1452 am byzantinischen Hof aufhielt, entweder, weil er schon in den Diensten Kaiser Konstantins stand oder ihm diese erst anbieten wollte. In jedem Fall kam Urban anschließend nach Edirne, um sich Mehmed II. anzudienen. Der an technischen Neuerungen interessierte und aufgeschlossene Sultan verpflichtete Urban zu einem sehr hohen Lohn. Urbans erste Aufgabe wurde die Herstellung von großen Kanonen für die Zwillingsfestungen Anadolu Hisarı und Rumeli Hisarı am Bosporus. Es waren vermutlich diese an der Wasserlinie der Festungen aufgestellten Kanonen, mit denen im November 1452 die venezianische Galeere versenkt wurde. Anschließend wurde Urban auch mit der Herstellung der für die bevorstehende Belagerung Konstantinopels benötigten Kanonen betraut.

Urban ließ in seiner Werkstatt insgesamt 69 Kanonen verschiedener Größe gießen, darunter fünf für die damalige Zeit riesige Geschütze. Die kleineren feuerten zumeist Steinkugeln von 90 kg bis 230 kg ab. Die größte Kanone, das sogenannte Konstantinopel-Geschütz, mit einer Rohrlänge von über acht Metern und einem Durchmesser von 75 cm, verschoss Kugeln von ca. 550–600 kg. Die zweitgrößte, vermutlich „Basilisk“ genannt, wurde mit immerhin noch ca. 360 kg schweren Geschossen geladen. Für die größte Kanone wurden zudem sechs Eisenkugeln gefertigt, die deren Durchschlagskraft noch einmal deutlich erhöhen sollten. Die Schussfrequenz der größten Kanone wird in christlichen Quellen mit 20 Minuten, in osmanischen Quellen mit ein bis zwei Stunden angegeben. Die Aussagen der christlichen Chronisten sollten mit Vorsicht genossen werden, so dass die Angaben der osmanischen Zeitzeugen als plausibler gelten können.

Byzantinische Hilferufe

Zeitgenössische Darstellung des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin XI.

Nach dem Bau von Rumeli Hisarı und der Hinrichtung seiner Gesandten war Kaiser Konstantin klar, dass es Krieg geben würde. Das Byzantinische Reich würde diesen Krieg, genauer die Belagerung von Konstantinopel, unmöglich ohne fremde Hilfe gewinnen können. So suchte Konstantin im Herbst 1452 mit allen Herrschern Kontakt, die möglicherweise Hilfe anbieten konnten. Kaiser Friedrich III. des Heiligen Römischen Reiches verfügte jedoch über keine finanziellen Mittel, England und Frankreich hatten gerade erst den Hundertjährigen Krieg beendet, so dass ein solches Unternehmen gar nicht denkbar war. Das Königreich Aragon unter Alfons V. hätte wohl helfen können, zog es aber vor, seine Truppen für die Verteidigung seiner eigenen Interessen in Italien einzusetzen. In Ungarn herrschten innenpolitische Auseinandersetzungen, und Serbien war osmanischer Vasall und nicht gewillt, diese Rolle zu verlassen. Georgien und Trapezunt standen an ihren Grenzen selber unter enormem Druck und waren zu effektiver Hilfe nicht in der Lage. Die türkischen Beyliks hatten den Zorn des jungen Sultans kaum ein Jahr zuvor zu spüren bekommen und waren zu neuen Aktionen nicht bereit. Das byzantinische Despotat Morea wurde auf der Peloponnes ab Oktober 1452 selbst durch eine osmanische Streitmacht unter Turahan Bey in Schach gehalten.

Die größten Hoffnungen setzte Konstantin auf Genua und Venedig, deren Interessen durch die Machtausbreitung der Osmanen ganz unmittelbar berührt waren, aber auch auf Papst Nikolaus V. Der Papst selbst verfügte nicht über ausreichend Mittel, um eine nennenswerte Hilfsflotte auszurüsten, versprach aber, auf Venedig entsprechend einzuwirken. Als Gegenleistung für seine Unterstützung forderte er allerdings nichts weniger als den Vollzug der Kirchenunion, was Konstantin notgedrungen zusagte. In den folgenden Monaten entspann sich ein diplomatischer Kleinkrieg zwischen dem Papst und Venedig, bei dem es vordergründig um ausstehende Schulden für einige vom vorherigen Papst Eugen IV. im Jahre 1444 angemietete venezianische Galeeren ging. Der Aufstand von Stefano Porcari gegen den Papst in Rom im Frühjahr 1453 trug ebenfalls zur weiteren Verzögerung bei. Schlussendlich einigte man sich in Venedig auf die Entsendung einer Flottille, die aber erst im Juni 1453, zwei Wochen nach dem Fall Konstantinopels, überhaupt in See stach. Papst Nikolaus, von den ständigen Verzögerungen entnervt, hatte seinerseits bereits im März 1453 drei genuesische Galeeren angemietet und diese beladen mit Nahrungsmitteln und Waffen auf den Weg geschickt. Die Republik Genua selbst übte sich in Zurückhaltung. Man bot alle Unterstützung bei den weiteren diplomatischen Bemühungen an, sei auch bereit, eine Galeere mit Hilfsgütern zu entsenden, wolle sich aber nicht mit eigenen Truppen an der Verteidigung der Stadt beteiligen. Immerhin stellte es die genuesische Regierung ihren Bürgern frei, auf eigene Kosten den Byzantinern beizustehen.

Veranstaltung vom 24.10.2018

Organisation der Stadtverteidigung

Der Genuese Giovanni Giustiniani Longo nutzte die Erlaubnis seiner Heimatstadt und traf am 29. Januar 1453 mit 700 gutbewaffneten Männern aus Genua, Chios und Rhodos in der bedrohten Stadt ein. Bei seiner Ankunft wurde er überschwänglich begrüßt, der Kaiser übertrug ihm das Kommando über die Landmauern und versprach, ihm nach dem Sieg die Insel Lemnos als Lehen zu übergeben. Ebenso verpflichteten sich die Kapitäne zweier auf der Rückfahrt in Konstantinopel haltmachender venezianischer Galeeren, Gabriele Trevisano und Alviso Diedo, in der Stadt zu bleiben und die Verteidiger zu unterstützen. Die bereits in der Stadt lebenden Lateiner waren uneins, ob sie bleiben sollten. In der Nacht des 27. Februar verließen sieben Galeeren mit etwa 700 Italienern Konstantinopel. Viele andere Venezianer und Genueser, auch Bürger aus der benachbarten genuesischen Siedlung Pera, entschlossen sich hingegen, bei der Verteidigung der Stadt zu helfen. Darunter waren viele Angehörige vornehmer Familien wie der venezianischen Cornaro, Mocenigo, Contarini und Venier oder die Genueser Maurizio Cattaneo, Geronimo und Leonardo di Langasco und die drei Brüder Bocchiardo, die aus eigenen Mitteln kleine Truppenkontingente anwarben. Auch die in der Stadt ansässige kleine katalanische Niederlassung erklärte sich unter ihrem Konsul Péré Julia bereit zu bleiben. Der in Konstantinopel lebende osmanische Thronprätendent Orhan – ein Enkel des 1409 getöteten Sultanssohnes Suleiman, der im Osmanischen Interregnum erfolglos um den Thron gekämpft hatte – schloss sich den Verteidigern ebenfalls an, da Mehmed ihn im Falle eines Sieges in jedem Fall töten lassen würde.

Eine Zählung des byzantinischen Geschichtsschreibers und kaiserlichen Sekretärs Georgios Sphrantzes kam im März 1453 auf 4973 waffenfähige Griechen und knapp 2000 Ausländer, die für die Verteidigung zur Verfügung standen. Diese geringe Zahl an Verteidigern war ein Schock für den Kaiser, und er ordnete an, sie geheim zu halten. In den folgenden Wochen wurden alle Matrosen der in der Stadt liegenden Schiffe zum Militärdienst verpflichtet. Zusätzlich ließ der Kaiser die verfügbaren Edelmetalle einschmelzen und sowohl für den Ankauf aller irgendwie verfügbaren Truppen als auch für die Reparatur der Mauerwerke verwenden. Durch diese Maßnahmen stieg die Zahl der Verteidiger schließlich auf etwa 6000 Griechen und 3000 Ausländer.

Aufmarsch der osmanischen Armee

Während man in Konstantinopel versuchte, mit den vorhandenen Mitteln und vor allem wenigen Truppen ein höchstmögliches Maß an Verteidigungsbereitschaft aufzubauen, vollzog sich der Aufmarsch der osmanischen Armee in aller Planmäßigkeit. Bereits im Februar 1453 rückten erste osmanische Verbände in das weitere Umland der Stadt vor, und es kam zu ständigen Scharmützeln mit den wenigen byzantinischen Soldaten. Eine Reihe von kleineren byzantinischen Siedlungen am Marmarameer und am Schwarzen Meer (Mesembria, Anchalius, Bizye) fielen in osmanische Hände, lediglich Selymbria und Epibatos widerstanden diesen ersten handstreichartigen Attacken. Die Vorauskommandos hatten unter anderem die Aufgabe, die Straße von Edirne nach Konstantinopel für den Transport der Belagerungskanonen vorzubereiten und die die Stadt umgebenden Hügel von Bäumen, Buschwerk und Weingärten für ein freies Sichtfeld zu befreien. Der Abtransport der Kanonen selbst begann ebenfalls bereits im Februar, allein das Konstantinopel-Geschütz musste dabei von 60 Ochsen und 200 Männern bewegt werden. Ab diesem Zeitpunkt war eine Kommunikation der in der Stadt Ansässigen mit der Außenwelt nur noch über den Seeweg möglich. Die im Verlauf des März aus Anatolien nach und nach eintreffenden Truppen konnten ungehindert und durch die Festungen Anadolu und Rumeli Hisarı geschützt den Bosporus überqueren. Gleichzeitig versammelten sich die aus dem europäischen Teil des osmanischen Reichs kommenden Truppen, unter ihnen auch ein serbisches Kontingent von 1500 Reitern. Ende März stach die in Gelibolu stationierte osmanische Flotte in See. Am 23. März verließ Sultan Mehmed mit seinem Gefolge Edirne. Er traf am Ostermontag, dem 2. April 1453, vor Konstantinopel ein. Von einigen noch aus dem Schwarzen Meer kommenden Schiffen abgesehen war bis zum 5. April die gesamte osmanische Armee versammelt und nahm am folgenden Tag schließlich die geplanten Ausgangsstellungen vor Konstantinopel ein.[

Militärische Ausgangslage

Byzantinisches Reich

Restaurierter Abschnitt der Theodosianischen Mauer am Bürgertor nach Pegae (heute Selymbria-Tor)

Konstantinopel besaß etwa 21 km Stadtmauern und war damit wahrscheinlich eine der am besten befestigten Städte ihrer Zeit. Während die etwa 6,5 km bzw. 9 km langen Strecken zum Wasser entlang des Goldenen Horns bzw. des Marmarameers aus einer einfachen Mauer bestanden, wurde die Landseite auf etwa 5,5 km Länge von der Theodosianischen Mauer geschützt. Sie bestand aus einem etwa 20 Meter breiten Graben mit drei aufeinanderfolgenden Mauern, zwischen denen jeweils ein Laufgang lag. Entlang der zweiten und dritten Mauer standen – zueinander versetzt – alle 50 bis 100 Meter Verteidigungstürme. Lediglich im nördlichsten Abschnitt der Landmauer, am Blachernae-Viertel, wurde die Landseite von einer einfachen Mauer geschützt. Die zwischen 7000 und 10.000 Verteidiger der Stadt waren allerdings zu wenige, um dieses umfangreiche Mauerwerk vollständig zu bemannen. Entlang der Theodosianischen Mauer wurde daher nur die vordere Linie besetzt, um gegebenenfalls ein Zurückweichen auf die beiden rückwärtigen Mauern zu ermöglichen. Die kampfstärksten Truppen, die byzantinische Armee sowie die von den Italienern gestellten Truppen, standen an der Landmauer dem Gros der osmanischen Truppen gegenüber. Giovanni Giustiniani Longo hatte vom Kaiser bei seiner Ankunft das Feldkommando zur Verteidigung dieses wichtigsten Mauerabschnitts übertragen bekommen und sich unverzüglich um die notwendigen Vorbereitungen bemüht. Die vorgelagerten Gräben waren ausgeräumt, mit Wasser geflutet und Schäden an den Mauern soweit möglich behoben worden. Zur Abwehr der osmanischen Kanonengeschosse ließ man lange, mit Stroh gefüllte Stoffbahnen anfertigen, die an den Mauern aufgehängt wurden und die Wucht einschlagender Geschosse dämpfen sollten. Die Griechen verfügten ihrerseits über eine Reihe von Kanonen und Steinschleudermaschinen zur Verteidigung. Insbesondere die Kanonen (die allesamt von erheblich kleinerem Kaliber als die der osmanischen Belagerer waren) erwiesen sich aber als wenig nützlich, da nur wenig Salpeter für deren Einsatz zur Verfügung stand und selbst die kleineren Kanonen durch die Erschütterung beim Abfeuern das Mauerwerk der Stadt zu beschädigen drohten.

Die Seemauern zum Marmarameer waren hingegen nur dünn und mit weniger kampfkräftigen Einheiten besetzt. An der Einfahrt zum Goldenen Horn stand Kardinal Isidoros mit 200 Mann, es folgten Richtung Westen Péré Julia und seine katalanischen Männer, der türkische Thronprätendent Orhan mit seinem Gefolge und schließlich orthodoxe Mönche aus den Klöstern der Stadt. Ein Angriff entlang dieser Seeseite erschien unwahrscheinlich, und die hier stationierten Truppen sollten vor allem abschrecken und beobachten.

Die Seeleute unter dem Kommando des venezianischen Kapitäns Gabriele Trevisano wachten über die Seemauer am Goldenen Horn, wohl auch, um nötigenfalls die Flotte der Verteidiger schnell verstärken zu können. Die insgesamt 26 Galeeren (zehn byzantinische, je fünf genuesische und venezianische, drei kretische und jeweils ein Schiff aus Ancona, Katalonien und der Provence der Verteidiger wurden vom ebenfalls venezianischen Kapitän Alviso Diedo befehligt. Zahlenmäßig war diese Flotte der osmanischen zwar deutlich unterlegen, allerdings waren die Galeeren der Verteidiger technisch weiterentwickelt und in einem Seegefecht durch die höhere Wandung im Vorteil. Die Hauptaufgabe der Flotte bestand darin, die Osmanen von einem Angriff zu See durch das Goldene Horn abzuhalten und möglicherweise eintreffenden Verstärkungen Geleit zu geben. Als zusätzliche Sicherung lag eine eiserne Sperrkette bereit, die zur benachbarten genuesischen Kolonie Pera (das heutige Galata-Viertel im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu) gespannt werden konnte und den Zugang ins Goldene Horn verhindern würde.

Angesichts der zahlenmäßigen Unterlegenheit lag die einzige Hoffnung der Byzantiner auf einer möglichen Unterstützung von außen. Nur durch eine möglichst lange Herauszögerung der Belagerung, so die Hoffnung, werde sich eine Entsatzarmee auf den Weg machen oder eine benachbarte Macht die Gunst der Stunde für einen Angriff auf das osmanische Territorium nutzen. Die Bedingungen für eine Versorgung der Bevölkerung schienen hierfür sogar günstig. Vor der Belagerung hatte man so viele Nahrungsvorräte wie möglich in die Stadt schaffen lassen; zudem verfügte das in Bezug auf die Einwohnerzahl stark geschrumpfte Konstantinopel mittlerweile über viele freie Flächen innerhalb der Mauern, auf denen ohnehin Feldfrüchte angebaut und Vieh gehalten wurde.

Osmanisches Reich

Karte der Belagerung von Konstantinopel

Die osmanische Armee vor Konstantinopel umfasste je nach Quelle und Untersuchung zwischen 50.000 und 400.000 Mann. Da die zeitgenössischen griechischen und lateinischen Chronisten zu Übertreibungen neigten, darf letztere Zahl als weit überhöht angesehen werden. Türkische Quellen selbst sprechen von etwa 80.000 Mann kämpfender Truppe, was auch in der modernen Forschung als realistische Angabe betrachtet wird. Das osmanische Heer umfasste vorwiegend Kavallerie (vermutlich 30–40.000), die bei der Belagerung zu Fuß kämpfte. Hinzu kam türkische Infanterie, die zum Großteil aus Başı Bozuk und einem etwa 12.000 Mann starken Kontingent Janitscharen bestand, darüber hinaus christliche Truppen aus den europäischen Gebieten des Osmanischen Reiches, die wohl ebenfalls einige tausend Mann umfassten. Das Kernstück für die Belagerung Konstantinopels bildete die Topçu, die osmanische Artillerietruppe, die 69 Kanonen verschiedenster Größe mit sich führte. Die Menge und die zentrale Rolle, die diese Waffengattung bei der Belagerung der Stadt spielte, waren für die damalige Zeit ungewöhnlich und neuartig.

Zu der kämpfenden Truppe kam ein in seiner Größe kaum zu schätzender Tross (viele Arbeiter, aber auch Händler, Ärzte, Wäscherinnen etc.) hinzu, die für Schanzarbeiten, den Aufbau der Belagerungsmaschinen (neben den Kanonen kamen auch klassische Waffen wie die Blide <Katapulte> zum Einsatz) und allgemeine Logistik gebraucht wurden. Unter den Arbeitern befand sich auch ein Kontingent serbischer Mineure, die durch Tunnelgrabungen und unterirdische Sprengungen die Mauern Konstantinopels zum Einsturz bringen sollten. Die osmanische Flotte umfasste etwa 100–200 Schiffe, die aber neben ca. 30 größeren Schiffen (Trieren, Dieren und Rudergaleeren) vor allem aus kleineren Fustae <kleine schnelle Schiffe> und Transportschiffen bestand.

Mehmed II. plante, den Hauptangriff entlang der Theodosianischen Landmauer zu führen. < Theodosius II. (griechisch Θεοδόσιος Β’; * 10. April 401 in Konstantinopel;[1] † 28. Juli 450), einziger Sohn der Aelia Eudoxia und des Arcadius, war von 408 bis zu seinem Tod oströmischer Kaiser. Im Codex Theodosianus ließ er die Gesetze und Verfügungen der römischen Kaiser seit 312 sammeln. Während Theodosius traditionell als schwacher, uneigenständiger Herrscher gilt, wird in der neueren Forschung vermehrt auf die Erfolge seiner langen Regierungszeit verwiesen, die der Osthälfte des Römischen Reiches zudem Stabilität verlieh. > Um anderen Mächten (den italienischen Städten, Ungarn, türkischen Beyliks etc.) keine Möglichkeit zur Ausnutzung der Situation zu geben, wollte Mehmed keine langwierige Belagerung riskieren, sondern die Entscheidung durch den massiven Einsatz der Topçu <Artillerie> erzwingen, die eine Bresche in die als unüberwindlich geltenden Mauern der Stadt schlagen sollten. Den zahlenmäßig weit überlegenen osmanischen Truppen würde so der Zugang zur Stadt ermöglicht und langwierige, verlustreiche Angriffe gegen die mächtigen Mauern vermieden werden. Den rechten Flügel seiner Hauptstreitkräfte bildeten im Wesentlichen anatolische Truppen unter dem Befehl von İshak Paşa. Der linke Flügel unter Karaca Bey bestand überwiegend aus rumelischen Truppen sowie Verbänden der europäischen Vasallen. Das Zentrum bildeten die Janitscharen und wurde von Mehmed selbst befehligt.

Um die benachbarte genuesische Siedlung Pera in Schach zu halten und eine mögliche Versorgung der Verteidiger über Land zu verhindern, sollte eine kleinere Landstreitmacht unter dem Befehl von Zaganos Pascha das Territorium hinter dem Goldenen Horn besetzen. Die zunächst von Süleyman Baltaoğlu befehligte große, aber technisch unterlegene Flotte sollte die Stadt von der Seeseite her abriegeln. Als ständige Bedrohung würde sie Truppen der Verteidiger am Goldenen Horn binden. Noch wichtiger war allerdings die Aufgabe der Flotte, jeden Versuch, die Stadt über See mit Nachschub oder einem Entsatzheer zu erreichen, zu unterbinden.

Verlauf der Belagerung: Beginn (6. bis 11. April 1453)

Die ersten Tage der Belagerung waren noch nicht von größeren Kampfhandlungen geprägt. Sultan Mehmed sandte gemäß dem islamischen Recht eine ultimative Aufforderung an Kaiser Konstantin, die Stadt kampflos (ṣulḥan) zu übergeben, die erwartungsgemäß abgelehnt wurde. Die osmanischen Truppen widmeten sich in den ersten Tagen überwiegend Schanzarbeiten, insbesondere die größeren Geschütze musste man zunächst in Fundamente einlassen, da der Untergrund zu weich war, um ihrem Rückstoß standzuhalten. Die Kanonen wurden in insgesamt 14 oder 15 Batterien aufgeteilt und entlang der Landmauer in Stellung gebracht. Die kleineren osmanischen Geschütze, die wesentlich schneller in Betrieb genommen werden konnten, nahmen bereits im Tagesverlauf des 6. April den Beschuss der Stadt auf. Ein schwacher Mauerabschnitt im Bereich des Charisios-Tores war bereits am Abend schwer beschädigt und sollte am 7. April unter dem erneuten Beschuss zusammenbrechen. Den Verteidigern gelang es allerdings schnell die Lücke mit Geröll provisorisch zu schließen.

Damit solche Breschen zukünftig schnell besetzt werden konnten, begannen die Arbeiter des Belagerungsheeres damit, den der Landmauer vorgelagerten Graben zuzuschütten. Um die verschiedenen Teile der osmanischen Armee besser miteinander zu verbinden, wurde zudem eine Heerstraße vom Hauptlager der osmanischen Armee vor der Landmauer, hinter dem Goldenen Horn vorbei zu Zağanos Paşas Truppen und von dort hinter der neutralen genuesischen Siedlung Pera entlang bis zum Hauptstützpunkt der Flotte am Bosporus angelegt. Die Mineure erhielten Anweisung, geeignete Stellen für eine Untertunnelung der Mauern auszumachen und mit den Grabungsarbeiten zu beginnen. Ebenfalls am ersten Tag der Belagerung ließ Mehmed zwei kleinere byzantinische Burgen im Umland der Stadt angreifen. Die kleinere, nahe dem Dorf Studios an der Küste des Marmarameeres, ergab sich binnen weniger Stunden. Die größere bei Therapia leistete zwei Tage lang Widerstand. Alle hierbei gemachten Gefangenen (36 in Studios und 40 in Therapia) wurden in den folgenden Tagen in Sichtweite der Stadt gepfählt.

Die osmanische Flotte hatte ihr Hauptquartier beim sogenannten Kai der Doppelsäulen (Diplokinion, heute steht dort der Dolmabahçe-Palast) aufgeschlagen. Ein erster sondierender Angriff auf das Goldene Horn am 9. April – über den aber nichts weiter bekannt ist – scheint schnell abgeschlagen worden zu sein. Da die osmanische Flotte noch auf einige mit größeren Kanonen bestückte Nachzügler aus dem Schwarzen Meer wartete, entschied Admiral Süleyman Baltaoğlu die Zeit zu nutzen, um die noch unter byzantinischer Kontrolle stehenden Prinzeninseln im Marmarameer zu besetzen. Hierbei weigerten sich lediglich die Mönche des Klosters St. Georg auf der Insel Prinkipo (heute: Büyükada) sich zu ergeben und verschanzten sich in einem befestigten Turm ihres Klosters. Schließlich ließ Baltaoğlu ein Feuer am Turm entfachen um die Verteidiger herauszutreiben. Diese verbrannten oder wurden vor dem Turm niedergemacht, die Inselbevölkerung wurde anschließend als Strafe für diesen Akt des Widerstands in die Sklaverei verkauft.

Den Verteidigern Konstantinopels blieb zunächst nicht viel anderes als Warten übrig. An einen bewaffneten Ausfall war angesichts der zahlenmäßigen osmanischen Überlegenheit nicht zu denken. Die zum Schutz vor Beschuss an die Mauern gespannten Stoffballen stellten sich schnell als weitgehend wirkungslos heraus. Nachdem am 7. April der erste Mauerabschnitt unter dem Beschuss einbrach, sollten die Verteidiger fortan die Nächte nutzen, um Schäden an den Mauern auszubessern und Lücken mit Geröll notdürftig aufzufüllen.

Erste Gefechte (12. bis 19. April 1453)

Am 12. April trafen schließlich die letzten Schiffe der osmanischen Flotte aus dem Schwarzen Meer ein und Baltaoğlu ließ unverzüglich einen Großangriff auf die die Sperrkette bewachenden Galeeren am Goldenen Horn starten. In der folgenden Schlacht zeigte sich das volle Ausmaß der seefahrerischen Überlegenheit der Verteidiger. Obwohl die Angreifer alle verfügbaren Waffen (Kanonen, Pfeile, Brandbomben) einsetzten und sich in großer Zahl anschickten, die Galeeren mit Hilfe von Leitern und Seilen zu entern, wurden die Angriffe ein ums andere Male abgeschlagen. Die hochwandigen Galeeren erwiesen sich als uneinnehmbare Festungen, von denen aus die Decks der viel niedriger gebauten osmanischen Schiffe sehr effektiv mit Geschossen und Steinen eingedeckt werden konnten. Die erfahrenen Seeleute und Steuermännern der Verteidiger taten ihr Übriges, um die osmanische Flotte schnell ins Hintertreffen geraten zu lassen. Als die Verteidiger sich schließlich zu einem Gegenangriff formierten und die osmanischen Schiffe einzukreisen drohten, blieb Baltaoğlu nur der Rückzug. Für diesen Tag geschlagen fand sich seine Flotte schließlich wieder an ihrem Ankerplatz beim Kai der Doppelsäulen ein.

Sultan Mehmed, zutiefst enttäuscht vom Verlauf der Seeschlacht, wies seine Geschützgießereien an, unverzüglich Kanonen mit einem höheren Schusswinkel anzufertigen, so dass die Galeeren oberhalb der Wandung getroffen werden konnten. Eine dieser neuen Kanonen wurde nur wenige Tage später an der Landspitze von Galata aufgestellt und nahm die vor der Sperrkette kreuzenden Schiffe der Verteidiger unter Beschuss. Bereits mit dem zweiten Schuss gelang ein Volltreffer mitschiffs,  der eine der Galeeren versenkte und etliche Seemänner das Leben kostete. Die Verteidiger sahen sich daraufhin gezwungen, sich endgültig hinter die Sperrkette zurückzuziehen. Auf der Seeseite war somit zunächst ein Patt eingetreten, bei dem beide Seiten vor einem erneuten Angriff zurückschreckten.

Auch entlang der Landmauer kam es zu ersten heftigen Gefechten. Am 12. April waren schließlich alle Kanonen der Belagerer einsatzbereit, darunter auch das gigantische Konstantinopel-Geschütz. Auch wenn dieses lediglich sieben Schuss pro Tag abgeben konnte, waren die Verwüstungen, die die vermutlich über 500 kg wiegenden Geschosse anrichteten, fürchterlich. Von da ab stand die Stadt unter einem unablässigen Beschuss, der die Mauern der Stadt in nur wenigen Tagen an einer Vielzahl von Stellen zum Einsturz brachte. Die Verteidiger mühten sich Nacht um Nacht, die entstandenen Breschen mit Geröll und Schutt aufzufüllen. Giustiniani Longi ließ zudem auf den Trümmern hölzerne Spieße und Palisaden errichten, die den zu erwartenden Sturmangriff abwehren helfen sollten. Der vorgelagerte Graben war mittlerweile weitestgehend zugeschüttet.

Am 18. April, nach fast einer Woche dauernden Beschusses, beschloss Mehmed, dass die Zeit für einen ersten Sturmangriff gekommen sei. Etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang gingen Speerwerfer, schwer gepanzerte Fußsoldaten und Teile der Janitscharen auf der Höhe des Mesoteichions (dort senkten sich die Mauern in das Tal des Flüsschens Lykos ab, der unter den Mauern hindurch bis ins Marmarameer floss) gegen die Stadt vor. Kaiser Konstantin, der einen wesentlich breiteren Angriff erwartete, eilte zu den anderen Mauerabschnitten, um die dortigen Verteidiger in Bereitschaft zu versetzen – unnötigerweise, wie sich erweisen sollte. Giustiniani Longi koordinierte vor Ort die Verteidiger und bestätigte dabei seinen Ruf als kompetenter Militär. Alle osmanischen Angriffe konnten ein ums andere Mal abgeschlagen werden, griechische und ausländische Soldaten ließen alle Rivalitäten beiseite und arbeiteten reibungslos zusammen. Den Verteidigern kam zugute, dass die Angreifer nur auf geringer Breite vorgingen, ihre zahlenmäßige Überlegenheit damit nicht stark ins Gewicht fiel. Nach vier Stunden ohne greifbare Ergebnisse ließ Mehmed den Angriff abbrechen. Laut dem Venezianer Nicoló Barbaro blieben etwa zweihundert osmanische Soldaten tot zurück, während die Verteidiger zwar viele Verletzte, aber keinen einzigen Gefallenen zu beklagen hatten.

Der erste Sturmangriff war damit überaus erfolgreich abgeschlagen worden. Zusammen mit der schweren Niederlage die man der osmanischen Flotte beigefügt hatte, waren viele Verteidiger frohen Mutes. Man würde bestimmt lange genug durchhalten können, bis ein Entsatzheer der einen oder anderen Macht eintreffen würde.

Kampf um das Goldene Horn (20. bis 28. April 1453)

Am Freitag, den 20. April 1453 trafen schließlich die drei vom Papst angemieteten genuesischen Galeeren, begleitet von einem byzantinischen Lastschiff, im Marmarameer ein. Die Genueser waren von einem Sturm in Chios aufgehalten worden und hatten ihre Reise erst am 15. April von dort nach Konstantinopel fortsetzen können. Das Lastschiff wiederum war von den byzantinischen Botschaftern in Sizilien organisiert worden und mit Getreide für die belagerte Stadt beladen. Die Schiffe wurden von osmanischen Spähern frühzeitig ausgemacht und Sultan Mehmed ließ Baltaoğlu ausrichten, er habe die christlichen Schiffe unter allen Umständen aufzuhalten oder brauche andernfalls nicht lebend zurückzukehren. Baltaoğlu ließ alle Ruderschiffe der osmanischen Flotte bereitmachen und auslaufen – aufgrund des starken Südwinds ließ er die ausschließlich mit Segeln ausgerüsteten Schiffe zurück. Die beiden Flotten trafen am frühen Nachmittag des Tages vor der Südostspitze von Konstantinopel aufeinander und es entbrannte ein heftiges Seegefecht. Sultan Mehmed beobachtete das Seegefecht vom Ufer des Bosporus bei Pera, in Konstantinopel drängten sich die Einwohner ihrerseits auf den Hügeln der Stadt um das Geschehen zu verfolgen. Etwa eine Stunde setzten die christlichen Schiffe ihre Fahrt fort, ohne dass es den Angreifern gelang sie aufzuhalten. Eben als sie um die Landspitze in das Goldene Horn einbiegen wollten flaute der Wind ab und die Galeeren trieben von der Strömung gezogen langsam auf Pera zu. Baltaoğlu erkannte seine Chance und trieb seine Matrosen zu immer neuen Enterattacken an. Insbesondere das byzantinische Schiff geriet dabei immer stärker in Bedrängnis und bald gingen den Seeleuten an Bord die Geschosse aus. Die Genueser erkannten die Situation und ließen ihre Schiffe längsseits der kaiserlichen Galeere festmachen. Der Kampf dauerte den ganzen restlichen Abend an und erst als bei Sonnenuntergang der Wind erneut auffrischte, gelang es den christlichen Schiffen, sich aus der Umklammerung zu lösen und in das Goldene Horn einzulaufen.

Insgesamt hatten die Osmanen etwa einhundert Gefallene und über dreihundert Verwundete zu beklagen. Auf den christlichen Galeeren waren 23 Seeleute gefallen und über die Hälfte der Besatzungen hatte Verwundungen erlitten. In der Stadt weckte dieser Erfolg große Hoffnungen auf weitere Verstärkungen aus dem Westen. Sie sollten sich in den nächsten Wochen allerdings nicht erfüllen. Sultan Mehmed war außer sich vor Wut, und er befürchtete wohl, dass diese Niederlage seine noch wenig gefestigte Autorität bei den Truppen untergraben könnte. Jedenfalls ließ er Baltaoğlu am nächsten Tag zu sich zitieren, bezeichnete ihn als Verräter und befahl seine Enthauptung. Lediglich die Fürsprache von Baltaoğlus Offizieren bewahrte ihn vor diesem Schicksal. Trotzdem wurde er vom Oberbefehl der Flotte entbunden, aller Ämter enthoben, sein gesamter Besitz konfisziert und an die Janitscharen verteilt. Sein Nachfolger wurde mit Hamza Bey ein enger Vertrauter des Sultans.

Bereits vor der Seeschlacht am 20. April hatte Sultan Mehmed darüber nachgedacht, wie er das Goldene Horn unter seine Kontrolle bringen, und damit die Flotte der Verteidiger unschädlich machen könnte. Hierzu hatte er die angelegte Heerstraße zu einer Schiffstransportstraße ausbauen und Tragewiegen anfertigen lassen. Die Arbeiten hieran wurden intensiviert und im Verlauf des 22. April wurde etwa die Hälfte der osmanischen Flotte aus dem Bosporus über den Hügel hinter Pera (in etwa an der Stelle des heutigen Taksim-Platzes) gezogen. Beim sogenannten Tal der Quellen, dem heutigen Stadtteil Kasımpaşa, wurden die Schiffe im Goldenen Horn wieder gewassert. Der Janitschare Konstantin aus Ostrovitza beschreibt in seinen Memoiren eines Janitscharen diese Schiffsrutsche:

„[…] führte der Sultan die Schiffe auf sehr eigentümliche Weise und mit großem Aufwand herbei, worüber die ganze Stadt und das Heer in Verwirrung gerieten. Und zwar tat er das folgendermaßen: Bergaufwärts wurde ein Graben angelegt, der mit Balken ausgeschlagen und dick mit Fett eingeschmiert war; darüber hinaus wurden für jedes Schiff richtige Segel hergestellt. Als man die Windsegel hochgezogen hatte, glitten alle 30 Schiffe eins nach dem anderen wie über Wasser hinweg, bei Fahnenschwingen und Trommelwirbel, die Kanonen feuerten.“

Während der Überführung schossen die hinter Pera aufgestellten osmanischen Kanonen unablässig ins Goldene Horn um einen möglichen Seeangriff abzuwehren. Den Verteidigern blieb zunächst nichts anderes übrig, als das erstaunliche Schauspiel der Schiffsprozession zu beobachten. Kaiser Konstantin, Giustiniani Longi und die venezianischen Kapitäne kamen schließlich überein, in der Nacht des 24. April einen Überraschungsangriff zu starten und die osmanischen Schiffe an ihrem Ankerplatz im Tal der Quellen niederzubrennen. Die in Konstantinopel befindlichen Genueser wurden nicht eingeweiht, weil man befürchtete, dass dann auch die Bewohner der genuesischen Siedlung Pera von dem Angriff erfahren würden und man dort mit Agenten des Sultans rechnete. Die Genuesen in Konstantinopel erfuhren aber doch noch von dem Vorhaben und bestanden darauf daran beteiligt zu werden, was schließlich zu einer Verschiebung des Angriffs auf den 28. April führte.

Der Angriff zwei Stunden vor Morgengrauen des 28. April geriet zu einem Desaster, da die Osmanen anscheinend tatsächlich von dem Vorhaben erfahren hatten. Sobald die mit Brennmaterial beladene kleine Flotte der Verteidiger (zwei Lastschiffe, zwei Galeeren und drei Fustae) nahe genug heran war, fingen osmanische Kanonen an sie zu beschießen. Auf See wurde nur kurz gekämpft, dann zogen sich die christlichen Schiffe hastig zurück. Lediglich ein osmanisches Schiff konnte in Brand gesetzt werden, hingegen ging eine venezianische Galeere sowie eine Fustae im Feuer der Kanonen verloren. Etwa neunzig Seeleute hatten ihr Leben gelassen, vierzig davon waren auf der osmanisch besetzten Seite des Goldenen Horns an Land geschwommen und wurden am folgenden Tag in Sichtweite der Stadt hingerichtet. Die Verteidiger ließen als Reaktion hierauf ebenfalls 260 gefangene osmanische Soldaten auf den Mauern hinrichten. Aber dies konnte nicht verschleiern, dass die Belagerer das Goldene Horn nun dominierten und einen wichtigen taktischen Sieg errungen hatten: Die Schiffe der Verteidiger konnten nun die Häfen der Stadt im Goldenen Horn nicht mehr verlassen und sie waren zudem gezwungen, weitere Truppen von der Landmauer abzuziehen, um nun auch diesen Mauerabschnitt bemannen zu können. Sultan Mehmed nutzte die Situation, um am nördlichen Ende des Goldenen Horns eine Pontonbrücke anlegen zu lassen, um seine Truppen und Geschütze nötigenfalls noch schneller verlegen zu können. Zudem waren an der Pontonbrücke schwimmende Plattformen für Kanonen befestigt, die nun das Blachernae-Viertel aus einem anderen Winkel beschießen konnten.

Letzte Wochen (29. April bis 26. Mai 1453)

Der Verlust des Goldenen Horns ließ die Hoffnungen in der Stadt schwinden. Es gab erste Lebensmittelengpässe, die immer mehr Soldaten zwangen, sich von den Mauern zu stehlen und ihre Familien bei der Nahrungsmittelbeschaffung zu unterstützen. Der Kaiser ließ Anfang Mai schließlich alle verfügbaren Gelder zum Aufkauf von Nahrungsmitteln verwenden und diese über eine Kommission in festgelegte Rationen an die Bürger verteilen, wodurch zumindest die schlimmste Not gelindert werden konnte. In der Nacht des 3. Mai wurde im Schutz der Dunkelheit eine Grippo mit zwölf Mann Besatzung in die Ägäis entsandt, um dort nach Anzeichen für die Ankunft einer Entsatzflotte zu suchen.

Anscheinend führte Kaiser Konstantin Anfang Mai über die Genueser in Pera erneut geheime Verhandlungen mit Sultan Mehmed über eine Beendigung der Belagerung. Aber die Bedingungen blieben unverändert: Die Stadt müsse kampflos übergeben werden, dann bliebe der Besitz seiner Einwohner unangetastet. Der Kaiser dürfe sich unbehelligt in das Despotat Morea zurückziehen. Auch wenn einige seiner Berater ihn zur Annahme dieses Angebots drängten, blieb für Konstantin die Aufgabe der Stadt inakzeptabel.

Nachdem das Goldene Horn gesichert schien, konzentrierte Sultan Mehmed in den folgenden Wochen alle Bemühungen auf die Landmauer. Am 7. Mai wurde ein erneuter Sturmangriff entlang des Mesoteichions abgeschlagen und am 12. Mai einer auf der Höhe des Blachernae-Viertels, an dem die dreifache Theodosius-Mauer endete und in einer einfachen Mauer fortlief. Die hinter Pera stationierten Kanonen wurden am 14. Mai wieder vor die Stadt verlegt. Die Kanonen feuerten nun unablässig Tag und Nacht auf die Stadt. Zugleich intensivierten die osmanischen Truppen ihre Bemühungen, den vorgelagerten Graben zuzuschütten beziehungsweise mit Planken und Bohlen zu überbauen. Es wurden mehrere Belagerungstürme konstruiert, die die Arbeiter am Graben schützen und schließlich über die Planken direkt an die Mauer geschoben werden sollten. Der erste dieser Türme erreichte am 18. Mai die Mauern, konnte von den Verteidigern aber mit Pulver gesprengt werden. In den folgenden Tagen gelang es weitere Türme auf diese Weise zu zerstören, die restlichen ließ Mehmed daraufhin wieder zurückziehen.

Gleichzeitig intensivierten im Mai die serbischen Mineure ihre Tätigkeit. Nachdem die Verteidiger am 16. Mai die Grabungen entdeckten, wurde der erfahrene Ingenieur Johannes Grant, vermutlich ein Deutscher oder Schotte, mit deren Abwehr beauftragt. In den folgenden Tagen gelang es durch hastige Gegengrabungen mehrere Tunnel der Angreifer auszuräuchern oder unter Wasser zu setzen, aber es blieb eine stete Herausforderung, alle neuen Grabungen zu entdecken. Am 23. Mai gelang es den Verteidigern, eine Gruppe von serbischen Bergleuten sowie ihren osmanischen Offizier gefangen zu nehmen. Unter Folter verriet dieser die Position aller Tunnel. Noch am gleichen Tag gelang es alle Tunnel der Angreifer zu vernichten, woraufhin die Osmanen auf weitere Untergrabungsversuche verzichteten.

Die osmanische Flotte unternahm im Mai einige Demonstrationen. Am 16. und 17. Mai, sowie erneut am 21. Mai lief sie vom Bosporus aus bis an die Sperrkette, zu Kampfhandlungen kam es dabei aber nicht. Die Verteidiger waren hierdurch aber immer wieder gezwungen ihre nach dem Verlust des Goldenen Horns auf den Mauern stationierten Seeleute abzuziehen und die Schiffe in Bereitschaft zu versetzen.

Auch wenn alle Vorhaben der Angreifer immer wieder vereitelt werden konnten, waren die verteidigenden Soldaten von den Kämpfen am Tag und den Schanzarbeiten in der Nacht zunehmend übermüdet. Am 23. Mai kehrte die ausgesandte Grippa schließlich wieder nach Konstantinopel zurück – eine Entsatzflotte hatte nicht ausgemacht werden können. Die Einwohner Konstantinopels meinten vermehrt Zeichen für den nahen Untergang auszumachen. So sagten alte Volkssagen voraus, dass der letzte Kaiser den gleichen Namen wie der erste Kaiser tragen werde und die Stadt erst bei abnehmendem Mond fallen werde – dass der Vollmond am 22. Mai mit einer dreistündigen Mondfinsternis verbunden war, schien die Ängste über die kommende Katastrophe zu bestätigen. Bei einer am 24. Mai abgehaltenen Prozession zu Ehren der Mutter Gottes rutschte die mitgeführte Ikone von dem Tragegestell und erschien den Herbeigeeilten, die versuchten sie wieder aufzurichten plötzlich schwer wie Blei. Wenig später wurde die Prozession von einem schrecklichen Hagel und Regen heimgesucht, der ihren Abbruch erzwang. Noch am gleichen Tag stieg ein für diese Jahreszeit völlig ungewöhnlicher Nebel in der Stadt herauf und es hieß, der Heilige Geist verlasse in dessen Schutz die Stadt. Schließlich meinte man in der folgenden Nacht ein seltsames Licht zu erblicken, das um die Spitze der Kuppel der Hagia Sophia kreiste. Interessanterweise wurde dieses Licht auch im osmanischen Lager gesichtet, dem besorgten Sultan aber von seinen Gelehrten als verheißungsvolles Zeichen für den nahen Sieg gedeutet. Unabhängig davon, ob diese Ereignisse sich tatsächlich in der beschriebenen Weise zutrugen, geben sie eindrücklich wieder, wie niedergeschlagen und bedrückt die Stimmung in der belagerten Stadt in den letzten Tagen des Mai gewesen sein muss.

Aber auch im osmanischen Lager sank die Moral zusehends. Bislang hatten die Verteidiger allen Angriffen widerstanden und mit jedem Tag, den die Belagerung andauerte, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass weitere christliche Truppen zur Verteidigung der Stadt eintrafen oder beispielsweise die Ungarn die Situation für einen Angriff nutzten. Insbesondere die alten Berater des vormaligen Sultan Murad hatten sich von Anfang an gegen die Belagerung ausgesprochen und sahen sich nun in ihren Befürchtungen bestätigt. Nicht zuletzt um diese Kritiker zu besänftigen, nahm Mehmed am Freitag, dem 25. Mai, ein letztes Mal Unterhandlungen mit Kaiser Konstantin auf, die aber keine greifbaren Ergebnisse brachten. Am folgenden Samstag kam es zu einem größeren Kriegsrat im Lager des Sultans, bei dem beschlossen wurde, dass es nun Zeit sei, eine Entscheidung zu erzwingen. Alle Truppen sollten den Sonntag und Montag nutzen, um sich auszuruhen und vorzubereiten, am Dienstag, dem 29. Mai, würde man die Stadt mit allen verfügbaren Kräften angreifen.

Der Fall Konstantinopels

Am 29. Mai um 1:30 Uhr morgens begann auf der vollständigen Länge der Landmauer der letzte Sturmangriff auf Konstantinopel. Die erste Welle bildeten irreguläre Teile der osmanischen Armee. Nach etwa zweistündigem Kampf wurden sie zurückgezogen, und eine zweite Welle von regulären Truppen setzte den Angriff fort. Um etwa 5:30 Uhr wurden auch diese Truppen zurückgenommen, und die Janitscharen übernahmen die dritte Angriffswelle. Gleichzeitig griff die Flotte die Mauern am Goldenen Horn und am Marmarameer an. Bei Sonnenaufgang brach die Verteidigung, vermutlich auf der Höhe des St. Romanus-Tores, endgültig zusammen. In kurzer Zeit gelang es den Janitscharen, ihre Stellung hier zu festigen und entlang der Verteidigungsanlagen vorzurücken, um weitere Tore zu öffnen.

Über die genauen Gründe für den Durchbruch der Janitscharen existieren verschiedene Versionen. Nach der christlichen Geschichtsschreibung gelang den Janitscharen der Zugang zur Stadt über eine kleine, unverschlossen gelassene Ausfallpforte, die sogenannte Kerkoporta, in der Nähe des St. Romanus-Tores. Byzantinischen Volkssagen zufolge sei die Stadt verloren, wenn die Kerkoporta vom Feind durchbrochen würde. Als am frühen Morgen des 29. Mai der Schrei „Die Stadt ist verloren!“ erklang, schien sich somit eine Prophezeiung erfüllt zu haben. Osmanische Chronisten heben als Gründe für den Sieg der Janitscharen vor allem deren Disziplin und Kampfkraft hervor.

Ob der Durchbruch der Mauer beim St. Romanus-Tor tatsächlich der erste war, ist aber nicht gesichert. Einige Historiker gehen auch davon aus, dass es den osmanischen Truppen weiter südlich bereits zuvor gelungen war, die Befestigung zu durchbrechen.

Die Truppen der Verteidiger lösten sich schnell auf; die Ausländer strebten Richtung Hafen zu ihren dort ankernden Schiffen, die Soldaten der Stadt eilten zu ihren Familien. Georgios Sphrantzes zufolge, der als byzantinischer Beamter den Fall Konstantinopels erlebte, hatten die osmanischen Truppen bereits um 8.30 Uhr vormittags die ganze Metropole eingenommen.

Die Stadt wurde von den siegreichen osmanischen Truppen geplündert. Dabei kam es insbesondere in den ersten Stunden zu vielen blutigen Übergriffen gegen die Einwohner. Unter anderem wurden Menschen, die sich in die Hagia Sophia geflüchtet hatten, dort von den Soldaten niedergemacht. Erst nachdem die Eroberer bemerkten, dass jeder organisierte bewaffnete Widerstand zusammengebrochen war, konzentrierten sie sich auf die Plünderung der reichen Kirchen und Klöster Konstantinopels. In der Chronik des Aschikpaschazade heißt es dazu:

„Da gab es gute Beute. Gold und Silber und Juwelen und kostbare Stoffe wurden auf den Markt im Heerlager gebracht und in Haufen aufgestapelt; all dieses wurde nun feilgeboten. Die Giauren <= Christen> von İstanbul wurden zu Sklaven gemacht, und die schönen Mädchen wurden von den Gazi <Kämpfer für die Sache Gottes> in die Arme genommen.“

Von den Plünderungen ausgenommen waren nur einige Viertel wie zum Beispiel Petrion und Studion, in denen die Bewohner die Mauern ihrer Siedlung rechtzeitig öffneten und sich den osmanischen Truppen ergaben. Der byzantinische Historiker Kritobulos von Imbros (Michael Kritopulos), der für einige Zeit Gouverneur der gleichnamigen Ägäis-Insel Imbros (heute Imroz oder Gökçeada, Türkei) war und der 1467 ein bedeutendes Geschichtswerk über die 17 ersten Regierungsjahre des Eroberersultans Mehmed II. verfasste, berichtet über die Einnahme Konstantinopels:

„Danach zog der Sultan in die Polis ein und betrachtete eingehend ihre Größe und Lage, ihre Pracht und Herrlichkeit, die große Zahl, Größe und Schönheit ihrer Kirchen und öffentlichen Gebäude, ihre Einzel- und Gemeinschaftshäuser, die luxuriöse Anlage der Häuser der Vornehmen, außerdem die Lage des Hafens und der Werften und dass die Stadt in jeder Hinsicht mit allem Nötigen ausgestattet und von der Natur begünstigt war, kurz ihre gesamte Einrichtung und Schmuck. Er sah aber auch die große Zahl der Umgekommenen, die Verlassenheit der Häuser, und die völlige Zerstörung und Vernichtung der Stadt. Und jäh überkam ihn Mitleid und nicht geringe Reue wegen ihrer Zerstörung und Plünderung, und er vergoss Tränen, seufzte laut und schmerzlich und rief: ‚Welch eine Stadt haben wir der Plünderung und Verwüstung ausgeliefert!‘ So schmerzte es ihn in der Seele.“

Durch den Angriff fast aller Matrosen auf die Seemauern war die osmanische Flotte handlungsunfähig, was etwa 15 bis 20 mit Flüchtlingen beladenen christlichen Schiffen die Ausfahrt aus dem Goldenen Horn und den Rückzug Richtung Ägäis freimachte. Dabei konnten viele wertvolle Schriften gerettet werden, die noch heute in Florenz zu sehen sind. Kaiser Konstantin XI. fiel im Kampf an der Theodosischen Mauer.

„Hiermit erkläre ich mich und zeichne meinen Erlass für meine Anhänger auf. Meine Worte betreffen die Christen, bekannt oder unbekannt in Ost und West, Nah und Fern. Diejenigen, die meinem Erlass nicht Folge leisten, seien sie Sultane oder gewöhnliche Muslime, widersetzen sich auch dem Willen Gottes und seien verflucht. Ob Priester oder Mönche an einem Berg Unterschlupf finden, oder ob sie in der offenen Wüste, in einer Stadt, einem Dorf oder in einer Kirche wohnen – ich persönlich verbürge mich mit meinen Armeen und Gefolgsleuten für sie und verteidige sie gegen ihre Feinde. Jene Priester gehören zu meinem Volk (meiner tabaa). Ich nehme Abstand davon, ihnen irgendeinen Schaden zuzufügen. Es ist verboten, einen Bischof von seinen Pflichten abzuhalten, einen Priester von seiner Kirche fernzuhalten und einen Eremiten von seiner Unterkunft. Ein Muslim darf eine Christin, die er geheiratet hat, nicht daran hindern, in ihrer Kirche Gott zu verehren und den Schriften ihrer Religion Genüge zu tun. Wer sich gegen diese Anordnungen stellt, soll als Feind Allahs und seines Gesandten betrachtet werden. Muslime sind verpflichtet, sich bis ans Ende der Welt an diese Anordnungen zu halten.“

Folgen

Das Osmanische Reich konnte mit der Eroberung Konstantinopels seine Herrschaft an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien konsolidieren und legte den Grundstein für seine weitere Expansion. Nur wenige Tage nach der Eroberung Konstantinopels, am 3. Juni, musste sich auch die genuesische Kolonie Pera Sultan Mehmed unterwerfen. Die byzantinischen Inseln Lemnos und Imbros wurden noch im selben Jahr erobert. Das Despotat Morea, als letztes direktes Überbleibsel des ehemals mächtigen Byzantinischen Reiches, fiel schließlich 1460. Für die italienischen Städte war der Verlust der Kontrolle über den Bosporus ein schwerer Schlag, der ihren Schwarzmeer- und Levante-Handel fortan stark beeinträchtigte.

Eine weitere Folge der Eroberung Konstantinopels war die Auswanderung vieler griechischer Gelehrter in den lateinischen Westen, insbesondere nach Italien. In Verbindung mit dem parallel aufkommenden Buchdruck fanden deren Lehren und die von ihnen mitgebrachten antiken Schriften schnell Verbreitung. Wenngleich dieser Prozess bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten eingesetzt hatte, erfuhr er durch den endgültigen Untergang des Byzantinischen Reiches eine Intensivierung. In der Geschichtswissenschaft gilt dieser Zufluss antiker Gelehrsamkeit und griechischen Denkens als eines der auslösenden Momente für die Renaissance und den Humanismus im katholischen Europa. Beispielhaft für diese Migration von Wissen stehen die byzantinischen Gelehrten Bessarion, Johannes Argyropulos und Andreas Johannes Laskaris.

Nach der Eroberung erklärte Mehmed „Istanbul“ zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs ‚fürderhin ist mein Thronsitz Istanbul‘. Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass Istanbul eine abgeschliffene Form des griechischen Ausrufs: „is tin polin“ ist, der so viel wie „In die Stadt!“ oder „Hinein in die Stadt!“ bedeutet und mit dem über das Land ziehende Werber des Sultans in den folgenden Jahren versucht haben sollen, die geflohene griechische Bevölkerung zur Rückkehr zu bewegen.

Veranstaltung vom 30.10.2018

Nikolaus von Cues zur Türkenfrage

Nikolaus von Kues [kuːs], latinisiert Nicolaus Cusanus oder Nicolaus de Cusa (* 1401 in Kues an der Mosel, heute Bernkastel-Kues; † 11. August 1464 in Todi, Umbrien), war ein schon zu Lebzeiten berühmter, universal gebildeter deutscher Philosoph, Theologe und Mathematiker. Er gehörte zu den ersten deutschen Humanisten in der Epoche des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit.

Als Gesandter in Konstantinopel

Am 17. Mai 1437 verließ Nikolaus Basel und begab sich im Auftrag der päpstlichen Partei zu Verhandlungen über die Kircheneinheit nach Konstantinopel. Dort setzte er sich gegen eine Gesandtschaft der Konzilsmehrheit durch. Am 27. November 1437 brachen der byzantinische Kaiser Johannes VIII. Palaiologos, der Patriarch von Konstantinopel und zahlreiche Bischöfe der Ostkirche mit den päpstlichen Gesandten, darunter Nikolaus, nach Westen auf. Ihr Ziel war, die Einheit auf einem Unionskonzil zu verwirklichen und so auch militärische Unterstützung für das Byzantinische Reich zu gewinnen, das im Kampf gegen die Türken vom Untergang bedroht war. Zu den Teilnehmern der langen Schiffsreise gehörte der griechische Erzbischof und spätere Kardinal Bessarion, der mit Nikolaus Freundschaft schloss. Am 8. Februar 1438 landeten sie in Venedig. Damit hatte sich Nikolaus erfolgreich auf europäischer Ebene in der Politik profiliert.

Philosophie und Theologie

Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedenen religiösen Lehren und nach der Toleranz zwischen den Religionen untersucht Nikolaus in De pace fidei („Über den Glaubensfrieden“), einer Schrift, die 1453 unter dem Eindruck der Eroberung Konstantinopels durch die Türken entstand. Speziell unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zwischen Christentum und Islam erörtert er diese Thematik 1460/61 erneut in der Cribratio Alkorani („Sichtung des Korans“, drei Bücher).

Religionsfrieden

Das Ideal der Eintracht strebt Nikolaus nicht nur in Kirche und Staat an, sondern er möchte es auch im Verhältnis zwischen Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen verwirklicht sehen. Den Weg dazu sieht er im Dialog über die Glaubensinhalte. Daher setzt er sich wiederholt intensiv mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedenen Religionen bzw. Konfessionen auseinander: Judentum, antikes „Heidentum“, Islam, katholisches Christentum, Lehren der „Böhmen“ (Hussiten), der Perser (Zoroastrismus), Chaldäer usw. Er meint, jede Religion habe ein berechtigtes Anliegen und einen bestimmten Zugang zur Wahrheit und sei insofern besser, als ihre Gegner wahrhaben wollen, doch nur im Christentum seien alle diese Anliegen verwirklicht und Teilerkenntnisse vereint. So habe das Judentum mit Recht Gott als absolut, von allem sinnlich Wahrnehmbaren abgelöst erkannt und verehrt. Die Heiden hingegen hätten Gottes Wirken in seinen verschiedenen sichtbaren Werken wahrgenommen und ihm daher gemäß deren Verschiedenheit je verschiedene Namen gegeben; das sei nur scheinbar Polytheismus. Im Christentum sei beides zu finden, einerseits die Transzendenz Gottes, andererseits aber auch ein göttlicher Aspekt des sinnlich Wahrnehmbaren, denn der Mensch und Gott Christus habe beides in sich vereint. Daher verleugne ein Jude, der Christus ablehnt, damit den wahren Kern seiner eigenen Religion. Im Unterschied zur traditionellen christlichen Auffassung stellt Nikolaus die Juden nicht über die Heiden, sondern billigt beiden Religionen gleichermaßen eine gewisse Berechtigung zu, die jedoch dann hinfällig werde, wenn ihre Vertreter sich weigern, die richtig verstandene Verehrung Christi als die eigentliche Verwirklichung des von ihnen Angestrebten zu erkennen.

In De pace fidei („Über den Glaubensfrieden“) bedient sich Nikolaus zur Darlegung seiner Auffassung einer literarischen Fiktion. Geschildert wird eine Vision eines Mannes – gemeint ist der Autor selbst –, der eine Versammlung im Himmel miterlebt. Unter der Leitung Gottes beraten die Engel und die Seligen über das Elend auf der Erde, das durch gewaltsame religiöse Konflikte verursacht wird. Die weisesten Vertreter der einzelnen Völker werden – wie in Ekstase entrückt – herangezogen. Vor dem Wort Gottes sowie den Aposteln Petrus und Paulus legen sie ihre Standpunkte dar und werden von ihnen über die göttliche Wahrheit belehrt. Die Belehrung erfolgt nicht autoritativ, sondern mittels philosophischer Argumentation; die Weisen treten als Philosophen auf. Sie erhalten den Auftrag, zu ihren Völkern zurückzukehren und in Jerusalem eine Versammlung einzuberufen, auf der ein ewiger weltweiter Glaubensfrieden beschlossen werden soll.

In dieser Einkleidung präsentiert Nikolaus seine Meinung über die religiösen Streitigkeiten und deren mögliche Beendigung. Danach hat Gott den einzelnen Völkern zu verschiedenen Zeiten Könige und Propheten geschickt, die das rohe, ungebildete Volk unterwiesen und religiöse Vorschriften und kultische Riten einführten. Die Menschen haben dann jedoch diese „Gewohnheiten“ mit der absoluten Wahrheit verwechselt. Auch weiterhin sind sie der irrigen Überzeugung, ihre religiösen Sitten seien die Umsetzung direkter, wörtlicher Anweisungen Gottes. Daher meinen sie, sie müssten ihren besonderen Glauben, den sie aus Gewohnheit für allein wahr halten, auch mit Waffengewalt gegen die anderen durchsetzen bzw. verteidigen.

Damit glauben sie den göttlichen Willen zu erfüllen. In Wahrheit sind aber aus Nikolaus’ Sicht die Verehrungsformen der verschiedenen Religionen und die unterschiedlichen christlichen Riten nur besondere Ausprägungen einer einzigen schlechthin wahren Universalreligion. In dieser kommt Christus die zentrale Funktion des Vermittlers zwischen Gott und den Menschen zu, weil in ihm die göttliche und die menschliche Natur auf die beste überhaupt mögliche Weise vereint sind. Nikolaus versucht zu zeigen, dass die Existenz eines solchen vollkommenen Vermittlers eine notwendige Konsequenz aus Gottes Vollkommenheit sei.

Die Einheit unter den Religionsgemeinschaften (lateinisch sectae), die Nikolaus analog zu seinem Bemühen um Einheit innerhalb der Christenheit erstrebt, läuft jedoch nicht auf ein Nebeneinander aller ihrer Lehren in Gleichberechtigung hinaus. Vielmehr tritt er dafür ein, den Nichtchristen christliche Glaubensinhalte wie Trinität, Menschwerdung Gottes und Sakramente so zu erläutern, dass die Andersgläubigen die richtig verstandene Verehrung Christi als die eigentliche Grundlage ihres eigenen Glaubens erkennen. Somit sollen die Anhänger anderer Religionen faktisch Christen werden, auch wenn sie an ihren Riten und Gebräuchen wie etwa der Beschneidung festhalten, was Nikolaus ihnen zugesteht.

Nikolaus hält sogar eine Vielfalt von Bräuchen und Riten für wünschenswert. Er lässt den Apostel Paulus einen Wettstreit der Völker (nationes) befürworten. Jedes Volk solle seine besondere religiöse Tradition pflegen, um die anderen im Wettstreit zu übertreffen. Eine solche Konkurrenz könne die Frömmigkeit fördern. Nikolaus lässt sogar seinen Christus erklären, die Verehrung einer Mehrzahl von Göttern im Polytheismus gelte implizit der allem zugrunde liegenden einen Gottheit und brauche daher nicht abgeschafft zu werden. Es solle nur zusätzlich der Kult der einen Ursache aller Dinge explizit in die religiöse Praxis (religio manifesta) der Polytheisten aufgenommen werden. Sie könnten dann ihre Götter weiterhin verehren so wie die Christen ihre Heiligen, sollten aber die Anbetung dem einen Schöpfer vorbehalten. So könne der Konflikt zwischen ihnen und den Monotheisten beigelegt werden.

Auseinandersetzung mit religiöser Differenz

Es scheint, dass Cusanus seine Haltung zum Problem religiöser Differenz in Grundzügen bereits früh, anlässlich der innerkirchlichen und reichspolitischen Auseinandersetzung mit den aufständischen Anhängern des hingerichteten Jan Hus in Böhmen entwickelte. Noch auf dem Basler Konzil verfasste er 1433 einen Traktat zur Hussitenfrage, in dem er grundsätzlich die Position der Böhmen hinsichtlich Kelchkommunion und Schriftauslegung klar ablehnt. Dennoch formuliert De usu communionis den Grundgedanken, dass vorbehaltlich einer (im betreffenden Fall nicht gegebenen) Übereinstimmung der Gesamtkirche, ein und derselbe christliche Glaube auch durch verschiedene Riten zum Ausdruck gebracht werden könnte.

Diesen Gedanken der religio una in varietate rituum wendet Cusanus rund 20 Jahre später an, als er auf die Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmed II. 1453 mit der Schrift De pace fidei (Über den Frieden im Glauben) reagierte. De pace fidei behandelt in Form einer fiktiven Zusammenkunft von Gläubigen verschiedener Religionen die Frage, wie ein umfassender und dauerhafter Friede trotz gegebener Differenzen möglich sei. Der in Dialogform gehaltene Text inszeniert eine Belehrung der anwesenden Gläubigen (z. T. durch Christus, als das Wort (verbum), durch welches die Schöpfung erfolgt ist) darüber, dass sie im Sinn ihrer Gottesverehrung (religio) eigentlich übereinstimmen, während Differenzen lediglich in der äußeren Gestalt von Riten bestünden. Methodisch wird zu diesem Zweck eine Reinterpretation vorgefundener Glaubensüberzeugungen geleistet, welche die Vielfalt gegebener religiöser Überzeugungen und Praktiken inhaltlich auf religionsübergreifend geteilte Voraussetzungen (praesuppositiones) zurück führt. Dies ist allerdings den einzelnen Religionsvertretern in Form einer aufwändigen „Präsuppositionsdialektik“ oft erst vor Augen zu führen.

Der Text weist eine klare Tendenz auf, zentrale christliche Dogmen als Bestandteil der einen, von allen eigentlich geteilten Religion auszuweisen (dies ist auch die Strategie der Interpretation des Korans in der Cribratio Alkorani = Sichtung des Koran). Nicht nur deshalb sollte die bisweilen vorgetragene Würdigung von De pace fidei als „Toleranzschrift“ zumindest relativiert werden. Toleranz ist vor allem auch deshalb nicht die Stoßrichtung des Textes, weil dieser den Religionsfrieden durch die Beseitigung, nicht die Duldung von Alterität zu erreichen versucht. Die cusanische Schrift steht somit eher in der Tradition fiktiver mittelalterlicher Religionsdialoge (etwa Abélards oder Ramon Llulls), welche eine rationale Übereinkunft in Glaubensstreitigkeiten nicht nur für möglich hielten, sondern in modellhafter Auseinandersetzung mit anderen Religionen auch vorzuführen versuchten. Angesichts weitaus aggressiverer Reaktionen auf die türkische Eroberung Konstantinopels erscheint dieser rationale Zugang zum Problem religiöser Differenz durchaus verdienstlich genug – und im Kontext der Erkenntnistheorie und Anthropologie des Cusanus von überdauerndem Interesse.

Eine Modernität von De pace fidei lässt sich jenseits der Toleranzbehauptung im Übrigen auch im Sinne der Ritenvielfalt als früher Formulierung eines Rechts auf einen Pluralismus kultureller Identitäten vertreten. Dabei ist auch von Interesse, dass der Text eine Art friedlichen Wettbewerb der verschiedenen religiösen Kulturen um die gelingende Form der äußeren Gottesverehrung in die Zukunft projiziert.

Im vorliegenden Zusammenhang mag schließlich noch die Auseinandersetzung mit Orakelglaube und Idolatrie von Interesse scheinen. Cusanus nimmt hier eine rationalisierende Haltung ein und führt die scheinbaren magischen Fähigkeiten von Götzenbildern und Orakeln auf die mehr oder minder treffsichere divinatorische Tätigkeit menschlicher Priester zurück. Konsequenterweise vertritt De pace fidei eine Art Fortschrittsperspektive, aus welcher die Aufgabe entsprechender Praktiken als Hinwendung zum eigentlichen Inhalt religiöser Verehrung verstanden wird.

Türkenkalender für das Jahr 1455

Diese Flugschrift mit der Überschrift „Eyn manung der cristenheit widder die durken“ war eine Propagandaschrift, die vor den Türken warnen sollte und die Unterstützung zu einem Kreuzzug forderte (Anlass: Eroberung Konstantinopels 1453). Der Kalender begann mit dem 1. Januar 1455, und in jedem Monat wurde, neben den Angaben zum Datum des Neumondes, ein geistlicher oder weltlicher Herrscher zum Widerstand aufgerufen. Obwohl der Text aus paarweise gereimten Versen bestand, wurde er in fortlaufenden Zeilen gesetzt.

Ein bis heute erhaltenes vollständiges Exemplar (Bayerische Staatsbibliothek München, Rar. 1) besteht aus sechs Blättern und lässt Schlussfolgerungen über den Typenbestand zuTürkenbulle (1455/1456)

Papst Calixtus III. aus der berühmt-berüchtigten Familie der Borgia rief in der am 29. Juni 1455 verkündeten Bulle zu einer Teilnahme und Unterstützung eines Kreuzzuges ab dem 1. Mai 1456 auf. Sein Pontifikat stand zwar unter den Zeichen des Kampfes gegen die Türken, die das Abendland bedrohten, doch war er der erste Papst, der einem nahezu schrankenlosen Nepotismus huldigte. Die lateinischen und deutschen Ausgaben (Übersetzung durch den Bischof Heinrich Kalteisen von Drontheim) dieser Flugschrift wurden demzufolge in der Zeit zwischen Juni 1455 und April 1456 hergestellt. Ein vollständiges deutsches Exemplar (25 bedruckte Seiten) findet sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin, ein lateinisches in Princeton/USA.

Nestorianismus ist die christologische Lehre, dass die göttliche und menschliche Natur in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt sei, und damit eine Form des Dyophysitismus. Sie ist nach Nestorius benannt, der von 428 bis 431 Patriarch von Konstantinopel war und sie maßgeblich vertreten hat. Insbesondere Kyrill von Alexandria hat sie heftig kritisiert, und auf dem Konzil von Ephesos 431 und dem Zweiten Konzil von Konstantinopel 553 wurde die Lehre als Häresie verurteilt. Nur die Kirche des Ostens vertrat daraufhin noch die nestorianische Lehre, weshalb sie auch als Nestorianische Kirche bekannt ist.

Als Reaktion auf den Nestorianismus entstand der gegensätzlich ausgerichtete Monophysitismus (auch Miaphysitismus), nach dem Jesus vollkommen göttlich sei und nur eine göttliche Natur habe. Dieser wurde auf dem Konzil von Chalcedon 451 verworfen und die Zweinaturenlehre angenommen, nach der göttliche und menschliche Natur Christi unvermischt und ungetrennt nebeneinander stehen.

Maria wird nur als Christusgebärerin, aber nicht als Gottesgebärerin verehrt.

Veranstaltung vom 31.10.2018

Ausbreitung von Christentum und Islam

Entwicklung des Christentums bis zum Frühmittelalter

Der Begriff „Christentum“ (von griech. Χριστιανισμός, Christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochien im 2. Jahrhundert erwähnt. Nach der Apostelgeschichte wurden die Jünger Jesu Christi zuerst von den Bewohnern der zum Römischen Reich gehörenden syrischen Stadt Antiochia am Orontes Christianói, Christen genannt, in welche die Christen nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren. Man sah offenbar das Christusbekenntnis der Anhänger Jesu als charakteristisch für ihren Glauben an. Die Christen übernahmen diese Bezeichnung bald auch für sich selbst. Das deutsche Wort Kristentûm ist erstmals bei Walther von der Vogelweide belegt.

Ursprung

Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum im römisch beherrschten Israel zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Es geht zurück auf die Anhänger des jüdischen Wanderpredigers Jesus von Nazaret. Mit dem Judentum ist das Christentum insbesondere durch den ersten Teil seiner Bibel verbunden, der den jüdischen heiligen Schriften des Tanach entspricht und im Christentum Altes Testament genannt wird. Ohne das Alte Testament wäre der christliche Glaube geschichtslos und bliebe unverständlich. Christen lesen die Texte des Alten Testaments von Jesus Christus her und auf ihn hin (christologische Interpretation).

Im 1. Jahrhundert kam es zur graduellen Loslösung des Christentums vom Judentum, mit einem scharfen Schnitt nach der römischen Eroberung Jerusalems im Jahr 70, und schon davor gab es Auseinandersetzungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen, bei denen es im Wesentlichen darum ging, wie weit nichtjüdische Christen ans jüdische Gesetz gebunden sind. Diese Auseinandersetzungen fanden eine erste Lösung im Apostelkonzil. Ebenso entstanden in dieser Zeit die Briefe, Evangelien und übrigen Schriften des Neuen Testaments und kamen nach und nach in den liturgischen Gebrauch, parallel zu den von Anfang an verwendeten Schriften des Alten Testaments.

Das Christentum verbreitete sich in kurzer Zeit im Mittelmeerraum. Dabei übte der Hellenismus erheblichen Einfluss auf das christliche Denken aus. Erheblichen Einfluss gewann der Hellenismus früh auch auf das Judentum und auf das sich daraus entwickelnde Christentum – der Apostel Paulus von Tarsus war ein gründlich hellenisierter Jude und auch die Sprache des Neuen Testaments und der meisten frühen Kirchenväter war das Griechische.

Lehre

Jesus ist nach christlichem Glaubensverständnis zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch. Die christliche Lehre, die auf dem biblischen Zeugnis basiert, hat folgenden zentralen Inhalt: Gott wandte sich in der Menschwerdung („Inkarnation“) in seinem Sohn Jesus Christus der in Sünde verstrickten Menschheit zu; der Tod Jesu Christi am Kreuz bewirkte die Erlösung durch Beseitigung von Schuld und Sünde der Menschheit.

Überblick

Das Christentum entstand im 1. Jahrhundert aus dem Glauben einer Minderheit im palästinischen Judentum an die Gottessohnschaft Jesu von Nazaret. Urchristen wie Paulus von Tarsus und der Evangelist Johannes entfalteten diesen Glauben auch mit Begriffen aus der griechischen Philosophie. Seitdem verbreitete sich die neue Religion trotz Verfolgungen im gesamten Römischen Reich.

Zu den ersten Christenverfolgungen und Märtyrern kam es bei innerjüdischen Auseinandersetzungen mit Tempelpriestern und Pharisäern (Stephanus, Jakobus der Ältere, Jakobus der Gerechte), dann auch im römischen Reich (Simon Petrus, Paulus von Tarsus) unter Nero. Es kam zu Christenverfolgungen unter Domitian (81–96) und Trajan (98–117).

Nach dem Tod von Mark Aurel 180 lebten die Christen in relativem Frieden bis zu den Christenverfolgungen unter Decius (249–253) und Valerian (253–260). Diese fanden, im Gegensatz zu früher, im ganzen Reich statt und zielten darauf, das Christentum auszurotten. Verbreitet war die Anwendung von Folter, um Christen zum Abfall zu bewegen. Insbesondere Bischöfe und Priester wurden getötet, Eigentum von Christen wurde konfisziert, christliche Schriften wurden zerstört.

Die massivsten Christenverfolgungen fanden Anfang des vierten Jahrhunderts unter Diokletian statt. Besonders im Osten des Reichs, in Kleinasien, Syrien und Palästina, verliefen sie sehr blutig.

Die größte Christenverfolgung unter Diokletian (303–311) endete damit, dass Kaiser Galerius 311 das Toleranzedikt von Nikomedia verabschiedete, das die Christenverfolgungen im römischen Reich im Wesentlichen beendete. Zwei Jahre später erweiterten Kaiser Konstantin I. und Licinius, Kaiser des Ostens, dieses Edikt im Toleranzedikt von Mailand, das allen im römischen Reich freie Religionsausübung zusicherte.

Als Reaktion auf die Verfolgungen und auf sarkastische Schriften heidnischer Schriftsteller (Celsus) traten im 2. Jahrhundert Apologeten auf, die in ihren Schriften den christlichen Glauben verteidigten. Zu den bedeutendsten gehörten in der Mitte des 2. Jahrhunderts Justin der Märtyrer, Tatian und Athenagoras und Anfang des 3. Jahrhunderts Origenes und Tertullian.

Nach dem Ende der staatlichen Verfolgungen 311 wurde sie später zur Staatsreligion und schließlich zur heute größten Weltreligion. Mit der Bildung von Kirchen mit einer Beamtenhierarchie (Klerus) gingen dogmatische Streitfragen einher, die mitunter zu Kirchenspaltungen und Neubildung von Konfessionen führten.

Nach 300 Jahren waren etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung des römischen Reiches Christen geworden. Die theologischen Zentren dieser Ausbreitung lagen in Kleinasien, Syrien und Nordafrika. Nachdem es im Römischen Reich in der Zeit Konstantins erst toleriert und dann unter Justinian I. sogar zur Staatsreligion wurde, breitete es sich innerhalb der griechisch-römischen Kultur so stark aus, dass es außerhalb des Römischen Reichs mit diesem identifiziert wurde. In der ausgehenden Spätantike umfasste seine Ausdehnung die des Römischen Reichs und einiger angrenzender Gebiete wie Armenien oder Äthiopien; auch im Sassanidenreich breitete es sich, in Gestalt der nestorianischen Glaubensrichtung, langsam aus.

< Justinian I.

Justinian, eigentlich Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus, altgriechisch Φλάβιος Πέτρος Σαββάτιος Ἰουστινιανός, in einigen Quellen und Teilen der älteren Literatur auch Justinian der Große genannt (* um 482 in Tauresium; † 14. November 565 in Konstantinopel), war vom 1. August 527 bis zu seinem Tod römischer Kaiser. In manchen orthodoxen Quellen wird er als Heiliger bezeichnet, im offiziellen kirchlichen Synaxarion wird er jedoch nicht als Heiliger geführt.

Justinian gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike. Seine Regierungszeit markiert eine wichtige Übergangsphase vom antiken Imperium Romanum zum Byzantinischen Reich des Mittelalters. Für das Ende der Antike stehen die von ihm befohlene Schließung der neuplatonischen Philosophenschule in Athen 529 und die Abschaffung des altrömischen Amts des Konsuls im Jahr 542. Andererseits gelang es ihm in langen Kriegen gegen Ostgoten und Vandalen, weite Teile des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs wiederzugewinnen, die im Verlauf der sogenannten Völkerwanderung an die Germanen gefallen waren. Im Osten sah sich das Reich zu seiner Zeit in ähnlich schwere, wechselhafte Kämpfe mit den neupersischen Sassaniden verwickelt. Prägende Bedeutung gewann Justinian für die Rechtsgeschichte, da er die Kompilation des römischen Rechts, das später so genannte Corpus Iuris Civilis, in Auftrag gab.

Das Kaisertum erfuhr während seiner Regierung eine immer stärkere Sakralisierung. Dies zerstörte die letzten Reste der einst vom Prinzipat geschaffenen Fiktion, dass der Kaiser nur ein primus inter pares sei. Die wichtigste erzählende Quelle für die Zeit Justinians sind die Werke des Geschichtsschreibers Prokopios von Caesarea, der die Politik des Kaisers heftig kritisierte.

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Die weitgehende Christianisierung des Römischen Reichs führte jedoch nicht zu einer christlichen Einheitskultur. Neben der Reichskirche mit einem lateinischen Schwerpunkt in Rom und einem griechischen in Konstantinopel gab es, insbesondere im Vorderen Orient und Ägypten, verschiedene monophysitische Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens, die alle in der lokalen Sprache und Kultur fest verankert waren und blieben.

Nach den Verfolgungen durch Decius sah sich die Kirche mit der Frage konfrontiert, wie sie mit den Christen umgehen sollte, die unter dem Druck der Verfolgung abgefallen waren – und allgemeiner mit Christen, die nach der Taufe schwer gesündigt hatten. Diese Frage der Ekklesiologie sollte insbesondere den Westen während der nächsten 150 Jahre beschäftigen. Eine Fraktion unter Novatian gehörte zu den ersten Gruppen, die um der Reinheit der Kirche willen eine rigorose Exkommunikationspraxis forderten, eine Haltung, die auch von den Donatisten vertreten wurde. Im Gegensatz dazu vertraten im 3. Jahrhundert Cyprian und im späten 4. Jahrhundert Augustinus von Hippo eine Kirche, die sich, wie ihr Gründer Jesus Christus, den Sündern zuwenden solle.

Die zweite Frage, die im 3. Jahrhundert von verschiedener Seite diskutiert wurde, betraf die Christologie, insbesondere das Verhältnis Jesu Christi zu Gott dem Vater. Sabellius war der prominenteste Vertreter des modalistischen Monarchianismus, der die Sicht vertrat, dass sich der eine Gott nacheinander als Schöpfer, Jesus Christus und Heiliger Geist offenbarte. Im Gegensatz dazu vertraten etwa Paul von Samosata und nach ihm Lukian von Antiochia, der seinerseits der Lehrer von Arius und Eusebius von Nikomedia war, den dynamischen Monarchianismus, der Jesus Christus ganz als Menschen sah, der bei seiner Taufe von Gott adoptiert worden war. Beide Lehren wurden von Bischofssynoden verurteilt. Die christologischen Streitigkeiten gingen jedoch bis ins 6. Jahrhundert weiter.

In der Bibelauslegung entwickelten sich zwei unterschiedliche Schulen, die Antiochenische Schule, die sich unter Berücksichtigung von Feinheiten des Wortschatzes und der Grammatik auf die Erforschung des tatsächlichen Schriftsinns konzentrierte, und die Alexandrinische Schule, die in der Nachfolge von Origenes den Schwerpunkt in der allegorischen Bibelauslegung hatte. Der Gegensatz zwischen Antiochia und Alexandria sollte sich später auch in der Politik und in der Dogmatik weiter auswirken.

Der Monophysitismus (von altgriechisch μόνος monos ‚einzig‘ und φύσις physis ‚Natur‘) oder Miaphysitismus (von μία mia ‚eine‘) ist die christologische Lehre, dass Jesus Christus nach der Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen in der Inkarnation nur eine einzige, göttliche Natur habe. Dies steht im Gegensatz zur Zweinaturenlehre, nach der göttliche und menschliche Natur Christi „unvermischt und ungetrennt“ nebeneinander stehen. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde die Zweinaturenlehre angenommen und der Monophysitismus verworfen, allerdings in einigen orientalisch-orthodoxen Kirchen weiterhin vertreten.

Die Antichalcedonier selbst wenden sich von jeher gegen die Benennung als „Monophysiten“, die in den Quellen ohnehin erst im 7. Jahrhundert erscheint (und zudem meist in verunglimpfender Absicht), und bevorzugen die Bezeichnung Miaphysiten. Die griechische Wurzel mia bedeutet eins. Dieses Wort betont eher die Einheit als die Einzahl und reflektiert besser die Position, dass in Christus das Göttliche und das Menschliche eine Natur bilden, vereint „ohne Vermischung, ohne Trennung, ohne Durcheinander und ohne Wechsel“, wie eine seit der Spätantike übliche theologische Formel lautet. In ihrer eigenen Wahrnehmung lehnen die Mono- bzw. Miaphysiten die Zweinaturenlehre also nicht prinzipiell ab und gehen durchaus davon aus, Jesus Christus sei Gott und Mensch gewesen – sie nehmen dabei allerdings an, dass sich die beiden Naturen Christi vermischt hätten, wobei die göttliche dominiert habe.

In der Forschung vermeidet man heute oft die missverständliche und parteiische Bezeichnung „Monophysiten“. Vor allem außerhalb der Spezialliteratur ist diese aber immer noch gebräuchlich.

Die Assyrische Kirche des Ostens (vollständiger Name: Heilige Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens, aramäisch ܥܕܬܐ ܩܕܝܫܬܐ ܘܫܠܝܚܝܬܐ ܩܬܘܠܝܩܝ ܕܡܕܢܚܐ ܕܐܬܘܪ̈ܝܐ) ist eine autokephale und völlig eigenständige Ostkirche syrischer Tradition in Nachfolge des im Sassanidenreich entstandenen altchristlichen Katholikats von Seleukia-Ktesiphon.

Während schon im 2. und 3. Jahrhundert in lokalen Synoden über Lehrfragen entschieden worden war, gab es im 4. Jahrhundert erstmals ökumenische Konzilien – das erste Konzil von Nicäa 325 und das erste Konzil von Konstantinopel 381 – denen nach damaliger Sicht die höchste Autorität in Fragen der Lehre und Kirchenorganisation zukam, wobei eine solche Autorität von der unterlegenen Seite längst nicht immer anerkannt wurde.

Die Assyrische Kirche des Ostens hat sich beim nestorianischen Streit auf dem Konzil von Chalcedon (451) von den übrigen Kirchen getrennt, ohne jedoch tatsächlich den Nestorianismus zu vertreten.

Die Nestorianer waren die vorherrschende christliche Kirche im persischen Reich und unter den Abbassiden. Es waren nestorianische Christen, die an den Höfen der Kalifen die alten griechischen Philosophen ins Arabische übersetzten, die dann Jahrhunderte später von den Arabern ins europäische Mittelalter kamen. Die Nestorianer waren missionarisch sehr aktiv: es gab viele nestorianische Gemeinden und Bischöfe entlang der Seidenstraße und 635 kamen sie bis nach China, wo sie Klöster gründeten und einen Metropoliten einsetzten. Bis zum Jahr Tausend waren diese Gemeinden jedoch dem Islam und Buddhismus gewichen. Einzig in Südindien und Ceylon blieben nestorianische Gemeinden bestehen.

Die miaphysitischen Kirchen, u. a. die Koptische Kirche und die Armenische Apostolische Kirche, haben 451 die Entscheidungen des ökumenischen Konzils von Chalcedon nicht anerkannt und sich daraufhin getrennt. Die Gründe dafür waren teils theologisch und teils politisch begründet.

Die Patriarchate von Alexandria (einschließlich Äthiopien) und Jerusalem waren weitgehend miaphysitisch und sagten sich von der Reichskirche los, wenn es auch überall parallel dazu Minderheiten gab, die bei der Reichskirche blieben.

Die Armenische Kirche bestand auch unter der Herrschaft der Sassaniden und Araber weiter und trug wesentlich zur armenischen Identität bei und hatte ihre eigene Literatur und Architektur, zahlreiche Klöster und Schulen und eine eigene Kunstrichtung. Sie verbreitete sich im Wesentlichen durch armenische Kolonien und Händler.

Christologie und Trinität

Die Frage der Trinität (Dreigestalt) Gottes gewann in der Frühphase des Christentums an Bedeutung. Eine sich auf den Presbyter Arius beziehende Gruppe von Christen Arianer vertrat die Ansicht, dass Gottvater, Sohn und Heiliger Geist nicht wesensgleich (gr. ὁμοούσιος), sondern Sohn und Geist dem Vater nur wesensähnlich (gr. ὁμοιύσιος) sind. Aus Sicht der Arianer war lediglich der Vater Gott. Geist und Sohn sind zwar von Anbeginn existent, aber von Gott geschaffen und damit lediglich Abbilder Gottes.

Diese Frage nach der Gestalt Gottes berührte auch die Eigenschaft des Christentums als Monotheismus und war damit von zentraler Bedeutung für das frühe Christentum.

Historische Entwicklung

Alte Kirche

In der Alten Kirche entstanden in den Regionen des römischen Reiches Obermetropolien, die die Vorherrschaft in ihrem Gebiet innehatten. Daraus entwickelten sich die fünf altkirchlichen Patriarchaten, die als Pentarchie im Römischen Reich die gesamte damalige Weltkirche abbildeten. Vier sind heute orthodoxe Patriarchate und das fünfte Patriarchat Rom bildet die Lateinische Kirche, der Patriarchentitel wird aber seit 2006 nicht mehr geführt.

Römisch-katholische Kirche

Das Patriarchat des Abendlandes in Rom war das einzige der fünf altkirchlichen Patriarchate im Weströmischen Reich. Aus diesem entwickelte sich die Lateinische Kirche, die die größte Rituskirche der römisch-katholischen Kirche bildet, und das Papsttum. Historisch gesehen übt der Papst die patriarchale Jurisdiktion über die Lateinische Kirche und alle Partikularkirchen aus, die keiner anderen patriarchalen Jurisdiktion angehören. Der von den Päpsten seit dem 5. Jahrhundert geführten Titel Patriarch des Abendlandes wird seit 2006 unter Papst Benedikt XVI. nicht mehr offiziell geführt.Neben Rom gibt es noch weitere Patriarchate in der römisch-katholischen Kirche, fünf in der Lateinischen Kirche und acht in den Katholischen Ostkirchen.

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat eine Doppelrolle innerhalb der orthodoxen Kirche: Zum einen ist er das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Konstantinopel, zum anderen steht er den Bischöfen der gesamten orthodoxen Christenheit als „primus inter pares“ vor. Sein Amtssitz liegt im Phanar in Istanbul. Laut türkischem Recht muss der Patriarch türkischer Staatsbürger sein (einzige Ausnahme nach 1923: Athinagoras; 1948–72). Sein offizieller Titel ist Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Oekumenischer Patriarch. Seit 1991 hat das Amt Seine Allheiligkeit Bartholomeos I. inne.

Patriarch von Alexandrien: Patriarch von Alexandrien ist die Bezeichnung für die Bischöfe dreier christlicher Konfessionen, die alle ihren historischen Sitz in der ägyptischen Stadt Alexandria haben. Gemäß kirchlicher Tradition wurde der alexandrinische Bischofssitz vom Evangelisten Markus im Jahr 42 gegründet. Bis zum Konzil von Chalkedon (451) wird die gemeinsame Sukzessionslinie von allen drei Kirchen anerkannt.

Zurzeit wird der Titel von den folgenden Bischöfen geführt:  Der koptische-orthodoxe Patriarch von Alexandrien ist das Oberhaupt der koptischen Kirche, dessen volle Bezeichnung Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus lautet. Amtsinhaber ist seit November 2012 Tawadros II.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandrien ist das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche von Alexandrien. Seine volle Bezeichnung lautet Papst von Alexandrien und ganz Afrika und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus. Derzeitiger Amtsinhaber ist Theodoros II.

Der koptisch-katholische Patriarch von Alexandrien ist das Oberhaupt der mit Rom unierten koptisch-katholischen Kirche. Sein voller Titel lautet Patriarch von Alexandrien der Kopten. Derzeitiger Amtsinhaber ist Ibrahim Isaac Sidrak, Stellvertreter ist Kyrillos Kamal William Samaan OFM, Bischof der Eparchie Assiut.

Den Titel eines Patriarchen von Alexandrien führt auch das Oberhaupt der katholischen Melkiten, Patriarch von Antiochien und dem Ganzen Orient, von Alexandrien und von Jerusalem. Derzeitiger Amtsinhaber ist Gregor III. Laham.

Das Lateinische Patriarchat von Alexandrien bestand seit 1215 und wurde 1964 abgeschafft.

Das Patriarchat von Antiochien (auch Patriarchat von Antiochia) ist ein altkirchliches Patriarchat mit dem historischen Zentrum Antiochia am Orontes (Antiochien). Der Überlieferung zufolge wurde es vom Apostel Petrus gegründet. Dessen legitime Nachfolge beanspruchen, nach Spaltung des Patriarchats im Gefolge des Konzils von Chalcedon und nachfolgenden Trennungen, heute mindestens drei Kirchen. Ein jedes dieser Patriarchate betrachtet ihren eigenen Patriarchen als legitimen Nachfolger des Apostels Petrus auf der Kathedra von Antiochien. Aus historischen Gründen residiert keines dieser Kirchenoberhäupter noch in der Stadt Antiochien (heute Antakya in der Türkei).

Als Patriarch von Jerusalem amtieren heute die Oberhäupter mehrerer verschiedener christlicher Kirchen Jerusalems:

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem steht in der Nachfolge des altkirchlichen Patriarchats von Jerusalem.

Der katholische melkitisch-griechische „Patriarch von Antiochia und dem ganzen Orient“ führt seit 1838 auch die Titel eines Patriarchen von Jerusalem und von Alexandria. Er ist somit nominell Oberhaupt dreier altkirchlicher Patriarchate.

Der lateinische Patriarch von Jerusalem ist seit 1954 bzw. 1964 der einzige lateinische Patriarch im Osten.

Der armenische Patriarch von Jerusalem vertritt allein die armenische apostolische Kirche in Jerusalem. Er erhielt seinen Titel erst im Mittelalter und steht im Rang unter einem Katholikos.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch und der syrische-orthodoxe Metropolit betrachten sich beide als Nachfolger auf der Kathedra des Apostels Jakobus des Herrenbruders, der als erster Bischof von Jerusalem gilt.

Das Melkitische Patriarchat und das Lateinische Patriarchat sind Teilkirchen der Römisch-katholischen Kirche.

Da Jerusalem durch das Konzil von Chalkedon 451 zum Patriarchat erhoben wurde, dieses jedoch von den Orientalisch-orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wird, führen weder der zuständige syrisch-orthodoxe Metropolit von Jerusalem (Patriarchat Antiochien) noch der koptisch-orthodoxe Bischof in Jerusalem (Patriarchat Alexandrien) den Patriarchentitel. Auch der anglikanische (anfangs zugleich uniert-protestantische) Bischof von Jerusalem führte nie den Titel eines Patriarchen.

Konzile

Sollte über wesentliche Lehrfragen entschieden werden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen. Mehreren Konzilien, die sich selbst als „ökumenisch“ betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Ortskirchen allerdings später aberkannt. Insgesamt gab es von 325 bis 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von der katholischen, den orthodoxen, den anglikanischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; einige protestantische Kirchen lehnen allerdings das Zweite Konzil von Nicäa wegen seiner Aussagen über die Bilderverehrung ab.

Nach dem Konzil von Ephesos 431 n. Chr. kam es zu einer ersten Spaltung, nämlich der Abspaltung der Apostolischen Kirche des Ostens („Nestorianer“). Auf dem folgenden ökumenischen Konzil von Chalcedon wurde die Natur Christi als zugleich menschlich und göttlich definiert. Die miaphysitischen Kirchen, zu denen unter anderen die koptische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche und die armenische apostolische Kirche gehören, betonen die Einigung (Enosis) der menschlichen und der göttlichen Natur Christi und lehnen die Lehre eines „zweifachen Christus“ ab, wie er im extremen Dyophysitismus vertreten wird. Die Reichskirche rezipierte die gemäßigte Zwei-Naturen-Lehre des Chalcedonense, so dass sie Bestandteil der Dogmatik der meisten heute existierenden Konfessionen ist.

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum Bruch. Die westliche Tradition entwickelte sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter im weströmischen Reich, während die östliche Tradition in Konstantinopel, Kleinasien, Syrien und Ägypten entstand (Byzantinisches Reich). Die eigentlich dogmatischen Unterschiede bleiben zwar gering, aber die lateinische Kirche hatte in dieser Zeit Lehren entwickelt, die nicht von ökumenischen Konzilien abgesegnet worden waren (z. B. Erbsündenlehre, Fegefeuer, Filioque, päpstlicher Primat des Papstes). Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und Fragen des Ritus und der Liturgie (Samstagsfasten, Azyma). Die Situation spitzte sich im 11. Jahrhundert zu, so dass es 1054 zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel kam. Dieses Datum gilt üblicherweise als Beginn des morgenländischen Schismas.

Veranstaltung vom 06.11.2018

Islam und Christentum im Vergleich

Allah = „der Gott“ (eine der 365 arabischen Götzen, die Mohammed zum einzig wahren Gott erhob)

Gott, der Schöpfer, Erlöser und Erhalter Himmels und der Erde, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat.
Allah ist von der Schöpfung getrennt, es besteht keine Brücke zwischen Gott und den Menschen. Gott: Brücke zwischen Gott und Mensch durch Jesus Christus: Gott wurde Mensch und starb für uns!
Allah ist nicht ein Gott der Liebe und Beziehung. Er ist nicht Vater der Gläubigen. Er ist erhaben, unnahbar gefühllos und handelt immer willkürlich. Er ist so transzendent, dass er nie personenbezogen handelt. Gott ist Licht (= heilig) und Liebe; ein Gott der Beziehung.

Er gab den Menschen einen freien Willen, und wirbt um die Gegenliebe des Menschen.

Er ist Vater der Erlösten in Christus.

Der Mensch ist dem Willen Allahs auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Der Mensch hat keinen freien Willen, sondern alles ist von Allah bestimmt, der unberechenbar und der Urheber von gut und böse ist. Der Mensch hat einen freien Willen, mit dem er sich für oder gegen Jesus Christus entscheiden kann. Gott appelliert an diesen freien Willen des Menschen.
Das Ziel: völlige Unterwerfung (Islam) unter Allah. Das Ziel der Erlösung ist ewige Gemeinschaft mit Gott.
Kein allgemeiner Sündenfall mit Auswirkung auf alle Menschen. Sündenfall Adams hatte Folgen für alle Nachkommen Adams. Durch Adams Sünde kam der Tod.
Der Mensch ist nicht von Allah getrennt. Der Mensch ist durch die Sünde von Gott getrennt.
Das Heil: Keine Versöhnung, keine Sühne ist nötig. Versöhnung ist nur durch Jesus Christus möglich.
Der Mensch soll sich für das Gute entscheiden und das Böse meiden. Der Mensch ist böse und kann von sich aus nichts Gutes vor Gott tun. Und er kann nicht durch Gutestun seine Schuld vor Gott wiedergutmachen.
Der Mensch kann Allah durch gute Werke gefallen. Der Mensch kann durch das Tun guter Werke nicht vor Gott gerecht werden. Rm 3,20; Ga 2,20
Allah hat keine Kinder. Jesus Christus darf nicht als Gott verehrt werden. Jesus wurde von Allah erschaffen. Jesus Christus ist Gott; er war immer und existierte ewig mit dem Vater. Jh 1,1; 1Jh 5,21
Er wurde von Allah in den Leib der Maria versetzt. Jesus Christus ist nur ein Mensch, nicht Allahs Sohn. Vor 2000 Jahren wurde er durch den Heiligen Geist in Maria empfangen: Gott wurde Fleisch (Mensch). Lk 1,35
Allah ist nur einer, nicht drei.

Der Koran behauptet, die Christen würden zu drei Göttern beten: zu Gott, zu Jesus und zu Maria.

Gott ist einer und drei. Jh 1,1-3

Die Christen beten zum Vater und zum Sohn. Sie tun es in der Kraft und Leitung des Heiligen Geistes. Maria war ein Mensch. Sie ist nicht Gott und wird daher nicht angebetet.

Jesus war einer der wichtigsten Propheten. Aber Mohammed ist der größte und wichtigste und letzte. Jesus Christus ist der verheißene Erlöser und Retter der Welt. Er ist Sohn Gottes und damit der größte Prophet. [Mohammeds Lehre steht im Widerspruch zur Bibel.]
Mohammed wurde durch Jesus angekündigt. Nicht Mohammed wurde durch Jesus angekündigt, sondern der Heilige Geist. Jh 14,16f
Jesus wurde nicht gekreuzigt und ist nicht auferstanden. (Der Koran macht keine klaren Angaben. Man meint, Jesus wurde von Allah entrückt. Ein anderer starb an seiner Stelle.) 1Kr 15,3-4: „dass Christus für unsere Sünden starb nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt wurde nach den Schriften, und dass er Kephas (= Petrus) erschien, sodann den Zwölfen.“
Es gibt kein stellvertretendes Opfer. Jesus Christus starb stellvertretend für alle Menschen. 1P 1,18f
Sünde ist ein Vergehen gegen Menschen. Es betrifft Allah nicht. Sünde ist in erster Linie immer ein Vergehen gegen Gott und schmerzt ihn. Erst in zweiter Linie betrifft sie den Menschen, der unter ihr leidet.
Es gibt sündlose Menschen: die Propheten Es gibt keine sündlosen Menschen außer Jesus Christus.
Glaube = Allah anerkennen (Aufsagen des Bekenntnisses: Es gibt keinen Allah [o: Gott] außer Allah und Mohammed ist sein Prophet), sich ihm unterwerfen, ihm danken, seine Gebote halten. Glaube = seine Schuld und Verlorenheit einsehen, Jesu Erlösung und persönliche Herrschaft in allen Lebensbereichen für sich in Anspruch nehmen und sich ihm anvertrauen.
Niemand kann sich seines Heils gewiss sein. Kismet! Wer den Sohn Gottes hat, hat das Leben. ER kommt nicht ins Gericht! Jh 5,24 und 1Jh 5,11-13
Der Koran (ca. 300 Seiten) wurde Mohammed direkt eingegeben, ohne Beteiligung seiner Persönlichkeit. Die Bibel (ca. 5mal so dick; Sammlung der 66 hl. Schriften; die Propheten schrieben unter Leitung des Hl. Geistes.
Entstehung des Koran: Er entstand nicht, sondern war – als „Wort Gottes“ – ewig im „siebten Himmel“. Der Engel Gabriel brachte ihn zu Mohammed auf die Erde. Gottes Wort wurde durch die Propheten gegeben, wobei die Persönlichkeit der Autoren nicht ausgeschaltet war. Das Ergebnis ist „gottgehauchtes“ Wort Gottes. 2T 3,16. Die Schriften der Propheten (1500 v. Chr. bis 100 n. Chr.) wurden in der „Bibel“ gesammelt.
Die Lehre soll auch mit Gewalt verbreitet werden. Die Lehre soll durch Verkündigung und gelebte Liebe verbreitet werden. Kol 4,5-6

Die Entstehung dieser Lehre

Mohammeds erste Offenbarung:

Mohammed empfängt sie im Alter von 40 Jahren. Nach Meditation in der Einöde. Dschibrail = Gabriel »Als ich schlief, so erzählt der Prophet später, trat der Engel Gabriel zu mir mit einem Tuch wie aus Brokat, worauf etwas geschrieben stand, und sprach: “Lies!” “Ich kann nicht lesen”, erwiderte ich. Da presste er das Tuch auf mich, so dass ich dachte, es wäre mein Tod. Dann ließ er mich los und sagte wieder: “Lies!” “Ich kann nicht lesen”, antwortete ich. Und wieder würgte er mich mit dem Tuch, dass ich dachte, ich müsste sterben. Und als er mich freigab, befahl er erneut: “Lies!” Und zum dritten Male antwortete ich: “Ich kann nicht lesen.” Als er mich dann nochmals fast zu Tode würgte und mir wieder zu lesen befahl, fragte ich aus Angst, er könnte es nochmals tun: “Was soll ich lesen?” Da sprach er: “LIES IM NAMEN DEINES HERRN, DES SCHÖPFERS, DER DEN MENSCHEN ERSCHUF AUS GERONNENEM BLUT! LIES! UND DER EDELMÜTIGSTE IST DEIN HERR, ER, DER DAS SCHREIBROHR ZU BRAUCHEN LEHRTE, DER DIE MENSCHEN LEHRTE, WAS SIE NICHT WUSSTEN.” (Sure 96:15) Ich wiederholte die Worte, und als ich geendet hatte, entfernte er sich von mir. Ich aber erwachte, und es war mir, als wären mir die Worte ins Herz geschrieben. Sodann machte ich mich auf, um auf den Berg zu steigen, doch auf halber Höhe vernahm ich eine Stimme vom Himmel: “O Mohammed, du bist der Gesandte Allahs, und ich bin Gabriel!”

Es folgten weitere Offenbarungen; die Symptome, die den Empfang seiner Visionen und Auditionen begleiteten, waren nach seiner Schilderung die folgenden: Die Offenbarung kündigt sich durch Getöse wie von einer Glocke an; dann wurde er jeweils von einem Schlag getroffen.

»Niemals kommt die Offenbarung zu mir, ohne, dass ich glaube, meine Seele würde mir genommen.«

Er fiel zuweilen auf den Boden, als sei er betrunken, und brüllte wie ein Kamelfohlen.

Mohammed über die Juden:

Eine gezielte Verleumdung des Glaubens der Juden ist die Sure 9:30:

»Es sprechen die Juden: “Esra ist Allahs Sohn.”…Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah schlage sie tot! Wie sind sie verstandeslos

Den Juden wird im Koran angelastet, sie hätten alle Stellen aus ihren heiligen Schriften getilgt, die das Kommen Mohammeds ankündigten (Sure 2:159; 5:13)

Die Glaubenslehre Mohammeds

Die Pflichtenlehre des Islam

1. Das Glaubensbekenntnis

»Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.«

2. Das rituelle Gebet

Fünfmal des Tage,

nach Mekka gewandt, insgesandt 34mal vor Allah niederwerfen und bekennen, dieser sei der Größte.

Jeder Muslim in der ganzen Welt spricht sein bis auf die letzte Silbe vorformuliertes Gebet auf Arabisch.

Körperhaltung, Bewegungen und Anzahl Gebetsabläufe sind bei jeder der fünf befohlenen Gebetszeiten genau vorgeschrieben.

3. Das Fasten

Einen Monat: Ramadan – von kurz vor Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

4. Das Almosengeben

2,5% des Vermögens – einmal im Jahr – an die Armen.

5. Die Pilgerreise

Einmal im Leben – nach Mekka

Die Lehre des Islam über Gott

- »Gott ist Licht« (1Jo 1:5) – »Gott ist Liebe« (1Jo 4:16)

Von der Einheit und Einzigartigkeit Allahs

Aus dieser folgt

Von der Allmacht, Erhabenheit und Souveränität Allahs.

Allah ist so erhaben, dass er sich nicht verpflichtet wissen kann; er ist nicht an ein Wort gebunden (= keine Treue!)

Er ist allmächtig und unumschränkt, weshalb er auch sein Wort brechen kann.

Bibel: Gott ist Licht. : Er ist wahr, Er ist gerecht, Er ist wahrhaftig, Er ist zuverlässig, Er ist treu. Entsprechen nennt Ihn das Alte Testament bereits ‘ælohê ‘amên, den »Gott des Amen« (Jes 65:16), den Gott der Treue. Gott ist daher der Bundesgott. Er »bewahrt den Bund und die Güte«. Siebenmal steht diese Wendung im Alten Testament (5Mo 7:9 u.a.). Er hat sich an Sein Wort gebunden; Er hat sich Seinem Volk, dem Er Verheißungen gegeben hat, verpflichtet.

Al lah ist Führer und Verführer

Allah ist listig, täuscht und führt Menschen in die Irre:

Allah führt nun irre, wen er will, und leitet recht, wen er will. Er ist der Mächtige und Weise. 14,5

»Wen Allah leitet, der ist rechtgeleitet; und wen Allah irreführt, nimmer findest du einen Helfer für ihn außer ihm« (17:99)

»Sie (die Juden) schmiedeten Listen, und Allah schmiedete Listen; und Allah ist der beste Listenschmied« (3:47).

Das hier mit »Listen schmieden« übersetzte Verbum lautet arabisch makara; es wird im Arabisch-Englischen Wörterbuch von Wortabet und Porter wiedergegeben mit: to deceive, das hiezu gehörige Hauptwort makrun mit: trick, deceit, fraud.

Der Koran weiß über die Juden wenig Gutes zu sagen; so verwundert es uns nicht, dass es von ihnen heißt, dass sie auf Trug, Täuschung und List auswaren. Nur war Allah noch besser im Täuschen; seine List war noch größer als ihre. Die verschlagenen Juden wollten den Messias in eine Falle locken und töten; aber der noch verschlagenere Allah legte sie herein: Er sorgte dafür, dass Judas plötzlich aussah wie Jesus; und so kreuzigten die Juden »einen ihm (dem Messias) Ähnlichen« (4:155, 156).

Weitere Stellen zur List Allahs sind die Suren 7:97,182; 8:30; 13:42; 14:47; 27:51,52; 43:79; 52:42; 68:45; 86:15,16. Da Allah sein eigenes Wort brechen, d. h. auch treulos sein darf, darf auch der Muslim lügen, wenn er damit der Sache des Islam dient.

Der persische islamische Dichter und Gelehrte Al Ghazali ist einer der vielen, der lehrte, im Kampf der Muslime gegen die Ungläubigen sei die Lüge erlaubt: »Wisse, dass die Lüge in sich nicht falsch ist. Wenn eine Lüge der einzige Weg ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist sie erlaubt. Daher müssen wir lügen, wenn die Wahrheit zu einem unliebsamen Ergebnis führen müsste.«

Von Gottes Liebe

Das lehrt der Koran nicht. Allah hat 99 Namen, die als die schönsten gelten, die einer haben kann (59:23,24). Unter diesen allen findet sich weder der Name »Vater« noch auch »Liebe«.

Bibel: Gott ist »der Vater der Erbarmungen« (2Kor 1:3) und »der Gott aller Gnade« (1Pet 5:10). Er ist »langsam zum Zorn und groß an Güte« (Ps 103:8). Es ist der Gott der Liebe, der den Sünder rettet, indem Er ihm die Sünden vergibt. Das sind nicht erhabene aber leere Worte, sondern Er hat Seine Gnade, Sein Erbarmen und Seine Güte bewiesen. In Seiner Liebe hat Er seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern unsere Sünden auf ihn gelegt (Joh 3:16).

Von Gottes Vorherbestimmung

5,40: Weißt du denn nicht, dass Allah die Herrschaft über Himmel und Erde hat, und dass er bestraft, wen er will, und vergibt, wem er will? Allah hat zu allem die Macht.

Kismet

Er ist der willkürlich Rettende und Verderbende. Wenn er rettet, berührt es ihn nicht, wenn er verdirbt, berührt es ihn nicht. So sagt eine Hadith (eine verbindliche und an Autorität dem Koran gleichgestellte Tradition):

»Allah schuf den Menschen aus einem Erdenkloß, teilte ihn in zwei Teile, warf den einen in die Hölle und sprach: “Diesen ins ewige Feuer was kümmert’s mich?” Er warf den andern in den Himmel und sprach: “Diesen ins Paradies was kümmert’s mich?«

Seine Absicht bleibt immer verborgen, im Dunkel. Er ist selbst nicht Licht, und keiner kann wissen, was ihm einfallen könnte.

In der Bibel häufen sich Bekenntnisse wie: »Bei Dir ist der Quell des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht« (Ps 36:10); und: »Wenn wir im Licht wandeln, wie Er im Lichte ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, Seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde« (1Jo 1:7).

Koran:

»Allah führt die Ungerechten irre, und Allah tut was er will« (14:32). »Also führt Allah irre, wen er will, und leitet recht, wen er will« (74:34), »Wollt ihr recht leiten, wen Allah irregeleitet hat? Und wen Allah irreführt, nimmer findet der für ihn einen Weg« (4:90).

Mit dieser Auffassung von Allah hängt das Wort Islam zusammen. Es bedeutet »Unterwerfung«; nicht aber Unterwerfung unter Gottes geoffenbarten und durch Seine treue verbürgten Heilswillen, sondern Unterwerfung unter das Unvermeidliche, und zwar unter Unvermeidliches, das immer unbekannt bleibt, bleiben muss. Bibel: Wie anders ist die Sprache des ganzen Alten und Neuen Testaments. Dort finden sich Einladungen wie: »Suchet, und ihr werdet finden« (Mt 7:7). »Der Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis« (Ps 112:).

Von Gottes Dreieinigkeit

In der Bibel erfahren wir, dass der eine Gott in drei Personen geoffenbart ist.

Koran: »Er ist der eine Gott, der ewige Gott; er zeugt nicht und wird nicht gezeugt und keiner ist ihm gleich« (Sure 112). »Er hat sich keine Genossin genommen und keinen Sohn« (72:3) »Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim, und keiner derer, die Allah Gefährten geben« (3:60).

Es ist offenkundig, dass Mohammed sich bewusst und polemisch gegen die christliche Lehre von der Dreieinigkeit und von der Gottheit Jesu Christi wandte;

Es wurden den Christen groteske Vorstellungen andichtete, von denen sie wissen mussten, dass die Christen solches nicht glaubten. So unterstellt er ihnen, dass sie an eine Dreieinigkeit glauben, die aus Gott dem Vater, Maria und Jesus, dem Sohn bestünde:

»Und wenn Allah sprechen wird: “O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah an?”, dann wird er (Jesus) sprechen: “Preis sei dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sprechen, was nicht wahr ist.« (5:116).

Über die Christen ausgesprochenen Drohungen und Flüche im Koran:

Sure 9:29-31: von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand (?) Tribut entrichten!

3O Die Juden sagen: ,’Uzair (d. h. Esra) ist der Sohn Gottes.’ Und die Christen sagen: ,Christus ist der Sohn Gottes.’ Das sagen sie nur so obenhin. Sie tun es (mit dieser ihrer Aussage) denen gleich, die früher ungläubig waren. Diese gottverfluchten (Leute) (w. Gott bekämpfe sie)! Wie können sie nur so verschroben sein! Sie haben sich ihre Gelehrten und Mönche sowie Christus, den Sohn der Maria, an Gottes Statt zu Herren genommen. Dabei ist ihnen (doch) nichts Anderes befohlen worden, als einem einzigen Gott zu dienen, außer dem es keinen Gott gibt.

Sure 19: 88 Sie (d.h. die Ungläubigen, oder: die Christen?) sagen: ,Der Barmherzige hat sich ein Kind zugelegt.’ 89 (Sag:) Da (d.h. mit dieser eurer Behauptung) habt ihr etwas Schreckliches begangen.

90 Schier brechen die Himmel (aus Entsetzen) darüber auseinander und spaltet sich die Erde und stürzen die Berge in sich zusammen, 91 dass sie dem Barmherzigen ein Kind zuschreiben. 92 Dem Barmherzigen steht es nicht an, sich ein Kind zuzulegen. 93 Es gibt niemand im Himmel und auf der Erde, der (dereinst) nicht als Diener zum Barmherzigen kommen wurde. 94 Er hat sie (alle) gezählt und errechnet. 95 Und sie alle werden am Tag der Auferstehung einzeln zu ihm kommen. 96 Denen, die glauben und tun, was recht ist, wird der Barmherzige (dereinst) Liebe zukommen lassen.

 Fazit:

Der Gott des Koran, der Gott, dem Mohammed diente und 

Der Gott des Koran, der Gott, dem Mohammed diente und den er predigte, ist nicht der Gott der Bibel, ist nicht der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er ist vielmehr der altarabische Hochgott (Götze) Allah, der sich mit den Attributen der Gottheit schmückt.

Die Lehre des Islam über Jesus Christus

Im Koran – zahlreiche Titel Jesu: Sohn Marias, der Messias, das Wort Gottes, Gesandter Gottes, Knecht Gottes, Prophet. Geist Gottes Wort der Wahrheit., aber nie Sohn Gottes! Oder Gott selbst!

Jungfrauengeburt Jesu, Seine Sündlosigkeit, zahlreiche Seiner Wunder (allerdings auch Wunderliches und Unhistorisches, das Mohammed aus apokryphen Evangelien und Jesuserzählungen gehört hatte , seine Wiederkunft (grotesk entstellt).

Aber die beiden entscheidenden Wahrheiten über die Person Jesu von Nazareth werden geleugnet; nicht einfach verschwiegen, sondern polemisch bekämpft, als das sind:

 die Gottheit Jesu Christi

 der Tod Jesu Christi

Keine der Weltreligionen bekämpft so offen und so direkt die Gottessohnschaft Jesu Christi wie der Islam.

Nach biblischer Terminologie ist jede Lehre, welche den Vater und den Sohn leugnet, eine antichristliche Lehre (1Jo 2:22). Als solche muss darum das Judentum gelten, und als solche muss mehr als jede andere Ideologie die Religion Mohammeds gelten.

Ist nämlich Jesus Christus nicht Gott, kann Er uns nicht retten;

Wenn Jesus Christus ein Geschöpf ist, kann er niemanden von dessen Sünden befreien,

so nützt sein stellvertretender Tod niemandem außer ihm selbst. Er muss Gott sein, wenn Sein Tod den Tod aller, die Ihm vertrauen aufwiegen soll. Er muss Gott sein, wenn Sein Tod die Sünde der Welt wegnehmen soll.

Der Koran sagt zur Gottheit Jesu Christi:

»Und sie sprechen: “Gezeugt hat der Erbarmer einen Sohn.” Wahrlich, ihr behauptet ein ungeheuerlich Ding. Fast möchten die Himmel darob zerreißen und die Erde möchte sich spalten und es möchten die Berge stürzen in Trümmer, dass sie dem Erbarmer einen Sohn beilegen, dem es nicht geziemt einen Sohn zu zeugen« (19:91-93).

Keine der Weltreligionen bekämpft offen und polemisch die Wahrheit von Kreuzestod Jesu Christi.

Der Koran erklärt: »Sie (die Juden) sprachen: “Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet.” doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern einen ihm Ähnlichen … darum verfluchen wir sie.« (4:156).

Der Tod Jesu Christi ist neben Seiner Gottheit die zweite Säule, auf der unser Heil ruht. Daher heißt es im Neuen Testament, dass Er sterben mußte. Er ist das »Lamm Gottes«, das zur Schlachtbank geführt wird (Apg 8:32); er hat Seine Seele ausgeschüttet in den Tod (Jes 53:11); durch den Tod hat er den zunichtegemacht, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel (Heb 2:14). Ist Er aber nicht gestorben, gibt es keine Vergebung. Er mag hundertmal sündlos und er mag hundertmal göttlich sein; ist Er nicht stellvertretend für Sünder in den Tod gegangen, gibt es keine Vergebung. Einige Irrtümer über Jesus aus muslimischer Sicht

1. Jesus starb nicht am Kreuz (3,54-55), sondern Gott erhob Jesus zu sich empor (4,157-158).

2. Jesus ist nicht auferstanden.

3. Jesus ist nicht der Erlöser.

4. Jesus wird zwar als Messias bezeichnet, ist aber nicht der im Alten Testament angekündigte Gesalbte.

5. Jesus ist weder Gott (5,17) noch ein gottähnliches Wesen, noch Gottes Sohn (4,171). Das bestätigt er sogar selbst (5,72).

6. Jesus ist nicht der Herr (arab. rabb) (9,71).

7. Jesus ist nicht die zweite Person der Dreieinigkeit (5,73).

Der Koran wird damit deutlich, dass alle äußerliche Ähnlichkeit des Islam mit dem Christentum nur Schein ist. Der Islam ist die dem Christentum am diametralsten entgegenstehende aller Religionen und Heilslehren. Er ist Antichristentum in reinster Form.

Die Lehre des Islam über die Heiligen Schriften

Der Koran Mohammeds behauptet kühn, die Juden und die Christen hätten die Bibel gefälscht: »Aber ein Teil von ihnen hat Allahs Wort vernommen und verstanden und hernach wissentlich verkehrt

Die Lehre des Islam über die Heiligen Schriften

Der Koran Mohammeds behauptet kühn, die Juden und die Christen hätten die Bibel gefälscht: »Aber ein Teil von ihnen hat Allahs Wort vernommen und verstanden und hernach wissentlich verkehrt« (2:70; 4:47,48) »O Volk der Schrift, nunmehr ist unser Gesandter zu euch gekommen, euch vieles von der Schrift kundzutun, was ihr verbargt … Gekommen ist nunmehr zu euch von Allah ein Licht und ein klares Buch« (5:18).

Entweder hat Jesus Christus die Wahrheit gesprochen oder dann hat Mohammed die Wahrheit gesprochen; beide können nicht die Wahrheit gesprochen haben.

In Mt 24:35 lesen wir: »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.«

Wenn Mohammed recht hatte, dann hat sich Paulus getäuscht, der an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb: »Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christo Jesu ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit« (2Tim 3:1416)

Von den heiligen Büchern

Allah hat zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Völkern heilige Bücher gesandt, oder »herniederkommen lassen« wie der koranische Terminus lautet. So weiß der Koran zu berichten, auf Mose sei die Torah, auf David die Psalmen und auf Jesus das Evangelium »herniedergekommen«. Am Ende aber habe Allah als letzte und für alle Menschen aller nachfolgenden Geschlechter verbindliche Offenbarung den Koran auf Mohammed »herniederkommen lassen«.

Von den Propheten

Nachdem Allah durch alle Geschlechter und zu allen Völkern Propheten gesandt habe (Vor allem Adam, Noah, Abraham, Mose, David, Jesus sei mit Mohammed der letzte Prophet mit der endgültigen und abschließenden Willensbekundung Allahs erschienen.

Mohammed = »Siegel der Propheten«

Die Lehre des Islam vom heiligen Krieg (Dschihad)

Aus islamischer Sicht besteht die Welt aus zwei Lagern<:

Dar ul Islam, dem »Haus des Islam«, und dem

Dar ul Harb, dem »Haus des Krieges«.

Das »Haus des Islam« ist jener Teil der Welt, der dem Islam unterworfen ist, das »Haus des Krieges« ist jener Teil der Welt, der durch Krieg noch dem Islam zu unterwerfen ist.

Dieser Krieg zur Ausbreitung des Islam heißt »heiliger Krieg«, arabisch Dschihad.

Der ideale Muslim ist nach muslimischem Verständnis ein mächtiger Mann, ein erfolgreicher Krieger, ein Herrscher unter den Menschen. Leiden, Verzichten, Verlieren, Unterliegen ist im Islam nicht vorgesehen.

Arnold Hottinger, ein verstohlener Judenhasser und offener Araberfreund, der also sicher nicht aus antimuslimischem Vorurteil heraus schreibt, sagt in seinem Buch “Die Araber vor ihrer Zukunft” (Verlag NZZ, 1988) ganz richtig, dass für jeden Muslim selbstverständlich ist: »Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht«. Darum sei den Muslimen Libanons eine christliche Regierung unannehmbar.

Weil nun der Islam die von Allah verfügte Ordnung sei, die die ganze Welt zu umfassen habe, ist jeder Muslim verpflichtet dafür zu kämpfen, dass dieses Ziel möglichst bald erreicht werde und das mit allen Mitteln:

Ihr sollt mit ihnen kämpfen, oder sie werden Muslime (48:16)

Er ist´s, der seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jede andere Religion siegreich zu machen, auch wenn es den Götzendienern zuwider ist (61:9)

Dies nennt der Koran »Kämpfen im Weg Allahs«. Die Aufforderungen zu solchem Kampf sind häufig und recht eindeutig:

Und erschlagt sie [die Juden und Christen], wo immer ihr auf sie stoßt (2:187) Und bekämpft sie, bis die Verführung aufgehört hat und der Glaube an Allah da ist (2:189) Nehmt keinen von ihnen zum Freund…Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet (4:91)

So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab (8:12)… Und nicht ihr erschluget sie, sondern Allah erschlug sie (8:17) Und kämpft wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist, und bis alles an Allah glaubt (8:40)

Kämpft wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an AllahAllah schlag´ sie tot! Wie sind sie verstandeslos! (9:29,f)

O du Prophet, streite wider die Ungläubigen und Heuchler und verfahre hart mit ihnen (9:74) [Denen gehört das Paradies], die auf dem Wege Allahs streiten, die töten und getötet werden; ihnen gehört die wahre Verheißung (9:112) O ihr, die ihr glaubt, kämpft wider die Ungläubigen an euren Grenzen, und wahrlich, lasst sie die Härte in euch verspüren. Und wisst, dass Allah mit denen ist, die ihn fürchten (9:124). Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande…Und diejenigen, die in Allahs Weg getötet werden…einführen wird er sie ins Paradies (47:47)

Ihr sollt mit ihnen kämpfen, oder sie werden Muslime (48:16)

Er ist´s, der seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jede andere Religion siegreich zu machen, auch wenn es den Götzendienern zuwider ist (61:9, auch 48:28).

Der Koran sagt:

„… erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten [d.h. zum Islam konvertieren] und die Armensteuer zahlen, so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig [zu Muslimen] … Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag … Ziehet aus, leicht und schwer [bewaffnet], und eifert mit Glut und Blut in Allahs Weg“ Sure 9,5.29.41

„Und bekämpft in Allahs Pfad, wer euch bekämpft; doch übertretet nicht; siehe, Allah liebt nicht die Übertreter. Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben … So sie jedoch ablassen, siehe, so ist Allah verzeihend und barmherzig.“ Sure 2,186-188

„Vorgeschrieben ist euch der Kampf [Dschihad], doch ist er euch ein Abscheu. Aber vielleicht verabscheut ihr ein Ding, das gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr ein Ding, das schlecht für euch ist; und Allah weiß, ihr aber wisset nicht“ (Sure 2,212- 213).

Sure 9,19 erklärt unmissverständlich, dass der Glaube an Allah und dem Jüngsten Tag sowie der Eifer „in Allahs Weg“ (die deutsche Übertragung merkt an: „diese Redensart bedeutet stets den heiligen Krieg gegen die Ungläubigen“) mehr Lohn mit sich bringen als alles andere im Islam.

Der Dschihad ist der Kampf zur Ausbreitung des Islam mit jedem Mittel und ist Pflicht aller Muslime. Darüber hinaus wurde er von Mohammed zum materiellen Gewinn ausgeübt.

Sure 61,10-12 verdeutlicht, dass Eifer für Allah nicht nur eine religiöse Pflicht ist, sondern auch Mittel zum Wohlstand, genau wie im Geschäftsleben.

Sure 5,37 sagt, alle Feinde Allahs (d.h. alle Nichtmuslime bzw. „Ungläubigen“) müssen:

getötet oder gekreuzigt oder an den Händen und Füßen wechselseitig verstümmelt oder aus dem Lande vertrieben werden … und im Jenseits wird ihnen schmerzliche Strafe …“

Die Bibel sagt: „Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar.“ Matthäus 5,39

„Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen!“ Lukas 6,27-28

„Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht! … Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn! Denn es steht geschrieben: ›Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.‹ ›Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.‹ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!“ Römer 12,14.18-21

[Bei der Gefangennahme Jesu, einige Stunden vor seiner Hinrichtung:] „Dann traten sie heran und legten die Hände an Jesus und ergriffen ihn. Und siehe, einer von denen, die mit Jesus waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen.“ Matthäus 26,50-52 „Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird, kreuzigten sie daselbst ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Lk 23,33f

Die Lehre des Islam über das Heil

Werksgerechtigkeit ohne Heilsgewissheit

Die Pflichtenlehre weist den Islam als eine Gesetzesreligion aus; der Mensch verdient sich wie in allen von Menschen erfundenen Religionen heißen sie nun Islam, Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus oder Sikhismus durch eigene Leistung seine Seligkeit: Er soll »Gutes vorausschicken, um es wiederzufinden bei Allah« (Sure 73:20; 69:24; 89:25).

Gute Werken heißen zuweilen gar »ein vorteilhafter Handel« (35:26).

Und wie in jeder menschlichen Religion kann der Anhänger nie Gewissheit finden über sein persönliches Schicksal.

So ist es denn für den Muslim eine Ausgemachte Sache, dass er (nachdem er alle Pflichten erfüllt hat) nur dann ins Paradies eingeht, wenn Allah will. Und er darf hoffen, dass er durch die Fürsprache Mohammeds ins Paradies eingelassen wird, denn das ist ihm versprochen worden, wenn Allah will, arabisch: ‘in schâ ‘Allah. Nur dann, sonst nicht.

Aber ob Allah will, das weiß nur Allah, und er lässt sich von niemandem in die Karten schauen Für wen das Paradies bestimmt ist

Bibel: nur diejenigen das ewige Leben erben werden, die an Jesus Christus als Sohn Gottes und sein stellvertretendes Opfer am Kreuz glauben,

Koran: nur diejenigen, die an Muhammad als Propheten Gottes und die Wahrheit des Korans glauben. Die Christen dagegen sind gerade die Götzendiener, die ungläubig sind, weil sie mit Jesus und Maria neben Gott zwei weitere Götter stellen und damit die schwerste Sünde begehen: Vielgötterei.

 Aufgrund dieser theologischen Unterschiede zwischen Islam und Christentum wird offensichtlich, dass der einzige, allmächtige Gott des Korans nicht der dreieinige Gott der Bibel, der Vater Jesu Christi, ist.

Videos im Internet zu Islam und Christentum

IV Islam eine Religion der Barmherzigkeit: Mouhanad Khorchide, Islam ist Barmherzigkeit

https://www.youtube.com/watch?v=_6VuTEuS7SY

III Al Hayat, Kritik an Khorchide, Mohammed für harte Bestrafung eines Diebes

https://www.youtube.com/watch?v=8CCNholsfpE

Al Hayat, dito weitere Aussagen des Koran (Feindschaft, Hass)

https://www.youtube.com/watch?v=iZm3duTpk4w

II Kontroverse Diskussion zwischen Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide

https://www.youtube.com/watch?v=0LUNaBPu4Nw

I Islam und Christentum, Johannes Hartls Vergleich in 90 sec.

https://www.youtube.com/watch?v=x2gFjyPTeO8

David Wood, Hauptunterschiede: Theologie, Ethik, Beweise4

https://www.youtube.com/watch?v=yQMvjmwuEfc

<Pater Josef Herget, 28 min, Was Christentum und Islam unterscheidet>

https://www.youtube.com/watch?v=5QqAT9AWSoc

Ausbreitung des Islam und erste Blütezeit

Arabien vor dem Islam

Muslime bezeichnen die Zeit vor dem Islam als Dschāhiliyya, Epoche der „Unwissenheit“. Der Islam hat seinen Ursprung auf einem hauptsächlich von Beduinen bewohnten Steppen- und Wüstengebiet. Arabien war zur damaligen Zeit keine politisch und gesellschaftlich einheitliche Gemeinschaft, sondern lag am Rande des Einflussgebiets des Byzantinischen Reichs auf der einen und des Perserreichs auf der anderen Seite sowie deren Vasallenstaaten. Mekka, die Heimat Mohammeds, hatte sich aufgrund seiner günstigen Lage an der Weihrauchstraße, die von Südarabien nach Syrien verlief, zu einer Handelsmetropole entwickelt, die von den Koreischiten <führende politische Rolle>, einem arabischen Stamm von Kaufleuten, dominiert wurde, dem auch Mohammeds Sippe, die Haschemiten, angehörten.

Obwohl auch zahlreiche Juden und Christen auf der arabischen Halbinsel lebten, bekannte sich nach islamischer Überlieferung die Mehrheit der Bewohner zu einer Vielzahl heidnischer Stammesgötter. In Mekka wurde die Lokalgottheit Hubal <eine wichtige astrale Gottheit, deren aus rotem Karneol gefertigtes Standbild in der Kaaba stand.> verehrt. Die Kaaba in Mekka war bereits in vorislamischer Zeit ein bedeutender Wallfahrtsort und stellte eine Quelle wirtschaftlichen, religiösen und politischen Einflusses für die Koreischiten dar.

Nach der frühesten bekannten Prophetenbiografie („Das Leben des Gesandten Gottes“ – knapp 150 Jahre nach Mohammeds Tod verfasst) wurde Mohammed um 570 in Mekka geboren. Im Alter von etwa vierzig Jahren (609) hatte er in der Höhle von Hira erstmals Visionen.

Bild: Die Höhle von Hira, die Stätte der ersten Visionen Mohammeds

Der Erzengel Gabriel < Er gilt als Erklärer von Visionen und als Bote Gottes.> gebot ihm, das Wort Gottes (Allahs) niederzuschreiben. Zunächst teilte er seine Erfahrung nur einem kleinen Kreis von Vertrauten mit, gewann aber bald Anhänger. Als diese die alte polytheistische Religion zu bekämpfen begannen, kam es zum Bruch zwischen Mohammed und den Koreischiten. Mohammed unterstellte sich 620 mit seinen Anhängern dem Schutz der beiden medinensischen Stämme der Aus und Chasradsch <zwei arabische Stämme>, die einen Schlichter suchten. Im September 622 zog Mohammed mit seinen Anhängern von Mekka nach Yathrib (Medina), ein Ereignis, das als Hedschra den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert.

Die Übersiedlung nach Medina markiert zugleich auch den Beginn der politischen Tätigkeit Mohammeds. Er hatte in der medinensischen Gesellschaft die angesehene Stellung eines Schlichters und wurde zugleich als Oberhaupt der islamischen Gemeinde (Umma, geht über einen Stamm hinaus) angesehen. Der Islam erfuhr in Medina eine erste gesellschaftliche Ausformung. Die medinensischen Suren des Korans nehmen stärker Bezug auf konkrete Regelungen des Lebens und der Organisation der islamischen Gemeinschaft. Mohammed führte seit 623 mehrere Feldzüge gegen Mekka (Sieg der Muslime in der Schlacht von Badr (624), die Schlacht von Uhud (625) und die Grabenschlacht (627)), bis im März 628 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. 629 traten die Muslime zum ersten Mal die Pilgerreise nach Mekka (Haddsch) an. 630 übergaben die Führer von Mekka die Stadt an Mohammed, der daraufhin die heidnischen Götterbilder aus der Kaaba entfernen ließ.

Veranstaltung vom 07.11.2018

In den Jahren vor dem Tode Mohammeds 632 weitete sich der Einfluss des Islams auf die ganze arabische Halbinsel aus. Mit den Stammesführern wurden Verträge geschlossen, die teils eine Tributpflicht, teils die Anerkennung Mohammeds als Propheten enthielten. Die in Ibn Hischāms Bearbeitung von Ibn Ishāqs Prophetenbiographie überlieferte Gemeindeordnung von Medina ist ein Vertrag, den Mohammed im Jahr 622 zwischen den Auswanderern aus Mekka und seinen Helfern in Yathrib, dem späteren Medina, schloss. Er definiert eine Reihe von Rechten und Pflichten, und schuf somit die Grundlage für den Gemeinschaftsbegriff der Umma.

Als Mohammed am 8. Juni 632 in Medina starb, hinterließ er keinen männlichen Erben. Seine einzige Tochter war Fatima (606-632). Fatima  war die jüngste Tochter und gemäß schiitischer Ansicht die einzige Tochter Mohammeds von seiner ersten und lange Zeit einzigen Gattin Chadīdscha bint Chuwailid und die Gattin ʿAlī ibn Abī Tālibs. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Hasan ibn ʿAlī und al-Husain ibn ʿAlī hervor. Fatima gehört zur Ahl al-bait‚ zurFamilie des (Propheten-)Hauses‘. Schiiten zählen sie als einzige Frau zusammen mit Mohammed und den zwölf Imamen zu den „Vierzehn Unfehlbaren“.  Die Vierzehn Unfehlbaren der Zwölferschiiten (Imamiten) sind eine Personengruppe, deren Mitglieder im Glauben der Schiiten als „gefeit vor Irrtum und Sünde“ gelten. Gemäß dem Konzept der ʿIsma gelten sie als unfehlbar. Dies sind der Prophet Mohammed, dessen Tochter Fatima und die zwölf namentlich bekannten Imame, darunter die zwei Söhne Fatimas.

Sie hatte zum Zeitpunkt von Mohammeds Tod noch keine Söhne im ausreichenden Alter, um eine Führungsrolle zu übernehmen. Der Prophet hatte weder einen Nachfolger bestimmt noch eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Vetter ʿAlī ibn Abī Tālib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für eine Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamme Mohammeds, der Quraisch, sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens und zum anderen für die Verbreitung des Islam verantwortlich war. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abū Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Er nahm den Titel chalifat rasuli llah an.

634 wurde ʿUmar ibn al-Chattāb zum zweiten Kalifen gewählt und führte zudem den Kalifentitel Amīr al-Mu’minīn („Befehlshaber der Gläubigen“) ein. In seiner Amtszeit setzte die islamische Expansion ein, und den Muslimen gelang es, ihren Einfluss auf Syrien (635–636), Mesopotamien (636) und Ägypten (639–642) auszudehnen. Nach ihrem Sieg bei Nihawand südlich von Hamadan brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander.

ʿUthmān ibn ʿAffān, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurden 647 Tripolitanien (heute Libyen) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Mit der Zeit machte sich Uthman durch die Bevorzugung seiner umayyadischen Sippe bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und den Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.

Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des Ali ibn Abi Talib, die späteren Schiiten. Diese und die aufständischen Führer wählten Ali nun zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Es kam zum Ausbruch von Kämpfen. Nach der Schlacht von Siffin einigte man sich auf Verhandlungen. Eine Gruppe von Muslimen, die späteren Charidschiten, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Alis. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Sein Sohn Hasan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch, als er die Übermacht der Umayyaden erkannte.

Ali war der letzte gewählte Kalif. Muawiya führte während seiner Herrschaft die Erbfolge ein und begründete somit die erste Kalifen-Dynastie (die der Umayyaden in Damaskus). Seither wurden die proklamierten Nachfolger zum neuen Kalifen, oder der Titel ging durch Kriege auf andere Herrscher über. Hasans Bruder Husain erhob zwar nach Muawiyas Tod Anspruch auf das Kalifat, wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.

In der Schlacht von Kerbela, die am 10. Oktober 680 beim zentralirakischen Kerbela stattfand, wurde der Prophetenenkel Hussein getötet. Mit dieser Schlacht war die schiitische Hoffnung, ihren dritten Imam anstelle von Yazid I. als Kalifen, als Oberhaupt der islamischen Gemeinde, einzusetzen, gescheitert. In der islamischen Geschichte nach der Schia steht die Schlacht von Kerbela symbolisch für den Kampf zwischen „Gut und Böse“ – „Unterdrückte gegen Unterdrücker“ – und gilt als einer der tragischsten Vorfälle für die Schiiten.[2] Da viele Anhänger Husseins zum Zeitpunkt der Schlacht nicht mehr zu Hussein hielten und von ihm abfielen – aus Angst vor der Übermacht der Truppen Yazids – wurden Hussein und sein Heer vernichtend geschlagen. Von schiitischer Seite wird berichtet, dass das Truppenverhältnis in dieser Schlacht 10.000 zu 72 zu Ungunsten Husseins gewesen sei.

Schiiten und Aleviten gedenken dieser Schlacht während des alljährlichen Aschura-Tages (am 10. Tag des Monats Muharram), bei dem sie durch viele Rituale symbolischer Trauer den Abfall der Anhänger Husseins von dessen Seite beklagen und beweinen.

Die Ära der rechtgeleiteten Kalifen (632–661)

Der Begriff „Rechtgeleitete Kalifen“ bezeichnet nach sunnitischer Auffassung die vier ersten Kalifen, welche zwischen 632 und 661 die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, vor deren Spaltung führten. Die vier Nachfolger sind Abdallah Abū Bakr (r. 632–634), ʿUmar ibn al-Chattāb (r. 634–644), ʿUthmān ibn ʿAffān, (r. 644–655) und ʿAlī ibn Abī Tālib (r. 656–661). Während dieser dreißig Jahre breitete sich der Islam weiter aus, gleichzeitig traten Nachfolgestreitigkeiten auf, die letztlich zur Spaltung des Islams in Sunna und Schia führten.

In die kurze Regierungszeit Abū Bakrs fallen die Ridda-Kriege. Das Kalifat ʿUmar ibn al-Chattābs markiert entscheidende Siege über das Byzantinische Reich und die persischen Sassaniden und somit die Ausdehnung des Islams auf Syrien und Palaestina (Bilad al- Scham), Ägypten, Teile Mesopotamiens und des Iran. Ausschlaggebend für die schnelle Eroberung der ehemals byzantinischen und persischen Gebiete war nicht allein die Motivation und Beweglichkeit der arabischen Truppen, sondern vor allem die Tatsache, dass Byzanz und Persien von den erst 628/29 beendeten langen und blutigen Römisch-Persischen Kriegen erschöpft waren. Die arabischen Eroberer profitierten anschließend erheblich von der bereits vorhandenen höheren kulturellen Entwicklung in den ehemaligen byzantinischen Gebieten und in Persien; ebenso wurde die effektive byzantinische und persische Verwaltungspraxis weitgehend übernommen bzw. adaptiert.

Die bedeutendste kulturelle Leistung ʿUthmān ibn ʿAffāns war die abschließende und bis heute maßgebliche Redaktion des Koran, etwa zwanzig Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed. Um 651 kam die erste islamische Expansionswelle im Westen in der Cyrenaica (Libyen) und im Osten am Amudarja (Nordpersien, Turkmenistan, Afghanistan) zum Erliegen. Kleinasien blieb bis ins 11. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft.

Die Wahl ʿAlī ibn Abī Tālibs führte zur offenen Auseinandersetzung in der Nachfolgefrage. 656 kam es zur Kamelschlacht, dem ersten Bürgerkrieg “Fitna” und 657 zur Schlacht von Siffin am mittleren Euphrat zwischen ʿAli und seinem Rivalen Mu’awiya. Mit der Ermordung ʿAlīs durch Charidschiten 661 endet die Reihe der „rechtgeleiteten Kalifen“.

Islamwissenschaftliche Konzepte zur Entstehungsgeschichte des Koran

Der Islamwissenschaftler G. R. Hawting geht davon aus, dass der Islam nicht in einem Umfeld der Unwissenheit und des heidnischen Polytheismus entstanden sei. Vielmehr setzten die vielfachen Bezüge zu den Texten der Bibel Kenntnisse der jüdischen und christlichen Lehre voraus. Die Lehren des Korans sollten beispielsweise der christlichen Dreifaltigkeitslehre, die nach islamischem Verständnis der Einheit Gottes unangebrachte Attribute beigesellten einen kompromissloseren Begriff von Monotheismus gegenüberstellen. Um die Reinheit der islamischen Lehre besonders klar hervortreten zu lassen, sei die vorislamische Zeit polemisch als unwissend und der heidnischen Vielgötterei verfallen dargestellt worden. In späteren Korankommentaren und in der traditionellen islamischen Literatur sei diese Polemik wörtlich genommen und den arabischen Zeitgenossen Mohammeds zugeschrieben worden. Vom Gesichtspunkt der vergleichenden Religionswissenschaft aus stellt Hawting die historische Wahrheit der traditionellen Darstellung der vorislamischen arabischen Religion in Frage.

Die historische Authentizität der Prophetenbiographien von Ibn Ishāq bzw. Ibn Hischām, die erst im 8. und 9. Jahrhundert entstanden sind, wurde von Hans Jansen angezweifelt. Es wurde vermutet, dass die Geschichtswerke dem Zweck dienen sollten, die politische Herrschaft der Abbasidenkalifen religiös zu legitimieren. Die Gemeindeordnung von Medina wird jedoch für authentisch gehalten. Mit Hilfe der historisch-kritischen Methode wurde die Geschichte des Korantextes erforscht. Einige Forscher ziehen Mohammed als Verfasser in Zweifel und nehmen spätere Überarbeitungen und Hinzufügungen an. Fred Donner nimmt an, dass der Islam als eine „Bewegung von Gläubigen“ entstand, in der ursprünglich auch Christen und Juden als gleichberechtigte Mitglieder eingeschlossen waren, und dass eine Abgrenzung des eigentlichen Islams erst seit dem späten 7. Jahrhundert stattfand. Einzelne Autoren wie Yehuda Nevo und  Karl-Heinz Ohlig vertreten hinsichtlich der Frühzeit des Islams umstrittene Positionen wie etwa, dass Mohammed als historische Person nicht existiert habe, oder für die Entstehung des Islams unwichtig gewesen sei. Durch sprachwissenschaftliche Analysen des Koran belegt Christoph Luxenberg seine Hypothese, das Buch sei in einer aramäisch-arabischen Mischsprache verfasst. Folglich stellt er die traditionelle Sichtweise einer von der Zeit Mohammeds bis zur schriftlichen Niederlegung des Korans unter ʿUthmān ibn ʿAffān lückenlosen mündlichen Überlieferung in Frage. Er geht von einer älteren Schriftfassung aus. Der Koran beruhe demnach auf einer zum Teil missverstandenen Übersetzung eines syrischen, christlich-antitrinitarischen Lektionars. Diese aus der Perspektive der kritischen Koranwissenschaft relevante Hypothese sei für die vom traditionellen Koranverständnis geprägte religiöse oder politische Geschichte der islamischen Welt von geringerer Bedeutung.

Das wissenschaftliche Interesse richtet sich auf die geschichtliche Entwicklung der heute als „islamische Welt“ oder „islamischer Kulturraum“ bekannten Weltregion, sowie auf die Entstehung islamisch geprägter gesellschaftlicher und politischer Strukturen in den eroberten Ländern. Die islamische Expansion wurde während der ersten Jahrhunderte wesentlich von Arabern getragen und wird deshalb synonym auch als „arabische Expansion“ bezeichnet. Abweichend von den Beschreibungen der frühen islamischen Historiker geht man heute davon aus, dass die Schwäche des byzantinischen und des persischen Sassanidenreichs die Eroberungen erleichterte. In der Frühzeit herrschte eine islamische Minderheit über eine überwiegend noch jüdisch oder christlich geprägte Mehrheit. Die neuen islamischen Herrscher übernahmen in den eroberten Gebieten zunächst die bestehenden wirtschaftlichen und Verwaltungsstrukturen ihrer Vorgänger. Die frühesten bekannten Bauten der islamischen Architektur zeigen deutlich die Übernahme und kulturelle Umformung architektonischer und künstlerischer Gestaltungsprinzipien der syrisch-byzantinischen Tradition. Bauten wie der unter dem Umayyadenkalifen Abd al-Malik in Jerusalem errichtete Felsendom wurden in ihrer Bedeutung als frühe Symbole eines islamischen Herrschaftsbewusstseins ebenso analysiert wie die wenig später auftretenden islamischen Münzprägungen, die den Machtanspruch der Kalifen im Alltag sichtbar machten.

Verlust der religiösen Einheit

Bereits 660 errichtete Muʿāwiya in Damaskus ein Gegen-Kalifat. Die Auseinandersetzung zwischen Muʿāwiya und ʿAlī brachte die Oppositionsbewegung der Charidschiten 661 dazu, Anschläge zugleich auf Ali und Mu’awiya durchzuführem. Muʿāwiya überlebte, wurde Kalif, und gründete die Dynastie der Umayyaden. Die Schlacht von Kerbela am 10. Oktober 680 manifestierte die Spaltung der Muslime in Sunniten und Schiiten, als der Enkel Mohammeds und Sohn ʿAlis, Hussein, getötet wurde. In der Folge kam es bis 692 zu Bürgerkriegen (Fitna). Der islamische Begriff Fitna bezeichnet schwere Zeiten, in denen vermehrt mit Glaubensspaltung und Glaubensabfall gerechnet werden kann.

Die Sunniten (bis zum 19. Jahrhundert auch: Sonniten) bilden die größte Glaubensrichtung im Islam. Ihre Glaubensrichtung selbst wird als Sunnitentum oder Sunnismus bezeichnet. Eine Eigenbezeichnung ist ahl as-sunna (أهل السنة ‚Volk der Tradition‘) oder im Türkischen Ehl-i Sünnet bzw. Sünnilik. Die Bezeichnung Sunniten stammt demnach von dem Wort Sunna (سنة ‚die Tradition des Propheten des Islam, Mohammed‘). Sunnitische Muslime werden auch als أهل السنة والجماعة ahl as-sunna wal-dschamāʿa ‚Volk der Tradition und der Einheit (der Muslime)‘ zusammengefasst, was darauf hinweisen soll, dass die Sunniten vereinigt sind. Heute gelten die Schiiten als die wichtigste Gegengruppe zu den Sunniten, allerdings hat sich das sunnitische Selbstbewusstsein im Mittelalter nicht nur in Absetzung zu den Schiiten, sondern auch zu den Muʿtaziliten und Charidschiten herausgebildet.

Verbreitung

Sunniten stellen in den meisten islamischen Ländern die Mehrheit der Muslime, mit Ausnahme von Iran, Irak, Oman, Libanon, Aserbaidschan sowie Bahrain. In Bahrain sind ca. 75 Prozent der Bevölkerung schiitisch, doch wird das politische Leben seit dem 18. Jahrhundert von wenigen tribalen sunnitischen Familien beherrscht.

Nach der Spaltung wurden die Schiiten von Imamen geführt, die Nachkommen des ʿAlī ibn Abī Tālib und Fatimas, der Tochter Mohammeds waren. Die Frage der rechtmäßigen Nachfolge blieb umstritten. Bis zum 9. Jahrhundert waren die schiitischen Hauptzweige entstanden, die Imamiten („Zwölfer-Schiiten“), Ismailiten („Siebener-Schiiten“) und Zaiditen („Fünfer-Schiiten“). Die Ismailiten erkannten als rechtmäßigen Nachfolger Dschafar as-Sadiqs nicht Mūsā al-Kāzim, sondern Ismail ibn Dschafar an – daher ihr Name. Ismails Sohn Muhammad wurde von seinen Anhängern als siebenter Imam betrachtet (daher der Begriff „Siebener-Schiiten“) und soll nicht gestorben, sondern in eine Verborgenheit gegangen sein, aus der er als Qaim („der sich Erhebende“, „der Aufstehende“) oder Mahdi wiederkehren würde.

Als Imamiten (arabisch الامامية, DMG al-Imāmīya) werden in der islamischen Doxographie diejenigen Schiiten bezeichnet, die nach dem Ende des umayyadischen Kalifats das Imamat in der husainidischen Linie der Nachkommenschaft von ʿAlī ibn Abī Tālib weiterführten und den Imam als allwissenden Führer betrachteten, sich auf politischer Ebene jedoch quietistisch verhielten.[1] Mehrere von ihnen lehrten, dass ihr jeweiliger Imam entrückt worden sei. In nicht-imamitischen Quellen werden diese Gruppen auch unter der abwertenden Bezeichnung Rāfiditen zusammengefasst. Der arabische Begriff der Imāmīya erscheint zum ersten Mal in einer zaiditischen Quelle, die von Abū l-Hasan al-Aschʿarī (gest. 935) zitiert wird und wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts stammt.

Die meisten imamitischen Gruppierungen gingen schon im Mittelalter unter, die einzige imamitische Gruppe, die bis in die Gegenwart fortbesteht, ist die Zwölfer-Schia. Deswegen wird der Begriff Imamiten heute meist als Synonym für die Zwölfer-Schiiten verwendet.

Die Zwölfer-Schia (arabisch الشيعة الإثنا عشرية asch-Schīʿa al-Ithnā ʿAscharīya, DMG aš-Šīʿa al-Iṯnā ʿAšarīya) ist derjenige Zweig innerhalb der Schia, nach dessen Lehre es insgesamt zwölf Imame gibt. Der erste von ihnen ist ʿAlī ibn Abī Tālib, der letzte Muhammad al-Mahdī, der in der Verborgenheit leben und erst am Ende der Zeiten zurückkehren soll. Die Zwölfer-Schiiten bilden mit 80 % Anteil die überwältigende Mehrheit der Schiiten, weshalb man sie häufig auch nur ganz allgemein als die Schiiten bezeichnet. Ihre Gesamtanzahl wird auf 175 Millionen und ihr Anteil an der muslimischen Weltbevölkerung auf 11 Prozent geschätzt. In den Ländern Iran, Aserbaidschan, Irak und Bahrain stellen die Zwölfer-Schiiten die Bevölkerungsmehrheit. Daneben leben bedeutende zwölfer-schiitische Minderheiten im Libanon, in Kuwait, Pakistan, Afghanistan, Saudi-Arabien, Syrien und Indien. Kleinere Minderheiten existieren in weiteren Ländern Afrikas, Europas, Amerika und Asiens. Die Zwölfer-Schia hat eine eigene Rechtsschule, die nach dem sechsten Imam Dschaʿfar as-Sādiq als dschaʿfaritisch bezeichnet wird. In Iran ist der Islam der zwölfer-schiitischen, dschaʿfaritischen Richtung die Religion des Staates.

Die Bezeichnung „Zwölfer“ (Iṯnā ʿAšarīya) für diejenigen Schiiten, die an die Entrückung und Wiederkehr des zwölften Imams glauben, hat sich erst Ende des 10. Jahrhunderts verbreitet. Die Zwölfer-Schiiten werden auch als Imamiten bezeichnet, allerdings fallen die beiden Begriffe bedeutungsmäßig nicht völlig zusammen, denn im Mittelalter gab es neben der Zwölfer-Schia noch verschiedene andere imamitische Gruppierungen, die die Anzahl der Imame nicht auf zwölf beschränkten.[5] Autoren sunnitischer und zaiditischer Ausrichtung bezeichneten diese Richtung der Schia bis zum frühen 13. Jahrhundert auch als Qatʿīya. Der Name wird damit erklärt, dass die Zwölfer-Schiiten im Gegensatz zu anderen Schiiten mit Bestimmtheit (qaṭʿan) annahmen, dass der siebte Imam Mūsā al-Kāzim gestorben sei und seinen Sohn ʿAlī ar-Ridā als Nachfolger designiert habe.

Die Ismailiten (arabisch الإسماعيلية al-Ismāʿīlīya, persisch اسماعیلیان Esmāʿīlīyān, Sindhi ‎اسماعیلی Ismā’īlī; auch Ismaeliten) bilden eine Religionsgemeinschaft im schiitischen Islam, die im 8. Jahrhundert als Ergebnis einer Spaltung der Imamiten-Schia hervorgegangen ist. Nach der aus dieser Spaltung ebenfalls hervorgegangenen Zwölfer-Schia stellen die Ismailiten heute mit etwas mehr als 20 Millionen Anhängern die zweitgrößte schiitische Glaubenskonfession.

Historische Bedeutung erlangte diese Schia (šīʿa) durch das von ihr begründete Kalifat der Fatimiden in Nordafrika und Ägypten; dem einzigen in der Geschichte des Islams, das aus dem Schiitentum hervorgegangen ist. Dieses Kalifat wurde 910 proklamiert und beanspruchte die Herrschaft über die gesamte muslimische Welt (umma) in Konkurrenz zum sunnitischen Kalifat der Abbasiden. Beendet wurde das Fatimiden-Kalifat im Jahr 1171 durch den sunnitischen Machthaber Saladin.

Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts sind die Ismailiten selbst in verschiedene Glaubensgemeinden gespalten, von denen jede die Fortführung des wahren Ismailitentums für sich reklamiert, weshalb sie auch eine nahezu identische Glaubenslehre aufweisen. Der entscheidende Unterschied zwischen diesen Gruppierungen liegt in der Frage der rechtmäßigen Führerschaft über die Gemeinde, so dass jede ismailitische Strömung einer eigenen Linie von „Vorstehern“ (imām) folgt. Von den drei heute noch bestehenden ismailitischen Gruppierungen sind die Nizariten die zahlenmäßig größte; sie vereinen das Gros aller Ismailiten unter ihrem spirituellen Oberhaupt Imam Aga Khan IV., weshalb der Sammelbegriff „Ismailiten“ heute als bevorzugtes Synonym für die Nizariten verwendet wird. Neben ihnen bestehen allerdings noch die zahlenmäßig deutlich kleineren Gruppen der Tayyibiten und Mu’miniten, welche die Imamreihe der Nizariten nicht anerkennen und je einer eigenen folgen.

Ismailitische Moschee in Duschanbe, Tadschikistan.

Eine weitere religiöse Gruppierung, die ihre Genese aus dem Ismailitentum heraus erfuhr, sind die Drusen, deren Glaubenslehre sich allerdings von jener der Ismailiten entfernt hat.

In der Mitte des 9. Jahrhunderts begann Abdallah al-Akbar (gest. nach 874), als Stellvertreter für Mahdi Muhammad ibn Ismail aufzutreten. Er verkündete das Erscheinen des verborgenen siebenten Imams, durch den die Abbasiden gestürzt, alle Gesetzesreligionen (neben dem Christentum und Judentum auch der Islam) abgeschafft und die kultlose Urreligion hergestellt werden sollte. Er scharte eine Gemeinde um sich und entsandte in alle Teile der islamischen Welt Missionare (Dāʿī). Nach Abdallahs Tod übernahmen sein Sohn Ahmad und sein Enkel Abu sch-Schalaghlagh die Leitung. Letzterer fand vor allem im Maghreb Anhänger, wo auch Abu Abd Allah asch-Schiʿi wirkte. Abu sch-Schalaghlagh designierte seinen Neffen Said ibn al-Husain als Nachfolger, der als der wahre Mahdi auftrat. Damit löste er wiederum eine Spaltung der Ismailiten aus, da die Qarmaten und andere Gruppen weiterhin an der Erwartung des verborgenen Mahdis Muhammad ibn Ismail festhielten.

Nachdem Abu Abd Allah asch-Schiʿi unter den Berbern des Maghreb Anhänger gewonnen hatte, stürzte er die Dynastie der Aghlabiden in Ifrīqiya, die das Gebiet des heutigen Ost-Algerien, Tunesien und Nord-Libyen beherrscht hatten. Damit ebnete er den Weg für Abdallah al-Mahdi, der in Ifriqiya die Dynastie der Fatimiden begründete.

Die Zaiditen (arabisch زيدية, DMG Zaidīya) bilden innerhalb des Islams einen Zweig der Schiiten. Sie sind nach Zaid ibn ʿAlī benannt, einem Enkel des Prophetenenkels Husain, der sich 740 in Kufa gegen die Herrschaft der Umayyaden erhob und dabei den Tod fand. Die Zaiditen verfügen über eine eigene Rechtsschule und sind seit dem 9. Jahrhundert vor allem im Jemen verwurzelt, wo ihre Imame bis 1962 über ein selbständiges Fürstentum herrschten. Auch die Scherifen von Mekka waren bis zum 14. Jahrhundert Zaiditen.

Die Zaiditen werden manchmal auch „Fünfer-Schiiten“ genannt, doch ist diese Bezeichnung irreführend, weil anders als bei den Zwölfer-Schiiten die Anzahl der Imame bei den Zaiditen nicht auf eine bestimmte Anzahl beschränkt ist. In der wissenschaftlichen Literatur zur Schia wird diese Bezeichnung auch nicht verwendet.

Karte: Conquête … bis 750

Ausbreitung des Islams bis zum Jahr 750:

•  Ausbreitung unter Mohammed, 612–632

•  Ausbreitung unter den ersten drei Kalifen, 632–655

•  Ausbreitung unter dem Umayyaden-Kalifat 661–750

Arabisch-Byzantinische Kriege (632–718)

•  635: Eroberung Syriens;

•  636: Schlacht am Jarmuk im heutigen Jordanien;

•  639: Eroberung Armeniens und Ägyptens;

•  642–697/8: Eroberung des Maghreb;

•  674–678: Erste Belagerung von Konstantinopel;

•  717–718: Zweite Belagerung von Konstantinopel;

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war das Byzantinische Reich somit auf Kleinasien, die Stadt Konstantinopel und einige Inseln und Küstenbereiche in Griechenland beschränkt.

Eroberung des Sasanidenreichs (zweites persisches Großreich 224-651, 1. Großreich 550-330 v.Chr.)

Nach dem Sieg gegen Byzanz in der Schlacht am Jarmuk 636 konnte ʿUmar Truppen in den Osten verlegen und die Offensive gegen die Sasaniden verstärken. Im Südirak kam es (wahrscheinlich 636) zur Schlacht von al-Qādisīya, die mit der Niederlage und dem Rückzug der sasanidischen Truppen endete. Die Hauptstadt Ktesiphon musste aufgegeben werden. 642 wurde das persische Heer in der Schlacht bei Nehawend erneut besiegt. Yazdegerd III. wurde im Zuge interner Machtkämpfe im Jahre 651 in Merw ermordet. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts befand sich ganz Chusistan unter arabischer Kontrolle.

1980 verwendete das irakische Regime Saddam Husseins die Schlacht von al-Qādisīya zur propagandistischen Unterstützung der Invasion Chusistans, die den Beginn des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) markiert.

Expansion nach Indien

Schon 664, 32 Jahre nach Mohammeds Tod, stieß der Statthalter von Chorasan, al-Muhallab ibn Abi Sufra, bis nach Multan im heutigen Punjab vor. Die umayyadischen Heere erreichten 712 den Indus, weitere Eroberungen wurden vorerst mit der Niederlage Muhammad ibn al-Qasims in der Schlacht von Rajasthan im Jahr 738 aufgehalten. Gleichzeitig erweiterten sich Handelskontakte zwischen Arabern und Indern, wobei vor allem in den Hafenstädten der indischen Westküste Niederlassungen arabischer Händler entstanden. Bereits im Jahr 642 wurde in Kasaragod eine erste Moschee errichtet. Weniger friedlich gestalteten sich die Verhältnisse am oberen Indus, wo die muslimischen Machthaber in Persien immer wieder in Konflikte mit den Herrschern von Sindh gerieten, ohne dabei zunächst territoriale Gewinne zu erzielen.

Besondere Bedeutung erlangte die nach der im heutigen Afghanistan gelegenen Stadt Ghazna benannte turkstämmige Dynastie der Ghaznawiden. Sie wurde 977 gegründet und attackierte unter Mahmud von Ghazni (998–1030) in insgesamt 17 Feldzügen das Industal, wobei die bewegliche Kavallerie der Invasoren sich dem indischen Fußheer mit seinen Elefanten in der Schlacht überlegen zeigte, allerdings entstanden durch die klimatischen Bedingungen Indiens erhebliche Versorgungsprobleme besonders für die Pferde der Invasoren. Den Ghaznawiden gelang es so, sich im Punjab festzusetzen. Am Hof der Ghaznawiden stellte sich zugleich eine erste kulturelle Blüte ein; so wirkten dort der Dichter Firdausi und der Gelehrte und Arzt Al Biruni, der neben einer berühmten Arzneilehre auch ein Buch über die Geschichte Indiens (Kitab Tarich al-Hind) schrieb. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen lässt sich also bereits hier auch ein kultureller Austausch beobachten.

1186 stürzten die Ghuriden, im Jahr 1192 konnte Muhammad von Ghur eine Konföderation der indischen Rajputen unter Führung des Fürsten von Delhi, Prithviraj III. Chauhan in der Schlacht von Taraori besiegen. Muhammad zog daraufhin in Delhi ein. 1206 wurde er von seinem General Qutb-ud-Din Aibak ermordet, der damit das Sultanat von Delhi begründete.

Expansion nach Ostasien

Der Islam erreichte das maritime Südostasien im 7. Jahrhundert durch arabische Händler aus Jemen, die vor allem im westlichen Teil des heutigen Indonesien und auf Sri Lanka Handel trieben. Sufi-Missionare übersetzten Werke ihrer Literatur aus dem Arabischen und Persischen in die malaiische Sprache; hierzu wurde mit der Jawi-Schrift ein arabisches Schriftsystem entwickelt, in dem die malaiische Sprache geschrieben werden kann. 1292 besuchte Marco Polo auf seiner Rückreise per Schiff aus China Sumatra, und berichtete von dort, dass die überwiegende Zahl der Einwohner sich zum Islam bekehrt hätte.

1402 gründete Parameswara das Sultanat von Malakka. Von Malakka aus verbreitete sich der Islam weiter auf dem Malaiischen Archipel. 1511 eroberten die Portugiesen mit der Stadt Malakka den Regierungssitz, worauf das Sultanat zerfiel. Während Malakka 130 Jahre lang ein koloniales Zentrum der Portugiesen in Ostasien blieb, entstanden auf der Malaiischen Halbinsel verschiedene kleinere Sultanate, wie die Sultanate von Johor und Perak. 1641 eroberten die Niederländer das portugiesische Malakka. Es war der Beginn des Niedergangs des portugiesischen Kolonialreichs in Südostasien und der Aufstieg der Kolonie Niederländisch-Indien. 1824 fiel Malakka an die Engländer.

China

Handel bestand schon zwischen dem präislamischen Arabien und der Südküste Chinas; Verbindungen bestanden auch zwischen den zentralasiatischen Völkern und der islamischen Welt, nicht zuletzt über den alten Handelsweg der Seidenstraße. Spätestens zur Zeit der Tang-Dynastie, wenige Jahrzehnte nach der Hidschra, erreichten islamische Diplomaten auch China. Eine der ältesten Moscheen Chinas, die Huaisheng-Moschee, wurde schon im 7. Jahrhundert erbaut.

Umayyaden und Abbasiden

Umayyaden (Damaskus: 661–750, Córdoba –1031)

Die Umayyaden gehörten zum arabischen Stamm der Quraisch aus Mekka. Die Dynastie herrschte von 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen von Damaskus aus und begründete die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte. Bei den Umayyaden von Damaskus wird zwischen zwei Linien unterschieden, den Sufyāniden, die sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurückführen, und den ab 685 herrschenden Marwāniden, den Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam.

Unter der Regierung der Umayyaden wurden die Grenzen des Reiches im Osten bis zum Indus und im Westen bis zur Iberischen Halbinsel vorgeschoben, wo die neue Provinz Al-Andalus entstand. Nach ihrer Vertreibung aus dem Maschrek durch die Abbasiden gründeten sie im Jahr 756 in al-Andalus das Emirat von Córdoba, wo sie bis 1031 herrschten, seit 929 auch wieder mit dem Titel eines Kalifen. Im Osten wurde im gleichen Jahr der Indus erreicht. Transoxanien mit den Städten Buchara und Samarkand und die Landschaft Choresmien südlich des Aralsees gerieten ebenfalls unter islamische Herrschaft.

Die Schlacht von Tours und Poitiers 732 wurde von europäischer Seite als „Rettung des Abendlandes vor dem Islam“ durch Karl Martell angesehen, war aber wohl eher ein Scharmützel zwischen fränkischen Truppen und einer kleineren muslimischen Truppe auf einem Raubzug (ghazwa) gegen Eudo von Aquitanien. Die Festungen Narbonne, Carcassonne und Nîmes und Teile der Provence blieben vorerst muslimisch.

Die ersten Jahrzehnte der Umayyadenherrschaft sind gekennzeichnet durch die aktive Aneignung und Umformung der antiken Kunst und Architektur, die die Eroberer in den neu angeeigneten Gebieten vorgefunden hatten. Anhand von Münzprägungen lässt sich das entstehende politische, wirtschaftliche und religiöse Selbstbewusstsein der islamischen Herrscher nachvollziehen.

In den ersten fünfzig Jahren der Islamischen Expansion verwendeten die islamischen Eroberer zunächst die vorhandenen Münzen der Kaiser Herakleios und seines Nachfolgers Konstans II. weiter. Münzen dieser beiden Kaiser wurden in fast allen syrischen Fundstätten aus dieser Zeit archäologisch nachgewiesen, und müssen in Byzanz geprägt worden und nach Syrien exportiert worden sein. Im spätantiken iranischen Sassanidenreich war dabei eine weitgehend monometallische Silberwährung verwendet worden, die Oströmer prägten Gold-, Bronze- und Kupfermünzen. In den früheren sassanidischen Provinzen wurden nach der arabischen Eroberung weiterhin silberne Drachmen und goldene Dinare mit den Porträts von Chosrau II. oder Yazdegerd III. auf dem Avers und einem Feuertempel auf dem Revers verwendet. Geändert wurde nur das Datum, hinzugesetzt wurde eine kurze fromme Legende, oft die Basmala, und der Name des Herrschers. Vereinzelt finden sich auch islamische Symbole oder Portraits muslimischer Herrscher.

Der Münzimport aus dem byzantinischen Reich kam etwa 655–658 zum Erliegen. Ab 696, dem Jahr der Münzreform des Umayyaden Abd al-Malik, wurde in seinem Herrschaftsbereich ein bimetallisches Währungssystem, bestehend aus Gold- (Dinar) und Silbermünzen (Dirham), verwendet. Bei dem 696 eingeführten Dinar handelt es sich um eine Goldmünze nach dem Vorbild des byzantinischen Solidus. Das Porträt des byzantinischen Kaisers wurde durch das Bild des Kalifen, später vollkommen durch anikonische, rein epigraphische Stücke ersetzt.

Die Prägung eigener, genormter Münzen setzt die Existenz einer gut organisierten und differenzierten Verwaltung schon zu Abd al-Maliks Zeit voraus. Die neuen Münzen erreichten jeden Einwohner der beherrschten Gebiete, die Verteilung der bildlosen neuen Münzen demonstriert den Machtanspruch der Kalifen. Die Ausgabe eigener Münzen erleichtert das Eintreiben von Steuern und somit die Finanzierung der immensen Bautätigkeit der Kalifen von Damaskus im Bilad al-Scham ebenso wie die Besoldung des stehenden Heeres, welches nach in Registern festgelegten Löhnen bar, in Dirham, bezahlt wurde.

Gold- und Silbermünzen der islamischen Herrscher waren schon im 8. Jahrhundert ein verbreitetes Zahlungsmittel. In großer Zahl finden sie sich in skandinavischen Hortfunden wie beispielsweise im schottischen Skaill Hort und Grabbeigaben der Wikingerzeit und zeugen von den weit reichenden Handelsbeziehungen der islamischen Welt.

Abbasiden (750–1258)

Die Dynastie der Abbasiden regierte von 749 bis 1258. Sie stammt von al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib, einem Onkel Mohammeds, ab und gehört also zur Sippe der Haschimiten. Sie erlangte im Zuge der Revolution des Abu Muslim die Macht. Zu Beginn ihrer Herrschaft eroberten sie die Mittelmeerinseln mitsamt den Balearen, und 827 Sizilien. Abu l-Abbas as-Saffah (gest.754) war der erste abbasidische Herrscher.

Im 9. und 10. Jahrhundert etablierten sich in einigen Provinzen erste islamische Lokaldynastien:

•  die arabischen Idrisiden (789–985) im westlichen Maghreb, dem heutigen Marokko,

•  die arabischen Aghlabiden (800–909) in Tunesien und Tripolitanien,

•  die türkischen Tuluniden (868–906) und Ichschididen (935–969) im Niltal (Ägypten),

•  die persischen Tahiriden (821–873) und Samaniden (873–999) in Nordostpersien und Transoxanien.

Die Grenzen des Reiches blieben dabei stabil, es kam jedoch immer wieder zu Konflikten mit Byzanz, so 910 um Zypern, 911 um Samos und 932 um Lemnos.

„Blütezeit des Islams“

As-Saffars Nachfolger al-Mansur (reg. 754–775) gründete die Stadt Bagdad und machte sie zum neuen Zentrum des islamischen Reichs. Mansurs Enkel Hārūn ar-Raschīd (reg. 786–809) ist der wohl bekannteste Herrscher der Abbasidendynastie, verewigt in den Märchen von Tausendundeine Nacht. Der Kalif Al-Ma’mun (813–833) und einige seiner Nachfolger förderten die theologische Richtung der Muʿtazila, die stark von der griechischen Philosophie beeinflusst war und Willensfreiheit und Rationalität in den Vordergrund ihrer Lehre stellte, sowie von der Erschaffenheit des Korans ausging. Intellektuelle wie der Philosoph al-Kindi (800–873), ar-Razi (864–930), der Rechtsgelehrte al-Farabi (870–950) und der Mediziner Avicenna (980–1037) sind Vertreter des islamischen Geisteslebens ihrer Zeit, die als Blütezeit des Islams bezeichnet wird.

Als Blütezeit des Islam (auch Goldenes Zeitalter des Islam genannt) wird in der populärwissenschaftlichen Literatur die unter den Abbasiden (750 n. Chr. – 1258 n. Chr.) entwickelte Zivilisation in den islamisch beherrschten Gebieten bezeichnet.

< Die Dynastie der Abbasiden  löste 750 die Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab. Sie wurde wie die Umayyaden und später die Osmanen von fast allen Sunniten anerkannt. Der Name der Abbasiden geht zurück auf al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib, einen Onkel des Propheten Mohammed. Die Familie gehört zur Sippe der Haschimiten. Das Kalifat der Abbasiden in Bagdad wurde 1258 mit der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen und der Hinrichtung des Kalifen al-Musta’sim beendet.

Die Dynastie der Abbasiden bestand durch Einsetzungen durch den mamlukischen Sultan Baibars fort. In der Folge existierte ein durch die Mamluken erhaltenes abbasidisches Ersatz-Kalifat in Kairo, welches die realpolitische Machtausübung an die Mamluken formal übertrug und unter Muslimen außerhalb des Herrschaftsgebietes nur noch geringere Anerkennung erhielt. Mit der Eroberung Kairos durch die Osmanen 1517 wurde die Dynastie der Abbasiden endgültig beendet. Nach mehreren Migrationsbewegungen leben Abbasiden heutzutage vorwiegend in Palästina. >

Ein Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung entstand in wenigen Jahrzehnten in der im Jahr 762 gegründeten Stadt Bagdad. Es beerbte die wenige Kilometer entfernte im Jahr 637 von den Arabern eroberte persische Metropole Seleukia-Ktesiphon (= heute Irak).

Ebenfalls zu einem Zentrum des Wissens und der Literatur entwickelte sich die Region Chorasan in Zentralasien < im Gebiet der heutigen Staaten Afghanistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan>. Sie bildete später den Kern der iranischen Renaissance.

Auch das von den Mauren beherrschte Al-Andalus, insbesondere das Emirat von Córdoba/Kalifat von Córdoba und das spätere Emirat von Granada im Süden der Iberischen Halbinsel erreichten im Mittelalter eine Blüte an Kultur und Wissenschaft.

Die führende Stellung in den Wissenschaften ist noch heute an der arabischen Vorsilbe al- bei grundlegenden Fachbegriffen wie Algebra, Alchemie, Alkohol und Alkalien erkennbar. Die bekanntesten Wissenschaftler waren in folgenden Gebieten tätig:

Medizin

•  Hunayn ibn Ishaq, latinisiert Johannitius (809–874), christlich-arabischer Mediziner, Geschichtsschreiber, mit Übersetzungen des Aristoteles, Hippokrates und Galenos sowie durch bedeutende Bücher über die Einführung in die Medizin und Augenheilkunde bekannt geworden.

•  Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi, latinisiert Rhazes (865–925), persischer Universalgelehrter, erkannte als einer der ersten den Unterschied zwischen Pocken und Masern und probte bereits mit Gipsverbänden zur Heilung von Knochenbrüchen. Sein medizinisches Werk blieb bis zum 17. Jahrhundert unangefochten bestehen.

•  Ibn Sina, latinisiert Avicenna (980–1037), der bekannteste Mediziner des Islam und Perser. Er übersetzte die Schriften des Aristoteles, Hippokrates und Galen. Außerdem verfasste er den Kanon der Medizin, welcher bis zum 17. Jahrhundert das wichtigste Buch über die Heilkunde darstellte.

•  Ibn an-Nafis (gestorben um 1288) entdeckte durch theoretische Überlegungen den kleinen Blutkreislauf. Als Lungenkreislauf oder kleiner Kreislauf wird der Teil des Blutkreislaufs bezeichnet, der das Blut vom Herzen zur Lunge bringt und wieder zurückführt.

Mathematik

Mit Girih-Kacheln bestehend aus fünf verschiedenen Fliesenformen, die gemeinsam aperiodisch wiederholte Muster formen, waren islamische Architekten der westlichen Welt um mehr als fünfhundert Jahre voraus: Die Ornamente einiger orientalischer Bauten weisen eine so genannte quasikristalline Geometrie auf.

Mit Girih-Kacheln bestehend aus fünf verschiedenen Fliesenformen, die gemeinsam aperiodisch wiederholte Muster formen, waren islamische Architekten der westlichen Welt um mehr als fünfhundert Jahre voraus: Die Ornamente einiger orientalischer Bauten weisen eine so genannte quasikristalline Geometrie auf.

Mit Girih-Kacheln (persisch گره Girih/Gereh) bezeichnet man einen Satz von 5 Fliesen, die zur Dekoration von Gebäuden im islamischen Kulturkreis verwendet wurden.

Die 5 Kachelformen sind:

•  das Zehneck (regulär, Winkel jeweils 144°),

•  das Fünfeck (regulär, Winkel jeweils 108°),

•  das Sechseck (irregulär und konvex mit Winkeln von 72° und 144°),

•  der Rhombus (Winkel von jeweils 72° und 108°)

•  und eine Fliege (irreguläres Sechseck mit Winkeln von jeweils 72° und 216°).

Die Bemusterung der Elemente ist so gestaltet, dass diese weitgehend beliebig anreihbar sind und ihre Winkel zueinander harmonieren. Beim Legen eines Musters ergeben sich in der Kombination dann Figuren wie Sterne, Vielecke und Ähnliches. Durch Adaption der initialen Linienmuster sind auch Kreisbogen- und blumenähnliche Flächendesigns möglich.

•  Durch die Verwendung der indischen Zahlschrift löste der persische Mathematiker al-Chwarizmi (780–846) eine Revolution der Rechenmethoden aus. Des Weiteren ist das Wort Algorithmus auf ihn zurückzuführen und in seinem Werk Hisab al-dschabr wa-l-muqabala erklärt er (wie am Titel zu erkennen) den für die damalige Mathematik erneuerten Rechenzweig Algebra.

Die indoarabischen Ziffern oder (indisch-)arabischen Ziffern sind die elementaren Zeichen einer Zahlschrift, in der Zahlen positionell auf der Grundlage eines Dezimalsystems mit neun aus der altindischen Brahmi-Schrift herzuleitenden Zahlzeichen und einem eigenen, oft als Kreis oder Punkt geschriebenen Zeichen für die Null dargestellt werden.

•  Bedeutende Entdeckungen im Bereich der Trigonometrie (Sinussatz, Tangentenregel) machte der persische Gelehrte Abu l-Wafa (940–998). Er übersetzte zudem Ptomemaios’ Hauptwerk Almagest ins Arabische.

•  Al-Biruni (973–1048) war einer der großen Universalgelehrten des Mittelalters.

•  Der persische Mathematiker, Astronom, Philosoph und Dichter Omar Chayyām (1048–1131) erfand unter anderem das Dreieck der Binomialkoeffizienten und beschrieb die Lösung kubischer Gleichungen (= Pascalsches Dreieck).

Astronomie

•  Der bedeutendste Astronom war Muhammad Ibn Dschubair al-Battani, latinisiert Albategnius oder Albatanius (858–929). Er überlieferte die Astronomie von Ptolemäus und bestimmte unter anderem die Schiefe der Ekliptik und die Tagundnachtgleiche.

•  Abd ar-Rahman as-Sufi (903–986) schrieb ein Buch über die bekannten Sternbilder mit Sternnamen und Helligkeiten.

•  Ibn Yunus (950–1009), der Hofastronom am Kalifenhof, stellte die „Hakimitischen Planetentafeln“ auf.

•  Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham, latinisiert Alhazen (965–1040), Astronom und Physiker, steuerte Werke über Optik und Planetenbewegungen bei, die bis Kepler maßgeblich waren. Er erkannte die Grundlagen des Sehvorganges, die Bedeutung der Linsenkrümmung und beschrieb das Prinzip der „Camera Obscura“.

•  Ali ibn Abi r-Ridschal, latinisiert Abenragel[4] (um 1040), verfasste das umfangreichste Lehrbuch des Mittelalters über Astrologie. Alfons X. ließ es ins Kastilische übersetzen.

•  Der Experimentalphysiker des Mittelalters war Abu l-Fath Abd ar-Rahman (al-Chazini) im 12. Jahrhundert. Er konstruierte unter anderem Wasseruhren, Quadranten, Zirkel und erstellte die „Sandjarische Tafeln“ zur Planetenbestimmung.

•  Muhammad Taragay (Ulugh Beg) (1394–1449), schuf als Herrscher in Samarkand, das größte Observatorium der damaligen Zeit. Sein Handbuch über die Astronomie wurde in der Genauigkeit erst von Brahe übertroffen.

Sternnamen wie Aldebaran, Algol, Altair, Rigel und andere sowie die Bezeichnung Zenit und Nadir kommen aus dem Arabischen.

Veranstaltung vom 13.11.2018

Nachfolge Mohammeds

Auf das Thema der Nachfolge Mohammeds ist nochmals zurückzukommen, da in dieser Frage der Ursprung der verhängnisvollen Spaltung in Sunniten und Schiiten liegt. Mohammed hatte die Frage nicht geregelt, so dass die Nachfolgebestimmung in der Zuständigkeit der moslemischen Führer lag. Einigkeit bestand im Hinblick auf das Wahlprinzip, auf die Zugehörigkeit zum Stamme Mohammeds, der Quraisch, und die Rechtgläubigkeit im Sinne des Propheten. Nach den vier ersten Kalifen wurde das Wahlprinzip aufgegeben und eine dynastische Erbfolge eingeführt. Von Anfang an bestand ein Dissenz in Bezug auf die Zugehörigkeit zur Familie Mohammeds.  Darin unterschieden sich die Sunniten und Schiiten.

Der Großteil der Muslime, die späteren Sunniten, zogen keine engen Grenzen. Die erste Kalifenwahl fiel auf Abu Bakr, den Schwiegervater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, die dritte auf einen Schwiegersohn des Propheten. Der zweite Kalif, ʿUmar ibn al-Chattāb‘,  war lediglich ein Stammesverwandter, der sich vom erbitterten Gegner zum eifrigen Gefolgsmann entwickelte. Der vierte gewählte Kalif, Ali ibn Abi Talib, erhielt die Anerkennung einer Minderheit der Muslime, der späteren Schiiten. Es handelte sich um den Vetter und Schwiegersohn Mohammeds, den Ehemann der Tochter Fatima. Nach dem Tod Alis durch ein Attentat 661 gelangte sein Gegner aus der Sippe der Umayyaden und Verwandter Uthmans, der Statthalter Sysiens, Muawiya, an die Macht und begründete eine Erbdynastie, in der bis 750 14 Kalifen die Herrschaft innehatten. Die Familie der Umayyaden gehörte zur Zeit Mohammeds zu dessen größten Feinden. Die schiitische Hoffnung auf Stellung eines Kalifen scheiterte in der Schlacht von Kerbela (im Irak) 680, in der der Prophetenenkel Hussein fiel.  Für die Schiiten ist dies ein Ereignis von fundamentaler Bedeutung und wird jährlich in einer Gedenkfeier bedacht.

Auf die Umayyaden folgten die Abbasiden (750-1258), die gleichfalls zum sunnitischen Islam zählen, auch wenn die Abstammungslinie dieser Dynastien auf Al-Abas, den Vater eines Halbbruders von Mohammed zurückgeht. Die Familie besetzte traditionell ein Ehrenamt in der Kaaba. Schiiten in Kufa (Irak) verhalfen den Abbasiden zur Machtübernahme. Erster Kalif war Abul-Abbas as-Saffah.

Eroberungen des Islam auf Kosten des Byzantinischen Reiches: Syrien, Jordanien, Armenien, Ägypten, Maghreb.

Aus einem herrschenden Volk wurde ein unterworfenes Volk.

Neue Herrschaft, neue Religion, neue Normen.

Karte: Conquête … bis 750

Ausbreitung des Islams bis zum Jahr 750:

•  Ausbreitung unter Mohammed, 612–632

•  Ausbreitung unter den ersten drei Kalifen, 632–655

•  Ausbreitung unter dem Umayyaden-Kalifat 661–750

Arabisch-Byzantinische Kriege (632–718)

•  635: Eroberung Syriens;

•  636: Schlacht am Jarmuk im heutigen Jordanien;

•  639: Eroberung Armeniens und Ägyptens;

•  642–697/8: Eroberung des Maghreb;

•  674–678: Erste Belagerung von Konstantinopel;

•  717–718: Zweite Belagerung von Konstantinopel;

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war das Byzantinische Reich somit auf Kleinasien, die Stadt Konstantinopel und einige Inseln und Küstenbereiche in Griechenland beschränkt.

Eroberung des Sasanidenreichs (zweites persisches Großreich 224-651, 1. Großreich 550-330 v.Chr.)

Nach dem Sieg gegen Byzanz in der Schlacht am Jarmuk 636 konnte ʿUmar Truppen in den Osten verlegen und die Offensive gegen die Sasaniden verstärken. Im Südirak kam es (wahrscheinlich 636) zur Schlacht von al-Qādisīya, die mit der Niederlage und dem Rückzug der sasanidischen Truppen endete. Die Hauptstadt Ktesiphon musste aufgegeben werden. 642 wurde das persische Heer in der Schlacht bei Nehawend erneut besiegt. Yazdegerd III. wurde im Zuge interner Machtkämpfe im Jahre 651 in Merw ermordet. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts befand sich ganz Chusistan unter arabischer Kontrolle.

1980 verwendete das irakische Regime Saddam Husseins die Schlacht von al-Qādisīya zur propagandistischen Unterstützung der Invasion Chusistans, die den Beginn des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) markiert.

Expansion nach Indien

Schon 664, 32 Jahre nach Mohammeds Tod, stieß der Statthalter von Chorasan, al-Muhallab ibn Abi Sufra, bis nach Multan im heutigen Punjab vor. Die umayyadischen Heere erreichten 712 den Indus, weitere Eroberungen wurden vorerst mit der Niederlage Muhammad ibn al-Qasims in der Schlacht von Rajasthan im Jahr 738 aufgehalten. Gleichzeitig erweiterten sich Handelskontakte zwischen Arabern und Indern, wobei vor allem in den Hafenstädten der indischen Westküste Niederlassungen arabischer Händler entstanden. Bereits im Jahr 642 wurde in Kasaragod eine erste Moschee errichtet. Weniger friedlich gestalteten sich die Verhältnisse am oberen Indus, wo die muslimischen Machthaber in Persien immer wieder in Konflikte mit den Herrschern von Sindh gerieten, ohne dabei zunächst territoriale Gewinne zu erzielen.

Besondere Bedeutung erlangte die nach der im heutigen Afghanistan gelegenen Stadt Ghazna benannte turkstämmige Dynastie der Ghaznawiden. Sie wurde 977 gegründet und attackierte unter Mahmud von Ghazni (998–1030) in insgesamt 17 Feldzügen das Industal, wobei die bewegliche Kavallerie der Invasoren sich dem indischen Fußheer mit seinen Elefanten in der Schlacht überlegen zeigte, allerdings entstanden durch die klimatischen Bedingungen Indiens erhebliche Versorgungsprobleme besonders für die Pferde der Invasoren. Den Ghaznawiden gelang es so, sich im Punjab festzusetzen. Am Hof der Ghaznawiden stellte sich zugleich eine erste kulturelle Blüte ein; so wirkten dort der Dichter Firdausi und der Gelehrte und Arzt Al Biruni, der neben einer berühmten Arzneilehre auch ein Buch über die Geschichte Indiens (Kitab Tarich al-Hind) schrieb. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen lässt sich also bereits hier auch ein kultureller Austausch beobachten.

1186 stürzten die Ghuriden, im Jahr 1192 konnte Muhammad von Ghur eine Konföderation der indischen Rajputen unter Führung des Fürsten von Delhi, Prithviraj III. Chauhan in der Schlacht von Taraori besiegen. Muhammad zog daraufhin in Delhi ein. 1206 wurde er von seinem General Qutb-ud-Din Aibak ermordet, der damit das Sultanat von Delhi begründete.

Expansion nach Ostasien

Der Islam erreichte das maritime Südostasien im 7. Jahrhundert durch arabische Händler aus Jemen, die vor allem im westlichen Teil des heutigen Indonesien und auf Sri Lanka Handel trieben. Sufi-Missionare übersetzten Werke ihrer Literatur aus dem Arabischen und Persischen in die malaiische Sprache; hierzu wurde mit der Jawi-Schrift ein arabisches Schriftsystem entwickelt, in dem die malaiische Sprache geschrieben werden kann. 1292 besuchte Marco Polo auf seiner Rückreise per Schiff aus China Sumatra, und berichtete von dort, dass die überwiegende Zahl der Einwohner sich zum Islam bekehrt hätte.

1402 gründete Parameswara das Sultanat von Malakka. Von Malakka aus verbreitete sich der Islam weiter auf dem Malaiischen Archipel. 1511 eroberten die Portugiesen mit der Stadt Malakka den Regierungssitz, worauf das Sultanat zerfiel. Während Malakka 130 Jahre lang ein koloniales Zentrum der Portugiesen in Ostasien blieb, entstanden auf der Malaiischen Halbinsel verschiedene kleinere Sultanate, wie die Sultanate von Johor und Perak. 1641 eroberten die Niederländer das portugiesische Malakka. Es war der Beginn des Niedergangs des portugiesischen Kolonialreichs in Südostasien und der Aufstieg der Kolonie Niederländisch-Indien. 1824 fiel Malakka an die Engländer.

China

Handel bestand schon zwischen dem präislamischen Arabien und der Südküste Chinas; Verbindungen bestanden auch zwischen den zentralasiatischen Völkern und der islamischen Welt, nicht zuletzt über den alten Handelsweg der Seidenstraße. Spätestens zur Zeit der Tang-Dynastie, wenige Jahrzehnte nach der Hidschra, erreichten islamische Diplomaten auch China. Eine der ältesten Moscheen Chinas, die Huaisheng-Moschee, wurde schon im 7. Jahrhundert erbaut.

Umayyaden und Abbasiden

Umayyaden (Damaskus: 661–750, Córdoba –1031)

Die Umayyaden gehörten zum arabischen Stamm der Quraisch aus Mekka. Die Dynastie herrschte von 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen von Damaskus aus und begründete die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte. Bei den Umayyaden von Damaskus wird zwischen zwei Linien unterschieden, den Sufyāniden, die sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurückführen, und den ab 685 herrschenden Marwāniden, den Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam.

Unter der Regierung der Umayyaden wurden die Grenzen des Reiches im Osten bis zum Indus und im Westen bis zur Iberischen Halbinsel vorgeschoben, wo die neue Provinz Al-Andalus entstand. Nach ihrer Vertreibung aus dem Maschrek durch die Abbasiden gründeten sie im Jahr 756 in al-Andalus das Emirat von Córdoba, wo sie bis 1031 herrschten, seit 929 auch wieder mit dem Titel eines Kalifen. Im Osten wurde im gleichen Jahr der Indus erreicht. Transoxanien mit den Städten Buchara und Samarkand und die Landschaft Choresmien südlich des Aralsees gerieten ebenfalls unter islamische Herrschaft.

Die Schlacht von Tours und Poitiers 732 wurde von europäischer Seite als „Rettung des Abendlandes vor dem Islam“ durch Karl Martell angesehen, war aber wohl eher ein Scharmützel zwischen fränkischen Truppen und einer kleineren muslimischen Truppe auf einem Raubzug (ghazwa) gegen Eudo von Aquitanien. Die Festungen Narbonne, Carcassonne und Nîmes und Teile der Provence blieben vorerst muslimisch.

Die ersten Jahrzehnte der Umayyadenherrschaft sind gekennzeichnet durch die aktive Aneignung und Umformung der antiken Kunst und Architektur, die die Eroberer in den neu angeeigneten Gebieten vorgefunden hatten. Anhand von Münzprägungen lässt sich das entstehende politische, wirtschaftliche und religiöse Selbstbewusstsein der islamischen Herrscher nachvollziehen.

In den ersten fünfzig Jahren der Islamischen Expansion verwendeten die islamischen Eroberer zunächst die vorhandenen Münzen der Kaiser Herakleios und seines Nachfolgers Konstans II. weiter. Münzen dieser beiden Kaiser wurden in fast allen syrischen Fundstätten aus dieser Zeit archäologisch nachgewiesen, und müssen in Byzanz geprägt worden und nach Syrien exportiert worden sein. Im spätantiken iranischen Sassanidenreich war dabei eine weitgehend monometallische Silberwährung verwendet worden, die Oströmer prägten Gold-, Bronze- und Kupfermünzen. In den früheren sassanidischen Provinzen wurden nach der arabischen Eroberung weiterhin silberne Drachmen und goldene Dinare mit den Porträts von Chosrau II. oder Yazdegerd III. auf dem Avers und einem Feuertempel auf dem Revers verwendet. Geändert wurde nur das Datum, hinzugesetzt wurde eine kurze fromme Legende, oft die Basmala, und der Name des Herrschers. Vereinzelt finden sich auch islamische Symbole oder Portraits muslimischer Herrscher.

Der Münzimport aus dem byzantinischen Reich kam etwa 655–658 zum Erliegen. Ab 696, dem Jahr der Münzreform des Umayyaden Abd al-Malik, wurde in seinem Herrschaftsbereich ein bimetallisches Währungssystem, bestehend aus Gold- (Dinar) und Silbermünzen (Dirham), verwendet. Bei dem 696 eingeführten Dinar handelt es sich um eine Goldmünze nach dem Vorbild des byzantinischen Solidus. Das Porträt des byzantinischen Kaisers wurde durch das Bild des Kalifen, später vollkommen durch anikonische, rein epigraphische Stücke ersetzt.

Die Prägung eigener, genormter Münzen setzt die Existenz einer gut organisierten und differenzierten Verwaltung schon zu Abd al-Maliks Zeit voraus. Die neuen Münzen erreichten jeden Einwohner der beherrschten Gebiete, die Verteilung der bildlosen neuen Münzen demonstriert den Machtanspruch der Kalifen. Die Ausgabe eigener Münzen erleichtert das Eintreiben von Steuern und somit die Finanzierung der immensen Bautätigkeit der Kalifen von Damaskus im Bilad al-Scham ebenso wie die Besoldung des stehenden Heeres, welches nach in Registern festgelegten Löhnen bar, in Dirham, bezahlt wurde.

Gold- und Silbermünzen der islamischen Herrscher waren schon im 8. Jahrhundert ein verbreitetes Zahlungsmittel. In großer Zahl finden sie sich in skandinavischen Hortfunden wie beispielsweise im schottischen Skaill Hort und Grabbeigaben der Wikingerzeit und zeugen von den weit reichenden Handelsbeziehungen der islamischen Welt.

Abbasiden (750–1258)

Die Dynastie der Abbasiden regierte von 749 bis 1258. Sie stammt von al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib, einem Onkel Mohammeds, ab und gehört also zur Sippe der Haschimiten. Sie erlangte im Zuge der Revolution des Abu Muslim die Macht. Zu Beginn ihrer Herrschaft eroberten sie die Mittelmeerinseln mitsamt den Balearen, und 827 Sizilien. Abu l-Abbas as-Saffah (gest.754) war der erste abbasidische Herrscher.

Im 9. und 10. Jahrhundert etablierten sich in einigen Provinzen erste islamische Lokaldynastien:

•  die arabischen Idrisiden (789–985) im westlichen Maghreb, dem heutigen Marokko,

•  die arabischen Aghlabiden (800–909) in Tunesien und Tripolitanien,

•  die türkischen Tuluniden (868–906) und Ichschididen (935–969) im Niltal (Ägypten),

•  die persischen Tahiriden (821–873) und Samaniden (873–999) in Nordostpersien und Transoxanien.

Die Grenzen des Reiches blieben dabei stabil, es kam jedoch immer wieder zu Konflikten mit Byzanz, so 910 um Zypern, 911 um Samos und 932 um Lemnos.

Das Bilderverbot im Islam (vor allem im sunnitischen Islam )ist das Ergebnis einer kontrovers geführten Diskussion über die Legitimität bildlicher Darstellungen von Menschen und Tieren sowohl im profanen als auch im religiösen Bereich.

Der Koran und bildliche Darstellungen

Der Koran enthält kein Bilderverbot. In einigen Koranversen wird Allah als der größte Bildner und Schöpfer dargestellt, als „der Schöpfer, Erschaffer und Gestalter“. In der islamischen theologischen Literatur werden Suren zitiert, die sich nicht gegen Bilder an sich, sondern gegen ihre Verehrung und damit gegen Polytheismus und Götzendienst richten. „Speziell im sakralen Bereich, d. h. in den Moscheebauten sowie in den Koranhandschriften, finden sich so gut wie gar keine Bilder von lebenden Wesen.“

Bilderfeindlichkeit und -verbot in der Hadith-Literatur: das sind die sechs sunnitischen kanonischen Sammlungen, die Aussprüche, Handlungen und Anweisungen des Propheten Mohammed enthalten, die in einer islamischen Gesellschaft als Sunna, als nachahmenswerte oder zu befolgende Normen verstanden werden. Somit sind sie nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Jurisprudenz

Der erste schriftlich überlieferte Beleg gegen bildliche Darstellungen ist erst in der Hadith-Literatur im späten 8. Jahrhundert nachweisbar. Als Umm Habiba und Umm Salama – zwei Ehefrauen Mohammeds – über die Māriya-Kirche Abessiniens und über die dortigen bildlichen Darstellungen dem Propheten kurz vor dessen Tod berichteten, soll er der Tradition zufolge geantwortet haben:

„Wenn unter denen ein frommer Mann stirbt, bauen sie über seinem Grab eine Gebetsstätte und bringen darin diese Bilder an. Solche Leute sind vor Gott am Tage der Auferstehung die schlechtesten Geschöpfe.“

Mit der Entstehung der kanonischen Hadith-Sammlungen, deren Verfasser zwischen 870 und 915 gestorben sind, kamen auch weitere Aussprüche Mohammeds in Umlauf, die seine persönliche Abneigung gegenüber bildlichen Darstellungen zum Ausdruck brachten. Auch in den vier Büchern der Schiiten lassen sich bilderfeindliche Überlieferungen finden. Eine genau beschriebene und geforderte Bestrafung für die Herstellung und Benutzung bildlicher Darstellungen im Diesseits ist allerdings auch nicht im Hadith überliefert; die nur im Jenseits angedrohte Höllenstrafe soll den Menschen von der Bilder- und Skulpturenherstellung und vom Besitz derselben abschrecken.

Historische Dokumentation

Die später belegbare Scheu vor bildlichen Darstellungen ist unter den ersten Umayyaden nicht dokumentiert; unter dem Kalifen Mu’awiya I. – regiert zwischen 661 und 680 – finden sich Herrscherporträts auf arabischen Münzen. Erst mit der Münzreform in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts setzt sich eine bilderfeindliche Haltung allmählich durch. Während die letzte umayyadische Münze – unter sassanidischem Einfluss – mit dem Bild des Kalifen Abd al-Malik aus dem Jahre 703 stammt, tragen die Münzen der Folgezeit nur noch arabische Inschriften.

Die bildliche Darstellung von Menschen erfolgte vor allem in zwei Phasen der islamischen Geschichte: Während die erste die Umayyaden- und frühe Abbasidenherrschaft zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert umfasst, begann die zweite unter den Fatimiden im 10./11. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt in der Buchmalerei des späten 12. und 13. Jahrhunderts im islamisch geprägten Mesopotamien.

Auf ‘Abd al-Malik geht auch die Initiative zum Bau des Felsendoms in Jerusalem zurück, der sich im Innenraum durch reichhaltige Rankelemente und Mosaiken nach byzantinischem Vorbild auszeichnet.

Der „Hischam-Palast“ bei Jericho, ein Wüstenpalast, der mit seinen großzügigen Darstellungen in Mosaiken und Skulpturen zu den schönsten Zeugen islamischer Baukunst aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts zählt. Viele der Skulpturen, der Kalif, halbnackte Frauen, Jagdszenen, allesamt unter byzantinischem – oder nabatäischem – Einfluss stehend, ferner Teile der Gebetsstätte sind heute im Rockefeller-Museum in Jerusalem ausgestellt. Ein weiteres Beispiel stellt Qusair ‘Amra mit seinen Fresken unbekleideter Frauen aus derselben Zeit dar. al-Hakam II. (gest. 976) ließ in Madinat az-zahra bei Córdoba einen mit menschlichen Figuren ausgeschmückten Brunnen aufstellen.

Auch im Innenraum der Ka’ba waren Skulpturen aufgestellt, die der im Jahr 736 verstorbene mekkanische Gelehrte ‘Ata’ ibn Abi Rabah noch selber gesehen hat: die Figuren Jesu und Marias sind erst im Jahre 692, während des Brandes der Ka’ba unter dem „Gegenkalifen“ Abdallah ibn az-Zubair, vernichtet worden.

Das Edikt des Umayyadenkalifen Yazid ibn ‘Abd al-Malik über die Zerstörung von Bildern in christlichen Kirchen auf seinem Staatsgebiet im Jahre 721 oder 722 ist im Zusammenhang mit den damals entfachten Byzantinischen Bilderstreit zu sehen.

Der byzantinische Bilderstreit war eine Zeit der leidenschaftlichen theologischen Debatte in der orthodox-katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiserhaus während des 8. und 9. Jahrhunderts, in der es um den richtigen Gebrauch und die Verehrung von Ikonen ging. Die beiden Parteien wurden in der späteren Betrachtung als Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) und Ikonodulen (Ikonenverehrer) bezeichnet.

Die islamische Jurisprudenz

Da weder der Koran noch die Hadith-Literatur eindeutige Belege für ein Bilderverbot im Islam liefern, war die islamische Jurisprudenz (fiqh) gefordert, rechtsverbindliche Regelungen in dieser Frage zu treffen. Die islamischen Rechtsgelehrten vertreten über die bildliche Darstellung von Mensch und Tier drei, zum Teil kontroverse Ansichten:

•  Darstellungen sind nicht verboten, haram, soweit sie nicht als Gegenstände der religiösen Verehrung – neben dem einzigen Gott – dienen. Die Darstellung Gottes ist selbstverständlich tabu, die Beschreibung seiner Attribute und seines Wesens in theologischen Schriften ist nicht Gegenstand der Jurisprudenz.

•  Darstellung von Gegenständen, die „Schatten werfen“, also Skulpturen, ist verboten, Zeichnungen von denselben auf Papier, Wänden, in Textilien, sind nicht verboten, aber verwerflich (makruh). Sind Personen oder Tiere ohne Kopf, oder in anderer Hinsicht nicht vollständig dargestellt, aber werfen Schatten, so sind sie erlaubt. Das im Orient und in Nordafrika verbreitete Schattentheater ist somit islamrechtlich legalisiert, da die Figuren durchlöchert sind und somit keine „Seele“ (ruh) haben können.

•  die Darstellung von Lebewesen, Mensch und Tier, ist in jeder Hinsicht verboten.

Alle drei Richtungen können aus der Hadith-Literatur entsprechende, auf Mohammed zurückgeführte Aussagen als Argumentationsgrundlage für ihre Lehre anführen.

Mehrere Hadithe, sowohl Prophetensprüche als auch Aussagen der Prophetengefährten, setzen sich in diesem Zusammenhang mit dem Schachspiel schatrandsch auseinander. Das Verbot des Schachspiels ist begründet, weil dabei Figuren, die Schatten werfen, verwendet werden und weil das Spiel (lahw) an sich vom Gebet ablenkt. Dagegen wird das zur Zeit Saladins neu aufgekommene Schattenspiel geduldet, da die Figuren „durchlöchert“ (muṯaqqab) und somit keine Lebewesen sind.

< Unter dem Namen „Sultan Saladin“ wurde er zu einem Mythos der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. Er eroberte im Jahr 1187 Jerusalem; als erfolgreicher Gegenspieler der Kreuzfahrer wurde er oft verklärt und romantisiert>

Ein weiterer Gegenstand, dessen Darstellung im Islam verboten ist, ist das Kreuz, das Symbol der Christen. Es ist nicht nur das Symbol der Rum, der Byzantiner, der Feinde des Islam, sondern wird am Tage der Auferstehung von Isa bin Maryam selbst zerstört – so heißt es zumindest in mehreren auf den Propheten zurückgeführten Hadithen in den kanonischen Traditionssammlungen. Der Prophet soll, weiteren Traditionen zufolge, das Kreuz in seiner Umgebung und die Muster desselben aus Kleidungsstücken, wohl durch christliche Händler zu den Arabern gelangt, haben  entfernen lassen.

Die gleiche Geisteshaltung drückt man in einem bei Ahmad ibn Hanbal erhaltenen Hadith aus, in dem man Mohammed wie folgt sprechen lässt:

„Gott hat mich als Gnade und Rechtleitung an die Menschheit gesandt und befahl mir, die Blas- und Saiteninstrumente, die Idole, das Kreuz und die Dschahiliyya-Sitten zu zerstören.“

Schon in den ältesten Schriften der islamischen Jurisprudenz ist die öffentliche Aufstellung des Kreuzes durch die unter islamischer Herrschaft lebende nicht-muslimische Bevölkerung in den Siedlungsgebieten der Muslime schari’a-rechtlich untersagt.

Wie bildliche Darstellungen von Menschen, Tieren und Gegenständen, die „Schatten werfen“, darf der Muslim kein Kreuz herstellen, seine Herstellung nicht anordnen oder damit Handel treiben.

Generell lässt sich feststellen, dass die bildliche Darstellung in Kunst und Architektur desto stärker vermieden wird, je

•  näher das Bau- oder Kunstwerk dem religiösen Bereich steht (z. B. die Moschee und ihr Inventar),

•  glaubensstrenger das Umfeld (Auftraggeber, Künstler, Herrscher) ist, in dem ein Bau- oder Kunstwerk entsteht,

•  mehr Menschen der Bereich zugänglich ist, in dem sich ein Bau- oder Kunstwerk befindet.

Man kann davon ausgehen, „dass das Bilderverbot, das ja von Theologen überliefert, juristisch formuliert und innerhalb gewisser Grenzen auch überwacht wurde, vor allem in der sakralen Kunst beachtet worden ist: besonders natürlich in Moscheen, aber auch in anderen öffentlichen Bauten, weiter auf Grabsteinen und, was die Buchkunst angeht, in Koranhandschriften.“ Dies gilt allerdings mit Einschränkungen. In einem im Jahre 1930 in Istanbul aufgefundenen Koranexemplar sind mehrere Abbildungen erhalten. Der unbekannte Kopist, der das Buch 1816 anfertigte, war ein Schüler eines gewissen Dāmād ʿUṯmān ʿAfīf Zādeh († 1804). Die schwarz-weißen Zeichnungen sind dem Korantext später hinzugefügt worden und stellen Episoden aus dem Leben Mohammeds im Kreis seiner Gefährten dar.

Dass von einem absoluten Bilderverbot im Islam nicht die Rede sein kann, zeigen zahlreiche Beispiele in der islamischen Kunst: Repräsentative Räume, Paläste und Badeanlagen sind im profanen Bauwesen ohne bildliche Darstellungen genauso wenig vorstellbar wie in der erbaulichen Literatur (adab), z. B. in den Makamen von al-Hariri, oder im Fabelwerk Kalīla wa Dimna. In medizinischen und naturwissenschaftlichen Werken aus dem arabisch-islamischen Kulturraum ist die Darstellung lebender Wesen ebenfalls häufig.

Islamische Bilder Mohammeds

Der Prophet Mohammed (zu Pferde) unterwirft die Banu Nadir. Aus dem Dschami’ at-tawarich, 14. Jahrhundert.

Die Darstellung des Propheten wird im islamischen Kulturraum unterschiedlich bewertet. In Verbindung mit der großen Bedeutung des Wortes, gleichsam als Träger der Offenbarung, führt das Vermeiden bildlicher Darstellungen zu einer überragenden Rolle von Schrift (Kalligraphie) und Ornament in der islamischen Kunst. Dabei wird die Schrift häufig selbst zum Schmuck, oder Ornamente werden schriftähnlich gestaltet.

Bilder Mohammeds sind daher selten; sie finden sich hauptsächlich als Buchmalereien in persischen und ottomanischen Manuskripten. Bilder dieser Art traten zuerst ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Reich der zum Islam übergetretenen mongolischen Ilchane auf. Mohammeds Nachtreise war ein besonders beliebtes Motiv. Anfänglich zeigten die Bilder eine Darstellung von Mohammeds Gesicht, oft von einem Heiligenschein oder einer flammenden Aureole umgeben; ab dem 16. Jahrhundert wurde dazu übergegangen, sein Gesicht aus Pietät hinter einem Schleier zu verbergen oder Mohammed nur als Flamme darzustellen. Die Buchmalereien waren nicht Teil des öffentlichen Lebens, sondern dienten der privaten Erbauung von Herrschern und wohlhabenden Patronen, die diese Bilder für sich anfertigen ließen. Im Iran findet man dagegen heute populäre Bilder von Mohammed, die als Postkarten oder Poster verkauft werden.

Islamischer Ikonoklasmus

In der Geschichte fanden zahlreiche ikonoklastische Zerstörungen von Bildwerken anderer Kulturen und Religionen durch Muslime statt; ganz stark haben die buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Stätten im Norden Indiens gelitten (siehe z. B. Quwwat-ul-Islam-Moschee in Delhi).

Philosophie

Ein arabisches Manuskript aus dem 13. Jahrhundert: Sokrates (Soqrāt) in Diskussion mit seinen Schülern

•  Ibn Ruschd, latinisiert Averroes, zählt neben al-Biruni zu einem der größten Universalgelehrten des Islam. Er verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk des Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb schlicht als „der Kommentator“ bezeichnet, so wie Aristoteles nur „der Philosoph“ genannt wurde.

•  al-Kindi, latinisiert Alkindus, ließ zahlreiche Werke von Aristoteles und anderen griechischen Philosophen durch Mitarbeiter, die zum Teil griechisch-christlicher Herkunft waren, übersetzen. Er gilt als erster großer Philosoph des Islam und war einer der Begründer einer mathematischen Denkweise in der Philosophie → Logik.

Einheit und Vielfalt der muslimischen Gesellschaft

Ein grundlegendes Kennzeichen der islamischen Gesellschaft war und ist die Spannung zwischen dem Ideal der Einheit des Glaubens und der Realität der kulturellen Vielfalt in der riesigen islamischen Welt. Seit der Zeit des Propheten und seiner unmittelbaren Nachfolger erreichte die religiöse Botschaft des Islams unterschiedliche Völker mit verschiedenen Traditionen. Es war und bleibt eine Herausforderung, auf dem Boden unterschiedlichster Traditionen allen gemeinsame Normen festzulegen und durchzusetzen. Dennoch war und ist diese Vielfalt eine Quelle bedeutender kultureller Vitalität.

Normenfindung

Der Koran und die in den Hadith überlieferten Aussprüche und Handlungen (Sunna) des Propheten bilden die Grundlage der islamischen Normenfindung (Fiqh). Weitere kanonische Quellen der Rechtsfindung sind der Konsens qualifizierter Gelehrter (Idschmāʿ) und der Analogieschluss (Qiyās). Auch einzelne Gelehrte (Mudschtahid) können aus eigenständigem Urteil heraus (Idschtihād) Normen setzen. Die islamische Rechtstheorie (Usūl al-fiqh) befasst sich mit den Quellen und methodischen Grundlagen der Normenfindung. Das hieraus entstandene Regelwerk für einen gottgefälligen Lebensweg, die Scharia, umfasst das als Einheit verstandene religiöse und säkulare Leben. Den sozialen Pflichten nicht nachzukommen, wiegt daher als Abfall vom Islam ebenso schwer wie die Leugnung der Einheit Gottes (Tauhīd) oder der Rechtmäßigkeit der Lehre des Propheten.

<Der Begriff Hadith (der Hadith, auch das Hadith; Erzählung, Bericht, Mitteilung, Überlieferung‘) bezeichnet die Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed sowie der Aussprüche und Handlungen Dritter, die dieser stillschweigend gebilligt haben soll. Der Singular Hadith wird für eine einzelne Überlieferung verwendet, aber auch für die Gesamtheit der Überlieferungen. Der Plural lautet im Deutschen Hadithe.

Die große Bedeutung der Hadithe im Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Normenlehre (Fiqh) darstellt. Die Hadithe gelten als das Mittel, über das sich die nachkommenden Generationen über diese Handlungsweise informieren können. Darum wird das Studium der Hadithe noch heute als einer der wichtigsten Zweige der islamischen religiösen Wissenschaften angesehen.>

Staatsbegriff

Im Gegensatz zum Christentum, das in den ersten Jahrhunderten seiner Existenz keine politische Macht besaß, verfügte der Islam schon in seiner frühesten Epoche über einheitliche politische und administrative Strukturen. Im Zuge ihrer schnellen Ausbreitung gewann die islamische Gemeinschaft unmittelbaren Zugang zu den Konzepten der antiken Philosophie und ihrer logischen Arbeitsweise und konnte auf bestehende administrative und wirtschaftliche Strukturen zurückgreifen. In einem langsamen Prozess entwickelte sich unter dem Einfluss der vorbestehenden präislamischen Kulturen die islamische Gesellschaft.

Erhalt und Durchsetzung der Scharia, Verteidigung der Umma gegen äußere Feinde sowie die Ausbreitung des Islams im „Heiligen Krieg“ (Dschihad) setzen politische Macht voraus. Politisches Handeln war demnach religiöse Pflichterfüllung. Der Verlust der religiösen Einheit des Islams machte eine detaillierte Ausarbeitung des islamischen Herrschaftsverständnisses notwendig. Seit dem 8. Jahrhundert entwickelten islamische Philosophen und Rechtsgelehrte wie Abu Nasr Muhammad al-Farabi (um 872–950) Theorien zum idealen Gemeinwesen. Im 10./11. Jahrhundert stellten der schafiitische Rechtsgelehrte Abū l-Hasan al-Māwardī (972–1058) sowie der aschʿaritische Gelehrte Abū l-Maʿālī ʿAbd al-Malik ibn ʿAbdallāh al-Dschuwainī (1028–1085) grundlegende Betrachtungen zum Staatsmodell des Kalifats (Imamat) vor. Der hanbalitische Gelehrte Ibn Taimīya (1263–1328) entwickelte den Gedanken, dass das Recht auf Aussagen des Korans und der Prophetenüberlieferung (Sunna) zu beruhen und ein Staat die Durchsetzung der Scharia zu garantieren habe.

Stadt- und Landbevölkerung

Der Historiker und Politiker Ibn Chaldūn (1332–1406) analysierte im 14. Jahrhundert die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Maghreb. In seinem Buch al-Muqaddima analysierte er ausführlich das Verhältnis von ländlich-beduinischem und städtisch-sesshaftem Leben, das einen für ihn zentralen sozialen Konflikt abbildet. Die Gesellschaft der arabisch-islamischen Welt des Mittelalters war in ihrer historischen Entwicklung von zwei sozialen Kontexten bestimmt, dem Nomadentum einerseits und dem städtischen Leben andererseits. Mit Hilfe des Konzepts der „ʿAsabīya“ (zu übersetzen als „innere Bindung, Sippenloyaliät, Solidarität“) erklärt er den Aufstieg und Fall von Zivilisationen, wobei der Glaube und die ʿAsabīya sich ergänzen können, wie zum Beispiel während der Herrschaft der Kalifen. Die Beduinen und andere nomadische Bewohner der Wüstenregionen (al-ʿumrān al-badawī) haben eine starke ʿAsabīya und sind fester im Glauben, während der innere Zusammenhalt der Stadtbewohner (al-ʿumrān al-hadarī) im Verlauf mehrerer Generationen immer mehr an Kraft verliert. Nach einer Spanne von mehreren Generationen ist die auf der ʿAsabīya gründende Macht der städtischen Dynastie derart geschrumpft, dass sie Opfer eines aggressiven Stammes vom Land mit stärkerer ʿAsabīya wird, der nach Eroberung und teilweiser Zerstörung der Städte eine neue Dynastie errichtet.

Ab dem 10. Jahrhundert prägte der Gegensatz zwischen den hochentwickelten dynastischen Erbmonarchien persischer Prägung und den nomadischen Traditionen der ab dieser Zeit in großer Zahl einwandernden Turkvölker mit ihren Prinzipien der Nachfolge gemäß der Seniorität und der Abhängigkeit des Herrschers in erster Linie von der Loyalität seines Stammes die politische Entwicklung der islamischen Welt. Unter den Seldschukenherrschern Alp Arslan (1063–1072) und seinem Nachfolger Malik Şâh (1072–1092), beide unterstützt durch ihren fähigen Großwesir Nizām al-Mulk gelang es, die beiden unterschiedlichen Traditionen in einem politischen System zu vereinigen.

Islamische Eliten

ʿUlamā’ – die Rechtsgelehrten

Koran und Hadith waren seit dem 9. (3. islamischen) Jahrhundert als Hauptquellen der göttlichen Ordnung allgemein anerkannt. Die Scharia kodifiziert die Leitlinien zur Frömmigkeit und religiösen Hingabe. Seit dem 9. Jahrhundert war auch ein Netzwerk von Gelehrten der Rechtswissenschaft (Fiqh) entstanden, die ʿUlamā’, deren Aufgabe es ist, die Einzelheiten der göttlichen Gebote auszulegen und durchzusetzen. Im Gegensatz zur zentralisierten Hierarchie der christlichen Kirche ist die Teilhabe an der ʿUlamā’ nicht an eine Ordination gebunden, und wurde nie von einer zentralen Institution geleitet und überwacht. Vielen Muslimen genügt die Kombination aus göttlicher Führung und Anleitung durch die ʿUlamā’ (Taqlid) als Grundlage ihres religiösen Lebens.

Sufis – die Mystiker

Manche Muslime entwickelten das Bedürfnis, das Göttliche noch auf eine andere Weise zu erfahren als durch Gesetz und Auslegung. Der Sufismus bietet einen emotionalen, leichter zugänglichen Weg zu religiösem Erleben und wird gelegentlich als bewusste Gegenbewegung gegen die rationalistischen Tendenzen der Rechtsgelehrsamkeit und der systematischen Theologie angesehen. Die Sufimeister (Scheichs, pir, baba) und ihre Schüler boten eine Ergänzung und teilweise auch eine Alternative zur Rechtsgelehrsamkeit der ʿUlamā’. In Nordindien im 11., Senegal im 16., und Kasachstan im 17. Jahrhundert waren es Sufi-Missionare, die der Bevölkerung den Islam nahebrachten, auch indem sie lokale Traditionen der „Volksfrömmigkeit“ unbefangener aufgriffen als die Rechtsgelehrten. Diese bekämpften teilweise die Lehren der Sufis, die Bewegung kam aber nie vollständig zum Erliegen. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fand der Sufismus wieder vermehrt Interesse, vor allem in der gebildeten Mittelklasse.

Veranstaltung vom 14.11.2018

Sunniten und Schiiten

Sunniten betrachten die Herrschaft von Menschen als legitim vor Gott, der orthodoxe Schiitismus kann sich dagegen keine menschliche Herrschaft auf der Erde vor Wiedererscheinen des Mahdi vorstellen. Gebrochen mit dieser Tradition hat Ajatollah Chomeini nach der Revolution von 1979, als er argumentierte, dass eine weltliche Herrschaft des obersten religiösen Juristen von Gott als legitim betrachtet wird, solange der Mahdi noch nicht wieder erschienen ist.

Grundlagen und Unterschiede der Mahdi-Lehre

Eine allgemeine Beschreibung des islamischen Mahdi-Glaubens bietet Ibn Chaldūn (gest. 1406) im 51. Abschnitt des dritten Kapitels seiner Muqaddima. Dort heißt es:

„Wisse, dass es unter der Allgemeinheit der Muslime in allen Zeiten bekannt war, dass am Ende der Zeiten ein Mann von den Ahl al-bait hervortreten muss, der die Religion stärken und der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen wird. Die Muslime werden ihm folgen, und er wird von den islamischen Ländern Besitz ergreifen. Er wird der Mahdī genannt werden. Unmittelbar darauf werden das Hervortreten des Daddschāl und alle nachfolgenden Ereignisse geschehen, die nach dem gesunden Hadith Voraussetzung für das Eintreten der zweiten Stunde (sc. der Auferstehung) sind. Danach wird Jesus herabsteigen und den Daddschāl töten. Oder Jesus wird zusammen mit ihm (sc. dem Mahdi) herabsteigen, ihm bei der Tötung des Daddschāl helfen und hinter ihm beten.“

Als Grundlage für diese Vorstellung dienten verschiedene Hadithe, auf die Ibn Chaldūn ebenfalls näher eingeht. So wird in einem Hadith, den Abū Dāwūd as-Sidschistānī unter Berufung auf Abū Saʿīd al-Chudrī überliefert, Mohammed mit den Worten zitiert: „Der Mahdī ist von mir. Er hat eine kahle Stirn und eine Adlernase. Er wird die Welt mit Gerechtigkeit und Recht erfüllen, so wie sie vorher mit Ungerechtigkeit und Unrecht erfüllt war. Er wird sieben Jahre herrschen.“ In einer anderen Version des Hadith, die von Ibn Mādscha überliefert wird, lauten die Worte Mohammeds: „Es wird in meiner Umma den Mahdī geben. Wenn es kurz ist, wird er sieben Jahre herrschen, sonst neun. Meine Umma wird in dieser Zeit unerhörten Wohlstand erleben. Die Erde wird ihre Nahrung hervorbringen und nichts davon zurückhalten. Es wird haufenweise Geld geben. Ein Mann wird aufstehen und sagen: ‚O Mahdī, gib mir etwas.‘ Und er wird antworten: ‚Nimm einfach‘“

Einer verbreiteten Vorstellung nach, handelt es sich beim Mahdi um einen der Nachkommen von Fatima und ihren Ehemann Ali ibn Abi Talib, also einen Hasaniden oder einen Husainiden. Ibn Chaldūn meinte allerdings, dass der Mahdī unbedingt aus den hasanidischen oder husainidischen Beduinen hervorgehen müsse, die die Herrschaft über Mekka, Medina und den Hedschas innehatten, weil allein sie über genügend ʿAsabīya und Kampfgeist verfügten, um sich militärisch durchzusetzen.

Sunnitischer Islam

Im sunnitischen Islam gibt es keine kanonische Auffassung zum Mahdi und der Glaube an diesen variiert unter Sunniten und sunnitischen Gelehrten. Während einige Gelehrte wie Ibn Chaldūn die wenigen Andeutungen in den sunnitischen Hadithen für unauthentisch hielten und somit den Glauben an einen endzeitlichen Mahdi gänzlich verwarfen, arbeiteten andere Gelehrte wie Ibn Kathir, detaillierte Endzeit-Szenarien aus, in denen der Mahdi zusammen mit Jesus gegen den Daddschal (= falscher Messias, Antichrist) kämpfen. Eine andere Meinung schließt einen Mahdi als endzeitliche Erlöserfigur mit ein, verwirft allerdings die Vorstellung, es handle sich beim Mahdi um eine separate eigenständige Person. Stattdessen wird die Bezeichnung Mahdi als ein Titel aufgefasst, den Jesus, bei seiner Rückkehr erhält. Dieser Vorstellung nach vollführt Jesus die Aufgabe, die alternativ dem Mahdi zugeschrieben wird und richtet anschließend über die Menschheit.

Des Weiteren etablierte sich die Vorstellung des Mahdis im Volksglauben. Anders als die schiitische Vorstellung des Mahdis, lehnen alle sunnitischen Vorstellungen es ab, dass der Mahdi bereits als Mensch geboren wurde und im Verborgenen weilt.

Schiitischer Islam

Den Imamiten oder Zwölfer-Schiiten, der größten Gruppe der Schiiten gilt der Verborgene Imam als Mahdi. Dieser soll dereinst zurückkommen, wenn die Menschheit aus ärgster Not nach Erlösung ruft, und die Welt retten, denn er ist die messianische Gestalt. Bei den Imamiten steht der Mahdi nicht isoliert da. Es hat elf Generationen von Imamen gegeben, die nach mündlichen Überlieferungen alle schließlich von den Machthabern ihrer Zeit aus Staatsräson ermordet worden sind. Diesem Schicksal hat sich der 12. Imam, – der Mahdi, durch Flucht im Kindesalter entzogen. Daher ist Muhammad al-Mahdī der lebende Imam und lebt bis heute im Verborgenen weiter. Er soll anfänglich noch über vier Generationen hinweg (etwa 70 Jahre lang) mittels Botschaftern (hohen Gelehrten) schriftlich mit der Gemeinde Kontakt gehalten haben – diese Zeit nennen die Schiiten die „kleine Abwesenheit“ (al-ġaiba aṣ-ṣuġrā). Im Jahre 941 christlicher Zeitrechnung habe er auch diese Art der Kommunikation unterbrochen, ist aber stets über jeden seiner Anhänger im Bilde. Dies ist die Periode der „großen Abwesenheit“ (al-ġaiba al-kubrā), die solange andauern soll, bis Gott sein Wiedererscheinen befehlen wird. Die Schiiten warten daher sehnsüchtig auf seine Wiederkunft. Folgerichtig bezeichnet die Verfassung des schiitischen Iran von 1979 daher auch den Zwölften Imam als eigentliches Staatsoberhaupt. Der Klerus herrscht nach dieser Auffassung nur in seiner Stellvertretung bis zu dessen Wiederkehr aus der Verborgenheit (das nennt man Wilayate-Faqih).

Ahmadiyya-Gemeinde

Die Ahmadiyya setzt den erwarteten Mahdi mit Jesus gleich, während Schiiten und zum Teil Sunniten dies ablehnen und sich auf anders lautende Überlieferungen beziehen. Während viele islamische Gruppen einen Mahdi erwarten, der politisch oder kriegerisch agiert, glauben Ahmadi-Muslime, dass der Mahdi einen spirituellen und intellektuellen Dschihad führen wird.

Interpretationen in mystischen Auslegungen

Einigen mystischen Vorstellungen nach, wird der Mahdi als die eigene Rechtleitung zum Besiegen des inneren Daddschāls bezeichnet. Also jene Erkenntnisse, sich nicht als Körper, sondern als Bewusstsein in einem Körper, zu betrachten und so zur Fana führen oder Gedanken und Taten, die die Illusion des Ichs aufheben.

Spaltung des Islams

Dieses Schisma dreht sich um die Frage, wer hat das Recht, die Gemeinde zu führen. Die Antworten von Sunniten und Schiiten sind da konträr: Die Sunniten argumentieren realpolitisch, Allah habe denjenigen ausgesucht, der sich tatsächlich durchgesetzt hat. Denn der habe gezeigt, dass er die Gemeinde führen kann.

Die Schiiten hingegen akzeptieren als Führer der Gemeinde nur einen Nachkommen von Ali, dem Schwiegersohn von Mohammed, dem vierten Kalifen. Denn der trage das göttliche Licht in sich.

Und die Schlacht in Kerbela im Jahr 680 im heutigen Südirak hat die Entscheidung gebracht, der Sunnit Yazid hat Hussein, den Sohn des Ali besiegt und die Schiiten sagen, dass seither nur Usurpatoren über die Welt geherrscht hätten. Es gebe keine Gerechtigkeit mehr. Um Gerechtigkeit herzustellen, müssten diese Usurpatoren gestürzt werden.

Und das führt zu unterschiedlichen politischen Ordnungsvorstellungen: Sunniten sind eher konservativ, verteidigen den Status quo, Schiiten waren in der ganzen Geschichte eher die Sozialrevolutionäre, die Kommunisten und seit 1979 haben sie die Chance, seit der iranischen Revolution, sich für Kerbela zu rächen und durch den Revolutionsexport in die sunnitisch-arabische Welt einzudringen.

Und das ist die große Spaltung im Islam. Und sie befeuert den machtpolitischen Konflikt, den wir zwischen der arabischen Welt und dem schiitischen Iran haben.

Wie könnte eine Versöhnung zwischen Sunniten und Schiiten aussehen? Was müsste dafür passieren?

Eine Versöhnung kann nur von Theologen eingeleitet werden. Denn diese unterschiedlichen politischen Ordnungsvorstellungen sind nicht aus der Welt zu räumen, ohne dass es eine theologische Annäherung gibt. Es gibt große theologische Unterschiede: Beispielsweise akzeptieren die Schiiten nicht die ersten drei Kalifen, die ersten drei Nachfolger von Mohammed, sie akzeptieren erst den vierten. Sie akzeptieren damit nicht die vielen Überlieferungen der Worte und Taten von Mohammed, die über diese Kalifen gegangen sind.

Ein anderer Punkt ist, dass (der iranische Ajatollah, d. Red.) Chomeini 1979 das Herrschaftspostulat des bestqualifizierten Rechtsgelehrten, Velayat-e faqih, durchgesetzt hat und gesagt hat, das sei bi-amrillah, das sei im Auftrag Gottes. Erst wenn die schiitischen Theologen diese Dinge zurücknehmen, kommt es zu einer Annäherung. Dann wäre der Grundstein gelegt dafür, dass der politische Konflikt beigelegt werden kann.

Denn die sunnitischen Araber sehen heute das Eindringen Irans als eine existenzielle Herausforderung. Die arabische Welt war seit Saladin, seit dem 12. Jahrhundert, sunnitisch und jetzt seit 1979 drängen schiitische Iraner ein. Und sie sehen das als eine existenzielle Gefahr für das Arabertum und den sunnitischen Islam.

Aber um das beizulegen, Sie haben völlig Recht, muss zunächst ein Dialog geführt werden zwischen sunnitischen und schiitischen Theologen. Ich war mehrfach bei solchen Versuchen dabei: Die sind nie in Harmonie geendet.

Herrscher

Eine dritte Strömung des islamischen Selbstverständnisses stellt neben ʿUlamā’ und Sufis der „herrscherliche“ Islam der islamischen Monarchen dar. Mit dem Verlust der politischen Einheit am Ende der Abbasidenherrschaft und der Zerstörung Bagdads im Mongolensturm des 13. Jahrhunderts verlor das Kalifenamt seine ursprüngliche Bedeutung. Die Staatsform des Sultanats brachte die politische Macht in die Hände von Herrschern, die ihre Macht auf Militär und Administration stützten, und deren erstes Ziel der Erhalt ihrer Monarchie („mulk“) war. Vom Sultan erlassene Gesetze waren vom Staatsinteresse geleitet und wurden von der politischen Elite durchgesetzt. Formal wurde der Sultan, nachdem er die Herrschaft ererbt oder an sich gerissen hatte, vom Kalif eingesetzt und in der Zeremonie der Baiʿa anerkannt. Die ursprünglich umfassende Gesellschaftsordnung der Scharia wandelte sich eher zu einem negativen Prinzip, einer Ordnung, die der Herrscher nicht übertreten sollte. In den Augen der ʿUlamā’ bestand die Aufgabe des säkularen Herrschers darin, die Gesellschaft nach innen und außen so abzusichern, dass die Scharia durchgesetzt werden und die Gemeinde gedeihen konnte. Der Monarch garantierte den Bestand der ʿUlamā’ und errichtete und förderte die Hochschulen. Um seine Interessen auch gegen die ʿUlamā’ durchsetzen zu können, ernannten die Herrscher Muftis, deren Aufgabe es war, Rechtsgutachten (Fatwa) zu erstellen. Dennoch stellte sich die Frage, ob ein säkularer Monarch legitimes Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft sein konnte.

Nach al-Māwardī hatte der Kalif das Recht, die militärische Macht an einen Feldherrn („amir“) in den Außenbereichen seines Territoriums zu delegieren, sowie durch Stellvertreter („wasir“) im Inneren zu regieren. Zweihundert Jahre später definierte al-Ghazālī die Rolle des Imam als – nach sunnitischem Verständnis – legitimen Machthaber der Umma, der die reale Macht an den Monarchen delegiert und die Gläubigen auffordert, Gehorsam zu leisten und so die Einheit der Umma zu erhalten. Im Gedankengut al-Ghazālīs finden Elemente der klassisch-griechischen Philosophie, besonders aus Platons „Politik“ und der Ethik des Aristoteles mit dem altpersischen Herrscherbegriff des Großkönigs Eingang in die islamische Gesellschaftsphilosophie. In seinem Werk „Siyāsatnāma“ beschreibt Nizām al-Mulk, der persische Großwesir der Seldschukensultane Alp Arslan und Malik Schāh nach Art eines Fürstenspiegels den neuen Herrschaftsbegriff.

Ein islamischer Monarch verfügte aufgrund der ihm zufließenden Steuern aus Zakāt und Dschizya über erhebliche Ressourcen, die es ihm erlaubten, Hofmanufakturen zu unterhalten, die die Kultur und Kunst ihrer Zeit prägten. Aus der Sichtweise des herrscherlichen Islam dienten erfolgreiche Kriege, repräsentative Kunst, prächtige Architektur und Literatur letztlich der Darstellung der Vorrangstellung des Islams. In dieser Rolle schufen islamische Herrscher einige der bemerkenswertesten Errungenschaften der vormodernen islamischen Zivilisation.

Autoritätskonflikte zwischen den Eliten

Die Frage, inwieweit von der Zeit der Umayyaden (661–750) an von einer Trennung der politischen und religiösen Autorität auszugehen ist, wird kontrovers diskutiert. Eindeutig führte jedoch die fehlende, etwa der christlichen Kirche vergleichbare zentrale Leitung zu einer ausgeprägten und zeitweise lähmenden Vielfalt in religiösen und rechtlichen Fragen. Deutlich wird, dass die Institution der ʿUlamā’ sich vor Übergriffen des Herrschers auf ihre Autorität in der Rechtsprechung bewahren musste. Die einerseits dem Ideal der religiösen Einstimmigkeit widersprechende Pluralität der ʿUlamā’ schützte diese andererseits vor der direkten Einflussnahme des Staats. Die unscharfe Trennung von politischer und religiöser Rechtsgewalt basiert auf der nie grundsätzlich in Frage gestellten Idee, dass Mohammed und seine Nachfolger die politische Ordnung abschließend festgelegt hätten. Dies unterscheidet die politische Ordnung islamischer Gesellschaften von der Entwicklung in Europa, wo mit dem Aufkommen der Idee der Gewaltenteilung, formuliert von John Locke, letztlich eine Trennung der politischen und religiösen Verantwortlichkeit und die Unabhängigkeit der Rechtsprechung erreicht wurde.

Die Spannung zwischen dem charismatischen Ideal der Einheit von Religion und Staat und der Erfahrung der alltäglichen politischen Realität bildet eine in der islamischen Kultur latente Quelle für dynamische Reformen, aber auch für Rebellion und Krieg im Namen der Einheit des Islams. Das moderne politische Denken in Teilen der islamischen Welt hat diese Spannung aufgegriffen und teilweise bis zu terroristischer Gewalt übersteigert.

Dhimmi – Christen und Juden

Vor allem während der Frühzeit der arabischen Expansion herrschte eine muslimische Minderheit über eine Bevölkerung, die mehrheitlich christlichen Glaubens war. Gleichzeitig bestanden in den nun islamisch beherrschten Gebieten seit Alters her bedeutende jüdische Gemeinden. Christliche Autoren brachten die Eroberung der christlichen Gebiete teilweise mit der nahe erwarteten Apokalypse in Verbindung. Weite Teile der eroberten Gebiete blieben zunächst noch christlich bzw. zoroastrisch. Ein nestorianischer Bischofs schreibt: „Diese Araber, denen Gott in unseren Tagen die Herrschaft gegeben hat, sind auch unsere Herren geworden; sie bekämpfen jedoch nicht die christliche Religion. Vielmehr schützen sie unseren Glauben, achten unsere Priester und Heiligen und machen Zuwendungen an unsere Kirchen und unsere Klöster.“

Seit dem späten 7. Jahrhundert stieg mit dem Erstarken des Selbstbewußtseins der muslimischen Herrscher der Assimilationsdruck auf die christliche Bevölkerung. Es kam zu Diskriminierungen, dem Ausschluss von Nichtmuslimen aus der Verwaltung, zur Einmischung in innerchristliche Angelegenheiten und zur Konfiszierung von Kirchengütern sowie einzelnen Übergriffen auf Kirchen.

In der islamischen Rechtstradition der Dhimma werden Monotheisten wie Juden oder Christen als „Dhimmi“ mit eingeschränktem Rechtsstatus geduldet und staatlicherseits geschützt. Demnach hatten Dhimmi Anspruch auf den Schutz des Sultans und auf die freie Ausübung ihrer Religion, wofür sie eine besondere Steuer zu entrichten hatten, die „Dschizya“, da sie nicht der nur für Muslime geltenden Zakāt unterworfen werden konnten.

Polytheistische Religionen

Die religiöse Rechtsprechung zählt „heidnische“, polytheistische Religionen in nicht islamisch beherrschten Ländern zum Dār al-Harb und regelt die Bedingungen, unter denen ein Dschihad geführt werden kann. Diesem Ideal stand häufig die politische Realität entgegen: Insbesondere in der Anfangszeit stand die herrschende islamische Minderheit in den neu eroberten Gebieten einer nicht-islamischen Mehrheit gegenüber.

In der Situation des Sultanats von Delhi wird der Umgang mit dem Problem beispielhaft deutlich. Einerseits äußert sich Amir Chosrau in seinen Werken häufig abwertend über Hindus, andererseits mussten Muslime in Alltag und Handel friedlich mit Anhängern polytheistischer Religionen (“Muschrikūn”) wie beispielsweise Hindus und Jains umgehen. Von Muhammad bin Tughluq ist überliefert, dass er als Herrscher gute Beziehungen zu seinen hinduistischen Untertanen unterhielt und sich auf ihren Festen zeigte. Jackson sieht die Zerstörung hinduistischer Tempel durch muslimische Herrscher und den Einbau von Spolien aus den Tempelbauten in Moscheen wie beispielsweise im Qutb Minar in Delhi eher in der Tradition hinduistischer Herrscher, die durch die Zerstörung der Tempelbauten ihrer Rivalen deren Herrschaft weiter schwächen wollten. Es ist aber auch überliefert, dass die Sultane von Delhi ihren Schutz auch auf Hindu- und Jaintempel ausdehnten. Spätestens zu Zeiten Firuz Schah Tughluqs im 14. Jahrhundert ist dokumentiert, dass einige Hindu-Untertanen eine der Dschizya vergleichbare Kopfsteuer entrichteten.

Verwaltung und Lage der unterworfenen Bewohner im Islam

Administrative Maßnahmen der Araber in den eroberten Gebieten

In Syrien teilten die Araber das Land nach byzantinischem Vorbild in vier Verwaltungsregionen auf. Es wurden auch ehemalige Verwaltungsbeamte übernommen, was zur Folge hatte, dass Griechisch (in den ehemaligen oströmischen Gebieten) und Persisch (im ehemaligen Sassanidenreich) als Verwaltungssprache weiterhin benutzt wurden. Die griechische Verwaltung wurde von Damaskus aus geregelt, die persischsprachige von Kufa (zentral in Irak gelegen) aus; erst in der Regierungszeit Abd al-Maliks wurden beide Sprachen in der Verwaltung durch das Arabische ersetzt und zurückgedrängt. <Er regierte von 685 bis 705. Im Jahre 692 errichtete er den Felsendom in Jerusalem.> Dieser Prozess verlief allerdings offenbar recht langsam, denn noch im frühen 8. Jahrhundert war die amtliche Korrespondenz des ägyptischen Statthalters Korrah ben Sharik auch in griechischer Sprache verfasst, wie erhaltene Papyri belegen.

Des Weiteren benutzten die Araber zunächst die im Umlauf befindlichen byzantinischen und sassanidischen Münzen, die oft nur leicht verändert nachgeprägt wurden, bis sie selbst neue Münzen prägten, die keine Bilder mehr aufwiesen. Die Araber gründeten auch neue Städte <Kufa, Basra (100 kam vom Persischen Golf entfernt), Fustat (Stadt am Nil, Ruinen im Süden von Kairo), Kairouan (150 km südwestlich von Tunis, Fès (älteste der vier Königsstädte Marokkos>, die zunächst als Militärlager dienten, aber schließlich die Funktion von Verwaltungs- und Kulturzentren übernahmen. So wurde die arabische Verwaltung für Ägypten zunächst von Fustat aus organisiert, worüber erhaltene Papyri informieren.

Offenbar änderten die Araber relativ wenig an den bestehenden Verwaltungssystemen, die ohnehin effektiv gearbeitet hatten. Zunächst war der neue Großstaat aber relativ locker aufgebaut, wobei die Gouverneure weitgehend freie Hand hatten. Erst Muawiya I., der eigentliche Organisator des Kalifenreiches, schuf eine straffere Zentralverwaltung. Dabei waren in den ehemals oströmischen/byzantinischen Gebieten zunächst immer noch überwiegend Christen tätig, wie etwa Sarjun ibn Mansur, der unter Muawiya für die Finanzen zuständig war.

<Sarjun (Sargun) ibn Mansur war ein hoher christlicher Beamter am Hof der Umayyaden. Er stammte aus einer angesehenen syrischen Familie und war offenbar Christ. Nach den Eroberungen ab Mitte des 7. Jahrhunderts waren die Araber auf die effektiv arbeitende Administration in den ehemaligen byzantinischen Gebieten dringend angewiesen, wo die Mehrheit der Bevölkerung noch lange christlich war; aus diesem Grund stützten sich die Kalifen zunächst auf die entsprechend qualifizierten Beamten. Sarjun genoss das Vertrauen Muʿāwiyas, als dessen Sekretär (katib) und wohl oberster Finanzbeamter er fungierte. Ebenso diente er Yazid I., mit dem er schon lange bekannt war, da er zusammen mit dem bekannten umayyadischen Hofpoeten al-Akhtal (der ebenfalls Christ war) Tischgenosse des späteren Kalifen war. Er hatte offenbar beachtlichen Einfluss am Kalifenhof und setzte sich für Belange der christlichen Bevölkerung im Kalifenreich ein. So war er daran beteiligt, Abd al-Malik davon abzuhalten, Teile der Säulen aus Gethsemane für ein islamisches Heiligtum zu nutzen.

Sarjuns Familie war offenbar sehr wohlhabend, er selbst verfügte unter anderem in Syrien, Palästina und Arabien über Besitzungen. Sein Sohn wurde später als Johannes von Damaskus bekannt. Ihn ließ Sarjun ebenfalls christlich erziehen und auch Johannes diente einige Zeit als hochrangiger Sekretär dem Kalifen. Um 700 verloren jedoch viele christliche Beamte ihre zuvor einflussreichen Posten im Kalifenreich, als anscheinend neue Regelungen dafür Personen muslimischen Glaubens vorschrieben, wenngleich dies nicht immer konsequent umgesetzt wurde.>

Die Islamisierung bzw. Arabisierung der eroberten Gebiete zog sich über einen längeren Zeitraum hin und machte anfangs nur langsam Fortschritte. Dazu trug bei, dass erst in der Abbasidenzeit die Aufstiegsmöglichkeiten für nicht-arabische Muslime zunahmen.

Lage anderer Religionen unter muslimischer Herrschaft

Nach damaliger Auslegung des islamischen Gesetzes, der Scharia, waren die muslimischen Herrscher dazu verpflichtet, die Gegenwart anderer Buchreligionen – also Christen, Juden und in Persien auch die mit den im Koran in Sure 22:17 erwähnten Sabäern identifizierten Zoroastrier – zu tolerieren, anders als Polytheisten. Sie durften ihren Glauben behalten, in kleinen Gemeinschaften ausleben und nicht dazu gezwungen werden, diesen aufzugeben.

Die christlichen Kirchen in Ägypten, Syrien und Mesopotamien behielten noch längere Zeit ihre Bedeutung und die Mehrheit der Bevölkerung unter arabischer Herrschaft blieb noch lange christlich. Einige Christen arbeiteten zunächst weiterhin in der Verwaltung des Kalifenreichs, andere waren am Kalifenhof als Gelehrte tätig, wie z. B. Mitte des 8. Jahrhunderts Theophilos von Edessa.

< Theophilos von Edessa (* 695; † Mitte Juli 785) war am Hof des Kalifen al-Mahdi in Bagdad als Hofastrologe und bedeutender Gelehrter tätig. Er war vielfältig gebildet und verfügte über gute Kenntnisse der griechischen Literatur. Er war anscheinend mit einigen persischen und vielleicht auch indischen astrologischen Schriften vertraut. Theophilos schrieb zahlreiche Werke, unter anderem Übersetzungen griechischer Schriften ins Syrische, astrologische Abhandlungen und eine Chronik, die bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts reichte. Seine Tätigkeit deutet auf das lebendige intellektuelle Milieu syrischer Christen auch unter der islamischen Herrschaft hin. Seine Werke wurden von mehreren späteren Autoren herangezogen, doch sind sie nicht vollständig erhalten.>

Die arabische Herrschaft stieß nach Abschluss der Eroberung zunächst anscheinend auf keinen nennenswerten Widerstand, zumal die Araber die alte Verwaltungsordnung nutzten und sich so gesehen zunächst relativ wenig änderte.

Im Koran wird strikt zwischen den Muslimen und Andersgläubigen unterschieden, so dass Christen und Juden zwar ein Teil-Glauben zugestanden, ihnen aber auch ein Teil-Unglauben unterstellt und der Absolutheitsanspruch beider Religionen bestritten wird, da der Islam der einzig wahre Glauben sei. Die Zoroastrier stellten einen Sonderfall dar und gehörten streng genommen keiner Offenbarungsreligion an. Nach einigem Zögern wurden sie aber von muslimischen Religionsgelehrten miteinbezogen und mit den Sabäern betrachtet und demnach nicht als Götzenverehrer betrachtet, die zwangsbekehrt werden sollten. Die Überlieferung zeigt zudem, dass muslimische Autoren (später vor allem solche persischer Abstammung) ein recht großes Interesse am Zoroastrismus hatten und iranische Elemente teils die frühe arabisch-islamische Literatur beeinflusst haben.

Exkurs Zoroastrismus:

Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus) ist eine Religion mit heute etwa 120.000–150.000 Anhängern, die vermutlich in Baktrien im östlichen iranischen Hochland entstand und sich etwa im 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. im iranischen Kulturraum (in Persien und im zentralasiatischen Raum) ausgebreitet hat. Ihr Stifter war Zarathustra, über dessen Datierung in der Forschung bis heute Uneinigkeit herrscht (zwischen 1800 und 600 v. Chr.). Die Anhänger des Zoroastrismus werden Zoroastrier oder Zarathustrier genannt. Größere Gemeinden leben in Indien, Iran und den USA. Die Anhängerschaft im heutigen Indien und Pakistan bezeichnet man auch als Parsen.

Im Zentrum des auf Zarathustra zurückgeführten Glaubens, der auf ältere iranische Kulte zurückgeht, steht der Schöpfergott Ahura Mazda/Ohrmazd (daher manchmal auch „Mazdaismus“). Er wird begleitet von unsterblichen Heiligen (Amescha Spenta) sowie von seinem Widersacher, dem bösen Dämon Angra Mainyu (Ahriman).

Obwohl die Zoroastrier mehrere Gottheiten (z. B. Anahita oder Mithra) kennen, die Ahura Mazda unterstützen, ist die Religion grundsätzlich monotheistisch und vom Dualismus zwischen Ahura Mazda und Ahriman geprägt: „Und im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heißen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewählt.“ Das Ringen zwischen Gut und Böse findet im Menschen seinen Ausdruck zwischen den guten (Vohu Mano) und schlechten Gedanken (Ahem Nano).

Der religiöse Glaube des Zoroastrismus bewertet die Schöpfung des Gottes Ahura Mazda als gut. Ist doch die Welt von Gott in ihrem Gutsein erschaffen worden, in dieser Welt aber ringt das Gutsein beständig, in einem immerwährenden Kampf, zwischen den guten (Ahura Mazda) und den bösen (Angra Mainyu) Mächten. Zur guten Schöpfung Ahura Mazdas gehören unter anderem Tiere, Menschen, Pflanzen, Feuer, Wasser, Erde und Metall.

Die Welt teilt sich nach zoroastrischer Vorstellung in ein Reich des Lichtes, in dem auf alle Ewigkeit Ahura Mazda (Ohrmazd), der Herr der Weisheit wohnt, und einen Abgrund der Finsternis, der seinen Widersacher Angra Mainyu (Ahriman), die Macht der Negation, der Zerstörung und des Todes verbirgt. Zwischen dem Herrn des Lichtes und jenem der Finsternis tobt dieser Kampf, dessen Schauplatz die Erde ist. Ein Kampf, der so lange andauert bis Ahura Mazda die dämonischen Gegenmächte in ihren Abgrund zurückgestoßen haben wird.

Ahura Mazda schuf den Menschen oder besser jene Menschen, die auf Erden zugänglich sind für die Wesen des Lichts. Die Wesen des Lichts sind die heiligen Unsterblichen, neben Ahura Mazda sind dies sechs Erzengel als Schöpfer verschiedener Bereiche:

Drei männliche Erzengel. Diese schufen als

•  (Vohu) Manah, „(guter) Sinn“, das gesamte Tierreich,

•  Arta (Vahishta), „(beste) Wahrheit“, das Feuer und die Wärme,

•  Xshathra (Vairya), „(begehrenswerte) Herrschaft“, das Reich der Metalle.

Drei weibliche Erzengel. Diese schufen als

•  (Spenta) Armaiti, „(heilige) Ergebenheit“, die Erde und die Frau,

•  Haarvatat, „Unversehrtheit“, das Reich des Wassers,

•  Amertat, „Unsterblichkeit“, die Pflanzenwelt.

In diesen von ihnen geschaffenen Bereichen kann der (empfängliche) Mensch den Mächten des Lichtes begegnen, und an ihrem Werk der Erlösung mitwirken. Der einzelne Mensch steht somit in einer individuellen Verantwortung und in einer existenziellen Entscheidungssituation, für oder gegen das Reich Ahura Mazdas einzustehen.

Bei Zarathustra erscheint der Herr der Weisheit also stets umringt von sechs Mächten des Lichtes, mit denen zusammen er als erster (oder siebter) die göttliche Siebenheit bildet. Als sieben Mächte heißen sie Amahraspands (Amerta Spenta), »die Heiligen Unsterblichen«. Ihre Heiligkeit ist eine energetische Ausstrahlung, die allen Dingen ihr überfließendes Sein gibt. Diese sieben Unsterblichen werden auch als die sieben Erzengel des Zarathustra bezeichnet.

Der Zoroastrismus lehrt nicht nur eine Zweiteilung der Welt in einen kosmischen Dualismus von Gut und Böse, er trennt auch die körperliche von der geistigen Sphäre. Der Mensch ist in der gottgeschöpften Welt aufgefordert zur Wahrhaftigkeit, dem Wohlergehen aber auch Ergebenheit zu streben.

Die menschlichen Seelen gelangen nach dem Tode ihrer irdischen Hülle an die Brücke der Scheidung (Činvat-Brücke). Die Brücke spannt sich vom Berg (Hara-Berezaiti), der in der Mitte der Welt liegt, hin zu einem Gipfel am Rande des Himmels. Während aber die Seelen, die auf den Pfaden der Wahrhaftigkeit (Asha) wandelten, hiernach in das Paradies (Garodemäna oder Garotman) gelangen, fahren die Seelen der Bösen hinab in die Hölle. Es sind die drei Totenrichter Mithra, Rashnu und Sraosha, die die Seelen der Verstorbenen wägen. Aber auch die finsteren Daevas Aeshma und Astovidatu, die zu den Scharen Ahrimans gehören, lauern hier, um sich der Menschenseele zu bemächtigen.

Der Zoroastrismus basiert auf der heiligen Schrift Avesta. Gottesbilder sind dem Zoroastrismus fremd. Er kennt allerdings Feuertempel, in denen ein ständig brennendes Feuer (als heilige Flamme) gehütet wird, das als Symbol der Gottheit und der vollkommenen Reinheit gilt.

Der heutige Zoroastrismus

Der heutige Zoroastrismus existiert in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Dies liegt insbesondere an der sehr veränderten Situation der Anhänger. Die modernen Zoroastrier leben weit verstreut: zirka 65.000 leben in Indien, dort werden sie Parsen genannt. Im Iran leben heute nur noch zirka 25.000 (2011). Sie gehören hier zu den am stärksten wachsenden Religionsgruppen (2006 noch knapp 20.000). In den USA und Kanada leben etwa 18.000–25.000, in Pakistan maximal 5000, weitere zerstreut in anderen westlichen Ländern. Insgesamt dürfte es heute 120.000–150.000 Zoroastrier geben.

In Indien wird, beeinflusst vom Hinduismus, der Glaube an die Existenz der Amesha Spentas sehr in den Vordergrund gerückt, wodurch der zoroastrische Glaube dort polytheistische Tendenzen bekommen hat. Rituale spielen eine große Rolle.

Im Iran hat sich der Zoroastrismus heute zu einer stark auf Innerlichkeit ausgerichteten, sehr rationalen, ethischen Philosophie entwickelt. Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen guten, gerechten, allwissenden Gott Ahura Mazda. Diesem guten Gott wird gedient, indem man (aus einem freien Willen heraus) „gut denkt, gut spricht und gut handelt“.

Bekannte Zoroastrier

•  Xerxes I. (persisch Khashayarshah, 519–465 v. Chr.), persischer Großkönig aus der Dynastie der Achämeniden

•  Schapur I., auch der Große genannt († um 270 n. Chr.), persischer Großkönig aus der Dynastie der Sassaniden

•  Die Familie Tata, eine indische Unternehmerdynastie

•  Feroze Gandhi (1912–1960), aus der Nehru-Gandhi-Familie, Ehemann Indira Gandhis und Vater Rajiv Gandhis und Sanjay Gandhis

•  Zubin Mehta (* 1936), indischer Dirigent

•  Freddie Mercury (eigentlich Farrokh Bulsara, 1946–1991), Sänger der Rockband Queen

Als einzige monotheistische Religion und Religion eines befreundeten Volkes hat das Judentum in den Jahren nach dem Babylonischen Exil (6. bis 4. Jh. v. Chr.) viele Bilder aus dem Zoroastrismus, der damaligen Hauptreligion, übernehmen können, deren wichtigstes Element wohl der Glaube an das Ende der Welt ist: Die beiden wichtigsten vorchristlichen Referenzen, das Buch Daniel und das Henochbuch, sind (vermutlich) in dieser Zeit entstanden. Der Teufel als Gegenspieler Gottes geht vermutlich auf Ahriman zurück. Die Begriffe Himmel und Hölle waren im älteren Judentum unbekannt; hier dürfte ein Einfluss des Zoroastrismus, aber auch der griechischen Vorstellung von einem Hades erfolgt sein. Über die jüdische Tradition sind diese Vorstellungen auch in die christliche und die islamische Religion eingegangen und dort zu zentralen Elementen geworden. Inwieweit der Zoroastrismus den frühen Islam in Persien noch direkt beeinflusst hat, lässt sich aber im Einzelnen schwer nachweisen.

Einen nicht unerheblichen Einfluss, gerade mit der Aufnahme Ahrimans – allerdings mit einer starken Abweichung der diesem ursprünglich zugeschriebenen Attribute – in einen christlichen Zusammenhang, hat der Zoroastrismus auch auf die Anthroposophie, die Lehre Rudolf Steiners.

Angra Mainyu ist ein avestischer Begriff, der in der zoroastrischen Theologie die Zerstörung bzw. das Zerstörerische repräsentiert. In den mittelpersischen Texten der zoroastrischen Tradition erscheint der Name als Ahriman.>>>

Die Andersgläubigen mussten eine spezielle Kopfsteuer (Dschizya) entrichten, durften ihren Glauben behalten, und in eigenen Gemeinden, dessen innere Angelegenheiten sie allerdings selbst regeln mussten, ausüben. Dennoch war ihnen der Neubau von Synagogen und Kirchen in Städten und größeren Ortschaften untersagt und sie durften keine Waffen tragen, wenngleich unter den ersten Kalifen christliche Araber als Soldaten dennoch zwangsverpflichtet wurden und Andersgläubige auch zu militärischen Hilfsdiensten verpflichtet waren. Ebenso wurden im Erbrecht Einschränkungen vorgenommen und teils spezielle Kleidungsvorschriften erlassen. Durch diese Maßnahmen wurde deutlich hervorgehoben, dass die nichtmuslimische Mehrheitsbevölkerung den Muslimen rechtlich keineswegs gleichgestellt war. Dieser Status wird als Dhimma bezeichnet, der neben Juden und Christen auch den Zoroastriern (sowie den Sabiern, die aber eher eine lokale Rolle spielten) zuerkannt wurde. Demnach handelte es sich um „Schutzbefohlene“, deren Religion eine gewisse Freiheit genießt, aber grundsätzlich dem Islam unterworfen ist, deren Anhänger nicht als vollwertige Gläubige anerkannt sind und gegen die im Koran teilweise durchaus auch polemisiert wird. Hierbei stand nicht zuletzt die Anerkennung der prophetischen Sendung Mohammeds und die koranische Offenbarung im Zentrum der muslimischen Betrachtungen, da diese Aspekte im Judentum und im Christentum freilich nicht vorkamen. Viele Bestimmungen gehen hierbei noch auf die Phase der islamischen Geschichte zurück, als sich die muslimische Gemeinde konstituierte und in einem Kampf um die Selbstbehauptung befand.

Grundsätzlich war das Verhalten der neuen muslimischen Herren gegenüber der zahlenmäßig weit überlegenen christlichen Mehrheitsbevölkerung oft von Zweckmäßigkeiten geprägt: Man nutzte Christen in der Verwaltung, weil diese damit vertraut waren, und man benutzte die Schutzverträge, um die christliche Mehrheitsbevölkerung unter eine gewisse Kontrolle zu bringen, da man auf deren Mitwirken angewiesen war; die zunächst ausgeübte Toleranz gegenüber Nichtmuslimen entsprang demnach vor allem praktischen Erwägungen. In der Anfangszeit nach der Eroberung gestaltete sich das Zusammenleben zunächst ohne größere Schwierigkeiten. Dies änderte sich allerdings in der folgenden Zeit, als es zu Übergriffen und restriktiven Maßnahmen gegen Christen kam, so bereits Ende des 7. Jahrhunderts. Dies hing mit der jeweiligen Religionspolitik des regierenden Kalifen zusammen. Als im Jahr 699 Arabisch Amtssprache in der Verwaltung wurde und damit Griechisch bzw. Mittelpersisch ablöste, war dies anscheinend auch mit dem Verbot verbunden, Nichtmuslime in der Verwaltung zu beschäftigen; allerdings wurde dies wohl nicht konsequent in die Praxis umgesetzt, weil sie auf vielen Posten lange Zeit unentbehrlich waren. Christen (und Zoroastrier im ehemaligen Perserreich) durften somit keine hohen staatlichen Posten mehr bekleiden und wurden von einem erheblichen Teil der Gesellschaft ausgeschlossen. Johannes von Damaskus, der Sohn des Sarjun ibn Mansur, zog sich denn auch um 700 in ein Kloster zurück, doch christliche Beamte sind auch in der Folgezeit durchaus noch belegt, bevor mit dieser Praxis ganz gebrochen wurde.

Das Gesellschaftsleben wurde verstärkt auf den neuen islamischen Glauben ausgerichtet und die Lebenssphären von Muslimen und Nichtmuslimen sollten offenbar bewusst voneinander getrennt werden. Dies lässt sich unter anderem an den erwähnten neuen Münzprägungen dieser Zeit ablesen (seit ca. 697), die ohne Bilder, dafür aber mit Koransuren (Sure 112) versehen waren. Religiöse Kulthandlungen von Nichtmuslimen, die zunächst kaum behindert wurden, wurden noch in der späten Umayyadenzeit stärker eingeschränkt; hinzu kamen Handlungen, die ein gewisses Überlegenheitsgefühl der muslimischen Herrscher gegenüber Nichtmuslimen demonstrierten. So wurden im Kalifat die öffentliche Präsentation von Kreuzen und christliche Gebete in der Öffentlichkeit untersagt sowie eventuell einzelne Kirchen zerstört (die Quellenlage für den letzten Punkt ist nicht eindeutig). Sicher ist, dass restriktive Maßnahmen und Regulationen speziell im Hinblick auf Christen zunahmen. So kam es nun verstärkt zu Eingriffen der muslimischen Herrscher in innerchristliche Angelegenheiten und auch zur Konfiszierung von Kirchen; seit dem 9. Jahrhundert entstanden zudem Werke muslimischer Autoren, in denen gegen andere Buchreligionen polemisiert wurde.

Der insgesamt steigende Druck blieb nicht ohne Auswirkungen: In Ägypten revoltierten die christlichen Kopten zwischen 725 und 773 allein sechsmal gegen die muslimische Herrschaft, doch wurden die Aufstände niedergeschlagen. Die Übergriffe nahmen dann spürbar im 9. Jahrhundert wieder zu, als einzelne Kirchen geplündert und zerstört wurden. Ebenso nahm die Steuerbelastung zu. Insgesamt ist festzuhalten, dass es (nach restriktiven Maßnahmen bereits in der späten Umayyadenzeit) seit der frühen Abbasidenzeit, als sich die islamische Gemeinschaft in den eroberten Gebieten langsam zu konsolidieren begann, zu einer von staatlichen Stellen betriebenen Gängelung von Christen im Alltag kam. Sie durften ihren Glauben zwar behalten, es kam aber zu sozialen Demütigungen und zu Phasen der Unterdrückung mit gezielten Verfolgungen, wobei politische und religiöse Motive miteinander vermischt wurden; allerdings gab es auch Phasen, in denen einige Maßnahmen zumindest zeitweise gelockert wurden. Um 900 wurden zwar noch einmal für kurze Zeit Verwaltungsposten mit Christen und Juden besetzt, doch ein 908 erlassenes Edikt verbot erneut die Beschäftigung von Nichtmuslimen in öffentlichen Funktionen: Christen und Juden durften demnach nur als Ärzte (wobei etwa christliche Ärzte am Kalifenhof durchaus einen guten Ruf genossen) oder Bankiers beschäftigt werden, zudem wurden für beide Gruppen spezielle Kleidungsvorschriften erlassen. Der früheste christliche Bericht über das Verhältnis von Christen und Muslimen stammt von dem Katholikos Ischo-Jab III.

Ischo-Jab III. (Īšōʻjahb; † 659) war Katholikos der Apostolischen Kirche des Ostens von 649 bis zu seinem Tod im Jahr 659. Er gilt als einer der bedeutendsten Katholikoi der Apostolischen Kirche, wobei die Quellenlage zu seinem Leben und Wirken vergleichsweise günstig ist.

Die Zahl der Konvertiten blieb in den eroberten Gebieten zunächst offenbar gering, da sich die damit verbundenen Vorteile in den ersten Jahrzehnten in engen Grenzen hielten: Bis zur Machtübernahme der Abbasiden konnten unabhängig von der Religion nur Männer Karriere machen, die eine arabische Herkunft nachzuweisen vermochten. Christentum und Zoroastrismus wurden nur nach und nach zurückgedrängt; wohl erst um das Jahr 1000 sprach die Mehrheit der Bevölkerung Ägyptens und des Irak Arabisch, während in Persien die eigene kulturelle Identität stärker bewahrt werden konnte. Anscheinend waren auch einige muslimische Theologen und Rechtsgelehrte der Ansicht, dass diskriminierende Maßnahmen gegenüber Nichtmuslimen den Übertritt zum Islam forcieren würden; der soziale Druck war daher wohl ein wichtiger Faktor bei der „Islamisierung“ der eroberten Gesellschaften, wo die christliche Mehrheitsbevölkerung mit der Zeit zu einer Minderheit wurde.

Gründe für den Fall Persiens und für die oströmischen Gebietsverluste

Ostrom (Byzanz) und Persien waren vom langen Krieg gegeneinander vollkommen erschöpft. Seit 540 hatte es nur gut 20 Jahre lang Frieden zwischen den beiden Mächten gegeben, im letzten Krieg hatten die Sassaniden die Römer an den Rand des Untergangs gebracht (siehe auch Römisch-Persische Kriege). Die oströmische Armee war nach den langen Kriegen gegen die Perser aus finanziellen Gründen demobilisiert worden und benötigte eine lange Vorlaufzeit, um wieder aktiviert zu werden. Das Sassanidenreich war derweil wohl weniger durch die Kämpfe mit den Römern als vor allem durch die seit 628 tobenden Bürgerkriege geschwächt; der große persische Sieg in der Schlacht an der Brücke 634 illustriert, dass man den Muslimen militärisch durchaus gewachsen gewesen wäre, wenn es Yazdegerd III. gelungen wäre, sein Reich im Inneren zu befrieden. Stattdessen aber liefen viele persische Magnaten zu den Angreifern über.

Ohnehin scheinen wirtschaftliche Erwägungen (wie die Handelsinteressen der Quraisch) eine wichtigere Rolle gespielt zu haben als oft unterstellte religiöse Erwägungen. Des Weiteren ist in den Quellen belegt, dass Verbände militärisch gut geschulter christlicher Araber teils zu den muslimischen Eroberern überliefen; nicht aus religiösen Motiven, sondern weil die bisherigen Zahlungen Ostroms und Persiens weitgehend weggebrochen waren. Religiöse Motive sollten daher auch nicht überbetont werden. Erst spätere Quellen berichten von Versuchen, die Bevölkerung der unterworfenen Gebiete zum Islam zu bekehren; wahrscheinlich wird dabei eine spätere Entwicklung bereits auf die Frühzeit projiziert. Als schließlich viele Christen, Juden und Zoroastrier konvertierten, brachten sie ihre Vorstellungen und Praktiken in die neue Religion mit ein.

In der neuesten Forschung wird teils die Position vertreten, bei der frühen Islamischen Expansion habe es sich weniger um eine Invasion als vielmehr um einen Aufstand gehandelt, da die meisten Araber zuvor unter direkter oder indirekter römischer und persischer Herrschaft gestanden hatten und es nun unternommen hätten, sich die Macht und den Reichtum ihrer bisherigen Herren gewaltsam anzueignen. Aus diesem Grund hätten sie anfangs keinen Anlass gehabt, etwas an den bestehenden Strukturen zu ändern. Dies wiederum dürfte es den Bewohnern der eroberten Gebiete erleichtert haben, die neuen Herren zu akzeptieren, die anfangs nur eine winzige Minderheit darstellten.